Montag, August 04, 2008

Frauen sind die besseren Menschen Folge 329.578 – Heute: Freierinnen

Bei der "Frankfurter Rundschau" dürfen heute offenbar wieder die Praktikanten schreiben. Um diesen Eindruck zu erlangen, genügt schon ein Blick in diesen Artikel, wo einem Wörter wie "Mund-zu-Mund-Propaganda" entgegenpurzeln. (Es gibt die Wörter "Mundpropaganda" und "Mund-zu-Mund-Beatmung", aber "Mund-zu-Mund-Propaganda" ist eine etwas kuriose Vorstellung.) Wer allerdings schon bei der Wortbildung versagt, ist von einem kompletten Artikel gleich ganz überfordert: Während wir früher ständig gehört haben, dass Männer, die Prostituierte aufsuchen, Schweine sind, schwadroniert heute Rathgeb, dass wenn Frauen Callboys aufsuchen ... deren Männer Schweine sind, denn die haben sie offenbar durch fehlende Zärtlichkeit dazu getrieben. Da es die "Frankfurter Rundschau" ist, wird Rathgeb es dort mit dieser Logik noch weit bringen. Für alle, die beim Lesen das Gehirn lieber eingeschaltet lassen, zerlegt Andreas K. den Artikel im Forum von MANNdat.

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Mittwoch, Juli 23, 2008

"Der unterdrückte Mann"

Man muss es von Anfang an betonen: Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" glänzen normalerweise mit seriösen, lesenswerten und durchdachten Artikeln. Wie ein Fremdkörper macht sich deshalb in der heute erschienenen Ausgabe eine, naja, "Rezension" des aktuellen Walter-Hollstein-Buches aus, von dem Rezensent schlicht inhaltlich überfordert zu sein scheint, weshalb er stattdessen wohl lieber eine Polemik geschrieben hat. Schon sobald vom "Jammerton des unterdrückten Mannes" die Rede ist, weiß man als Leser, wohin die Reise geht. Zum Beispiel zu Absätzen wie diesen:

Es gibt zu viel Lehrerinnen und zu wenig Lehrer, es gäbe mehr weibliche Studierende, dafür aber mehr männliche Arbeitslose, Männer, insbesondere junge, seien häufiger Opfer von Gewalt, und all das nur, wie Hollstein in seinem neuen Buch zustimmend zitiert, wegen einer "lesbisch-feministischen Kaderpolitik".

Wer denkfaul genug ist, wird dem Autor staunend zustimmen. Doch wer Statistiken zu Ende liest, dem wird Offenbarung zuteil. Schon in den Gymnasien schwindet die weibliche Lehrer-Dominanz, über 80 Prozent der Professoren sind männlich, und weibliche Universitäts-Rektoren und Präsidenten kann man nach wie vor mit der Lupe suchen.

Der tragischste Tunnelblick Hollsteins ist der auf die Arbeitslosenstatistik: Da Männer immer noch den größten Anteil der Beschäftigten ausmachen, ist es ganz sicher keine Folge einer Geschlechterpolitik, dass sie auch mehr Arbeitslose stellen. Eine solch schludrige Arbeit sollte einem Professor für Politische Soziologie eigentlich nicht unterlaufen. Und auch nicht die Unterschlagung des hohen Frauenanteils der Niedriglohnempfänger.


Eines muss man dieser ... originellen Wiedergabe und Replik zu Hollsteins Buch lassen: Man weiß nicht ganz, wo man überhaupt damit anfangen soll, dieses gedankliche Wirrwarr aufzulösen. Beschränken wir uns einmal auf die ganz groben Züge: Statt zu hämen, hätte Uli Gellermann vielleicht ein paar Sekunden länger nachdenken oder gar ein wenig recherchieren sollen. Dass es beispielsweise an den Gymnasien keine Übermacht weiblicher Lehrer gibt, nützt den Jungen nichts, die schon an den Grundschulen aufgrund der dortigen starken Feminisierung ausgesiebt werden. Dass dem so ist, ist keine Erfindung Walter Hollsteins, sondern gängige Lehre sämtlicher aktueller Fachliteratur zu dieser Thematik von Dammasch bis Beuster. Dass Frauen einen hohen Anteil unter den Niedriglohnempfängern ausmachen, liegt daran, dass viele nur einen Teilzeitjob ausüben, weil sie sich von ihrem Ehemann versorgen lassen, auf dem nach wie vor die Hauptlast liegt, seine Familie zu ernähren. Und das Bemerkenswerte bei der Arbeitslosenstatistik ist ja gerade, dass im Jahr 1990 noch die Heranwachsenden beiderlei Geschlechts annähernd gleichermaßen von Arbeitslosigkeit betroffen waren, aber seitdem die Schere immer weiter auseinanderklafft, bis im Jahr 2005 volle 40 Prozent mehr männliche als weibliche Heranwachsende erwerbslos gemeldet waren.

Die Rezension stolpert also von einem gedanklichen Fehler und einer Unkenntnis zur anderen. Was aber passiert, wenn man von einer Materie offenkundig wenig Ahnung hat, aber unbedingt über einen Professor ablästern will, der sich damit seit Jahrzehnten hauptberuflich beschäftigt? Man darf seinen Unfug in den "Blättern für deutsche und internationale Politik" veröffentlichen. Hauptsache, die Stoßrichtung stimmt: pro Feminismus und gegen die Männer.

Doch etwas Weiteres fällt an diesem Artikel auf. Die noch einmal um ein paar Etagen unterirdischere Vorlage dazu hatte der Autor hier bereits im Internet veröffentlicht. Dort allerdings findet sich einiges, was es in die seriösen "Blätter für deutsche und internationale Politik" nicht geschafft hat – zum Beispiel diese Passage:

Betrübt stellt der Autor fest, dass mit der Auflösung der bäuerlichen Gesellschaft und der Industrialisierung die Väter eine immer geringere Rolle in der Söhne-Aufzucht spielten und dass diese Vaterlosigkeit Ursache für "männliche Problemkarrieren" sei. Die Kultur der Einwanderer aus der Türkei, vorindustriell und agrarisch geprägt, mit klaren Hierarchien und einem festen Vaterbild müssten demnach Musterfamilien zufolge haben. Doch gerade die im Buch beklagte Gewalt ist unter Migrantenkindern signifikant höher, als unter den anderen.


Ich nehme mal an, dass diese Ausführungen vom verantwortlichen Redakteur der "Blätter" vor der Veröffentlichung schlicht gestrichen wurde. Nicht weil sie politisch unkorrekt wären, sondern weil sie reiner Unfug sind. Die Kriminalstatistik 2007 weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Vergleich von hier lebenden Deutschen und Nicht-Deutschen aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht zu ziehen ist. In ähnlicher Weise ist es auch irrwitzig, bei der Kriminalitätsneigung völlig unterschiedlicher sozialer Gruppen allein nach dem Faktor "festes Vaterbild" oder nicht zu urteilen. Dass Vaterlosigkeit aber zu einer signifikant höhereren Kriminalitätsrate führt – und zwar auch wenn man sämtliche anderen Faktoren in Betracht zieht! – ist wiederum keine private Theorie Hollsteins, sondern ebenfalls seit Jahren durch Studien belegt. Zugegeben: Das alles muss man erst einmal wissen und diese Studien muss man erst einmal kennen. Wenn man es aber nicht tut, sollte man vielleicht doch darauf verzichten, sich neunmalklug zu den zusammengefassten Erkenntnissen eines Fachmanns in dieser Thematik zu äußern. Bei einigen Sätzen, so nehme ich an, durchschaute der verantwortliche Redakteur, dass der Rezensent nicht ganz wusste, wovon er sprach, und tilgte diesen Unfug. Hätte er es doch bei all dem restlichen Unsinn dieses Artikels auch erkannt! Er hätte Uli Gellermann eine große Blamage erspart - und den Ruf seiner Zeitschrift unbeschädigt gelassen.

