Freitag, Juni 30, 2023

"Die Welt" titelt: "Der Mann, das benachteiligte Geschlecht"

1. In einem aktuellen Artikel beschäftigt sich "Die Welt" mit Männerdiskriminierung. Der Artikel, der hinter einer Bezahlschranke steht, behandelt dieses Thema mit Bezug auf den US-amerikanischen Männerrechtler Richard Reeves und nennt sämtliche Aspekte, die auch von der deutschen Männerrechtsbewegung seit Jahrzenten angesprochen werden. Ein Auszug:

Reeves Zahlenwerk ist so alarmierend, dass man es nicht flapsig mit „Wer braucht noch Männer?“ wegwischen kann. Denn zu hoch sind die Kosten für die Gesellschaft. Geradezu überwältigend ist die lange Liste: Schulversagen, sinkende Uniabschlüsse, kaputtes Familienleben, Arbeitslosigkeit, Tod durch Überdosis. Der Zustand des amerikanischen, des westlichen Mannes ist verstörend.

Reeves erstaunt, dass die Politik nicht erstaunt ist. Das gilt insbesondere für den Arbeitsmarkt, wo die Erwerbsquote von Männern im besten Alter von 25 bis 54 seit Jahrzehnten abnimmt. Es handelt sich dabei nicht um Arbeitslose auf der Suche nach einem Job, sondern um Aussteiger. In den USA machen sie neun Millionen Männer aus.


Diese sogenannten "Men Going Their Own Way" (MGTOW) wurden in deutschen Leitmedien vor allem als Frauenfeinde angehasst.

Der Artikel endet mit dem Fazit:

Wie erklärt Reeves das Desinteresse der Politik an dem Problem? In einem Gespräch erläutert er am Beispiel des neuen US-Infrastrukturgesetzes die ideologischen Fallstricke der Malaise: "70 Prozent der Jobs, die dabei entstehen, kämen überwiegend Schwarzen und Latinos zugute. Doch statt zu sagen: Ich mache mir wirklich Sorgen um diese Männer, hat Biden Angst, weiße, liberale Frauen zu verärgern."

In der Dauerdebatte zu Männlichkeit, Feminismus und Gender hat Reeves die Schieflage von Jungs und Männern belegt. Die Statistiken nur zu kennen, reicht aber nicht. Gehandelt werden muss schon ganz unten. Die Jüngsten sind die ersten Verlierer. Girls‘ day war gestern. Her mit dem Boys‘ day!




2. Die Berliner Zeitung beschäftigt sich hinter einer Bezahlschranke mit der Stigmatisierung von Väter, die eine Vater-Kind-Kur machen ("Väter dürfen keine Schwäche zeigen.") Dem unbenommen nehmen immer mehr Väter dieses Angebot in Anspruch:

Den Grund für die wachsende Nachfrage an Kuren sieht [die Psychologin Ramona Trautz] in der gestiegenen Mehrbelastung. "Durch finanzielle Sorgen müssen in vielen Familien beide Partner arbeiten. Es gibt den Konflikt zwischen Haushalt, Kindererziehung und Erwerbsarbeit und dann noch die Frage: Wo bleibe ich selbst?", erklärt Trautz. Zudem würden Kinder immer früher in Fremdbetreuung abgegeben werden, da der Druck auf Frauen, schnell ins Berufsleben zurückzukehren, groß sei. Gleichzeitig werde von Männern neben der Vollzeitarbeit verlangt, mehr Verantwortung bei Kindererziehung und Haushalt zu übernehmen. "Die Aufweichung der Rollen stellt für viele eine Herausforderung dar", sagt Trautz. Das führe sowohl bei Müttern als auch bei Vätern zu mehr Stress. Die Folgen sind fatal. "Besonders Männer erleiden immer häufiger Burnout-Erkrankungen", sagt die Psychologin.

Traumatisierte Frauen, die Gewalterfahrungen und Missbrauch erleiden mussten, werden in der Kur nicht von Männern abgegrenzt. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Klinikleiter Kreß. Es baue Vorurteile ab. "Wir wollen zeigen: Die andere Seite ist nicht böse. Nicht alle Männer sind gleich." Zudem gäbe es auch Männer, die unter Gewalt, Stalking und Psychoterror litten.


Das ist ein erfreulicher Kontrast zu den oft ideologisch geführten frauenhäusern, in denen Männer unerwünscht sind, weil der Kontakt mit ihnen Frauen angeblich retraumatisieren würde.



3. Wie t-online berichtet, geht die Hetzjagd auf den Rammstein-Sänger Till Lindemann fröhlich weiter:

Nur wenige Meter entfernt von Till Lindemanns privatem Wohnsitz im Zentrum Berlins ereignete sich vor wenigen Tagen ebenfalls ein Vorfall. Ein Schriftzug wurde an eine Häuserwand gesprüht. Übersetzt steht an der Fassade: "Till Lindemann ist ein Vergewaltiger". t-online ist die Adresse bekannt, machte sich vor Ort einen Eindruck der Lage – doch um die Privatsphäre des Musikers zu schützen, werden keine Details zum genauen Standort genannt.




4. Unter dem Motto "den Wahnsinn beenden" wird es ein Gender-Verbot in den Behörden von Niederösterreich geben, das von der dort regierenden FPÖ durchgesetzt wird:

Bereits im Regierungsübereinkommen war explizit von "Gender-Stern", "Gender-Gap" und "Doppelpunkt" sowie "anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnung im Wortinneren" die Rede. Gegenüber dem ORF sagte ein Sprecher der FPÖ, dass auch das Binnen-I zur Diskussion stehe.

Neben dem Verbot für Behörden in Österreich empfehle die FPÖ Hochschulen, Landesdiensten wie zum Beispiel den Gesundheitsbetrieben oder Kindergärten und dem Bund, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Der Beschluss solle ab Anfang August in Kraft gesetzt werden. Eine Umfrage des WDR zeigte, dass auch in Deutschland eine Mehrheit das Gendern ablehnt.




5. "Wegen Spardruck und Männerdiskriminierung", heißt es in der Neuen Zürcher Zeitung, hat der Schweizer Bundesrat am Mittwoch eine Teilabschaffung der Witwenrente beschlossen.



6. Zur Benachteiligung weißer Männer kam es auch in der britischen Royal Air Force. Das berichtet BBC. Ursache dafür war die sogenannte "positive Diskriminierung" von Frauen und ethnischen Minderheiten. Der Leiter der Royal Air Force, Sir Richard Knighton, hat die Benachteiligung von Männern jetzt zugegeben und dafür um Entschuldigung gebeten.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Nur für den Fall, dass es Ihnen noch nicht bekannt sein sollte. Die Dokumentation von Cassie Jaye ("The Red Pill") ist seit ca. 10 Monaten frei auf Youtube verfügbar.


In dieser Dokumentation geht es um die Diskriminierung von Männern und die Bürger- und Menschenrechtsbewegung, die diese Benachteiligungen beseitigen möchte, woraufhin sie wechselweise aufs Schärfste angegriffen oder aber totgeschwiegen wird.



Mittwoch, Juni 28, 2023

Studie: Mädchen glauben schon ab vier Jahren, dass sie besser als Jungen sind

1. Mein erstes Buch, mit dem ich mich in der Geschlechterdebatte zu Wort meldete, heißt nicht ohne Grund "Sind Frauen bessere Menschen?" – denn wir werden tagtäglich mit der Botschaft bestrahlt, dass dem so sei. Gestern habe ich eine Studie entdeckt, die zeigt, wie früh verankert dieser Glauben bei vielen Menschen beiderlei Geschlechts ist. (Die Untersuchung ist schon etwas älter, aber Wissen verdirbt ja nicht so schnell.) Diese Studie dient in erster Linie dazu, die schlechteren Leistungen von Jungen in der Schule zu erklären:

Forschungsergebnisse zeigen, dass Mädchen schon in jungen Jahren glauben, dass sie klüger und besser erzogen sind und sich in der Schule mehr anstrengen als Jungen.

Solche Meinungen sind mindestens seit dem vierten oder fünften Lebensjahr der Mädchen in der Vorschule vorhanden und halten sich während der gesamten Grundschulzeit.

Darüber hinaus scheinen Jungen im Alter von acht Jahren mit ihren Klassenkameraden übereinzustimmen und glauben, dass Mädchen eher das haben, was man als die richtigen Eigenschaften für gute schulische Leistungen bezeichnen könnte. Kinder beiderlei Geschlechts sind auch der Meinung, dass die Erwachsenen im Allgemeinen glauben, dass Mädchen besser abschneiden als Jungen.

Die Studie, die auf einer detaillierten Befragung von 238 Kindern in zwei Grundschulen in Kent beruht, wurde am Donnerstag, dem 2. September, auf der Konferenz der British Educational Research Association (BERA) vorgestellt. Sie unterstreicht die Schwierigkeiten, mit denen sich Lehrer und Erziehungswissenschaftler konfrontiert sehen, wenn sie versuchen, die Leistungen von Jungen zu verbessern, die in den meisten Schulfächern im Durchschnitt hinter den Mädchen zurückbleiben.

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass die Vorstellungen der Kinder darüber, was von ihnen erwartet wird, zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" führen können, da Mädchen als wahrscheinlicher angesehen werden, gute Leistungen zu erbringen, und diese dann auch erbringen, was wiederum die Erwartungen an die zukünftigen Leistungen der Mädchen erhöht.

Bonny Hartley von der University of Kent, die die Forschungsergebnisse vorstellte, sagte: "Im Alter von sieben oder acht Jahren glauben Kinder beiderlei Geschlechts, dass Jungen weniger zielstrebig, fähig und erfolgreich sind als Mädchen - und sie glauben, dass Erwachsene dieses Stereotyp bestätigen.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Erwartungen das Potenzial haben, sich selbst zu erfüllen und das tatsächliche Verhalten und die Leistungen der Kinder zu beeinflussen".

Im Rahmen der Untersuchung wurden Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren eine Reihe von Aussagen oder "Szenarien" vorgelegt, z. B. "Dieses Kind ist sehr klug", "Dieses Kind macht seine Arbeit immer fertig" und "Die Lehrerin nimmt in der Klasse das Register auf, und dieses Kind sitzt ganz still da und wartet darauf, dass sein Name aufgerufen wird".

Die Kinder wurden dann gebeten, auf ein Bild eines Jungen oder eines Mädchens zu zeigen und zu sagen, ob der Fragesteller ihrer Meinung nach einen Jungen oder ein Mädchen meint.

Im Durchschnitt sagten Mädchen vom Vorschulalter bis zur fünften Klasse, dass Mädchen klüger sind, bessere Leistungen erbringen, eine bessere Selbstbeherrschung/Konzentration haben und sich besser benehmen/respektvoller sind. Jungen im Vorschulalter, im ersten und im zweiten Schuljahr antworteten zu gleichen Teilen zugunsten der Jungen und der Mädchen, aber im dritten Schuljahr stimmten ihre Ansichten mit denen der Mädchen überein.

Die Kinder wurden auch gebeten, auf eines der beiden Bilder zu zeigen, um eine Reihe direkterer Fragen zu beantworten, z. B. "Wer ist deiner Meinung nach klüger?" oder "Wer ist besser erzogen? Die Ergebnisse waren im Großen und Ganzen ähnlich wie bei den "Szenario"-Aussagen.

Hartley stellte auch Einzelheiten einer Untersuchung vor, die sie mit 140 Kindern in drei Grundschulen in Kent durchgeführt hat, um herauszufinden, wie sich geschlechtsspezifische Erwartungen an ihre Leistung auf ihr Abschneiden in Tests auswirken könnten.

Die Kinder wurden zwei Gruppen zugeteilt, von denen die eine erfuhr, dass Jungen schlechtere Leistungen erbringen als Mädchen, und die andere dies nicht erfuhr. Anschließend wurden sie in den Fächern Mathematik, Lesen und Schreiben getestet. Die Jungen der ersten Gruppe schnitten deutlich schlechter ab als die der zweiten Gruppe, während die Gesamtleistung der Mädchen in beiden Gruppen ähnlich war.

Frau Hartley sagt, dass die Untersuchungen die Behauptung untermauern, dass die relativ schlechten Leistungen der Jungen auf nationaler Ebene zum Teil durch geringere Erwartungen erklärt werden können.


Der Glaube an Frauen als besseren Menschen hat allerdings politische Konsequenzen, die weit über den schulischen Bereich hinausgehen: darunter das Ignorieren von weiblichen Tätern und eine extrem unausgewogene Unterstützung der geschlechterspezifischen Anliegen von Frauen gegenüber den Anliegen von Männern.



2. Der CDU-Abgeordnete Norbert Röttgen rät seiner Partei davon ab, in den von Linken geführten Kulturkampf einzusteigen. "Identitärer Kulturkampf ist eine Verlierertaktik für alle" befindet Röttgen:

Die Minderheit, die sich etwa vom Gendern provoziert fühle, werde die CDU nie in dem gleichen Maße ansprechen können wie radikale Kräfte, warnte Röttgen. "Diejenigen, die von uns Anstand, Kompetenz und Glaubwürdigkeit erwarten, würden sich dann für uns schämen und auf Abstand gehen." Er fügte hinzu: "Identitärer Kulturkampf wäre lebensgefährlich – für die Gesellschaft und für die CDU."




