Mittwoch, April 25, 2018

"Ein Leben lang bezahlen für das Kind eines anderen" – News vom 25. April 2018

1.
Vaterschaftsklagen sind in der Schweiz enge Grenzen gesetzt. Ein Mann, der nicht der leibliche Vater seines Sohnes ist, hat das soeben erfahren.


Der Tages-Anzeiger berichtet.



2. "Wird Müttern etwas weggenommen, wenn Väter das selbe wollen?" fragt Sandro Groganz auf der Website "Freiheit für Familien":

Mütter, die gegen das Wechselmodell sind, reagieren auf Väter, die dafür sind, als wollten sie den Müttern die Kinder weg nehmen. Ein Farmbesitzer, dem man einst die Sklaven wegnehmen wollte, damit sie so frei sind wie er, hatte auch das Gefühl, dass man ihm etwas weg nimmt.

Das Prinzip ist bei ungleichen Machverhältnissen immer das selbe: Für diejenigen, die die Vorteile der Macht genießen, erscheint es immer so, als würden die anderen, die für gleiche Rechte kämpfen, ihnen etwas nehmen. Das Problem der Mächtigen ist nicht die Gleichheit, sondern der Verlust der Vorteile der Ungleichheit.


Hier geht es weiter.



3. Und da es derzeit nur spärlich erwähnenswerte Nachrichten und Artikel gibt, sind wir schon bei der Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Soeben bin ich auf den Fall "Leverett" gestoßen. Caleb Leverett ist ein Vater, dessen 14 jähriger Sohn Parker nach der Trennung bei ihm leben will. Das Besondere hier ist, dass es in erster Linie der Sohn selbst ist, der gegen den Widerstand der Gerichte, der Staatsmacht und der Mutter um sein Recht kämpft.

Leider ist dieses Video sehr lang (72 Minuten), aber es lohnt sich. (Das zeigen sechs Millionen Views).

Ein Gericht hatte die gemeinsame Sorge beider Elternteile angeordnet. Das Video dokumentiert das Geschehen nach einer von Vater und Sohn gemeinsam verbrachten Zeit und vor der Übergabe an die Mutter. Parker weigert sich nämlich einfach, aus dem Wagen seines Vaters auszusteigen und der wiederum kann (bzw. will) ihn nicht zwingen. Da Leverett die ganze Szenerie aufzeichnet, kann die Mutter auch keinen körperlichen Zwang erzeugen (die Wagentür öffnen und ihren Sohn rauszerren), sondern kann nur auf ihren Sohn "einreden" und "die Cops rufen".

Wer noch keine Vorstellung vom möglichen Charakter "toxischer Weiblichkeit" hat, möge bei den nun folgenden Szenen besonders aufpassen, denn sie greift auf das komplette Manipulationsarsenal einer narzisstisch-gekränkten Mutter zurück.

Ich kann nur sagen, dass das Video von außen betrachtet eher harmlos wirkt, weil es im klassischen Sinne keine "Action" gibt, dennoch "triggert" es. Zumindest jene Menschen, die sich in die jeweilige Situation der Protagonisten hineinversetzen können.

Dienstag, April 24, 2018

Deutschlandradio: "Maskulismus – Zwischen Männerthemen und Frauenhass" – News vom 24. April 2018

1. In einem aktuellen Beitrag für den Deutschlandfunk, den man sich auch als Podcast anhören kann, beleuchtet Laura Lucas aus feministischer Sicht die Debatte um den Maskulismus. Ich selbst komme dort als Mitglied von MANNdat sowie der Liberalen Männer (FDP) zu Wort. Außerdem äußern sich der Antimaskulist Andreas Kemper, der die Männerrechtsbewegung missbilligt, sowie der Paar- und Sexualtherapeut Eilert Bartels, der aufhörte, sich als Feminist zu bezeichnen, nachdem er dessen Sichtweise als einseitig erkannt hatte. (Ich bin mit Eilert Bartels auf Facebook befreundet, wo er für eine Zusammenarbeit von Feminismus und Maskulismus plädiert.)



2.
Die #MeToo-Debatte hat gezeigt, wie oft Männer ihre Machtpositionen ausnutzen. Aber welche Rolle spielen dabei die Frauen? Machen sie sich schwächer, als sie sind? Festigen sie mit ihrem Verhalten nicht vielleicht sogar männliche Macht?


Hier geht es weiter mit dem Beitrag von Svenja Flaßpöhler.



3. Lucas Schoppe wird in einem aktuellen Beitrag, den Sie eigentlich genauso gut gleich im Volltext lesen könnten, grundsätzlich, was die politische Situation in unserem Land betrifft. Ich zitiere einmal sehr ausführlich:

Im Gespräch mit Kolleginnen erlebte ich neulich eine Reaktion, die mich überraschte. Ich hatte den Eindruck geäußert, dass wir uns langsam in die Richtung einer Politik nach DDR-Stil bewegen, hin zu einem ständig moralisierenden Autoritarismus. (...) Unser Kollegium ist politisch weit überwiegend rot-grün, aber die Kolleginnen stimmten sofort zu, als hätten sie längst dasselbe Gefühl. Nach vielen persönlichen Erfahrungen wie dieser bin ich mir sicher: Das Unbehagen an der Entwicklung unserer Demokratie ist nicht einfach ein spinnertes Ressentiment einiger "Lügenpresse"-Rufer von rechts, sondern reicht weit in ein links-liberales Spektrum hinein.

Das ist, insbesondere in dem großen Text von Leszek, ja auch hier im Blog immer wieder Thema gewesen: Im politischen Feld ersetzt das moralisierende Abqualifizieren des Gegners mittlerweile ganz selbstverständlich die Auseinandersetzung mit ihm – Gruppen kommunizieren intern und untereinander, aber nicht mit Akteuren aus anderen Gruppen – das Bewusstsein verschwindet, dass sich alle Beteiligten, und sei es aus noch so begrenzten Perspektiven, auf eine gemeinsame Wirklichkeit beziehen.

Bei aller Ablehnung der Positionen von rechtsaußen habe ich gleichwohl den Eindruck, dass diese Balkanisierung der Politik besonders intensiv von Gruppen betrieben wird, die sich als "links" verstehen.


Schoppe konkretisiert diese allgemeinen Gedanken nun anhand der Vorkommnisse um den Frankfurter Wissenschaftskongress gegen häusliche Gewalt vom vorvergangenen Wochenende:

AStA und Homosexuellen-Aktivisten organisierten Proteste und versuchten, den Kongress zu verhindern. Wie abgekoppelt von der Wirklichkeit ihre Begründungen waren, demonstrierten unbeabsichtigt zwei türkische Migranten, die bei dem Protest auftraten:

"Wir sind vor dem IS geflohen, jetzt müssen wir in einem der fortschrittlichsten Länder in Europa so etwas erleben."

So hat eben jedes Land seine unvorstellbaren inhumanen Schrecknisse: In dem einen wütet der massenmörderische Terror des IS, im anderen wird ein Kongress zur häuslichen Gewalt abgehalten. In einer bezeichnenden, an Orwell geschulten, aber gar nicht beabsichtigten Selbstironie bezeichnen die Demonstranten, die den Kongress über häusliche Gewalt verhindern wollten, ihre Aktionen als Demo für Akzeptanz und Vielfalt.

Nicht nur queer.de, die Quelle dieses Zitats, auch Medien mit dem Ruf der Seriosität wie die Frankfurter Rundschau, die Hessenschau oder bento vom "Spiegel" berichteten in ähnlich entkoppelter Weise über den Kongress. Dazu kamen schnell Akteure der Grünen, der SPD und, ausgerechnet, der Ex-SED. Sie fixierten sich auf die Unterstellung von Homosexuellenfeindlichkeit und blendeten ganz aus, worum es den Wissenschaftlern eigentlich ging.

Auch das ist, bei allen Unterschieden, eine Parallele zum DDR-Staat. Die völlig selbstverständliche Lancierung von Falschmeldungen, von denen eigentlich alle wissen, dass es Falschmeldungen sind, ist eine Machtdemonstration. Ich weiß, dass es falsch ist, was ich über Dich sage – Du weißt, das es falsch ist – andere wissen, das es falsch ist – aber ich sage es trotzdem, und Du kannst nichts daran ändern.

Der Faschismus-Vorwurf hat dabei eine ganz besondere Funktion. Für ein linkes Selbstverständnis muss der Marsch durch die Institutionen notwendig Widersprüche produzieren: Das Volk wird gegen die Herrschenden vertreten – aber die Vertreter gelangen dabei selbst in Herrschaftspositionen dem Volk gegenüber. Wenn diese Herrschaft dann nicht selbstverständlich akzeptiert oder bejubelt, sondern aus der Bevölkerung offen kritisiert wird, dann werden die Widersprüche sichtbar und erfordern eine Reaktion.

Der Faschismus wiederum ist ohnehin, und ja völlig zurecht, verbucht als destruktiver Volksverführer, als reaktionäre Propagandamaschine, der Einhalt geboten werden muss. Der beliebige Faschismus-Vorwurf zielt vor diesem Hintergrund gar nicht auf politische Inhalte und ist daher auch mit sachlichen Klärungen kaum zu entkräften. Er ist eine projektive Reaktion darauf, dass ausgerechnet die Menschen, für die linke Akteure Politik machen, gegen diese Politik aufstehen. Sie lassen sich dann als Verführte darstellen, aber eben gefährliche Verführte, denen Einhalt geboten werden müsse. Damit kann das Selbstverständnis aufrecht erhalten bleiben, gegen deren Proteste für diese Menschen Politik zu machen. "Ich liebe doch alle – ich liebe doch alle Menschen. Ich liebe doch."

Das hat nicht nur den Nachteil, dass so die Auseinandersetzung mit den eigenen, objektiven Widersprüchen vermieden wird. Tatsächlich wird auch unterschwellig ausgerechnet das faschistische Bild "des Volkes" übernommen, das verführbar, formbar, irrational und daher der Führung bedürftig wäre. Selbst wer die Menschen offen anlügt, kann sich dann einreden, er täte es nur in ihrem Interesse.

Wie massiv diese Fehleinschätzung ist, zeigt sich beispielhaft an der Frankfurter Rundschau, die einmal eine der wichtigsten Zeitungen des Landes war, die aber mittlerweile so viele Leser verloren hat, dass sie Zahlen zu ihrer Auflage schon seit einigen Jahren gar nicht mehr veröffentlicht (...). Die Leser, die dieser Zeitung verloren gingen, waren ja eben gerade keine Angehörigen einer verhetzten, "rechtsoffenen" Masse, sondern Linksliberale, und offenbar kritische Linksliberale.

Die DDR musste sich schließlich einmauern, um zu verhindern, dass die Menschen, die sie brauchte, scharenweise das Land verlassen (...). Das könnte eine wichtige Einsicht für unsere heutige Linke sein, ob nun für linksliberale Blätter oder für eine sozialdemokratische Partei: Wer sich darauf fixiert, die politisch Bösen zu identifizieren und draußen zu halten – der grenzt nicht das Böse aus, sondern verliert eben die Menschen, die er für eine humane Politik braucht.

Montag, April 23, 2018

Leitmedien verlieren weiter rasant an Auflage – News vom 23. April 2018

1. Obwohl sich viele Journalisten verlässlich an dem orientieren, was ihre Kollegen lesen möchten, ist die Auflage verschiedener Leitmedien im ersten Quartal des Jahres erneut drastisch gesunken. So hat beispielsweise der "Spiegel" im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2017 knapp 9 Prozent seiner Leser verloren. "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine" kamen mit lediglich zwei Prozent vergleichsweise glimpflich davon.



2. Sandro Groganz berichtet über die psychischen Folgen seiner Entrechtung als Vater.



3. Das nächste Kuckucksvätertreffen findet am 5. Mai in Bonn statt.



4. Der Londoner Marathon zog einigen Unmut auf sich, weil dort der "Geschlechtergerechtigkeit" zuliebe Männer schneller laufen mussten als Frauen, um antreten zu dürfen.

Samstag, April 21, 2018

Rückblickende Pressemitteilung Professor Gerhard Amendts zum Frankfurter Anti-Gewalt-Kongress

Mich erreicht gerade eine aktuelle Pressemitteilung, worin der Soziologe Professor Gerhard Amendt auf den Wissenschaftskongress über sinnvolle Maßnahmen gegen häusliche Gewalt zurückblickt, der letztes Wochenende an der Frankfurter Goethe-Universität stattgefunden hat. Genderama dokumentiert diese Pressemitteilung im Wortlaut:

Am vergangenen Wochenende haben ca. 150 Teilnehmer am Kongress "Familienkonflikt" teilgenommen. Der Kongress bot eine differenzierte Sicht auf partnerschaftliche Gewalt und deren Entstehung, die in der internationalen Forschung schon länger auf der Basis der empirisch bewiesenen Symmetrie der Gewalt zwischen Männern und Frauen entwickelt wird.

