Donnerstag, April 05, 2012

Wie das Magazin "Chrismon" Gewaltopfer verhöhnt (und zur Gewaltspirale beiträgt)

Über die letzten Jahrzehnte hinweg hat die Männerrechtsbewegung beharrlich immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass hunderten von internationalen Untersuchungen zufolge häusliche Gewalt zu mindestens dem gleichen Ausmaß von Frauen ausgeht wie von Männern. Die bisher von Ideologinnen gefahrene Strategie, so zu tun, als ob häusliche Gewalt "Männergewalt" wäre (und damit ein Zeichen "patriarchaler Unterdrückung der Frau in unserer Gesellschaft insgesamt"), lässt sich deshalb immer schwerer aufrechterhalten.

Zu einer neuen Strategie gegen diese Aufklärung holt derzeit das evangelische Magazin "Chrismon" aus, das etlichen führenden Tageszeitungen beigelegt ist und dadurch eine Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren erreicht. Zu seiner Redaktion gehören mehrere eingefleischte Feministinnen, die früher beispielsweise für die "taz" und die EMMA gearbeitet haben. Insofern findet man in Chrismon schon seit einiger Zeit Beiträge, die Männer – beispielsweise als arrogante Affenhorde – liebend gerne herabsetzen. In der Regel lässt man solchen Müll schlicht in den Papierkorb wandern. Eine Reihe von Beiträgen zum Thema häuslicher Gewalt, die "Chrismon" aktuell veröffentlicht, ist jedoch so skandalös und dermaßen verantwortungslos, dass man es sich damit nicht mehr so einfach machen kann.

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Dienstag, März 27, 2012

Tina Groll & Co.: Welche Journalisten auf die "Rosenbrock-Expertise" hereingefallen sind und wie Rechtsextreme davon profitieren

Die Resonanz der von Ilse Lenz und Hinrich Rosenbrock für die Heinrich-Böll-Stiftung verfassten Kampfschrift, die zwanghaft versuchte, weite Teile der Männerbewegung mit dem Lager der radikalen Rechten zusammenzubringen, war vernichtend. Vor allem in Fachkreisen gab es ein ungläubiges Kopfschütteln darüber, was der Öffentlichkeit da allen Ernstes als "wissenschaftliche Untersuchung" angedreht werden sollte.

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Mittwoch, August 26, 2009

Männer arbeiten mehr als Frauen

Eine Studie des Schweizer Bundesamtes für Statistik über Veränderungen beim Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit 1997- 2007 gelangte zu einer Erkenntnis, die das ständige Gejammer über die besonders von der Doppelbelastung betroffenen Frauen Lügen straft:

Nimmt man die berufliche Erwerbsarbeit hinzu, so arbeiteten Väter mit Kleinkindern 2007 insgesamt am Arbeitsplatz und zu Hause 73 Stunden pro Woche (…). Bei den Müttern mit Kleinkindern wuchs die gesamte Arbeitsbelastung für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit (…) auf 71 Wochenstunden.


Solche Meldungen stellen unsere Medien immer wieder vor ein Problem. Wie sollen sie solche Nachrichten präsentieren, ohne zugleich der Ideologie von der ewig ausgebeuteten und zu kurz kommenden Frau und dem ewig ausbeutenden, patriarchalen Pascha untreu zu werden? Schließlich haben sich praktisch alle Journalisten dem Verbreiten dieser Ideologie als oberstem Arbeitsauftrag verpflichtet. Wie berichtet man also wahrheitsgemäß über die Erkenntnisse einer solchen Studie, ohne das beliebte Frauen-Bemitleiden zu vernachlässigen?

Der Schweizer "Tages-Anzeiger" hat für dieses Problem eine elegante Lösung gefunden.

Und nach dem Motto "Garbage in, Garbage out" findet man hier einen der Kommentare, zu dem diese irrwitzige Berichterstattung regelmäßig führt.

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Donnerstag, Juli 30, 2009

"Das Zuhause, ein gefährlicher Ort für Frauen"

Kerstin Artus, frauenpolitische Sprecherin der Linken und Journalistin, hat es irgendwie geschafft, einen Artikel in der "Welt" zu veröffentlichen. Ein Auszug:

Der Bremer Soziologe Gerhard Amendt forderte am 16. Juni auf WELT ONLINE die Abschaffung von Frauenhäusern. Er unterstellte den Mitarbeiterinnen antipatriarchale Kampfrhetorik und Unprofessionalität. Er warf den Sozialpädagoginnen und Psychologinnen vor, sie seien unausgebildet und würden Scheidungskonflikte verschärfen. Er unterschlug, dass der Weg ins Frauenhaus ein verzweifelter Schritt nach oft jahrelangen Demütigungen und Misshandlungen ist, und redete verharmlosend von „Sprachstörungen unter den Partnern“ und „Familienkrisen“.

Amendt relativiert Männergewalt trivial und unwissenschaftlich: Es gäbe auch gewalttätige Partnerinnen. Doch auch damit greift seine Hatz zu kurz. Die Berliner Soziologin Barbara Kavemann hingegen benennt die Unterschiede: Frauen schlagen aus Notwehr zurück oder aber, um etwas zu erreichen. Nicht aber aufgrund von Macht- und Kontrollverlust.


Wenn jemand derart offenkundig so überhaupt keine Ahnung von einem Thema hat, warum muss sie dann Zeitungsartikel darüber schreiben? Schreibe ich über den Klimawandel, unser Gesundheitssystem oder die ethnischen Konflikte in Burundi? Schadet es etwas, sich erst über ein Thema zu informieren und dann eine eigene Position dazu finden, statt erst mal eine Ideologie auszuwählen und sich dann die Rhetorik so zurechtzubiegen, dass sie dazu passt? Jemand, dessen Physikkentnisse auf dem Stand der achten Klasse stehengeblieben sind, käme nie auf den Gedanken, gegen einen Professor für Astrophysik mit diesem bruchstückhaften Wissen andiskutieren und ihn als "unwissenschaftlich" abzukanzeln – in der Geschlechterthematik macht frau das wie selbstverständlich. Und eine große deutsche Zeitung druckt den Quatsch. Ehrlich, mir fällt zu so einer Nummer nichts mehr ein.

