Samstag, Februar 29, 2020

"Genderstern wird zum Nachteil für alle, die sich nicht anpassen" – News vom 29. Februar 2020

1. Wie die Berliner B.Z. unter der Schlagzeile "Gender-Stern wird zum Nachteil für alle, die sich nicht anpasen" berichtet, üben Dozenten an den Berliner Universitäten inzwischen Druck auf die Studenten aus, in ihren Texten den Genderstern zu benutzen, der nach wie vor nicht zur deutschen Rechtschreibung gehört:

Wer es nicht tut, muss bereits mit Konsequenzen rechnen. So erging es einer Studentin der Geisteswissenschaften, deren Arbeit abgewertet wurde, weil sie ohne Stern geschrieben war. Ihr Name ist der B.Z. bekannt, sie möchte aber anonym bleiben, weil sie Sanktionen fürchtet.




2. In der Neuen Zürcher Zeitung bespricht die liberale Feministin Judith Sevinç Basad das aktuelle Buch der Publizistin Kübra Gümüşay. Ein Auszug aus dem insgesamt lesenswerten Artikel:

Schnell merkt man, dass die Freiheit, die Gümüşay einfordert, nicht für alle Menschen gleichermassen gilt. Das liegt an der fragwürdigen Grundannahme, auf der das Buch beruht: Die deutsche Sprache sei bis heute von Kolonialismus und Patriarchat geprägt, schreibt Gümüşay. Es dominiert demnach eine weisse Perspektive der "Privilegierten". Deswegen könnten sich "die anderen", also Frauen, Muslime, Migranten und LGBTQ, nicht artikulieren. Ja mehr noch: Der öffentliche Diskurs verweigere ihnen eine eigene Perspektive, spreche ihnen das "Sein" ab, mache sie zu "sprachlosen Wesen".

Indem sie die Perspektive der "Weissen" und "Privilegierten" betont, betreibt Gümüşay genau das, was sie selbst verurteilt: Menschen aufgrund ihrer Biologie als Vertreter von Gruppen zu sehen und sie moralisch zu bewerten. So behauptet sie an einer Stelle, dass weisse Menschen aufgrund ihres herausragenden Status kaum in die Lage kämen, über die "Begrenztheit ihrer Perspektive" hinauszudenken, um "unterschiedliche Lebenswelten" zu verstehen und sich tolerant gegenüber Migranten zu verhalten. Den Fakt, dass "alte, weisse Männer" momentan pauschal als Aggressoren dargestellt werden, erachtet die Autorin in gewissen Situationen als augenöffnend, weil somit die Unterdrücker merkten, wie "erniedrigend und demütigend" das Pauschalisieren sei.




3. MANNdat hat den angeblich männerfreundlicheren neuen Ansatz von Frauenministerin Giffey genauer untersucht und gelangt zu dem Urteil: Es handelt sich um eine Farce.



4. Dieser Tage ist eine aufschlussreiche Studie über die Bewegung der Pick-up-Artists (Verführungskünstler) erschienen.



5. Die Popsängerin Taylor Swift hat zu ihrem Song "The Man" jetzt auch ein Video veröffentlicht. Während die filmische Qualität wie bei praktisch allen aufwändigeren Videos Taylor Swifts hoch ist, bewegt sich der inhaltliche Anspruch so wie die meisten ihrer Songs auf dem geistigen Level einer Teenagerin. (Swift ist 30.) Teils enthält der "The-Man"-Clip Phantasien darüber, wie der Alltag eines Mannes aussehen soll, geht aber an der Lebenswirklichkeit von ziemlich genau 100 Prozent aller Männer in derart weitem Bogen vorbei, dass er fast wie eine Parodie auf feministische Phantaisen über das Leben wirkt, das wir patriarchalen Unterdrücker so führen. Zum anderen Teil zeigt der Clip die üblichen zigfach abgespulten männerfeindlichen Klischees unserer Kultur, zu denen mir auch nichts Neues mehr einfällt. Die hohe Zahl der "Likes" unter dem Video macht deutlich, wie verbreitet derartige abwertende Klischees in unserer Gesellschaft sind. In einer Welt, in der Genderstudien ein ernstzunehmender Fachbereich wären, würde sie dieses Video analytisch Shot für Shot auseinander nehmen.



6. Wie die auf akademischen Unterricht spezialisierte US-Website "The College Fix" berichtet, haben immer mehr Schüler und Studenten, denen ein sexueller Übergriff vorgeworfen wird, mit der Selbstjustiz ihrer Mitschüler und Kommilitonen zu kämpfen. Ein Auszug aus dem ausführlichen Artikel:

Wenn Colleges über Klagen wegen sexuellen Fehlverhaltens entscheiden müssen, können einige beschuldigende Studenten nicht auf ein Urteil warten.

Sie gehen außergerichtlich vor, indem sie beschuldigte Studenten öffentlich als Vergewaltiger abstempeln und damit möglicherweise den Ruf dieser Studenten ruinieren, selbst wenn sie schließlich freigesprochen werden.

[Rechtsanwalt] Andrew Miltenberg (...) hat uns in einem Telefoninterview die Schrecken, die seine Klienten während und nach dem Verfahren erleiden mussten, ausführlich beschrieben und berichtet, dass die Schulen dieses Thema nicht ernst nehmen und es manchmal "absichtlich ignorieren".

"Die Schulen antworten im Wesentlichen mit einer Form von 'Wir können die Leute ja nicht vom Reden abhalten', bevor das Verfahren abgeschlossen ist", schrieb Miltenberg in einer E-Mail. "Die wirkliche Tragödie ist, dass die Gerüchte oft als effektive Vertreibung vom Campus funktionieren, da der Ruf und die Glaubwürdigkeit des jungen Mannes ungeachtet seines juristischen Sieges zerstört wird."

Die "allgegenwärtige" Natur des Internets wird den Trend zur Selbstjustiz verschlimmern, bis die Hochschulen und das Erziehungsministerium die Verfahren zur Bewältigung dieses heiklen Gleichgewichts abgeschlossen haben, schrieb uns [die Rechtsanwältin Kimberly] Lau in einer E-Mail.

Deshalb empfiehlt sie, dass Schulen die Selbstjustiz "von Fall zu Fall" bewerten und Schülern erlauben sollten, Belästigung oder Mobbing als Reaktion auf Verleumdung zu beanstanden.

Während der Einfluss der #MeToo-Bewegung es schwierig macht, die Schulen davon zu überzeugen, die Rechte der beschuldigten Schüler zu schützen, betonte Lau, dass das Gebot der Vertraulichkeit sowohl die Ankläger als auch die Angeklagten schützt.

(...) Einer ihrer Mandanten sah sich "einer Schädigung seines Rufs auf dem Campus, dem Verlust von Freunden und der Sorge um seine zukünftigen Beschäftigungsoptionen" ausgesetzt, nachdem öffentliche Social Media-Posts ihn als schuldig identifiziert hatten, entgegen der Feststellung der Schule, dass er "nicht verantwortlich" sei.

Ein anderer Mandant befürchtete, sein Sommerpraktikum aufgrund von Aussagen seiner Ex-Freundin zu verlieren, die ihn des sexuellen Übergriffs beschuldigte, aber nie ein Verfahren gegen ihn einleitete.

(...) Es sei egal, ob es sich um eine Elite-Uni oder ein Community College handelt, sagte Miltenberg: Die Mandanten müssen warten, bis das Verfahren abgeschlossen ist, um eine Verleumdungsklage einzureichen, um den Anschein von Vergeltung oder das Zum-Schweigen-Bringen der angeblichen Opfer zu vermeiden.

Zu diesem Zeitpunkt sei der Schaden im Leben seiner Mandanten bereits realisiert und betreffe ihr gesamtes soziales Netzwerk und außerschulische Einrichtungen wie Sportmannschaften: Sie bleiben als "nicht angeklagte Vergewaltiger" gebrandmarkt.

(...) Ein anderer Mandant wurde "von der Minute an, in der er seinen Schlafsaal verließ, bis zu der Minute, in der er den Unterricht betrat, belästigt und schikaniert", sagte der Anwalt, wobei ihm die Studenten folgten, ihn anspuckten und anbrüllten. Letztendlich verließ der Schüler die Schule nach einem "Beinahe-Zusammenbruch".


Das muss die "Rape Culture" sein, von der man ständig liest.

Studie über Pick-up-Artitsts (Verführungskünstler) erschienen

Vor wenigen Tagen hat die Fachzeitschrift PLOS One eine Studie über die sogenannten Pick-up-Artists (Verführungskünstler) veröffentlicht. Dabei handelt es sich um keine der gewohnten Pseudostudien, die von Anfang an zu dem Ergebnis führen sollen, dass von der politisch erwünschten Norm abweichende Männer eure Frauen und Töchter vergewaltigen werden, sondern eine ernstzunehmende wissenschaftliche Untersuchung. Noch dazu richtet sie, ungewöhnlich genug, ihre Aufmerksamkeit vor allem auf das "psychosoziale Wohlbefinden und die psychische Gesundheit" der in der Pick-up-Community vertrtenen Männer, statt Männer nur als potentielle Bedrohung zu untersuchen. Man kann deshalb mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie anders als die reißerischen Pseudostudien, die speziell für unsere Medien und deren Bedürfnisse erstellt worden sind, von eben diesen Medien weitestgehend ignoriert werden wird.

Im Abstract, also in der Zusammenfassung dieser Studie heißt es:

In den letzten zehn Jahren ist eine länderübergreifende Gemeinschaft gleichgesinnter junger Männer entstanden, die allgemein als "Verführungsgemeinschaft" bekannt ist. Diese Gemeinschaft wird von professionellen "Pick-up-Artists " geleitet, die diesen jungen Männern eine Vielzahl von Techniken und Denkweisen beibringen, mit dem erklärten Ziel, ihren Erfolg bei Frauen zu verbessern.

Über die Männer, die an dieser Gemeinschaft teilnehmen, gibt es nur wenige Untersuchungen, und keine aus dem Blickwinkel der psychischen Gesundheit. Daher wird diese Studie von zwei spezifischen Zielen vorangetrieben, nämlich (i) die Gründe zu dokumentieren und zu verstehen, warum junge Männer sich der Verführungsgemeinschaft anschließen, und (ii) die Auswirkungen der Beteiligung an der Gemeinschaft auf das Leben der Teilnehmer zu dokumentieren und zu verstehen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben wir eine induktive, qualitative Methodik verwendet, die einen großen Spielraum für das Entstehen von Bottom-up-Verständnissen bietet. Insbesondere rekrutierten wir junge Männer, die sich an der Verführungsgemeinschaft beteiligen, für ein ausführliches qualitatives Interview (N = 34), um die selbstberichteten Motive und Auswirkungen zu untersuchen. Die Interviews wurden durch längere Beobachtungen der Teilnehmer ergänzt, und die Daten wurden mit Techniken der Inhaltsanalyse analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Männer oft in die Gemeinschaft eintreten, um eine Reihe von psychosozialen Defiziten zu beheben, und dass die Beteiligung an der Gemeinschaft den Teilnehmern erfolgreich zahlreiche geschätzte soziale und kommunikative Fähigkeiten vermittelt. Die Gemeinschaft scheint eine Lücke zu füllen, indem sie jungen (oft eingewanderten) Männern einen Ort der Hoffnung, der Gemeinschaft und des Lernens bietet.

(…) Interessanterweise ähneln einige der Praktiken, die in der Gemeinschaft allgemein gelehrt und angewendet werden, Aspekten der kognitiven Verhaltenstherapie und der Unterstützung durch Gleichaltrige im Bereich der psychischen Gesundheit. Dies könnte ihre offensichtliche Anziehungskraft erklären. Abschließend reflektieren wir über die Auswirkungen der Ergebnisse auf die offizielle Versorgung junger Männer mit psychischen Gesundheitsdiensten.


Im Fazit der Studie heißt es:

Die durschnittlichen Männer in der Verführungsgemeinschaft wurden von Teilen der Medien dämonisiert, was weitgehend auf die Aktivitäten einiger prominenter Pick-up-Ausbilder zurückzuführen ist. Die vorliegende Studie deckt jedoch viele Nuancen und große Komplexität bei den Gründen auf, warum sich Männer der Verführungsgemeinschaft anschließen, sowie die Auswirkungen, die diese Beteiligung auf sie hat. Am wichtigsten ist, dass die Studie zeigt, dass Männer der Gemeinschaft beitreten, um eine Reihe psychosozialer Defizite zu beheben, und dass die Beteiligung an der Gemeinschaft dazu beiträgt, den Teilnehmern eine Reihe von geschätzten sozialen und kommunikativen Fähigkeiten zu vermitteln. Dies schien besonders für Teilnehmer mit Migrationshintergrund, die in der Gemeinde überrepräsentiert sind, von Vorteil zu sein. Dennoch hat das Engagement in der Gemeinde eine dunkle Seite.

Die Natur verabscheut ein Vakuum. So kann es sein, dass junge Männer sich der Verführungsgemeinschaft anschließen, wenn es keine alternativen, auf Männer ausgerichteten und von Männern geführten Unterstützungen gibt, die ihnen den Übergang ins Erwachsenenalter erleichtern können. Daher besteht ein dringender Bedarf an neuen und maßgeschneiderten Initiativen (und begleitender Forschung) zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens junger Männer, die einige der in diesem Text identifizierten männerfreundlichen Ansätze ohne die schädlichen Praktiken und die Betonung von Sex und Verführung einbeziehen können. Solche Bemühungen können dazu beitragen, die oft ignorierten psychosozialen Probleme anzugehen, die eine wachsende Zahl junger Männer in unserer Gesellschaft plagen.


Offenlegung: Ich habe gemeinsam mit Maximilian Pütz bei Heyne drei Bücher aus dem Pick-up-Bereich veröffentlicht, "Der perfekte Eroberer", "Das Gesetz der Eroberung" sowie "Der Casanova-Code". Auch dieser Einsatz für Männer trägt dazu bei, dass mich einige radikale IdeologInnen zur Bedrohung erklären. Der Trick besteht hier wie in vergleichbaren Fällen darin, dass man nur über die auch in der Studie erwähnten Schattenseiten der Pick-up-Bewegung berichtet und so tut, als bestehe Pick-up nur aus dieser Schattenseite. Vergleichbar wäre das etwa damit, dass unsere Medien beim Thema Fußball allein und ausschließlich über Hooligans berichten würden. Eine ähnliche Medienstrategie findet man bekanntlich in der Berichterstattung über die Männerrechtsbewegung.

