Dienstag, Juni 19, 2018

Grüner Gesetzesentwurf entrechtet schwule Väter – News vom 19. Juni 2018

1. Michael Kauch, Bundesvorsitzende der Liberalen Schwulen und Lesben, prangert die Grünen wegen eines von dieser Partei eingebrachten Gesetzesentwurf an:

Es ist richtig und überfällig, dass die Ehefrau der leiblichen Mutter eines Kindes automatisch bei Geburt seine zweite rechtliche Mutter wird – allerdings nur dann, wenn das Kind mittels einer Samenbank gezeugt wurde oder der leibliche Vater eingewilligt hat. Denn mit der rechtlichen Mutterschaft der Co-Mutter verliert der oft schwule Vater seine Verwandtschaft zum Kind und die damit verbundenen Rechte und Pflichten.

Den Grünen sind schwule Väter und Mehreltern-Familien aber erkennbar egal. An jeder Stelle ihres Gesetzentwurfes wird der Vater soweit wie möglich entrechtet. Der Entwurf ist rein aus der Sicht lesbischer Zwei-Mütter-Familien geschrieben, in denen der Vater keine Rolle spielen soll. Immer mehr Regenbogenfamilien sind aber Mehreltern-Familien, in denen neben den Müttern auch der Vater bzw. die Väter aktiv Verantwortung für das Kind übernehmen. Auch für diese Familien muss das Familienrecht passen. Sie haben die gleiche Legitimität wie Zwei-Mütter-Familien. Hierbei haben die Grünen versagt: statt emanzipatorisch für alle Familienformen zu wirken, bleiben sie in heteronormativen Denkmustern gefangen.

Konkret kann nach dem grünen Entwurf der Vater seine Vaterrechte nur durchsetzen, indem er die Mutterschaft der Co-Mutter im Konflikt vor Gericht anfechtet. Absurderweise gilt das sogar, wenn alle Beteiligten wollen, dass der leibliche Vater auch rechtlicher Vater des Kindes wird. Einvernehmliche Elternschaftsvereinbarungen kennt der grüne Gesetzentwurf nicht. Außerdem schließt der grüne Gesetzentwurf aktiv rechtliche Mehrelternschaften aus, indem die Vaterschaftsanerkennung und die Mutterschaftsanerkennung sich ausschließen.

Der Gesetzentwurf ist darüber hinaus auch eine Mogelpackung. Denn anders als der Titel suggeriert, kann nach dem Entwurf jede – auch nicht verheiratete – Partnerin der Mutter mittels Mutterschaftsankennung den leiblichen Vater verdrängen. Die Bestimmung zum Ausschluss der Anfechtbarkeit bei Vorliegen einer sozial-familiären Bindung ist völlig einseitig formuliert. Ob der Vater eine sozial-familiäre Bindung zum Kind hat, spielt keine Rolle und die sozial-familiäre Bindung der nicht-verheirateten Partnerin der Mutter wird im gemeinsamen Haushalt meist bejaht werden – und schon ist der Vater seiner Rechtsmittel beraubt. Hier geht es nicht um die Angleichung an die Ehe für alle, hier geht es um die Entrechtung von schwulen Vätern.


Der Liberale Tim Walter widmet dem Gesetzesentwurf in einem markigen Kommentar auf Facebook.

Natürlich werden bei dem Gesetzesentwurf nicht nur schwule, sondern auch heterosexuelle Väter einmal mehr zu Eltern zweiter Klasse gemacht.



2. Von einem Leser wurde mir das Sitzungsprotokoll der "28. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder" zugespielt, die am 7. und 8. Juni 2018 in Bremerhaven tagte. Bemerkenswert ist dabei der Tagesordnungspunkt "Sexismus in Institutionen – Kultur des Schweigens durchbrechen". Dort heißt es:

Dieses Jahr stünden zunächst der öffentliche Dienst und die dort herrschende "Kultur des Schweigens" im Fokus. Laut RP liegen zurzeit bei der rheinland-pfälzischen Antidiskriminierungsstelle sowie den Gleichstellungsbeauftragten in der rheinland-pfälzischen Landesverwaltung keine Beschwerden bezüglich "Sexismus im öffentlichen Dienst" vor. Da man davon auszugehen kann, dass es im öffentlichen Dienst nicht weniger geschlechtsbezogene Diskriminierung und sexuelle Belästigung als in anderen Institutionen und Betrieben gibt, wird vermutet, dass Betroffene Nachteile befürchten, wenn sie Übergriffe in den Dienststellen anzeigen. Dies verdeutliche das Erfordernis einer vertieften Befassung umso mehr.


Gleichstellungspolitik ist schon eine tolle Sache. Gibt es Beschwerden über Sexismus, verdeutlicht das, wie dringend nötig diese Politik ist. Gibt es keine Beschwerden über Sexismus, verdeutlicht das, dass Gleichstellungspolitik "um so mehr" vonnöten sei.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

ich möchte Sie als freier Journalist auf einen Fehler in der heutigen Auflistung hinweisen.

Es betrifft den Jurassic World Beitrag. Es sollte nun wirklich jeder Jurassic-Park-Fan wissen, dass alle Dinosaurier [in den Dino-Parks] Weibchen sind.

Von daher sollte sich in diesem Fall von selbst erläutern, dass es hier heißt: "Sie ist wunderschön!"

Eine Feminisierung in Jurassic World erscheint doch insgesamt weit hergeholt und das Gleiche sehe ich auch allgemein in Hollywood nicht so. Die Neuauflage von Ghostbusters ist mit dem Tausch auf Frauen sicherlich in die B-Movie-Klamauk-Szene einzustufen, aber einen Trend dahin ist meines Erachtens nicht zu erkennen.

Sie sollten sich meiner Meinung nach nicht Ihre Qualität in den wichtigen politischen Bereichen wie Impfungen, Arbeitslosigkeit, etc. (eben alles in den Männer benachteiligt sind) durch einen fehlerhaften Beitrag über Jurassic World II "versauen".

Ansonsten verfolge ich Ihren Blog sowohl als Mann und auch als freier Journalist mit großem Interesse.


Ich habe selbst nur den ersten Jurassic-Park-Film gesehen; dort wird allerdings tatsächlich schon erwähnt, dass alle Tiere weiblich sind, damit sie sich nicht fortpflanzen können. Daran hatte ich aktuell nicht mehr gedacht. Immerhin bietet Genderama die Möglichkeit, solche Dinge zeitnah zu korrigieren.

