Mittwoch, November 30, 2022

Spiegel-Online erkennt Diskriminierung von Männern durch Frauenquote

1. In einem aktuellen Gastbeitrag auf Spiegel-Online (nur für Abonnenten zugänglich) erläutert der Headhunter Heiner Thorborg, wie Männer durch die Frauenquote benachteiligt werden:

Bei vielen hat das Mitgefühl für diskriminierte männliche Manager ungefähr die Größe einer Staubflocke, waren es doch die Frauen, die jahrhundertelang im Job nichts zu sagen hatten. (…) Wenn jetzt dank Frauenquoten für Aufsichtsrat und Vorstand zur Abwechslung mal die Aufstiegschancen für Männer knapper werden, heißt es daher oft: "Es ist an der Zeit, dass die Kerle mal etwas von ihrer eigenen Medizin zu schmecken bekommen."

Diese Haltung ist problematisch. Es nicht nur ethisch fragwürdig, eine Ungerechtigkeit einfach durch eine andere zu ersetzen, es ist auch nicht zielführend. Diskriminierung macht nämlich nichts besser, egal, wen sie trifft.

Tatsächlich ist es heute so, dass Männer in vielen Fällen den Kürzeren ziehen, wenn es um Beförderungen geht. Viele Personalberater erleben, dass sich Männer melden und sagen: "Für mich geht es in meinem Unternehmen nicht mehr weiter. Da wird so offen gesagt, dass jetzt die Frauen gefördert werden, dass ich nun nach Optionen außerhalb des Unternehmens suchen muss."


Der Artikel erwähnt auch, dass weibliche Manager inzwischen mehr verdienen als männliche. (Genderama berichtete.)

Entsprechend genervt sind viele Männer. So zitierte der Deutschlandfunk in einer Diskussion um die Frauenquote einen Unternehmensberater Ende 20 namens Markus, der seinen Nachnamen nicht nennen will – aus Angst vor den beruflichen Folgen. Er befand: "Das ist so ein bisschen in Sippenhaft nehmen. Also, weil quasi früher Frauen diskriminiert worden sind, diskriminieren wir jetzt andersherum." Genau so ist es. (…) Ein System, das nun die Frauen genauso konsequent bevorzugt wie früher die Männer, ändert nichts an dem Niveau der Frustration: Der Frust trifft jetzt eben nur eine andere Gruppe.


Da die Benachteiligung inzwischen Männer treffe, bleibe der empörte Aufschrei im woken Lager diesmal allerdings aus.



2. Hassan al-Thawadi, der Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ,antwortete auf die Frage nach den Todesfällen bei WM-Bauprojekten im britischen Sender TalkTV: "Die Schätzung ist ungefähr 400. 400 bis 500, die genaue Zahl habe ich nicht. Das ist etwas, das diskutiert wird."

Der Regensburger Juraprofessor Tonio Walter kommentiert auf Twitter:

Heißt: 400 bis 500 tote MÄNNER. Wie wäre die Reaktion in Deutschland bei 400 bis 500 toten Mädchen und Frauen? Massenfemizid? Und WM weiterschauen?


Die Tagesschau soll übrigens von "toten Gastarbeitenden" sprechen.



3. Der Focus beschäftigt sich mit den Millionen an Kosten für ein "gendergerechtes" München, die von Laura Dornheim durchgesetzt wurden:

Dornheim erläutert das Vorhaben gegenüber der "Abendzeitung" so: "Das Bundesverfassungsgericht hat mit einem Urteil die öffentliche Verwaltung dazu verpflichtet, alle Menschen korrekt anzusprechen. Bei meiner Verbeamtung habe ich einen Eid darauf geleistet, Recht und Gesetz umzusetzen und genau das tue ich mit diesem Projekt."

Diese, sagen wir, eigenwillige Interpretation eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, das sich 2017 mit dem Geschlechtseintrag "divers" befasst hat – nicht mit der Frage, ob es schon diskriminierend ist, wenn in Behördentexten nicht gegendert wird –, vorzuschieben, um ein ideologisches Vorhaben als alternativlos zu verkaufen, ist an und für sich schon ein bisserl dreist.

(…) Sagen wir so, folgende Münchner Behörden werden im Jahr 2022 von Frauen geleitet: das IT-Referat von Dornheim, das Gesundheitsreferat, das Sozialreferat, das Baureferat, das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Kreisverwaltungsreferat, das Kommunalreferat sowie das Referat für Klima- und Umweltschutz.

Gut, der Münchner Oberbürgermeister ist zwar ein Mann, Dieter Reiter (SPD). Allerdings hat der gleich zwei Frauen als Vertreterinnen: Katrin Habenschaden und Verena Dietl. All das ist in den vergangenen Jahren, man lese und staune, auch ohne Gender-Sternchen gelungen.


Abschließend beschäftigt sich der Artikel recht ausgiebig mit der Frage, ob Laura Dornheim wirklich die richtige Person auf ihrem Posten ist.



4. Noch immer werden Depressionen bei Männern unter den Teppich gekehrt. Bei diesen Beschwichtigungsversuchen sollte man hellhörig werden



5. Die Bildzeitung wirft ihrer früheren Werbefigur Alice Schwarzer "Verschwörungs-Irrsinn" vor.



6. Aus Russland geflohene Antikriegsaktivisten finden in den USA keine Freiheit, sondern Inhaftierung "Ich habe Russland verlassen, um an einen Ort zu gelangen, der genauso ist wie Russland", befindet einer von ihnen. Die New York Times berichtet ausführlich.



7. Die internationale Coalition to End Domestic Violence hat mehrere erwähnenswerte Beiträge online gestellt.

Einer zerlegt den von vielen Medien verbreiteten Mythos, dass häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie zugenommen habe.

Ein anderer erklärt, wie speziell schwarze Männer durch die aktuelle Politik bei häuslicher Gewalt benachteiligt werden.

Ein dritter fragt, warum die Vereinten Nationen die Mehrheit der Opfer häuslicher Gewalt übergehen. (Quellenangaben als Beleg finden sich im verlinkten Originaltext.)

Die Vereinten Nationen haben eine Kampagne mit dem Titel "16 Days of Activism Against Gender-Based Violence" (16 Tage gegen geschlechtsspezifische Gewalt) gestartet. Die Kampagne konzentriert sich ausschließlich auf die Belange von Frauen und ignoriert auf unerklärliche Weise die weltweite Epidemie häuslicher Gewalt gegen Männer.

Aus Erhebungen geht hervor, dass die Mehrheit der Opfer häuslicher Gewalt Männer sind:

Eine umfassende Untersuchung von Studien über häusliche Gewalt ergab, dass die Opferraten im letzten Jahr bei Männern etwas höher sind. In den Vereinigten Staaten berichten die Centers for Disease Control, dass die Zahl der männlichen Opfer häuslicher Gewalt die der weiblichen Opfer übersteigt: 4,2 Millionen Männer im Vergleich zu 3,5 Millionen Frauen jedes Jahr. Aus einem Bericht aus Australien geht hervor, dass 23 % der heranwachsenden Mädchen häusliche Gewalt ausgeübt haben, im Vergleich zu nur 14 % der männlichen Jugendlichen.

(…) In Kanada wurde die Kriminologie-Professorin Alexandra Lysova kürzlich für ihre Forschung über männliche Opfer häuslicher Gewalt ausgezeichnet. Bei der Entgegennahme des Preises sagte Lysova: "In meiner Arbeit habe ich angefangen, mich mit Gewalt gegen Frauen und Kinder zu beschäftigen, aber ich habe auch die Stimmen von Männern gehört. Ich hatte in den Statistiken gesehen, dass es Männer gibt, die missbraucht werden, und ich war überrascht, wie sehr dieses Thema vermieden wurde."

Die 72 Mitgliedsorganisationen der Domestic Abuse and Violence International Alliance fordern die Regierungen auf der ganzen Welt auf, dafür zu sorgen, dass männliche Opfer von Gewalt und Missbrauch Zugang zu Dienstleistungen und Rechtsbeistand erhalten, um die Gewalt zu beenden und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.




Montag, November 28, 2022

FDP: Kommt die Frauenquote jetzt auch bei den Liberalen?

1. "Die Welt" berichtet über wackelnde Grundsätze bei den Freidemokraten:

"Das alte Thema", seufzt Strack-Zimmermann, spricht man sie auf die Quote an. Eigentlich habe sie immer gedacht, es gehe ohne. "Doch wir haben nach wie vor zu wenig aktive Frauen in der FDP."

(…) Zu ihnen gehört auch Strack-Zimmermann. Trotzdem kann sie sich nach mehr als drei Jahrzehnten Parteiarbeit mittlerweile "eine Frauenquote bei der Listenaufstellung vorstellen". Manchmal müsse man halt "liebevoll nachhelfen".

(…) Dass Frauen in der FDP vor strukturellen Probleme stehen, nimmt die Bundestagsabgeordnete Ria Schröder wahr. Die 30-Jährige ist eine der jüngsten Abgeordneten im Parlament, verkörpert die junge Generation. "Wir müssen die Strukturen in der Partei flächendeckend erneuern, damit sich mehr Frauen engagieren", fordert Schröder. Ihr geht es aber nicht nur darum, mehr Frauen für einen Eintritt zu begeistern. Vielmehr müssten sie auch leichter in Spitzenpositionen kommen oder Chancen auf aussichtsreiche Listenplätze haben. "Oft wird dann ja gesagt, Frauen müssten sich nur trauen. Damit macht man es sich zu einfach." Es brauche eben auch Strukturen, in denen ihre Leistung zählt, wo sie gern kandidieren und dazu nicht nur vor allem von Frauen ermutigt werden, sondern auch von Männern. Schröder sieht hier nach wie vor hohe Hürden.

(…) "Ich merke, dass viele ihren Widerstand aufgeben und weniger dogmatisch an dieses Instrument herangehen. Immer mehr Menschen sind offen für eine Quote – bis hin zu unserem Parteivorsitzenden Christian Lindner", glaubt Schröder. Auch bei ihr persönlich habe mittlerweile ein Umdenken angefangen.

Die 33-jährige Bundestagsabgeordnete Gyde Jensen aus Schleswig-Holstein hält etwa die Sorge, mit einer Quote auf das Geschlecht reduziert zu werden, für unbegründet: "Am Ende werden Frauen mit Macht in bestimmten Köpfen immer Quotenfrauen sein", so Jensen. Sie sehe die Vorteile einer Frauenquote und wünscht sich, "dass wir das in der FDP offener diskutieren". Ob es am Ende eine Quote sein müsse oder wie man eine solche Quote ausgestalte, könne ja austariert werden.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Der von Familienministerin Lisa Paus aufgeschobene Vaterschaftsurlaub nach der Geburt soll 2024 kommen.



3.
Es hätte eine gute Botschaft sein können: Partnerschaftsgewalt ist um 3,5% zurückgegangen. Eine gute Nachricht, die nur nicht ins politische Konzept passt. Stattdessen werden wie immer schreckliche Bilder von Gewalt gegen Frauen ins Rampenlicht gestellt. Ohne Frage, die gibt es und es muss weiterhin intensiv daran gearbeitet werden, dass solche Gewalt überwunden wird.

Aber da gibt es noch mehr. Dinge, über die man im Bundesfamilienministerium, Gender-Organisationen, Frauenhäusern und anderen Frauenorganisationen nicht sprechen will. Dinge, für die es unter gar keinen Umständen finanzielle Förderung geben darf: den Schutz von Männern vor Partnerschaftsgewalt. Das würde ja das bewährte und erwünschte, ideologiegetriebene Täter-Opfer-Schema zerstören.


Hier geht es weiter.



4. "Klasse gegen Klasse", ein Nachrichtenportal der revolutionären Linken, positioniert sich in einem aktuellen Beitrag kritisch zu einem "strafenden Feminismus". Aufhänger des Beitrag ist das in Spanien unter der Parole "Nur ja heißt ja" verschärfte Sexualstrafrecht, nach dem alle beteiligten Personen sexuellen Handlungen ausdrücklich zustimmen müssen. Das bedeutet, dass eine Vergewaltigung juristisch auch dann vorliegen kann, wenn keine Gewalt angewendet wurde.

