Dienstag, Juli 17, 2018

Frauen empört über Rentenbonus für Wehrpflichtige – News vom 17. Juli 2018

1. Wer in der Schweiz seiner Dienstpflicht im Militär oder Zivilschutz nachkommt, soll ein Jahr früher in Rente gehen dürfen. Das fordert der FDP-Nationalrat Walter Müller. Vor allem linke Frauen sind empört.



2. Die Frankfurter Neue Presse hat Brigitta Wolff, Präsidentin der Frankfurter Goethe-Universität, interviewt:

Frankfurter Neue Presse: Im vergangenen Jahr ist der Polizeigewerkschafter Rainer Wendt ausgeladen worden, weil Proteste Linker befürchtet wurden. Im Frühjahr wollten Linke einen "Familienkongress" mit dem umstrittenen Soziologen Gerhard Amendt verhindern. Kann die Uni noch der Ort freier Auseinandersetzung sein?

Wolff: Ja. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit. Und es gibt einen Unterschied zwischen Stammtischdiskussionen und wissenschaftlichen Diskussionen. Das Präsidium und ich selbst sind der Auffassung, dass wir die Pflicht haben, Ort eines wissenschaftlichen, auch wissenschaftlich moderierten, freien gesellschaftlichen Diskurses zu sein, bei dem man sich auch Positionen anhören muss, die man selbst nicht teilt. Toleranz bedeutet gerade auch, Positionen zu respektieren, ja auszuhalten, die den eigenen Ansichten widersprechen. Andererseits sagen wir aber auch: Wir wollen nicht der Stammtisch der Region sein. Was beispielsweise Herrn Amendt angeht: Ich glaube, dass für viele erkennbar wurde, dass es sich hier um unzureichende Wissenschaft handelt. Wir haben daraus gelernt und schauen jetzt noch genauer hin, wer unsere Räume mieten will.


Tatsächlich waren für den von Professor Gerhard Amendt ausgerichteten Kongress über Familiengewalt international führende Experten bei diesem Thema zusammengekommen. Die Inhalte der Vorträge stehen noch immer für jeden nachlesbar online. Das einzige Problem des Kongresses war, dass der dort präsentierte Forschungsstand sich nicht mit der Auffassung feministischer Ideologen vereinbaren ließ, der zufolge häusliche Gewalt weit überwiegend patriarchale Männergewalt darstelle. In Wirklichkeit findet häusliche Gewalt aber systemisch und wechselseitig statt, und weibliche Täter stehen Männern in nichts nach. Genau das belegen hunderte internationaler Studien.

Es muss eine Freude sein, an einer Uni zu studieren und erst recht zu arbeiten, deren Chefin die Integrität Brigitta Wolffs besitzt. Mal eben eine Reihe hochkarätiger Forscher zu denunzieren, die aus der ganzen Welt zu einem Kongress an eben dieser Hochschule zusammengekommen waren, ist ein schon sehr ungewöhnliches Verhalten. Attacken wie die hier geäußerten gegen missliebige Wissenschaftler bewegen sich an der Grenze zum Rufmord. Sie lassen sich meines Erachtens nur durch den politischen Druck erklären, den einige Ideologen auf die Universität ausgeübt hatten.

Aufgabe der Präsidentin einer Hochschule wäre es gewesen, Wissenschaft auch dann zu verteidigen, wenn sie zu bei einigen Aktivisten politisch unerwünschten Ergebnissen führt. Wenn eine Hochschulpräsidentin stattdessen ankündigt, man werde zukünftig gründlicher aussieben, wer an einer Hochschule wissenschaftliche Erkenntnisse vorlegen darf, dann ist das beängstigend.



3. Der in der akademischen Fachzeitschrift "Journal of Information Ethics" veröffentlichte Aufsatz über die Unterdrückung maskulistischer und feminismuskritischer Veröffentlichungen steht inzwischen online.



4. Der Gymnasiallehrer und Blogger Lucas Schoppe beschäftigt sich heute damit, wie irrwitzig manche politischen Debatten geworden sind. Ein Auszug:

Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, erklärte in einem YouTube-Video engagiert, sie habe

"keinen Bock, dass alte weiße Männer, weil sie mit Vielfalt nicht zurechtkommen, unsere Zukunft verspielen".

Die Kontroverse zwischen CSU und CDU um die Einwanderungspolitik interpretierte sie so schlicht als Ausdruck von Alter, Hautfarbe und Geschlecht – alte weiße Männer sind bei ihr irgendwie DIE ANDEREN, die UNSERE Zukunft verspielen.

Inhaltlich ist das bestenfalls Quatsch, politisch ist es verrückt, einen Großteil der eigenen Wählerschaft aufgrund von Eigenschaften, die Menschen nicht ändern können, als destruktive Unmenschen hinzustellen.

Nun muss in demokratischen Debatten allerdings auch ein Platz für abseitige, zunächst verrückt wirkende Statements sein. Nur gibt es eine solche Debatte bei den Grünen eben gar nicht. Ebenso wie bei der extremen Äußerung des Hamburger Vize-Grünen Michael Gwosdz, der Männer pauschal als "potenzielle Vergewaltiger" hingestellt hatte, gibt es in der Partei nicht einmal einen Hauch von Kritik. Entweder sind tatsächlich alle ganz einverstanden damit, Menschen ihrer biologischen Gruppenzugehörigkeit entsprechend als Unmenschen zu präsentieren – oder die parteiinterne Debattenkultur ist so nachhaltig beschädigt, dass Kritiker solcher extremen Äußerungen mehr befürchten müssen als die, die sich so äußern.

Schlimmer noch: Medial wird es vollkommen akzeptiert, dass den Grünen die Selbstkorrektur einer offenen innerparteilichen Diskussion fehlt. Im Tagesspiegel ist soeben ein Text über Schulze erschienen, der ihr über eine ganze Zeitungsseite hinweg so distanz- und kritiklos huldigt, als wäre der bestellte DDR-Journalismus wieder auferstanden. Nur muss dieser Journalismus nicht einmal mehr bestellt werden, er bestellt sich selbst ein.

Schulze habe, so wird zum Beispiel ein Parteifreund distanzlos zitiert, "nicht nur ungeheure Energie und Empathie, sondern auch eine alles überragende Kompetenz". Hätte jemand dem Autor Armin Lehmann gesteckt, dass sie auch Kranke heilen, über Wasser wandern und Bierflaschen mit dem Augenlid öffnen kann – er hätte auch das noch in seinem Text untergebracht.

Dieser Autor ist ein weißer Mann, fühlt sich aber möglicherweise noch nicht alt genug, um zu Schulzes diversitätsfeindlichen Zerstörern der Welt gerechnet zu werden. Seine beschämend-liebedienerische Kritiklosigkeit ist aber ein gutes Beispiel für eine seltsame Vorliebe des politisch engagierten Journalismus für Extrempositionen.


Bemerkenswert ist allerdings, dass die Grünen trotz solcher Hosianna-Gesänge auf sie bei der letzten Bundestagswahl keine neun Prozent erreicht haben. Ohne dieses propagandistische Dauerfeuer in den Leitmedien wäre diese Partei längst von der Bildfläche verschwunden – oder müsste sich zumindest fragen, ob der ständige Sexismus in ihren Reihen nicht endlich eine Debatte wert wäre.



5. Bei der britischen Polizei ist man alles andere als begeistert davon, dass die Kräfte der Beamten darauf verschwendet werden, "Frauenfeindlichkeit" zum "Hassverbrechen" zu erklären. In den zwei Jahren, in denen diese Regelung gilt, war es zu einer einzigen Verurteilung gekommen.

Polizeibeamte erklärten, dass diese Regelung "einige Verhaltensweisen enthielt, die ziemlich trivial waren, keine polizeiliche Reaktion rechtfertigten und dass es eine Verschwendung von Ressourcen bedeutete, ohne durch ein Mandat der Öffentlichkeit unterstützt zu werden".

Ein Beamter sagte, dass sich diese Regelung "wie ein Projekt aufgrund reiner Eitelkeit anfühlt".