3. Linke Terroristen haben das Berliner Büro der Band Rammstein demoliert:

Dabei seien die Frontscheiben eingeschlagen worden, "und unter dem hässlichen Rammstein-Logo steht nun >>Keine Bühne für Täter<<". Damit verbunden eine Drohung: "Für Täter wie euch gibt es Konsequenzen", und: "Das gilt genauso für Unternehmen und Personen, die ihnen Räume oder Infrastruktur zur Verfügung stellen und Täter schützen oder unterstützen." Damit könnte die Gruppe auch Veranstaltungsorte wie das Olympiastadion meinen, wo Rammstein bald auftreten. Denn es wird sogleich konkret: "Wir rufen alle dazu auf, die geplanten Rammstein-Konzerte in Berlin am 15., 16, und 18. Juli kreativ zu stören, zu sabotieren und zu verhindern. Keine Bühne für Täter!"


Hier brüsten sich die Gewaltverbrecher mit ihrer Tat.



4. Die deutsche Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein–Volhard warnt vor der Frauenquote als Form von Männerdiskriminierung. Der niedrige Frauenanteil in hohen Hierarchie-Ebenen sei zwar

geringer, was aber auch daran liegt, dass manche Frauen den Stress und den Zeitaufwand nicht mitmachen wollen, der mit einer leitenden Funktion verbunden ist. Es gibt viele Frauen, die das nicht anstreben, die lieber im Team arbeiten oder denen Hobby und Familie genauso wichtig sind.

(…) Wir sollten mehr über die Qualitäten, die Leistungen und die Forschung selbst reden. Die Frauen haben diese Problematisierung eigentlich nicht mehr nötig. Ich finde das auch herabsetzend, als wären sie minderbemittelt und bräuchten extra Hilfe.


Eine Frauenquote war Nüsslein-Volhard zufolge früher

wohl sinnvoll, jetzt sollte man damit aber vorsichtig sein, sonst kommt es zur Männerdiskriminierung! Und mehr Takt walten lassen, nicht immer herausstellen, dass wir jetzt unbedingt eine Frau brauchen. Da müssen sich die Betroffen doch sofort als Quotenfrau fühlen. Das finde ich würdelos.




5. Unter den männlichen Beschäftigten der Zürcher Kantonalbank wächst der Unmut:

Grund ist eine Grossoffensive der "Woke"-Fraktion. Die setzte sich soeben mit ihrem "Frauen an die Macht"-Schlachtruf durch.

"In diesem Mai hat die Generaldirektion entschieden, zusätzlich Ziele für die Durchmischung der Geschlechter in der Führung zu setzen", bestätigt ein Sprecher der grössten KB des Landes. "Auf der zweiten Führungsstufe will die Bank bis 2026 einen Frauenanteil von 20% erreichen, auf der dritten Führungsstufe einen Anteil von 30%."

Die ZKB führe aber "keine Quote ein, sondern es gilt nach wie vor, dass sie die beste Person für einen Job sucht".

Das bezweifeln viele. An Townhalls hat sich die Frauenförderung zum heissesten Thema des Sommers 2023 aufgeschwungen. Unzählige Fragen prasseln auf die Spitze nieder. "Männer fühlen sich diskriminiert", sagt eine Quelle, "nicht die Besten kriegen den Job, sondern die Frauen."

(…) Enscheidend wird Urs Baumann, der (…) neue starke Mann auf der Brücke. Was findet er zum Thema?

Nichts.

Baumann ärgere sich nur, heisst es aus dem Innern der Bank. Auf Fragen an den Townhalls gehe der ZKB-Kommandant gar nicht erst ein, sagt der Insider, vielmehr spiele Baumann das Thema herunter.

Dabei bewege es alle: Fordernde Frauen, Bankerinnen, die nichts mit dem Toben anfangen können, Männer, die sich diskriminiert fühlen.

Bei der CS artete die Woke-Befindlichkeit aus, die Bank landete im Würgegriff der Bewegten.




6. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wie Femcels ihren Selbsthass feiern:

So präsentieren sich die Femcels auf Tiktok, Twitter oder Instagram. Mit schwarz umrandeten Augen, ungewaschenen Haaren, tränenüberströmten Gesicht. Sie sprechen über ihre psychischen Nöte, beschreiben sich als depressiv oder äussern dunkelste Gedanken. Sie richten ihren Hass gegen sich, wobei sie sich als böse Mädchen gefallen und ihre Verzweiflung auch selbstironisch präsentieren.

Im Kern geht es darum, eine Unangepasstheit vorzuzeigen. Deshalb lehnen Femcels den liberalen Feminismus ab, der den Frauen einreden will, dass jede Frau auf ihre Weise schön, erfolgreich und liebenswert sei. Femcels fordern ein Recht auf die eigene Hässlichkeit und die Wut, dass die Männer sie links liegenlassen. Sie müssen nicht ermutigt werden. Lieber wollen sie, wie es manche nennen, "verrotten".




7. Auf ein ähnlich gravierendes Frauenproblem weist die britische BBC in einem ausführlichen Beitrag hin: Es gibt viel zu wenig weibliche Klempner. Hier ein kurzer Auszug aus dem Artikel:

Nach Angaben des Office of National Statistics (ONS) ist der Anteil der Klempnerinnen winzig, obwohl das ONS schätzt, dass ihre Zahl von 2.700 (1,9 %) im Jahr 2021 auf 3.500 (2,4 %) im Jahr 2022 steigen wird.

"Selbst 2,4 % sind beklagenswert, nicht wahr?", sagt [die Klempnerin] Frau Robson. In den anderen Bauberufen ist der Anteil der Frauen ähnlich hoch.

(...) "Ich habe 17 Jahre lang gearbeitet, ohne eine andere Frau zu treffen. Dann habe ich angefangen, nach ihnen zu suchen", sagt Hattie Hasan, Gründerin von Stopcocks Women Plumbers, einer Klempnerfirma.

Sie und Frau Robson verweisen auf den Wert der sozialen Medien für die Vernetzung von Frauen in der Branche im ganzen Land - von Facebook-Gruppen bis hin zu TikTok - sowie auf persönliche Veranstaltungen, wie sie von Stopcocks organisiert werden. Das Unternehmen verfügt auch über ein Verzeichnis von 750 weiblichen Handwerkern im Vereinigten Königreich, darunter 100 Klempnerinnen.

Arbeitgeber gehen manchmal davon aus, dass es ausreicht, Frauen in ihre Werbung einzubeziehen oder zu behaupten, dass Chancengleichheit herrscht, aber das ist nicht der Fall, argumentiert Frau Hasan.

Um Frauen tatsächlich zur Aufnahme einer Beschäftigung zu ermutigen, sollten Klempnerbetriebe überlegen, wie sie auf ihre Bedürfnisse eingehen können - von der Unterstützung in den Wechseljahren über flexibles Arbeiten für Alleinerziehende bis hin zu getrennten Toiletten und persönlicher Schutzausrüstung, die Frauen richtig passt und sie vor Staub und anderen Gefahren bei der Arbeit schützt.

(...) Frau Hasan (...) weist abschließend auf einen Punkt hin. Frauen können neue und bessere Ansätze für die Klempnerei bringen, die über die bloße Erweiterung der Belegschaft hinausgehen. Die Menschen, so schlägt sie vor, sollten aufhören zu hinterfragen, ob Frauen nur "so gut wie" ein Mann sein können.

"Seit wann ist die Art und Weise, wie Männer Dinge tun, die Messlatte, die wir alle erreichen müssen", sagt sie lachend.


Man sieht: Ein radikaler Feminismus ist heute notwendiger denn je.



Dienstag, Juni 27, 2023

Rechtsmedizinisches Gutachten entlastet Rammstein-Sänger Lindemann

1. Nachdem die Staatsanwaltschaft in Vilnius (Litauen) das durch die Anzeige von Shelby Lynn eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Rammstein-Sänger Lindemann eingestellt hat, melden sich jetzt seine Rechtsanwälte zu Wort:

Um die Vorwürfe von Frau Lynn weiter aufzuklären, haben die Anwälte für ihren Mandanten Till Lindemann zudem "eigene Untersuchungen veranlasst". Und weiter: "So wurde das Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln damit beauftragt, die von Frau Lynn veröffentlichten Lichtbilder nebst Videoclip dahingehend auszuwerten, welche Ursachen die dort gezeigten Verletzungen haben können. Insbesondere sollte beurteilt werden, ob die Verletzungen auf eine körperliche Misshandlung zurückgeführt werden könnten." Das Gutachten legt "ein Unfallgeschehen ohne Fremdeinwirkung" nahe.

Konkret heißt es in dem Gutachten: "Insgesamt sprechen Morphologie und Lokalisation der dokumentierten Verletzungen eher für ein akzidentielles Geschehen, ohne dass eine Fremdeinwirkung von vornherein allein anhand der Befunde völlig ausgeschlossen werden kann. Typisch für eine Fremdeinwirkung sind die Befunde aus rechtsmedizinischer Sicht indes nicht." Es würden sich keine Hinweise auf sexualisierte Gewalt als Ursache für die bei der Zeugin dokumentierten Verletzungen ergeben. Zwar könne anhand der Verletzungsbefunde eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung nicht ausgeschlossen werden. Umgekehrt hätten sich aber auch keine Hinweise auf eine sexualisierte Gewalt gefunden.

Lindemanns Berliner Rechtsanwalt Björn Gercke habe auch Einsicht in die Akte des bei der Staatsanwaltschaft Berlin geführten Ermittlungsverfahrens nehmen können. Die Einsichtnahme bestätigte vorangegangene Pressemitteilungen, wonach das Ermittlungsverfahren nicht auf Strafanzeigen vermeintlicher Opfer zurückgeht. Anzeigenerstatter seien unbeteiligte Dritte, die ihre Anzeigen ausschließlich auf Medienberichte und Vorwürfe in den sozialen Netzwerken stützen würden.

Des Weiteren habe sich aus der Akteneinsicht ergeben, dass bislang keine objektiven Beweismittel, die für eine Tatbegehung Lindemanns sprechen, vorliegen. Man gehe nun "gegen unzulässige Berichterstattung und unwahre Tatsachenbehauptungen in den Medien bzw. in den sozialen Netzwerken vor". Unter anderem wegen der Berichterstattung im "Spiegel" vom 10.6.2023.

Die Youtuberin Kayla Shyx (bürgerlicher Name: Kaya Loska) wurde im Zusammenhang mit ihrem Youtube-Video vom 6.6.2023 vom Anwaltsbüro ebenfalls abgemahnt. Als Reaktion habe sie zu zwei Punkten "eine strafbewehrte Unterlassungserklärung" abgegeben. In der Schweiz wurde unter anderem die Ringier AG wegen der Berichterstattung in der Boulevardzeitung "Blick" (Titel: "Rekrutierte Alena M. auch in Bern Frauen für Lindemann?") abgemahnt. Nach Abmahnung habe der Verlag gegenüber Till Lindemann eine umfangreiche "strafbewehrte Unterlassungserklärung" abgegeben.


Die unbelegten Vorwürfe gegen Lindemann wurden in den sozialen Medien und Sendungen wie "Hart aber fair" dazu genutzt, gegen Männer ganz allgemein zu Felde zu ziehen. Wer auf die Unschuldsvermutung hinwies, sah sich oft heftigen Angriffen ausgesetzt.



2. Die Stadt Köln erntet Spott durch ihre Verwendung der Gendersprache beim CSD:

Statt von Fußgängern spricht sie in einem entsprechenden Twitter-Beitrag nämlich von "zu Fußgehenden". "Das Wort FUßGEHENDE existiert nicht!", kommentiert etwa eine Nutzerin. "Es wird immer dämlicher", meint ein anderer User zu der gegenderten Wortwahl der Stadt. "Ich bezweifle, dass das zu mehr Akzeptanz führt", schreibt ein anderer Kommentator. "Eher im Gegenteil: für alle, die nicht ohnehin überzeugt sind, dürfte das leider eher zu Reaktanz führen. Und 'zu Fußgehende' ist nicht einmal dann korrekt, wenn man die Prämissen der Gendersprache akzeptiert."


Das ist korrekt: Wenn man ein solches Wortungetüm überhaupt benutzen wollte, müsste man es als Zu-Fuß-Gehende mit Bindestrichen durchkoppeln. Stilistisch und semantisch wäre es trotzdem ein Unglücksfall: Es handelt sich um eine Variante von bürokratischer Kanzleisprache, und wer geht, tut das immer "zu Fuß".



3. Die britische Daily Mail berichtet:

Eine weibliche Teamleiterin in einer Fabrik wurde entlassen, nachdem sie zu einem jüngeren männlichen Kollegen gesagt hatte: "Ich möchte diese Pobacken so gerne drücken", wie ein Gericht feststellte.

Julie Taylor soll die unangemessene Bemerkung über den männlichen Fabrikarbeiter gemacht haben, als dieser sich bei der Arbeit bückte, während sie hinter ihm stand und "zusah".

Die leitende Angestellte hat auch jüngere Männer bei der Arbeit in den Hintern gezwickt und ihnen an die "Geschlechtsteile" gefasst, wie ein Gremium hörte.

Sie machte "schmutzige, unhöfliche Bemerkungen", fragte Männer aus, ob sie verheiratet seien, und sagte einmal zu einem Kollegen vor dessen Frau, es sei "schade, dass du nicht alleinstehend bist".

Nach einer Untersuchung von Taylors Verhalten wurde die Arbeitnehmerin mittleren Alters von Stanley Black & Decker wegen groben Fehlverhaltens entlassen.

Sie versuchte, das Produktionsunternehmen wegen ungerechtfertigter Entlassung zu verklagen, aber das Gericht in Cambridge wies ihre Klage ab.