Ein Auszug aus dem verlinkten Artikel:

Der institutionelle Feminismus, der die wichtigsten Forderungen der Frauenbewegung aufgreift, hat ein Gesetz ausgearbeitet, das das reaktionäre, kapitalistische, rassistische und patriarchale Justizsystem durch weitere Strafmaßnahmen stärkt. (…) Dabei ist die Strategie der strafrechtlichen/bestrafenden Intervention vorherrschend, während transformative Strategien gegen das patriarchale kapitalistische System verdeckt bleiben. Und daher "hat diese umfassende Verwendung des Gewaltbegriffs nicht nur andere Ausdrucksformen der Ungleichbehandlung von Frauen verdrängt, sondern auch dazu geführt, dass Handlungen, die Sexismus reproduzieren, geschlechtsspezifisches belästigendes Verhalten und sogar unerwünschte sexuelle Annäherungen, Blicke oder Angebote als Gewalt bezeichnet werden". So wird jeder Missbrauch und jedes Machogehabe zu einem Verbrechen, und zwar auf demselben Niveau und in demselben Verhältnis. Und deshalb muss der Staat mit dem neuen Katalog von Sexualdelikten bestrafen und ahnden, inhaftieren oder mit einer Geldstrafe belegen.

(…) Dieser Staat, genährt durch mehr Strafmaßnahmen, wird sie zweifellos willkürlich gegen die schwächsten, rassifizierten und prekären sozialen Sektoren einsetzen, in diesem Fall im Namen des "Kampfes gegen geschlechtsspezifische Gewalt". (…) Darüber hinaus wirft die Idee einer gesetzlichen Einwilligung im Strafgesetzbuch als "Lösung" für sexualisierte Gewalt mehrere Probleme in Bezug auf die Sexualität von Frauen auf. Mireia Vehí setzte einen interessanten Kontrapunkt, indem sie sagte, dass "das Begehren nicht gesetzlich geregelt werden kann" und dass "das erste Problem des Gesetzes darin besteht, dass es alles dem Strafgesetzbuch überlässt und zunächst einmal die Zustimmung so formuliert, wie es das Strafgesetzbuch tut, als Binom: entweder ja oder nein, als ob die Zustimmung ein Schalter wäre. Obwohl sexuelles Verlangen und sexuelle Beziehungen viel komplexer sind."

In dem oben genannten Artikel erklärt Laura Macaya Andrés, wie die Betrachtung von Aggression als jede nicht einvernehmliche sexuelle Handlung, unabhängig von ihrer Intensität – ein Blick, eine Andeutung oder eine sexuelle Wiederholung – Frauen "als verletzliche, überempfindliche und sexuell appetitlose und ängstliche Wesen" charakterisiert. Dies führt zur Herausbildung eines Opfersubjekts, das in eine normative sexuelle Subjektivität eingebettet ist, die, wie die Autorin sagt, "für die expansive Anwendung des Strafsystems und der Straflogik unerlässlich ist", während sie gleichzeitig "die Frauen zu Orten der Ohnmacht verurteilt, von denen aus es ihnen schwer fällt, Protagonist:innen der dringend notwendigen persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen zu sein".

(…) In dieser "Kultur des Konsenses", wie sie von einigen Feminist:innen genannt wird, wird die Sexualität als Bedrohung und Gefahr für das weibliche Opfersubjekt dargestellt, weshalb ihr Gewaltpotenzial durch den Rückgriff auf die Strafmechanismen des Staates begrenzt werden muss. Josefina L. Martínez problematisiert in ihrem Artikel "Wird Sex in Zukunft cool sein? Frauen und Begehren im Zeitalter des Konsenses" diese Frage und warnt vor den Risiken, die mit der Festlegung der Grenzen des Konsenses vor jeder Beziehung verbunden sind, da "diese Fixierung auf die Idee des Konsenses dem Begehren selbst und der gegenseitigen Erkundung der Sexualität mit anderen Grenzen setzen kann", während andererseits "der Punitivismus die Gefahren der sexualisierten Gewalt nicht löst, die strukturell ist und in einem patriarchalen kapitalistischen System ständig reproduziert wird".




5. "Der Fall Johann König: Die Zeit hätte diesen Text nicht drucken dürfen" titelt die Berliner Zeitung.

Gerüchte. Das erste Wort des Textes vom 31. August 2022, um den es hier gehen wird, beschreibt vielleicht am besten dessen Inhalt. In der Printversion der Wochenzeitung Die Zeit ist das Wort so platziert, dass der erste Buchstabe, das "G", über sieben Zeilen ragt. Der Text hat die Karriere des Berliner Galeristen Johann König schwer beschädigt. Er wirft dem 41-Jährigen unter dem Titel "Ich habe ihn angeschrien und beschimpft, damit er weggeht" Missbrauch vor, bringt Anschuldigungen gegen König vor und behauptet, dass der Galerist sich auf Partys falsch verhalten und Frauen belästigt habe. Es geht um Grabschereien und unfreiwilliges Küssen, um das Berühren eines Rückens.

Die Grundlage der Vorwürfe bilden Angaben von zehn meist anonym bleibenden Frauen, die den drei Autorinnen des Textes – Luisa Hommerich, Anne Kunze und Carolin Würfel – eidesstattliche Erklärungen vorgelegt haben. Das, was Johann König vorgeworfen wird, soll sich demnach zum großen Teil im Jahr 2017 abgespielt haben. Bis heute läuft kein Gerichtsverfahren gegen ihn. Rein juristisch ist König, Stand heute, ein unschuldiger Mann. Mehr noch: Den juristischen Einwänden von König gegen die Veröffentlichung hat ein Gericht in Hamburg zum Teil stattgegeben. In der Online-Veröffentlichung des Zeit-Textes mussten wichtige Passagen nachträglich gelöscht werden, weil sie von den Autorinnen nicht begründet werden konnten.

International ist der Schaden bereits da. So berichten mehrere Medien in Europa und den USA mit Berufung auf die Zeit über den Fall. Wie eine Anfrage der Berliner Zeitung bei der zuständigen Staatsanwaltschaft ergibt, gab es zwei Ermittlungen gegen König, die beide nicht genügend Anlass zur Klageerhebung ergeben hatten. In keiner der Angelegenheiten sei es um sexuellen Missbrauch gegangen, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der Berliner Zeitung.


Hier geht es weiter; der Artikel ist in Gänze lesenswert.



Freitag, November 25, 2022

Lisa Paus, Sido, AfD, Iran

1. "Die Zeit" liest Frauenministerin Lisa Paus die Leviten, nachdem Paus die Pläne für die bezahlte Freistellung von Vätern nach der Geburt auf Eis legte. Dies setze ein "falsches Signal". So sei es für Paare wesentlich leichter, einen gemeinsamen Rhythmus bei der Kindeserziehung zu finden, wenn sich der Vater von Anfang an angemessen beteiligen könne. Allerdings leidet der Artikel daran, dass er Väter nicht als Opfer von Benachteiligung benennt, sondern lediglich als potentielle Drückeberger: "Väter haben durch den Aufschub der Regelung ein weiteres Argument, an alten Rollenmodellen festzuhalten." Dies gelte umso mehr, als durch die ungleiche Verteilung von Kindererziehung und Job die ökonomischen Argumente häufig sogar zutreffend seien.



2. Der Berliner Rapper Sido beklagt, dass ihm, da er ohne Vater aufgewachsen ist, ein männliches Vorbild fehle. Vor allem die Pandemiezeit habe alte Wunden wieder aufgerissen.



3. Die AfD möchte die feministische Entwicklungspolitik stoppen.



4. Noch immer entscheiden sich nur wenige Frauen für technische Berufe, obwohl diese in der Regel bessere Löhne zahlen.



5. Seit Beginn der Proteste im Iran wurden laut Iran Human Rights mindestens 416 Menschen getötet, darunter 27 Frauen.



Donnerstag, November 24, 2022

Studie: Viele Männer fühlen sich nicht würdig, eine Beziehung einzugehen

1. Die Frauenzeitschrift Brigitte berichtet:

Die Dating-App Bumble hat sich anlässlich des internationalen Männertags (19. November) mal angeschaut, wie die Typen unserer Zeit über Geschlechterrollen, Männlichkeit und Erwartungen im Dating-Kontext nachdenken.

(…) Die Hälfte der befragten Männer empfindet hohen Druck, ein bestimmtes Maß an beruflichen Erfolg erreichen zu müssen, bevor sie überhaupt erst das Gefühl hat, eine Beziehung eingehen oder gar eine Familie gründen zu "dürfen". Im Klartext: Viele Männer fühlen sich nicht "würdig" oder "genug", um eine Beziehung einzugehen.

(…) Wer das noch nicht deprimierend genug fand – wir haben noch ein paar Zahlen parat: Obwohl Männer theoretisch keinen Zeitdruck beim Dating und Thema Kinder haben (anders als Menschen mit Uterus), macht die tickende Uhr im Hinterkopf auch sie nervös. Fast jeder zweite Mann (47 Prozent) gibt an, dass er nicht als "alleinstehender Bachelor" dastehen möchte, wenn alle anderen um ihn herum Kinder bekommen.

(…) Vorbilder haben Männer auch nicht wirklich. Jeder dritte Mann (34 Prozent) gibt an, keine Vorbilder im Umfeld zu haben, die ihm zeigen, wie so eine gesunde Partner:innenschaft – die er ja herbeisehnt, aber ja eigentlich doch zu schlecht für ist – überhaupt aussehen soll. (…) Und um das ganze Trauerbild komplett zu machen: Ihren Körper hassen die Männer auch noch! Zumindest jeder vierte Mann (23 Prozent) würde seine Körperform als "nicht männlich" beschreiben und weitere 23 Prozent haben sogar schon mal ein Date abgesagt, weil sie sich mit ihrem Aussehen nicht wohlgefühlt haben.


Abschließend gelangt die Redaktion der "Brigitte" zu dem Fazit, dass "auch Männer einfach Menschen sind", die Ängste und Sorgen haben. Warum muss man diese Banalität eigens als Fazit erwähnen? Weil man in unseren Medien sonst kaum etwas über diese Ängste und Sorgen liest.



2. Österreichs Standard hat den Ökonom Nicholas Eberstadt zur Situation der Männer in den USA interviewt:

Nicholas Eberstadt: Wir haben in den USA schon seit Mitte der 1960er-Jahre das Problem, dass immer mehr Männer im besten Erwerbsalter aus dem Arbeitsleben komplett ausscheiden.

(…) STANDARD: Wer ist diese Gruppe?

Nicholas Eberstadt: Es handelt sich dabei im Regelfall um unverheiratete Männer zwischen 25 und 54 Jahren. Zur Gruppe gehören derzeit sieben Millionen Menschen in den USA. Sie haben keinen Job und suchen auch keine Arbeit, gehören damit zu den Erwerbsinaktiven. Die sieben Millionen entsprechen jedem neunten Mann in besagter Altersgruppe. Der Anteil der Inaktiven in der betreffenden Altersgruppe hat sich seit den 1960er-Jahren versechsfacht.

STANDARD: Sind das Weiße oder Afroamerikaner, Einheimische oder Einwanderer?

Nicholas Eberstadt: Die Zahlen sind für Weiße wie für ethnische Minderheiten etwa gleich hoch. Afroamerikaner werden häufiger inaktiv als Weiße, dafür sind Hispanics und asiatische Amerikaner seltener betroffen. Der wichtigste Einflussfaktor, weit wichtiger als die Ethnie oder der Bildungsgrad, ist der Familienstatus: Bei verheirateten Männern ist das Risiko, inaktiv zu werden, deutlich geringer. Verheiratete Afroamerikaner sind zum Beispiel eher aktiv am Arbeitsmarkt als unverheiratete weiße Männer. Verheiratete, im Ausland geborene Männer ohne High-School-Abschluss haben eine gleich hohe Chance, aktiv zu sein, wie einheimische Männer mit einem College-Abschluss. Bei Männern, die eine Highschool abgebrochen haben und nie verheiratet waren, ist gerade jeder Zweite am Arbeitsmarkt aktiv. Das ist eine katastrophal niedrige Rate.

STANDARD: Was sind die Gründe dafür, dass diese Leute inaktiv werden?