Freitag, Februar 28, 2020

New York Times: Wie MeToo die Jungen im Stich lässt

Vergangene Woche veröffentlichte die New York Times einen lesenswerten Artikel darüber, wie Jungen an High Schools (vom Alter her vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe in Deutschland) MeToo wahrnehmen. Ich habe den Artikel für Genderama ins Deutsche übersetzt.



Im vergangenen Jahr veranstaltete die private reine Jungen-Highschool, die Chris in Baltimore besucht, gemeinsam mit einer reinen Mädchen-Highschool eine Veranstaltung. Sie diskutierten die #MeToo-Bewegung und sexuelle Übergriffe gegen Mädchen.

"Die Mädchen erzählten diskret ihre eigenen Geschichten über Übergriffe und unerwünschte Aufmerksamkeit auf ihren Körper, um den Jungen einen besseren Einblick in ihre Erfahrungen zu geben", sagte Chris, ein High-School-Absolvent."Sie sprachen auch "viel darüber, wie Jungs unsere Privilegien und unsere Macht missbrauchen", fügte er hinzu.

Irgendwann in der Diskussion stellten einige seiner Klassenkameraden Fragen, darunter eine, die die "Doppelmoral" herausforderte, der zufolge Mädchen Jungen schlagen könnten, aber "Jungen sollten nicht zurückschlagen, um sich zu verteidigen", sagte Chris, der, wie andere in diesem Artikel, nicht wollte, dass sein Nachname verwendet wird, weil er Online- und Offline-Vergeltung fürchtet.

"Sie wurden zum Schweigen gebracht", sagte er. "Die Mädchen sagten immer wieder, dass sie keine Fragen beantworten sollten," weil die Jungen es schon wissen sollten.

Ein Junge, Angus, erzählte mir, dass er und einige Freunde Fragen über die Rolle der Mädchen in dieser düsteren Landschaft der Verabredungen und der sexuellen Zustimmung stellten, die auf "wütende Ressentiments" stießen. Angus sagte, er habe gefragt, warum es Mädchen erlaubt sei, uns "zu berühren und zu küssen, ohne zu fragen". Er sagte, er und seine Freunde seien daraufhin aufgefordert worden, zu gehen.

"Wir hatten Fragen, die die Mädchen nicht beantworten wollten. Sie sagten, wir hätten die Antworten kennen müssen", sagte Angus. "Dachten die Mädchen und die Verwaltungsbeamten wirklich, dass uns zu beschämen plötzlich die Art und Weise ändern würde, wie wir denken?"

Dann fragte er etwas, das ich in meiner Forschung schon oft gehört habe: "Wie sollen wir verstehen, wenn niemand unsere Fragen beantwortet?"

Die #MeToo-Bewegung war ein Wendepunkt, der Mädchen und Frauen befähigte, ihre Geschichten zu erzählen, und viele Jungen und junge Männer haben mir in Interviews gesagt, dass das größere Bewusstsein für sexuelle Übergriffe auf Frauen und die Notwendigkeit, diese zu beenden, "längst überfällig" sei.

Aber einige Jungen und junge Männer haben mir auch gesagt, dass sie sich Sorgen darüber machen, was die Bewegung für sie bedeutet. Sie haben das Gefühl, dass ihre Stimmen in Gesprächen über das Geschlecht zum Schweigen gebracht wurden, und sie haben Mühe, sich in der zerstörerischen Wahrnehmung von Männlichkeit zurechtzufinden, insbesondere im Bereich der Verabredungen.

Viele Jungen haben mir von den "verwirrenden Botschaften" erzählt, die sie erhalten, wenn es darum geht, ihr romantisches Interesse an einem Mädchen auszudrücken. Einerseits lernen Jungen endlich die Notwendigkeit der Zustimmung kennen, andererseits sehen sie sich immer noch veralteten Männlichkeitsstereotypen gegenüber, die sie einschränken und verwirren, einschließlich einer Kultur, die Druck auf Männer ausübt, Intimität zu initiieren.

"Ich habe weibliche Freunde, Mädchen, die wollen, dass der Mann der sexuelle Initiator ist, dass er 'der Mann' ist, wie in Filmen", sagte Jaden, ein High-School-Junior in Alexandria, Virginia. Er sagte, dies seien dieselben Mädchen, die, wenn ein Mann sie fragt, ob er sie küssen darf, erwidern: "Das ist so dämlich. Warum fragst du das?'"

Jaden sagte, dass er und seine männlichen Freunde "absolut respektvoll" gegenüber den Grenzen der Mädchen sein wollen, aber sie wollen auch von denen "ernst genommen" werden, die von ihnen ein stereotyp männliches Verhalten erwarten. Zusätzlich zur Entschlüsselung dieses Rätsels befürchten die Jungen, dass ein falscher Schritt ihren gegenwärtigen und zukünftigen Ruf in diesem Zeitalter der schnellen, verheerenden Social-Media-Justice ruinieren könnte, zumal viele Zulassungsbeamte der Hochschulen die sozialen Medien nach schwarzen Flecken auf der Cyber-Präsenz der Kandidaten durchsuchen.

"Verabredungen sind einfach ein riesiges, beängstigendes Labyrinth", sagte Jaden und fügte hinzu, dass viele seiner Freunde romantischen Verstrickungen fürs Erste abgeschworen haben.

Eine Anschuldigung wegen sexueller Übergriffe, selbst wenn ein Junge freigesprochen wird, wird dieser Person angehaftet und schwebt lebenslang im Cyberspace. "Du bist schuldig, bis deine Unschuld bewiesen ist", sagte Ben, ein Student der Frostburg State University in Maryland.

Michael C. Reichert, Leiter des Center for the Study of Boys' and Girls' Lives an der University of Pennsylvania, sagte, dass "Jungen hinter #MeToo stehen, sich aber übersehen und missverstanden fühlen", wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht.

"Sie fühlen sich nicht anerkannt oder angesprochen, wenn es um ihre Erfahrungen als Männer geht", sagt Dr. Reichert, der Autor von "How to Raise a Boy: The Power of Connection to Build Good Men". Dennoch, so fügt er hinzu, "werden sie mit normativen männlichen Erwartungen sowohl von Männern als auch von Frauen unterjocht".

Chris, ein 25-jähriger Absolvent der Duke University, sagt, er versuche oft, "eine Lösung oder eine gemeinsame Basis mit Freunden zu finden, wenn Spannungen auftreten". Aber er hat festgestellt, dass jedes Mal, wenn ein Problem im Zusammenhang mit dem Geschlecht auftaucht und seine "Frage an eine Freundin falsch oder anders als beabsichtigt wahrgenommen wird", das "Gespräch sofort abgebrochen" wird.

Als er mit Freundinnen, die alle im selben Programm sind, über einen Kommilitonen aus Kolumbien diskutierte, sagte Chris, dass die Frauen sich darüber beschwerten, wie kokett und romantisch direkt der junge Mann einigen von ihnen gegenüber war.

"Ich brachte zur Sprache, dass wir vielleicht nicht so kritisch sein sollten, ohne seine kulturellen Normen zu berücksichtigen", sagte Chris, der sagte, er versuche, einen Mittelweg zu finden, wenn er über einen Kollegen diskutiere, den sie alle kennen. "Mir wurde vorgeworfen, ein 'Frauenfeind' zu sein oder die sexuelle Belästigung von Frauen zu verteidigen. Man nahm mich sofort von allen Seiten unter Beschuss."

Chris sagte, dass der eine andere Mann, der Teil des Gesprächs war, später zugab: "Ich habe dasselbe gedacht, aber ich wollte keine Gruppenkeile einstecken."

Folglich sagte Chris, dass er kürzlich beschlossen habe, von einigen seiner Freundschaften mit Frauen zurückzutreten. Er sei nicht mehr so offen zu ihnen wie früher, "weil die Gespräche über das Geschlecht erdrückend geworden sind", sagte er. "Alles, was du verteidigst, wenn es um Männer geht, führt dazu, dass du mit schlechter Männlichkeit in einen Topf geworfen wirst."

Einige junge Frauen berichten, dass sie eine selbstgewählte Distanz von einigen der Männer in ihrem Leben bemerkt haben.

Jess, 21, die in einem Starbucks in Baltimore tätig ist, sagte, dass ein männlicher Kollege in seinem betriebsamen Arbeitsbereich nur noch mit erhobenen Händen unterwegs ist. "Er hat Angst davor, beschuldigt zu werden, jemanden unangemessen berührt zu haben."

Nicole, eine Studentin der Towson University, sagte, dass ihr Bruder, 20, aus dem gleichen Grund mit den Händen auf der Brust durch überfüllte Partys geht.

"Er tut dies aus Respekt vor den Frauen", sagte sie. "Ganz ehrlich? Er tut es auch, weil er Angst davor hat, beschuldigt zu werden, sie zu berühren, sogar aus Versehen."




Sieht so aus, als hätte der Umstand, dass MeToo statt eines Dialogs ein Monolog ist, in den Geschlechterbeziehungen der jungen Generation ein Trümmerfeld hinterlassen. Kaum ein Artikel aber beschäftigt sich damit – vermutlich weil jeder, der dieses Thema anschneiden würde, sofort als frauenhassender, sexuelle Übergriffe verharmlosender Masku-Nazi beschimpft werden würde. Dass ich immer wieder solche seltenen Artikel über die Situation von Jungen und Männern finde und auf Genderama zitiere ist schließlich auch der Grund dafür, dass ich bei eifernden Ideologinnen unseres Landes als "der Teufel" gelte.

Donnerstag, Februar 27, 2020

Friedrich Merz vermisst Kandidatinnen für CDU-Vorsitz nicht – News vom 27. Februar 2020

1. Beginnt Friedrich Merz die Medien der Grünen inzwischen bewusst zu trollen oder tun diese Medien nur alles, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken?

Der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz sieht kein Problem darin, dass sich bislang um die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer keine Frauen bewerben. "Wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, wenn nach zwei Jahrzehnten mal wieder ein Mann CDU-Vorsitzender wird", sagte Merz den Zeitungen der Funke Mediengruppe.


Der "Zeit" ist das eine Schlagzeile wert.

Merz' Konkurrent um den CDU-Vorsitz Norbert Röttgen hingegen hatte öffentlichkeitswirksam erklärt:

"Die zweite Person in meinem Team wird eine Frau sein."

Einen Namen nennt Röttgen bis heute nicht, wesentlicher Eignungsfaktor ist offenbar allein "Frau". Anders als offenbar von Röttgen erwartet, macht das Feministinnen allerdings auch nicht glücklich.

Das "Neue Deutschland" scheint es sogar als frauenfeindlich zu betrachten, dass sowohl Merz als auch Röttgen sich im Falle ihrer Wahl dafür einsetzen wollen, dass eine Frau Generalsekretär der CDU wird. Bedenklich sie dies, weil

Generalsekretäre nicht gerade einen Traumjob haben. Sie sind das Sprachrohr ihrer Parteien und dürfen nicht von deren Linie abweichen. Zudem müssen sie viele organisatorische Aufgaben erledigen. Die Macht liegt vor allem beim Vorsitzenden. Angesichts dieser Perspektiven kann die CDU bei den Frauen eigentlich nur verlieren.


Ob Merz und Röttgen beim "Neuen Deutschland" punkten würden, wenn sie versicherten, dass der neue CDU-Generalsekretär auf keinen Fall eine Frau werden wird?

Armin Laschet hat auf die Frage, weshalb er nur Männer in seinem Team habe, übrigens geantwortet: "Da war in den letzten Wochen keine Frau, die gesagt hat, ich will Kanzlerin werden."



2. Da erörterte Genderama noch vor ein paar Tagen darüber, als wie unzureichend manche Experten Videoaufnahmen als Beweis dafür erachten, dass Sex einvernehmlich stattgefunden hat, und schon erreicht mich diese Meldung:

Ein 26-Jähriger soll eine Frau nach zu Beginn einvernehmlichem Geschlechtsverkehr vergewaltigt haben. Er setzt seine Hoffnungen auf Sexvideos.


In diesem Fall waren die Aufnahmen offenbar überzeugend: "Die Bilder und technischen Daten der Aufnahmen widerlegen offensichtlich die Darstellung der Frau, gegen die Z.s Verteidiger mittlerweile auch Anzeige erstattet hat."



3. Spiegel-Online berichtet:

In der aktuellen Pisa-Studie, die im vergangenen Dezember erschienen ist, lagen die Lese-Leistungen der Mädchen ganze 26 Punkte über denen der Jungen. Der Vorsprung entspricht mehr als einem halben Schuljahr. Im Vergleich zur Vorgänger-Studie 2015 hat sich der Anstand noch einmal vergrößert.

Wissenschaftler der Universität Hamburg haben nun untersucht, woran das liegen könnte. (…) Eine Erkenntnis: Die Kinder ließen sich vermutlich von Rollen-Klischees beeinflussen. Jungen, die besonders fest daran glaubten, dass Mädchen besser lesen, schätzten ihre eigene Lesekompetenz eher gering ein und lasen weniger gerne. Sie schnitten in den Tests auch schlechter ab.


Was empfehlen die Forscher, um dieses Problem zu beheben?

Väter sollten ihren Söhnen mehr vorlesen, Lehrer sollten mehr Texte mit Themen einsetzen, die auch für Jungs spannend sind.


Das fordere ich seit mehr als zehn Jahren.



