Dienstag, Januar 31, 2023

Klage: "Google-Manager gefeuert, nachdem Chefin ihn betrunken begrapscht hat"

1. Die New York Post berichtet:

Ein Google-Führungskraft behauptet, er sei von dem Tech-Giganten gefeuert worden, weil er die Annäherungsversuche einer hochrangigen Kollegin bei einem noblen Firmenessen zurückgewiesen habe.

Ryan Olohan, 48, beschuldigt Google, ihn gefeuert zu haben, nachdem eine seiner Top-Führungskräfte, Tiffany Miller, ihn im Dezember 2019 in einem Chelsea-Restaurant begrapscht und ihm gesagt hatte, sie wisse, dass er asiatische Frauen mag - was Miller laut einer im November in Manhattan eingereichten umfangreichen Bundesklage tut.

Miller, Direktorin von Googles programmatischen Medien, rieb Olohans Bauchmuskeln, machte ihm Komplimente über seinen Körperbau und sagte ihm, ihrer Ehe fehle es an "Würze".

(…) Olohan, ein verheirateter Vater von sieben Kindern, sagte, dass es ihm zunächst unangenehm war, den Vorfall anzusprechen, weil viele seiner Kollegen betrunken waren, aber seine Kollegen taten das Verhalten später als "Tiffany ist halt Tiffany" ab, so die Gerichtsunterlagen.

Olohan sagte, er habe den Vorfall in der darauffolgenden Woche der Personalabteilung von Google gemeldet, aber es sei nie etwas aus der Beschwerde geworden.

Der Vertreter der Personalabteilung "gab offen zu ..., dass, wenn die Beschwerde 'umgekehrt' wäre - eine Frau, die einen weißen Mann der Belästigung beschuldigt - die Beschwerde sicherlich eskaliert wäre", heißt es in der Klageschrift.

Olohan behauptet, Miller habe nach seiner Beschwerde begonnen, Vergeltungsmaßnahmen gegen ihn zu ergreifen, indem sie ihn kritisierte und ihn wegen "Mikroaggressionen" bei der Personalabteilung anzeigte, wobei in der Klage nicht angegeben ist, was Miller ihm vorwarf.

Die Vergeltungsmaßnahmen setzten sich angeblich bei einer von Google ausgerichteten Veranstaltung im Dezember 2021 fort, bei der Miller Olohan vor seinen Kollegen in betrunkenem Zustand ermahnte. Der Groll war so groß, dass die Kollegen Miller aufforderten, sich an das andere Ende des Tisches zu begeben, heißt es in der Klageschrift.

Später entschuldigte sich Miller, und "obwohl Google wusste, dass Millers fortgesetzte Belästigung von Olohan auf seine Zurückweisung ihrer sexuellen Annäherungsversuche zurückzuführen war, ergriff der Konzern erneut keine Maßnahmen", heißt es in der Klage.

Miller beschimpfte Olohan erneut während eines Firmentreffens in einer Karaoke-Bar im April 2022, wo sie ihn bei seiner Ankunft verspottete und wiederholte, dass sie wisse, dass er asiatische Frauen weißen vorziehe - wohl wissend, dass Olohans Frau Asiatin ist, so die Gerichtsunterlagen.

Olohan sagte, dass er sich zunehmend von seinem Vorgesetzten unter Druck gesetzt fühlte, der ihm sagte, dass es "offensichtlich zu viele weiße Männer" in seinem Managementteam gäbe. Im Juli wurde er ermutigt, einen männlichen Mitarbeiter zu entlassen, um in seinem Team Platz für eine Frau zu schaffen, heißt es in der Klage.

Im darauffolgenden Monat entließ Google Olohan und beendete damit sein Arbeitsverhältnis nach 16 Jahren bei dem Unternehmen.

Während einer Videokonferenz sagte Olohan, dass ihm vom Google Employee Investigations Team gesagt wurde, dass er entlassen wurde, weil er nicht "integrativ" sei.

(…) In der Klage von Olohan, in der ein nicht näher bezifferter Schadenersatz gefordert wird, werden sowohl Google als auch Miller als Beklagte genannt und sie der Diskriminierung, der Vergeltung und der Förderung eines feindlichen Arbeitsumfelds beschuldigt.


Google wies gegenüber der New York Post die Anschuldigungen als unwahr zurück.



2. Es sei falsch, die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau einfach als Diskriminierung darzustellen, sagt die Wirtschaftsprofessorin Conny Wunsch.



3. Sind es wirklich nur Männer, die an überholten Geschlechterrollen festhalten? Die Zeitschrift "Stern" berichtet über "Datingpropleme der Besserverdiener – sie ist abgetörnt wegen seiner fehlenden Kohle". Der Artikel berichtet über eine Britin, die in einem Internetforum von Müttern Rat sucht, was sie mit ihrem Partner anstellen solle:

Sie schätzt, wenn er sich ranhalten würde, könne er in drei bis fünf Jahren dorthin gelangen, wo sie jetzt ist. Ganz Business-Frau habe sie ihm klar gesagt, dass er auf Dauer mehr verdienen muss, damit eine langfristige Beziehung realistisch ist. Ein Vertun ist nicht möglich, erklärt sie auf Nachfrage im Forum, natürlich habe sie das Gespräch im Kalender notiert.

(…) Dummerweise hat sie sich inzwischen richtig verliebt. "Er ist wirklich der liebevollste, freundlichste Mensch, kommt fantastisch mit meiner Tochter zurecht." Aber jetzt, wo sie bemerken musste, dass seine Arbeitsmoral nachlasse, habe sie "langsam die Schnauze voll".


Gleichzeitig wird allerorts darüber geklagt, dass Männer nicht beruflich zurückstecken und auf der Karriereleiter Platz für Frauen machen. Die geschlechterpolitischen und die privaten Anforderungen an Männer sind oft nicht leicht miteinander zu vereinbaren.



4. Die Washington Post bespricht Nicholas Eberstadts Buch "Men Without Work". Ein Auszug:

Kürzlich entdeckte ich die Neuauflage eines Buches, aus dessen ursprünglicher Version ich viel gelernt hatte, also besorgte ich mir die aktualisierte Fassung und verschlang sie. Nicholas Eberstadt, unser vielleicht bester moderner Demograf, veröffentlichte erstmals "Men Without Work: America's Invisible Crisis" im Jahr 2016, und erst kürzlich die "Post-Pandemie-Ausgabe". Das Buch ist in erster Linie wegen seines Inhalts wertvoll, aber seine Art und Weise und Methode könnten ebenso viel zu lehren haben.

Eberstadt schildert die "unsichtbare Krise", die "Dezimierung" der erwachsenen männlichen Arbeitskräfte in Amerika, in ausführlich dokumentierter Form. Nach seinen Berechnungen sind etwa 10 Millionen amerikanische Männer im Haupterwerbsalter weder erwerbstätig noch auf der Suche nach Arbeit. Dieses "andauernde Unglück" ist in erster Linie ein wirtschaftlicher Mühlstein der Nation. Er stellt ganz offen fest: "Die Vereinigten Staaten können nicht gedeihen, wenn ihre Männer im besten Alter es nicht tun."

Der soziale Schaden könnte sogar noch schlimmer sein. Was jemand als das "Neue Elend" bezeichnet hat, umfasst eine Reihe von Pathologien, die von Drogenmissbrauch über Spielsucht bis hin zum einfachen moralischen Elend des chronischen Müßiggangs reichen. Männer im erwerbsfähigen Alter sehen fast sechs Stunden pro Tag fern. Sie lesen weitaus seltener Zeitungen, engagieren sich weniger ehrenamtlich und besuchen Gottesdienste seltener als ihre weiblichen oder männlichen Kollegen, die arbeiten. Eberstadt fasst ihren Zustand als "Infantilisierung" zusammen.

Wer im Hochschulbereich arbeitet, weiß, dass sich die Situation nicht verbessert. Der jahrzehntelange Rückzug der Männer aus dem Hochschulwesen wurde, wie auch das Phänomen der erwachsenen Nicht-Arbeiter, bis vor kurzem weitgehend ignoriert. Doch seit der Prozentsatz der Hochschulbesucher auf 63 Prozent gesunken ist und der Anteil der Männer an den Universitäten des Landes auf fast 40 Prozent zurückgegangen ist, läuten sowohl in Fachzeitschriften als auch in der breiten Öffentlichkeit mit Verspätung die Alarmglocken. Das von Eberstadt analysierte Thema ist also von entscheidender Bedeutung, und das Buch stellt einen wichtigen Beitrag dar.


Es gibt eine politische Bewegung, die seit Jahrzehnten auf diese bedenklichen Entwicklungen aufmerksam macht. Sie wird von Leitmedien wie der Washington Post angefeindet oder ignoriert.



5. Die Post. Mein Leser David Müller schreibt mir heute zu dem gestern verlinkten Artikel der Berliner Zeitung über Femcels:

"Es verwundert, dass selbst "Experten" zum Thema Incel nicht zu wissen scheinen, dass sowohl der Begriff als auch das erste Onlineforum von einer Frau stammen - immerhin kann man das inzwischen selbst in der Wikipedia nachlesen:

Als die vor allem von männlichen Incels besuchten Foren von Männerhasserinnen entdeckt wurden, übernahmen diese aber die Bezeichnung, fanden sie doch dort die Bestätigung für ihren auf Männer projizierten Hass. Und die Gesellschaft, die sexuell abweichende Männer schon immer ablehnte, schaute nicht genau hin und übernahm die Umdeutung, unbedacht der Tatsache, dass viele Incels wegen Geburtsmerkmalen (etwa allergische Ausschläge) in ihrer misslichen Lage sind. Na ja, Schwule zu hassen und zu verfolgen ist eben nicht mehr "in".

Wenn jetzt "Experten" auffällt, dass auch Frauen in diese Lage kommen können, stehen sie vor dem absurden Problem, dass die geschlechtsneutrale Bezeichnung Incel rein männlich gelesen wird. Die "Lösung": Speziell für Frauen wird das rein weibliche "Femcels" erfunden.




Montag, Januar 30, 2023

Berliner Zeitung: "Hass auf Männer – Wie gefährlich ist die Femcel-Bewegung?"

1.
Sie haben eine Abneigung gegenüber Frauen und fühlen sich vom weiblichen Geschlecht ignoriert: Schon länger sind diese Männer, die im „unfreiwilligen Zölibat“ leben, als Incels bekannt. Auch bei Frauen gibt es inzwischen eine ähnliche Bewegung. In Foren im Internet tauschen sich sogenannte Femcels über ihren Hass auf Männer aus, schwören dem Dating ab und erklären auch bestimmte Frauen zu Feindbildern. Die Medienethikerin Claudia Paganini erklärt, was den Femcel-Trend gefährlich macht.


Hier geht es weiter. Dass der Artikel Femcels positiver als Incels beurteilt – schließlich sei "die Bewegung in Teilen sogar feministisch" –, dürfte niemanden überraschen.



2. Der umstrittene ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ist zum Vorsitzenden der rechtskonservativen Werteunion in der CDU gewählt worden. Dort wolle er sich unter anderem "gegen Gender-Wokismus einsetzen" twitterte Maaßen vor der Wahl.



3. Die Schweizer SVP hat ihr Programm "gegen Gender-Wahnsinn" veröffentlicht.

"Wokismus" hier, "Wahnsinn" da … So erfreulich es ist, wenn im politischen Meinungskampf nicht allein die Argumente einer Seite präsentiert werden, finde ich es doch bedenklich, dass wir uns jetzt in eine Richtung bewegen, wo zwei verfeindete Lager einander anschreien.



4. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) beschäftigt sich in einem Podcast von 17 Minuten Länge mit dem Tabuthema häusliche Gewalt gegen Männer: "Keiner hat mir geglaubt" – zu Besuch im Berner Männerhaus. Sogar spezialisierte Behörden haben Opfer ungläubig zurückgewiesen, berichtet die NZZ. Der Podcast ist gelungen, klare Hörempfehlung.



Sonntag, Januar 29, 2023

Diskreditierte Väter: Spiegel-Online erklärt Schwächen und Mängel der "Hammer-Studie"

1. Im April 2022 berichtete Genderama kritisch über eine fragwürdige, sofort nach Erscheinen umstrittene "Studie" mit dem Titel "Familienrecht in Deutschland – eine Bestandsaufnahme", die eine gemeinsame Erziehung des Nachwuchses auch nach der Trennung der Eltern ins Zwielicht rückte. Kurz darauf wurde sie verschiedentlich als unwissenschaftlich zerpflückt. Trotzdem benutzte etwa die "taz" noch im Dezember die Kampfschrift unverdrossen zur geschlechterpolitischen Propaganda.