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Donnerstag, Juli 10, 2008

"Was da auf unsere Gesellschaft zukommt, ist das Grauen"

Vor einiger Zeit schon berichtete die Zeitschrift "Emma" Aufsehenerregendes:

Im Frühling 2007 schlug der Münchner Neuropsychologe Prof. Henner Ertel Alarm. Sein Institut für rationelle Psychologie macht seit 30 Jahren Langzeitstudien zu den Auswirkungen von Pornografie. Bei der Auswertung der Daten aus den letzten 20 Jahren stellten die WissenschaftlerInnen "eine dramatische Entwicklung in den letzten fünf Jahren" fest: "Was da auf unsere Gesellschaft zukommt, ist das Grauen." Die Psychologen registrieren veränderte Verhaltensweisen - "Gewalt ist heute ein legitimes Mittel, Ansprüche durchzusetzen" - und die Neurologen Veränderungen im Gehirn: "Das Gehirn passt seine Verarbeitungsstrategien an und schützt sich gegen die Flut von Gewalt und Pornografie durch Abstumpfung." Neuropsychologe Ertel: "Emotionale Intelligenz und Empathiefähigkeit haben bei den Jugendlichen enorm abgenommen. Sexualität ist heute für die Mehrheit der jungen Männer, aber auch für viele junge Frauen unlösbar mit Gewalt verknüpft. Wobei die Männer sich mit den Vergewaltigern identifizieren, die Frauen mit den Vergewaltigten."


Seltsam, dachte ich mir damals beim Lesen des "Emma"-Artikels. Auch bei der Recherche für "Sind Frauen bessere Menschen?" hatte ich Texte dieses Progfessors gelesen - damals hatte er allerdings eher Entwarnung gegeben, was die behauptete Gefährlichkeit von Pornos anging. Was er jetzt behauptete ("Sexualität ist heute für die Mehrheit der jungen Männer ... mit Gewalt verknüpft"), klang zwar ganz nach dem Männerbild der "Emma", für jeden außerhalb der feministischen Szene aber wohl allzu abenteuerlich. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum wir in den letzten Jahren von anderen Wissenschaftlern keine ähnlich schrillen Alarmtöne gehört haben. Wer ist dieser Henner Ertel eigentlich, mit dem die "Emma" ihre Porno-Warnung aufmachte?

Die "Zeit" hat sich diesen Herrn genauer angeschaut.

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Montag, Juni 30, 2008

"Männer von neuer Lust der Frauen überfordert"

Heute übernimmt es Silvana Guanziroli für den Schweizer "Blick", die Frauen hoch- und die Männer runterzuschreiben. Der Aufhänger: Frauen werden im Bett immer egoistischer und Männer leiden zunehmend darunter. Moment, so wird das nix. Das müsste man irgendwie anders verpacken – zum Beispiel so:

"Cool Cats" sind laut Horx Strateginnen der Erotik. Es macht ihnen Spass, Männer zu reizen und mit ihnen zu spielen. Sie wollen Sex um ihrer selbst willen, nicht mehr einem Partner zuliebe, und fordern die Befriedigung ihrer Bedürfnisse hier und jetzt. Und wie reagieren Männer auf diese geballte Ladung Frau? "Sie sind verwirrt und verängstigt", sagt Klaus Heer. "Sie wissen nicht mehr, was sie im Bett genau tun müssen. Die Folge ist, dass sie sich verunsichert zurückziehen." Sie verlieren die Lust am Sex.

Viele Paar- und Sexualtherapeuten beobachten eine fatale Tendenz: Dem Mann droht die Identitätskrise. Die Frauen im Aufbruch drängen mit ihrer Emanzipiertheit die Männer in die Defensive – im Job, in der Familie und eben auch im Bett. "Frauen haben zu ihren ursprünglichen Stärken neue hinzugewonnen und sich vervollkommnet", sagt der deutsche Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter. Die Männer dagegen seien "geblieben, was sie waren" und stellen sich nun gemessen an den Frauen, als "unvollständige, sozusagen halbe Wesen" dar.

Der Zürcher Psychoanalytiker Markus Fäh (50) trifft bei seiner Arbeit immer wieder auf diese Verunsicherung: "Der Mann fühlt sich bedroht, weil er ständig in Frage gestellt wird. Psychologisch gesehen, ist er das schwache Geschlecht."


Es ist noch nicht lange her, da wurde es den Männern unterstellt, beim Sex nur auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, wobei ihnen ihre Partnerin scheißegal gewesen sei. Alice Schwarzer machte das zum Hauptthema ihres Buches "Der kleine Unterschied" und landete damit einen Bestseller. Damals nannte man diese Männer nicht "Cool Guys", sondern "selbstverliebte Arschlöcher", und die Frauen, die derart missbraucht worden waren, nicht "überforderte halbe Wesen", sondern "Opfer". Nun gab es allerdings, anders als bei uns Männern, auch wenig Frauen, die ihre eigenen Geschlechtsgenossinnen ständig als mangelhaft darstellen und die Mitglieder des anderen Geschlechts als überlegene Herrenmenschen preisen wollten. Bei uns Männern allerdings gibt es mehr als genügend Bewerber für diesen Job.

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Mittwoch, Juni 25, 2008

Aufschlussreiche Aufgabe in Abschlussprüfung Mathematik

Normalerweise wäre es Aufgabe des Deutsch-, Sozialkunde- oder Ethik-Unterrichts, die sexistische Manipulation der Berichterstattung in unseren Medien zu analysieren. Darauf kann man wohl noch einige Zeit warten. Da ist es schon bemerkenswert, wenn wenigstens ein winziges Rädchen dieser Propagandamaschine in der Abschlussprüfung Mathematik für die zehnte Klasse auftaucht. So findet man in diesem pdf-Dokument mit der schriftlichen Prüfung vom 23. Juni unter Aufgabe 8 den folgenden Text:

Aus der Zeitschrift "Naturarzt" unter der Überschrift "Schlaganfall: Frauen genesen schlechter": "Dies schafft ein Vierteljahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus offenbar nur jede zweite Betroffene. Bei Männern sind es dagegen fast fünfzig Prozent."

Der Mathematiklehrer sagt: "Der Text enthält einen Widerspruch!"

Erläutern Sie den Widerspruch. Machen Sie einen Vorschlag, wie man Überschrift und Text korrekt formulieren könnte.