"Ich denke nur, wenn dir jemand hinterher pfeift, wenn du an einer Baustelle vorbeigehst: Na und? Im Ernst? Wenn jemand in einem Fitnessstudio zu mir käme und sagen würde: 'Du siehst gut aus in deinem Lycra', würde ich mich einfach dafür bedanken. Ich kann erkennen, was man mit diesen Gesetzen erreichen will, aber es tut mir leid für Kerle, weil sie verwirrt sein müssen durch das, was sie sagen können und was sie nicht sagen können. Und es ist in Ordnung für Frauen, wenn sie nach dem Äußeren gehen, weil es nichts anderes gibt. Wenn Frauen es aber genauso machen wie Männer, gilt es als akzeptabel. Also habe ich mit der Sache ganz schön zu kämpfen."

Montag, Juli 16, 2018

"So kannst du dich gegen rassistischen Feminismus einsetzen" – News vom 16. Juli 2018

1. "So kannst du dich gegen rassistischen Feminismus einsetzen" titelt das Nachrichtenportal "Watson". Aber wäre das nicht antifeministisch?



2. Watson meint übrigens nicht Feminismus, der so tut, als wäre er links, aber rhetorisch auftritt wie Heinrich Himmler. Obwohl viele sicher auch für Tipps, wie man sich gegen diesen Feminismus einsetzen kann, dankbar wären.



3. Intensiv diskutiert wird im Feminismus immer noch, ob es eine Frau zur Hochverräterin macht, wenn sie mit Männern schläft. Christian Schmidt berichtet.



4. Altersarmut ist nicht mehr weiblich:

Ende des nächsten Jahrzehnts wären (...) eine Million Rentner auf Grundsicherung angewiesen, sechs Prozent der Männer und 4,4 Prozent der Frauen.




5. Trotzdem benötigen Frauen natürlich weiterhin unsere finanzielle Unterstützung. So kann man beispielsweise Kylie Jenner spenden, damit sie die jüngste Milliardärin der Welt wird.



6. Ein ernsthafteres Thema: In Uganda müssen Jungen eine Zwangsbeschneidung über sich ergehen lassen, bevor sie medizinische Hilfe erhalten.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem gestern auf Genderama veröffentlichten Beitrag über die Unterdrückung maskulistischer und feminismuskritischer Literatur:

Dank des Blogs von Herrn Danisch, der auf Ihre Seite verlinkte, konnte ich nun endlich das Rätsel lösen, wer mit der Männerbewegung "Maskulismus" gemeint sein könnte.

Im Zug traf ich 2017 eine Frau, die war davon überzeugt, dass die Kölner Silvester-Opfer durch den Club der Maskulisten organsiert sein muss und den Migranten nur untergeschoben wurde. Die Frau verwendete keinen Konjunktiv.

Das fanden die Mitreisenden, männlich und auch weiblich, so eine ungeheuere Verschwörungstheorie, dass wir nur lachten und diese Dame sich nicht mehr ausfragen ließ (Details zu dem Club, dem sie es zuschrieb) und hartnäckig beim Themenwechsel blieb. Normalerweise vollkommen unbedeutend, aber die Frau stieg in Tutzing dem Zug nach München zu. In Tutzing ist die Evangelische Akademie und die Akademie für politische Bildung.

Vielleicht für Sie nicht uninteressant, welche wilden Verschwörungstheorien in der Frauenwelt herumschwirren.

Sonntag, Juli 15, 2018

Fachzeitschrift berichtet über Unterdrückung maskulistischer und feminismuskritischer Literatur

In der aktuellen Ausgabe der akademischen Fachzeitschrift "Journal of Information Ethics" (siehe auch hier) findet sich Kåre Fogs Beitrag "Feminist Censorship: The Lace Curtain" über die Unterdrückung maskulistischer und feminismuskritischer Publikationen. In der Zusammenfassung dieses Aufsatzes heißt es:

Diejenigen, die eine feministische Agenda verkünden, haben guten Zugang zu den Medien, während der Zugang zu den Medien für diejenigen, die sich zwar für die Gleichberechtigung der beiden Geschlechter einsetzen, aber gegen den Feminismus sind, oft stark eingeschränkt wird. Die Analyse von Fernsehsendungen zeigt, dass, sobald eine Person etwas gegen die Agenda führender Feministinnen sagt, der "Spitzenvorhang" [im Original: "Lace Curtain"] fällt und jeder weitere Zugang zu den Medien gestoppt wird. Wenn eine Person ein Buch schreibt, das den Feminismus kritisiert, ist es oft sehr schwierig, einen Verlag zu finden, der das Buch veröffentlicht. Wenn ein Buch nach zahlreichen Ablehnungen endlich einen Verlag gefunden hat, wird es oft nicht in den Medien besprochen, so dass es in Vergessenheit gerät und keine Wirkung hat. Dies gilt auch für Bücher, die ausgewogen und moderat sind, und für wissenschaftliche Bücher mit vielen Quellenangaben.

(...) Die Untersuchung eines internationalen Katalogs von mehr als 10.000 großen Bibliotheken zeigt, dass pro-feministische Bücher, einschließlich solcher, die einen extrem starken Hass auf Männer aufweisen, in mehr Bibliotheken vorhanden sind als Bücher, die den Standpunkt von Männern verteidigen, und dass sie in wesentlich mehr Sprachen übersetzt werden. Bücher, die keinen kommerziellen Verlag gefunden haben und von ihrem Autor privat herausgegeben werden, sind in extrem wenigen Bibliotheken vorhanden und daher für die Öffentlichkeit kaum zugänglich, weil man nichts von ihnen erfährt und man sie nicht in Bibliothekskatalogen findet.


Kåre Fog zufolge stellt diese Unterdrückung von Auffassungen, die konträr zu den Diskursen der Herrschenden stehen, eine Form von Totalitarismus dar.

Teil seines Fachaufsatzes ist eine Analyse der Veröffentlichungsprobleme internationaler Autoren, beginnend mit Warren Farrell und Neil Lyndon, die sich nicht einmal unbedingt als "antifeministisch" verstehen (wiewohl sie mit diesem Begriff stigmatisiert werden), aber in bestimmten Fragen von den herrschenden feminsitischen Auffassungen abweichen. Auch meine eigene Publikationsgeschichte wird dargestellt. Ich zitiere die entsprechenden Passagen hier im englischen Original:

In Germany, Arne Hoffmann (2001) wrote the book "Sind Frauen bessere Menschen?" (Are women better people?). It gathers an unsurpassed amount of documentation on issues where men are not as bad or dominant as feminists claim – dealing with statistics on rape, partner violence, pay gap, differential mortality, suicide rates, and much more. He had not foreseen how difficult it would be to find a publisher for the book. In the course of a year, he got rejections from more than 80 different publishing companies, for instance on the ground that the text was too "polarizing". One company wrote that they would publish such a manuscript only if it were written by a woman. Others replied that it was too risky for them to have a work criticizing feminism in their program. The first female editing consultant that received the manuscript broke off her work prematurely and refused to work further on the job. It was finally published by one company; it got little publicity in printed media, but gradually much attention on the internet – until the editors of the news magazine FOCUS one and a half year later accidentally stumbled upon the title. They wrote to Hoffmann: "Why have we heard nothing about this book before now? Hasn´t the publisher sent out any review exemplars?" Eventually, he received dozens of enthusiastic reviews on Amazon, and he received a prize from a scientific foundation for humanism and enlightenment.

The book is so full of detailed facts that it does not constitute easy reading, but due to its wealth of information, it has become somewhat a bible for the men´s movements. However, when the book sold out, it was not reprinted. Only around ten years later Hoffmann successfully reclaimed the rights to his manuscript from its publisher, and – figuring out that it would be even more difficult to find a new publisher for a political book being now that many years old – decided for publishing it privately as an e-book to be purchased at a price of 5 Euro. Although Hoffmann had meanwhile become a well-known political journalist and author of several bestselling books with leading German publishing houses (e.g. Heyne, belonging to Random House), it is still excruciatingly difficult for him to find a publisher for any book criticizing feminism or arguing for the rights and issues of boys and men. Hoffmann´s newest book, taking the political left (Hoffmann's home base) to task for negligence of these issues, is now offered without a publishing house via Amazon's Create Space – a new possibility to publish books as a writer alone.