Bei der Anhörung wurde berichtet, dass sich die Kollegen von Taylor "unwohl" fühlten, aber nichts sagen wollten, weil sie älter war und "ältere Menschen manchmal dachten, sie kämen damit durch".

Das Gericht hörte, dass Daniel Gardos am 3. November 2021 einem Kollegen, Daniel Lindley, erzählte, Taylor habe sich ihm genähert, während er in einem Lagerhausstapler saß und sich mit einem anderen Kollegen unterhielt, und habe ihn "in einem privaten Bereich begrapscht".

Herr Gardos sagte in einer Erklärung an die Personalabteilung: "Am 27. Oktober befand ich mich in Gang L und stellte einem Kollegen ein paar Fragen, als ich sah, wie Teamleiterin Julie auf uns zuging. Sie kam auf mich zu und machte einen Scherz, währenddessen griff sie in den Bereich meines Wagens und fasste mir unerlaubterweise in den Intimbereich. Bei diesem Vorfall habe ich mich sehr unwohl gefühlt."

Nach der Beschwerde wurde Taylor suspendiert, und es wurde eine interne Untersuchung eingeleitet.

Herr Lindley erzählte dem Untersuchungsbeauftragten, dass Frau Taylor "schmutzige, unhöfliche Bemerkungen" machte und ihn auch "kommentierte und berührte", als er anfing, aber weil er neu war, hatte er nicht das Gefühl, dass er etwas dagegen sagen konnte.


In dem Artikel folgen weitere Schilderungen von Betroffenen.

Sexuelle Belästigung von Männern wird sichtbarer, und sie wird allmählich auch geahndet. Das ist gut so.



Montag, Juni 26, 2023

Medien-Schlachtfest, Gendersprache, Andrew Tate

1. Die Staatsanwaltschaft in Vilnius hat die Ermittlungen gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann eingestellt. Man habe "keine objektiven Tatsachenbeweise" gefunden, denen zufolge "zum Tatzeitpunkt ein Verhalten vorlag, das die Tatbestandsmerkmale einer Straftat oder eines Vergehens enthielt."

Käme es auch in Deutschland zu keinem Gerichtsverfahren, dann würden die dafür gesammelten mehr als 730.00 Euro Spenden, zu denen auch die Amadeu-Antonio-Stiftung aufgerufen hatte, an ihren hauseigenen "SHEROES Fund für Held*innen der Demokratie" gehen.

Währenddessen sprechen Markus Lanz und Richard David Precht in ihrem hörensweren aktuellen Podcast darüber, warum "es so ein Medienfest sei, jemanden öffentlich zu schlachten", und führt das bis auf die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein zurück.



2. In einem Beschlussentwurfs für die Fraktionsvorsitzenden-Konferenz von CDU und CSU werden Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angemahnt:

Ungewöhnlich deutlich formuliert das Papier zudem Kritik an der Berichterstattung. "Die Menschen erwarten verlässliche Informationen zur eigenen Meinungsbildung statt Belehrung und Haltungsjournalismus." Die Sender müssten die Lebenswirklichkeit "außerhalb urbaner Zentren oder akademischer Milieus" beachten, Berichterstattung und Kommentierung trennen und "eine Gendersprache vermeiden, die eher zur gesellschaftlichen Polarisierung als zur Integration beiträgt".




3. Der Landrat im Saalekreis in Sachsen-Anhalt hat die geschlechtertrennende Sprache in der Verwaltung per Anweisung verboten und begründet das mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts.



4. "Die Presse" fragt skeptisch, ob es Frauen in Österreich wirklich schlechter als in Burundi und Liberia gehe, wie es der Gleichstellungsindex des Weltwirtschaftsforums besagt. (Vermutlich schon, schließlich gibt es hier viel mehr alte, weiße Männer.)



5. Die japanische Tennisspielerin Miyu Kato wurde beim French Open disqualifiziert, weil sie unabsichtlich ein Ballmädchen abschoss. Kato berichte, der Schiedsrichter und der Supervisor hätten nach der Aktion mit ihr gesprochen und gesagt: "Wenn das Ballkind ein Bub gewesen wäre, wäre es okay gewesen." Das Mädchen jedoch hätte mehr als eine Viertelstunde lang geweint.



6. Die Daily Mail berichtet:

Australische Lehrer haben sich über männliche Schüler aufgeregt, die ihre Unterstützung für kontroverse Persönlichkeiten in den sozialen Medien im Klassenzimmer zum Ausdruck bringen.

Ein Lehrer aus Perth fragte kürzlich auf Reddit: "An der High School, an der ich unterrichte, haben die Jungen, die Jordan Peterson und Andrew Tate vergöttern, stark zugenommen."

(...) Einige Lehrer argumentierten, dass sie Ansichten dieser Personen zwar nicht unbedingt unterstützen, sie aber eine Lücke für Jungen füllen.

Einer sagte: "Kinder werden mit Botschaften über die Rechte der Frau, die Rechte von Minderheiten, die Rechte von Lesben, Schwulen und Bisexuellen und die Rechte indigener Völker bombardiert. Nichts davon ist schlecht, aber es kann überwältigend sein. Wir müssen ihnen etwas anderes als diese Themen bieten, an dem sie sich orientieren können."

Ein anderer merkte an: "Manche Lehrer haben extreme Ansichten und zwingen sie den Kindern auf. Wenn man aufhören würde, den Jungen zu sagen, dass sie das Problem sind, dann würden sie nicht mehr nach solchen Leuten suchen.

Ein dritter fügte hinzu: "Bei all dem Hass, der Männern entgegenschlägt, und all den Schuldzuweisungen an das 'Patriarchat', kann man da wirklich nicht verstehen, warum junge, beeinflussbare und verletzliche Kinder nach Helden suchen, wo sie nur können?"




Freitag, Juni 23, 2023

Luke Mockridge siegt über den "Spiegel"

1. Das Onlinemagazin DWDL berichtet über den Stand der Kontroverse zwischen dem Comedian Luke Mockridge und der Zeitschrift "Spiegel":

Unter der Überschrift "Die Akte Mockridge" hatte das Nachrichtenmagazin im Dezember 2021 über angebliche Verfehlungen des Comedians berichtet. Neben seiner Ex-Freundin Ines Anioli, die Mockridge eine versuchte Vergewaltigung vorwarf, sprachen die "Spiegel"-Journalistinnen auch mit anderen Frauen, die unter anderem von angeblichen Übergriffigkeiten und unangenehmer Anmache durch Mockridge berichteten. Zur Erinnerung: Ein Ermittlungsverfahren rund um die Vorwürfe von Ines Anioli wurde zuvor bereits eingestellt. Das Landgericht Hamburg untersagte daraufhin schon entscheidende Teile des Textes rund um Anioli, auch wenn das Landgericht Köln zuvor noch zu einer etwas anderen Einschätzung gekommen war.

Mockridge aber wollte mehr und ließ durch seine Anwälte Rechtsmittel einlegen, er wollte auch die Aussagen anderer Frauen untersagt wissen. Dem gab das Hanseatische Oberlandesgericht statt, wogegen der "Spiegel" Widerspruch einlegte. Konkret ging es hier um die Fragestellung, inwieweit die Vorwürfe als Tatsachen beschrieben wurden - und eben nicht als Verdachtsfälle. Der Fall ging zurück an das Landgericht Hamburg und dort hob man das OLG-Urteil auf, weil der "Spiegel" auch eine Unterlassungserklärung abgab. Dagegen ging wiederum der Anwalt von Luke Mockridge vor - mit einem für ihn nun positiven Ergebnis.

Das Gericht geht nach Angaben von Mockridge-Anwalt Simon Bergmann von einer unzulässigen Verdachtsberichterstattung über die Vorwürfe Aniolis aus. Zudem stütze das Gericht seine Entscheidung auf die Verbreitung unwahrer Tatsachenbehauptungen. Gegen dieses Urteil kann der "Spiegel" im nun beendeten Verfügungsverfahren keine weiteren Rechtsmittel mehr einlegen, es ist also ein weitreichender Sieg für Luke Mockridge. Allerdings: Das Hauptsacheverfahren steht noch aus. Hier wird ab August verhandelt - gut möglich, dass sich dieser Prozess mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre ziehen wird.

(…) Der Rechtsanwalt von Luke Mockridge, Simon Bergmann, sagt: "Die jüngste Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts ist ein enorm wichtiger Erfolg in der rechtlichen Auseinandersetzung zwischen Mockridge und dem ‘Spiegel’. Von besonderer Bedeutung sind die überzeugenden Urteilsgründe, aus denen sich ergibt, dass der ‘Spiegel’ seine journalistischen Sorgfaltspflichten nachhaltig verletzt hat. Das Urteil sollte Anlass für alle Medien sein, die Vorgaben einer Verdachtsberichterstattung zukünftig sorgfältiger zu prüfen."




2. Die von der Sächsischen Zeitung als "Feminismus-Forscherin" vorgestellte Publizistin Veronika Kracher erklärt zu der Kontroverse um den Rammstein-Sänger Till Lindemann: "Rammstein muss sich auflösen". Der Artikel steht hinter einer Bezahlschranke.



3. Mehr toxische Weiblichkeit: Das Massaker in einem Frauengefängnis in Honduras war nach Einschätzung der örtlichen Polizei ein gezielter Angriff von einer Gruppe von Häftlingen auf Angehörige einer verfeindeten Bande. Insgesamt 46 Frauen waren bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen ums Leben gekommen.



4. Noch mehr toxische Weiblichkeit: Eine Frau, die ihren Partner nach einem Streit durch die Straßen im Südwesten Londons verfolgte und ihn erstach, wurde des Mordes für schuldig befunden.



5. Immer mehr toxische Weiblichkeit: Eine Frau, die in Texas zu Besuch war, hat ihren Uber-Fahrer erschossen und dann behauptet, sie habe es getan, weil sie fälschlicherweise glaubte, er wolle sie nach Mexiko entführen.



Ich stelle fest: Spektakuläre aktuelle Fälle von Gewaltverbrechen zusammenzustellen, die von Frauen begangen wurden, kann man machen, um das Geschwurbel von "toxischer Männlichkeit" zu konterkarieren, aber man kommt sich beim Zusammenstellen solcher Fälle etwas albern vor. Dass Sexisten einen Lebensinhalt daraus machen, dasselbe allen Ernstes bei männlichen Tätern durchzuführen, um dann von "toxischer Männlichkeit" zu schwadronieren, wirkt befremdlich.



Donnerstag, Juni 22, 2023

Neue Zürcher Zeitung: Werdende Mütter wünschen sich Mädchen, Jungen werden zum Betriebsunfall

1. Zur Neuen Zürcher Zeitung könnte Genderama bald eine Standleitung legen, aber dort findet man nun mal regelmäßig männerpolitisch relevante Beiträge, die es etwa in der Süddeutschen nie geben würde. Aktuell widmet sich das Blatt in einem Artikel von Professor Walter Hollstein der Männerfeindlichkeit unserer Gesellschaft. Ein Auszug:

"Kill all men" war beim Internationalen Frauentag in Berlin auf Transparenten zu lesen. Wie ernst das Totschlagprogramm auch immer gemeint ist: Es ist Ausdruck einer Tendenz. Der Berliner "Tagesspiegel" hat vor kurzem von zwei Müttern berichtet, die ihren "vierjährigen Töchtern beim Fangenspielen" zuschauen. Eine von ihnen ist schwanger. "Morgen ist Ultraschall", sagt sie mit Blick auf ihren Bauch und fügt hinzu: "Hoffentlich ist kein Schniedel dran." Die andere Mutter nickt verständnisvoll.

Nun ist das keine schräge Episode aus einem wunderlichen Berlin, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung. Sie hat auch schon einen Namen: Der Begriff "Gender Disappointment" soll die Gefühlslage vieler Mütter (und, wer weiss, vielleicht auch von Vätern) beschreiben, wenn statt dem gewünschten Geschlecht des Babys das andere auf dem Ultraschall erscheint. Der Begriff benennt "die Gefühle von Traurigkeit und Enttäuschung und danach typischerweise Schuld und Scham", wenn das falsche Geschlecht auf die Welt kommt.

So beschreibt es die amerikanische Psychologin Danielle Forshee. In unseren Tagen dominiert bei werdenden Müttern der Wunsch nach einem Mädchen. "Bitte ein Mädchen, bitte ein Mädchen", berichtet die Wienerin Sabine auf einem Online-Blog, während der Gynäkologe mit dem Ultraschallgerät über ihren Kugelbauch fährt. Doch es wird ein Junge, und statt sich über die anstehende Geburt eines gesunden Kinds zu freuen, ist Trauer angesagt.

Weltweit gibt es zahlreiche Internetforen, in denen sich "Leidtragende" austauschen. Online-Blogs sind voll von Trauerberichten betroffener Mütter. "Extrem enttäuscht", "Ich kämpfe seit Tagen mit den Tränen", "ganz heftige Depression" – so äussern sich werdende Mütter da und werden allseits bemitleidet. Selbstverständlich werden auch schon Gesprächskreise und Psychotherapien für diese "Problemlage" angeboten. Und eben, vielleicht braucht man die Männer am Ende gar nicht zu töten. Ihr Anteil könnte sich angesichts dieser Wünsche so oder so verringern.