Viel spannender fände ich es ja zu untersuchen, wie es zu solchen Texten kommt. Offenbar ist das menschliche Gehirn inzwischen so sehr auf die Frauen-geht-es-schlechter-als-Männern-Rhetorik eingestellt, dass es die konkreten Zahlen schon gar nicht mehr bewerten kann.

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Sonntag, Juni 22, 2008

FAZ: "Der Mann in der Krise: Ein Gockel, der so gerne größer wäre"

Die gute Nachricht: Unsere Journalisten können die Männerbewegung nicht mehr länger ignorieren. Die schlechte: Sie besitzen noch lange nicht genügend Reife, sich mit ihr auch nur einigermaßen sachlich auseinanderzusetzen. Wenn etwa heute Ernst Horst für die FAZ Walter Hollsteins Buch "Was vom Manne übrig blieb" bespricht, dann landet Horst bei dem Niveau von Sätzen wie "Er könnte aber ruhig etwas phantasievoller jammern". Für die zahlreichen gravierenden Probleme, die Hollstein anprangert – etwa dass Jungen zwölfmal so häufig Selbstmord begehen wie Mädchen – hat Horst nur ein gelangweiltes Achselzucken übrig. Warum der FAZ-Rezensent mit so begeistertem Masochismus dabei ist, sich am Niedermachen des eigenen Geschlechts zu beteiligen, wird in dem Artikel immerhin auch klar: Er hält es für Souveränität. Aber vielleicht fühlte er sich von Hollsteins treffender Beschreibung profeministischer Männer auch nur allzu erkannt und reagiert deshalb so unleidlich. Wer sich das Geschreibsel wirklich antun will, findet es hier.

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Dienstag, Juni 10, 2008

N-tv-Presseschau: Frauen sollten beanspruchen, was ihnen zusteht

Man muss Journalisten auch ein bisschen verstehen: Sie können unmöglich zu jedem Thema über Hintergrundwissen verfügen, sondern müssen immer wieder mal improvisieren, wenn ihnen eine neue Meldung auf den Tisch flattert. Was die gestrige EU-Meldung angeht, der zufolge Frauen 22 Prozent weniger verdienten als Männer, waren viele Journalisten ähnlich überfordert wie wenn ich plötzlich einen sinnvollen Artikel zum Thema Klimawandel oder Gesundheitsreform schreiben müsste. Die Presseschau bei n-tv offenbart immerhin einen ... interessanten neuen Trend in deutschen Redaktionsstuben: Jetzt wird vielfach den Frauen die Schuld an der vermeintlichen Misere zugeschoben, dies allerdings mit einer reichlich schrägen Argumentation: Frauen würden einfach nicht selbstbewusst genug verlangen, was ihnen zusteht. Vereinfacht gesagt: Während die Medien uns früher weismachten, Kunden würden für ein Brötchen gerne ein Viertel mehr zahlen, wenn es von einem Mann statt einer Frau gebacken worden war, erzählt man mittlerweile den Frauen, sie würden für ein Brötchen ein Viertel mehr erhalten, wenn sie nur ordentlich mit dem Fuß aufstampfen und "Ich will aber!" sagten. Bedeutet das, in all den Bereichen, in denen Männer weniger verdienen als Frauen, könnten sie das auch leicht beheben, in dem sie einfach nur lautstark genug fordern? Wohl kaum. Irgendjemand sollte unseren Journalisten vielleicht doch wenigstens die Grundzüge der Marktwirtschaft beibringen: Angebot und Nachfrage und solches Zeug ...

Einen treffenden Kommentar für diesen Mumpitz findet man im Forum von MANNdat.

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Mittwoch, Mai 21, 2008

"Schluss mit den Grabenkämpfen"

Wenn es in Deutschland eine Zeitung gibt, die die Fackel des Feminismus noch höher hält, als die wenigstens immer wieder auch mal kritische "taz", dann ist es ohne Frage die "Zeit". In einem aktuellen Artikel macht sich Tanja Dückers dort Sorgen, die feministische Bewegung könnte unter den Grabenkämpfen zwischen der alten und der neuen Generation leiden. Viel liegt Dückers an einer Ehrenrettung Alice Schwarzers. Zwei Auszüge:

Auch wird Alice Schwarzer grundsätzlich missverstanden, wenn es um Pornografie geht: Sie ist nicht gegen jede Form von Pornografie, sondern lediglich gegen bestimmte Gewaltfilme.


Sorry, als jemand, der an beiden Themen (Feminismus und Pornographie) sehr interessiert ist, habe ich mich nun wirklich exzessiv mit Veröffentlichungen Alice Schwarzers zur Pornographie beschäftigt, und ich kenne keinen einzigen Satz von ihr, in dem sie zwischen Standard-Pornographie und "bestimmten Gewaltfilmen" differenziert hätte. Im Gegenteil: Die Exzesse werden hergenommen, um damit den Kampf gegen erotische Bilder im Allgemeinen zu rechtfertigen. Darf ich daran erinnern, dass zwei der bekanntesten Prozesse, die Alice Schwarzer führte, gegen zu erotische Titelbilder der Zeitschrift STERN und gegen die anerkannten Aktfotografien des Künstlers Helmut Newton gerichtet waren?

Dückers fabuliert weiter:

Tatsächlich schreiben die "neuen deutschen Mädchen" und die "Alphamädchen" sowie die "Emmas" oft über sehr ähnliche Erfahrungen – was auch nicht weiter Wunder nimmt, denn von einer wirklichen Gleichberechtigung sind Frauen auch hierzulande weit entfernt: Noch immer erhalten Frauen in Deutschland für die gleiche Tätigkeit ein Viertel weniger Gehalt. Ganz zu schweigen von der "Arbeitsteilung" zwischen Mann und Frau, wenn Nachwuchs da ist. Manches ist auch nicht besser, sondern schlimmer geworden: Noch nie ist Dünnsein derart aggressiv vermarktet worden wie heute. Ergebnis: Jedes zweite Mädchen im Alter von zwölf Jahren hat in Deutschland schon eine Diät hinter sich. Tendenz steigend bei sinkendem Alter. Also Schluss mit diesen Grabenkämpfen.


Hierzu kann ich mir wohl jeden Kommentar sparen.

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Mittwoch, Mai 07, 2008

"Neuer Kreuzzug gegen Krippen"

Früher haben Journalisten es als ihre Aufgabe betrachtet, den Staat kritisch zu betrachten. Heute schlagen sie gerne auf Leute ein, die sich erdreisten, staatliche Pläne zu kritisieren. So sachlich berichtet der "Berliner Kurier" über Eva Hermans Einwände gegen die geplante Krippewelle:

In Stuttgart präsentierte sie ihr neuestes Machwerk: "Das Überlebensprinzip". Das einzig Neue an dem Buch ist der Interview-Stil, in dem es geschrieben ist. Ansonsten hat die Ex-Tagesschausprecherin wieder ordentlich was zu meckern. Scharf greift sie vor allem die Betreuung in den Kitas an. Diese seien schlimmer als Legebatterien, gackert die Glucke der Nation auf ihrer Buchpräsentation.


In diesem Tonfall ist der komplette Artikel gehalten.

