Montag, Dezember 29, 2008

Israel in Gaza: "tote Frauen und Kinder"

Israels Luftangriffe auf den Gaza-Streifen (nach beharrlichem Raketenbeschuss Israels durch die Hamas) lassen derzeit mal wieder ein beliebtes Medienphänomen zutage treten.

So schreibt etwa der Schweizer "Blick":

Bislang wurden mehr als 300 Menschen getötet – darunter auch mindestens 20 Frauen und neun Kinder.


Wenn man nachrechnet, kommt man also auf ca. 270 getötete Männer, deren Leben aber offenbar nicht wertvoll genug ist, als dass man dessen Verlust eigens erwähnen müsste. Im Text ist gar die Rede von "mindestens 20 Kindern, 9 Frauen und 60 weiteren Zivilisten". (Hm, wie nennt man dieses Kroppzeug doch gleich, das weder Frauen noch Kinder sind ..?)

Tobias Kaufmann formuliert es auch sehr schön:

Israel ist am Wochenende aktiv in einen Krieg eingetreten, den es militärisch nur vielleicht, moralisch aber auf keinen Fall gewinnen kann. Denn es wird Opfer geben, die es nicht geben darf: Frauen, Kinder, Zivilisten.


Und der FOCUS schreibt:

Israel trifft nicht nur die Hamas, sondern auch unschuldige Frauen und Kinder.


Sind die getöteten Männer alle bei der Hamas? Oder anderweitig "schuldig", weil sie eben Männer sind?

Mit ähnlichen Zitaten könnte man heute lange, lange weitermachen …

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Freitag, Mai 04, 2007

„Ihr Opfer!“

„Der neue Feminismus will nicht der alte sein, weil das Opferkleid schlecht zur konservativen Diskursmode passt.“ Das befinden Sabine Hark und Ina Kerner in einem aktuellen Artikel der linken Wochenzeitung „Freitag“. Ein Auszug:

Schaut man sich das, was in den verschiedenen Beiträgen verhandelt wird, jedoch genauer an, und achtet man dabei besonders darauf, wer wen wie darstellt, so ist die Debatte nicht mehr vor allem gut, sondern vor allem bizarr. Oder auch bezeichnend, und zwar für die Kraft antifeministischer Rhetorik, die man etwas pessimistischer auch als die Macht des antifeministischen Diskurses beschreiben könnte. Eines Diskurses, der längst fast alle Statements der Debatte erfasst hat, und zwar nicht nur diejenigen der Hermans und Bolzens, sondern auch jene, die auf eindeutige Plädoyers für geschlechterpolitischen Wandel hinauslaufen. Also auf Proklamationen des alten, meist aber eines neuen Feminismus. Besonders deutlich wird dies beim Umgang mit der Figur des Opfers, die erstaunlich prominent ist in der aktuellen Geschlechterdebatte; als ob es nach nun schon gut 40 Jahren neuer Frauenbewegung und feministischer Theorie - zumindest in Westdeutschland - nicht auch nuancierter ginge. Opfer - soviel ist sonnenklar - will unter den neuen Feministinnen keine sein. (...)

Dass wir einen neuen Feminismus tatsächlich brauchen, darüber werden sich alle, die über Geschlechterverhältnisse nachdenken, wohl schnell einig werden können. Die Herausforderungen von heute sind andere als diejenigen, auf die der Feminismus der siebziger Jahre reagierte. Politisch sinnvoller als die Geste des großen Bruchs, demonstriert durch den Griff in die antifeministische Klamottenkiste, wäre hier allerdings eine durchdachte Revision. Eine Revision, die nach wie vor gültige Versatzstücke des Alten mit Neuem verbindet und Kraft eher aus ihren Zielen schöpft denn aus dem Versuch, sich im konservativen Lager beliebt zu machen - sei es durch die Rhetorik individueller Leistungsfähigkeit oder durch die Entsolidarisierung mit jenem Feminismus alter Schule, der durch das Anprangern gesellschaftlicher Strukturen und durch radikale Forderungen aufgefallen ist.

Schließlich, und das ist vielleicht mehr als nur eine Petitesse, wird an anderer Front stilisiert und gejammert, was das Zeug hält. Denn während die neuen Feministinnen wieder und wieder betonen, keine Opfer zu sein, viktimisieren sich in der aktuellen Geschlechterdebatte vermehrt die antifeministischen Männer. Vorreiter ist hier der Interessenverband MANNdat, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, öffentlich aufzuzeigen, "wo Männer überall zu kurz kommen". Ohne Stärkung der Rechte von Männern und Jungen, so der Verein, sei eine "wirkliche Gleichberechtigung" unmöglich. Einen lautstarken Leidensgenossen findet der Verein in Norbert Bolz, der sich ebenfalls als Opfer wähnt: Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschaftler arbeiteten an einer Umerziehung der Männer. Sie bürdeten ihnen Verantwortung für Haushalt und Familie auf und machten sie damit für Frauen unattraktiv. Was soll man dazu sagen?


Na zum Beispiel: "Weiter so!"

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