Donnerstag, September 23, 2021

"Alles Männliche wird heute verteufelt: Das Leiden der Männer" – News vom 22. September 2021

1.
Es ist ein Tabu-Thema: Männer, die sich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt fühlen.

Kaum einer traut sich, darüber zu sprechen. Zu gross ist die Angst, falsch verstanden zu werden. In der Sendung "Rundschau" wagen mehrere Männer den Schritt. Zwar teilen sie die Anliegen der Frauenbewegung im Grundsatz. Doch es sei an der Zeit, über die Schattenseiten zu reden – das Leiden der Männer.


Hier geht es weiter.



2. Während einerseits "alles Männliche verteufelt" wird, ist das Bestreben vieler Frauen danach, Männer zu imitieren und sich ihnen möglichst stark anzuähneln, ungebrochen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Debatte, ob der nächste Indiana Jones oder der nächste James Bond eine Frau sein solle. Letzteres lehnt der Bond-Darsteller Daniel Craig ab:

Der Schauspieler spricht sich dagegen aus, die Bond-Rolle mit einer Frau oder einem nicht-weißen Mann zu besetzen, nur um diesen im Kino lange unterrepräsentierten Gruppen große Rollen zu geben. Sein Gegenvorschlag: "Es sollte einfach bessere Rollen für Frauen und farbige Darsteller geben". Und weiter: "Warum sollte eine Frau James Bond spielen, wenn es eine Rolle für Frauen gäbe, die genauso gut wäre?"


Ich stimme Craig hierin zu. Beispielsweise gibt es die Romanfigur Modesty Blaise von dem Autor die 1963 vom englischen Autor Peter O’Donnell geschaffen wurde und dessen Storys problemlos mit den Bond-Geschichten mithalten können. Als ich 16 war, hatte ich selbst zum Beispiel sämtliche Modesty-Blaise-Romane verschlungen, während ich mich für Ian Flemings Bond-Bücher kaum begeistern konnte. Es gibt keinen Grund, warum man aus Modesty Blaise heute keine erfolgreiche Action-Film-Heldin machen könnte. Das starke feministische Bestreben danach, ausgerechnet jene Männer nachzuahmen, die man sonst durch den Schmutz zieht, ist psychologisch nicht uninteressant. Hier drängt sich der starke Verdacht auf, dass hinter vielen dieser Attacken nichts anderes als blanker Neid steht.



3. Vor ein paar Monaten fegte eine alarmierende Schlagzeile durch unsere Leitmedien: "Politikerinnen besonders oft Ziel von Hass" meldete beispielsweise die Tagesschau und berichtete von einer "Report-München"-Umfrage unter allen weiblichen Bundestagsabgeordneten, die zu schockierenden Ergebnissen gelangt sei. Mit "Der Hass auf Frauen, die Politik machen, ist viel schlimmer geworden" zitierte der Berliner "Tagesspiegel" Bundesjustizministerin Lambrecht.

Jeder allerdings, dem durch unsere Leitmedien allerdings kein sexistischer Blick antrainiert worden war, der fragte sich: Warum wird hier nur der Hass auf weibliche Politiker erforscht und skandalisiert und männliche Zielscheiben von Beschimpfungen außen vor gelassen?

Seit vorgestern liegt nun eine Studie der NGO Hateaid vor, die Online-Angriffe auf Politiker beiden Geschlechts ausgewertet hat, also Beschimpfungen wie "Idiot", "Schlampe", "Faschist", "Abschaum", "Hurensohn" und andere Freundlichkeiten in männlicher wie weiblicher Form (wobei es mir schwer fällt, eine gegenderte Variante zu "Abschaum" und "Hurensohn" zu finden). Das Ergebnis der Untersuchung ist nicht überraschend:

Der Trend aus dem ersten HateAid Report aus dem August hält an: Über den CDU-Spitzenkandidaten [Armin Laschet] wurde auf Twitter in den letzten Wochen am meisten gesprochen: Er wurde binnen eines Monats nicht nur 662.540-mal in Tweets erwähnt, sondern mit 27.476 entsprechenden Kommentaren auch am häufigsten im Zusammenhang mit potenziell beleidigender und verletzender Sprache genannt.

Olaf Scholz (SPD) wurde in 6.690, Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) in 5.524 Tweets im Kontext mit potenziell beleidigender und verletzender Sprache genannt. Zu Christian Lindner (FDP) gab es binnen eines Monats 1.599 solcher Kommentare, zu Janine Wissler (Die Linke) 283. Alice Weidel (AfD) wurde 684-mal im Kontext von potenziell beleidigender und verletzender Sprache erwähnt. Die inhaltliche Analyse dieser Tweets zeigt allerdings, dass ein signifikanter Teil der Kommentare Weidel zwar erwähnt, aber andere Personen angreift. Ein Beispiel: In Tweets, in denen Annalena Baerbock mit potenziell beleidigender oder verletzender Sprache angegriffen wurde, wurde Alice Weidel zwar ebenfalls erwähnt – allerdings als positives Gegenbeispiel.


Die Schlagzeile "Frauen besonders betroffen" lässt sich also auch in diesem Bereich nur halten, wenn man männliche Opfer von Anfang an ignoriert. So wie in vielen anderen Fällen machen unsere Leitmedien ein Problem, das geschlechtsunabhängig auftritt und das man entsprechend angehen sollte, ein Frauenproblem. Selbst in einem Spiegel-Online-Artikel, der über die Erkenntnisse der Hateaid-Studie berichtet, heißt es unverdrossen:

Eine von denjenigen, die sich wegen Hasskommentaren an Hateaid gewandt hat, ist Laura Dornheim. Sie will für die Grünen als Kandidatin in Berlin-Lichtenberg in den Bundestag einziehen.(…) . "Gerade in diesem Wahlkampf haben die sexistischen und misogynen Beleidigungen noch einmal zugenommen", sagt Dornheim, die sich bereits seit mehreren Jahren offen im Netz gegen Sexismus und für Frauenrechte engagiert.


Ein Engagement gegen die nach dieser unausgegorenen Logik "misandrischen" ("männerfeindlichen") Angriffe auf Laschet, Scholz und Lindner wird in diesem Artikel nicht erwähnt.

Gerade gestern wurde es auf Twitter übrigens besonders wild: Karl Lauterbach bezeichnete Hans-Georg Maaßen als "Nazi", Wolfgang Kubicki berichtete, in seiner Stammkneipe werde Lauterbach als "Spacken" betitelt (er selbst halte viel von Lauterbach und trete solchen Beschimpfungen entgegen), woraufhin sich halb Twitter über Kubicki ereiferte und der FDP-Politiker beispielsweise als "Protofaschist" beleidigt wurde. Weibliche Opfer bei dieser Massenkeilerei: keine.



4. Der Berliner Verdienstorden wird künftig streng nach Quote vergeben: "Bei mindestens der Hälfte der Auszuzeichnenden soll es sich um Frauen handeln." ("Mindestens"!) Diese vom rot-rot-grün geführten Berliner Senat eingeführte Regelung war dringend notwendig geworden: In den vergangenen Jahren hatte man 27 Frauen und 30 Männer mit dem Orden ausgezeichnet.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu der gestern veröffentlichten Genderama-Meldung über das Männerhaus in Bern:

Danke für die Veröffentlichung des Artikels in Genderama. Deine Bemerkung, dass es in der Schweiz etwas besser laufe teile ich jedoch nicht. Das Männerhaus ist eine absolute Ausnahme. Aktuelles und persönliches Beispiel: Wir suchten kürzlich einen neuen Mitarbeiter (m/w/d). Die Personalabteilung teilte mir mit, dass wir einer Frau eine Festanstellung geben dürfen, einem Mann aber nur einen befristeten Vertrag. Begründung der Mitarbeierin (w): "Bei uns arbeiten zu wenige Frauen, wir brauchen unbedingt mehr". Bei dieser Firma handelt es sich um einen sogenannten bundesnahen Betrieb. Als bundesnahnah gelten Firmen, bei welchen der Bund die Aktienmehrheit hält (z.B. Post, Telekom, Bahn).




Mittwoch, September 22, 2021

"Es ist das perfekte System, um jede Kritik zu verhindern" – News vom 22. September 2021

1. Der Professor für Philosophie Peter Boghossian wurde einer breiten Öffentlichkeit, durch die sogenannte "grievance studies affair" bekannt. Boghossian und seine Mitstreiter hatten offenkundig absurde Beiträge, die sich passgenau beispielsweise in die Weltsicht der Gender Studien passten, entsprechend ideologisierten Fachzeitschriften angeboten und waren dort auf positive Resonanz bis hin zur Veröffentlichung solcher Beiträge gestoßen. Damit zeigten Boghossian & Co. auf, dass solchen Fachbereichen die "korrekte" politisch-moralische Haltung weit wichtiger als wissenschaftliche Seriosität war. Genderama berichtete über diesen Vorfall ausführlich.

Seit mehreren Tagen wird nun ein offener Brief verbreitet, mit dem Boghossian seine Kündigung bei der Universität Portland erklärt: Er könne die dortige Cancel Culture und das Heranzüchten einer Generation ideologisierter Fanatiker nicht länger ertragen. Jetzt hat "Die Welt" Boghossian hierzu ausführlich interviewt. Ein Auszug aus dem insgesamt lesenswerten Gespräch:

WELT: Sie haben zehn Jahre lang als Vollzeit-Assistenzprofessor für Philosophie an der Portland State University gearbeitet – bis Sie letzte Woche Ihr Rücktrittsschreiben (das auch in WELT erschien) veröffentlichten. Darin bezeichnen Sie die Universität als "Fabrik für soziale Gerechtigkeit", die von "Intoleranz gegenüber abweichenden Überzeugungen" geprägt sei. Kurz darauf haben Sie getwittert: "Seit ich gekündigt habe, wache ich mitten in der Nacht vor Glück auf. Das ist ein ungewöhnliches Problem." Was macht Sie so glücklich?

Peter Boghossian: Nun, heute Morgen stand ich unter der Dusche und fing spontan an zu singen. Ich muss keine Kompromisse mehr eingehen. Einer meiner Stalker hat mir gerade wieder eine E-Mail geschickt, in der er mir mitteilte, er würde meinen Chef anrufen, die Universität anrufen. Das kann er jetzt machen, wie er lustig ist. Die Universität kann mir nichts mehr antun. Sie können mich nicht mehr schikanieren, sie kann mich nicht mehr quälen, also bin ich wirklich frei.

(…) WELT: Wodurch entsteht das, was Sie als Klima der ideologischen Konformität beschreiben?

Boghossian: Durch Angst. Angst davor, seine Meinung zu äußern, Angst davor, als Rassist bezeichnet zu werden. Ich habe einen kritischen Artikel im "Chronicle of Higher Education" veröffentlicht, woraufhin man in einer Fakultätssitzung die Entscheidung traf, dass Kritik an der "Critical Race Theory" einer Belästigung von Wissenschaftlern gleichkommt. Doch Kritik an Ideen ist keine Belästigung, das habe ich auch öffentlich kundgetan. Tatsächlich ist es nicht nur keine Belästigung, es ist unser Job. Als Wissenschaftler wird man dafür bezahlt, zu lehren, zu veröffentlichen und sich mit Ideen auseinanderzusetzen. Doch so wird man daran gehindert, diese Orthodoxie infrage zu stellen. Stellt man eine Frage, gilt das als Mikro-Aggression. Stellt man einen Grundsatz der "Critical Race Theory" in Frage, ist man ein Belästiger oder ein Rassist. Es wurde also ein auf bizarre Weise perfektes Vorgehen implementiert, um zu verhindern, dass diese Ideen kritisiert werden. Dazu kommt eine ganz eigene Sprache. Man hört Dinge wie: "Ich rede nicht mit Ihnen, weil das platforming ist", oder "Ich werde Ihren Ideen keine Möglichkeit zur Verbreitung bieten". Mit anderen Worten: Allein dadurch, dass ich mit jemandem rede, gebe ich dessen Ideen eine Stimme. Abgesehen davon, wie kaputt allein das ist, wollen sie nicht einmal, dass jemand anderes mit jemandem spricht, den sie nicht mögen. Wenn sie also sagen "Der ist ein Nazi, der ist ein schrecklicher Kerl" – und heutzutage ist ja jeder ein Nazi –, dann darf auch nicht mit diesem jemand gesprochen werden. Es ist wirklich ein perfektes System, um jede Form der Kritik an einer Idee zu verhindern.

(…) WELT: Der klassische Liberalismus geht davon aus, dass menschlicher Fortschritt durch Debatten und Reformen zustande kommt. Versagen die Universitäten heutzutage in dieser Hinsicht?

Boghossian: Ideologen betrachten die Universität als einen Ort, an dem sie Menschen indoktrinieren können. Sie bilden Menschen zu Aktivisten aus. Das Problem ist, dass die Wahrheit dann nicht mehr unser Leitstern ist – dabei muss sie das immer sein.