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Montag, Mai 05, 2008

Eva Herman stellt ihr neues Buch vor – Wie reagieren die Medien?

Es kann gut sein, dass Eva Herman nur zehn bis zwanzig Prozent der Genderama-Leser interessiert (sie gehört ja nun nicht zur Männerbewegung), aber auch die wollen ja mit Infos versorgt sein. Und da mich das Thema bekanntlich sowieso anspricht, habe ich heute mal so einige Presseartikel gesichtet, die anlässlich der heutigen Präsentation von Eva Hermans neuestem Buch so veröffentlicht wurden. Kann sein, dass morgen noch ein Schub nachkommt – wer das Thema über hat, muss meine Beiträge dazu ja nicht lesen.

Im großen und ganzen fair geht trotz einer spürbaren Distanziertheit ein Artikel der FAZ mit Eva Herman um. Darin spricht die Autorin Dinge an, die ich vor einem knappen halben Jahr nur in einem nicht-öffentlichen Gespräch von ihr erfahren hatte:

Für ihre Aussagen habe man sie in Kerners Sendung ungewohnt hart angefasst. „Das hatte schon Tribunalcharakter.“ Während der Sendung habe sie des Öfteren das Gefühl gehabt, da gehe nicht alles mit rechten Dingen zu. Etwas präziser wird sie in ihrem Buch. Dort spricht sie von Hinweisen „im Internet“, wonach schon vor der Aufzeichnung einige Journalisten Nachrichten erhalten hätten, in denen man den Rauswurf von Eva Herman ankündigte. Außerdem habe der „Warm-upper“ - also der Mann, der vor der Sendung das Publikum im Saal in Stimmung bringen soll - auch während der Aufnahme in fragwürdigen Momenten angefangen zu klatschen. „Ich selbst dachte mir an verschiedenen Stellen: ,Es kann nicht sein, dass hier jemand freiwillig klatscht.' Aber es klatschte ein ganzes Publikum. Man weiß ja, dass es einen Reflex bei den Menschen gibt: Wenn einer klatscht, klatschen meist alle anderen auch.“


Ja, es gibt noch ein paar andere Seltsamkeiten, aber nichts, was sich wirklich handfest machen ließe. Von der journalistischen Verwertbarkeit betrachtet ist das leider alles noch Müll. Vielleicht steckt auch wirklich nichts weiter dahinter.

Wie DWDL meldet, denkt Eva Herman nach zwei schlechten Erfahrungen bei Kerner nicht an einen baldigen neuen Besuch seiner Sendung:

Frühestens in zwanzig Jahren würde Eva Herman noch einmal zu Kerner gehen. Besuche in anderen Talkshows schließt sie dagegen derzeit nicht aus.


Das christliche Medienmagazin Pro verhält sich Eva Herman gegenüber besonders freundlich und zitiert Auszüge aus ihrem Buch, von denen ich wiederum einige Passagen hier zitieren möchte:

Eva Herman: Zum Glück treffen wir auch immer wieder auf aufrechte, um Sachlichkeit und Wahrheit bemühte Journalisten, die sich nicht scheuen, unbequeme Wege zu gehen. Doch sie werden im Soge des Main-Stream leider seltener. Inzwischen allerdings beginnt sich Unmut bei den Menschen zu regen, denn diese Praktiken werden durchsichtiger, und manches Lenksystem, das sich allzu sicher wähnt, wird damit unvorsichtiger. Es werden Fehler gemacht. Das registrieren die Menschen durchaus, und sie melden sich zu Wort. Das Internet ist das Meinungsinstrument des Bürgers. Und wer wissen möchte, wie die Gesellschaft wirklich tickt, was die Menschen beschäftigt, was sie freut und auch ärgert, der sollte sich einmal die Mühe machen und die Diskussionsforen besuchen, in denen es um die Arbeit des Staates und der öffentlichen Organe und die Folgen für die Menschen im Land geht. (...) Eventuell werden ungerechte Systeme einst gekippt werden durch die Macht und den Zusammenschluss der Menschen, welche sich im Internet zusammenfinden, die aufstehen, sich formieren und protestieren. Wenn die Ungerechtigkeiten, die Familien heute zugefügt werden, hier einst thematisiert werden, kann daraus viel Kraft erwachsen. Doch auch die berühmte Kerner-Sendung führte zu wahren Massenaufläufen im Netz, die sich zum Teil bis heute gehalten haben, Vereine zur Verteidigung der Meinungsfreiheit wurden ins Leben gerufen, die dem ZDF schwer zusetzten und mehrere Mahnwachen vor den ZDF-Landesfunkhäusern in Hamburg und Mainz abhielten. Die Menschen zeigen zunehmend Engagement, und sie sind dabei mutig.


Friedrich Hänssler: Sie standen ganz schön unter Beschuss. Haben eigentlich mehr Männer oder mehr Frauen auf Ihnen herumgetrampelt?

Eva Herman: Eindeutig die Frauen. Die Männer sagten häufig eher Sätze wie: "Wusste ich doch schon immer. Habe ich schon lange gesagt, aber auf mich hört ja keiner." Je bildungsfreundlicher die Männer waren, desto eher haben sie gesagt: "Gehen Sie Ihren Weg bitte weiter, er ist jetzt recht schwer, aber wir stehen hinter Ihnen."


Friedrich Hänssler: (...) Wie haben Sie die Angriffe aus dem NDR empfunden?

Eva Herman: Sie haben mir sehr zugesetzt. Und um ganz ehrlich zu sein, bin ich irgendwann fassungslos gewesen über die schleichende Entwicklung der unterschiedlichsten Verdächtigungen. Die Eskalation, die durch meinen fristlosen Rauswurf entstanden war, war ja lediglich der allerletzte Knall, das Hochgehen einer länger tickenden Bombe. In Wirklichkeit gingen die üblen und argwöhnischen Unterstellungen bereits viel früher los. Schon nach dem Cicero-Artikel begann man zu mutmaßen, dass unsichtbare Mächte über mich gekommen sein mochten. Plötzlich wurden hinter meinem Rücken Gerüchte kolportiert: Ich sei mit christlich fundamentalistischen Kräften im Verbund. Ich sei mit Sekten in Verbindung. Ich sei mit Rechten in Verbindung. Ich war plötzlich ins Visier geraten von sogenannten investigativen Journalisten, also von Enthüllungsjournalisten, die eigentlich meine Kollegen waren und die ich gut kannte, die vor allem auch mich gut kennen mussten. Doch urplötzlich war ich auf die Gegenseite geraten. Ich war jetzt ein auszuspähendes Opfer, das unter Verdacht geraten war. (...) Das ist für den Betroffenen ein höchst unangenehmes Gefühl und ich kann mir seitdem lebhaft vorstellen, wie es Regimekritikern aller Zeiten und aller Systeme ergeht und erging. (...) Plötzlich registrierte ich jähes Verstummen, wenn ich die Redaktionsräume betrat. Zunächst beruhigte ich mich mit dem Gedanken, dass ich aufgrund meiner inneren Veränderung sensibler geworden sein mochte. Dann versuchte ich es eine Weile mit der Vogel-Strauß-Politik, frei nach dem Motto: Nur nichts anmerken lassen, dann geht alles so weiter wie bisher. Doch das funktionierte nicht lange.

