Montag, Januar 02, 2012

Simone Schmollack blind vor Hass? Deutschlandradio muss Rezension von AGENS-Buch umschreiben und bittet um Verzeihung

Normalerweise schweigen unsere Medien geschlechterpolitische Bücher, in denen es um die Anliegen von Männern geht, konsequent tot. Wenn solche Titel doch einmal besprochen werden, dann bemüht man sich, eine Rezensentin daran zu setzen, die die feministische Hasskappe trägt, so dass eine freundliche Besprechung nicht zu befürchten ist. Denn wenn sich Bürgerrechtler für Männer einsetzen – Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, Jungen, die sexuell missbraucht werden, männliche Opfer von Gewalt in der Partnerschaft oder die Unzahl der Obdachlosen – dann heißt es in den deutschen Medien fast immer: Feuer frei! Wer sich für Leute einsetzt, denen Mutter Natur das y-Chromosom gegeben hat, der hat offenbar nichts anderes als Prügel verdient.

Konsequenterweise wählte das Deutschlandradio zur Besprechung des AGENS-Forschungsbandes "Schlagseite" die taz-Ideologin Simone Schmollack aus, die schon früher gegen AGENS geätzt hatte. Soweit lief das abgekartete Spiel wie üblich. Nur muss Schmollack beim Rezensieren die feministische Hasskappe besonders tief über die Augen gerutscht sein. Neben einer Reihe von Pöbeleien, die man von dieser Rezensentin erwarten durfte, fanden sich in Schmollacks "Buchkritik" einige besondere Erstaunlichkeiten. Sie wollte in unserem Buch nicht nur eine Passage der Journalistin Birgit Kelle gelesen haben, die sich gar nicht darin befand. Auch ein anderer unser Autoren, der renommierte Anti-Diskriminierungs-Wissenschaftler und Männerforscher Peter Döge, bekam darin Äußerungen als Zitat angedichtet, die er nie getätigt hatte.

Das war grotesk genug, dass diese Rezension Professor Adorján F. Kovács einen Beitrag auf den Seiten der "Freien Welt" wert war. Dort erwähnt Kovács nicht nur die inhaltlichen Abenteuerlichkeiten in Schmollacks Rezension:

Zweimal zitiert sie aus Quellen, die mit dem Buch, das sie besprechen soll, nichts zu tun haben. Einige Zitate aus dem Buch sind sogar falsch zugeordnet. Hat sie es überhaupt gelesen?


Auch die reaktionäre Einstellung Schmollacks in der Geschlechterdebatte ist Kovács ein paar Sätze wert. So merke man

dass Schmollack sich harte Männer wünscht. Ganze Kerle ohne Selbstzweifel, die nicht jammern. Sie sollen aber auch nicht zuviel denken und die Klappe halten. Wir gratulieren ihr zu diesem fortschrittlichen Männerbild.


Drei Leserinnen des Beitrags stimmen Kovács in der Kommentarspalte ausdrücklich zu. Eine von ihnen merkt an:

Feministinnen scheinen oftmals verzweifelt und pöbeln herum. Im Grunde sind sie verzweifelt, weil die feministische Theorie unsinnig ist, nicht funktioniert und als widerlegt gelten kann.


Bei allem Mitgefühl, das ich für solche Befindlichkeiten habe, hat Simone Schmollack allerdings eines übersehen. Deutschlandradio ist kein anarchofeministisches Blog im Internet, nicht die "taz" und auch nicht die Wikipedia, wo man, wenn es um Männerrechtler geht, so richtig schön fantasieren und verzerrend berichten kann, wie es einem gerade durch den Kopf tobt. Das Deutschlandradio hat noch einen Ruf zu verlieren.

Deshalb hat AGENS mit seiner Redaktion das Gespräch gesucht. Nachdem man dort unsere Einwände erst ruppig abwimmeln wollte ("Wer austeilen will, muss auch einstecken können!"), blieb dem Deutschlandradio zuletzt nichts anderes übrig als das zu tun, was in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wohl einmalig sein dürfte. Das Audio-Podcast, in dem die Rezension zu hören gewesen war, wurde gesperrt; die Besprechung selbst massiv umgeschrieben. Letzeres wurde auch in der Rezension selbst vermerkt: "In den folgenden fünf Absätzen weicht der Beitrag von der Sendefassung ab." Und der zuständige Deutschlandradio-Redakteur Ernst Rommeney bat für die Falschdarstellung um Entschuldigung.

Das fanden wir grundsätzlich bemerkenswert genug, um es auch auf unserer Website zu würdigen: Sender entschuldigt sich für Buchkritik einer taz-Redakteurin.

Mit der Pflicht, für eine wahrhaftige Berichterstattung zu sorgen, ist das Deutschlandradio damit aber noch nicht gänzlich im Reinen. So findet sich auch in der umgeschriebenen Rezension weiterhin die wahrheitswidrige Behauptung, die Kindergärtnerin Monika Ebeling sei aus ihrem Amt als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar entlassen worden, weil sie sich "nur noch für Jungen und Männer" eingesetzt habe. Zutreffend ist, dass Monika Ebeling etwa zehn bis zwanzig Prozent ihrer Arbeit auch Jungen und Männern widmete (für die Verhältnisse einer feministischen Gesellschaft unerträglich genug). Natürlich versuchte Monika Ebeling, auch diesen Schnitzer Schmollacks richtigzustellen. In seiner Antwort, die Genderama vorliegt, begann Ernst Rommeney daraufhin einen juristisch-moralischen Zirkusakt. "Lügen", so Rommeney, könne doch nur jemand, "der von einem Sachverhalt als Beteiligter Kenntnis hat und diesen in seiner Aussage zu eigenem Vorteil bewusst falsch wieder gibt". Das Deutschlandradio sehe sich jedoch allenfalls in der Rolle der "journalistischen Beobachter". Außerdem sei eine Rezension ja kein Bericht, sondern ein "Meinungsbeitrag", der die eine oder andere Sichtweise zulasse. Folge ich dieser Logik, dürfte ich in einem Meinungsbeitrag die unverschämtesten Unterstellungen beispielsweise über das Sexualleben von Ernst Rommeney ausbreiten, ohne dass man mir vorwerfen dürfte, den Leuten die Hucke vollzulügen – schließlich habe ich ja von der Wahrheit keinerlei Kenntnis und gäbe auch keineswegs zu meinem eigenen Vorteil irgendetwas falsch wieder. Ich bin stark versucht, das einfach mal auszuprobieren, könnte mir aber gut vorstellen, dass Ernst Rommeney dann plötzlich eine komplett entgegengesetzte Auffassung von dem vertritt, was eine Lüge darstellt und was nicht.

Nein, eine derartige Akrobatik im Umgang mit journalistischer Ethik, wie sie Ernst Rommeney hier an den Tag legt, braucht man nicht weiter zu kommentieren. Man kann lediglich zu dem frappierenden Eindruck gelangen, dass das Deutschlandradio einer Kindergärtnerin offenbar ein weit geringeres Maß an Fairness schuldig zu sein glaubt als einem renommierten Politikwissenschaftler wie Dr. Döge.

Ebenfalls erhalten geblieben ist in Simone Schmollacks Rezensionsimitat die gewohnte feministische Polemik, die wegen ihres unterirdischen Niveaus problemlos als "hate speech" gälte, wenn sich dieses Gepolter gegen Vertreter anderer gesellschaftlicher Minderheiten richten würde. Vor dem Hintergrund der geschilderten Vorgänge sind diese Passagen allerdings erfreulich selbstentlarvend und ausgesprochen pikant. Männerrechtler sind Schmollack zufolge nämlich

Opfer ihrer eigenen verschrobenen Wahrnehmung und ihrer eigenwilligen Phantasien. Sie scheinen zerfressen zu sein von Selbstzweifeln, Hass und Zerstörungswut. Da liegt es nahe, dass sie sich von unabhängigen, selbstbewussten Frauen bedroht fühlen.


Wieder halluziniert Schmollack etwas in das Buch hinein, von dem dort keine Spur zu finden ist. Gäbe es Passagen, die auf "Hass" oder "Zerstörungswut" schließen ließen, hätte Schmollack sie mit Sicherheit zitiert. Die "verschrobene Wahrnehmung" wiederum wurde Schmollack selbst nachgewiesen. Darf man dann ihrer Logik folgend davon ausgehen, dass auch der Rest ihrer Attacke wie ein Bumerang auf sie zurücksaust? Haben wir es hier mit einem Musterbeispiel der Projektion zu tun: einem psychologischen Vorgang, bei dem ein Sprecher Eigenschaften, die er bei sich selbst unbewusst wahrnimmt, aber massiv verdrängt, seinem Gegenüber unterstellt? Ist die feministische Journalistin Simone Schmollack also selbst dermaßen zerfressen von Zweifel und Hass, dass sie sich von selbstbewussten Männern bedroht fühlt?

Wenn ja, dann stellt die Berliner "taz" sicher ein hervorragendes Refugium für sie dar. Unter den taz-Redakteuren wird garantiert keiner gegen feministischen Männerhass aufmucken, und wenn etliche Leser das unter einem gehässig ätzenden Schmollack-Artikel tun, kann die "taz" ganz einfach die komplette Kommentarspalte löschen. Wie schade für die taz, dass sie nicht das gesamte Internet kontrolliert.

Die Schmollack-Pleite ist der erste Fall, bei dem eine irreführende Berichterstattung über Feminismuskritiker jemals von der verantwortlichen Redaktion korrigiert werden musste. Normalerweise lautet das Motto in diesem Bereich: "Immer tüchtig mit Dreck bewerfen, irgendwas bleibt immer hängen". Um dieser perfiden Strategie endlich etwas entgegenzusetzen, hatte MANNdat vor kurzem juristische Schritte gegen den umstrittenen Publizisten Thomas Gesterkamp eingeleitet. Wie der ehemalige MANNdat-Vorsitzende Dr. Eugen Maus berichtet, musste die Zeitschrift "Switchboard", die eine von Gesterkamps diversen Falschbehauptungen abdruckte, deswegen inzwischen eine Gegendarstellung hinnehmen. Und Alice Schwarzers verzerrender Umdeutung des Urteils im Kachelmann-Prozess wurde kurz vor Weihnachten durch eine Einstweilige Verfügung Einhalt geboten.