4. In der Neuen Zürcher Zeitung widmet sich der Professor für Ethik Konrad Paul Liessmann der ausufernden Verwendung von Gendersternchen. Ein Auszug:

Neulich erreichte mich die Nachricht einer Mitarbeiterin der Verwaltung meiner Fakultät, in der ich als "Sehr geehrt* Liessmann" angesprochen wurde. Ich war verblüfft. Ich kenne die Absenderin seit zwei Jahrzehnten und habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich die in dieser Zeit verwendete Anredeformel "Sehr geehrter Herr" stets als korrekt empfunden habe. Nun werde ich – wahrscheinlich gar nicht aus Überzeugung, sondern aufgrund einer brav exekutierten Vorschrift – zu einem geschlechtsunspezifischen Wesen degradiert. Die Institution, an der ich seit Jahren tätig bin, tut so, als wüsste sie nicht, mit wem sie es zu tun hat. Es wäre ein Leichtes, nun mit all dem Geschütz aufzufahren, mit dem sonst für solch neue Sprachformen argumentiert wird: Durch das Sternchen fühlte ich mich in meiner Identität nicht wahrgenommen, durch die Tatsache, dass diese neue Anrede von jemandem kam, der mich im beruflichen Kontext gut kennt, in meiner Individualität zurückgesetzt, zurückgestossen in eine diffuse neutrale Allgemeinheit, die mit meiner Person nichts, mit vermeintlichen Gerechtigkeitsidealen aber alles zu tun hat.




5. Das Blog Apokoloknythose zerpflückt gekonnt und gründlicher, als ich das getan hatte, den gruseligen Spiegel-Online-Artikel Milene Hassenkamps zur Verurteilung von Harvey Weinstein.

Mittwoch, Februar 26, 2020

Pionier der Frauenförderung: "Eine Frauenquote ist unsinnig" – News vom 26. Februar 2020

1. Heiner Thorborg gilt der Frankfurter Allgemeinen zufolge als "einer der Altmeister unter den Headhuntern und früher Frauenförderer". Aber auch er findet: "Eine Frauenquote ist unsinnig."

Das führte zu einer immens steigenden Nachfrage nach Kandidatinnen, aber auch zu manch unglücklicher Besetzung, berichtet Heiner Thorborg,. Ausgerechnet der Gründer des Frauennetzwerkes "Generation CEO" wendet sich daher strikt gegen Giffeys Pläne: "Eine Frauenquote ist unsinnig. Dadurch werden reihenweise nicht ausreichend qualifizierte Frauen nach oben befördert, wie schon bei der Quote für Aufsichtsräte." Dies sei "für alle kontraproduktiv" und schade vor allem der Sache der Frauen selbst. Er prophezeit, dass das Personalressort künftig von Frauen dominiert werde: "Für Männer wird in dem Bereich nichts mehr zu holen sein."




2. Die Philosophin und Feministin Svenja Flaßpöhler kommentiert das Gerichturteil über Harvey Weinstein, das inzwischen vielfach als MeToo-Urteil verstanden wird. Ein Auszug:

Dank Metoo wissen wir, dass das Geschlechterverhältnis immer noch schwer gestört ist. Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen. Schaffen wir es, die Errungenschaften der Emanzipationsbewegungen zu nutzen, uns souverän auf die Schultern unserer Mütter und Vorkämpferinnen zu stellen – und zwar ohne auf den Mann herabzuschauen, ihn zu verdinglichen, Weinsteins Gewalttaten als toxische Männlichkeit zu verallgemeinern? In einem solchen Balanceakt läge die Möglichkeit nicht nur rechtlicher, sondern faktischer Gleichberechtigung.




3. Im liberalen Magazin Sp!ked kommentiert Joanna Williams das Urteil:

Überall auf der Welt feiern Aktivisten, Schauspieler und Journalisten den Schuldspruch gegen Weinstein nicht nur als ein Beispiel für einen erfolgreich funktionierenden Rechtsprozess, sondern auch als einen Triumph für die #MeToo-Bewegung. (...) Aber das lang erwartete Urteil ist nicht der große Sieg für die Frauen überall - oder auch für die spezifischen Frauen, die sich mit Anschuldigungen gemeldet haben -, den uns jubelnde Kommentatoren glauben machen wollen. Und in der Eile, zu feiern, werden ernsthafte Fragen über die Rolle der #MeToo-Bewegung bei der tatsächlichen Behinderung von Weinsteins Strafverfolgung übersehen.

(...) Es ist viel darüber geredet worden, dass Weinstein Geheimhaltungsvereinbarungen anwendet und dass Frauen zu viel Angst haben, über ihre Erfahrungen mit ihm zu sprechen. Aber eine beträchtliche Anzahl von Frauen ist, wie es scheint, froh, dass ihre Geschichten in der Presse und in den sozialen Medien diskutiert werden, aber sie sind nicht bereit, sich einem Kreuzverhör im Gerichtssaal zu stellen.

Das ist wichtig, weil das schiere Gewicht der Anschuldigungen und das Ausmaß der Medienberichterstattung über Weinstein die Geschworenen möglicherweise voreingenommen hat werden lassen. Vom allerersten #MeToo-Tweet an wurden die Anschuldigungen gegen Weinstein mit Behauptungen über sexuelle Belästigung von Frauen aus der ganzen Welt zusammengerührt. Das war eine Menge für einen Mann, der vor Gericht stand, und es überrascht nicht, dass Weinsteins Anwälte gegen seine Verurteilung jetzt zum Teil aus diesen Gründen Berufung einlegen.

Vor Gericht riefen die Anwälte der Anklage Zeuginnen auf, die einen Missbrauch durch Weinstein behaupteten, deren Anschuldigungen aber nicht in den Anklagepunkten, die ihm zur Last gelegt wurden, enthalten waren. Ihr Ziel war es, ein Verhaltensmuster zu etablieren, Weinstein als Triebtäter darzustellen. Diese Form der Argumentation wurde im Prozess gegen Bill Cosby eingeführt, aber sie wird traditionell nicht in Gerichtsverfahren verwendet, die nur bestimmte Verbrechen zum Gegenstand haben. Dies folgt in der Tat einem Muster: Von Anfang an hat die #MeToo-Bewegung versucht, seit langem bestehende Gerechtigkeitsprinzipien, darunter vor allem die Unschuldsvermutung, umzustürzen. Unter dem Edikt von #MeToo bedeutete der Befehl, allen Frauen zu glauben, dass die Menschen vor das Gericht der sozialen Medien gestellt, für schuldig befunden und verurteilt wurden. Dies hatte verheerende Folgen für Personen, die schwerer Verbrechen beschuldigt wurden, und hat möglicherweise zu den tragischen Selbstmorden des Labour-Politikers Carl Sargeant und zuletzt von Caroline Flack beigetragen.

Weinstein war nur mit vier Anklagepunkten konfrontiert. Er wurde für schuldig befunden, einen kriminellen sexuellen Akt und eine Vergewaltigung dritten Grades begangen zu haben, aber er wurde in zwei Fällen von sexuellen Übergriffen freigesprochen. Die Geschworenen brauchten viereinhalb Tage, um ihr Urteil zu fällen. Die Freisprüche, die Länge der Beratungszeit der Geschworenen und die geringe Anzahl von Frauen, die ihre Anschuldigungen schließlich durchsetzten, lassen eine Wahrheit vermuten, die die #MeToo-Bewegung nie anerkennen konnte - dass manchmal Sex ganz klar nicht einvernehmlich ist und eine Frau vergewaltigt wurde, aber dass manchmal die Frage der Zustimmung überhaupt nicht klar ist. Weinstein war ein mächtiger Mann, der die Karriere von Frauen bestimmen oder unterbrechen konnte - eine Tatsache, die er zweifellos ausnutzte. Aber in einer Branche, die Glamour und Sexualität privilegiert, gibt es auch Frauen, die ihre Schönheit zu ihrem Vorteil nutzen. Einige Frauen, vielleicht sogar einige, die von Weinstein körperlich angewidert waren, versuchten zweifellos, sein Verlangen nach ihnen auszunutzen. Die Unfähigkeit von #MeToo, dies anzuerkennen, rückt Frauen auf den Status von Kindern und raubt ihnen jegliche Handlungsfähigkeit in der Begegnung mit Männern.

Die Frauen, die ihre Anschuldigung gegen Weinstein vor Gericht gebracht haben, haben jedes Recht, die Tatsache zu feiern, dass er für schuldig befunden wurde und nun hinter Gittern ist. Aber darüber hinaus, wem hat #MeToo geholfen? Sicherlich nicht Arbeiterinnen aus Huddersfield, Oxford, Manchester oder Keighley, die von Männern pakistanischer Herkunft sexuell missbraucht wurden. Es gab keine Solidaritätsmärsche mit diesen jungen Opfern und keine Spendensammlungen, um für ihre Verteidigung zu sorgen.

Der Pyrrhussieg von #MeToo liegt einzig und allein darin begründet, dass er einer kleinen Gruppe gut ausgebildeter Elite-Frauen aus der Mittelschicht mit vielen Möglichkeiten erlaubt hat, sich selbst als Opfer darzustellen. Ein winziger Teil dieser Kohorte hat durch die Weitergabe ihrer Geschichten ein öffentliches Profil gewonnen. Für alle anderen Frauen hat #MeToo viel mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Mit der Verurteilung von Harvey Weinstein ist es an der Zeit, der #MeToo-Bewegung ein für allemal ein Ende zu setzen.




4. Mit "Göttinnen oder Opfer: Der wirklichkeitsfremde Blick der Linken auf Frauen" ist ein aktueller Artikel der Journalistin Karol Markowicz in der New York Post überschrieben, der sich mit dem Vorwahlkampf in den USA beschäftigt. Ein Auszug:

Wenn Sie dies lesen, können Sie sich glücklich schätzen. Denn ich bin eine Frau, und ich weiß alles. Ich bin ein Orakel der ursprünglichen Weisheit der Weiblichkeit - eine Göttin der allzu oft unterdrückten Einsicht. Alles, was ich tue und sage, ist perfekt. Meine Kräfte sind allumfassend.

Nach Ansicht der Demokraten und ihrer Verbündeten in den Medien ist das so.

Nach ihren frauenfreundlichen Ergüssen zu urteilen, sind Frauen in jeder Hinsicht und in jeder Dimension des Lebens so viel besser als Männer, dass jede uns gewährte Macht niemals verschwendet oder missbraucht werden könnte. Sie könnte nur zum Wohle der Menschheit wirken. In Klammern gesetzt: Das heißt, solange die betreffenden Frauen zuverlässige Linke sind.

(...) In dieser Erzählung ist die einzige andere Haltung für Frauen, wenn wir keine himmlischen Superhelden sind, die geschickt werden, um mit unserer bloßen Anwesenheit alles in Ordnung zu bringen, die, dass wir in einen Zustand der Verzweiflung versetzt werden.

Wenn man dieselben Demokraten hört, ist es unglaublich schwer, eine Frau zu sein, besonders in Amerika. Vor zwei Wochen sagte die Abgeordnete Ayanna Pressley: "Wir schreiben das Jahr 2020, und wir Frauen sind hier immer noch in so vielerlei Hinsicht nicht völlig frei, immer noch gefesselt".

Pressley führte aus: "Die Gesetze dieses Landes haben uns in der Vergangenheit wie Bürger zweiter Klasse behandelt, indem sie uns das Wahlrecht, die meisten Arbeitsplätze und den Besitz von Eigentum vorenthalten haben." Sie räumte ein, dass "einige dieser Ungerechtigkeiten vielleicht nicht mehr existieren", fügte dann aber hinzu, dass "wir immer noch vor enormen Hindernissen für unsere volle Teilnahme an der Gesellschaft stehen".

Abgesehen davon natürlich, dass Frauen voll und ganz an der Gesellschaft teilhaben. Wir haben das Wahlrecht. Wir können die meisten Jobs annehmen und wir können Eigentum besitzen. Wir sind völlig frei, und wir sind in keiner Weise gefesselt. In einem freien Land, in dem wir Frauen unser individuelles Schicksal selbst in der Hand haben, sind Kommentare wie die von Pressley geradezu beleidigend. In vielen Teilen der Welt gibt es Frauen, die nicht die reichliche Freiheit haben, die amerikanische Frauen genießen. Uns freie Frauen als "gefesselt" zu bezeichnen, wenn saudi-arabische Frauen gerade erst das Recht zum Autofahren gewonnen haben, ist unverschämt verlogen.

Keine der beiden linken Visionen von Frauen - gesegnete Einhörner oder verfluchte Opfer - behandelt sie wie echte Menschen. Gleichberechtigung bedeutet, Frauen wie Männer zu behandeln - das heißt, als fehlbare Menschen zu großen Taten fähig zu sein, aber auch zu großem Übel. Wir werden Fehler machen und, ja, Chaos verursachen. Unsere Anwesenheit macht nicht automatisch etwas besser. Wir sind Individuen, kein Monolith. Es wäre schön, wenn die Demokraten das merken würden.

Dienstag, Februar 25, 2020

Weinstein schuldig gesprochen – Spiegel-Online empört über "frauenfeindliches" Urteil – News vom 25. Februar 2020

1. Die Geschworenen im Weinstein-Prozess haben sich jetzt doch zu einem Urteil durchgerungen und den Angeklagten in zwei von fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen:

In dem aufsehenerregenden New Yorker Prozess ging es seit Januar (…) vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Die Jury befand ihn in diesen beiden Fällen für schuldig. In zwei Anklagepunkten wegen wiederholter sexueller Angriffe wurde der 67-Jährige dagegen freigesprochen. Die Jury sprach Weinstein zudem lediglich der Vergewaltigung in einem minder schweren Fall schuldig, nicht im schwersten Anklagepunkt des "raubtierhaften sexuellen Angriffs".


Spiegel-Online ist erwartungsgemäß unglücklich und titelt "Im Zweifel immer gegen die Frau". Korrekt wäre natürlich: Im Zweifel für den Angeklagten – einer der wichtigsten Rechtsgrundsätze, den manche Feministinnen heute sturmreif zu schießen versuchen. So heißt es auch in dem Spiegel-Online-Artikel:

Der Fall Weinstein belegt in mehrfacher Hinsicht, dass das amerikanische Justizsystem Frauen nicht ausreichend vor männlicher Gewalt schützt. Zunächst taten sich die Staatsanwälte in New York schwer damit, eine Anklage aufzubauen, da manche der Taten verjährt waren, Frauen nicht aussagen wollten, oder Fälle außerhalb des Bundesstaates stattgefunden hatten. Dann war es schwer, mehrere Frauen zu finden, deren Geschichten ausreichend glaubwürdig waren – und am Ende scheiterte das entscheidende Urteil genau daran.