Jetzt hat sich Spiegel-Online ausführlich mit dieser fragwürdigen Veröffentlichung beschäftigt. Der Artikel, der hinter einer Bezahlschranke steht, verweist zunächst auf das lautstarke Auftreten des Verfassers der Schrift, den Soziologen Wolfgang Hammer ("Wir haben es mit einem handfesten rechtsstaatlichen Skandal zu tun."), sowie auf das starke Medienecho bei MDR und "taz" sowie zwei Landtagen und nach einer Anfrage Der Linken sogar der Bundesregierung.

Die Thesen, die Hammer aufstellt, klingen dramatisch: Mütter hätten oft keine Möglichkeit, sich und ihre Kinder vor deren gewalttätigen Vätern zu schützen. (…) Kinder und Mütter könnten sich der "familienrechtlichen Dynamik" nicht entziehen und seien oft einer "fortgesetzten Gewalt und (Re-)Traumatisierung" ausgesetzt. Wenn diese Mütter Missbrauchsvorwürfe erhöben, gingen staatliche Stellen ihnen allzu oft nicht ausreichend nach.

Ist diese Kritik begründet? Was steckt dahinter? Und was blendet die Auswertung von Wolfgang Hammer aus?


Der Artikel schildert dann, dass Hammers Kritik auf einer Entwicklung basiere, die eigentlich positiv bewertet wird: "Wenn Eltern sich trennen, wollen Väter zunehmend nicht nur Unterhalt zahlen, sondern ihre Kinder auch einen Teil der Zeit betreuen." Familiengerichte und Experten wirken vor diesem Hintergrund zugunsten der Kinder stark auf eine einvernehmliche Trennung hin. Schwierig sei das indes, wenn ein Elternteil häusliche Gewalt erlitten hat. Befremdlicherweise werden hier allein die Fälle von Frauen beispielhaft geschildert.

Jeder Fall, in dem Behörden versagen, Frauen und Kinder vor Übergriffen zu schützen, sollte aufgearbeitet, am besten noch verhindert werden. Dieses wichtige Anliegen treibt Wolfgang Hammer mit seinem Papier voran. Er hat viel Zuspruch erhalten, von Familienrechtlern und -rechtlerinnen und anderen Fachleuten, von Frauenrechts- und Gewaltschutzverbänden sowie vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter und der Mütterinitiative für Alleinerziehende, mit denen Hammer nach eigenen Angaben seit Jahren eng zusammenarbeitet.

(…) Nichtsdestotrotz weist die "Bestandsaufnahme", wie Hammer sein Papier nennt, Lücken und Mängel auf. Zur Klärung der Frage, wie oft Familiengerichte und Jugendämter in Trennungskonflikten beim Gewaltschutz tatsächlich versagen, trägt sie wenig bei. Zudem lässt sie andere Probleme, denen getrennte Eltern und ihre Kinder gegenüberstehen, außer Acht und zeichnet so ein verzerrtes Bild der Lage. Das lässt sich an folgenden Punkten festmachen:

Hammer hat unter anderem 92 familienrechtliche Fälle ausgewertet, die im Zeitraum 1998 bis 2021 beim Bundesverfassungsgericht sowie beim Bundesgerichtshof anhängig waren. "Bei jährlich etwa 150.000 Verfahren vor deutschen Familiengerichten ist das nicht einmal ein minimaler Ausschnitt", kritisiert die Neue Richtervereinigung. Fälle, die bis zu den obersten Gerichten gelangten, hätten zudem besonders großes Konfliktpotenzial. "Sie haben nicht einmal ansatzweise etwas mit der durchschnittlichen täglichen Wirklichkeit vor den Familiengerichten zu tun."

(…) In Sachen Gewaltschutz sind die Fälle allerdings wenig aussagekräftig, denn darum ging es meist gar nicht: Laut Aktenlage gebe es in vier Fällen bestätigte pädophile Neigungen des Vaters, schreibt Hammer, in fünf Fällen liefen Untersuchungen oder Ermittlungsverfahren gegen den Vater. In 16 Fällen lägen physische Gewalthintergründe – alle gegenüber den Müttern – als Annahme zugrunde. In acht Fällen sei der Gewalthintergrund "verifiziert". Nur in knapp einem Drittel der Fälle spielte der Vorwurf, der Vater sei gewalttätig gewesen, also überhaupt eine Rolle.


Hammer greift, so Spiegel-Online, auch "Väterrechtsorganisationen" an, weil diese ihrerseits die folgenden Vorwürfe erhöben:

Mütter entfremdeten dem Vater nach der Trennung die Kinder. Gewalt und sexuellen Missbrauch nutzten sie dabei nur als Vorwände, um den Umgang von Vätern mit ihren Kindern zu verhindern.


Hammer selbst räumt ein, dass es sich bei seiner Schrift lediglich um eine "nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte journalistische Recherche" handele, die nicht repräsentativ sei. Daraufhin erläutert der Artikel die methodischen Schwächen, die dem Papier innewohnen:

Da er vorwiegend Fälle aufgegriffen hat, die ihm von alleinerziehenden Müttern zugespielt wurden, bleibt seine Auswertung einseitig. Schlimmer noch: Er prangert Klischees an, die Mütter stigmatisieren – und formuliert seinerseits solche, die Väter diskreditieren. Die Anliegen von Eltern, die versuchen, vor Gericht mehr Zeit mit ihren Kindern zu erstreiten und sich dem Widerstand des hauptbetreuenden Elternteils ausgeliefert sehen, blendet seine vermeintliche Bestandsaufnahme aus.

So schreibt Hammer zum Beispiel, es habe sich ein "geradezu klassisch zu nennendes Vorgehen" entwickelt: Der Vater beantrage, dass die Kinder ihren Lebensmittelpunkt zu ihm verlegten oder dass sie zwischen den Eltern pendelten. Das forciere er mithilfe von "Verleumdungen, Drohungen und Diskreditierungen, die die Mutter in mühevoller Kleinarbeit widerlegt, nur um sie in der nächsten E-Mail oder im nächsten Schriftsatz an das Gericht erneut wiederzufinden. (…) Es ist ein jahrelanges Wechselbad von Drohungen, Erpressungen, Verleumdungen, Wiederholungen und mitunter vorgeschobenem kooperativen Handeln. (…) Die Hauptbezugsperson des Kindes wird zermürbt."


Spiegel-Online legt nahe, dass hier eine umfangreiche Studie des Bundesfamilienministeriums über Trennungsfamilien aufschlussreicher sein könnte. Deren Veröffentlichung indes wurde "nach jahrelangem Gezerre" schließlich gestoppt.

Erhebungen beispielsweise darüber, wie oft Jugendämter Kinder mit der Begründung in Obhut nähmen, dass ihre Mütter den Kontakt zum Vater sabotierten, seien nicht geplant, schrieb die Bundesregierung im Dezember in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Linken. Auch wie oft Gerichte das sogenannte Wechselmodell anordnen, also eine mehr oder minder gleiche Verteilung der Betreuungszeit zwischen Mutter und Vater, ist statistisch bisher nicht erfasst.

Solche Anordnungen gelten als umstritten, und Hammer macht seine Position deutlich: Das sogenannte Kontinuitätsprinzip solle Vorrang haben, schreibt er. Kinder könnten gut aufwachsen, wenn sie sich selbst in einer instabilen Trennungssituation der Bindung zu ihrer Hauptbetreuungsperson – also in den meisten Fällen zur Mutter – sicher sein könnten. Andere Fachleute und Elternverbände befürworten hingegen, Kindern zur Not auch gegen ihren Willen mehr Zeit mit dem Elternteil zu verordnen, der die Beziehung zum anderen Elternteil am ehesten zulässt.

Neben der mangelhaften Datenlage sehen zahlreiche Expertinnen und Experten dringend weiteren Reformbedarf, den auch Hammer einfordert: Familienrechtliche Verfahren dauerten oft zu lang, brächten Eltern nur noch weiter gegeneinander auf und strapazierten Kinder extrem. So würden sie zum Beispiel häufig mehrfach von nicht ausreichend dafür qualifizierten Fachkräften befragt und beobachtet. Richterinnen und Richter seien oft überlastet und ihrerseits noch nicht gut genug dafür ausgebildet, über hochstrittige Familienrechtsfälle zu entscheiden. Aufwendige und teure Gutachten trügen oft wenig zur Klärung der Konflikte bei.

Wenn diese und andere Schwächen behoben würden, wäre es wohl auch leichter, alle Opfer von häuslicher Gewalt, egal welchen Alters und Geschlechts, vor Übergriffen zu schützen. Dafür wäre es allerdings hilfreich, wenn Verbände, die frustrierte Mütter und Väter vertreten, die sich und ihre Kinder in Familienrechtsverfahren aufgerieben sehen, politisch an einem Strang ziehen könnten. Doch davon dürften sie nach Hammers Veröffentlichung weiter entfernt sein denn je.




2.
Viele Frauen und Männer arbeiten in geschlechtstypischen Berufen. Ein Grund dafür: Männer verlassen mit doppelter Wahrscheinlichkeit Berufe, in die mehr Frauen wechseln.


Der Tages-Anzeiger berichtet.



3. Die Stiftung Warentest warnt: Nahrungsergänzungsmittel für Männer bergen ein Krebsrisiko.



4. Der Blick auf die Situation von Männern in fernen Ländern führt uns heute zu einer Meldung aus Pakistan:

Die Polizei von Jhelum meldete am Freitag die Festnahme einer Frau namens Beenish, die als Anführerin einer Erpressergruppe falsche Vergewaltigungsvorwürfe erhoben hatte. Die Polizei stellte fest, dass Beenish im Besitz von Bargeld und Betäubungsmitteln war.

Nach Angaben der Polizei lockte Beenish Männer mit Liebesversprechen und nutzte dann ihr Netzwerk von Komplizinnen, um falsche Vergewaltigungsanzeigen gegen sie einzureichen und den Opfern Millionen von Rupien zu stehlen.

Beenish und ihren Freundinnen wird vorgeworfen, 20 falsche Vergewaltigungsanzeigen in ganz Punjab erstattet zu haben. Die Polizei gab außerdem an, dass sie versucht, die anderen Mitglieder der Gruppe festzunehmen.

Diese Art von Verbrechen schadet nicht nur den Betroffenen, sondern zerstört auch die Glaubwürdigkeit echter Vergewaltigungsopfer, so dass es für sie schwierig wird, Gerechtigkeit zu erlangen. Die Behörden müssen die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, dass solche Fälle zügig bearbeitet und die Schuldigen vor Gericht gestellt werden.




Samstag, Januar 28, 2023

Schweizerische Volkspartei (SVP) plant "Vorstöße auf allen Ebenen" gegen "Gender-Terror"

1. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) wird heute an ihrer Delegiertenversammlung ihr neues Parteiprogramm verabschieden. Programmchefin Esther Friedli, Nationalrätin und Ständeratskandidatin aus dem Kanton St. Gallen, will systematisch gegen Gendersternchen und Gleichstellungsbüros kämpfen: "Wir werden auf allen politischen Ebenen Vorstösse zu diesen Themen einreichen." Öffentlichen Institutionen, die diese "Ideologien" unterstützen, sollen die Steuergelder gestrichen werden. "Diese Kultur und das Verhalten ihrer Vertreter haben ganz klar religiös-fanatische Züge, denn sie propagieren, die einzige Wahrheit zu kennen", sagte Friedli. "Eine kleine Minderheit, die für sich in Anspruch nimmt, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, und die ihre Gefühle verletzt sieht, will einer Mehrheit ihre Meinung aufzwingen – das ist doch Wahnsinn".



2. Die Kommission für Rechtsfragen des Schweizer Ständerates lehnt die "Nur Ja heisst Ja"-Lösung im Sexualstrafrecht weiterhin ab, wie sie am Freitagnachmittag mitteilte. Der Ständerat kritisiert an dem Vorstoss unter anderem, dass dieser nicht "mit den beweisrechtlichen Grundsätzen des Strafprozesses vereinbar" sei. Allerdings soll in Formulierungen der Tatbestände des sexuellen Übergriffs und der Vergewaltigung das sogenannte "Freezing" ausdrücklich erwähnt werden. Der Begriff bezeichnet einen Schockzustand, der es dem Opfer verunmöglicht, sich gegen den sexuellen Übergriff zu wehren.