Solche ersten kleinen Siege sind ein Zeichen dafür, dass sich eine Trendwende in der Geschlechterdebatte abzeichnet. Es wird für Feministinnen zunehmend schwerer, jeden Unfug zu behaupten, der zur Verunglimpfung gerade gelegen erscheint. Das ist für diese Fraktion neu und gewöhnungsbedürftig. Man kann sich ihr Gegreine lebhaft vorstellen: "Wir konnten Männer und nicht-feministische Frauen doch die ganzen letzten Jahrzehnte über ungestört gegen das Schienbein treten. Wieso wehren die sich auf einmal? Wenn es gegen die Kerle geht, durften wir uns ausdenken und ungehindert verbreiten, was wir wollten: 800.000 Väter pro Jahr verweigern ihren Kindern den Unterhalt, jedes dritte Mädchen wird sexuell missbraucht, Pornographie ist die Theorie und Vergewaltigung die Praxis, Frauen verdienen für dieselbe Arbeit 23 Prozent weniger ... Wieso klopft man uns jetzt plötzlich auf die Finger?" Einige dieser Damen und ihre opportunistischen männlichen Steigbügelhalter werden sich noch wundern. Die politische Bewegung, die für Wahrheit und Fairness statt für sexistische Denunziation steht, wächst von Jahr zu Jahr, und sie wird immer stärker.

Auch der von Professor Adorján F. Kovács in der Freien Welt beschriebene Wettbewerb zwischen den traditionellen Medien und dem Online-Jornalismus wird an Schärfe gewinnen. Lange Zeit haben die traditionellen Medien mit Argumenten geglänzt wie: "Im Internet kann jeder schreiben, was er will. Aber nur wir haben Redaktionen, die sich die Mühe machen, unsere publizierte Beiträge auf ihren Wahrheitsgehalt gegenzuchecken." Der Fall des Deutschlandradios ist nur einer mehr, der belegt, welche hohlen Worte dies häufig sind. Der traditionelle Journalismus verliert sein vielleicht wichtigstes Argument, wenn ein Redakteur statt sich um Wahrhaftigkeit zu bemühen, lieber darüber philosophiert, welche Äußerung als Verleumdung bedenklich wäre und welche als lediglich üble Nachrede problemlos veröffentlicht werden kann.

Und was ist jetzt wirklich von dem AGENS-Buch zu halten, bei der eine Feministin sogar ihren journalistischen Ruf aufs Spiel setzt, wenn sie die Menschen davon abzuhalten versucht, es zu lesen? Fragen Sie Simone Schmollack – und glauben Sie das Gegenteil.

Montag, Mai 30, 2011

"Sind Frauen bessere Menschen?" wieder erhältlich – als "E-Book" ab 5 Euro

Vor ziemlich genau zehn Jahren erschien mein Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" – ein Werk, das in Deutschland eine männerpolitisch fordernde Bewegung mitbegründete, die über die bereits bestehende Väterbewegung hinausging. Die alten Hasen der Männerszene kennen die Stationen der Geschichte dieses Buches: Wie über 80 angefragte Verlage eine Veröffentlichung des Manuskripts ablehnten, wobei nur wenige mit der Sprache herausrückten, dass ihnen ein feminismuskritisches Werk im Programm schlicht zu riskant war. Wie die erste Lektorin, die man an das Manuskript setzte, ihre Arbeit zwischendrin abbrach und sich weigerte, sich weiter mit dem Text auseinanderzusetzen. Wie die traditionellen Medien das Buch zunächst kollektiv ignorierten, im Internet die Aufmerksamkeit dafür aber wuchs und wuchs – bis dadurch anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung des Buches mehr zufällig die Redaktion des FOCUS darauf stieß ("Warum haben wir von diesem Buch denn noch gar nichts gehört?" fragte mich fassungslos der Redakteur. "Hat Ihr Verlag denn keine Rezensionsexemplare rausgeschickt?") und es zum Teil einer ausführlichen, gelungenen Titelgeschichte machte. Und wie ich für mein Buch schließlich nicht nur den Wissenschaftspreis einer Stiftung für Humanismus und Aufklärung erhielt, sondern auch dutzendweise begeisterte Amazon-Rezensionen, die eine ebenso deutliche Sprache sprechen wie die wenigen Verrisse. Die aktuellste dieser Rezensionen ("Niemand kommt um dieses Buch herum") wurde von einer Leserin vor etwas mehr als sechs Monaten online gestellt – da war das Buch schon seit Jahren nicht mehr lieferbar. Mancher enthusiastische Leser bezeichnete es gar als "Bibel der Männerbewegung" (und manche frustrierte Erzfeministin mit "Damit hat die ganze Scheiße angefangen"). Per Mail erreichen mich bis heute immer wieder Anfragen nach einer Neuauflage – die letzte vor wenigen Wochen von einem Professor für Ophthalmologie an einer großen Uniklinik.

Nachdem die einige Zeit lang blockierten Rechte an diesem Buch an mich zurückgefallen sind, hatte ich zunächst vor, es bei einem Verlag neu herauszubringen. Die Suche danach gestaltet sich aber auch heute noch so zäh, dass es aufregender wäre, der Kontinentalverschiebung zuzusehen. Immer mal wieder tut sich ein neuer Verlag als Hoffnung auf, nur um ein paar Monate später ebenfalls vor dem Thema Männerpolitik zurückzuscheuen. Deshalb habe ich beschlossen, mein Werk zum zehnjährigen Jubiliäum als E-Book selbst herauszugeben. Das verschafft dem Leser gegenüber einer Druckausgabe sogar mehrere Vorteile: etwa dass man mein Buch jetzt erstmals nach Stichwörtern gezielt durchsuchen und daraus per paste & copy in Mails, Forendebatten oder WikiMANNia-Beiträgen schnell zitieren kann. (Zitate von der Länge eines normalen Buchabsatzes unter Nennung der Quelle gebe ich dafür gerne frei.) Nicht zuletzt ermöglicht eine Publikation als E-Book einen Schleuderpreis, der das Buch selbst für den ausgebeutetsten Scheidungsvater noch erschwinglich machen sollte – und nicht mal ein Zehntel des günstigtsten Preises beträgt, für den mehrere Händler das Buch auf Amazon-Marketplace feilbieten.

Zu diesem "regulären Preis" von fünf Euro ist das Buch für jeden erhältlich. Wer die Männerbewegung unterstützen möchte, kann für das Buch aber gerne auch einen "politischen Preis" zahlen: Jeder Euro, der über die genannte Summe hinausgeht, wandert direkt auf das Konto von AGENS. Außerdem bekommt jedes Mitglied von AGENS das E-Book auf Wunsch kostenlos zugemailt.

Wenn Sie ein Exemplar dieses Buches erhalten möchten, genügt eine Mail an mich (Cagliostro3@hotmail.com oder über das Kontaktformular meiner Website). Ich nenne Ihnen dann meine Bankdaten, und sobald ich den Eingang Ihrer Überweisung auf meinem Konto verzeichne, maile ich Ihnen das Buch.

Die Neuauflage von "Sind Frauen bessere Menschen?" entspricht weitestgehend dem Original einschließlich fast sämtlicher Paratexte (also z. B. dem Anhang). Natürlich hat die Konvertierung zur pdf-Datei zu einigen technischen Zwangsläufigkeiten geführt (neue Seitenzahlen und neue Absatzgestaltung). Inhaltlich gab es allerdings so gut wie nichts zu ändern. Im Gegenteil: Meine vor zehn Jahren für manchen Leser noch gewagt klingenden Erkenntnisse haben sich seitdem durch zig neue Belege bestätigt, die ich in neuen Büchern und vor allem meinen Blogs ausgeführt habe. Wenn ich der rechthaberische Typ wäre, hätte ich "Sind Frauen bessere Menschen?" mit dem Nennen all dieser Bestätigungen durch neue Erkenntnisse locker auf den doppelten Umfang anschwellen lassen können. Das ist aber auch deshalb nicht nötig, weil die aufgebrochene Einseitigkeit in der Geschlechterdebatte ohnehin offensichtlich geworden ist: Über die Benachteiligung von Jungen in der Schule etwa, was 2001 außerhalb meines Buches bis auf wenige verstreute Texte politisch schlicht kein Thema war, gibt es inzwischen Massen von Zeitungsartikeln und anderen Veröffentlichungen.

Aus inhaltlichen Gründen getilgt habe ich allerdings sämtliche Verweise auf "Professor Ertel" und sein "Institut für rationelle Psychologie". Dessen Verlautbarungen wurden im Jahr 2001 noch von Hinz und Kunz bis hin zur EMMA gutgläubig übernommen. Seit einigen Jahren ist das aber nicht mehr der Fall, weil es hier einigen Grund zur Skepsis gab. Insofern gehören solche Passagen meines Erachtens in eine Neuauflage des Buches nicht mehr hinein.

Zuletzt: Natürlich ist nicht nur das zehnjährige Jubiläum meines Buches ein Grund, es jetzt wieder neu herauszugeben. Es soll auch ein weiteres klares Signal dafür sein, dass wir Männerrechtler es nach langem Vorgeplänkel dieses Jahr wirklich ernst meinen. A Change Is Gonna Come.

Montag, November 29, 2010

Wie uns Isolde Aigner beinahe die Männerbewegung erklärte

Aufgrund der besonderen Bedeutung der darin geschilderten Vorgänge (die politische Indoktrination eines idealistischen Nachwuchses) habe ich auch den folgenden Text sozusagen als zweiten Nachtrag diesem eigentlich im September 2009 stillgelegten Blog vorangeschaltet. Ob hier auf Genderama auch weiterhin sozusagen das Best-Of der geschlechterpolitschen Beiträge meines Zweitblogs landen, wird die Zukunft weisen.

Bevor der Spaß beginnt, eine ernstere Einleitung zum Hintergrund der folgenden Reportage: Einige Wochen vor dieser Veranstaltung fand ein Mailwechsel zwischen Isolde Aigner und mir statt. Durch diesen Malwechsel war Isolde Aigner gründlich über meine politische Positionierung informiert. Beispielsweise stecke ich in meinem anderen Blog immer wieder etliche Stunden pro Woche in meine journalistische Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit, weshalb es etwa von der Süddeutschen Zeitung als erstes Blog zur Sarrazin-Debatte empfohlen wurde, ich liefere Beiträge für das antirassistische Magazin Die Brücke und vernetze mich in vielfältiger anderer Weise gegen Fremdenfeindlichkeit. Dass ich dem unbenommen vor mehreren Jahren der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit Interviews gewährt und einen Artikel geliefert habe, verwirrte Isolde Aigner so, dass sie mich in ihrer Mail fragte: "Das ist wie, wenn Dutschke zur BILD gegangen wäre, um einen Aufsatz zu veröffentlichen?" Sie weiß also, dass ich nicht dem rechten Spektrum angehöre, ist aber offenbar über meine Kritik an der feministischen Ideologie derart erbost, dass sie bereit ist, genau das in öffentlichen Vorträgen zu suggerieren und damit ihren wissenschaftlichen Ruf zu gefährden. Das eint sie mit dem umstrittenen Publizisten Thomas Gesterkamp, der in Zusammenhang mit Genderama die irrwitzige Unterstellung erhob, dass ich bei meinen "Verlinkungen keine Berührungsängste zu rechtsextremen Seiten" hätte. Belege konnten weder er noch irgendjemand anderes liefern. Sie haben dieses Blog hier direkt vor sich. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Suchen, kann Ihnen aber keine Hoffnung machen, auch fündig zu werden.