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Freitag, Juli 24, 2009

"Die Zeit": Wirtschaftskrise ist eine Männerkrise

Das Positive: "Die Zeit" hat kapiert, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise sehr einseitig zu Lasten der Männer geht.

Während die Arbeitslosigkeit der Frauen in Deutschland weiter sinkt, ist die der Männer in den vergangenen Monaten um steile 17 Prozent gestiegen. An den Werkbänken von ThyssenKrupp, Bosch und Daimler ist die Jagd unterbrochen – nach dem nächsten Exportrekord, nach der Eroberung des nächsten Marktes, nach der Entwicklung noch schnellerer, stärkerer Autos. Millionen Männer in den Industrieländern haben ihren Job verloren, in Deutschland geht die Zahl erst in die Hunderttausende, weil mehr als eine Million noch in der Kurzarbeit überdauert und hofft, bald wieder gebraucht zu werden. Aber ist die Jagd nur unterbrochen? Oder ist sie zu Ende?


Das Negative: All das bringt "Die Zeit" natürlich nicht davon ab, ihren Artikel weiter tüchtig mit männerfeindlichen Klischees vollzurümpeln. Ob davon die Rede ist, dass die Männer "jetzt" (!) den Müll rausbrächten und einkaufen gingen, oder ob, wie eigentlich bei jedem Problem, die Männer mal wieder an allem schuld sind:

Denn wer hat die Krise angerichtet? Ein Blick auf die Vorstandsetagen zeigt: Vor allem Männer haben an den internationalen Finanzplätzen gezockt, haben in der Bankenaufsicht nicht genau hingeschaut, haben PS-Boliden gebaut, als sei Benzin ein nachwachsender Rohstoff. Männer saßen in den Anhörungen des amerikanischen Kongresses und mussten beichten, dass sie es so weit hatten kommen lassen. Von Männern geführte Banken wurden verstaatlicht. Klaus Schwab, der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos, zieht daraus den Schluss: »Mehr Frauen müssen in Führungspositionen in Regierungen und Banken, um künftig solche Krisen abzuwehren.«

Hätten Frauen mitentscheiden können, so lautet der Umkehrschluss, hätten sie die Weltwirtschaftskrise mildern, wenn nicht gar verhindern können. Weil sie vorsichtiger sind und anders mit Risiken umgehen. Dermaßen verallgemeinert, ist auch das ein Vorurteil. Allerdings liefern Studien wie etwa die des Forschungsinstituts The Conference Board of Canada seit Längerem Hinweise darauf, dass weibliche Aufsichtsräte an Prüfberichten, Risikomanagement und anderen Kontrollmechanismen tatsächlich interessierter sind und diese konsequenter einfordern als viele Männer. Und so fragt die Washington Post, fragt die Unternehmensberatung Boston Consulting, fragen Parlamentarier im britischen Unterhaus: War es das viele Testosteron? Schadet so viel Männlichkeit der Wirtschaft? Der Umwelt? Der Welt?


Die Autoren des Artikels (zwei Frauen, ein Pudel) steigern sich in eine Männerfeindlichkeit hinein, die man sonst selbst heutzutage nur in der "Emma" findet. Dabei wird die gegenwärtige Wirtschaftskrise nur als günstige Entwicklung dazu genutzt, die Geschichte vom "Untergang der Männer" ein weiteres Mal wiederzukäuen, nachdem dies in den letzten 20 Jahren auch ohne Wirtschaftskrise schon zigfach geschehen ist. Dass allerdings auch die höherwertigen Frauen diese Wirtschaftskrise nicht verhindert haben, weil sie es trotz zig Fördermaßnahmen nicht in jene Etagen schafften, wo dies möglich gewesen wäre, diese Verantwortung und diese 70-Stunden-Wochen offenbar auch gar nicht stemmen wollten - kein Wort davon in der "Zeit".

Auch von der Benachteiligung der Jungen im deutschen Schulsystem hat man in Deutschlands Intellektuellen-Zeitung Nummer Eins noch nie gehört:

Fleiß ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Frauen so klar Bildungsgewinnerinnen geworden sind.

56,3 Prozent aller bestandenen Abiturprüfungen 2007 – abgelegt von Mädchen.

52,2 Prozent der Diplomprüfungen 2007: bestanden von Frauen.


Hier findet man die vollständige Katastrophe.

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Samstag, Juli 11, 2009

"Wozu sind eigentlich Frauen gut?"

Nachdem diese Woche erstmals Spermien aus Stammzellen gezüchtet werden konnten, suhlt sich nicht nur der Boulevard , sondern auch vermeintliche "Qualitätsmedien" wie der "Tagesspiegel" im trendigen Geplapper über das "unnötige Geschlecht" Mann. "Der Feminismus hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet", kommentiert dies das Schwulenblog Gay West:

Auf die Idee, dass wenn man Samenzellen künstlich gewinnen kann, dies schlussendlich auch bei Eizellen funktionieren muss, auf diese Idee, scheint Herr Kupferschmidt überhaupt nicht zu kommen. Mehr noch: Selbst wenn er auf diese Idee gekommen wäre, würde er auf dieser Grundlage niemals die Nutzlosigkeit der Frau an die Wand malen. Das wäre nämlich unsensibel und voll menschenfeindlich. Als Konsequenz würde die "Emma" zum Boykott des "Tagesspiegel" aufrufen und allerlei Frauen würden sich bitter über diesen "Sexismus" beklagen.

Dies alles gilt aber natürlich nicht, wenn Männer im Spiel sind. Denn dass diese überflüssig, unnütz und ein Fehler der Natur seien, all dies kann man heutzutage ohne Gewissensbisse am Cafétisch beim Latte Macchiato mit der gebildeten "Vogue"-Leserin diskutieren, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, zu wenig Tassen im Schrank zu haben.