3. Der Satiriker, Kabarettist, Kolumnist und Autor Dietmar Wischmeyer, der zum Ensemble der "Heute-Show" im ZDF gehört, lehnt das Gendern ab: "Ich gendere auch nicht, ich denke nicht daran. Das ist eine Frechheit den Frauen gegenüber. Menschen auf die Geschlechtszugehörigkeit zu reduzieren finde ich genauso blöd wie auf die Hautfarbe."



Freitag, Januar 27, 2023

Antifa entdeckt rechtsextreme Tendenzen im Feminismus

1. Als ich gestern Abend durch die aktuellen Antifa-Meldungen scrollte, entdeckte ich einen Beitrag, der aufgreift, wie stark das transfeindliche Lager der Feministinnen an den rechten Rand gewandert ist. Ein Auszug:

In ihrem verzerrten Weltbild nehmen "TERFs" trans Frauen als in Wahrheit gewalttätige Männer wahr, die sich zur "Tarnung" als Frauen verkleiden, um (sexualisierte) Gewalt an Frauen ausüben zu können, erklärt [Journalist und Buchautor Jude Ellison] Doyle. In diesem Narrativ seien alle Männer verdorben und gewalttätig, alle Frauen zerbrechliche Opfer. Wer von dieser Hierarchie überzeugt sei, könne man leicht von anderen biologischen Hierarchien überzeugen. Das Narrativ vom verkleideten Gewalttäter könne vor allem als Waffe gegen nicht-weiße Männer eingesetzt "und in eine offene weiße Vorherrschaft verwandelt werden", so Doyle.


Ich habe rechtsradikale Tendenzen im Feminismus schon 2001 in einem Kapitel meines Buches "Sind Frauen bessere Menschen?" angesprochen. Für viele andere Linke hat es erst Attacken auf trans Personen gebraucht, bis sie erkannten, dass ein 'Weltbild, in dem " alle Männer verdorben und gewalttätig, alle Frauen zerbrechliche Opfer" sind, dem hierarchischen Denken des radikal rechten Lagers entspricht.



2.
Eine Lehrerin im US-Bundesstaat Missouri muss sich wegen mehrfacher Sexualverbrechen vor Gericht verantworten: Sie hatte einen 16-jährigen Schüler notenmässig unter Druck gesetzt und so Sex mit ihm erzwungen.


Hier geht es weiter.



3. Die Zeitschrift Men's Health erörtert das Pro und Contra der Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt.



4. Dänemark nimmt Gleichberechtigung ernst und plant verpflichtenden Militärdienst auch für Frauen.



Donnerstag, Januar 26, 2023

Neue Studie: Schlechte Co-Elternschaft mit Depressionen bei Vätern verbunden

1. Die Neuroscience News, eine Plattform für Nachrichten aus dem Wissenschaftsbereich, berichtet:

Eine neue Studie von Forschern des Karolinska Institutet in Schweden zeigt, dass Väter eher depressiv werden, wenn ihre Kinder noch klein sind und die elterliche Beziehung zu ihnen in den ersten Monaten nach der Geburt schlecht ist. Die Ergebnisse wurden im Journal of Affective Disorders veröffentlicht.

"Wir haben als Gesellschaft viel zu gewinnen, wenn wir die Beziehungen zwischen den Eltern in den frühen Phasen der Elternschaft stärker unterstützen", sagt Michael Wells, außerordentlicher Professor am Department of Women's and Children's Health, Karolinska Institutet. "Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, die Väter im Säuglings- und Kleinkindalter auf ihren Status als Co-Eltern zu untersuchen und bei Bedarf Interventionen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation rund um das Kind anzubieten."

Etwa neun bis zehn Prozent der Väter leiden unter nachgeburtlichen Depressionen, was im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehr hoch ist. Kinder, die mit depressiven Vätern aufwachsen, haben ein höheres Risiko für mentale, emotionale und Verhaltensprobleme in ihrer Jugend, wie frühere Untersuchungen gezeigt haben. Durch die Ermittlung veränderbarer Faktoren, die das Risiko von Depressionen bei Vätern verringern, hoffen die Forscher, Interventionen zu entwickeln, die psychische Erkrankungen bei Eltern und Kindern verhindern können.

In der aktuellen Studie wurden 429 Väter von Kleinkindern im Alter von bis zu zwei Jahren in Schweden über Facebook rekrutiert. Die Teilnehmer wurden gebeten, Fragebögen auszufüllen, in denen sie Symptome von Depressionen und die Art ihrer Beziehungen als Eltern bewerteten. Die Daten wurden zu drei Zeitpunkten erhoben, als die Kinder im Durchschnitt 8, 13 und 26 Monate alt waren. Etwa 20 Prozent der Väter berichteten zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Studie über Symptome einer Depression.

Die Ergebnisse zeigen, dass zwei Drittel der Väter, die im ersten Jahr nach der Geburt eine besonders schlechte Beziehung zu ihren Kindern hatten, wahrscheinlich an Depressionen leiden werden, wenn ihre Kinder etwas älter werden. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit, dass Väter mit besseren Werten bei der gemeinsamen Elternschaft weniger Depressionssymptome aufweisen, größer. Die Forscher fanden auch Zusammenhänge zwischen Depressionen in früheren Stadien und schlechteren gemeinsamen Elternschaftsbeziehungen in späteren Jahren.

"Wir fanden bidirektionale Zusammenhänge zwischen Depressionen und schlechter Co-Elternschaft, d. h. diese beiden Faktoren scheinen sich gegenseitig in beide Richtungen zu beeinflussen. Das stärkste Anzeichen für die Entwicklung einer Depression war jedoch eine schlechte gemeinsame Elternschaft in der frühen Kindheit und nicht umgekehrt", sagt Michael Wells.




2. Auch der Schweizer Blick greift das Thema "Depressionen bei frischgebackenen Vätern" auf:

Nach einer Geburt erkranken 15 Prozent der Mütter an einer postpartalen Depression (…). Doch frisch im Wochenbett nicht vor Glück zu sprühen, ist verpönt. Daher gilt allzu oft: Schweigen statt Erzählen. Lächeln, statt Hilfe suchen. Die Mütter erfahren wenig Unterstützung – die Väter werden oftmals ganz vergessen. Bei ihnen ist eine postpartale Depression ein noch viel grösseres Tabu. Dabei ist laut Studien mindestens jeder Zehnte betroffen. In der Schweiz sind vergangenes Jahr 89.000 Babys geboren. Das macht konservativ gerechnet 13.000 neu erkrankte Frauen und 10.000 Väter.

"Psychische Erkrankungen sind die häufigste Gesundheitskomplikation nach einer Geburt – und doch spricht man viel mehr über den plötzlichen Kindstod", sagt die promovierte Psychologin Fabienne Forster, die zur psychischen Gesundheit von Eltern forscht. "Wir sprechen von einer sehr hohen Anzahl betroffener Personen, die unentdeckt und unbehandelt bleiben – besonders bei Vätern. Das hat massive volkswirtschaftliche Folgen."

Durch die Pandemie hat sich die psychische Belastung junger Familien verstärkt. Bei dem Verein Postpartale Depression Schweiz meldeten sich dieses Jahr fünfmal so viele Väter wie 2019. Beim ersten Schweizer Väterberater, dem in Bern ansässigen Remo Ryser (50), haben sich die Beratungen seit seinem Start 2019 vervierfacht. "Nicht nur Mütter, auch Väter brauchen manchmal emotionalen Support", so Ryser.

(…) Kürzlich zeigte eine SonntagsBlick-Umfrage: Die Papis von heute wollen präsent sein. 70 Prozent sagen, dass sie sich für ihre Kinder "immer Zeit nehmen" und eine "innige Beziehung" zu ihnen pflegen. Gleichzeitig ist da die Arbeit ausser Haus.

Die Geburt eines Kindes trägt oft zu einer Retraditionalisierung bei: "Das alte Ernährermodell gilt als gestrig – trotzdem sind Väter immer noch oft Haupternährer der Familie", sagt der Männerbeauftragte Markus Theunert (49). Das macht Druck. "Es gibt immer noch dieses Männerbild des Vaters, der das Geld heimbringen und stark sein muss – dabei sind wir auch nur Menschen, keine Roboter", sagt [der junge Vater] Marcelo Vicente. Väter würden nie gefragt, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen, sagt Fabienne Forster. "Und wenn sie sich schlau googlen wollen, steht da nur: Mutter, Mutter, Mutter.".

(…) Betroffene leiden oft unter Schlafstörungen oder Rückenschmerzen, erkennen darin aber keine psychosomatischen Probleme – oder ignorieren sie. Wie oft bei psychischen Erkrankungen gibt es immer noch eine hohe Schwelle, sich Hilfe zu holen. Väterberater Remo Ryser erstaunt dies nicht: "Sprechen Männer über ihre Überforderung, gelten sie als Weichei." Marcelo Vicente erhielt nach seinem Zusammenbruch nicht nur Unterstützung: "Gewisse Personen meinten: Es war ja kein Herzinfarkt, also alles nicht so tragisch." Männer hätten daher gelernt, ihre Gefühle der Überforderung und Angst mit sich selbst auszumachen, sagt Annika Redlich. Redlich: "Überwinden sie ihre Scham, und melden sich bei uns, verpacken sie ihr Leiden oft in das Wort Burnout, welches gesellschaftlich positiver behaftet ist."

Doch selbst wenn sich Väter Hilfe holen, bleibt die postpartale Depression oft unerkannt. "Es kommt immer noch vor, dass ein betroffener Vater an eine Fachperson gelangt, der noch nicht bewusst ist, dass die Krankheit auch Männer betrifft." Für Markus Theunert gibt es daher eine zentrale Botschaft: "Eine Depression bei Männern sieht oft nicht so aus, wie man sich eine Depression vorstellt." Anstelle von Niedergeschlagenheit und Antriebsarmut neigen Männer zu Reizbarkeit, Aggressivität und impulsiven Handlungen. (…) Die Konsequenz: Betroffene Männer erhalten oft keine Hilfe. Vermutlich ist ihre Suizidrate deshalb massiv höher.

Männer und Frauen machen in der Zeit nach der Geburt anderes durch. "Daher wäre es wichtig, dass sich Väter in einer Krise mit einem anderen Mann austauschen könnten", sagt Remo Ryser. Dies scheitert jedoch oft an den aktuellen Gegebenheiten: Die Hebammen, das Pflegefachpersonal und die Beratenden sind meist weiblich. Genauso beziehen sich Studien über die Zeit nach der Geburt vorwiegend auf Frauen, die Klinik-Angebote sind meist als Mutter-Kind-Stationen konzipiert. "In unserem Vorbereitungskurs gab es nur eine Folie, die sich mit Vätern befasste. Und dort stand: so unterstützen sie ihre Frau", erzählt [der Vater] Dario Scuto. "Das ganze System ist auf die Mütter fokussiert, dabei leben wir nicht mehr in den Fünfzigerjahren. Heute sind wir Männer doch wie ein zweites Mami."

Für Markus Theunert ist daher klar: "Es braucht mehr sensibilisierte Fachpersonen, mehr Väterberater, und zu jedem Geburtsvorbereitungskurs gehört ein Vaterfokus." Auf politischer Ebene sei es zentral, die Unterversorgung im psychischen Sektor zu beheben und gleichstellende Massnahmen zu fördern, sagt Fabienne Forster: "Studien zeigen: je mehr Vaterschaftsurlaub Männern zur Verfügung steht, desto seltener entwickelt sie Depressionen."




3. In einem Artikel der "Zeit" schildert Millay Hyatt ihre Probleme mit dem Wechselmodell.



Dienstag, Januar 24, 2023

Svenja Schulze (SPD) will Entwicklungshilfe durch feministische Gleichstellung ersetzen

1. Das Redaktionetzwerk Deutschland berichtet:

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) will bis 2025 die bilateralen Hilfen Deutschlands für ärmere Staaten so umschichten, dass sie fast vollständig für die Gleichstellung der Geschlechter eingesetzt werden. Das geht aus der neuen Afrika-Strategie des Ministeriums hervor, die am Dienstag vorgestellt werden soll und dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorab vorlag.