Dies nur als Vorbemerkung. Die folgende Reportage darüber, wie ich unversehens zu einer Art Günter Wallraff in der feministischen Szene wurde, dürfte wesentlich amüsanter zu lesen sein.


"MÄNNERRECHTLER_INNEN- Die Bewegung, ihre Positionen und Handlungsfelder" – unter diesem Titel wurde auf eine Veranstaltung hingewiesen, die am Freitag, dem 26. November, im Haifa-Saal des Mainzer Rathauses stattfinden sollte. Die Beantwortung folgender Fragen wurde versprochen: "Wer oder was sind die Maskulinisten? Welche Positionen vertreten sie? Welche Strategien entwickeln sie, um an gesellschaftliche Debatten anzuknüpfen und wo können Querverbindungen wie inhaltliche Parallelen zur extremen Rechte gezogen werden?"

Och jo, sagte ich daraufhin zu mir, Rechtsextremismus und Männerbewegung, du interessierst dich für beides, das eine findste doof, das andere cool, für absurdes Theater haste auch'n Faible, also kannste dir das ja mal reintun. Am Freitagmittag ruft dann auch noch Eugen Maus, Chefe von MANNdat, bei mir an, berichtet, er wolle diesen Vortrag besuchen, ob ich nicht einen aus Mainz wüsste, der vielleicht auch Interesse daran hätte. Kurz überlegen wir, ob wir damit rechnen müssen, aus dem Saal geworfen zu werden, wie es einem sonst nur in der Frauenbibliothek der Mainzer Uni passiert, aber es handelt sich bei diesem Vortrag schließlich um eine öffentliche Veranstaltung. Dass wir nicht unerkannt bleiben werden, ist uns natürlich klar – schon der Versuch wäre ähnlich albern, wie wenn Angela Merkel persönlich den Maulwurf bei einer Veranstaltung gegen die CDU spielen wollte. Feministinnen sind schließlich nicht bescheuert. Wir beschließen, uns im Mainzer Rathaus zu treffen und unser Glück zu versuchen. Sicherheitshalber stecke ich mal ein paar Flyer von AGENS ein; man weiß ja nie.

Pünktlich um 16:20 Uhr, wie es meine Art ist, treffe ich im Rathaus ein. In der Vorhalle erwartet mich eine Ausstellung mit der Überschrift "Feind ist, wer anders denkt" über die Geschichte der DDR. Na so was, freue ich mich, da haben die Mainzer Karnevalesen sich mit der Kombi dieser Ausstellung und dem heutigen Vortrag ja richtig was bei gedacht. War nicht auch für die strammen Sozialisten die gesamte DDR ein einziger Kampf gegen rechts, mit der Mauer als antifaschistischem Schutzwall, den Bürgerrechtlern als Volksschädlingen und so weiter? Ich vertiefte mich ein wenig in die ausgestellten Texte, um auf das Kommende vorbereitet zu sein. An mir tappt eine stämmige Matrone mit einem lila Filzhut vorbei und verschwindet in einem der Gänge. Dort geht es also zum Haifa-Saal, denke ich mir, und folge der Frau. Bingo.

Kurz vor fünf kommt Eugen angeschnauft und setzt sich neben mich, wofür wir einen Studenten vertreiben müssen. Die Tische stehen in einem Quadrat zur Raummitte ausgerichtet, so dass von seinem Platz aus jeder denjenigen ansehen kann, der gerade spricht. Man darf sich das wie ein etwas größeres Klassenzimmer vorstellen, in dem der Frontalunterricht abgeschafft wurde. Mit 32 Leuten ist der Raum fast voll besetzt, trotz des Schneegestöbers draußen und obwohl das Rathaus von der Uni aus gesehen am gegenüberliegenden Ende der Stadt liegt. Es sind etwas mehr als 20 Frauen und etwas weniger als 10 Männer gekommen, die meisten Anfang 20; sie sehen so aus wie die Leute, mit denen ich damals selbst im Fachschaftsraum rumgegammelt habe. Die allermeisten kennen sich anscheinend, denn sie sprechen sich im Verlauf des Abends immer wieder mit Namen an.

Nur drei ältere Frauen sind erschienen, eine davon stellt sich als Leiterin des Mainzer Frauenbüros vor, was man ihr aber eh schon hatte ansehen können. Sie spricht ein kurzes Grußwort und weist noch einmal auf die Aushänge an den Wänden hin, auf denen jeweils groß geschrieben steht, dass hier Film- und Audioaufnahmen streng verboten seien. Es hätten nämlich in diversen Internetblogs und -foren Maskulisten gedroht, diese Veranstaltung zu stören und aufzumischen. Zwischen ihren beiden Sätzen besteht kein logischer Zusammenhang, aber wir nicken alle verständnisvoll. Ich frage mich kurz, ob ich als böser Männerrechtler nicht wenigstens der Form halber die Zähne fletschen sollte, aber ich kann mir natürlich gut denken, warum man hier lieber nicht möchte, dass von dieser Veranstaltung irgendwelche Aufzeichnungen existieren. Das mitten zwischen den Studenten zwei ältere, wildfremde Männer sitzen, von denen einer jeden Mist mitschreibt wie bescheuert, macht hier niemanden stutzig. Vermutlich nimmt man an, die Mainzer Lokalpresse sei an dieser Veranstaltung brennend interessiert.

Auch das Asta-Frauenreferat spricht ein kurzes Grußwort. Dann stellt sich Isolde Aigner selbst vor, kündigt einen Vortrag von etwa zwanzig Minuten an, nach dem wir vier Arbeitsgruppen bilden werden, um verschiedene Unterthemen zu behandeln. Dann kommt sie zum Thema.

Die Männerrechtsbewegung (Maskulismus) bestehe aus vier verschiedenen Fraktionen: den martialisch-aggressiven Bloggern, den Väterrechtlern, Männerrechtlern wie MANNdat sowie schließlich vordergründig gemäßigt wirkenden Gruppen wie AGENS, die aus Autoren eines Sammelbandes mit dem Titel Befreiungsbewegung für Männer (vereinzeltes Lachen im Publikum) hervorgegangen sei. Bereits sein Titelbild mache die Opferhaltung dieser Bewegung deutlich. (Feministinnen wollen keine männlichen Opfer, sollte ich hier vielleicht erklärend hinzufügen.) Problematisch sei darüber hinaus der Männerforscher Walter Hollstein, der verschiedentlich eine mediale Verunglimpfung des männlichen Geschlechts beklagt habe und jene Männer kritisiere, die mit ihrer Radikalität noch jede Feministin zu überbieten versuchten. Ein besonders reaktionäres Forum sei "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?". Und schließlich versuchten die Männerrechtler, Blogs wie das der Mädchenmannschaft mit ihren von der Linie dieser Blogs abweichenden Kommentaren zu vereinnahmen. Generell fänden sich in Foren und Kommentarspalten immer wieder Sätze wie "Ihr Feministinnenpack gehört täglich vergewaltigt". Auch würden Feministinnen die Nürnberger Prozesse an den Hals gewünscht, auch diese Verwendung von Sprache im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus sage ja schon einiges. Auf einen gewissen Arne Hoffmann wolle sie noch ausführlicher zu sprechen kommen. Mein Lieblingsthema! Fast klopfe ich in spontaner Begeisterung auffordernd auf den Tisch, aber dankenswerterweise drückt Eugen rechtzeitig meinen Arm herunter.

Zunächst einmal geht Isolde Aigner noch einmal auf die Niersteiner Erklärung ein. Darin werde doch tatsächlich behauptet, dass der Prozess der Gleichstellung abgeschlossen sei, dass es keine weitere (!) Benachteiligung des männlichen Geschlechts geben solle, und es wird darin von einer Komplementarität der Geschlechter ausgegangen. Einen Moment lang bleiben diese skandalösen Sätze im Raum hängen, bevor Isolde Aigner damit fortfährt, dass auch AGENS, ganz wie die extreme Rechte, das Gender-Mainstreaming zum Feindbild erklärt habe. Und auch bei AGENS würden nicht-traditionelle Männer als männerfeindlich und selbstverleugnend betrachtet.

Es geht weiter mit munterem Fabulieren: So sei die Junge Freiheit ein ganz großes Sprachrohr für die Männerrrechtsbewegung. Besonders dieser Arne Hoffmann versorge sie immer wieder mit Artikeln und Interviews. Er sei auch Mitglied von AGENS, Verfasser der mehrere 100 Seiten dicken Klageschrift "Männerbeben" und Autor des rechtsliberalen Magazins "eigentümlich frei". Darüber hinaus stelle er dem Forum "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?", das wiederum mit der Naziplattform Altermedia in Verbindung stünde, seine Artikel zur Verfügung. Isolde Aigner erwähnt auch, dass wir schon mal ausführlich Mailwechsel miteinander hatten, geht auf dessen Inhalt aber nicht ein. Das ist verständlich, denn andernfalls hätte sie beispielsweise erwähnen müssen, dass ich genau einen Artikel (ein Porträt des Männerrechtlers Michail Savvakis) für die Junge Freiheit geschrieben habe, dass dies inzwischen nicht mehr infrage kommt, weil wir gerade bei unseren zentralen Themen Migration und Integration komplett entgegengesetzte Ansichten haben, dass "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?" ein offenes Diskussionsforum ist, in dem irgendein Heini Links auf Altermedia hinterlassen hatte, worauf ich öffentlich protestiert und mich aus diesem Forum zurückgezogen hatte, was mir von den wenigen tatsächlichen Rechtsauslegern in den Geschlechterforen bis heute anhaltendes Mobbing einbrachte. Das alles und einiges mehr hätte Isolde Aigner erwähnen können, sie weiß von meinen diversen Aktivitäten und Vernetzungen gegen Fremdenfeindlichkeit und kennt natürlich auch dieses Blog hier, dessen politische Haltung unmissverständlich ist, aber sie erwähnt nichts davon, weil das nicht in ihr Zerrbild von mir passen würde. Und vermutlich stellt sie sich nicht einmal die Frage, ob es vielleicht moralisch falsch ist, was sie da tut. Ich hingegen denke mir, Hase, ich sitze dir schräg gegenüber, während du diese Nummer abziehst, und du checkst es nicht mal. Hat dir deine Mutter nie beigebracht, was von Menschen zu halten ist, die in vermeintlicher Abwesenheit anderer üble Dinge über sie behaupten? Isolde Aigner aber versteigt sich immer weiter in ihren Konstruktionen, denen zufolge die Neue Rechte ebenso wie AGENS eine Feminisierung der Gesellschaft beziehungsweise Schule beklage, und dass die Männerrechtsbewegung tatsächlich davon ausgehe, dass das Geschlecht auch biologisch bestimmt werde ... und, naja, für seinen Biologismus sei ja schließlich auch der NS- Ideologe Rosenberg bekannt gewesen. Wie vieles hätte man hier noch ergänzen können: Sowohl AGENS als auch die Nationalsozialisten finden eine Anarchie als Staatsform eher unschön, mögen keine Vulkanausbrüche in unmittelbarer Nachbarschaft und vertreten die Ansicht, dass Afrika größer ist als Australien. Frau Aigner, das kann man doch noch ausbauen!