(…) WELT: Sie haben viele Ihrer akademischen Kollegen verärgert, indem Sie Pseudo-Forschungsarbeiten verfasst und in sozialwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht haben, um fragwürdige akademische Standards in Bereichen wie der Geschlechterforschung aufzuzeigen. Zu diesen Arbeiten gehörte ein Artikel, in dem behauptet wurde, Penisse seien ein soziales Konstrukt – und für den Klimawandel verantwortlich. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Boghossian: Unser Vorbild war Alan Sokal (Physiker, Anm. der Redaktion). Er war Erste, der einen solchen Hoax-Artikel veröffentlicht hat, weil er sich darüber aufregte, dass die wissenschaftliche Sprache bisweilen missbraucht und somit schlicht Blödsinn verbreitet wird. Er schrieb also einen Artikel in einer postmodernen Zeitschrift, der eine riesige Kontroverse auslöste und viel Aufsehen erregte. So kamen wir auf diese Idee. Wir sahen den Illiberalismus an der Universität, die Zensur. Wir sahen, dass Dinge nur veröffentlicht werden, wenn sie einen bestimmten Standpunkt teilen. Widerspricht man dem, gibt es keine Chance auf Veröffentlichung. Und wenn man nicht veröffentlicht wird, wird man nicht befördert. Will man also befördert zu werden, muss man am immer selben Strang ziehen, dieselben Ideen haben. Bloß nicht widersprechen. Also dachten wir: Warum veröffentlichen wir nicht auch eine solche Arbeit. Und dann fingen meine Probleme erst richtig an.

WELT: Können Sie das näher ausführen? Wie hat Ihre Universität reagiert?

Boghossian: Um es vorsichtig auszudrücken: Man war nicht glücklich darüber. Meine Kollegen sprachen nicht mehr mit mir. Es gab Kritik, die Medien – vor allem die linken – drehten durch. Sie waren der Ansicht, unser Artikel bewirkte nicht, was wir erreichen wollten, dazu müssten wir noch viele weitere solcher verrückten Artikel veröffentlichen. Besser konnte es für uns gar nicht laufen. Also legten wir nach.

WELT: Und dann begannen die Schikanen, von denen Sie in Ihrem Rücktrittsschreiben erzählen.

Boghossian: Ich habe schon vor den Fake-Veröffentlichungen begonnen, Dinge zu hinterfragen – ich fand nur keine Antworten, daher diese Artikel. Es war klar, dass Leute sich über mich aufregen würden; dabei habe ich stets auf meinen Ton geachtet, ich war höflich. Doch die Reaktionen lauteten nicht etwa, dass ich etwas nicht wüsste, dass ich keine Informationen hätte – vielmehr wurde mir Rassismus vorgeworfen oder einfach, dass ich ein schlechter Mensch sei. Das fand ich so bizarr, dass so etwas an einer Universität passieren konnte. Und all das, weil ich über einen abstrakten Penis geschrieben hatte. Dann begannen die gezielten Belästigungen, dann kamen die Hakenkreuze (mit seinem Namen darunter in Badezimmern in der Nähe des Fachbereichs Philosophie der Portland State University, Anm. der Redaktion).

(…) Ich habe die Leute wiederholt gebeten, mit mir zu reden, aber das wollte niemand. Ich habe sogar zu einem wichtigen Mann, der an meiner Universität für Diversität zuständig ist, gesagt, dass ich es einfach nicht verstehe, und dass ich ihn gerne zum Mittagessen einlade, damit er es mir erklärt. Daraufhin meldete er mich bei der Verwaltung, weil ich ihm diese Frage gestellt hatte. Dabei wäre das genau sein Job, im wahrsten Sinne des Wortes. Warum ich also gekündigt habe? Es gibt einige Gründe. Die ständigen Untersuchungen gegen mich war einer.

WELT: Auch das führen Sie in ihrem offenen Brief aus: Immer wieder kam es zu Untersuchungen Ihrer Person seitens der Universität. Blieben sie alle ergebnislos?

Boghossian: Bei all diesen Untersuchungen wurde niemals etwas gefunden. Ich weiß nicht, wie viele Hunderttausende Dollar man ausgegeben hat, um gegen mich zu ermitteln. (…) Das war ein Teil der ganzen Geschichte. Die andere Sache war, dass der Rektor der Universität sich nicht mit mir treffen wollte. Er weigerte sich, obwohl ich ihn wiederholt um bloß fünf Minuten seiner Zeit bat. Seine Mitarbeiter sagten mir stets, er sei zu beschäftigt. Es gelang mir aber, ein Treffen mit einem der Dekane zu bekommen, und ich sagte zu ihm, dass die "Stiftung für individuelle Rechte im Bildungswesen" die Portland State University im Jahr 2020 als eine der zehn schlechtesten Hochschulen in Bezug auf Redefreiheit einstufte. Darauf sagte er zu mir, es sei gut, auf diesen Listen zu stehen. Das hat mich einfach umgehauen, weil mir in diesem Moment klar wurde, dass dies kein Fehler im System ist, sondern ein Wesensmerkmal. Das System ist so konzipiert. Da wurde mir klar, dass ich nicht mehr an der Portland State lehren konnte.

(…) WELT: Das heißt, dass die Verwaltungsbeamten intoleranter sind als die Studenten?

Boghossian: Es gibt einige sehr lautstarke Studenten. Aber die Leute, die zu mir kamen, haben sich meine Kurse selbst ausgesucht. Ich denke, dass die überwiegende Zahl der Studenten, die meine Kurse besuchten, deswegen kamen, weil ihnen gefiel, was ich zu sagen hatte, oder weil sie die Kontroverse interessierte. Eine sehr kleine Minderheit kam, weil sie mich hasste und mich verhöhnen wollte.

WELT: Wie würden Sie die Atmosphäre an Ihrer Universität beschreiben?

Boghossian: Es ist ein ständiger Eiertanz, alle haben Angst. Die vielen Studenten, mit denen ich gesprochen habe, mögen die Atmosphäre nicht. Sie mögen den Mangel an Freiheit ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie keine herausfordernden Fragen zu bestimmten Dingen stellen können. Fragen speziell zu Themen wie Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Transgender sind einfach eine rote Zone. Das universitäre Umfeld ist also, wenn man die vorherrschende Orthodoxie infrage stellt, von Angst geprägt. Ich selbst wachte jeden Tag auf, schaute in mein E-Mail-Postfach an und sah die Zahl der Universitäts-E-Mails von null auf hundert steigen. Stets fragte ich mich, wer sich über mich beschwert und welche Untersuchungen gegen mich geführt werden. Es wird also ein Angstklima geschaffen, um die Leute bei der Stange zu halten und zu verhindern, dass etwas infrage gestellt wird. Darum fühle ich mich jetzt so frei: Ich muss mich einfach nicht mehr damit auseinandersetzen.

(…) WELT: Welche Auswirkungen hat diese Verderbtheit auf die Studenten?

Boghossian: Nun, sie werden reizbarer und zerbrechlicher sein. Sie werden weniger tolerant gegenüber anderen Ideen sein, weil sie davon überzeugt sein werden, die Wahrheit zu kennen. Sie werden außerdem weniger neugierig sein. Wir erweisen diesen Studenten also wirklich einen Bärendienst. Das ist der andere Grund, warum ich da nicht länger mitmachen wollte – damit will ich nichts zu tun haben.

WELT: Klingt nach einer ausweglosen Situation. Was kann man dagegen tun?

Boghossian: Man sollte zu den Treffen gehen, Dinge dokumentieren. Keine Angst vor dem Mob haben, ehrlich zu sich selbst sein und sich klarmachen, dass selbst einfache Fragen einen Preis haben und manche alles daran setzen werden, dass er bezahlt wird. Nach Sokrates kann einem sittlich guten Menschen von einem sittlich schlechten Menschen kein Schaden zugefügt werden. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob das stimmt, aber es ist ein schöner Gedanke. Deshalb ist es wirklich wichtig, immer ehrlich zu den Menschen zu sein, denn das ist der beste Schutzschild: Sie mögen zwar unterschiedliche Meinungen haben, aber sie werden nie deine Integrität infrage stellen. Solange man seine Integrität bewahrt, kann man das alles überstehen.


Die Erfahnrungen, die wir Männerrechtler machen, wenn wir Argumente und Fakten vorlegen, die bei einigen Ideologen unerwünscht sind, sind ganz ähnlich. In Politik, Leitmedien und akademischen Institutionen gelten wir als unberührbar.

Einen satirisch angehauchten Überblick über die aktuellsten Trends, die zum Verfall der akademischen Institutionen beitragen, bietet das (neglschsprachige) Orwellexicon.



2. In der Schweiz immerhin läuft es ein wenig besser: Die Neue Zürcher Zeitung stellt in einem ausführlichen Artikel das Männerhaus in Bern vor, das gerade mit dem Swiss Diversity Award in der Kategorie Equality ausgezeichnet worden ist, und berichtet über die Erfahrungen von drei Bewohnern.



3. Ebenfalls in der Neuen Zürcher Zeitung findet man einen Gastkommentar von Margit Stamm: "Welche Väter braucht das Land? – Wenn Fürsorgearbeit ein Karrierekiller ist" Ein Auszug:

Dass Männern Hindernisse in den Weg gelegt werden, sobald sie Nachwuchs bekommen, ist nicht neu. Manche berichten von negativen Erfahrungen, wenn sie vom Bild des Mainstream-Mannes abweichen und ihnen dies als Verweigerungshaltung ausgelegt wird. Kommunizieren sie, dass sie ihre beruflichen Verpflichtungen reduzieren wollen, müssen sie sich manches anhören. Entweder werden sie als Ferientechniker etikettiert ("Willst du nun zu Hause chillen?") oder dann als Versager ("Wie geht es dir, du Aussteiger?")

(…) Grundsätzlich hat sich das Selbstverständnis der Väter jedoch deutlich gewandelt. 75 Prozent wollen am Aufwachsen ihrer Kinder beteiligt sein. Trotzdem fühlen sie sich verpflichtet, die finanzielle Familienverantwortung zu tragen und im richtigen Moment Karriere zu machen. Dies zu balancieren, gelingt nur 40 Prozent, und lediglich jeder Dritte hat das Gefühl, genug Zeit für Partnerin und Familie zu haben. Obwohl dieses männliche Vereinbarkeitsproblem empirisch gut belegt ist, wird es im Gegensatz zur Glorifizierung der mütterlichen Vereinbarkeitsleistungen oft herablassend als männliche Schwäche abgetan.

(...) Wir brauchen eine zukunftsfähige Familien-, Gesellschafts- und Unternehmenspolitik. Ihre Aufgabe ist es, nach Wegen zu suchen, wie Männer zusammen mit der Partnerin die Vorstellungen von Erwerbstätigkeit und Vaterschaft realisieren und ihre Berufsidentität zusammen mit der Verantwortung in der Familie neu definieren können. Männer, die beschliessen, den Fokus stärker auf Familie und Fürsorge zu legen, sind weder neue Helden noch Versager oder Aussteiger.

Aber sie sind Vorreiter, welche Betriebe zur Veränderung der Unternehmenskultur provozieren können. Damit machen sie Druck für einen gesellschaftlichen Wandel, wenn vorerst auch eher in homöopathischen Dosen. Um die Wirkung zu verstärken, sollten Väter endlich ihre Stimme erheben und sich auch getrauen, Forderungen zu stellen. Damit schaffen sie das Fundament für die nächste Phase einer geschlechtergerechteren Emanzipation.


Dass Männer, die "sich getrauen Forderungen stellen", als rechtsextreme frauenhasser etikettiert zu werden, bis dieses Fundament steht, da müssen wir offenbar einfach durch.



4. Wie das Ärzteblatt aktuell berichtet, sterben fast zwei Millionen Männer jährlich wegen ihres Berufs. Die Experten warnten, dass die Coronakrise die Lage noch verschlimmern könnte. Überproportional betroffen von berufsbedingten Todesfällen waren Menschen über 54 Jahren, vorrangig aus dem Raum Südostasien und im Westpazifik sowie natürlich Männer. "Es ist schockierend, dass so viele Menschen buchstäblich durch ihren Beruf getötet werden", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. NGOs wie MANNdat machen dieses Problem und das bestehende Ungleichgewicht allen Anfeindungen und Ausgrenzungen zum Trotz beharrlich zum Thema.



5. "Ich finde es interessant, dass diejenigen, die ständig von Diskriminierung sprechen, den Begriff ‚alter weißer Mann‘ diskriminierend gebrauchen," sagt FDP-Vize Wolfgang Kubicki.



Dienstag, September 21, 2021

Neue Erkenntnisse: Frauenförderung macht Frauen immer arroganter – News vom 21. September 2021

1. Vorgestern berichtete die Neue Zürcher Zeitung über bemerkenswerte neue Forschungsergebnisse. In dem Artikel heißt es:

Frauen seien weniger kompetitiv, harmoniebedürftiger und teamorientierter als das andere Geschlecht, heisst es (…). Und: Wegen des schlechteren Selbstvertrauens träten Frauen in Lohngesprächen zu wenig bestimmt auf – was zu tieferen Löhnen führe und dazu, dass sie es oft nicht bis ganz nach oben in der Hierarchie schafften. Nur: Sind diese Aussagen in ihrer Absolutheit so wirklich noch korrekt? (…) Seit langem machen mehr Frauen als Männer Abschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen. Und bei Rekrutierungen und Beförderungen werden Frauen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor bevorzugt.

Eine neue Untersuchung zeigt denn auch ein differenzierteres Bild. So wertete die Avenir Group Daten aus ihren Assessments der letzten fünfzehn Jahre aus. Assessment-Center beurteilen im Auftrag von Headhuntern und Unternehmen Bewerber für Kaderjobs. Dies anhand von Tests, Rollenspielen und Gesprächen.

Die Firma testet 600 bis 700 Kandidatinnen und Kandidaten pro Jahr. Aus den Daten analysierte sie eine repräsentative Auswahl von 728 im Detail. Das Ergebnis: Frauen zwischen 25 und 40 Jahren stufen ihre Fähigkeiten und Leistungen noch deutlich schlechter ein, als das gleichaltrige Männer tun. Ab 40 dann aber steigt das Selbstvertrauen der Frauen – und zwar deutlich. Und überholt etwa ab 45 dasjenige der gleichaltrigen Männer.