Danach soll im Rahmen einer feministischen Entwicklungspolitik der Anteil der Finanzmittel, die direkt oder indirekt einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit leisten, "substanziell von 64 Prozent auf 93 Prozent" erhöht werden. "Mit dieser Selbstverpflichtung wird transformatorische Wirkung quer durch alle Sektoren angestrebt, von Anpassung an den Klimawandel bis Zusammenarbeit mit der Wirtschaft", heißt es in dem Papier. Auch in multilateralen Institutionen setze sich das Entwicklungsministerium für eine Steigerung von Gleichstellungsvorhaben ein, wird versichert.

Wie in anderen Teilen der Welt seien auch auf dem afrikanischen Kontinent Mädchen und Frauen in vielen Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens schlechtergestellt als Männer, der Zugang zur Gesundheitsvorsorge und Verhütungsmitteln sei eingeschränkt und in vielen afrikanischen Ländern würden Mädchen zwangsverheiratet.

"Diese Ungleichheiten verletzen die Menschenrechte von Mädchen und Frauen und haben Folgen für ihr Wohlergehen, ihre Bildungschancen und ihre Gestaltungsmöglichkeiten." Sie kosteten zudem Wirtschaftskraft und gesellschaftlichen Fortschritt. "Das Bundesentwicklungsministerium fördert daher im Sinne einer feministischen Entwicklungspolitik systematisch die politische, soziale und wirtschaftliche Teilhabe von afrikanischen Frauen und stärkt ihre Rechte, Repräsentanz und Ressourcen", wird in dem Papier angekündigt.




2. Bundeskanzler Scholz habe der Parität geschadet, urteilt die Frankfurter Allgemeine. Seine Besetzung von Ministerposten vermittle den Eindruck: Parität sei schön und gut in Friedenszeiten, aber jetzt müsse man ernsthaft regieren.



3. Die linke Wochenzeitung Freitag erörtert, "wie linke Transfeindlichkeit Rechtsextreme stärkt". Thema des Beitrags sind transfeindliche Feministinnen (sogenannte TERFs). In Deutschland wird etwa Alice Schwarzer diesem Lager zugeordnet. Ein Auszug aus dem Artikel:

Das Akronym TERF steht für Trans Exclusionary Radical Feminism (trans Personen ausschließender radikaler Feminismus). (…) Tatsächlich sind TERF-Positionen inzwischen überwiegend von Konservativen und Rechtsextremen zu hören. Ursprünglich entstammt der Begriff TERF jedoch einem dezidiert linken Diskurs des britischen und US-amerikanischen Materialismus: Im Kampf gegen ein als gewalttätig und bedrohlich wahrgenommenes Patriarchat beschrieben "radikale Sozialistinnen" seit den 60er Jahren Frauen als unterdrückte politische Klasse.

Schon damals wurde das Argument der Biologie für die Schutzbedürftigkeit von Frauen, vor allem Müttern, in scharfer Abgrenzung zu als bedrohlich wahrgenommenen Männern herangezogen.

(…) Problematisiert und dämonisiert wurde Transidentität erstmals systematisch 1979 von der US-Autorin Janice Raymond, die ein bedrohliches "transsexuelles Imperium" zu erkennen glaubte und damit bis heute zur Referenz für ihr nachfolgende TERF wurde. In dem Buch "The Transexual Empire" nennt die radikale Feministin trans Frauen "She-Males" und behauptet, Transgender würde patriarchale Rollenmuster festschreiben und "Frauen nach männlichen Vorstellungen schaffen". Die lesbische Aktivistin Raymond unterstellt "allen Transsexuellen", diese "vergewaltigen Frauenkörper, indem sie echte Frauen zu einem Artefakt reduzieren und diesen Körper für sich selbst vereinnahmen".

Raymond prägte von da an den Diskurs radikaler Feministinnen, die die vermeintliche Bedrohung, denen sich Frauen durch patriarchale Vergewaltiger in Gestalt von angeblich übergriffigen Transgender ausgesetzt sahen, in immer schrilleren Farben ausmalten. Die abstrakte Vergewaltigungs-Metapher verselbständigte sich zur Behauptung einer konkreten, physischen Bedrohung durch Vergewaltiger in Umkleidekabinen und Damen-Toiletten. Obwohl diese Argumentation nur von einem kleineren Teil im Kontext verschiedener feministischer Strömungen vertreten wird, nehmen TERF-Protagonist:innen häufig in Anspruch, die Interessen *der* Frauen – gemeint sind alle sogenannten biologischen Frauen – in Abgrenzung zu trans Frauen und Männern zu vertreten.

(…) Der Anschluss eines vom Selbstverständnis her linken radikalen Feminismus an ein rechtskonservatives und klerikales Milieu hatte zum einen strategische Bedeutung, zum anderen vertreten einflussreiche radikalfeministische Organisationen wie WoLF (Women’s Liberation Front) und WDI (Women’s Declaration International) auch offen rechtsextreme Positionen, soweit es ihnen hilft, TERF-Positionen politisch knallhart umzusetzen. In den USA fahren TERF damit aus ihrer Sicht erfolgreich: Republikanisch regierte Bundesstaaten haben die Gesundheitsversorgung für trans Personen einschränkt, trans Kinder werden vom gemeinsamen Schulsport ausschlossen. In Texas sehen sich deren Eltern der Gefahr ausgesetzt, wegen Kindesmissbrauchs belangt zu werden.

In Großbritannien lässt sich seit Jahren eine fortschreitende Radikalisierung von Gender Criticals bis ins rechtsextreme Milieu beobachten, die wiederum nach Deutschland ausstrahlt. Anfang 2021 rief die genderkritische britische Influencerin Posie Parker in einem Video Männer dazu auf, trans Frauen mit Schusswaffen am Betreten von Damentoiletten zu hindern. In den deutschsprachigen genderkritischen Kreisen werden ebenfalls seit Jahren ursprünglich aus den USA oder Großbritannien stammende transfeindliche Memes von angeblichen trans Sexualstraftätern geteilt, die ursprünglich rechtsradikalen Hass-Foren auf Plattformen wie 4Chan, 8Chan und KiwiFams entstammen.

Unterstützt von WDI Germany und rechtsradikalen Trollen attackierten Protagonist:innen der TERF-Szene einflussreiche trans Personen wie die Journalistin Georgine Kellermann mit gezielten Beleidigungen, bedrohten trans Aktivist:innen durch die Veröffentlichung privater Daten und Fotos. Ein besonders aggressiver, anonymer TERF-Account ("Gösser") flehte im Juni 2022 den NPD-Vorsitzenden Frank Franz auf Twitter um Unterstützung im Kampf gegen angeblich sexuell übergriffige trans Personen an.


Das sind alles hochinteressante Beobachtungen. Interessant ist allerdings auch eines: Dieser radikalfeministische Hass gegen trans Personen beruht eigentlich auf dem radikalfeministischen Hass auf Männer. Und was diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit angeht, gab und gibt es in linken Zeitungen wie dem "Freitag" keine solchen Artikel zu lesen.



4. In einem Flyer der Handelskette Rewe, der neue Mitarbeiter anwerben soll, ist ein Seemann mit Pfeife im Mund und verschränkten Armen zu sehen. Darunter heißt es "Moin, ihr Landratt:innen! Kein neuer Job in Sicht?" Ein grammatisch weiblicher Begriff ("die Landratte") wurde also noch einmal ins feministische Deutsch übertragen. Nutzer auf Twitter reagierten dementsprechend entnervt bis amüsiert mit Fragen wie "Was ist ein Landratt?" und "Ist das euer Ernst:in?"



5. Die Schweizer Zeitung "20 Minuten" klärt auf: Auch bei Männern gibt es nachgeburtliche Depressionen.



6. Die Zeitschrift "Eltern" erklärt, wie Papas ihre Bindung zum Baby stärken können.



7. Die Schweizer Sendung "Puls" beschäftigt sich kritisch mit der Beschneidung von Jungen.



Montag, Januar 23, 2023

Sorry, Frau Schmollack: Den meisten Deutschen ist Ihr Paritäts-Fetisch egal

1. Der "taz"-Autorin Simone Schmollack zufolge darf der Frauenanteil im künftigen Parlament "nicht zur Diskussion stehen". Da Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, müssten sie auch die Hälfte der Parlamentarier stellen – ob sich ebensoviel Frauen für eine politische Karriere begeistern können wie Männer oder nicht. Leider scheiterten sämtliche Versuche, über ein feministisches Wahlrecht genausoviel Frauen wie Männer ins Parlament zu bugsieren, an der deutschen Verfassung – und das obwohl diese Parität, so Schmollack, "eine Frage der Gleichberechtigung und somit ein Gebot der Zeit" sei. Gäbe es die Gleichverteilung im Bundestag erst mal, dann endeten "hoffentlich auch die sexistischen Vorwürfe gegen Ministerinnen, die im Amt versagen."

In einem der Leserkommentare unter dem Beitrag heißt es:

Ich kann den ganzen Artikel im Hinblick auf den letzten Absatz nicht nachvollziehen. Wenn der Autorin bekannt ist, dass Ihre Vorstellung mit dem Verfassungsgrundsatz der "freien Wahl" nicht vereinbar ist, wieso macht sie den Vorschlag dann trotzdem? Es ist in der Demokratie einfach nicht richtig, wenn man den Parteien vorschreibt, wen sie aufstellen dürfen und wen nicht - das dürfen die Parteimitglieder selbst entscheiden - und hinterher, wenn die Parteien zur Wahl stehen, die Wähler.




2. Allerdings ist den meisten Bürgern die Durchsetzung von Parität lange nicht so wichtig wie dem journalistischen Klüngel:

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagen 66 Prozent, Parität zwischen Männern und Frauen in der Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sei für sie eher oder sogar sehr unwichtig. Nur 7 Prozent ist sie dagegen sehr wichtig und weiteren 19 Prozent eher wichtig. 9 Prozent machen keine Angaben.


Ob die erwähnten zwei Drittel der Deutschen wissen, dass diese Frage Schmollack zufolge gar "nicht zur Diskussion stehen" darf?



3. Toxische Weiblichkeit der Woche: Eine Schweizer Lehrerin wurde zu einer Geldstrafe von über 1000 Franken verurteilt, weil sie einen Schüler zweimal ohrfeigte, nachdem sie ihm zuvor eine Tür an den Kopf geschlagen hatte. Sie darf weiterhin an ihrer Schule unterrichten.

Auch hier kann man sich fragen, wie die Reaktionen ausgefallen wären, wenn ein männlicher Lehrer mit einer Schülerin dasselbe gemacht hätte.



4. Die Ablehnung der feministischen Ideologie hat hierzulande in den letzten beiden Jahren um acht Prozent zugenommen. Der Blogger Christian Schmidt kommentiert eine entsprechende Meldung, die der Frage ausweicht, ob Feministinnen vielleicht irgendetwas falsch machen und wenn ja was. Das ständige Beschimpfen von Männern ist vielleicht nicht die beste Strategie.



5. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern ist zurückgetreten. Der kanadische Toronto Star kommentiert:

Es ist ein schrecklicher Schlag für die Rechte der Frauen in einer Zeit, in der die Gegenreaktion gegen den Feminismus - nein, gegen die Frauen - brutal ist und noch schlimmer werden wird. Frauen sollten niemals unterschätzen, wie sehr sie gehasst werden. Jede Woche steigen Wut und Gewalt gegen Frauen wie der Meeresspiegel. Toxische Männlichkeit regiert.




6. Neues starkes Video von Tamara Wernli: "Männer sind so einsam wie nie" - mit einem Seitenhieb auf einen männerfeindlichen Beitrag von Christine Ellinghaus, Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Emotion".



7. Im neuesten Beitrag des Youtube-Kanals "Jubilee" diskutieren Feministinnen mit Anti-Feministinnen. Gesprächsthemen sind Fragen wie "Ist Feminismus von Natur aus rassistisch?", "Können Feministinnen anerkennen, was Männer für die Gesellschaft tun?" und "Ist es für Frauen rational, Angst vor Männern zu haben?" Dass Männer in den Vierzigern mit einer Familie das höchste Suizidrisiko haben wird in der Debatte ebenfalls angesprochen.