Zu untersuchen, welche fragwürdigen Botschaften für Männer Blockbuster und andere Filme transportieren, halte ich aber nach wie vor für wichtig, gerade weil eine "maskulistische Filmanalyse" noch in den Kinderschuhen steckt.

Ein weiterer Leser schreibt mir zur Genderama-Top-Meldung von gestern:

Hallo Herr Hoffmann, Erfolg!

Aus dem Newsletter der DAK:

"Als eine der ersten Krankenkassen übernehmen wir ab 1. Juli 2018 die Kosten der HPV-Impfung auch für Jungen. Bisher war die sogenannte 'Anti-Krebs-Impfung' nur für Mädchen vorgesehen, laut neuesten Studien profitieren jedoch auch Jungen davon."

Jetzt muss Man(n) aber auch darüber reden. Denn bekannt ist der Virus nicht allgemein.

Montag, Juni 18, 2018

Zahlen Krankenkassen bald Krebs-Schutz sogar für Jungen? – News vom 18. Juni 2018

1. "Experten empfehlen HPV-Impfungen jetzt auch für Jungen" berichtet Spiegel-Online: "Bisher haben die Krankenkassen die HPV-Impfung nur für Mädchen erstattet - das ändert sich wohl bald." Insgesamt gehen einer Mitteilung des Deutschem Krebsforschungszentrums hierzulande jährlich etwa tausend Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV.

Männerrechtler wie MANNdat fordern eine HPV-Schutzimpfung für Jungen seit über zehn Jahren, werden aber als "Masku-Nazis" und "Antifeministen" in den Medien entweder abgewertet oder übergangen. (Einen aktuellen Offenen Brief an das "Neue Deutschland" wegen dieses Irrsinn findet man hier.) Wenn sich jetzt allerdings auch "Experten" dem anschließen, was für uns seit mehr als einem Jahrzehnt selbstverständlich ist, ist das eine erfreuliche Nachricht.

Noch im letzten Jahr hatten CDU, SPD und Grüne einen von der FDP eingebrachten Antrag auf HPV-Schutz für Jungen und Männer abgelehnt.



2. Die weltweit erste Studie über Kuckuckskinder hat begonnen.



3.
Nicht nur der Überfallene ist unschuldig, sondern auch der Mann, der bei RTL unter Pädophilieverdacht gestellt wurde. Jetzt gibt es Vorermittlungen gegen RTL.


Der Tagesspiegel berichtet.



4. Im Tagesspiegel findet sich auch ein Interview, in dem SPD-Grundsatzreferent Nils Heisterhagen die Schwächen der Linken in Deutschland analysiert. "Viele nehmen die Linken dann wahr", befindet Heisterhagen, "wenn sie darüber reden, ob irgendwelche Gedichte an Hauswänden sexistisch und rassistisch sind. Sie wirken oft, als hätten sie nur Interesse daran, mit sich und ihrem Weltbild im Reinen zu sein." Stattdessen müsse die Linke sich wieder um die Interessen weiter Teile der Mittelschicht und der kleinen Leute kümmern.

Speziell zur SPD, die in den Wahlumfragen derzeit bei 16 Prozent steht, erklärt Heisterhagen:

Sie muss wieder mehr Verständnis für die zeigen, die sie repräsentieren will. Auch bei unserer eigentlichen Stammwählerschaft haben wir Vertrauensverlust erlitten. Die sagen: Die SPD, die versteht mich nicht und vertritt nicht meine Interessen. Wenn wir diesen Vorwurf nicht widerlegen können, dann wird die Linke auf absehbare Zeit keine Mehrheiten mehr gewinnen. Auch die Linke braucht Repräsentanten, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Nur jemand, den man ernst nehmen kann, den kann man auch wählen.


In dem Interview beklagt Heisterhagen darüber hinaus die Stimmungsmache durch einen "regelrechten Aktivismus-Journalismus" in Deutschland.



5. In den USA und Großbritannien war gestern Vatertag. Die Satire-Website "The Babylon Bee" nahm dies zum Anlass für eine Meldung, der zufolge der Vatertag zu einem "Toxische-Männlichkeit-Tag upgedatet werden solle.

In einer Sondersitzung, die am Freitag einberufen wurde, beschloss der Kongress einstimmig, den Vatertag komplett zu überarbeiten, indem er den Feiertag in "Toxic Masculinity Awareness Day" umbenannte und die Bedeutung des Tages neu definierte, um die Bürger dazu zu ermutigen, Scham und Ekel auf alle Väter, ob aktuell oder potentiell, zu häufen.

Amerikaner im ganzen Land bereiteten sich aufgeregt darauf vor, den aktualisierten Feiertag zu feiern, der entworfen wurde, um Väter und alles Männliche zu beschämen.

"Es war an der Zeit", sagte der Parlamentssprecher Paul Ryan und zitierte die hohe Zahl von Depressionen und Ängsten unter Männern als "ein gutes Zeichen, dass die Dinge in die richtige Richtung gehen, wir aber noch viel zu tun haben, bevor alle Männer überall das Richtige tun und sich mit der angemessenen Vehemenz hassen". Die neue Initiative zielt darauf ab, dass alle Männer in Sack und Asche durch die Straßen ziehen und sich – vor Scham und Bedauern über ihre schädliche, problematische Männlichkeit weinend – selber geißeln.

Die umgeschriebenen Feiertagrichtlinien schlagen vor, Geschenkbestellungen für Zigarren oder Pläne, Papa zu einem Steak einzuladen, zu anullieren, um ihn stattdessen auf den Boden des Wohnzimmers zu setzen und ihm klarzumachen, dass er einen Teil des Problems darstelle, indem man etwa sage: "Nimm das Geld, das du für einen Bartstutzer ausgeben wolltest und spende es stattdessen für Frauenrechte." Zu diesem Zweck hat die Regierung auch die Website ToxicFathersDay.gov eingerichtet, auf der Sie eine kostenlose Grußkarte herunterladen können, die Ihrem Vater sagt: "Das ist nicht mehr Dein Tag. Mach es besser."




6. Die Post. Einer meiner Leser fühlt sich durch die Erwähnung von "Ocean's 8" zu einer maskulistischen Filmanalyse eines anderen Streifens angeregt:

Ähnlich wie bei "Ocean's 8" ist mir dies schon bei einigen Hollywood-Produktionen der letzten Jahre aufgefallen.