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Montag, April 20, 2009

ARD versucht zu kontern: "Starke Frauen verärgern Männer"

Wenn man nach dem von zig Medien abgeschriebenen SPIEGEL-Beitrag über die Proteste gegen die Männerhass-Reklame zur neuen ARD-Serie geht, handelt es sich um nur eine Handvoll von Beschwerden – und die von Leuten, die anscheinend sowieso nicht alle auf dem Trichter haben. Um so interessanter ist, dass die ARD jetzt auf WDR 4 zum Gegenangriff übergeht.

Doch schon vor Ausstrahlung der ersten Folge hat der deutsche Werberat Beschwerden von Männern vorliegen, die doch noch gar nicht wissen können, was auf dem Bildschirm gezeigt wird. (…) War nicht viel zu häufig gähnend-gockelhaftes Getue angesagt? Die meisten Menschen wollen heutzutage lieber starke Frauen sehen im Programm - gerne sexy, am liebsten selbstbestimmt. "Endlich" möchte man rufen! Und muss doch wieder innehalten: noch vor der ersten Folge hat es beim Deutschen Werberat Beschwerden gegeben: man(n) fühlte sich diskriminiert. Der Untertitel "Frauen können's besser" mache aus ihm einen Gockel und Versager - war sich ein Mann nicht zu blöd der ARD-Zuschauerredaktion nach dem Werbetrailer zu senden. "Als Geschlecht diskriminiert" schrieb ein anderer an den Werberat!


Nein, Liebes, nicht der Untertitel der Serie unterstellt Männern, Gockel und Versager zu sein, sondern deren explizite Beschimpfung als "Gockel" und "Versager" in der ARD-Reklame. Offenbar darf man von den Frauen in der ARD nicht einmal erwarten, dass sie wissen, worüber sie eigentlich ihre Beiträge schreiben – klar, dass da die Sehnsucht nach kompetenten Frauen in den Traumwelten der Vorabend-Soaps um so größer ist. Wäre es ein Deutschaufsatz, erhielte Anne Siegels Beitrag die Note: "Thema verfehlt. Ungenügend." Aber wie man sieht: Für das Hause Herres reicht das dicke.

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"Frankfurter Rundschau" und Co. amüsieren sich über gekränkte Männer

Zumindest in der politisch links stehenden Presse wird derzeit der Versuch weiter vorangetrieben, die Proteste gegen die männerfeindlichen Beschimpfungen im Umfeld der ARD-Serie "Eine für alle" so zu drehen, als seien die entsprechenden Männer lediglich von der Vorstellung einer Frau als Schweißerin überfordert. So fabuliert Sylvia Staude:

"Eine für alle - Frauen können's besser" hat die ARD eine am heutigen Montag startende Vorabendserie genannt (dazu auf der Medien-Seite mehr), in der eine Schweißerin die Hauptrolle spielt. Das geht den Herren der Fernbedienung an die Ehre: Einer fühlt sich schon deswegen sexuell diskriminiert, weil Schweißer ein typisch männlicher Beruf sei (der Mann und sein Feuerstrahl). Ein anderer, der sich bei der ARD meldete, sieht seine Menschenwürde verletzt. Bald wird vermutlich eine Klage eingehen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Eine Frau am Schweißgerät, eine Frau, die ES laut Untertitel auch noch besser kann - das ist nur zu vergleichen mit Praktiken wie dem Waterboarding.


Wie wir es aus den deutschen Medien zunehmend kennen, scheint auch Sylvia Staude jegliche eigene Recherche, die über ein Überfliegen des Artikels im aktuellen SPIEGEL hinausging, lieber unterlassen zu haben. In mehreren Threads des ARD-Serienforums stellen die Protestierenden ausdrücklich klar, wogegen sich ihre Kritik richtet.

Eine Recherche über Google-News ergibt, dass die neue ARD-Serie wegen ihrer ideologischen Korrektheit in etlichen Zeitungsartikeln bundesweit beworben wird. Wie man es von ihr erwarten durfte, feiert etwa die "Süddeutsche Zeitung" bei Männern ausgelöste Kränkungen als Erfolg:

Die Frau hinter dem risikobelasteten Entwurf - 200 Folgen wurden bestellt - ist die Spielfilmverantwortliche des Bayerischen Rundfunks, Bettina Reitz. (…) Einen ersten Etappensieg hat sie errungen. Beim deutschen Werberat ging die Beschwerde eines Mannes ein, der sich durch den Slogan "Frauen können"s beser" sexuell diskriminiert fühlt. Aber das ist wohl heher einer wie keiner.


Während also die Anliegen von Männern immerhin nicht mehr ignoriert werden können, scheinen es die Leitmedien inzwischen als ihre Aufgabe zu betrachten, so darüber zu berichten, dass diese Anliegen möglichst lächerlich und absurd erscheinen. Das ist allerdings eine Entwicklung, die auch die ganz frühe Frauenbewegung durchmachte, wodurch ihr Erfolg aber lediglich aufgeschoben und nicht verhindert werden konnte.

Die Häme darüber, mal wieder den Männern eine reingehauen zu haben, bleibt derzeit aber das einzige, mit dem die neue Serie beworben werden kann. Auch einer weiteren Vorab-Kritik zufolge ist Volker Herres neues "Glanzstück" genauso dümmlich wie die begleitende Reklame:

„Eine für alle“ ist eine Dramady, eine Mischung aus Drama und Komödie. Aber leider erreicht die Story keines von beidem: Die Geschichten um die vier Freundinnen rühren nicht wirklich an und beim lauten Lachen erwischt man sich selten. Vor allem in Sachen Witz und Originalität unterscheidet sich „Eine für alle“ eindeutig von Serien wie „Türkisch für Anfänger“ und „Berlin, Berlin“, die auf dem gleichen Sendeplatz liefen und mit ihrem besonderen Charme und gutem Timing vor allem die Kritiker begeisterten. (…)

Auch die Schauspieler – allen voran Katharia Kaali („Türkisch für Anfänger“) verkörpern ihre Rollen zwar durchaus sympathisch, sind jedoch, wie es sich für eine soap-gemäße Darstellung gehört, überspitzt und mit wenig Tiefe angelegt. (…) Dazu kommen ein paar nette Familienväter, zickige Teenies, ein kalter Geschäftsmann, eine machtgeile Karriere-Tussi und ein fieser Macho („Schnecke, dafür bin ich einfach nicht geschaffen“), der sich zunächst noch nicht so recht entscheiden kann, auf wessen Seite er stehen will. Nichts neues also.