Nicholas Eberstadt: Einige von ihnen, ein Zehntel, sind Vollzeitstudenten. Sie arbeiten nicht, weil sie sich weiterbilden, um ihre Fähigkeiten zu verbessern und wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Die überwältigende Mehrheit der Männer scheinen jedoch Langzeitaussteiger zu sein, die seit vielen Jahren nicht erwerbstätig sind. Nur wenige geben an, keinen Job gefunden zu haben. Viele leiden unter psychischen wie physischen Schmerzen. In Befragungen deuten sich die Probleme an: Die Leute sagen, dass sie nicht arbeiten, sich aber auch nicht in der Zivilgesellschaft engagieren, also nicht ehrenamtlich aktiv sind, niemanden pflegen, keine Gottesdienste besuchen. Die Männer tun im Haushalt wenig. Sie verbringen viel Zeit damit, auf Bildschirme zu starren: mehr als 2000 Stunden im Jahr. Das ist wie ein Vollzeitjob. Fast die Hälfte der Männer hat laut Befragungen vor der Pandemie angegeben, täglich Schmerzmittel zu nehmen.




3. Die Zürcher SVP-Politikerin Susanne Brunner lanciert eine Volksinitiative gegen den Genderstern. Sie befindet: "Rot-Grün missbraucht die Sprache als politisches Instrument für einen Geschlechterkampf". Hier ein Auszug aus ihrem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

NZZ: Frau Brunner, Sie kämpfen gegen Gendersternchen, Binnen-I und Glottisschläge in der deutschen Sprache. Nun lancieren Sie sogar eine Initiative, um das Gendern in der Zürcher Stadtverwaltung zu stoppen. Warum dieser Furor?

Susanne Brunner: Bei keinem anderen politischen Thema habe ich so viele Rückmeldungen erhalten wie damals, als ich mich gegen die Gendersprache bei politischen Vorstössen wehrte. Noch lange danach haben mich Leute auf der Strasse angesprochen und sich bedankt, dass ich mich für die deutsche Sprache engagiere. Sogar aus Deutschland oder Österreich habe ich Zuspruch bekommen. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Leute machtlos fühlen gegenüber den Eingriffen von Eliten in unsere Sprache. Mit meiner Initiative will ich der Bevölkerung die Möglichkeit geben, Stellung zu dieser wichtigen Frage zu nehmen.

(…) NZZ: Beide Geschlechter zu nennen, gilt auch als feministisches Anliegen. Sie sind eine erfolgreiche Politikerin und selbständige Unternehmerin – eigentlich der Prototyp einer Feministin. Ist aus Ihrer Sicht die Gleichstellung so weit erreicht, dass man sie nicht mehr in der Sprache zum Ausdruck bringen muss?

Susanne Brunner: Sprache kann zur Gleichstellung nichts beitragen. Gleichstellung erreicht man nur durch Verfassung und Gesetze. In der Schweiz haben wir Gleichstellung der Geschlechter, und das ist gut so. Allerdings gibt es in Zürich politische Kräfte, die glauben, Gleichstellung sei nicht erreicht. Dann kommen sie mit Anliegen wie Gratis-Tampons in öffentlichen Toiletten oder Menstruationsferien für Verwaltungsangestellte. Sonderbehandlung für Frauen ist jedoch das Gegenteil von Gleichstellung. Und interessanterweise diskriminieren dann ausgerechnet diese Parteien ihre Männer und lassen sie nicht mehr an Wahlen teilnehmen. Dass grosse Medienhäuser wie SRF bei dieser Scheindebatte mitmachen, halte ich für falsch. Das ist ein Einknicken vor dem vermeintlich allumfassenden Zeitgeist.

NZZ: Sie reichen Ihre Genderstern-Initiative allein ein und nicht im Namen der SVP. Mit Absicht?

Susanne Brunner: Hinter der Initiative steht ein überparteiliches Komitee, etwa mit der Stadtparlamentarierin Isabel Garcia (GLP), dem früheren Statthalter Hartmuth Attenhofer (SP) oder dem ehemaligen CVP-Gemeinderat Markus Hungerbühler. Mir ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass ich nicht nur Zuspruch aus bürgerlichen Kreisen bekomme, sondern auch von anderen Seiten. Meine Absicht war, die Initiative gesellschaftlich noch breiter abzustützen. Ich habe deshalb verschiedene Unternehmer in der Stadt Zürich angefragt. Alle fanden mein Anliegen gut, haben aber abgewinkt, weil sie sich bei diesem Thema nicht exponieren wollen. Das ist für mich ein Alarmzeichen.




4. Bundespräsident Steinmeier möchte zukünftig 40 Prozent der Verdienstorden an Frauen verleihen .



5. Schwul sein wurde in Deutschland bestraft, lesbisch sein nicht. Auch aus diesem Missverhältnis strickt die feministische Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch noch eine Diskriminierung von Frauen.



Mittwoch, November 23, 2022

Regierung stoppt Pläne zu Vaterschaftsurlaub

1. Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, hat die grüne Familienministerin Lisa die Pläne für die bezahlte Freistellung von Vätern nach der Geburt auf Eis gelegt:

Das Familienministerium hatte ursprünglich schon für dieses Jahr einen Gesetzentwurf für den Vaterschaftsurlaub angekündigt. Familien- und Sozialverbände hätten es am liebsten gesehen, wenn das Vorhaben im Rahmen des laufenden Gesetzesvorhabens zur besseren Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben realisiert würde. Damit setzt Deutschland Vorgaben der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie um; dies hätte schon im August passieren müssen. In der Richtlinie wird eine zehntägige Freistellung des Partners nach der Geburt des Kindes gefordert.

(…) Für die Väter hierzulande ist die partnerschaftliche Aufgabenteilung theoretisch so wichtig wie nie zuvor. Im Väterreport des Familienministeriums ist zu lesen, 48 Prozent der Väter seien der Ansicht, im Idealfall sollten beide Partner in ähnlichem Umfang erwerbstätig sein und sich die Hausarbeit und Familienarbeit teilen. Das heißt aber auch: Mehr als die Hälfte der Väter sind anderer Meinung.




2. München zahlt vier Millionen Euro fürs Gendern. Die Gelder waren von der IT-Referentin Laura Dornheim (38, Grüne) beantragt worden:

Bis 2027 soll das Gender-Projekt dauern. Laut Dornheim müssen 400 Verfahren in der Stadtverwaltung bearbeitet werden. Vier Jahre Arbeit – obendrein für vier Millionen Euro! CSU-Stadtrat Hans Hammer (50) versteht das nicht: "Das sind völlig falsche Prioritäten", kritisiert er. "Das ist zu viel Geld zur falschen Zeit am falschen Ort". Hammers Antrag, das Gender-Geld erstmal einzusparen, wurde abgelehnt.




3. Die Schauspielerin Julia Fox, die sich kürzlich als Unterstützerin Amber Heards positionierte, präsentiert ihr Bild von Männern in einem aktuellen Interview:

Auf die Frage, warum sie darüber nachdenkt, mit Frauen auszugehen, erklärte Fox, dass es ganz einfach sei. Es ist wegen der Männer. "Sie sind alle gleichermaßen schrecklich, um ehrlich zu sein", sagte sie.

Im vollständigen Interview ging Fox sogar noch härter mit den Männern ins Gericht. Auf die Frage, ob es ihnen erlaubt sein sollte, eine Meinung zu haben, antwortete Fox: "Sie sollten nicht einmal einen Penis haben dürfen."

In dem Interview erklärte sie, wie sie einen Mann umbringen würde, indem sie es wie eine Überdosis aussehen ließ. Auf die Frage, ob sie "für die Tötung von Männern durch Frauen" sei, antwortete Fox: "Wenn der Mann es verdient hat, ja. Warum auch nicht? Männer töten ständig Frauen - ohne Grund."

Später im Interview erklärte sie, dass sie das Patriarchat mehr hasse als die Männer, dass sowohl Männer als auch Frauen Opfer davon seien, aber wenn es darauf ankomme, scheine es, als ob sich die Männer einfach nicht um die Dinge kümmerten, die die Frauen betreffen.

Was das männliche Anhängsel betrifft, sagte Fox, dass es "eine Massenvernichtungswaffe" sein könne. Sie spricht sich also dafür aus, dass Frauen das Gleiche haben sollten. Wenn sie Präsidentin wäre, würde sie also jeder Frau eine Waffe geben und Männern keine.

"Ich denke, das gleicht das Spielfeld aus", argumentierte Fox. "Ich denke, wir würden nicht so oft fertiggemacht werden."




4. Mehrere indische Medien, darunter das Nachrichtenportal Firtspost berichten über eine angebliche Gruppenvergewaltigung durch Frauen:

Ein Mann aus Jalandhar hat behauptet, dass vier Frauen, die alle Anfang zwanzig zu sein schienen, ihn in einem weißen Auto entführten, nachdem sie ihm eine Chemikalie in die Augen gesprüht hatten, um ihn später unter Drogen zu setzen und ihn in einem Waldgebiet sexuell zu missbrauchen. Die vier Frauen sollen ihn später, spät in der Nacht, an einem abgelegenen Ort abgesetzt haben.

Der besagte Mann hat sich jedoch nicht bei der Polizei beschwert. Stattdessen erzählte er den örtlichen Medien von seinem Leidensweg und sagte, er sei verheiratet und habe Kinder. Seine Frau habe ihn gebeten, keine Anzeige zu erstatten, da er lebend zurückgekommen sei und nur das für die Familie wichtig sei, hieß es.

Der Mann behauptete, die Entführung sei aus sexuellen Motiven erfolgt. Als er den Medienvertretern den ganzen Vorfall erzählte, sagte er, dass er als Arbeiter in einer Lederfabrik arbeitet. Auf seinem Heimweg am Montag hielt ein weißes Auto in seiner Nähe auf der Kapurthala-Straße, in dem vier Mädchen saßen. Das Mädchen am Steuer des Wagens bat ihn um eine Adresse auf einem Zettel, den sie ihm gab. Sobald er den Zettel ansah, sprühte ihm das Mädchen angeblich etwas in die Augen, woraufhin er nichts mehr sehen konnte und schließlich in Ohnmacht fiel.

Als er wieder zu sich kam, saß er mit ihnen im Auto, mit verbundenen Augen und auf dem Rücken gefesselten Händen. Danach brachten die Mädchen ihn an einen unbekannten Ort, wo sie ihn angeblich unter Drogen setzten. Er behauptete, sie hätten Alkohol getrunken und ihn gezwungen, ebenfalls zu trinken. Danach hätten alle vier ihn abwechselnd vergewaltigt, behauptete der Mann. Später, gegen 3 Uhr morgens, verließen die Mädchen den Ort und ließen ihn mit verbundenen Augen und gefesselten Händen zurück.

Der Mann erzählte Reportern, dass die Mädchen anscheinend aus guten Familien stammten. Alle unterhielten sich untereinander hauptsächlich auf Englisch. Mit ihm sprachen sie jedoch nur auf Punjabi. Berichten zufolge hat die Geheimdienstabteilung der Polizei von Punjab eine Untersuchung in dieser Angelegenheit eingeleitet, die von Amts wegen durchgeführt wird.


Ich kann selbst natürlich auch nicht sagen, ob der Vorfall tatsächlich so wie berichtet stattgefunden hat. Schilderungen dieser Art sind mir bislang allein aus Südafrika bekannt geworden. Hier findet man den ursprünglichen Artikel, auf den sich sämtliche anderen Meldungen beziehen.



Dienstag, November 22, 2022

Männer, die gegen Gewalt gegen Frauen demonstrieren, ernten feministische Kritik

1.
Weiße Männer, die am Anti-Missbrauchstag der Vereinten Nationen gegen Gewalt an Frauen demonstrieren, wurden von einer Aktivistin beschuldigt, den Anlass zu "stehlen" und "ein Ereignis, das mit hispanischen Frauen zu tun hat, auszulöschen".

Der White Ribbon Day, ein Protesttag, der von Männern ins Leben gerufen wurde, um sich für ein Ende der männlichen Gewalt gegen Frauen einzusetzen, findet am 25. November statt.

Er wurde 1991 von einer Gruppe pro-feministischer Männer in Ontario ins Leben gerufen, nachdem Marc Lépine am 6. Dezember 1989 14 Studentinnen an der École Polytechnique in Montreal erschossen hatte.

An diesem Datum findet auch der Internationale Tag der Vereinten Nationen zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen statt, der aus einem Protesttag für die 1960 in der Dominikanischen Republik ermordeten Mirabal-Schwestern entstanden ist.

Karen Ingala-Smith, Geschäftsführerin der Wohltätigkeitsorganisation Nia, die sich gegen häusliche Gewalt einsetzt, sagte: "Damit wurden farbige Frauen geehrt, und jetzt haben wir einen Haufen weißer kanadischer Männer, die uns den Tag stehlen und ein Ereignis auslöschen, das mit hispanischen Frauen zu tun hat."