Das veranschaulicht eine dramatische Entwertung des männlichen Geschlechts. Männlichkeit wird inzwischen als eine Art Abweichung vom Normalen beschrieben. Männern zugeschriebene Eigenschaften, die einst hoch gelobt waren, werden umgedeutet: Autonomie wird zur Beziehungsunfähigkeit, Leistungswille zur Karrieresucht, Disziplin zum Mangel an Spontaneität. Der irische Psychiater Anthony Clare hat schon vor einer Weile konstatiert, dass "dieselben Eigenschaften, die einen Mann ehemals zu einem richtigen Mann gemacht haben – logisch, kontrolliert, rational, aggressiv –, jetzt als Stigmata unerwünschten und potenziell pathologischen Verhaltens gesehen werden".

(…) Die medialen Bilder infiltrieren dabei mehr und mehr die soziale Wirklichkeit. So haben verschiedene internationale Fluggesellschaften festgelegt, dass allein reisende Männer nicht mehr neben Kindern sitzen dürfen. In Österreich organisierte das Frauenministerium eine Plakatkampagne gegen Männergewalt. Die Plakate zeigen eine Familie, Tochter und Mutter stehen neben dem Vater und tragen Schutzhelme. Männer stehen unter Generalverdacht. Sie sind böse, gewalttätig, unberechenbar. Genderpolitisch ist die Unschuldsvermutung ausser Kraft gesetzt.




2. Nach der "taz" interviewt auch "Die Zeit" Markus Theunert zum Männerproblem (Bezahlschranke). Ein Auszug:

ZEIT ONLINE: Herr Theunert, was ist ein toxischer Mann?

Markus Theunert: Er hat Normen verinnerlicht, die problematisch bis zerstörerisch, also vergiftend sind. Ein "richtiger Mann" hat stark, dominant, unbeirrt, rational zu sein. Diese Erwartungen werden Männern von klein auf vermittelt. Wer sich als Mann identifiziert, bezieht sich auf diese Normen.


Das Theunert-Interview wirkt damit wie eine Veranschaulichung dessen, was Professor Hollstein in der Neuen Zürcher Zeitung konstatierte.

Zu der unsinnigen Pseudo-Studie von Plan International erklärt Theunert:

"Es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass sich ein substanzieller Teil der deutschen Männer legitimiert fühlt, ihre Partnerinnen auch mittels Gewalt zu 'führen'."


Theunert glaubt, dass bestenfalls "ein Drittel der Männer im deutschen Sprachraum egalitäre Einstellungen nicht nur äußert, sondern diese auch ernsthaft umsetzt."

Das Drittel am rechten Rand lässt sich nicht auf Gender-Diskussionen ein. Das Drittel in der Mitte nenne ich die passiven Pragmatiker. Sie haben zwar das Selbstbild, fortschrittlich zu sein, leben aber traditionell und sind – zumindest unter den aktuellen Bedingungen – nicht bereit, sich ernsthaft zu hinterfragen. Diese Männer sind empfänglich für antifeministische Ressentiments.




3. Wie der Feminismus im Jahr 2023 aussehen kann, illustriert Veronika Kracher (Amadeu-Antonio-Stiftung, Meldestelle Antifeminismus):

Männerdiskriminierung richtig und wichtig. Ich schlage vor, wir verurteilen pauschal und zurecht alle Männer als potentielle Täter, bis sie beweisen können dass sie es *nicht* sind, anstatt umgekehrt. Erspart viel Mühe und vor allem Schmerz und Gewalt.

Ihr seid am Ball, Jungs.




4. Harald Schmidt äußert sich zur Kontroverse um Till Lindemann und Rammstein:

Es herrsche "jetzt auch viel Aufregung im Konjunktiv", so der aus dem schwäbischen Neu-Ulm stammende 65-Jährige. Worte wie "angeblich", "Insider sagen", "soll", "es wird behauptet" seien ein großer Teil der Debatte – Klarheit herrsche aber noch immer nicht. Es sei demnach im Interesse aller Beteiligten, "das jetzt juristisch anzugehen". Auch zu den umstrittenen Aftershowpartys äußerte er sich: Eine Einladung zu diesen werde "on vielen echt total angestrebt".

"Und dass dort nicht nur Mikado gespielt wird und Laubsägearbeiten gefertigt werden, kann man sich auch denken", so Harald Schmidt weiter. Vorrangig für die Debatte um Till Lindemann sei vor allem eine Frage: "Passiert dort was, das strafrechtlich relevant ist? Oder ist das halt dann auch eine private Entscheidung, ob ich dahin gehe?"

Seine Position im Fall des Rammstein-Sängers machte Harald Schmidt danach noch einmal überdeutlich: "Für mich ist es ganz einfach: Ist da was Kriminelles passiert oder nicht? Der Rest ist viel Vermutung und viel persönliches Verhalten und private Moralvorstellungen."




5. Toxische Weiblichkeit: Am 10. Juni gingen in Zürich sechs Frauen auf Jugendliche los. Fünf Frauen sind noch flüchtig.



6. Wozu das von Professor Hollstein beklagte und von anderen praktizierte ständige Hetzen gegen Männer und eine Kultur des allgegenwärtigen Verdachts führt, zeigt der Bericht eines Psychologiestudenten: "Ich wurde aus dem Fitnessstudio geworfen, weil ich eine Frau angestarrt hätte – dabei bin ich blind". Sein Blindenstock, den er als Beweis zeigte, wurde als Teil seiner Verkleidung bewertet, um Frauen zu belästigen.



7. Noch mehr von den Folgen der Herrschaft des Verdachts zeigt ein Fall an einer britischen Mädchenschule:

Die Devonport High School for Girls wurde als potenziell unsicherer Arbeitsplatz für Männer gebrandmarkt, nachdem ein Lehrer zu Unrecht entlassen wurde, nachdem Schülerinnen zweifelhafte Behauptungen aufgestellt hatten, er habe sie sexuell belästigt. Der Mathematik- und Informatiklehrer Jonathan Hawker verlor seine Stelle und wurde von der Polizei verhaftet, die eine Razzia in seinem Haus durchführte und seinen Laptop, sein Telefon und andere elektronische Geräte beschlagnahmte, nachdem Mädchen behauptet hatten, er habe sie im Unterricht unangemessen berührt.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ließen die Anklagen jedoch fallen und erklärten, es bestehe keine Chance auf eine Verurteilung. Herr Hawker, der alle "karrierebeendenden" Anschuldigungen bestritt und eine makellose Disziplinarakte hatte, bevor sie erhoben wurden, wurde dennoch wegen groben Fehlverhaltens entlassen.

Er verklagte das Gymnasium vor einem Arbeitsgericht, das feststellte, dass die Untersuchung fehlerhaft und unfair ihm gegenüber war und auf zweifelhaften Beweisen beruhte. Es gab den Aussagen zweier Schülerinnen nicht genügend Gewicht, die sagten, die Anklägerinnen des Lehrers hätten ihnen erzählt, sie hätten "aus Spaß versucht, Herrn Hawker zu feuern", indem sie behaupteten, er habe ihre Oberschenkel berührt und sie sexuell belästigt.




Mittwoch, Juni 21, 2023

SPD will "verbale sexuelle Belästigung" zur Straftat machen

1. "Die Welt" berichtet:

Täglich werden Frauen sexuell belästigt. Geht es nach der SPD-Bundestagsfraktion, sollen künftig auch verbale Grenzüberschreitungen verfolgt werden. Denn bisher blieben sie meist straflos – das sei "in einer gleichberechtigten Gesellschaft nicht akzeptabel".


"Gewalt gegen Frauen wird in unserer Gesellschaft oft noch immer nicht ernst genommen, obwohl das Ausmaß riesig ist", heißt es in der SPD weiter.

Eine Ausweitung des Strafrechts auf schlechtes Benehmen hat wenig mit Gleichberechtigung zu tun. Gleichberechtigt wäre es, nicht nur von weiblichen Opfern von Belästigungen zu sprechen. Männliche Opfer gibt es kaum weniger häufig.

Immerhin sollen unerwünschte Komplimente, Äußerungen mit sexuellem Bezug und auf das Äußere bezogene Kommentare noch straffrei bleiben.



2. Das Männer-Vergraulen der etablierten Parteien hat Folgen: Inzwischen würde fast jeder vierte Mann die AfD wählen. Bei den Frauen, deren Anliegen von den etablierten Parteien weit eher wahrgenommen werden, sind es 15 Prozent.



3. Simone Schmollack hat Markus Theunert für die "taz" interviewt. Das Gespräch beginnt mit dieser Frage:

Herr Theunert, Sie forschen seit Jahren zu progressiver Männlichkeit und betreiben patriarchalkritische Männerarbeit. Jetzt zeigen Umfragen, dass noch immer recht viele Männer ein eher traditionelles Männerbild haben und ein Drittel von ihnen es sogar akzeptabel findet, Frauen zu schlagen. Dabei dachten wir, jüngere Männer hätten diese archaische Männlichkeitsnorm überwunden.


Wer erwartet, dass Theunert diesen Unfug schlicht zurückweist und aufklärt, hat sich in den Finger geschnitten. Stattdessen erklärt er, ihn überrasche dieses Ergebnis nicht, und befindet, ein Drittel der Männer sei "antifeministisch-misogyn" eingestellt. Er befindet: "Wir müssen radikaler werden und noch deutlicher sagen, dass der Planet nur eine Überlebenschance hat, wenn wir das Patriarchat überwinden." Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht es um den "Sexismus einer Band wie Rammstein" und die Notwendigkeit "kritische Männlichkeit in den Mainstream zu bringen".

Hätte man Theunert absichtlich vorführen wollen, hätte man es nicht besser machen können.



4. Skandal der Woche in Frankreich:

Ein Bier auf ex in der Umkleide der Rugby-Mannschaft - und schon hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wieder für einen Aufreger bei der Opposition gesorgt. Ein "Symbol toxischer Männlichkeit der politischen Führung" sei diese Geste, schrieb die französische Grünen-Chefin Sandrine Rousseau bei Twitter. "Ein Bier auf ex? Was will der sich denn beweisen?", spottete die sozialistische Senatorin Laurence Rossignol.


Straftatbestand wann?



5. Die Süddeutsche Zeitung hat eine Studie aufgegriffen, der zufolge die Heiratschancen der Männer immer mehr von ihrem Verdienst abhängen (Genderama berichtete):

Wollen Männer eine Partnerin für sich gewinnen und gar heiraten, erhöhen Geld und Ansehen die Chancen enorm. Krabbeln sie hingegen am unteren Ende der finanziellen Leiter herum, stolpern sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit alleine durchs Leben. "Seit jeher ist der soziale Status eines Mannes ein wesentlicher Faktor, ob dieser eine Partnerin findet und Nachkommen bekommt", schreiben Martin Fieder und Susanne Huber von der Universität Wien im Fachblatt Biodemography and Social Biology.

Diesen Zusammenhang haben Forscher vielfach in großen Studien weltweit beobachtet. Er gilt unabhängig davon, wie traditionell oder progressiv, wie reich oder arm Gesellschaften sind. Auch Vorstellungen zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit haben kaum Auswirkungen auf diese Partnerpräferenzen. Weltweit und quer durch die Geschichte gilt: Männer fliegen auf Jugend und Schönheit; Frauen auf Status und Wohlstand. Wohlgemerkt, es handelt sich um Durchschnittswerte. Einzelne Gegenbeispiele lassen sich gewiss finden, doch es handelt sich um Ausnahmen.

Die Präferenzen verschärfen sich womöglich sogar, wie Fieder und Huber in ihrer aktuellen Studie zeigen. Die Forscher werteten dafür Daten von 3,5 Millionen Männern und 3,6 Millionen Frauen aus den USA aus, die zwischen 1890 und 1973 geboren wurden. Der Analyse zufolge hingen die Heiratschancen der Männer im Laufe der Zeit immer stärker von ihrem Gehalt ab. Unter den 1890 geborenen Männern übte das Einkommen nur einen marginalen Einfluss aus, während unter den 1973 geborenen die Heiratschancen zu etwa 20 Prozent von der Höhe des Gehalts bestimmt wurden. Für die Frauen dieses Geburtsjahrgangs galt hingegen: Ihr Einkommen wirkte sich weder positiv noch negativ auf die Chancen aus, jemals zu heiraten.

(…) Die Forscher der Universität Wien argumentieren zudem für einen weiteren Grund, warum die männliche Attraktivität heute stärker vom Einkommen abhängt. "Frauen heiraten sozial tendenziell nach oben, nicht nach unten", sagt Fieder. Auch das haben Studien gezeigt: Hochgebildete, beruflich erfolgreiche Frauen suchen sehr oft nach Partnern, die noch höher hinauf geklettert sind als sie. Und da Frauen heute in Sachen Bildung und Berufserfolg teils auf der Überholspur unterwegs seien, so argumentieren Fieder und Huber, sei der finanzielle Erfolgsdruck auf Männer enorm angestiegen.


Wir haben also weiterhin die Kritische-Männlichkeits-Schwurbler in den Medien, die so tun, als basiere "das Patriarchat", also das traditionelle Geschlechterverhältnis, allein auf den Wünschen der Männer, und im privaten Bereich Frauen, die ganz klare Ansprüche nach beruflich erfolgreichen Männern stellen.



6. Rund 30 Prozent der Frauen in heterosexuellen Paaren in den USA verdienen mehr als ihr Ehe- oder Lebenspartner, so die UBS-Studie "Own Your Worth 2023". Aber nur die Hälfte dieser Ernährerinnen übernimmt die finanzielle Verantwortung in ihrem Haushalt, verglichen mit 79 Prozent der Männer in derselben Position.