Stattdessen kommt die Vortragende nun auf einen Punkt zu sprechen, der mich ebenfalls sehr interessiert: die Strategien der Männerbewegung – hatte ich doch bisher immer angenommen, wir wurstelten mehr oder weniger ziellos vor uns hin. Stattdessen seien unsere Strategien die folgenden: die Selbstviktimisierung, die Instrumentalisierung von Einzelfällen häuslicher Gewalt für unsere Ideologie, der Gebrauch von NS-Vokabular (wie "Feminazi") und die Verwendung von Euphemismen wie Freiheitsbewegung und Geschlechterdemokratie für unsere Zwecke. Na sowas, hatte nicht erst gestern die Goslar Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling erklärt, dass genau das Strategien sind, die gerade Feministinnen verwenden? Nach der Logik Isolde Aigners müsste sie das zu Gesinnungsgenossen der Neuen Rechten machen.

Die Maskulisten, erklärt Isolde Aigner, machten sich geschickt männerpolitische Lücken wie das Vereinbarkeitsproblem zwischen Familie und Beruf, das auch Männer treffe, oder den fehlenden Männergesundheitsbericht zu Nutze. Solange diese Probleme nicht gelöst werden, könnten maskulistische Ideologen sie besetzen. Na super, denke ich mir, dann lösen wir diese Probleme eben gemeinsam, aber statt dass sie sich mit uns zusammensetzt, wie ich es ihr vorgeschlagen hatte, steigert sie sich in ihre Hetzrede hinein. So wie sie jetzt zum Beispiel erklärt, dass die maskulistische Bewegung leider auch von Wissenschaftlern wie Klaus Hurrelmann profitiere, der die Maskulisten doch tatsächlich mit der Fundi-Strömung der Grünen vergleiche! Durch das Publikum geht ein halb empörtes, halb amüsiertes Schnauben.

Isolde Aigner schließt ihren Vortrag damit, dass die Gefahren, die von dieser Bewegung ausgingen, noch immer nicht deutlich genug artikuliert seien – insbesondere, was ihre Anschlussfähigkeit an den Mainstream angehe.

Nun soll es Gelegenheit zu Fragen aus der Zuhörerschaft geben, wofür natürlich eine frauenquotierte Redeliste angelegt wird. Das ergibt Sinn, wenn etwa doppelt so viele Frauen im Raum sind wie Männer.

Als erstes kommt aber immerhin ein junger Mann zu Wort, der links hinten sitzt und einwendet, dass man im Internet an allen Ecken und Enden saudämliche und hochaggressive Kommentare fände. Ob sich die Vortragende denn sicher sei, dass hier nicht zum Beispiel pubertierende Jungen über die Stränge schlugen? Die Vortragende ist sich nicht sicher, meint aber, diese Äußerungen gebe es nun mal und das sei schlimm genug.

Jetzt ist die Frau mit dem lila Filzhut an der Reihe und empört sich darüber, dass in dem Forum "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?" tatsächlich jemand mit dem Nick "Potentieller Vergewaltiger" sein Unwesen treibe. (Einem bekannten feministischen Slogan zufolge sind alle Männer potentielle Vergewaltiger, aber diesen intellektuellen Klimmzug schafft der Filzhut nicht.) Darüber hinaus interessiert sich die Dame für den Unterschied zwischen MANNdat und AGENS. Daraufhin plaudert Isolde Aigner ein wenig unbedacht aus dem Nähkästchen und berichtet von ihrem Informanten, der erst bei MANNdat und dann bei AGENS Mitglied gewesen ist. Ich seufze innerlich auf und denke mir, okay, dass Thomas Schmidt nach diversen Streitereien mit Eugen, mit Christine und mit "Nihilator" schwer gekränkt war, kann ich ja nachvollziehen, aber dass der Typ jetzt ununterbrochen durch die Lande zieht und nicht nur feministische Autoren mit Kommentaren vollsülzt wie "Das haben Sie wirklich schön gesagt, so toll, ich bin hingerissen, so super hätte es kein anderer formulieren können, nicht mal ich", sondern dass er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit versucht, seinen ehemaligen Mitstreitern eins reinzuwürgen, kann einem auf die Dauer schon ein bisschen auf die Nüsse gehen. Aber auch seine Auftritte gehören mittlerweile wohl zur aktuellen Geschlechtersoap dazu.

Der nächste Mann in der Runde stimmt seinem Vorvorredner zu und weist noch einmal darauf hin, dass im Internet eben viele Honks säßen, deren Äußerungen nicht unbedingt dazu geeignet seien, sich ein realistisches Gesamtbild über eine Bewegung zu verschaffen. Das will Isolde Aigner natürlich nicht gelten lassen: Gerade dass die Anonymität des Internets zu einer besonderen Radikalität führe, mache solche Äußerungen für eine Analyse besonders interessant.

Eine Zuhörerin fragt, was genau die Definition von Maskulismus sei, wie sein konkreter Gesellschaftsentwurf aussehe und wie er sich von der üblichen Männerbewegtheit abgrenze. Sie erhält zur Antwort, dass die Grenzen sicher fließend seien, grundsätzlich seien die Maskulisten gegen eine Quotierung, wollten auch Frauen in den beschissenen Jobs wie etwa Mülkutscher und mehr Männer in der Bildung. Na super, denke ich mir, du hast ja "Männerbeben" echt gründlich gelesen. Wenigstens die Kurzfassung von MANNdat hätteste dir ja mal reintun können. Aber gut, was die Männerbewegung eigentlich will, ist im Zusammenhang dieser Veranstaltung vermutlich auch unwichtig.

Der nächste will die genaue Rolle der Niersteiner Erklärung erfahren. Isolde Aigner ist sich unsicher, wie genau die zeitliche Reihenfolge ist, was diese Erklärung und die Gründung von AGENS angeht, und verheddert sich ein bisschen. Ich zwinge den Drang nieder, mich zu melden und zu schildern, wie genau das damals ablief am schönen Ufer des Rheins. Möglicherweise wäre dann selbst Isolde Aigner, die sonst hinter jeder Ecke eine drohende Gefahr sieht, dem Typen gegenüber, der da vor ihr hockt, ein wenig misstrauisch geworden.

Eine weitere Zuhörerin erkundigt sich, wie die Männerbewegung denn national und international organisiert sei. In der Schweiz solle es vor kurzem eine Antifeminismus- Konferenz gegeben haben! Ob denn etwas über eine Verknüpfung mit rechten Bewegungen bekannt sei? Isolde Aigner weiß dazu nichts Konkretes zu sagen, außer dass es bei dem Schweizer Treffen generell zu übernationalen Verbindungen gekommen sein soll. Diskreditiert habe sich in ihren Augen jedenfalls der Männerkongress, der im Februar in Düsseldorf stattfand, weil die Veranstalter Professor Amendt nicht ausgeladen hätten. (Die Morddrohungen gegen Professor Amendt vor dem Kongress lässt Isolde Aigner unerwähnt.) Problematisch sei auch Karl-Heinz van Lier, der bei der Konrad-Adenauer-Stiftung tatsächlich Maskulisten habe sprechen lassen. Die genauere Erforschung einer Verknüpfung mit der extremen Rechten interessiere sie nicht so sehr, meint Isolde Aigner, sie sei schließlich nicht der Verfassungsschutz.

Noch einmal meldet sich der junge Mann links hinten und fragt, warum alle Maskulisten ein Buch über Eva Herman geschrieben hätten. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er, dass von diesem Arne Friedrich – oder so ähnlich – ja auch ein Buch mit dem Titel "Onanieren für Profis" stamme. (Das und noch viele heftige Dinge mehr, mein Junge.) Als sich die Unruhe im Publikum legt, weiß Isolde Aigner zu berichten, dass Arne Hoffmann ein großer Verfechter der Meinungsfreiheit und ein Gegner der Political Correctness sei, etwa so wie das Blog "Politically Incorrect", das "ja auch extrem" sei. (Supervergleich, Hase, herzlichen Dank auch. Politically Incorrect und ich, wir sind ja bekanntlich so eng zusammen, da passt kein Blatt Papier zwischen uns.) Dabei sei es "egal, ob die Menschenrechte verletzt werden", behauptet Isolde Aigner und setzt ihren kleinen Flirt mit der Wahrheit fort, indem sie weiter behauptet, Arne Hoffmann zufolge habe "Herman ja nur gesagt, was stimmt". Ja, ich kann es bestens nachvollziehen, dass die Veranstalter von diesem Auftritt lieber keine Film- oder Audiomitschnitte haben möchten.

Damit ist die Fragerunde beendet, und wir kommen zum Bilden der verschiedenen Arbeitsgruppen. Es stehen vier Themen zur Auswahl: Die Auseinandersetzung mit einem Zitat von Walter Hollstein aus dem Jahr 1989, wofür sich erstaunlicherweise nur zwei Leute melden, die Analyse eines Zeitungsartikels aus dem Kölner Stadtanzeiger, der Bereich "Maskulisten im Netz" und das aktuelle SPIEGEL- Interview von Kristina Schröder. Eugen schaut mich fragend an, ich meine, dass ich mich beim Thema "Maskulisten im Internet" ein bisschen auskennen würde. Also gehen wir in dieser Gruppe und diskutieren über die verschiedenen bescheuerten Zitate, die Isolde Aigner in sicherlich mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen hat. Glücklicherweise kommt keiner in unserem Team auf die dämliche Idee, dass wir uns einander - wenigstens mit Vornamen - erst mal vorstellen sollten. Die Mitglieder unserer Gruppe sind wie die meisten anderen hier jung, sympathisch, sichtlich voller Idealismus, ohne jede nähere Sachkenntnis, was das Thema angeht, und nur allzu bereit, so ziemlich alles für bare Münze zu nehmen, was man ihnen hier auftischt. Wir einigen uns ziemlich schnell darauf, dass die ausgewählten Kommentare sehr aggressiv klingen und ihre Verfasser offenbar der Ansicht sind, in einer geradezu totalitären Gesellschaft zu leben. Ich versuche, die anderen ein bisschen mit der Frage zu kitzeln, wie die Betreffenden wohl zu diesem Eindruck gelangt sein mögen. Es entsteht eine gewisse Ratlosigkeit, und ich merke an, wie schade es sei, das diesen Zitaten der komplette Kontext fehlt. Eine kleine Hübsche wirft ein, sie wüsste gerne, auf welche vermeintlichen Fakten sich diese Männerrechtler zu beziehen glaubten. Denn wenn es keine solchen Fakten gebe, hätte sich die Männerbewegung doch sicher bald erledigt. Ich erkläre mit sagen wir: engagiertem Unterton, um das herauszufinden, müsste man wohl die Originaltexte studieren, auf die sich diese Leute bezögen. Zu schade, dass ich versäumt habe, auch Werbeflyer für meine Bücher einzustecken. Typisch – an das AGENS-Gerümpel habe ich gedacht, aber das Wichtigste wieder zu Hause gelassen.