(...) Anthea Sully, die White Ribbon im Vereinigten Königreich leitet, sagte: "Der White Ribbon Day ermöglicht es uns, das ganze Jahr über darauf hinzuweisen, dass alle Männer wissen müssen, dass sie die notwendigen Veränderungen herbeiführen können, um Gewalt gegen Frauen zu beenden."

Sully sagte, dass es an diesem Tag nicht darum gehe, dass Männer "die Macht übernehmen", sondern dass sie "Verantwortung übernehmen".


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. In jedem zehnten Fall verlieren Kinder getrennter Eltern in der Schweiz den Kontakt zu dem Elternteil, bei dem sie nicht wohnen: Diese Kontaktabbrüche betreffen weit überwiegend Väter.

Die Vereinigung für gemeinsame Elternschaft (Gecobi) rief deshalb am Sonntag, am UNO-Tag der Kinderrechte, zu einer Kundgebung in Köniz BE auf und lancierte eine Kampagne unter dem Motto "Genug Tränen". Vereinspräsident Oliver Hunziker geht von 16’000 bis 24’000 Kindern in der Schweiz aus, die derzeit keinen Kontakt zur Mutter oder zum Vater haben. Der Verein Gecobi und die protestierenden Väter fordern, dass das neue Familienrecht konsequenter umgesetzt wird und Richterinnen, Kesb-Mitarbeiter und weitere Fachpersonen besser ausgebildet werden. Das Bundesgericht hatte 2020 die geteilte Obhut bei getrennten Eltern zur Regel erklärt. Das gemeinsame Sorgerecht ist schon seit 2014 gesetzlich verankert. Dennoch sei es immer noch möglich, dass ein Elternteil dem anderen das Kind entzieht, sagt Hunziker.


In einem weiteren Artikel berichten Betroffene über ihre Erfahrungen: "Wenn es lässig war bei Vater, konnte ich es Mutter nicht sagen".



3. Die Richtlinien für Psychotherapie bei Männern, die von der American Psychological Association (APA) erlassen wurden, stehen seit Jahren in der Kritik: beispielsweise weil sie Männlichkeit als eine Form von Krankheit betrachten. Jetzt berichtet der britische Professor für Psychologie John Barry, dass es ihm und seinen Kollegen gelungen ist, in Großbritannien Richtlinien für eine männerfreundlichere Therapie durchzusetzen:

Wir beginnen damit, die Gründe zu erläutern, warum Leitlinien für die Therapie von Männern erforderlich sind (z. B. die unterschiedliche Art und Weise, wie Männer und Frauen im Allgemeinen mit Stress umgehen) und die Vorteile, die sich ergeben, wenn Männern neue Behandlungsmöglichkeiten angeboten werden (z. B. werden sie eher bereit sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen). Wir erläutern, auf welche unerwartete Weise Männer psychische Probleme zum Ausdruck bringen können (z. B. kann Reizbarkeit ein Zeichen für eine Depression sein). Es werden Beispiele für Techniken und Ansätze genannt (z. B. "handlungsorientierte" Ansätze wie Mannschaftssport oder Männerhäuser).

Zu diesen männerfreundlicheren Therapien können bestehende Therapien gehören, die weniger Wert auf die Introspektion von Gefühlen legen, wie z. B. Coaching und Mentoring, sowie Aktivitäten - wie Mannschaftssport oder Männerhäuser -, die normalerweise nicht als "Therapie" angesehen werden. Diese Möglichkeiten können an sich schon hilfreich sein oder den Männern die Möglichkeit bieten, in einer Situation zu sein, in der sie sich wohler fühlen, um über ihre Gefühle zu sprechen. Es sei darauf hingewiesen, dass viele der in den Leitlinien enthaltenen Vorschläge auch Frauen zugute kommen könnten, insbesondere jenen, die sich nicht dazu hingezogen fühlen, über ihre Gefühle zu sprechen, um ihre Probleme zu bewältigen.

Wir weisen auch darauf hin, dass die Faktoren, die sich auf die psychische Gesundheit von Männern auswirken, weiter erforscht werden müssen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass die abwertende Diskussion über Männer und Männlichkeit (z. B. der Begriff "toxische Männlichkeit") in den Medien, in der Wissenschaft und anderswo zu einem erhöhten Risiko für die psychische Gesundheit von Männern und Jungen beitragen kann. In Anbetracht der Tatsache, dass Negativität über Männer und Männlichkeit zum Alltag geworden ist, mag es einige Leser überraschen, dass es Hinweise darauf gibt, dass Aspekte der Männlichkeit genutzt werden können, um Männern bei der Bewältigung ihrer psychischen Probleme zu helfen.

Der Kommunikationsstil von Männern ist ein wichtiges Thema. So ist es beispielsweise wichtig zu erkennen, dass Depressionen und Traumata bei Männern und Frauen unterschiedlich zum Ausdruck kommen können. Ein weithin bekanntes Beispiel ist der so genannte "Kampfstress", bei dem Soldaten aggressiv werden und zu Substanzen wie Alkohol greifen können, um mit schwierigen Emotionen im Zusammenhang mit militärischen Erfahrungen fertig zu werden. Auch können sich bestimmte Lebensereignisse unterschiedlich auf die psychische Gesundheit von Männern und Frauen auswirken (z. B. der Zusammenbruch einer Familie), während in manchen Fällen die Auswirkungen ähnlicher sind, als uns bewusst ist (z. B. nach einer Fehlgeburt).

(…) Wir haben die besseren Teile der APA-Leitlinien gewürdigt, und ich hoffe, dass die APA in den britischen Leitlinien etwas Gutes erkennen wird. Obwohl ihre umstrittenen Richtlinien bisher unverändert geblieben sind, hat die Abteilung 51 - der Teil der APA, der sich mit der Psychologie des Mannes befasst - im März dieses Jahres Anzeichen dafür gezeigt, dass sie ihre Position zur Männlichkeit in eine wohlwollendere Richtung ändert. Wir hoffen, dass auch andere Organisationen, wie die Vereinten Nationen, einen verständnisvolleren und hilfreicheren Ansatz für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern und Jungen wählen.




4. Ich weise in meinen Veröffentlichungen immer wieder auf Studien und Statistiken hin, denen zufolge Männer mindestens so häufig wie Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft werden. Aber wie sieht es damit in Ländern aus, die sich gesellschaftlich in vielfacher Hinsicht von europäischen Staaten unterscheiden? Werfen wir, um diese Frage zu beantworten, unseren Blick heute einmal nach Simbabwe, einem afrikanischen Lnnd, das immer noch im Schatten der Mugabe-Diktatur steht:

Einem Bericht des Zimbabwe Vulnerability Assessment Committee (ZimVac) zufolge haben mehr Männer als Frauen über Misshandlungen, einschließlich sexueller Gewalt, durch ihre Ehepartner in Matabeleland South berichtet.

(…) Alpha Ndlovu, Programmbeauftragter des Food and Nutrition Council (FNC), sagte kürzlich auf einer Informationsveranstaltung, dass 5,7 Prozent der Männer unter wirtschaftlichem Missbrauch litten, während es bei den Frauen 2,3 Prozent waren. "Die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs in der Ehe lag bei Männern bei 1,4 Prozent und bei Frauen bei 1,5 Prozent. Die Häufigkeit von körperlichem Missbrauch lag bei 2,8 Prozent bei Männern und 2,0 Prozent bei Frauen. Die Häufigkeit des emotionalen Missbrauchs lag bei 6,9 % für Männer und 4,1 % für Frauen. Bei wirtschaftlichem Missbrauch lag die Häufigkeit bei 5,7 Prozent für Männer und 2,3 Prozent für Frauen", sagte er.

Ndlovu fügte hinzu: "Emotionaler Missbrauch war der häufigste Grund für Gewalt in der Ehe, gefolgt von wirtschaftlichem Missbrauch, körperlichem Missbrauch und schließlich sexuellem Missbrauch. Körperlicher Missbrauch war die häufigste Form von geschlechtsspezifischer Gewalt in den Haushalten der Provinz".

(…) Padare/Enkundleni Men's Forum Gender Office Programme Officer, Herr Ziphongezipho Ndebele sagte, mehr Männer kamen, um Fälle von Gewalt in der Ehe zu melden. "Wir haben Fälle, in denen Männer von ihren Ehefrauen sexuell missbraucht werden. Dieser Missbrauch kann in Form von Männern erfolgen, die von ihren Frauen beschämt werden und denen gesagt wird, dass sie im Bett nicht leistungsfähig sind. Wir haben einen Fall in Gwanda aufgezeichnet, bei dem eine Frau einen anderen Mann mit nach Hause brachte und ihrem Mann direkt sagte, dass sie das getan habe, weil er sie im Bett nicht befriedigt habe", sagte er.

"Sexuelle Gewalt liegt auch dann vor, wenn ein Mann von seiner Partnerin zum Geschlechtsverkehr gezwungen wird. Ein Mann hat vielleicht keine Lust auf Geschlechtsverkehr, und wenn er sich weigert, kann die Partnerin anfangen, ihn der Untreue zu beschuldigen, und ihn zwingen, sich darauf einzulassen, um die Situation einzudämmen."

Er sagte, dass Männer auch unter körperlichem Missbrauch leiden, wenn sie von ihren Partnerinnen angegriffen werden. Ndebele sagte, dass Männer auch unter wirtschaftlichem Missbrauch leiden, da von ihnen erwartet wird, dass sie für ihre Familien gemäß den gesellschaftlichen Erwartungen sorgen. Wenn ein Mann dazu nicht in der Lage sei, könne dies zu Spannungen oder Beleidigungen im Haushalt führen.

Ndebele sagte, diese Formen des Missbrauchs gipfelten in emotionalem Missbrauch. "Dank Sensibilisierungskampagnen und geschützter Räume, die für Männer wie unsere Organisation geschaffen wurden und in denen sie sich öffnen und ihre Probleme und Erfahrungen mitteilen können, ohne verurteilt zu werden, melden sich immer mehr Männer, um Fälle zu melden. Es besteht ein Bedarf an mehr solchen leicht zugänglichen Räumen. Männer legen heute Wert darauf, ihre Probleme mitzuteilen und Beratung in Anspruch zu nehmen, da dies ihnen bei der Heilung hilft", sagte er.

Ndebele sagte, Männer sollten nicht länger schweigend leiden. Er sagte, es sei auch notwendig, dass Frauen sich engagieren, damit sie ihre Ehepartner nicht mehr missbrauchen. Ndebele sagte, die Gesellschaft neige dazu, Missbrauch durch Frauen zu übersehen, obwohl er auch schädlich sei.




Montag, November 21, 2022

Feministischer Sozialkritiker: Darum schadet der wachsende Hass auf Männer der Frauenbewegung

1. Der Sozialkritiker Edy Zoo ist besorgt darüber, dass der Internetfeminismus statt für Gleichberechtigung einzutreten Männerfeindlichkeit (Misandrie) propagiert. Dabei zeigt er aus feministischer Perspektive aus, warum dieser Trend auch für die Frauenbewegung selbst problematisch ist:

Wenn die meisten Menschen an die feministische Bewegung denken, denken sie an den Kampf für die Rechte der Frauen. Es gibt jedoch einen wachsenden Teil der feministischen Bewegung, der sich darauf konzentriert, Männer zu hassen. Dieser neue Zweig des Feminismus entwickelt sich schnell zu einer ernstzunehmenden Kraft.

Misandristen glauben, dass die Gesellschaft von Natur aus gegen Frauen eingestellt ist und dass Männer für alle Probleme der Welt verantwortlich sind. Daher treten sie für eine Umkehrung der traditionellen Geschlechterrollen ein und fordern, dass Männer bei jeder Gelegenheit ausgeschaltet werden. (…) Wenn der Feminismus 2.0 seine Ziele erreichen will, dann müssen wir Misandrie ernst nehmen und die ihr zugrunde liegenden Ursachen bekämpfen.

(…) In den letzten Jahren wurde viel über Misogynie oder Frauenhass diskutiert. Eine andere Form des geschlechtsspezifischen Hasses wird jedoch selten diskutiert: Misandrie oder Männerhass. Wie die Frauenfeindlichkeit hat auch die Misandrie ihre Wurzeln in sexistischen Einstellungen und Überzeugungen. Während Misogynie jedoch auf der Überzeugung beruht, dass Frauen den Männern unterlegen sind, entsteht Misandrie aus der Überzeugung, dass Männer den Frauen unterlegen sind.