Ein Fazit, das man auch zu dem aktuellen Männerbashing unserer Leitmedien ziehen kann.

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Freitag, April 17, 2009

Steckt Irrsinn an?

Vielleicht sollte man unsere Journalistinnen wenigstens für die Konsequenz bewundern, mit der sie die tatsächlich vorliegenden Fakten komplett ignorieren. So lässt sich Natalie Soondrum in der aktuellen "Frankfurter Rundschau" von Alice Schwarzer bei deren Flucht aus der Wirklichkeit mitreißen. Aber immerhin wählt sie den passenden Popsong dazu: "Confusion in her eyes that says it all …"

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Montag, April 13, 2009

"Das vergessene Geschlecht"

Auch SPIEGEL-Online hat die Jungenkrise entdeckt. Der zuständige Journalist Henning Engeln kommt aber weder an dem wohl überstrapaziertesten Sprachklischee dieses Jahrzehnts vorbei, noch daran, die aktuelle Debatte in die altbekannten Strukturen von minderwertigen Männern und unterdrückten Frauen zu zwängen. Zwei der schönsten Passagen des SPIEGEL-Artikels:

Hat sich die Gesellschaft zu sehr auf die Förderung von Mädchen konzentriert und dabei die Jungen vergessen? Oder berührt das Problem viel grundsätzlichere Fragen? Denn das, was einst als typisch männlich galt, scheint heute nicht mehr zeitgemäß zu sein - weil sich die Gesellschaft gewandelt hat. Vielleicht ist das früher "starke" Geschlecht einfach nicht flexibel genug, um sich an die moderne Welt anzupassen. Mehr noch: Womöglich sind Männer aufgrund ihrer archaischen biologischen Ausstattung dazu gar nicht in der Lage. Dann wären sie sozusagen ein Auslaufmodell. (…) Sind die Frauen also in modernen Zeiten die überlegene Variante des Homo sapiens? Können sie nun ihre Qualitäten ausspielen, nachdem die Jahrtausende währende Unterdrückung durch die Männer fast vollständig überwunden ist? (…)

Bei allen Schwierigkeiten der kleinen Männer darf ohnehin eines nicht vergessen werden: Frauen sind längst nicht überall im Vorteil, vor allem nicht später im Leben. So haben fünf Jahre nach Beendigung des Studiums mehr Männer als Frauen eine Arbeitsstelle, obwohl anfangs mehr Studentinnen als Studenten an den Start gingen. Und der weibliche Anteil bei den erfolgreichen Promotionen liegt deutlich unter 50 Prozent. Auch wenn es ums Geld geht, herrscht noch lange keine Gleichheit: Im Jahr 2005 verdienten weibliche Angestellte durchschnittlich 29 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Selbst für vergleichbare Tätigkeiten bekamen Frauen ein um 17 Prozent geringeres Gehalt als Männer. Klaudia Schultheis formuliert es so: "Wenn Jungen die Schule erst einmal durchlaufen haben, stellen sich ihnen keine Probleme mehr."


Den Quatsch aus dem letzten Absatz lasse ich mal unkommentiert stehen; dazu habe ich andernorts schon sehr viel geschrieben. Das eigentlich Faszinierende an diesem Artikel ist, dass er trotz seiner endlosen Geschwätzigkeit die wichtigsten aktuellen Erkenntnisse konsequent ausblendet – zum Beispiel, dass es keine private Spekulation ist, wenn ein Entwicklungspsychologe wie Wassilios Fthenakis davon spricht, dass Jungen für die gleiche Leistung schlechtere Noten erhalten, sondern dieses seit über zehn Jahren in verschiedenen Studien (LAU, IGLU) erwiesen wurde. Hier traut sich Henning Engeln eins ums andere Male nicht, die Fakten klar zu nennen, sondern versteckt sich hinter vermutendem Geraune und würzt seinen Sermon ordentlich mit misandrischen Versatzstücken. Aber vielleicht ist soviel ideologische Anbiederung ja nötig, um auf SPIEGEL-Online überhaupt zur Jungenkrise schreiben zu dürfen.

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Montag, März 16, 2009

"Ego-Shooter wie World of Warcraft"

Wenn es ein Beispiel dafür gibt, dass sich etliche Journalisten auch nach dem Amoklauf von Winnenden bestenfalls zum Schein dafür interessieren, was unsere Jungen so treiben und was nicht, dann ist es die aktuelle Debatte über "Killerspiele". Diese Diskussion kann ich zwar unmöglich auch noch vollumfassend in diesem Blog unterbringen, aber es reicht ja auch ein einziger taz-Artikel zur Veranschaulichung: "World of Bullshit".

Hübsch ist allerdings auch der Beitrag "Gibt es noch recherchierende Journalisten?", wo auch Alice Schwarzer noch mal ihr Fett abbekommt. Kein Wunder, dass Spötter ihr Blatt inzwischen "Omma" nennen - zur Lebensrealität junger Menschen herrscht da doch eine enorme Kluft.

