Mittwoch, Februar 26, 2020

Pionier der Frauenförderung: "Eine Frauenquote ist unsinnig" – News vom 26. Februar 2020

1. Heiner Thorborg gilt der Frankfurter Allgemeinen zufolge als "einer der Altmeister unter den Headhuntern und früher Frauenförderer". Aber auch er findet: "Eine Frauenquote ist unsinnig."

Das führte zu einer immens steigenden Nachfrage nach Kandidatinnen, aber auch zu manch unglücklicher Besetzung, berichtet Heiner Thorborg,. Ausgerechnet der Gründer des Frauennetzwerkes "Generation CEO" wendet sich daher strikt gegen Giffeys Pläne: "Eine Frauenquote ist unsinnig. Dadurch werden reihenweise nicht ausreichend qualifizierte Frauen nach oben befördert, wie schon bei der Quote für Aufsichtsräte." Dies sei "für alle kontraproduktiv" und schade vor allem der Sache der Frauen selbst. Er prophezeit, dass das Personalressort künftig von Frauen dominiert werde: "Für Männer wird in dem Bereich nichts mehr zu holen sein."




2. Die Philosophin und Feministin Svenja Flaßpöhler kommentiert das Gerichturteil über Harvey Weinstein, das inzwischen vielfach als MeToo-Urteil verstanden wird. Ein Auszug:

Dank Metoo wissen wir, dass das Geschlechterverhältnis immer noch schwer gestört ist. Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen. Schaffen wir es, die Errungenschaften der Emanzipationsbewegungen zu nutzen, uns souverän auf die Schultern unserer Mütter und Vorkämpferinnen zu stellen – und zwar ohne auf den Mann herabzuschauen, ihn zu verdinglichen, Weinsteins Gewalttaten als toxische Männlichkeit zu verallgemeinern? In einem solchen Balanceakt läge die Möglichkeit nicht nur rechtlicher, sondern faktischer Gleichberechtigung.




3. Im liberalen Magazin Sp!ked kommentiert Joanna Williams das Urteil:

Überall auf der Welt feiern Aktivisten, Schauspieler und Journalisten den Schuldspruch gegen Weinstein nicht nur als ein Beispiel für einen erfolgreich funktionierenden Rechtsprozess, sondern auch als einen Triumph für die #MeToo-Bewegung. (...) Aber das lang erwartete Urteil ist nicht der große Sieg für die Frauen überall - oder auch für die spezifischen Frauen, die sich mit Anschuldigungen gemeldet haben -, den uns jubelnde Kommentatoren glauben machen wollen. Und in der Eile, zu feiern, werden ernsthafte Fragen über die Rolle der #MeToo-Bewegung bei der tatsächlichen Behinderung von Weinsteins Strafverfolgung übersehen.

(...) Es ist viel darüber geredet worden, dass Weinstein Geheimhaltungsvereinbarungen anwendet und dass Frauen zu viel Angst haben, über ihre Erfahrungen mit ihm zu sprechen. Aber eine beträchtliche Anzahl von Frauen ist, wie es scheint, froh, dass ihre Geschichten in der Presse und in den sozialen Medien diskutiert werden, aber sie sind nicht bereit, sich einem Kreuzverhör im Gerichtssaal zu stellen.

Das ist wichtig, weil das schiere Gewicht der Anschuldigungen und das Ausmaß der Medienberichterstattung über Weinstein die Geschworenen möglicherweise voreingenommen hat werden lassen. Vom allerersten #MeToo-Tweet an wurden die Anschuldigungen gegen Weinstein mit Behauptungen über sexuelle Belästigung von Frauen aus der ganzen Welt zusammengerührt. Das war eine Menge für einen Mann, der vor Gericht stand, und es überrascht nicht, dass Weinsteins Anwälte gegen seine Verurteilung jetzt zum Teil aus diesen Gründen Berufung einlegen.

Vor Gericht riefen die Anwälte der Anklage Zeuginnen auf, die einen Missbrauch durch Weinstein behaupteten, deren Anschuldigungen aber nicht in den Anklagepunkten, die ihm zur Last gelegt wurden, enthalten waren. Ihr Ziel war es, ein Verhaltensmuster zu etablieren, Weinstein als Triebtäter darzustellen. Diese Form der Argumentation wurde im Prozess gegen Bill Cosby eingeführt, aber sie wird traditionell nicht in Gerichtsverfahren verwendet, die nur bestimmte Verbrechen zum Gegenstand haben. Dies folgt in der Tat einem Muster: Von Anfang an hat die #MeToo-Bewegung versucht, seit langem bestehende Gerechtigkeitsprinzipien, darunter vor allem die Unschuldsvermutung, umzustürzen. Unter dem Edikt von #MeToo bedeutete der Befehl, allen Frauen zu glauben, dass die Menschen vor das Gericht der sozialen Medien gestellt, für schuldig befunden und verurteilt wurden. Dies hatte verheerende Folgen für Personen, die schwerer Verbrechen beschuldigt wurden, und hat möglicherweise zu den tragischen Selbstmorden des Labour-Politikers Carl Sargeant und zuletzt von Caroline Flack beigetragen.