Die Vorträge der Wissenschaftler aus USA, Großbritannien und Israel stießen auf großes Interesse. Sie vermittelten einen Einblick in den Stand der Internationalen Forschung im Bereich der Partner- und Familiengewalt. Dabei ging es um Prozesse, die Gewalthandlungen vorausgehen und die für die praktische Arbeit wie die Gesundheitspolitik von Bedeutung sind. Unmittelbare Handreichungen für Beratung und Therapie konnte der Kongress nicht liefern. Die Assimilierung von neuem Wissen für die Praxis muss vor Ort geleistet werden. Zukünftige Kongresse sollen jedoch eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Berufspraxis verfolgen.

Der Kongress war von Protestaktionen und massiven Störungen begleitet. Sie waren gegen den Veranstalter, Kongress und Referenten gerichtet. Unwahrheiten und Schmähungen wurden durch einstweilige Verfügung des Gerichts oder Unterlassungserklärungen begegnet; u. a. der Frankfurter Rundschau, der Hessenschau.de und dem Merkurist als Quelle aller Falschbehauptungen.

Verwundert hat, dass die Präsidentin der Goethe Universität den Falschbehauptungen folgte und vom Veranstalter die schriftliche Zustimmung zum Werteverständnis der Universität - auch der Referenten – als Bedingung des Kongresses verlangte. Letztlich saßen mediale Berichterstattung, Demonstrationen und Universität einer Reihe von Unwahrheiten auf.

Der Kongress war ein Erfolg, weil er der den Teilnehmern den Blick auf die Forschungslandschaft im Ausland eröffnete. Die Bundesregierung ist daher gut beraten, mehr für die hiesige Forschung zu tun. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Kontrolle der Forschung über familiäre Gewalt vor allem durch das Familienministerium den Fortschritt hemmt und den Blick auf die Realität versperrt.

Vorträge und Bilder des Kongresses werden in Kürze auf familyconflict.eu zur Verfügung gestellt.

Gerhard Amendt

"Justizministerin Barley: Frontalangriff auf Meinungsfreiheit und Pluralismus" – News vom 21. April 2018

1. Die Selbstbestimmtheit der Bürger im Internet ist denjenigen Politikern, die ihre eigene Meinung flächendeckend durchsetzen möchten, weiterhin ein Dorn im Auge. So berichtet der Tagesspiegel über aktuelle Pläne von Justizministerin Katarina Barley (SPD):

Die Programme, mit denen etwa Facebook seinen Nutzern automatisiert ausgewählte Informationen bereitstellt, sollten laut Barley nicht allein darauf ausgerichtet sein, was einem gefällt. Es könnten auch andere Sichtweisen transportiert werden, "um einer kompletten Blasenbildung entgegenzuwirken", sagte die Ministerin bei einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Public Relations Gesellschaft und des Tagesspiegels zu Hassreden im Internet und dem umstrittenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Als Beispiel nannte sie Berichte über Flüchtlinge oder Themen aus der Geschlechterdiskussion.


Das ist natürlich schon deshalb absurd, weil es dieses Pluralismusgebot in den etablierten Medien nicht gibt. So wird die feministische Weltanschauung auf allen Kanälen propagiert, während über die Anliegen von Männerrechtlern nur in homöopathischen Dosen berichtet werden darf und fast immer in Verbindung damit, dass man diese Männerrechtler rufmörderisch niedermacht.

Aber auch anderweitig ist Barley Forderung nach einer Verpflichtung, dass ihre Auffassungen sogar in private Facebook-Debatten einfließen sollen, problematisch. Alexander Wallasch erklärt, warum Barleys Forderung " verstörend" wirken müsse, wenn man ein Gedächtnis für "die leidvollen Erfahrungen aus Nationalsozialismus und DDR-Diktatur" besitze: "Was die Justizministerin da vorschlägt", so Wallasch, "so etwas muss man sich erst einmal trauen, überhaupt öffentlich zu äußern."

Wallasch führt hierzu aus:

Nun ist man von etablierten Machtstrukturen in Demokratien mittlerweile einiges gewöhnt, aber hier ist eine Steigerung in einer Wucht erkennbar, mit der das Justizministerium den von Heiko Maas gesetzten Frontalkurs gegen das demokratische Wertesystem noch einmal eskaliert. (...) Eine, die man ohne Übertreibung als direkte Kampfansage gegen die außerparlamentarische Opposition bezeichnen darf. (...) Denn wer wie Barley im digitalen Zeitalter eine "Pluralismus-Pflicht" fordert, der muss etwas anderes im Sinn haben, stehen doch die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen im besonderen Maße für eben das: Einen Meinungspluralismus, wie es ihn zuvor nie gegeben hat. Einen, der die mit dem politischen System der Bundesrepublik eng verwobenen etablierten Medien auf besondere Weise herausgefordert hat. Nie zuvor war die Opposition so meinungsstark aufgestellt. Das System einer Opposition nach Leitmedien-Gnaden hat ausgedient. (...) Die kritisierten Bürger waren nicht mundtot zu bekommen, sie wandten sich einfach von diesen sie bevormundenden Medien ab, anstatt mit ihnen in ein streng von den Medien kontrolliertes Zustimmungs-Ping-Pong zu gehen.


Wallasch zitiert in diesem Zusammenhang eine späte Erkenntnis des "Zeit"-Chefredakteuers Giovanni di Lorenzo:

"… ohne Not haben wir uns wieder dem Verdacht ausgesetzt, wir würden mit den Mächtigen unter einer Decke stecken, wir würden so uniform berichten, als seien wir gesteuert."


Statt aus dieser Erkenntnis zu lernen, wolle das politische Establishment nun offenbar die eigene Propaganda in sozialen Netzwerken zwangsimplementieren: "Das von Skandalen rund um massiven Datenmissbrauch erschütterte und geschwächte Facebook beispielsweise soll nun zu nicht weniger genötigt werden, als dazu, dem Nutzer per Algorithmen regierungskonforme leitmediale Texte in seine Timeline einzuspielen."

Allerdings steht zu befürchten, dass Facebook nur den Anfang darstellt. Ich bin gespannt, wann die ersten Sozialdemokraten fordern werden, dass auch Blogs wie Genderama verpflichtet werden sollten, Auffassungen wie, es gebe einen "Gender Pay Gap", ein "Frauen unterdrückendes Patriarchat" und eine "Rape Culture" zu verbreiten. Natürlich nur dem Meinungspluralismus zuliebe.



2. Währenddessen sind liberale Geisteshaltungen nicht totzukriegen: Das Gedicht "Avenidas", das von der Fassade einer Berliner Hochschule entfernt wurde, nachdem Feministinnen es als "sexistisch" anprangert hatten, geht jetzt auf Deutschlandtour.



3. Die US-amerikanische Feministin Kristen Hatten hat sich unmittelbar nach dem Wahlsieg Donald Trumps dessen Lager angeschlossen

Hatten begann, sich als "Ethnonationalistin" auf Twitter zu präsentieren, und teilte eine Reihe von Botschaften weißer Überlegenheit, darunter eine, die Russland für seine "weiße Identität" lobte.

Sie erzählte der Huffington Post, die ursprünglich über die Geschichte berichtete, dass sie "nach heutigen Maßstäben rassistisch" sei, aber bestritt, an eine Überlegenheit von Menschen mit weißer Hautfarbe zu glauben.

"Ich sehe, dass Europa und die USA ... naja, nicht europäisch werden", sagte sie. "Das besorgt mich – nicht, weil ich jemanden hasse, sondern aus dem gleichen Grund, warum Japan besorgt wäre, wenn die Japaner eine Minderheit in Japan werden würden. Kein Volk sollte begeistert davon sein, eine Minderheit in seinem Heimatland zu werden. Es widerspricht der menschlichen Natur. Ich würde es von keiner Rasse erwarten und ich denke nicht, dass es von Weißen erwartet werden sollte."

Freitag, April 20, 2018

"Das ist die Talibanisierung unserer Lebenswirklichkeit" – News vom 20. April 2018

1. Zu den Menschen außerhalb der journalistischen Filterbubble, die den herrschenden Feminismus kritisieren, stößt jetzt auch der Maler Neo Rauch. Im Interview mit dem "Handelsblatt" erklärte er:

Als jemand der (...) in der DDR aufgewachsen ist, spielte der Feminismus für mich natürlich überhaupt keine Rolle. Die Frauen waren in der DDR gleichberechtigt. Sie haben das Gleiche verdient wie die Männer und sie waren in jeder Hinsicht sehr selbstbewusst, auch in erotischer. Sie meldeten ihre Bedürfnisse ganz ungefiltert an. Und dann brach die Wende über uns herein und es veränderte sich sehr viel im Miteinander der Geschlechter. Das nimmt jetzt Fahrt auf in einer Art und Weise, der ich nicht immer ganz folgen kann. Auch nicht folgen will. Diese Übersensibilität, die jetzt Raum greift, die oftmals über das Ziel hinausschießt …

Handelsblatt: ... wenn zum Beispiel in Berlin das Gedicht "Avenidas" von einer Hauswand entfernt wird, weil es angeblich frauenfeindlich ist?

Rauch: Grauenvoll! Das ist eine Talibanisierung unserer Lebenswirklichkeit, die einem vorauseilenden Gehorsam entspricht, den ich nur verabscheuen kann. Ich schlage vor, anstelle der "Avenidas" folgende Zeilen von Bertolt Brecht anzubringen: "... oh wenn Ihr wüßtet, wie ich leide, seh ich eine schöne Frau, die den Steiß in gelber Seide schwenkt im Abendhimmelblau". Immerhin ein linker Autor, schon mal gut!


Diesen vorauseilenden Gehorsam, so Rauch und seine ebenfalls intervewte Partnerin Rosa Loy, kenne man aus der DDR sehr gut, auch wenn es dort kein Verbrechen gewesen sei, der Schönheit der Frau eine Huldigung darzubringen.

Großformatige Werbeplakate mit spärlich bekleideten Frauen empfindet Rauch weniger frauen- als männerverachtend: "Man wird auf das Stadium eines Straßenköters heruntergestuft, wird auf seine Reflexstruktur reduziert." Auf eine Frage zur "männerdominierten" Kunstbranche erwidert Rauch:

Es ist ja nicht so, dass nur die Männer die Bösewichte sind. Es gibt mitunter auch in unserer Branche Frauen, vor denen man die Frauen eigentlich in Schutz nehmen sollte. Rosa, wir haben das schon oft erlebt, dass gerade du von Frauen ausgegrenzt wurdest, von Galeristinnen oder von Jurorinnen. Es waren fast immer die Frauen, die sich gegen dich verschworen haben.




2. "Die Genderisierung im Sprachgebrauch nervt" befindet Sophie Rauch in einem Leitartikel des Hamburger "Abendblatts".



3. Der Chefredakteur Jens Clasen betreibt auf Twitter "Virtue Signalling", indem er sich als besonders frauenfreundlicher Mann präsentiert, der sogar die Straßenseite wechsele, wenn vor ihm eine Frau jogge. Dafür wird er inzwischen reihenweise verarscht.



4. Das Magazin "Neon" war eine der ersten Zeitschriften, die Männerrechtler als Deppen darstellte. Jetzt wird das Heft wegen einer katastrophal niedrigen Auflage eingestellt. Hätte man die Menschen außerhalb der journalistischen Filterbubble vielleicht doch etwas ernster nehmen sollen?



5. In einem Artikel darüber, wie er als Hausmann scheiterte, berichtet Oliver Füglister vom Argwohn von Müttern und wie ihn seine Frau nicht mehr als männlich-begehrenswert wahrnehmen konnte. ("Sie wünschte sich einen Mann, der 'voll und ganz im Leben' steht (...), auf den sie 'stolz' zeigen könne.")

Bemerkenswert sind in dem Beitrag Zeilen wie "Ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles". Wenn Frauen sich in dieser privilegierten Situationen befinden, werden sie von Feministinnen wie Betty Friedan mit Häftlingen von Konzentrationslagern verglichen, und die deutsche Feministin Bascha Mika fabuliert: "Wir sind Geiseln, die gelernt haben, ihre Geiselnehmer zu lieben." Es ist immer weider erstaunlich, wie identische Lebenssituationen mal als enormes Glück und mal als unsägliches Verbrechen dargestellt werden, je nachdem ob ein Mann oder eine Frau davon betroffen ist.