Wir sind hier in der Tat nicht weit entfernt vom Samisdat, auch wenn es mir nach oft jahrelanger Vorarbeit doch gelingt, die eine oder andere Verlagspublikation zu diesem Thema zu ermöglichen. (Publikationen zu anderen Themen sind weit weniger schwierig.)

Im Verlauf seines Aufsatzes kommt Kåre Fog auch auf die Unterdrückung systemkritischer Publikationen durch Gewalt zu sprechen, wie sie hierzulande etwa Esther Vilar geschehen ist, die nach einem Buch, das die feministische Ideologie hinterfragte, von Frauen zusammengeschlagen wurde, permanent Morddrohungen erhielt und aus Deutschland fliehen musste. In Großbritannien machte Erin Pizzey - Mitbegründerin des ersten modernen Frauenhauses, aber aufgrund ihrer Erfahrungen später feminismukritisch - eine ähnliche Erfahrung.

In den abschließenden Bemerkungen des Aufsatzes heißt es:

Die Schwierigkeiten, die Gegner des Feminismus hatten, Verleger zu finden, sind ungewöhnlich groß – so groß, dass einer von ihnen sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde erhielt. Schließlich finden zwar viele von ihnen einen Verleger, aber viele andere nicht. Einige lösen das Problem, indem sie ihren eigenen Verlag gründen, indem sie Bücher per Print-on-Demand produzieren oder indem sie E-Books produzieren, die über eine private E-Mail-Adresse verkauft werden. Die Daten zu den Bibliotheksbänden deuten darauf hin, dass einige Gegner des Feminismus einen moderaten Durchbruch erzielen, während andere, insbesondere diejenigen, die es nie geschafft haben, einen kommerziellen Verlag zu finden, in den Bibliotheken sehr schlecht vertreten sind. Wir können nur erahnen, wie viele Manuskripte unveröffentlicht und unbekannt geblieben sind.


(Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich nicht als "Gegner des Feminismus" sehe, was bei mitunter komplett konträren Weltsichten verschiedener Feministinnen auch schwierig wäre, solange man keine dezidiert traditionalistische Haltung vertritt, sondern als Kritiker ganz bestimmter feministischer Auffassungen, Diskurse und Strukturen.)

Wie schwierig es ist, einfach so eine feminismuskritische Analyse zu veröffentlichen, durfte ironischerweise Kåre Fog selbst erfahren, als seinem Aufsatz – was in dem zitierten Magazin sonst unüblich ist – eine Gegenmeinung von einer Feministin folgte, Gita Mantakala, die argumentierte, veröffentlichte Buchautorinnen wie Christina Hoff Sommers würden doch belegen, dass die Veröffentlichung feminismuskritischer Literatur sehr wohl möglich sei. Dieser Einwand führt natürlich insofern irre, als Sommers selbst eine Feministin ist, ähnlich wie andere veröffentlichte Feminismuskritikerinnen. (In den USA könnte man hier etwa noch an Wendy McElroy denken, in Deutschland an Astrid von Friesen, Sveja Flaßpöhler und sogar Birgit Kelle, die ja auch einen eigenen Feminismus vertritt.) So argumentiert auch Kåre Fog, der die feministische Gegenrede seinerseits mit einigen wenigen Absätzen kommentieren darf:

Manaktala argumentiert, dass antifeministische Texte tatsächlich von Mainstream-Unternehmen veröffentlicht wurden, und erwähnt Bücher dieser Autoren: Carrie Lukas, Christina Hoff Sommers, Elizabeth Fox Genovese, Caitlin Flanagan und Katie Roiphe. Zusammen mit Daphne Patai und Noretta Koertge, die ich in meiner Arbeit zitiere, haben wir hier sieben Autoren - und sie sind alle Frauen. Das bestätigt, was Arne Hoffmann berichtet: Ein solches Manuskript kann nur veröffentlicht werden, wenn es von einer Frau geschrieben wurde.


Oder wenn man, so wie ich, eine ganz außergewöhnliche Hartnäckigkeit an den Tag legt.

Insgesamt legt Kåre Fogs Aufsatz nachvollziehbar dar, warum das "Männerthema" für Liberale, auch wenn sie sich kaum für Geschlechterpolitik interessieren, eine große Bedeutung besitzen sollte. Für eine freie Gesellschaft stellt die skizzierte Unterdrückung missliebiger Meinungen ein grundsätzliches Problem dar.

Samstag, Juli 14, 2018

Gleichstellungsministerin (SPD) argumentiert wie eine Maskulistin – News vom 14. Juli 2018

1. Während die deutschen Sozialdemokraten Männer zumeist angreifen und ihre geschlechtsspezifischen Anliegen ignorieren, tanzt eine ihrer Ministerinnen aus der Reihe: Petra Köpping, Gleichstellungs- und Integrationsministerin in Sachsen. So gehört zu dem "MDR-Kultur-Spezial" Wenn Frauen Täterinnen sind - Gewalt in Partnerschaften auch der Beitrag Schutz von Männern als Thema der Politik. Er enthält Statements von Köpping, mit denen sie sich für männliche Gewaltopfer ebenso überzeugend einsetzt, wie es die Männerrechtsbewegung seit langen Jahren tut.



2. Die MeToo Kritikerin Svenja Flaßpöhler stößt, anders als männliche Kritiker dieser Bewegung, anhaltend auf das Interesse der Medien. Inzwischen hat sie der "Cicero" interviewt: "Man hält krampfhaft am Opferdiskurs fest."



3. In der "Frankfurter Rundschau" plädiert die Managementberaterin Stephanie Borgert ebenfalls gegen den feministischen Opferdiskurs: "Hört auf zu quengeln!"



4. Das maskulistische Blog "Uepsilonniks" arbeitet mit einem weiteren Beitrag an einer noch zu begründenden maskulistischen Filmkritik und bespricht den Film ""Criminal Squad" als eine "Liebeserklärung an harte, aber liebevolle Männer".

Freitag, Juli 13, 2018

Fußball-WM: FIFA greift durch gegen Sexismus – News vom 13. Juli 2018

1. Vor ein paar Wochen habe ich hier festgestellt, dass der Kampf gegen "Sexismus" längst nicht mehr Übergriffe, sondern die weibliche Schönheit selbst zum Ziel hat. Dazu passt auch diese Meldung:

Wenn der Fußball auf dem Feld bei der WM 2018 gerade nicht viel Charme versprüht, zieht die TV-Kamera gerne über die Tribüne und fängt diverse Fans ein. Die FIFA hat allerdings erkannt, dass dabei besonders gerne junge, attraktive Frauen eingeblendet werden. Dies soll in Zukunft unterlassen werden, wie Gleichstellungs-Direktor Federico Addiechi betonte. Eine entsprechende Anweisung an die Regie-Teams der einzelnen Länder sei bereits erfolgt. Frauen sollen auch im Fußball mit mehr Respekt gesehen werden.


Wenn man Zuschauerinnen zeigt, die ein Stadion besuchen, nachdem sie sich hübsch zurechtgemacht haben, dann gilt das heutzutage also als Respektlosigkeit gegenüber Frauen.

Ein Leser, der mich auf diesen Artikel aufmerksam machte, schreibt mir dazu:

Ich mag weder Fußball noch kann ich mit dem Milieu was anfangen. Aber was der FIFA-Gleichstellungsdirektor von sich gibt ist entweder eine neue Prüderie oder Symptom einer Geisteskrankheit. Versteht er nicht das es einen Zusammenhang zwischen Hochleistungssport und sexueller Attraktion gibt? Das Männer sich verausgaben, um Frauen zu beeindrucken, dass Frauen von dem Spektakel angezogen werden und sich nicht zufällig in relativ freizügige Monturen begeben? Würden diese Leute wenigstens eine religiös begründete Moral ins Feld führen können, dann wäre das ja noch rational nachvollziehbar. Aber die haben gar nichts außer Leerworten wie "Sexismus", Herdentrieb und virtue signalling ohne Werte zu vertreten, die mehr sind als eine dünne Farbschicht. Die Taliban sind rationaler als diese Leute, das Endresultat wird aber beides sein: Frauen werden unsichtbar werden.




