Dienstag, August 11, 2009

"Muss eine neue Regierung nicht endlich verbindliche Frauenquoten für Aufsichtsräte einführen?"

Auf der Website der Wochenzeitung "Freitag" findet derzeit eine interessante Abstimmung und Debatte zur aktuellen Frage der Woche über Quotenregelungen statt. Wenn man sich vorher anmeldet, kann man sich daran beteiligen. Abe auch ohne sich eigens anzumelden, kann man sich die bisher angeführten Argumente anschauen und wieviel Prozent der Anhänger einer bestimmten Partei pro und contra gestimmt haben. Und alles so schön bunt! Einerseits ein bisschen Spielerei, andererseits durchaus aufschlussreich.

Die aktuellsten Argumente gegen eine Quote habe ich ja erst vor wenigen Tagen hier veröffentlicht.

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Mittwoch, Juni 10, 2009

Kontroverse Presse für "Der entsorgte Vater"

Morgen läuft Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm "Der entsorgte Vater" in vielen Kinos an. In den Medien gibt es dazu schon seit einigen Tagen eine breite Berichterstattung, zu der sich bereits ein übergreifendes Zwischenfazit ziehen lässt: Damit, dass ein Filmemacher genauso parteiisch für Männer und Väter eintritt, wie seit Jahrzehnten etliche Autorinnen parteiisch für Frauen und Mütter eingetreten sind, kommen insbesondere die weiblichen Rezensenten einfach nicht zurecht. Mit ihrer eigenen Parteilichkeit bei den Rezensionen haben sie hingegen keine Probleme.

Martina Knoben setzt sich auf den Seiten der "Süddeutschen" so mit dem Film auseinander, wie man es von diesem Blatt erwarten darf: "Frauen sind Schweine" lautet polemisch bereits die Überschrift in dieser Zeitung, die sich noch nie einer sehr realen Männer-sind-Schweine-Propaganda entgegengestellt hat. Knoben verharrrt in dem Glauben, irgendetwas müssten die bösen Männer doch angestellt haben, damit ihnen ihre Ex-Frauen auf so perfide Weise zusetzen. Dass deren Sichtweise in der Dokumentation nicht vorkommt, daran sind natürlich ebenfalls nicht diese Frauen schuld, die sich Interviews verweigert haben, sondern der böse Filmemacher, der dieses Thema "ausspart" und so einen Dialog der Geschlechter "gar nicht erst versucht". Hätte Wolfsperger die Damen vor die Kamera prügeln sollen?

Wer es geschafft hat, nach diesem Artikel leichte Würgegefühle zu unterdrücken, sollte seine Selbstdisziplin auch beim folgenden Beitrag aufrechterhalten. "Neue Väter, alte Probleme" stänkert die linke Wochenzeitung "Freitag", und schon nach den ersten Zeilen hat man eigentlich keine richtige Lust mehr, den Artikel noch weiterzulesen:

In den Medien werden Väter gefeiert, die sich aufopferungsvoll um ihre ­Kinder kümmern. Die Realität sieht in den meisten Familien allerdings noch anders aus


Wer sich davon nicht abschrecken lässt und trotzdem weiterliest, stellt fest, dass Wolfspergers Film nur am Rande erwähnt wird und die "Freitag"-Macher vor allem die Sorge beschäftigt, dass wir Kerle uns wieder auf unsere Männlichkeit besinnen könnten - und dass die Männer viel zu sehr "von den Medien gehätschelt" würden. Ja, ich musste diese Zeilen auch erst zweimal lesen, aber das steht tatsächlich so da. Soviel also zu Augsteins Versuch, seine Zeitung mit weniger linker Ideologie zu befrachten.

Die Besprechung in der "Badischen Zeitung" macht von Anfang an keinen Hehl daraus, welche Gedanken die Autorin bei diesem Film am meisten beschäftigten:

Darf er das? Einen Film drehen, weil das seine Profession ist, und sich darin selbst zum Protagonisten machen? (…) Klar, niemand kann Douglas Wolfsperger verbieten, einen Dokumentarfilm über Väter (außer sich selbst hat er weitere vier Betroffene porträtiert) zu drehen, die von ihren Ex-Partnerinnen daran gehindert werden, ihre Kinder zu sehen.