6. Die Nachrichtenagentur Associated Press widmet sich den männlichen Opfern sexueller Übergriffe, die von der MeToo-Kampagne weitgehend ignoriert wurden:

Für einige männliche Opfer von sexuellen Übergriffen und Missbrauch, kann sich #MeToo mehr wie #WhatAboutMe anfühlen?

Sie bewundern die Frauen, die über traumatische Erfahrungen als Opfer von Übergriffen und Belästigungen sprechen, und fragen sich, ob Männer mit ähnlichen Narben jemals ein vergleichbares Maß an öffentlicher Empathie und Verständnis erhalten werden.

"Weil die Bewegung ausschließlich mit Frauen begann, fördert sie meine Einsamkeit als ehemaliges Opfer", sagte Chris Brown, Musikprofessor an der University of Minnesota. Er gehörte zu mehreren Männern, die im Dezember den berühmten Dirigenten James Levine beschuldigten, sie vor einigen Jahrzehnten als Teenager missbraucht zu haben, was zu Levines kürzlicher Entlassung durch die Metropolitan Opera Company führte.

"Männer gelten historisch gesehen als die Bösen", erklärte Brown und verwies auf die öffentliche Meinung. "Wenn einige Männer Frauen missbrauchen, dann sind wir alle Missbraucher ... also verdienen wir es, dass wir selbst missbraucht werden."

Browns Gefühl der Distanz zur #MeToo-Bewegung wird von anderen missbrauchten Männern geteilt - einige von ihnen haben einen #MenToo-Hashtag auf Twitter benutzt.

"Wir sind nie willkommen bei der Parade", sagte Andrew Schmutzer, Professor für Bibelstudien am Moody Bible Institute in Chicago, der über Missbrauch als Teenager geschrieben hat.

"Als männlicher Überlebender bist du immer eine Ergänzung", sagte er. "Du bist nie das Hauptthema einer Unterhaltung."

(....) Der New Yorker Psychoanalytiker Richard Gartner, ein Mitbegründer von MaleSurvivor, sagt, es gebe ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für den sexuellen Missbrauch von Männern in der Kindheit als Folge der großen Aufmerksamkeit für Skandale innerhalb der römisch-katholischen Kirche und an der Penn State University, wo Jerry Sandusky ein Assistenztrainer war, bevor er 2012 wegen sexuellen Missbrauchs von zehn Jungen verurteilt wurde. (...) Die Skandale der katholischen Kirche und des Penn State verstärkten die weit verbreitete Auffassung, dass der sexuelle Missbrauch des Kindes überwiegend von Männern begangen wird, aber Gartner sagte, dass der Missbrauch von Frau zu Mann "nicht so selten ist, wie man denkt".

Laut einer groß angelegten Studie, die 2005 von Forschern der Federal Centers for Disease Control and Prevention veröffentlicht wurde, machten weibliche Täter 40 Prozent des sexuellen Missbrauchs von Jungen aus. Die Studie ergab, dass sowohl Männer als auch Frauen, die als Kinder missbraucht wurden, doppelt so häufig wie andere Menschen später im Leben Selbstmord begehen.

(....) Joan Cook, die Yale Professorin, sagte, sie sei begeistert von der Größe der #MeToo Bewegung, aber frustriert im Namen der misshandelten Männer, die "nicht unter dem Zelt eingeschlossen zu sein scheinen".

"Frauen haben so lange darauf gewartet, dass sie ihr Recht bekommen, also gibt es vielleicht eine Haltung von: 'Nimm mir nicht meine Stimme weg'", sagte Cook. "Aber es ist kein Wettbewerb. Auch Männer haben lange gewartet, und sie sollten nicht warten müssen. Sie sollten jetzt gehört werden."

Donnerstag, April 19, 2018

Ministerin Giffey (SPD) will wegen Frauenquote mehr Druck machen – News vom 19. April 2018

1. Von wegen Erneuerung: Die SPD hat nichts das Geringste aus ihrem Absturz beim Wähler gelernt und macht weiter im gewohnten Trott.



2. Noch im Jahr 2018 muss man die Menschenrechte vor den großen Religionen retten: Die obersten Katholiken Islands prangern das dort geplante Gesetz gegen Beschneidung als antisemitisch an: "Das bringt uns zurück ins Jahr 1933, als Hitler die Macht in Deutschland übernommen hat. Und wir wissen, wie das endete."

Mit dem winzigen Unterschied, dass sich deutsche Juden vor Hitlers mörderischem Antisemitismus nicht schützen konnten, indem sie eines ihrer Rituale änderten.



3. CNN bewegt sich mit einer aktuellen Schlagzeile am Rande der Ketzerei: "It's okay to criticize the MeToo Movement".

Mittwoch, April 18, 2018

"Verleumdung und Niederbrüllen von Wissenschaft als Frühlingsspaziergang" – News vom 18. April 2018

1. Auf der Website von Roland Tichy beschäftigt sich Zara Riffler, selbst Studentin an der Frankfurter Goethe-Universität, mit den absonderlichen Reaktionen auf Professor Amendts Anti-Gewalt-Kongress:

Frankfurt galt lange als weltoffene, liberale Stadt. Wer dort heute einen wissenschaftlichen Kongress abhält, läuft Gefahr, in das Visier der rotgrünen Stadtpolitik, schlampig arbeitender Zeitungen und rotgrüner Studentenvereinigungen zu geraten.


Hier geht es weiter. Für den in Gänze lesenswerten Artikel hat Zara Riffler auch bei den Gegnern des Kongresses gründlich recherchiert und arbeitet mit punktgenau treffenden Formulierungen heraus, warum die Anfeindungen gegen den Kongress so unsäglich waren. Ich halte den Artikel für derart gelungen, dass ich regelrecht verwundert darüber bin, dass es sich um die erste Online-Veröffentlichung dieser jungen Autorin handelt. Chapeau!



2. Ebenfalls bei Roland Tichy fragt Rainer Zitelmann besorgt, ob die FDP jetzt dem (vermeintlichen) feministischen Zeitgeist hinterher laufe.



3. Heide Oestreich hat in der "taz" die Frauenrechtlerin Sonja Fatma Bläser zu der aktuellen Streitfrage interviewt, ob junge Mädchen das Kopftuch tragen sollten. (Oestreichs eigenes Buch zum Kopftuch-Streit ist übrigens vor allem zum Schluss hin wunderbar differenziert.) Das Interview enthält auch eine für Männerrechtler relevante Passage:

Oestreich: Aber dann müsste man doch sicher auch sagen: Die Beschneidung eines kleinen Jungen gefährdet das Kindeswohl mindestens genauso, oder?

Bläser: Ja. Die Beschneidung sollte auch verboten werden. Auf den Jungen liegt doch auch dieser furchtbare Druck: Wer nicht beschnitten ist, ist kein richtiger Mann. Der kann in der Dusche vor den anderen nicht bestehen. Es gibt Menschen, die fragen den Metzger ihres Halal-Fleisches, ob er denn auch "rein" ist! Viele junge Männer haben uns schon gesagt, dass sie sich nicht hätten beschneiden lassen, wenn sie selbst hätten entscheiden dürfen. Ich bin dafür, dass Kinder, bis sie religionsmündig sind, überhaupt nicht religiös "behandelt" werden dürfen.




4. Die Tagesschau beschäftigt sich mit der Verfolgung von Schwulen in der islamischen Welt und was deutsche Muslime dazu sagen.



5. Finnische Männer befinden sich aufgrund ihrer schlechten sozialen Lage in einem Zeugungsstreik:

Während rund 10 Prozent der Frauen einkommensschwach seien, so wären es unter den Männern bereits 18 Prozent, Tendenz weiter steigend. (...) Grund dieser Entwicklung sei auch eine allgemeine Marginalisierung der finnischen Männer in der Ausbildung. Die Familien-Soziologin Anna Rotkirch von der Universität Helsinki sieht das Problem schon in der Schule angelegt. "Wenn die Ergebnisse der Förderungspädagogik der Mädchen so schlecht wären wie die der Jungen, wäre das ein nationaler Skandal", erklärt sie der Zeitschrift "Talouselämä". (...) Gleichzeitig gelten in Finnland immer noch die gleichen Vorstellungen, dass Männer alles ertragen müssen, während Frauen mit Problemen Hilfe zusteht, wie ein Männergleichberechtigungsverein bemängelt.


Bislang hat die finnische Regierung auf diese Situation reagiert, indem sie Verkehrsschilder in geschlechtsneutrale Piktogramme änderte, an Kindergärten den Vatertag abschaffte und das Buch "Mehr Feminismus!" der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie an alle Neuntklässler des Landes kostenlos verteilen ließ. Es herrscht also derselbe ideologisierte Irrsinn wie hierzulande.

Der von mir gerade zitierte "Telepolis"-Beitrag enthält auch eine Umfrage dazu, ob Männer zum schwachen Geschlecht geworden seien. Die erste mögliche Antwort, "Nein, das ist nur Gejammere, wel es mehr Gleichberechtigung gibt", liegt bei 16 Prozent. Die zweite Antwort, "Ja, es gibt eine Krise der Männlichkeit und eine Tendenz zur Männerdiskriminierung" liegt bei 84 Prozent.

Allerdings besitzen die 16 Prozent in unseren Leitmedien die Macht.



6. In der Genderama-Rubrik über den Kampf für Männerrechte in einem aus unserer Perspektive "exotischen" Land geht es heute um Malawi.

Dienstag, April 17, 2018

FAZ zieht Fazit zu Anti-Gewalt-Kongress: "Professor Amendts schmerzhafte Therapie"

In einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine, der leider nur im Anriss online steht, zeigt Sascha Zoske, dass man sich auch sachlich und unaufgeregt statt ressentimentgetrieben mit Professor Gerhard Amendts Kongress zur Bekämpfung von Gewalt in der Partnerschaft befassen kann.

"Auch wenn manche Erregungs-Leiter mit blinden Flecken auf dem rechten oder linken politischen Auge es anders sehen werden: Der gute Ruf der Uni Frankfurt hat an diesem Wochenende nicht gelitten" stellt Zoske schon zu Beginn seines Artikels fest. Glücklicherweise sei

die Hochschule nicht der Versuchung erlegen, den Kongress mit zweifelhafter Begründung zu verhindern. Und gleichfalls zum Glück haben sich Amendts Gegner, die ihm Frauen- und Schwulenfeindlichkeit vorwerfen, nicht zu Gewalt hinreißen lassen. (...) Recht hat ein Wortführer aus dem Lager der Gegendemonstranten, der am Samstag in kleiner Runde feststellte, ohne die Beteiligung Amendts und des ebenfalls der 'Männerrechts-Bewegung' zugeordneten Mitorganisators Tom Todd wäre der Kongress in der Öffentlichkeit kaum beachtet worden.


Ich sehe das offen gesagt genauso. Indem manche Blätter unaufhörlich gegen den Kongress polemisierten und zugleich zeigten, dass sie weder ernsthaftes Interesse noch tiefer gehende Vorkenntnisse besitzen, was sein Thema angeht, haben sie eine Aufmerksamkeit erzeugt, auf die die Veranstaltung sonst hätte verzichten müssen. Auch deshalb hat Genderama sehr ausführlich über solche Attacken berichtet, zumal mich die hohen Zugriffszahlen auf diese Beiträge bestätigt haben. Das war einer der Fälle, wo Genderama nicht nur von den Stammlesern dieses Blogs aufgesucht wurde.

Sascha Zoske berichtet weiter:

Was die angereisten Forscher aus England, Amerika und Israel zum Thema Familientherapie vortrugen, war wenig anstößig – so sah es jedenfalls Uni-Kanzler Albrecht Fester, der sich von den Vorträgen hatte berichten lassen. Ein Vertreter des "queerfeministischen Schwulenreferats" sagte bei der Gegenkundgebung am Samstag, Amendts Einführungsreferat habe wegen seines "Antifeminismus" Unmut bei manchen Zuhörern geweckt, die daraufhin den Saal verlassen hätten. Mit empörenden Zitaten aus dem Munde des 78 Jahre alten Professors konnte der Aktivist allerdings nicht aufwarten.


Zoske äußert Verständnis dafür, dass ein im Jahr 2004 veröffentlichter Aufsatz Amendts über Homosexualität und Pädophilie auch mehr als zehn Jahre später und nachdem Amendt seine früheren Formulierungen inzwischen selbst kritisch sieht, Unmut auslöste. Bedauerlich sei es, dass es zu keiner öffentlichen Diskussion zwischen Vertretern beider Seiten über die Inhalte des Kongresses gekommen sei, sondern der Linken-Bundestagsabgeordnete Achim Kessler Amendt stattdessen in eine Kategorie einsortierte,

die bisher für Figuren wie Baschar al-Assad und Anders Breivik reserviert schien: die der Urheber "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit", die nach Kesslers Überzeugung keine Meinungsfreiheit für sich beanspruchen können. Schon gar nicht an einer Hochschule.