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Dienstag, Februar 17, 2009

Schweizer "Tagesanzeiger" spielt Gewalt gegen Männer herunter

Zuerst die gute Nachricht: Die aktuelle britische Studie über männliche Opfer von häuslicher Gewalt machte es für den Schweizer "Tagesanzeiger" offenbar erforderlich, sich damit auseinanderzusetzen. Erfreulicherweise verrät schon die Überschrift, dass es bei häuslicher Gewalt gegen Männer eine hohe Dunkelziffer gibt. Die schlechte Nachricht: Der Artikel selbst suggeriert entweder durch die bewusste Auswahl der angeführten Argumente oder durch schlichte Unkenntnis, dass man über Gewalt gegen Männer kaum etwas wisse und sie vermutlich zu vernachlässigen sei.

So wird der Eindruck erweckt, Frauen würden nur deshalb in gleichem Ausmaß wie Männer als Täter erfasst, weil die britische Studie auch seelische Gewalt umfasse:

Während Frauen häufiger und wiederholt Opfer von physischer Gewalt würden, seien Männer eher Opfer emotionaler Gewalt.


Das trifft allerdings nicht zu. Bei der akademischen Forschungsliteratur zu diesem Thema geht es regelmäßig auch und vor allem um körperliche Gewalterfahrungen. So gelangte Bastian Schwithal bei seiner Dissertation "Weibliche Gewalt in Partnerschaften", für die er dreihundert internationale Studien zu diesem Problem auswertete, unter anderem zu folgenden Ergebnissen:
– Frauen wenden genauso häufig oder häufiger emotionale und körperliche Gewalt gegen ihren Partner an.
– Auch in Fällen schwerer Gewalt ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen.
– Frauen setzen Gewalt überwiegend zum Angriff statt zur Verteidigung ein.
– Medien und Informationspolitik der Regierungen tragen zu einem völlig verzerrten Bild der Opfer- und Täterrollen von Männern und Frauen bei.

Womit wir wieder beim "Tagesanzeiger" wären. Der findet natürlich schnell eine feministisch orientierte Männergruppe, deren Sprecher die britischen Forschungsergebnisse zunächst halbherzig in Zweifel zieht und schließlich klipp und klar bestreitet:

Beim Mannebüro Zürich ist man sich der Problematik der Männer als Opfer durchaus bewusst. Martin Bachmann zeigt sich den britischen Zahlen gegenüber jedoch skeptisch. «Ein ähnlicher Trend ist im Kanton Zürich nicht feststellbar. Dies mag allenfalls daran liegen, dass sich betroffene Männer ungern als Opfer darstellen. Denn die Opferrolle passt einfach nicht zum gängigen Selbstkonstrukt Mann.» Auch die Aufteilung der Gewaltformen auf die beiden Geschlechter hinterfragt Bachmann. «Körperverletzende Tätlichkeiten gehen eindeutig häufiger von Männern aus. Ob diese durch die psychische Gewalt von Frauen aufgehoben wird, glaube ich nicht. Denn auch Männer können in einer Krise ganz schön fies sein.»


Gestützt wird Bachmanns abenteuerliches "eindeutig", allen Forschungsergebnissen zum Trotz, allein durch die unterschiedliche Anzeigenhäufigkeit der beiden Geschlechter:

Für Heinz Mora, Leiter der Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Zürich ist ein Trend wie in England in Zürich ebenfalls nicht erkennbar. «In Zürich sind noch immer Frauen viel häufiger die Opfer.» Zwar meldeten sich auch ab und zu Männer, doch seien diese deutlich in der Minderzahl. «Die Dunkelziffer bei Fällen von häuslicher Gewalt ist allerdings hoch», so Mora. Ob sie bei Männern höher als bei Frauen ist, könne jedoch nicht erfasst werden.


Auch das ist falsch. Dass die Dunkelziffer bei Männern um ein Vielfaches höher ist als bei Frauen konnte durch hunderte internationale, auch deutschsprachige Studien zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Immerhin gibt es auf diesen Artikel, der dazu dienen kann, sexistische Vorurteile festzuschreiben und Täterinnen reinzuwaschen, eine starke Resonanz an Einwänden von Lesern. Um nur drei beispielhaft zu zitieren:

Auf das Urteil vom Mannebüro Züri würde ich nicht viel geben - das ist eine Gender-Hochburg, die als eine Art Fortsetzung des ideologischen Feminismus mit anderen Mitteln betrachtet werden muss. Daher auch das "Selbstkonstrukt Mann" als Erklärung im Artikel. Mannschafft.ch ist da schon wesentlich objektiver. Man sollte genau darauf achten, wer die Männer vertritt: Nicht alle verfolgen hehre Ziele!


Auch bei mir ist die Ex schon mit dem Messer vor mir gestanden, flogen Aschenbecher am Kopf auseinander etc. Klar ist oft der Mann kräftemässig haushoch überlegen, auch in meinem Fall. Aber was hätte ich tun sollen? Sie über den Balkon werfen? So einfach ist das ja nicht, und deshalb wohl die "Dunkelziffer". Eine enorm teure Scheidung war dann die Lösung. Und so erging es einigen Kollegen von mir.


Einmal mehr bestätigt sich, dass die KaPo ZH weibliche Gewalt systematisch verharmlost; sie sogar ins Gegenteil verdreht. Es gibt sehr viele Männer, deren Strafanzeigen gegen ihre Partnerinnen auf dem Polizeiposten nicht angenommen werden. Häufig werden sie von Opfern zu Tätern gemacht, aus der Wohnung geworfen und von ihren Kindern getrennt. Der Staat führt einen Krieg gegen Männer, und alle schauen zu.

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Freitag, Januar 02, 2009

Frauen sind bessere Menschen, Folge 429.387 – Heute: Serienmörderinnen

Wer das letzte Jahr über dachte, das Frauen-sind-bessere-Menschen-Geplapper sei inzwischen so absurd, dass es sich nicht mehr steigern ließe, wird heute vom Eichborn-Verlag und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eines besseren belehrt:

Der Leser erfährt die wesentlichen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Serienmörder(inne)n: männliche Serientäter töteten überwiegend fremde Opfer, Frauen hingegen Kinder sowie Frauen und Männer, die ihnen nahestanden, die sie kannten, für die sie sorgen sollten. Serienmörderinnen waren seltener vorbestraft, kamen häufiger aus intakten Familien, waren sozial besser integriert, öfter verheiratet - oder dann verwitwet - und bei der ersten Tat im Durchschnitt zweiunddreißig Jahre alt. Sie konnten sich dem Zugriff der Ermittler im Schnitt sechseinhalb Jahre entziehen, männliche Serienmörder hingegen nur zweieinhalb Jahre. (...)

