Freitag, August 17, 2018

"Ja, ich bin Abfall": Leitmedien und Blogger reagieren auf "MenAreTrash"

Die Leitmedien haben die #MenAreTrash-Kampagne auf Twitter entdeckt und diskutieren darüber, ob man Menschen aufgrund biologischer Merkmale wie ihrer Geschlechtszugehörigkeit als "Abfall" bezeichnen darf. Das bietet die reizvolle Gelegenheit zu sehen, welche Medien gegen menschenfeindliche Hate Speech Einspruch erheben und welche gut damit leben können. Und das wiederum liefert eine gute Orientierung, um zu sehen, welche Medien aus echter Überzeugung gegen Hate Speech aus anderen Lagern protestieren und wo es sich lediglich um Heuchelei handelt, um den politischen Gegner abzukanzeln.

Auf Watson.de schießt Jo Stowasser mit seinem Bekenntnis "Ja, ich bin Abfall" von Anfang an den Vogel ab. Sprich ruhig für dich selbst, Jo. Es ist bemerkenswert, wie sehr sich manche Leute erniedrigen, nur um etwas mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Kann man sich eine Frau vorstellen, die sich so präsentiert?

In seinem Artikel macht Stowasser klar, dass er nichts über die Diskriminierung von Männern weiß, die Vorstellung, es gebe Gewaltaufrufe gegen Männer, absurd findet und es schon übergriffig findet, wenn ein Mann Hate Speech überhaupt widerspricht, wenn sie von einer Frau stammt.

Normalerweise schreibt Stowasser über den Alltag in Krankenhäusern. Vielleicht sollte ich Watson.de einmal einen eigenen Beitrag zu diesem Thema schicken, Die drucken den bestimmt, denn bei diesem Thema kenne ich mich genauso schlecht aus wie Stowasser beim Thema Geschlechterpolitik.

Auf Watson.ch, also der Schweizer Dependance derselben Website, widerspricht Jacqueline Büchi und bezeichnet MenAreTrash in ihrem Beitrag "Männer sind kein Müll" als menschenverachtend. Dabei macht sie darauf aufmerksam, dass diese Losung inzwischen von Schweizer Meinungsführern wie dem SP-Nationalrat Cédric Wermuth weiter verbreitet wird:

Menschen sind kein Müll. Und erst recht wirkt die Formulierung befremdlich aus dem Mund von einem, der sonst bei jeder Gelegenheit die Unantastbarkeit der Menschenwürde betont und Political Correctness grossschreibt. Ein einfaches Gedankenexperiment: Wie wären die Reaktionen wohl ausgefallen, hätte nach dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo jemand "Muslime sind Müll" getwittert? Sicher: Die Gewalt und der Herrschaftsanspruch des radikalen Islamismus sind in aller Schärfe zu verurteilen. Wer jedoch gegen alle Muslime schiesst, um diesen Punkt zu verdeutlichen, darf mit Fug und Recht als Hetzer bezeichnet werden. (...) Wer die Hälfte der Bevölkerung pauschal aufgrund biologischer Merkmale abwertet, sät neuen Hass anstatt den alten zu bekämpfen.


Ähnlich argumentiert die "Neue Zürcher Zeitung", in der Marc Serrao feststellt, mit dem Slogan MenAreTrash habe der Netzfeminismus einen neuen Tiefpunkt erreicht. Hiermit "schreiben sich deutsche Aktivistinnen ihren Männerhass von der Seele. Was das mit dem Kampf für Frauenrechte zu tun haben soll, können sie selbst nicht erklären."

Serrao zitiert die Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing mit ihrer bekannten Erkenntnis: "Die dümmste, ungebildetste und hässlichste Frau kann den freundlichsten, sanftesten und intelligentesten Mann runterputzen, und keiner protestiert" und befindet, es gebe nicht nur in Deutschland eine erstaunliche Toleranz gegenüber Autorinnen, die ihren Männerhass als Kampf für Frauenrechte verbrämen. Dabei übersähen Feministinnen, dass sie sogar die Möglichkeit, ihren Hass zu verbreiten, Männern zu verdanken haben:

Die Meinungsfreiheit haben die 39 männlichen Unterzeichner der amerikanischen Verfassung für alle Bürger erwirkt. Gleiches gilt für die Möglichkeit, seine Meinung in einen Computer einzugeben, diese irre Kiste, die Konrad Zuse, John Presper Eckert und John William Mauchly in den 1940er Jahren erfunden haben. Oder die Nutzung des drei Jahrzehnte später von Vinton Cerf und Robert Kahn entwickelten Netzwerkprotokolls TCP, der Basis des Internets. Auch Twitter, 2006 von Jack Dorsey gegründet, ist geschlechtsneutral. Seither kann jeder seine freie Meinung nicht nur in eine Maschine tippen und um die Welt schicken. Er kann sie auch mit einem Hashtag versehen, egal, wie hohl dieser sein mag.


Auch die "Welt" kritisiert #MenAreTrash, aber nur weil sich diese Hate Speech in Wahrheit gegen Frauen richte. Das weibliche Opfer-Abo gilt schließlich immer und überall. Sibel Schicks emotionale Ausbrüche, urteilt Katja Belousava, machten eine sachliche Debatte um Frauenrechte unmöglich. Die eigentlichen Zielscheiben der Hate Speech geraten in diesem Artikel in den Hintergrund und werden nur genannt, wenn sie wie der Moderator Niels Ruf mit gleicher Münze kontern.

Für die Schweizer "Tageswoche" sind die Zielscheiben der Hate Speech die eigentlichen Übeltäter: Mit "Männer wollen einfach nicht über Gewalt gegen Frauen reden" empört sich Andrea Fopp. Das ergibt ungefähr soviel Sinn wie wenn man nach Protesten über das Statement "Flüchtlinge sind Ungeziefer" argumentieren würde, Linke würden nicht über die Asylproblematik sprechen wollen. Ähnlich dummdreist ist der Rest des Artikels. Seine bizarrste Behauptung: "Die meisten Politiker, Journalisten, Wirtschaftsbosse oder Kulturgrössen erkennen nicht an, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem ist, das es zu lösen gilt."

"Liebe Twitter-Feministinnen, IHR seid das Problem" stellt hingegen Amelie Graen in der Huffington Post klar und urteilt: "Radikale Feministinnen im Netz machen gerade alles falsch." Insgesamt ist der Artikel allerdings so einseitig, wie man es von der Huffington Post erwarten durfte: Der Frust über Männer sei berechtigt wegen des Gender Pay Gaps (der nicht auf Diskriminierung beruht) und der häuslichen Gewalt (die zwischen beiden Geschlechtern in etwa gleich verteilt ist). Zuletzt fällt dann auch das Argument, dass "unreflektierter, beleidigender und plumper Hass", wie ihn die Autorin immerhin zutreffend beschreibt, deshalb schlecht ist, weil er dem ideologischen Lager schadet, aus dem er verbreitet wird. Hate Speech wird hier also weniger aus moralischen als aus strategischen Gründen abgelehnt. Die Verstricktheit des eigenen Lagers in diese Hate Speech versucht die Autorin wegzudefinieren: "Ihr seid männerhassende Frauen, keine Feministinnen."

Bei Nordbayern fragt sich Christian Urban in seinem Artikel "Wenn Männer zu Abfall erklärt werden" , "was mit den Menschen eigentlich nicht stimmt":

Menschenverachtung (die mal mehr, mal weniger subtil daherkommt), Hass und Hetze sind salonfähig geworden - und plötzlich kann man Dinge sagen oder schreiben, die noch vor Jahren undenkbar gewesen wären. Nicht aus politischer Korrektheit heraus, sondern weil es einfach der Anstand (bitte gegebenenfalls googeln, falls die Bedeutung dieses Wortes nicht bekannt ist) verboten hätte. Die Spaltung der Gesellschaft vertieft sich. Und nicht selten wird diese Spaltung durch die sozialen Netzwerke befeuert. All Cops Are Bastards. Priester sind Pädophile. Flüchtlinge sind kriminell. Muslime sind Terroristen. Es sind die undifferenzierten Pauschalaussagen, die sich dort besonders gut und schnell verbreiten. (...) Nein, man muss nicht selbst Abfall sein, um [MenAreTrash] zu kritisieren. Man kann sie auch einfach so - mit Verlaub - für menschenverachtenden, undifferenzierten Bullshit halten.


Auch Urban tut sich schwer damit, dass dieser "menschenverachtende Bullshit" aus dem feministischen Lager ausgeht, weshalb er bei Sibel Schick "Feministin" in Anführungsstriche setzt (was er dann konsequenterweise auch bei allen tun müsste, die ihr zustimmen): "Männerhass hat nicht das geringste mit dem zu tun, was Feminismus eigentlich ist (oder sein sollte) (...) Auch wenn für zahlreiche Feministinnen das eine nicht ohne das andere zu existieren scheint."

Die Berliner "taz" bietet ihren Lesern eine Pro-und-Contra-Debatte über menschenfeindliche Hate Speech. Dafür, Menschen als Abfall zu bezeichnen, ist Daniel Schulz. Gesellschaftliche Veränderungen würden nämlich nicht mit Anstand erreicht; man denke etwa an die Französische Revolution. Ariana Lemme hingegen erinnert sich daran, dass Linkssein einmal darin bestand, die rechte Rhetorik der Verallgemeinerung nicht zu übernehmen, sondern mitfühlend zu sein. Allerdings betrachtet auch Lemme allein den Nutzen für ihr eigenes Geschlecht (Was für Partner könnten an ihrer Kollektivschuld leidende Männer für Frauen sein?) und multipliziert den Geschlechterhass mit Kloppern wie: "Klar, ein Hashtag wie #Men¬Are¬Trash tut nicht wirklich weh. Das können diese durch Jahrtausende der Unterdrückung gestählten Kerle schon mal wegstecken. Diese Maschinen. Ein Hashtag schmerzt nicht so, wie Ungleichheit, Belästigung, Rassismus schmerzen." Weil Männer bekanntlich niemals Ungleichheit, Belästigung, Rassismus ertragen müssen ... Dass Frauen und Männer in Wahrheit sehr ähnlich ticken, bezeichnet Lemme als "steile These".

Wie so oft sind viele Kommentare unter dem Doppel-Artikel besser als der Artkel selbst. Beispiele:

Hier wird wieder einmal deutlich was Netzfeminismus bedeutet. Es sind die gleichen Mechanismen am Werke, die aus einem Menschen, der mal von einem (vermeintlichen) Migranten angepöbelt wurde, einen Rassisten machen. Jemand macht einer sehr negative Erfahrung und geht damit um, indem er diese Erfahrung verallgemeinert. Aus einem Arschloch werden "die Ausländer", aus einem anderen Arschloch werden "die Männer".

Der Unterschied ist vor allem das Feministinnin für ihren verallgemeinerte Abneigung gegen Männer von Links viel Applaus bekommen, während Rassisten einen eisigen Gegenwind zu spüren bekommen. Es wird Zeit das auch Menschen wie Daniel Schulz, Siebel Schick und Co. diesen eisigen Gegenwind von Links wieder zu spüren bekommen!

Wer Sippenhaft für ein akzeptables, politisches Mittel hält kann zwar ein Linker sein, aber er kann niemals liberal und für Menschenrechte sein. Identitätsbasierte Politik ist ein autoritäres Machtinstrument, welches zur Frontenbildung und weg von einer friedlichen und gleichberechtigten Gesellschaft führt, nicht dort hin.


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Das Witzige ist: Früher war ich überzeugter Wähler linker Parteien (Linke, Grüne, SPD). Heute würde ich sie aufgrund der Unterstützung solcher Themen nie wieder wählen. Auch die taz trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich nie wieder so eine Partei wählen kann, was sehr schade ist, da ich eigentlich aus einem linken Elternhaus stamme und viele Themen wie Steuerrecht bei den Linken meine Unterstützung fände oder der Klimaschutz der Grünen. Alles tolle und superwichtige Themen. Jedoch meine Stimme werden diese Parteien in absehbarer Zeit nicht mehr bekommen.

Zum Abschluss: Taz schämt euch, ihr entwickelt euch zu einem Sprachrohr der dummen und radikalen Linken, guter Journalismus ist wirklich was anderes!


sowie

Man stelle sich vor, DIE ZEIT würde titeln: #FrauenSindDreck. Der zuständige Redakteur würde sofort entlassen und alle sein jemals veröffentlichten Texte gelöscht. Er würde öffentlich vernichtet unter dem Furor wütender Feministinnen. Hinweise auf "Kunst" oder "Satire" oder "Provokation" würden keine Rolle spielen. #MenAreTrash ist "sexistische Kackscheiße". Nicht pubertär, nicht Punk, nicht intellektuell – einfach nur einfältig und widerwärtig.


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Bei dieser Debatte sieht man, dass bei gewissen Strömungen des Feminismus der Weg zur Religion nicht weit: Das Dasein als Mann wird zur Erbsünde erklärt. Egal wer du bist und was du macht – du bist schuldig! Du als individueller Mann kannst zwar nichts dafür – aber du bist trotzdem von Geburt an ein Sünder/Müll. Es ist eben alles eine Glaubenssache.Und das macht die Debatte so schwierig. Denn mit den Hütern des wahren Glaubens kann man nicht diskutieren.