Der Bundestagsabgeordnete Achim Kessler, der sich in einem offenen Brief für die Unterbindung des Wissenschaftskongresses eingesetzt hatte, zählt der Wikipedia zufolge zur LGBT-Bewegung, er studierte in Marburg und ist Mitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Sascha Zoske berichtet in seinem FAZ-Artkel weiter:

Wenig überraschend, dass Kessler sich am Samstag über die Frankfurter Uni-Präsidentin Birgitta Wolff empörte. Sie hatte den Linken in ihrer Antwort auf dessen Protestbrief gegen den Amendt-Kongress auf eine Selbstverständlichkeit hingewiesen, die anscheinend nicht mehr selbstverständlich ist: Universitäten müssen Orte des Meinungsstreits sein. Daran erinnert auch Joybrato Mukherjee, Präsident der Uni Gießen und Sprecher der Konferenz hessischer Universitätspräsidien.

(...) Amendts gemäßigte Kritiker würden sich scheuen, ihn einen Verfassungsfeind zu nennen. Aber viele von ihnen finden schon, jemand mit seinen Ansichten habe in einer weltoffenen Forschungs- und Bildungsstätte nichts verloren. Das aber verkleinert das Terrain des Tolerierbaren in unzulässiger Weise, wie auch Frank Dievernich deutlich macht. "Eine Hochschule darf eine Veranstaltung nicht absagen, weil diese gegen den 'guten Ton' verstößt", mahnt der Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences und Sprecher der hessischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften. "Der wahre gute Ton ist der Ton des Diskurses."


Der Gießener Unipräsident Mukherjee, so Zoske, sei ohnehin sensibilisiert für die drohende Einschränkung der Meinungsfreiheit im akademischen Sektor:

Als Anglistikprofessor verfolgt Mukherjee aufmerksam die Entwicklungen an amerikanischen und englischen Universitäten. Kollegen haben ihm berichtet, in manchen Hochschulen bekämen die Dozenten Listen mit Wörtern, die im Umgang mit Studenten zu vermeiden seien, weil sich bestimmte Gruppen dadurch angegriffen fühlen könnten. Mukherjee, in Deutschland geborener Sohn indischer Eltern und SPD-Mitglied, hält das für Irrsinn. Er beklagt eine zunehmende "Weinerlichkeit" in den Universitäten, einhergehend mit dem Unwillen, Ansichten, die den eigenen entgegenstehen, überhaupt zur Debatte zuzulassen.


Als Ursache für diese Entwicklung betrachte Frank Dievernich die wachsende Bedeutung des Individuums bis hin zur Selbstinszenierung in unserer Gesellschaft, wobei kritische Selbstreflexion verloren zu gehen drohe. Auch gaukele "die Digitalisierung dem Menschen vor, er sei Herr seines Wissens, obwohl sie ihn in Wahrheit komplett überfordert. Das alles kann dazu führen, dass jemand sich nichts mehr sagen lassen will und sich von allem und jedem verletzt fühlt."

Zoske vermutet, dass Amendts Widersacher dessen Kongress "ohne bleibende psychische Schäden verkraften" dürfen und sieht in dieser Veranstaltung somit die "erste Stufe einer Desensibilisierungs-Therapie". Diese könne als erfolgreich gelten, wenn jemand mit unliebsamen Meinungen nicht lediglich ertragen werde, sondern man sogar in der Lage sei, mit so jemandem sachlich zu diskutieren: "Gewiss wird sich der Therapiefortschritt bald überprüfen lassen. Der nächste Amendt kommt bestimmt."

FDP denkt über Frauenquote nach – News vom 17. April 2018

1. Die "Welt" berichtet über aktuelle Diskussionen bei den Freidemokraten:

Lassen sich Parteiveranstaltungen frauenfreundlicher organisieren? Braucht es spezifische Kampagnen zur Gewinnung weiblicher Mitglieder? Braucht es mehr gendergerechte Sprache in der Kommunikation oder Schulungsprogramme zum Diversity Management, vor allem für Männer? Darüber hinaus wagt sich die Partei aber auch an Tabus heran. So lehnte die FDP Zwangsquoten bislang stets ab. Nun aber wird die Einführung einer "Fallbeil-Quote" vorgeschlagen – für den Fall, dass eine Selbstverpflichtung, "ein Drittel Frauenpartizipation auf Bundes- und Landesebene als formale Zielsetzung" zu erreichen, ihr Ziel verfehlt.


Man kann nur hoffen, dass sich bei den Liberalen die Kräfte, die sich gegen Geschlechterdiskriminierung engagieren, durchsetzen. Wenn die FDP auch hier von all den anderen Bundestagsparteien ununterscheidbar wird, dürften sich viele Wähler nach einer Partei umsehen, die ihnen als einzige Alternative erscheint.

Immerhin lehnen die FDP-Frauen eine Frauenquote eher ab:

Dass am Montag aber zur Abwechslung Generalsekretärin Nicola Beer im Anschluss an die Präsidiumssitzung über die Gespräche informierte und nicht Parteichef Lindner, lässt sich allerdings eher als Zeichen deuten, dass es bis zur Quote noch ein langer Weg sein dürfte - wenn sie denn überhaupt kommt. Beer gilt als Quotengegnerin. Sie machte klar, dass das Präsidium keine Entscheidung darüber getroffen habe. "Da ist nicht festgelegt: die Quote kommt", sagte Beer. Sie werde als eine unter anderen Maßnahme mitgeprüft. Sie selbst habe eine "relativ große Skepsis", was alle Formen von Quoten betreffe.


Diese Skepsis sei auch der Tatsache zu verschulden, dass eine Frauenquote keineswegs immer zu dem erhofften Resultat führt. Während etwa die Grünen, die eine 50-Prozent-Frauenquote einhalten, auch überdurchschnittlich viele weibliche Wähler für sich gewinnen konnten, hatte die Quote bei der Linkspartei keineswegs denselben Effekt.

Nimmt man allein die drei im Präsidium vertretenen Frauen zur Grundlage, hätte eine Quote kaum Chancen. FDP-Vize Katja Suding lehnt sie klar ab. Sie sagte der Süddeutschen Zeitung: "Eine feste Quote halte ich nicht für zielführend. Wir sind die Partei des Wettbewerbs, die jeweils Besten sollen sich durchsetzen". Die dritte Frau im engsten Führungszirkel der Partei, Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist die einzige, die eine gewisse Offenheit für eine Quote erkennen lässt. Sie sagte vor einigen Tagen in der Frankfurter Allgemeinen, ihr innerer Kompass sage zwar "Nein zur Quote", da aber das Prinzip Freiwilligkeit am Beispiel der Unternehmen keinen wirklichen Erfolg gezeigt habe, sei sie hin- und hergerissen, "eine Zeit lang eine Quote mal auszuprobieren". Bei derart wenig Rückhalt unter den Frauen in der Parteispitze dürfte eine Quote wohl weiter eher wenig Chancen haben.


Stattdessen überlegt man bei den Liberalen, mit welchen anderen Maßnahmen die Partei für Frauen attraktiver gemacht werden kann – und mehr Frauen für Kandidaturen für Funktionen und Mandate gewonnen werden können. Als Mitglied einer 14-köpfigen Arbeitsgruppe, die darüber nachdenkt, beschäftigt sich Suding mit entsprechenden Konzepten. Kann Parteiarbeit familienfreundlicher organisiert werden? Gibt es Themen, die Frauen stärker interessieren? Erste Ergebnisse dürften schon auf dem Parteitag Mitte Mai präsentiert werden.

Dem "Tagesspiegel" ist das Thema "Frauenquote in der FDP" eine Glosse wert. Dort heißt es:

Wenn nun aber nicht genug Frauen kandidieren, weil sie zum Beispiel einfach keine Lust auf Politik haben? Dann muss das Fallbeil weiter vorn aufgestellt werden, beim Parteieintritt. "Nein, Herr X", wird es dann heißen, "Sie kommen hier erst rein, wenn vorher zehn Frauen eingetreten sind. Kennen Sie eventuell welche?" Beraten soll über dieses Thema eine "Ad-hoc-Arbeitsgruppe Diversity Management". Das klingt ganz so, als sei der gesamte Anlauf auch schon wieder gescheitert.




2. "Heute" stellt Kyle und Brent Myer mit ihrem Sprössling Zoomer vor. Zoomer soll später einmal selbst entscheiden, ob das das Kind ein Junge oder ein Mädchen werden will. Durch diese Form des "Gender Creative Parenting" soll Zoomer vor "gegenderten Mikroaggressionen" geschützt werden.



3. Hadmut Danisch hat mal wieder eine journalistische Veranstaltung zur "Hate Speech" besucht, diesmal veranstaltet von Jakob Augstein und Dunja Hayali, denen Danisch dann auch ein paar kritische Fragen stellte.



4. Robert L. Reece ist ein linksliberaler schwarzer Professor für Soziologie an der Universität von Austin. Insofern mag es nicht überraschen, dass er zum Opfer von Hate Speech und übergriffiger Belästigung wurde. Überraschender allerdings ist, von wem die Feindseligkeiten ausgehen.

Reece gibt an seiner Hochschule einen Kurs zum Thema "Masculinities in America". Darin geht es um Themen wie transsexuelle Männer, weibliche Männlichkeit, den Platz von Männern im feministischen Diskurs sowie sexuelle Gewalt. In einem Artikel, den Reece für die feministisch geprägte News-Website "Vox" verfasste, berichtet er von einem seiner Studenten in diesem Kurs:

Der Schüler in der ersten Reihe fiel mir auf. Er war ein Athlet, und ich war stolz auf sein Wachstum während des Semesters und seine Beschäftigung mit komplexen Vorstellungen von Männlichkeit. Aber dieses Gespräch schien ihn anders zu beeinflussen. Er wirkte auf untypische Weise, als ob er sich unbehaglich fühlte.

Er und ich kommunizierten nach dem Unterricht per E-Mail. Er sagte mir, dass es schwierig sei, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und dass er darum kämpfte, vergangene Begegnungen mit seinem neuen Wissen um Zustimmung und Zwang zu versöhnen. Ich sagte ihm, ich verstünde, wie bedrückend es sein könne, sich an diese Erfahrungen zu erinnern, aber ich betonte, wie wichtig es sei, dieses Unbehagen auszuhalten und daraus zu lernen. Ich schlug ihm vor, die Beratungsstelle zu besuchen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er es je getan hat.


Vielleicht ahnen Sie schon, was nach der Veröffentlichung dieses Artikels passierte – schließlich leben wir im Zeitalter von MeToo. Das konservativ-liberale Magazin "The American Spectator" berichtet über die weitere Entwicklung:

Reeces Versäumnis, seinen Schüler den Campusbehörden zu melden, erweckte den Zorn einer lokalen Campus-Antifa-Gruppe, der Revolutionary-Student-Front Austin, die behauptet, der Akademiker sei "ein Serienvergewaltiger, Missbrauchstäter und Manipulator".

In einem Facebook-Beitrag vom 26. März erklärt die RSF, deren Logo das kommunistische Symbol Hammer und Sichel enthält, dass "Reeces einzige Lösung", nachdem "ein männlicher Student durch diesen Kurs erkannt hat, dass er nicht in all seinen sexuellen Begegnungen Zustimmung erhalten hat", darin bestand, "ihn kurz per E-Mail zu beraten und eine Campus-Beratung vorzuschlagen - nicht durchzusetzen".

Ähnlich wie in Kafkas "Prozess" argumentiert die RSF, dass Reece es versäumt habe, seinen seit kurzem schuldgeplagten Schüler zu melden, was den Professor zu einem Unterstützer von Vergewaltigung mache:

"Wir finden, dass dies ein direkter Beweis dafür ist, dass Reece eine aktive Bedrohung für Studenten auf dem Campus darstellt. Durch seinen Kurs ist er auf einzigartige Weise in der Lage, potenzielle Vergewaltiger zu identifizieren, aber er tut nichts, um sie aufzuhalten - und schlimmer noch, er zeigt ihnen sein Mitgefühl als Frauenhasser und Missbrauchstäter."

(...) Die Angelegenheit wird für Reece dadurch verkompliziert, dass die Podcasterin Jazmine M. Walker, eine ehemalige College-Freundin, nach der Veröffentlichung seines "Vox"-Artikels behauptet, dass Reece sie vor sechs Jahren "zu einem unerwünschten Sexualakt gezwungen hat", so ein Vermerk, den "Vox" dem Artikel am 27. März beigefügt hatte. Nachdem sein Artikel online gegangen war, tweete Reece: "Ich war früher übergriffig [im Original: "coercive"], besonders bei meiner Ex vor zehn Jahren." Es scheint keine Strafanzeige gegen Reece vorzuliegen.