7. Ich bin leider selbst noch nicht dazu gekommen, Gunnar Kunz neues feminismuskritisches Buch "Sie verlassen den demokratischen Sektor" zu lesen, vermute bei diesem Autor aber, dass es gelungen sein wird. Einen Auszug davon gibt es seit gestern auf Christian Schmidts Blog "Alles Evolution".



Dienstag, Juni 20, 2023

"Sie dachte, sie sei nicht zu schocken – dann kamen die kastrierten ukrainischen Soldaten an"

In meinem Buch "Sexuelle Gewalt gegen Männer" geht es natürlich auch um Übergriffe in militärischen Konflikten. Aktuell berichtet die Londoner "Times" (hinter einer Bezahlschranke) über solche Greuel im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Auch einige deutsche Zeitungen wie die "Bild" (online) und der "Berliner Kurier" haben den Artikel aufgegriffen. Ich habe weite Passagen für Genderama übersetzt.



Einen Monat lang konnten die beiden Männer ihrem Psychologen nicht sagen, was ihnen widerfahren war, nur dass es unbeschreiblich schrecklich war. "Wenn es irgendwo eine Hölle gibt, dann ist das hier schlimmer", sagte einer.

Die ukrainischen Soldaten im Alter von 25 und 28 Jahren befanden sich in russischer Gefangenschaft - der eine einen Monat, der andere drei Monate lang.

Nach ihrer Rückkehr im Rahmen eines Gefangenenaustauschs wurden sie an Anzhelika Yatsenko, 41, eine Psychologin in Poltawa, überwiesen, die sich mit jungen Männern in Schwierigkeiten befasst. Sie waren selbstmordgefährdet. Der jüngere von ihnen hatte versucht, sich umzubringen. "Ich wusste von früheren Fällen, dass sie wahrscheinlich gefoltert worden waren", sagte sie. "Als jemand, der die schwierigsten Fälle zugewiesen bekommt, meist Männer unter 35 Jahren, ist es sehr schwer, mich zu überraschen".

Als sie es ihr schließlich sagten, war es das erste Mal, dass ich mich nicht wie eine professionelle Psychologin verhielt", sagte sie.

"Ich hatte noch nie etwas so Schreckliches gehört. Ich sagte ihnen, dass ich auf die Toilette müsse, und ging und weinte und weinte. Ich wollte nicht, dass sie es sehen, weil sie denken könnten, es gäbe keine Hoffnung."

Die beiden Männer wurden brutal zusammengeschlagen. Dann kastrierten die betrunkenen Russen sie mit einem Messer.

"Einer von ihnen sagte mir: 'Ich weiß nicht, wie ich noch am Leben bin, es war so viel Blut, ich dachte, ich würde an einer Blutvergiftung sterben'", sagte sie.

"Und natürlich geht es nicht nur um die körperlichen Schäden. Stellen Sie sich vor, es sind junge Männer, die gerade ihr Sexualleben beginnen, und dann ist in einer Sekunde alles vorbei. Sie fühlen zwar noch etwas, all diese Hormone, aber sie können nichts mehr tun. Sie können niemals sexuell aktiv sein. Für einen jungen Mann ist das das Schlimmste, was ihm passieren kann.

"Ihre Würde wurde so sehr verletzt, dass es unmöglich ist, das zu vergessen. Die Russen haben ihnen gesagt: 'Wir tun das, damit ihr keine Kinder mehr bekommen könnt'. Für mich ist das Völkermord."

(...) Yatsenko glaubt, dass ihre Patienten nicht die einzigen sind, die kastriert wurden. "Sie haben mir erzählt, dass die Russen die Kastration sehr geschickt durchgeführt haben, so als ob sie wüssten, wie man es macht. Und ich habe von Kollegen, die andere Patienten behandeln, von vielen Fällen gehört."

(...) Im Juli letzten Jahres tauchte auf pro-russischen Telegram-Kanälen ein ekelerregendes Video auf, das zu zeigen schien, wie ein russischer Soldat einen ukrainischen Gefangenen kastriert. Der Soldat mit dem charakteristischen russischen Z-Abzeichen trägt blaue chirurgische Handschuhe und hält ein grünes Teppichmesser in der Hand, als er sich an einem Gefangenen vergreift, der mit dem Gesicht nach unten liegt, die Hände gefesselt, den Mund geknebelt und die Rückseite seiner Hose aufgeschnitten hat. Der Gefangene ist mit ukrainischer Tarnkleidung bekleidet. Ein zweites Video zeigt offenbar denselben Gefangenen, dem die Hoden in den Mund gestopft wurden.

"Die ganze Welt muss verstehen: Russland ist ein Land von Kannibalen, die gerne foltern und morden", twitterte Mykhailo Podolyak, ein Berater von Zelensky. "Aber der Nebel des Krieges wird den russischen Henkern nicht helfen, der Strafe zu entgehen. Wir identifizieren jeden. Wir werden jeden erwischen."

Unabhängig davon, ob die Täter aufgespürt werden oder nicht, hat sich das Leben der Opfer unwiderruflich verändert.

Während es international viel Empörung und Hilfe für Frauen und Mädchen gab, die von Russen in den besetzten Gebieten vergewaltigt wurden, wurde der sexuellen Gewalt gegen Männer und Jungen, ob unter der Besatzung oder in Gefangenschaft, weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Jatsenko sagte, die Männer seien schwer zu behandeln. "Sie nehmen eine Menge Antidepressiva, das ist alles. Und wir versuchen, Ablenkung für sie zu finden. Sie können nicht mit ihren Familien oder Freunden sprechen. Der Jüngere, der versucht hat, Selbstmord zu begehen, hatte eine Freundin, die ihm sagte, dass sie ihn so akzeptiert, wie er ist, aber es war zu schwer für ihn, bei ihr zu bleiben, also sind sie jetzt getrennt."

Letzte Woche sagte sie, er habe aufgehört zu sprechen.

"Der andere hatte ein Mädchen, das er mochte und um ein Date bitten wollte, aber jetzt kann er es ihr nicht sagen. Es ist alles so traurig", sagte sie, "Das werde ich nie vergessen."




Montag, Juni 19, 2023

CDU gegen Diskriminierung von Menschen, die keine Gendersprache verwenden

1. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet:

Die CDU macht sich gegen Gender-Sprache in Behörden, Schulen, Universitäten sowie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stark. Man wolle etwa "auch nicht, dass jemand an der Universität dafür bestraft wird, dass er die Sprache verwendet, die ohne Gendersternchen funktioniert", sagte CDU-Generalsekretär Mario Czaja am Freitag kurz vor Beginn eines Kleinen Parteitags der Christdemokraten in Berlin.

In einem von der Antragskommission der Partei veränderten Antrag des CDU-Verbandes Braunschweig, der von den gut 160 Delegierten diskutiert und verabschiedet werden sollte, heißt es: "Die CDU Deutschlands spricht sich gegen jede Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen aus, die keine Gender-Sprache verwenden möchten." Man sei dafür, "dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen sowie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine grammatikalisch falsche Gender-Sprache" verwendet werde. Zudem lehne man "negative Folgen einer korrekten, den Vorgaben des Rates für deutsche Rechtschreibung entsprechenden Schreibweise bei Prüfungsleistungen oder Förderanträgen ab".




2. Der Unmut über die beiden Schweizer Geschlechterforscherinnen Katja Rost und Margit Osterloh, die herausfanden, dass auch Studentinnen lieber einen erfolgreichen Mann heiraten, statt selbst Karriere machen möchten, hält unvermindert an.

Mit dem, was dann folgte, hatten die beiden Professorinnen nicht gerechnet. Es kam zu Protesten und zu Anfeindungen, auch persönlichen. Katja Rost sprach an einem Podium am Donnerstagabend in Zürich von einem Albtraum. (…) Es folgten unter anderem Eingaben an den Presserat über den angeblich sexistischen Tamedia-Artikel und ein offener Brief, der die Methodik der Studie infrage stellte.

Eine aktivistische Gruppe, das "feministische Hochschulkollektiv", war der Ansicht, dass sich die Universität für die Studie – und für die Diskussionen darüber – zu schämen habe.

Die Universität dachte aber nicht daran, sich dem Druck zu beugen, sondern stellte sich am Podium am Donnerstag der öffentlichen Debatte und der Kritik.

(…) Die Diskussion nahm bisweilen bizarre Züge an. Der Psychologe und Männeraktivist Markus Theunert etwa warf den beiden Frauen einen mangelhaften Umgang mit Kritik vor. Er verglich ihr Verhalten mit dem von "alten weissen Männern", sie hätten faktenreich und arm an Empathie auf ihrem Standpunkt beharrt. Osterloh antwortete ihm kühl, dass Wissenschaft keine Wohlfühlveranstaltung sei.

(…) Aufhorchen liess ein Statement der ETH-Professorin Elsbeth Stern. Die Psychologin, die zu Bildungsthemen forscht, kritisierte die Studie als handwerklich ungenügend. "Wenn das eine Bachelorarbeit gewesen wäre, dann hätten die nochmals rangemusst", sagte sie.

(…) Die beiden Uni-Professorinnen wiesen die Kritik zurück. Ihre Arbeit sei auch durch Peer-Reviews gegangen und sei sehr sauber.




3. Zwei Männer beschimpften ein schwules Paar im Regionalexpress RE4 zwischen Düsseldorf-Hauptbahnhof und Bilk. Als der eine Partner zur Toilette ging, verprügelten sie den zweiten und entwendeten seine Uhr. Die Täter haben syrischen und afghanischen Migrationshintergrund. Die alarmierten Polizeikräfte trafen die beiden Tatverdächtigen noch im Zug an und nahmen sie fest.



4. Telepolis legt dar, inwiefern die Wikipedia nach wie vor problematisch ist. Ein Grund dafür ist ein inzwischen etabliertes Machtgefälle, das mit der ursprünglichen Vision der Wikipedia von gleichberechtigten Nutzern nichts mehr zu tun hat:

Der Biologe Markus Fiedler setzt sich auf dem Blog "Geschichten aus Wikihausen" kritisch mit der Online-Enzyklopädie und ihrem Objektivitätsanspruch auseinander.

In der YouTube-Dokumentation "Die dunkle Seite der Wikipedia" von 2015 zitieren Fiedler und Mitproduzent Frank-Michael Speer einen Foren-Beitrag, der das oben beschriebene Patronage-Struktur mit dem Vorgehen der sizilianischen Mafia vergleicht:

"Nur wer sich der gütigen Hand der absoluten Macht des Administrators unterwirft – wer also Lehns- und Gefolgsmann des Administrators wird –, kommt in den Schutz der erweiterten administrativen Rechte. […] Wer nicht Gefolgsmann eines Administrators ist, wer Kritik äußert und abweichende Ideen vertritt, ist rechtlos und zum Abschuss freigegeben […] er wird bekriegt, beleidigt und gedemütigt, und seine Beiträge stehen zur Vernichtung frei."


Ein anderer Grund ist die Aufgabe des Prinzips vom neutralen Beobachtungspunkt:

Einer wissenschaftlichen Quelle räumt die (deutsche) Wikipedia im Konfliktfall den Vorzug ein. Wo eine solche nicht vorhanden ist, erfüllen laut Satzung "inhaltlich zuverlässige" Quellen wie öffentlich-rechtliche Medien und Zeitungen diese Anforderungen. Explizit genannt wird tagesschau.de.

Keine Angaben macht die Wikipedia allerdings dazu, welchen anderen Medien jenes Privileg zuteilwird. Allein die Liste von Nachschlagewerken verrät, welche Medien offenbar a priori als zitierfähig eingestuft werden. Solche jenseits des sogenannten Mainstreams sucht man in betreffenden Listen allerdings vergeblich. Im Hinblick auf das Neutralitätsgebot ist das problematisch.

Denn nicht nur, dass auch "seriöse" Medien Inhalte kontrafaktisch, elliptisch oder einseitig darstellen können. Eine im obigen Sinne eng gefasste Wikipedia-Definition würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Inhalte, die der Mainstream nicht aufgreift, per se nicht seriös sein können.

Was abweicht, wäre dann automatisch falsch. Und die Wikipedia kein progressives Gemeinschaftsprojekt, sondern eher ein Zugeständnis an zeitgenössische Formen des Positivismus.

Zudem würde man damit den "seriösen" Medien nicht nur eine unverhältnismäßige Deutungshoheit einräumen, die dem Neutralitätsgebot widerspricht, sondern auch Mechanismen ignorieren, die die Illusion eines medialen Konsenses erzeugen – etwa die Befragung der immergleichen Experten, das Abschreiben voneinander oder die Übernahme von Agenturmeldungen. Und doch verlaufen die Diskussionen hinter den Kulissen von Wikipedia so, als ob dieses Problem nicht existiere.


Für die Männerrechtsbewegung ist die Wikipedia aus den genannten Gründen besonders problematisch.



5. In der Berliner "taz" befindet Carolina Schwarz zur Kontroverse um die Band Rammstein, zwar gelte die Unschuldsvermutung, jedoch:

Konsequenzen muss es trotz allem geben. Das soll weder die Ermittlungen kleinreden noch die Unschuldsvermutung außer Kraft setzen. Doch selbst bei fehlender Verurteilung müssen wir als Gesellschaft ja einen Umgang mit mutmaßlichen Täter_innen und Opfern finden.