An den Haaren wurden nun Beispiele herangezogen, wie man mich "überführen" konnte. Als eine österreichische Frauenorganisation mich für einen Vortrag anfragte, mein Büro leider nicht rechtzeitig herausfand, dass dieser Verein verdeckt, aber eng mit der rechtsgerichteten FPÖ zusammenarbeitete, schrieb eine kleine Hamburger Zeitung, dass es jetzt erwiesen sei, dass ich eindeutig nach rechts tendierte. Das Problem war gewesen, dass mein Sekretariat kurz zuvor neu besetzt worden war, die Mitarbeiterin arbeitete erst wenige Tage für mich. Diese Anfrage wurde gestellt, während ich im Urlaub war, und die Kollegin hatte leider nicht ausreichend recherchiert. Natürlich sagte ich diese unselige Veranstaltung sofort ab, distanzierte mich deutlich und gab am selben Tag eine Pressemitteilung heraus, in welcher ich den Irrtum bedauerte. Aber mein Arbeitgeber meinte, nun den Beweis gegen mich in der Hand zu halten. Ich hatte mehrfach klar darauf hingewiesen, dass dieses ein Versehen gewesen war. Doch nun konnte nicht mehr sein, was nicht sein durfte, ich war abgestempelt und die Feministinnen schienen recht zu behalten mit ihren Unterstellungen. Es ist im Rückblick unfassbar für mich, wie wenig Mühe man sich gab, mich und mein Anliegen zu verstehen, im Gegenteil, es schien nur noch den einen Vorsatz zu geben: Man wollte nichts richtig verstehen. Eine Weile lang war ich einfach nur überrascht über diese Verfahrensweise, weil ich das alles niemals für möglich gehalten hätte. Dann wurde es mir zunehmend unangenehm, denn dieser ständige Argwohn, die unsichtbaren Verdächtigungen, die wie dunkle Wände zwischen uns standen, während wir die Sendungen ausarbeiteten, taten mir zunehmend weh. Dann habe ich mich eine Weile noch gerechtfertigt und versucht, mich der Situation irgendwie anzupassen, doch irgendwann dachte ich mir: "Ihr könnt mich jetzt mal alle herzlich gern haben" und bin einfach meinen Weg weitergegangen.


Ein ausführliches Interview mit Eva Herman bietet heute auch die Park Avenue. Felix Hutt liefert hier solide journalistische Arbeit. Die gibt es im Umgang mit Eva Herman also doch noch.

Natürlich aber sind auch jene Dinge, die nicht gerade zu den Sternstunden des Journalismus gehören, im letzten halben Jahr nicht einfach von der Bildfläche verschwunden. Der FOCUS immerhin hält sich mit Frechheiten noch zurück und beweist lediglich, dass auch ein von süffisantem Tonfall durchtränkter Artikel trotzdem sterbenslangweilig sein kann. Deutlich lesenswerter sind mal wieder die Kommentare der Leser, die fast durchgehend Herman Respekt erweisen und die Medien tadeln. Zwei Beispiele:

Vor ein paar Wochen hat mich noch nicht interessiert was Frau Herman so schreibt. Anhand der offensichtlich unfairen Berichterstattung wird aber klar, wie wichtig/richtig ihre Botschaften sind. Könnte man sie widerlegen, wäre es längst geschehen. Hier entblößen sich die Schreiber selbst viel peinlicher als sie ihr Opfer. Respekt Frau Herman, weiter so.


Herrlich. Diese Frau ist heute für viele genauso ungemütlich, wie Frau Schwarzer es für viele einst war. Besonders für Frau Schwarzer. Dabei gibt es sogar Parallelen in der Hartnäckigkeit, welche beide an den Tag legen. Und zum Unbehagen von Frau Schwarzer wird auch Frau Herman Ihre Anhänger finden. Das Leben ist eine Welle.


Im STERN, einem renommierten Magazin, das sich bekanntlich noch nie mit Themen wie "Adolf Hitler" oder "Drittes Reich" verhoben hatte, legt Eva Wolfangel einen ziemlich biestigen Beitrag vor, für den es sich fast gelohnt hätte, in diesem Blog das neue Label "Arschlochjournalismus" einzuführen. Dessen Krönung ist allerdings der in den STERN-Artikel integrierte Videobeitrag. "Es war ihr irgendwie anzusehen: Eva Herman, die so gerne die deutsche Familie retten wollte, lässt sich scheinbar nur noch ungern interviewen", erläutert dazu ein Sprecher in einem Tonfall, der vor Häme trieft. "Sie scheint eben ein bisschen ängstlich geworden zu sein. Denn seit ihrer gewagten These zur Rettung der deutschen Familie wurde sie immer wieder in die rechte Ecke gedrückt." Das ist natürlich schon ein bisschen so, als würde sich jemand, der mit seinen Kumpels einer Frau eine Gruppenvergewaltigung zuteil werden ließ, sich darüber lustig machen, dass diese nicht mehr auf seine Einladungen zu einem gemütlichen Beisammensein reagiert. "Eine Tatsache, die der Neunundvierzigjährigen so gar nicht gefiel." Sag bloß? Es wundert einen nicht, dass der Kerl, der diesen Mist fabriziert hat, lieber anonym bleiben möchte. Genausowenig, dass die Leserkommentare sich von diesem Beitrag weit überwiegend angewidert zeigen.

Man glaubt es nicht, aber auch unterhalb des Tiefparterres gibt es noch ein weiteres Stockwerk. Dorthin führt uns – na wer wohl? – natürlich wieder die Brigitte, die immer mehr eine Fusion mit der "Emma" anzustreben scheint. Und auch bei der "Brigitte" tobt es nicht gerade vor Begeisterung in den Kommentaren. Die Kluft zwischen Mediemachern und Bevölkerung scheint in den letztgenannten Fällen so groß wie nie.

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Börne-Preis: Alice Schwarzer vergleicht Frauen mit Juden

Gestern bekam Alice Schwarzer von Harald Schmidt den Ludwig-Börne-Preis verliehen – unter großem Applaus der restlichen Medienszene. Bei Schwarzers Auftritt schienen die jungen Frauen die Kerle ein wenig als Feindbild abzulösen:

Die 65-Jährige verwies auf Bücher wie „Wir Alphamädchen“ und „Neue deutsche Mädchen“, deren Autorinnen ihren Feminismus teils für überholt erklärt hatten. „Diese späten Mädchen sind Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“, sagte die Gründerin der Frauenzeitschrift „Emma“. Als neue Kaltherzigkeit bezeichnete Schwarzer Forderungen nach einem offeneren Umgang mit Prostitution, den auch Demonstranten vor der Tür forderten. Zwangsprostitution sei weiter „ganz und gar ungeil“.