Die RSF ist nicht daran interessiert, die Mühlen der Justiz ihre Arbeit tun zu lassen. Stattdessen hängte die Gruppe Plakate mit aufstachelnden Texten und einem großen Nahaufnahme-Foto von Reece auf, das die Studenten ermunterte, ihn zu verfolgen und zu belästigen.

"Lassen Sie Reece wissen, dass die Studentenschaft ihn beobachtet, indem Sie ihm eine E-Mail schreiben, anrufen oder ihn in seinem Büro besuchen" fordert das Plakat auf.

Die RSF drängt auf ein "Brennendes-Bett-Vorgehen" gegenüber Reece und anderen. "Veränderung ist für uns nicht unerreichbar", heißt es in ihrem Facebook-Feed. "Auf reaktionäre Gewalt wie Vergewaltigung und häusliche Gewalt und Folter kann nur mit revolutionärer Gewalt reagiert werden. Wir müssen Gewalt zurückerobern, damit jeder Täter nie wieder Frieden in seinem eigenen Haus und an seinem Arbeitsplatz findet."




5. Genderama sprengt mal wieder Geschlechterklischees: Wie stellen Sie sich zum Beispiel jemanden vor, der wegen häuslicher Gewalt zu mehr als sieben Jahren Knast verurteilt wurde? Ich meine, erst mal so rein optisch, aber auch vom sozialen Hintergrund her?



6. Dr. Niall McCrae, ein Dozent für psychische Gesundheit am Londoner King's College, fordert, die Beschneidung von Jungen solle wie weibliche Genitalverstümmelung betrachtet werden. Seinem Eindruck nach haben Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens jedoch zu viel Angst, ein Beschneidungsverbot anzustoßen, weil dieses Ritual mit der jüdischen und muslimischen Kultur verbunden sei.

In einem Artikel für die Akademiker-Website "The Conversation" führt McCrae aus:

Als Dozent im Gesundheitsbereich bin ich beunruhigt über jeden Arzt, der diese Handlung eher für religiöse als für klinische Zwecke ausführt. Es bricht den hippokratischen Eid, "zuerst keinen Schaden anzurichten". Die Operation, so gut sie auch durchgeführt wird, verletzt den gesunden Körper. Aber aufgrund kultureller Sensibilität und moralischem Relativismus sind nur wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mutig genug, die Beschneidung zu verbieten, weil sie den Vorwurf des Antisemitismus oder der Islamophobie fürchten. Allerdings hat Island vor kurzem diesen mutigen Schritt getan, und andere Länder könnten folgen.

Sollte kulturelle Sensibilität die Rechte eines Kindes übertrumpfen? Aus einer egalitären Perspektive, geleitet von Immanuel Kants kategorischem Imperativ, allen die gleiche rationale Gerechtigkeit zu gewähren, muss die Antwort "nein" lauten. Aber die Gesellschaft ist scheinheilig, wenn es um Gleichberechtigung geht. Eine Situation, in der das Beschneiden von Mädchen (zu Recht) illegal ist, aber Jungen Freiwild sind, ist skrupellos. Sir James Munby, ein englischer Richter, kritisierte diese Inkonsistenz in einem aktuellen Fall, in dem eine lokale Behörde versuchte, einen muslimischen Bruder und eine muslimische Schwester aus ihrem Zuhause zu entfernen, nachdem das Mädchen beschnitten worden war; die Beschneidung des Jungen zu verhindern konnte dabei nicht als Sicherheitsanliegen betrachtet werden. Ich schlage keine drakonische Intervention vor, sondern nur dass das Gesetz Kinder fair und gleichberechtigt behandelt, unabhängig vom Geschlecht.




7. Libby Libbons, Direktorin der australischen Workplace Gender Equality Agency, verkündet, dass Frauen am Arbeitsplatz nur dann mit Männern gleichziehen werden, wenn man mehr Männer dazu bringt, Teilzeit zu arbeiten.



8. "Warum interessieren sich Feministinnen nicht für die ungleiche Geschlechterverteilung in Bereichen wie Ballett?" fragt die ehemalige Balletttänzerin Madison Breshears im Washington Examiner und führt weiter aus:

Während meine Erfahrung und die von Frauen wie mir im Ballett eine unglückliche, aber unvermeidliche Tatsache der Branche sind, leiden Damore und andere männliche Google-Mitarbeiter tatsächlich unter eklatanter Geschlechterdiskriminierung.

Ballett ist schließlich nicht ohne männliche Rollen möglich. Sein kanonisches Repertoire erfordert eine gegensätzliche Partner-Choreographie. Es gibt keinen analogen Zwang in der technischen Industrie, ihre Diskriminierung zugunsten des einen Geschlechts gegenüber dem anderen zu entschuldigen. Es gibt keinen inhärenten Grund, warum Frauen in der Technik arbeiten müssen; Programmieren ist ebenso farbenblind wie sexuell undifferenziert. Dennoch setzt Google die Diskriminierung eines Geschlechts ein, um ein vermeintliches Problem zu bekämpfen - den latenten Sexismus, der angeblich die enormen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Technik verursacht und für dessen Existenz Beweise noch immer fehlen.

Die selektive Empörung der Feministinnen über Disparitäten wie die im Technik-Bereich ist aufschlussreich. Es gibt einen auffallenden Mangel an Schulprogrammen, Kampagnen, Märschen und Hashtags, um die geschlechtsspezifische Kluft in Berufsfeldern wie Unterricht oder Beratung zu überwinden, die nach Angaben des Bureau of Labor Statistics überwiegend von Frauen dominiert werden. Krankenpflege ist ein ziemlich guter Job - es zahlt sich gut aus, ist flexibel und Krankenschwestern können überall Arbeit finden. Also, wo sollten wir nach der männerfeindlichen Voreingenommenheit suchen, die dazu geführt hat, dass mehr als 90 Prozent der Krankenschwestern Frauen sind?

In der Zwischenzeit werden Sie vergeblich nach den Aufrufen suchen, um die Überrepräsentation von Männern im Bergbau, Trucking, Abwasser und Müllabfuhr zu beseitigen. Der Grund dafür ist, dass die feministische Linke nicht so sehr eine politische Gleichstellungsbewegung mit einer konsequenten Philosophie ist, sondern vielmehr ein Ausdruck der Wut darüber, dass Männer und Frauen dazu neigen, unterschiedliche Karriereentscheidungen zu treffen.

In einem Punkt haben sie jedoch Recht. Möglicherweise wäre der einzig mögliche Weg, ihren bevorzugten Statistikfehler und Kampfruf "geschlechtsspezifisches Lohngefälle" vollständig zu beseitigen, indem man die angesehensten Unternehmen des Landes dazu zwingt, Männer zu diskriminieren, oder indem man sehr viele Frauen in Berufe und Karrierepfade zwingt, die sie trotz aller Anreize konsequent nicht verfolgen, wenn sie eine freie Wahl haben.

Ich begrüße Frauen, die in Bereichen arbeiten, in denen sie in der Unterzahl sind, aber ich schätze oder unterstütze keine Politik, die Frauen auf Kosten der Männer bevormundet, allein der "Vielfalt" zuliebe und um jeden Preis. Meine weiblichen Freunde im Feld Naturwissenschaft und Technik stimmen zu, und sie sind nicht diejenigen, die auf diese lächerlichen Wiedergutmachungen drängen.

Was die radikalen Feministinnen angeht, könnte man sie fragen: Wenn sie sich so sehr für eine gleichberechtigte Vertretung einsetzen, warum haben sie dann nicht selbst ein Ingenieurstudium absolviert? Erwarten Sie so eine Antwort wie: "Naja, ich habe immer Englisch bevorzugt, und Integralrechnen war so langweilig."

Montag, April 16, 2018

Philosophieprofessor: "Gendern hat die Funktion, andere zu unterwerfen" – News vom 16. April 2018

1. Der Standard hat den Professor für Philosophie Robert Pfaller unter anderem zum Thema Sprachpolitik befragt:

STANDARD: Haben Sie Ihre Sprache im Lauf der jüngeren Zeit verändert? Gendern Sie? Schreiben Sie das Binnen-I? Gibt es Wörter, die Sie nicht mehr sagen, weil "man" sie heute nicht mehr sagt?

Pfaller: Natürlich versuche ich andere Menschen beim Sprechen nicht ungewollt zu kränken oder zu beleidigen. Das Beste, was man meiner Ansicht nach dazu tun kann, ist, wie ein vernünftiger Mensch zu ihnen zu sprechen. Eine Kunstsprache zu verwenden, also zu "gendern" oder ein Binnen-I einzufügen, scheint mir dabei eher hinderlich. Man klingt dabei schnell nicht mehr wie ein vernünftiger Mensch. Und man wirkt auf ungute Weise bemüht oder sogar ein wenig aggressiv – so, als ob man Peinlichkeit vermeiden müsste oder den anderen belehren wollte. Diese Sprachtricks dienen ja nicht so sehr dazu, Dritte zartfühlend zu benennen. Sie haben in erster Linie die Funktion, die Zweiten, also die, zu denen man spricht, sozial zu überbieten und sie pädagogisch zu unterwerfen.




2. Die Frankfurter Rundschau schafft es immer noch, über Professor Amendts Anti-Gewalt-Kongress zu berichten und sich zugleich über das, was auf diesem Kongress eigentlich behandelt wurde, einen Dreck zu interessieren. Dass die "Rundschau" Amendt als "Homoheiler" präsentierte, was nach Amendts Protesten eine Löschung des Artikels aus dem Web nach sich zog, wird weiterhin nicht transparent gemacht. Stattdessen heißt es lapidar, Amendt habe "im Vorfeld der Veranstaltung Protestierer und Medien mit einer Flut von Unterlassungsklagen überzogen habe, was man ihn alles nicht heißen dürfe". Böser Amendt. Lässt sich einfach nicht zur Zielscheibe eines Rufmords machen, ohne sich dagegen zu wehren. Wenn das jeder machen würde! Wo soll das noch hinführen für den deutschen "Qualitätsjournalismus"? Muss man demächst noch gegenrecherchieren, was man über andere Menschen Rufschädigendes behauptet? Und muss man irgendwann vielleicht sogar, statt persönliche Angriffe zu führen, eine sachgemäße Berichterstattung über Wissenschaftskongresse leisten? Ist den Leuten nicht klar, wie groß der Zeitdruck in den Redaktionen ist und wie schlecht freie Journalisten bezahlt werden?

Wenn die "Frankfurter Rundschau" uns auf diese Weise noch einmal vor Augen führt, warum sie sich nicht als eigenständige Zeitung auf dem Markt halten konnte, kann mir als Männerrechtler dieses Geätze auch ein bisschen egal sein. Wenn ich die "Rundschau" allerdings regelmäßig lesen würde, würde ich mich über solche Artikel sehr ärgern. Denn sobald ich schon bei einem Bericht über einen Anti-Gewalt-Kongress den Eindruck gewinne, dass ich manipuliert statt informiert werden soll, frage ich mich natürlich, ob es bei Artikeln zu drängenden weltpolitischen Themen genauso aussieht.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Als brutal entsorgter Vater mit einem vier Jahre alten Sohn möchte ich mich bei Ihnen herzlich bedanken! Mit ihrem Blog und Ihren Büchern setzen Sie sich für eines der wichtigsten sozialen Themen in diesem Lande ein. Die von Ihnen thematisierte Schieflage halte ich für eine drastisch unterschätze Bedrohung für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch den von Ihnen aufgeführten Fuldaer Rap-Song "Sag mir, wo mein Vater ist" kommentieren: Während ich bei der ersten Hälfte noch gerührt war über dieses wichtige Thema, ist mir in der zweiten Hälfte die Hutschnur hochgegangen. Tatsächlich ist das Ganze mal wieder eine einzige und einseitige Anklage gegen die bösen Männer unter Zuhilfenahme von Kindertränen, während die engelsgleiche Mutter alles gut macht für das Kind. Hier wird ein gesellschaftliches Bild unterstützt, welches die Realität ins Gegenteil verkehrt und das Männliche im gängigen Strom (metoo etc.) weiter dämonisiert. Dass die meisten Väter von den Müttern brutal entsorgt werden und die Kinder mit Lügen über die bösen Väter ruhig gestellt werden ist mal wieder tabu, genauso wie der chancenlose Kampf und das Leid der Väter.

