Samstag, April 19, 2014

Jungen im Netz von Menschenhandel – Hilfe gesucht

Ich stehe gerade mit einer weiteren Studentin, Franziska Feuerstein, wegen ihrer Bachelorarbeit in Kontakt – aber diesmal muss die Arbeit erst noch geschrieben werden, und Frau Feuerstein bittet bei der Recherche nach Informationen um Mithilfe. Ich zitiere hierzu einmal aus ihrer Anfrage:

Das Thema meiner Bachelorarbeit lautet: "Jungen im Netz von Menschenhandel - Aufgabe und Herausforderung für die Soziale Arbeit". Es ist leider sehr viel schwerer, als ich erwartet habe, an wertvolle und verwendbare Informationen zu diesem Thema zu gelangen. Von außen betrachtet erweckt es den Anschein, als ob Menschanhandel mit Jungen überhaupt kein Thema in Deutschland wäre. Doch bezweifel ich dies, besonders vor dem Hintergrund letzter politischer Ereignisse, sehr stark!

Allein St. Peterburg hat über 200.000 Straßenkinder, wieviele Straßenkinder dann Russland hat, möchte ich gar nicht wissen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Kinder aus den Ostblockstaaten in die westlichen, reicheren Länder eingeschleust werden. Straßenkinder dürften hierbei ein eher leichtes Opfer für die Machenschaften der Menschhändler darstellen. Doch finde ich überhaupt keine Informationen, die solche Vermutungen belegen. Generell habe ich keine Studien oder Informationen über die Anzahl (und Dunkelziffer) der nach Deutschland geschleusten Jungen gefunden, welche Opfer von Menschhandel wurden oder immer noch sind. Auch weiß ich nicht, auf welchem Wege diese nach Deutschland gelangen und wie sie hier "gehalten" werden, geschweige denn welche Zukunftsperspektiven die Jungen erwarten können. Auch würde mich interessieren, wieviele Kinder generell im Zuge des Prozesses von Menschenhandel ihr Leben lassen müssen. Ich habe einen recht interessanten Artikel gefunden, bei welchem der Autor angibt, dass die Kinder in Deutschland, welche Opfer von Menschenhandel wurden, in speziellen Einrichtungen oder in Zeugenschutzprogrammen untergebracht werden würde. In der Fussnote erwähnt der Autor jedoch, dass diese Einrichtungen in der Praxis selten als solche genutzt werden würden. Haben Sie ähnliche Erfahrungen diesbezüglich gemacht?


Ich musste Frau Feuerstein insofern enttäuschen, als ich zwar für meine Bücher Not am Mann und Plädoyer für eine linke Männerpolitik auch zum Thema "Jungen als Opfer von Menschenhandel" recherchiert habe, dabei aber nur auf internationale und nicht auf deutsche Zahlen gestoßen bin. Ich zitiere mal einige Absätze aus dem betreffenden Kapitel (Fußnoten mit Quellenanganben im Buch):

Schaut man statt auf innerstädtische Prostitution auf Ländergrenzen überschreitenden Menschenhandel, gelangt ein Bericht des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2008 auf eine Rate von 45 Prozent Betroffener mit männlichem Geschlecht. Während die meisten von ihnen als Arbeiter gehandelt werden, werden viele Jungen und Männer auch für sexuelle Dienstleistungen herangezogen. Dieses Problem beschränkt sich nicht auf die USA: So wurde im Jahr 2010 in Spanien ein Menschenhandelsring speziell für männliche Prostituierte ausgehoben. (Man versorgte die Männer mit Viagra, Kokain und anderen Stimulanzien, damit sie 24 Stunden am Tag einsatzbereit waren). Im selben Jahr stießen Ermittler auf Sexsklaven, die aus afrikanischen Ländern nach Schottland gebracht worden waren. "Ich glaube, es gibt kein Land auf dieser Erde, in das nicht auch Jungen beim sexuell ausgerichteten Menschenhandel verschleppt werden", bekundet Blair Corbett, Direktor der Initiative Ark of Hope for Children, ein Fachmann auf diesem Gebiet. Und eine kanadische Studie (Under the Radar. The Sexual Exploitation of Young Men) stieß gleich auf eine ganze Reihe von Fakten, die bisherige Klischees gründlich in Frage stellen: Die sexuell ausgebeuteten Jungen und jungen Männer haben einen vergleichbaren Hintergrund an sexuellem und körperlichem Missbrauch wie die Mädchen und jungen Frauen in diesem Bereich, die sexuelle Ausbeutung begann allerdings durchschnittlich in einem jüngeren Alter, und die jungen Männer blieben länger in dieser Situation, was vielleicht auch daran liegt, dass sie (...) von den meisten Helfern in diesem Bereich kaum wahrgenommen werden.

Ronald Weitzer, Professor für Soziologie an der George Washington University und Fachmann in den Bereichen Sexhandel und Sexindustrie, erklärt zu den Hintergründen: "Nichtregierungsorganisationen haben herausgefunden, dass sie die Öffentlichkeit und mögliche Unterstützer erreichen, wenn sie den Sexhandel von Mädchen betonen. Diese Organisationen haben ein Interesse daran, das Problem auf eine bestimmte Weise zu definieren. Ständig von Frauen und Mädchen zu sprechen dient eindeutig dem Zweck, Regierungsgelder zu erhalten sowie die Aufmerksamkeit der Medien, aber Jungen, die zu Opfern werden, werden ignoriert, weil die meisten Mittel für Mädchen reserviert sind." Cameron Conaway, ein weiterer US-amerikanischer Experte für Menschenhandel, weiß ähnliches zu berichten: "Filmemacher, die den Horror des Sexhandels dokumentieren, berichten, ihre Arbeit würde nicht akzeptiert werden, wenn sie den Missbrauch von Jungen zeigen würden. 'Die Öffentlichkeit ist noch nicht soweit' wird mir gesagt."

"Sexuelle Gewalt gegen Männer ist ein Tabuthema", zieht der anonyme Verfasser des Männerrechtler-Blogs Toy Soldiers ein Fazit zu solchen Studien und Berichten. "Die meisten männlichen Opfer berichten nicht über ihren Missbrauch, es gibt weniger Anlaufstellen für sie, wo sie Hilfe bekommen könnten, und praktisch kein Interesse seitens Regierungsorganisationen. Dieser Mangel an Beachtung macht männliche Opfer unsichtbar, und was nicht gesehen wird, wird oft so behandelt, als ob es nicht existieren würde."


Das alles erklärt, warum die Quellenlage derart desolat ist, aber vielleicht hat der eine oder andere Genderama-Leser ja doch Informationen oder Ideen zur Hand, mit denen er Frau Feuerstein weiterhelfen kann. Wenn ja, freut sie sich über eine Mail an feuerstein.franziska@googlemail.com.

Ich habe ihr außerdem empfohlen, sich mit ihrer Anfrage an das Bundesforum Männer zu wenden. Schließlich handelt es sich hierbei um eine staatliche Institution, die mit hunderttausenden an Steuergeldern gefüttert wird und dazu ruhig mal irgendetwas an Leistung vorweisen könnte. Dass solche Anfragen an NGOs und Männerrechtler gehen, die sich darum dann in ihrer Freizeit kümmern dürfen, ist eigentlich ein Unding.

Allerdings befürchte ich, dass es eine starke Männerrechtsbewegung braucht, damit auch Jungen als Opfer von Menschenhandel zum Thema werden. Das Entstehen einer starken Männerrechtsbewegung wird von Leuten wie Thomas Gesterkamp, Andreas Kemper, Hinrich Rosenbrock und Ralf Homann allerdings massiv torpediert. Ich kann kaum ausdrücken, wie widerwärtig ich das alles aus Menschenrechtsperspektive finde.

Vergewaltigungen: Was wirklich hinter der Rate an Schuldsprüchen steckt

Vorgestern hatte Genderama über einen Artikel der Süddeutschen Zeitung berichtet, in dem so wirklichkeitsferne Behauptungen wie "Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass Frauen eine Vergewaltigung erfinden" zu lesen waren. Diesen Artikel hat jetzt auch Mirko Laudon im Blog Strafakte.de aufgegriffen:

Es war ein Satz in einem Artikel von Roland Preuß auf Sueddeutsche.de, der gestern nicht nur in den sozialen Netzwerken die Gemüter erhitzte:

"Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass Frauen eine Vergewaltigung erfinden."

Mittlerweile ist der Satz dort nicht mehr so zu lesen. Eine derartige Verallgemeinerung ist ausgesprochen naiv, besagt sie doch, dass Frauen nie eine Vergewaltigung erfinden würden. Die Realität ist leider eine andere.


Hier geht es weiter.

"Anja Nehls im Deutschlandfunk auf Propagandakurs"

Der Frontberichterstatter zerpflückt ein kleines Meisterstück der männerfeindlichen Demagogie, für das die Journalistin Anja Nehls verantwortlich zeichnet. Insbesondere wer zuvor den juristischen Fachbeitrag Mirko Laudons gelesen hat, kann über Anja Nehls wilde Phantasien nur noch den Kopf schütteln. Warum recherchieren so viele Journalisten eigentlich nicht ausreichend gründlich, bevor sie sich mit ihren Artikeln derart blamieren?

Freitag, April 18, 2014

Warum führt der "Tatort" eine Kampagne gegen Väter?

Vor ein paar Tagen habe ich eine Kurzkritik zum letzten "Tatort" hier verlinkt, in der es heißt:

Der Täter, welcher sich als ein, seit 8 Jahren entsorgter Familienvater -ohne Kontakt zu den eigenen Kindern- entpuppt, ist rein optisch schon so ge- oder verunstaltet, dass die Sympathie, oder eine mögliche Anteilnahme, des Zuschauers gegen Null tendieren dürfte – während der Polizist und der Gerichtsmediziner so richtig menschelnd rüberkommen können. Das ist dann wohl also der Staatsauftrag bezüglich unserer heiligen Demokratieabgabe.