Prostitution und Zwangsprostitution, das nämlich läuft in Alice Schwarzers Kopf so kreuz und quer wie in Henryk Broders Kopf Islam und Islamismus. Bezeichnenderweise protestierten gegen Schwarzers Unsäglichkeiten auch nicht etwa Männer, sondern Frauen:

Vor der Paulskirche demonstrierten Frauen von "Doña Carmen", dem "Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten", mit weißen Masken vor dem Gesicht gegen die Preisverleihung. Alice Schwarzer missbrauche ihre journalistischen Möglichkeiten, Frauen, die sich prostituierten, herabzuwürdigen.


Offenbar fehlt den jungen Dingern von heute nur das richtige Bewusstsein, über das die Uralt-Achtundsechzigerin noch verfügt:

Wie Börne, der beklagte, dass "alle daran denken", dass er Jude sei, gehe es den Frauen, die immer Frauen blieben, "doch nie Mensch", sagte Alice Schwarzer. Das müsste Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth in den Ohren geklungen haben: Die hatte in ihrer Rede geglaubt, sie müsse Schwarzer das Attribut "warmherzig" anheften. Ob sie das bei einem Mann auch getan hätte? Und ihrem Ruf als "streitbare" Publizistin treu bleibend, kritisierte Alice Schwarzer auch die "ahistorische" Bewegung des "neuen" Feminismus, die sie zu Recht eine "medial inszenierte Girlie-Welle" nannte. Diese über 30-jährigen "neu-deutschen Alpha-Mädchen" hätten nur ihre persönlichen Belange, "Karriere und Männer" im Sinn.


Moment, wie war das eben mit den Juden? Da haben wir uns doch verhört, oder? Keineswegs:

Schwarzer, das "Sturmgeschütz", schreckt nicht vor schwerem Kaliber und hoch riskanten Vergleichen zurück, wenn es um Parallelen von Juden und Frauen geht. Beide seien entrechtet und erniedrigt; Parias, die vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte drängten. "Wenn Börne von seinem großen Judenschmerz spricht, weiß ich, was er meint."


Genau, den Juden ging es nämlich früher so wie den Frauen heute: Sie überlebten die Arier im Durchschnitt um etliche Jahre und verfügten über ein eigenes Ministerium, das nur damit beschäftigt war, weitere Vorteile für sie herauszuschlagen. Von etlichen Gesundheitszentren bis zu besonders günstig gelegenen Parkplätzen war etliches nur auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Durch Quoten und Milliarden an Unterstützung wurden sie auf beruflich besonders günstige Positionen gehievt. Vor Gericht erhielten sie für dieselbe Tat ein deutlich günstigeres Urteil und in der Schule für dieselbe Leistung bessere Noten. Wenn ein Jude sich von einem Arier trennte, konnte er diesem oft mit Leichtigkeit den Kontakt zu seinen eigenen Kindern verwehren. Darüber hinaus wurden die Juden in der Presse immer und immer wieder als die besseren Menschen herausgestellt und hatten im Gegensatz zu den schwer arbeitenden Ariern vielfach die Möglichkeit, nach dem Mittagessen "Zwei bei Kallwass" zu gucken. Willkommen in Alices Welt! Von einem Höhepunkt der Absurdität war Schwarzer längst wieder bei einem Höhepunkt an Geschmacklosigkeit gelandet. Wozu Harald Schmidt strahlt und die versammelte Presse applaudiert.

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Freitag, April 18, 2008

"Auch wenn die Mütter eine gewisse Schuld nicht von sich weisen können ..."

Auf Spiegel-Online wirbt Simone Schmollack mit etwas kuriosen Formulierungen um die Position der Mütter von Kuckuckskindern. Ein Auszug:

Fragen moralischer Art aber bleiben: Warum wenden Männer sich von einem Kind ab, wenn sie wissen, dass es nicht ihr eigenes ist? Warum schreiben sie einzig den Frauen die Schuld an dem Kuckuckskinder-Drama zu? Aber ganz so einfach ist das nicht - auch wenn die Mütter eine gewisse Schuld nicht von sich weisen können: Schließlich sind sie es, die das Kind mit dem Wissen bekommen, dass der Vater ein anderer ist als der, der es glaubt zu sein. Und dann schweigen sie - oft über Jahre. Und belügen den Mann, sich und vor allem das Kind. Das hat einen Grund: Sie wollen ihrem Kind ein Heim bauen, sie wollen ihm und sich selbst eine heile Familie bieten. "Auch für die Mütter bricht eine Welt zusammen, wenn das Geheimnis auffliegt", sagt Wolfgang Wenger, Sprecher des Arbeitskreises Kuckuckskinder der Männerpartei in Bayern. (...) Wenger ist in erster Linie Anwalt der Männer, aber er kennt genauso gut die Nachlässigkeiten vieler Väter. "So lange die Männer eine gute Beziehung zur Frau haben, so lange fragen sie nicht nach. Auch wenn sie vielleicht schon lange etwas ahnen."


Grandios. Wenn Spiegel-Online ausnahmsweise einmal einen Männerrechtler zitiert, dann selbstverständlich nur jene Äußerungen, die dezidiert für Frauen verwendbar sind. Und zum Schluss dieses Schwampfs sind beide Partner – die betrügende Frau und der "nicht nachfragende" Mann – irgendwie gleichermaßen an der Misere Schuld.

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Mittwoch, April 16, 2008

Lesermail (Unterhalt für lesbische Mutter)

Ein Rechtsanwalt unter den Genderama-Lesern mailt mir heute:

Ich hasse es, in "normalen", d.h. nichtjuristischen Medien berichtete Urteile etc. zu kommentieren; oft genug sind auch "seriöse" Journalisten nicht in der Lage (oder Willens), einen juristischen Sachverhalt oder ein rechtliches Problem korrekt wiederzugeben.

Aber hier fällt mir auf, daß sich gleich alles auf die "arme lesbische Frau" stürzt, während elementare Fragen überhaupt nicht angerissen werden:

1. Wieso wird nicht erwähnt, daß die Frau für drei ihrer Kinder offensichtlich keinen Unterhalt zahlt?

2. Wieso wird völlig unerwähnt gelassen, daß jemand, der sich in einer gefestigten neuen Partnerschaft befindet (egal ob gleichgeschlechtlich oder nicht) seinen Unterhaltsanspruch verwirkt oder bestenfalls noch Elementarunterhalt beanspruchen kann?

3. Wieso regt mich sowas überhaupt noch auf?

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Donnerstag, April 10, 2008

Feministinnen kritisieren Väterbewegung als "revanchistisch"

Österreichs Väter demonstrieren und das feministische Zentralorgan Die Standard berichtet darüber – auf seine Weise.

Ach ja: Wer gerne eine Definition für Revanchismus hätte ...

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Montag, April 07, 2008

Nonsens-Studie findet wenig Akzeptanz

"Heirat für Frauen weiterhin ein Verlustgeschäft" lautet die Meldung über eine neue Studie auf Telepolis. Die kritische Bewertung solcher Studien, die eigentlich die Journalisten vornehmen sollten, die darüber schreiben, werden offenbar immer mehr auf die Leser verlagert: Die Kommentare zu der Logik dieser Untersuchung sind zu einem großen Teil zweifelnd bis ablehnend und lesenswerter als der Artikel selbst. ("Schon wieder eine verlogene Studie. Denkt hier mal jemand nach?" sei nur beispielhaft herausgegriffen.) Ich habe mittlerweile immer mehr den Eindruck, dass diese Arbeitsteilung journalistisch gewollt ist. Die Berufsjournalisten erhalten dasselbe Honorar, wenn sie über eine manipulative Untersuchung unkritisch berichten und es vermeiden, sich hier politisch in die Nesseln zu setzen. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem pseudowissenschaftlichen Schrott kann man ja unbezahlten Kommentatoren überlassen.