Samstag, Januar 21, 2023

Köln: Frau soll Ex-Mann mehrfach vergewaltigt haben

1.
Im Sommer 2020 soll Anna S. ihren Ex-Mann laut Anklageschrift zum ersten Mal vergewaltigt haben. Sie soll sich damals mit ihrem ehemaligen Gatten, mit dem sie zwei gemeinsame Kinder hat, getroffen haben, um über das Umgangsrecht für die Kinder zu sprechen. Im Laufe der Unterredung habe sie ihn dann gewaltsam auf ein Sofa gedrängt und den Mann auf ihm sitzend mit den Knien fixiert.

Anschließend sei es zu dem Missbrauch gekommen (…) . Dabei soll der Geschädigte seine Ex-Frau mehrfach gebeten haben, die sexuellen Handlungen zu unterlassen. Schließlich sei ihm die Flucht gelungen.


T-Online berichtet.

Siehe zu diesem Thema auch diesen Beitrag vom Dezember: "For Many Boys and Men, Sexual Assault and Abuse Is a Very Real Issue".



2.
Auf seiner Suche nach einer jungen Frau hat ein 50-Jähriger offenbar danebengegriffen: Statt Sex gegen Geld erwartete ihn Prügel.


Hier geht es weiter.



3. Auch in Hessen ist jetzt eine Volksinitiative gegen das Genderdeutsch geplant.



4. Währenddessen fordern Grüne in Berlin genderneutrale Wahlbenachrichtigungen:

Die Grünen im Bezirk Lichtenberg beschweren sich, dass die Anrede in den Wahlbenachrichtigungen für die Wiederholungswahl in Berlin "Sehr geehrte Damen und Herren" lautet und nicht geschlechtsneutral gewählt wurde. "Warum werden Personen mit dem Geschlechtseintrag divers nicht berücksichtigt?", fragen die Grünen beim Bezirksamt in Lichtenberg nach.

Bezirksstadtrat Kevin Hönicke (SPD) kann darüber nur den Kopf schütteln. Er sagte der B.Z.: "Diese Anfrage der Grünen und die anscheinend fehlende Kenntnis hat mich überrascht." Das Lichtenberger Wahlamt arbeite professionell, richte sich nach der Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung. In der Geschäftsordnung sei auf Seite 13, Paragraf 43 festgelegt, dass die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" lautet.

Hönicke weiter: "Die Anschreiben sind somit absolut korrekt. Entweder haben die Grünen hier Unkenntnisse oder wollen auf Kosten der Mitarbeitenden eine Effekthascherei betreiben." Hönicke kündigte auf Twitter an, das Anliegen der Grünen trotzdem an den Landeswahlleiter weiterzugeben.




5. In der Zeitschrift Men's Health berichtet eine männliche Hebamme von den Vor- und Nachteilen dieses Berufs.



6. Der Väterrechtler Markus Witt berichtet auf Twitter:

Gemeinsamer Termin im Bundesjustizministerium zur Kampagne Genug Tränen. Wir sprechen gemeinsam mit einer Stimme, wenn es darum geht, Kindern beide Eltern und ihr familiäres Umfeld nach einer Trennung zu erhalten, Streit der Eltern zu deeskalieren und elterliche Verantwortung beider Eltern zu stärken.

Dazu braucht es manchmal auch für Deutschland neue Ideen, die sich in anderen Ländern schon positiv bewährt haben. Angekündigt wurde in den die größte Familienrechtsreform der letzten Jahrzehnte. Wir behalten es gemeinsam im Auge, dass Trennungskinder und ihre Familien dabei nicht übersehen werden.

Dazu gehören die Verhinderung von Eltern-Kind-Entfremdung, eine Deeskalation familiengerichtlicher Verfahren, Eltern in die Pflicht zu nehmen, konstruktiv an einer Einigung mitzuwirken und eskalierendem Verhalten klare Grenzen zu setzen, ein zeitgemäßes Unterhaltsrecht, welches auch Anreize zur gemeinsamen Betreuung setzt und viele weitere Punkte.

Unser Appell war klar: Der Gesetzgeber muss aktiv Gestalten und Gesetze können positive Wirkungen haben. Die letzten Reformen im Familienrecht führten immer zu noch mehr Streit (und besseren Einkünften für Anwälte, Gutachter etc.). Ziel einer Reform muss daher sein, die Gesetze so zu formulieren, dass Eltern und Kinder entlastet werden. Andere Länder beweisen uns, dass es geht. Wer "Kindeswohl" ernst nimmt, muss auch handeln. Daran werden wir den Gesetzgeber auch messen und werden uns konstruktiv einbringen.

Ein Dank gilt dem Bundesjustizministerium unter FDP-Minister Marco Buschmann, dass solche Gespräche nun möglich sind. In 8 Jahren großer Koalition gab es so etwas leider nicht, genauso wenig wie Reformen im Familienrecht. Um gute und tragfähige Lösungen zu finden, braucht es einen Austausch mit der Zivilgesellschaft und die Einbeziehung aller Perspektiven. Es ist ein gutes Zeichen, dass es auch den Dialog gibt.


Ein Foto, das die Meldung begleitet, zeigt Gerd Riedmeier vom Forum Soziale Inklusion, Stefan Dringenberg von efkir, Andre Roßnagel vom Väternetzwerk, Aybike Soybaba von der Bundesinitiative Großeltern, Dr. Charlotte Michel-Biegel und Ulf Hofes von "Papa Mama auch" sowie Markus Witt vom Väteraufbruch für Kinder.



7. Die britische Tageszeitung "Daily Mail" berichtet über die Wechseljahre bei Männern: ein gesundheitliches Problem, über das kaum gesprochen wird, obwohl darunter Millionen von Männern leiden – etwa in der Form von Depressionen, Erektionsschwäche, Haarverlust und starker Gewichtszunahme. Ursache ist ein drastisches Absinken von Testosteron.



8. Die britische Tageszeitung "Mirror" behandelt das Thema Beschneidung bei Jungen:

Die Ärzteaufsichtsbehörde führt jährlich fast vier Disziplinaranhörungen zu schrecklich verpfuschten Beschneidungsoperationen an Jungen durch. Zu den Beschwerden gehören deformierte Penisse, Babys, die Notfallbluttransfusionen benötigen, und unsterile Geräte, die zu Infektionen führen.

Alle Formen der rituellen Genitalbeschneidung von Mädchen sind im Vereinigten Königreich illegal, aber die religiöse und kulturelle Beschneidung von Jungen ist erlaubt, auch durch Nicht-Ärzte, und wird vor allem in jüdischen, muslimischen und einigen afrikanischen christlichen Gemeinschaften praktiziert, wo sie oft als religiöse Pflicht angesehen wird.

Befürworter der Praxis behaupten, das Verfahren sei sicher, doch die Versicherungsgesellschaft für Ärzte, die Medical Protection Society, warnt, dass es "erhebliche Risiken und Komplikationen" birgt.

Nun hat eine Anfrage der National Secular Society zur Informationsfreiheit ergeben, dass dem General Medical Council zwischen 2012 und 2022 39 Fälle von Beschwerden über männliche Beschneidungen vorgelegt wurden.

(...) "Diese Beschwerden legen die Gefahren medizinisch unnötiger Beschneidungen bei Säuglingen und Kindern offen", sagte Alejandro Sanchez, Arzt und Kampagnenbeauftragter der National Secular Society. "Es ist ein Mythos, dass die Beschneidung einfach und sicher ist Einem nicht einwilligungsfähigen Kind einen schmerzhaften, gefährlichen und irreversiblen Eingriff zuzumuten, um die religiösen Wünsche der Eltern zu erfüllen, widerspricht der medizinischen Ethik und den Kinderrechten."

Er fügte hinzu, dass die Ergebnisse nur die Spitze des Eisbergs seien, da sie nur Beschwerden gegen Ärzte enthielten. "Die Schäden, die durch nicht medizinisch ausgebildete Personen verursacht werden, die laut Gesetz auch Beschneidungen durchführen dürfen, sind kaum zu ermessen", so Dr. Sanchez. "Das medizinische Establishment und die Regierung müssen jetzt handeln, wie sie es bei der weiblichen Genitalverstümmelung getan haben, um Jungen vor medizinisch unnötigen religiösen und kulturellen Genitalbeschneidungen zu schützen."


In Deutschland hatte eine parteiübergreifende Initiative die Beschneidung von Jungen 2015 durch ein Sondergesetz legalisiert, nachdem das Landgericht Köln in dieser Praktik eine strafbare Körperverletzung erkannt hatte. Der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel zufolge hätte sich Deutschland ohne eine Legalisierung dieser Körperverletzung zur "Komikernation" gemacht.



Donnerstag, Januar 19, 2023

"Die Zeit": Leiden von Jungen an ihrem Körperbild wird ignoriert

1. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge findet sich unter den 15-Jährigen jedes zweite deutsche Mädchen und jeder dritte Junge zu dick – obwohl sie gar nicht übergewichtig waren. Bei den Mädchen wird dieses Missverhältnis zunehmend Thema, bei den Jungen nicht. Darüber berichtet Vera Görgen in der "Zeit". Ein Auszug aus dem sehr ausführlichen Artikel (Bezahlschranke):

Das medial vermittelte unrealistische Körperideal und der Druck auf die Mädchen wird zu Recht problematisiert und diskutiert. Um Jungen aber geht es kaum bei den Debatten um Body Image, Body Positivity und Bodyshaming. Über ihr Körperbild und ihre Sorge, Idealen nicht zu entsprechen, wird nur wenig gesprochen. Gibt man bei Google die Schlagworte Body Image, Anorexie, Body Positivity oder Bodyshaming ein, erscheinen größtenteils Bilder weiblicher Personen. Auch auf Instagram posten unter dem Hashtag #bodypositive fast zu 90 Prozent Frauen.

"In der gesellschaftlichen Debatte über Körperzufriedenheit kommen die Jungen viel weniger vor als die Mädchen, wenn sie überhaupt benannt und gesehen werden, bei Essstörungen ganz genauso wie bei Körpergestaltung", sagt Reinhard Winter, promovierter Sozialwissenschaftler, Pädagoge, Jungenforscher und Berater von Eltern und deren Söhnen in Tübingen. "Sie sind bisher kein großes Thema in der Gesellschaft und auch nicht in der Forschung."


Ihr falle keine repräsentative deutsche Studie aus den letzten zehn Jahren ein, die sich speziell mit der Körperzufriedenheit von Jungen befasst, sagt auch Silja Vocks, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Osnabrück, die zum Thema Körperbild forscht. Gleichzeitig zeigt eine US-amerikanische Umfrage, dass Jungen gegenüber Mädchen nur leicht zurückliegen, was die Unsicherheit mit ihrem Körperbild betrifft.

"Bis zu 75 Prozent der Jungen, je nach Studie, sind unzufrieden mit ihrem Körper", sagt Charlotte Markey, Professorin für Psychologie an der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey und Co-Autorin des in diesem Jahr erschienenen Buches Being You. The Body Image Book for Boys. (…) Zwischen 25 und 33 Prozent aller Patienten mit Essstörungen seien Jungen oder Männer.

"Der gesellschaftliche Diskurs ist sehr weiblich zentriert und auch die Forschung war lange Jahre sehr weiblich fokussiert", sagt Markey, die vor zwei Jahren schon das Body Image Book for Girls geschrieben hat. Das führe dazu, dass Jungs sich für ihre Sorgen schämten. Sie schämten sich nicht nur für ihre Körper. Sondern auch, überhaupt über ihre körperliche Unzufriedenheit zu reden, auch vor sich selbst. "Wenn ich Jungen interviewe, sagen sie oft, dass das Mädchenprobleme seien, die sie gar nicht erschüttern sollten", sagt die Wissenschaftlerin, die erzählt, dass sie seit 25 Jahren zum Thema Body Image forscht. "Wenn man aber mit ihnen spricht, dann sieht man, dass auch sie leiden." Viele wollen ihr Shirt nicht ausziehen, am Strand, im Schwimmbad oder in der Umkleidekabine beim Sport.

(…) "Unserer Gesellschaft fällt es schwerer, Jungen als Leidende wahrzunehmen, weil es nicht mit den klassischen Männlichkeitsbildern d'accord geht", sagt Reinhard Winter. So wie es auch Jungen schwerer als Mädchen falle, sich selbst so zu sehen.


Winter zufolge gebe es in Deutschland keine Forschung zu diesem Thema, wohingegen in einer Schweizer Studie "vor allem das Körpergewicht der Mädchen im Fokus der Untersuchungen" stand,, "während knabenspezifische Aspekte des Körperbildes (zum Beispiel ein muskulöser Körper) oft vernachlässigt wurden".