Über den kommenden "Tatort" berichtet Spiegel-Online unter der passenden Überschrift Väter, uns graut vor euch. Darin heißt es:

Die Mutter wird ermordet, drei Kinder bleiben zurück. Sie haben verschiedene Väter - jeder von ihnen unzuverlässig. (...) Der erste, Mitglied einer nahezu militanten Väter-Selbsthilfegruppe, lag bislang in einem verheerenden Sorgerechtsstreit mit der Toten - auch zum Nachteil der doch so geliebten Tochter. Der zweite leitet im fernen südlichen Indien einen Ashram, wo er über der spirituellen Erleuchtung und dem betriebswirtschaftlichen Chaos den eigenen Sohn samt fälliger Alimente vergaß. Und der dritte, ein wohlhabender Unternehmer, zahlte immer brav für seine Tochter, leugnete die Kleine aber vor seiner neuen Frau.

(...) Ritschard, die einzige offen homosexuelle Ermittlerfigur im "Tatort"-Kosmos, wird von der verbohrten Vätertruppe beim Squash mit ihrer Lebensgefährtin fotografiert und danach im Netz als Kampflesbe desavouiert.


Okay, die Botschaft ist klar geworden: Väter sind böse. Väterrechtler sind ganz böse. Homosexuelle Frauen sind gut (und Opfer). Soweit nichts Neues für die ARD. Aber warum glaubt man dort inzwischen, für die politische Indoktrination derart mit dem Holzhammer arbeiten zu müssen?

Donnerstag, April 17, 2014

Wirklich kein Männerstreik?

In der "Zeit" berichtet Steffi Arendsee, dass es ihr nicht mehr gelinge, einen Mann für eine Partnerschaft zu gewinnen. Das kann man jetzt als Indiz dafür auslegen, dass der von Helen Smith und anderen postulierte "Männerstreik" auch in Deutschland angekommen ist. Oder damit, dass die wenigsten Kerle sich auf eine Partnerschaft mit einer Frau einlassen wollen, die, weil sie dreimal abgeblitzt ist, fabuliert:

Was ist nur los mit den Männern aus meiner Generation? Wenn ich von meinen Erfahrungen auf alle schließe, verdienen sie wahrlich keine Lorbeeren für ihren Umgang mit Frauen. (...) Wenn sie eine Verbindung auflösen, zeigen sie wenig Anstand, und suchen den Fehler bei der Frau. So spielt sich im Kleinen ab, was sich auch im Großen vollzieht: Männer sind unsicher geworden. Und damit zum schwachen Geschlecht.


Ich stelle mir vor, was ein frauenfeindlicher Mann, der beim anderen Geschlecht nicht landen kann und deshalb darüber ablästert, sich anhören müsste. Eines jedenfalls steht fest: Er erhielte für diesen Unfug ganz bestimmt kein Podium von der "Zeit".

Akifs geile Welt

Jetzt gibt es doch noch einen gelungenen Artikel über Akif Pirincci – im European.

Lesermail zur Situation an unseren Universitäten

Einer meiner Leser schreibt mir:

Vor Jahren habe ich, dank der Empfehlung aus einem Pokerforum, Ihr Buch "Männerbeben" gelesen. Ich war beeindruckt von der Logik Ihrer ausserordentlich gut recherchierten Arbeit und enorm glücklich, dass sich endlich einmal jemand damit eingehender befasst und zusammenträgt, was alles an Daten vorhanden oder eben nicht vorhanden ist. Seither fallen Diskussionen mit Feministinnen viel einfacher, schliesslich kann ich mich auf ein Buch und eine immer grösser werdende Zahl von Studien berufen, was an einer Uni nicht unwichtig zu sein scheint - schliesslich wird mir als Germanistik- und Anglistikstudent seit Jahren eingetrichtert, wie schlimm es Frauen doch haben.

Zur Illustration: Am Englischen Seminar der Universität Zürich gibt es die "Language Skills and Culture"-Kurse, sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudiengang. Deren Ziel ist es, dass wir die Kultur der USA und Englands kennenlernen und akademisches Schreiben trainieren. Soweit, so gut. In der Realität wird aber, besonders in den späteren Semestern, quasi ausschliesslich über die Rolle der Frau, Bilder der Frau und Unterdrückung der Frau gesprochen. Im Abschluss-Kurs der LSC-Reihe waren unsere thematischen Schwerpunkte "Postfeminismus" (also "Feminismus", dafür sorgte die in der Philosophischen Fakultät ubiquitäre Feministinnenfraktion), "The Body" (also "The Body of Women", auch dafür wurde gesorgt) und "Othering and The Other" (also "Why Women Are The Other", zumindest teilweise). In den Seminarsitzungen soll dann jeweils diskutiert werden, wobei es quasi unmöglich ist, gegen die feministische Übermacht anzukommen. Als ich noch im Bachelor-Studium war, wagte ich es einmal, den Gender-Pay-Gap anzuzweifeln und auf diverse, eigentlich altbekannte Missstände wie ungleiches Rentenalter, Scheidungsrecht, Lebenserwartung aufmerksam zu machen. Sie können sich vorstellen, wie das ankam. Danach zog ich es vor, bei solchen Diskussionen zu schweigen. Man muss auch bedenken, dass ich als Mann in einem "weichen" Studienfach eine Minderheit bin - grob geschätzt sind maximal 25% aller Englischstudenten männlich - und in einem Seminar mit 20 Frauen diskutiert es sich nunmal schlecht gegen den Feminismus, zumal sich auch die meisten Dozenten als Feministinnen und Feministen verstehen.

Ein weiteres Übel ist die masslose Überbewertung der feministischen Literaturstudien, die nur darauf ausgerichtet sind, im Literaturkanon negative Darstellungen von Frauen zu identifizieren und damit zu rechtfertigen, wie sehr Frauen doch (heute noch!) unterdrückt werden. Ich war bisher, und ich mache nächstes Jahr meinen Abschluss, noch in keinem Literaturkurs, in dem feministische Literaturkritik nicht zumindest einmal zur Sprache kam.

Positiv an der Sache ist, dass sich mittlerweile vermehrt Studenten (auch weibliche) weigern, an diesem Diskurs teilzunehmen, weil sie ob der geballten Ladung feministischer Ideologie derart entnervt sind. Ob das allerdings der richtige Weg ist, bezweifle ich auch, schliesslich wird sich nichts ändern, solange niemand den Mund aufmacht. Das ist aber schwierig, da kaum jemand eine schlechtere Note riskieren will, weil er oder sie etwas derart Etabliertes kritisiert.

In diesem Kontext bin ich darum froh, dass ich vor relativ kurzer Zeit darauf gekommen bin, dass Sie einen Blog betreiben und zähle mich seitdem zu Ihren regelmässigen Lesern. Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie dazu beitragen, den Genderdiskurs mit Argumenten zu versachlichen und damit zu einer gerechteren und wirklich gleichberechtigten Gesellschaft beitragen.

Vergewaltigungen: mehr Anzeigen, weniger Urteile

Verschiedene Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, berichten heute darüber, dass je gründlicher man zum Beispiel mittels DNA-Analysen Spuren sichern kann, desto weniger Anzeigen wegen Vergewaltigung zu einem Urteil führen. Grundlage für diese Artikel ist eine aktuelle Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen:

Angezeigte Übergriffe werden immer seltener bestraft. "Diese Entwicklung ist für Frauen nicht akzeptabel", sagt der Kriminologe und Direktor des KFN, Christian Pfeiffer.


Befremdlich ist, dass von Christian Pfeiffer und den verschiedenen Medien ganz selbstverständlich so getan hat, als läge einer Anzeige automatisch eine entsprechende Tat zugrunde. Nur an einer Stelle des Artikels heißt es zum Thema Falschbeschuldigungen:

"Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass ein so hoher Anteil der Frauen eine Vergewaltigung erfindet", sagt Pfeiffer.


was in der Zwischenüberschrift der Süddeutschen noch einmal eingedampft wird zu

"Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass Frauen eine Vergewaltigung erfinden"


Nein, natürlich nicht. Welche Frau würde so etwas je tun?

"Man kann nicht ernsthaft unterstellen, dass ..." Vielleicht versuchen wir es das nächste Mal doch wieder mit Wissenschaft statt mit billiger Rhetorik? Warum stammen Studien, die eine hohe Rate an Falschbeschuldigungen ausweisen, grundsätzlich aus dem Ausland, während das in Deutschland nicht erforscht wird? Vielleicht weil sich ein Kriminologe, der das täte und dabei auf ähnliche Raten stoßen würde, weniger angnehem im Schweinwerferlicht der Medien sonnen könnte wie Christian Pfeiffer?

Nachtrag: Kaum habe ich diesen Eintrag gebloggt, kommt dieser Artikel bei mir rein.

Mittwoch, April 16, 2014

Fall Dall: Psychiatrisches Gutachten über angebliches Opfer aufgetaucht

Sie erhebt Vergewaltigungsvorwürfe gegen Komiker Karl Dall, doch Anja S. ist selbst eine verurteilte Stalkerin. Jetzt liegt ein psychiatrisches Gutachten aus dem Jahr 2009 vor – und der Gutachter empfiehlt eindeutig, was mit der Frau geschehen sollte.


Hier geht es weiter.

"taz" berichtet über häusliche Gewalt gegen Männer

Frauen können brutal sein. Sie können zuschlagen oder den Partner mit Worten verletzen. Die Rede ist hier von häuslicher Gewalt. Weibliche Gewalt gegen Männer ist in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch kaum präsent. Dabei haben Täterinnen einerseits und männliche Opfer andererseits in den letzten Jahren zugenommen.


Hier geht es weiter.

Natürlich könnte man auch an diesem Artikel wieder herummäkeln. Die "taz" spricht von einer deutlich höheren Betroffenenzahl bei Frauen, indem sie sich nur auf die Kriminalstatistik bezieht, bei der das Dunkelfeld ausgeblendet bleibt, und behauptet, es gäbe darüber hinaus kaum belastbare Studien. (International gibt es mehrere hundert, innerhalb Deutschlands sind die Studien Peter Döges für die EKD sowie des Robert-Koch-Instituts aktuell). Allerdings erwähnt die "taz" dann doch immerhin die Studie des Frauenministeriums von 2004, der zufolge 27 Prozent aller Männer schon einmal häusliche Gewalt erlebten. (Also dieselbe Rate wie unter den Frauen, könnte man hinzufügen.) Für ein radikalfeministisches Blatt ist das doch schon mal ein bemerkenswerter Schritt nach vorne. Und ohne das ständige Generve der Männerrechtsbewegung gäbe es solche Artikel vermutlich nicht.