Ganz aktuell gerade bei "Jurassic World". Es gibt in diesem Film mehrere Szenen, die unter einer feministischen Perspektive bewertet werden müssen. Grundsätzlich werden die Männer als tumbe, aggressive Charaktere gezeigt. Sie schießen wild durch die Gegend, kämpfen, intrigieren und werden getötet. (Ich glaube, in dem Film stirbt keine Frau). Sie sind durchweg böse und schlecht oder einfach nur der "Alte-weiße-Mann"-Typen.

Die Frauen dagegen handeln edel, sie wollen die Welt retten. Sie sind schön. Sie sind gebildet. Frauen sind Nachrichtensprecherinnen, mit wichtigen moralischen Botschaften, die Stimme der Vernunft. Frauen sind Paläo-Veterinärin, gebildet und (in der entsprechenden Szene) damit besser als der gegenübergestellte Mann (ein Computer Nerd, der nur Kabel zusammensteckt) "Alter, ich bin Ärztin! Was machst du nochmal? Kabel hin und her stöpseln."

Die Frau muss sich übrigens rechtfertigen „Ja, den Beruf gibt es wirklich“, weil ihr nicht geglaubt wird. Das finde ich schon irgendwie wieder witzig, weil es (im Gegensatz zum Kabelsteckerfuzzi) veranschaulicht, dass die „typische“ Frauenbildung wenig praktisch und eher exotisch ist. Da könnte man dann Danisch folgen und fragen „Wer studiert denn sowas?“

Und selbst die Dinosaurier werden ganz den Geschlechtersterotypen zugeordnet. In einer Szene schreitet an den Menschen ein riesiger Brachiosaurus vorbei. Das sind die großen (30 Meter ) pflanzenfressenden Saurier mit langem Hals und Schwanz. Mit der entsprechenden Musik eignen sich diese besonders für die friedfertige Darstellung der wilden Tiere, weil sie so anmutig und eben friedlich wirken.

Durch Schnitte und Perspektivenwechsel wird dann zwischen den beiden Forscherinnen (!) und dem Tier gewechselt. Mit Blick auf den Saurier und die Rücken der beiden Forscherinnen sagt eine Stimme aus dem Off "Sie ist wunderschön!"

Es gibt keinen Beleg dafür, dass es sich um ein Weibchen Saurier handelt. Im allgemeinen Sprachgebrauch würde es der Dinosaurier heißen, also "Er ist wunderschön!"

Später wird dann auch klar, warum es die Aussage "Sie ist wunderschön!" geben muss. Es bricht ein Vulkan aus und alle zurückgebliebenen Saurier werden von einer Asche- und Feuerwolke verschlungen - selbstverständlich auch der Brachiosaurus (oder die Brachiosaurus-Dame) - und man sieht, wie der Brachiosaurus sich aufbäumt in einer dramatischen Silhouette in der Aschewolke, das Tier leidet, es brüllt und kämpft ums Überleben. Ein Schelm, wer hier nicht an den Leidensweg der weiblichen Spezies auf unserem Planeten denkt, die täglich ums Überleben kämpft und dabei dramatisch untergeht.

Danke für deine Arbeit mit dem Blog. Deine Arbeit kann nicht hoch genug bewertet werden!

Samstag, Juni 16, 2018

"Ocean's 8" und die zunehmende Beseitigung von Männern – News vom 16. Juni 2018

1. Liebe Hobby-Feministen: Bitte hört auf und kümmert euch um Wichtigeres! fordert Laura Ratering im Kölner "Express" bei einem Rückblick auf MeToo.



2. Here we go again: Der neueste Film, bei dem das männliche Ensemble durchgehend durch Frauen ersetzt wurde, ist "Ocean's 8". Trotz des Aufgebots an weiblichen Stars sind die Kritiken für den Streifen dürftig und erreichen in der Internet Movie Database einen Durchschnittswert von gerade einmal 6,3 von 10 (beziehungsweise 60 von 100 auf Metascore.) Trägt es etwa als Filmkonzept immer noch nicht, Männer gegen Frauen auszutauschen? Quatsch, poltert das feministische Lager: Schuld an den durchwachsenen Kritiken sei natürlich der Sexismus weißer Männer.



3. Warum wollen uns Feministinnen dazu bringen, Männer zu hassen? fragt das britische TalkRadio mit einem Blick auf den männerfeindlichen Artikel in der Washington Post, über den auch Genderama berichtet hatte. Ein Auszug aus dem britischen Radiobeitrag:

Einer neuen Umfrage zufolge glauben 90% der Mitglieder der Demokratischen Partei, dass die Wahl von mehr Frauen Amerika voranbringen würde. Eine andere Umfrage zeigt, dass die Demokraten einfach lieber eine Frau wählen - basta. Ist es wichtig, ob diese Frau Hillary Clinton oder Margaret Thatcher ist?

Solange es eine Frau ist, anscheinend nicht.

Ja, es gibt eine Menge #BecausePatriarchy-Zeug, das heutzutage in der amerikanischen Kultur herumschwirrt. So zeigte das Brigham-and-Women's-Hospital in Boston Porträts der pensionierten Vorsitzenden, die das Krankenhaus zu Größe geführt haben. Jetzt nimmt man die Porträts herunter und vernichtet sie. Warum?

Weil sie alle Kerle sind. Weiße Jungs.

"Wir müssen sicherstellen, dass unsere Kultur ein Zugehörigkeitsgefühl für alle schafft", sagte Dr. Betsey Nabel, Präsidentin des Krankenhauses.

Das Problem ist, dass diese 31 Typen in den Porträts (alle weiß bis auf einen) die Menschen sind, die das Krankenhaus zu seinem Erfolg geführt haben. Sollen wir so tun, als hätten sie es nicht getan? Oder einfach so tun, als wären sie etwas anderes als Männer (die wir hassen)?




4. Das britische Boulevardblatt "Sun" kritisiert Londons Bürgermeister Sadiq Khan, weil ihm eine "geschlechtergerechte" Wikipedia wichtiger sei als die drängenden Probleme seiner Stadt:

In einem Artikel für den "Telegraph" forderte Khan, die Wikipedia solle sicherstellen, dass mehr Redakteure Frauen sind, um das Gleichgewicht zu wahren.

Er kündigte eine Veranstaltung an, bei der Schülerinnen den Tag damit verbringen würden, die Seite zu editieren, um mehr Informationen über weibliche CEOs und Führungskräfte einzubauen - und forderte die Schulen auf, dasselbe zu tun.

"Indem wir Frauen und Mädchen die Fähigkeiten und Unterstützung geben, die sie brauchen, können wir diejenigen ins Rampenlicht rücken, die eine wichtige Rolle dabei spielen, London zur größten Stadt der Welt zu machen", sagte er.