Man kann nachvollziehen, warum die "taz" den Printbereich verlässt und zum reinen Online-Medium wird: Die besten Beiträge findet man längst nicht mehr in den Artikeln, sondern in den Kommentarspalten.

Das ist ein guter Übergang dazu, wie MenAreTrash in den Blogs aufgegriffen wird.

Fefe amüsiert sich über Sibel Schicks Selbstinszenierung beim "Zeit"-Ableger ze.tt:

Das Geilste: Die Frau, die das proklamiert hat, sieht sich als das Opfer in der Chose. Weil sie jetzt böse Reaktionen kriegt.


Bei Moible Geeks argumentiert Carsten Drees, nachdem er sich in Erwartung verbaler Prügel bereits rhetorisch geduckt hat:

Ja, ich habe heute genügend Artikel und Tweets gelesen, die mir erklären wollen, dass man Männer pauschal als Müll bezeichnen darf, weil es ja der Sache dienlich ist und man provozieren und überspitzen muss, damit man gehört wird. Ich erinnere euch dran, wenn das nächste mal die AfD pauschal Geflüchtete an den Pranger stellt. (...) Wenn dort formuliert wird, dass wir keine Terroristen mehr ins Land lassen sollen mit dem Hashtag #FlüchtlingeSindTerroristen — wäre das eine legitime Überspitzung, weil man ja schließlich nur die Terroristen unter den Geflüchteten meint und nicht all diejenigen, die einfach nur auf der Suche nach einem Leben in Sicherheit sind?


Drees stellt klar, dass viele Frauen Sibel Schicks Hate Speech widersprechen, weshalb sie ihn an einen Pegida-Marsch erinnere, der "Wir sind das Volk" skandiert. Und er zeigt, dass auch Sibel Schick Tote instrumentalisiert, um ihren Hass zu befeuern. So dankt Schick auf Twitter der verstorbenen Aretha Franklin "for pointing out men are trash continously". Unfassbar. Franklin ist noch nicht mal begraben und wird schon für Geschlechter-Faschismus vereinnahmt.

In den folgenden Absätzen mäandert Drees Artikel etwas ziellos durch die Gegend (wofür sich Drees abschließend entschuldigt), sieht nur Frauen als Opfer von Diskriminierung und behauptet ebenfalls, dass der Männerhass-Feminismus ja nicht der "tatsächliche Feminismus" sei, statt einfach zu erkennen, dass zum Feminismus schon immer beide Seiten der Medaille gehörten.

Der Verfasser des Blogs Fadegrad berichtet zu MenAreTrash:

In meiner linksfeministischen Blase wurde die offensichtlich idiotische Aussage bis aufs Blut verteidigt. Wer den Hashtag nicht gut fand, war einfach nicht "Feminist" genug. (...) Sah man die Diskussion dann genauer an, merkte man, dass der Hashtag eigentlich das Gegenteil bewirkte: Er riss Gräben auf und nützt der angestrebten Gleichwertigkeit in der Gesellschaft einen Scheissdreck. Im Gegenteil: Jeder feministisch engagierte Mensch ist plötzlich wieder entweder Männerhasserin oder aber kastriert.

Das kommt aber nicht von dem Hastag alleine. Es kommt vorallem von den linken Bekannten, die es ums Verrecken nicht schaffen, einen Fauxpas in den eigenen Reihen zuzugeben, deren ideologisches Brett vor dem Kopf wichtiger ist, als Schaden für die Sache abzuwenden. Es ist, als würde ihnen der Kopf explodieren, wenn sie einen Fehler zugeben müssten. Und es ist peinlich.


Der Sexismusbeauftragte setzt sich – ebenfalls aus linker Perspektive – vor allem mit Daniel Schulz "taz"-Artikel auseinander, der Geschlechterhass mit der Französischen Revolution rechtfertigte:

Ich wäre neugierig, wie die Französische Revolution wohl gelaufen wäre, wenn die Rädelsführer nicht "Alle Adeligen einen Kopf kürzer" sondern "Alle Männer einen Kopf kürzer." gefordert hätten. Wie viele hätten da wohl mitgemacht? Das zeigt auch mal wieder, dass die Social Justice Warrior in ihrer Dämlichkeit eine der größten Stützen der Gesellschaft sind. Mit einem Haufen so dümmlich pauschalverurteilenden Honks braucht sich der Kapitalismus keine Sorgen machen.

Ach und eine Frage würde mich ja brennend interessieren:

Welche Macht von Männern muss eigentlich beschnitten werden. Und welche Freiheit könnten die Frauen (die vermutlich zusammen mit den restlichen 62 Geschlechtern gemeint sein sollen) denn dadurch erreichen? Wäre ich ja echt mal neugierig drauf, denn beschnittene Rechte kenne ich eigentlich nur bei Männern.


Damit ist genau der Punkt angesprochen, der in den Artikeln der Leitmedien flächendeckend ignoriert wurde.

Ähnlich argumentiert der Verfasser des Stapel-Chips-Blog, der darüber hinaus darauf aufmerksam macht, dass die feministische Hate Speech von den bekannten "Aktivisten gegen Hate Speech" konsequent ignoriert wird.

Das Wissenschaftsblog Sciencefiles erinnert an die Definition von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wie sie sich bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet:

"Als Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bezeichnen wir abwertende und ausgrenzende Einstellungen gegenüber Menschen aufgrund ihrer zugewiesenen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Eine in diesem Sinne menschenfeindliche Haltung kann sich auch in ausgrenzender oder sogar gewalttätiger Handlung zeigen oder Einfluss auf die Gestaltung von diskriminierenden Regeln und Prozessen in Institutionen und den Aufbau von diskriminierenden Strukturen haben."


Vor diesem Hintergrund sei es erstaunlich,

dass es nicht zu einer Flut von Klagen und Löschaufforderungen an Twitter gekommen ist, ob der Verbreitung von Sexismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Aber halt: Die Feindschaft und der Hass richtet sich gegen Männer. Paul Nathanson und Katherine K. Young haben in ihren wichtigen Büchern "Spreading Misandry" (2001) und "Legalizing Misandrie" (2006) gezeigt, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder blanker Hass dann scheinbar erlaubt ist, wenn sie/er sich gegen Männer richtet.


Christian Schmidt schließlich sieht in seinem Blog Alles Evolution positive Aspekte daran, dass der Hass auf Männer derart deutlich zur Schau getragen wird:

Viele auch bekannte Feministinnen zeigen ihren Männerhass ganz deutlich. Viele "normale Leute" (aber auch einige Feministen) machen deutlich, dass sie das vollkommen falsch finden und als einen Feminismus, den sie ablehnen. Insofern ist es eine Aktion, auf die man immer mal wieder verweisen können wird.


Schmidt präsentiert auch eine Sammlung von Tweets in dieser Debatte, etwa der Feministin Julia Schramm:

#MenAreTrash ist doch nur normaler Talk, wie Frauen halt untereinander reden, wenn keine Männer da sind? Wieso regen sich alle auf?


oder des Feministen Mario Sixtus:

Wenn #MenAreTrash Angehörigen der einen Hälfte der Bevölkerung, die nie wegen ihres Geschlechts pauschal benachteiligt wird, ein klein winzig wenig den Hauch einer Erfahrung vermittelt hat, wie es sich anfühlt, allein aufgrund des eigenen Geschlechts abgeurteilt zu werden: Super!


Auch bei Christian Schmidt greife ich mal einen abwägenden Beitrag aus der Kommentarspalte heraus:

Zu sehen, wie sich eifrige Journalisten (die gestern noch in Bausch und Bogen verdammten, verbale Entmenschlichung zu betreiben) überschlagen, um zu betonen, wie sehr ihnen der Hashtag nichts ausmacht und wie bezeichnend es ist, wenn man sich dran stört, ist natürlich wieder mal ekelhaft und deprimierend. – Auf der anderen Seite ist es wirklich positiv zu sehen, wieviele "Normies" (gerade auch Frauen) sich dagegen aussprechen. Das und die vielen ablehnenden Reaktionen auf das Schick-Gedicht lassen mich hoffen, dass die Stimmung allmählich umschlagen könnte.

Ich hoffe, das führt jetzt nicht gleich zu einem kompletten Backlash, der jetzt wieder auf die andere Seite geht. Ehrlich gesagt mache ich mir da sogar ziemliche Sorgen – nachdem der beklatschte und geförderte Feminismus es ja zur Hauptaufgabe gemacht hat, den Diskurs so giftig und hasserfüllt wie möglich zu machen, dürfte diese Galle nicht so schnell wieder rauszukriegen sein.

Dennoch besteht Hoffnung, dass langsam ein Ende der Phase dämmert, in der auch der dümmsten und sexistischsten Feministin kritiklos beklatscht wird. Natürlich werden Presse und Politik noch ein Stück hinterher hinken, da deren Verachtung für die normalen Menschen elementarer Teil ihres Selbstbildes ist, aber langfristig mag es sich nun doch zum Besseren wenden.

Was auch gern vermischt wird: Es ist nicht der Hashtag selbst, der mich triggert. Ich weiß, dass da draußen verschiedene Fraktionen sind, die mich tot oder versklavt sehen wollen (ob Islamisten wegen meines Unglaubens, Nazis wegen meiner Meinung oder Sexisten wegen meines Geschlechts ... gut, und Schwulenhasser, die mich falsch einsortieren). Damit kann ich leben, ich weiß, dass es jede Menge Unsympathen gibt.

Die Unterstützung durch an sich "normale Leute" ist es, die mich anwidert. Sixtus etwa habe ich mal sehr geschätzt, aber sobald es auf Feminismus kommt, scheint er alle seine humanistischen Werte und logischen Grundsätze über Bord zu werfen. Und während die Leute am Montag entmenschlichende Sprache feiern, wundern sie sich am Dienstag, wieso Faschismus und Menschenverachtung Aufwind haben.

Donnerstag, August 16, 2018

Die Linke: "Frauenstreik wird organisiert" – Männerhass-Sonderausgabe vom 16. August 2018

1. Nachdem die Situation für die deutschen Frauen in den letzten Jahrzehnten immer unerträglicher geworden ist, hilft jetzt vielleicht wirklich nur noch ein Generalstreik?



2. Auch Meedia berichtet inzwischen über den Twitter-Trend #MenAreTrash und zitiert viele treffende Antworten auf diese Hate Speech, gerade auch von Frauen. Zum Schluss des Artikels listet man sich aber noch einen hübschen Klopper:

Problematisch an derartigen Hashtags ist, dass sie Sexisten, die es ohne Zweifel gibt, wohl kaum zum Umdenken bewegen. Stattdessen verhärten sich die Fronten weiter und es entsteht kein Dialog.


Aha. Problematisch an einem Hashtag #SchwarzeSindAbfall wäre dann also auch, dass er "schwarze Vergewaltiger, die es ohne Zweifel gibt, wohl kaum zum Umdenken bewegen" werde und dass so "kein Dialog" entsteht? Oder nicht vielleicht doch eher, dass ein solcher Hashtag einfach menschenverachtende Hetze wäre?

Moment, habe ich nicht gestern erst gebloggt, dass ich jemanden vermisse? Er hat sich gemeldet. Wenn es hier menschenverachtende Hetze gibt, will Professor Anatol Stefanowitsch natürlich auch mitmischen: hier und hier.

Schon damit er demnächst wieder einen Vortrag halten kann, wie schlimm jene Hate Speech ist, die nicht von ihm und seinen Buddys ausgeht.

Dabei ist der Vortrag von Stefanowitschs grotesker Einäugigkeit abgesehen durchaus brauchbar. Ab Minute 23 etwa erklärt Stefanowitsch, welche Folgen Hate Speech auch auf jene hat, von denen sie ausgeht:

Zum einen kann man zeigen, dass Leute, die Hassrede verwenden, dadurch ihre ihre Vorurteile verstärken und verfestigen, die vielleicht es als relativ schwache Vorurteile beginnen. Die werden durch das ständige Visualisierung von Hassrede tatsächlich verfestigt und werden zu echten Glaubenssätzen, werden quasi zu systematischen Glaubenssätzen der betroffenen Personen. Und was man auch sehen kann, sowohl historisch als auch im Labor kann man das nachweisen, dass das Äußern von Hassrede die Hemmschwelle für weitere Hassrede senkt.


Stimmt alles. Man braucht sich zur Überprüfung heute nur die Twitter-Timeline von Sibel Schick anzusehen.

Wobei in Deutschland Hetze noch immer funktioniert hat, wenn sie von Menschen in Machtpositionen ausgeht. Beispielsweise hat ze.tt, ein Ableger von "Zeit"-Online, Sibel Schick, die #MenAreTrash wie besessen pusht, deshalb natürlich prompt eine Plattform für ein Interview geboten. (Einleitender Satz des Artikels: "Auf Twitter streiten sich die Menschen gerade über die Frage, ob Männer Abfall sind.") Männerrechtler, die für die Bekämpfung des Sexismus gegen beide Geschlechter plädieren, erhalten eine solche Plattform bei ze.tt natürlich nicht. Genausowenig erhalten pöbelnde Feministinnen Schlagzeilen wie sie noch die friedfertigsten Maskulsiten erhalten haben. (Man denke etwa an "Pöbeln für die Männerrechte" in der Süddeutschen Zeitung.) Das ist eben der große Unterschied im Frauen unterdrückenden Patriarchat: Wer wie die Männer von MANNdat über Jahrzehnte hinweg Studien erstellt, wird ignoriert, aber sobald eine Feministin es mit ihrer Hetze mal so richtig krachen lässt, streckt man ihr bei der "Zeit" die Mikrofone entgegen. Wenigstens ebenfalls Opfer dieser Hate Speech zu befragen? Kommt nicht in die Tüte, nicht bei der "Zeit".