Labels:

"Kein Wunder, dass so wenig Frauen Feministinnen sind!"

The German term Fremdscham describes a type of proxy-embarrassment; it’s the feeling of shame you have on behalf of others, often those who don’t realize they should be embarrassed for themselves. I can’t think of a term that better applies to the scene that unfolded at the University of Ottawa two weeks ago.

Professor Janice Fiamengo had planned to speak on men’s issues and rape culture as part of a talk organized by the Canadian Association for Equality (CAFE). The lecture, called “What’s Equality Got To Do With It? Men’s Issues and Feminism’s Double Standards,” was intended to dispel the notion of rape culture, according to Fiamengo, as well as discuss issues such as suicide by young men and custody rights after divorce. But some student activists decided Fiamengo’s lecture was not appropriate, so they took it upon themselves to shut it down.


Hier geht es weiter mit dem Artikel der kanadischen Journalistin Robyn Urback. Genderama hatte über den geschilderten Vorfall bereits berichtet; mir geht es hier nur darum zu zeigen, dass auch die kanadische Presse den feministischen Terror wahrnimmt. Von den deutschen Medien darf man solche Berichterstattung leider nicht erwarten.

Hin zu einer maskulistischen Filmkritik: "Der Hammer"

Das relativ neue maskulistische Blog Emannzer hat sich den letzten Tatort angeschaut.

Dienstag, April 15, 2014

Neue wissenschaftliche Arbeit: "'Männer sind Schweine!' – Negative Auswirkungen von Geschlechtsstereotypen auf Männer"

Durch den Newsletter von Peter Thiels Männerberatung bin ich heute auf die 2013 von Sandra Hermann im Studiengang Psychologie an der Fernuniversität Hagen eingereichte Bachelorarbeit "'Männer sind Schweine!' – Negative Auswirkungen von Geschlechtsstereotypen auf Männer" aufmerksam gemacht worden. In dem an Peter Thiel gerichteten Begleitschreiben der Verfasserin schreibt diese: "Für die Gruppe der Frauen und andere marginalisierte Gruppen wurde die Gefahr von Vorurteilen und die dadurch entstehende Benachteiligung erkannt und seit geraumer Zeit erfolgreich politisch und gesellschaftlich dagegen angegangen. Doch wie steht es um die andere Hälfte der Menschen – inwiefern kommt die gleiche Förderung und Unterstützung auch den Männern zugute?" Mit ihrer Forschung verbindet Hermann unter anderem die Hoffnung, dass Empathie und Unterstützung nicht länger von der Geschlechtszugehörigkeit abhängt sowie dass in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein differenzierteres Männerbild entstehen kann, als es momentan vorherrscht.

Auf meine Anfrage hin, ob ich hier in Genderama aus ihrer Arbeit zitieren darf, hat mir Sandra Hermann sehr schnell und freundlich geantwortet: "Ich habe schon viele Beiträge von Ihnen gelesen und würde mich freuen, in Ihrem Blog genannt zu werden." (Ich zitiere das nicht ausschließlich aus persönlicher Eitelkeit, sondern auch, um heute zum immerhin schon zweiten Mal zu zeigen, dass wir inzwischen längst außerhalb unserer eigenen Sphäre wahrgenommen werden.) Hermann erklärt, in die bisherige Richtung weiterforschen zu wollen, zumal bei ihr in absehbarer Zeit auch die Master-Abschlussarbeit anstehe. (Wenn sie Männerrechtler nicht leiden könnte, bekäme sie die Verbreitung dieser Arbeit von der Heinrich-Böll-Stiftung finanziert und würde von "taz", "Zeit" und Bayern2-"Zündfunk" interviewt ... aber das nur nebenbei.)

Die Arbeit erfüllt, soweit ich das als fachfremder Akademiker ersehen kann, die Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens so gut, dass auch Michael Klein in Sciencefiles damit glücklich wäre. (Das ist eine eigene Erwähnung wert, weil bei mir manchmal auch universitäre Arbeiten eingehen, die eher an bessere Essays erinnern.) Die besonders wissenschaftlichen Passagen wie "In der Tat schnitten die kaukasischen Teilnehmer der Experimentalgruppe (M = 6.55) deutlich schlechter ab (F(1,21) = 5.51, p < .01) als in der Kontrollgruppe (M = 9.58)." lasse ich im Rahmen dieses Blogbeitrags, der sich ja auch an Laien richtet, aber lieber aus und konzentriere mich auf die Passagen, die für jeden verständlich sein sollten.

Erwähnenswert ist so für mich der Vorspann der Arbeit, in dem Herman zunächst den Hintergrund ihres Themas zusammenfasst:

Die Begriffe Vorurteile und Stereotype werden meist in Zusammenhang mit benachteiligten oder marginalisierten Gruppen verwendet. Dass für die Betroffenen dadurch Benachteiligungen entstehen und eine Ungleichbehandlung stattfindet würde wohl kaum jemand bezweifeln. Dass Stereotype sich genauso negativ auf Männer - die gesellschaftlich dominante Gruppe - auswirken können, wurde bisher weitgehend übersehen. Dabei scheinen Männer sogar in doppelter Hinsicht unter negativen Auswirkungen von Stereotypen zu leiden: einerseits, wenn sie den gängigen Stereotypen entsprechen, andererseits aber auch, wenn sie dies nicht tun. Zudem lässt sich aufzeigen, dass für die Gruppe der Männer negative Auswirkungen nicht nur von negativen Stereotypen ausgehen, sondern dass auch Stereotype, die zunächst nicht als negativ gelten, durchaus negative psychische und physische Auswirkungen auf Männer haben können. Der Druck, den die Erfüllung der männlichen Geschlechtsrolle mit sich bringt, kann erhebliche Auswirkungen auf das seelische und körperliche Wohlbefinden von Männern haben. Zudem erfahren Männer in vielen Bereichen des täglichen Lebens Benachteiligungen und Ungleichbehandlung allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht. Bestimmte Eigenschaften oder Rollen, wie zum Beispiel die Opferrolle, werden ihnen abgesprochen. Andere Attribute hingegen – wie zum Beispiel Härte und Stärke – werden überbetont. Hieraus resultieren unter anderem härtere und schnellere Bestrafungen oder Sanktionen. Empathie und soziale Unterstützung gegenüber Männern bleiben dadurch häufig versagt.


Danach erklärt Herman, wie sie zu diesem Thema gefunden hat:

1998 veröffentlichte die deutsche Punkrockband Die Ärzte ihren Hit "Männer sind Schweine". Bis heute hat dieses Lied nicht an Popularität verloren und steht nach wie vor auf der Playliste der deutschen Radiosender oder ist auf diversen Veranstaltungen zu hören.

Als dieses Lied wieder einmal im Radio gespielt wurde äußerte mein 11-jähriger Sohn seinen Unmut über den Liedtext: Er fragte, warum es überhaupt erlaubt sei, so schlechte Dinge über Männer zu singen und warum in diesem Lied behauptet wird, dass alle Männer so sind. Es seien bestimmt nicht alle Männer so wie in diesem Lied besungen wird, aber die meisten Leute würden dieses aufgrund des Textinhalts annehmen. Das schlimmste für ihn war, dass die Leute von ihm das ja dann auch denken werden, wenn er einmal ein Mann ist.

Bis dahin hatte ich mir nie ernsthaft Gedanken über die Bedeutung des Inhalts dieses Liedes gemacht. Ich nahm es – wie vermutlich die meisten - mit Humor. Dennoch war ich erstaunt über die Betroffenheit meines Sohnes und fing an, mir Meinungen und Gespräche über Männer genauer anzuhören. Ich wollte wissen, ob der Inhalt des Liedes Auswirkungen auf die Meinung über Männer hat und was beziehungsweise wie über Männer allgemein gedacht wird. Ich forderte alle möglichen Personen die mir über den Weg liefen auf, den Satz: "Männer sind ..." zu vervollständigen. Bis auf wenige Ausnahmen lautete die Fortsetzung des Satzes von den Befragten: "Schweine!" und die wenigen Ausnahmen fanden zu meinem Bedauern auch keine oder kaum nette Worte über Männer: nutzlos, faul, dumm, schlechte Verlierer, unsensibel, Machos, Weicheier. Als positive Eigenschaften wurden lediglich stark, sportlich und erfolgreich genannt.

Bestürzt über diese Aussagen und Meinungen entschied ich mich für eine wissenschaftliche Betrachtung von Untersuchungen über Stereotype in Bezug auf Männer und deren negativen Auswirkungen. Diese sollen in der vorliegenden Arbeit dargestellt werden.


Im folgenden zitiert Hermann eine Passage aus Der männliche Habitus, wo bereits 2001 auf ein Problem hingewiesen wurde, an dem sich bis heute nichts geändert hat: "Verglichen mit der Frauenforschung ist die Männerforschung ein exotischer Randbereich in der Wissenschaft und nach wie vor gibt es hierfür keine einzige Professur in Deutschland. (...) Besonders männliches Leiden ist als Gegenstand wissenschaftlichen Forschens weitgehend ausgespart geblieben – fast so, als gäbe es ein solches Leiden gar nicht."

Dem unbenommen, so führt Hermann anhand den Lesern dieses Blogs bekannten Zahlen aus, belegen diverse Zahlen von der Suizidrate über die Lebenserwartung bis zum Thema Sorgerecht, dass dieses Leiden in Wahrheit massiv vorhanden ist. Der Blick auf dieses Leiden wird aber aufgrund herrschender geschlechtsbezogener Stereotype und Vorurteile verstellt. Was ich hier so locker in einem Satz zusammenfasse, analysiert Hermanns Arbeit über mehrere Seiten hinweg, bis sie zu folgender Passage gelangt:

Männer sind laut den gängigen Stereotypen gewalttätig, gefährlich, kriminell und triebgesteuert. Sie wollen und denken ständig an Sex und Gewalt – dies auch in Kombination (Kersten, 1997). Männern wird grundsätzlich die Täterrolle zugeschrieben, Opfer sein ist weiblich. Zudem wird kriminelles Verhalten bei Männern eher auf personelle (interne) Ursachen, bei Frauen eher auf situative (externe) Ursachen zurückgeführt (Kersten, 1997; Wagner-Link, 2009). Männern wird also eher ein schlechter Charakter unterstellt, Frauen sind Opfer der Umstände. Brownmiller (1975) geht sogar soweit zu behaupten, alle Männer seien potentielle Vergewaltiger. Über Männer bestehen also ebenso viele - wenn nicht sogar mehr – Stereotype wie über die meisten Minoritätengruppen. Die Vermutung, dass auch Männer von Stereotypen negativ beeinträchtigt werden, liegt daher nahe.