(…) Zum einem ähnlichen Schluss gelangte eine Studie aus den USA, die im Juni 2019 in der "Harvard Business Review" publiziert wurde. Auch dort stuften sich 5000 Frauen bis 40 im Mittel deutlich tiefer ein als die gut 4000 befragten Männer. Das Selbstvertrauen der in den USA befragten Frauen stieg dann deutlich an, ab 45 waren die Männer überholt. Insgesamt gewannen die Männer über den Zeitraum von 25 bis +60 Jahre "nur" 8,5 Prozentpunkte an Selbstvertrauen, die Frauen dagegen um ganze 29%.

(…) Seit einigen Jahren werden Frauen auf allen Ebenen stark gefördert. Es ist heute sogar so, dass faktisch jedes Unternehmen inklusive der öffentliche Arbeitgeber schriftlich festgesetzt hat, dass Männer bei Rekrutierungen und bei Bewerbungen diskriminiert werden. So heisst es stets: Selbst wenn der Mitbewerber über die gleiche Qualifikation verfügt, wird die Frau bevorzugt – wegen ihres Geschlechts.

Das hat Auswirkungen auf das Ego der Frauen. Und das hat nicht nur positive Folgen. Laut Doris Keller Creus, Partnerin beim Personalberater XCG, suchen Kunden heute oft explizit Frauen für Chefjobs. "An Headhunter werden Suchaufträge vergeben, in denen Firmen ausschliesslich Frauen auf der Shortlist haben wollen. Diese stehen dann unter hohem Erfolgsdruck und müssen oft Kompromisse bei ihrer Personalsuche eingehen. Entsprechend kommen immer wieder Kandidatinnen in die Auswahl, die zwar grundsätzlich über gutes Potenzial, aber häufig noch nicht über die nötigen Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Top-Position verfügen oder einfach zu früh in ihrer Karriere gepusht werden", kritisiert sie."Dabei erhalten Bewerberinnen oft zu wenig ehrliches, konstruktiv-kritisches Feedback vom Unternehmen oder dem Rekrutierer. Das aber wäre für die Weiterentwicklung essenziell, eine bessere Selbsteinschätzung würde für künftige Bewerbungen helfen."

(…) Das Pendel hat jetzt stark auf die andere Seite ausgeschlagen. Zu stark? Denn auch das Ego der Männer hat sich verändert. Ein Mann, der eine Stelle im öffentlichen Dienst sucht, ist überzeugt, "nur dann eine Chance zu haben, wenn sich keine Frau bewirbt". Fatalistisch auch ein Jugendlicher zur "NZZ am Sonntag": "Auf die coolen Lehrstellen habe ich eh keine Chance, da bewerben sich immer auch Frauen".

Zwei Partner eines grossen Headhunters möchten sich nicht öffentlich zum Thema äussern. Sie bestätigen aber, dass heute öfter jüngere Frauen für Kaderjobs angesprochen werden. Und zwar mehr als gleichaltrige, gleich qualifizierte Männer. Manchmal hole man diese Frauen zu früh. Es sei in der Tendenz "eher" so, dass jüngere Frauen bei Bewerbungen auf Führungspositionen arrogant auftreten und ihre Fähigkeiten überschätzen würden.




2. Die "IG Jungen, Männer, Väter" hat von den Parteien die Antworten zu den Fragen und Forderungen in den Wahlprüfsteinen erhalten und veröffentlicht. Dazu merken die Vertreter der IG an:

Insgesamt lässt sich anhand der Antworten festhalten, dass bei allen Parteien großer Aufklärungsbedarf für Themen von Jungen, Männern und Väter besteht. Dieser reicht vom Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung, über die Umsetzung von Kindeswohl bis hin zur Priorisierung von Gewaltprävention zwischen sogenannten Hassverbrechen und echter, physischer Gewalt.


Ein Totalausfall beim Beantworten der Bürgerfragen gab es diesmal bei SPD und FDP.



3. Hm, so richtig beherrscht Olaf Scholz korrektes Gendern aber noch nicht.



4. In der Schweiz soll das Renteneintrittsalter von Frauen und Männern einander angeglichen werden. Dieser Versuch einer echten Gleichstellung führte prompt zu Massenprotesten von Frauen, die ihre Privilegien nicht verlieren wollten. Bei Christian Schmidt kann man darüber diskutieren.



5. Einer meiner Leser weist mich auf eine Sammlung feminismuskritischer Cartoons von wechselnder Qualität hin. Bei diesem, diesem und diesem etwa halte ich die Satire für gelungen.



Samstag, September 18, 2021

Ehemann und Familienvater kandidiert als Frau für die Grünen – News vom 18. September 2021

1.
"Ich definiere mich heute als Frau und berufe mich auf das grüne Grundsatzprogramm und das Frauenstatut" – das sagte der Familienvater und Ehemann David Allison, als er bei der Vorstandswahl des Kreisverbands der Grünen für einen Frauenquoten-Platz im deutschen Reutlingen kandidierte. Widerstand habe es keinen gegeben, hitzige Diskussionen allerdings schon.


Die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet mit Bezug auf einen Artikel in Alice Schwarzers Magazin "Emma", der einige Hintergründe erklärt.

In Österreich kommentiert das Magazin "Profil" die irrwitzige Aktion:

Falls es wen juckt, die Spaß-Aktion zu kopieren: Grundsätzlich möglich wäre das auch in Österreich. "Frauen* sind keine homogene Gruppe", heißt es auf der Homepage der österreichischen Grünen. Und weiter: "Der Genderstern steht für alle, die sich selbst als Frauen sehen." Biologische Tatbestände werden nicht eingefordert, die bloße Behauptung scheint zu genügen.

Eigentlich erstaunlich, dass vor dem munteren Schwaben noch keiner auf die Idee kam, so ein absurdes Prinzip in der Praxis zu testen. Fundamentalismus dieser Spielart bekämpft man am besten mit grimmigem Humor, finde ich.




2. Ein einfaches Schaubild erklärt den Gender Pay Gap.



3. Ist das eine Schwarze Liste? In der Wikipedia findet man jetzt eine Übersicht von deutschsprachigen Einrichtungen, die Genderzeichen nutzen. Zu denen, die eine Rückkehr zur deutschen Rechtschreibung und Grammatik insbesondere in der Verwaltung fordern, gehört inzwischen auch die kommunale Wählergemeinschaft Fraktion Junges Duisburg.



Freitag, September 17, 2021

Afghanistan, schwangere Männer und gläserne Decken – News vom 17. September 2021

1. Menschenrechte sind für die Europäische Union an das richtige Geschlecht gebunden: Mit einer Resolution setzt sich das EU-Parlament dafür ein, dass es ein spezielles Visa-Programm für Frauen aus Afghanistan gibt.



2. Mit 37 neuen Emojis in unterschiedlichen Farbvarianten ist die 14. Fassung der Unicode- und Emoji-Spezifikation offiziell erschienen:

Der "schwangere Mann" und eine weitere "schwangere Person" stellen klar, dass im Grunde heutzutage jeder geschlechtsunabhängig schwanger werden (…) kann.


Ich stelle es mir für mich persönlich immer noch knifflig vor, schwanger zu werden, aber wenn es dazu schon Emojis gibt, scheine ich da den neuesten Trend verpasst zu haben.



3. Der Schriftsteller David Wonschewski diskutiert mit der Feministin Nikoletta über gläserne Decken.



Donnerstag, September 16, 2021

Polizei nimmt Vater fest, weil er mit seinem Sohn kuschelt – News vom 16. September 2021

1. Die von einigen Ideologen beständig geschürte Männerfeindlichkeit unserer Gesellschaft führte am Wochenende zu einem besonders bizarren Vorfall:

Ene Slawow (55) und sein Sohn (7) hatten auf einer Zugfahrt nach Hamburg Spaß zusammen: Die beiden spielten und knuddelten miteinander, auch Küsse wurden wohl verteilt. Ein Verhalten, das offenbar nicht allen Reisenden gefiel: Eine Mitfahrerin wählte den Notruf, die Polizei nahm den Vater vorläufig fest.

Das berichtet die "MOPO". Demnach sei die Zugfahrt am Sonntag plötzlich unterbrochen worden, angeblich wegen technischer Probleme. Doch der Grund war offenbar ein anderer: Zwei Polizisten betraten demnach das Abteil, in dem Slawow und sein Sohn saßen. Sie seien alarmiert worden. Einer Frau sei das Verhältnis zwischen Vater und Sohn komisch vorgekommen, so die Polizisten.

"Die haben mich behandelt, als wäre ich Pablo Escobar. Ich wusste überhaupt nicht, was die von mir wollen. Alle anderen Fahrgäste haben mich angeschaut. Einfach unangenehm", schildert Slawow die Situation gegenüber der "MOPO". "Irgendwann wurde mir dann erklärt, dass es Hinweise für sexuelle Belästigungen gegen meinen Sohn geben soll. Ich dachte, ich höre nicht richtig", sagt er.


Hier geht es weiter.



2. Der Bayrische Rundfunk berichtet, was passiert, wenn Männer häusliche Gewalt erfahren.



3. In einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung geht es um die psychischen Erkrankungen von Afghanistan- und Irak-Veteranen: "Auf jeden gefallenen US-Soldaten kommen vier Suizide".



4. Haben Sie mitunter Schlafprobleme? Das könnte einer neuen Studie zufolge an der jeweiligen Mondphase liegen:

Forscher der Universität Uppsala in Schweden berichten, dass das Schlafverhalten von Männern möglicherweise stärker auf den Mondzyklus reagiert als das von Frauen. Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass Männer in der ersten Hälfte des Mondzyklus schlechter schlafen.

(...) "Wir verwendeten Schlafaufzeichnungen von 492 Frauen und 360 Männern, die eine Nacht zu Hause verbracht hatten. Dabei fanden wir heraus, dass Männer, deren Schlaf in Nächten in der zunehmenden Periode des Mondzyklus aufgezeichnet wurde, eine geringere Schlafeffizienz und eine längere Wachzeit nach Einsetzen des Schlafs aufwiesen als Männer, deren Schlaf in Nächten in der abnehmenden Periode gemessen wurde. Im Gegensatz dazu blieb der Schlaf von Frauen weitgehend unbeeinflusst vom Mondzyklus. Unsere Ergebnisse waren robust, wenn man sie um chronische Schlafprobleme und den Schweregrad der obstruktiven Schlafapnoe bereinigte", sagt der Autor der Studie, Christian Benedict, außerordentlicher Professor am Uppsala Department of Neuroscience, in einer Medienmitteilung.

(...) Die Studienautoren stellen die Theorie auf, dass die zunehmende Periode die männlichen Schlafgewohnheiten stören könnte, weil der Mond abends mehr Sonnenlicht reflektiert, und zwar genau dann, wenn die Menschen normalerweise ins Bett gehen. In diesem Zusammenhang hat die jüngste Forschung Hinweise darauf gefunden, dass Männer empfindlicher auf Umgebungslicht reagieren als Frauen.




Mittwoch, September 15, 2021

Söder lässt Gender-Leitfäden an Unis überprüfen – News vom 15. September 2021

1.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat ein entschlossenes Vorgehen gegen Gender-Sprachregelungen an bayerischen Universitäten angekündigt. "Es kann nicht sein, dass Studenten möglicherweise eine schlechtere Bewertung bekommen, nur weil sie keine Gendersternchen verwenden", sagte der CSU-Vorsitzende unserer Redaktion. "Das geht nicht, Bayern ist ein Freistaat und kein Belehrungsstaat", betonte Söder. Er sehe deshalb spezielle Sprachleitfäden an Universitäten kritisch und habe den Bayerischen Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) "gebeten zu überprüfen, was es da so alles gibt", fügte Söder hinzu.


Die Augsburger Allgemeinen berichtet.



2. Die Bayernpartei fordert ein Volksbegehren zur Gendersprache:

Seit kurzem verunzieren Sternchen oder Doppelpunkte mitten im Wort geschriebene Texte; gesprochen – etwa in Nachrichten – hört sich das an, als ob sich der Sprecher verschluckt. Auch schwerfällige Partizip-Konstruktionen – wie etwa "Studierende" – werden vermehrt angewendet. Dabei machen letztere Texte vor allem eins, nämlich weniger eindeutig und klar. Denn es ist ein Unterschied, ob man vom einem "Backenden" oder einem "Bäcker" schreibt. Bekannt ist dieses Phänomen als "Gendern".

Die Bayernpartei lehnt diese Sprachverhunzung aus vielen Gründen ab. Denn "Gendern" ist der Versuch, breite Bevölkerungsteile zu zwingen, gewachsene Sprache durch diese Kunstsprache zu ersetzen. Der Vergleich mit dem "Neusprech" aus der Orwellschen Dystopie "1984" drängt sich hier geradezu auf.

Dabei schafft das "Gendern" noch nicht einmal das, was es nach Ansicht seiner Befürworter schaffen soll, nämlich eine größere Inklusion. Denn es führt etwa zur Ausgrenzung von Personen mit Leseschwäche oder solchen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Aus diesem Grund wird die Bayernpartei in Kürze eine Petition beim bayerischen Landtag einbringen mit dem Ziel, der bayerischen Verwaltung auf allen Ebenen das "Gendern" zu untersagen. Ein Volksbegehren mit gleichem Ziel ist in Vorbereitung.