Und in ein paar Wochen ereifert man sich dort wieder über die schlimme, schlimme Hate Speech aus der Gülle des Internets und weiß sich gar nicht zu helfen vor Ratlosigkeit darüber, warum man als seriöses, neutral berichtendes Qualitätsmedium, als das man sich selbst betrachtet, immer weiter abkackt, was Leserzahlen angeht. Jahrelange einseitige Berichterstattung rächt sich zunehmend mehr, und unsere Journalisten merken es nicht ode es ist ihnen im ideologischen Eifer egal. Die "taz" etwa stellt ihre Printausgabe mangels Leserzahlen lieber ein, statt den Versuch zu wagen, sich den Anliegen beider Geschlechter zu widmen.



3. Britischen Aktivisten zufolge glauben Polizisten den männlichen Opfern häuslicher Gewalt häufig nicht.

Natürlich nicht. Es sind schließlich Polizisten. Für kaputt gegangene Männer ist die Müllabfuhr zuständig.



4. Unter der Überschrift "Ich bin keine Feministin" erklärt eine Gastautorin des FOCUS, die Bloggerin Anna Craemer, warum sie diese Bewegung für problematisch hält. Ein Auszug:

Eine Welt ohne Männer? Das will ich nicht! Ich liebe Männer! Es gibt nichts auf der Welt, was mich so weiblich fühlen lässt, wie die Anwesenheit eines Mannes. (...) Weibliche Macht bedeutet nicht ohne Männer erfolgreich zu sein, sondern mit ihnen. (...) Es kann nicht sein, dass wir unsere neugewonnene Macht in die Bekämpfung des männlichen Prinzips stecken. (...) Der Feminismus hat sich erfüllt. Die Emanzipation ist da. Es wird Zeit, von dem toten Pferd abzusteigen.

(...) Ich habe auf meinem Weg nach oben mehr Frauen erlebt, die an meinem Stuhl gesägt haben, als Männer. Was, wenn die aktuelle Jobverteilung eher an den geschlechtlichen Vorlieben liegt und nicht an der Unterdrückung durch die bösen Männer? Ein erkenntnisreiches Buch (welches leider nicht viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen hat) über die Unterschiedlichkeiten zwischen Männern und Frauen hat Roy Baumeister geschrieben: "Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?" Denn ja, in den meisten Spitzenpositionen sind Männer, aber wer genau hinschaut, sieht auch, dass in den niedrigsten und gefährlichsten Berufen ebenfalls die meisten Männer sind. Die Frauen tummeln sich in der geschützten Mitte. (...) Das Problem zwischen den Geschlechtern, ist nicht die Andersartigkeit, sondern die negative Meinung über die Andersartigkeit.

(...) Ich bin für Menschen, unabhängig vom Geschlecht. Ich bin keine Feministin, ich bin Humanistin. Das ist vielleicht nicht besonders cool oder trendy, aber ich finde, ein Klassiker, der nie aus der Mode kommt. Und wenn der Preis dafür ist, dass für mich die Türen zu den Neo-Feministinnen-Clubs verschlossen bleiben und ich von ihnen "gehatet" werde, dann ist das okay.




5. Auch in den USA ist dieser Geschlechterhass Thema: "Männer niederzumachen ist Amerikas liebster Zeitvertreib" titelt etwa die "Baltimore Sun". Während es als rassistisch gelte, Schwarze anzugreifen, und als sexistisch, Frauen anzupampen, sei das Niedermachen von Männern ein lukratives Geschäftsmodell und führe zu Millionen von Anhängern in den "sozialen Medien".



6. "Warum es nicht okay ist, Männer zu hassen" lautet die Überschrift eines aktuellen Artikels des preisgekrönten Autors Tim Lott auf der Medienplattform "Quillette". Ein Auszug:

Ist es okay, Frauen zu hassen? Offensichtlich nicht. Es ist nicht nur dumm und unmoralisch, sondern auch unpraktisch, wenn man bedenkt, wie viele von ihnen es gibt und welche Unterschiede es zwischen ihnen gibt. Ist es dann in Ordnung, Männer zu hassen? Nochmals, offensichtlich nicht, aus den gleichen Gründen. Außer - es ist nicht so offensichtlich. Denn solche Gefühle gelangen wieder in den Mainstream.

Ich sage "wieder", denn Misandrie - der unverfrorene Hass auf Männer als undifferenzierte Gruppe - ist nichts Neues. Radikale Feministinnen wie Andrea Dworkin und Valerie Solanis (Gründerin der Society for Cutting Up Men und Frau, die Andy Warhol niedergeschossen hat) waren in den 1970er Jahren die bekanntesten Männerhasser, wurden aber damals von vielen weiteren Mainstream-Feministinnen und später von Feministinnen der dritten Welle nicht anerkannt. Misandrie ist in den 80er Jahren aus der Mode gekommen und die Idee, dass Feministinnen alle "Lesben und Männerhasser" seien, wurde zu Recht verspottet.

Jetzt ist sie wieder da - und viel näher am Mainstream als noch vor 50 Jahren. Trotz all der bemerkenswerten Fortschritte, die wir bei der Gleichstellung der Geschlechter gemacht haben, wurde die Idee, dass alle Männer der Feind aller Frauen sind, mit Hilfe der Schande von Harvey Weinstein, des Aufstiegs von Donald Trump und der Erfolge der #metoo- und #timesup-Bewegungen neu belebt.

So verständlich dieser Hass auch als emotionale Reaktion sein mag, es ist - zumindest für einen Mann - schockierend, ihn in Druckschriften zu sehen. Der schärfste Angriff kam von Susan Danuta Walters in der Washington Post Anfang des Jahres, die in einem Stück mit dem Titel "Why Can't We Hate Men" argumentiert, dass es bei weitem nicht irrational ist, sondern "logisch erscheint, Männer zu hassen".

Wäre dies eine einsame Stimme, könnte man sie als Randbemerkung abtun. Aber das ist es nicht. "Du kannst nicht alle Männer hassen, oder? Eigentlich kann ich das", schreibt Suzanne Moore, eine britische Feministin, 2016 im New Statesman. "Als Klasse hasse ich Männer." Männer sind keine Klasse, aber das hält Moore nicht davon ab, weiterzumachen. "Ich glaube, jede intelligente Frau hasst Männer", fährt sie fort. Sie verwendet sogar einemnHash-Tag in der Hoffnung, dass sich diese pauschale Verurteilung durchsetzt - #yesallmen.

Unterdessen beschwert sich ein Mitglied der Öffentlichkeit im New Yorker Magazin in der Rubrik "The Cut" bei der "Kummerkasten-Tante" - der Journalistin Heather Havrilesky -, dass sie "Männer hasst" und Gefahr läuft, eine "schrullige alte Schlampe" zu werden. Heather schlägt als Antwort vor, dass sie einfach ihr inneres Miststück umarmen soll. "Die meisten Männer sind schrecklich", sagt sie. "Die meisten Männer sind Scheiße."

Zwei Artikel auf "Medium" - nicht ganz so populär wie das New Yorker Magazin, die Washington Post und der New Statesman, aber sicher keine Randpublikation - spiegeln das Thema wider. Es stellte sich heraus, dass es nicht nur (selbstdefinierte) männerhassende Frauen sind, die sich dem Hass als Antwort auf Geschlechterungleichheit zugewandt haben, sondern auch einige Männer - wie Anthony James Williams, der in Medium schreibt: "Frauen müssen uns nicht mögen, und die Geschichte zeigt uns, dass sie ein Recht darauf haben, uns zu hassen".

Unter dem charmanten Titel "Wenn man nicht alle Männer in den Ozean werfen und neu beginnen kann, was kann man dann tun?" schreibt Ijeoma Oluo - die Mutter von zwei Jungen, Gott stehe ihnen bei:

"Diese Gesellschaft tut alles, was sie kann, um Vergewaltiger zu schaffen, Vergewaltiger zu ermöglichen und Vergewaltiger zu schützen. Diese Gesellschaft ist zerbrochener, missbräuchlicher, patriarchalischer (und rassistischer, behindertenfeindlicher, hetero-cisnormativer) Müll. Diese ganze patriarchalische Gesellschaft ist für jeden einzelnen sexuellen Übergriff verantwortlich."

Wenn es anstrengend ist, einen solchen Hass zu lesen, dann muss es sogar noch anstrengender sein, ihn zu erzeugen. Ich vermute, dass Hass das Hobby junger Menschen ist (obwohl Danuta Walkers und Moore nicht gerade im Frühling ihres Lebens stehen). Es ist verlockend, diese neue Misandrie als nur dumm und eine Art Nebenschauplatz abzutun, aber es ist möglich, dass sie einen echten Strang des aufsteigenden Bewusstseins darstellt. Wenn das der Fall ist, ist sie nicht nur dumm - sie ist gefährlich. Ich habe mich gelegentlich mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beschäftigt – etwa der ISIS in ihrer rassistischen, religiösen, kopfabhackenden, Unschuldige schlachtenden Blüte, der Konservativen Partei in den 80er Jahren, jedem, der mit Prog Rock zu tun hat - aber es ist kein gesundes Prinzip, sein Leben darauf auszurichten.

Was bedeutet es, eine ansonsten zufällige und unabhängige Gruppe von Menschen zu hassen, im Gegensatz zu einer bestimmten Person? Wir alle können es genießen, Nazis, Pädophile und ISIS-Scharfrichter zu hassen, die einen Helfer enthaupten. Hass kann beruhigend sein, deshalb ist er so verführerisch. Aber wenn man Nazis hasst, hasst man Menschen, die sich einer Ideologie, einer Idee anschließen. Pädophile und ISIS-Scharfrichter sind historisch gesehen kleinere Gruppen, aber sie werden auch durch eine bestimmte Idee definiert - die sexuelle Ausrichtung auf Kinder und den Kult des Todes. Auf einer gewissen Ebene haben sie eine Entscheidung getroffen. Niemand wird als Nazi oder islamistischer Mörder geboren, und selbst wenn die Pädophilie genetisch beeinflusst ist, entbindet das Täter nicht von der Schuld. Männer zu hassen ist jedoch kein Hass auf eine Idee oder eine abscheuliche Form von Verhalten. Es hasst die Hälfte der Weltbevölkerung, reich und arm, freundlich und grausam, schwarz und weiß, schwul und hetero, nur weil sie zufällig ein Y-Chromosom haben. Eine derart ungleiche Gruppe zu hassen, erscheint verrückt.


Der Artikel geht dann über zu einer Kritik des Neo-Marxismus und der Postmoderne als grundlegende Ideen für diesen Hass – eine Analyse, der die marxistischen Leser von Genderama sicher nicht zustimmen dürften. Größere Einigkeit dürfte bei der Kritik der feministischen "Patriarchatskritik" bestehen:

Selbst wenn man daran glaubt, dass alle Übel der Welt auf das Patriarchat und die Herrschaft der Männer zurückzuführen sind, muss man die Konsequenz dieser Vorstellung zugeben - dass alle Triumphe der Menschheit auch auf das Patriarchat zurückzuführen sind, von der Medizin und Wissenschaft bis zu den höchsten Bereichen der Kunst und Kultur.


Ich habe allerdings den Eindruck, dass diese Leistungen im Feminismus als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Eine Sibel Schick reflektiert vermutlich nicht wirklich, dass die Plattformen, auf denen sie ihren Hass speien kann – vom Internet im Allgemeinen bis zu Twitter im Speziellen – von Männern geschaffen wurden, so wie zahllose andere Leistungen, die sie täglich nutzt. Vielleicht aber ist der um sich schlagende Hass auf Männer aber auch aus blankem Neid auf eben diese Leistungen entstanden.

In dem Artikel der "Quillette" heißt es weiter:

Wie die meisten "normalen" Menschen bin ich mir ziemlich sicher, dass es so etwas wie die menschliche Natur gibt, und während einige Geschlechtsunterschiede biologisch sind, sind Männer und Frauen psychologisch ähnlich - viel ähnlicher als sie sich unterscheiden. Insofern ist Misandrie zutiefst irrational. Männer zu hassen ist kontraproduktiv. Männer zu hassen wird die Sache der Geschlechtergleichstellung nicht voranbringen. Im Gegenteil, wenn Sie jemandem sagen, dass Sie ihn hassen, nur weil er einen Penis hat, hat er zwei grundlegende alternative Antworten (außer Sie zu ignorieren, was wahrscheinlich die vernünftigste Antwort ist). Sie können sich winden und entschuldigen - wie es angesichts solcher Angriffe viele Linksliberale tun, die vergeblich auf Rehabilitation hoffen. Die Maoisten und ihre Schauprozesse haben viel getan, um die inhärente menschliche Neigung zur Beichte zu imaginären Sünden zu enthüllen. Alternativ dazu, und das ist gefährlicher, kann man aber auch reagieren mit: "Wenn du berechtigt bist, mich zu hassen, dann bin ich berechtigt, dich zu hassen."