„Während Männer größtenteils morden, um ihre Opfer auf unterschiedlichste Weise zu beherrschen und zu vernichten, töten Frauen, um sich nicht beherrschen und vernichten zu lassen. Während der männliche Serientäter Grenzen überschreitet, versucht sein weibliches Pendant, Grenzen zu ziehen und zu erhalten.“ Es gehe bei den Frauen vornehmlich um „Selbstschutz, Selbstachtung, Selbsterhaltung“. Korrekt gegendert: Die weibliche Serienmörderin hat edlere Motive als ihr männliches Pendant.


Dieselbe Rhetorik, die man schon aus dem Bereich "häusliche Gewalt" kannte, wird hier zu einem irrwirtigen Höhepunkt gebracht: Auch Serienmörderinnen handeln letztlich nur aus Selbstverteidigung heraus und sind so vermutlich wahre Kämpferinnen gegen die Unterdrückung der Frau. Vermutlich ist es in unserer perversen Gesellschaft nur eine Frage der Zeit, bis Alice Schwarzer deshalb für diese Frauen Straffreiheit fordert und Horst Köhler über ein Bundesverdienstkreuz für ihren unermüdlichen Einsatz nachdenkt.

Für die Heiligsprechung der Serienmörderinnen durch die FAZ gibt es bereits die ersten Leserkommentare.

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Montag, Dezember 29, 2008

Israel in Gaza: "tote Frauen und Kinder"

Israels Luftangriffe auf den Gaza-Streifen (nach beharrlichem Raketenbeschuss Israels durch die Hamas) lassen derzeit mal wieder ein beliebtes Medienphänomen zutage treten.

So schreibt etwa der Schweizer "Blick":

Bislang wurden mehr als 300 Menschen getötet – darunter auch mindestens 20 Frauen und neun Kinder.


Wenn man nachrechnet, kommt man also auf ca. 270 getötete Männer, deren Leben aber offenbar nicht wertvoll genug ist, als dass man dessen Verlust eigens erwähnen müsste. Im Text ist gar die Rede von "mindestens 20 Kindern, 9 Frauen und 60 weiteren Zivilisten". (Hm, wie nennt man dieses Kroppzeug doch gleich, das weder Frauen noch Kinder sind ..?)

Tobias Kaufmann formuliert es auch sehr schön:

Israel ist am Wochenende aktiv in einen Krieg eingetreten, den es militärisch nur vielleicht, moralisch aber auf keinen Fall gewinnen kann. Denn es wird Opfer geben, die es nicht geben darf: Frauen, Kinder, Zivilisten.


Und der FOCUS schreibt:

Israel trifft nicht nur die Hamas, sondern auch unschuldige Frauen und Kinder.


Sind die getöteten Männer alle bei der Hamas? Oder anderweitig "schuldig", weil sie eben Männer sind?

Mit ähnlichen Zitaten könnte man heute lange, lange weitermachen …

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Montag, Dezember 22, 2008

Mutterschaft und Karriere schwer vereinbar? Absurd!

Die Meinungsmanipulation der Medien war früher auch schon mal subtiler … Wie nämlich betitelt es eine Zeitung, wenn eine Frau demselben Rollenverständnis anhängt wie etliche anderen Frauen und Männer, das aber in unseren Medien gerade gar nicht als ideologisch korrekt gilt? Mit Neues aus Absurdistan.

Die "absurde" Meinung der zitierten Dame, die übrigens auch von Kinderpsychologen wie Prof. Wolfgang Bergmann geteilt wird, ist diese:

Für Frauen, die Karriere machen, zeigt die Gräfin (…) wenig Verständnis: "Was haben wir denn davon? Überlaufene Kindergärten, Internate, ja, selbst schon Säuglingshorte! Den meisten Kindern heute fehlt die Mutter. Ich kann heulen, wenn ich das sehe. Und am Ende rennt alles zum Psychiater, weil alle leiden."


Nee, solche Diskussionen würgt man am besten von vorneherein ab, bevor noch jemand beginnt, sich damit gedanklich auseinanderzusetzen.

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Freitag, September 19, 2008

Kölner "Express" amüsiert sich über versuchte Vergewaltigung eines Mannes

"Schwupps, war die Hose unten und die Action ging los" – mit Formulierungen, die bei einem weiblichen Opfer undenkbar wären, erheitert sich der Kölner "Express" über eine versuchte Vergewaltigung.

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Montag, August 04, 2008

Frauen sind die besseren Menschen Folge 329.578 – Heute: Freierinnen

Bei der "Frankfurter Rundschau" dürfen heute offenbar wieder die Praktikanten schreiben. Um diesen Eindruck zu erlangen, genügt schon ein Blick in diesen Artikel, wo einem Wörter wie "Mund-zu-Mund-Propaganda" entgegenpurzeln. (Es gibt die Wörter "Mundpropaganda" und "Mund-zu-Mund-Beatmung", aber "Mund-zu-Mund-Propaganda" ist eine etwas kuriose Vorstellung.) Wer allerdings schon bei der Wortbildung versagt, ist von einem kompletten Artikel gleich ganz überfordert: Während wir früher ständig gehört haben, dass Männer, die Prostituierte aufsuchen, Schweine sind, schwadroniert heute Rathgeb, dass wenn Frauen Callboys aufsuchen ... deren Männer Schweine sind, denn die haben sie offenbar durch fehlende Zärtlichkeit dazu getrieben. Da es die "Frankfurter Rundschau" ist, wird Rathgeb es dort mit dieser Logik noch weit bringen. Für alle, die beim Lesen das Gehirn lieber eingeschaltet lassen, zerlegt Andreas K. den Artikel im Forum von MANNdat.