In der Kommentarspalte unter dem Artikel, die zügig geschlossen wurde, zeige sich die Leser wenig überzeugt:

solche [artikel] lassen mich auch ratlos zurück. würde die autorin ihre gutheißung zu ende denken, könnnen wir die gerichte abschaffen und wir stimmen auf twitter über urteile ab, da man ja eh schon genau weiß was vorgegangen ist und das urteil nur eine formalie darstellt.


Beim Lesen wird ein wenig Angst und Bange. Da klingt vieles wie Hetze und undemokratischen Spielregeln. Ich halte persönlich Lindemann für ein erbärmliches kleines Würstchen, aber zu fordern, dass generell mit mutmaßlichen Tätern "gesellschaftlich" ins Gericht gegangen werden soll finde ich widerlich. (…) mutmaßlich heisst aus besonderem Grund "mutmaßlich". Keiner wird gezwungen, Lindemann hinterher zu laufen. Aber die Gesellschaft "muss ihn richten" ist totalitäres denken.


Und wenn ich jetzt sage, dass du mit mir xy gemacht hast, solltest du dann auch direkt ausgerenzt werden, ohne Verhandlung, ohne Urteil? Vielleicht sollten wir manche Menschen einfach direkt auf dem Marktplatz durch den Mob lynchen lassen?


So kommen wir zurück zur Lynchjustiz. Sollte Herr Lindemann freigesprochen werden gilt er als unschuldig, dann gibt es keine Konsequenzen. Ich finde es sehr fragwürdig was sich Frau Schwarz für eine Deutungshoheit erlaubt.


Währenddessen fordert der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung ein Verboten von Rammstein-Konzerten.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp hingegen stärkt Rammstein den Rücken:

Der Schriftsteller und Bestseller-Autor Uwe Tellkamp hat den Rammstein-Frontmann Till Lindemann verteidigt und dessen Rauswurf beim Verlag "Kiwi" kritisiert. "Ich mag Till Lindemanns Lyrik. Ich verstehe nicht, wie sein Verlag ohne wirklichen Beweis sich von ihm distanziert, ihn rausschmeißt. Das finde ich perfide und heuchlerisch", sagte Tellkamp in dem Youtube-Format "Schuler! Fragen, was ist". Man müsse differenzieren zwischen Straftatbestand und Einvernehmlichkeit. Bislang habe er keine Beweise dafür gehört, dass es strafbare Handlungen gegeben habe.


Auch der Musikproduzent Thomas Stein kritisiert die Berichterstattung der Medien über Till Lindemann. "Ich bin mir nicht sicher, ob die momentane Berichterstattung auf einem soliden Fundament gemacht wurde", erklärt Stein und ergänzt: "Wir trauen es uns in Deutschland nicht mehr zu sagen, dass etwas anders sein kann, als das, was die Medien gerne erzählen." Niemand hätte bisher die Vorwürfe gegen Till Lindemann richtig nachgeprüft, so Stein. "Ich finde, man muss mit einer Vorverurteilung aufpassen."

Heute Abend ist Thomas stein Gast in der Talkshow "hart aber fair", die von der ARD folgendermaßen angekündigt wird:

Skandale wie der um die Band Rammstein zeigen: Wo Männer Macht haben, zählen Frauen oft wenig. Warum erleben Frauen häufig Erniedrigung bis hin zum Missbrauch? Wann gibt es endlich Augenhöhe statt Machtgefälle? Und was haben Frauen dazu schon erreicht, Männer gelernt?


Wir sind also von einem unbewiesenen Einzelfall bereits bei einer neuen Breitseite gegen Männer insgesamt gelandet. Und auch für Männer insgesamt ist die Unschuldsvermutung in der medialen Darstellung außer Kraft gesetzt.

Auch in einem weiteren taz-Artikel heißt es, dass "die Männerwelt" (!) auf einmal Angst bekomme, "dass Machtstrukturen, die systematische sexuelle Übergriffe, nicht-konsensualen Sex und Drogenmissbrauch ermöglichen, nach Jahrzehnten ins Wanken geraten könnten." Dabei werde "völlig sinnentleert und reflexartig von 'Unschuldsvermutung' geraunt." Wer das tue, habe womöglich "Angst, in dieser Auseinandersetzung zu Erkenntnissen zu kommen, die ihn persönlich betreffen."

Man hätte auch gleich weniger verklausuliert schreiben können: Wer bei Vorwürfen sexueller Gewalt auf der Unschuldsvermutung beharrt, hat bestimmt selbst etwas auf dem Kerbholz.

In einem der Leserkommentare unter diesem Artikel heißt es:

Was eine Hexenjagd, unglaublich.

Unschuldsvermutung? Egal.

Bis dato ist exakt null belegt.

Man denke an die Fälle Gil Ofarim oder Jörg Kachelmann - da war auch "jedem" vorher klar was Sache ist... - es passte ja auch so schön ins Weltbild - und hinterher?

Hier wird einer gesteinigt der vielen schon lange ein Dorn im Auge ist - ein Macho, ein Berlusconi der Bühne - der Antichrist von #metoo bis queer - endlich kann man ihn kreuzigen. Weil er ein Weltbild auf die Bühne transportiert, das dem "Zeitgeist" komplett ins Gesicht spuckt.


Auch andere LeserInnen zeigern sich erschrocken, mit welcher Leichtigkeit der "taz"-Artikel die Unschuldsvermutung beiseite wischt.

Der Autor dieses Artikels, Maurice Conrad, ist Initiator der Fridays-for-Future-Bewegung in Mainz und Mitglied des Mainzer Stadtrats.

Und schließlich äußert sich der Strafverteidiger Dr. Yves Georg in der Legal Tribune zur Erosion der Unschuldsvermutung im Fall Lindemann (der Artikel ist in Gänze lesenswert):

Auch nach der Konkretisierung bisher bloß im Diffusen bleibender Vorwürfe gegen Lindemann durch die Spiegel-Recherchen gilt weiterhin: "Nichts Genaueres weiß man nicht." Das hält aber etwa Geschäftspartner von Lindemann nicht von Konsequenzen ab. Dabei kann vor allem die Kündigung von Verträgen, wie es im Fall Lindemann etwa Kiepenheuer & Witsch, GGPoker und Rossmann getan haben, nicht damit begründet werden, dass man das hoch Streitbare des Rammstein-Frontmanns erst jetzt wirklich erkannt habe. Denn bekanntlich finden sich in einer Vielzahl von Texten aus Lindemanns Feder Motive von Vergewaltigung, Missbrauch und Inzest. Die – noch völlig unaufgeklärten – Vorwürfe müssen also ausschlaggebend gewesen sein. Daran wird deutlich, dass die Unschuldsvermutung sowohl bei vielen Medien als auch Geschäftspartnern von Lindemann keine hinreichende Beachtung findet.




6. Die Post. Heute schreibe ich mehreren Dutzend Chefredakteuren und anderen Journalisten folgende Mail:

Sehr geehrte(r) …

bitte helfen Sie mir bei der Beantwortung einer Frage, die mit den aktuellen Medien zu tun hat. Ich habe zwar selbst Medienwissenschaft studiert, aber das war in den Neunziger Jahren, und die Dinge haben sich offenkundig stark geändert.

Vor einigen Monaten habe ich Ihnen und über 100 anderen Medien mein Buch "Sexuelle Gewalt gegen Männer" zugesandt. Das Buch stellt die Ergebnisse zahlreicher aktueller Studien zusammen, denen zufolge Männer in fast so starkem Ausmaß wie Frauen Opfer sexueller Gewalt, einschließlich Vergewaltigungen, werden. Diese Erkenntnis hat offenkundig Nachrichtenwert. Die Studien stammen von anerkannten Forschern, sind belastbar, wurden repliziert und waren in US-amerikanischen Medien auch Thema. Von den deutschen Leitmedien hat allein der STERN mit einem Artikel reagiert, ansonsten nur Nischenmedien wie das linke Overton-Magazin.

Vergangene Woche hingegen wurde über eine vermeintliche "Studie" von Plan International, der zufolge jeder dritte Mann es okay fände, seine Partnerin zu schlagen, flächendeckend in den Leitmedien berichtet. "Das Ding war überall", schilderte das zutreffend das NDR-Medienmagazin "Zapp". Erst nach der Veröffentlichung dieser Beiträge erkannten die Redaktionen, dass diese angebliche Studie mit wissenschaftlicher Stichhaltigkeit wenig zu tun hat, was Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine ausführlich aufschlüsselten.

Warum erhält eine unseriöse Präsentation von wissenschaftlicher Forschung eine breite Plattform in unseren Medien und eine seriöse Präsentation so gut wie keine?

Mir ist klar, dass die Darstellung von Plan International sexistische Klischees zu bestätigen scheint, während die von mir zusammengetragenen Studien sexistische Klischees widerlegen. Aber ist es nicht die Aufgabe von Journalisten, trotzdem jeweils die Stichhaltigkeit zu überprüfen?

Freundliche Grüße

Arne Hoffmann


Ich rechne mit keiner Antwort, finde aber nicht, dass man deswegen gar nicht erst fragen sollte.



Freitag, Juni 16, 2023

Politikerin (SPD) will Patriarchat "brennen sehen": Nach Skandal ins Europaparlament?

1. Die Bildzeitung berichtet:

Erst die Revolution ausrufen – und sich dann um einen weichen Sessel im Brüsseler Europa-Parlament bewerben? Die Karriereplanung der früheren AStA-Vorsitzenden Madita Fester (28) aus Münster sorgt für politischen Wirbel in NRW!

Der SPD-Unterbezirk Münster hatte die junge Politikerin und Studenten-Vetreterin für das Rennen um eine Kandidatur für die Europawahl im kommenden Jahr nominiert.

Was dabei offenbar keine Rolle spielt, sind Äußerungen im Internet, die Madita Fester im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen gebracht hatten. Im April 2022 hatte sie als AStA-Vorsitzende getwittert: "Ich will keine Reform, ich will keine ermüdende Debatte mehr nach der eh nichts passiert Ich will das Patriarchat und den Kapitalismus brennen sehen Ich will die Revolution" (Fehler wie im Original-Tweet)

Die wenigen Worte Madita Festers auf Twitter lösten eine Empörungswelle weit über Münster hinweg aus.

(…) Festers Nominierung für das Europa-Parlament bringt Paul Ziemiak (37), Generalsekretär der NRW-CDU, auf die Zinne. Ziemiak sagte BILD: "Die SPD in NRW muss dringend aufklären, ob sie sich von diesem Gedankengut distanziert hat. Sollte dies nicht der Fall sein, haben die Sozialdemokraten ein echtes Problem. Denn klar muss sein: Für Extremisten ist kein Platz im Europa-Parlament."


Madita Fester beklagte Kritik an ihrem Tweet als "übel antifeministisch".



2. Eine feministische Gruppe in Bern wurde von der Antifa überfallen.

Aktivistinnen des "Collectif Némésis" geben an, sich nach einer Aktion während des Frauenstreiktags [in einem Restaurant in Bern] befunden zu haben, als sie von einer Gruppe aus rund zwanzig vermummten Personen attackiert worden sind. Dabei habe es sich um Mitglieder der Antifa gehandelt.

Es seien Stühle und Tische geworfen worden, ausserdem seien Tränengas und Messer im Spiel gewesen.

Im Hintergrund eines kurzen Videoclips sind Spuren der Zerstörung im Restaurant zu sehen. Ausserdem wird das Bild einer Gesichtsverletzung einer der betroffenen Frauen eingeblendet.


Das "Collectif Némésis" fokussiert sich auf sexuelle Gewalt, die von Zuwanderern ausgeht, und argumentiert, dort sei die Täterrate besonders hoch: aus Sicht der Antifa-Schlägerbande ist die Gruppe also rechts und rassistisch. In der Antifa ist körperliche Gewalt gegen Menschen, die als politischer Gegner betrachtet werden, gang und gäbe. (Eine gute Übersicht zum Thema bietet Andy Ngo.)



3. Wer hätte es geahnt: Auch die meisten Apothekenden lehnen die Gendersprache ab. (Natürlich gendert das von mir verlinkte Medium trotzdem unverdrossen weiter.)



4. T-Online berichtet, wie es einem weiblichen Rammstein-Fan nach einem Konzert der Band ergangen ist:

Auch Martha steht in der Halle. Sie könnte an diesem Tag das Konzert aus der ersten Reihe heraus verfolgen. Doch sie bleibt etwas weiter hinten an der Bar, gemeinsam mit einem Freund. Wenige Tage zuvor hat sie eine Nachricht erhalten, von einer gewissen Alena Makeeva. Der Kontakt kam über eine Facebook-Gruppe zustande, in der Martha den Konzerttermin Lindemanns bestätigt hatte. Alena fragte sie über den Messenger, ob sie Lust habe, einen Gästelistenplatz zu bekommen. Martha hatte Lust.

"Warum nicht?", sagt sie im Gespräch mit t-online: "Das ist Till Lindemann und ich bekomme das Angebot, zu einer Aftershowparty zu kommen. Natürlich sage ich da nicht nein." Doch ihre Vorstellung davon, wie es ist, hinter die Kulissen von Deutschlands berühmtestem Rockstar zu dürfen, weicht von dem tatsächlich Erlebten zunächst stark ab.

Die Aftershowparty sei skurril gewesen, berichtet Martha. "Da saßen so 50 bis 60 Männer und Frauen wie in einem Kreis." Ihr sei es von Alena Makeeva untersagt worden, ihre männliche Begleitung mitzubringen, sie habe sich "total fehl am Platz gefühlt". Martha sitzt herum, langweilt sich. t-online liegen Videoaufnahmen der Party vor. Die Stimmung ähnelt weniger einer Rockstar-Sause als vielmehr dem Ausharren im Wartezimmer einer Arztpraxis – nur die Klänge vom Lied "Butterfly" der amerikanischen Rap-Rock-Band Crazy Town im Hintergrund verraten, dass es hier nicht gleich zur Wurzelbehandlung geht.