2. In der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich Claudia Mäder mit dem neuen Sex-Gesetz in Schweden (Genderama berichtete):

Nicht erst wenn der Akt von einer Seite vernehmbar abgelehnt, er aber trotzdem vollzogen wird, ist Sex hier justiziabel. Vielmehr ist er in dieser Lesart schon dann ein Straftatbestand, wenn ihm keine deutliche Zustimmung vorausgegangen ist – wobei freilich alles andere als klar ist, wie das entscheidende "Ja" aussehen soll (war Annas Nicken ein Ja?), wann es erfolgen muss (reichen Küsse beim Vorspiel, oder sind sie bei jeder Stellung zu wiederholen?) und, vor allem, wie es vor Gericht bewiesen oder bestritten werden kann – hat Anna im Bett denn nun genickt oder nicht?

(...) Wohl bezeichnet sich die schwedische Regierung stolz und ausdrücklich als feministisch – dass sie mit ihrem Vorgehen die Frauen stärkt, ist aber zu bezweifeln. Wo es um Vergewaltigung geht, werden immer auch Geschlechterrollen verhandelt, und zwar bis heute auf äusserst dichotome Weise. "Der Vergewaltigungsdiskurs ist eine der letzten Bastionen und Brutzellen für Geschlechterzuschreibungen, die wir sonst kaum wagen würden zu denken, geschweige denn auszusprechen." So formuliert die feministische Kulturwissenschafterin Mithu Melanie Sanyal den Umstand, dass wir sexuelle Gewalt automatisch mit aktiv-aggressiven Männern und passiv-bedrohten Frauen in Verbindung bringen. Im Schweizer Strafgesetz zeigt sich diese Annahme ganz direkt – noch immer ist Vergewaltigung hierzulande ein Verbrechen, das explizit und ausschliesslich Frauen widerfahren kann. In gendersensibleren Gefilden hütet man sich natürlich vor derart platten Formulierungen, doch an der Sachlage ändert das nichts. Das schwedische Gesetz wurde im Zuge der dort sehr heftig geführten #MeToo-Debatte vorangetrieben – es geht also auch beim Schutz von "Sexualpartnern" und "Personen" letztlich um den Schutz der Frauen.

(...) Auf diese Weise wird freilich auch der immerzu gefährlich lüsterne Mann in ein Schema zurückgepresst, das man eigentlich überholt geglaubt hat. In den 1970er Jahren erklärte Susan Brownmiller die Vergewaltigung zur Basisstruktur des Patriarchats. Weil sie aufgrund ihres Körpers zur Ausübung sexueller Gewalt in der Lage seien, so ihr Argument, hielten alle Männer alle Frauen in einem Zustand permanenter Einschüchterung und Unterdrückung; "rape-supportive culture" ist das Wort, das die amerikanische Feministin für diesen vorgeblichen Urzustand prägte. (...) Blickt man auf das schwedische Gesetz, tritt einem die männliche "rape culture" (...) deutlicher denn je vor Augen, ja mehr noch: Wo alles Vergewaltigung ist, was nicht nachweislich einvernehmlich war, rückt der Sex an und für sich unvermeidlich in eine beängstigende Nähe zum Verbrechen.


Claudia Mäders Einschätzung nach

nähern wir uns durch das permanente öffentliche Aushandeln just jener vom Sex besessenen und verängstigten Gesellschaft an, die Foucault anno 1979 als "worst case" prophezeit hat: "Die Sexualität wird keine Verhaltensweise mehr sein, die mit bestimmten Verboten belegt ist, sondern eine überall lauernde Gefahr, ein allgegenwärtiges Gespenst (. . .) das in allen sozialen Beziehungen, zwischen allen Altersgruppen und zwischen den einzelnen Menschen zur Bedrohung wird."




3. Mit Stefan Niggemeier und seinem Verhör des Kolumnisten Harald Martenstein geht Lutz Bierend schärfer ins Gericht als ich. Ich zitiere mal eine weniger drastische, aber nichtsdestoweniger deutliche Passage aus Bierends Artikel:

Die Mär von "an Minderheitsleiden unerfahrenen altern weissen Heteros" ist und bleibt sexistisch, rassistisches Voruteilsgeblubber, dass sich auf einem Niveau eines AFD-Anhängers bewegt, der meint die Asylanten bekommens reingesteckt, während unsere deutschen Rentner hungern.

Der Zweck ist der Gleiche: Mitleid abzutöten, indem man Einzelfälle pauschalisiert. Die privilegierten Menschen sind eine Minderheit, und haben diese Privilegien nicht, weil sie weiß, alt oder heterosexuell sind, sondern weil sie meist aus privilegierten Familie kommen. Alle anderen müssen dafür kämpfen, dass sie über die Runden kommen und auch ich als alter, weißer Hetero musste irgendwann entscheiden, ob ich Karriere machen will, oder meine Kinder groß werden sehe.

Wenn Familie für Frauen ein Karrierehemnis ist, dann liegt das leider daran, dass Frauen in Punkto Familie privilegiert sind und Arbeitgeber bei ihnen eher vermuten, dass sie dieses Privileg nutzen werden.

Wer dieses Privileg nicht sehen will, ist der ist leider der kapitalistischen Lebenslüge auf den Leim gegangen, dass Karriere glücklich macht. Und dieses Problem liese sich einfach lösen. Einfach etwas von diesem Privileg mit den Vätern teilen.




4. Vor einigen Wochen fragte die Genderwissenschaftlerin Professor Suzanna Walters in der Washington Post "Why can't we hate men?" und plädierte damit für mehr Hass gegen das andere Geschlecht. Darauf gibt es von Professorin Janice Fiamengo eine Erwiderung in Form eines knapp achtminütigen Videos, das jetzt mit deutschen Untertiteln in der Mediathek von AGENS online steht. (Die Untertitel lassen sich durch das entsprechende Icon unter dem Video einschalten.) Fiamengo legt dar, warum Frauen wie Walters tatsächlich von Hass auf das andere Geschlecht erfüllt sein dürften. Dieses Video sollte man eigentlich unter jeden Kommentar in den sozialen Medien setzen, mit dem sexistische Hetze gegen Männer betrieben wird.

Donnerstag, Juli 12, 2018

Neue Studie, alte Erkenntnisse: Mädchen gewalttätiger als Jungen – News vom 12. Juli 2018

1. Eine Schweizer Studie fand mal wieder heraus, dass Mädchen in Teenagerbeziehungen häufiger gewalttätig sind als Jungen:

Jedes fünfte Mädchen hat in der aktuellen Beziehung schon einmal physische Gewalt ausgeübt – etwa indem es seinen Partner geohrfeigt, gestossen oder geschlagen hat. Bei den Knaben ist es nur jeder achte.


Dies mag Menschen überraschen, die bei diesem Thema nur die feministische Propaganda im Ohr haben, bestätigt aber lediglich die Ergebnisse früherer Studien zu diesem Thema. "Gewalt nur durch den männlichen Partner war das am wenigsten verbreitete Muster" berichtete beispielsweise 2008 Murray Straus, einer der international renommiertesten Gewaltforscher, über die Erkenntnisse, die eine mehr als 13.000 Studierende aus 32 Nationen umfassende Untersuchung über Gewalt in der Partnerschaft zutage gebracht hatte.

Bemerkenswert ist der Teaser des Artikels in der "Neuen Zürcher Zeitung", dem zufolge "Gewalt in Teenager-Beziehungen unter anderem mit einer Macho-Einstellung zu erklären" sei. Die tatsächlichen Erkenntnisse dringen nicht mehr durch den Filter journalistischer und akademischer Voreingenommenheit.