Wie würde dieser Darstellung nach also ein Rechtssystem aussehen, dass Frauen "ausreichend vor männlicher Gewalt schützt"? Es gäbe darin keine Verjährung, es würde bei der Rechtsprechung auch Aussagen berücksichtigen, die nie geäußert wurden, es würde Fälle außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs verfolgen und auch Aussagen für einen Schuldspruch verwerten, die nicht ausreichend glaubwürdig sind. Wenn Feministinnen nichts anderes als eine vollständige Aushöhlung des Rechtsstaats als Sieg akzepotieren, sorgen sie zwar dafür, dass ihre Bewegung nocht lange Bestand haben wird, aber auch dafür, dass immer weniger Menschen ihre Berechtigung anerkennen werden und lieber zum #TeamRechtsstaat gehören. Gottseidank äußern viele Kommentare unter dem zitierten Spiegel-Online-Artikel scharfe Kritik an dem eigentümlichen Rechtsverständnis der Verfasserin.

Weinsteins Anwaltsteam hat inzwischen angekündigt, in Berufung zu gehen.



2. Die australische Labor-Partei bemüht sich immer noch verzweifelt darum, dass die Männerrechtlerin Bettina Arndt ihren Orden aberkannt bekommt.



3. Wenn der Feminismus behauptet, für alle Frauen zu kämpfen, warum ignoriert er dann ausgerechnet die ärmsten unter ihnen, fragt Mikki Kendall im Magazin "Time". Damit greift Kendall die bekannte Kritik auf, dass die feministische Bewegung hauptsächlich die Interessen von Frauen der Mittel- und Oberschicht vertritt. Ich freue mich darüber, dass die Männerrechtsbewegung diesen Fehler nicht wiederholt und beispielsweise die Probleme der Obdachlosen (zu achtzig Prozent männlich) immer wieder benennt.

Montag, Februar 24, 2020

Karriereunwillige Frauen, weiße Männer als Zielscheibe, Schwarzbuch Feminismus und Videobeweise beim Sex – News vom 24. Februar 2020

1. "Wenn Frauen mehr verdienen als ihre Partner, hadern sie oft mit ihrem Leben - das zeigen Daten aus der Wissenschaft", berichtete gestern Patrick Bernau in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Artikel, überschrieben mit "Viele Frauen wollen keine Karriere machen", beginnt mit einer Erfahrung der Pharma-Managerin Manuela Hoffmann-Lücke, wenn sie jüngere Frauen für Führungspositionen coacht. "Es gibt eine Menge Frauen, die davon reden, gleichberechtigte Möglichkeiten haben zu wollen, die sie aber nicht wirklich annehmen", berichtet Hoffmann-Lücke. "Das muss ich so brutal sagen.“ Die Frauen zögen sich zurück: "Erst wollen sie die Kinderbetreuung perfektionieren, später kümmern sie sich gern um sich selbst, mit Fitnessstudio und Nagelstudio." Ihr Mann Thomas Lücke wiederum kann aus dem Nähkästchen plaudern, was seine beruflichen Erfahrungen als Lehrer angeht: "Ich habe viele Mütter getroffen, die zu Hause geblieben sind und ein strukturelles Problem dafür vorgeschoben haben: Der Mann verdient mehr. Ich habe das oft als Ausrede empfunden."

Diese persönlichen Einblicke dienen als Aufhänger für einen Bericht über Daten, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die Frankfurter Allgemeine ermittelt hat. Dessen zentrale Erkenntnis: Es gibt eine große Gruppe von Frauen, die als Hauptverdiener in einer Partnerschaft unglücklicher werden. Als Zuverdienerin bewerten sie ihr Leben am besten. Am unglücklichsten sind beide Partner, wenn das Einkommen hauptsächlich von der Frau erwirtschaftet wird. Auf einer Zehn-Punkte-Skala bewerten alle Hauptverdienerinnen zusammen ihr Leben durchschnittlich fast 0,3 Punkte schlechter als Frauen, die weniger verdienen als ihr Partner oder gleich viel. Das entspricht ungefähr dem Zufriedenheits-Unterschied zwischen Deutschland und Polen.



2. Mit "Weiße Männer sind zu einer massiven Zielscheibe geworden" betitelt der Deutschlandfunk ein Interview mit der britischen Philosophin Nina Power:

Sie hat das Projekt "Amity/Animosity" – Freundschaft-Feindschaft – ins Leben gerufen. Bei einem Kaffee trifft sie ganz bewusst Menschen, die Meinungen jenseits des politisch korrekten Mainstreams vertreten, um mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Das hat sie besonders in linken Kreisen zur Persona non grata gemacht. Powers ist allerdings davon überzeugt, dass ein gemeinschaftlicher Dialog unabdinglich und das Ausschließen von Menschen, egal welche Meinung sie vertreten, kontraproduktiv ist.


Ein Auszug aus dem Interview:

Raphael Smarzoch für den Deutschlandfunk: Damit geht auch die Tendenz einher, online Grenzen zu überschreiten, indem man unverschämte und provozierende Dinge sagt. Ich muss da zum Beispiel an die Hashtag-Kampagne "Men Are Trash" denken, Männer sind Müll. Wie nützlich ist so etwas für die Etablierung eines Dialogs zwischen Männern, die gern dazulernen möchten, und Frauen, die daran interessiert sind, dass Männer sich verändern?


Dass schon in der Fragestellung ganz automatisch das Weltbild von Männern als minderwertigen Wesen mitgeliefert wird, ist derzeit leider typisch (nicht nur) für den Deutschlandfunk.

Nina Power: Auf der einen Seite würde ich sagen, wenn man Redefreiheit oder freie Meinungsäußerung ernst nimmt, wird sie auch Dinge beinhalten, die unangenehm, beleidigend oder beunruhigend sind. Es gibt keine Gruppe, die man nicht kritisieren oder über die man nicht lachen darf. Wenn wir anfangen zu sagen, dass man über bestimmte Gruppen nicht lachen darf, befinden wir uns auf gefährlichem Gebiet, weil wir Hierarchien und Privilegien aufbauen. "Über diese Gruppe darf gelacht werden, aber nicht über die andere …"

Auf der anderen Seite sind aber weiße Männer zu einer massiven Zielscheibe geworden. Das zeigt der Hashtag, den Sie erwähnt haben. Es gab auch noch einen anderen, der viel ernster war, nämlich "Kill All Men", "töte alle Männer". Das ist in gewisser Weise natürlich ein Witz, weil er nicht der tatsächlichen Gewalt in der realen Welt entspricht. Frauen neigen nicht sehr oft dazu, Männer zu töten – es ist vielmehr umgekehrt. Es ist schon seltsam: Man muss die Möglichkeit verteidigen, diese aggressiven und unangenehmen Statements äußern zu dürfen. Und doch braucht man Zeit, um eine vernünftige Diskussion über gute und schlechte Maskulinität zu führen. "Das Medium ist die Botschaft", sagte Marshall McLuhan. Ein Medium wie Twitter ist aber sehr schnelllebig. Es ermöglicht nicht wirklich diese Art von tiefgehender Untersuchung eines komplizierten Themas zum Beispiel darüber, wie sich Männer verhalten sollten. Was bedeutet es, ein "guter Mann" zu sein? Es gibt viele gute Männer. Wir haben also eine Art Problem mit der Zerstreuung. Diese großen Themen werden mit einer gewissen Schnelligkeit behandelt, dabei gehen sie viel tiefer.


Zuende gedacht landet man letztlich bei der Binsenweisheit, dass es nun mal gute und schlechte Menschen gibt. "Kill all men" gehört dabei sicher nicht zu den moralischen Glanzleistungen der Menschheit.



3. Mittlerweile ist ja bekannt, dass ich erfolgreich mit jenen Feministinnen zusammenarbeite, die nicht dem Männer hassenden Flügel dieser Bewegung angehören. Dem unbenommen muss auch ich einräumen, dass ein weit überwiegender Großteil der Literatur über die Geschichte des Feminismus daran krankt, dass sie diese politische Bewegung weniger kritisch analysiert, als vielmehr in Form einer Werbebroschüre weichzeichnet. Einen Gegenpol dazu soll jetzt das von dem Ideologiekritiker Gunnar Kunz herausgegebene "Schwarzbuch Feminismus" bilden, das Kunz mit folgenden Worten vorstellt:

Es ist das Ergebnis einer 4-jährigen Recherche, eine Dokumentation der 2. und 3. Welle des Feminismus in Deutschland von 1968 bis 2019. Es geht darin um Väter und Kinder, Sexualität und Gewalt, Arbeit und Geld, Staat und internationale Frauenlobby, Medien und Zensur. Wer wissen möchte, mit welchen Tricks Gender Mainstreaming installiert wurde, wer bei der Scheidungsreform 1977 dafür gesorgt hat, dass das angestrebte Ziel der finanziellen Selbstständigkeit der Ex-Ehefrau konterkariert wurde, wie Geschlechterstudien manipuliert werden, mit welch irrwitzigen Summen feministische Lobbyistinnen gefördert werden, wie sie Politik und Medien beeinflussen und demokratische Entscheidungsprozesse unterlaufen, findet hier Antworten. Das Buch arbeitet Fakten auf über den stets geleugneten Krieg, den Feministinnen seit mehr als 50 Jahren gegen Männer und emanzipierte Frauen führen, mit verheerenden Folgen für die gesamte Gesellschaft. Die Aussagen sind mit ca. 7.000 Quellenangaben belegt; ein ausführliches Register rundet das Buch ab.

In Kürze ist das 548 Seiten starke Buch zum Preis von 19,90 Euro erhältlich. Bis dahin biete ich es zum Subskriptionspreis an:

Wer bis zum 8. März bestellt und bezahlt, erhält das Buch für 14,00 Euro + 4,30 Versandkosten (Versand über Hermes, also mit Sendungsverfolgung). Um Versandkosten zu sparen, können sich natürlich auch mehrere Leute zusammentun, und ich verschicke dann gebündelt und berechne nur einmal Versandkosten.

Wer zusätzlich zum Schwarzbuch mein Buch "Verwundbar sind wir und ungestüm" (14,99 Euro) bestellt, erhält die beiden Bücher versandkostenfrei (also für 28,99 Euro).

Wer das Buch beziehen möchte, meldet sich bitte mit der Angabe, welche + wie viele Bücher gewünscht werden (Zustelladresse nicht vergessen!), hier:

schwarzbuch2020@vodafonemail.de

Ich schicke dann eine Rechnung mit Kontoangabe und Rechnungsnummer. Die Bücher werden ab ca. 12. KW ausgeliefert.




4. Inzwischen geht es den ersten Feministinnen an den Universitäten offenbar wie den (wenigen) Männerrechtler_*Innen, die dort versucht haben, eine Diskussion zu führen . Die "Ruhrbarone" haben dazu die Feministin Naidal Pintu interviewt. Ein Auszug:

Ruhrbarone: Warum stellen sich Deine Kritiker nicht einer Diskussion, sondern wollen Deine Vorträge verhindern?

Naida Pintul: Die Erklärungen dafür sind wirklich amüsant: Sie reichen von "Betroffene sollen sich mit einer so transphoben, hasserfüllten Person nicht auseinandersetzen müssen" über "Leute mit solchen schlimmen Ansichten sind unbelehrbar" bis hin zu "Mit Faschisten/Rassisten redet man nicht". Sehr selten erlebe ich, dass jemand wirklich kritisch nachfragt und in einer Gegenargumentation beschlagen ist.

Ruhrbarone: Sind diese Versuche, Debatten zu verhindern noch Ausnahmen oder ist das ein Trend an den Hochschulen?

Naida Pintul: In der Heftigkeit und Konstanz gibt es aktuell vermutlich nicht viele andere Referenten, denen das in Deutschland genauso passiert, aber an Universitäten in UK, Kanada und den USA sind diese Maßnahmen nicht ungewöhnlich und fallen auch noch heftiger aus. Die kanadische Feministin Meghan Murphy erhält vor vielen Veranstaltungen Drohungen und entsprechend referiert sie unter Polizeischutz. Das gilt für viele andere Feministinnen in diesen Ländern, die inhaltlich ähnlich wie ich argumentieren, in etwas abgeschwächter Weise genauso. Wenn Resolutionen wie "Gegen jede Queerfeindlichkeit" an mehr Hochschulen Verbreitung finden, wird man sich der Kritiker in Zukunft aber sehr schnell auch ohne weitere Maßnahmen entledigen können.




5. Die auflagenstarke Tageszeitung USA Today beschäftigt sich mit einer Frage, die in Zeiten von MeToo viele Männer interessiert: Kann man sich vor einer Falschbeschuldigung, man habe eine Frau vergewaltigt, schützen, indem man ihre Einwilligung vor dem Sex aufzeichnet?

Einige Anwälte sagen, dass eine schriftliche oder per Video aufgezeichnete Einwilligung zum Sex die einzige Möglichkeit für Menschen sein kann, sich gegen Vergewaltigungsvorwürfe zu verteidigen. Aktivisten wenden ein, dass diese Maßnahme deutlich zu kurz greife.

Zwei Fußballspieler der Ohio State University, Amir Riep, 21, und Jahsen Wint, 21, wurden letzte Woche verhaftet, nachdem sie der Entführung und Vergewaltigung einer 19-jährigen Frau beschuldigt wurden. Am nächsten Tag gab Cheftrainer Ryan Day bekannt, dass er die beiden aus dem Team entlassen habe.

Die Polizei von Columbus sagte in einer eidesstattlichen Erklärung, Riep habe auf einer Videoaufnahme das Opfer aufgefordert, zu bestätigen, dass der Verkehr einvernehmlich stattgefunden habe. Diese Aufnahme sei sichergestellt worden, sagte die Polizei.

Die Vorstellung, einen "Beweis" für die Zustimmung zu suchen, beschäftigt Forscher und Aktivisten bei der Prävention sexueller Gewalt.

Brad Koffel, ein seit über 25 Jahren in Kolumbus tätiger Strafverteidiger und geschäftsführender Gesellschafter von Koffel Brininger Nesbitt, rät seinen Mandanten, eine schriftliche Einwilligung für sexuelle Handlungen einzuholen, auch wenn es sich nur um eine Textnachricht oder eine Audio- oder Videoaufnahme handelt, die die Zustimmung anzeigt.