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Freitag, März 14, 2008

"Quote für den Aufsichtsrat"

Clemens Bomsdorf berichtet für die "Zeit" über die Frauenquote in Norwegen.

Die Idee dahinter war angeblich den Unternehmen zu nutzen – zur Not eben auch mit Zwang:

Initiator war mit Ansgar Gabrielsen auch noch ein Mann. Für den ehemaligen Unternehmer und damaligen Wirtschaftsminister war die Gleichstellung per Gesetz nicht nur Selbstzweck, sondern sollte auch die Stellung der Unternehmen verbessern. "Ich habe viele Untersuchungen gelesen und immer wieder stand da drin, dass Vielfalt in Unternehmen wichtig ist. Deshalb habe ich für das Gesetz geworben, dass die Aktiengesellschaften zu einer Frauenquote für den Aufsichtsrat verpflichtet und deshalb habe ich viel Schimpfe einstecken müssen. Wir brauchen mehr Frauen wie sie in Führungspositionen", hatte Gabrielsen zuletzt im Dezember auf einer Konferenz an das weibliche Publikum appelliert.


Viele Unternehmer behaupteten frecherweise, selbst am besten zu wissen, was für ihre Firmen am besten sei. Und bald erwies sich, dass sie Recht hatten:

Nordeuropäische Forscher von der Universität Agder, die die Zusammensetzung von Aufsichtsräten in Schweden, Dänemark und Norwegen untersucht haben, stellten Ende 2006 fest, dass die Zusammensetzung der Kontrollgremien keine signifikanten Auswirkungen auf die Profitabilität und die Kursentwicklung habe.


Bis dies die Öffentlichkeit erreichte, war es aber offenbar schon zu spät:

Mehr als 500 Frauen stehen schon drin. Sie haben in den Kursen neben ihrem Job norwegisches Aktienrecht gepaukt, Bilanzen lesen gelernt und auch so genannte soft skills trainiert.


Wir sprechen hier von Vorstandsposten. Und dafür soll ausreichen, dass eine Frau "Bilanzen lesen gelernt" hat – und was immer man unter zu einem so schwammigen Begriff wie "soft skills" zu verstehen hat? Offenbar nicht, denn so schildert Bomsdorf die Situation weiter:

"Mit dem Gesetz wird man auf den ersten Blick das erwünschte Ergebnis erreichen. Aber das eigentliche Problem ist, dass es derzeit für viele nicht genügend qualifizierte Frauen gibt. An der Börse sind viele IT-Firmen gelistet. Der Anteil von Studentinnen in diesen Fächern aber ist sehr niedrig", sagt etwa Bente Landsnes, die es ganz ohne Quote an die Spitze der Osloer Börse geschafft hat.

Die Headhunterin Elin Ørjasæter sieht die Gefahr, dass allzu viele Aufsichsträte mit jungen, unerfahrenen Mitgliedern besetzt werden. "Es ist ein Risiko für die Frauen in den Aufsichtsräten, dass sie mehr Gesellschaftsdamen als eine Bereicherung werden", sagt Ørjasæter. Das liege nicht am Geschlecht, sondern daran, dass es einfach nicht genügend Frauen gebe, die die Erfahrung von Männern, die seit langem in Aufsichtsräten sitzen, hätten.


Fazit des Artikels: Es werden Frauen in führende Positionen gehievt, die dazu bei weitem nicht über die nötige Kompetenz verfügen und insofern mehr zur Deko gehören als den Unternehmen wirklich etwas zu bringen. Moment, "Fazit des Artikels"? Nein, wir sind hier doch schließlich bei der "Zeit". Da muss in der Schlusspassage sämtliche zuvor aufgebaute Logik über die Brüstung gekickt und ein politisch korrekter Ausklang gefunden werden:

Der Gleichstellung hat das Gesetz auf jeden Fall genutzt, denn die Wirtschaft ist auf die vielen qualifizierten Frauen aufmerksam gemacht worden ...

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Donnerstag, März 06, 2008

Auch 2008: MANNdat sucht wieder dümmsten Artikel zum Weltfrauentag

Wie jedes Jahr werden Journalisten, die nicht wirklich Experten in der Geschlechterdebatte sind, gebeten (oder fühlen sich berufen), einen Artikel zum Weltfrauentag zu schreiben, und wie jedes Jahr werden einige von ihnen viel Sinn und Verstand dabei vermissen lassen, dem feministischen Zeitgeist hinterherzuhecheln, um sich so trotz mangelnder Fachkenntnis in einer vermeintlich sicheren Zone zu bewegen. Und wie im vergangenen Jahr sucht MANNdat die schrottigsten und lächerlichsten Artikel, die dabei entstehen. Auf der Website von MANNdat gibt es den entsprechenden Aufruf und die Mailadresse, an die ihr Vorschläge schicken könnt.

Wer ein bisschen schaudern möchte: Einige abschreckende Beispiele vom letzten Jahr sind hier und die letztendlichen Preisträger dort archiviert. Und wenn ein Interview mit Claudia Roth nur auf den fünften Platz kommt, dann darf man sich auf einiges gefasst machen.

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Freitag, Februar 22, 2008

Lesermail (Brigitte)

Unter der wortspielerischen Betreffzeile "Brr! Igitt! Äh ...?" schreibt mir Tom aus A. zur aktuellen Debatte über verzerrende Berichterstattung zu häuslicher Gewalt:

Hallo Arne

Dachte mir, dass du bei diesem Thema nicht still halten kannst, und das ist auch gut so. Es freut mich, die vielen kritschen Kommentare zu lesen. Du kannst mir sagen was du willst, aber da bleibt auch in den Hirnwindungen der Brigitte-Leserinnen was haften und auch in denen des Redaktionsteams. Die Zeiten, wo Männer und auch klar denkende Frauen jeden Mist kommentarlos geschluckt haben, sind vorbei, und das bereitet denen mehr als Bauchgrummeln.

Als die Frauen sich einst zur Wehr setzten, haben alle gelacht. In den Siebzigern ist es bekanntlich so manchem vergangen.

Wenn ein Thema so viel Aufruhr verursacht und die Gegendarstellungen, wie hier geschehen, mit seriösen Studien unterlegt werden, dann tut sich auch in den Köpfen was. Schön, dass du hier auch zugegen warst.


Klar. Ich stürze mich ja schon längst nicht mehr persönlich in jedes Getümmel, aber wenn in einem etablierten Medienorgan eine Mischung aus Unwissen und Borniertheit bestimmte Grenzen überschreitet, packt mich schon ein wenig der Zorn.