Jetzt sollen alle vier Gruppen ihre Ergebnisse vorlegen. Die erste, wir erinnern uns, hatte sich mit einem Zitat Walter Hollsteins aus dem Jahr 1989 zu befassen, in dem dieser so in etwa vorhersagte, wenn sich für die Anliegen auch der Männer nichts täte, stünde unserer Gesellschaft eine irrationale Sammlung von Männern und deren politische Entladung bevor. Die Arbeitsgruppe beginnt ihre Erörterung mit der Formulierung "Identitätskrise der Männer" und berichtet, schon hier seien die ersten Konflikte in der Debatte entstanden, weil es sehr unterschiedliche Ansichten darüber gab, was genau man mit "Identität" meinen könne und was mit "Männer". Jedenfalls sei die Männerbewegung so diffus, dass man nicht von einer reinen Irrationalität sprechen könne. Zudem verschärfe die Entpersonalisierung im Internet die Debatte. Was viele Männer wahrnähmen, sei wohl der Verlust ihrer Privilegien in Form einer "gefühlten Benachteiligung". Grundsätzlich könne man die Entstehung der Männerbewegung nicht monokausal erklären, sie sei stattdessen sehr komplex. Und man einigte sich mit der Vortragenden schnell, dass es ja auch Gute in der Männerbewegung gebe (etwa den Verein "Dissens"), viele seien schlicht orientierungslos, den Väteraufbruch sieht Isolde Aigner im Zwiespalt zwischen Maskulisten, Spinnern und Konzeptlosen. Was sicher nur ins Unreine gesprochen war. Wie so vieles an diesem noch immer unterhaltsamen Abend.

Die zweite Gruppe sollte anhand des Artikels "Am Ende bin ich doch ihr Chef" einen Realitätscheck der maskulistischen Positionen durchzuführen. Es wird niemanden überraschen, dass der Artikel ebenso wie die Internetkommentare zuvor so ausgewählt war, dass die ohnehin schon ideologisch vorgeprägte Arbeitsgruppe keine Probleme hatte, ganz von selbst zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen: Die Bildungskrise der Jungen hat offensichtlich keinerlei gravierende Folgen, da im Arbeitsleben die Frauen ja sowieso von den Männern diskriminiert und überrundet werden. Gott, wie vieles könnte man dazu sagen ...

Nachdem auch unsere Gruppe ihre dürftigen Ergebnisse vortrug, ist die vierte an der Reihe, die das SPIEGEL-Interview von Kristina Schröder zu analysieren hatte. Die Teilnehmer dieser Gruppe entschuldigen sich schon zu Beginn, man habe die 20 Minuten leider nicht richtig genutzt, weil man die ersten 18 stattdessen über die Dekonstruktion von Geschlecht debattiert habe. In den letzten beiden Minuten gelangte man immerhin zu dem Ergebnis, dass sich Kristina Schröder beim Geschlechtsverkehr nicht unterdrückt fühlt und insofern mit den Maskulisten in Übereinstimmung sei, als auch sie Jungen als Opfer und das Geschlecht als determiniert betrachte. Das war immerhin zur Hälfte richtig. Isolde Aigner gab noch einmal ihrer Fassungslosigkeit darüber Ausdruck, dass Ministerin Schröder Simone de Beauvoir falsch zitiert hatte, und gab danach die offen gebliebene Frage zurück in die Gemeinde: Welche Folgen können Kristina Schröders Äußerungen für unsere Gesellschaft haben?

Der erste wirft ein, dass eine soziale Determiniertheit der Menschen ja auch von Schröder gesehen werde. Wenn man ihre Position aber zu Ende denke, schlage sie eine ziemlich krasse Geschlechtertrennung vor, bei der Menschen, die sich nicht in eine binäre Zweiteilung der Geschlechter einfinden, zu kurz kämen. Der zweite befindet, Schröder sei doch, ähnlich wie Thilo Sarrazin, eine Art Dummy, der mit skandalösen Wortmeldungen nach vorne geschickt werde, um den Raum des Sagbaren freizukämpfen. Isolde Aigner ergänzt, wie problematisch es sei, wenn jemand solche Äußerungen nicht anonym im Internet schreibe, sondern sie von einer Ministerin getan würden. Es gebe in unserer Gesellschaft derzeit wohl einen konservativen Ruck – etwa mit Parteien wie "Die Freiheit", die durch eine ausführliche Berichterstattung im FOCUS gepusht würde, und Leuten wie Hans-Olaf Henkel, der sich tatsächlich erdreiste, im öffentlichen Raum die "Junge Freiheit" zu verteidigen. Ja, allerdings, diesen konservativen Ruck gibt es – und Pappnasen wie ihr tragt mit solchen Veranstaltungen wie heute Abend mehr dazu bei als viele andere. Wenn ich allein daran denke, wie oft ich schon zu lesen bekommen habe "Wenn die selbst einen linken Spinner wie Arne Hoffmann in die rechte Ecke schieben, dann brauchen wir erst gar nicht zu versuchen, uns mit unseren Äußerungen zurückzuhalten" ... Aber diese Dynamik, mit der die Jakobiner der Linken den Haudraufs der Rechten in den Sattel helfen, werden Leute wie Isolde Aigner vielleicht in 20 Jahren begreifen, wenn überhaupt.

Inzwischen sind wir etwas zusammenhangslos beim Bundesforum Männer gelandet, das ja auch von allen Seiten Kritik bekäme: zu christlich, zu wenig masku, zu viel masku ... Isolde Aigner führt das Gespräch auf den FOCUS zurück und erwähnt dabei insbesondere dessen Titelgeschichte vom letzten Herbst "Im Zweifel gegen den Mann", der eine "absolute Hetzkampagne gegen Gender Mainstreaming" dargestellt habe, antifeministisch und mit martialischer Rhetorik. Einer der Verfasser dieses Artikels, Michael Klonovsky, sei "sehr rechtskonservativ", und überhaupt müsse man sich den FOCUS noch einmal genauer anschauen.

Ein weiterer Diskutant macht darauf aufmerksam, wie oft maskulistische Positionen von Frauen vertreten würden, etwa von Eva Herman, Christina Müller und Kristina Schröder. Das habe doch eine viel stärkere Wirkung, als wenn so etwas von den unterdrückenden Männern ausgehe.

Einmal mehr meldet sich unser Bekannter von links hinten zu Wort und vertritt die in diesem Umfeld gewagte These, dass sich die Anliegen des Feminismus doch seit etwa zehn Jahren erledigt hätten und diese Bewegung eigentlich passé sei. Das kann Isolde Aigner natürlich nicht durchgehen lassen. Sie stellt klar, dass wir noch immer keine Gleichstellung erreicht hätten und Frauen noch immer im Patriarchat unterdrückt würden. Die Frau mit dem lila Filzhut meldet sich und findet, wenn diese Diskussion ein Internetforum oder ein Blog sei, würde sie jetzt einfach "Don't feed the troll" schreiben und den Einwand von links hinten ignorieren. Viel spannender sei doch die Frage, welche Chancen die maskulistischen Positionen haben, von unserer Gesellschaft aufgenommen zu werden. Diese Frage finde ich auch spannend, aber wir gelangen hier einmal mehr zu keiner Antwort.

Als letzte Wortmeldung aus dem Publikum äußert eine junge Frau, man könne doch nicht jetzt ständig abwechselnd die Jungen und die Mädchen fördern. Sinnvoll könne es doch nur sein, sich beiden Geschlechtern zugleich zuzuwenden. Ich finde es schade, dass ich ihr nicht unauffällig einen meiner AGENS-Flyer zuschieben kann, erinnere mich dann aber rechtzeitig daran, dass wir ja sowieso die Bösen sind.

Isolde Aigner kommt zu ihrem Schlusswort, das sie nutzt, um die dekonstruktivistische Pädagogik zu empfehlen, die sich dem Zwang zu Geschlechterrollen entziehe. Was zu deutsch wohl bedeuten soll: Ob Junge oder Mädchen, das kann das Kind doch später immer noch entscheiden. Außerdem, so Aigner, müsse man bei der Kritik am Patriarchat die Leistungsbedingtheit in unserer Gesellschaft immer mitdenken. Da hat sie ja nun mal nicht unrecht.

Damit wird der Kreis aufgelöst, und alles strebt auseinander. Eugen und ich überlegen, ob wir uns Frau Aigner kurz vorstellen sollen, sehen dann aber davon ab. Vermutlich würde sie sonst bei ihrem nächsten Vortrag nur berichten, wie sich erst letztens zwei Maskulisten bei ihr in Stasi-Manier ... Moment ... in Gestapo-Manier bei ihr eingeschlichen hätten und sie zum Abschied mit Unflätigkeiten und wilden Drohungen hätten einschüchtern wollen. Das müssen wir nicht haben. Lassen wir diese Frau also besser im Dunkeln; mein Blog liest sie ja offensichtlich nicht. Wir verabschieden uns von ihr, wie es unsere Art ist, mit einem gut gelaunten "Tschöö". Isolde Aigner sieht uns einen Moment lang sinnend nach, während wir hinaus treten in die Ausstellung "Feind ist, wer anders denkt" über die Geschichte der DDR.

*****

Mein Fazit von diesem Abend? Es ist zunächst einmal nichts anderes passiert als überall: Man greift sich diejenigen Dinge heraus, die einem ideologisch ins bereits bestehende Urteil passen, und lässt alles andere unter den Tisch fallen, damit schwarz und weiß klar getrennt bleibt. Diesem Vorgang begegnet man überall: bei Linken, bei Rechten, bei Libertären, bei Feministinnen wie bei Männerrechtlern. Es gibt derzeit in Deutschland offenbar vor allem drei Leute (Isolde Aigner, Thomas Gesterkamp, Thomas Schmidt), die vieles tun, um die Männerbewegung ein wenig in die rechte Ecke zu schieben, es gibt ein paar andere, die dasselbe versuchen und nicht klar kriegen, dass sie in Wahrheit nicht einmal Statisten sind, es gibt viele Mitläufer und Trittbrettfahrer, im Bundesforum und außerhalb – aber die Debatte bewegt sich voran. Leute wie Eugen und ich sind vermutlich wirklich nur die Dummys, die mit Dreck beworfen werden, aber zum Schluss haben wir dann doch einen Männergesundheitsbericht und sprechen über die Jungenkrise, die vielen männlichen Opfer häuslicher Gewalt und vieles andere mehr. Ich frage mich, ob sich nicht sogar der eine oder andere Teilnehmer dieser lustigen Veranstaltung jetzt doch näher für die Männerbewegung zu interessieren beginnt. Und ich frage mich auch, wie viele von diesen Leuten noch heute Abend nach "Onanieren für Profis" gegoogelt haben. Unsere Gesellschaft wird wohl wirklich immer konservativer. Und ich bin daran Schuld. :-)

Nachtrag: Auch Eugen Maus hat inzwischen seine Eindrücke von der Veranstaltung geschildert. Dort gibt es auch eine kurze Diskussion über die Praktiken von Isolde Aigner & Co.