Aus dieser Vermutung ergeben sich für Hermann verschiedene Fragestellungen, die sämtlich das Oberthema ihrer Arbeit umfassen: Wie wirken sich diese Klischees und Vorurteile auf Männer aus? Schon die Sichtung der vorliegenden Literatur gestaltete sich jedoch als schwierig:

Zunächst wurde untersucht, welche Stereotype für Männer existieren. In soziologischen und psychologischen Fach- und Lehrbüchern der Universitätsbibliotheken wurden Erklärungen und Definitionen für Geschlechtsstereotype, Geschlechtsrollen und Vorurteile speziell in Bezug auf Männer gesucht und miteinander verglichen. Leider fanden sich in den meisten Arbeiten über Geschlechtsstereotype ausschließlich Stereotype in Bezug auf Frauen.


Mit etwas Mühe konnte Hermann aber doch noch verwendbare Literatur auftun, darunter die Grundlagenwerke von Warren Farrell sowie der von Eckhard Kuhla und Paul-Hermann Gruner herausgegebene Forschungsband Befreiungsbewegung für Männer. Darüber hinaus kann man, was die generelle Auswirkung von Stereotypen angeht, ja durchaus auf die Ergebnisse der (seriösen) Frauenforschung zurückgreifen:

Frauen wurden zum Beispiel in Bezug auf ihre mathematischen Fähigkeiten im Geschlechtsvergleich getestet. Auch hier erzielten die Frauen, denen vorher das Stereotyp "Frauen sind nicht so gut in Mathematik" nochmals suggeriert wurde, sehr viel schlechtere Ergebnisse, als die Frauen in den Kontrollgruppen ohne vorherige Aktivierung der Stereotype.


In diesem Zusammenhang ist eine Erkenntnis für das behandelte Thema von besonderer Bedeutung:

Zu Beginn der Erforschung von Stereotype threat wurde davon ausgegangen, dass die Zugehörigkeit zu einer Minorität oder einer benachteiligten Gruppe eine notwendige Voraussetzung für die Wirkungen des Stereotype threat ist. Aronson, Lustina, Good, Keough, Steele und Brown (1999) fanden heraus, dass die Zugehörigkeit zu einer benachteiligten Gruppe eine hinreichende, jedoch keine notwendige Voraussetzung für die Wirkung einer stereotypen Bedrohung ist.


Ich erläutere das noch einmal mit eigenen Worten: Feministinnen wie Anne Wizorek und Nicole von Horst waren im Rahmen ihrer #Aufschrei-Kampagne ja mit dem Statement durch die Talkshows getingelt, Sexismus gegen Männer zähle nicht, weil wir in einem "Patriarchat" lebten. Dieses Denken ist zumindest nicht vom Grundsatz her dumm: Natürlich treffen beispielsweise in einer Gesellschaft, die Schwarze diskriminiert, Vorurteile gegen Schwarze diese Menschen destruktiver als in derselben Gesellschaft Weiße von den Vorurteilen einiger Schwarzen geschädigt würden. Eine gesamtgesellschaftliche Benachteiligung ist aber nicht notwendig, damit Vorurteile schädlich sein können. (Dass Männer inzwischen sehr wohl benachteiligt werden bleibt bei diesem Argument sogar außen vor.) Offenbar bringt man sowas Wizorek und von Horst in ihren Genderseminaren aber nicht bei, weil diese Erkenntnis zu denen gehört, die das radikalfeministische Opfer-Abo bedrohen.

Experimente zeigen nun, dass – ähnlich wie bei Frauen und Mathematik – Männer, denen man vor dem Versuch weismacht, sie seien in Fragen der sozialen Sensibilität und dem korrekten Erkennen, Verstehen und Beurteilen von verbaler und nonverbaler Kommunikation im alltäglichen Umgang miteinander schlechter als Frauen, sich daraufhin in diesem Bereich tatsächlich dümmer anstellen. Hierzu merkt Hermann an:

Es wäre (...) sehr aufschlussreich herauszufinden, welche Auswirkungen chronischer Stereotype threat auf Männer in Bezug auf das Verhalten in partnerschaftlichen Beziehungen oder Kindererziehung hat. Nimmt das Interesse daran ab oder geben es Männer sogar irgendwann ganz auf, gefühlvolle und liebevoll umsorgende Partner und Väter zu sein, wenn ihnen immer wieder vorgehalten wird, sie seien nicht emotional genug, erkennen Gefühle nicht richtig und können diese nicht ausdrücken?


Weitere Untersuchungen legen zumindest nahe, dass die anhaltende Konfronation mit Stereotypen auch eine höhere Aggression und verminderte Selbstkontrolle zur Folge haben können.

Da sich die Stereotype-Bedrohung wie eine "sich selbst erfüllende Prophezeiung" auswirken kann, könnten Untersuchungen hierzu, speziell in Bezug auf das Stereotyp "Männer sind aggressiv", sicherlich neue Erkenntnisse liefern.


Entsprechendes Niedermachen von Männern wäre insofern kontraproduktiv.

Hermann führt weiter aus:

Dass negative Stereotype sich auch bei Männern negativ auf Leistung und Gesundheit auswirken können, konnte belegt werden. Wie sieht es bei den positiven Stereotypen aus? Können diese negative Auswirkungen auf Männer haben? Als stark, erfolgreich und leistungsfähig zu gelten sollte sich eher positiv auf die Identität und die Gesundheit auswirken. Krankheits-, Todes- und Obdachlosenstatistiken zeichnen jedoch ein anderes Bild. So beträgt laut Gesundheitsberichtserstattung des Bundes 2006 die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer in Deutschland rund sechs Jahre weniger als die der Frauen. Lange Zeit wurden hierfür biologische (z.B. hormonelle) Ursachen vermutet. In seiner Klosterstudie fand Luy (2003) jedoch heraus, dass die signifikant höhere Mortalitätsrate bei Männern eher verhaltens- und umweltbedingt sein muss.


Es folgen einige sehr akademische Passagen, aber das Folgende ist wieder auch von Laien nachvollziehbar:

Lorber und Garcia (2010) legen in ihrer Fall- und Literaturstudie über Kriegsveteranen aus dem Irak und Afghanistan dar, welche Auswirkungen das Festhalten an traditionellen männlichen Geschlechtsrollen auf die Identität, das Gesundheits- und Hilfesucheverhalten der Soldaten haben können. Werden traditionelle Männlichkeitsbilder in die Selbstidentität übernommen, können daraus negative Implikationen in Bezug auf das Zulassen und Ausdrücken von Gefühlen und die Inanspruchnahme von psychologischer Unterstützung entstehen. Die Autoren konstatieren, dass sich die Inanspruchnahme von professioneller, psychologischer Hilfe für Männer in der Zivilbevölkerung schon kaum mit den normativen männlichen Geschlechtsrollenerwartungen vereinbaren lässt. Sehr viel schwieriger gestaltet es sich zum Beispiel mit Angehörigen des Militärs. Hier sind die Vorgaben darüber, wie und was ein richtiger Mann nach traditioneller Manier zu sein hat, noch extremer. Für Gefühle und das Ausdrücken von Gefühlen ist keinen Platz. Weder in Bezug auf sich selbst, noch auf andere. Schmerzen müssen ausgehalten werden, Leid, Trauer oder Furcht unterdrückt, sonst gilt "(M)man(n)" als schwach – für einen Soldaten als Verkörperung der Männlichkeit undenkbar! Soldaten werden laut Lorber und Garcia (2010) zu Konformität erzogen. Hypermaskuline Ideale, vor allem in Bezug auf Emotionskontrolle, werden verlangt und trainiert um die Soldaten für den Kampf vorzubereiten.

Das rigide Festhalten an normativen männlichen Geschlechtsrollen verstärkt Probleme bei der Emotionsregulation. Das Risiko, am posttraumatischem Stress-Syndrom zu erkranken - das Erlebte nicht verarbeiten zu können, steigt damit beträchtlich an. Der Druck, als Mann selbst mit seinen Problemen klar kommen zu müssen, um nicht als Schwächling zu gelten ist immens. Wenn überhaupt Psychotherapie in Anspruch genommen wird, ist die Abbruchquote hoch, da in der Therapie in Interaktion mit dem behandelnden Therapeuten meist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen über das Erlebte erforderlich ist. Die Autoren betonen, dass sowohl beim Militär als auch im zivilen Leben Männer eher zu Suchtmitteln oder psychotropen Substanzen greifen, um den entstandenen Stress zu "bewältigen“, als sich selbst oder einem anderen gegenüber das eigene Unvermögen oder bewältigen Versagen als Mann einzugestehen. Werden Gefühle wie zum Beispiel Trauer oder Furcht wahrgenommen, entstehen zusätzlich Scham- oder Schuldgefühle darüber, nicht männlich und hart genug zu sein, Gefühle nicht abschalten zu können.


Das hier Ausgeführte ist übrigens der Hauptgrund, warum ich als Männerrechtler mit der pseudodominanten Uga!-Uga!-Wir-Männer-sind-ja-so-stark!-Fraktion der Männerszene nichts anfangen kann.

Es entspricht den normativen Geschlechtsstereotypen, dass Männer etwas aushalten müssen – ganz nach dem Motto: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" – und ihre Gefühle, vor allem Gefühle die als Schwäche ausgelegt werden könnten, für sich behalten. Wagner-Link (2009) fand in Fallstudien heraus, dass viele Männer ihre eigene Gesundheit vernachlässigen und ihr Leid unterdrücken. Sie suchen seltener Ärzte auf, nehmen seltener professionelle (therapeutische) Hilfe in Anspruch und betäuben Schmerz und Leid eher mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten und obwohl Männer in vielen gesundheitlichen Bereichen höhere Erkrankungsraten aufweisen als Frauen, geben Männer in den meisten Befragungen weniger Beschwerden an (Wagner-Link, 2009). Alfermann (1996) betont, dass die Erwartung an Männer, stark, aktiv, durchsetzungsfähig und "tough" zu sein, keine Schwächen zu zeigen, einen Lebensstil begünstigen, der Herzinfarkt förderlich ist.