Unterdessen wurden in dieser Woche drei Menschen in der Hauptstadt erstochen - darunter ein 17-jähriger Junge, der jetzt um sein Leben kämpft.

Und ein Mann in seinen 20ern wurde heute vor einer Niederlassung von "Sainsbury's" erstochen, als die Verbrechenswelle weiterging.

Die Geschäftsfrau Michelle Dewberry, die die zweite Staffel von "The Apprentice" gewann, forderte den Bürgermeister auf, seine Prioritäten zu ändern.

Dewberry, die bereits darüber gesprochen hat, wie Großbritannien den Gender Pay Gap schließen könne, sagte: "Ein paar Dinge, wenn ich darf @SadiqKhan. Erstens würde ich es vorziehen, wenn Sie sich lieber darauf konzentrieren könnten, die aktuelle Epidemie an Kriminalität zu stoppen. Zweitens kann jeder UNABHÄNGIG VON SEINEM GESCHLECHT die Wikipedia bearbeiten. Dort herrscht bereits Gleichberechtigung."

Diesen Worten ließ sie ein Face-Palming-Emoji folgen, das eine Frau zeigt, die den Kopf frustriert in ihre Hand gelegt hat.

Gegenüber der "Sun" führte sie aus: "Die Gewalt, die hier gerade stattfindet, ist beängstigend. Als Frau würde ich es vorziehen, dass Khan für meine Sicherheit arbeitet, anstatt für meine Möglichkeit, eine Website zu bearbeiten, die ich bereits bearbeiten kann, wenn immer ich möchte."




5. Genderama blickt ja gerne immer wieder auf die Situation von Männern in Ländern außerhalb Europas und den USA. Heute ist Kenia an der Reihe. In der dortigen Zeitung "Daily Nation" schreibt die Journalistin Njoki Chege:

Als ich diese Woche durch Twitter scrollte - während ich eigentlich für meine bevorstehenden Prüfungen hätte lernen sollen - stolperte ich über den Trend #MasculinityKE.

Ein junger Mann namens Mariga W. Thoithi erzählte in einem langen Twitter-Thread, wie er von einer Schar von Schönheiten eingeladen wurde, die teure Getränke bestellten und dachten, er würde bezahlen. Da er wusste, dass er pleite war, hatte er die ganze Nacht über nur zwei Bier und erklärte stolz, wie schockiert seine Freunde waren, als er dem Kellner sagte, dass er nur für seine Getränke bezahlen würde und die Damen ihre eigenen Rechnungen bezahlen würden.

Er fuhr dann fort, darüber zu reden, wie Frauen einen Mann nicht im Namen von "Männlichkeit" und "ein Gentleman sein" einschüchtern sollten. Er ermutigte andere junge Männer, sich dagegen zu wehren, von Frauen "benutzt" zu werden, die mit Männern rumhängen wollen, nur damit sie ihre Rechnungen bezahlen können.

"Meine Emanzipation davon, dass ich meine Männlichkeit davon abhängig mache, was ich mir leisten kann, bedeutet, dass man mich nicht mehr durch Beschämung dazu bringen kann, Rechnungen zu bezahlen, die ich nicht eingeplant hatte", sagte er.

Das erregte meine Aufmerksamkeit. Erstens bin ich mir nicht sicher, ob Thoithi "Männlichkeit" erkennen würde, wenn sie sich auf der Straße anschleichen würde. Aber ich muss ihm zugestehen, dass er eine Debatte auf Twitter entfacht hat, denn was nach seiner viralen Geschichte folgte, war eine Flut von ähnlichen Berichten junger Männer, die angeblich eingeschüchtert wurden, Rechnungen von jungen Frauen zu bezahlen, die ohne Geld ausgehen.

Ich habe Thoithi und seiner Kombo von ähnlich gesinnten jungen Männern folgendes zu sagen. Ich möchte, dass ihr mir ganz genau zuhört, denn ich werde das nur einmal sagen; Wenn ihr es euch nicht leisten könnt, eine Frau zum richtigen Zeitpunkt auszuführen, bleibt bitte zu Hause. Wenn ihr nicht für die Getränke, das Essen und was sie sonst noch will bezahlen könnt, hängt euer Telefon aus und spielt die ganze Nacht Videospiele oder was auch immer es ist, was junge Männer tun.

Wenn ihr denkst, dass die atemberaubende junge Frau zu teuer oder zu aufwandintensiv ist, dann seid ihr nicht der Zielmarkt. Sprecht mir nach: Wenn sie zu teuer ist, befindet sie sich außerhalb meiner Liga. Niemand hat euch gezwungen, mit Damen auszugehen, die viel Zuwendung erwarten. Es gibt viele Mädchen, die gerne einen Drink mit euch teilen und euch trotzdem lieben würden. Bleibt in eurer Spur; überlasst die teuren Mädchen den Männern mit Geld. Es ist nichts Persönliches. Ihr werdet eines Tages dort ankommen!

Ich würde euch auch bitten, von der Darstellung von Frauen als Goldgräberinnen abzusehen. Die Männer mit dem Gold sollen sich über Goldgräberinnen beschweren.

Wenn eure mickrigen Kröten euch dazu bringen, euch in den sozialen Medien auszumären – wobei ihr mit großen Wörtern wie "Männlichkeit" um euch werft -- worüber ihr vermutlich nicht das Geringste wisst - bitte verschont euch mit eurem Drama und zeigt euch nicht dort, wo echte Männer zu sehen sind.

Nun, da die Frage der Männlichkeit aufgetaucht ist, erlaube mir, noch einmal darauf zurückzukommen. Wenn du so scharf auf Männlichkeit wärst, dann wärst du nicht zu einem Date mit einer Schar von Schönheiten mit nur 500 Schilling in deiner Tasche aufgetaucht. Weil, Thoithi, Männlichkeit Verantwortung bedeutet. Es geht darum, die Situation in den Griff zu bekommen. Wenn du endlich nicht mehr pleite bist - und ich bete, dass der Tag bald kommt – wirst du erkennen, wie wichtig es für einen Mann ist, sich verantwortlich zu fühlen. Außerdem, ich meine, was für ein Mann geht zu einem Date ohne Geld aus?