Samstag, November 13, 2010

EKD-Studie weist nach: Männerrechtler hatten von Anfang an Recht!

Mehr als ein Jahr nach meiner Stillegung dieses Blogs möchte ich ihm wegen der besonderen Bedeutung dieses Themas den folgenden Text als "Nachtrag" voranstellen, den ich auch in meinem Zweitblog veröffentlicht habe.

Im Jahr 2001 legte ich mit meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" Thesen vor, die dem damaligen Zeitgeist dermaßen entgegenliefen, dass es so aussah, als wollte ich mich mit diesem Buch für die Geschlossene bewerben: Jungen, nicht Mädchen werden in der Schule benachteiligt. Frauen verdienen für dieselbe Arbeit keineswegs ein Viertel weniger als Männer. Und häusliche Gewalt geht von Frauen mindestens so häufig aus wie von Männern. Alles war sauber durch Fakten und Quellen belegt (das Literaturverzeichnis umfasst über 600 Titel), aber in einer Bevölkerung von ca. 80 Millionen gab es damals vielleicht ein paar Dutzend Leute, die sich mit den Thesen meines Buches anfreunden konnten. Und die wurden schnell zur Zielscheibe der gehässigsten Anfeindungen. Beschimpfungen wie "frauenfeindlich!" und "Jammerlappen!" waren Usus; manche phantasierten uns zu Pädophilen, andere zu Rechtsextremen.

Machen wir einen Sprung ins Jahr 2010: Die "Jungenkrise" ist inzwischen Tagesthema. Dass die 23 Prozent Lohnunterschied nur zustande kamen, weil man Äpfel mit Birnen verglichen hatte, das hatte das Statistische Bundesamt inzwischen ebenso erklärt wie das Institut der Deutschen Wirtschaft. Und die häusliche Gewalt? Dieses Problem gehörte innerhalb der Geschlechterpolitk immer zu meinen Kernthemen. Wer bei Google "häusliche Gewalt gegen Männer" oder auch nur "häusliche Gewalt" eingibt, wird als einen der ersten Treffer meinen vor zehn Jahren in der Frankfurter Zeitschrift NOVO veröffentlichten Artikel darüber finden, den die Redaktion provozierend mit "Häusliche Gewalt ist weiblich" überschrieben hatte. In meinem Buch Männerbeben berichte ich, wie sich dieses Thema seitdem entwickelt hatte.

Inzwischen findet man die Erkenntnis, dass häusliche Gewalt mindestens zum gleichen Teil von Frauen ausgeht, in den Büchern international anerkannter Psychologen. Noch vor wenigen Jahren war das eine skandalöse Behauptung, für die wir Männerrechtler viel Prügel einsteckten. Das reichte von Internet-Feministinnen wie Maya B. bis hinauf zu einer Abgeordneten der Grünen, Ekin Deligöz, die sich zwar mit den üblichen Beschimpfungen freundlicherweise zurückhielt, mich aber wegen meiner sexuellen Vorlieben und meiner damaligen Kooperation mit einer rechtskonservativen Zeitung als unseriös hinstellte. (Inzwischen ist Ekin Deligöz meine Freundin auf Facebook geworden, weil wir uns beide gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen.) Wenn man Feministinnen auf die international vorliegenden mehreren hundert Studien ansprach, wandten sie sich regelmäßig in den abenteuerlichsten Verrenkungen. Eine besonders beliebte Ausflucht lautete, das seien ja alles Unterschungen aus dem Ausland, etwa aus den USA, Kanada, Neuseeland usw. und damit mit der deutschen Gesellschaft überhaupt nicht zu vergleichen.

Das Problem lag aber allein darin begründet, dass hierzulande kaum entsprechende Studien durchgeführt wurden. Die wenigen, die es gab, waren häufig mit einem Pferdefuss behaftet. Beispielsweise ließ das Frauenministerium vor wenigen Jahren Männer ebenso wie Frauen über ihre Gewalterfahrungen befragen und stellte bei beiden Geschlechtern annähernd gleiche Zahlen unter Opfern wie Tätern fest. Da dieses Ergebnis dem Ministerium aber nicht in den Kram passte, retteten sich die Verantwortlichen mit einem Trick: Sie wiesen darauf hin, dass die Forscher über 10.000 Frauen zu diesem Problem befragt hatten, aber weniger als 300 Männer. Damit seien die Antworten der Frauen wegen der hohen Grundgesamtheit der Befragten statistisch relevant, die der Männer aber nicht. Ergo: Um Frauen vor Gewalt zu schützen, müsse viel getan werden; Männer könne man hier vernachlässigen. Ja, so läuft das im "frauenverachtenden Patriarchat".

Heute allerdings berichtet "Die Welt" über die Ergebnisse einer neuen Untersuchung – aus Deutschland! Schon die Überschrift ist deutlich:

Neue Studie: Männer häufiger Opfer von Gewalt als Frauen

In dem "Welt"-Artikel heißt es unter anderem:

Laut Studie gaben 45 Prozent der befragten Männer an, Gewalt erlitten zu haben, im Vergleich zu 41 Prozent der Frauen. (...) Für die Untersuchung mit dem Titel "Männer - die ewigen Gewalttäter?" wurden 1470 Männer und 970 Frauen im Auftrag der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) befragt.

(...) Während Gewalt gegen Frauen ein viel beachtetes Thema in der Öffentlichkeit ist, führen Männer, die zu Opfern werden, in der Regel ein Schattendasein. Im Jahr 2000 antwortete die damalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) auf die Frage, ob sie ein Männerhaus plane: "Nein, ich denke, das ist nicht nötig. Wenn Männer keine Gewalt anwenden, brauchen sie auch keine Zufluchtsorte." 2004 wurde vom Bundesfamilienministerium die Pilotstudie Gewalt gegen Männer veröffentlicht: Elf Prozent der befragten Männer gaben an, dass sie von ihrer Partnerin körperlich angegriffen wurden. Fragte man im Bundesfamilienministerium damals nach, hieß es dennoch: "Das Thema häusliche Gewalt gegen Männer ist keines, das bei uns prioritär bearbeitet wird."

(...) "Männer als Opfer von Gewalt - sowohl von männlicher als auch von weiblicher - waren in der Vergangenheit nicht im Blick der Politik", sagt auch Martin Rosowski, Leiter der Männerarbeit der EKD, die die Untersuchung in Auftrag gab. Die Studie zeige aber, dass es sich dabei keineswegs um ein "marginales" Problem handele. Deshalb müsse nun ein Netz an Angeboten aufgebaut werden, das auch diesen Aspekt berücksichtige. Männerhäuser im klassischen Sinne hält Rosowski dabei nicht für sinnvoll, wohl aber "Ausweichmöglichkeiten" für Männer, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind.


Interessanterweise gelangt die EKD-Studie noch zu dem Befund, dass schwere Gewalt häufiger von Männern ausgehe. Das deckt sich nicht mit den Ergebnissen der internationalen Forschung, über die etwa der Soziologe Bastian Schwithal berichtet:

Übersicht "Studien: Severe Violence" gibt die Ergebnisse von 94 Studien und Untersuchungen hinsichtlich schwerer Gewaltformen ("severe violence") wieder. Ähnlich wie bei "minor violence" lässt sich auch hier die Beobachtung machen, dass ein höherer Anteil an Frauen schwere Gewalt gegenüber einem Intimpartner gebraucht als umgekehrt. Das Verhältnis von Männern und Frauen im Hinblick auf "verübte Gewalt" ist 47,0% zu 53,0%. Bei "erlittener Gewalt" ergibt sich hinsichtlich der Geschlechtsverteilung folgendes Bild: 52,3% Männer gegenüber 47,7% Frauen hatten schwere Gewaltformen durch einen Intimpartner erlitten.


Ich gehe davon aus dass sich auch hier die deutschen Zahlen angleichen, sobald das Thema "Mann als Opfer weiblicher Gewalt" weiter enttabuisiert worden ist. Die Männerrechtsbewegung arbeitet seit Jahren daran und lässt sich auch von feministischen Beschimpfungen wie "Heult doch!" und "Jammerlappen!" nicht aufhalten. (Bezeichnenderweise erhalten gerade Feministinnen gerne reaktionäre Geschlechterklischees aufrecht, wenn es ihnen gerade in den Kram passt.)

So oder so dürfte die vorliegende Studie eine männerfeindliche Propaganda beenden, die immer wieder auch von Regierungsseite geführt wurde. So hieß es unlängst noch auf der Website des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Familie, Frauen und Gesundheit: "Wissenschaftliche Studien zeigen, dass von Gewalt in der Familie ganz überwiegend Frauen betroffen sind. Nur 5% bis 10% der Opfer sind männlich." Nachdem ich unter anderem in meinem Buch "Männerbeben" darüber berichtet hatte, fehlt dieser Satz inzwischen auf der Website des Ministeriums. Aber noch immer ist dort ausschließlich von weiblichen Opfern und männlichen Tätern die Rede, wenn es um häusliche Gewalt geht:

Wer schlägt, muss gehen: Gewalttätige Männer müssen damit rechnen, aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen zu werden, betroffene Frauen und ihre Kinder erhalten verbesserte Unterstützungsangebote.


Ähnlich sexistisch, einseitig und schlicht irreführend heißt es auf der auf der Website des Berliner Senats:

Häusliche Gewalt wird in über 80% der Fälle von Männern ausgeübt. (...) Alle Berliner Maßnahmen, die zur Bekämpfung und zum Abbau von Gewalt gegen Frauen beitragen, sind im Berliner Aktionsplan (2002 –2006) zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt zusammengefasst.


In der Presse gab es ganze Artikel, die das komplexe Problem der häuslichen Gewalt darauf reduzierten, dass Männer mit "dem Bösen" schlechthin gleichgesetzt wurden. Ein typischer Fall ist etwa dieser Artikel in der Wochenzeitung "Freitag".

Gleichzeitig wurde häusliche Gewalt durch Frauen von feministinnen immer wieder höhnisch gefeiert. So kommentierte etwa Alice Schwarzer im Jahr 1994 den Fall Loreena Bobbits, die ihrem schlafenden Mann den Penis abschnitt:

Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!


Die aktuelle Studie der EKD wird hoffentlich dazu führen, dass dieses unsägliche Messen mit zweierlei Maß endlich aufhört.