(...) Hass kann ein Weg sein, um seine Tugend zu signalisieren - ein Weg, sich positiv von der verhassten Partei abzugrenzen, also als "guter Mensch" im Vergleich. Nazis zu hassen bedeutet, dass du öffentlich verkündest, kein Nazi zu sein. Pädophile zu hassen bedeutet, dass man kein Pädophiler ist. Doch bei all seiner kurzfristigen Dividende erwürgt der Hass jegliches Verständnis für einander. Dies gilt sowohl für wirklich hasserfüllte Gruppen - wie weiße Rassisten - als auch für diejenigen, die es weniger allgemein verdienen, verurteilt zu werden, wie die Männer. Sobald man jemanden oder eine Gruppe hasst, muss man sich nicht mehr darum kümmern, sie zu verstehen. Hass vereinfacht die Welt und erspart viel geistige Arbeit.

(...) Hasse uns, wenn du willst. Deine Gefühle sind deine eigenen und manchmal sind diese Gefühle gerechtfertigt. Erwarte aber nicht, dass das etwas Positives bewirkt, dass du dich langfristig besser fühlst oder eine gutmütige Reaktion in den Objekten deines Zorns hervorrufst. Er mag eine vorübergehende Linderung der einfachen und unnachgiebigen zufälligen Ungerechtigkeit der Welt darstellen, aber es kann eine schreckliche Arroganz im Hass liegen - die Arroganz, die durch einen tiefen Selbstzweifel und eine vergrabene Angst erzeugt wird. Angst wovor? Vom Chaos, von der Ungewissheit, von der Tatsache, dass es sehr schwer ist, herauszufinden, was richtig und was falsch ist, auch nur in einem einzigen bestimmten Umstand und Individuum, geschweige denn in einem ganzen System oder Geschlecht.




7. Auf der Website "Minding the Campus" beschäftigt sich die Soziologieprofessorin Anne Hendershott mit feministischem Männerhass. Das Thema scheint irgendwie in der Luft zu liegen.



8. Der britische "Independent" lässt eine Soziologin erklären, warum sich die meisten US-Amerikanerinnen mit dem Feminismus nicht identifizieren können:

Dr. Katherine Twamley, Senior-Dozentin für Soziologie am University College London, sagt, dass Feminismus zwar Gleichheit bedeutet, aber viele Menschen den Begriff Feministin mit "Männerhass" verbinden könnten.

Manche Menschen, so fährt sie fort, "etikettieren Feministinnen als "schreierisch"' und "aggressiv" und sehen sich selbst nicht so und wollen auch nicht so gesehen werden.

"Solche Klischees sind Teil einer konzertierten Gegenreaktion gegen den Feminismus, die leider in den Köpfen vieler Menschen Einzug gehalten hat."

Mittwoch, August 15, 2018

Hunderte katholische Geistliche haben tausende von Jungen missbraucht – News vom 15. August 2018

1.
Hunderte katholische Geistliche haben im US-Bundesstaat Pennsylvania in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 1000 Kinder missbraucht – die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Ranghohe Kirchenbeamte sollen den Missbrauch systematisch vertuscht haben.


Hier geht es weiter. Unter anderem erfährt man, dass es "vermutlich sogar mehrere Tausend Opfer" gibt. Es handelt sich, wie auch die Frankfurter Allgemeine klarstellt, in den meisten Fällen um Jungen. Insgesamt trifft der Missbrauch aber beide Geschlechter:

In einem Fall habe ein Priester Jungen unter dem Vorwand begrapscht, einen "Krebstest" vorzunehmen, heisst es in einer Pressemitteilung der Justizbehörden. In der Diözese Pittsburgh habe sich eine Gruppe von vier Priestern gemeinsam an Jungen vergangen – einen sollen sie gezwungen haben, in einem Pfarrhaus nackt die Pose Jesu am Kreuz einzunehmen.

Gemäss dem Bericht vergewaltigten und schwängerten Priester junge Mädchen. In einem Fall sei eine Abtreibung arrangiert worden. Der zuständige Bischof habe anschliessend sein Mitgefühl ausgedrückt – nicht mit dem Opfer, sondern mit dem Priester. "Es muss eine sehr schwere Zeit für Sie sein."

Zu dem Bericht haben auch eine halbe Million Dokumente beigetragen, die bisher in den Geheimarchiven der Bistümer unter Verschluss gehalten worden waren. Die Ermittler in Pennsylvania haben sich mit juristischem Druck Zugang verschafft.


Dass Donald Trump jetzt auch ein Einreiseverbot für Menschen aus mehrheitlich katholischen Ländern plant, wird indes nicht erwartet.



2. "Der einzige sinnvolle Twittertrend momentan: #MenAreTrash", tweeted Stefanie Lohaus, Gründerin des feministischen "Missy-Magazins". Der Trend wird unter anderem von Sibel Schick (ebenfalls "Missy Magazin") befeuert, scheint allerdings nach hinten loszugehen: Die Männerhass-Postings werden zugeschüttet von einer Lawine an Beiträgen nicht zuletzt von Frauen, die sich darüber empören oder Solidaritätserklärungen tweeten. Immer weder liest man Statements wie: "Liebe Feministinnen, ihr seid der AfD näher, als ihr glaubt."

Dabei ist die Beliebtheit dieses Hashtags nur die logische Konsequenz von Artikeln etwa in der "Süddeutschen Zeitung", in denen diese Form der Hetze wortreich verteidigt wurde. Das Ganze als Twitter-Phänomen abzutun, griffe zu kurz.

Was mich allerdings wundert, ist, dass Professor Anatol Stefanowitsch noch nicht in seiner so erfrischend belehrenden Weise erklärt hat, dass alle Kritiker von #MenareTrash einfach zu doof sind, die erkenntnistheoretische Brillanz dieses Statements zu verstehen.



3. Zu diesem Spektakel passt eine Analyse des Sozialpsychologen Jonathan Haidt in der "Neuen Zürcher Zeitung" über die zunehmende Tribalisierung unserer Gesellschaft (zu deutsch: dass verschiedene Gruppen sich wie verfeindete Stämme aufführen). Ein Auszug:

Was aber passiert, wenn junge Leute Intersektionalität studieren, wie das heute in vielen Fächern Usus ist? Da geht es nicht nur um das Verhältnis von privilegierten Weissen und unterdrückten Schwarzen, privilegierten Männern und benachteiligten Frauen; es geht um Heterosexualität gegen andere sexuelle Orientierungen, gesund gegen behindert, jung gegen alt, attraktiv gegen unattraktiv, sogar fruchtbar gegen unfruchtbar. Was immer eine Gruppe an Gutem oder Wertvollem besitzt, wird als eine Art Privileg betrachtet, das automatisch als Unterdrückungsfaktor gegen all jene wirkt, die diese Sache nicht haben. Wenn man nun den tribalen Primaten in uns mit solchen binären Vorstellungen füttert, wo immer eine Seite gut und die andere böse ist, dann versetzt man ihn fast automatisch in Kampfmodus.

Dazu kommt der strategisch brillante Schachzug der Intersektionalität: All diese binären Unterdrückungsszenarien, so heisst es, hängen zusammen und überlappen sich. So wird Amerika zu einer gigantischen Matrix der Repression, und deren Opfer können nicht allein für ihre Sache antreten. Sie müssen alle zusammen ihren gemeinsamen Feind bekämpfen, die Gruppe, die zuoberst auf der Unterdrückungspyramide sitzt: die heterosexuellen, weissen, weder geschlechtlich noch körperlich von der etablierten Norm abweichenden, christlichen, jüdischen oder vielleicht atheistischen Männer.

(...) Das bedeutet, dass die Universitäten, die sich auf die Lehre der Intersektionalität verlegt haben, ewige Konfliktzonen bleiben werden; denn auf keinem Campus können alle Kränkungen, alle Mikroaggressionen und alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Aus diesem Grund kommt es gerade an unseren progressivsten Hochschulen und in den fortschrittlichsten Regionen Amerikas besonders häufig vor, dass Leute niedergeschrien, eingeschüchtert und sogar tätlich angegriffen werden, wenn sie Ideen vertreten, die den diversen Interessengruppen nicht genehm sind.

(...) Noch ein weiterer interessanter Zug lässt sich bei der heutigen Identitätspolitik ausmachen: Sie lehrt Studenten in einer Weise zu denken, die den Zielsetzungen einer liberalen humanistischen Bildung diametral entgegengesetzt ist. Als ich in den 1980er Jahren in Yale studierte, wurden mir die unterschiedlichsten Instrumente an die Hand gegeben, um die Welt zu verstehen. Ich konnte sie als Utilitarier oder als Kantianer betrachten, als Freudianer oder als Behaviorist, als Informatiker oder als Humanwissenschafter. Jeden Sachverhalt konnte ich durch vielerlei Linsen in den Blick nehmen.

Heute aber wird zumindest in denjenigen Fächern, die soziale Gerechtigkeit höher werten als eine unvoreingenommene Wahrheitssuche, nur eine einzige Linse – der Machtfaktor – ausgegeben, durch welche die Studierenden alles und jedes betrachten müssen. Es geht nur mehr darum, die Bösen zu identifizieren, die ihre Macht und ihre Privilegien gegen die Guten verteidigen. Das ist keine Bildung. Das ist die Einführung in einen Kult, eine fundamentalistische Religion, eine paranoide Weltsicht, die Angst und Entfremdung sät und die Menschen in die intellektuelle Impotenz treibt.


Ich fürchte, auch Jonathan Haidt gilt nach solchen Statements als Antifeminist und Masku-Nazi.



4.
Das Studentenparlament der Humboldt-Universität hat eine neue Regel aufgestellt. Sie nennt sich "harte Quotierung" und bedeutet, dass jede Debatte beendet wird, wenn sich nur noch Männer zu Wort melden, aber keine Frauen.

(...) Ist so ein Redeverbot überhaupt erlaubt? Zuständig ist die Senatsverwaltung für Wissenschaft, die vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geführt wird. Man wolle den Beschluss des Studentenparlaments "einer rechtlichen Prüfung unterziehen", teilte die Verwaltung Anfang Juni dem FDP-Abgeordneten Marcel Luthe mit, der gefragt hatte.


Gunnar Schupelius berichtet und kommentiert in der BZ.



5. Das Neueste aus den USA: Professor*_Innen im Bereich Gender und Frauenstudien verdienen jährlich 12.000 Dollar mehr als Professoren in Fächern wie Naturwissenschaften und Mathematik.



6. Trotz MeToo, Popstars wie Beyonce, dem Frauenmarsch gegen Donald Trump und zahlreichen anderen Entwicklungen bezeichnet sich in den USA nur eine Minderheit der jungen Frauen zwischen 18 und 35 Jahren als feministisch. Noch weniger Frauen sind es in höheren Altersgruppen. Kritikerinnen sehen die feministische Bewegung als zu stark von Angehörigen der extremen Linken vereinnahmt und die feministischen Ziele eigentlich als erreicht. Auch die "aggressive Forderung nach Abtreibungen" wird weitgehend abgelehnt. Erwartungsgemäß sind Anhängerinnen der republikanischen Partei noch am ehesten feminismuskritisch, aber auch unter nicht parteigebundenen Wählerinnen und im Lager der demokratischen Partei gibt es Widerspruch:

Eine 31-jährige nicht-parteigebundene Wählerin sagte, die feministische Bewegung habe sich von einer Bewegung, die für die Rechte der Frauen kämpft, zu einer Bewegung entwickelt, der es stattdessen darum geht, Männer den Frauen unterzuordnen. "Ich bin für Frauenrechte, gleiche Rechte", sagte sie Refinery29. "Ich will nicht antifeministisch wirken. Das bin ich nicht ... ich bin Anti-Mann-Bashing. Wenn wir uns als Frauen erniedrigen, nur um zu sagen, dass Männer nichts zustande bringen oder dass sie für die gleichen Ziele härter als Frauen arbeiten sollten ... Wie kann das gleich sein?"

Für Malina, eine 34-jährige Latina und Demokratin, konzentriert sich der Feminismus heute zu sehr auf das Erbsenzählen, "was den kleinsten politisch inkorrekten Kommentar angeht" und nicht genug auf den Mangel an Familienpolitik in Amerika. Sie glaubt auch, dass die gegenwärtige Welle des Feminismus immer noch Themen übersieht, die farbige Frauen betreffen. "Ich finde, dass Feministinnen typisch weiße Frauen sind, und das bin ich nicht und deshalb fühle ich mich nicht einbezogen und kann mich nicht damit identifizieren", sagte Malina zu Refinery29. "Als farbige Frau habe ich viel mehr mit Rassismus zu kämpfen als mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung."




7.
Der Fernsehsender Sat.1 hat seine Untersuchungen im Fall Dieter Wedel abgeschlossen. Man sehe keine Anhaltspunkte oder gar Belege für missbräuchliches oder strafbares Verhalten des Regisseurs, teilte der Sender mit. (...) ZDF und NDR hatten im Februar mitgeteilt, keine Belege für sexuelle Übergriffe oder strafbare Handlungen gefunden zu haben. Die Bavaria Film erklärte im März ebenfalls, keine derartigen Hinweise gefunden zu haben.


Die Frankfurter Allgemeine berichtet.

Schön, dass sich das wochenlange öffentliche Abschlachten gelohnt hat.

Liebe Leitmedien: Könntet ihr über diese entlastenden Erkenntnisse genauso breit und prägnant berichten wie über die Vorwürfe, die gegen Wedel erhoben worden waren? Nein? Schade.