Etwa eine Stunde später, in einer Raucherpause, verändert sich der Abend für Martha. Ein Mann spricht sie an, er sei von Lindemann beauftragt. "Das war so ein riesiger Kasten, zwei Meter groß, zwei Meter breit. Was genau er dort gemacht hat, weiß ich nicht. Ein Mann für alles", beschreibt Martha den Lindemann-Mitarbeiter, dessen Name t-online bekannt ist. Ob sie den Sänger persönlich kennenlernen wolle, fragt er. Martha will. Sie wird eine Treppe hochgeführt, abseits der offiziellen Party.

Sie gelangt in einen schmucklosen Raum. Zwei Couches, ein Tisch, ein paar Häppchen, Alkohol – und: Till Lindemann. Er sitzt dort allein. Martha beschreibt den Moment, in dem sie ihm begegnet, so: "Ich dachte: Was ist denn mit dem los? Warum ist er so schlecht gelaunt? Man hat gesehen, dass er gar keinen Bock hatte, auf diese Party runterzugehen." Diese Party, die so wirkt wie das Warten auf eine Wurzelbehandlung.

(…) Martha und Till Lindemann führen Small Talk, trinken etwas, er sagt ihr, sie solle etwas essen. Sie lehnt ab. Drogen gibt es keine. Irgendwann beugt er sich zu ihr herunter, küsst sie – und sie haben Sex auf der Couch. Eine "flotte", "harte" Nummer, wie Martha sagt. Er habe sie gefragt, ob er sie würgen darf, sie bejaht. "Ich finde dieses Machtgefälle sehr anziehend", sagt Martha.

"Von dem Moment an, in dem ich den Raum betreten habe, bis zu dem Zeitpunkt, als wir miteinander geschlafen haben, sind vielleicht zehn Minuten vergangen", schätzt sie. Doch Martha stört das nicht, sie will den Sex mit Lindemann. Sie habe sich "geehrt" gefühlt. "Er hat mich nicht bedrängt und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich in der Situation gefährdet war."

Martha ist zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt, der Rockstar 57. Es ist die Geschichte einer Frau, bei der im Nachhinein weder Vorwürfe mitschwingen noch Schuldgefühle oder Reue. Martha war sich bewusst, was sie tat, und ihr gefiel das.

(…) Und doch kann ihre Geschichte womöglich ein vollständigeres Bild liefern von den Vorwürfen, die gegen Till Lindemann erhoben werden. Davon, dass die Grenze zwischen einvernehmlichem und übergriffigem Sex womöglich nicht immer klar war. Weil es Frauen gab wie Martha, denen bewusst war, dass eine Einladung zu einem Privattreffen mit Till Lindemann bedeutet, mit ihm Sex zu haben – und andere, die davon überrumpelt waren. Oder die sich nach mehreren Drinks nicht mehr in der Lage sahen, das einschätzen zu können.


Jetzt kümmert sich die Staatsanwaltschaft darum, Licht ins Dunkel zu bringen.



5.
Die Gewerkschaften beklagen eine wirtschaftliche Geringschätzung der "Frauenberufe". Werden Krankenpflegerinnen systematisch gegenüber Mechanikern diskriminiert? Die Zahlen zeigen ein anderes Bild. Hingegen steckt hinter den Forderungen der Gewerkschaften viel ökonomisches Wunschdenken.


Christin Severin hat sich das für die Neue Zürcher Zeitung genauer angesehen:

"Die Lohnlücke muss endlich verschwinden", hatte mir eine Kollegin beim Frauenstreik 2019 gesagt. Es könne nicht sein, dass Frauen immer noch schlechter bezahlt würden. Die Ernährungsberaterin liegt mit ihrer Einschätzung auf der Linie der Gewerkschaften.

Eine wirtschaftliche Geringschätzung von "Frauenberufen" sei schuld an der Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen, hatte Vania Alleva, Vizepräsidentin des SGB und Präsidentin der Gewerkschaft Unia, unlängst an einer Medienkonferenz in Bern erklärt. Je höher der Frauenanteil in einer Branche sei, desto tiefer die Löhne, Frauen würden in diesen Branchen systematisch diskriminiert. "Ohne einen guten Lohn ist keine eigenständige, selbstbestimmte Existenz möglich", so Alleva.

Aber wie sieht sie überhaupt aus, die Lohnlücke, woher kommt sie, und wie lässt sie sich schliessen?

Mehr als die Hälfte aller Frauen verdiene weniger als 4200 Franken im Monat, ein Viertel verdiene sogar weniger als 2500 Franken, sagt der Schweizerische Gewerkschaftsbund und fordert eine rasche Aufwertung der Löhne in Frauenbranchen.

Ein wesentlicher Grund für die tiefen Einkommen ist, dass Frauen wesentlich häufiger Teilzeit arbeiten als Männer. Dass man mit einem geringen Pensum weniger verdient, ist eine Selbstverständlichkeit, keine Diskriminierung.


Der Artikel führt weitere Gründe auf, aus welchen Gründen, die nichts mit Diskriminierung zu tun haben, Frauen weniger verdienen als Männer. Mich interessiert hier ein Thema, das ich noch nicht derart exzessiv behandelt habe:

Die Gewerkschaften beklagen aber auch die wirtschaftliche Geringschätzung der sogenannten Frauenberufe. Wird eine Kindergärtnerin oder eine Krankenpflegerin weniger geschätzt als ein Mechaniker oder ein Monteur, und spiegelt sich das in einem tieferen Lohn?

Tatsächlich zahlen einige Branchen besser als andere. In der Schweiz sind die Banken, Versicherungen und Pharmaunternehmen für ihre guten Löhne bekannt. Der Detailhandel, die Gastronomie, Gesundheit und Soziales gelten als Schlusslichter. Mitarbeitende im Marketing, im Finanzbereich, Projekt- oder Teamleiter verdienen in den Hochlohnbranchen durchschnittlich automatisch mehr. Dies gilt sowohl für Männer wie für Frauen in den jeweiligen Funktionen.

In Deutschland hat die politisch links verortete Hans-Böckler-Stiftung vor Jahren versucht, dem Phänomen auf den Grund zu gehen, und hat dafür den "Comparable-Work-Index" kreiert. Dabei wurden die intellektuellen, physischen und psychischen Anforderungen von Berufsgruppen untersucht und bewertet. Die Idee: Wenn die Anforderungen an eine Physiotherapeutin gleich sind wie an einen Polizisten, sollten beide gleich viel verdienen.

Der Überlegungsfehler liegt aber darin, dass sich der Lohn nicht bzw. nicht nur aus den Anforderungen an den Arbeitnehmenden ergibt, sondern auch aus der Zahlungsfähigkeit bzw. der Wertschöpfung des Unternehmens. Beispiel Gastrobranche: Restaurants und Hotels operieren in der Regel mit Margen von fünf bis sieben Prozent. Je stärker die Löhne steigen, desto mehr Betriebe werden unrentabel.

Auch bei den Coiffeusen und Coiffeuren gibt es kaum eine kollektive Diskriminierung. Stattdessen limitiert die Zahlungsbereitschaft der Kunden die Löhne. Industrie- oder IT-Betriebe haben es einfacher: Ihre Produktion ist stark durch Grössenvorteile geprägt. Eine einmal programmierte Software kann man beliebig oft verkaufen, ein Autotyp wird am Fliessband zigfach produziert. Auf einem Coiffeurstuhl sitzt aber nur ein Kunde. Die Massenproduktion spielt nicht.

In Bern erwähnte die SGB-Vizepräsidentin einen jungen Mann aus ihrem persönlichen Umfeld, der eine Lehre als Krankenpfleger erwog. Den zu erwartenden Lohn fand er zu niedrig. Das solle doch kein Grund sein, einen Beruf nicht zu wählen, fand Vania Alleva. Genau dieses Argument ist aber falsch. Der Lohn ist nicht der einzige, aber ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Wenn man die Lohnperspektive beim Berufsentscheid erst ausblendet, und dann ungeachtet der Produktivität der Branche und ihrem Gehaltsniveau doch oben in der Gehaltsskala mitspielen will, steckt dahinter viel ökonomisches Wunschdenken.

Selbstverständlich dürfen Frauen – und auch Männer und Nichtbinäre – ihre Berufs- und Studienwahl rein aufgrund ihrer Interessen treffen. Aber es hat Konsequenzen, und denen sollte man sich stellen.


Der Artikel endet mit feministisch unterlegten Absätzen, denen ich zustimmen würde:

Dennoch gibt es auch heute noch viel zu tun. Teilzeit sollte kein berufliches Abstellgleis, sondern mit einer anspruchsvollen Tätigkeit vereinbar sein, und zwar für alle Geschlechter. Mütter, die ein paar Jahre aus dem Erwerbsleben ausgestiegen sind, kämpfen beim Wiedereinstieg mit hohen Hürden. Das ist eine grosse Verschwendung von Potenzial.

Zudem sollten Frauen selbst schon bei der Berufswahl mehr auf den Lohn und die berufliche Perspektive achten. Gerade wer Teilzeit arbeiten will, sollte im Blick behalten, dass sich das mit einem gut bezahlten Beruf besser finanzieren lässt.

Den Fokus auf solche Themen zu legen, bringt mehr als die immergleichen Klagen über eine anhaltende Diskriminierung.

Zudem darf daran erinnert werden, dass die meisten Menschen Kinder bekommen, weil sie dies wollen. Neben der Mutterschaftsstrafe gibt es Mutter- und Vaterfreuden. Man kann die Zeit mit den Kindern auch als Privileg ansehen. Darüber wird in der Gleichstellungsdebatte kaum geredet.




6. Die australischen Sky News berichten:

Die Anklage gegen den Boxer Harry Garside wegen häuslicher Gewalt wurde etwas mehr als einen Monat nach seiner Verhaftung bei der Landung auf dem Flughafen von Sydney nach den Dreharbeiten zu einer Reality-Show fallen gelassen.

Der olympische Bronzemedaillengewinner wurde beschuldigt, seine ehemalige Freundin Ashley Ruscoe in der Nacht zum 1. März in Bellevue Hill im Osten Sydneys angegriffen zu haben.

Garside, der einen schwarzen Anzug und eine Krawatte trug, erschien am Mittwochmorgen vor dem Amtsgericht Sydney Downing Centre und freute sich, dass die Anklage fallen gelassen wurde.

"Heute wurde mir Recht gegeben. Vor wenigen Augenblicken hat der Staatsanwalt der Polizei das Gericht darüber informiert, dass alle Anklagepunkte gegen mich fallen gelassen wurden", sagte er. "Dies ist darauf zurückzuführen, dass meine Anwälte die Aufzeichnungen und Mitteilungen vorgelegt haben, die der Polizei einen vollständigen Einblick in die Geschehnisse verschafften und mich von jeglichem Fehlverhalten freisprachen. Ich bin dankbar für die Sorgfalt, mit der die Polizei die überwältigenden Beweise zu meinen Gunsten geprüft und das Verfahren schnell eingestellt hat."

Barrister Sue Chrysanthou, vertrat Garside und sagte, sie sei "sehr zufrieden mit der Geschwindigkeit", mit der die Polizei die Anklage zurückgezogen habe. "Hilfreich war insbesondere ein Video des fraglichen Vorfalls, das unserer Meinung nach die Beschwerdeführerin als Angreiferin zeigt", sagte Frau Chrysanthou, "sowie anderes Material, in dem sie gedroht hat, zur Polizei zu gehen, um eine falsche Anzeige zu erstatten."




Donnerstag, Juni 15, 2023

Er wurde zur Frau, um dem Militärdienst zu entkommen

1. Der Schweizer Tages-Anzeiger berichtet hinter einer Bezahlschranke:

Am vereinbarten Treffpunkt wartet ein gross gewachsener Mann, der sich gemäss eigenen Angaben zu hundert Prozent als Mann fühlt und auch bei der Geburt vor 23 Jahren zweifellos als männlich identifiziert wurde. Doch Max – so nennen wir ihn hier – ist offiziell eine Frau. Seit genau einem Jahr, als er auf dem Standesamt sein Geschlecht wechseln liess, um nicht ins Militär gehen zu müssen.

Seinen Entschluss, erklärt er, habe er halb aus Jux gefasst, halb aus Protest gegen das neue Gesetz, das seit dem 1. Januar 2022 einen unbürokratischen Geschlechtswechsel ohne jeglichen ärztlichen oder psychologischen Nachweis erlaubt. "Ich wollte diese neue Regelung ad absurdum führen", sagt Max. "Aber ich wollte tatsächlich auch nicht ins Militär." Die Frauwerdung sei dafür die mit Abstand billigste Art gewesen.

Eine Änderung des Geschlechtseintrags im Personenregister kostet nur 75 Franken. Ein psychiatrisches Attest, das einen vom Militärdienst entbindet, ist ein Vielfaches teurer. Zudem müssen untaugliche Männer Wehrpflichtersatz entrichten, je nach Einkommen können das einige Hundert oder Tausend Franken pro Jahr sein. Frauen, auch Transfrauen, bezahlen nichts.