Das hat mich an die (vielleicht auch in Ihrem Blog erwähnenswerte) kürzlich ausgestrahlte 3-Sat-Doku "Wenn Eltern ausrasten" erinnert. Es ging um häusliche Gewalt gegen Kinder. Bei allen der zahlreichen Beispiele waren ausnahmslos (!) die Väter die brutalen bösen Kinderschänder während die heldenhaften Mütter engelsgleich die Kinder vor den durchweg bösen Männern beschützen. Auch hier ist die Realität bekanntermaßen genau andersrum, aber ich muss für eine solche Propaganda und Volksverhetzung auch noch Rundfunkgebühren entrichten. Das ist kein Einzelfall. Was bei Arte am Weltfrauentag lief war sogar noch viel schlimmer.

Nochmals vielen Dank für Ihr Engagement und weiter so!

Sonntag, April 15, 2018

Karl Lagerfeld über MeToo: "Ich habe es satt!" – News vom 15. April 2018

1. Karl Lagerfeld reicht es endgültig mit MeToo.

2. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis findet es an der Zeit, dass sich die Frauen endlich schützend vor ihre Männer stellen

3. Jörg Kachelmann ist in seiner juristischen Auseinandersetzung mit dem Springer-Verlag endgültig erfolgreich, falls der Verlag keine Verfassungsbeschwerde einlegt.

4. Die New York Post stellt ein neues Buch darüber vor, dass Frauen sich in höheren Zahlen als je zuvor vom Feminismus abwenden. In einem Kapitel geht es auch um Männerrechtlerinnen.

5. Christian Schmidt analysiert den Erfahrungsbericht eines Hausmanns: "Er erlebt etwas, was in der feministischen Theorie so gar nicht vorkommt: Anforderungen der Frauen an den Mann, sich wie ein Mann zu benehmen."

6. Der Fuldaer Rap-Song "Sag mir, wo mein Vater ist" geht bei Youtube durch die Decke.

7. In Großbritannien haben sich die Todesfälle von Obdachlosen in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Neunzig Prozent dieser Toten sind Männer.

Samstag, April 14, 2018

"Massive Störungen bei Amendt-Kongress" – News vom 14. April 2018

1. Die vorhergesagten Medienberichte zu dem Frankfurter Wissenschaftskongress zur Verhinderung häuslicher Gewalt beginnen einzutrudeln. Den Anfang macht der Artikel "Massive Störungen bei Amendt-Kongress" in der "Frankfurter Rundschau". Die Schlagzeile ist mal wieder überrissen: Der Artikel lässt sich auf die Meldung verdichten, dass irgendein Spinner während Professor Amendts Begrüßungsrede den Feueralarm auslöste, weshalb die Veranstaltung unterbrochen werden musste.

Mich erinnert die Berichterstattung der "Frankfurter Rundschau" in den letzten Wochen an den US-amerikanischen Medienmogul William Hearst:

1897 schickte Hearst einen Reporter nach Kuba, wo ein spanisch-amerikanischer Krieg zu drohen schien. "Alles ruhig. Es gibt keinen Krieg. Ich möchte zurückkehren", kabelte der Reporter. Wütend antwortete Hearst: "Sie bleiben und bringen die Bilder bei. Ich sorge für den Krieg." Auf Stichwort starteten die Hearst-Zeitungen eine gewaltige Hetzkampagne gegen Spanien. Sie war nicht der einzige Grund, wohl aber trug sie dazu bei, dass Hearst seinen Krieg ein paar Monate später tatsächlich hatte.


Wir können nur abwarten, ob die Frankfurter Rundschau heute den offenbar ersehnten "Krieg" gegen die Veranstalter des Anti-Gewalt-Kongresses bekommen wird. Und ob irgendeine Zeitung einen großen Artikel den tatsächlichen Inhalten des Kongresses widmen wird, statt den Scharmützeln drumherum.



2. Seit drei Tagen führt mit Barbara Slowik eine Frau die Berliner Polizei. Trotzdem sind Strafzettel und Briefköpfe noch mit dem Schriftzug "Der Polizeipräsident in Berlin" unterzeichnet. Abgeordnete der Linken fordern deshalb einen neuen Namen für die Behörde – auch auf Schildern und Autos:

Hakan Taş (51, Linke) sagt: "Ich schlage vor, dass wir die Behörde in 'Polizeipräsidium von Berlin' umbenennen." SPD-Politikerin Derya Çağlar (35) geht sogar einen Schritt weiter: "Das Social-Media-Team der Polizei hat einen zukunftsweisenden Vorschlag gemacht: Polizeipräsident*in."

Unterstützung gibt‘s von den Grünen. "Wir halten einen geschlechtsneutralen Behördentitel für praktikabel", sagt Benedikt Lux (36). "Sonst müsste bei einem Wechsel an der Spitze irgendwann einmal wieder alles geändert werden – und das würde unnötige Kosten verursachen."

Die Opposition ist gegen die Anpassung. Der Liberale Marcel Luthe (40) spricht von "Quatsch-Idee". Katrin Vogel (54, CDU): "Jede Umbenennung ist mit erheblichen Kosten verbunden. Als 2016 aus dem Studenten- das Studierendenwerk wurde, hat das 800.000 Euro gekostet. Mir fallen viele sinnvollere Dinge ein, die wir damit finanzieren könnten."

Und die AfD-Abgeordnete Jeannette Auricht (48) sagt: "Einen seit mehr als 200 Jahren fest verankerten Behördennamen auf Kosten der Steuerzahler zu ändern, ist vollkommen überflüssiges Gender-Gaga."


Die Polizeipräsidentin selbst ist übrigens der Ansicht, dass es erst einmal wichtigere Dinge anzupacken gebe ...



3. Auch die sonst stark feministisch geprägte Zeitschrift "Newsweek" titelt jetzt: "Es ist Zeit, dass wir der Wahrheit ins Gesicht sehen: Einen Gender Pay Gap gibt es nicht". Der Artikel ist allerdings von keiner Genderwissenschaftlerin, sondern lediglich einer Ökonomin verfasst. Ihr Fazit:

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist bereits das Gesetz des Landes. Eine weitergehende Politik zur Beseitigung von Lohnunterschieden, die wenig oder gar nichts mit Diskriminierung zu tun haben, könnte sogar nach hinten losgehen. Entlohnungssysteme, die auf Faktoren wie Berufsbezeichnungen oder "gleichwertige Arbeit" basieren, würden den Unternehmen die Freiheit nehmen, den Wert ihrer Arbeit zu bestimmen, und den jahrzehntelangen Fortschritt der Frauen zunichte machen, indem sie die Freiheit der Frauen und aller Arbeitnehmer einschränken, im Austausch für persönliche Prioritäten über die Entlohnung zu verhandeln.




4. Die britische Premierministerin Theresa May fordert Väter auf, ihre Pflichten als Eltern stärker wahrzunehmen, damit ihre Frauen Karriere machen können. Tatsächlich gibt es in Großbritannien dasselbe Problem ausgegrenzter Väter wie in Deutschland. Dazu allerdings habe ich von Theresa May noch nichts gelesen.

Theresa May versprach auch, sich um die "brennende Ungerechtigkeit" des Gender Pay Gaps zu kümmern. In dem verlinkten Artikel heißt es dazu:

Von den mehr als 10.000 größten Unternehmen Großbritanniens bezahlt nicht mal jedes siebte Frauen mehr als Männern.


Zugegeben, das ist natürlich ein Skandal.



5. Fünf Tage nachdem er von den Veranstalterinnen des Frauenmarsches öffentlich unterstützt wurde, hat sich der Betreiber der Website "Backpage" des Menschenhandels schuldig bekannt.

Freitag, April 13, 2018

"Ich wollte nur ein Kind von dir, damit ich nicht mehr arbeiten muss" – News vom 13. April 2018

1. Der bekannte Väterrechtler Franzjörg Krieg veranschaulicht an einem konkreten Fall, wie haarsträubend und wie destruktiv die Strukturen in unserer Gesellschaft für Scheidungsväter sind.



2. An diesem Wochenende findet in Frankfurt der Wissenschaftskongress zur Verhinderung häuslicher Gewalt statt. Dabei verschärft sich den mir vorliegenden Informationen zufolge die Situation vor Ort zusehends. Die Polizei werde mit großer Präsenz im Veranstaltungsgebäude und auch in Reserve zugegen sein müssen, um die Freiheit der Rede und der Wissenschaft zu schützen. Mit weiteren Medienberichten wird gerechnet.



3. Viele Journalisten schauen aber auch angestrengt in eine andere Richtung und wollen einfach nicht verstehen, was dieser hysterische Jens Jessen mit seinem "totalitären Feminismus" nur meint. Den Artikel, den Bernd Ulrich in der "Zeit" als Antwort auf Jessens Beitrag veröffentlicht, sieht Lucas Schoppe in seiner Analyse "Echte Männer im aufrechten Kriechgang" als Beleg für das gegenwärtige Elend des "Qualitätsjournalismus". Hierzu vergleicht Schoppe Ulrichs Artikel mit dem kritischen Blogbeitrag, der gestern auf "Geschlechterallerlei" veröffentlicht wurde:

Schon flüchtigen Lesern wird auffallen, dass beide Texte qualitativ in ganz unterscheidlichen Ligen spielen. Der Text des Vize-Chefredakteurs, "Mann und Autor einer Wochenzeitung mit zwei Millionen Lesern" (Selbstbeschreibung), ist richtungslos, eitel ("Eine Bundesministerin sagte mir ..."), desinteressiert an seinem Thema, uninformiert, beifallheischend unterwürfig ("Da der Feminismus stetig voranschreitet, muss der Mann (also ich) ständig dazulernen") und zugleich rechthaberisch ("Das, lieber Jens, sind wirklich die falschen Fragen."). Eine fremdschaminduzierende Textwüste.

(...) Wie nebenbei wird im Text des Bloggers im kleinen Blog deutlich, dass sich der stolze Autor der Wochenzeitung mit zwei Millionen Lesern niemals ernsthaft mit seinem Thema beschäftigt hat. Mehr noch, er hatte eine solche Beschäftigung in der Vorbereitung für seinen Text offenkundig auch gar nicht für nötig befunden.


Vielleicht ist das tatsächlich das Kernproblem: Selbsternannte "Qualitätsjournalisten" glauben in ihrer Hybris, dass sie zu jedem x-beliebigen Thema auch ohne große Recherche kompetent schreiben können. Währenddessen verfassen die tatsächlichen Experten Blogbeiträge und werden nur von stark am Thema interessierten Lesern entdeckt.

Lucas Schoppe führt weiter aus:

Auch an den maßlos aggressiven Reaktionen auf Jessens Text lässt sich diese reaktionäre Haltung leicht erkennen. (...) "Ganz großes Gejammer" sei der Text von Jessen, so Patricia Hecht in der taz, die in ihrem Text ebenfalls gedankenfrei mit dem Patriarchatsbegriff hantiert. Dort "lamentiert" Jessen und bräuchte, so Hecht höhnisch, einfach "jemanden, der ihn an die Hand nimmt, wenn er sich ausgeweint hat".

Eigentlich dasselbe schreibt Margarete Stokowski im Spiegel, formuliert nur noch krasser, weil sie ja irgendwie rechtfertigen muss, dass sie aus denselben Vorwürfen noch einmal einen neuen Text macht. Mit seinen "weinerlichen Ausführungen" wäre Jessen nun "der Peinlichste in der #MeToo-Debatte". "Jessens halt- und ehrloses Geflenne" darüber, "dass alle Männer elendig geknechtete Wesen sind", steht auch in diesem Text als erbarmungswürdig lachhaft dar.

Natürlich greifen Stokowski und Hecht, wie viele andere, auf ein reaktionäres Männerbild zurück. Was ein richtiger Mann ist, der jammert und flennt nicht, der hat und bietet jederzeit Halt, und dessen Ehre heißt Treue. Dass ein Mann – und sei es noch so verstiegen und unstrukturiert – über eigene Verunsicherungen, vielleicht gar über Leiderfahrungen schreibt, erregt hier immer wieder einen Widerwillen, der urtümlich, instinktiv und unreflektiert wirkt. Der Kern dieser feministischen Kritik an Jessen ist, dass der Autor eben kein richtiger Mann sei.

Das klischeehafte Wut-Motiv, das auch der ehemalige Medienkritiker Stefan Niggemeier strapaziert, bedient sich ebenfalls aus dem Vorwurf der Unmännlichkeit: Denn der klassische bürgerliche, würdevolle Mann, der echte Patriarch, zeichnet sich ja eben dadurch aus, dass er ganz und gar nicht von seinen Gefühlen geleitet wird, sondern sich jederzeit unter Kontrolle hat.