Weitere massiv von Fachliteratur gestützte Ausführungen gelangen zu dem Zwischenfazit:

Das Festhalten an dem traditionellen Bild von Männlichkeit kann beträchtliche negative Auswirkungen auf das Selbstbild, die Identität, den Lebensstil und die psychische und physische Gesundheit von Männern haben.


Als Liberaler bin ich natürlich der Auffassung, dass man für sich persönlich trotzdem dieses traditionelle Bild von Männlichkeit für das eigene Leben wählen kann. Ich halte es nur für verheerend, das auch noch anderen Männern als Nonplusultra anzupreisen.

Schließlich kommt Hermann auf das Thema Suizide zu sprechen:

Es ist außerdem anzunehmen, dass die immens hohe Suizidrate bei Männern maßgeblich zu der durchschnittlich geringern Lebenserwartung von Männern beiträgt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt in ihrem Selbstmord-Präventionsbericht aus dem Jahr 2012 auf, dass in den letzten 45 Jahren die Selbstmordrate um mehr als 60% angestiegen ist. Besonders betroffen davon sind junge und ältere Männer. Das Verhältnis der Selbstmorde liegt im Vergleich von Männern und Frauen durchschnittlich bei über 3:1. (...) Über die genauen Gründe für die hohe Zahl der begangenen Suizide von Männern kann nur spekuliert werden, es ist jedoch anzunehmen, dass der Leidensdruck für viele Männer offenbar ausweglos erscheint.


Und auch in einem weiteren Bereich liegt vieles im argen:

Ähnlich sehen die Zahlen bei der Obdachlosigkeit aus. Marin (1991) untersuchte über einen Zeitraum von drei Jahren die Situation der Obdachlosen in den USA und betont in seinem Artikel, dass Obdachlosigkeit vorwiegend ein Problem alleinstehender Männer ist. In den USA sind ca. 78% der Obdachlosen Männer, die überwiegende Mehrzahl davon ist alleinstehend. Weiterhin beklagt der Autor die fehlenden Hilfsangebote für obdachlose Männer (vgl. Punkt 6.2.3).


Erfreulicherweise kommt Herman im weiteren Verlauf ihrer Arbeit auch auf die Diskriminierung von Männern zu sprechen:

Dass Männer diskriminiert werden, ist laut Benatar (2012) eine Tatsache, die in unserer Gesellschaft immer noch von vielen belächelt, ausgeschlossen beziehungsweise geleugnet wird - oder einfach noch nie unter diesem Standpunkt betrachtet wurde. Auch in der wissenschaftlichen Forschung wurde dieses Thema bisher kaum beachtet. Diskriminierung von Männern lässt sich vermutlich nicht mit den Vorstellungen von einer gesellschaftlich dominanten Gruppe vereinbaren.


Hermann kann aber selbstverständlich die verschiedensten Diskriminierungen von Männern aufführen; das muss ich hier für die Leser dieses Blogs ja nicht noch mal runterbeten. Relevant ist hier vor allem, inwiefern Stereotype für verschiedene Diskriminierungen verantwortlich sind:

Kann es sein, dass aufgrund der stereotypen Annahmen, Männer seien nicht so fürsorglich und liebevoll, sie die Verlierer in 94% der gerichtlichen Sorgerechtsentscheidungen sind? Oder werden aufgrund der stereotypen Annahmen, dass sie erfolgreich zu sein und die Familie zu ernähren haben, schneller Sozialleistungen gestrichen? Bisher stehen für diese Vermutungen wissenschaftliche Untersuchungen noch aus. Es zeigt aber deutlich, dass eine Diskriminierung von Männern – auch in Deutschland - stattfindet und nicht ausgeschlossen oder geleugnet werden kann.


Weitere Themen, die Hermann anführt, sind strengere Bestrafungen von Männern in den unterschiedlichsten Zusammenhängen sowie dass Männer als häufigste Opfer von Gewalt weitgehend ausgeblendet werden. Dabei kommt Hermann auch auf häusliche ud sexuelle Gewalt gegen Männer zu sprechen, außerdem auf die ausbleibende Unterstützung und die fehlenden Hilfsangebote für Männer in unserer Gesellschaft.

An dem Bewusstsein, dass auch erwachsene Männer Opfer von sexueller Gewalt sein können, muss noch gearbeitet werden. Ergebnisse darüber, wie die Versorgung und Unterstützung für diese Opfer in Deutschland aussieht, konnte leider nicht herausgefunden werden. Eine wissenschaftliche Untersuchung hierüber steht noch aus.


Hermann zufolge

bleibt die Frage, warum sich Männer bisher nicht gegen die aufgezeigten Ungleichbehandlungen zur Wehr gesetzt haben? Greifen auch hier Stereotype Muster des "Ertragenmüssens"?


In dem Abschnitt "Fazit und Ausblick" heißt es schließlich:

Die psychologische Forschungssituation zu dem gewählten Thema ist – nicht nur in Deutschland - absolut unzureichend und bisher zu einseitig auf die Benachteiligung von Frauen oder anderen marginalisierten Gruppen ausgerichtet. Wie sollen Wahrnehmung, Denken und Verhalten von allen Menschen verstanden, erklärt und vorhergesagt werden, wenn sich nur einer Hälfte oder ein paar wenigen Gruppen der Menschheit zugewandt wird? Wurden durch die einseitige Forschung selbst bisher nicht auch stereotype Annahmen eher unterstützt und gefördert? Von Seiten der Politik und der Medien müssten Maßnahmen zur Gleichbehandlung nicht nur propagiert sondern auch tatsächlich durchgeführt werden. Benachteiligende Gesetzesformulierungen müssten korrigiert werden, stereotype Rollenerwartungen müssten abgebaut und relativiert werden. Aktuelle Forschungsbefunde hierzu sollten veröffentlicht und leichter für alle zugänglich gemacht werden.

Die Gleichheit vor dem Gesetz und die Gleichberechtigung aller Menschen ist in Deutschlands Verfassung festgeschrieben. Die tatsächliche Einhaltung dieser Grundrechte sollte in den täglichen Entscheidungen von Behörden und Gerichten überprüft und eingefordert werden. Vor allem aber muss ein öffentliches Bewusstsein auch für die Belange und Nöte von Männern geschaffen werden, indem staatliches Interesse signalisiert und Hilfsmaßnahmen in gleichem Umfang für alle Opfer – unabhängig von Geschlecht, Rasse etc. – installiert werden.

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Schrecklicher Verdacht: Hat Alice Schwarzer was gegen Männer?

Die Überschrift zu diesem Genderama-Blogbeitrag ist einem alten Titanic-Cover entlehnt, aber dahinter steckt eine ernsthaftere Nachricht:

Der Wallenhorster Unternehmer Thomas Kochmann hat die Feministin Alice Schwarzer angezeigt. Weil Kommentatoren in ihrem Gästebuch Männer als pädophil beschreiben, hat der promovierte Biomediziner und Sohn des Wallenhorster Teppichhändlers Frank Kochmann Strafanzeige gegen die Journalistin gestellt. Der 47-Jährige wirft Schwarzer Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung und Verbreitung pornografischer Schriften vor. Schwarzer weigert sich, den Gästebucheintrag zu löschen.


Hier geht es weiter. Unabhängig von den juristischen Chancen dieser Strafanzeige: Es scheinen immer weniger Männer bereit zu sein, sich alles gefallen zu lassen.

Neues Buch fragt: Leben wir in einer "Tussikratie"?

Die folgende Buchbesprechung war eigentlich als Leserrezension für Amazon gedacht, wird dort aber nicht online gestellt, weil ich darin auch eigene Veröffentlichungen erwähnt habe, was von Amazon automatisch als "Werbung" verstanden wird. (Natürlich bewerben zahllose Menschen bei Amazon problemlos ihre eigenen Veröffentlichungen, indem sie unter einem Decknamen Bestseller "rezensieren" und dabei erklären, dass "unbekanntes Buch XY" wirklich toll im Vergleich zu diesem Schrott wäre, aber sobald man in einer seriösen Buchkritik auf eigene Bücher hinweist, wedelt Amazon mit dem Zeigefinger.) Es ist aber mir ziemlich schnuppe, wo genau diese Kritik erscheint – bei Amazon hätte ich dem besprochenen Buch drei Sterne gegeben, was ihm vermutlich weder genutzt noch geschadet hätte. Ich schalte diesen Absatz nur vor, damit sich Genderama-Leser nicht wundern, warum ich in diesem Blog eigens noch einmal erkläre, was Maskulismus ist. Wenn jemand diese Rezension übernehmen möchte, erreicht er mich für eine Anfrage unter Cagliostro3@hotmail.com.)

Das von mir rezensierte Werk ist das vor wenigen Tagen bei Heyne erschienene Taschenbuch Tussikratie. Zumindest in der von mir frequentierten Wiesbadener Buchhandlung ist es gut platziert; sein Amazon-Ranking ist aber noch sehr niedrig. Mit den Autorinnen hat die Zeitschrift Brigitte gestern ein Interview geführt, auf das mich schon mehrere Leser hingewiesen haben.

Es folgt meine Rezension.


Das Buch "Tussikratie" der beiden jungen Journalistinnen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling ist eine faszinierende Erscheinung: Es erinnert mich an eine über weite Strecken großartige Symphonie, die mit jedem Satz brillanter wird, bis sie urplötzlich in schrille Missklänge übergeht und mich als Leser befremdet zurücklässt.

Aber beginnen wir am Anfang: Was meinen die Autorinnen überhaupt mit "Tussikratie"? Schon das Backcover bietet eine Definition. Ihr zufolge handelt es sich bei Tussikratie erstens um eine "pseudofeministische, eigentlich aber sexistische Diskursherrschaft", zweitens um ein "Weltbild, in dem Männer trauriges Beiwerk oder übermächtige Gegner sind", und drittens um die "Verschleierung von Klassengegensätzen als Frauenproblem". (Inwieweit all diese Merkmale auf den radikalen Feminismus zutreffen, wie er etwa von Alice Schwarzer vertreten wird, womit die von den Autorinnen skizzierte Tussikratie keineswegs nur "pseudofeministisch" ist, wäre eine eigene Debatte wert.)