Was ist nun zu tun?

1.) Das AGENS-Gründungsmitglied Professor Gerhard Amendt machte letztes Jahr von sich reden, indem er forderte, aufgrund der realen Geschlechterverteilung bei häuslicher Gewalt seien statt Frauenhäusern Familienhäuser angebracht. Amendt wurde daraufhin zunächst in der Frauenzeitschrift BRIGITTE in einer Weise behandelt, die jedem seriösen Journalismus Hohn spricht. (In einem ihrer Artikel forderte die BRIGITTE zudem "Erziehungscamps für prügelnde Ehemänner". Als zahlreiche Leser in der Kommentarspalte auf die in den Studien festgestellte tatsächliche Geschlechterverteilung in diesem Bereich hinwiesen, schaltete BRIGITTE die Kommentarfunktion einfach ab.)

Etwas später ging auch der feministische Publizist Thomas Gesterkamp Professor Amendt in seinem Pamphlet "Geschlechterkampf von rechts" für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung ebenso scharf wie unfair an:

Der Bremer Soziologe Gerhard Amendt hat sich in den 1970er und 1980er Jahren mit Analysen über Gynäkologie und Verhütungspolitik wie auch als Vorkämpfer für die Legalisierung der Abtreibung einen guten Ruf in linken und linksliberalen Kreisen erworben. In jüngster Zeit allerdings irritiert er durch Vorschläge und Ansichten, die man eher in einem anderen politischen Spektrum verortet. (...) In Vorträgen über seine Studie zu Trennungsvätern behauptete er regelmäßig, Frauen seien in Beziehungen inzwischen mindestens so gewalttätig wie Männer.


Berichten zufolge turnt Gesterkamp immer noch durch die Lande und versucht, Amendt als Lügner und Verharmloser zu denunzieren.

Das ergibt inzwischen eine hochbrisante Gemengelage! Wie oben berichtet, weist ja neben zahllosen anderen Untersuchungen auch die aktuelle, von Martin Rosowski verantwortete Studie darauf hin, dass Professor Amendt mit seinen Ansichten, die Gesterkamp als Feminist natürlich "irritieren", Recht hat. Verortet Gesterkamp jetzt also auch Rosowski im rechten bis rechtsextremen Spektrum, wie er das bislang bei Männerrechtlern suggerierte? Noch pikanter: Rosowski ist Vorstandsvorsitzender im profeministischen "Bundesforum Männer" – und lehnte eine Zusammenarbeit mit AGENS auf der Grundlage von Gesterkamps Anwürfen gegen Amendt & Co. ab – um sich nun selbst auf der Linie wiederzufinden, die diese Männer und Frauen (also: wir) vertreten. Die logische Schlussfolgerung kann nur sein, dass sich das Bundesforum auch für die Positionen von Gruppen wie AGENS und MANNdat öffnet, die einfach nur ein paar Jahre früher erkannt hatten, wie die Verhältnisse in Wahrheit liegen. Andernfalls dürfte es nicht lange dauern, und es wird vom "Bundesforum gegen Männer" die Rede sein.

2.) Auch die Goslarer Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling (vormals Dittmer) berichtet von massivem Mobbing durch das feministische Establishment, seit sie sich bei Problemfeldern wie der häuslichen Gewalt auch um männliche Opfer kümmern will. Diese Attacken müssen aufhören. Eine Bitte um Entschuldigung wäre mehr als angebracht.

3.) Von der geschlechterpolitischen Initiative MANNdat gibt es seit mehreren Jahren einen offenen Brief an den nordrhein-westfälischen Innenminister, worin MANNdat beanstandet, dass männliche Opfer häuslicher Gewalt bei Polizeidienststellen häufig keine Hilfe finden, sondern stattdessen auf Spott und Aggressionen stoßen. In dem MANNdat-Schreiben heißt es:

Wir fordern daher, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung endlich ihr veraltetes, von Klischees und Vorurteilen geprägtes Bild männlicher Gewaltopfer aufgibt, das Problem der häuslichen Gewalt an Männern ernst nimmt und geeignete Rahmenbedingungen schafft, die wirksam dazu führen, auch für von häuslicher Gewalt betroffene Männern schnelle und effiziente Hilfe zu gewährleisten.


Es wird höchste Zeit, dass sich das Innenministerium diesen Forderungen stellt.

4.) Inzwischen hat sich ein Netzwerk namens "Gesine" gebildet, das bundesweit "sensibilisierte Ärzte", Beratungsstellen, Polizisten usw. "schulen" möchte, indem es diese Instanzen offenbar mit einer einseitigen Darstellung häuslicher Gewalt indoktriniert. Nachdem ich in meinem Blog Genderama einen entsprechenden Beitrag des Deutschlandradios zitiert hatte, wurde die Falschbehauptung "Häusliche Gewalt wird fast ausschließlich von Männern begangen." erfreulicherweise in diesem Beitrag gestrichen. Aber noch immer geht es darin wie automatisch um weibliche Opfer und männliche Täter. Das Frauenministerium unterstützt diese Propaganda, will sie sogar an unsere Schulen tragen: Auf dass selbst unseren Kleinsten das falsche Bild vom Täter Mann und Opfer Frau eingebleut wird! Dabei ist die Idee, häusliche Gewalt auch im Unterricht zu behandeln, grundsätzlich nicht schlecht – aber dann bitte mit Fakten statt mit offiziell gesteuerter Verdummung.

5.) Nachdem das Tabu männlicher Opfer von häuslicher Gewalt geknackt ist, müssen auch andere politisch korrekte Tabus fallen, damit den Betroffenen beiderlei Geschlechts geholfen werden kann. Dazu gehört es, endlich die Ursachen für häusliche Gewalt zur Kenntnis zu nehmen (andere als "das Patriarchat" und "Männer sind böse"). Eine solche Ursachenforschung gibt es in Deutschland kaum. In der internationalen Literatur allerdings findet man sie durchaus: Beispielsweise prügeln alleinerziehende Mütter häufiger und die Abwendung von den traditionellen Geschlechterrollen trägt offenbar zur häuslichen Gewalt bei. Auch ist unter lesbischen Paare die Rate häuslicher Gewalt deutlich höher als unter heterosexuellen. Monika Ebeling hat hierzu ein kursorisches Dossier von mir online gestellt. Wie gesagt, das Benennen einiger dieser Ursachen gilt derzeit als politisch inkorrekt. Aber wollen wir deshalb die Auseinandersetzung mit den Ursachen für Gewalt weiter ignorieren, also unserer Ideologie zuliebe die Gewalt weiter hinnehmen?

6.) Ein weiteres Tabu, das im nächsten Schritt endlich fallen sollte, ist das der sexuellen Gewalt gegen Männer. Bastian Schwithal schreibt hierzu:

Übersicht "Studien: Sexual Violence" gibt die Ergebnisse von 55 Studien und Untersuchungen wieder. Hinsichtlich sexueller Gewalt lässt sich die Feststellung machen, dass Frauen häufiger diese Form der Gewalt erleiden als Männer. Allerdings lässt sich anhand der Ergebnisse in der Tabelle auch ablesen, dass Männer ebenfalls und im weitaus größeren Ausmaß als bisher angenommen sexuelle Gewalt (auch schwere Formen) erfahren. Beim Verüben von sexueller Gewalt ergibt sich ein Geschlechtsverhältnis von 57,9% Männer gegenüber 42,1% Frauen und hinsichtlich "erlittener Gewalt" ein Männer-Frauen-Verhältnis von 40,8% zu 59,2% .


Auf Dauer wird der Feminismus nicht umhin kommen, einer neuen Geschlechterpolitik zu weichen, die sich um Männer wie Frauen gleichermaßen kümmert. Je früher das geschieht, desto besser ist es für die Opfer – beiderlei Geschlechts.

Noch ist das Zukunftsmusik: Übernächsten Donnerstag, den 25. November, finden beispielsweise zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen eines von den Vereinten Nationen initiierten Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen" statt. Einen Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Männern" oder „Nein zu Gewalt an Menschen" gibt es bislang nicht.

Nachtrag: Ebenfalls relevant hierzu sind meine späteren Blogeinträge Revolutionärer Umbruch in der deutschen Gewaltforschung sowie
Wenn Männer zum Sex gezwungen werden.

Dienstag, September 22, 2009

Fünf Jahre Genderama – wenn es am schönsten ist, soll man aufhören

Heute vor fünf Jahren ging der erste Beitrag in diesem Blog online. Inzwischen hat es stark an Bekanntheit stark gewonnen - bis hin zu Erwähnungen im FOCUS und im "Freitag". Jetzt habe ich mich dazu entschlossen, dieses Blog bis auf weiteres ruhen zu lassen.

Der Hauptgrund ist naheliegend, wenn man weiß, was für ein Arbeitsaufwand mit diesem Blog verbunden ist. Genderama ist meines Wissens das einzige deutsche Blog, das über Jahre hinweg von einem einzelnen Autor und ohne jegliches finanzielle Backing geführt wurde und dabei über eine lange Zeit hinweg bis zu sieben Beiträge pro Tag veröffentlichte (wobei der Rekord allerdings bei 12 Einträgen liegt). Ich habe das zwar in jüngster Vergangenheit zurückgefahren, aber der Aufwand ist immer noch größer, als man sich das als Leser vermutlich denkt. Da ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, hier interessante News so schnell und so richtig wie möglich zu veröffentlichen, fand hier praktisch eine Dauerrecherche an jedem einzelnen Tag in der Woche statt, 365 Tage im Jahr – auch an Tagen, an denen ich schließlich feststellte, dass es nichts Interessantes zu berichten gab also keine Beiträge veröffentlicht wurden. An Feiertagen war ich ebenso aktiv wie an Krankheitstagen, Tagen mit aufwändigen Zahnoperationen – lediglich als einmal mein PC crashte, gab es einige Tage Pause.

Neben der Recherche nimmt auch das kontinuierliche Beantworten von Lesermails einiges an Zeit in Anspruch. Täglich erreichen mich die unterschiedlichsten Anfragen per Mail oder Telefon, nicht zuletzt weil es wenig andere Anlauf- und Informationsmöglichkeiten für männerpolitische Fragen gibt. Mit der Zahl der Genderama-Leser ist auch die Zahl solcher Mailanfragen stark gestiegen.

Das alles war fünf Jahre lang auch gut zu leisten. Nachdem ich inzwischen aber bei mehreren großen Publikumsverlagen veröffentliche, sind auch in meinem direkt beruflichen Bereich die zeitlichen Anforderungen stark gewachsen. Damit lässt sich aber die kontinuierliche Arbeit an einem Newsblog immer schwerer vereinbaren.