(…) In den letzten Jahren hat die Misandrie - der Hass oder die Abneigung gegen Männer - in sogenannten "Feminist 2.0"-Kreisen deutlich zugenommen. Dieser Trend ist aus mehreren Gründen besorgniserregend, nicht zuletzt, weil er die Fortschritte der feministischen Bewegung zu untergraben droht. Aber was ist "Feminist 2.0"?

Feminist 2.0 ist ein Begriff, der eine Form des Feminismus beschreibt, die in den frühen 2000er Jahren entstand und sich durch ihre Konzentration auf soziale Medien und Online-Organisation auszeichnet. Eines der wichtigsten Ziele des Feminismus 2.0 ist es, die Gleichstellung der Geschlechter durch den Einsatz digitaler Technologien zu erreichen.

Allerdings ist in Feminist 2.0-Kreisen ein wachsender Trend zu beobachten, den man nur als Misandrie bezeichnen kann - Hass oder Abneigung gegen Männer. Diese Tendenz äußert sich auf verschiedene Weise, unter anderem wie folgt:

* Männer werden für die Missstände in der Gesellschaft verantwortlich gemacht, ungeachtet des Beweises des Gegenteils.

*' Pauschale Verallgemeinerungen über Männer als Ganzes.

* Rufmord an einzelnen Männern.

* Schaffung einer Echokammer, in der nur eine Sichtweise erlaubt ist.

Es gibt viele mögliche Erklärungen dafür, warum dieser Trend in Feminist 2.0-Kreisen auf dem Vormarsch ist. Einige glauben, dass sich die Geschichte einfach wiederholt; schließlich gab es während der zweiten Welle des Feminismus in den 1970er Jahren eine ähnliche Zunahme der Männerfeindlichkeit. Andere halten es für eine natürliche Folge des zunehmend polarisierten politischen Klimas, in dem die Menschen schnell dazu neigen, Andersdenkende zu dämonisieren.

Es ist auch erwähnenswert, dass der Feminismus 2.0 zwar vorgibt, sich um die Gleichstellung der Geschlechter zu bemühen, sich aber oft in etwas verwandelt, das eher wie ein Geschlechterkrieg aussieht. Das könnte daran liegen, dass viele Menschen, die sich als Feministen bezeichnen, die negativen Auswirkungen von Sexismus und Frauenfeindlichkeit am eigenen Leib erfahren haben. Infolgedessen schlagen sie nun gegen Männer zu, um sich vor weiterem Schaden zu schützen.


Diese bedenkliche Entwicklung schade Frauen und Männern gleichermaßen:

Die feministische Theorie besagt, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gleich sind und dass Misogynie und Misandrie schädliche Formen der Diskriminierung sind. Es schadet jedoch beiden Geschlechtern, wenn Frauen beigebracht wird, Männer zu hassen und ihnen zu misstrauen. Infolgedessen wird Männern die Möglichkeit verwehrt, gesunde, vertrauensvolle Beziehungen zu Frauen aufzubauen, und Frauen wird beigebracht, sich als Opfer zu sehen.

Misandrie verstärkt auch das schädliche Stereotyp, dass Männer gewalttätig und missbräuchlich sind. In Wirklichkeit ist Gewalt nicht von Natur aus mit Männlichkeit verbunden. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer schlechten psychischen Gesundheit, toxischer Männlichkeit und eines mangelnden Verständnisses oder Bewusstseins für das Thema Einwilligung. Wenn wir daran arbeiten, Misandrie zu beenden, können wir eine gleichberechtigtere und gerechtere Gesellschaft für alle schaffen.


Edy Zoo schlägt folgende Strategien vor, um der wachsenden Männerfeindlichkeit entgegenzutreten:

Informieren Sie sich und andere über die Geschichte des Feminismus. Wenn Sie mit der Geschichte des Feminismus nicht vertraut sind, ist es jetzt an der Zeit, sich zu informieren. Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass es in der feministischen Bewegung immer um die Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig vom Geschlecht, gegangen ist. Die aktuelle Form des Feminismus - oft als "Feminist 2.0" bezeichnet - ist nicht anders. Die einzige Möglichkeit, Misandrie zu bekämpfen, besteht daher darin, sicherzustellen, dass sich alle über die Ziele der feministischen Bewegung im Klaren sind.

Weisen Sie auf Misandrie hin, wenn Sie sie sehen. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Stimme zu erheben, wenn Sie Misandrie im Internet oder im wirklichen Leben sehen; ob Sie nun einen sexistischen Witz anprangern oder jemanden, der seine Plattform nutzt, um Negativität gegenüber Männern zu verbreiten. Ihre Stimme zählt. Wenn Sie zeigen, dass Misandrie in Feminist 2.0 keinen Platz hat, werden Sie einen großen Beitrag zum Kampf gegen diesen Trend leisten.

Unterstützen Sie Organisationen und Einzelpersonen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen.


Die Zukunft des Feminismus sollte Edy Zoo im Engagement für beide Geschlechter liegen:

Mit dem Fortschreiten der feministischen Bewegung ist immer deutlicher geworden, dass es bei der Gleichberechtigung der Geschlechter um mehr geht als um gleiche Rechte für Frauen. Es geht auch darum, wie Männer und Männlichkeit marginalisiert werden, sowohl von der Gesellschaft insgesamt als auch von der feministischen Bewegung selbst. Deshalb haben einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler argumentiert, dass die Zukunft des Feminismus in seiner Fähigkeit liegt, alle Geschlechter stärker einzubeziehen.

Eine Möglichkeit, den Feminismus inklusiver zu gestalten, besteht darin, das Problem der Misandrie innerhalb der feministischen Bewegung anzugehen. (…) Indem wir die Existenz von Misandrie anerkennen und daran arbeiten, sie zu bekämpfen, kann der Feminismus alle Geschlechter stärker einbeziehen.

Eine weitere Möglichkeit, den Feminismus inklusiver zu gestalten, besteht darin, Raum für die Diskussion von männerspezifischen Themen zu schaffen. Zu lange hat sich der Feminismus ausschließlich auf Themen konzentriert, die Frauen betreffen. Doch auch Männer stehen in unserer Gesellschaft vor besonderen Herausforderungen, wie z. B. toxischer Männlichkeit, Gewalt und Vaterschaft. Indem wir Raum für die Diskussion dieser Themen schaffen, kann der Feminismus alle Geschlechter stärker einbeziehen und besser in der Lage sein, auf die Bedürfnisse aller einzugehen.

Die Zukunft des Feminismus liegt in seiner Fähigkeit, alle Geschlechter stärker einzubeziehen. Indem er sich mit dem Problem der Misandrie auseinandersetzt und Raum für die Diskussion von männerspezifischen Themen schafft, kann der Feminismus zu einer Bewegung für Gleichberechtigung werden, die wirklich allen zugute kommt.

Meine abschließenden Gedanken: Dieser neue Zweig des Feminismus wird schnell zu einer Kraft, mit der man rechnen muss. Einige sind sogar so weit gegangen, sie als "männerhassende" Bewegung zu bezeichnen. Das mag zwar übertrieben sein, aber es ist klar, dass diese Gruppe lautstark ist und an Zahl zunimmt.




2. Das Magazin des Zentrums für Männerpsychologie hat Jerome Teelucksingh, der Begründer des Internationalen Männertages, interviewt. Ein Auszug:

Als Teenager und junger Erwachsener wurde ich in den 1980er und 1990er Jahren mit negativen Bildern von Männern bombardiert. Männer wurden als sexuelle Raubtiere, korrupt, Vergewaltiger, Täter von häuslicher Gewalt, Spieler, Alkoholiker und Drogenabhängige dargestellt. Ich beschloss, mich in der Männerbewegung zu engagieren, um auf aufrechte, gute Männer aufmerksam zu machen, die "unsichtbar" waren, und um auch jenen Männern zu helfen oder sie zu beraten, die stereotypisiert, vernachlässigt, abgelehnt und zu Unrecht beschuldigt wurden.

(...) Ich glaube, dass der Männertag von den Vereinten Nationen (UNO) nicht anerkannt wird, weil viele glauben, dass wir in einer patriarchalischen Welt leben und dass der Schwerpunkt der UNO auf Frauen und Kindern liegen sollte. Vor mehr als einem Jahrzehnt wandte ich mich an den UN-Hauptsitz in New York und erläuterte die Bedeutung der Anerkennung des Männertages als offiziellen Tag. Die UNO antwortete, dass ein Mitgliedsstaat der UNO eine Resolution verabschieden muss, damit die anderen Mitgliedsstaaten für die Aufnahme des Männertags in den UNO-Veranstaltungskalender stimmen. In den vergangenen 24 Jahren gab es viele, viele Versprechen von Regierungen, Personen und Gruppen, die UNO dazu zu bewegen, den Männertag offiziell zum internationalen Tag zu erklären. Meiner Ansicht nach ist der Internationale Männertag auch ohne die Unterstützung oder Anerkennung durch die UNO zu einer mächtigen Bewegung und Ideologie geworden, die Millionen von Leben und Familien gerettet und positiv verändert hat.

(...) Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde mir langsam klar, dass die überwältigenden Probleme der Männer ihren Ursprung in ihrer Kindheit haben. In Seminaren und Sitzungen brachen diese erwachsenen Männer zusammen und enthüllten ihre Kindheitstraumata und den Schmerz, der ihr Leben gezeichnet hatte. Das war wie das Öffnen der Büchse der Pandora. Ihr Weinen und ihre traurigen Betrachtungen waren der Beweis dafür, dass unsere Gesellschaft eine Ära der ausrangierten Jungen geschaffen hat. Seltsamerweise erwartete unsere Gesellschaft von diesen ausrangierten Jungen auch, dass sie sich zu normalen, fürsorglichen und aufrechten Männern entwickeln würden. Solche Interaktionen mit entmannten Männern und solchen mit beschädigter Männlichkeit haben mich davon überzeugt, einen Schwerpunkt auf Jungen zu legen.

(...) Ein überwältigender Teil der Schuld an der Männlichkeitskrise liegt bei einer gefühllosen Gesellschaft, die den Schmerz und das Leid der Männer entweder trivialisiert oder ignoriert. Ein Beispiel dafür ist die Waffengewalt, die die USA und andere Länder heimsucht. Dieses düstere Szenario lässt sich nicht dadurch lösen, dass man sagt, die Männlichkeit sei in der Krise, aber eine Lösung wird sich finden lassen, wenn wir anerkennen, dass die Gesellschaften Warnzeichen ignoriert und junge Männer in einem unbeständigen Umfeld großgezogen haben, das letztlich zu destruktivem Verhalten führen wird.




3. An der Universität Leiden (Niederlande) wurde ein Gemälde abgehängt, das alte weiße Männer beim Zigarrerauchen zeigt, nachdem sich eine Studentin darüber beschwert hatte:

Der neunundachtzigjährige niederländische Künstler Rein Dool bezeichnet den blinden Aktionismus als "engstirnig": Die Universität Leiden, für die Dool 1976 in Öl auf Leinwand einen Blick in den Sitzungssaal mit sechs Professoren des Rektorats festhielt, von denen die Hälfte raucht, hatte kurzerhand sein Bild abgehängt. Um diesen Ikonoklasmus in Gang zu setzen, reichte es, dass sich eine Studentin vom Anblick der rauchenden alten Männer gestört fühlte. Sie postete auf Twitter, der Proskriptionsliste unserer Zeit, ein Bild des Bildes und forderte eine "selbstkritische" Kommentierung. Die Dekanin der Juristischen Fakultät machte sich die Kritik der Studentin sogleich zu eigen und begründete den Vollzug des Abhängens und mit der Bildseite An-die-Wand-Stellens (gewissermaßen ein "Stell dich in die Ecke und schäm dich") mit ihrer eigenen Aversion gegen das langjährige Konferieren mit Männern, um noch hinzuzufügen: "Und den Rauch hasse ich auch."

(…) Das wirklich Bittere an dieser Cancel-Aktion jedoch ist, dass es sich bei dem genrehaft porträtierten und jetzt beinahe zum Verschwinden gebrachten Rektor um Dolf Cohen handelte, der anders als etwa Anne Frank die NS-Besatzungszeit in seinem Versteck überlebt hatte. Inzwischen hat die Universität das Bild nach breiten Protesten wieder aufgehängt. Der Schaden eines vernebelten Woke-Verdachts aber bleibt.