Aus dem Klappentext des Buches erfahren wir Näheres über die Einschätzung der Autorinnen: Die "weibliche Wahl der Waffen", heißt es dort, sei "alles andere als gerecht, denn sie besteht darin, sich entweder als Opfer des Patriarchats oder als heilige Alleskönner, als bessere Menschen, gegen den ewigen Gegner Mann durchzusetzen". Nachdem ich 2001 selbst ein Buch mit dem Titel "Sind Frauen bessere Menschen?" veröffentlicht habe, erschien mir "Tussikratie" einen näheren Blick wert. Zumal die Autorinnen ihre Argumentation auf für einen linken Männerrechtler wie mich reizvolle Weise weitertreiben: Problematisch sei "die moralische Herrschaft von Frauen, hinter deren Forderungen eine verkrampfte Ich-Besessenheit steht, die am Ende dazu führt, dass Männer das unerwünschte Geschlecht sind. Dabei sind sie blind für ihren eigentlichen Gegner, eine immer prekärer werdende Wirtschaft, in der sowohl Frauen als auch Männer zunehmend Orientierung und Stärke verlieren." Damit scheint mir von Anfang an der Nagel auf den Kopf getroffen: Ein medial geschürter Geschlechterkonflikt verschleiert die wesentlich gravierendere Kluft zwischen reich und arm in unserem Land.

Verbunden ist damit eine oft geradezu absurde Überhöhung von Frauen: "Man traut uns heute den ganz großen Wurf zu", berichten die Autorinnen, "nicht mehr und nicht weniger als die Weltrettung". Und das ist nicht einmal rhetorisch überspitzt: "Das Weltwirtschaftsforum hat Frauen bereits zum Universalheilmittel für die sechs globalen Herausforderungen Arbeitslosigkeit, Hunger, Krankheit, alternde Gesellschaften, Konflikte und Wachstum erklärt." Gleichzeitig werde "heute oft mehr oder minder subtil den Männern gegenüber, diesem angeblich macht- und testosterongetriebenen, Kriege führenden, Welt kaputtmachenden Geschlecht also, eine abwertende Haltung eingenommen". Diese pauschalierende Abwertung empfinden Bäuerlein und Knüpling auch aus weiblicher Perspektive als zunehmend unerträglich: "Wir sind es leid, dass auf Männer geschimpft und ihnen aller Dreck und aller Krieg in dieser Welt angekreidet wird, und es nervt uns, dass Frauen als Gruppe ständig völlig widersprüchlich besprochen werden – als Opfer oder als Weltenretter". Mehr als nur unterschwellig werde als beste Lösung präsentiert, "wenn Frauen einfach den Laden übernehmen und die Männern an die Stellen der Gesellschaft schaffen würden, wo sie keinen Schaden anrichten können."

Die von Bäuerlein und Knüpling skizzierte "Tussi" empfinde es insofern als "genau richtig, dass die Uni Leipzig künftig auf die Berufsbezeichnung 'Professor' verzichten und nur noch die Bezeichnung 'Professorin' verwenden will. 'Jetzt läuft es mal andersherum', hat sie das in der Universitätszeitung 'duz' kommentiert. Sie hängt beim Latte in ihrem Lieblingscafé rum und sagt gern Sachen wie: 'Ich bin wirklich für Gleichberechtigung – meine beiden Mädchen wachsen in dem Glauben auf, dass sie auf jeden Fall besser sind als alle Jungs dieser Welt zusammen' und meint das nur halb ironisch. (...) Die Tussi liebt ihren Partner vielleicht, aber er ist eben auch ein Mann, und daher leider immer auch ein bisschen ihr Gegner. Immerhin steht er ihr als Katalysator für ihren allgemeinen Lebensfrust zur Verfügung und natürlich auch als Sündenbock, wenn sie in der Zeitung eine schreckliche Meldung liest: Eine Frau in Pakistan wurde von ihren Verwandten gesteinigt, weil sie ein Handy besaß? An die Steiniger selbst kommt die Tussi nicht heran, also lässt sie ersatzweise ihren Schatz ein bisschen Verachtung spüren: Schau sie dir an, die Welt. Wegen EUCH sieht sie so aus."

Weiter führen die Autorinnen zur aktuellen "Geschlechterdebatte aus: "Die Debatte (oder das, was in der Zeitung so genannt wird) sieht für uns aus wie ein Sermon, der von Frauen für Frauen gemacht ist – oder vielmehr: von bestimmten Frauen (nennen wir sie der Einfachheit halber mal: Akademikerinnen) für bestimmte Frauen (ihre Freundinnen) und unter der Bedingung, dass alle brav nicken. Die Rede von 'Geschlechtergerechtigkeit' wurde so umfunktioniert, dass eine Diskussion eigentlich kaum mehr möglich ist, weil von vornherein feststeht, dass nur ganz bestimmte Beiträge erlaubt sind, und scheinbar auch, wer bestimmt, was erlaubt ist. Männer dürfen zurzeit sowieso nur zustimmen, wenn es um Geschlechterfragen geht." Dementsprechend sehe man Männer inzwischen "bemerkenswert häufig einen halben Schritt nach hinten ausweichen, um dann verteidigend die Hände hochzuheben" und zu sagen "Ich bin ja Feminist!" Über dieser zunehmend totalitären Debatte wache statt einem Big Brother inzwischen Big Sister als "Diskurspolizei", die "nur sauber abgezählte Äußerungen zulässt und darüber wacht, dass alle die gleiche Meinung zu Sexismus, Kinderbetreuung und Gender Pay Gap haben" und "jeden attackiert, der anders nachdenkt oder – Gott bewahre – sogar zu anderen Schlussfolgerungen kommt".

Das alles ist exzellent beobachtet und treffend formuliert. Ich bin seit 15 Jahren selbst in der Geschlechterdebatte involviert, mache derlei Beobachtungen täglich und erfahre sie auch am eigenen Leib. Insofern kann ich mich der Forderung der Autorinnen nur anschließen, es müsse endlich wieder möglich sein, offen zu diskutieren – also ohne dass diejenigen, die feministisch inkorrekte Fragen stellen, "reflexartig medial kaltgestellt werden. (...) Jede von uns sollte die Selbstverständlichkeit infrage stellen, mit der allen Frauen ein einziger akzeptierter Lebensentwurf auf den Leib geschneidert wird: der der machthungrigen, superschlauen, superflexiblen Tussi, die leise, weiche Töne den Verlierern überlässt." An die Stelle der von vielen Feministinnen beschworenen "hegemonialen Männlichkeit" (zu deutsch: ein bestimmter Typus Mann bestimmt, wo's lang geht) sei inzwischen ein weibliches Gegenstück getreten. Diese Frau wolle "so etwas wie eine hegemoniale Tussigkeit: eine Macht, die unantastbar ist und die man nur in ihrem Club bekommt, in dem man allen anderen überlegen ist – jedenfalls moralisch."

Dabei fällt der Blick Bäuerleins und Knüplings auf geschlechterpolitisch eher als isolierte Einzelkämpfer auftretende Autoren wie den Sozialwissenschaftler Professor Walter Hollstein und den Publizisten Ralf Bönt, "die der Männerbewegung oder Männerrechtsbewegung nahestehen (ja, so etwas gibt es in Deutschland!)" und schon länger davon sprechen, "dass Männer von einem profeministischen Mainstream in Politik, Wissenschaft und Medien überrannt und abgewertet werden". Auch die österreichische ehemalige Feministin Christine Bauer-Jelinek wird in diesem Zusammenhang erwähnt, da sie das erkannt habe, "was die Tussi partout nicht sehen will: dass die klassische Feindschaft zwischen Männern und Frauen dem Zusammenhalt der Gesellschaft schaden kann". Allerdings, führen Bäuerlein und Knüpling weiter aus, "werden anders denkende Frauen stumm gestellt, so wie Monika Ebeling, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar, die 2011 auf Druck einer Handvoll Tussis ihres Amtes enthoben wurde – weil sie sich zu sehr für Formen und Möglichkeiten auch der Männer- und nicht nur der Frauenförderung interessierte."

In mehreren Passagen befinden sich Bäuerlein und Knüpling in praktisch deckungsgleicher Übereinstimmung mit meinem eigenen aktuellsten Buch "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" – etwa wenn sie feststellen, dass eine Debatte, die ausschließlich über drohende Frauenarmut geführt wird, den Blick verengt und potentielle Mitstreiter im Kampf gegen bedrückende soziale Verhältnisse vergrault. Diese wären sofort zu erkennen, "wenn die Tussi aber endlich einsehen oder deutlicher sagen würde, dass es nicht das Patriarchat ist, unter dem sie zu leiden hat, sondern die Wirtschaft". Für Liberale wiederum ist die Frage nicht weniger relevant, "wie viel Freiheit wirklich übrig geblieben sein wird, wenn die Tussi die Gesellschaft erst mal mit ihrem großen Statistikkamm auf Gleichstellung der Geschlechter gestriegelt hat".

Die bisher umrissenen Thesen werden auf den ersten 30 Seiten dieses Buches dargelegt und in den folgenden Kapiteln entfaltet. So geht es in einem dieser Kapitel über den neuen Trend, "biologistische und evolutionspsychologische Erklärungen für die angebliche Überlegenheit von Frauen zu bemühen. Wir haben, scheint's, noch immer das dringende Bedürfnis, der halben Menschheit eine natürliche Unterlegenheit zu attestieren. Nur schwingt das Pendel jetzt in die andere Richtung. (...) Denn Tussis wehren sich gegen biologistische Erklärungsmuster nur dann, wenn Frauen dabei schlechter wegkommen, akzeptieren sie aber gerne und verbreiten sie weiter, wenn Männern bestimmte Talente abgesprochen werden. (...) Das ist auch gesellschaftlich akzeptiert." Ein weiteres Kapitel zerlegt den von Feministinnen verbreiteten und von zig Journalisten blauäugig nachgeplapperten Mythos, Frauen würden für dieselbe Arbeit 22 Prozent weniger Lohn erhalten als Männer. Und ein Kapitel, in dem es um die Emanzipation von vorgegebenen Rollenmodellen geht, befindet sich inhaltlich in voller Übereinstimmung mit dem entsprechenden Kapitel meines "Plädoyers für eine linke Männerpolitik": Mit den aktuellen geschlechterpolitischen Vorgaben (Jungs in die Frauen- und Mädchen in die Männerberufe) findet dieselbe Einengung ab wie in früheren Jahrzehnten, nur umgekehrt: "Unser volles Potenzial, die erstaunliche, beängstigende und beglückende Freiheit unserer Entfaltungsmöglichkeiten können wir erst dann ausschöpfen, wenn wir nicht nur die alten, sondern auch die neuen Rollenbilder über Bord werfen." Bravo!