Nein, verbieten konnte man Wolfsperger diesen Film nicht, seufzt der Rest der Rezension, wobei sich alle weiteren Zeilen in dem einen Wort bündeln lassen: leider.

Deutlich angemessener ist die Rezension des Berliner Stadtmagazins "Zitty", die auch gleich mit Matthias Matussek und der von ihm diagnostizierten "Scheidungs-Industrie" eröffnet:

Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“ gibt jetzt anschauliche Fallbeispiele dafür. Denn auch zehn Jahre nach Matusseks entrüstetem Pamphlet scheint sich am unfairen Grundsatz hierzulande nichts geändert zu haben. (…) Wolfsperger macht von Anfang an keinen Hehl daraus, dass seine private Leidensgeschichte Anlass für diesen Film ist. Vier Leidensgenossen porträtiert er dazu, Männer, deren Ex-Frauen erfolgreich alles daran setzen, den Kontakt zwischen Vater und Kind zu boykottieren. Es sind alles beileibe keine Machos, sondern weinende Väter, die ihre Kinder sehen und persönlich umsorgen möchten.


Beim SWR gelangt der ebenfalls männliche Rezensent zu dem Urteil, dass man Wolfsperger seine Parteilichkeit zwar vorhalten könne, er gibt aber zu bedenken:

Andererseits ist "Der entsorgte Vater" ein leiser, unaufgeregter Film - und eine eindringliche Mahnung an Eltern, sich ihrer Verantwortung füreinander und für ihre Kinder bewusst zu sein - auch bei einer Trennung.


Zugleich einfühlsam, informativ und ohne selbst Partei zu ergreifen, behandelt Patrick Goldstein in der "Berliner Morgenpost" das Thema und legt den Schwerpunkt seines Artikels auf Wolfspergers eigenen Konflikt mit seiner Ex. Dazwischen kommen einige unschöne Fakten deutlich zur Sprache:

Ringen Mutter und Vater ums Kind, gewinnt in Deutschland am Ende fast immer die Frau. In 5884 Fällen wurde im Jahr 2007 für die Mutter entschieden, dagegen bekamen im gleichen Zeitraum nur 495 Väter vom Gericht das Sorgerecht. Wo derzeit alles über die neue Rolle der Frau, über die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Karriere spricht, fühlen sich diese Väter mit ihren Sorgen vernachlässigt. Bis Wolfsperger im Frühjahr 2008 aufgeben muss, erlebt er (wie auch die Männer in seinem Film), dass er scheinbar keine rechtliche Handhabe besitzt, Umgang mit seinem Kind zu bekommen, wenn es zu keiner Einigung mit der Mutter kommt. "Der Machtfaktor der Männer nach der Trennung ist der Unterhalt. Für Frauen ist es der Umgang", sagt Peggi Liebisch unumwunden. Der Bundesgeschäftsführerin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter zufolge hätten dabei "die Kinder das Nachsehen. Denn Kinder haben ein Recht auf beide Elternteile."


Hm, das ist jetzt schon das zweite Mal, dass der Verband alleinerziehender Mütter und Väter in einem der Artkel mit einer Stellungnahme zitiert wird. Die Mütter haben dort deutlich die Übermacht. Für eine Stellungnahme etwa des Väteraufbruchs für Kinder schien sich von den männerverhätschelnden Medien niemand zu interessieren.

Etwas aufgebrochen wird das Schema "Lob von den Männern, Kritik von den Frauen" schließlich in Nina Gleiwitz Beitrag für die 3sat-Sendung "Kulturzeit". Auch hier ein paar Auszüge:

Der Kinofilm "Der entsorgte Vater" greift ein Tabu auf, das für unzählige nicht verheiratete Väter und deren Kinder ein stilles Drama ist. Stellvertretend für alle Betroffenen erzählen hier fünf Männer, darunter der Filmemacher selbst, von ihrer Verzweiflung, zwar Vater zu sein, ihre Vaterschaft aber nicht leben zu dürfen.