4. Eine neue Studie zeigt dass inzwischen Männer im akademischen Bereich benachteiligt werden:

In der Vergangenheit war die große Mehrheit der neu gewählten Mitglieder der National Academy of Science (NAS) und der American Academy of Arts and Science (AAAS) Männer. (…) Wir erstellen Listen aktiver Wissenschaftler auf der Grundlage von Veröffentlichungen in den wichtigsten Fachzeitschriften in drei Bereichen - Psychologie, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften - und entwickeln eine Reihe von Modellen, um die Veränderungen in der Wahrscheinlichkeit der Auswahl von Frauen als Mitglieder der NAS und der AAAS von den 1960er Jahren bis heute zu vergleichen (…) Gegenwärtig ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen als Mitglieder der AAAS und der NAS ausgewählt werden, drei- bis fünfzehnmal höher als bei Männern, die ähnliche Veröffentlichungen und Zitationen vorweisen können.




5. Zuletzt ein Programmhinweis: Auf HR2 kann man sich ab heute Nachmittag ein Feauture über die Situation von Obdachlosen im beginnenden Krisenwinter anhören.



Samstag, November 19, 2022

Alles Gute zum Internationalen Männertag!

1. Heute ist der Internationale Männertag. Nordbayern erklärt Unkundigen, was es damitt auf sich hat:

Der Internationale Männertag ist das Gegenstück zum Internationalen Frauentag am 8. März. An diesem Tag soll es darum gehen, Männer bewusst wertzuschätzen und ihren Beitrag zur Gesellschaft zu würdigen. Außerdem beschäftigt sich der Tag mit Themen wie der körperlichen und geistige Gesundheit von Jungen und Männern, der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und dem Blick auf männliche Vorbilder.

(…) Am Internationalen Männertag werden auch Spendengelder gesammelt, um typisch männliche Gesundheitsprobleme, wie beispielsweise Prostatakrebs, Bluthochdruck oder Leistenbruch, genauer zu erforschen. Außerdem soll die Benachteiligungen von Männern in den Bereichen wie Familienrecht, Bildung und Medien verdeutlicht und deren positive Einbringung gewürdigt werden.

(…) "Der Internationale Männertag ist eine Gelegenheit für Menschen mit gutem Willen, die Männer in ihrem Leben und den Beitrag, den sie für die Gesellschaft zum Wohle aller leisten, zu würdigen und zu feiern", heißt es auf der Website zum Aktionstag.

Neben den UN haben sich mittlerweile auch andere Länder dem Internationalen Männertag und den damit einhergehenden Veranstaltungen angeschlossen. Dazu gehören unter anderem Workshops und Seminare, friedliche Demonstrationen, Vorträge und Diskussionen sowie Veranstaltungen in Bildungseinrichtungen wie Schulen.


Yahoo fügt einige Informationen aus britischer Perspektive hinzu:

Der Tag soll sich auf sechs Hauptthemen konzentrieren: Diskriminierung von Männern aufzeigen, die Gesundheit von Männern unterstützen, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern verbessern, die Gleichstellung der Geschlechter fördern, den Beitrag von Männern zur Gesellschaft würdigen und männliche Vorbilder fördern.

(...) Was sind die Themen für den Internationalen Männertag in diesem Jahr? Im Vereinigten Königreich gibt es drei Kernthemen, die jedes Jahr gleich bleiben, um eine möglichst große Beteiligung zu erreichen. Die drei Themen sind:

* Einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und das Leben von Männern und Jungen ausüben

* Bewusstseinsbildung und/oder Spenden für Organisationen, die das Wohlergehen von Männern und Jungen unterstützen.

* Förderung einer positiven Diskussion über Männer, Männlichkeit und Maskulinität

Den Veranstaltern zufolge tragen diese Kernthemen dazu bei, einige der Probleme anzusprechen, die Männer und Jungen betreffen, und umfassen wichtige Themen wie die hohe männliche Selbstmordrate. (…) Männer machen 75 % aller Todesfälle durch Selbstmord aus, und es ist die häufigste Ursache für den Tod von Männern unter 50 Jahren.

(…) Weitere Themen, auf die der Tag aufmerksam machen will, sind die Gesundheit von Männern (einschließlich Krebserkrankungen), die kürzere Lebenserwartung und Todesfälle am Arbeitsplatz.

Ein weiteres wichtiges Thema, über das die Organisatoren der Veranstaltung Gespräche anregen wollen, sind die Herausforderungen, die sich für Männer als Eltern ergeben, insbesondere für frischgebackene Väter und getrennt lebende Väter.

Der Tag soll auch das Bewusstsein für die Unterstützung von männlichen Opfern von Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt, schärfen.

Kurzum, der Weltmännertag bietet Männern und denjenigen, die sie unterstützen, die Möglichkeit, männerrelevante Probleme wie Vaterschaft, Jungenerziehung und die weltweite Epidemie des männlichen Selbstmords zu diskutieren.

(…) Zwei ehemalige Premierminister haben sich ebenfalls zum IMD geäußert und beide ermutigen die Menschen, sich zu engagieren und den Tag zu nutzen.

"An diesem Internationalen Männertag wollen wir den unglaublichen Beitrag, den Männer und Jungen zu unserer Gesellschaft leisten, anerkennen und feiern - und dafür sorgen, dass sie nicht allein sind und im Stillen leiden müssen", sagte der ehemalige Premierminister Boris Johnson zu dieser Veranstaltung.

Auch seine Vorgängerin, Theresa May, äußerte sich bereits: "Ich erkenne die wichtigen Themen an, auf die diese Veranstaltung aufmerksam machen will, darunter die Gesundheit von Männern, die Selbstmordrate bei Männern und die unzureichenden Leistungen von Jungen in den Schulen - dies sind ernste Themen, die auf eine wohlüberlegte Weise angegangen werden müssen."


Deutsche Politiker sind noch lange nicht so weit, und auch deutsche Medien lasse zu wünschen übrig. So fällt dem NDR zum Männertag nichts Besseres als eine Schlagzeile über "toxische Männlichkeit" ein, und die Kleine Zeitung titelt zu diesem Anlass "Patriarchale Machtstrukturen sind mitunter Ursache für Femizide". Schlagzeilen über Kindesmisshandlungen durch Mütter gibt es am Weltfrauentag nicht.



2. Das Forum Soziale Inklusion (FSI) schlüsselt auf, wohin die finanziellen Zuwendungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Bereich Geschlechter- und Familienpolitik fließen:

Auffallend ist die signifikante Erhöhung der Zuwendungen im Vergleich zu 2021 von ca. 7 Mio. € auf über 27 Mio. € bei gleichzeitigem Streichen der Zuwendungen an Träger von Hilfsangeboten für männliche Opfer von häuslicher Gewalt für 2022.

- Adressierung der Zuwendungen -

Das BMFSFJ alimentiert vor allem Frauen- und Queer-Verbände. Verbände, die sich auch für die Belange von (heterosexuellen) Männern und (getrennt erziehenden) Vätern einsetzen, gehen leer aus. Das BMFSFJ erhöhte allein den Förderbetrag an den Deutschen Frauenrat (DF) von 1,5 Mio. € (2021) auf über 3,3 Mio. € (2022).

- Ausgrenzung der Hälfte der Trennungsfamilien -

Wenn es um Trennungsfamilien geht, gewährt das BMFSFJ üppige Zuwendungen an einen Alleinerziehenden-Verband: VAMV (Bundesvorstand). Verbände, die sich auch für die Belange der Kinder in den zweiten Haushalten von Trennungsfamilien einsetzen, erhalten 0 € Förderung.

- Rückblick 2021 -

2021 gewährte das BMFSFJ unter BMin Franziska Giffey einem Verband, der sich für Hilfsangebote für männliche Opfer von häuslicher Gewalt engagierte, zum Aufbau der benötigten Strukturen ein Jahresbudget in Höhe von 502.990 €. Dieser Budgetposten existiert unter der Ampel-Koalition nicht mehr (SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, FDP).

Verweigerung von Zuwendungen an FSI

Für das Jahr 2021 hatte der Bundestag FSI Zuwendungen in Höhe von 400.000 € zugesprochen und per Gesetz verabschiedet. Bis heute verweigert das BMFSFJ die Auszahlung des Betrages.


Was den im letzten Absatz angesprochenen Skandal betrifft, hat das Forum Soziale Inklusion Klage beim Verwaltungsgericht Berlin erhoben.



3. "Feministische Gruppen äußern sich endlich zur Unterstützung von Amber Heard" jubelt die Huffington Post:

Mehr als 130 nationale Frauenorganisationen und prominente feministische Experten haben am Mittwochmorgen einen offenen Brief zur Unterstützung der Schauspielerin Amber Heard veröffentlicht, die Anfang des Jahres eine Verleumdungsklage gegen ihren Ex-Ehemann Johnny Depp verloren hat, nachdem sie sich öffentlich als Überlebende von Gewalt in der Partnerschaft zu erkennen gegeben hatte.

"Die Verunglimpfung von Frau Heard und die andauernde Online-Belästigung von ihr und denjenigen, die sich für sie ausgesprochen haben, sind sowohl in ihrer Bösartigkeit als auch in ihrem Ausmaß beispiellos", heißt es in dem Schreiben, das von mehreren nationalen Organisationen für Geschlechtergerechtigkeit unterzeichnet wurde, darunter das National Women's Law Center, die Feminist Majority Foundation und die Women's March Foundation. Gloria Steinem sowie andere prominente Feministinnen und Experten auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt haben den Brief zur Unterstützung von Heard unterzeichnet.


Unterstützung erhalten die Frauengruppen durch die Schauspielerin Julia Fox:

"Hat sie ihn geschlagen? Ja. War es häusliche Gewalt? Nein", fuhr sie in ihrem Kommentar fort. "Man muss Macht haben, um sie missbrauchen zu können. Sie war 25. Er war eindeutig immer viel mächtiger, auch körperlich und finanziell."


Die feministische Solidaritätserklärung mit Amber Heard ging jedoch nach hinten los:

Natürlich wurde Heard sofort online von Tausenden von Menschen verspottet, die behaupteten, dass sie ihr zu 100 % nicht glauben und wütend darüber sind, dass das Thema überhaupt wieder aufgegriffen wird. Unter dem Hashtag #AmberHeardDoesNOTSpeakForMe (#AmberHörigSprichtNichtFürMich) wird die Schauspielerin von den Anhängern des Trends geradezu verhöhnt. "AH repräsentiert nicht die Frauen, sie repräsentiert nicht die Opfer von Gewaltverbrechen und sie repräsentiert nicht den Feminismus, NEVER!!!!", schrie eine Anhängerin des Trends praktisch hinter ihrem Computerbildschirm.

Der Trend setzte sich mit ähnlichen Kommentaren fort: "Dies ist mein offener Brief an AH:", begann der Follower, "Du bist eine missbräuchliche, lügende, manipulative Hexe, die sich entschieden hat, auf dem Rücken der MeToo-Bewegung zu reiten und TATSÄCHLICHE Opfer in eine Lachnummer zu verwandeln, indem du uns in deiner Aussage von 2016 FUSSABSTREIFER genannt hast. #AmberHeardDoesNOTSpeakForMe, noch für andere Überlebende häuslicher Gewalt."

Genauso schnell wie der Unterstützungsbrief auftauchte, tauchte auch der Anti-Unterstützungsbrief auf. Twitter-Follower nahmen es auf sich, die Schauspielerin mit ihren eigenen harschen Worten anzusprechen. Der Brief trägt den Titel "Wir werden nicht zu dir stehen".

Er zerreißt Heard in Stücke. "Amber, kein Opfer häuslicher Gewalt verhält sich so, wie du es tust. Du bist die Misshandlerin, nicht die Misshandelte. Du hast uns eine Rolle verkauft, eine Figur - die Überlebende, und wir haben sie dir eifrig abgekauft", heißt es in dem Brief. "Wir haben dich unterstützt, wir haben um dich geweint, wir haben uns hinter dir versammelt, und du hast uns alle verraten. Wir haben dir vertraut. Du hast unseren Schmerz ausgenutzt, indem du dir unsere Geschichten angeeignet und uns erneut viktimisiert hast. Dann hast du unsere Bewegung als Waffe gegen die Person eingesetzt, die du missbraucht hast. Und wozu das alles? Nur ein weiterer Schachzug in deinem verdrehten Psychospiel, um Bedeutung, soziale Anerkennung, Bewunderung und mehr Reichtum zu erlangen."