Beim Bildblog, der einmal von Niggemeier mitgegründet wurde, beschimpft Alf Frommer derweil Jessen als "Troll-Journalisten", der das aufschreibe, was "man früher an den ‚Klowänden des Internets’ bewundern durfte". Da er nun dergestalt der Unterschied zwischen den unseriösen Schreihälsen im Netz und sich selbst klargestellt hat, kann Frommer dann Jessen keck mit Jens R. vergleichen, dem psychisch kranken, mörderischen Amokfahrer von Münster. Wie schön, dass hier wenigstens noch einer richtig witzig ist.

(...) "Die Zeit" hat mit den Texten Jessens und Ulrichs ein geschicktes, sicher auch lohnendes, aber unverkennbar gelangweiltes und uninformiertes Empörungsmanagement betrieben. Ganz und gar desinteressiert sind die Diskursmanager daran, woraus sich denn eigentlich die Empörung speist, die sie da gewinnbringend hochputschen und anzapfen. Dass sie möglicherweise reale, existenzielle Erfahrungen von Menschen, unter anderem auch beträchtliche Leiderfahrungen ausbeuten, spielt in dieser Inszenierung keine Rolle.




4.
Ein Moderator schreibt der Praktikantin nachts eine SMS: "Dritte Etage, Zimmer 312". Sie wundert sich, dass er nicht Stift und Zettel in der Hand hat, als sie bei ihm klopft. Wie viel Weltfremdheit muss man Feministinnen zugestehen?


Das fragt sich Jan Fleischhauer in einem Beitrag auf Spiegel-Online. Ein Auszug daraus:

Zu den Vorfällen, die dem WDR-Korrespondenten zur Last gelegt werden, gehört die sogenannte "Doppelzimmeraffäre". Vor Jahren hatte er einer Praktikantin weisgemacht, sie müsse mit ihm aus Kostengründen ein Zimmer teilen: Der WDR erlaube wegen des Sparzwangs nur Doppelzimmer. Auch hier stellt sich die Frage, wieviel Weltfremdheit eigentlich erlaubt ist. Mir ist es jedenfalls ein Rätsel, warum jemand unbedingt Journalist werden will, dem man offenbar die haarsträubendsten Geschichten auftischen kann, ohne dass er Zweifel bekommt. Die Komik der #MeToo-Debatte liegt, wenn man so will, in ihrem regressiven Element. An die Stelle der emanzipierten Frau, die selbstbewusst erklärt, was sie will und was nicht, ist wieder die naive Unschuld getreten, die ahnungslos durchs Leben tappt, bis ein Prinz kommt und sich ihrer erbarmt.


Sind wir Männerrechtler eigentlich die einzigen, die Frauen wie erwachsene, mündige Menschen behandeln wollen?

Der Artikel wird heute bei Christian Schmidt diskutiert.



5.
Gendern wird oft völlig gedankenlos oder hysterisch übertrieben gebraucht. Das haben selbstbewusste Frauen, sagen selbstbewusste Frauen, nicht nötig.


Hier geht es weiter mit dem "Tagesspiegel"-Artikel "Beim Gendern droht eine autoritäre Gedankenpolizei".



6. Gibt es einen neuen rechten Feminismus? ist das Thema eines dreiviertelstündigen Radio-Talks beim SWR. Wer sich daran stört, dass die Diskutantinnen mal wieder so ausgewählt sind, dass erst gar keine große Kontroverse entstehen kann, erfährt im Verlauf des Talks, dass eine der Teilnehmerinnen, Andrea Röpke, erst gar nicht teilgenommen hätte, wenn auch Birgit Kelle mit am Tisch gesessen hätte. Man solle nicht mit solchen Menschen, sondern über diese Menschen reden. (Röpke: "Wenn wir mit den Menschen über Rechte reden wollen, dann müssen wir auch Grenzen ziehen. Dann müssen wir sagen, es ist heute mal nicht erlaubt, dass Rassisten teilnehmen.")

Im übrigen beanstanden die Diskussionsteilnehmerinnen beim "rechten Feminismus", dass er autoritär sei, statt Pluralismus zuzulassen und einen Konsens finden zu wollen. Keine Pointe.



7. Es ist erstaunlich, wie viel Kritik Simone Schmollack für ihren Artikel in der Kommentarspalte darunter von Lesern des linken "Freitag" erhält. Die Behauptung "links = doof" wird mal wieder überzeugend widerlegt.



8. Wie die New York Post berichtet, sind wohlhabende Männer seit der MeToo-Kampagne besorgt, Opfer von Falschbeschuldigungen und Erpressungen zu werden:

Ein junger Geschäftsführer in der Technologie-Branche sagte, dass er sechs Überwachungskameras in seiner schicken Wohnung in der Innenstadt installiert hat, "um zu dokumentieren und zu beweisen, was in meinem Privatleben passiert."

"Es ist eine Versicherungspolice", sagte er.

Als er kürzlich ein Date mit nach Hause brachte und feststellte, dass sie sehr betrunken war, wandte er sich an eine der Kameras und ließ für sein Date ein Taxi zur Heimfahrt kommen.

"Ich habe versucht, die Interaktion vollständig im Blickfeld der Kameras zu halten, bevor ich das Taxi organisierte", sagte er.

Diesem Geschäftsführer zufolge hat #MeToo – während es den Opfern sexueller Übergriffe eine Stimme gab - andere Frauen ermutigt, gutsituierte Männer falsch zu beschuldigen, um daraus finanziellen Gewinn, Ruhm oder Rache zu beziehen.

"Anonyme Anschuldigungen sind jetzt möglich, und die Medien glauben, dass sich das Gericht der öffentlichen Meinung nicht an etwas halten sollte, das einem fairen Prozess ähnelt", sagte er.

(...) Der Privatdetektiv Herman Weisberg stimmt zu und sagt, dass er seit #MeToo im letzten Jahr eine Zunahme von Erpressungsfällen gesehen hat.

"Seit Oktober habe ich etwa 25 Fälle von soliden Erpressungsdrohungen bekommen", sagte Weisberg, Geschäftsführer der Sage Intelligence Group.

"Ich denke, in manchen Fällen benutzen ein paar manipulative Leute die #MeToo-Bewegung als Druckmittel. Es gibt ihren grundlosen, falschen Behauptungen mehr Biss."

Weisberg sagt, es sei eine gängige Taktik für Erpresserinnen geworden, einem Mann, mit dem sie Beziehungen hatten, eine E-Mail zu schreiben und eine schriftliche Entschuldigung zu verlangen.

"Sie behaupten, dass ihr Therapeut sagt, das sei der erste wichtige Schritt", berichtet Weisberg.

"Nehmen wir an, dass jemand eine E-Mail zurückschreibt und sagt: 'Wow, es tut mir wirklich leid, dass du dich so fühlst, und es tut mir leid, wenn ich irgendetwas getan habe,' dann gesteht er im Grunde genommen Fehlverhalten ein, ob er überhaupt weiß, wofür er sich entschuldigt oder nicht".

Weisberg sagte, er halte es für ein Alarmsignal, wenn eine Anklägerin Geld direkt von den Angeklagten verlangt oder damit droht, in den sozialen Medien an die Öffentlichkeit zu gehen.

"Wenn Sie es tun wollen, tun Sie es - gehen Sie auf die sozialen Medien. Aber bedrohen Sie die Person nicht im Voraus ... Das bezeichnen wir in meiner Branche als Cash Grab."

Hochgradig nervös nach der Welle der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen prominente Persönlichkeiten, berichten Geschäftsmänner in New York, dass sie Abendausflüge mit weiblichen Kollegen vermieden haben.

Ein Firmenanwalt cancelte seine Tradition, Weihnachtsgetränke mit einer Frau zu haben, deren Mentor er ist, und entschied sich für die sicherere Alternative des Mittagessens. Ein anderer Geschäftsmann der Stadt bringt inzwischen seinen Anwalt zu Treffen mit Frauen mit, um missverstandene Botschaften zu vermeiden.

"Ich denke mir sogar: Soll ich jemanden um 9 Uhr nachts in meinem Büro treffen, wenn niemand sonst da ist?" gab der Strafverteidiger Jeremy Saland zu, der ebenfalls einen Aufschwung bei von #MeToo inspirierten Erpressungsfällen gesehen hat. "Jeder kann eine Behauptung aufstellen. Unsere Kunden suchen Schutz vor Erpressern, weil sie versteinert vor Angst sind, dass, wenn ein Anspruch öffentlich gemacht, der Familie mitgeteilt oder dem Arbeitgeber gemeldet wird, der Augenschein – und nicht die Wahrheit – siegreich sein wird."




9. Das neue männerfreie Arbeitsgebäude im Washingtoner Stadtteil Georgetown hat jetzt eröffnet. Weitere Gebäude dieser Art sind in Toronto, London, Seattle, San Francisco und Los Angeles geplant.



10. Die Post – habe diesmal nicht ich bekommen, sondern der Blogger Fefe, der gestern einen Leserbrief zum Thema Jungenbeschneidung veröffentlichte. Ein Auszug daraus:

Ich musste mich im Alter von ca. 20 Jahren beschneiden lassen, weil es medizinisch notwendig war. Nun hatte ich schon das Glück, dass mein Urologe von vornherein meinte, dass er sowas grundsätzlich nur mit Vollnarkose macht - anscheinend ist bei religiös motivierten Beschneidungen selbst 'ne lokale Narkose längst keine Selbstverständlichkeit (um es mal zurückhaltend auszudrücken). Zum Beispiel in Israel verwenden laut Zahlen von 2012 nur 20 der insgesamt 400 "Mohels" überhaupt Anästhesie bei Beschneidungen.

Und selbst ohne die Schmerzen der Operation an sich kann ich dir sagen: Das waren zwei Monate oft fast unerträgliche Schmerzen. Insgesamt hat es locker 4-5 Monate gedauert, bis wirklich alles so weit verheilt und "abgestumpft" war, dass es im Alltag nicht mehr groß gestört hat. Und selbst danach bleiben dauerthaft immer noch Probleme wie "Eichel bleibt gern mal am Stoff der Unterhose kleben", und natürlich deutliche Einschränkungen beim Sex (fühlt sich einfach nicht mehr so intensiv an).

(...) Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum es Eltern gestattet sein sollte, ohne medizinische Notwendigkeit eine solche Operation an ihren Kindern vornehmen zu lassen. Mir ist völlig schleierhaft, wie man zum Beispiel in Deutschland das Recht der Eltern auf freie Religionsausübung und Kindererziehung höher gewichten kann als das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit. Insbesondere dann nicht, wenn man bedenkt, dass Eltern, die ihre Kinder schlagen, sich zumindest der einfachen Körperverletzung (§ 223 StGB) strafbar machen.

Donnerstag, April 12, 2018

Kachelmann: Neuer Prozess gegen Alice Schwarzer – News vom 12. April 2018

1. Nach einem Artikel zur Metoo-Debatte geht Jörg Kachelmann erneut juristisch gegen Alice Schwarzer vor.



2. In einem aktuellen Podcast der "Zeit" schildert Jens Jessen, wie es ihm geht, nachdem er aufgrund seines feminismuskritischen Artikels eine Woche lang unter der Gürtellinie angegriffen wurde. Er berichtet, sich zwar geärgert zu haben, Shitstorms aber durchaus gewohnt zu sein, wenn auch sonst vor allem aus der rechten Ecke. (Tatsächlich kannte ich Jessen bisher vor allem aufgrund der Anfeindungen gegen ihn von Websites wie "Politically Incorrect".) Seine Titelgeschichte über den totalitären Feminismus, berichtet Jessen weiter, wurde nicht von ihm alleine verfasst, sondern im Autorenkollektiv mit anderen Mitgliedern der "Zeit"-Redaktion.

Zum Ende des Interviews bezieht sich Jessen auf die beliebte Denkfigur: "Für uns Frauen war es Jahrhunderte nicht schön, jetzt drehen wir das mal um, und ihr Männer müsst das erleiden." Er halte die Argumentation, altem Unrecht in einer historischen Revanche neues Unrecht entgegenzusetzen, nicht für zielführend, was eine humanitäre Gesellschaft angehe. Ob das Leben für die Männer im Schützengraben oder im Bergwerk wirklich so viel "schöner" war als am heimischen Herd, hinterfragt Jessen nicht.



3. In der aktuellen "Zeit" hat Bernd Ulrich eine Erwiderung auf Jessens Artikel veröffentlicht. Hier wird sie zerpflückt.



4. US-amerikanische Männerrechtler haben eine Klage gegen den sexistischen Zwangseinzug zum Militär ("draft") eingereicht. Derzeit müssen sich fast alle Männer in den USA zwischen 18 und 25 Jahren für diesen Zwangseinzug registrieren lassen, aber keine Frauen. Denjenigen, die das verweigern, drohen theoretisch fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar – was aber seit den achtziger Jahren niemandem passiert ist. Faktisch wird ein solcher Mann von vielen staatlichen Leistungen wie finanzieller Unterstützung für College und einer zukünftigen Beschäftigung für die Regierung ausgeschlossen.