2. Dem unbenommen kümmert sich der Schweizer Staat, ähnlich wie der deutsche, weiterhin nur um weibliche Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. So heißt es in einem Artikel über das Aargauer Männerhaus "Zwüschehalt":

Im Gegensatz zum Frauenhaus Aargau-Solothurn verfügt das Männerhaus über keinen Leistungsvertrag mit dem Kanton. Es fliessen also keine Pauschalen nach Betreuungsgesetz, sobald ein Mann Schutz sucht. Die Männer haben nur Anspruch auf die Beiträge gemäss Opferhilfegesetz. Und selbst da gestalte es sich häufig schwierig, sagt "Zwüschehalt"-Präsident Oliver Hunziker. Viele Männer, die im Männerhaus Hilfe suchen, seien Opfer psychischer Gewalt. "Diese ist viel schwieriger nachzuweisen und entsprechend selten werden Beiträge nach Opferhilfegesetz gesprochen", sagt Hunziker. Der "Zwüschehalt" finanziere sich deshalb praktisch ausschliesslich durch Spenden. Das sei nicht immer einfach. "Wir leben, seit es uns gibt, von der Hand in den Mund", sagt Hunziker. "Diese ständige finanzielle Ungewissheit ist anstrengend."

Zwar habe der Verein mehrmals das Gespräch mit dem Kanton gesucht. Die Antwort blieb aber immer die gleiche: "Man sehe keinen Bedarf." Den Trägerverein bringt diese Antwort in eine schwierige Situation. "Um nachzuweisen, dass es Männerhäuser braucht, müssten wir unser Angebot ausbauen und professionalisieren", sagt Hunziker. Will heissen: Gewalt gegen Männer müsste weiter enttabuisiert, die Betriebszeiten ausgebaut und das Angebot bekannter gemacht werden. "Aber das können wir uns nicht leisten", sagt Hunziker. Nicht einmal der Rund-um-die-Uhr-Betrieb könne garantiert werden.


Das ist eine gute Gelegenheit, allen zu danken, die durch ihre Spenden an Genderama dazu beigetragen haben, die finanzielle Unsicherheit dieses Blogs ein wenig zu reduzieren!



3. Beim US-amerikanischen Sender ABC gibt es eine Sendereihe mit dem Titel "What Would you Do?" Sie funktioniert so, dass Menschen mit versteckter Kamera in Situationen gefilmt werden, die Zivilcourage oder anderweitig positives Sozialverhalten erfordern. In einem aktuellen Experiment, das in zwei Videos gesplittet wurde, beobachteten die Macher der Sendung, wie Kunden eines Ladens reagierten, wenn ein anderer Kunde sich diebisch an den Scheinen bediente, die sich auf dem Tresen in einem Trinkgeldglas befanden.

Dieses Experiment ist deshalb besonders erwähnenswert, weil es sich in verschiedenen Situationen um drei unterschiedliche Diebe handelte. Mal war es eine blonde Frau, mal ein schwarzer Mann, mal ein Moslem.

Dabei zeigte sich folgendes: Die junge Frau wurde in 33 Prozent aller Fälle zur Rede gestellt. Dem männlichen Schwarzen passierte das in 66 Prozent und dem männlichen Muslim in 100 Prozent aller Fälle.

Ich lasse Sie Ihre eigenen weitergehenden Folgerungen ziehen.



4.
Als ein schwuler Londoner und sein Partner ein Kind bekamen, wussten sie, dass sie wahrscheinlich Homophobie erleben würden. Was sie nicht bereit waren, war Sexismus. Aber, wie Matthew Jenkin hier erklärt, wenn er mit seiner Tochter in die Öffentlichkeit geht, ist das Alltag.


Hier geht es weiter mit dem Beitrag der britischen BBC, für die der alltägliche Sexismus gegen Männer dann berichtenswert ist, wenn sich ein Schwuler darüber beklagt.



5. Hadmut Danisch erörtert, welche Rolle die Geschlechter bei dem Drama um die verschütteten Jungen in Thailand spielten. Sagen wir so: Die "taz" hätte analog zu einer Schlagzeile von vergangener Woche eigentlich titeln müssen "Männer arbeiten, Frauen meckern".

Siehe zu diesem Thema auch die Satire-Seite Babylon Bee: "We need to talk about the problematic, toxic masculinity of the Thai Navy SEALs".



6.
In dieser "Tatort"-Saison richtete sich der Fokus auffällig häufig auf rechtsradikale Frauen. Das Fernsehen hat sich viel von realen Zuständen in Deutschland abgeschaut.


Die "Zeit" berichtet.



7. Der Sexismus-Vorwurf der Woche trifft einen Gitarreneffekt der Glam-Metal-Band "Steel Panther". Die Band, die durch Songs wie "Pussywhipped", "Gloryhole", "Bukkake Tears", "Gangbang at the Old Folks Home", "Fucking My Heart in the Ass", "Asian Hooker", "Fat Girl", "Stripper Girl", "Eatin' Ain't Cheatin'", "She's on the Rag" sowie "You're Beautiful When You Don't Talk" bekannt wurde, galt bislang jeglichem Sexismus vollkommen unverdächtig.

Na gut, erwischt, der letzte Satz war ironisch. Tatsächlich wurde beispielsweise das Steel-Panther-Album "Balls Out" 2012 wegen dem Potential einer "sozialethischen Desorientierung" (Standardbegründung) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt – obwohl die Behörde beteuerte, das "parodistische Gesamtkonzept" der Songs zu erkennen und die Kunstfreiheit durchaus zu schätzen. Ob der böse Gitarreneffekt den Steel Panthers wohl eine neue Indizierung einbringen wird?



8. Eine Feministin beklagt sich darüber, dass bei Fußball-Weltmeisterschaften männliche Spieler deutlich mehr verdienen als Frauen. Erfreulicherweise erklären ihr viele Leser zügig, wie unsere Welt funktioniert.



9. Ein Friseur aus Sydney hat weniger Glück:

Eine Beschwerde wurde gegen Hunters Hill Barbier Sam Rahim eingereicht, nachdem er sich geweigert hatte, einem Mädchen die Haare zu schneiden.

Als das junge Mädchen mit ihrer Mutter reinkam, sagte Sam der Mutter, dass er nicht ausgebildet sei, ihr die Haare zu schneiden.

Die Mutter behauptet, Sam habe gegen das Geschlechterdiskriminierungsgesetz verstoßen.

Sam Rahim berichtet, dass er keinen "schlechten Haarschnitt" machen wollte.

"Ich kann es der Person erklären. Ich bin nicht erfahren, ich bin nicht qualifiziert, ich bin mehr qualifiziert, Männerhaare zu machen. Aber wenn ich dazu gedrängt werde, muss ich es wohl tun."

Er sagt, der Fall sei "stressig" gewesen und habe ihm Anwaltskosten von über 35.000 Dollar hinterlassen.


Gut, aber dafür wurde es dem Patriarchat mal wieder so richtig gezeigt.



10. In unserer unregelmäßigen Reihe "Warum entpuppen sich männliche Feministen eigentlich immer wieder als übergriffige Widerlinge?" gibt es einen neuen Fall.



11. Die Post. Überraschend viele Leser haben sich zu dem Ausbruch der grünen Spitzenkandidatin Katharina Schulze gegen "alte weiße Männer" geäußert. Einer schrieb ihr sein Feedback direkt unter ihr Youtube-Video:

"Hallo Frau Schulze, vielen Dank für ihren aufschlussreichen Beitrag.

Interessant ist, dass sie sich für mich als potentiellen Wähler offenbar nicht interessieren. Nicht persönlich, sondern gleich als wirr definierte Gruppe, denn ich bin zweifelsohne ein alter, weißer Mann. ich hoffe, sie stimmen mir zu, denn ich bin Mitte 50, der einzige Migrant in meiner Ahnenreihe kam aus Dänemark, und zwischen meinen Beinen bestätigen Details mein Geschlecht.