Ergänzend hierzu der Landesvorsitzende der Bayernpartei, Florian Weber: "Glaubt man Umfragen, lehnt eine sehr breite Mehrheit der Bevölkerung das „Gendern“ ab. Und dieser Mehrheit wollen wir eine Stimme geben. Unsere Petition bzw. das in Vorbereitung befindliche Volksbegehren richten sich zwar an die bayerische Verwaltung, sollen aber auch darüber hinaus Zeichen setzen. Wir wollen aufzeigen, dass „Gendern“ nur die Spielwiese einer polit-medialen Blase ist, die über zu viel Zeit verfügt und von Steuergeldern zu gut lebt. Es handelt sich meiner Meinung nach um Wohlstandsverwahrlosung, sonst nichts. Wenn aber etwa Unternehmen vor Augen geführt bekommen, dass ihre tatsächlichen oder potentiellen Kunden diesen Neu-Sprech ablehnen, werden sie erkennen, dass die Bevölkerung zwar gerne ihre Sachen kauft, auf Erziehungsmaßnahmen aber nicht scharf ist."




3. "Aufstand gegen Dresdens Gender-Rathaus" schlagzeilt die Nachrichtenplattform "Tag 24". In dem Artikel heißt es:

Einzelne Ämter im Dresdner Rathaus sind dazu übergegangen, Briefe und offizielle Schreiben offensiv zu gendern und geschlechterneutral zu sprechen.

(…) Im Rathaus herrscht dazu jedoch Uneinigkeit. OB Dirk Hilbert (49, FDP) spricht in seinen Reden weiter die "Dresdnerinnen und Dresdner" an. Das Presseamt von Chef Kai Schulz (46) verbietet die Sternchen-Schreibweise bei Veröffentlichungen. So soll die "Lesbarkeit von Texten unter anderem für ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund" erleichtert werden.

Ein gemeinsamer Antrag ("Schluss mit dem Genderwahn – Sprache muss einfach und verständlich bleiben") von AfD und Freien Wählern will dem Rathaus den Gebrauch "gendergerechter und geschlechtsumfassender" Sprache nun generell untersagen. Stattdessen soll die amtliche Rechtschreibung gelten. "Verwaltung muss sich neutral verhalten. Gendersprache darf nicht von oben nach unten durchgedrückt werden", sagt Silke Schöps (46, AfD).

Buchhändlerin und Rätin Susanne Dagen (49, Freie Wähler): "Es wird versucht, durch formale und ideologische Bevormundung, die Schönheit und den Reichtum unserer Sprache zu zerstören."

Im Rat wird es zu einer engen Abstimmung kommen. Die CDU im Land hat bereits eine ähnliche Haltung wie AfD und Freie Wähler eingenommen.




4. Die Frankfurter Allgemeine titelt: "Kindesmissbrauch durch Frauen – das stumme Verbrechen". Der Artikel steht natürlich hinter einer Bezahlschranke. Für jeden frei zugänglich ist hingegen mein Beitrag zu diesem Thema. Die 20 Prozent weiblichen Täter, von denen die FAZ schreibt, scheinen eher gering angesetzt – verschiedene Studien zeigen ein deutlich höheres Ausmaß.



5. Die Gruppe "Eltern für Kinder im Revier" weist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hin, das einmal mehr auf die Verletzung solcher Menschenrechte durch die Bundesrepublik Deutschland befindet. (Der Artikel ist schon etwas älter und passt damit eigentlich nicht in den "News"-Anspruch von Genderama, ich wollte diese Meldung, auf die ich erst jetzt gestoßen bin. aber auch nicht untergehen lassen.)



6. Tilman Weigel, Betreiber des Männergesundheitsportals Gesund.men hat ein Videopodcast online gestellt und erklärt hierzu:

Nachdem meine Umfrage unter den Parteien zur Männergesundheit auf so großes Interesse gestoßen ist, habe ich vor der Bundestagswahl noch eine neue Befragungsrunde gestartet und das als Video-Podcast aufbereitet.

Nur SPD und Bündnis90/Die Grünen habe leider überhaupt geantwortet. Ein klares Bekenntnis zum Ziel, den Unterschied in der Lebenserwartung zu reduzieren, fehlt leider. Allerdings räumen beide Parteien ein, dass hier Handlungsbedarf besteht.




7. Die Boy Scouts of America haben am Dienstag Vergleiche über mehr als 1 Milliarde Dollar abgeschlossen, um Ansprüche wegen sexuellen Missbrauchs zu befriedigen. 787 Millionen Dollar kommen von der Versicherungsgruppe The Hartford und weitere 250 Millionen Dollar von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, einer ihrer Gründungsorganisationen.



Montag, September 13, 2021

Wie der Westen afghanische Jungen geopfert hat – News vom 13. September 2021

1. Wie Genderama bereits dokumentierte, interessiert, wenn es um den Abzug der westlichen Streitkräfte aus Afghanistan geht, viele Leitmedien vor allem das Schicksal der dortigen Frauen. Als winziges Gegengewicht habe ich gestern einen schon wenige Monate alten Beitrag des Newlines Institutes entdeckt, einer Plattform zur Debatte der US-amerikanischen Außenpolitik: "What About the Boys? A Gendered Analysis of the U.S. Withdrawal and Bacha Bazi in Afghanistan". Als Lesezeit für den ausführlichen Artikel sind volle 17 Minuten angegeben; das ist zu lang für eine Übersetzung und Präsentation auf Genderama. Deshalb gebe ich hier nur einige Auszüge wieder. Wenn immer daran "die USA" erwähnt wird, kann man Deutschland mitdenken, denn auch bei uns ist die Notlage missbrauchter afghanischer Jungen lediglich in der beständig von Leitmedien diskreditierten Männerrechtsbewegung ein Thema.

In der Vergangenheit waren generationenübergreifende gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen zwischen den tanzenden Jungen (den bachas) und älteren Männern (den bacha baz) neben der Unterhaltung, die die Jungen in sozialen Einrichtungen boten, üblich. Als die Taliban in den 1990er Jahren an die Macht kamen, wurde diese Praxis verboten und öffentlich bestraft. Doch nach dem Zusammenbruch ihres Regimes im Jahr 2001, als die ehemaligen islamistischen Befehlshaber aus der Zeit des antisowjetischen Aufstands an die Macht kamen, wurde bacha bazi in bestimmten Regionen Afghanistans wieder üblich und entwickelte sich zu einer Praxis, bei der Jungen entführt, verschleppt und vergewaltigt werden, ohne dass die kulturellen Nuancen, die diese Praxis früher ausmachten, wie z. B. das Tanzen bei Veranstaltungen oder gesellschaftlichen Zusammenkünften, auch nur ansatzweise anerkannt werden. Im heutigen Afghanistan ist es für wohlhabende oder mächtige Männer, insbesondere für diejenigen, die zu den Fraktionen der ehemaligen Nordallianz und der ANSF - den Verbündeten der USA in der Region - gehören, zu einer Möglichkeit geworden, kleine Jungen unter dem Vorwand der Ausübung des historischen Brauchs des bacha bazi sexuell zu missbrauchen.

Die Vereinigten Staaten wissen seit langem, dass bacha bazi bei ihren Partnern in den ANSF weit verbreitet ist. Es ist klar, dass das US-Verteidigungsministerium spätestens seit 2009 von Zwangsbeziehungen zwischen Männern und Jungen auf US-Militärstützpunkten in Afghanistan wusste. Es wurden Milliarden von Dollar ausgegeben, um sicherzustellen, dass die Partnerschaft zwischen den US-Streitkräften und den ANSF über ausreichende Kapazitäten zur Verwaltung und Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit in ganz Afghanistan verfügt. Bei der Ausarbeitung eines Plans zur Unterstützung des Sicherheitssektors übersahen die USA zahlreiche Fälle krimineller Aktivitäten und schwerer Menschenrechtsverletzungen, einschließlich des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf Militärstützpunkten.

Das Ausufern von bacha bazi in einigen Regionen gefährdet die Legitimität der afghanischen Regierung in den Augen der afghanischen Zivilbevölkerung und untergräbt den Ruf Washingtons und der multilateralen internationalen Partner der USA. Dies wird langfristige Auswirkungen haben, lange nachdem die Vereinigten Staaten ihren Truppenabzug abgeschlossen haben. Im Laufe der jahrzehntelangen amerikanischen Militärpräsenz in Afghanistan haben die USA immer wieder die Augen davor verschlossen, dass die ANSF und die Nordallianz darauf beharren, dass die derzeitige Form des bacha bazi afghanische Kultur sei, obwohl diese Gruppen in Wirklichkeit eine historische Praxis übernehmen, um verletzliche afghanische Jungen zu verhökern und sexuell zu missbrauchen. Die fortgesetzte und unhinterfragte Unterstützung der ANSF gefährdet die langfristigen Ziele der Stabilität und des Friedens in Afghanistan, die die USA weiterhin durch ihre Auslandshilfe unterstützen sollten.

(...) Dies wirft die Frage auf: Finanzieren die USA bacha bazi direkt oder indirekt, und sollten die USA die ANSF angesichts ihrer Geschichte bekannter Menschenrechtsverletzungen weiterhin schützen, ausbilden und finanziell unterstützen? Die USA haben von 2001 bis 2019 978 Milliarden Dollar für den Krieg ausgegeben, aber trotz des wachsenden Bewusstseins für sexuellen Missbrauch auf US-Militärbasen wurde wenig bis gar nichts getan, um die Finanzierung oder sexuelle Gewalt einzudämmen. Es liegt auf der Hand, dass Jungen aktiver als integraler Bestandteil jeder Menschenrechtsagenda in Afghanistan diskutiert werden müssen, wo der Fokus fast ausschließlich auf Frauen und Mädchen liegt. Die USA haben es versäumt, afghanische Jungen vor Missbrauch durch ihre Verbündeten in der Regierung und den Sicherheitskräften zu schützen, und die Taliban haben dies zu ihrem strategischen Vorteil genutzt.

Wenn die USA ihre Unterstützung und Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte und der afghanischen Regierung fortsetzen wollen, müssen sie sich konsequent darum bemühen, Menschenrechtsverletzungen, einschließlich bacha bazi, durch die ANSF zu minimieren, um der Darstellung der Taliban entgegenzuwirken, dass der Schutz der Jungen vor bacha bazi in den späten 1990er Jahren zu ihrem wachsenden Einfluss geführt hat. Indem sie sicherstellen, dass die US-Sicherheitspartner im Rahmen des internationalen Rechts arbeiten und sich an das afghanische Strafgesetzbuch halten, können die USA die ANSF dabei unterstützen, Vertrauen im Land aufzubauen. In Zukunft müssen die USA entscheiden, wo sie die Grenze ziehen, wenn wertvolle Sicherheitspartnerschaften aktiv an schweren Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen gegen genau die Menschen beteiligt sind, die sie eigentlich schützen sollen.

Während sich die US-Truppen zurückziehen, wird die überragende Rolle der Taliban für die Zukunft des Landes immer deutlicher. Die Verachtung der Taliban für den US-Schwerpunkt "Frauenrechte" war eindeutig; im letzten Jahr sagte der Mullah Abdul Ghani Baradar ausdrücklich: "Die einzige Arbeit, die im Schatten der Besatzung im Namen der Frauenrechte geleistet wird, ist die Förderung der Unmoral und der anti-islamischen Kultur." Weniger klar ist, wie sich die politische Präsenz der Taliban auf die Jungen auswirken wird. Die USA haben sich in ihren Erklärungen und ihrer Politik zu den Menschenrechten in Afghanistan stets für den Schutz von Frauen und Mädchen eingesetzt, während die Bedrohung durch bacha bazi und die besondere geschlechtsspezifische Gewalt, der Jungen ausgesetzt sind, unterschätzt und missverstanden wird.

Die Erklärungen waren ein wichtiges Instrument, um Unterstützung für die anhaltende US-Präsenz in Afghanistan zu gewinnen. Sie haben das Potenzial, sich in echte politische Initiativen zu verwandeln, um afghanischen Mädchen zu helfen, insbesondere beim Zugang zu Bildung, aber die USA sollten in ähnlicher Weise ihre Unterstützung für Jungen signalisieren, die aufgrund ihres Geschlechts ebenfalls in besonderer Weise durch den Konflikt in Afghanistan geschädigt wurden. Die USA haben lange die "Freiheit der Frauen" als Grund für den Kampf gegen die Taliban und den Verbleib in Afghanistan angeführt. Unabhängig von den tatsächlichen Gründen sind die Amerikaner seit 2001 ununterbrochen in dem Land präsent, und die Rechte der Frauen waren stets ein Argument für die amerikanische Unterstützung des Krieges. Die USA müssen jedoch erkennen, dass die Praxis des bacha bazi den Rechten der Frauen grundsätzlich abträglich ist, da sie die traditionellen Geschlechternormen und die berüchtigte Vorstellung, dass "Frauen für Kinder und Jungen für das Vergnügen da sind", in Afghanistan verstärkt.

(...) Laut dem jüngsten Bericht des US-Außenministeriums über den Menschenhandel sind Jungen in Afghanistan am stärksten von Menschenhandel betroffen - insbesondere Jungen im Alter von 13 Jahren und darunter, die für die Teilnahme an bacha bazi und anderen Formen des sexuellen Missbrauchs herangezogen werden. Vor allem in der Provinz Kandahar betreiben Älteste der Gemeinde und die örtliche Polizei ohne Angst vor Repressalien ganz offen Menschenhandel mit Jungen und beuten sie als bacha bazi aus. Eine strafrechtliche Verfolgung ist äußerst selten; nur im letzten Jahr wurden mächtige Männer für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Es ist unbedingt erforderlich, dass die USA weiterhin Rechtsreformen fördern und unterstützen, die eine verstärkte Verfolgung der bestehenden Gesetze zu bacha bazi ermöglichen.