Der Brief enthielt einige fettgedruckte Wörter und Sätze wie "Wut", "trainiert" und "Häusliche Gewalt hat kein Geschlecht", was Amber Heard mehr als deutlich machte, dass dieser Brief ihre Bemühungen NICHT unterstützte.




Freitag, November 18, 2022

Heute Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Männer

1. Der heutige 18. November, einen Tag vor dem Weltmännertag, wird von Aktivisten verschiedener Länder als Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Männer begangen. Näheres erklärt der Väterrechtler Franzjörg Krieg (weiterführende Links im Original):

Die Domestic Abuse and Violence International Alliance (DAVIA) lädt Gesetzgeber, Medienvertreter und andere Personen ein, an IDEVAM-Veranstaltungen teilzunehmen, die an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt stattfinden werden.

Die folgenden Veranstaltungen wurden bereits durchgeführt:

Es wurden zwei Videos produziert: "Internationaler Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Männer" und "46 Gruppen fordern die Vereinten Nationen auf, die 'versteckte Epidemie' häuslicher Gewalt gegen Männer anzugehen".

Sechsundvierzig Organisationen aus 16 Ländern haben einen Brief an die Vereinten Nationen geschickt, in dem sie die UNO auffordern, das globale Problem der Gewalt gegen Männer anzuerkennen.

Der UN-Vorschlag "Intensivierung der Bemühungen zur Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen" wurde auf Einseitigkeit und sachliche Richtigkeit geprüft.

Die meisten Veranstaltungen zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Männer werden auf lokaler Ebene stattfinden. In Bengalen, Indien, werden zum Beispiel Plakate mit der Aufschrift "Auch Männer sind Opfer" an Polizeistationen in Kalkutta verteilt.

Der Internationale Tag wird in einer einstündigen Zoom-Pressekonferenz gipfeln, die um 11.00 Uhr Washingtoner Ortszeit beginnt. Auf dem Podium sitzen führende Experten für häusliche Gewalt und Partnerschaftsmissbrauch aus den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Rumänien, Argentinien und Indien.

(…) Häusliche Gewalt gegen Männer stellt weltweit eine versteckte Epidemie dar. Eine Zusammenstellung von 343 wissenschaftlichen Untersuchungen kam zu dem Schluss, dass "Frauen in ihren Beziehungen zu ihren Ehepartnern oder andersgeschlechtlichen Partnern körperlich genauso aggressiv sind wie Männer (oder mehr)". Diese Studien wurden an einem breiten Spektrum von rassischen, ethnischen und sozioökonomischen Gruppen in 40 Ländern durchgeführt.


In einer aktuellen Pressemeldung eines Bündnisses gegen häusliche Gewalt heißt es weiter:

Auch auf Landesebene finden Veranstaltungen statt:

* Nordirland: Die Men's Alliance wird in den Parlamentsgebäuden ein Treffen zu den "Bedürfnissen männlicher Opfer von häuslichem und sexuellem Missbrauch" veranstalten.

* England: 42 Gruppen kamen am 2. November zusammen, um den "Male Victims of Domestic Abuse Day" zu unterstützen.

* Irland: Men's Voices Ireland schrieb an die Vereinten Nationen und forderte die Organisation auf, eine "UN Men"-Sektion einzurichten, die das bestehende "UN Women"-Programm ergänzt.

* Indien: Die All Bengal Men's Forum wird eine offizielle Erklärung zum "Beseitigung-der- Gewalt-gegen-Männer-Tag", und eine Erklärung über die Legal Aid Workshops in allen Bezirken von West-Bengalen zu veröffentlichen.

Darüber hinaus werden intensive Bemühungen in den sozialen Medien auf der ganzen Welt stattfinden.

Die Krise der Ausgrenzung wird dadurch deutlich, dass der Ausschuss für soziale, humanitäre und kulturelle Fragen der Vereinten Nationen letzte Woche einen Vorschlag zur "Intensivierung der Bemühungen zur Verhinderung und Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen" angenommen hat. In dem Dokument werden die Opfer häuslicher Gewalt wiederholt als "Frauen und Mädchen" bezeichnet, ohne dass die Existenz von "Männern und Jungen" als Opfer von Misshandlungen erwähnt wird.


Das Beibehalten dieser einseitigen Darstellung richte Schaden an, weil es männliche Gewaltopfer davon abhalte, Hilfe zu suchen, weil es zu Verhaftungen von Männern führe, die in Wahrheit Opfer statt Täter seien und weil es dazu beitrage, Väter von ihren Kindern zu trennen.

Die negativen Stereotype, die auf Männer angewandt werden, verfielfachen Menschenrechtsverletzungen. Diese Menschenrechtsverletzungen sind für Männer, die Minderheiten angehören, besonders ausgeprägt.

Offenbar in Unkenntnis der diskriminierenden Auswirkungen des Vorschlags auf Männer heißt es in dem Dokument ironischerweise, dass die "Diskriminierung aufgrund des Geschlechts" im Widerspruch zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderen internationalen Verträgen steht.

Leider haben sich die Vereinten Nationen schon früher an Kampagnen beteiligt, die die Menschenrechte von Männern verletzen. Nach Angaben der gemeinnützigen Gruppe Split the Difference haben die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen "die Richtlinien der UN in Gesetze und Strategien umgesetzt". Das Ergebnis: "Männer und Jungen sterben aufgrund der weltweiten Diskriminierung durch UN-Richtlinien."




2. Im britischen Parlament gab es auch dieses Jahr eine Debatte zum Weltmännertag. Man kann sie hier nachlesen und sie sich hier anschauen. Es fällt natürlich auf, dass die Bänke der Abgeordneten weitgehend leer sind.



3. "Väter werden als Elternteile zweiter Klasse betrachtet" titelt die Berliner Zeitung über einem ausführlichen Beitrag, der die Diskriminierung dieser Väter behandelt.



4. Bei einem Streit um die angemessene Förderung von Frauen an Universitäten gab es einen kleinen Eklat. Der Konflikt entzündete sich daran, dass sich sämtliche bisherigen Fördermaßnahmen wie das Kaskadenmodell, Mentoring- und Coaching-Angebote sowie das Engagement Einzelner nicht dazu führten, dass Frauen bei der Stellenbesetzung mit Männern gleichziehen.



5. In Thüringen hält die Debatte um das Gender-Deutsch an. 145 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Erfurt haben in einem offenen Brief die Verabschiedung des CDU-Antrages kritisiert, der forderte, dass die Landesbehörden ausschließlich die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung folgen sollen. Auf diesen offenen Brief gibt es nun eine Erwiderung vom parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Andreas Bühl:

"Wir fordern nicht mehr und nicht weniger, als dass sich im staatlichen Bereich an die Vorgaben des Rates für deutsche Rechtschreibung gehalten wird. Es erscheint zweifelhaft, wenn staatliche Institutionen die Vorgaben eines zwischenstaatlichen Gremiums nicht akzeptieren wollen.

Aus den Äußerungen der mitzeichnenden Wissenschaftler spricht ein merkwürdiges Demokratieverständnis – sowohl mit Blick auf die Rolle des Landtags als Verfassungsorgan, als auch im Hinblick auf die Aufgaben und Rechte der Fraktionen.

Es gab und gibt in der CDU-Fraktion keinerlei Absprachen oder Zusammenarbeit mit der rechtsextremistischen AfD. Nicht nur deshalb erscheint es demokratietheoretisch fraglich, der Union das Recht abzusprechen, eigenständig parlamentarische Anträge zur Abstimmung zu stellen. Die Unterzeichner fordern ein Verfassungsorgan auf, die Beschlüsse eines anderen zu ignorieren.

Toleranz bedeutet immer auch, Positionen zu respektieren, die nicht den eigenen entsprechen. Es besteht eine große gesellschaftliche Klarheit darüber, wie unsere Sprache für alle Menschen verständlich angewendet werden sollte. Die Verwendung der Gendersprache steht dem entgegen."




6.
Sündenbock und Feindbild Nummer eins: der alte, weisse Mann. Betroffene haben zunehmend genug davon, dass junge Menschen sie oft pauschal in diesen Topf werfen. Jetzt setzen sie sich zur Wehr.


Das berichtet die Schweizer Zeitung "20 Minuten". Allerdings erhält der wachsende Unmut über sexistisch-rassistische Klischees auch Widerspruch:

Markus Theunert will die Männer aus älteren Generationen jedoch nicht völlig aus der Verantwortung entlassen. Nicht die Attribute "alt, weiss und männlich" seien das Problem, sondern die Verweigerung der kritischen Selbstbefragung. "Die jüngere Generation fordert zu Recht, dass sie sich mit Männlichkeit und Privilegien auseinandersetzen", so Theunert. Der Aufschrei der Jungen sei auch eine Einladung, sich mit ungewohnten Perspektiven vertraut zu machen. "Ältere Männer mit geringem Einkommen fühlen sich nicht privilegiert, profitieren aber trotzdem von der patriarchalen Geschlechterordnung." Es gehe etwa darum, unsichtbare Privilegien sehen zu lernen – etwa, dass Männer nachts alleine nach Hause gehen könnten, ohne Angst haben zu müssen.


Tatsächlich werden vor allem Männer Opfer von Mord und Totschlag, Körperverletzung und Raub. Ihr "unsichtbares Privileg" in der "patriarchalen Geschlechterordnung" besteht darin, dass über dieses Geschlechtergefälle kaum gesprochen wird.



7. Toxische Männlichkeit allerdings bleibt weiter verbreitet, als viele glauben. Selbst Stoffpuppen bieten nicht mehr die erhoffte Sicherheit.



8. Fast die Hälfte aller kanadischen Männer befinden sich jenseits der Schwelle zu schweren Depressionen. Das zeigt ein aufsehenerregender Bericht:

Zusätzlich zu den besorgniserregenden Ergebnissen in Bezug auf die Depressionsschwelle gab jeder dritte Teilnehmer an, mindestens ein paar Mal pro Woche an Selbstmord zu denken oder daran, sich selbst zu verletzen. 55 % gaben an, sich einsam zu fühlen: ein wichtiger Risikofaktor für Selbstmord. Alarmierend ist, dass fast jeder vierte Befragte angab, unter so unerträglichen psychischen Schmerzen zu leiden, dass er spürte, wie er zusammenbrach.


Die Verfasser des Berichts nehmen vor allem die Arbeitgeber in die Pflicht:

Während an vielen Arbeitsplätzen physische Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen eingeführt wurden - man denke nur an Schutzhelme und Stahlkappenstiefel oder ergonomische Schreibtische - wurde der psychischen Gesundheit nicht die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt.




Donnerstag, November 17, 2022

Blutiger Streit um Sorgerecht: Mutter wegen Mordversuch vor Gericht (und andere News)

1. Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

Gelassen und ruhig blickt die 42-jährige Angeklagte in den Verhandlungssaal des Landgerichts in Halle. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen sie sind schockierend. Sie soll laut Anklageschrift im Mai 2022 in Halle auf ihren Ex-Partner mit einem Messer eingestochen haben, während dieser das gemeinsame Kind in den Armen hielt. Der Mann überlebte schwer verletzt durch eine Notoperation. Die Frau muss sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

(…) Der Tat ging nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein erbittert geführter Sorgerechtsstreit um die gemeinsame Tochter voraus, an dessen vorläufigem Ende der Vater 2021 das alleinige Sorgerecht vom Familiengericht zugesprochen bekam. Der Angeklagten blieb lediglich stundenweise begleiteter Umgang mit dem Kind.

Diesen Zustand wollte sie nach eigenen Angaben so nicht hinnehmen. Er könne das Kind nicht richtig erziehen und habe das Kind sogar sexuell missbraucht, warf sie ihm vor. Als Beleg nannte sie vermeintliche Krankheitsbilder wie Nabelbruch oder Verletzungen im Analbereich des Kindes. Entgegen der Vernunft, dem Willen des Geschädigten und die Entscheidung des Gerichtes entschloss sie sich schließlich dazu, das Kind wieder zu sich zu holen.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Die Washington Post berichtet über die jungen Männer Russlands, die sich vor der Einberufung zum Ukraine-Krieg verstecken:

Obwohl der russische Präsident Wladimir Putin und sein Verteidigungsminister Sergej Schoigu den Abschluss der Mobilisierung von 300.000 neuen Soldaten verkündeten, halten sich viele russische Männer im kampffähigen Alter weiterhin versteckt - immer noch aus Angst, von Militärrekrutierern aufgegriffen und zum Kämpfen und Sterben in einen aussichtslosen Krieg geschickt zu werden.