In den Kapiteln über Sexualität kommen die Autorinnen über die von der Ex-"Emma"-Chefin Lisa Ortgies vertretene These zu sprechen, eine Frau "solle vielleicht doch einfach auch mal die Pille weglassen" und es dem Partner nicht sagen: "Hauptsache, es entsteht ein Kind dabei." (Der Kommentar der Autorinnen: "Den Frauen, die das in Ordnung finden, möchte man ein herzhaftes 'Hast du sie noch alle?' zurufen. Man stelle sich vor, Männer würden einander in Talkshows neckisch raten, die Pille der Freundin "einfach mal" mit Liebesperlen zu vertauschen" ...) Generell gelangen Bäuerlein und Knüpling zu der Einschätzung, dass in der "Tussikratie" für die beiden Geschlechtern beim Sex unterschiedliche Regeln gelten: "Ungehemmte männliche Sexualität ist bedrohlich, Frauen, die nach Gusto vögeln, sind dagegen wild, schön und frei." Ähnlich zweifelhaft sei es, wenn sich "Tussis" einerseits über eine Sexualisierung von Frauenkörpern empörten, diese Sexualisierung aber für eigene Zwecke ausnutzten, wenn sie sich etwa für politische Aktionen entkleideten: "Das ist typisch für die Tussi: Sie will unbedingt auf die Gewinnerseite und nimmt dafür alles in Anspruch, was ihr dienen kann. (...) Die Tussi hat kein festes moralisches Rückgrat, sie biegt die Regeln so zurecht, dass sie selbst immer im Vorteil ist."

Dass ich hier immer wieder von mir verfasste Bücher erwähnt habe, hat im Rahmen dieser Rezension seinen Grund. Zum einen kann man ja ruhig darauf hinweisen, dass vieles in diesem Buch Ausgeführte von der Männerrechtsbewegung bereits gedacht und formuliert worden ist. Zum anderen begeistert es mich als Leser natürlich, wenn junge, kluge Frauen diese Dinge ebenso zu sehen beginnen, statt brav das allgegenwärtige mediale Geschwätz nachzuplappern. Bis zu einem gewissen Grad beginnt man sich schon fast in das Buch und seine Autorinnen zu verlieben. Dass es leider nur eine kurze Affäre geworden ist, merkt man dann allerdings in einem von Friederike Knüpling verfassten offenen Brief an die Männer. Darin fasst Knüpling zunächst einmal zusammen, in welch vielfältiger Hinsicht Männer inzwischen das benachteiligte Geschlecht sind, und spekuliert, "dass der Fleiß, ein guter Feminist zu sein, für viele von Euch vor allem eine Methode sein dürfte, die Sprachlosigkeit über die eigene Situation zu verbergen." Bis hierhin kann man wieder nur zustimmen. Abenteuerlich wird der Brief jedoch, als Knüpling darin auf die Maskulisten zu sprechen kommt.

Nicht jedem Leser dieser Rezension dürfte der Begriff "Maskulisten" etwas sagen. Im Vorspann meines "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" definiere ich diesen Begriff als "Weltsicht und Theoriegebäude der Männerrechtsbewegung. Ihr zufolge verdient auch ein Mann Zuwendung und Unterstützung, wenn er diskriminiert wird, zum Opfer wird oder aus anderen Gründen leidet. Maskulisten geht es darum, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf alle Menschen einschließlich der Männer zu erforschen, herauszufinden, was die möglicherweise vielfältigen Ursachen dafür sind, und realistische Lösungsstrategien zu entwickeln, die dann in einer gerechten Politik zur Anwendung kommen." Dazu gehört etwas, das wir als "integralen Antisexismus" bezeichnen. Gemeint ist damit die Bekämpfung von Sexismus gegen beide Geschlechter – statt, wie es bislang in der Regel geschieht, von Frauenfeindlichkeit allein. Wir Maskulisten treten somit für eine ganzheitliche Geschlechterpolitik ein.

Dabei beackern wir ganz unterschiedliche Felder. Beispielsweise liegen seit Jahren Studien vor, denen zufolge Jungen für gleichwertige Leistungen schlechtere Noten bekommen als Mädchen. Im Jahr 2009 mahnte der Aktionsrat Bildung, dass die Ungleichheit zu Lasten der Jungen "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren" inzwischen klar überschreite. Aufgrund schlechterer Schulabschlüsse sind die meisten von Jugendarbeitslosigkeit Betroffenen männlich. Dasselbe gilt für die weit überwiegende Mehrheit der Obdachlosen. Vor Gericht werden Männer für dasselbe Vergehen schwerer bestraft, Jobcenter belegen männliche Hartz-IV-Empfänger bei Regelverstößen mit schwereren Sanktionen. Väter werden nach einer Trennung beim Sorgerecht benachteiligt. Für männliche Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt gibt es nur unzureichend Hilfsangebote. Im internationalen Bereich machen Menschenrechtler wie Professor Adam Jones und Dr. Charli Carpenter in ihren Büchern darauf aufmerksam, wie Männer hier vernachlässigt werden. Man könnte viele weitere Felder aufzählen. An all diesen Probleme wird sich nichts ändern, wenn sich Männer und Frauen nicht politisch für diese Änderungen engagieren. Das ist nicht nur legitim, sondern moralisch geradezu geboten. Zu denen, die das tun, gehören viele, die Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling in ihrem Buch aufgezählt haben: beispielsweise Professor Walter Hollstein, der mehrere Gastbeiträge für mein eigenes maskulistisches Blog Genderama verfasst hat, Ralf Bönt und Monika Ebeling. Männerpolitisch liegen wir zu praktisch 100 Prozent auf einer Linie.

Insofern befremdet es, wie herablassend Knüpling über die Männerrechtler bzw. Maskulisten schreibt, "von denen manchmal im Sommerloch etwas in der Zeitung zu lesen ist". Diese, so schildert es Knüpling, "scannen die Rechtsprechung und die Medien mit dem Rechenschieber der Geschlechter, und die Blogs, die sie über Väterrechte und Beschneidung von Jungen schreiben, kommen merkwürdig fremd-vertraut daher, wie ein Dialekt aus vergangenen Zeiten." Es handele sich um "eine Nachahmung spröder Klischees von spröden Feministinnen, ein verdrehtes Relikt des Geschlechterkampfes. (...) Es klingt wie etwas, das mit nach vorne geschobenem Ellbogen anfängt, nach schwelendem Ehekrach, was die Maskulisten da verbreiten, aber nicht nach Argumenten." Was solches "Opfergetue" hinführen solle, "wird vermutlich bis in alle Ewigkeit unklar bleiben".

Die Ewigkeit ließe sich auf wenige Sekunden verkürzen, wenn sich die Autorinnen ernsthafter mit den Forderungen der neuen Männerbewegung beschäftigt hätten. Denn diese sind sehr konkret und werden in anderen Ländern als unserem auch seit einigen Jahren umgesetzt. In Großbritannien etwa machen verantwortliche Stellen inzwischen verstärkt darauf aufmerksam, dass häusliche Gewalt Männer weit häufiger trifft als lange gedacht, die Anlaufstellen für männliche Opfer werden allmählich ausgebaut, an britischen Universitäten werden inzwischen junge Männer als "benachteiligte Gruppe" wahrgenommen, die entsprechend gefördert werden sollte, und britische Mütter, die nach einer Trennung einem Vater widerrechtlich das Sorgerecht entziehen, müssen Strafen bis hin zur Haft befürchten. Männerrechtler wie Ally Fogg veröffentlichen regelmäßig Artikel in vielgelesenen Zeitungen wie dem "Guardian" – und keineswegs nur "im Sommerloch". Das alles sind nur Beispiele; Die Forderungen von Männerrechtlern sind deutlich umfangreicher. Wenn etwa geschätzte achtzig bis neunzig Prozent aller Obdachlosen männlich sind und dasselbe für drei Viertel aller Selbstmörder zutrifft, könnte ja endlich einmal untersucht werden, woran das überhaupt liegt und wie man diese Zahlen senken kann. Stattdessen gibt es hierzulande im akademischen Bereich mehr als 200 Lehrstühle für Frauenforschung und für Männerforschung keinen einzigen. Und während jede größere Partei über einen frauenpolitischen Sprecher verfügt, heißt es, sobald es um die Anliegen von Männer geht: Fehlanzeige.

Vor diesem Hintergrund kann die Herablassung, mit der Knüpling in ihrem offenen Brief von Maskulisten (Männerrechtlern) spricht, nur befremden – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die darin ausgedrückte Haltung völlig konträr zum Rest des Buches steht. Selbst im Verlauf ihres offenen Briefes kommt Knüpling später wieder "auf die männliche "Stummheit in Geschlechtersachen" zu sprechen und fragt, "warum ihr den Mund nicht aufmacht. (...) Warum sagt ihr nichts?" Weil wir, wenn wir etwas sagen, von Frauen wie Ihnen augenblicklich niedergemacht und abgefertigt werden, Frau Knüpling. Die Schizophrenie, die in diesem offenen Brief zutage tritt, ruiniert leider einen großen Teil des bis dahin wunderbar gelungenen Buches.