Unerreichbar muskulöse Männerkörper, wie sie nur Photoshop und Filter hervorbringen, sehen die Jungen auch in den sozialen Medien. "Junge Menschen können nicht so gut wie Erwachsene erkennen, was realistisch und was fake ist", sagt Charlotte Markey. "Sie sehen auch nicht, dass kein Mensch so aussehen kann, außer, er hat Steroide genommen."

(…) "Wir sehen, dass die Jungen sich vergleichen und dann unzufriedener mit ihren eigenen Körpern sind", sagt Markey. "Es ist definitiv nicht gut für ihre psychische Gesundheit."

Sie können Selbstwertprobleme entwickeln, Gefühle von Minderwertigkeit und Scham, Essstörungen, Depressionen oder eine Muskeldysmorphie. Diese Erkrankung, die 2014 erstmals in der deutschsprachigen Ausgabe des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungenerschien, "bezieht sich auf die Unzufriedenheit mit der eigenen Muskulatur und ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung mit relativ hohen Suizidraten", so Silja Vocks.


Ich habe bereits 2001 in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" über Essstörngen bei Jungen und Männern geschrieben. Seitdem wird dieses Problem ignoriert und Männerrechtler, die es ansprechen, entweder angefeindet oder aus der Debatte ausgegrenzt.



2. Die Tagesschau ist unzufrieden damit, dass ein Mann als neuer Verteidgungsminister nicht so stark skandalisiert wird wie gewünscht:

Es ist ein Mann. Mit seiner Entscheidung für Pistorius als Verteidigungsminister bricht Kanzler Scholz sein Paritäts-Versprechen für das Kabinett. Wo bleibt der Aufschrei der SPD-Frauen?


Hier geht es weiter.



3. Der Deutschlandfunk berichtet über manipulierte Trennungskinder: "Wenn der Papa zum Buhmann wird". Der Artikel verweist auf die Websites der Vereine "Papa Mama Auch" sowie den Väteraufbruch für Kinder.



Mittwoch, Januar 18, 2023

Verteidigungsministerum geht an Mann: Unmut bei Grünen und SPD

1. Boris Pistorius wird die Nachfolge von Christine Lambrecht antreten – obwohl er ein Mann ist! Das sorgt für Ärger in zwei Parteien der Ampelkoalition:

Die Grünen-Frauenpolitikerin Ulle Schauws hat die Entscheidung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) für einen Mann als Verteidigungsminister und damit gegen die versprochene Geschlechterparität im Bundeskabinett kritisiert. "Das klare Versprechen von Olaf Scholz, beim Start der Regierung ein paritätisch besetztes Kabinett zu bilden, war wichtig und im Sinne der Gleichberechtigung ein zeitgemäßes, richtiges Signal“" sagte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion (…).

"Wir Grüne stehen klar zum Grundsatz der Parität. Darum ist es mehr als enttäuschend, wenn der Kanzler bei der ersten Hürde dieses Ziel über Bord wirft", so Schauws. "Er muss sich an dem progressiven Kurs messen lassen, den er gesetzt hat."

(…) Noch am Montag, vor der Bekanntgabe der Personalie Pistorius, hatten in der Diskussion um die Nachfolge für die zurückgetretene Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht die SPD-Frauen auf Geschlechterparität in der Ampel-Regierung bestanden. "Eine Gesellschaft, die zu über 50 Prozent aus Frauen besteht, muss sich auch im Kabinett widerspiegeln", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Maria Noichl, der Rheinischen Post. "Fifty-fifty muss weiter gelten. Dafür steht die SPD."


Weiteres Gemotze hat Tichys Einblick zusammengestellt.

Noch nicht in der Liste ist der taz-Artikel "Das Versagen des Feministen Scholz". Falls Pistorius der Aufgabe nicht gewachsen sei, heißt es dort, gäbe es "sicher fähige Nachfolgerinnen". Denn die Quote sei "gelebter Ausdruck dafür, dass es bei der Besetzung von Führungsposten nicht aufs Geschlecht ankommt. Was nicht der Fall ist – Männer sind überall im Vorteil."

Die beiden Ministerinnen, die unter Paritätsgesichtspunkten ernannt worden waren, waren Anne Spiegel und Christine Lambrecht.

Die Neue Zürcher Zeitung kommentiert den Rücktritt von Christine Lambrecht so:

Lambrechts Fehler war es, aus Selbstüberschätzung eine Aufgabe anzunehmen, die ihr aus Paritätsgründen angetragen worden war. Eine Frau musste her, nachdem mit Karl Lauterbach überraschend ein weiterer sozialdemokratischer Mann den Weg ins Kabinett gefunden hatte. Scholz wurde zum Gefangenen seines Versprechens, für eine gleiche Repräsentanz der Geschlechter unter seinen acht SPD-Ministern zu sorgen. Insofern stellt Lambrechts Debakel der arithmetisch zugespitzten Identitätspolitik ein schlechtes Zeugnis aus: Wenn Quoten die Qualität übertrumpfen, bleibt Kompetenz auf der Strecke.




2. Im evangelischen "Sonntagsblatt" erzählt ein Erwachsener, welche seelischen Folgen die Trennung seiner Eltern auf ihn hatte. Ein Auszug:

Seine Mutter habe ihm zwar immer wieder gesagt: "Wenn du deinen Vater sehen willst, dann darfst du das", aber aufgrund der Erzählungen seiner Mutter wollte er das zunächst gar nicht. "Heute weiß ich: Ich stand im Loyalitätskonflikt." Sein Vater hatte jahrelang immer wieder versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Für ihn jedoch war der Vater ein böser Mensch. Lewalter blockte daher jeden Annäherungsversuch ab.

Lewalter erinnert sich daran, wie seine Mutter all seine in ihren Augen negativen Eigenschaften seiner väterlichen Seite zuschrieb.

"Meine Mutter sagte immer, wenn ich wütend war: Du bist wie dein Vater. Das war für mich das Schlimmste."

Deswegen versuchte er fortan stets, Emotionen wie Wut zu unterdrücken - bis er immer mehr einen Großteil seines eigenen Charakters kleinhielt. "Ich habe meine eigene Identität verleugnet", sagt der heute 46-Jährige.

Seine angestaute Wut, der Selbsthass, die Verzweiflung hatten auch einen negativen Effekt auf seine körperliche Gesundheit. "Ich hatte Rückenschmerzen und Schlafprobleme. Als ich 28 Jahre alt war, sagte mir ein Arzt, dass das an der psychischen Misshandlung liegen könne."

Der Bremer Psychologe Stefan Rücker forscht seit geraumer Zeit über die Folgen einer Eltern-Kind-Entfremdung und berät Trennungseltern. "Welche Folgen eine tatsächliche Entfremdung für Kinder hat, ist unterschiedlich. Es gibt robuste, resiliente Kinder, die solch ein einschneidendes Lebensereignis gut verarbeiten." Doch das sei die weitaus geringere Zahl.

"Der Großteil der entfremdeten Kinder erlebt zunächst einmal Stress."

Betroffene leiden im Erwachsenenalter daher häufiger unter Depressionen und Schwierigkeiten im Beziehungsaufbau, sagt Rücker. "Der durch Entfremdung entstandene Verlust einer wichtigen Bezugsperson weist Trauma-Potenzial auf. Traumata bilden die Grundlage für nahezu alle psychischen Erkrankungen", erklärt der Psychologe.

Lewalter unterdrückte die Erinnerung an seinen Vater bis zu einem bestimmten Tag. An jenem Freitagmorgen - er war damals 38 Jahre alt - ruft ihn eine unbekannte Nummer in der Werkstatt an, in der der Kfz-Mechaniker seinerzeit arbeitete. Jemand sagte: "Hier ist dein Vater." Die Erinnerung daran wühlt ihn noch heute auf.

"Irgendwann bin ich dann zu meinem Vater gefahren und wir haben uns unterhalten, ganz zwanglos", erzählt er weiter. Er habe erfahren, was der Vater alles unternommen habe, um seinen Sohn zu sehen.

"Ich wollte wissen, was mein Vater für ein Mensch ist. Ich wollte ihn kennenlernen", sagt er.

Sein Vater hatte nach der Trennung eine andere Frau kennengelernt. Sie hat drei Kinder mit in die Beziehung gebracht, eines davon mit Behinderung. "Noch heute kümmert er sich um dieses Kind. Da habe ich gemerkt: Das kann gar nicht so ein schlechter Mensch sein, wie meine Mutter ihn immer beschrieben hatte."

Das Treffen mit seinem Vater hatte viele positive Folgen für Lewalter. "Endlich konnte ich mich selbst akzeptieren, meine Emotionen und all die aufgestaute Wut annehmen und Frieden schließen mit allem."

Vor einem Jahr ist sein Vater gestorben. Wann immer er nun von seiner Mutter den Satz "Du bist wie dein Vater" zu hören bekomme, antworte er nur: "Ja, genau. Ich bin wie mein Vater." Er habe seinen Frieden damit geschlossen.




3. München bekommt ein Väterberatungszentrum.



4. Unter der knackigen Schlagzeile "Brutalo-Mädchen (13) im Gewaltrausch" berichtet die Bildzeitung heute, was toxische Weiblichkeit anrichten kann (Bezahlschranke).



5. Frankreich steht unter Schock, nachdem sich ein 13jähriger Junge das Leben genommen hat, der Opfer von schwulenfeindlichem Mobbing geworden war.



6. "Heul doch, Mann!" fordert der Deutschlandfunk, und es ist diesmal nicht als sarkastische Reaktion auf von Männerrechtlern vorgebrachte Anliegen gemeint.



7. Der Sexismus-#Aufschrei! des Monats Januar ist aus Köln zu hören:

In der hoteleigenen Bar "Veedelseck" hat man sich an einen kölschen Evergreen erinnert und einen Schriftzug mit dem Höhner-Song "Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche" (Song von 1979) aufgehängt. Doch das gefällt nicht jedem. Jetzt hat das Hotel eine bitterböse Mail einer Anwohnerin bekommen. "Ich melde mich bei Ihnen, um Sie auf die sexistische Außenwerbung Ihrer Bar ‚Veedelseck‘ aufmerksam zu machen", so die Verfasserin. "Das Zitat des Liedes der Höhner ‚Blootwosch, Kölsch und e lecker Mädche‘ suggeriert, Männer könnten neben Essen und Trinken bei Ihnen auch Mädchen ‚genießen‘". Weiter heißt es: "Ganz abgesehen davon, dass Mädchen eine Bezeichnung für minderjährige Frauen ist, empfinde ich das Zitat in seiner Message als nicht zeitgemäß und diskriminierend." Der Satz vermittele der Anwohnerin ein Bild einer Bar, "die für mich als Frau kein sicherer Ort zu sein scheint – egal ob als Gast oder als potenzielle Arbeitskraft. Da ich gerade erst neu in dieses Viertel gezogen bin, werde ich auch mein Umfeld auf die Außenwerbung aufmerksam machen."


Aber was bedeutet das Ausdruck "Lecker Mädchen" ieigentlich m kölschen Dialekt? Eine Kölner Website klärt auf und zieht das Fazit: "Wenn man miteinander redet und etwas Empathie, Wissen und Verständnis für die Kulturen und Bräuche anderer entwickelt, klärt sich so manches Missverständnis sehr schnell auf."



8. Eine neue Studie zeigt eine höhere sexuelle Intelligenz bei Männern als bei Frauen. Sexuelle Intelligenz wurde von den Forschern definiert als "die Fähigkeit, sexuelle Bedürfnisse und Wünsche in einem persönlichen und sozialen Kontext wahrzunehmen, zu verstehen und darauf zu reagieren".



9. Schau an: ein weiteres gelungenes maskulistisches Video.



Dienstag, Januar 17, 2023

NDR interviewt mich zum Thema "Männlichkeit 2023"

Wisst ihr, als ich letzten Herbst in der Klinik war, hatte ich mich eigentlich entschieden, auf absehbare Zeit keine Interviews mehr zu geben. Die Erfahrungen, die man dabei macht, sind extrem frustrierend – erst recht, wenn man ohnehin schon depressiv ist. Man benötigt mit Anfahrt so viel Zeit für das Gespräch und alles Drumherum, dass man an diesem Tag kaum etwas anderes machen kann, dazu kommen mehrere Tage Vorlauf allein für das Auswendiglernen mancher Daten und das Suchen nach einer neuen passenden Location. Der Preis für diese Arbeit ist oft, dass man sinnentstellend zitiert wird, damit Klischees über Männerrechtler erfüllt werden können. Wenn der Aufwand das Ergebnis selten lohnt, lasse ich es besser bleiben.