2. Einer Spiegel-Online macht tüchtig Reklame für die feministische Grünen-Kandidatin Ricarda Lang. Ein Auszug:

"Ich bekomme immer wieder zu hören: Feminismus, das interessiert vielleicht die Leute in Berlin, aber doch nicht bei uns auf dem Land", sagt Lang in Waghäusel. Ihr Verständnis von Feminismus sei aber ein anderes. "Bei Feminismus geht es um das universelle Versprechen der Freiheit und Gleichheit aller Menschen. Das betrifft uns also alle." Dabei gehe es auch um Fragen der Daseinsvorsorge und der sozialen Infrastruktur, um Geburtenstationen, um Kitas und Hebammen. "Ich glaube nicht, dass Menschen auf dem Land gleiche Löhne oder eine gute Versorgung weniger wichtig sind." Deshalb, erklärt Lang, gehört der "Feminismus auf die Dorfplätze".




3. Die Londoner "Times" beschäftigt sich mit der Diskriminierung der Jungen im irischen Schulwesen, die mit der Benachteiligung deutscher Jungen durchaus vergleichbar ist. Ein Auszug:

Niemand scheint darüber sehr besorgt zu sein. Warum eigentlich nicht? Warum scheinen wir nur besorgt zu sein, wenn Mädchen schlechtere Leistungen erbringen?

Seit Beginn der Pandemie hat sich der Leistungsunterschied zwischen den Geschlechtern (…) nur vergrößert. Er wuchs ohnehin, aber der Trend verschärfte sich, als Lehrer ab dem letzten Jahr vorhersagende Noten vergeben durften. Die staatliche Prüfungskommission (SEC) analysierte die diesjährigen Ergebnisse. In einem Bericht bestätigte sie den starken Anstieg der Zahl der vergebenen H1-Noten und erklärte, dass das Problem noch gravierender gewesen wäre, wenn sie nicht eingegriffen hätte, um einige der von den Lehrern vergebenen Noten zu senken.

Die Kommission erklärte, dass das Verfahren zur Berechnung der Noten im letzten Jahr "deutliche Anzeichen dafür lieferte, dass die Ergebnisse an allen Punkten des Leistungsspektrums überbewertet wurden", und dass "die Notenverteilungen in den Schulschätzungen" für dieses Jahr noch schlimmer waren. Mit anderen Worten: Die Lehrer haben die Schüler noch stärker überbewertet als vor zwölf Monaten.

Der Bericht wies auch auf etwas hin, das die Alarmglocken läuten lassen sollte, nämlich dass Mädchen aufgrund "unbewusster Voreingenommenheit" seitens einiger Lehrer stärker von überhöhten Noten profitierten als Jungen. Die Analyse für das Jahr 2020 ergab das Gleiche. "Dies war nicht unerwartet, da Untersuchungen darauf hindeuten, dass unbewusste Beurteilungen in ähnlichen Kontexten im Allgemeinen weibliche Schüler begünstigen", heißt es in dem diesjährigen Bericht.

Der Bericht enthält fast keine weiteren Ausführungen oder Kommentare. Stellen Sie sich einmal vor, die SEC hätte zwei Jahre hintereinander eine unbewusste Voreingenommenheit zugunsten von Jungen oder, noch schlimmer, von weißen Schülern festgestellt. Die Berichterstattung, die Kommentare und die Analysen in allen Nachrichtensendungen wären unübersehbar gewesen. (…) Ein Politiker nach dem anderen wäre aufgetaucht, um das Bildungssystem wegen seiner Voreingenommenheit zu verurteilen. Die Lehrergewerkschaften würden radikale Reformen fordern, und Akademiker würden sich in ihrer Empörung gegenseitig überbieten. Aber wenn Jungen diskriminiert werden, und sei es auch nur unbewusst, gibt es fast keine Reaktion. Es ist, als ob es überhaupt keine Rolle spielen würde.

Vielleicht liegt das zum Teil daran, dass es Männern im Allgemeinen besser geht als Frauen, sobald sie ins Berufsleben eintreten. Sicherlich gibt es immer noch ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle, doch um dieses vollständig zu beseitigen, müssten Männer und Frauen in denselben Berufen mit denselben Dienstaltersstufen und der gleichen Anzahl von Wochenstunden arbeiten. Ist es das, was die Menschen wirklich wollen?

Aber das Vorhandensein eines geschlechtsspezifischen Lohngefälles entschuldigt immer noch nicht, was die SEC festgestellt hat. Mädchen sind bereits besser als Jungen in der Schule, warum also die Waage noch weiter zu ihren Gunsten verschieben, indem die Ergebnisse, die einzelne Jungen hätten erzielen können, wenn sie ihre Prüfungen in den letzten zwei Jahren auf normale Weise abgelegt hätten, künstlich nach unten gedrückt werden?

In dem Bericht wird auch festgestellt, dass Jungen in gemischtgeschlechtlichen Schulen, die sich häufig in ärmeren Gegenden befinden, im Vergleich zu allen anderen Schülern am schlechtesten abschneiden. Es scheint also, dass Jungen, die bereits unter verschiedenen sozioökonomischen Nachteilen leiden, manchmal ein weiteres Hindernis zu überwinden haben, nämlich eine unbewusste Voreingenommenheit, die sich gegen ihr Geschlecht richtet. Wirkt sich diese Voreingenommenheit auch auf andere Weise während der Schulzeit aus? Ist er einer der Faktoren, die zu den schlechten schulischen Leistungen so vieler Jungen beitragen? Derzeit scheint das Bildungsministerium kein Interesse daran zu haben, die Antworten auf diese Fragen zu finden. Vielleicht leidet es ebenfalls an einem Fall von unbewusster Voreingenommenheit?




Sonntag, September 12, 2021

96 Prozent: CSU stellt sich gegen Pflicht zur Gendersprache – News vom 12. September 2021

1. Der Stern berichtet:

Die CSU hat sich auf ihrem Parteitag in Nürnberg mit großer Mehrheit gegen eine Verpflichtung zur Nutzung einer geschlechtsneutralen Sprache ausgesprochen. "Die krampfhafte Wortwahl der Gender-Sprache hat in Behörden und Bildungseinrichtungen zu unterbleiben", heißt es in einem Antrag, der von den Delegierten am Freitag mit großer Mehrheit von mehr als 96 Prozent angenommen wurde.

"Die politisch indoktrinierten, künstlichen Auswüchse gendermoralistischer Sprachakrobatik" seien abzulehnen, solange sie sich nicht von unten nach oben in der Gesellschaft durchsetzten, sondern von einzelnen Institutionen oder Medienanstalten auferlegt würden, heißt es in dem Antrag, den der Vorsitzende der Jungen Union in Bayern, Christian Doleschal, eingebracht hatte. Zuvor hatte sich bereits der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder gegen eine Pflicht zur Gender-Sprache ausgesprochen.


Die Süddeutsche Zeitung ergänzt Söders Position:

Es dürfe nicht sein, dass etwa Studierende schlechtere Noten erhalten, weil sie sich weigern, in Studienarbeiten das sogenannte Gendersternchen zu benutzen. Er habe seinen Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) angewiesen, dies sicherzustellen.




2. Ohnehin hat die Ablehnung der Gendersprache stark zugenommen:

Das ist ein Ergebnis aus einer neuen INSA-Befragung zu Spracheinstellungen. (…) Die Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache hat das Meinungsforschungsinstitut INSA-CONSULERE mit der repräsentativen Meinungsumfrage beauftragt. Diese fand zwischen dem 23. und 26. August 2021 statt.

Demnach ist der Anteil derer, die geschlechterbetonte Sprache – wie zum Beispiel mit Gendersternen – sehr unwichtig finden, von 30,5 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 40,9 Prozent gestiegen. Insgesamt halten zwei Drittel der Befragten die Gendersprache für eher unwichtig oder sehr unwichtig. Daß bei ARD und ZDF immer öfter Gendersprechpausen wie "Zuschauer – innen" zu hören sind, hält nur eine Minderheit von 22,2 Prozent der Befragten für sinnvoll. 56,3 Prozent hingegen halten die Gendersprechpausen in den öffentlich-rechtlichen Sendern für keinen sinnvollen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit.




3. Lann Hornscheidt und Ja'n Sammla haben dieses Jahr das Buch "Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich gendergerecht?" herausgegeben (bei Amazon 64 Leserbewertungen mit einem Durchschnitt von zwei Sternen). Hier findet man eine ausführliche Rezension.



4. In der Türkei werden aleinreisende Männer diskriminiert. In mehreren Hotels dürfen dort Männer nur in Begleitung einer Frau einchecken. Homosexuelle Paare sind von der Diskriminierung nicht betroffen.



5. Während ich mich selbst und dieses Blog innerhalb der liberalen Linken positioniere, ist der wohl größte Gegner der Männerrechtsbewegung die autoritäre Linke, die beispielsweise fordert, dass man sich mit Abschaum wie uns nicht unterhalten und uns auch kein Forum bieten sollte, um über die Anliegen von Männern und Jungen zu sprechen. Das Verlinken oder Zitieren der "falschen" Medien, das Vertreten "falscher" Positionen und Kontakt mit den "falschen" Personen führt in diesem Spektrum immer wieder zu rasender Wut, die sich in persönlichen Attacken und erneuten Ausgrenzungen entlädt. Veranstaltungen wie die Nürnberger Genderkongresse, bei denen auch die Anliegen von Männern zur Sprache kamen, versuchen autoritäre Linke immer wieder zu unterbinden und zu sprengen, dasselbe gilt für entsprechende Vorträge.

Einer neuen Studie zufolge teilen autoritäre Linke grundlegende Charakterzüge mit Rechtsextremen:

Das Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte die Forschungsergebnisse von Psychologen der Emory University - der erste umfassende Blick auf den linken Autoritarismus.

"Wir haben die lange Geschichte der Forschung zum Autoritarismus der Rechten genutzt, um einen konzeptionellen Rahmen und Messgrößen zu entwickeln, mit denen wir den Autoritarismus der politischen Linken testen können", sagt Thomas Costello, ein Doktorand der Psychologie an der Emory University und Erstautor der Studie. "Wir fanden heraus, dass linke Autoritäre in Bezug auf ihre psychologischen Eigenschaften und ihr tatsächliches Verhalten den Autoritären auf der Rechten sehr ähnlich sind."

(...) "Autoritäre neigen dazu, Gleichartigkeit zu mögen und Unterschiede zwischen den Menschen in ihrer Umgebung abzulehnen", sagt Costello. "Sie sind unterwürfig gegenüber Menschen, die sie als Autoritätspersonen wahrnehmen, sie sind dominant und aggressiv gegenüber Menschen, mit denen sie nicht einverstanden sind, und sie achten darauf, das zu befolgen, was sie als die Normen für ihre jeweilige Gruppe ansehen."

Im Kern geht es beim Autoritarismus wahrscheinlich um Macht, fügt Costello hinzu.

"Es ist ein Fehler, Autoritarismus als ein Konzept der Rechten zu betrachten, wie es einige Forscher in der Vergangenheit getan haben", sagt er. "Wir haben festgestellt, dass die Ideologie zweitrangig ist. Psychologisch gesehen ist man in erster Linie ein Autoritarist und nur dann ein Ideologe, wenn es der Machtstruktur dient, die man unterstützt."

(...) Die Teilnehmer eines Online-Fragebogens, die auf einer Skala von eins bis sieben den höchsten Wert für Autoritarismus erreichten, gaben mit zwei- bis dreimal höherer Wahrscheinlichkeit an, in den letzten fünf Jahren politische Gewalt ausgeübt zu haben.

Die gute Nachricht ist, dass sowohl extremer Autoritarismus als auch eine Neigung zu politischer Gewalt relativ selten zu sein scheinen, fügt Costello hinzu. Von einer Stichprobengröße von 1.000 Befragten, die dem Online-Forschungstool Prolific entnommen und in Bezug auf Alter, "Rasse" und Geschlecht an die Demografie der US-Bevölkerung angepasst wurden, gaben nur 12 an, an politischer Gewalt beteiligt gewesen zu sein, und sie alle erzielten hohe Werte für Autoritarismus.

"Es ist klar, dass die lautesten und politisch engagiertesten Teile der Gesellschaft einen großen Einfluss auf unseren nationalen Diskurs haben", sagt Costello. "Aber es besteht ein großer Unterschied zwischen der Kritik an Andersdenkenden und der Bereitschaft, Gewalt gegen Menschen anzuwenden, die anderer Meinung sind als man selbst, um den Status quo zu verändern."

Während eine Person nur selten angab, eine Gewalttat begangen zu haben, stimmte fast ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass es ihnen nichts ausmachen würde, wenn ein Politiker, der ihren eigenen politischen Ansichten diametral entgegensteht, ermordet würde. "Je höher die Befragten auf der Skala für linken oder rechten Autoritarismus rangierten, desto eher stimmten sie dieser Aussage zu", sagt Costello.

(...) "Als ich begann, das Thema Autoritarismus zu untersuchen, fand ich es rätselhaft, dass Psychologieforscher das Konzept fast ausschließlich aus der Perspektive der extremen Rechten betrachtet hatten", sagt Costello. "Das macht es schwierig, die Psychologie des Autoritarismus und die Bedingungen, die zu seiner Ausbreitung in einer Gesellschaft führen können, wirklich zu verstehen."