Als die neue Regelung eingeführt wurde, habe er mit Kollegen noch gescherzt, er werde nun zur Frau. "Niemand glaubte, dass ich das tatsächlich durchziehe", sagt Max. Er habe es trotzdem gemacht – allerdings ohne den Kollegen davon zu erzählen. Vor einigen Monaten berichtete dann der "Nebelspalter" über seine Geschichte. Dort hiess es, niemand wisse, dass er jetzt amtlich eine Frau sei, weder seine Freunde noch seine Vorgesetzten. "Das ist noch immer so", sagt Max. Mit einer Ausnahme: "Meine Eltern. Mit ihnen habe ich über die möglichen Konsequenzen diskutiert. Aber nur mit ihnen."

Als er den Entschluss fasste, war Max 22 Jahre alt und noch in der Lehre. "Ich hatte vor allem Angst, dass mein Lehrmeister informiert wird und das negative Folgen haben könnte." Er machte sich im Internet kundig, worauf er achten muss. Vor allem die Homepage des Transgender Network Switzerland sei hilfreich gewesen. Zwei Punkte waren für ihn zentral: Man kann seinen (männlichen) Vornamen behalten, auch wenn man künftig amtlich eine Frau ist. Und: Man muss sich nicht erklären. "Es werden keine Fragen zum Transsein oder zur Transition gestellt, das ist nicht erlaubt. Es darf auch keine medizinische oder psychologische Bestätigung des Transseins verlangt werden", heisst es auf der Seite.

Mitte Juni 2022 bat Max bei seiner Gemeinde, einem Vorort einer grösseren Deutschschweizer Stadt, um einen Termin. Einige Tage später war es so weit. Über Mittag fuhr er mit dem Velo zum Standesamt. "Ich musste etwa zehn Minuten warten, eine Beamtin bat mich dann in ein Sitzungszimmer – schon zwei Minuten später war ich eine Frau." Es habe sich um einen reinen Verwaltungsakt gehandelt, es sei keine einzige Frage gestellt worden. "Äusserlich gab es für die Beamtin keine Anzeichen, dass ich mich als Frau fühle, ich war genauso gekleidet wie jetzt, habe sogar extra mit tiefer Stimme gesprochen", sagt er. Er musste nur auf einem Formular vermerken, wie er künftig mit Vornamen heissen möchte – gleich wie bisher – und unterschreiben. "Ich habe dann gefragt, ob man die Geschlechtsanpassung später wieder rückgängig machen könne. Die Beamtin bejahte."

Damit war die Sache erledigt. Max staunt noch immer, wie einfach alles ging. "Die Beamtin fragte nicht einmal so etwas wie ‹Sind Sie sich sicher?› oder: ‹Seit wann fühlen Sie sich als Frau?›", sagt er. "Wahrscheinlich darf sie das nicht, sonst wird ihr noch vorgeworfen, sie sei transphob."

Seither ist Max im Personenstandsregister offiziell als Frau eingetragen. Die Sache mit der Armee erwies sich dennoch als komplizierter. Denn wenige Monate nach dem Geschlechtswechsel flatterte trotzdem ein Marschbefehl ins Haus, adressiert an "Frau Rekrut Max xx".

Max hatte einen Fehler begangen: Seine Geschlechtsanpassung erfolgte erst nach der Rekrutierung (früher: Aushebung) – er war also bereits eingeteilt. "Man hat mich in der Folge automatisch den Frauen gleichgestellt, die freiwillig Militärdienst leisten." Dies habe er nicht mehr rückgängig machen können.


Max ließ sich dann für viel Geld von einem Psychologen ein Attest schreiben, dass ihn für untauglich erklärte.

Sein Fazit: "Ich kann allen nur raten, die Geschlechtsanpassung vor der Aushebung durchzuführen, das ist bedeutend einfacher und billiger."


Als Frau musste Max auch keinen Wehrpflichtersatz leisten.

Max betont, dass es ihm nicht darum gehe, etwas zu erschleichen. Die Autoversicherung ist zum Beispiel für Frauen oft billiger als für Männer. "Dort bin ich immer noch als Mann registriert und werde das auch bleiben."


Bemerkenswert: In früheren Jahrhunderten verkleideten sich Frauen mitunter als Männer, um Benachteiligungen zu entgehen – heute läuft das umgekehrt.



2. Das Medienmagazin "Zapp" hat einen zehnminütigen Beitrag über den Skandal um die Pseudostudie von Plan International veröffentlicht. Darin schildert Daniel Bröckerhoff zunächst, wie flächendeckend deutsche Medien über die irreführende Umfrage berichtet haben ("Das Ding war praktisch überall!"), noch bevor die Umfrage überhaupt online gestellt und damit ihr Wahrheisgehalt überprüfbar war.

Soweit ist das für Genderama-Leser nichts Neues. Mehrere Passagen des Beitrags sind aber durchaus aufschlussreich. So etwa ab Minute 5.!7:

Bröckerhoff z: Der NDR hat dann die Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International, Kathrin Hartkopf, gefragt, warum sie so [unwissenschaftlich] gerechnet haben, und ihre Antwort ist verblüffend.

Kathrin Hartkopf, Sprecherin von Plan International (schüttelt den Kopf, macht abwehrende Gesten und wendet sich vom Interviewer ab): Ich sag dazu nichts, weil das möchte ich nicht beantworten.


Ab Minute 6:55:

Bröckerhoff (zitiert die Richtlinien für Onlinebefragungen vom Rat der deutschen Markt- und Sozialforschung): "Die Selbstrekrutierung der Befragten ist in der Regel nicht geeignet, für die Gesamtbevölkerung verallgemeinerungsfähige Untersuchungsergebnisse zu gewährleisten" – sprich: ist untauglich. Und trotzdem bleibt Plan International dabei:

Kathrin Hartkopf, Sprecherin von Plan International: Es sind etablierte Institute, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Wir machen solche Umfragen jährlich zum Thema Gleichberechtigung. Insofern sind wir sehr sicher, dass diese Ergebnisse so stimmen und dass es eine repräsentative Umfrage ist und wir stehen dazu.

Bröckerhoff: Was sie aber nicht sagt: Das Institut, das für das Umfragedesign zuständig war, ist ein Ein-Mann-Marktforschungsinstitut in Köln, und der Inhaber hat sich von Plan International unterstützen lassen, nämlich von drei Mitarbeiterinnen aus der Presseabteilung. Die haben aber keine wissenschaftliche Funktion innerhalb dieser Organisation. Die machen eigentlich Kommunikation.


Ab Minute 8:06:

Bröckerhoff: Ich habe deswegen Plan International noch mal 14 Fragen geschickt, weil ich wissen und verstehen wollte, warum sie so vorgegangen sind. Aber statt dass sie die Fragen alle einzeln beantwortet haben, habe ich so eine Sammelantwort bekommen, in der nicht wirklich was drin steht außer alles, was sie schon im NDR-Interview gesagt haben, und dann dieser eine Satz: "Es ist nachvollziehbar, dass die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage emotionalisieren. Dennoch liefern die Inhalte keinen Anlass dafür, die Methodik der Befragung in Zweifel zu ziehen." Entsprechend sagt dann auch die Chefin im NDR-Interview das hier:

Kathrin Hartkopf, Sprecherin von Plan International: Ja man kann über die Art und Weise diskutieren, oder man diskutiert über die Ergebnisse. Und ich finde, persönlich ist es wichtig, dass wir über die Ergebnisse sprechen. Die Befragung hat ja nicht nur über Gewalt Ergebnisse gebracht, sondern ganz andere Aspekte auch noch, und das, finde ich, steht im Vordergrund.


So viel Chuzpe ist schon bemerkenswert.

Inzwischen ist die Behauptung, dass jeder dritte deutsche Mann gerne Frauen schlage, bis in die indischen Nachrichten vorgedrungen.



3. Eine Neuerscheinung auf dem britischen Buchmarkt ist Matt Plinketts Buch Boys Do Cry. Eine Website für Nachrichten aus dem medizinischen Bereich bespricht es so:

Bei Jungen im Teenageralter ist die Wahrscheinlichkeit, durch Selbstmord zu sterben, doppelt so hoch wie bei Mädchen, und wenn aus Jungen Männer werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch Selbstmord sterben, dreimal so hoch wie bei Frauen. 

Nachdem er jahrelang an vorderster Front unterrichtet und aus erster Hand den Rückgang der psychischen Gesundheit von Teenagern beobachtet hat, hat ein Lehrer gewarnt, dass wir besser mit männlichem Ärger, Freundschaften und der Einstellung zu Sex umgehen müssen, um die männliche Selbstmordkrise zu bekämpfen.

(…) Pinkett hat Erkenntnisse von Lehrern und Schulmitarbeitern, Gesundheitsexperten und Therapeuten zusammengetragen, um in "Boys Do Cry" (…) einen wirkungsvollen Leitfaden zur Unterstützung von Jungen zu erstellen. 

Der praktische und ansprechende Leitfaden, der sich auf die neuesten Forschungsergebnisse aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik stützt, schlägt vor, dass Lehrer aufhören sollten, Wut zu stigmatisieren, und stattdessen wütenden Jungen helfen sollten, die neurologischen und physiologischen Gründe für ihre Gefühle zu verstehen. 

Er schlägt außerdem vor, dass Lehrer liebevolle, männliche Beziehungen zur Norm machen und davon ausgehen sollten, dass jede soziale Interaktion, die in einem Klassenzimmer stattfindet, beobachtet und verinnerlicht wird.

Er rät männlichen Lehrern, männlichen Kollegen offen Komplimente zu machen, liebevoll über andere Menschen zu sprechen und die emotionale Verletzlichkeit von Männern zu loben und zu würdigen, wo und wann immer es möglich ist. 

"Ich will damit nicht sagen, dass wir jemals versuchen sollten, Therapeuten zu sein - das würde nie funktionieren", erklärt Pinkett, "aber Tatsache ist, dass wir einen großen Teil ihres Lebens vor diesen Kindern stehen. Wenn wir positiv über männliche Emotionen sprechen und Wege aufzeigen können, wie man mit problematischen Gefühlen umgeht, wäre das eine starke Sache".


In einer anderen Rezension heißt es:

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Schulen mit einer Krise der psychischen Gesundheit konfrontiert sind und dass das Bild, das sich für Jungen ergibt, besonders besorgniserregend ist. Die goldenen Fäden dieses Buches - dass wir einige unserer eingefahrensten Gewohnheiten und Überzeugungen verlernen müssen, dass klarer Unterricht der Schlüssel ist und dass Rollenvorbilder heute wichtiger sind als je zuvor - fügen sich zu einem ordentlichen Rahmen für das Vorankommen zusammen.

Die Einleitung des Buches ist ein starkes Plädoyer für die Notwendigkeit, sich auf das Wohlergehen von Jungen zu konzentrieren, und die folgenden Seiten sind eine schreiende Bestätigung für diese Tatsache. Die Erfahrungen, die geteilt werden, sind enorm, und Pinketts Anerkennung seiner eigenen Position während des gesamten Buches erinnert an die ungewöhnliche Natur der Arbeit in den Bereichen Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration (DEI). Sie ist eher eine Reise als ein Ziel und eine Arbeit, von der wir unser persönliches Leben nicht abkoppeln können.

Pinkett bietet eine Reihe von Belegen dafür, dass die Verbesserung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens von Jungen in Schulen nicht als Aufgabe eines einzelnen Mannes in einer Abteilung oder eines einzelnen DEI-Leiters angesehen werden kann. Stattdessen muss sie Teil der gesamten Schulkultur sein, von pädagogischer Erziehung und Tutorenstunden bis hin zum Engagement der Eltern und täglichen Interaktionen. Die Verantwortung muss geteilt werden, um eine Kultur zu schaffen, in der das Wohlergehen aller im Vordergrund steht.

(…) Das Buch ist gespickt mit Unterrichtsplänen und Empfehlungen für Organisationen, die dies unterstützen können. Darüber hinaus sind die Bedeutung der Diversifizierung des Lehrplans, um positive Beispiele für männliche Erfahrungen und Identitäten einzubeziehen, und die Bedeutung von Lehrern als tägliche Vorbilder allesamt greifbare, kostengünstige Möglichkeiten für Schulen, bessere Ergebnisse für das Wohlbefinden von Jungen zu erzielen.

(…) Es war erfrischend zu sehen, dass spezifischen Gruppen - wie schwarzafrikanischen/karibischen Jungen und LGBTQ+-Personen - Raum gegeben wurde. Die Erkenntnis, dass echte Inklusion und Fortschritte für Jungen nicht erreicht werden können, wenn wir die individuellen Erfahrungen der von uns betreuten Jungen nicht berücksichtigen, wurde klar dargestellt, und Pinketts nach außen gerichteter Ansatz verlieh den Kapiteln, in denen diese Erfahrungen thematisiert wurden, Authentizität.

(…) Boys Do Cry" bietet vielfältige Einblicke in die Erfahrungen von Jungen und jungen Männern. Es ist ein überzeugendes Argument, dass alle davon profitieren, wenn wir der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von Männern Priorität einräumen. Es lässt einige wichtige Fragen zur Intersektionalität und einige nuancierte Erfahrungen offen, aber DEI-Arbeit ist eine Reise und kein Ziel. Dieses Buch ist ein wichtiger Meilenstein auf dieser Reise.




4. In den USA hat die "Männerkrise" inzwischen derart Themenhoheit in den Medien gewonnen, dass die New York Times darauf hinweisen muss, vielen Mädchen und Frauen ginge es auch nicht gut (Bezahlschranke). Aber ist das nicht übelster Whataboutism?



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