Dann aber ging kurz vor Weihnachten eine Anfrage des NDR wegen eines Interviews für das Podcast "Flexikon" bei mir ein. Dieser Podcast ist eine Produktion von N-JOY, der jungen Welle des NDR. Zu Gast waren dort unter anderem Fettes Brot, Linda Zervakis, Jochen Schweizer und Sebastian Fitzek. Er erscheint alle zwei Wochen in der ARD-Audiothek, bei Spotify und Apple Podcasts und überall sonst, wo es Podcasts gibt. Die Anfrage war außerordentlich professionell gestaltet. Das Interview konnte bei mir zu Hause über Skype stattfinden und würde lediglich eine halbe Stunde dauern. Aus einem halbstündigen Gespräch kann man sehr viel schwieriger Passagen so zusammenstellen, dass der Interviewpartner als verschrobener Sonderling erscheint wie etwa bei den neunstündigen Aufnahmen, die ich vorletzten Oktober mit Mo Asumang gemacht habe.

(Einer meiner Mainzer Bekannten berichtete mir neulich übrigens, er sei dem Kameramann begegnet, der diese Aufnahmen gefilmt habe. Er sei über die Art des Zusammenschnitts befremdet gewesen.)

Also habe ich mich doch noch auf das Gespräch mit Steffi Banowski für den NDR eingelassen. Auch dieses Gespräch verlief ungewohnt professionell. Steffi Banowski hatte sich erkennbar zu mir eingelesen und stellte vernünftige Fragen, auf die man auch vernünftige Antworten geben konnte. Insgesamt war ich einer von vier Gesprächspartnern der Sendung, die jetzt online gegangen ist (wie gesagt: auch auf Spotify und so weiter). So wird dieser Sendebeitrag vorgestellt:

Es ist keine 20 Jahre her, da gehörten zur Grundausstattung eines echten Mannes ein Werkzeugkoffer und 'ne Packung Kippen. Heute lackieren sich Männer die Nägel und tauschen im Kleiderkreisel Babyklamotten, während sie eine Werbeagentur in Teilzeit leiten.

Das ist alles ein bisschen viel Klischee, wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Aber eins ist klar: Die Möglichkeiten sind mehr geworden und die Ansprüche gewachsen.

Wie ist man also ein richtiger Mann im Jahr 2023?

Unsere Flexpert*innen:

- Eko Fresh: Er hat den Weg vom Bordstein zur Skyline im Real Life durchgespielt. Früher Ego-Rap, heute Lego-Rap. Als Familienvater und Ehemann hat sich seine Perspektive ganz schön verändert. Früher auch schon mal toxische Texte, heute wird er für sein Engagement in Sachen Integration ausgezeichnet.

- Fabian Hart: In seinem Podcast "Zart bleiben" setzt er sich schon lange für ein vielfältiges Männerbild ein. Sein Credo: Du kannst auch pumpen gehen und mit deinem dicken Auto flexen, Hauptsache, du bleibst respektvoll und offen für andere Lebensentwürfe.

- Arne Hoffmann ist Autor und "Maskulist". Denn nicht nur Frauen werden in der Gesellschaft benachteiligt, sagt er. Gerade in der Schule und im Rechtssystem ziehen Jungen und Männer häufig den Kürzeren.

- Dirk Pfister ist Gentleman-Trainer. Bei ihm kann man so exotische Kurse wie "Frauenretten" buchen. Mut und Hilfsbereitschaft machen nach Dirks Lebensphilosophie einen echten Gentleman aus.


Es freut mich sehr, dass hier ein ebenso faires und sachkundiges Gespräch zustande gekommen ist, wie ich es 2017 mit der Feministin Mithu Sanyal für den SWR geführt habe, bis es im Januar 2020 gesendet wurde.

Das Problem ist allerdings: Lediglich alle paar Jahre ein sachliches, gut informiertes Interview zwischen einer Menge herabsetzenden Murks-Beiträgen ist für unsere Leitmedien keine arg tolle Bilanz in diesem Bereich.

Wobei das so nicht ganz stimmt. Es gibt mehrere Interviews, die ebenfals gut verliefen, von denen ihr und der Rest der Öffentlichkeit aber nicht erfahren habt, weil sie nie gesendet wurden. (Der MANNdat-Vorsitzende Matthias Enderle hat Ähnliches ja mit dem SPIEGEL erlebt.)

Ein Beispiel: Ende 2021, wenige Wochen nach dem Dreh mit Mo Asumang, durfte ich einer Journalistin ein Interview für den Sender "arte" geben. Da sie einige meiner Bücher bei den Aufnahmen dabei hatte, konnte ich sehen, dass sie intensiv durchgearbeitet waren, was sich an zahlreichen textlichen Markierungen in verschiedenen Farben zeigte. Dementsprechend stelte sie mir kluge und wohlinformierte Fragen. Auch eine junge Frau, die in dem Lokal saubermachte, wo das Gespräch stattfand (dem Mainzer "Domsgickel"), wirkte sehr interessiert und angetan von meinen Ausführungen.

Nachdem das arte-Interview vorbei war, erkundigte ich mich interessiert, weshalb die Journalistin über die ansonsten üblichen insinuierenden Fragen danach verzichtet hatte, warum ich vor über zehn Jahren auch in rechten Publikationen veröffentlicht hatte. "Sie erklären doch in Ihren Büchern, dass das im linken Spektrum kaum möglich war und Sie sich von rechten Positionen distanzieren", antwortete sie. Das stimmt. Aber um das zu wissen, muss man meine Bücher erst einmal lesen. Dass Journalisten aber tatsächlich die Werke des Autors kennen, über den sie berichten, ist unüblich und ich erlebe es nur in Ausnahmefällen. Manchmal verdrehen Journalisten sogar gequält die Augen, wenn ich ihnen nachd em Gespräch einer meiner Titel überreiche. Die Wikipedia und vielleicht ein Beitrag auf "Vice" müssen als Recherche offenbar genügen.

Im Oktober 2022, ich war inzwischen Patient in der Wiesbadener Klinik, erreichte mich über Facebook eine Nachricht der arte-Journalistin, mit der sie mir mitteilte, dass das Interview mit mir nicht in die Sendung aufgenommen wurde. Thema und Titel dieser Sendung waren nämlich "Feindbild Frau", und dort passte ich mit meinen "spannenden Thesen und Kommentaren", die man nicht verfälschen wolle, nicht hinein.

Natürlich nicht. Ich habe mich immer gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausgesprochen; Jungen und Männer sind (aus guten Gründen) lediglich mein Schwerpunkt. Wenn man über mich berichtet, kann man mich nur anders darstellen, indem man mich entweder verzerrend interviewt oder – wie es Sebastian Leber vom Berliner "Tagesspiegel" gemacht hat – gänzlich darauf verzichtet, mich zu bestimmten Vorwürfen selbst zu befragen.

So erfreulich es ist, dass meine Argumente von arte nicht so verzerrt und verbogen wurden, dass ich damit in ein Raster passte, das Vorurteile gegenüber Männer-Aktivisten bedient, so schade ist es, dass Leitmedien fast ausschließlich diese beiden Möglichkeiten kennen, mit uns umzugehen: Entweder wir werden als bedenkliche Unholde präsentiert oder eben gar nicht.

Irgendwann hat man auf solche Gespräche einfach keine Lust mehr.

Mir bleibt nur übrig zu hoffen, dass das aktuelle Interview mit dem NDR ein weiterer Schritt in die Richtung ist, diese Situation zu beenden. Der künftige ARD-Vorsitzende Kai Gniffke hatte ja unlängst verkündet: "Wir müssen ein Klima in den Häusern schaffen, in denen alle Auffassungen, die sich an demokratische Spielregeln halten, einen Platz haben." Am Ende sogar die Auffassungen von Menschen, die für die berechtigten Anliegen von Jungen und Männern eintreten.



Montag, Januar 16, 2023

Jungen werden strenger benotet als Mädchen: Was ist zu tun?

Die Website Big Think beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass Jungen für dieselbe Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen, und erwägt, welche Maßnahme dagegen sinnvoll wäre:



In allen Altersgruppen und fast allen Bildungsbereichen schneiden Jungen schlechter ab als Mädchen.

"In den OECD-Ländern sind die Mädchen den Jungen im Lesen etwa ein Jahr voraus, während der Vorsprung der Jungen in Mathematik hauchdünn ist und weiter schrumpft. Bei Jungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in allen drei wichtigen Schulfächern - Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften - durchfallen, um 50 Prozent höher als bei Mädchen", schreibt Richard Reeves, Senior Fellow in Economic Studies und Direktor der Future of the Middle Class Initiative, in seinem kürzlich erschienenen Buch ["Of Boys and Men"].

Einem Bericht der Brookings Institution aus dem Jahr 2018 zufolge haben etwa 88 % der amerikanischen Mädchen die High School rechtzeitig abgeschlossen, verglichen mit 82 % der Jungen. Im Jahr 2020 werden sechs von zehn College-Studenten Frauen sein. Sobald sie auf dem Campus sind, erreichen sie höhere Abschlussquoten und erhalten dabei mehr Associate-, Bachelor-, Master- und Doktorgrade. Wie die rückläufige Zahl der College-Studenten in den USA zeigt, die zu 71 % aus Männern besteht, wird die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern weiter zunehmen.

Die Gründe für diese wachsende Kluft in der Bildung sind heftig diskutiert worden. Ein erschreckender Mangel an männlichen Lehrern (nur 24 %), die praxisferne, langweilige Struktur der Schule und schlechte Erziehung sind nur einige der Erklärungen, die angeboten werden. Eine weitere, weniger häufig diskutierte Erklärung beginnt sich in der wissenschaftlichen Literatur herauszukristallisieren: Jungen scheinen strenger benotet zu werden als Mädchen.

Als Forscher in der ganzen Welt - von Israel und Schweden bis Frankreich und Tschechien - das Benotungsverhalten von Lehrern untersuchten, indem sie entweder hypothetische Schülerarbeiten benoteten und nur das Geschlecht der Schüler änderten oder die Noten von "ähnlich kompetenten" männlichen und weiblichen Schülern verglichen, stellten sie fest, dass Mädchen durchweg bessere Noten erhielten als Jungen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie, die an fast 39 000 Schülern der 10. Klasse in Italien durchgeführt wurde, untermauert dieses Muster.

Die Autoren Ilaria Lievore und Moris Triventi, beide vom Fachbereich Soziologie und Sozialforschung an der Universität Trient, fanden heraus, dass Mädchen bei gleicher "fachspezifischer Kompetenz", gemessen an standardisierten Testergebnissen, großzügiger benotet werden als Jungen. In Italien werden die Schüler auf einer Skala von eins bis zehn benotet, wobei eine sechs als bestanden gilt. In Mathematik werden Mädchen um etwa 0,4 Punkte besser benotet als Jungen mit vergleichbaren Fähigkeiten. In der Sprache beträgt der geschlechtsspezifische Bewertungsaufschlag 0,3 Punkte zugunsten der Mädchen.

Da die Forscher auch Daten zu den Lehrkräften und den Merkmalen des Klassenzimmers sammelten, untersuchten sie, ob das Geschlecht der Lehrkraft oder die Größe des Klassenzimmers einen Einfluss auf die unterschiedliche Benotung hatte. Leider konnten sie keine Anzeichen dafür finden, dass männliche Lehrer die Jungen besser benoten. Auch eine geringere Schülerzahl in einer Klasse konnte den Effekt nicht abschwächen.

Die Forscher konnten daher nur über die Ursache des Ungleichgewichts bei der Benotung spekulieren.

"Eine verwandte theoretische Strömung interpretiert das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern bei der Benotung auch als eine Funktion des beobachteten Verhaltens der Schüler", schreiben sie. "Die Schul- und Unterrichtsumgebung könnte tatsächlich an traditionell weibliche Verhaltensweisen angepasst sein. Weibliche Schüler könnten daher während des Unterrichts Verhaltensweisen wie Präzision, Ordnung, Bescheidenheit und Ruhe an den Tag legen, die über die individuellen akademischen Leistungen hinausgehen, die aber von den Lehrern im Hinblick auf die Noten in hohem Maße belohnt werden."