Ein zweiter Grund ist, dass ich nach fünf Jahren des täglichen Recherchierens zu ein und demselben Thema dieser Sache doch allmählich überdrüssig geworden bin, zumindest was die kontinuierliche Beschäftigung damit angeht. Eine Auszeit täte mir sehr gut. Und drittens habe ich den Eindruck, dass ich, wenn man einmal von rasanten Entwicklungen wie denen in der letzten Woche absieht, jedes Unterthema schon zigfach durchgekaspert habe. Wie oft soll man noch berichten, dass schon wieder eine neue Studie vorgelegt wurde, der zufolge häusliche Gewalt gleich häufig oder gar häufiger von Frauen ausgeht? Wie oft soll man auf Artikel von Journalisten hinweisen, die über Zusammenhänge schreiben, von denen sie offenkundig wenig Ahnung haben? Immer größer wird auch die Informationskluft zwischen alten und neuen Lesern dieses Blogs: Während man den neuen erst mal umständlich erklären muss, dass Frauen für gleichwertige Arbeit keineswegs 23 Prozent weniger als Männer verdienen, obwohl zig Journalisten und Politiker dieses Märchen voneinander übernehmen, wird für die alten Hasen die 180ste Erklärung allmählich doch etwas öde.

Hat sich in den letzten fünf Jahren überhaupt etwas für Jungen und Männer zum Besseren gewandelt? Wenn ich auf den ersten Artikel schaue, den ich in meinem Blog verlinkt habe, dann wohl eher nicht. Er endete damals mit dem Absatz:

Dabei sei es höchste Zeit, endlich "Männer- und Jungenreferate in den Ministerien auf Länder- und auf Bundesebene zu etablieren", fordert Wanielik. "Belange von Jungen und Männern müssen von männlicher Seite vertreten werden." Ministerin Schmidt zeigte sich zumindest gestern noch optimistisch. Ihr werde schon noch etwas für die Männer einfallen, sagte sie und verließ den Saal.


Bekanntlich gibt es bis heute keine Männer- und Jungenreferate in den Ministerien. Der damaligen Frauenministerin Renate Schmidt ist nichts für die Jungen und Männer eingefallen. Und ihre Nachfolgerin, Ursula von der Leyen, macht keinen Hehl daraus, dass sie daran auch nicht das geringste Interesse hat: "Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen. Wären die Zahlen anders herum, würde kein Hahn danach krähen." Das erklärte sie ungerührt nach jahrzehntelanger, milliardenschwerer Mädchen- und Frauenförderung, und niemand im ach so patriarchalen Berliner Politikbetrieb störte sich daran.

Andererseits genügt schon ein Blick auf die Artikel der letzten Woche um zu erkennen, dass sich in den letzten fünf Jahren doch einiges getan hat. Mein wesentliches Zwischenziel war es, auch mit diesem Blog dazu beizutragen, dass der sogenannte "lace curtain" in unseren Medien endlich aufgerissen wird – jener Vorhang, der jahrzehntelang verhinderte, dass über die Benachteiligung von Jungen und Männern auch nur mit einer Silbe berichtet wurde. Natürlich würden auch heute noch etliche Journalisten lieber unter Qualen sterben, als sich von ihrer Fixierung allein auf die Probleme der Frauen zu lösen. Aber die ersten Schritte sind gemacht. Selbst dass es in Deutschland mittlerweile eine Männerrechtsbewegung gibt, sollte dank FOCUS & Co. allmählich bekannt geworden sein.

Natürlich werde ich mich nicht dauerhaft aus der Männerbewegung zurückziehen, sondern lediglich weniger zeitintensive Möglichkeiten als das Dauerbloggen suchen. Wenn es aus unseren Reihen, beispielsweise aus dem Kreis der Niersteiner Sieben, Neuigkeiten gibt, die für die Allgemeinheit interessant sind, werde ich vermutlich in meinem bisherigen Zweitblog darüber berichten (und wenn es besonders eilige Meldungen sind zum Beispiel im Forum von MANNdat.) Und natürlich wird es immer wieder neue Bücher von mir zum Männerthema geben. Als nächstes erscheint bei Heyne "Eine Frage der Größe", ein auf das Massenpublikum ausgerichtetes unterhaltsames Sachbuch über Männersexualität – in das allerdings ebenso viel Recherche eingegangen ist wie in meine anderen Bücher und das mit so einigen männerfeindlichen Klischees und Vorurteilen in diesem Bereich aufräumen wird. Wer Genderama mochte, wird auch dieses Buch mögen.

Zuletzt möchte ich ganz besonders den zahllosen Genderama-Lesern danken, die mich per Mail immer wieder mit Hinweisen auf interessante Meldungen aufmerksam gemacht haben. Ich habe irgendwann aufgehört, jedesmal anzumerken, dass ein bestimmter Genderama-Beitrag einer Lesermail zu verdanken war, aber die Unterstützung blieb kontinuierlich stark. Erfreulicherweise hat auch kaum ein Leser geschmollt, wenn ich einen seiner Hinweise nicht verwertete (beispielsweise weil ich fand, dass ich bestimmte Aspekte ohnehin schon bis zur Schmerzgrenze behandelt hatte, oder weil ich Artikel über diverse Untaten einzelner Frauen, beispielsweise einer Mutter, die ihr Kind tötete, nur in besonders begründeten Aunahmefällen gebracht habe, weil diese eine Debatte um Männerrechte nur begrenzt voranbringen). Was besonders fleißige Mitarbeit und auch anderweitig starke Unterstützung meines Blogs angeht, richte ich hier einen besonders herzlichen Gruß an meine außerordentlich engagierten Leser in der Schweiz.

Aber natürlich danke ich jedem einzelnen Leser, der auf welche Weise auch immer den Kampf für die Anliegen von Jungen und Männern unterstützt hat.

Sie waren ein wunderbares Publikum!

Hoffmann ab.

Vorhang

Feministinnen kündigen Störung des Männerkongresses 2010 an

Ein solcher Kongress, der Kritik am patriarchalen Normalzustand auf den Kopf stellt und Männer als Opfer inszenieren will, wird hoffentlich nicht ungestört von statten gehen. Ein feministischer Gegenkongress ist wohl bereits in Planung.


Näheres erfährt man hier.

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Montag, September 21, 2009

Größte politische Enttäuschung vor der Wahl: Markus Grübel (CDU)

Markus Grübel (CDU) galt einmal als einer der wenigen Hoffnungen für Männer im femokratischen deutschen Politbetrieb. So hielt er im Mai 2003 die, wie die Berliner "tageszeitung" damals schrieb, "erste Männerrechtler-Rede des deutschen Bundestages". Zu einer erneuten Rede Grübels, die sich diesem Thema widmete, kam es am 10. März 2005.

Aufgrund dieser beiden Reden galt Grübel für manchen Männerrechtler als Hoffnungsträger und wude von mir auch für mein Buch "Männerbeben" interviewt. Wie alle anderen Interviewpartner erhielt er als symbolisches Dankeschön ein Freiexemplar meines Buches. Hätte Grübel nicht nur sein eigenes Interview darin gelesen, sondern beispielsweise auch das direkt darauf folgende, dann wäre er auf mein Gespräch mit der Soziologin Julia Bennwitz gestoßen, die im Jahr 2006 für ihre Magisterarbeit über "Physische und psychische Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Partnerschaften" die Note 1,0 erhalten hatte. Bennwitz machte nicht nur in ihrer Arbeit, sondern auch in dem Interview mit mir deutlich, dass den in ihrer Fülle kaum zu überblickenden Forschungen führender Familiensoziologen zufolge häusliche Gewalt annähernd gleich auf beide Geschlechter verteilt ist (siehe dazu auch hier). Auch im Sachteil meines Buches (also vor den Interviews) lege ich zu diesem Thema das Wesentliche dar.

Offenbar liegt Markus Grübel das Männerthema so sehr am Herzen, dass er die entsprechenden Inhalte komplett ignorierte. Anders lässt sich seine aktuelle Verlautbarung auf Abgeordnetenwatch nicht erklären, in der er Unsinn wie diesen von sich gibt:

Sie folgern, dass häusliche Gewalt von Frauen gegen Männer genauso oft vorkommt und genauso schwer ist. Experten gehen davon aus, dass häusliche Gewalt in ca. 95 Prozent gegen Frauen von Männern verübt wird. Bei den restlichen ca. 5 Prozent sind die Männer die Opfer.


Was soll man eigentlich mit Politikern anfangen, die sich derart konsequent jeder Aufklärung verweigern? Die feministischen Unfug plötzlich nachschwätzen, nur weil mit Ursula von der Leyen eine Parteikollegin auch auf diesen Trip gekommen ist? Wenn es um die Probleme und Anliegen von Männern geht, ist von den Konservativen offenbar auch nichts zu erwarten.

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"Jungen - raus aus dem Abseits!"

Dass Jungen anders sind als Mädchen, ist kein Geheimnis. Dass sie mittlerweile zu den Verlierern in vielen Bereichen der Gesellschaft gehören, ist besorgniserregend. "Während 36 Prozent der Mädchen ihr Abitur schaffen, gelingt dies nur 28 Prozent der Jungs", schreibt der Journalist Arne Hoffmann in seinem aktuellen Buch "Rettet unsere Söhne". Gelten Mädchen als wortgewandter, ruhig und fleißig, wollen sich Jungen ständig miteinander messen.


RP-Online berichtet.

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Sonntag, September 20, 2009

Trotz oder wegen Feminismus?: Frauen immer unglücklicher

All told, more than 1.3 million men and women have been surveyed over the last 40 years, both here in the U.S. and in developed countries around the world. Wherever researchers have been able to collect reliable data on happiness, the finding is always the same: greater educational, political, and employment opportunities have corresponded to decreases in life happiness for women, as compared to men. (...)

Why? What is causing these trends (and what can we all do to reverse them?)

Some of the more obvious explanations are weaker than you might think:

For example, these trends are not caused by women working longer hours than men. We know this because women don't work more hours than men. In a mammoth study of twenty-five countries, ranging from the U.S. to France to Slovenia to Madagascar, men and women were asked to keep track of what they were doing at various times during the day, and then the hours for each activity were calculated. The results: in developed countries, men average 5.2 hours of paid work a day, and 2.7 hours of homework, for a total of 7.9 hours a day; and women average 3.4 hours of paid work, and 4.5 hours of homework, for a total of, yes, 7.9 hours a day. These averages are statistically identical in virtually every developed country in the study: women and men work the same number of total hours in a day. (It is only in less developed countries such as South Africa or Benin, where women have fewer choices and are largely excluded from the workplace, that women actually work more hours per day than men.)

Nor are they caused by gender-based stereotyping. Sure, forty years ago such stereotyping was still dominant - in 1977 74% of men agreed with the statement "Men should be the primary breadwinner and women should be the primary caretaker of home and family." Today, however, that number has fallen to only 42% - which happens to be almost exactly the same as the percentage of women who agree with it (39%). Your opinion of which roles are most appropriate for men and women to play is not now determined by your sex.


Den vollständigen Beitrag findet man in der Huffington Post.

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