Nummer zwei: Männlichkeit bedeutet, die ehrenhafte Sache zu tun. In zwanzig Jahren, wenn du ein verheirateter Vater von mehreren Kindern mittleren Alters mit etwas mehr Geld bist, wirst du zurückblicken und erkennen, wie kleinlich das alles war. Ein "Gentleman" zu sein, bedeutet nicht nur deine Würde zu wahren, sondern auch die Würde der gnädigen Dame, die dich eingeladen hat. Echte Männer blamieren Frauen nicht wegen ein paar Groschen. Du hast dich vieleicht entrechtet, ausgenutzt und für dumm verkauft gefühlt , aber was ist schon Geld? Geld ist nichts, wofür man Leute in Verlegenheit bringt. Du kannst immer noch mehr verdienen.

Also, meine lieben Freunde, wenn sie euch das nächste Mal anruft und ihr sicher wisst, dass ihr pleite seid, dann sagt bitte: "Danke, aber nein danke."


Ich habe diesen Artikel gerne so ausführlich zitiert, weil er in all seiner Plumpheit so hübsch deutlich macht, was ansonsten oft nur unterschwellig und raffinierter geschieht. Grundsätzlich läuft hier aber dasselbe Spiel ab wie in den deutschen Medien. Njoki Chege gilt als führende Feministin ihres Landes - aber wenn Frauen wie sie bei Männern etwas für sich herausschlagen wollen, wird ein noch so wortreicher und manipulativer Appell an die traditionellen Geschlechterrollen immer noch liebend gern benutzt.

Schön, wenn die jungen Männer auf Twitter sich zunehmend von solchen Erwartungen emanzipieren – auch wenn die nächste Welle von Hetzartikeln gegen die "frauenfeindlichen" Men Going Their Own Way niemals lange auf sich warten lässt.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ich habe gerade diesen Artikel der Tagesschau gelesen. Was mir dabei auffiel: Laut Überschrift und der kurz darauf folgenden Formulierung "verzweifelte Rufe nach Mama oder Papa" geht es hier geschlechtsneutral um die Trennung von Kindern und Eltern. Im Artikel werden aber immer nur Beispiele von Müttern und Töchtern genannt. Außerdem scheint es so zu sein, dass sich einige Abgeordnete der Demokraten sowie manche Hilfskräfte selektiv nur um Mädchen und Frauen kümmern, da ja im Text z.B. stand "Pramila Jayapal, Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus, besuchte rund 200 Frauen, die festgehalten werden".

Freitag, Juni 15, 2018

RTL verantwortlich für Lynchjustiz nach TV-Reportage? – News vom 15. Juni 2018

1.
Ein 50-jähriger Mann ist nach Angaben der Polizei am Dienstagnachmittag in seiner Wohnung von mehreren Personen niedergeschlagen und dabei schwer verletzt worden. Angeblich dachten die Angreifer, sie hätten den Mann in einer Reportage über Pädosexuelle erkannt, die das RTL-Magazin "Punkt 12" am Mittag gesendet hatte. Allerdings handelt es sich bei dem Mann, der überfallen wurde, nicht um den aus der Reportage, sagt die Polizei. Er soll inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr schweben. Die Täter sind flüchtig.


Hier geht es weiter.



2. Der Tennis-Champion Rafael Nadal macht mühelos klar, warum der Gender Pay Gap nicht Diskriminierung zu verschulden ist. Auf die Frage eines Journalisten, ob weibliche Tennisspieler nicht genauso viel verdienen sollten wie Männer, erwiderte Nadal:

"Das ist ein Vergleich, den wir nicht einmal machen sollten. Weibliche Models verdienen mehr als männliche Models und niemand sagt etwas. Warum? Weil sie eine größere Fangemeinde haben. Auch im Tennis verdient jemand, der ein größeres Publikum gewinnt, mehr."


Und so ist es bei anderen Beschäftigungen auch.



3. "Es ist Zeit damit aufzuhören, Männern an ihren Leiden im Bereich seelischer Gesndheit die Schuld zu geben", fordert das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today. Ein Auszug aus dem Artikel:

"Wenn Männer nur mehr reden würden, würde sich ihre psychische Gesundheit verbessern und ihre Probleme wären gelöst" – so wird oft argumentiert. Eine solche vereinfachte Darstellung des Themas ist jedoch aus verschiedenen Gründen hochproblematisch.

Erstens vernachlässigt sie wachsende Beweise dafür, dass der soziale Kontext eine wichtige Determinante der psychischen Gesundheit ist. Zweitens gibt sie dem Opfer die Schuld und trägt so zu einem Mangel an Einfühlungsvermögen und Verständnis bei. Drittens ignoriert sie viel Forschung, die darauf hinweist, dass es verschiedene Modalitäten der psychischen Heilung gibt, von denen viele eher handlungsorientiert als gesprächsbasiert sind.

Die gesammelte Forschung zeigt, dass soziale Faktoren (und nicht schweigsame Männer) eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und dem Fortbestehen der psychischen Gesundheitsprobleme von Männern spielen. Beispielsweise sind die Selbstmordraten von Männern und der Drogenmissbrauch in ländlichen Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit und rückläufiger Industrie am höchsten. Dies kann zu einem Mangel an Hoffnung und Lebenssinn für viele Männer führen, insbesondere für Ungelernte und Geringqualifizierte.

Andere Untersuchungen zeigen, dass negative Lebensübergänge eine sehr schädliche Auswirkung auf die psychische Gesundheit von Männern haben können. Gut erforschte Faktoren sind das Gefühl, überflüssig geworden zu sein, Scheidungen und Trauerfälle, besonders wenn dies plötzlich und unerwartet geschieht. Falsche Anschuldigungen und nachfolgende Untersuchungen können sich auch sehr schädlich auf die psychische Gesundheit von Männern auswirken.

Gemeinsam ist diesen Faktoren ein Prozess des Schocks, des Verlustes und der anschließenden Erfahrung eines existentiellen (und finanziellen) Vakuums. Diese konkrete negative soziale Erfahrung ist oft die Ursache für die psychische Gesundheit der Männer, und die Konzentration auf die angebliche Unfähigkeit der Männer, sich zu öffnen, ignoriert diese grundlegenden sozialen Fragen.

(...) Dies kann zu einer schädlichen Sichtweise führen, die Männer für ihre psychischen Probleme verantwortlich macht und beschimpft, was bedeutet, dass ihr eigenes Verhalten die Ursache sei. Dieser Ansatz wird in der öffentlichen Gesundheit als "Victim-blaming" bezeichnet und wird bei Kampagnen zur psychischen Gesundheit von Frauen, bei denen der soziale Kontext oft als Schlüsselfaktor für die psychische Gesundheit anerkannt wird, sorgsam vermieden.