Daraufhin interessierte mich, wie viele eigentlich meiner üblen Gruppe, die Menschen ertrinken lassen und in Lagern Kinder gewaltsam von ihren Eltern trennen (wie der alte weiße Mann Trump), angehören. Nach statistischem Bundessamt gibt es etwa 22 bis 25 Millionen Männer über 45 bis 50 Jahren - die sind doch wohl alt - in der Republik, und vermutlich sind die allermeisten auch weiß. Na, die alle gehören wohl politisch kaltgestellt, das aktive wie passive Wahlrecht entzogen, oder? Wenn die Erde endlich von alten, weißen Männern befreit ist, wer kommt als nächstes dran?

Das, so will ich wohl meinen, bestätigt ihnen als weiße Frau einen klaren Blick auf das Individuum. Als ehemaliger, langjähriger Grün-Wähler bin ich mir nun noch sicherer, niemals mehr einer alten weißen Frau zu trauen, die von ihrer Partei als Spitzenkandidatin aufgestellt wird. Vielen Dank noch einmal dafür. Einen erfolgreichen Wahlkampf wünsche ich."


Diese Kritik wurde natürlich umgehend gelöscht.

Einen weiteren Kommentar zu Schulzes bizarrer Inszenierung findet man hier: "Junge, weiße, ideologisierte Frauen".

Mittwoch, Juli 11, 2018

Leserpost: "UN begeht Gender Empathy Gap Day"

Zum heutigen Tag der Geschlechter-Empathielücke (Gender Empathy Gap Day) schreibt mir einer meiner Leser unter der Betreffzeile "UN begeht Gender Empathy Gap Day":

Hallo Arne,

gut, der Betreff meiner Mail ist ein kleines bisschen reißerisch, aber überrascht war ich schon:

Auf den Startseiten von GMX und Web.de (laut Alexa beide unter den Top 20 der von deutschen Nutzern besuchten Webseiten) findet sich heute im Abschnitt "United Internet for UNICEF" unter dem Titel "Neun Fakten über Jungen" ein Link auf den Artikel "Jungen weltweit: Schlechter ernährt, häufiger im Kriegseinsatz".

Dabei handelt es sich um eine offenbar leicht gekürzte Version eines Eintrags, der schon am 6. Juni im unicef.de-Blog erschienen ist.

Dieser Blogpost scheint wiederum das Ergebnis einiger Leserkommentare unter einem Artikel derselben Autorin Ninja (sic!) Charbonneau zum Weltmädchentag zu sein, die auf die Einseitigkeit der ursprünglichen Version jenes Artikels und des Engagements der UN allgemein aufmerksam machten.

Der Jungen-Artikel, um jetzt mal wieder die Kurve zu kriegen, ist nicht annähernd so schlecht, wie er sein könnte. Zwar gibt es zu fast jedem Punkt den obligatorischen "Aber Mädchen geht es auch schlecht!"-Einschub, aber die findet man erstaunlicherweise umgekehrt auch im erwähnten Mädchentags-Artikel, wo sie, soweit ich die Diskussion darunter verstehe, nachträglich eingefügt wurden.

Nur ein paar Quellenangaben hätte ich mir noch gewünscht, aber da bin ich halt auch sehr verwöhnt.

Ich nehme aus dem Ganzen vor allem zwei Erkenntnisse mit:

1. Es gibt bei der UNICEF tatsächlich Menschen, die es mit der Gleichberechtigung der Geschlechter ernst nehmen und

2. die oft geschmähten Internet-Kommentare können tatsächlich etwas bewegen, wenn sie an der richtigen Stelle abgesetzt und sachlich formuliert werden.

In dem Sinne werde ich auch gleich noch eine Mail an die United-Internet-Webredaktion schicken und mich für die gut getimte Plazierung des Artikels bedanken.

Heute ist der erste Gender Empathy Gap Day!

Wie Genderama berichtete, hat der Blogger Gunnar Kunz den 11. Juli als Tag der Geschlechter-Empathielücke (Gender Empathy Gap Day) ausgerufen. Dieser Tag soll darauf aufmerksam machen, wie viel weniger das Leiden von Jungen und Männern öffentliche Aufmerksamkeit erhält als das Leiden von Mädchen und Frauen. Diese unterschiedliche Gewichtung dürfte der zentrale Grund dafür sein, dass die maskulistische Bewegung von Presse, Politik und dem akademischen Bereich weit weniger gewürdigt wird als der Feminismus.

Gerade vor ein paar Tagen, beim 30. Jahrestreffen der Human Behavior and Evolution Society vom 4. bis 7. Juli 2018, wurde eine Übersicht über mehrere Studien vorgelegt, die nachweisen, dass das Leiden von Frauen größere Sorge erzeugt als das Leiden von Männern:

"Die Teilnehmer gaben Männern stärker für deren eigene Benachteiligung die Schuld, waren mehr dafür, eine Politik zu unterstützen, die Frauen begünstigt, und spendeten mehr für ein Obdachlosenheim allein für Frauen als für ein Obdachlosenheim allein für Männer. Weibliche Teilnehmer waren parteiischer für das eigene Geschlecht, empfanden von Frauen erlittenen Schaden als problematischer und unterstützten eine Politik, die Frauen begünstigt, stärker."


Von MANNdat gibt es heute eine Pressemitteilung zum ersten Internationalen Tag der Geschlechter-Empathielücke. Gunnar Kunz hat zusammengestellt, welche anderen Blogs sich bereits mit eigenen Beiträgen zum Gender Empathy Gap Day beteiligen – und er präsentiert Zitate, die die Mitgefühlskälte von Feministinnen gegenüber dem Leiden von Männern zeigt.

Nun wurde das heutige Datum deshalb für den Gender Empathy Gap Day ausgewählt, weil es sich um den Jahrestag des allein an Männern vollzogenen Massakers von Srebrenica handelt, das ich in meinem Buch "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" ausführlich behandelt habe. Für meinen eigenen Blogbeitrag zum Gender Empathy Gap Day bietet es sich darum an, ein weiteres Unterkapitel aus meinem Buch zu zitieren, das ein anderes Greuel behandelt, für das sich kaum jemand interessiert, solange es nur Männer trifft: Massenvergewaltigungen.

Die jeweiligen Quellenangaben und Belege finden sich in meinem Buch.



Massenvergewaltigungen

"Der Einsatz von sexueller Gewalt gegen Männer als Kriegswaffe ist fast überall auf der Welt ein Tabu, das schlichtweg totgeschwiegen wird" berichtete im November 2011 das Greenpeace Magazin. "Nicht einmal in den internationalen Menschenrechtsgesetzen wird das Thema berücksichtigt: Eine Resolution des Weltsicherheitsrates aus dem Jahr 2000 etwa nennt im Zusammenhang mit sexueller Kriegsgewalt ausschließlich Frauen und Mädchen."

Dabei sind das Leiden und die Traumatisierung der Männer oft um keinen Deut geringer als die der Frauen. "Manche Männer erzählen, dass ihnen Schraubenzieher in den Anus gestoßen wurden", zitiert das Magazin Salome Atim, eine Mitarbeiterin des Refugee Law Project, das in Ugandas Hauptstadt Kampala niedergelassen ist und versucht, Flüchtlingen aus ganz Afrika beizustehen. "Viele dieser Männer riechen nach Kot, sie können nicht richtig laufen und benutzen Damenbinden, um das Blut und den Eiter aufzufangen." Auf Opfer dieser Art stößt man beispielsweise im Kongo aber auch bei jenen Flüchtlingen, die versuchen, Konflikten etwa im Sudan, in Somalia, Burundi oder Eritrea zu entkommen.

Auch neuere Studien beispielsweise aus Liberia zeigen, dass sexuelle Gewalt gegen Männer in Konfliktsituationen weit verbreitet ist – weit über Afrikas Grenzen hinaus. Von 5000 Männern, die während des Bosnienkrieges in einem Sammellager bei Sarajevo gefangen gehalten wurden, berichteten 80 Prozent, sexuell missbraucht worden zu sein. In El Salvador sprachen 76 Prozent aller männlichen politischen Gefangenen von sexueller Folter.