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Mittwoch, Juli 23, 2008

"Der unterdrückte Mann"

Man muss es von Anfang an betonen: Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" glänzen normalerweise mit seriösen, lesenswerten und durchdachten Artikeln. Wie ein Fremdkörper macht sich deshalb in der heute erschienenen Ausgabe eine, naja, "Rezension" des aktuellen Walter-Hollstein-Buches aus, von dem Rezensent schlicht inhaltlich überfordert zu sein scheint, weshalb er stattdessen wohl lieber eine Polemik geschrieben hat. Schon sobald vom "Jammerton des unterdrückten Mannes" die Rede ist, weiß man als Leser, wohin die Reise geht. Zum Beispiel zu Absätzen wie diesen:

Es gibt zu viel Lehrerinnen und zu wenig Lehrer, es gäbe mehr weibliche Studierende, dafür aber mehr männliche Arbeitslose, Männer, insbesondere junge, seien häufiger Opfer von Gewalt, und all das nur, wie Hollstein in seinem neuen Buch zustimmend zitiert, wegen einer "lesbisch-feministischen Kaderpolitik".

Wer denkfaul genug ist, wird dem Autor staunend zustimmen. Doch wer Statistiken zu Ende liest, dem wird Offenbarung zuteil. Schon in den Gymnasien schwindet die weibliche Lehrer-Dominanz, über 80 Prozent der Professoren sind männlich, und weibliche Universitäts-Rektoren und Präsidenten kann man nach wie vor mit der Lupe suchen.

Der tragischste Tunnelblick Hollsteins ist der auf die Arbeitslosenstatistik: Da Männer immer noch den größten Anteil der Beschäftigten ausmachen, ist es ganz sicher keine Folge einer Geschlechterpolitik, dass sie auch mehr Arbeitslose stellen. Eine solch schludrige Arbeit sollte einem Professor für Politische Soziologie eigentlich nicht unterlaufen. Und auch nicht die Unterschlagung des hohen Frauenanteils der Niedriglohnempfänger.


Eines muss man dieser ... originellen Wiedergabe und Replik zu Hollsteins Buch lassen: Man weiß nicht ganz, wo man überhaupt damit anfangen soll, dieses gedankliche Wirrwarr aufzulösen. Beschränken wir uns einmal auf die ganz groben Züge: Statt zu hämen, hätte Uli Gellermann vielleicht ein paar Sekunden länger nachdenken oder gar ein wenig recherchieren sollen. Dass es beispielsweise an den Gymnasien keine Übermacht weiblicher Lehrer gibt, nützt den Jungen nichts, die schon an den Grundschulen aufgrund der dortigen starken Feminisierung ausgesiebt werden. Dass dem so ist, ist keine Erfindung Walter Hollsteins, sondern gängige Lehre sämtlicher aktueller Fachliteratur zu dieser Thematik von Dammasch bis Beuster. Dass Frauen einen hohen Anteil unter den Niedriglohnempfängern ausmachen, liegt daran, dass viele nur einen Teilzeitjob ausüben, weil sie sich von ihrem Ehemann versorgen lassen, auf dem nach wie vor die Hauptlast liegt, seine Familie zu ernähren. Und das Bemerkenswerte bei der Arbeitslosenstatistik ist ja gerade, dass im Jahr 1990 noch die Heranwachsenden beiderlei Geschlechts annähernd gleichermaßen von Arbeitslosigkeit betroffen waren, aber seitdem die Schere immer weiter auseinanderklafft, bis im Jahr 2005 volle 40 Prozent mehr männliche als weibliche Heranwachsende erwerbslos gemeldet waren.

Die Rezension stolpert also von einem gedanklichen Fehler und einer Unkenntnis zur anderen. Was aber passiert, wenn man von einer Materie offenkundig wenig Ahnung hat, aber unbedingt über einen Professor ablästern will, der sich damit seit Jahrzehnten hauptberuflich beschäftigt? Man darf seinen Unfug in den "Blättern für deutsche und internationale Politik" veröffentlichen. Hauptsache, die Stoßrichtung stimmt: pro Feminismus und gegen die Männer.

Doch etwas Weiteres fällt an diesem Artikel auf. Die noch einmal um ein paar Etagen unterirdischere Vorlage dazu hatte der Autor hier bereits im Internet veröffentlicht. Dort allerdings findet sich einiges, was es in die seriösen "Blätter für deutsche und internationale Politik" nicht geschafft hat – zum Beispiel diese Passage:

Betrübt stellt der Autor fest, dass mit der Auflösung der bäuerlichen Gesellschaft und der Industrialisierung die Väter eine immer geringere Rolle in der Söhne-Aufzucht spielten und dass diese Vaterlosigkeit Ursache für "männliche Problemkarrieren" sei. Die Kultur der Einwanderer aus der Türkei, vorindustriell und agrarisch geprägt, mit klaren Hierarchien und einem festen Vaterbild müssten demnach Musterfamilien zufolge haben. Doch gerade die im Buch beklagte Gewalt ist unter Migrantenkindern signifikant höher, als unter den anderen.


Ich nehme mal an, dass diese Ausführungen vom verantwortlichen Redakteur der "Blätter" vor der Veröffentlichung schlicht gestrichen wurde. Nicht weil sie politisch unkorrekt wären, sondern weil sie reiner Unfug sind. Die Kriminalstatistik 2007 weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Vergleich von hier lebenden Deutschen und Nicht-Deutschen aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht zu ziehen ist. In ähnlicher Weise ist es auch irrwitzig, bei der Kriminalitätsneigung völlig unterschiedlicher sozialer Gruppen allein nach dem Faktor "festes Vaterbild" oder nicht zu urteilen. Dass Vaterlosigkeit aber zu einer signifikant höhereren Kriminalitätsrate führt – und zwar auch wenn man sämtliche anderen Faktoren in Betracht zieht! – ist wiederum keine private Theorie Hollsteins, sondern ebenfalls seit Jahren durch Studien belegt. Zugegeben: Das alles muss man erst einmal wissen und diese Studien muss man erst einmal kennen. Wenn man es aber nicht tut, sollte man vielleicht doch darauf verzichten, sich neunmalklug zu den zusammengefassten Erkenntnissen eines Fachmanns in dieser Thematik zu äußern. Bei einigen Sätzen, so nehme ich an, durchschaute der verantwortliche Redakteur, dass der Rezensent nicht ganz wusste, wovon er sprach, und tilgte diesen Unfug. Hätte er es doch bei all dem restlichen Unsinn dieses Artikels auch erkannt! Er hätte Uli Gellermann eine große Blamage erspart - und den Ruf seiner Zeitschrift unbeschädigt gelassen.