Die einfache Tatsache ist, dass Lehrer trotz ihrer besten Absichten von denselben unbewussten Vorurteilen beeinflusst werden können wie wir anderen auch. Ein anonymer Lehrer wies auf Reddit darauf hin: "Die Stimmung des Lehrers hat Einfluss auf die Noten. Wie sich der Schüler im Unterricht verhält, wirkt sich auf die Benotung aus. Wie sich die Eltern der Schüler verhalten, wirkt sich auf die Noten aus."

Eine einfache Lösung für die Voreingenommenheit bei der Benotung besteht also darin, dass die Schüler ihren Namen ganz am Ende eines Tests oder einer Aufgabe schreiben, so dass der Prüfer ihre Identität erst nach der Bewertung der Arbeit kennt.




Sonntag, Januar 15, 2023

Wolfgang Kubicki (FDP) fordert: Bei Lambrechts Nachfolge darf Frauenquote keine Rolle spielen

1. Die Bildzeitung berichtet:

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (57, SPD) will ihr Amt zur Verfügung stellen, erfuhr BILD am Freitag exklusiv. Schon wird über Lambrechts Nachfolge diskutiert – und selbst aus den Reihen der Bundesregierung wird die Forderung laut: Eine Frauen-Quote, auf die Kanzler Scholz bei seinem Kabinett bisher so viel Wert gelegt hat, darf bei der Neu-Besetzung dieses wichtigen Postens keine Rolle spielen!

FDP-Vize und Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (70, FDP) mahnt in BILD am SONNTAG: "Der Bundeskanzler sollte das für Deutschlands Sicherheit wichtige Verteidigungsministerium nicht unter paritätischen Gesichtspunkten nach Geschlechtern, sondern nur nach Kompetenz besetzen. Nach vier schwachen Ministerinnen und Ministern hat die Bundeswehr endlich jemanden verdient, der oder die etwas von der Sache versteht."


Ein Kommentar von Paul Ronzheimer, Chefredakteur der Bildzeitung, zielt in dieselbe Richtung:

Wenn Scholz jetzt erneut den Fokus vor allem darauf legt, nach Quote auszusuchen und nicht nach Qualifikation, wird es auch für den Kanzler selbst gefährlich. (…) Eine weitere Fehlbesetzung im Amt kann sich der Kanzler nicht leisten!


Andere aktuelle Beiträge ziehen mit. Matthias Brodkorb (SPD) etwa bezeichnet Lambrecht als die oberste Quotenfrau im Staate und fordert, es solle zukünftig um Kompetenz statt Geschlecht gehen (Bezahlschranke). Im "Focus" titelt Ulrich Reitz: "Lieber Herr Scholz, nach Lambrecht bitte keine Quotenfrau mehr". In der "Welt" fordert Dagmar Rosenfeld: "Bei der Lambrecht-Nachfolge darf Parität keine Rolle spielen". Und in der NZZ sieht Susanne Gaschke Lambrechts Rücktritt nur dann als einen Befreiungsschlag für Kanzler Scholz, "wenn er den Quotendruck seiner Partei ignoriert".



2. Die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtet über die Ausstellung der Semesterarbeiten der Fakultät für Design und Künste am Campus in Bozen:

Licht in die "patriarchale Dunkelheit" zu bringen versuchten Studierende in einem Photographie-Workshop zum Phänomen der "old white man", der alten weißen Männer: "Woher kommen sie, was machen sie, wofür sind sie verantwortlich? Sind sie alle gleich – in ihrer Hilflosigkeit, ihrer Angeberei, ihrer Art, jung sein zu wollen, etwas darstellen zu wollen…sind sie ein Phänomen? Sollen wir lachen?"




3. Eine aktuelle Schweizer Umfrage führt zum gewohnten Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lehnen das Gendern durch Behörden ab. Bei den Männern können nur 20 Prozent etwas damit anfangen, bei den Frauen sind es 33 Prozent.



4. In der Neuen Zürcher Zeitung berichtet Josef Joffe, der sonst für "Die Zeit" schreibt, über die neuen Sprachregeln an der US-Uni Stanford und darüber hinaus:

Verpönt ist die tausendfach benutzte Grussformel "ladies and gentlemen". Das sei "binäre Sprache", schliesse also alle anderen Geschlechter aus. "Gentleman" sei überdies "maskuline Sprache", welche Frauen und Transgender-Menschen ignoriere. Also "Hallo, ihr alle". Das Adjektiv "seminal" ist verboten, weil darin "semen" ("Samen") steckt und "männlich-dominierte Sprache bevorteilt". So sollen wir also zugunsten der Inklusion "bahnbrechend" oder "fruchtbar" walten lassen.

Stanford folgt hier dem gendergerechten Beispiel des US-Kongresses, der 2021 für das Parlament das binäre "Väter und Mütter" mit "Eltern" ersetzte. "Bruder und Schwester" schrumpften zu "Geschwister" zusammen. Zur Eröffnung der 117. Legislaturperiode endete das Einführungsgebet mit "Amen and A-women". Der inklusiv denkende Abgeordnete war nicht ganz fit in der Liturgie. "Amen" hat nichts mit Geschlecht zu tun. Es ist eine Bekräftigungsformel aus dem Hebräischen, etwa "So soll es sein!".




Samstag, Januar 14, 2023

Soziologe: Wie der Begriff "toxische Männlichkeit" Männer entmenschlicht

Der britische Professor für Soziologie Frank Furedi erklärt in einem aktuellen Essay, wie der Begriff "toxische Männlichkeit" Männer entmenschlicht. Ich habe die entsprechende Passage für Genderama ins Deutsche übersetzt.



In den Bildungs- und Kultureinrichtungen der angloamerikanischen Welt ist der Begriff "toxic masculinity" zu einer selbstverständlichen Redewendung für die Interpretation männlichen Verhaltens geworden. Der Begriff ist überflüssig, da inzwischen alle Formen von Männlichkeit als toxisch dargestellt werden. Eine Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur über Männlichkeit zeigt, dass männliches Verhalten routinemäßig als inhärent toxisch dargestellt wird. Es ist schwierig, Studien zu finden, in denen Männlichkeit neutral diskutiert wird, und es überrascht nicht, dass die Leser zu dem Schluss kommen, dass Männer den Frauen zumindest moralisch unterlegen sind.

Der Begriff "toxische Männlichkeit" ist zu einem Sammelbegriff geworden, der männliche Gefühle von Anspruchsdenken, Wut und Verletzlichkeit sowie den Drang, offen oder verdeckt zu dominieren und einzuschüchtern, beschreibt. In seinem Buch "Angry White Men" hat der amerikanische Soziologe Michael Kimmel Männlichkeit - insbesondere die von weißen Männern gezeigte - mit rassistischem und rechtsextremem Verhalten in Verbindung gebracht. Aus dieser Perspektive wurde die Wahl von Donald Trump durch toxische Männlichkeit begünstigt.

Der Einzug des Begriffs "toxische Männlichkeit" in die Diskussionen der Mainstream-Medien fällt mit der zunehmenden Tendenz zusammen, Männer, insbesondere weiße Männer, als das Haupthindernis für eine gerechte, "integrative" und "vielfältige" Gesellschaft darzustellen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht nur Männer verunglimpft werden, sondern auch die mit Männern verbundenen Werte. Die nach außen hin alarmierenden Darstellungen der toxischen Männlichkeit richten sich gegen männliche Gewalt, Anspruchsdenken und sexuelle Aggressivität. Aber diese Darstellungen sind auch äußerst feindselig gegenüber Tugenden wie Mut, Risikobereitschaft, Selbstbeherrschung und Stoizismus. Diese einst gefeierten Werte werden nun als Pathologien behandelt.

Die Erfindung der toxischen Männlichkeit ist durch den Drang motiviert, die männliche Identität zu pathologisieren. Unser Zeitalter ist gekennzeichnet durch das Aufblühen und Feiern einer wachsenden Zahl von Identitäten, aber es macht eine Ausnahme für die männliche Identität. Sie ist eine Identität, die nicht gefeiert werden kann. In der Tat ist die männliche Identität fast zu dem geworden, was der Soziologe Erving Goffman in seiner klassischen Studie "Stigma" als eine "verdorbene Identität" bezeichnete.

Einer verdorbenen Identität fehlen jegliche erlösenden moralischen Qualitäten. Es ist eine Identität, die zu Stigmatisierung und Verachtung einlädt. Das Besondere an der verdorbenen Identität der Männlichkeit ist vielleicht, dass sie nicht nur moralisch abgewertet, sondern auch medizinisch behandelt wurde. Die American Psychological Association (APA) hat beispielsweise Leitlinien für den Umgang mit Jungen und Männern veröffentlicht, in denen Männlichkeit ausdrücklich als medizinisches Problem dargestellt wird.

Der APA zufolge ist die traditionelle Männlichkeit "durch Stoizismus und Wettbewerbsfähigkeit gekennzeichnet"; sie verbindet diese Werte beiläufig mit "Dominanz und Aggression". Die mit der Männlichkeit verbundenen schlechten Angewohnheiten, wie das Unterdrücken von Gefühlen und das Verbergen von Problemen, beginnen oft schon in jungen Jahren und sind "psychologisch schädlich".

Toxische Männlichkeit ist ein heimtückischer, politisch motivierter Begriff, mit dem die männliche Identität delegitimiert werden soll, indem Männlichkeit mit destruktiven Eigenschaften wie Rassismus, Homophobie, Frauenhass und gewalttätiger Aggression in Verbindung gebracht wird.

Der Kreuzzug gegen die Männlichkeit hat eine zersetzende Wirkung auf die Gesellschaft. Er zielt darauf ab, viele der wichtigen menschlichen Eigenschaften zu untergraben, die zur Entwicklung der Zivilisation geführt haben. Mut, Autonomie und Risikobereitschaft waren für die Entwicklung des menschlichen Geistes von zentraler Bedeutung. Im Gegensatz zu den Predigten, die gegen die Männlichkeit gehalten werden, ist das Ethos des Stoizismus für diejenigen, die sich schwierigen Herausforderungen stellen, von großem Nutzen. Die humanistischen Werte werden einen schweren Rückschlag erleiden, wenn dieser Kreuzzug gegen die so genannten männlichen Werte triumphiert.

Die Entmenschlichung der Männlichkeit durch ihre Vergiftung hat weitreichende Folgen für Männer und Frauen gleichermaßen. Die zunehmende Verwendung der Rhetorik der Giftigkeit zur Interpretation einer Vielzahl von Verhaltensweisen und Beziehungen spricht für eine Welt, in der die Menschheit auf den moralischen Status von Umweltverschmutzern reduziert wird. Eine derart negative Darstellung des menschlichen Geistes kann sich nur zersetzend auf die Gesellschaft auswirken. Sie verleitet die Menschen dazu, das Vertrauen in ihre Menschlichkeit zu verlieren, und beraubt viele von uns der Fähigkeit zu hoffen.

Wir müssen die Rhetorik der Entmenschlichung, die durch die Sprache der Toxizität vermittelt wird, in Frage stellen. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft, die Fähigkeit zu entwickeln, eine positive Darstellung dessen zu bieten, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Der alarmistische Ton, den die Verfechter der Sprache der Toxizität anschlagen, ist Bestandteil einer antihumanistischen Weltsicht, die die Ausübung menschlicher Handlungsfähigkeit mit Furcht betrachtet. Hinter dem Narrativ der toxischen Männlichkeit verbirgt sich der Drang, die menschliche Handlungsfähigkeit zu entwerten. Sogenannte männliche Attribute - der Wunsch nach Kontrolle, Risikobereitschaft, Ehrgeiz und Mut - sind für die Ausübung der Handlungsfähigkeit unerlässlich, weshalb sie zur Zielscheibe der Verachtung geworden sind.

Unter diesen Bedingungen haben wir zwei Möglichkeiten. Wir könnten auf die eindeutig menschlichen Qualitäten verzichten, die dazu beigetragen haben, die Welt zu verändern und zu humanisieren, und uns mit der Kultur des Fatalismus abfinden, die uns den Status von moralischen Verschmutzern zuweist. Oder wir können das Gegenteil tun. Anstatt auf die Werte zu verzichten, die die Ressourcen für die menschliche Entwicklung liefern, können wir sie und die moralischen Qualitäten, die uns menschlich machen, bekräftigen.




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