Man findet das Phänomen auch in Sri Lanka, Chile und dem Iran. Dennoch, das weiß auch US-Wissenschaftlerin Lara Stemple von der Universität Los Angeles, wird über diese Männer kaum gesprochen. Der Grund? "Menschen denken gerne in Stereotypen", erklärt Stemple. Und die Vorstellung von Männern als Opfern statt Täter sexueller Gewalt passt nicht in dieses Schema. Daher gibt es beispielsweise UN-Resolutionen (Nummer 1325 und 1820) aus den Jahren 2000 und 2008, die einen besseren Schutz von Frauen in Konfliktzonen einfordern, sexuelle Gewalt gegen Männer jedoch totschweigen. Als man Dokumente von mehr als 4000 Nichtregierungsorganisationen untersuchte, die sich mit sexueller Gewalt befassen, zeigte sich: Nur drei Prozent erwähnen Männer überhaupt als Opfer und wenn überhaupt, dann in der Regel nur flüchtig.

Zwar liegen dem UN-Jugoslawien-Tribunal in Den Haag inzwischen mehrere Fälle per Anklageschrift vor. Aber verlässliche Angaben oder Schätzungen über die Anzahl männlicher Opfer in Bosnien und im Kosovo gibt es keine. Eine 2010 veröffentlichte Studie über die am heftigsten umkämpften Regionen in der Demokratischen Republik Kongo ermittelte, dass 24 Prozent der Männer (und 40 Prozent der Frauen) sexuelle Gewalt erfahren hatten, aber gezielte Hilfsangebote für die männlichen Opfer fehlen. Über die Situation in Liberia gibt es Erhebungen vom Mai 2008, bei denen die Raten männlicher und weiblicher Opfer ebenfalls einander gegenübergestellt werden. Ihnen zufolge wurden 42 Prozent der weiblichen und 33 Prozent der männlichen Kombattanten Opfer sexueller Gewalt. In der Zivilbevölkerung erlitten neun Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer dieses Schicksal. Ähnlich wie beim Thema "Sexuelle Gewalt in Partnerschaften" liegen die Raten also nicht derart weit auseinander, wie viele Laien glauben.

Politikwissenschaftler wie Adam Jones hatten schon vor über zehn Jahren über dieses Problem berichtet, die deutsche Männerrechtsbewegung dieses Thema zügig aufgegriffen – so etwa ich selbst in einem meiner Bücher. Pech für die Opfer: Vermutlich eben weil sie sich solchen Tabuthemen zuwendet, wird die deutsche Männerrechtsbewegung von Politik, Medien und Genderstudien üblicherweise noch genauso ignoriert und totgeschwiegen wie die geschilderten Vergewaltigungen selbst. Erst seit kurzem beginnen die Mauern hier ein klein wenig zu bröckeln: Nachdem international angesehene Zeitungen wie die New York Times und der britische Guardian über sexuell misshandelte Männer zu sprechen begannen, konnte man auch in der deutschen Presse zumindest einige wenige Artikel darüber finden. Dabei liefert vor allem der Guardian zahlreiche Informationen, die man in der deutschen Berichterstattung noch immer vergeblich sucht. So bestätigt Dr. Chris Dolan, der britische Direktor des Refugee Law Projects, zunächst, wie wenig sich die Organisationen, die sich um sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalt kümmern, mit männlichen Opfern beschäftigen:

"Es wird systematisch ausgeblendet. Wenn Sie sehr, sehr viel Glück haben, dann widmen sie der Sache am Ende eines Berichts eine Randnotiz. Sie bekommen vielleicht fünf Sekunden a la 'Ach ja, Männer können auch Opfer sexueller Gewalt sein.' Aber keine Zahlen, keine Diskussion."

Als Teil eines Versuches, dies zu verbessern, produzierte das Refugee Law Project im Jahr 2010 die Dokumentation Gender Against Men . Als sie gezeigt wurde, berichtet Dolan, gab es Versuche, dies zu stoppen – und zwar von wohlbekannten internationalen Hilfsorganisationen.

"Es gibt unter ihnen die Angst, dass dies ein Nullsummenspiel ist", berichtet Dolan, "dass es also einen vorneweg definierten Kuchen gibt, und wenn man anfängt, über Männer zu sprechen, essen diese irgendwie ein Stück dieses Kuchens weg, den andere lange Zeit gebacken haben." Ein Bericht der Vereinten Nationen vom November 2006, der einer internationalen Konferenz über sexuelle Gewalt im Osten Afrikas folgte, dient als typisches Beispiel: "Mir ist als Tatsache bekannt, dass die Leute hinter diesem Bericht darauf bestanden haben, dass die Definition der Vergewaltigung auf Frauen begrenzt bleibt", erklärt Dolan und ergänzt, dass einer der Spender des Refugee Law Projects, das Holländische Oxfam, sich weigerte, ihm jegliche Spendengelder zukommen zu lassen, bis er versprach, dass siebzig Prozent seiner Klienten weiblich sein würden. Einem Mann, dem es besonders übel ging und der an den Flüchtlingsrat der Vereinten Nationen verwiesen wurde, sagte man dort nur: Wir haben ein Programm für verwundbare Frauen, aber nicht für Männer."

Lara Stemple kann die sexistische Ausrichtung internationaler Organisationen bestätigen. Es gebe, berichtet sie, einen "konstanten Trommelwirbel, dass Frauen DIE Opfer von Vergewaltigungen sind" und ein Milieu, in dem Männer als "einheitliche Täterklasse" erscheinen. Internationale Menschenrechtsgesetze ließen Männer bei allen Maßnahmen aus, die sexuelle Gewalt angehen sollen. "Die Vergewaltigung von Männern zu ignorieren vernachlässigt aber nicht nur Männer, es schadet auch Frauen", argumentiert Stemple, "indem es eine Perspektive verstärkt, die 'weiblich' mit 'Opfer' gleichsetzt und dadurch unsere Fähigkeit behindert, Frauen als stark und machtvoll wahrzunehmen. Auf dieselbe Weise bestärkt das Schweigen über männliche Opfer ungesunde Erwartungen über Männer und ihre vermutete Unverwundbarkeit."

Im englischsprachigen Raum haben Männerrechtler inzwischen begonnen, die Einseitigkeit bei der internationalen Opferhilfe zum Thema zu machen. Der Verfasser des Blogs "Toy Soldiers" etwa stellt die zahllosen Kampagnen, mit denen Gewalt gegen Frauen in Darfur und im Kongo gestoppt werden sollte, der mangelhaften Auseinandersetzung mit dem massenhaften Missbrauch von Jungen in Afghanistan gegenüber: "Er wird immer wieder mal erwähnt, aber es scheint keine Menschenrechtsgruppen zu geben, die ihn wirklich zum Thema machen wollen. Unglücklicherweise ist die damit verbundene Botschaft kristallklar: Vergewaltige Jungen und Männer, und niemand kümmert sich darum. Vergewaltige Mädchen und Frauen, und sie erhalten internationale Unterstützung."