Tatsächlich zeigt meine eigene Forschung, dass mediale Darstellungen von Frauen mit psychischen Erkrankungen viel einfühlsamer und sympathischer sind als Darstellungen von Männern mit psychischen Erkrankungen, die in der Regel hart und strafend sind. Der berühmte Professor Philip Zimbardo von der Universität Stanford nennt dies zu Recht eine "Empathielücke", in der es an gesellschaftlicher Sympathie für Männer mangelt.

Diese Einfühlungslücke manifestiert sich auf verschiedene Weise. Interessanterweise haben zahlreiche Männer in meinen eigenen Forschungsstudien festgestellt, dass sie versucht haben, über ihre psychischen Probleme zu sprechen, aber nur wenige Männer oder Frauen in ihrem sozialen Umfeld waren bereit zuzuhören. Einige berichten sogar, dass Familie und Freunde ihnen einfach gesagt haben, dass sie "ein Mann sein sollen", oder schlimmer noch, sie als schwarze Schafe geächtet haben.

Wer ist also wirklich schuld an der angeblichen Schweigsamkeit der Männer?

(...) Die Lösung der Krise der psychischen Gesundheit der Männer erfordert in der Tat Veränderungen auf verschiedenen Ebenen. Aber derzeit wird zu viel Wert darauf gelegt, das vermeintliche Schweigen der Männer zu verändern, und nicht genug darauf, die Gesellschaft und die psychiatrischen Dienste zu verändern, die der gesamten Gesellschaft dienen sollen.

Donnerstag, Juni 14, 2018

Sexuelle Gewalt: Unsere Medien machen die größte Opfergruppe unsichtbar – News vom 14. Juni 2018

1. Wie die auflagenstarke Zeitung USA Today berichtet, übergeht die intensive Berichterstattung über MeToo die häufigsten Opfer sexueller Übergriffe: Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Insgesamt sind Menschen, die sich als LGBTQ identifizieren, laut des Centers for Disease Control and Prevention einem höheren Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt:

44% der Lesben und 61% der bisexuellen Frauen erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 35% der heterosexuellen Frauen.

37% der bisexuellen Männer erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 29% der heterosexuellen Männer.

40% der schwulen Männer und 47% der bisexuellen Männer haben andere sexuelle Gewalt als Vergewaltigung erlebt, verglichen mit 21% der heterosexuellen Männer.

(...) Die am meisten beachteten Geschichten folgten einer Formel: Eine prominente Überlebende und ein mächtiger männlicher Täter.




2. Gegen Professorin Avital Ronell, die an der Universität New York Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft unterrichtet, wird wegen Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens ermittelt. Nachdem damit erstmals eine prominente Akademikerin in diesem Zusammenhang bezichtigt wird, stimmen Feministinnen wie Judith Butler Proteste an, es handele sich dabei um eine "Hexenjagd", und schreiben einen entsprechenden Offenen Brief. Das Magazin Quartz berichtet und kommentiert:

Die in dem Brief geäußerten Auffassungen widersprechen direkt den Grundprinzipien, über die sich die meisten sonst einig sind, wenn es darum geht, wie man auf sexuelle Übergriffe reagiert: Seine Verfasser verleumden den Ankläger, schlagen vor, dass die Prominenz der Angeklagten Einfluss darauf haben sollte, wie sie behandelt wird, und behaupten - ohne eine eigene Untersuchung durchzuführen oder Beweise zu liefern -, dass die Angeklagte nicht für schuldig befunden werden könne. Er stellt auch die Untersuchung selbst als schädlich für die Angeklagte dar.

(...) In einer Gesellschaft, die sexuelle Gewalt ernst nimmt, müssen alle Anschuldigungen untersucht werden. Die Behauptung, dass eine Untersuchung an sich schon eine Ungerechtigkeit ist, zeigt mangelnde Rücksicht gegenüber den Opfern dieses weit unterschätzten Verbrechens. Viele derjenigen, die den Brief zur Verteidigung von Ronell unterzeichnet haben, sind feministische Theoretiker, die diese Prinzipien theoretisch unterstützen. In der Praxis sollte es keine Ausnahmen von diesen Regeln geben, auch wenn der untersuchte Professor eine Frau ist.


Hierzulande kritisiert Der Freitag den Offenen Brief.



3. Die Schauspielerin Rose McGowan wurde wegen des Besitzes von Kokain verhaftet. Ihre Verteidigung: Das wäre nie passiert, wenn sie nicht die Zielscheibe Harvey Weinsteins wäre.



4. Zuletzt noch ein anderes Thema: Das eigene Risiko für Prostatakrebs kann inzwischen schon durch eine preisgünstige Speichelprobe ermittelt werden.

Mittwoch, Juni 13, 2018

Wie man die Männerrechtler besiegen kann – News vom 13. Juni 2018

Bevor wir zu der Meldung kommen, der dieser Blogbeitrag seinen Titel verdankt, einige andere aktuelle News in der heutigen Presseschau:



1.
Frauen das friedliche, Männer das gewalttätige Geschlecht? Obwohl Frauen als Mörder und Totschläger statistisch weniger auffällig werden, ist die Sache weitaus komplexer.


Das erklärt die Publizistin Cora Stephan ausführlicher in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung. Dabei gelangt sie zu folgenden Gedankengängen:

Nichts scheint also dagegen zu sprechen, die Armee für Männer wie Frauen zu öffnen, zumal es auch hinter der Front reichlich zu tun gibt. Und nichts spräche gegen eine allgemeine Wehrpflicht auch für Frauen – davon aber ist im Gleichstellungsdiskurs merkwürdigerweise selten die Rede.

(...) Deshalb sei hier eine Lanze für die Männer gebrochen – eine Lanze für eine männliche Kultur des Krieges. Kultur des Krieges – genau. Männliche Gewalt hat ihre dunkle und ihre helle Seite. Denn es ist Männern, nicht Frauen, gelungen, der Kriegsgewalt eine Form zu geben, die sie bremst, die sie einhegt, die sie beschränkt und die dazu beigetragen hat, dass die Menschheit sich noch nicht ausgerottet hat, was geschehen wäre, wenn es in Kriegen immer schon und generell um die möglichst gründliche Vernichtung des Gegners ginge.

(...) Ja, Männer und Frauen unterscheiden sich. Im Unterschied zu Frauen haben Männer Kulturen der Selbstdisziplinierung entwickelt und als Stellvertreter den Frauen manches erspart. Manch schriller Angriff auf den Mann, insbesondere den "alten weissen Mann", erinnert heute eher an das unfreundliche Diktum Friedrich Schillers in seiner "Glocke": "Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz."