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BRIGITTE verträgt das Echo nicht

Kann man einen extrem unsachlichen und polemisierenden Beitrag online stellen und sich danach über entsprechend verärgerte Rückmeldungen wundern? Das BRIGITTE-Team bringt das fertig. Auf den Internetseiten der Zeitschrift nämlich war eine Diskussion um einen Artikel zur häuslichen Gewalt sehr heftig geworden, der zwar erfreulich provokativ geschrieben, aber leider auch unerfreulich nachlässig und einseitig recherchiert worden war – und beides zusammen ist nun mal eine ziemlich schlechte Kombination. Da die BRIGITTE-Redakteurinnen das Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft ..." offenbar gerade nicht parat hatten, reagieren sie auf die Kontroverse, zu der sie zuvor erfolgreich angestachelt hatten, nun mit folgendem Kommentar:

Liebe User,
angesichts der kritischen Kommentare möchten klarstellen, dass sich die Autorin des Artikels mit einem klar umrissenen Thema beschäftigt hat, nämlich, dass sehr viele Frauen von ihren Männern misshandelt werden. Das ist keine Behauptung, sondern eine erwiesene Tatsache. Natürlich sind ihre Formulierungen zuweilen ironisch überspitzt - dennoch ging es hier nicht darum, die Geschlechter gegeneinander aufzuwiegen. Selbstverständlich ist uns bewusst, dass auch Männer unter Gewalt durch Frauen leiden - doch das ist ein anderes Thema und darum an dieser Stelle fehl am Platz.


Warum nur rechne ich nicht wirklich damit, dass die BRIGITTE in der nächsten Zukunft einen Artikel über jenes "andere Thema" platzieren wird? Aber das ist nur ein Teil des Problems. Fast noch schwerer wiegt, dass eben weil sie offenbar meinen, sich auch ohne sorgfältige Recherche eine Meinung bilden zu können, die BRIGITTE-Journalistinnen nicht begriffen haben, dass "Gewalt gegen Frauen" eben KEIN anderes Thema als "Gewalt gegen Männer" ist. Erstens ist zahlreichen Studien zufolge häusliche Gewalt in der Mehrzahl der Fälle ein Resultat wechselseitiger Eskalation (er blafft sie an, sie schubst ihn weg, er schlägt zu - oder mit umgekehrter Geschlechterverteilung). Zweitens wird häusliche Gewalt häufig über die Geschlechtergrenzen hinweg an die nächste Generation weitergegeben: Wenn Papa die Mama schlägt, "lernt" unter Umständen auch die Tochter unbewusst, dass Gewalt eine Methode der Konfliktlösung sein kann, und wenn die Mutti den Vati schlägt, lernt dasselbe unter Umständen der Sohn. Und drittens ist es natürlich auch eine Form von Gewalt, wenn die möglicherweise sogar größte Opfergruppe in der Berichterstattung konsequent ausgeblendet wird. So zu tun, als sei bei der Diskussion um Wege zur Bekämpfung häuslicher Gewalt die Erwähnung männlicher Opfer "fehl am Platz", wie die BRIGITTE so schön schreibt, ist eine Garantie dafür, dass man dabei keinen Schritt weiterkommt.

Die BRIGITTE-Ermahnung ihrer Leser endet mit den Sätzen:

Beachten Sie bitte auch, dass wir unsachliche, beleidigende und ausufernde Kommentare nicht akzeptieren können. Sie zerstören jegliche Art von konstruktiver Diskussion, für das dieses Angebot eigentlich gedacht ist. Sollte die Kommentarfunktion weiterhin von einzelnen Interessensgruppen missbraucht werden, sehen wir uns gezwungen, sie für diesen Artikel ganz abzuschalten.
Ihr BRIGITTE.de-Team


"Wenn man früher nicht mochte, was man in der Zeitung las", schreibt der in den USA sehr bekannte Blogger Glenn Reynolds in seiner bestechenden Analyse "An Army of Davids", "dann konnte man sich entweder bei seinen Nachbarn darüber beklagen oder einen Leserbrief schreiben, der – vielleicht – Tage oder Wochen später veröffentlicht werden würde, wenn jeder vergessen hat, worum es überhaupt ging." Und wenn damals eine bestimmte soziale Gruppe mit journalistisch fragwürdigen Mitteln ins Abseits gestellt wurde, dann war das eben das Problem dieser Gruppe. Dank dem Internet ist es jetzt das Problem der Journalisten geworden, die nicht gründlich genug recherchiert haben. "We can fact-check your asses" brachte das Ken Layne, ein anderer amerikanischer Blogger, auf den Punkt. Viele Journalisten in den USA haben das bereits begriffen. Viele deutsche noch nicht.

Nachtrag, eine Stunde später: BRIGITTE schmollt jetzt und weigert sich, meine Erläuterung online zu stellen, warum Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Männer eben keine zwei getrennten Themen sind. Genderama gratuliert zu so viel Kritikfähigkeit und zu so viel Interesse an einer ernsthaften Beschäftigung mit dem vorgestellten Thema.

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Donnerstag, Februar 21, 2008

"Die Frauen müssen die Machtfrage stellen"

Lisa Ortgies, Alice Schwarzers Nachfolgerin als Chefredakteurin der "Emma", profiliert sich so gut sie kann. Dabei schenkt sie sich vom Niveau her wenig mit der Interviewerin (einer Ulrike Demmer), was zu so ulkigen Wortwechseln führt wie diesem:

SPIEGEL ONLINE: Besonders zäh sind sie nicht, die "Neuen Väter". In der aktuellen Ausgabe der Frauenzeitschrift "Brigitte" jammern schon die ersten über ihre Doppelbelastung als berufstätige Väter und Hausmänner.

Ortgies: Ich finde es sehr amüsant, dass Männer sich über einen Lebensumstand beschweren, mit dem Frauen seit Jahrzehnten zu kämpfen haben. Frauen haben den Stress mehr oder weniger im Stillen ertragen, auch unter großen körperlichen Anstrengungen. Aber kaum sind Männer betroffen, wird das Problem zu einem gesellschaftlichen Skandal. Ich habe gehört, es gibt schon die erste Beratungsstelle für gestresste Väter mit Burnout-Syndrom. Trotzdem, diese Männer haben mein Mitgefühl. Die kommen ja zum ersten Mal in Berührung mit Küche, Kind und Krabbelgruppe. Das müssen die erst mal verarbeiten.


Öhm, Mädels, ihr habt natürlich allen Grund zur Häme, bei all den vielen männlichen Trotteln in Politik und Medien, die diese Häme überhaupt erst möglich gemacht haben. Aber wenn ihr zwischendurch ein Sekündchen zum Denken freimachen könntet: Es ist schon ein Unterschied, ob die armen, armen Frauen eine Halbtagsstelle und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen versuchen oder ob Männer dasselbe mit einer Vollzeitstelle versuchen. Aber die These mit all den Frauen, die ihr Leiden im Gegensatz zu Männern im Stillen ertragen haben, die ist schon ganz brauchbar. Für einen Fantasy-Roman.

Eh wurscht: Eine männliche Gegenrede dürfte es, wie immer, auf Spiegel-Online natürlich nicht geben. Stattdessen wird das weibliche Selbstgespräch wieder mal als "Geschlechterkampf" verkauft.

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