"Wenn sie es nicht tun", sagte er, "werden sie im jetzigen Klima einige Konsequenzen erleiden".

Diesen Monat deutete eine Anwältin, die den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein in seinem Prozess wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verteidigte, ähnliches an.

"Wenn ich in der heutigen Welt ein Mann wäre, würde ich, bevor ich mit einer Frau Sex habe, sie bitten, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben", sagte Donna Rotunno in The Daily, einem Podcast der New York Times.

Der Strafverteidiger Dan Sabol sagte, er wäre besorgt, wenn ein Klient eine schriftliche oder aufgezeichnete Einwilligung von einem Sexualpartner erhalten würde: "Das wäre ein Alarmsignal. Es könnte so aussehen, als wollten sie ihre Spuren verwischen."

Der Nachweis der Einwilligung könnte jemandem helfen, der fälschlicherweise beschuldigt wird, sagte Sabol, aber wenn es zwingende Beweise dafür gibt, dass ein sexueller Akt nicht einvernehmlich war, könnte die Dokumentation der Einwilligung eines Partners den Anschein von Schuld bei einem Verdächtigen erhöhen. "Nur weil jemand auf Video sagt, dass es einvernehmlich war, ist es noch lange nicht einvernehmlich."

Brandon Shroy, ein Strafverteidiger aus Columbus, sagte, eine Jury sei dafür verantwortlich, die Gültigkeit eines Einwilligungsvideos festzustellen. "Es ist etwas, das die Verteidiger ... gerne sehen würden, aber eine Gruppe von Geschworenen kann sich entscheiden, es zu glauben oder nicht zu glauben."

Die Befürworter der Prävention sexueller Übergriffe sagten, sie sähen mehr Fälle von Jugendlichen, denen geraten wird, einen Einverständnisnachweis zu erhalten, aber eine formelle Dokumentation in schriftlicher Form oder auf Video erfasse nicht, wie Einverständnis wirklich funktioniert.

"Es sollte als Alarmsignal gewertet werden, dass eine Person genug Zweifel daran hat, ob eine Zustimmung vorliegt oder nicht, um ... vor oder nach einer Begegnung diese Art von Zustimmung zu verlangen", sagte Laura Palumbo, Kommunikationsdirektorin des National Sexual Violence Resource Center. "Denn in Wirklichkeit ist eines der wichtigsten Dinge, die die Menschen über die Zustimmung wissen müssen, dass, wenn Sie irgendwelche Zweifel haben ... die Interaktion mit Ihrem Partner nicht weitergehen sollte".

Emily Gemar, Campus-Koordinatorin für die Interessenvertretung des Sexual Assault Response Network of Central Ohio, sagte, dass die Zustimmung jederzeit rechtlich widerrufen werden kann, so dass schriftliche oder per Video aufgezeichnete Unterlagen in keiner Weise repräsentativ für eine gesamte sexuelle Begegnung sind. "Wenn jemand einmal in eine Aufzeichnung einwilligt, bedeutet das nicht einfach eine pauschale Zustimmung für alles, was danach geschieht", sagte sie.

″Einerseits wissen die Menschen, dass die Zustimmung wichtig ist, aber andererseits sind diese Arten des Nachweises der Zustimmung natürlich besorgniserregend", sagte Zoë Peterson, Direktorin der Forschungsinitiative zu sexuellen Übergriffen am Kinsey-Institut der Universität Indiana, die sich mit sexueller Zustimmung, sexuellem Übergriff, sexuellem Zwang und unerwünschtem Sex befasst.

Gemar sagte, sie benutze das "FRIES"-Modell, um die Anforderungen der Einwilligung zu umreißen: frei gegeben, umkehrbar, informiert, enthusiastisch, spezifisch.

"Eine gute einvernehmliche Handlung oder eine Reihe von Ereignissen sollte kontinuierlich aus aktiver Kommunikation und Rückversichern beim Partner bestehen", sagte sie. "Der Partner sollte einwilligen und die ganze Zeit über mit Begeisterung zustimmen".


Kurz gefasst: Eine aufgezeichnete Einwilligung vor dem Sex genügt nicht, um im Zweifelsfall Ihre Unschuld zu beweisen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, müssen Sie schon jedesmal den gesamten Sex mitfilmen. Dabei sollten Sie vor jeder neuen Liebkosung so lange fragen, ob sie genehm ist, bis die Begeisterung Ihrer Partnerin unüberhörbar wird. Erst dann sind Sie – vermutlich – auf der sicheren Seite.

Sonntag, Februar 23, 2020

Warum der Prozess gegen Harvey Weinstein zu platzen droht

Wenn man sich an den meisten Medienberichten über den Prozess gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein oritentiert, erscheint einem eine Verurteilung fast schon als Formsache und ein Freispruch als Skandal, der die Allmacht des Frauen hassenden Patriarchats zeigen würde. Der aktuelle SPIEGEL etwa betitelt einen Artikel über "Typen wie Harvey Weinstein und Dieter Wedel" wie selbstverständlich mit "Arschlöcher galten als cool": Die bloße Beschuldigung reicht inzwischen, damit jemand Zielscheibe öffentlicher Beschimpfungen in Massenmedien werden darf. Für die renommierte US-amerikanische Wochenzeitschrift hat sich nun die Kolumnistin JoAnn Wypijewski (Autorin eines kommenden Buchs über die Tabus in der MeToo-"Debatte") gründlicher und seriöser mit dem Gerichtsverfahren gegen Weinstein beschäftigt als viele Kollegen, die den Schuldspruch ohnehin im Kopf und passende Kommentare geistig vorformuliert haben dürften. Ich habe ihren Prozessbereicht für Genderama ins Deutsche übersetzt.



"Ich glaube nicht, dass irgendjemand darauf vorbereitet ist", sagte eine feministische Aktivistin in der öffentlichen Schlange vor dem Raum 1530 des Obersten Gerichtshofs des Staates New York während einer Zeugenpause am Ende des Prozesses von Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung. "Darauf" bedeutete die Möglichkeit eines Freispruchs oder dass sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen können.

Eine Gruppe von uns hatte sich unterhalten, nachdem wir Jessica Mann direkt und im Kreuzverhör gehört hatten. Ihre Behauptungen sind für die Argumentation der Staatsanwaltschaft von zentraler Bedeutung. Wir waren vier New Yorkerinnen, Fremde füreinander: drei Frauen und ein Mann, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Klasse; eine Schwarze, ein Latino, zwei Weiße; eine unabhängige Filmemacherin, eine Aktivistin, eine frischgebackene Hochschulabsolventin und ich. Ungewollt dachten wir wie Geschworene, die zu entscheiden hatten, ob der Staat seiner Beweislast gerecht wird. Wir hatten Zweifel. Unser Gespräch glich denen, die ich schon früher hatte, und denen, die ich in den kommenden Tagen mit anderen in der öffentlichen Schlange haben würde, während wir mit dem Rücken zur Wand und in einem großen Gerichtssaal, der bereits mit Gästen und mehr als 100 beglaubigten Reportern gefüllt war, auf die wenigen Plätze warteten.

Diese Reporter verrieten keine Neugierde über die Bewertung der öffentlichen Beobachter der Ereignisse, zumindest nicht die, die ich an den vielen Tagen, an denen ich anwesend war, miterlebte. In den Aufzügen und auf den Toiletten hörten ihre Scherze abrupt auf, als sie uns bemerkten. In den meisten Fällen haben ihre Meldungen die Erzählung der Anklage nachgeplappert. Die öffentliche Berichterstattung war bruchstückhaft und nach Orientierung suchend. In der Plädoyerphase hatte eine junge Frau, die Tage zuvor die Widersprüche in den Zeugenaussagen der Anklage wegdiskutiert hatte, entschieden: "Es ist ein sehr schwacher Fall." Die Nachrichtenberichte, die ich gesehen habe, haben nur seine Stärken betont. Sie erkannten das Schlusswort der Verteidigerin Donna Rotunno nicht als eine methodische Überprüfung der Beweise an, die einen Berg von Zweifeln aufkommen ließ, noch beschrieben sie das Plädoyer der stellvertretenden Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon als einen abschweifenden Appell an die Emotionen, indem sie Weinstein wiederholt als 'räuberisches Monster' deklarierte, aber ansonsten Verwirrung stiftete. Stattdessen bezeichneten die Medien das Argument der Verteidigung weitgehend als Angriff auf Frauen und wichen der entscheidenden Frage aus, ob die Anklage ihren Fall bewiesen habe.

Weinstein ist mit fünf Anklagepunkten wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen konfrontiert, darunter zweien wegen sexueller Übergriffe, die ihn lebenslang ins Gefängnis bringen könnten. Die Argumentation des Staates hängt von den Anschuldigungen zweier Frauen ab: Jessica Mann, die 2013 eine aufstrebende Schauspielerin war, und Miriam Haley, die 2006 Produktionsassistentin war. Aber der Staat durfte die Anschuldigungen von vier anderen Personen vorbringen, um ein Muster schlechter Taten zu demonstrieren. Dazu gehört Annabella Sciorra, deren 27-jähriger Vergewaltigungsvorwurf, der verjährt ist, durch die Hintertür hereingekommen ist, und zwar in Verbindung mit der Behauptung jedes Hauptanklägers in den Anklagen wegen sexueller Übergriffe. Die Schauspielerin gilt als beste Zeugin der Staatsanwaltschaft. In einem drei Stunden und 20 Minuten dauernden Plädoyer verbrachte Illuzzi-Orbon die erste Stunde und 10 Minuten mit Sciorra, deren Bilder die Diashow des Staates dominierten und die anderen Frauen auf eine Statistenrolle reduzierten. Rotunno hatte die Geschworenen bestehend aus fünf Frauen und sieben Männern dazu aufgefordert, sich auf die beiden Hauptanklägerinnen zu konzentrieren, die Beweise zu studieren und ihre Rolle als ultimative Prüfer der Tatsachen zu übernehmen; Illuzzi-Orban hatte ihre Arbeit mit "gebildeten Konsumenten" verglichen. Sie können sich an dieser Degradierung stören.

Am Dienstag, dem 18. Februar, erhielten sie Anweisungen von Richter James Burke. Auch sie wurden von den Berichterstattern des Prozesses als verwirrend empfunden. Es war bald klar, dass die Geschworenen das Gleiche empfanden. Sie schickten dem Richter Fragen: Würde er ihnen schriftliche Definitionen von Begriffen in den Anklagepunkten geben? Das konnte er nicht. Müssen sie feststellen, dass der Staat bewiesen hat, dass Weinstein sowohl dem Hauptankläger im Jahr 2006 (oder 2013) als auch Sciorra im Winter 1993-94 Sex aufgezwungen hat, um einen Schuldspruch in der Anklage wegen sexueller Übergriffe zu erwirken? Ja. Könnte er erklären, wie sie Sciorra angesichts der Verjährungsfrist betrachten sollen? "Jede Angelegenheit bezüglich der Verjährungsfrist ist Sache des Richters; Sie dürfen nicht spekulieren". Sollen sie die Behauptung von Sciorra für sich allein betrachten? Nein.

Ihnen wurde gesagt, dass sie bei der Bewertung der Beweise ihren gesunden Menschenverstand einsetzen sollen. Sie haben Expertenaussagen über die Häufigkeit des fortgesetzten Kontakts einer Frau mit ihrem Vergewaltiger und über die Häufigkeit der Überarbeitung einer Erinnerung durch eine Person auf der Grundlage von Informationen nach dem Ereignis gehört. Sie haben die auffällige Übereinstimmung der Erinnerung 27 Jahre nach der Tat zwischen Sciorra und ihrer Freundin Rosie Perez gehört, aber auch von Illuzzi-Orbon gehört: "Ungereimtheiten ... sie sind das Kennzeichen der Wahrheit". Von den Zeuginnen der "bösen Taten" hatte eine Erinnerungen, die so zersplittert waren, dass die Staatsanwaltschaft sagte, sie könne nicht benutzt werden; sie trat nach 55 Besuchen bei einem Therapeuten in den Zeugenstand. Eine andere erzählte zahlreichen Reportern und ihrem damaligen Verlobten, dass sie von Weinstein drei Drehbücher für einen Dreier vorgeschlagen bekommen hatte; bei der ersten Verhandlung erinnerte sie sich, dass er sie bei einer früheren Gelegenheit befummelt hatte. Eine dritte, die ebenfalls Gedächtnisprobleme hatte und die von der Polizei über Weinsteins Genitalien verhört wurde, bis sie ihnen sagte, dass sein Penis "deformiert" sei, beschuldigte eine andere Frau, sie mit Weinstein in einem Bad eingesperrt zu haben; die andere Frau, die von der Verteidigung vorgeladen worden war, bestritt das entschieden.

Beide Hauptanklägerinnen gaben gefühlsbetonte Berichte ab, die aber auch durch andere Zeugenaussagen oder Beweise, manchmal ernsthaft, untergraben wurden. Ein Kalender, den Haley aufbewahrt hat, war mit den Worten "Ich liebe, ich liebe, ich liebe New York" bekritzelt. "Ich liebe, liebe, liebe Zeug", umgeben von gekritzelten Herzen in der Woche ihres angeblich gewaltsamen Oralsexes. Spätere Einträge, die sich auf Weinstein bezogen, hat sie gelöscht, und einige ihrer anderen Aussagen, einschließlich der düsteren Charakterisierung einer Begegnung, die zuvor als einvernehmlich beschrieben wurde, luden zu Skepsis ein, wenn sie E-Mails mit den Worten "ganz viel Liebe" oder "total entnervt, dich verpasst zu haben" gegenübergestellt wurden. Ihre damalige Mitbewohnerin sagte aus, dass sie Haley sagte: "Das klingt nach Vergewaltigung", als sie von dem angeblichen Oralsex hörte, aber sie sagte Haley auch, sie solle lieber einen Anwalt als die Polizei anrufen, tat nichts, als Haley sich weigerte, und konnte sich an keine anderen Ereignisse im Leben ihrer Freundin in der unmittelbaren Folge darauf erinnern.