Männer und Frauen sind nicht gleich, aber sie kooperieren im Guten wie im Schlechten. Das macht die Frauen weniger edel und die Männer weniger schurkisch. Mit dieser banalen Einsicht wären wir einen grossen Schritt weiter.




2. Was ihr Orientierungsvermögen angeht, bleiben Männer der neuesten wissenschaftlichen Forschung zufolge den Frauen voraus:

Männer scheinen tatsächlich die besseren "Pfadfinder" zu sein. Denn sie bewegen sich effizienter durch ihnen grundsätzlich bekannte Umgebungen und erreichen ihr Ziel dadurch deutlich schneller, wie ein Experiment belegt. Demnach nehmen die Herren der Schöpfung häufiger sinnvolle Abkürzungen. Frauen folgen dagegen eher einmal eingeprägten Routen und neigen außerdem dazu, umher zu wandern.


Das Wissenschaftsmagazin Scinexx berichtet.



3. Hadmut Danisch kommentiert aktuelle Artikel zum Thema "Frauen und Technik".



4. Der 84jährige Dichter Reiner Kunze, berichtet die Passauer Neue Presse, war im totalitären Staat der DDR so lange der Indoktrination ausgesetzt, bis er 1977 in den Westen übersiedelte. Diese Erfahrung habe in Kunze eine tiefe Skepsis gegen verordnete Gebote des Denkens und Redens erzeugt. So nimmt er jetzt auch in einer Erklärung zum Sprachfeminismus Stellung, in der er zu folgendem Fazit gelangt:

Die Sexualisierung der Sprache durch die Diskreditierung geschlechtsübergreifender Wortbedeutungen hat eine eklatante Verarmung und Bürokratisierung der Sprache, die Denunzierung aller Sprechenden, die sich dagegen verwahren, und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens zur Folge. Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur hervorgegangen ist.




5. Schöne neue feministische Welt nach MeToo: Netflix greift durch, was Flirten am Arbeitsplatz angeht. So darf man dort seine Kollegin nicht mehr länger als fünf Sekunden ansehen oder nach ihrer Telefonnummer fragen. Einige Angestelte sind allerdings noch ein wenig aufsässig: So schauen Kollegen einander im Spaß an, zählen gleichzeitig bis fünf und wenden ihren Blick dann ab.



6. Angelina Jolie muss einer gerichtlichen Anordnung zufolge Brad Pitt mehr Kontakt zu seinen Kindern gewähren, wenn sie das Sorgerecht nicht verlieren möchte.



7. "Ich würde lieber in eine Million Kanalschächte fallen, als dass mir ein einziger Kerl sagt, ich solle aufpassen, wo ich gehe" tweetete vor einigen Tagen die feministische Wortführerin Lena Dunham. Dieses Statement führte zu nicht wenigen bissigen Erwiderungen.



8. Die Website "Quora" wurde eingerichtet, um Nutzern Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen zu geben, die man dort stellen kann. Eine Frage dort, die aktuell stark trendet, lautet "Wie können wir die Männerechtler besiegen?" Die beliebteste Antwort, die darauf gegeben wurde, ist zu lang, um sie vollständig zu übersetzen; ich tue das aber gerne mit ihren letzten Absätzen:

Feministinnen, ihr könnt nicht beides haben. Entweder ihr fangt an, die Probleme der Männer ernst zu nehmen und stellt eure Zeit zur Verfügung, öffnet eure sicheren Räume und fangt an, die Dinge anzupacken, bei denen Sexismus Männer beeinträchtigt, ODER lasst die Männerechtler die Probleme anpacken, die Männer betreffen. Ihr könnt nicht beides haben, und wenn ihr es versucht, seht ihr männerfeindlich und gleichberechtigungsfeindlich aus, und wenn ihr so ausseht, SORGT IHR DAFÜR, dass Männerrechtler und Antifeministen euch legitimerweise als eine Bedrohung für Gleichberechtigung und Männerrechte betrachten, und DESHALB VERBRINGEN SIE IHRE ZEIT DAMIT, SICH GEGEN DEN FEMINISMUS EINZUSETZEN.

Sie betrachten euch nicht als Bedrohung, weil ihr für die Gleichberechtigung der Frauen eintretet. Sie betrachten euch als Bedrohung, weil bei jeder möglichen Gelegenheit irgendeine Feministin beleidigt tut, sobald man versucht, über Themen zu sprechen, die Männer betreffen.

Also ja, wenn jemand lediglich über die Themen sprechen möchte, die ihn betreffen, und bei jeder möglichen Art und Weise, wie er es versucht, eine Feministin aufkreuzt, um zu versuchen, diese Meinung zum Schweigen zu bringen, wird er denken, dass ihr männerfeindlich seid.

Ich bin es wirklich leid, Feministinnen zu sehen, die Männerrechtlern Frauenfeindlichkeit unterstellen, während es viele weibliche Männerrechtler gibt. Der wahre Grund, warum Männerrechtler gegen Feminismus wettern, ist, dass sie aus ihrer Perspektive einen legitimen Grund haben zu glauben, dass Feminismus gegen sie aktiv ist. Und Fragen wie deine bestätigen ihren Verdacht.

(...) Ich denke, was am meisten unterschätzt wird, ist, dass Männerrechtler einen Raum für Männer bieten, um über die Themen zu sprechen, die sie betreffen. Die Konferenzen, die sie abhalten, ermöglichen es den Männerrechtlern, in einem sicheren Raum zusammenzukommen, um einfach nur zu reden. Darüber zu reden, wie Männer von bestimmten Problemen betroffen sind und wie sie sich dabei fühlen. Sie haben Sprecher und Führungsfiguren. Das ist wichtig, auch wenn Feministinnen so tun, als ob es nichts wäre. Denn in vielen anderen Fällen leiden diese Männer allein und ohne Unterstützung. Männliche Opfer häuslicher Gewalt leiden alleine, männliche Vergewaltigungsopfer leiden alleine. Die Konferenzen der Männerrechtler sind von Bedeutung, und Feministinnen gehen so weit, dass sie den Feueralarm auslösen oder die Zugänge versperren, um diese Konferenzen zu verhindern.

--- Wie man Männerrechtler besiegt ---

Behebt die Probleme von Männern. Nehmt sie ernst und hört auf, aus allem eine Unterdrückung von Frauen zu machen.