Für die aktuelle Studie entwickelten die Forscher einen konzeptionellen Rahmen für linken Autoritarismus, erstellten Messgrößen dafür und verfeinerten diese dann, nachdem sie ihre Gültigkeit in einer Reihe von Studien an fünf Gemeinschaftsstichproben getestet hatten.

Neben den verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen den beiden politischen Extremen wurde in der Studie auch ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden herausgestellt: Linksautoritäre nehmen die Welt eher als einen gefährlichen Ort wahr und erleben als Reaktion auf Stress intensive Emotionen und ein Gefühl der Unkontrollierbarkeit. Rechtsgerichtete Autoritäre waren kognitiv starrer, weniger offen für neue Erfahrungen und glaubten seltener an die Wissenschaft.

(...) "Die Studie beschreibt nicht die Prävalenz des Autoritarismus in der Gesellschaft. Wie jedes andere Persönlichkeitsmerkmal liegt auch der Autoritarismus auf einem Spektrum, wobei nur einige wenige am oberen Ende der Skala stehen", sagt Costello.

"Unsere Arbeit sollte nicht als politische Keule benutzt werden", betont er. "Stattdessen sollte sie als Information genutzt werden, die uns hilft, die Anziehungskraft von Extremismus und Intoleranz zu verstehen. Wenn wir Klarheit über die Anziehungskraft des Autoritarismus haben, können wir besser verstehen, was heute in der politischen Landschaft vor sich geht."




Freitag, September 10, 2021

Frauenzeitschrift deckt auf: So viel Hass auf Männer und Jungen steckt in der SPD – News vom 10. September 2021

1. Die Frauenzeitschrift "Für Sie" hat untersucht, wie viel Feminismus in den vier großen feministischen Parteien SPD, CDU/CSU und Grüne steckt. Schon bei der Analyse des Parteiprogramms der SPD (der derzeit in Umfragen stärksten Partei) kann jedem übel werden, dem etwas an Geschlechtergerechtigkeit liegt. Schauen wir uns diese Passage des "Für Sie"-Artikels einmal näher an:

Bis 2030 möchte die SPD die Gleichberechtigung der Geschlechter erreichen


Nein, das möchte sie nicht. Die meisten deutschen Gesetze benachteiligen Männer. Die SPD unternimmt nichts, um hier Abhilfe zu schaffen.

wie die Partei das anstellen will, erklärt sie auf drei Seiten ihres 65-seitigen Wahlprogrammes. So setzt sich die SPD beispielsweise für Paritätsgesetze im Bundestag, Ländern und Kommunen ein – mit dem Ziel, die Hälfte der Positionen mit Frauen zu besetzen.


Mehrere Landesverfassungsgerichte haben das "Paritätsgesetz" als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erkannt. Ein solches Gesetz würde auch eine weitere Diskriminierung von Männern darstellen. Die Spezialdemokraten setzen ihre verfassungsfeindlichen Bestrebungen unverdrossen weiter fort.

In börsennotierte Unternehmen fordert die SPD eine 50-Prozent-Quote. Gründungskapital soll für Frauen ebenfalls leichter zugänglich gemacht werden.


Leichter als Männern? Warum? Auch hier scheint die SPD vor allem auf wachsende Ungleichheit aus zu sein.

Auch fordert die SPD, dass ArbeitnehmerInnen sich nicht mehr selbst um die Aufdeckung von Gender-Pay-Gaps kümmern müssen. Die Partei fordert, dass Unternehmen selbst prüfen, ob Gehälter geschlechtergerecht sind.


Die Behauptung, es gebe einen Gender-Pay-Gap in dem Sinne, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger Gehalt/Lohn erhalten als Männer wurde von Wirtschaftswissenschaftlern längst gründlich widerlegt. An dieser Verschwörungstheorie dennoch festzuhalten dient allein dem Schüren von Neid, Hass und Wut gegenüber Männern.

Mädchen sollen zudem früh im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich gefördert werden


Im Jahr 2009 mahnte der Aktionsrat Bildung, dass die Ungleichheit zu Lasten der Jungen "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren" inzwischen klar überschreite. Seit der Hamburger Lern-Ausgangs-Untersuchung 1997 und mehreren PISA-Studien wissen wir, dass Jungen beispielsweise für dieselbe Leistung schlechtere Noten und für dieselben Noten seltener eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen als Mädchen (Näheres dazu findet man hier und hier.) "Der deutliche Vorsprung der Jungen im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften vor den Mädchen existiert nicht mehr" berichtete vor fünf Jahren sogar die feministisch geprägte "Zeit".

Wie reagiert die SPD? Mit einer weiteren Förderung von Mädchen, während ihr die benachteiligten Jungen nach wie vor herzlich egal sind.

der Gewalt gegen Frauen soll mit einer wirksamen Strafverfolgung entgegenwirkt werden.


Warum allein der Gewalt gegen Frauen? Bei häuslicher Gewalt wissen wir seit Anfang der achtziger Jahre aus mittlerweile hunderten von studien, dass die Opfer zur Hälfte männlich sind; in der Gesamtsicht werden bei weitem mehr Männer als Frauen Opfer von Gewalt. Warum sind all diese Gewaltopfer für die SPD unsichtbar und der Hilfe, ja schon der Erwähnung,unwürdig? Warum fordern die Sozialdemokraten hier nicht, dass dieser Gewalt "entgegengewirkt werden" soll?

Es steckt eine gehörige Portion an Männerverachtung in der Partei, die vermutlich auch wieder zur nächsten Bundesregierung gehören wird. Es ist ironisch, dass die Zeitschrift "Für Sie", die die SPD dafür eigentlich lobpreisen möchte, dies derart klar offengelegt hat.



2. Schöne Schlagzeile beim NDR: "Prien schickt Gender-Erlass an Schulen - die Grünen zürnen".



3. Das Neue Deutschland beschäftigt sich mit Gewalt gegen Söhne und ihren Folgen:

Wenn Männer in der Kindheit geschlagen wurden, lässt sie das oft ihr Leben lang nicht los.


Hier geht es weiter.



4. Corona: Männliche Teenager gehen ein größeres Risiko durch eine Impfung ein als durch eine Erkrankung. Das berichtet der britische Telegraph (Bezahlschranke). In dem Artikel heißt es:

Bei Jungen im Teenageralter ist es sechsmal wahrscheinlicher, dass sie durch den Impfstoff Herzprobleme bekommen, als dass sie wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, so das Ergebnis einer großen Studie

Nach neuen Forschungsergebnissen aus den USA sind Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren nach zwei Dosen eines Impfstoffs am stärksten gefährdet, ein "unerwünschtes kardiales Ereignis" zu erleiden.

Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem Professor Chris Whitty, Englands Chief Medical Officer, sich darauf vorbereitet, die Minister darüber zu beraten, ob die Impfung von Kindern einen größeren Nutzen für die Gesellschaft hat.

Letzte Woche hat der Gemeinsame Ausschuss für Impfungen und Immunisierung (Joint Committee on Vaccination and Immunisation, JCVI) sein lang erwartetes Urteil gefällt. Darin heißt es, dass der Nutzen durch die Impfung von 12- bis 15-Jährigen als "zu gering" angesehen wird und dass das Risiko für gesunde Kinder durch das Virus gering ist.

(...) Ein Team unter der Leitung von Dr. Tracy Hoeg von der University of California untersuchte die Häufigkeit von Herzmuskelentzündungen und Brustschmerzen bei Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren nach ihrer zweiten Impfdosis.

Anschließend verglichen sie dies mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten, und zwar zu Zeiten mit niedriger, mittlerer und hoher Hospitalisierungsrate.

Die Forscher fanden heraus, dass das Risiko für Herzkomplikationen bei Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren nach der Impfung 162,2 pro Million betrug, was die höchste Rate aller untersuchten Gruppen war.

Am zweithöchsten war die Rate bei Jungen im Alter von 16-17 Jahren (94,0 pro Million), gefolgt von Mädchen im Alter von 16-17 Jahren (13,4 pro Million) und Mädchen im Alter von 12-15 Jahren (13,0 pro Million).

Das Risiko, dass ein gesunder Junge in den nächsten 120 Tagen aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden muss, liegt bei 26,7 pro Million. Das bedeutet, dass das Risiko von Herzkomplikationen bei ihnen 6,1 Mal höher ist als das eines Krankenhausaufenthalts.

Dies basiert auf den derzeitigen Raten von Krankenhausaufenthalten aufgrund von Covid-19, die als "moderat" eingestuft werden. In einem Zeitraum mit geringem Risiko für einen Krankenhausaufenthalt, z. B. im Juni 2021, steigt die Wahrscheinlichkeit für Herzkomplikationen auf das 22,8-fache, und in einem Zeitraum mit hohem Risiko, z. B. im Januar 2021, ist die Wahrscheinlichkeit für Herzkomplikationen immer noch 4,3-mal höher.

(…) Die Minister sind dennoch sehr daran interessiert, grünes Licht für die Einführung des Impfstoffs für Kinder zu geben, und der Nationale Gesundheitsdienst hat bereits damit begonnen, Tausende von Impfhelfern für Schulen zu rekrutieren.




5. Am heutigen Welttag der Suizidprävention gedenken die britischen Väterrechtler Fathers 4 Justice allen Vätern, die sich umgebracht haben, nachdem ihr Kontakt zu ihren Kindern blockiert worden war. Generell nehmen sich sehr viel mehr Männer als Frauen das Leben, ohne dass dies außerhalb der Männerrechtsbewegung ein Thema ist.

Der hohen Selbstmordrate bei Männern und wenig hilfreichen Methoden, dagegen vorzugehen (etwa Männlichkeit zu behandeln, als ob sie mangelhaft wäre), ist ein aktueller Artikel des Magazins des britischen Zentrums für Männerpsychologie gewidmet.



Donnerstag, September 09, 2021

"Bildungsverlierer sind männlich – die Bundesregierung interessiert das nicht" – News vom 9. September 2021

1.
Der Bundesregierung reagiert auf die Frage der "möglichen Benachteiligung" von Jungen im Bildungssystem mit Ablenkungsmanövern. Man müsste schließlich eigentlich über die Folgen der fatalen Diabolisierung des Männlichen reden.


Hier geht es weiter.



2. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich gestern in einer Talkrunde auf einer Theaterbühne in Düsseldorf zum Feminismus positioniert:

2017 ist sie bei einem Frauengipfel gefragt worden, ob sie sich als Feministin betrachte. Die Antwort kam zögerlich: Mit diesem Titel wolle sie sich nicht unbedingt schmücken, erklärte Merkel. Die anderen Frauen auf der Bühne – unter ihnen Donald Trumps Tochter Ivanka und die niederländische Königin Máxima – bezeichneten sich dagegen ohne Umschweife als Feministinnen.

Nun wird sie von Miriam Meckel noch einmal danach gefragt – und korrigiert ihre Position: Máxima habe ihr damals schon das Tor geöffnet mit dem Hinweis, im Grunde gehe es doch nur darum, dass Frauen und Männer in gleichem Maße am gesellschaftlichen Leben teilnähmen. "In diesem Sinne kann ich heute bejahend sagen: Dann bin ich Feministin. Das habe ich damals auf der Bühne schon etwas schüchtern vorgebracht. Heute ist das besser durchdacht. In diesem Sinne kann ich sagen: Ja, wir sollten alle Feministen sein." Enormer Jubel im Haus.




3. Der Duden-Verlag hat kürzlich das Buch "Sprachkampf. Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert" herausgebracht. Die Frankfurter Allgemeine würdigt es mit einer lesenswerten Rezension.



Mittwoch, September 08, 2021

CDU-Chef fordert Volksabstimmung zur Gendersprache – News vom 8. September 2021

1.
Kiel. Tobias Koch, Fraktionschef der CDU im Landtag in Schleswig-Holstein, fordert beim umstrittenen Thema Gendern einen Volksentscheid im Land. "Es geht zunächst einmal darum, dass wir zu einem gemeinsamen Verständnis kommen", sagt der Politiker im Interview mit den "Kieler Nachrichten". Als Musterbeispiel führt er den Volksentscheid zur Rechtschreibreform in den 1990er-Jahren in Schleswig-Holstein an. (…) Koch könne Menschen verstehen, die sich immer weniger vom Staat vertreten fühlen würden, wenn sie Behördenschreiben in einer Sprache erhalten, die nicht dem allgemeinen Konsens entsprechen würden. "Genau an dieser Stelle würde ein Volksentscheid ansetzen und für Klarheit sorgen."


Hier findet man den vollständigen Artikel.

In Umfragen wird immer wieder eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung gegen die geschlechtsbetonende Sprache ermittelt.



2. Tamara Wernli äußert sich auf Youtube dazu, was Männern droht, wenn die Grünen an die Macht kommen. Für Genderama-Leser bietet das Video inhaltlich allerdings nichts Neues.



3. Eine mRNA-Impfung hat keinen Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit.



Dienstag, September 07, 2021

Telepolis sieht Grüne "im Würgegriff einer feministischen Programmatik" – News vom 7. September 2021

1. Während die Grünen auf ihren Wahlplakaten inzwischen verkünden, dass sie "für feministisches Regieren" stehen, ist gestern bei Telepolis der Artikel "Genderkorrektiv" erschienen, der genau das kritisch sieht. Ein Auszug:

Im Lichte dieser Befunde muss man angesichts des deutschen Wahlkampfs konstatieren, dass er von einer Stellvertreterdebatte begleitet wird: landauf landab hat man sich über vergleichsweise kleine Fehltritte, Unstimmigkeiten und Unglaubwürdigkeiten in der Selbstdarstellung der Kanzlerkandidatin echauffiert, weil niemand sich traut, es offen auszusprechen.