Jessica Mann, die die längste Zeit im Zeugenstand verbrachte, sagte aus, dass sie die Angeklagte, ihre Freunde, ihren Freund, ihre Mutter, ihre Hellseherin und ihren Life Coach über die Jahre hinweg belogen habe, als sie in E-Mails oder aufgezeichneten Telefonaten sagte, Weinstein habe sie "wertgeschätzt", "verstehe" sie, sei "nichts als gut" zu ihr, habe ihr "ein so fabelhaftes und schönes Gefühl" vermittelt; als sie sagte, sie liebe ihn und habe "Grenzen" in der Beziehung gesetzt. Sie sagte, dass eine Freundin im Wohnzimmer der Hotelsuite wartete, während sie bedrängt und oral vergewaltigt worden sei, dass sie auf dem Boden des Schrankes dieser Freundin schlief, als sie sich entschied, nach der angeblichen Vaginalvergewaltigung eine weitere Nacht in New York zu verbringen, damit sie zu einer Vorführung gehen und am nächsten Tag Weinsteins Geburtstag feiern konnte. Die (inzwischen ehemalige) Freundin wurde von der Staatsanwaltschaft nicht in den Zeugenstand gerufen Als sie unter Vorladung der Verteidigung aussagte, widersprach sie Mann in großen und kleinen Punkten und war eine der glaubwürdigsten Zeuginnen des Prozesses. Abgesehen von Freunden des Staatsanwalts oder Mitgliedern der Staatsanwaltschaft war niemand, mit dem ich sprach, zuversichtlich, sagen zu können, wann Mann die Wahrheit sagte und wann nicht. Wenn die Geschworenen einen Zeugen in einigen Dingen für unwahrhaftig halten, können sie einen Teil oder die gesamte Aussage dieses Zeugen verwerfen. Als ich sah, wie Mann direkt befragt wurde, unvorbereitet, sich windend und scharf darauf eine Geschichte zu erzählen, die nicht erzählt werden konnte, hatte ich den Eindruck, dass die Anklage einen Akt der Grausamkeit gegen sie begangen hatte.

Wie die Geschworenen ihre Pflicht erfüllen werden, ist nicht zu erraten. Sie haben die starke Erinnerung an Frauen, die im Zeugenstand weinen, und einen Haufen die Sache komplizierender oder widersprüchlicher Materialien, wenn sie es wollen. (Ein ausgezeichneter Podcast, "The Harvey Weinstein Trial Unfiltered", zeigt die Bandbreite der Beweise, mit Auszügen wortgetreuer Zeugenaussagen von jedem Prozesstag, die von Schauspielern gelesen werden). Indem der Staat diesen Fall auf die Art und Weise vorgebracht hat, wie er es getan hat, hat er die Geschworenen jedoch auch dazu eingeladen, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, für deren Lösung das Strafrecht ein zu stumpfes Instrument ist. Wie diese in die Beratungen einfließen, ist wiederum nicht bekannt. Sie haben sicherlich die öffentliche Diskussion angeregt.

Beziehungen. Abgesehen von der konkurrierenden und vielberühmten Rhetorik der Rechtsanwaltsteams verdient nicht die Tatsache der Beziehungen der Anklägerinnen zu Weinstein Beachtung, sondern die Qualität, die sich in der Echtzeitkommunikation widerspiegelt. Niemand außerhalb von Raum 1530 bezweifelte, dass Missbrauch und Vergewaltigung neben einer Beziehung existieren können oder dass Frauen Kontakt zu Männern aufrecht erhalten, die sie verletzt haben. Was falsch klang, war die schaudervolle Sprache der Anklage und ihre Theorie über den Tathergang, wenn sie in einen Kontrast zu der munteren, gewöhnlichen Sprache der E-Mails der Zeuginnen an Weinstein gesetzt wurde - die Frage, wie es ihm gehe, was er sich vorgenommen habe, wann er in LA oder London wäre, ob er ihre Mutter treffen kann; das Schwelgen in Erinnerungen an ihre ersten Treffen (als er angeblich unangemessen oder gewalttätig war); die Bitte um Hilfe bei Strafzetteln, bei Jobangeboten und Partyeinladungen; Auf-den-neuesten-Stand-Bringen über ein Familienmitglied, über Gefühle, Arbeit, eine Trennung von einem Freund, ihre neue Telefonnummer, die Nummern ihrer Freunde, unter denen sie auch erreichbar ist; Witze-Machen, Herumalbern vor der Kamera, "Hallo, aus Berlin!”

Jessica Mann sagte, jede E-Mail an Weinstein sei eine kalkulierte Farce ihrer eigenen Sicherheit zuliebe gewesen. Als das Gericht mit der Banalität der Nachrichten überflutet wurde, schlug sie vor, dass man den Worten nicht trauen sollte, dass sie keinen freien Willen gehabt habe, selbst als sie aus 3000 Meilen Entfernung getippt habe, selbst als sie einen Friseurjob annähme, selbst in der Zuversicht, mit der sie Beratern über ihre Beziehung zu ihrem "Klienten" erzählt hatte. Die Staatsanwaltschaft beschimpfte sie als "Stoffpüppchen", als Hinterwäldlerin vom Land, und brachte sie in eine Lage, in der sie gezwungen war, jegliche Autorität oder Verantwortung in ihrem eigenen Leben, ihren Worten, ihrem früheren Selbst, als betrügerisch zu verleugnen. "Ich versetzte mich in die Höhle des Löwen und es war aufregend ... es war ein Nervenkitzel", hatte sie 2014 an einen Freund geschrieben. Das beweist nicht, dass sie nicht vergewaltigt wurde, aber die Geschworenen müssen die Gesamtheit der Beweise berücksichtigen, und wenn sie Zweifel haben, wären diese nicht unangemessen.

Warum Menschen die Dinge tun, die sie tun, was kompliziert ist an der Verletzlichkeit und der Macht von jemandem in einer Beziehung, was wechselseitig stattfindet, wie der Verlauf der Zeit, suggestive Fragen und veränderte Umstände das, was früher akzeptabel oder vielleicht bedauerlich war, in etwas völlig Erniedrigtes und Kriminelles verwandeln können - all die Unordnung, die die Menschen aus ihrem eigenen Leben kennen, wurde nur von der Verteidigung angesprochen. Obwohl parteiisch und eng geführt, sah Rotunnos Theorie des Falles so aus, dass Sex mit Weinstein in der realen Welt eine Form des Tauschhandels war. Die Eröffnungsrede von Staatsanwältin Megan Hast fasste den Ansatz des Staates am besten zusammen: "Das waren keine gegenseitigen Beziehungen zwischen Erwachsenen.... Er war die alte Dame im Lebkuchenhaus, die die Kinder anlockte – nur der Ofen dahinter fehlte."

Scham. "Was sagt das alles über die Sexualität von Frauen aus? Über die Handlungsmacht von Frauen", rief eine Frau um die 40 während einer Pause der Befragungen aus. Entscheidend für den Fall des Staates war die Vorstellung, dass Frauen, die so schön, so perfekt geformt und unschuldig sind, sich niemals für den Sex mit Harvey Weinstein hätten entscheiden können. Er war bereits ein metaphorisches Monster und wurde im Prozess zum Monster gemacht: körperlich "deformiert", "abnormal", "intersexuell", "ekelhaft", "vernarbt", "grunzend", mit holpriger Haut, mit oder ohne Sperma, "fett", "haarig", stinkend nach "Scheiße, Entschuldigung, Kacke", ein Biest, unmännlich, unmenschlich, möglicherweise "autistisch", aber auch ein "Genie". Noch nie wurden Körperscham und die Schönheitsfalle, die "Normalitäts"-Falle, so massiv als Waffe der vermeintlich fortschrittlichen Gerechtigkeit eingesetzt. Wie ein Kollege unter den Prozessbeobachtern andeutete, erforderte die Beschämung Weinsteins zwangsläufig, dass auch seine Anklägerinnen beschämt werden mussten. Jessica Mann sagte: "Ehrlich gesagt, ich hatte Mitleid mit ihm", und sprach auch von "Verhandlungen": "Ich dachte, wir erschaffen eine Fantasie, als ob wir normalen Sex hätten." Sie sagte, sie habe sich benutzt gefühlt, gab aber auch zu, ihn benutzt zu haben. Sie deutete an, dass er ein Daddy sei, und sagte beiläufig und spät in ihrer Aussage, dass sie ein großer Fan von "Die Schöne und das Biest" wäre. In diesem Umfeld konnte sie jedoch unmöglich zugeben, dass sie in den Jahren, in denen sie eng mit Weinstein verbunden war, jemals irgendeine Anziehungskraft oder Vergnügen empfunden hätte. Dies warf Fragen auf, in der Öffentlichkeit und vielleicht auch in der Jury. Wenn er wirklich so gestört oder wegen Impotenz und so weiter verunsichert ist, hätte er dann vielleicht die Lügen glauben müssen, die Frauen ihm über ihre Liebe erzählten? Was wäre, wenn sie sich nicht wie Opfer, sondern wie Freiwillige verhalten hätten?

Komplizenschaft. Die Geschworenen können, wenn sie es wünschen, eine E-Mail vom 22. Mai 2014 einsehen, die den emotionalsten Moment des Prozesses ausgelöst hat. Jessica Mann schrieb an ihren Freund, einen Schauspieler namens Eddie, folgendes: "Ich lebte in Angst vor [Deiner] Ablehnung". Der Brief verteidigt ihre Beziehung zu Weinstein und sagt, dass er über den Wirrwarr ihres Lebens hinweg sehen konnte. Er sagt nichts Negatives über ihn. Er klagt Eddie an, weil er sie beschämt hat, weil er kein Mitgefühl oder keine Liebe hat. Es wird ein sexueller Übergriff in ihrer Jugend erwähnt. Sie weinte beim Lesen, erzählte dem Richter, dass sie eine Panikattacke hatte, und wurde schließlich für den Tag entschuldigt. Zuvor hatte sie ausgesagt, dass ihr "schlimmster Alptraum" darin bestand, dass ihre Freunde von ihr und Weinstein erfahren würden, dass sie ein "Stigma" haben würde - mit anderen Worten, dass die Industrie, die offen über Weinsteins Casting-Couch scherzte, die sich in ihrer Geschichte des sexuellen Tauschhandels sonnte, die gesehen hat, wie Legionen junger Frauen (und mindestens eine Nicht-Anklägerin, die im Prozess aussagte) Intimität für die Chance, in die intime Filmkunst einzudringen, eintauschte, dass eben jene Industrie Menschen zerstören könnte, die nach ihren ungeschriebenen Regeln leben.

Die Geschworenen wurden angewiesen, ihre Lebensrfahrung bei der Auswertung der Beweise zu nutzen. Eine von ihnen hat einen Debütroman geschrieben, der im Juli erscheint und in dem junge Frauen mit "übergriffigen älteren Männern" interagieren, so eine Beschreibung der Handlung. Während der Vorvernehmung sagte sie darüber nicht viel, und die Verteidigung versuchte, sie als Geschworene streichen zu lassen. Der Richter war anderer Meinung und stimmte am 18. Februar erneut nicht zu, als die Verteidigung sie ersetzten lassen wollte und eine Rezension des Buches vorlegte, die sie während des Prozesses über ein Buch geschrieben hatte, in der ein "abstoßender" Triebtäter vorkam. Es ist schwer zu erkennen, wie ihre kommerziellen Aussichten ihr Urteil über Weinstein nicht beeinflussen sollten. Die Verurteilung des Monsters würde ihr sofortiges Medienecho einbringen; ein Freispruch hätte wahrscheinlich negative Folgen. Andererseits ist es schwer vorstellbar, dass es nicht mindestens einen Geschworenen gibt, dem die Argumentation des Staates genauso missfällt wie einigen der Prozessbeobachter, so dass die Geschworenenberatungen in einer Sackgasse landen würden. Manche sind sich da nicht so sicher. Andere sagen, Weinstein wird freigesprochen werden.




Den neuesten Meldungen zufolge sieht es inzwischen tatsächlich so aus, dass sich die Geschworenen nicht einig werden: "Kommt die Jury tatsächlich zu keiner einstimmigen Entscheidung in allen Anklagepunkten gegen Weinstein, könnte der Prozess platzen und müsste wohl neu aufgerollt werden."

Samstag, Februar 22, 2020

Hanau: Terror hat immer auch soziale Ursachen – News vom 22. Februar 2020

1. Dass Alice Schwarzers "Emma" sich nicht lange zurückhalten konnte, bis sie die Bluttat von Hanau ausschlachtete, um gegen "Männlichkeitswahn" zu wettern, hat niemanden überrascht. Mit ruhigerem Blick und ohne Sexismus analysiert der Professor für Psychologie Stefan Schleim die Problematik. Ein Auszug:

Warum werden solche Taten so gut wie immer nur von Männern begangen? Auch Männer werden nicht als Mörder oder Terroristen geboren. Und die allermeisten von ihnen sind friedlich. Dass Gewalt - und vor allem schwere bis schwerste Körperverletzungen - aber nicht nur auf der Täterseite, sondern auch bei den Opfern hauptsächlich ein Männerproblem ist, das ist ein blinder Fleck, den unsere Gesellschaft nicht wahrhaben will.

So wachsen aber Männer mit der Erfahrung auf, dass Gewalt eine Lösungsstrategie ist und sich doch keiner für sie interessiert, wenn sie Opfer werden. Also: Lieber Täter als Opfer sein, denn als Opfer existierst du nicht!

Es ist schon lange deutlich, dass Männer am häufigsten die Schule abbrechen oder herausfliegen. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten alkohol- und drogenabhängig sind. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten obdachlos sind. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten im Gefängnis sitzen. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten in Kriegen gefoltert werden oder sterben - und keine Staatsanwaltschaften ermitteln, denn es sind ja nur "Soldaten", "Rebellen" oder "Terroristen". Interessiert das jemanden?

Dass sie selbst in einem reichen Land wie Deutschland Jahre früher sterben als andere Geschlechtsgruppen. Interessiert das jemanden? Mann ergänze zu dem Faktor "männlich" noch Attribute wie "aus armen Verhältnissen", "aus einem bildungsfernen Elternhaus", "nicht-weiße Hautfarbe", "Moslem" oder vieles andere mehr und die Unterschiede werden noch krasser. Interessiert das jemanden?