Während die Aufzeichnungen der Grenzübertritte in die Nachbarländer mehr als 300.000 Männer dokumentieren, die Russland in den Wochen nach Beginn der Mobilisierung verlassen haben, gibt es keine Daten über die Zahl der Männer, die sich innerhalb des Landes versteckt haben, aber auch diese Zahl dürfte in die Tausende gehen.

Unter ihnen ist ein junger IT-Mitarbeiter aus Südrussland, der jetzt in einem Zelt im Wald lebt.

Wie alle anderen, die für den Militärdienst in Frage kommen, begann der IT-Mitarbeiter schnell mit der Planung seiner Flucht, nachdem Putin am 21. September seinen Mobilisierungserlass herausgegeben hatte - er überprüfte verzweifelt die Preise für Auslandsflüge, die jedes Mal, wenn er die Aktualisierungsschaltfläche drückte, in die Höhe schnellten.

Dann hatte er eine Eingebung: Wenn er es sich schon nicht leisten konnte, aus Russland zu fliehen oder seine Familie und Freunde zurückzulassen, so konnte er doch wenigstens der Zivilisation und der staatlichen Wehrpflicht entkommen. Also nahm er sich eine Woche Urlaub von der Arbeit und fuhr in die Wälder, um sich zu verstecken.

"Ich hatte Angst, dass ich eingezogen werde, wenn ich in ein Geschäft gehe, oder dass jemand zu meinem Haus kommt", sagte der IT-Mitarbeiter, der seine Erfahrungen in einem Telegram-Blog unter dem Pseudonym Adam Kalinin veröffentlicht, in einem Telefoninterview. Er sprach unter der Bedingung der Anonymität, weil er sich vor den Behörden versteckt.

Die Washington Post interviewte fünf weitere Männer, die sich in den letzten Wochen in Mietwohnungen, Landhäusern und sogar in einem Musikstudio versteckt hielten. Einige wurden per Telefon interviewt, andere erklärten sich bereit, von einem Fotografen in ihren Verstecken besucht zu werden. Obwohl sie aus unterschiedlichen Verhältnissen, Berufen und Familienverhältnissen stammen, haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen vermeiden, in der Ukraine zu töten oder getötet zu werden.

In den Interviews sagten die meisten, dass sie sich vor Putins Kriegsmaschinerie noch immer nicht sicher fühlen, und sie baten alle um Anonymität, um nicht von den Behörden identifiziert zu werden.

"Ich habe es nicht eilig, zu einem normalen Leben zurückzukehren", sagte ein 38-jähriger Labortechniker, der Ende September von einer Gruppe von Polizei- und Rekrutierungsbeamten überfallen wurde, die ihm eine Vorladung in seinem Haus überreichten.

Er unterschrieb sie nicht und beschloss, am nächsten Tag nicht wie gefordert am Sammelplatz zu erscheinen. Stattdessen versteckte er sich in einem Landhaus außerhalb Moskaus, während sich die Vorladungen an seiner Wohnungstür stapelten.

Schließlich musste er zur Arbeit in die Stadt zurückkehren, tauschte aber sein Auto gegen ein Fahrrad, um der Verkehrspolizei zu entgehen, und trug eine Maske, da er sich vor dem ausgedehnten Moskauer Überwachungsnetz mit eingebautem Gesichtserkennungssystem fürchtete.

"Ich hatte weder einen Ort, an den ich fliehen konnte, noch eine Möglichkeit, aus der Ferne zu arbeiten", sagte er auf die Frage, ob er ins Ausland gehen wolle. Der Labortechniker, der früher im russischen Militär gedient hat, sagte, er wolle diese Erfahrung nicht noch einmal machen, aber er fühle sich im Krieg nicht "eindeutig auf der Seite der einen oder anderen Seite".

Der IT-Mitarbeiter und seine Frau waren schon immer begeisterte Camper, und so hatte er das meiste, was er brauchte, um den Einberufungsoffizieren zu entgehen: einen Schlafsack, eine Säge, einen Gasbrenner. Außerdem kaufte er Sonnenkollektoren, ein Zelt für das Fischen im Winter und eine Satellitenschüssel, um weiterhin online arbeiten zu können.

Schoigus öffentliche Erklärungen, dass die Mobilisierung beendet sei, brachten dem IT-Mitarbeiter und anderen untergetauchten Russen wenig Erleichterung. Es wurde kein gesetzliches Dekret erlassen, das die Einberufung offiziell beendet.

Der IT-Mitarbeiter, der sich selbst als Pazifist bezeichnet, verbringt nun schon den zweiten Monat als Kriegsgegner auf der Flucht. Sein täglicher Arbeitsweg besteht nun darin, drei Minuten von seinem "Zuhause" zu seinem "Büro" zu laufen - einem separaten Zelt, das höher auf einer Lichtung steht, dem einzigen Ort in der Nähe mit einer relativ stabilen Internetverbindung.

Er kocht auf offenem Feuer und sagt, dass er heiße Duschen und frisches Obst vermisst, aber dass seine Lebensbedingungen immer noch weit besser sind als die der mobilisierten Männer, die in die Ukraine geschickt wurden. Hunderte von Russlands neuen Wehrpflichtigen, von denen viele schlecht ausgerüstet und kaum ausgebildet sind, sind russischen Medien zufolge bereits getötet worden, was den IT-Mitarbeiter in seiner Entscheidung bestärkt, sich zu verstecken.

"Die allerersten Nachrichten, die aus der Mobilisierung kamen, waren das Fehlen der Grundausrüstung oder die Bedingungen, unter denen sie sich befinden", sagte er und bezog sich dabei auf Berichte über hochrangige Offiziere, die neue Soldaten zwingen, ihre eigenen kugelsicheren Westen zu kaufen oder in baufälligen, ungeheizten Kasernen zu schlafen.

"Sie leiden schon, bevor sie an die Front kommen, und können leicht eine Lungenentzündung bekommen, um die sich dann niemand kümmert. "Entweder werde ich mobilisiert und in eine Art Gefängnis gesteckt, wo man keine Rechte, sondern nur Pflichten hat, oder ich bleibe hier, wo ich immer noch viele Probleme und Fragen habe, aber ich bin frei.

Da die Verluste in Russland weiter steigen und die Truppen unweigerlich rotieren müssen, besteht kaum ein Zweifel daran, dass zusätzliche Verstärkungen erforderlich sein werden. "Es ist nicht bekannt, wie lange die Hunderttausende von mobilisierten Soldaten zu den Streitkräften geschickt werden", schrieb Pavel Chikov, ein Anwalt der Menschenrechtsgruppe Agora, auf Telegram. "Früher oder später ... entweder wegen Tod, Verletzung oder aus anderen Gründen werden ihre Plätze mit Rekruten besetzt werden müssen."

Ein 24-jähriger Finanzberater aus Moskau war wegen seines früheren Dienstes als Soldat für Spezialeinsätze ein Hauptziel für die Rekrutierungsoffiziere, und sie gaben sich große Mühe, ihn aufzuspüren. (…) Zunächst wurde die Wohnungstür an seiner angegebenen Adresse - alle Russen müssen sich bei den Behörden anmelden - mit Einberufungsbescheiden zugekleistert. Der Finanzberater, der woanders wohnt, hat sie nie abgeholt.

Dann schickte das örtliche Kommissariat einen Bescheid an sein Büro. Nach russischem Recht sind die Arbeitgeber verpflichtet, die Bescheide an die Mitarbeiter auszuhändigen, da sie sonst hohe Geldstrafen riskieren. Stattdessen entließ ihn sein Unternehmen zwar auf dem Papier, erlaubte ihm aber, inoffiziell in der Ferne zu arbeiten.

Einige Tage vor Ende der Mobilisierung begaben sich Militärrekrutierer mit einer Polizeieskorte in die Wohnung und befragten die dort lebenden Mieter über den Verbleib des Ex-Soldaten.

Der Finanzberater, der eine Marineakademie absolviert hat, sagte, er habe seit Beginn der Mobilmachung gewusst, dass er einberufen werden würde. "Ich habe die Uniform sechs Jahre lang getragen", sagte er. "Ich habe mich also bereits darauf vorbereitet."

Als Putin das Dekret erließ, wollte die Familie des Finanzberaters, dass er nach Kasachstan flieht. Aber er weigerte sich zu gehen, weil er befürchtete, an der Grenze aufgehalten oder noch schlimmer - als Deserteur abgestempelt zu werden. Auch seine ehemaligen Militärkollegen wurden mit Bescheiden bombardiert.

Doch der Berater sagte, er sei nicht bereit, in einem sinnlosen Konflikt zu kämpfen und zu sterben. "Ich denke, das ist absolut nicht mein Krieg, und es gibt dort nichts für mich zu tun", sagte er. "Wenn man die Mechanismen des Militärs kennt, ist es grausam zu sehen, wie viele Zivilisten sterben. Er fügte hinzu: "Auf politischer Ebene mische ich mich dort nicht ein, und ich will auch gar nicht wissen, wofür sie dort kämpfen. Aber auf einer persönlichen, moralischen Ebene möchte ich nicht, dass dies geschieht."

Er versteckte sich in einer Datscha, einem Landhaus, und wechselte dann zu mehreren Wohnungen von Freunden in der Region Moskau. "Ich habe alle öffentlichen Verkehrsmittel gemieden", sagte er. "Ich weigerte mich unter allen Umständen, ins Büro zu gehen, und man sah mich nicht auf öffentlichen Plätzen. Nachdem Putin die Mobilisierung für beendet erklärt hatte, kehrte der Berater in seine Mietwohnung zurück, hält sich aber weiterhin bedeckt.

Ein 40-jähriger Musikproduzent in Moskau, der eine militärische Ausbildung an der Universität absolviert hat, wurde ebenfalls wiederholt von Rekrutierungsoffizieren an die Tür einer Wohnung geklopft, die ihm gehört und die er vermietet.

"Ich bin gegen den Krieg, ich habe in meinem Leben noch nie jemanden geschlagen", sagte der Produzent, der in einem schwach beleuchteten, mit sowjetischen Utensilien geschmückten Raum seines Musikstudios sitzt. "Wenn Probleme mit Gewalt gelöst werden, ist das der primitivste Weg, eine Rückkehr zum animalischen Zustand".

Der Produzent zog von seiner Frau und seinen Kindern weg und verbrachte die Nächte auf einer Couch im Studio, nachdem er erfahren hatte, dass sein Freund, der sich ebenfalls versteckt hielt, von der Polizei, die sein Auto anhielt, eine Vorladung erhalten hatte. Die meisten Freunde des Produzenten verließen Russland, und seine Frau flehte ihn an, dem Beispiel zu folgen, und drohte ihm sogar mit der Scheidung. Doch er weigerte sich und sagte, er werde nicht zulassen, dass Putin das Leben, das er sich in Moskau aufgebaut hatte, "überrollt".

"Ich habe nie an Russland festgehalten, ich habe mich immer als Mann von Welt betrachtet", sagte der Produzent. "Aber als der Krieg begann, hat sich mein Denkprozess irgendwie umgekehrt. ... Ich habe beschlossen, dass ich nicht weglaufe. Ich bin ein vollwertiger Bewohner dieses Landes, und nur weil jemand auf die schiefe Bahn geraten ist, heißt das nicht, dass ich mein Haus, meine Überzeugungen und meine Arbeit aufgeben sollte."

Er lebt weiterhin "außerhalb des Systems" - er meidet die U-Bahn, überquert die Straße, wenn er jemanden in Uniform sieht, und schaltet meist sein Telefon aus, um nicht geortet zu werden. "Ich denke, man muss eine Strategie der maximalen Sicherheit wählen, wenn man sich entschieden hat, hier zu bleiben", sagte er. "Die Situation kann sich zum Schlechten wenden. Man munkelt, dass es eine zweite Rekrutierungswelle geben wird, dann vielleicht eine dritte."




3. Die Zahl der Spermien nimmt weltweit immer rascher ab.



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