"Wir" (wer immer sich angesprochen fühlt) wollen keine "feministische Republik", in der unter Berufung auf einen angeblichen Verfassungsauftrag alle nur irgend lukrativen, komfortablen oder imageträchtigen Posten und Machtpositionen in dieser Gesellschaft nur noch nach Geschlecht statt nach Qualifikation besetzt werden.

"Wir" wollen keine Kanzlerin, die "uns" vorschreibt, wie "wir", unter Missachtung elementarer Regeln der deutschen Grammatik, zu sprechen haben.

"Wir" wollen nicht, dass die täglich umfassender um sich greifende Bevormundung durch die demokratisch nicht legitimierten Gleichstellungskader in Politik, Behörden, Unternehmen, Institutionen und Medien auch noch vom Kanzleramt abgesegnet und flächendeckend durchgesetzt wird.

"Wir" haben es satt, tagaus tagein massenmedial behelligt zu werden mit demselben misandrischen Lügengespinst über angebliche Männerseilschaften in Politik und Wirtschaft (die von keiner erfolgreichen Karrierefrau jemals bestätigt wurden); über einen angeblichen Genderpaygap (der seit spätestens 2016 nicht mehr existiert, man muss nur die Angaben des Bundesamts für Statistik "bereinigen", um auf eine Differenz von 1,4 Prozent zu kommen); über die angebliche Alleinurheberschaft der Männer für häusliche Gewalt (für die der eisern beschwiegene Anteil der Frauen allein im Hellfeld ein Drittel beträgt); über die angeblich allgegenwärtige Rape-Culture (laut Experten mindestens zur Hälfte Falschbeschuldigungen); über den angeblichen Frauenmalus in der Öffentlichkeit (den es offenkundig, siehe den anfänglichen Hype um Baerbock, nicht gibt, im Gegenteil).

Übersetzt in die Sprache politischer Pragmatik: Die Grünen haben es im Wahlkampf (man denke nur an die Kandidatenkür oder die saarländische Landesliste) und in ihrem Wahlprogramm bewiesen: Sie sind entschlossen, der hemmungslosen Bevorzugung von Frauen strategisch die absolute Priorität noch vor dem Klima, den Renten, der sozialen Gerechtigkeit, dem Wohnungsbau, der Verkehrspolitik usw. einzuräumen.

Sie haben sozialpolitisch überhaupt keine andere Agenda als Gendern und Quoten. Ein grün geführtes Kabinett würde schon deshalb vor den anstehenden Problemen versagen, weil es sich im Würgegriff einer feministischen Programmatik an unzähligen Fronten des Widerstands dagegen, wenn nicht aufreiben, so doch mindestens verzetteln wird.


Daniele Dell’Agli, der Verfasser dieses Beitrags, schreibt mir dazu: "In meinem Essay steht manches, was ich so pointensicher, weil von umfangreichem Hintergrundwissen gedeckt, ohne die Lektüre von Genderama nicht hätte formulieren können."

Es freut mich sehr, wenn mein Blog zu einer offenen und gleichberechtigten Debatte beitragen kann.



2. Die deutschen Leitmedien haben seit über zehn Jahren vergessen, dass es eine Jungenkrise in unserem Erziehungssystem gibt. Das Wall Street Journal hingegen macht das zum Thema in einem Artikel mit der Schlagzeile "A Generation of American Men Give Up on College: ‘I Just Feel Lost’". In dem Beitrag, der hinter einer Bezahlschranke verborgen ist, heißt es:

Die Zahl der Männer, die ein Hochschulstudium abbrechen, ist so groß, dass sie die Zahl der weiblichen Studenten in Rekordhöhe übertrifft.

(...) In den nächsten Jahren werden auf jeden Mann zwei Frauen kommen, die einen Hochschulabschluss erwerben, wenn der Trend anhält, so Douglas Shapiro, Geschäftsführer des Forschungszentrums des National Student Clearinghouse. Eine Umkehr ist nicht in Sicht.

(...) Amerikanische Colleges, die in Debatten über "Rassen"- und Geschlechtergleichheit verwickelt sind und an Möglichkeiten arbeiten, sexuelle Übergriffe und Belästigungen von Frauen auf dem Campus zu reduzieren, müssen noch einen Konsens darüber finden, wie der Rückzug der Männer aus der Hochschulbildung verlangsamt werden kann. Einige Schulen versuchen im Stillen, mehr Männer zu immatrikulieren, aber auf dem Campus gibt es kaum Unterstützung für die Bereitstellung von Mitteln zur Förderung der Teilnahme und Bindung von Männern.

(...) Keine Hochschule möchte das Thema unter dem Licht der Geschlechterpolitik angehen, sagte Frau Delahunty, die Beraterin für Immatrikulation. Die gängige Meinung an den Universitäten sei, dass "Männer mehr Geld verdienen, Männer höhere Positionen bekleiden, warum sollten wir ihnen einen kleinen Schubs von der High School zum College geben?"

Doch es steht zu viel auf dem Spiel, um es zu ignorieren. "Wenn man sich um unsere Gesellschaft kümmert, erstens, und zweitens, wenn man sich um die Frauen kümmert, muss man sich auch um die Jungen kümmern. Wenn Männer und Frauen gleich gut ausgebildet sind, wird die Gesellschaft besser, und das gilt auch für die Frauen."

(...) Im Laufe ihres Arbeitslebens verdienen amerikanische College-Absolventen mehr als eine Million Dollar mehr als diejenigen, die nur einen High-School-Abschluss haben, und ein Universitätsdiplom ist für viele Stellen sowie für die meisten Berufe, technischen Arbeiten und einflussreichen Positionen erforderlich.

(...) Studentinnen in den USA profitieren von einem Unterstützungssystem, das schon vor Jahrzehnten eingerichtet wurde, als Frauen noch darum kämpften, auf dem College-Campus Fuß zu fassen. Landesweit gibt es mehr als 500 Frauenzentren an Schulen. Die meisten Zentren beherbergen Clubs und Organisationen, die sich für den Erfolg von Studentinnen einsetzen.

Laut W.H. "Butch" Oxendine, Jr., Exekutivdirektor der American Student Government Association, sind junge Frauen sehr daran interessiert, eine Führungsrolle zu übernehmen, wobei sie im akademischen Jahr 2019-20 59 % der Präsidenten der Studentenschaft und 74 % der Vizepräsidenten der Studentenschaft gestellt haben.

"In allen Arten von Institutionen, insbesondere in den zweijährigen Institutionen, aber auch in den öffentlichen und privaten vierjährigen Institutionen, dominieren Frauen die Vorstände der Studentenregierung", sagte Oxendine.

(...) Junge Männer bekommen wenig Hilfe, zum Teil, weil die Schulen sich auf die Förderung von historisch unterrepräsentierten Studenten konzentrieren. Jerlando Jackson, Lehrstuhlinhaber für Education Leadership and Policy Analysis an der School of Education der University of Wisconsin, berichtet, dass nur wenige Universitäten bereit waren, begrenzte Mittel für die Bekämpfung männlicher Leistungsschwächen auszugeben, die auch weißen Männern zugute kämen, und dass sie sich damit der Kritik aussetzten, diejenigen zu unterstützen, die in der Vergangenheit die größten Bildungsvorteile hatten.

"Als Land haben wir noch nicht die Mittel, um weißen Männern zu helfen, die Hilfe brauchen", sagte Dr. Jackson. "Es ist schwer, in einer Zeit zu leben, in der es Gruppen von weißen Männern gibt, die durch die Maschen fallen."

Keith E. Smith, ein Berater für psychische Gesundheit und Koordinator für Männer an der Universität von Vermont, sagte, dass er, als er 2006 seine Arbeit an der Schule aufnahm, feststellte, dass Männer viel eher mit Konsequenzen für den Ärger rechnen mussten, den sie unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol verursachten.

Im Jahr 2008 schlug Smith ein Männerzentrum vor, um männlichen Studenten zum Erfolg zu verhelfen. Der Vorschlag wurde von Frauen kritisiert, die fragten: "Warum sollten Sie der privilegiertesten Gruppe auf dem Campus mehr Mittel zur Verfügung stellen?"

Die Mittel wurden nicht bewilligt, und das Zentrum wurde nie gebaut.




3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem Blogbeitrag von gestern, "Warum sind so wenige Psychotherapeuten Männer?"

Vorweg zu mir: Ich habe in den 1990ern in Deutschland Psychologie auf Diplom studiert, das Vordiplom gemacht und dann noch alle nötigen Scheine fürs Diplom-Hauptstudium gemacht, habe aber nicht die Prüfungen abgelegt. Dass 80 % der Psychologiestudenten im Grundstudium Frauen waren, würde ich glattweg bestreiten – als Mann war man einfach eine Ausnahmeerscheinung. Und Mitstudentinnen lästerten, die wenigen Männern wären zudem fast immer schwul. Sie werden es gründlich wissen, denn diese wenige Männer waren ihr Jagdgebiet.

Das Grundstudium war interessant und im Hauptstudium waren die Vorlesungen für mich interessant. Wonach ich suchte, war nämlich der Forschungs-Zugang zur Psyche. Ich war zunächst von der Psychoanalyse begeistert, merkte aber im und durch das Studium, dass man damit einfach nicht weiterkommt. Deshalb interessierten mich die Forschungsmethoden zunehmend mehr. Also: Wie komme ich zu halbwegs zuverlässiger Erkenntnis? Wieso behauptet jemand Dieses oder Jenes? Womit belegt er seine Behauptung? Ich wollte quasi den Schlüssel zu eigener Erkenntnisgewinnung in die Hand bekommen. Das Grundstudium war dazu ziemlich gut geeignet und machte Spaß.

Aber die Seminare im Hauptstudium kotzten mich im Gegensatz zu den guten Vorlesungen zunehmend an. Ich hatte am Ende völlig die Lust verloren. Die Seminare waren ein einziges endloses Gelabere, wo man sich jedesmal fragte, wozu man überhaupt hingegangen war, was der Gewinn war. Ich hakte die nur noch wegen der Scheine ab.

Zum einen war das Problem, dass wir meist eine große Anzahl fachfremder Studenten in den Seminaren hatten, am nervendsten die oft hochpolitisierten Soziologen, die in einem fort grundlegendste Axiome der wissenschaftlichen Psychologie in Frage stellten und einem schlicht die Zeit stahlen. Und dann litt natürlich auch die Empirie extrem darunter. Typisches Beispiel war, mal eben mit einem anekdotisches Einzelbeispiel wiederlegen zu wollen, was ein ganzes Forscherteam nach Jahren sauberer Forschungsarbeit vorgelegt hatte. Und diese Typen klauten einem schlicht wirklich die Plätze im Seminar und vor allem in den Referatsgruppen, wo man einen Schein ergattern konnte.

Bei den Frauen war das eher so, dass sie sich schlicht für andere Sachen interessierten, also quasi die Nachfrage das Angebot stark beeinflusste. Zum Beispiel in ein Kindertherapieprojekt kamst du als Mann nicht einmal in die Nähe, weil Frauen sich richtig (!) kümmerten – so viel Motivation bringst du da als Mann gar nicht auf. Etwas weniger, aber ähnlich, war das (im Diplom-Studium, ich rede nicht von der nachfolgenden Therapieausbildung) bei allen Seminaren, die direkt das Thema Therapie behandeln. Die Frauen kämpften darum, da reinzukommen, weil es das war, was sie wirklich interessierte. Da hast du als Mann dann halt einfach gesagt, mache ich was anderes, wenn es kein Pflichtschein war.

So sortierten sich die Richtungen anders – Männer eher in die Forschung, Arbeit, Wirtschaft o.ä., die Frauen tendenziell eher in die Therapie.

Echte Männerhasser gab es in den 1990ern noch nicht so offen, aber es gab Einzelseminare, wo einem vorher schon zugeraunt wurde, dass man da besser nicht hinging. Im "Frauentutorium" warst du noch nicht einmal als heterosexuelle Frau ohne Konversionspotential erwünscht und bei bestimmten anderen Seminaren wurde das so geregelt wie bei Kampfhunden: Nach vorne freundlich gelächelt, man hat dich ausreden lassen, dann eine lange Pause gemacht und dann über ein völlig anderes Thema weitergeredet, ohne auf dich einzugehen. Diese Kandidaten kannte man aber, und es waren meist Frauen, die einen lachend und augenverdrehend vor solchen Seminaren warnten. Und eine Gendertante hatten wir damals schon; da war man als Mann zugelassen, aber es war halt nur für die hochreligiösen Fans dieser wenig empiriefreundlichen Glaubens- und Betgemeinschaft.

Es wurde halt einfach zu langweilig. Den Schlüssel zur Forschung (und damit der Literatur) hatte ich, das Gelabere brachte mir nichts mehr, also ging ich. So einfach. Das Studium war Mittel zum Zweck der Erkenntnis gewesen.

Eine Freundin dagegen wollte schon immer Therapeutin werden. Das Studium war für sie eher notwendiges Mittel, eine Therapieausbildung anfangen zu dürfen. Eine weitere Freundin machte das mit Auswendiglernen sogar im extremen Expresstempo, weil das Studium sogar nur lästiges Hindernis auf diesem Weg war. Die Therapie, diese Therapiegespräche, das war und ist wirklich deren Ziel deren ganz großer Wunsch.