Ich schrieb schon vor Jahren darüber, dass die typischen Opfer von Gewaltverbrechen junge Männer sind - und erntete dafür viel Häme oder den Vorwurf, ich wolle Gewalt gegen Frauen relativieren. Ja, so huldigt man den blinden Flecken - oder anders gesagt: den Vorurteilen - unserer Gesellschaft.

Schon ein entsprechender Kommentar auf die polizeiliche Kriminalstatistik in den Diskussionsforen unserer schönen Presse konnte zur Löschung führen mit dem Hinweis, ich möge doch auf stereotypisierende Bemerkungen verzichten. (Weil ich eben statistisch nachwies, dass die meisten Opfer von Gewaltverbrechen, vor allem den schweren und schwersten Taten unter ihnen, das sind: Männer.)


Professor Schleims Artikel ist in Gänze lesenswert.



2. Passend dazu veröffentlichte am Donnerstag das Bundesfrauenministerium unter Franziska Giffey (SPD) eine Pressemitteilung, in der es heißt:

Das Bundesinvestitionsprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" ist gestartet. Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey und die Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Melanie Leonhard, haben dazu heute die erste Vereinbarung zur Förderung zwischen dem Bund und einem Bundesland unterzeichnet. Mit dem Bundesinvestitionsprogramm werden bauliche Maßnahmen z.B. in Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen gefördert.

Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey: "Der Kampf gegen Hass und Gewalt geht uns alle an. Mit unserem Bundesinvestitionsprogramm legen wir einen besonderen Fokus auf den Kampf gegen Gewalt an Frauen. (…) Zum Wohle aller von Gewalt betroffenen Frauen und ihrer Kinder. Mit dem Bundesinvestitionsprogramm stellt der Bund bis 2023 insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung, um bauliche Maßnahmen in Frauenhäusern oder Fachberatungsstellen zu unterstützen."

Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: "Keine Frau soll Gewalt erleiden müssen. Mit der Förderung eines sechsten Frauenhauses haben wir in Hamburg die Schutzplätze für Frauen weiter ausgebaut. Diesen Weg wollen wir weiter beschreiten. Ich bin froh, gemeinsam mit dem Bund das Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen und ihrer Kinder auch in Hamburg in den kommenden Jahren weiter stärken zu können!"

Das Investitionsprogramm ist eine von zwei Säulen des Bundesförderprogramms "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen"

Mit dem Förderprogramm trägt der Bund zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Hilfseinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen bei. Fachberatungsstellen, Frauenhäuser und andere Hilfseinrichtungen sollen ausgebaut und besser ausgestattet, der Zugang zum Hilfesystem soll erleichtert werden, auch für Frauen, die bislang nicht gut erreicht wurden. Mit den Bundesmitteln soll zum Beispiel der barrierefreie Ausbau gefördert werden können. Außerdem sollen neue räumliche Kapazitäten und innovative Wohnformen für Frauen geschaffen werden, die gemeinsam mit ihren Kindern Schutz suchen. Die Umsetzung des Investitionsprogramms wird in enger Kooperation mit den Ländern durchgeführt. (…) Die zweite Säule des Förderprogramms sind innovative Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen.

Mit dem Innovationsprogramm sind bereits im vergangenen Jahr fünf Bundes-Projekte gestartet, die gewaltbetroffenen Frauen helfen und der Unterstützung von Fachkräften im gesamten Hilfesystem bundesweit zu Gute kommen.

Dazu gehört auch die Initiative "Stärker als Gewalt", die am 25. November 2019 erfolgreich gestartet ist. Auf der Internetseite sind erstmals eine Vielzahl an Hilfs- und Beratungsangeboten gebündelt: www.stärker-als-gewalt.de. Die Initiative ist eingebettet in ein Gesamtprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegenüber Frauen und ihren Kindern im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Koalitionsvertrags. Seit 2018 arbeitet der von Ministerin Giffey eingerichtete Runde Tisch von Bund, Ländern und Gemeinden, mit dem das Hilfenetz verstärkt und verbessert werden soll.

Hilfe und Rat gibt es auch beim bundesweiten Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen". Unter der Nummer 08000 116 016 bekommen Betroffene und ihr Umfeld Unterstützung und Informationen, zum Beispiel über Beratungsstellen in ihrer Nähe.




3. Unter der Überschrift "Männer sind Schweine – Frauen erst recht" schreibt Susanne Wendel in der Hamburger Morgenpost:

Frauen sind genauso übergriffig, gewalttätig und gemein wie Männer. Nur ganz anders und meistens gut versteckt. Bisher hat kaum jemand hingeschaut, und das sollten wir dringend ändern. Denn wenn wir immer nur die Männer als "Schweine" hinstellen und uns Frauen als Opfer von Sexismus, männlicher Macht und Gewalttätigkeit definieren, haben wir keine Chance, auf Augenhöhe zu kommen.


Hier geht es weiter.



4. Die Berliner "taz" macht eine Geschlechteranalyse zur Hamburger Bürgerschaftswahl und ist über das Ergebnis verblüfft: Die Linke hat die gleiche Frauenquote wie die CDU. Und parteiübergreifend sind die meisten Kanidaten ausgerechnet die verhassten weißen Männer. Drei Parteien allerdings halten ihre Kandidatenlisten vorbildlich männerfrei: Die Partei, Menschliche Welt und die Sozialliberale Demokratische Partei.

Freitag, Februar 21, 2020

Genderdebatte um CDU-Vorsitz: Braucht die Union ein gemischtes Doppel? – News vom 21. Februar 2020

1.
Nach dem Rückzug der Bundesvorsitzenden der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer werden die Stimmen nach einem paritätischen Zukunftsteam an der Spitze der Union laut. Bei den vier männlichen Kandidaten, die um den CDU-Vorsitz konkurrieren, befürchten Kritiker eine "Rückwärtsrolle in die alte Männerwirtschaft". Dabei vergessen sie, dass es bei der Führung einer Partei und eines Landes vor allem auf eins ankommt: politische Kompetenz.


Hier geht es weiter mit dem FOCUS-Artikel von Birgit Kelle.



2. Der Lehrerverband lernt getrennten Unterricht von Mädchen und Jungen ab:

Hintergrund der Diskussion ist eine Sonderauswertung der Pisa-Studie. Diese hatte im Januar gezeigt, dass 15 Jahre alte Mädchen am liebsten Lehrerin, Ärztin oder Erzieherin werden wollen, während gleichaltrige Jungen vor allem in technische Berufe streben. Ganz vorn steht bei ihnen der IT-Spezialist vor dem Industrie- und dem Automechaniker. [Verbandspräsident Heinz-Peter] Meidinger sagte dazu: "Entscheidend ist, dass wir innerhalb der Gesellschaft die beruflichen, geschlechterbestimmten Rollenmuster aufbrechen." Studien zeigten zwar, dass Mädchen an reinen Mädchenschulen mehr Selbstbewusstsein in den Naturwissenschaften entwickelten und eher bereit seien, beispielsweise in der Oberstufe Mathe- oder Physikkurse zu wählen. "Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass dadurch sich das Berufswahlverhalten ändert."




3. Ein aktueller Veranstaltungshinweis: Am 24. Februar wird in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin (Grüne) über eine feministische Kritik der Atombombe diskutiert.



4. Ein offener Brief an den Wissenschaftsrat fordert eine Evaluierung der Genderstudien.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem gestern auf Genderama präsentierten Internet-Fundstück:

Bis auf das letzte Drittel kann ich dem jungen Mann beipflichten. Er zieht aber, wohl auch als Sohn einer Alleinerzieherin, die falschen Schlüsse. Es ist noch schlimmer, als er denkt.

Die Probleme, von denen er meint, dass sie zu Recht von Feministen angeprangert werden ("ungleiche Bezahlung, sexistisches Casting, Hinterherpfeifen von Männern, Männer, die sie anstarren, wenn sie freizügige Kleidung tragen, rape culture, gezwungen zu werden, eine Hausfrau zu sein, Spielzeug für Mädchen, das sexistisch ist, Filme, die sexistisch gegenüber Frauen sind, Menschen, die das öffentliche Stillen nicht akzeptieren"), sind bei genauerem Hinsehen keine. Miniröcke anzuziehen zum Beispiel ist genau dazu gedacht, dass Männer starren. Diese Frauen und Mädchen wollen bloß von den richtigen Männern angestarrt werden.

Er ist zwar in die Erpressungsmaschinerie bezüglich selbstverletzendes Verhalten und Falschbeschuldigung geraten, aber offenbar noch nicht in die systematische Aussortierung aus dem Leben der Kinder und Reduzierung zum Zahldepp. Er hat darüber nur recherchiert.

Wenn er Esther Vilar lesen würde, würde er zudem erkennen, dass diese Art von Frauen Männern keinen Wert beimessen außer dem, ihnen zu Diensten zu sein.

Der Friede der Geschlechter - nach Christine Bauer-Jelinek ist der Geschlechterkampf eh ein Stellvertreter-Krieg - muss anders hergestellt werden, als mit einem faulen Kompromiss, der dem Mann eine Mitschuld (oder Mitverantwortung) gibt, nur weil man bei der "Suche nach jemandem, dem Sie die Schuld zuschieben können, nichts erreichen wird", während Frauen munter den Männern und ihrer Toxizität die Schuld zuschieben.

Frauen sind die Gewinner im Geschlechterkampf. Den Frieden herzustellen, sollen wieder nur die Männer übernehmen. Sicher auf ihre eigene Kosten ...

Donnerstag, Februar 20, 2020

Warum es eine Männerrechtsbewegung gibt

Heute ist die Nachrichtenlage mau; ich will Genderama aber auch nicht ausfallen lassen. Deshalb hier ausnahmsweise mal statt aktuellen Meldungen ein älteres Fundstück aus dem Internet.

Quora ist eine amerikanische Website, deren Nutzer Antworten auf die Fragen anderer Nutzer geben. Eine vor mehreren Jahren gestellte Frage lautete "Was war das Demütigendste, das eine Frau einem Mann je angetan hat?" Darauf gab es mehr als hundert Antworten. Die Top-Antwort ist sehr ausführlich und wurde über elftausend Mal hochgevotet. Ich habe sie für Genderama übersetzt und dokumentiere sie hier trotz der einen oder anderen schiefen Formulierung ohne Kürzungen und eigene Kommentare.



Gegen Ende meiner Beziehung mit einer meiner jetzigen Ex-Freundinnen waren wir in einen ziemlich heftigen Streit geraten. Irgendwann während der Debatte hatte sie die Nase voll und holte meine Autoschlüssel, um mein Auto zu nehmen und drei Stunden zu ihren Eltern zu fahren. Ich sagte ihr, dass ich meine Wohnung verlassen würde, wenn sie wollte, aber obwohl sie wirklich wütend war, wollte ich ihr die Schlüssel zu meinem Auto nicht geben.

Erstens war sie nicht versichert. Zweitens regnete es draußen in Strömen, und sie war in einem enorm aufgebrachten Zustand. Schließlich sagte ich ihr, dass sie, sobald sie sich abgekühlt hätte, mein Auto nehmen könnte, wenn sie wollte. Noch einmal bot ich ihr an zu gehen, wenn sie das brauchte.

Sie schnappte sich meine Schlüssel und ging zur Tür. Ich sagte ihr (ohne den Eingang zu blockieren oder irgendetwas anderes zu tun): "Schau mal. Ich werde gehen, aber du kannst nicht mein Auto nehmen. Du fragst nicht einmal danach und wir haben kein Vertrauen mehr zueinander", und sie ging zur Tür hinaus. Von der Türschwelle aus sagte ich ihr: "Ich werde die Polizei rufen, wenn du mein Auto stiehlst. Du bist nicht versichert, und du hast nicht meine Erlaubnis, mein Auto zu stehlen. Ich fahre dich, wohin du willst oder lasse dich abholen, aber du kannst mein Auto nicht mitnehmen." Diese Ex hatte wirklich schlimme Wutprobleme, wie ich gleich beschreiben werde.

Sie stürmt also zurück in die Wohnung und schließt die Tür. Dann beginnt sie, ihren Ärmel hochzuziehen und zeigt mir einen riesigen grünen Bluterguss auf ihrem Arm. Ich machte mir sofort Sorgen um sie und fragte, woher sie ihn hat. Sie sagte mir: "Ich habe mich neulich geärgert und mir das selbst angetan. Aber wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe, werde ich den Bullen sagen, dass du das getan hast", und sie zeigte auf ihren Bluterguss.

Ich war wie erstarrt, aber mein Gehirn lief auf Hochtouren. Meine Mutter hatte mich als Teenager gewarnt, dass ein solcher Tag kommen könnte, ähnlich wie ein Elternteil ein Kind vor Triebtätern warnt. Mein Herz raste, und ich fühlte mich völlig verängstigt, stellte mir die Polizei vor, wie sie mich in Handschellen ins Gefängnis brachte.

Ich fragte sie: "Du würdest die Polizei anlügen und sagen, ich hätte dich geschlagen?!" und sie sagte: "Ja! Wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe." Später, als sie und ich uns schließlich trennten, war sie wütend. Sie warf meine Sachen herum, schrie und drehte völlig durch. Ich rief meine Mutter an und erzählte ihr, was los war, und vom Telefon aus konnte sie hören, wie meine Ex sich die Lunge aus dem Leib brüllte. Ich hatte meiner Mutter einige Tage zuvor anvertraut, was mit meiner Ex vorher passiert war, und so sagte meine Mutter mir dringend: "Wenn du nicht die Polizei rufst, werde ich es tun." Ich sagte zu meiner Mutter: "Warum?! Es ist in Ordnung! Sie wird sich beruhigen, und wenn sie ihre Sachen rausholt, wird es vorbei sein." Meine Mutter antwortete: "Dieser Frau geht es nicht gut. Und wenn sie als ERSTE die Polizei anruft und eine Geschichte erfindet, wie sie beim letzten Mal gedroht hat, dann kriegst du Ärger."