8. Das hier blogge ich mehr aus persönlichem Interesse: Auch an meiner ehemaligen Oberstufe kämpft eine selbstbewusste Frau tapfer gegen die gläserne Decke patriarchaler Unterdrückung.



9. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir, als hätte er den Twitter-Trend #MenareTrash kommen sehen:

Woran erinnert mich das:

Die narzisstische Clique.

Sie hatten ja schon das eine oder andere mal angedeutet, dass gewisse Protagonisten des aktuellen Feminismus Ihrer Ansicht nach lediglich eigene, innere und unbewusste Konflikte auf andere zu projizieren scheinen. Nun sehe ich, dass es offenbar auch narzisstische Cliquen gibt. Die Beschreibung der Erkennungsmerkmale solcher Gruppen auf der verlinkten Webseite hat bei mir einen Gong läuten lassen: Das ist die Netz-Feminismus-Bubble in Reinform.

Ähnliches ließe sich natürlich sicher auch über Anhänger von Verschwörungstheorien sagen, die sich ja auch gegen andere abschotten und Kritik von außen lediglich als Bestätigung ihrer irren Weltsicht lesen. Aber vielleicht gibt es da ja Überschneidungen.

Wie dem auch sei: Die Webseite von Sven Grüttefien bietet eine exzellente Möglichkeit, narzisstisch gestörte Menschen zu identifizieren und ihr Verhalten am Ende sogar zu verstehen – zumindest nachvollziehen zu können. Und sich darauf einzustellen.

Das Paradebeispiel: Donald Trump. Er scheint mir unter einer besonders schweren Form pathogenen Narzissmus zu leiden (worauf auch amerikanische Psychiater immer wieder hingewiesen haben). Wenn man das einmal verstanden hat, erklären sich alle seine Verhaltensweisen von selbst. Und man wundert sich, dass Journalisten immer noch versuchen, dahinter irgendeine Agenda zu sehen.

Was hat das mit Radikalfeminismus zu tun? Auf ganz ähnliche Weise wird es mit narzisstischen Cliquen sein. Diese Erkenntnis könnte einen wichtigen Schlüssel für die Aufklärung über die tatsächliche gesellschaftliche Relevanz der aktuellen Feminismus-Diskurse bieten. Das Schöne ist: Da derartige Leute oder Gruppen letztlich eine pathologische Erscheinung mit strengen eigenen Gesetzen sind, kann man ihr Verhalten letztlich vorhersagen.

Das Problem ist halt, dass es eine Menge Menschen gibt, die nicht so hinter die Dinge gucken und sich von Narzissten und narzisstischen Gruppen sogar angezogen fühlen. Denn da Narzissten voll und ganz in ihrem Wahn aufgehen, wirken sie auf Außenstehende ohne Hintergrundwissen oft sehr überzeugend. Es ist unglaublich spannend, zu sehen, wie dann Fakten umgedeutet und ausgeblendet werden, um das eigene Weltbild zu bestätigen. Die Konsequenz ist eine Abkoppelung von der Realität, die früher oder später in einer Katastrophe enden muss. Entweder für den Narzissten/die narzisstische Clique – oder die Umwelt.

Letztlich können Narzissten am falschen Ort so ganze Unternehmen und sogar Gesellschaften spalten. Das geschieht gerade in den USA. Und hier sind Radikalfministen, die sich gegen Kritik narzisstisch immunisieren, auf dem Weg, etwas ganz ähnliches anzurichten.

Obwohl ich letztlich glaube, dass sie sich am Ende nicht durchsetzen werden, denn es ist ein Unterschied, ob ein psychisch auffälliger Präsident in einer für Normalbürger unerreichbaren Sphäre irrlichtert oder ob eine narzisstische Gruppe anderen Menschen vorschreiben will, wie sie sich in einem sehr intimen Persönlichkeitsbereich verhalten sollen. Irgendwann ist dann die Grenze erreicht. Und narzisstische Cliquen tragen den Keim der Selbstzerstörung ja bereits in sich. Aber bis die Leute aufwachen, werden noch viele schlimme Dinge passieren.

Dienstag, August 14, 2018

"Die Welt braucht eine realitätsbezogene Frauenbewegung" – News vom 14. August 2018

1. "Die Welt braucht eine realitätsbezogene Frauenbewegung" fordert die Feministin und Feminismuskritikerin Christina Hoff Sommers im liberalen Frankfurter Magazin "Novo". Es gibt diesmal keine auszugsweisen Zitate; das Interview ist in Gänze lesenswert.



2. Die "Neue Zürcher Zeitung" beschäftigt sich mit der identitären Linken unter der Überschrift "Nur Schwarze können Schwarze, nur Frauen können Frauen verstehen. So funktioniert die neue kulturelle Apartheid". Ein Auszug:

Der identitätspolitische Kulturalismus gehört als das entlarvt, was er nicht sein möchte, aber letztlich ist: voraufklärerischer Neotribalismus. (...) Die Fixierung auf weisse heterosexuelle Männer als Inbegriff alles Bösen ist karikaturesk und als "bodenlos dumme Polemik" (Pfaller) zu durchschauen – immerhin haben die Prügelknaben auch die Demokratie, die Menschenrechte, die Dampfmaschine und den PC erfunden.


Siehe dazu auch Lucas Schoppes aktuellen Beitrag "Linker Rassismus".



3. Das feministische Magazin "Vice" prügelt weiter auf Männerrechtler ein, indem es Philipp Tanzer, einen preisgekrönten Protagonisten aus Schwulenpornos vorstellt, der "auch immer weiter in die Szene der Männerrechtsaktivisten abzurutschen" scheine – eine Formulierung, mit der "Vice" deutlich macht, dass man dort Menschen, die sich für Jungen und Männer einsetzen, für den Bodensatz der Gesellschaft hält. Ein entsprechend hasserfülltes Bashing der neuen sozialen Bewegung findet sich so auch im Rest des Artikels, zu dem jedes weitere Wort zuviel wäre.



4. Der Blogger Gunnar Kunz stellt sieben Methoden vor, mit denen Ideologen eine Diskussion über den Feminismus und was daran kritikwürdig ist, von Anfang an unterbinden.



5. "Ich bin ein Kind der 60er Jahre", berichtet auf Facebook Oliver Hoffmann (Mitbegründer von Österreichs Männerpartei sowie von Österreichs "Liberalen Männern"), "und wir sind mit dem Versprechen aufgewachsen, dass der Feminismus auch gut für Männer sein würde, weil wir größere Freiheiten erhalten und glücklich einige der Verpflichtungen verlieren würden, die traditionell für Männer reserviert sind. Was ist daraus geworden?" In Hoffmanns Vortrag "Postfeminism and what I have learned from running a men's rights party", gehalten auf der Internationalen Männerrechtler-Konferenz in London, gibt er die Antwort. Auch die anderen Vorträge der Konferenz werden gerade nach und nach auf Youtube online gestellt.



6. Manchmal bekommen die Öffentlich-Rechtlichen doch noch starke Sendungen hin. Die anderthalbstündige Dokumentation "Kulenkampffs Schuhe" wird gerade auf Facebook rauf und runter empfohlen, steht allerdings in der ARD-Mediathek nur noch bis morgen online. Sie erzählt anhand der großen Unterhaltungsshows des deutschen Fernsehens vor allem die Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik, wobei diese Shows als kollektives Beruhigungsmittel dienten. Die Autorin berichtet dabei aber auch eindringlich vom Leben und Tod ihres Vaters und schildert damit die sukzessive Zerstörung (und Selbstzerstörung) von Männern vor und nach 1945.



7. Da wir gerade dabei sind, ein Hinweis auf eine kommende Sendung der Öffentlich-Rechtlichen: In der Radio-Talkshow "SWR2 Forum", die man sich auch nachträglich via Podcast anhören kann, geht es morgen um das Thema "Klassenclowns und Sitzenbleiber – Kommen Jungs in der Schule zu kurz?"

Gäste der Diskussion sind Birgit Gegier Steiner, Autorin, Leiterin der Scheffelschule Rielasingen (bei Konstanz), Dr. Christoph Fantini, Erziehungswissenschaftler, Leiter des Projekts "Männer in die Grundschule", Universität Bremen, sowie die emeritierte Professorin Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hamburg. In der Ankündigung der Sendung heißt es:

Sie müssen häufiger die Klasse wiederholen, können schlechter lesen und machen seltener Abitur: Jungen gelten im Vergleich zu den Mädchen als die Sorgenkinder im deutschen Bildungssystem. Wenn sie auffallen, dann durch Desinteresse, aggressives Verhalten oder Stören um Unterricht. Sind die Schulen auf die Bedürfnisse von Jungen nicht eingestellt? Expertinnen wie die Autorin Birgit Gegier Steiner beklagen eine einseitige Pädagogik, die nur noch die Mädchen im Blick habe. Gleichzeitig ertönt der Ruf nach mehr männlichen Lehrern, vor allem an den Grundschulen. Ziehen Jungen im Bildungs-Matriarchat tatsächlich den Kürzeren? Brauchen sie gleichgeschlechtliche Vorbilder, um in der Schule Erfolg zu haben? Wie kann eine jungengerechte Erziehung funktionieren?




8. Das Neueste aus Twitter: Senip Eztof hat einen merkwürdigen Nicknamen, aber wenn es um die Debatte über die "Dienstpflicht" geht, durchaus Recht.



9. Apropos: Mit "Batwoman" ist aktuell eine Serie über eine lesbische, jüdische Superheldin "with a passion for social justce" geplant. Feiern das die Social Justice Warriors als Sieg? Von wegen: Die identitäre Linke tobt vor Wut, denn die Schauspielerin, die Batwoman spielen soll, Ruby Rose, ist weiß (wie Batwoman) nicht jüdisch und "nicht lesbisch genug". (Sie habe sich nie öffentlich als lesbisch geoutet.) Ruby Rose kontert die Unterstellungen zunächst ("Ich hatte mein Coming-Out mit zwölf und die letzten fünf Jahre im Filmgeschäft damit zu kämpfen, dass ich zu homosexuell wäre"), hat gegen den Furor aber keine Chance. Schließlich wird sie durch die Heftigkeit der Anfeindungen von Twitter gemobbt.

In einem gänzlich anderen Zusammenhang twitterte gestern der weltbekannte Psychologe Steven Pinker über unser Zeitalter, "in dem die identitäre Linke versucht, noch dümmer als die Rechte zu sein (unmöglich, aber sie geben ihr Bestes"). Und sobald man versucht, die Linke vor dieser Selbstzerstörung zu schützen, gilt man dort unweigerlich als rechts.

Montag, August 13, 2018

MeToo und Harvey Weinstein: "Opfer" schickt nach "Vergewaltigung" Liebesbriefe – News vom 13. August 2018

1. Im Strafprozess gegen Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung haben dessen Anwälte nun Briefe vorgelegt, die ihm eine der drei Frauen, die ihm in diesem Prozess sexuelle Gewalt vorwerfen, nach diesem angeblichen Vorfall geschrieben habe. CBS berichtet:

Eine Nachricht, weniger als einen Monat nach der angeblichen Vergewaltigung im März 2013, drückt die Wertschätzung für alles aus, "was du für mich getan hast". Eine weitere Nachricht, Tage später, lautet: "Es wäre schön, dich wiederzusehen."

"Ich vermisse dich, großer Kerl", fügte eine weitere Nachricht ein paar Monate später hinzu.

In den darauffolgenden Monaten und Jahren verabredeten sich die beiden immer wieder auf warmherzige Weise – die Frau schrieb, sie sei "so glücklich, dass du mich heute gesehen hast" und "sehr geehrt" nach einem Treffen im Oktober 2013 - und tauschte kurze Informationen über ihr Leben aus.

"Es gibt niemanden, mit dem ich gerne wieder sprechen würde, der mich so gut versteht wie du", schrieb die Frau, die nicht öffentlich identifiziert wurde, im Januar 2014.

Nachdem sie gesagt hatte, dass sie einen Terminkonflikt hatte und nicht in ein Hotel kommen konnte, um ihn im Februar 2017 zu sehen, erklärte die Frau: "Ich liebe dich, das tue ich immer. Aber ich hasse es, mich wie eine bloße Sexgeschichte zu fühlen", mit einem Smilie danach.

Aus etwa 400 Mitteilungen zwischen den beiden, zeigen die Botschaften "eine langfristige, einvernehmliche, intime Beziehung", die die Staatsanwälte der Grand Jury nicht dargestellt hätten, schrieb Weinstein-Anwalt Ben Brafman in den Gerichtsakten.

(...) Brafman hat den Fall als ein Produkt des politischen Drucks bezeichnet, Weinstein inmitten des #MeToo-Aufschreis über sexuelles Fehlverhalten zu verfolgen.


Der Schauspielerin Alizée Gaillard zufolge hat MeToo Hollywood verändert:

Sowohl Gilliéron als auch Gaillard haben Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht. Produzenten und Regisseure laden zum Drink ein. Sie wollen angeblich Projekte diskutieren und machen jungen Frauen Hoffnung auf einen Karrieresprung. "Mich hat zwar niemand angefallen, aber es gibt immer eine gewisse sexuelle Spannung, was ich zu einem gewissen Grad noch verstehen kann, denn als Schauspielerin muss man ja auch das Publikum verführen können", findet die Beauty aus den Bergen. "Aber sobald ich sage, dass ich verheiratet bin, ändert die Stimmung und man hört nichts mehr von ihnen. Das ist schon enttäuschend."