"Ich bin da völlig ohnmächtig", sagt einer der Väter im Film. "Ich kann auch gar nicht mehr heulen. Ich bin einfach über den Zustand des Heulens weg, weil es für mich als Vater nicht möglich ist, mein Kind zu sehen. Das ist einfach unfassbar." 60 Prozent aller unverheirateten Väter verlieren nach einer Trennung gegen ihren Wunsch jeden Kontakt zu ihren Kindern. (…)

Unverheiratete Väter haben in Deutschland vor dem Gesetz kein Sorgerecht. Dieses Gesetz soll 2009 von der EU gekippt werden. Die Bundesregierung war dazu nicht fähig. (…)

Wolfspergers "Der entsorgte Vater" ist ein notwendiger, ein trauriger Film. Auch wenn diese Väter es nicht geschafft haben, sich auch in die Sehnsüchte und Ängste ihrer Kinder hineinzuversetzen und sie so zum Teil ihrer eigenen Trauer zu machen.


Vielleicht wäre das bei einer Trauer, die selbst schon so groß ist, dass man sie kaum bewältigen kann, auch ein klein wenig viel verlangt.

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Dienstag, April 14, 2009

Freitag: "Bitte kein Genderama!"

Katrin Rönicke, eine Rezensentin der Wochenzeitung "Freitag", ist von "Rettet unsere Söhne" alles andere als angetan – mir fehle nämlich "das nötige Gender-Bewusstsein":

Das Buch „Rettet unsere Söhne – wie den Jungs die Zukunft verbaut wird und was wir dagegen tun können“ von Arne Hoffmann ist kurz zusammengefasst: Viel Halbwissen, das um eine gute Portion gefühlten Dreiviertelwissens ergänzt, zu einer ganz besonderen Melange aus guten Gedanken und absurdem Mist wurde.


Hier geht es weiter.

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Donnerstag, März 26, 2009

"Deutschland, deine Söhne"

In der Zwischenzeit gibt es eine ganz neue Bewegung - den Maskulinismus. Beim ersten Lesen hat mich der Begriff ziemlich erheitert - aber bei jedem weiteren Mal, bei dem ich Genderama lese, frage ich mich, was an Schlagzeilen wie "Männer lassen Jungen im Stich" oder Parolen wie "Rettet unsere Söhne" wirklich dran ist. Sind Jungs in unserem Land die heimlich benachteiligte Gruppe? Geht es ihnen schlechter als den vermeintlich diskriminierten Mädchen? Und warum ist das so?


Susanne Reindke setzt sich auf den Seiten des "Freitag" mit der Jungenkrise (und meinem Blog) auseinander.

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Donnerstag, Februar 05, 2009

"Freitag": Von der Leyens Prestigeprojekt droht zu scheitern

Vor zwei Jahren setzte Ursula von der Leyen gegen alle Widerstände den Ausbau der Kinderbetreuung durch. Doch das Prestigeprojekt der Ministerin droht zu scheitern.


Näheres berichtet die aktuell relaunchte linke Wochenzeitung "Freitag", zu deren neuem Konzept es übrigens gehört, dass auch Leserjournalisten dort eigene Beiträge veröffentlichen können. Von einer Kommunikation auf Augenhöhe ist die Rede. Bemerkenswert finde ich, dass die Klage über die freiwillige Gleichschaltung der Medien, die ich sonst eher von konservativer Seite kenne, auch der dezidiert linke Journalist und "Freitag"-Chef Jakob Augstein äußert:

Als die Russen in Georgien einmarschiert sind, hatten alle Zeitungen eine einheitliche Meinung zu dem Thema. Erst nach ein paar Wochen fing diese Einheitshaltung der deutschen Presse an, aufzubröseln und plötzlich sah das alles nicht mehr so klar aus. Die Berichterstattung der deutschen Presse ist normiert - freiwillig. Es zwingt sie niemand dazu. Das liegt aber daran, dass alle immer auf die gleichen Konferenzen gehen, die werden alle von den gleichen Programmen und Stipendien gefördert. Es ist so eine Alternativlosigkeit in der Presse, eine Meinungsscheu und eine Variantenarmut, die ich überhaupt nicht verstehe.


Leider ist der "Freitag" bei der Geschlechterdebatte bislang eher durch Schwachsinnsartikel wie diesen und diesen aufgefallen. Ich werde seine weitere Entwicklung mit Interesse verfolgen.