Ich bin kein Männerrechtler, ich betrachte mich als Nicht-Feminist, aber ich habe es satt, dass Feministinnen auf Männerrechtlern herumhacken und gleichzeitig die Probleme der Männer herunterspielen. Wenn du versuchst, die Rechte der Männer anzugreifen, wenn du versuchst, dem Fortschritt bei Männern im Wege zu stehen, dann bist du gegen die Gleichberechtigung, und ich stehe zu den Antifeministen und lehne jeden Versuch ab, Rechte für Männer niederzuzwingen, WEIL ICH AN DIE GLEICHBERECHTIGUNG GLAUBE.


Auch andere Antworten, die auf die obige Frage gegeben wurden, sind lesenswert. Das Internet ist den klassischen Leitmedien bei diesem Thema inzwischen um Längen voraus.

Dienstag, Juni 12, 2018

Wie geht es dem Jungen, den seine Mutter europaweit zur Vergewaltigung angeboten hat? – News vom 12. Juni 2018

1. Vor einigen Monaten berichtete Genderama über einen Jungen, der von seiner Mutter Männern online zur Vergewaltigung angeboten wurde. Der STERN erkundigt sich im Interview mit der Anwältin des Jungen, wie es ihm inzwischen geht. In einer Passage wird das Gespräch allgemeiner:

STERN: Wie schaffte [die mutmaßliche Täterin] es, sogar die Richter zu überzeugen?

Rechtsanwältin Ravat: Das ist genau die Frage. War es wirklich die Überzeugungskraft dieser Frau? Sie ist sicher nicht besonders klug, sie kann sich eher schlecht ausdrücken. Oder war es die Haltung, dass man einer Mutter solche Taten nicht unterstellen mag? Das ist der Bonus, den Frauen genießen.

STERN: 2016 gab es laut Bundeskriminalamt mehr als 7000 Männer, aber nur 127 Frauen, denen sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen wurde.

Rechtsanwältin Ravat: Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Auf kinderpornografischen Aufnahmen mit Säuglingen erkennen wir immer wieder ganz eindeutig Frauenhände.




2. Lucas Schoppe beschäftigt sich einmal mehr mit rechten Diskursen im herrschenden Feminismus. Ein Auszug:

Es ist ein wesentliches Problem der feministischen Linken, dass sie sich in aller Regel mit der faschistischen Geschlechterordnung immer nur gerade eben so weit auseinandergesetzt hat, wie diese Auseinandersetzung ihre ohnehin immer schon bestehenden Grundthesen bestätigte. Sonst hätte sie irgendwann einmal bemerken müssen, dass sie diese Ordnung in wesentlichen Aspekten nicht etwa bekämpft, sondern sie reproduziert und variiert.

Die Entsorgung von Vätern, die heute nicht mehr auf Schlachtfelder ziehen müssen, aber dafür juristisch von ihren Kindern ferngehalten werden – die inzestuöse Verherrlichung der vom Vater ungetrübten Mutter-Kind-Innigkeit in der Fantasie einer "Alleinerziehung als Befreiung" – die rituell wiederholte Imagination des Mannes als Täter und der Frau als Opfer – die Fantasie des Mannes als Vergewaltiger, als triebgesteuerte Bedrohung der unschuldigen Frau – bis zur heutigen #MeToo-Bewegung, die statt soziale und ökonomische Strukturen zu analysieren auf Geschlechtszugehörigkeiten fixiert ist – und bis hin zu einer Schrift, die zum feministischen Kultbuch wurde, obwohl oder gerade weil sie sich unverkennbar und unverblümt in die Tradition des Nationalsozialismus stellte: Die hier nur skizzierten Übernahmen aus einer reaktionären oder faschistischen Geschlechterordnung sind so vielfältig, dass es eine beständige Anstrengung kosten muss, sie zu übersehen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Feminismus grundsätzlich "rechts" sei. Selbst eine unfaire und einseitige Interessenvertretung für Frauen wäre eben unfair und einseitig, aber deswegen noch nicht rechts, reaktionär oder gar faschistoid. Irritierend und erklärungsbedürfig aber ist die Blindheit für die Parallelen, die offenkundig und eigentlich unübersehbar sind.

(...) Es ist eigentlich eine klassische rechte Politik, die Gesellschaft in unterschiedliche Gruppen versprengt zu sehen und Einzelne diesen Gruppen unterzuordnen – Gruppen, die sich unversöhnlich gegenüberstünden, die potenziell gewaltsam eher im Streben nach Macht kollidierten als sich im Bemühen um Verständigung zu begegnen, die keinen universellen Rahmen der Vernunft hätten und die jede Idee eines herrschaftsfreien Diskurses zum naiven Traum werden ließen.

In Massenmedien wie in sozialen Medien stehen sich also heute nicht Rechte und Linke gegenüber, sondern Rechtsaußen-Akteure, die wissen, dass sie rechts sind – und Rechtsaußen-Akteure, die sich für links halten. Gerade bei traditionellen Linken muss diese auf rechts gestrickte Linke an Unterstützung verlieren.




3. Harald Martenstein kommentiert, dass die SPD beim Kampf um Wählerstimmen auf feministische Pornos setzt.



4. Das liberale Magazin Reason beschäftigt sich mit dem (auf Genderama ebenfalls schon einmal erwähnten) Fachaufsatz der Genderstudien über die "Vergewaltigungskultur" unter Hunden und Hundebesitzern.

Wilson verbrachte 100 Stunden in drei Hundeparks, wo sie eine ganze Reihe von Malen notierte, als ein Hund einen anderen bestieg. Wenn das zwei Rüden taten, griffen die Besitzer in der überwältigende Zahl der Fälle ein. Aber wenn es sich um eine männliche und eine weibliche Hündin handelte, stoppten die Besitzer es weitaus seltener. Dies, so die Studie, könnte etwas über die verinnerlichte Homophobie der Eigentümer aussagen und ihre Bereitschaft, weibliche Opfer sexueller Übergriffe zu übersehen.

(...) Wilson sagt [in ihrem Fazit] im Wesentlichen, dass, da das Anschreien von Hunden ein guter Weg war, um sie dazu zu bringen, mit der Vergewaltigung aufzuhören, das Anschreien von Männern – beim Wettern gegen die Vergewaltigungskultur - auch funktionieren könnte.

Sie räumt jedoch ein, dass Männer im Gegensatz zu Hunden nicht angeleint werden können. Das wäre "politisch nicht machbar", erklärt sie. Die Enttäuschung ist spürbar.




5. Zuletzt: Die Karikatur der Woche.

kostenloser Counter