Wo die großen Medien weiterhin versagen, was ein angemessenes Thematisieren dieses neuen menschenverachtenden Sexismus angeht, finden sich Beiträge darüber stattdessen in Blogs und kleinen, unabhängigen Presseerzeugnissen. So findet in der größten britischen Studentenzeitung, The Mancunion, die Studentin Eve Fensom deutliche Worte, was das Ausblenden männlicher Opfer seitens der Vereinten Nationen angeht:

"Wenn Sie durch die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates waten, die mit sexueller Gewalt während militärischer Konflikte zu tun haben, finden Sie den Begriff 'genderbasierte Gewalt' unglaublich oft. 'Genderbasierte Gewalt' ist einer dieser aalglatten, heimtückischen und politisch aufgeladenen Begriffe, die ihren Mangel an Klarheit mit den zahlreichen möglichen Definitionen wettmachen. Dieser Begriff könnte bedeuten: jede Form von Gewalt, die gegen einen Menschen aufgrund seines Geschlechts ausgeübt wird, aber tatsächlich bedeutet er inzwischen Gewalt, die gegenüber Frauen (und Mädchen) begangen wird, was wiederum sämtliche Formen sexueller Gewalt umfasst. (...) Lange Zeit wurden die Erfahrungen von Frauen bei Konflikten komplett ignoriert, aber heute fokussiert sich die Analyse von Gewalt gegen Zivilisten fast ausschließlich auf Frauen. (...) Die internationale Gemeinschaft muss begreifen, dass der Feminismus nicht umgesetzt wird, wenn jetzt Frauen zu den machtvollen Unterdrückern werden, sondern nur wenn wir uns von der Unterdrückung durch rigide Geschlechterrollen befreien. Den Vereinten Nationen muss klar werden, dass die globale Geschlechterfrage kein Nullsummenspiel ist. Wenn wir ein Geschlecht gegenüber dem anderen bevorzugen, wird das Ergebnis immer ein Verlust sein, aber wenn unsere Strategie aus Gleichberechtigung besteht, wird jeder gewinnen."

Eve Fensom präsentiert hier eine Haltung, die dem Equity-Feminismus entspricht: jener Minderheit in der feministischen Bewegung, mit der auch Männerrechtler problemlos zusammenarbeiten können. Dass sich Beiträge wie der von Eve Fensom in der radikalfeministischen Emma nicht finden ist klar. Aber warum fehlen sie auch beispielsweise in der taz? Warum wird in deutschen Medien häufig sehr wohl so getan, als ob die Geschlechterfrage ein Nullsummenspiel wäre – und man sich besser beizeiten auf die mutmaßliche Siegerseite schlagen sollte?

Mittlerweile gibt es in der Menschenrechtsarbeit immerhin sehr vereinzelte Lichtblicke. Zu ihnen gehört der am 26. Februar 2013 von Human Rights Watch veröffentlichte Bericht "We Will Teach You a Lesson" Sexual Violence against Tamils by Sri Lankan Security Forces, der sich mit Vergewaltigungen und anderen Formen sexueller Gewalt beschäftigt, die Mitglieder des Militärs und der Polizei an Tamilen ausüben, die von den Tätern mit der sezessionistischen Gruppe Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in Verbindung gebracht werden. Dieser Bericht dokumentiert 75 Fälle von Vergewaltigung; die Opfer sind 31 Männer, 41 Frauen und 3 Jungen. In dem Bericht heißt es allerdings auch: "Das Thema der Vergewaltigung von Männern und sexueller Gewalt gegen Männer ist bislang nicht angegangen worden. Von Opfern wie Tätern gleichermaßen unterdrückt bleibt die Vergewaltigung von Männern ein Tabuthema, und Strategien, dieses Verbrechen zu bekämpfen, fehlen auf eklatante Weise." Es sind allerdings nicht allein die Opfer und die Täter, die dieses Thema unterdrücken. Viele Journalisten, viele Genderforscher und leider auch viele Menschenrechtsaktivisten sind ebenfalls daran beteiligt. Human Rights Watch – und natürlich die Männerrechtsbewegung – stellen hier eine klare Ausnahme dar.

Noch gründlicher werden Geschlechterklischees durcheinandergerüttelt, wenn im geschilderten Zusammenhang nicht nur von männlichen Opfern, sondern auch von weiblichen Tätern die Rede ist. Auch diese bleiben unsichtbar, verrät der von der Simon-Fraser-Universität bei Vancouver herausgegebene Human Security Report 2012, weil (ähnlich wie vor 30 Jahren beim Thema häuslicher Gewalt) Wissenschaftler erst gar nicht auf den Gedanken kamen, danach bei ihren Untersuchungen zu fragen. Tatsächlich gibt es Hinweise auf sexuelle Gewalt durch Frauen in Ländern wie Liberia, Haiti und Ruanda. Nur in zwei Ländern untersuchte man dieses Problemfeld näher: In Sierra Leone ermittelte die als "Menschenrechts-Statistikerin" bekannt gewordene Forscherin Jana Asher, dass Frauen an etwa 26 Prozent der Gruppenvergewaltigungen teilnahmen. Und in den kriegsumkämpften östlichen Gebieten der Demokratischen Republik Kongo berichteten 41 Prozent der weiblichen und 10 Prozent der männlichen Opfer von sexueller Gewalt von einer Täterin. Diese Erkenntnisse, erfährt man im Human Security Report 2012 weiter, "haben wenig Aufmerksamkeit erzielt. Aber sie legen nahe, dass der ausschließliche Fokus auf Männer als Täter und Frauen als Opfer in der dominanten Erzählweise über sexuelle Gewalt zu Kriegszeiten sehr in die Irre führt."

Sogar in stabilen Demokratien kommt es zu sexueller Gewalt durch Frauen – beispielsweise in Gefängnissen der USA. Dort, so ergab eine Anfang 2010 veröffentlichte Studie des US-Justizministeriums, werden 12 Prozent aller Jugendlichen während ihrer Haft missbraucht – und die große Mehrheit von ihnen durch Wärterinnen. Es sind Erkenntnisse wie diese, an die sich die Denkschemata sowohl der klassisch reaktionären Geschlechtervorstellungen als auch des Radikal- und Gender-Feminismus, der diese Klischeevorstellungen oft nur übernahm und zuspitzte, in keiner Weise mehr anpassen lassen. Zwar findet man dort bemühte Konstruktionen wie, dass sich die von Natur aus "guten" Frauen lediglich an die "böse" Männerwelt angepasst hätten, gar von fiesen Kerlen zu ihren Taten manipuliert worden seien. Betrachtet man aber das Gesamtbild, das sich etwa auch bei Themen wie häuslicher Gewalt herausschält, wird immer klarer, dass solche Krücken keine Radikalfeministin mehr lange tragen können. Die Erlösungshoffnung von Frauen als den vermeintlich essentiell besseren Menschen führt schlicht in die Irre.

Es gibt im Zusammenhang mit männlichen Opfern sexueller Gewalt noch eine ganze Reihe von Nebenthemen, die der Aufarbeitung durch eine linke Männerpolitik bedürfen. So weist eine Untersuchung darauf hin, dass im ihr vorangegangenen Jahr 22.000 männliche (und 14.000 weibliche) Mitglieder des US-Militärs Opfer sexueller Übergriffe wurden – wobei, ähnlich wie bei häuslicher Gewalt, noch weniger Männer als Frauen Dritten davon berichteten (220 im Vergleich zu 2530 gemeldeten Fällen). In Südafrika scheinen auch Vergewaltigungen von Männern häufig vorzukommen – wobei eine solche Tat wegen der hohen Aids-Raten für viele Opfer einem Todesurteil gleichkommt, die Behörden solche Taten aber kaum erfassen, geschweige denn verfolgen: Erzwungener Analverkehr gilt ausschließlich bei Frauen als Vergewaltigung, bei Männern lediglich als Notzucht, die nur milde bestraft wird. (In Deutschland kann ein Mann erst seit 1996 Opfer einer Vergewaltigung werden, in der Schweiz bis heute nicht. ) In Algerien scheinen Mitglieder der Al Qaida junge Männer zu vergewaltigen, um sie dadurch sozial derart zu stigmatisieren, dass sie zu Selbstmordanschlägen herangezogen werden können. Sexuelle Gewalt gegen Männer erscheint in den unterschiedlichsten Facetten.

Um zu unterbinden, dass Vergewaltigung weiter als Waffe im Krieg verwendet werden kann, da jedenfalls ist sich Chris Dolan vom Refugee Law Project sicher, wäre der beste Weg, auch Männer in das Thema Geschlechtergerechtigkeit einzubinden: "Unglücklicherweise wurde das Geschlechterthema bislang allein als eine Diskussion über Frauenrechte behandelt. Und daher glauben die meisten Männer, dieses Thema hätte nichts mit ihnen zu tun."

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