Seit der Harvey Weinstein-Skandal und die #MeToo-Bewegung ins Rollen kamen, sei aber eine Veränderung spürbar. "Die Männer sind nervöser und vorsichtiger geworden. Ich frage mich jedoch, ob das vor allem die guten Männer sind, die jetzt Angst haben, missverstanden zu werden, während die schlechten nach wie vor ihr Unwesen treiben."


Die neueste Definition von "sexuelle Belästigung" lautet demnach: Sexuelle Belästigung liegt vor, wenn ein Mann eine sexuelle Spannung, die es "immer" gebe, weil eine Schauspielerin ja auch verführerisch sein könne, nicht konsequent unterbindet.



2. Auf der Website "Smart Investor" beschäftigt sich Ralph Malisch ebenfalls mit Hollywood:

Unter der Überschrift "Wonderwomen muss man suchen" machte ZEIT Online auf eines der großen Menschheitsthemen des 21. Jahrhunderts aufmerksam: "Von Gleichstellung ist im Kino wenig zu sehen. Vor und hinter der Kamera dominieren Männer." Schlimm. (...) Zumindest implizit wird unterstellt, dass es in der Filmindustrie eine Art Männer-Netzwerk gebe, das Frauen von den lukrativen Spitzenpositionen bewußt fernhält, insbesondere bei Blockbuster-Produktionen. Belegt werden soll diese These mit allerlei Statistiken, die allerdings nicht ganz so eindeutig sind, wie man uns glauben machen will. Die Kernfrage, ob das Kinopublikum "Wonderwomen" überhaupt sehen möchte, wird dagegen nicht thematisiert.

Möglicherweise verstellt die Fixierung auf die Geschlechtsteile der Filmschaffenden auch einfach nur den Blick auf naheliegendere Erklärungsmuster, beispielsweise auf ökonomische. So wird relativ geschickt formuliert:

"Von den 1.100 beliebtesten und erfolgreichsten Filmen, die in den vergangenen elf Jahren in US-amerikanischen Kinos liefen, wurden im Durchschnitt vier Prozent von Frauen gedreht. Vier Prozent."

Ob ein Film allerdings einmal zu den "beliebtesten und erfolgreichsten" gehören wird, stellt sich bekanntlich erst im Nachhinein heraus. Statistisch interessanter wäre es doch zu wissen, wie viele aller (!) Filme von Frauen gedreht werden und diese Zahl dann mit den "vier Prozent" zu vergleichen. Möglicherweise ist das dann schon die Erklärung, warum es Frauen in ihrer Karriere oft "bei einem Film belassen". Möglicherweise war mancher Erstling nicht ganz so umwerfend, wie die Protagonistin wähnte. Ebenfalls eine Nicht-Aussage ist der Hinweis, wonach 40% der Regisseurinnen gerne mal einen Actionfilm oder Blockbuster drehen würden. Manche würden auch gerne auf den Mond fahren, oder den Nobelpreis bekommen. Was aber ein Blockbuster (= Kassenschlager) wird, entscheiden aber weder Regisseur/in noch Gender-Professorin, sondern alleine der Erfolg an der Kinokasse.




3. Die Print-Ausgabe der "taz" wird demnächst offenbar eingestellt.



4. Dafür haben die Grünen in den Meinungsumfragen die AfD überholt. Danke, Seehofer.



5. Jetzt unterstützt auch Michael Kimmels Ex die Vorwürfe gegen ihn. Entweder war der Mann auch in seinen Beziehungen zu Frauen unerträglich, oder ihm passiert passiert gerade all das, was zahllosen Männern widerfahren ist, was für ihn aber nie ein Thema war.



6. Eine Frau flüchtet aus einem kanadischen Frauenhaus, weil sie ihr Zimmer mit einem "Mann" teilen musste, der von sich selbst sagt, eine Frau zu sein (also einer transsexuellen Person vor ihrer Operation). Ihr Statement: "Es wirkt sich auf jeden im Haus aus. Das kann deine Genesung völlig ruinieren, geschweige denn deine Sicherheit, geschweige denn dein Leben."

Samstag, August 11, 2018

Ungarn schafft die Genderstudien ab – News vom 11. August 2018

1. Ungarn entfernt den Fachbereich "Gender" aus den Universitäten.



2. In der "taz" darf Hengameh Yaghoobifarah sich darüber beklagen, dass Facebook sie wegen der Veröffentlichung des Gedichtes "Männer sind Arschlöcher" gesperrt hat. Sie argumentiert:

So wie Almans [Deutsche] zu rücksichtslosen Kröten erzogen werden, ist die Rolle von Männern im Patriarchat klar definiert und das Verhalten entsprechend. Ausnahmen bestätigen die Regel.


Nun hatten auch Feministinnen durchgesetzt, dass Facebook gegen solche Hate Speech, die bei der "taz" nach wie vor gern gesehen ist, durchgreift. Offenbar war man im feministischen Lager davon überzeugt, dass die eigene Hate Speech auf Facebook genauso problemlos durchgehen werde wie in den eigenen Veröffentlichungen. Christian Schmidt berichtet und kommentiert Yaghoobifarahs Ausfälle:

[Sie] veröffentlicht in großen Tageszeiten, hat Kolleginnen in großen Tageszeitungen, die ihre Positionen teilen, jede kleinste dort gestartete Kampagne ihrer Ideologie wird bundesweit aufgegriffen, aber Männer haben per se die Macht über alles. Gut, dass sie sich schon einmal mit ihrer Machtposition auseinandergesetzt hat.

In ihrem Weltbild ist ein Mann eine rücksichtslose Kröte oder ein Arschloch und muss das erst verlernen.

Aber Männerhass gibt es im Feminismus natürlich nicht.




3. In der "Süddeutschen Zeitung" verteidigt Till Raether die Verwendung der Formulierung "alte weiße Männer" zum Zweck der Herabsetzung. Lucas Schoppe erklärt auf Twitter, warum diese Argumentation nicht greift: "Wer Rassismus so definiert wie Raether, betreibt das Geschäft der Rassisten."



4. Im Blog "Krise des Progressivismus" findet man einen längeren, aber lesenswerten Beitrag zu der Frage, ob sich die Linke nicht selbst ins Knie schießt, wenn sie Artikel beispielsweise über den Klimawandel in Gendersprache veröffentlicht.



5. Wenn manche Frauen darüber verzweifeln, dass es keine Studien gegen das Wechselmodell gibt, ist das vielsagend und verräterisch, befindet das Blog "Freiheit für Familien".



6. Als der Demagoge Michael Kimmel lediglich Hate Speech gegen Männer verbreitete, hatte das niemanden in seinem ideologischen Umfeld besonders gestört. Im Gegenteil: Kimmel war damit hochgradig erfolgreich. Seit ihm vorgeworfen wird, auch gegenüber Frauen übergriffig gewesen zu sein, steht Kimmel jedoch zunehmend im Kreuzfeuer. So schildert jetzt eine Professorin für Gender- und Frauenstudien ihre Erfahrungen unter Kimmel und wirft ihm unter anderem Homo- und Transphobie vor.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ein wenig Zynismus kann ich mir in Anbetracht der österreichischen Überlegungen, das Flirten quasi unter Strafe zu stellen, nicht verkneifen.

Der nächste Schritt ist sicherlich, nicht nur akkustisch vernehmbares "Catcalling" zu sanktionieren, sondern auch visuelles, nonverbales. Wer zu lange schaut oder es gar wagt, jemandem zuzublinzeln, ohne sich dafür vorher eine explizite Erlaubnis einzuholen, wird wohl zukünftig mit Sanktionen rechnen müssen.

Überraschend finde ich, dass nun gerade eine Politikerin der "Liste Pilz" meint, hier etwas "prüfen" zu wollen. Peter Pilz wurde ja nun mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung politisch kalt gestellt. Aber gut. Letztlich rekrutieren sich die Mitglieder der Liste ja aus dem grünen Milieu. So gesehen ist das ja doch nicht so überraschend.

Donnerstag, August 09, 2018

SPD in Berlin: Weltfrauentag soll Feiertag werden – News vom 9. August 2018

1. Der Fraktionschef der Berliner SPD möchte den Weltfrauentag zum Feiertag machen. Das passt. Schließlich hat der Feminismus die alten Religionen erfolgreich abgelöst, mitsamt Teufelsvorstellung, einem Bann gegen sämtliche Ketzer, Erlösungsversprechen und sonstigem Pipapo.



2. Österreichs Frauenministerium überlegt, ob das Flirten auf der Straße in diesem Land genauso verboten werden soll wie in Frankreich.



3. Peter Sawicki hat für den Deutschlandfunk die Psychologin Julia von Weiler vom Kinderschutzverein Innocence in Danger zu sexuellem Missbrauch durch Frauen interviewt. Einige Statements der Psychologin:

Ich hab mir in Vorbereitung für dieses Interview noch mal die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums angeschaut, der Mikado-Studie, und dort berichten 46,4 Prozent der betroffenen Jungs, von einer Frau missbraucht worden zu sein, und immerhin 10,5 Prozent der betroffenen Mädchen, von einer Frau missbraucht worden zu sein. Das heißt, Frauen als Täterinnen kommen viel häufiger vor, als wir uns alle vorstellen wollen. Und die Tatsache, dass wir das so sehr verleugnen und verdrängen, diese Tatsache schützt am Ende vor allen Dingen die Täterinnen und schwächt die Opfer.


Der erste Mythos ist, Frauen sind sexuell nicht aggressiv. Und Frauen können ja nicht penetrieren. Und jede Frau ist eine potenzielle Mutter, und Mütter tun so was nicht. (...) Es gibt eine Art Mutter-Mythos und einen Mythos der sexuell nicht aggressiven Frau, und den Mythos der nicht so Macht ausübenden Frau, wie wir sie aber eigentlich natürlich längst sehen.


Und auf die Frage, wie viele Frauen verurteilte Sexualstraftäterinnen sind:

Ich glaube, dass das gegen null läuft. Mir ist tatsächlich aktuell kein anderer Fall außer der Fall in Staufen bekannt – was nichts heißt. Da würde sich sicher lohnen, einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik zu werfen. Wir wissen aber eben, dass Frauen als Täterinnen quasi nie angezeigt werden, was unter anderem damit zu tun hat, dass Betroffene ganz hohe Hürden überwinden müssen, bevor sie sich überhaupt jemandem mitteilen können. Das hat zum einen wiederum mit einem Mythos zu tun: Wenn ein Junge von einer Frau missbraucht wird, dann wird das gesellschaftlich, besonders, wenn das so ein präpubertärer Junge ist, dann wird das irgendwie subsummiert unter, ach, der wurde in die Liebe eingeführt oder irgend so ein Quatsch.


Bemerkenswert ist, was der Deutschlandfunk in einer namentlich nicht gekennzeichneten Zusammenfassung des Interviews aus diesen Aussagen macht:

Der überwiegende Anteil dieser Straftaten wird von Männern begangen. Nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sind in etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle Männer und männliche Jugendliche die Täter. Opfer seien zu etwa 75 Prozent Mädchen und 25 Prozent Jungen. Grundlage dieser Angaben ist die Polizeiliche Kriminalstatistik, die die verzeichneten Ermittlungs- und Strafverfahren aufführt.


Da kann eine Expertin noch so genau erklären, warum Frauen in der Kriminalstatistik kaum erscheinen – es kommt im journalistischen Hirn einfach nicht an. Es scheint dort regelrecht eine tote Stelle zu geben, die alles radikal ausblendet, das dem festen Glauben "Das Böse ist männlich" zuwiderläuft. Sobald Gegenläufiges erklärt wird, gerät das journalistische Gehirn in eine dem Sekundenschlaf ähnliche Trance und nimmt diese Informationen nicht auf.



4. Seit gestern wird zurückgedichtet. Christian Schmidt hat die lustigsten poetischen Erwiderungen auf Sibel Schicks "Männer sind Arschlöcher" gesammelt.



5. "Junge Mädchen verstört über ältere Wissenschaftler, die sie unaufhörlich in MINT-Fächer locken wollen" titelt das Satire-Magazin "The Onion":

Mit Antworten, die von "sich windend vor Unbehagen" bis "komplett abgeschreckt vom Studium der Natur- und Ingenieurwissenschaften" reichen, enthüllte eine landesweite Umfragegruppe von Mädchen im höheren Schulalter am Dienstag, dass die jungen Frauen der Nation völlig verstört sind durch Wissenschaftler, die doppelt so alt sind wie sie und ständig versuchen, sie in das Studium von Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik zu locken. "Sie hängen immer in unseren Klassenzimmern herum und schicken uns gezielte Nachrichten online - sie bieten uns manchmal sogar Geld an, wenn wir auf ihr Ding stehen würden. Es ist so verzweifelt", sagte die 13-jährige Tessa Levin und erzählte, wie oft sie und ihre Freunde von viel älteren Chemieingenieuren oder Webentwicklern angesprochen wurden, die Wissenschaftsmessen mit der Hoffnung besuchen, Mädchen in gemeinnützige Mentorenprogramme oder Computerprogrammierungslager zu zerren. "Sie versuchen immer, uns zu behandeln, als wären wir etwas Besonderes, aber die Wahrheit ist, sie werden so ziemlich jedes Mädchen unter 18 Jahren verfolgen, das einen einfachen parallelen Schaltplan zeichnen kann. Sie versuchen offensichtlich, Mädchen schon in jungen Jahren auf ihren seltsamen Lebensstil vorzubereiten. Zuerst war es irgendwie lustig, aber je mehr wir lernen, desto ekliger wirkt es."