Die Website LGBTQ Nation feiert die Klage der Männerrechtler, weil ihr Erfolg auch transsexuellen Männern nutzen könne.

Mittwoch, April 11, 2018

Nach Rufmord: Medien unterschreiben Unterlassungserklärungen – News vom 11. April 2018

1. Genderama berichtete in der vergangenen Woche immer wieder über rufmörderische Beiträge verschiedener "Qualitätsjournalisten" der Leitmedien über den für kommendes Wochenende angesagten wissenschaftlichen Kongress zur Verhinderung häuslicher Gewalt. So hatte die "Frankfurter Rundschau" mit der Schlagzeile "Männerrechtler und 'Homoheiler' an der Uni" getitelt. Der entsprechende Beitrag steht inzwischen nicht mehr online. Dafür liegt mir von den Veranstaltern des Kongresses folgende Pressemitteilung vor:

Der Veranstalter des Kongresses "Familienkonflikte gewaltfrei lösen", Prof. Dr. Gerhard Amendt, wurde im Vorfeld des Kongresses vom Onlinemagazin "Merkurist" mit rechtswidrigen Ausgangsbehauptungen und Denunziationen seiner Person überzogen. Die Media Kanzlei Frankfurt/Hamburg hat Merkurist daraufhin abgemahnt.

Zahlreiche weitere Medien beriefen sich auf die rechtswidrige Berichterstattung des "Merkurist" und druckten diese ungeprüft ab.

Daraufhin hat das Onlinemagazin "Merkurist" eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben und müsste im Wiederholungsfall der Äußerungen eine angemessene Vertragsstrafe an Herrn Amendt zahlen.

Der Büroleiter der Media Kanzlei Hamburg Dr. Tobias Hermann bemerkt hierzu:

"Es kommt leider häufiger vor, dass Drittmedien ungeniert von der rechtswidrigen Quelle abschreiben und sich die Rechtsverletzung auf diese Weise schnell vertieft. Auf diese Weise kann schnell eine Art Medien-Tsunami entstehen, den es zu stoppen gilt."

Dr. Severin Müller-Riemenschneider, Partner der Kanzlei aus dem Frankfurter Büro:

"Wir konnten der Fortsetzung der Denunziationen von Prof. Dr. Amendt im Vorfeld des Kongresses erfolgreich entgegenwirken, indem mehrere Medien eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben bzw. die beanstandeten Äußerungen gelöscht haben. Auf diese Weise konnten wir den Kritikern des Kongresses den Wind aus den Segeln nehmen."

Professor Amendt:

"Es wird immer häufiger zur Unsitte, unerwünschte Forschungsergebnisse durch Denunziation zu diskreditieren. Wir haben diesem Versuch erfolgreich einen Riegel vorgeschoben und hoffen auf einen ungestörten Kongressverlauf."


Näheres über die Hintergründe von "Merkurist" erfährt man hier. Die Selbstdarstellung des Magazins kann man in seinen "journalistischen Leitlinien" nachlesen: nach dem, was das Magazin mit Professor Amendt gemacht hat, entsteht hier eine unfreiwillige Komik.

Die "Hessenschau" hat ihren Beitrag Protest gegen "Homo-Therapeuten" auf Uni-Campus inzwischen zu Schwulenfeindlich? Protest gegen Kongress auf Uni-Campus umgeschrieben.

Da rufmörderische Angriffe auf Menschen, die die feministische Lehre hinterfragen, häufig vorkommen, durch Leitmedien gerne weiterverbreitet werden und sich dabei oft knapp unter der Schwelle des Justiziablen bewegen, bin ich allerdings generell nicht sonderlich zuversichtlich, was die langfristigen Auswirkungen solcher Attacken für ihre Opfer angeht.



2. Als erstes Blog außerhalb der Männerbewegung hat "Spiegelkritik" eine kritische Bilanz der oft unterirdischen Reaktionen auf Jens Jessens "Zeit"-Titelgeschichte über den totalitären Feminismus gezogen. In dem durchgehend lesenswerten Beitrag, der auch Lucas Schoppes Analyse auf "Man Tau" zitiert, heißt es:

Seit Mittwoch nun können wir Zeugen eines weiteren journalistischen Versagens beim Stichwort #metoo werden: in der ZEIT hat Jens Jessen den Aufmacher-Essay geschrieben, "Der bedrohte Mann". Von der ersten Ankündigung an (hilfreicherweise mit einem Coverbild, zu dem viele Empörte keinen Text mehr brauchen) hagelte es die erwartete Häme, Wut, Empörung und verbale Verwüstung. Auch dazu interessieren hier nicht die Details, sondern nur die Metaebene: Wie geht der Journalismus selbst mit diesem Stück um, wie rezensiert er es, wie reagiert er auf die immanente Medienkritik und wie gut gelingt die Berichterstattung über die gesellschaftliche Resonanz?

Derzeitige Antwort: So, wie immer und überall vor Publikum reagiert wird. In einer Weise, die keinen Journalismus braucht, die kein Interesse an anderen Erfahrungen, Wahrnehmungen und daher auch Meinungen hat. Dass Politiker und andere Billig-Rapper ihre Kontrahenten verhöhnen, als Deppen darstellen, gar als Gefahr für die Allgemeinheit – ist okay, gehört zum Geschäft, ist die Show, die jeder erwartet. Aber wenn dem Journalismus selbst auch nichts anderes einfällt, ist er eben überflüssig, zumindest schon mal entsetzlich langweilig und funktionslos. Aufklärung wird hier verstanden als Berufung, die eigene Weltsicht als die einzig wahre zu preisen und alle Ungläubigen, die die Gefolgschaft verweigern, zu verdammen.


Eigentlich wäre es auch Aufgabe des "Bildblogs" und des Medienkritikers Stefan Niggemeier gewesen, dieses extreme menschliche und journalistische Versagen kritisch zu reflektieren. Stattdessen mischten sie, wie "Spiegelkritik" auch zeigt, bei dieser massiven Fehlleistung munter mit.

Eine ausführliche Analyse der Angriffe auf Jessen liefert auch das Blog Maskulismus für Anfänger: Pseudo-Debatten in der Wagenburg.

Lucas Schoppe schließtlich kommentiert in einem rückblickenden Fazit so:

Was die ZEIT da gemacht hat, mag kalkuliert gewesen sein, aber ich gehe auch davon aus, dass die Heftigkeit und Schärfe der Reaktionen das Kalkül übersteigt. Was Stokowski, immerhin im SPIEGEL, oder Patricia Hecht in der taz oder andere schreiben – das übersteigt in der Verrohtheit der Sprache, dem Desinteresse am sachlichen Gehalt und der Zwanghaftigkeit der persönlichen Angriffe m.E. alle kalkulierte mediale Konfrontation. Der SPIEGEL bebildert natürlich auch noch mit einem großen Foto von Jessen, damit auch bloß alle wissen, welcher Typ so ein "ehrloser Jammerer" ist, der da den Nullpunkt der Debatte herbeigeschrieben hat.

Das ist keine Konfrontation mehr, das ist Ausdruck der Geilheit auf eine diskursive Vernichtung. Bei allen Verstiegenheiten von Jessens Text sind diese Reaktionen krankhaft überzogen – vor allem, wenn sie mit den Verstiegenheiten von feministischer Seite verglichen werden. Gerade eben erst hat ja z.B Stevie Schmiedel von Pinksstinks das Aufwachsen von Mädchen im heutigen Deutschland mit dem Holocaust parallel gesetzt – aber das ist eine ganz normale Rhetorik, über die sich außer ein paar Bloggern niemand aufregt.

Es geht Typen wie Stokowski, Hecht und anderen hier m.E. um ein Exempel. Klarzustellen, dass jemand, der sich außerhalb der Blogs und in einer angesehen Zeitung wie der ZEIT offen gegen den heutigen Feminismus stellt, mit jeglicher diskursiver Gewalt zu rechnen hat. Es schützt auch nicht, gute Argumente zu haben – die inhaltliche Ebene des Textes wird ja eh nicht zur Kenntnis genommen. Es wäre auch ein Irrtum zu denken, Jessen hätte sich besser schützen können, wenn er weniger polemisch und angreifbar formuliert hätte. Die Reaktion steht so oder so in keiner Relation zu seinen eigenen Verstiegenheiten.

Das zeigte Zweierlei. Intellektuell, moralisch und politisch sind Links-Identitäre wie Stokowski und Hecht und andere erledigt – sie haben nichts zu bieten, und auf dieser Ebene können sie nicht antworten.

Zweitens aber: Sie besetzen diskursive Machtpositionen, und sie würden lieber über Leichen gehen, als die zu räumen. Etwas anderes als das Ausspielen von Diskursmacht ist von ihnen aber nicht mehr zu erwarten.


Bei Christian Schmidt kann man heute an einer Diskussion über die Reaktionen auf Jessens Artikel teilnehmen.



3. Die Mainzer Allgemeine Zeitung berichtet über das Engagement des "Väteraufbruchs" für das Wechselmodell.



4. Das konservative Magazin "Townhall" wirft den für den Frauenmarsch verantwortlichen Feministinnen vor, die Website "Backpage" zu unterstützen, auf der Menschenhandel mit Kindern für sexuelle Dienstleistungen betrieben worden sei. Auch andere Medien berichten über die feministischen Proteste gegen die Schließung der Website. Von der britischen BBC und der Washington Post erfährt man mehr über die kriminellen Machenschaften, die den Betreibern von "Backpage" vorgeworfen werden. So soll es im Zusammenhang mit dieser Website zu mehreren Morden gekommen sein, und dem National Center for Missing and Exploited Children zufolge hatten 73 Prozent der dieser Organisation vorliegenden Berichte über die sexuelle Versklavung von Kindern mit "Backpage" zu tun.



5. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hat eine Debatte über ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren angestoßen. Noch nicht religionsmündige Kinder dürften zum Tragen solcher religiösen Symbole nicht gedrängt werden. Vor diesem Alter sei es, so bringt es die nordrhein-westfälische Staatssekretärin für Integration auf den Punkt, sei es "pure Perversion", Mädchen ein Kopftuch überstülpen zu wollen, weil sie dadurch "sexualisiert" würden.

Einer meiner Leser schreibt mir zu dieser Debatte:

Religionsunmündige Kinder? Dann sind kleine Jungs offenbar religionsmündig, oder warum darf man per Gesetz an den Genitalien kleiner Jungs aus religiösen Gründen mit dem Messer rum schnibbeln?


Ein anderer Genderama-Leser sieht die Dinge ähnlich:

"Seltsamerweise" ist der 14. Geburtstag auch der Termin, ab dem Kinder alleine über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden können, und das Bedecken des Kopfes gilt als Gebot des Islams. Als Grund für das Kopftuchverbot wird der Schutz des Kindes angeführt. Wenn es also kleinen Mädchen nicht zuzumuten ist, ein religiöses Zeichen zur Schau zur stellen, wie verhält es sich dann mit der Beschneidung von Jungs? Meines Erachtens ist dann ein Verbot der Beschneidung für Jungs unter 14 Jahren zwangsläufig. Alles andere wäre eine Ungleichbehandlung.


Unter den Leitmedien greift der "Tagesspiegel" in einem Artikel Jost Müller-Neuhofs diese Parallele auf und befindet zu dem zitierten Vorwurf, ein Kopftuch für Kinder sei "reine Perversion":

Die vorerst einzige Perversion, die sich in dieser Debatte spiegelt, ist jedoch die Verkehrung des Problems. In Religionsfragen die kindliche Selbstbestimmung prinzipiell gegen das Elternrecht auszuspielen, führt geradewegs in einen deutlich dramatischeren Konflikt, jenen um die religiöse Beschneidung von Jungen, wie Muslime und Juden sie oftmals für unverzichtbar halten. Es ist dem Staat nicht von vornherein verwehrt, in solche religiösen Angelegenheiten mit Verboten hineinzuregieren – aber wenn, dann sollte er es zunächst bei schweren und vor allem irreversiblen körperlichen Eingriffen und gegenüber allen Religionen gleichermaßen tun. Eine Vorhaut ist kein Kopftuch, das man einfach an- und ablegen kann. Dass verantwortliche Politiker hier "pure Perversion" ausmachen, ist allerdings bisher nicht bekannt geworden.


Haben wir da plötzlich einen mutigen Journalisten gefunden? Naja: Jost-Neuhof argumentiert mit dieser Parallele keineswegs für ein Verbot der Beschneidung, sondern gegen ein Verbot des Kopftuchs für kleine Mädchen.

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