Ich kann aus meinem Studium dieses Gleichstellungs-Paradoxon, wie es der Norweger Harald Eia in seiner TV-Doku so gut auf den Punkt gebracht hatte, zumindest für den Beruf des Psychologen, 100%-ig bestätigen. Mich selbst würde man vielleicht mit viel Überzeugung wegen der Notwendigkeit dazu bringen können, einen Tag in der Woche Therapien zu machen, aber das wäre nicht eigener Antrieb. Und ähnlich wird es den meisten Männern gehen. Aber ich muss ein gutes Wort für die Psychotherapeutinnen einlegen: Es kommt immer drauf an, auf wen man trifft. Es gibt probatorische Sitzungen, wo man gucken kann, ob man zueinander passt. Das sollte man nutzen. Und die meisten sind gute Profis, die auch Männergeheimnisse gut kennen und damit täglich umgehen. Den Rest muss man eben erklären. Aber sich zu erklären, ist ja ein wichtiges Ding in der Therapiesitzung. Ohne sich zu öffnen, kann man keine Therapie machen. Und der Job der Therapeutin (des Therapeuten) ist dann, DEINE Partei zu ergreifen, DEINE Sicht zu verstehen, DEINE Wege zu finden, - also eben gerade nicht, dich irgendwohin zu erziehen. Das ist der Unterschied zum Pädagogen oder wem auch immer.

Finger weglassen würde ich aber von allen Therapeuten, die auf ihrem Schriftmaterial oder gar mündlich gendern und so weiter. So etwas ist, wie religiöse und politische Bekenntnisse irgendwelcher Art, Gift in der Therapie. Wer das als Therapeut in die Therapie einbringt, ohne es vorher groß an die Tür geschrieben zu haben (quasi als Ausschlussgrund für Außenstehende ihrer Religion), von dem sollte man stets die Finger lassen, denn dieser Therapeut wird nicht sauber versuchen, dich zu verstehen, sondern dich zu erziehen. Leider ist es so, dass solche Leute in den letzten Jahren zunehmend in den Psychotherapeutenkammern der Länder an Einfluss gewinnen.




Montag, September 06, 2021

Warum sind so wenige Psychotherapeuten Männer?

Auf Spiegel-Online findet sich aktuell ein Artikel zu folgendem Thema:

Daniel Lücking war als Soldat in Afghanistan – für ihn eine traumatische Zeit. Bis heute kostet es Männer wie ihn Überwindung, sich bei psychischen Erkrankungen Hilfe zu suchen.


Wie schön, dass Spiegel-Online dieses Tabuthema anspricht.

Wie schade, dass dieser Beitrag – anders als zahllose Artikel, in denen Männer niedergemacht werden – hinter einer Bezahlschranke versteckt ist.

Dabei wäre längst eine Debatte darüber wichtig, warum es Männer Überwindung kostet, sich therapeutische Hilfe zu suchen. Das sexistische Klischee, dass Männer einfach zu stolz dazu wären, andere um Unterstützung zu bitten, bleibt als Erklärung unbefriedigend.

Vielleicht liegt es eher daran, das in der Welt der Psychotherapie nicht die Sprache von Männern gesprochen wird und die männliche Perspektive auf die Welt wenig zählt?

Am Freitag habe ich hier darüber berichtet, dass das Zentrum für Männerpsychologie die erste Ausgabe seines neuen Magazins veröffentlicht hat. Einer der Artikel darin dreht sich genau um dieses Thema: Warum sind so wenige Psychotherapeuten männlich? Ich habe ihn für Genderama ins Deutsche übersetzt.



Etwa 80 % der Psychologiestudenten im Grundstudium sind Frauen. Männer haben geringere Chancen als Frauen, eine Ausbildung in klinischer Psychologie (DClinPsy) zu absolvieren, und etwa 85 % der Auszubildenden in klinischer Psychologie sind Frauen. Einer der Gründe dafür, dass es weniger Männer in der Psychologie gibt, ist vielleicht, dass Jungen seit Ende der 1980er Jahre im Vergleich zu Mädchen in der Primar-, Sekundar- und Hochschulbildung schlechtere Leistungen erbringen, insbesondere weiße Jungen aus der Arbeiterklasse. Die Wahrscheinlichkeit, dass junge Frauen heute eine Universität besuchen, ist um etwa 35 % höher als bei Männern, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie Psychologie studieren, ist deutlich höher als bei Männern, was darauf hindeutet, dass die geringe Zahl der Männer, die Psychologie studieren, nicht vollständig durch allgemeine akademische Minderleistungen erklärt werden kann.

Warum also studieren Männer seltener Psychologie? Ich kann natürlich nicht für alle Männer sprechen, aber ich denke, dass sich meine Erfahrungen mit anderen Männern, die sich für ein Psychologiestudium entschieden haben, decken könnten.

In meinem Grundstudium Psychologie waren nur 11 von 156 Studenten (7 %) Männer. In meinem Hauptstudium waren nur zwei von 17 Studenten (12 %) Männer. Wenn ich in dieser Zeit Fragen stellte oder über männerspezifische Themen diskutierte, wurde ich oft abgewimmelt. Ich fühlte mich ein wenig wie eine Antilope unter 145 Löwinnen, und wenn ich etwas erzählte, das als "anders" als die Erfahrungen meiner weiblichen Kollegen angesehen wurde, wurde es entwertet. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, dass meine Ansichten nicht gut genug waren, weil ich männlich bin. Das brachte mich sogar dazu, meine eigenen Probleme mit männerspezifischen Themen zu hinterfragen. Ich begann, Selbstzweifel zu entwickeln und überlegte, ob es mir an emotionaler Intelligenz mangelte. In Verbindung mit meinem anderen Minderheitenstatus an der Universität - ich gehöre zur Arbeiterschicht - hatte ich das Gefühl, dass meine Stimme nicht zählt, und die Cancel Culture wurde zu einem echten Problem.

Während meines Studiums begann ich zu reifen und hatte glücklicherweise unterstützende Dozenten, die mir und meinen männlichen Kollegen bei der Gruppendynamik halfen und es uns ermöglichten, uns auszudrücken und unser Selbstvertrauen zu stärken, wenn wir uns an Gruppendiskussionen beteiligten. Nicht alle weiblichen Kollegen schienen männerfeindlich zu sein, aber eine kleine Handvoll vermittelte sicherlich diesen Eindruck. Wäre die Situation umgekehrt, würde ich die Beiträge meiner weiblichen Kollegen niemals abtun, nur weil sie weiblich sind und ihre Erfahrungen sich von meinen eigenen unterscheiden. Anderen zuzuhören, unabhängig von ihrem Geschlecht, ermöglicht Einblicke, persönliches Wachstum und Verständnis. Andere Stimmen zu verleugnen, fördert Ignoranz, Oberflächlichkeit und Arroganz und schafft ein Umfeld, in dem Menschen nur zuhören, bis sie eine Gelegenheit sehen, zu antworten, anstatt zuzuhören, um zu lernen.

In meinem Studiengang waren die weiblichen und feministischen Ansichten vorherrschend, und das gab mir als Mann ein ungutes Gefühl. Viele Ideen scheinen dem Wunsch nach einem Gegenschlag gegen das Patriarchat zu entspringen, und dem Gefühl, dass Frauen durch die traditionelle Familie von Männern unterdrückt werden. Aus dieser Perspektive wurden Männer als diejenigen wahrgenommen, die einen Schritt zurücktreten müssen, um Frauen den Raum und den Respekt zu geben, der ihnen zuvor verweigert wurde.

Obwohl ich in meinen Kursen keine guten Noten erreicht habe, habe ich das Gefühl, dass ich seit Beginn des Studiums auf Augenhöhe mit meinen weiblichen Kommilitonen bin, die oft sehr gute Leistungen erbringen.

Was die Arbeits- und klinische Erfahrung angeht, so bin ich umgezogen, um die Erfahrungen und die Ausbildung zu sammeln, die ich benötige, um mir einen Platz für eine klinische Ausbildung zu sichern. Der größte einschränkende Faktor in den letzten zehn Jahren war das niedrige Gehalt. Außerdem brauchte ich mehr als 87 Bewerbungen, bis ich meine erste Stelle als Assistenzpsychologe bekam, was mich dazu zwang, meine Karriereziele weiter zu verfolgen.

Während meiner gesamten akademischen Laufbahn, bis zu meiner Promotion und während jeder Position im klinischen Dienst des Gesundheitsdienstes, die ich innehatte, war ich immer der einzige Mann oder einer von nur wenigen Männern (einschließlich der Führungskräfte), was eine Herausforderung darstellte. Beispielsweise waren sowohl männliche als auch weibliche Patienten bereit, bis zu elf Wochen auf einen männlichen Psychologen zu warten; gelegentlich war ich der einzige männliche Assistenzpsychologe, der Verhaltenstherapie beurteilen und anbieten konnte. Ich hatte volles Verständnis für die Bedürfnisse dieser männlichen Patienten: Wenn ich beispielsweise schlechte Erfahrungen mit einem weiblichen Psychologen gemacht hatte oder mich bei einem Mann einfach wohler fühlte, wäre auch ich bereit gewesen, auf einen männlichen Psychologen zu warten. Sich von seinem Psychologen verstanden zu fühlen und Empathie zu erfahren, ist von entscheidender Bedeutung. Wenn diese Verbindung fehlt, gibt es kein therapeutisches Bündnis.

Bislang ist es mir gelungen, Ehrenämter zu erhalten, indem ich im Radio aufgetreten bin, Podcasts und Veröffentlichungen erstellt habe und mir einen finanzierten Doktortitel sichern konnte (nachdem ich mich zum ersten Mal beworben hatte und innerhalb von zwei Wochen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde), sowie die Möglichkeit zu erhalten, verhaltenstherapeutische Gruppen anzupassen und zu erstellen, da meine Heilungsraten im Rahmen von IAPT (Improving Access to Psychological Therapies) die höchsten in der Einrichtung waren.

Diese Chancen ergaben sich, weil ich mich erkundigte und zu Gelegenheiten und Aufgaben ja sagte, die ich zuvor nicht wahrgenommen hatte, und nicht, weil ich fünf Einsen hatte, einen ersten Platz in meinem Studium erreichte oder weil ich ein Mann bin. Diese Chancen habe ich mir mit Blut, Schweiß und Tränen erarbeitet.

So wurde ich zum Beispiel von der weiblichen klinischen Leitung gebeten, neun neue Assistenzpsychologinnen in die Geheimnisse einzuweihen, wie ich so hohe Erholungsraten in den von mir geleiteten verhaltenstherapeutischen Gruppen erzielen konnte. Abgesehen von zwei der neun starrte die Gruppe nur ins Leere, und eine sagte: "Sie sind nicht mein Vorgesetzter, ich weiß nicht, warum ich überhaupt hier bin und Ihnen zuhöre". Am Ende kam unsere klinische Leiterin herein, und die meisten verstauten ihre Handys und hörten ihr aufs Wort zu. Das war keine angenehme Erfahrung, und wenn ich mich an einer kollektiven Diskussion beteiligte, wurde das entweder abgetan oder ignoriert.

Abschließende Überlegungen

Obwohl ein männlicher Bewerber für klinische Psychologie vielleicht schlechtere Noten in seinem Lebenslauf hat als eine weibliche Bewerberin, kann er später auf andere Weise aufholen. In meinem Fall hatte ich, obwohl ich nicht die besten Noten hatte, oft mehr Einblicke, Erfahrungen, Auswirkungen und Veröffentlichungen als meine weiblichen Mitbewerber, trotz ihrer besseren Noten. Obwohl meine weiblichen Kommilitonen das Ausbildungsverfahren scheinbar mühelos durchlaufen und in der Lage sind, sich klar und selbstbewusst auszudrücken, haben sie später möglicherweise Schwierigkeiten mit klinischen Beurteilungen, der Durchführung von Therapien und der Intensität des Forschungsprozesses.

Die Situation ist komplex, und ich glaube nicht, dass Menschen mit schlechten Noten einfach aufgrund ihres Geschlechts weiter kommen sollten als andere. Es scheint jedoch vernünftig zu sein, dass alle Erfahrungen, Stärken, die Ausbildung und der Hintergrund einer Person berücksichtigt werden sollten, nicht nur ihre Schulnoten von vor über zehn Jahren. Ein Kandidat, der ein breites Spektrum an Kundengruppen betreuen kann - einschließlich des angeborenen Einblicks in die relativ schwer zu erreichende männliche Bevölkerungsgruppe - und der flexibel und belastbar ist, eine wirksame Therapie anbieten, innovative Forschung betreiben und Dienste leiten kann, zeigt dann sicherlich die breite Palette an Fähigkeiten und Eigenschaften, die von Arbeitgebern und Patienten geschätzt werden sollten.

Es ist verständlich, dass mehr Frauen als Männer klinische Psychologen werden, weil sich mehr Frauen bewerben. Aber warum bewerben sich so wenige Männer? Allgemeine Bildungsdefizite spielen sicherlich eine Rolle, aber sie erklären nicht das große geschlechtsspezifische Gefälle zwischen der Zahl der männlichen und weiblichen klinischen Psychologen. Diese Frage verdient die gleiche Priorität wie die mangelnde Vertretung ethnischer Gruppen und von Menschen mit Behinderungen in der Psychologie, zumal Männer häufiger als Frauen durch Selbstmord sterben, aber seltener als Frauen professionelle Hilfe suchen.




kostenloser Counter