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Freitag, Juli 27, 2007

"Die Scham ist vorbei"

Beiträge aus der linken Zeitschrift „Freitag“ verlinke ich hier immer gerne, ist das doch eine der wenigen Postillen, die noch entschiedener auf der feministischen Linie schwimmen als beispielsweise die taz. Aktuell wird dort die Frage gestellt, „wie tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit aussehen könnte“. Indem man auch einmal nach den geschlechterpolitischen Anliegen von Männern fragt? Iwo. Es geht natürlich um einen Ausbau der feministischen Ideologie. Der heutige Artikel ist eine Art Zusammenführung von postkolonialem Feminismus (bell hooks etc.) und Queer-Bewegung (Judith Butler etc.) - als Thema durchaus interessant, hier allerdings in einem enorm schwafligen und unkonkreten Stil behandelt. Vielleicht am besten vor dem Einschlafen lesen?

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Freitag, Juni 01, 2007

„Es geht viel mehr um Väter als um Mütter“

Der “Freitag“ übernimmt auszugsweise ein Interview aus der Zeitschrift „Feministische Studien“ über die Geschlechterpolitik in Schweden im Vergleich zu Deutschland.

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Freitag, Mai 04, 2007

„Ihr Opfer!“

„Der neue Feminismus will nicht der alte sein, weil das Opferkleid schlecht zur konservativen Diskursmode passt.“ Das befinden Sabine Hark und Ina Kerner in einem aktuellen Artikel der linken Wochenzeitung „Freitag“. Ein Auszug:

Schaut man sich das, was in den verschiedenen Beiträgen verhandelt wird, jedoch genauer an, und achtet man dabei besonders darauf, wer wen wie darstellt, so ist die Debatte nicht mehr vor allem gut, sondern vor allem bizarr. Oder auch bezeichnend, und zwar für die Kraft antifeministischer Rhetorik, die man etwas pessimistischer auch als die Macht des antifeministischen Diskurses beschreiben könnte. Eines Diskurses, der längst fast alle Statements der Debatte erfasst hat, und zwar nicht nur diejenigen der Hermans und Bolzens, sondern auch jene, die auf eindeutige Plädoyers für geschlechterpolitischen Wandel hinauslaufen. Also auf Proklamationen des alten, meist aber eines neuen Feminismus. Besonders deutlich wird dies beim Umgang mit der Figur des Opfers, die erstaunlich prominent ist in der aktuellen Geschlechterdebatte; als ob es nach nun schon gut 40 Jahren neuer Frauenbewegung und feministischer Theorie - zumindest in Westdeutschland - nicht auch nuancierter ginge. Opfer - soviel ist sonnenklar - will unter den neuen Feministinnen keine sein. (...)

Dass wir einen neuen Feminismus tatsächlich brauchen, darüber werden sich alle, die über Geschlechterverhältnisse nachdenken, wohl schnell einig werden können. Die Herausforderungen von heute sind andere als diejenigen, auf die der Feminismus der siebziger Jahre reagierte. Politisch sinnvoller als die Geste des großen Bruchs, demonstriert durch den Griff in die antifeministische Klamottenkiste, wäre hier allerdings eine durchdachte Revision. Eine Revision, die nach wie vor gültige Versatzstücke des Alten mit Neuem verbindet und Kraft eher aus ihren Zielen schöpft denn aus dem Versuch, sich im konservativen Lager beliebt zu machen - sei es durch die Rhetorik individueller Leistungsfähigkeit oder durch die Entsolidarisierung mit jenem Feminismus alter Schule, der durch das Anprangern gesellschaftlicher Strukturen und durch radikale Forderungen aufgefallen ist.

Schließlich, und das ist vielleicht mehr als nur eine Petitesse, wird an anderer Front stilisiert und gejammert, was das Zeug hält. Denn während die neuen Feministinnen wieder und wieder betonen, keine Opfer zu sein, viktimisieren sich in der aktuellen Geschlechterdebatte vermehrt die antifeministischen Männer. Vorreiter ist hier der Interessenverband MANNdat, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, öffentlich aufzuzeigen, "wo Männer überall zu kurz kommen". Ohne Stärkung der Rechte von Männern und Jungen, so der Verein, sei eine "wirkliche Gleichberechtigung" unmöglich. Einen lautstarken Leidensgenossen findet der Verein in Norbert Bolz, der sich ebenfalls als Opfer wähnt: Feministinnen, Politiker und Bevölkerungswissenschaftler arbeiteten an einer Umerziehung der Männer. Sie bürdeten ihnen Verantwortung für Haushalt und Familie auf und machten sie damit für Frauen unattraktiv. Was soll man dazu sagen?


Na zum Beispiel: "Weiter so!"

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