Mittwoch, August 08, 2018

Mutter verurteilt, die ihren Sohn online zur Vergewaltigung anbot – News vom 8. August 2018

1. Die Frau, die ihren Sohne über das Internet europaweit zur Vergewaltigung anbot, wurde jetzt zu zwölfeinhalb Jahren Knast verurteilt. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung forderte nach der juristischen auch eine politische Aufarbeitung.

Auch der STERN berichtet, wenn auch etwas naiv, als ob sexuelle Gewalt durch Mütter wider gegen die Naturgesetze sei. Immerhin scheint dieser Fall die Augen ein wenig geöffnet zu haben:

Die 48-Jährige hatte - über ihr Geständnis hinaus - wenig getan, um ihre Strafe abzumildern. Sie habe zudem die schlimmste auf den Videos dokumentierte Tat begangen, eine äußerst brutale Vergewaltigung: "Das Kind schrie vor Schmerzen, es war die heftigste Tat", sagte Bürgelin. "Leider haben Sie dazu nichts gesagt", betonte er mit Blick auf die Frau, die ihr Urteil ohne äußerliche Regung annahm und akzeptierte.

(...) Die Juristin sprach zudem von einer hohen Dunkelziffer bei Missbrauchstäterinnen. Der Freiburger Kripo-Chef Peter Egetemaier sagte: "Dass auch Frauen Kinder missbrauchen, wissen wir nicht erst seit gestern." Aber dieser Fall habe die Vorstellungskraft der Ermittler gesprengt. Und er habe einmal mehr den Blick der Polizei geweitet, für das, wozu auch Frauen bei diesen Delikten imstande seien.




2.
Gibt man bei Google "Männerschutz in Deutschland" ein, glaubt die Suchmaschine, man habe sich vertippt. Sie schlägt Ergebnisse zum Thema "Mutterschutz" vor. Ein ironisches Beispiel, das dennoch zeigt, welche Rolle Männerschutz in Deutschland spielt: eine sehr kleine. Den 353 Frauenhäusern in der Bundesrepublik stehen fünf Männerschutzwohnungen gegenüber.

Betroffene Männer wissen häufig nicht, wohin sie sich wenden können. In vielen Regionen gibt es schlichtweg keinerlei Ansprechpartner. Sachsen ist das einzige Bundesland, das Männerschutz institutionell fördert und damit bundesweiter Vorreiter ist: Hier gibt es in Dresden, Leipzig und Plauen Männerschutzvereine und -wohnungen.

Ein ehemaliges Opfer häuslicher Gewalt in Sachsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Männern den Ausstieg aus gewalttätigen Beziehungen zu erleichtern. Der Mann, nennen wir ihn Herrn Müller, möchte anonym bleiben, aus Angst, seine Ex-Frau könnte etwas von seinem Engagement erfahren - und versuchen, es zu unterbinden.


Hier geht es weiter mit Alisa Sonntags Artikel "Wenn Frauen Männer schlagen". Darin kommt auch ein Thema zur Sprache, das wir Männerrechtler immer wieder angesprochen haben – die bizarre Einstellung von Polizeibeamten:

Als [Müller] beispielsweise einem großen bundesweiten Onlinemedium seine Geschichte erzählte, fanden sich unter dem Artikel auch viele negative Kommentare. Ein Nutzer schrieb, er sei Polizist aus Nürnberg - und für solche "Weicheier, die sich von ihren Frauen schlagen lassen", habe er kein Verständnis. "Und das sagt ausgerechnet ein Polizist!", kommentiert Müller. Auf die müssten sich schließlich auch männliche Opfer häuslicher Gewalt verlassen können. Reaktionen wie diese, sagt er, machten es Betroffenen schwer, sich aus den gewaltsamen Partnerschaften zu lösen.


Diese Einstellung von Polizisten ist ein internationales Problem. So heißt es auf Seite 123 des von einem erfahrenen Polizisten 2014 veröffentlichten Buches 400 Things Cops Know:

Domestic violence is supposed to be gender neutral, but cops tend to be dubious of males who call to report violence at the hand of a female, unless it involves a weapon. If it's just some slapping and/or pushing involved, you will be professional and curteous to the caller and investigate his case thorughly, up to including arresting the female suspect, but when you are out of earshot, it is not uncommon for such a caller to be deemed a spineless half-man.


Hierzulande, berichtet Alison Sonntag weiter, bocke auch die Politik bei diesem Thema:

Zur Wahl 2017 habe das "Bundesforum Männer" die Haltung verschiedener Parteien zu Themen des Männerschutzes analysiert, mit dem Ergebnis: "Eigentlich hat nur die AfD sich damit beschäftigt - und die hat das Thema auch nur für ihren Kampf gegen den Feminismus missbraucht."

"Es braucht Personen, die sich des Themas annehmen", sagt auch Petra Köpping, die sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration. Sie glaubt, dass die wichtigste Ursache dafür, dass Sachsen im Verhältnis zum Rest Deutschlands umfangreiche Männerschutzangebote hat, das Engagement der Männerschützer ist.


Die dafür natürlich als Frauenhasser und Rechtsradikale diffamiert werden beziehungsweise, das erwähnt Alison Sonntag auch, so wie der thüringische Verein "Gleichmaß" ihre Arbeit aufgeben müssen, weil die von der lokalen Politik zugesicherte Unterstützung letztlich doch ausblieb, woraufhin der Verein schließlich seine Existenz aufgeben musste.

In Alison Sonntags Artikel heißt es schließlich:

Der Sozialwissenschaftler Hans-Joachim Lenz vermutet noch eine andere Ursache hinter den vergleichsweise intensiven Männerschutzbemühungen im Freistaat: "Nach der Wende wurde deutlich, dass in der früheren DDR Gleichstellung nicht so ideologisch aufgeladen war wie in der BRD." Im Westen habe das Paradigma geherrscht, dass Männer in ihrer Macht eingeschränkt und Frauen geschützt werden müssten. Im Osten dagegen habe man Gleichberechtigung meist ganz selbstverständlich und alltäglich gelebt. Das käme den neuen Bundesländern nun zugute. "Wir müssen überall Männern und Frauen die gleiche Schutzbedürftigkeit zugestehen und dürfen sie nicht gegeneinander aufwiegen", so Lenz.

Die Auslastung der Männerschutzwohnungen in Leipzig und Dresden gibt der sächsischen Politik recht. 2017 haben laut Petra Köpping in der Leipziger Männerschutzwohnung sieben Männer und vier Kinder gewohnt, 2018 seien es bisher - in der Mitte des Jahres - schon sieben Männer und drei Kinder gewesen. In Dresden hätten 2017 elf Männer und zehn Kinder gewohnt, 2018 seien es bisher vier Männer mit vier Kindern.

"Für den Schutzbereich", ordnet Köpping die Zahlen ein, "ist das eine sehr hohe Auslastung." Deswegen plane sie auch ab Dezember, wenn der Doppelhaushalt für 2019/2020 beschlossen sei, eine weitere Männerschutzwohnung in Chemnitz.




3. Genderama verlinkt immer noch nicht oft genug auf Beiträge aus dem feministischen Lager. Deshalb hier mal ein gestern vom "Missy-Magazin" veröffentlichtes Gedicht: "Männer sind Arschlöcher".

Was mir daran besonders gut gefällt, ist, dass Sibel Schick mittendrin feststellt, dass Reimen ja noch schwerer ist, als einen klaren Gedanken zu bilden, und es daraufhin einfach bleiben lässt.



4. "Wir dürfen Alleinerziehende nicht nur als Helden betrachten" befindet Susanne Gaschke in der "Welt". Denn: "Eine Trennung ist per se keine Leistung, sondern sehr häufig eine Katastrophe."



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Herr Hoffmann,

Sie haben heute berichtet über diese neue Studie über Männer, die von Frauen zur Penetration gezwungen worden sind.

Von derselben Autorin gibt es einen weiteren interessanten Artikel.

Dienstag, August 07, 2018

Neue Studie: Wie Frauen Männer vergewaltigen – News vom 7. August 2018

1. Seit einiger Zeit wird in der wissenschaftlichen Forschung thematisiert, dass Vergewaltigungen von Männern durch Frauen weit häufiger vorkommen als bisher angenommen. Eine britische Studie fügt jetzt neue Erkenntnisse hinzu. In ihrer Zusammenfassung heißt es:

Bei Fällen von "Zwang zur Penetration" wird ein Mann gezwungen, mit seinem Penis und ohne seine Zustimmung in die Vagina, den Anus oder den Mund einer Frau einzudringen. Dieser Artikel stellt die ersten quantitativen und qualitativen Forschungsergebnisse zu solchen Fällen im Vereinigten Königreich vor und untersucht aggressive Strategien von Frauen, wie sie von 154 Männern berichtet wurden, die sie erlebt haben. Zu den am häufigsten angewandten Strategien gehören Nötigung, die Ausnutzung der Berauschtheit von Männern sowie die Anwendung von Gewalt und die Androhung von körperlichen Schäden. Es werden neuartige Beweise dafür vorgelegt, dass Frauen mehrere Strategien innerhalb desselben Vorfalls kombinieren. Der Artikel argumentiert auch, dass einige der von Frauen angewandten Strategien besonders "gegendert" sind, wobei sie ihre Rolle als Frauen ausnutzen. Die hier vorgestellten Ergebnisse werfen Fragen für Strafverteidiger auf, die im Bereich der sexuellen Gewalt tätig sind, und verdeutlichen den Bedarf an zukünftiger Forschung.




2. Lucas Schoppe beschäftigt sich mit dem Buch "Die potente Frau" der MeToo-Kritikerin Svenja Flaßpöhler, das in den Leitmedien als Offenbarung eines neuen Feminismus gefeiert wird. Schoppe kann sich diesem Urteil nicht anschließen:

Tatsächlich kritisiert der Text am heutigen "Hashtag-Feminismus" schlüssig, dass er veraltete Geschlechterbilder konserviere. In der Erklärung aber, wie es dazu kommen konnte, mündet er in Widersprüchen. (...) Hier rächt sich im Text auch, dass eine Feminismuskritik, die seit Jahrzehnten – und seit einigen Jahren verstärkt – von Männern und auch von Frauen formuliert wurde, aus öffentlichen Diskursen weitgehend ausgeblendet bleibt.




3. In den USA tobt weiter die Debatte über die Vorwürfe sexueller Belästigung, die es von weiblicher Seite gegen den Jungen und Männer hassenden Feministen Michael Kimmel gibt. Inzwischen trauen sich auch die ersten anderen Menschen, über ihre weniger schönen Erfahrungen mit Kimmel zu berichten – so etwa der Professor für Genderstudien Michael Murphy:

Nichts davon überrascht mich auch nur ein wenig. Kimmel hat ein Ego von der Größe Alaskas und sein persönliches Verhalten spiegelt nicht gerade die Art von Demut und Verantwortlichkeit wider, die er anderen männlichen Feministen empfiehlt.

Ich hatte meine eigene Begegnung mit dem, was ich jetzt "die zwei Kimmels" nenne, nachdem ich einen kurzen Artikel über meine (und die meiner Schüler) befremdete Erfahrung auf einer Konferenz, die Kimmel 2009 in Minnesota mitorganisiert hatte, veröffentlicht hatte. Wir fanden die Veranstaltung sehr abstoßend für LGBTQ+-Leute und beschlossen, über unsere Erfahrungen zu schreiben und einige Empfehlungen zu geben, wie die Dinge geändert werden könnten.

Daraufhin schickte Kimmel eine private E-Mail, in der er mich sogar beschuldigte, sein "Feind" zu sein. Ich war schockiert über seinen Ton und seine Sprache, aber mehr noch über seinen explosiven Zorn, der in keinem Verhältnis zu unserer sehr vorsichtigen und konstruktiven Kritik stand.

Diese Konferenz fand drei Monate nach Beginn meiner ersten Anstellung statt. Ich war beruflich sehr jung und sehr verletzlich. Er war (und ist) eine sehr hochrangige Persönlichkeit auf diesem Gebiet.

Ich habe jetzt den Punkt in meiner Karriere erreicht, an dem Kimmel mir nicht wirklich Schaden zufügen kann. Aber für eine Weile habe ich diese E-Mails gespeichert, als eine Art Versicherung gegen jemanden, der in der akademischen Frauen-/Genderforschung sehr mächtig ist. Als Schutz, wenn der andere Kimmel - der nicht-feministische - mich jemals wieder schikaniert.

Wenn Kimmel so auf ein junges Fakultätsmitglied an einer kleinen, fernen Universität reagiert, jemand, der wenig berufliche Bedrohung oder Konkurrenz darstellt, kann ich mir vorstellen, wie er sich gegenüber jedem anderen aufführt, der es wagt, ihn in Frage zu stellen.

Es war zum Teil wegen dieser Interaktion, dass ich mein Hauptforschungs- und Lehrgebiet weg von kritischen Männer-/Maskulinitätsstudien neu ausgerichtet habe, um mich mehr auf LGBTQ+/Sexualitätsstudien zu konzentrieren.