Wie soll man sich diese Schizophrenie nur erklären? Ein Ansatz könnte schlicht darin liegen, dass es womöglich zu einem Grundbestandteil der menschlichen Psychologie gehört, weiblichen Opfern spontan helfen zu wollen und für männliche Opfer nur Verachtung zu empfinden. (Wobei viele Männerrechtler nicht selbst Opfer, sondern Fürsprecher für andere sind; ich zum Beispiel bin ja nicht selbst obdachlos, von häuslicher Gewalt betroffen oder Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.) Eine andere Erklärung bietet vielleicht eine Studie, die vergangenen Dezember im European Journal of Social Psychology veröffentlicht wurde und über die ich damals in meinem Blog berichtet hatte. Diese Untersuchung ("The ironic impact of activists: Negative stereotypes reduce social change influence") stellt unter anderem dar, dass viele Menschen engagierte Aktivisten in den verschiedensten sozialen und politischen Bereichen, von Umweltschützern bis zu Feministinnen, mit stark negativ aufgelandenen, karikaturartigen Vorurteilen besetzen und mit "überwältigend negativen" Bewertungen belegen. Positiver werden nur die "braveren", zurückhaltenderen Mitläufer wahrgenommen, die eher zum gesellschaftlichen Mainstream gehören, aber dementsprechend auch weniger Veränderungen bewirken können. "Frustrierende Nachrichten für Aktivisten", heißt es in der Studie, "und nicht nur für die hier erwähnten Gruppen." Ich habe den starken Eindruck, dass derselbe psychologische Prozess auch bei den Herabsetzungen von Männerrechtlern eine Rolle spielt, die Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling verbreiten.

Während diese Abwehrhaltung so etwas erklärbarer wird: Vernünftiger und ethisch akzeptabler wird sie dadurch nicht. Wer wirklich eine fairere Geschlechterpolitik möchte, dem sollte daran gelegen sein, seine Vorurteile abzubauen und sich auch mit Maskulisten seriös auseinanderzusetzen. Dieser Prozess hat ja auch bereits begonnen. In Kanada und den USA etwa werden Männerrechtler von immer mehr Frauen unterstützt, beispielsweise der Publizistin Karen Straughan und drei weiteren Mitsteiterinnen der "Honey Badger Brigade" sowie Blogs wie "Women for Men". In der deutschen Blogosphäre stammt einer der besten Beiträge gegen die Beschneidung von Jungen von der Feministin Robin Urban, die inzwischen von mehreren maskulistischen Blogs verlinkt wird. Die preisgekrönte Regisseurin und Produzentin Cassie Jaye dreht inzwischen eine Dokumentation über Männerrechtler – Jaye hatte einem Interview zufolge begonnen, sich für dieses Thema zu interessieren, als sie die üblichen Vorurteile gegen Maskulisten gelesen hatte, woraufhin sie sich intensiver mit ihnen beschäftigte und dabei feststellte, dass die Behauptung, diese Männern hätten keine Argumente und keine wichtigen Anliegen, völliger Kokolores ist. Und liberale Feministinnen wie Wendy McElroy sind seit langen Jahren mit Männern vernetzt, die, so McElroy, "gegen die systematische Diskriminierung ihres Geschlechts protestieren."

So zu tun, als ob der Einsatz für Frauen legitim sei und der für Männer nicht, führt in die Irre. Es wird Zeit für eine Geschlechterpolitik auf Augenhöhe. Bezeichnenderweise stellen Bäuerlein und Knüpling in ihrem Buch selbst die Frage: "Wie könnte eine neue Bewegung, die sich um die Rechte von Frauen UND Männern kümmern, heißen?" Dazu bieten sie Vorschläge an wie "Familismus", "Equalismus" und "Gender Equality Movement", die alle aus dem einen oder anderen Grund nicht recht überzeugen. Wenn diese Frage einfacher wäre, hätten andere Männerrechtler und ich die Antwort längst gefunden, statt dass wir uns mit "Maskulismus" behelfen. (Warren Farrell, der internationale Stammvater der Männerbewegung und der These, dass man sich um beide Geschlechter kümmern solle, schlug einmal "Gender Transition Movement" vor, was aber leider auch keine griffige Bezeichnung ist, de jeder beim Lesen sofort versteht.) Aber egal welchen Namen man dieser Bewegung auch gibt: Wer wirklich viele Männer geschlechterpolitisch mit ins Boot holen möchte, sollte deren Anliegen und deren Engagement besser ernst nehmen. Es ist schade, dass Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling im Umgang mit Männerrechtlern dieselbe "Tussigkeit" an den Tag legen, die sie im Rest ihres Buches so leidenschaftlich angeprangert haben.

Neue maskulistische Blogparade: Darum sind wir Männerrechtler

In einer aktuellen Blogparade erläutern verschiedene Männerrechtler, warum sie sich geschlechterpolitisch engagieren und was sie damit zu erreichen hoffen. Da ich mich dazu schon in mehreren Büchern, Artikeln und Interviews geäußert habe, werde ich das nicht noch einmal wiederkäuen, verweise aber gerne auf die bereits erschienenen Beiträge bei Alles Evolution, Geschlechterallerlei, Man Tau und Maskulismus für Anfänger.

Frau vergewaltigt Superhelden: Autor der Serie erläutert die Hintergründe

Vor einigen Tagen berichtete Genderama über die Vergewaltigung des Helden der Comicserie "Invincible". Jetzt hat Robert Kirkman, der Autor der Serie, einige Interviewfragen zu dieser Entwicklung beantwortet. So sagt Kirkman über die Gründe für seine Entscheidung, die Handlung der Serie in diese Richtung zu treiben:

It's just another attempt to bring something that's a bad part of real life into a superhero world and analyze the ramifications of something like this happening to someone in superhero comics. It's a great medium to be able to deal with real-world issues against a fantastic backdrop that is completely unreal and see how those differences in the situation change how characters behave. It's really all about exploring Mark's character, and I can say it's a very hard scene to read, and it's meant to be that way. There will be far-reaching ramifications coming from this moment that will extend throughout the life of the book for years and years and years. It's definitely a huge turning point in Mark's life and it's something that's going to temper almost every scene with that guy moving forward. Issue #110 was a monumental issue as far as the run of the book goes.


Den Hinweis, dass die üblichen Idioten im Internet bereits kommentierten, eine Vergewaltigung durch eine Frau sei doch gar nicht möglich, weil man einen Mann nicht zu einer Erektion zwingen könne, kommentiert Kirkman so:

I think that's -- I hate to say it, but it's just an ignorance about what the actual situation is. This is a thing that does happen in real life, and I think for that to be brought up is very unfortunate and very insensitive to the real situation that we're trying to depict here. But, you know, the Internet is the Internet and people are going to say things like that. I honestly don't pay attention.


Ein anderer Einwand, der offenbar im Internet geäußert wurde, lautete, die Darstellung einer Vergewaltigung sei bedenklich, weil sie Menschen "triggern" (emotional aufwühlen) könne, die eine ähnliche Erfahrung durchmachen mussten. Kirkmans Antwort darauf:

Sure, you always run the risk of doing that any time you depict any kind of heavy emotional [event]. People have bad breakups with their girlfriends and then they read that kind of stuff in comics. People lose family members and then they read a comic where someone loses a family member and everyone's always dealing with some kind of traumatic event. We basically live in the spaces between traumatic events, when it gets down to it. As long as you handle things tastefully and really do your research and try to make sure you're aware of certain situations and how people handle them and you do things as tastefully as possible, I think it could possibly help someone that's going through an event to see these kind of things. But I would never shy away from a story because I thought I might offend somebody or something like that. Then, I would never tell any story.


Im Rahmen des Interviews wird auch erwähnt, dass bereits bei anderen Superhelden wie Nightwing und Green Arrow das Motiv "Vergewaltigung durch eine Frau" vorkam, dies aber zuvor nie so drastisch umgesetzt worden war.

Montag, April 14, 2014

Karl Dall: Kommt es zum Prozess wegen Vergewaltigung?

Bisher stand in dem Vergewaltigungsverfahren gegen Karl Dall Aussage gegen Aussage. Doch nun hat die Schweizer Journalistin, die den Komiker anzeigte, eine brisante Tonbandaufnahme vorgelegt.


Das berichtet Die Welt.

Frau vergewaltigte Taxifahrer – und stellte sich danach als Opfer dar

Eine Frau, die aussieht wie Angelina Jolie, zwang einen Taxifahrer mehrfach zum Sex und stach mehrere Male auf ihn ein, als er es beim dritten Mal nicht mehr brachte. Nach ihrer Festnahme stellte sie sich zunächst als das Opfer dar. Während der Taxifahrer nach dem Bekanntwerden des Verbrechens einigen Spott erdulden musste, wurde die Täterin vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Den vollständigen Artikel darüber findet man in der New York Daily News.

Hessischer Rundfunk berichtet über Männerrechtsbewegung

Mit meinem aktuellen Buch Not am Mann als Aufhänger habe ich gerade mit dem Hessischen Rundfunk ein Telefoninterview zum Thema Männerdiskriminierung und der seit über zehn Jahren existierenden Männerrechtsbewegung geführt. Das Gespräch wurde vom HR exzellent und fair vorbereitet und lief einwandfrei. Für die Ausstrahlung, die im Laufe dieser Woche an einem leider noch nicht bekannten Vormittag stattfinden soll, werde es allerdings ein wenig gekürzt werden müssen – ich hoffe, dass nicht ausgerechnet wieder die Erwähnung von MANNdat und der maskulistischen Bloggerszene unter den Schneidetisch fällt.

Ich erwähne solche Gespräche auf Genderama mittlerweile auch dann, wenn ich nicht direkt auf ein Podcast verlinken kann, um darauf hinzuweisen, dass unsere Medienarbeit weiterhin voranschreitet, und um dem Eindruck vorzubeugen, dass sich in dieser Hinsicht nichts tue. Die Dinge bewegen sich schon voran; sie bewegen sich nur leider ausgesprochen langsam.

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Sonntag, April 13, 2014

Warum suhlen sich Antje Schrupp & Co. in Gewaltphantasien gegen Männer?

Vor einiger Zeit hat mir eine Freundin Pro-Ana-Seiten im Internet gezeigt – Seiten, auf denen sich Magersüchtige gegenseitig weiter in die Anorexie treiben und ihre schwere Krankheit zu einer Tugend verklären. Was unter Stichwörtern wie killallmen oder mackergohome bei Twitter geschieht, hat eine ähnliche Dynamik, nur ins Politische gewendet: Hier treiben Vertreterinnen und Vertreter eine kranken Politik einander weiter in ihre Störung, nämlich ihre Gewaltfreude hinein und versichern sich gegenseitig, es seien ganz gewiss immer nur die anderen, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.


Lucas Schoppe analysiert die neue feministische Geilheit auf Gewalt und woher sie stammt. Seine Spurensuche führt ihn bis hinauf zu Kanzlerin Angela Merkel und Frauenministerin Manuela Schwesig.

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