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Donnerstag, Juli 10, 2008

"Was da auf unsere Gesellschaft zukommt, ist das Grauen"

Vor einiger Zeit schon berichtete die Zeitschrift "Emma" Aufsehenerregendes:

Im Frühling 2007 schlug der Münchner Neuropsychologe Prof. Henner Ertel Alarm. Sein Institut für rationelle Psychologie macht seit 30 Jahren Langzeitstudien zu den Auswirkungen von Pornografie. Bei der Auswertung der Daten aus den letzten 20 Jahren stellten die WissenschaftlerInnen "eine dramatische Entwicklung in den letzten fünf Jahren" fest: "Was da auf unsere Gesellschaft zukommt, ist das Grauen." Die Psychologen registrieren veränderte Verhaltensweisen - "Gewalt ist heute ein legitimes Mittel, Ansprüche durchzusetzen" - und die Neurologen Veränderungen im Gehirn: "Das Gehirn passt seine Verarbeitungsstrategien an und schützt sich gegen die Flut von Gewalt und Pornografie durch Abstumpfung." Neuropsychologe Ertel: "Emotionale Intelligenz und Empathiefähigkeit haben bei den Jugendlichen enorm abgenommen. Sexualität ist heute für die Mehrheit der jungen Männer, aber auch für viele junge Frauen unlösbar mit Gewalt verknüpft. Wobei die Männer sich mit den Vergewaltigern identifizieren, die Frauen mit den Vergewaltigten."


Seltsam, dachte ich mir damals beim Lesen des "Emma"-Artikels. Auch bei der Recherche für "Sind Frauen bessere Menschen?" hatte ich Texte dieses Progfessors gelesen - damals hatte er allerdings eher Entwarnung gegeben, was die behauptete Gefährlichkeit von Pornos anging. Was er jetzt behauptete ("Sexualität ist heute für die Mehrheit der jungen Männer ... mit Gewalt verknüpft"), klang zwar ganz nach dem Männerbild der "Emma", für jeden außerhalb der feministischen Szene aber wohl allzu abenteuerlich. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum wir in den letzten Jahren von anderen Wissenschaftlern keine ähnlich schrillen Alarmtöne gehört haben. Wer ist dieser Henner Ertel eigentlich, mit dem die "Emma" ihre Porno-Warnung aufmachte?

Die "Zeit" hat sich diesen Herrn genauer angeschaut.

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Montag, Juni 30, 2008

"Männer von neuer Lust der Frauen überfordert"

Heute übernimmt es Silvana Guanziroli für den Schweizer "Blick", die Frauen hoch- und die Männer runterzuschreiben. Der Aufhänger: Frauen werden im Bett immer egoistischer und Männer leiden zunehmend darunter. Moment, so wird das nix. Das müsste man irgendwie anders verpacken – zum Beispiel so:

"Cool Cats" sind laut Horx Strateginnen der Erotik. Es macht ihnen Spass, Männer zu reizen und mit ihnen zu spielen. Sie wollen Sex um ihrer selbst willen, nicht mehr einem Partner zuliebe, und fordern die Befriedigung ihrer Bedürfnisse hier und jetzt. Und wie reagieren Männer auf diese geballte Ladung Frau? "Sie sind verwirrt und verängstigt", sagt Klaus Heer. "Sie wissen nicht mehr, was sie im Bett genau tun müssen. Die Folge ist, dass sie sich verunsichert zurückziehen." Sie verlieren die Lust am Sex.

Viele Paar- und Sexualtherapeuten beobachten eine fatale Tendenz: Dem Mann droht die Identitätskrise. Die Frauen im Aufbruch drängen mit ihrer Emanzipiertheit die Männer in die Defensive – im Job, in der Familie und eben auch im Bett. "Frauen haben zu ihren ursprünglichen Stärken neue hinzugewonnen und sich vervollkommnet", sagt der deutsche Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter. Die Männer dagegen seien "geblieben, was sie waren" und stellen sich nun gemessen an den Frauen, als "unvollständige, sozusagen halbe Wesen" dar.

Der Zürcher Psychoanalytiker Markus Fäh (50) trifft bei seiner Arbeit immer wieder auf diese Verunsicherung: "Der Mann fühlt sich bedroht, weil er ständig in Frage gestellt wird. Psychologisch gesehen, ist er das schwache Geschlecht."


Es ist noch nicht lange her, da wurde es den Männern unterstellt, beim Sex nur auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, wobei ihnen ihre Partnerin scheißegal gewesen sei. Alice Schwarzer machte das zum Hauptthema ihres Buches "Der kleine Unterschied" und landete damit einen Bestseller. Damals nannte man diese Männer nicht "Cool Guys", sondern "selbstverliebte Arschlöcher", und die Frauen, die derart missbraucht worden waren, nicht "überforderte halbe Wesen", sondern "Opfer". Nun gab es allerdings, anders als bei uns Männern, auch wenig Frauen, die ihre eigenen Geschlechtsgenossinnen ständig als mangelhaft darstellen und die Mitglieder des anderen Geschlechts als überlegene Herrenmenschen preisen wollten. Bei uns Männern allerdings gibt es mehr als genügend Bewerber für diesen Job.

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