Endlich wurde mir klar: Das muskulöse, machthungrige, egoistische Klima der "Männlichkeitsstudien" von Kimmel & Co. schien sich bis auf wenige Ausnahmen nicht allzu sehr von der Art der Männlichkeit zu unterscheiden, die sie zu beleuchten oder zu kritisieren vorgab.

Also ging ich weg.

Wenn Kimmel so etwas mit Studentinnen und Kollegen macht, bin ich überhaupt nicht überrascht, dass ihm unangemessenes Verhalten vorgeworfen wird. Und ich bin auch nicht überrascht, dass er nicht seinen eigenen Rat befolgt, wie solche Situationen angegangen oder behoben werden sollten.


Sorry, Professor Murphy, hat einer von euch Fraggles mal wirklich Kimmels Bücher gelesen? Wie könnt ihr eigentlich annehmen, dass jemand, der ein ganzes Geschlecht kontinuierlich zu Untermenschen erklärt, privat ganz bestimmt freundlich und ausgeglichen ist? Ihr wart begeistert von dem Hass, den Kimmel verbreitet hat, solange dieser Hass als total angesagt und politisch korrekt galt (und das gilt er ja, Stichwort "alte weiße Männer", noch immer). Wie sollte Kimmel denn jemals zu dem Eindruck gelangen, dass sein widerwärtiges Verhalten falsch sein könnte, solange er ständig dafür abgefeiert wurde?

Im übrigen sehe ich meine These bestätigt, dass Kimmel andere Männer deshalb pauschal und kontinuierlich niedermacht, weil er die Schattenseiten seiner eigenen Psyche auf diese Männer projiziert.

Auf der Website Feminist Current hat der Radikalfeminist Professor Robert Jensen folgendes zu dieser Debatte zu sagen:

Schweigen ist inakzeptabel. Die Unterstützung von Frauen ist unsere Hauptaufgabe. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich zwei wichtige Punkte ableiten, wenn pro-feministische Männer in der akademischen und aktivistischen Welt - und ich schließe mich in beide Kategorien ein – ihre Worte zu Taten machen.

Die erste betrifft die bisher unzureichende Reaktion von Kimmel. Im Chronicle of Higher Education (...), wo die Vorwürfe unethischen Verhaltens öffentlich gemacht wurden, sagte Kimmel, er glaube, er sei "professionell und respektvoll in meinen Beziehungen zu Frauen" gewesen, aber er nehme solche Bedenken ernst und wolle "die Stimmen derer, die solche Behauptungen aufstellen, bestätigen. Ich will diese Anschuldigungen hören, diese Stimmen hören und diejenigen entschädigen, die glauben, ich hätte sie verletzt."

Die Frauen, "die glauben, ich hätte sie verletzt"? Dies spiegelt das implizite Leugnen von Leuten wider, die sich "bei jedem, der sich durch schlechtes Verhalten gekränkt fühlte", entschuldigen, anstatt sich mit diesem Verhalten auseinanderzusetzen. Diese Formulierung deutet darauf hin, dass der mutmaßliche Täter nichts wirklich Falsches getan hat und dass das Problem bei denjenigen liegt, die sich beleidigt fühlen oder glauben, verletzt worden zu sein. Eine solche Reaktion signalisiert keine Unterstützung für Frauen, die bereits jetzt unter Druck stehen, sich nicht zu äußern, und die Vergeltung riskieren, wenn sie es tun.

(...) Der zweite Punkt betrifft das öffentliche Schweigen von Akademikern und Aktivisten, die sich als pro-feministisch oder feministisch identifizieren - mich eingeschlossen. Ich habe ausführlich gegen Pornographie aus einer radikalen feministischen Perspektive geschrieben und zähle mich selbst zur Bewegung gegen die Gewalt von Männern und die sexuelle Ausbeutung von Frauen (wie auch andere Bewegungen, die sich auf Rassismus, wirtschaftliche Ungleichheit und ökologische Krisen konzentrieren). Doch meine erste Reaktion auf den Artikel im Chronicle war, die Kontroverse zu vermeiden und nichts öffentlich zu sagen. Ich habe die Links zu der Geschichte und Guckenheimers Beitrag in den sozialen Medien gepostet, war aber ansonsten still. Erst als eine feministische Freundin zu mir sagte: "Wo sind die pro-feministischen Männer hier? Wollt ihr Männer es den Frauen überlassen, damit umzugehen", wurde mir klar, dass ich nicht nur vorsichtig war - ich war feige.

(...) Mein Zögern war in zwei Reaktionen begründet, die ich nicht verteidigen kann. Erstens hat die pro-feministische Männerbewegung genug Probleme, die Männer zu erreichen und bei Frauen Vertrauen zu gewinnen, ohne dass ihr sichtbarster Autor des sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt wird (...). Zweitens hat mich meine Erfahrung mit Kimmel dazu gebracht, zu glauben, dass er sich gegen Kritiker wehren könnte, und ich war nicht begierig, mich in einen solchen Kampf einzumischen.

Wenn ich auf die letzten Tage zurückblicke, sehe ich mein Zögern als Nachlässigkeit. Das Schweigen anderer pro-feministischer Männer ist, glaube ich, auch fahrlässig (ich weiß, dass jüngere Gelehrte, vor allem Doktoranden, verletzlicher sind; hier denke ich vor allem an ältere und etabliertere Männer wie mich selbst). Ich habe im Laufe der Jahre viel von meinen feministischen Freundinnen und Kollegen gelernt. Eines der Dinge, auf die ich früher hätte reagieren sollen, ist die Lektion, die sie uns über die Verantwortung und Rechenschaftspflicht der Männer zu lehren versucht haben.

(...) Die Einzelheiten der konkreten Vorwürfe gegen Kimmel wurden bisher nicht im Detail bekannt gegeben, und ich habe keine Insiderkenntnisse über diese Fälle. Aber wie es typisch ist, fangen die Frauen an zu reden, sobald ein Vorwurf erhoben wurde, und ich höre einige dieser Diskussionen. Hier ist zum Beispiel ein Kommentar von einer Frau, die mit Kimmel gearbeitet hat und gebeten hat, anonym zu bleiben:

"Die Art, wie er mich behandelte, wirkte sich sehr lange negativ auf mich aus. Seine Behauptung zu lesen, er sei 'professionell und respektvoll in.... Beziehungen zu Frauen' gewesen, ist schmerzhaft und offenbart das Ausmaß seiner Leugnung und seines Missverständnisses, gelinde gesagt, des Schadens, den er verursacht hat. Ich habe keine professionelle, respektvolle Behandlung erfahren, obwohl ich andere Frauen kenne, mit denen er gearbeitet hat, die das erfahren haben. Aber ich bin nicht allein, wenn ich seiner schlimmsten Behandlung unterworfen werde, und das geht leider über ein bloßes sexuelles Angebot und Objektivierung hinaus."

Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt kein endgültiges Urteil über den Vorwurf der sexuellen Belästigung abgeben, aber auf der Grundlage meines Weltverständnisses, meiner Erfahrungen mit Kimmel und dieser Diskussionen kann ich zwei Dinge ohne Zögern sagen: 1) Kimmels Antwort ist unzureichend, nach den Maßstäben, die er selbst für Männer gesetzt hat; und 2) die Antwort der pro-feministischen Männerbewegung war unzureichend nach den Maßstäben, die wir uns selbst gesetzt haben.

Wir alle, die wir Lehrer waren, kennen das Konzept des "lehrbaren Moments", wenn Ereignisse das Material liefern, um das Abstrakte und Theoretische sichtbar zu machen. Zu Fragen der sexuellen Ausbeutung von Frauen durch Männer - wie das Patriarchat in der Welt funktioniert, um Frauen sexuell unterzuordnen - ist dies hier ein weiterer von vielen solcher Momente, für uns alle.




4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu der Debatte über die Journalistin Sarah Jeong, die in die Redaktionsleitung der "New York Times" berufen wurde, obwohl sie auf Twitter immer wieder gegen weiße Männer gehetzt hatte:

Die Sache wird umso widerlicher, wenn man bedenkt, dass Frau Jeong in Wirklichkeit eine hoch privilegierte Harvard/Berkley-Absolventin ist. Aus der Bevölkerungsgruppe, die inzwischen in den USA am meisten verdient und Welten von den weißen Industriearbeitern entfernt, die unter den "Segnungen" von Freihandelsabkommen und ähnlichem leiden.

Und es sind – nicht zu vergessen - rund 37.000 US Soldaten im Koreakrieg gefallen. Das wären heute auch alles "alte weiße Männer" oder "alte schwarze Männer", ohne deren Opfer Frau Jeong heute möglicherweise die Segnungen der Demokratischen Volksrepublik Korea genießen dürfte.


Ein anderer Leser schreibt mir zu der Debatte um die Wiedereinführung des Kriegsdienstes:

Die aktuelle Diskussion um eine neue Form der Zwangsarbeit für junge Leute regt mich zwar tierisch auf, macht mir aber nicht wirklich Sorgen. Das ist (hoffentlich) ein klassisches Sommerlochthema, das vermutlich so schnell verschwinden wird, wie es aufgekommen ist, sobald die Kanzlerin aus dem Urlaub zurück ist.

Insofern betrachte ich die ganze Geschichte vor allem als günstige Gelegenheit, mal zu beobachten, welche Politiker noch immer ein höchst illiberales Verständnis vom Verhältnis zwischen Bürger und Staat haben. Erschreckend allerdings, daß sich darunter auch nominell liberale Stimmen finden, wie die Bremer FDP-Fraktionsvorsitzende Lencke Steiner, die darauf aber wenigstens die richtigen Reaktionen erntet.

Mit ziemlicher Genugtuung stelle ich jedenfalls fest, daß auch alle Befürworter der angedachten neuen Grundrechtseinschränkungen es nicht mehr für plausibel halten, diese heute noch allein dem männlichen Teil eines Jahrgangs aufzuerlegen. Das glt sogar für die AfD. In der 19-Uhr-"heute"-Sendung hatten sie jetzt den Gauland, wie er im Wesentlichen sagt: "Da wir Gleichberechtigung haben, müssen auch alle zum Dienst verpflichtet werden." Naja, auch das dümmste Huhn geht zweimal am Tag richtig ...

Allerdings glaube ich, daß Du den Wehrbeauftragten falsch verstanden hast, wenn Du der Meinung bist, er hätte das, was zwischen 1957 und 2011 Millionen deutschen Männern zugemutet wurde, als Zwangsarbeit bezeichnet oder auch nur moralisch verurteilt.

Die Tagesschau zitiert ihn folgendermaßen:

--- Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Eine allgemeine Dienstpflicht ist zwar eine sympathische Idee, stößt aber verfassungsrechtlich an eine Grenze. Es gilt das Verbot der Zwangsarbeit."

Auch eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht sieht Bartels skeptisch. "Die Bundeswehr folgt heute dem Konzept einer professionellen Armee." ---

Schon der erste zitierte Satz hat es bei genauem Lesen in sich: Bartels hält einen Zwangsdienst für eine "sympathische Idee", die nur dummerweise verfassungswidrig ist, weil das Grundgesetz ihn als Zwangsarbeit bezeichnet. Wäre der Art. 12 III GG nicht, bliebe davon nur: "Eine allgemeine Dienstpflicht ist eine sympathische Idee."

(Dann wäre natürlich noch zu diskutieren, wie man den neuen Zwangsdienst unter das von Art. 12 II GG geforderte Attribut "herkömmlich" subsumiert bekommt; das war ja 2010 eines der Argumente gegen eine Erweiterung des Zwangswehrdienstes auf Frauen.)

Und der zweite Absatz macht noch einmal klar, daß Bartels deutlich unterscheidet zwischen dem jetzt angedachten Dienstzwang für alle einerseits und der Zwangswehrpflicht nur für Männer nach Art. 12a GG andererseits: Letztere ist ja gerade die "allgemeine" Wehrpflicht, die er nur deshalb "skeptisch" sieht, weil die Bundeswehr seit ihrer Aussetzung strukturell massiv verändert wurde.

(Das jetzt natürlich alles unter der Voraussetzung, daß die Tagesschau Bartels Aussagen in dem dpa-Interview nicht sinnentstellend zitiert hat.)

Daß die durch die Zwangswehrpflicht geschädigten Männer eine Anerkennung des ihnen zugefügten Unrechts oder gar eine Entschuldigung aus den Reihen jedenfalls der CDU oder SPD erhalten, damit rechne ich so schnell nicht. Die schwulen Opfer des §175 StGB mußten darauf ja auch bis letztes Jahr warten, und die sind immerhin schon seit einer Weile eine anerkannte Opfergruppe und der 175 gestrichen.

Nebenbei, weil etwas spät: Hast Du das hier (erster Beitrag bis 3:46) in der "Hessenschau" vom 25. Juli gesehen? Tatsächlich ein Beitrag nicht nur darüber, daß zwei Pädagoginnen des sexuellen Mißbrauchs an Jungen verdächtigt werden, sondern auch die Hinweise, daß solche Vorfälle häufig übersehen werden und daß sie für die Opfer durchaus schädlich sind. Und das auch noch, ohne wie sonst üblich alle fünf Sekunden zwanghaft "aber Männer machen das trotzdem viel öfter" betonen zu müssen, damit auch ja keiner vergißt, wer das wahre Tätergeschlecht ist.

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