Also rief ich die Polizei. Als die beiden Polizisten ankamen, ging einer von ihnen zu ihr und der andere zu mir. Ich sagte ihm, dass ich die Polizisten im Wesentlichen in der Hoffnung angerufen hatte, dass sie vielleicht helfen könnten, meine Freundin zu beruhigen und mir auch ein wenig Sicherheit zu geben – dass ich hier versuchte, die Dinge zivilisiert zu regeln.

Wissen Sie, was passiert ist? Das Folgende ist im Wesentlichen das Gespräch, das ich außerhalb der Wohnung mit dem Beamten führte, der mich befragt hatte:

Der Polizist: "Haben Sie einen Ort, wo Sie hingehen können?"

Ich: "Eigentlich nicht. Wie Sie vielleicht an meinen Augen erkennen können, habe ich eine Virusinfektion. Der Augenarzt, bei dem ich gestern war, sagte mir, ich solle wegen meiner Sehkraft nicht fahren."

(Das stimmte. Ich hatte eine Virusinfektion, die über eine Woche andauerte und meine Augen anschwellen ließ, aufblähte und Schleim absonderte. Lecker.)

Der Beamte: "Wie wäre es mit einem Freund, der Sie abholen kann?"

Ich: "Alle meine Freunde sind gerade bei der Arbeit. Warten Sie, werfen Sie mich raus? Aber ich habe Sie angerufen? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Der Beamte: "Sehen Sie. Verlassen Sie einfach die Wohnung und lassen Sie sie ihre Sachen packen. Sie sagte, sie wird in ein paar Stunden abgeholt und dann ist sie weg."

Ich: "Ich habe gerade buchstäblich eine Virusinfektion in meinen Augen. Ich kann kaum sehen, und der Arzt sagte, ich könne nicht fahren, bis die Infektion verschwindet. Warum muss ich MEINE Wohnung verlassen?"

Der Beamte: "Oh, ich sage nicht, dass Sie gehen müssen. Ich sage nur, dass, wenn wir einen weiteren Anruf von einem von Ihnen oder den Nachbarn erhalten, weil Ihre Freundin schreit, und ich wieder hier auftauchen muss, Sie wahrscheinlich derjenige sein werden, der die Nacht im Gefängnis verbringt. Ich sage nur: So ist es nun mal."

Ich musste eine Freundin, die 30 Minuten entfernt war, bitten, ihre Arbeitszeit zu unterbrechen, um mir als Dritte zu helfen (also musste ich jetzt Außenstehende miteinbeziehen), während ich einige meiner wichtigsten Dinge aus der Wohnung holte, bevor ich für den Tag wegging. Außerdem musste ich meiner Partnerin meine Wohnung unbeaufsichtigt überlassen.

Als ich an diesem Abend zurückkam, war meine Wohnung verwüstet. Meine Partnerin zerbrach den Computer, den ich gebaut hatte, machte noch mehr von meinem Zeug kaputt, stahl meine Sachen im Wert von 200 Dollar, nahm dann auch die Lebensmittel im Wert von 300 Dollar mit, die wir am Tag zuvor gerade bei Costco gekauft hatten, und ließ mich ebenfalls ohne Geld zurück, um die Miete, die Nebenkosten oder das zu bezahlen, was sie auf ihrer Hälfte der Kreditkartenrechnung schuldete.

Und was noch schlimmer war, sie nahm BEIDE Katzen, die wir zusammen adoptiert hatten, und ich war derjenige, der jeden Morgen um 6:10 Uhr aufwachte, um zu füttern und zu dressnieren (ich habe unseren Katzen beigebracht, aus getrennten Schüsseln zu fressen; keine leichte Aufgabe).

Ich habe mehrere Anwälte angerufen und sogar für eine Beratung bezahlt, aber jeder sagte mir das Gleiche: Gehen Sie zum Gericht für Kleinbeträge, wahrscheinlich werden Sie nur das Geld bekommen, das sie für die Rechnungen schuldet, aber ich würde die Katzen definitiv nicht zurückbekommen, denn im besten Fall wird der Richter sie aufteilen und/oder einer von Ihnen zahlt dem anderen die Adoptionsgebühren; "sie wird die Katzen höchstwahrscheinlich behalten, es sei denn, Sie sind bereit, viel Geld für die Gerichtsgebühren auszugeben", sagten sie. Schlimmer noch, ich würde sie wahrscheinlich gar nicht bekommen, weil ein Richter ihrem Wort mehr Glauben schenken würde als meinem, weil sie eine Frau ist, und deshalb müsste sie nur sagen, dass ich sie ihr überlassen habe. Und wenn ich dann die Bullen erwähne, stünde ich noch dümmer da.

In meinem Leben habe ich Frauen immer besser behandelt als Männer; ich habe ihnen die Tür geöffnet, Kaffee und Essen bezahlt, auch wenn sie nur Freunde sind, und ich werde mich bemühen, wenn es spät in der Nacht ist, auf die andere Straßenseite zu gehen, damit sie keine Angst haben. Ich verstehe inzwischen, dass eine solche Sonderbehandlung wahrscheinlich als beleidigend angesehen wird, weil ich sie "wie eine zerbrechliche Frau behandle", aber meine Absichten waren nie etwas anderes als gut. Ich wurde von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen, ich habe beobachtet, wie toll meine Mutter als Frau reingehaun hat, und so bin ich einfach mit etwas mehr Bewunderung und Respekt für Frauen als für Männer aufgewachsen.

Aber dann kam dieser Tag, an dem die Polizei, die ich angerufen habe, mir mit Gefängnis droht, wenn ich mein eigenes Haus nicht verlasse, weil ich ein Mann bin und sie eine Frau ist und sie mehr wert ist als ich. Der Tag, an dem ich nur noch daran denken kann, ob sie den Ärmel hochziehen und der Polizei eine Geschichte erzählen wird, dass ich sie verletzt hätte. Der Tag, an dem ich begreife, dass das Wort einer Frau in den Augen der Gesellschaft, der Medien und des Gesetzes mehr wert ist. Ich fühlte mich gedemütigt.

Ich dachte an all die Zeiten, als ich als Teenager den Feminismus verbreitete und förderte, bevor er in Mode kam. Als ich für Mittag- und Abendessen bezahlte, wenn ich mit meinen weiblichen Freunden ausging, nur weil sie Frauen waren. Als ich früher glaubte, Männer seien Schweine und Arschlöcher, weil andere Frauen immer darüber getratscht haben, und ich angenommen hatte, dass es wahr sein muss. Und hier war ich, am Rande eines normalen Lebens und eines Lebens, in dem ich fast ins Gefängnis ging, weil die Worte einer Frau mehr wert waren als meine.

Dann wurde es noch schlimmer. Sie hatte eine Menge Drama verursacht, wo wir beide arbeiteten, und gekündign. Ihr Chef hatte davon gehört, was passiert war, und ich wurde am nächsten Tag wegen "schlechter Leistung" entlassen; obwohl mein Vertrag dreimal verlängert wurde, ich als Praktikant Weihnachtsgeld bekam (als andere Mitarbeiter keins bekamen) und eine jährliche Lohnerhöhung von 2.100 Dollar bekam, um die ich nicht einmal gebeten hatte. Aufgrund der engen Verbindungen zu den Menschen dort erfuhr ich später, dass ich entlassen wurde, weil sie ein zu hohes Risiko darstellte. Das Management und/oder die Personalabteilung waren besorgt, dass sie zurückkommen würde, um ihnen einen Skandal wegen sexueller Belästigung anzuhängen (weil sie so unberechenbar/emotional war), und da ich Praktikant war, war ich das Risiko logischerweise nicht wert (was ich verstehe, so sehr es mich auch verbittert hat).

Bis zum heutigen Tag fühle ich mich immer noch gedemütigt. Ich bin zu paranoid, um mit einer Frau allein in einem Raum zu sein. Ich werde es trotzdem tun, aber ich werde immer daran denken, dass sie mich zumindest für die Nacht ins Gefängnis schicken könnte, einfach nur weil sie es wollte.

Gestern hat ein Freund auf Facebook ein Video von Frauen gepostet, die über die Vorurteile gegenüber Frauen bei Talentwettbewerben schimpfen. Ich fühlte mich gedemütigt, weil ich darüber nachdachte, was mir passiert ist und dass niemand für Männer eintritt. Überhaupt nicht. Niemals. Wohin ich mich auch wende, auf Facebook, in den Nachrichten, im Radio, in Gesprächen unter Freunden, im Kino, auf jeder Website: Frauen leiden und Männer sind typischerweise die Ursache dafür.

Ich war eine Autorität für feministische Themen, daher weiß ich nur zu gut, mit welchen Problemen Frauen tatsächlich konfrontiert sind. Aber es erniedrigt mich als Mensch, dass ich jedes Mal, wenn ich versuche, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass auch Männer mit Vorurteilen konfrontiert sind, in der Luft zerrissen werde. Von Frauen und Männern gleichermaßen.

Die Dinge, über die sich Feministinnen aufregen, wie z.B. ungleiche Bezahlung, sexistisches Casting, Hinterherpfeifen von Männern, Männer, die sie anstarren, wenn sie freizügige Kleidung tragen, rape culture, gezwungen zu werden, eine Hausfrau zu sein, Spielzeug für Mädchen, das sexistisch ist, Filme, die sexistisch gegenüber Frauen sind, Menschen, die das öffentliche Stillen nicht akzeptieren (Ich nenne das Schwachsinn. Meine Mutter hat in der Öffentlichkeit gestillt und nichts als Komplimente von Fremden bekommen, weil sie das Stillen anstelle von Milchnahrung übernommen hat), und so weiter. Einige dieser Behauptungen können wahr sein oder auch nicht.

Aber wenn man populäre Anliegen von Frauen mit populären Anliegen von Männern vergleicht, unterscheidet sich eines sehr stark: das Gesetz. Seit dem Vorfall mit meiner Ex hat es mich in eine Spirale des Grolls und der Gefühllosigkeit (nicht gegenüber der Frau, sondern gegenüber der Gesellschaft) hinunter gestoßen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir die Fakten anzuschauen, und die Fakten sind einfach, dass das Gesetz am häufigsten zu Gunsten der Frau ausfälltt. Scheidung, Kindesunterhalt, Trennung von den eigenen Kindern, Unterhaltszahlungen/Ehegattenunterhalt, Körperverletzung, sexuelle Übergriffe und so weiter und so fort. Und beten Sie zu den Göttern jeder Religion, dass Sie kein afroamerikanischer Mann sind, denn es wird noch schlimmer für Sie, wenn Sie das sind. Ich schließe diesen Teil mit einem Zitat von einer Website für Familien, die auf der Sensibilisierung für häusliche Gewalt aufgebaut ist: "Ein Teil der Gründe für die Ungleichheit der gemeldeten Opfer könnte auch darin bestehen, dass Männer, die die Polizei anrufen, um häusliche Gewalt gegen sie anzuzeigen, befürchten, dass sie am Ende diejenigen sein werden, die verhaftet werden." Hm, dazu könnte ich einiges sagen.

Es fällt mir schwer, das alles zu schreiben, weil ich es gewohnt bin, in einer Welt zu leben, in der jeder Versuch zu zeigen, dass auch Männer Opfer sein können, in der Regel damit endet, dass mich jeder um mich herum beschimpft: nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Aber ich hoffe, dass alle jungen Männer, insbesondere die Jungen, die dies lesen, wissen, dass jeglicher Groll, der sich im Inneren gegenüber Frauen aufbaut, nicht in Ordnung ist. Ich verstehe, dass es ermüdend ist, von nichts anderem zu hören als der Schikanierung von Frauen aur allen Kanälen. Ich verstehe, dass es schmerzt, wenn man als Mann seinen Problemen gegenübersteht, aber der eigene Schmerz ignoriert wird. Es ist demütigend, wenn man eines Tages die Tatsache erkennt, dass wir als Gesellschaft die Männer dazu erziehen, "Frauen und Kinder an die erste Stelle zu setzen", auch wenn das bedeutet, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen müssen. Doch kein einziger Mann und keine einzige Frau wird Ihnen jemals die Höflichkeit erweisen, Ihren Schmerz zu erkennen, wenn Sie versuchen, ihnen gegenüber auszudrücken, dass auch Männer mit geschlechtsspezifischen Problemen konfrontiert sind. Dass man als Mann zum Beispiel "schwach" ist, wenn man weint. Es ist auch erniedrigend, wenn Sie von Ihren Altersgenossen zum Schweigen gebracht werden, weil sie erwähnen, dass Sie es sexistisch finden, dass es niemanden zu interessieren scheint, dass Männer kein Mitspracherecht dabei haben, ob sie beschnitten werden oder nicht.

Die Männer, die leiden, sollten wissen: Es ist nicht die Schuld der Frauen. Es ist die Schuld unserer Gesellschaft. Beide Geschlechter beteiligen sich daran, die Vorurteile gegen Männer zu ignorieren. Sie sind kein Monster, nur weil Sie ein Mann sind, und du bist nicht weniger wert, nur weil du ein Junge bist. So wie die Medien die Eltern loben, wenn sie ihren Mädchen beibringen, dass es in Ordnung ist, Fußball zu lieben, so ist es für dich völlig in Ordnung, Tanzen zu lieben. Mädchen können Rock mögen, also können Sie definitiv Pop mögen (meine Lieblingsmusikerin, Lights, ist eine Synthie-Pop-Kanadierin mit einer starken weiblichen Fangemeinde). Und Sie sind nicht verpflichtet, für ihr Essen zu bezahlen, nur weil sie eine Frau ist. Bezahlen Sie ihr Essen, wenn Sie derjenige waren, der das Date initiiert hat (es ist eine respektvolle Geste).

Ganz gleich, wer Sie erniedrigt, versuchen Sie Ihr Bestes, um sich davon nicht verbittern und verärgern zu lassen. Seien Sie positiv und versuchen Sie, Veränderungen herbeizuführen. Die Suche nach jemandem, dem Sie die Schuld zuschieben können, wird nichts erreichen. Genauso wichtig ist es, nicht in Selbstmitleid zu schwelgen, denn es gibt viele andere Gruppen allein in diesem Land, die es viel schlimmer haben, einfach wegen ihrer Hautfarbe oder dem fehlenden Geld in ihren Taschen.

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