Weinstein war nur mit vier Anklagepunkten konfrontiert. Er wurde für schuldig befunden, einen kriminellen sexuellen Akt und eine Vergewaltigung dritten Grades begangen zu haben, aber er wurde in zwei Fällen von sexuellen Übergriffen freigesprochen. Die Geschworenen brauchten viereinhalb Tage, um ihr Urteil zu fällen. Die Freisprüche, die Länge der Beratungszeit der Geschworenen und die geringe Anzahl von Frauen, die ihre Anschuldigungen schließlich durchsetzten, lassen eine Wahrheit vermuten, die die #MeToo-Bewegung nie anerkennen konnte - dass manchmal Sex ganz klar nicht einvernehmlich ist und eine Frau vergewaltigt wurde, aber dass manchmal die Frage der Zustimmung überhaupt nicht klar ist. Weinstein war ein mächtiger Mann, der die Karriere von Frauen bestimmen oder unterbrechen konnte - eine Tatsache, die er zweifellos ausnutzte. Aber in einer Branche, die Glamour und Sexualität privilegiert, gibt es auch Frauen, die ihre Schönheit zu ihrem Vorteil nutzen. Einige Frauen, vielleicht sogar einige, die von Weinstein körperlich angewidert waren, versuchten zweifellos, sein Verlangen nach ihnen auszunutzen. Die Unfähigkeit von #MeToo, dies anzuerkennen, rückt Frauen auf den Status von Kindern und raubt ihnen jegliche Handlungsfähigkeit in der Begegnung mit Männern.

Die Frauen, die ihre Anschuldigung gegen Weinstein vor Gericht gebracht haben, haben jedes Recht, die Tatsache zu feiern, dass er für schuldig befunden wurde und nun hinter Gittern ist. Aber darüber hinaus, wem hat #MeToo geholfen? Sicherlich nicht Arbeiterinnen aus Huddersfield, Oxford, Manchester oder Keighley, die von Männern pakistanischer Herkunft sexuell missbraucht wurden. Es gab keine Solidaritätsmärsche mit diesen jungen Opfern und keine Spendensammlungen, um für ihre Verteidigung zu sorgen.

Der Pyrrhussieg von #MeToo liegt einzig und allein darin begründet, dass er einer kleinen Gruppe gut ausgebildeter Elite-Frauen aus der Mittelschicht mit vielen Möglichkeiten erlaubt hat, sich selbst als Opfer darzustellen. Ein winziger Teil dieser Kohorte hat durch die Weitergabe ihrer Geschichten ein öffentliches Profil gewonnen. Für alle anderen Frauen hat #MeToo viel mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Mit der Verurteilung von Harvey Weinstein ist es an der Zeit, der #MeToo-Bewegung ein für allemal ein Ende zu setzen.




4. Mit "Göttinnen oder Opfer: Der wirklichkeitsfremde Blick der Linken auf Frauen" ist ein aktueller Artikel der Journalistin Karol Markowicz in der New York Post überschrieben, der sich mit dem Vorwahlkampf in den USA beschäftigt. Ein Auszug:

Wenn Sie dies lesen, können Sie sich glücklich schätzen. Denn ich bin eine Frau, und ich weiß alles. Ich bin ein Orakel der ursprünglichen Weisheit der Weiblichkeit - eine Göttin der allzu oft unterdrückten Einsicht. Alles, was ich tue und sage, ist perfekt. Meine Kräfte sind allumfassend.

Nach Ansicht der Demokraten und ihrer Verbündeten in den Medien ist das so.

Nach ihren frauenfreundlichen Ergüssen zu urteilen, sind Frauen in jeder Hinsicht und in jeder Dimension des Lebens so viel besser als Männer, dass jede uns gewährte Macht niemals verschwendet oder missbraucht werden könnte. Sie könnte nur zum Wohle der Menschheit wirken. In Klammern gesetzt: Das heißt, solange die betreffenden Frauen zuverlässige Linke sind.

(...) In dieser Erzählung ist die einzige andere Haltung für Frauen, wenn wir keine himmlischen Superhelden sind, die geschickt werden, um mit unserer bloßen Anwesenheit alles in Ordnung zu bringen, die, dass wir in einen Zustand der Verzweiflung versetzt werden.

Wenn man dieselben Demokraten hört, ist es unglaublich schwer, eine Frau zu sein, besonders in Amerika. Vor zwei Wochen sagte die Abgeordnete Ayanna Pressley: "Wir schreiben das Jahr 2020, und wir Frauen sind hier immer noch in so vielerlei Hinsicht nicht völlig frei, immer noch gefesselt".

Pressley führte aus: "Die Gesetze dieses Landes haben uns in der Vergangenheit wie Bürger zweiter Klasse behandelt, indem sie uns das Wahlrecht, die meisten Arbeitsplätze und den Besitz von Eigentum vorenthalten haben." Sie räumte ein, dass "einige dieser Ungerechtigkeiten vielleicht nicht mehr existieren", fügte dann aber hinzu, dass "wir immer noch vor enormen Hindernissen für unsere volle Teilnahme an der Gesellschaft stehen".

Abgesehen davon natürlich, dass Frauen voll und ganz an der Gesellschaft teilhaben. Wir haben das Wahlrecht. Wir können die meisten Jobs annehmen und wir können Eigentum besitzen. Wir sind völlig frei, und wir sind in keiner Weise gefesselt. In einem freien Land, in dem wir Frauen unser individuelles Schicksal selbst in der Hand haben, sind Kommentare wie die von Pressley geradezu beleidigend. In vielen Teilen der Welt gibt es Frauen, die nicht die reichliche Freiheit haben, die amerikanische Frauen genießen. Uns freie Frauen als "gefesselt" zu bezeichnen, wenn saudi-arabische Frauen gerade erst das Recht zum Autofahren gewonnen haben, ist unverschämt verlogen.

Keine der beiden linken Visionen von Frauen - gesegnete Einhörner oder verfluchte Opfer - behandelt sie wie echte Menschen. Gleichberechtigung bedeutet, Frauen wie Männer zu behandeln - das heißt, als fehlbare Menschen zu großen Taten fähig zu sein, aber auch zu großem Übel. Wir werden Fehler machen und, ja, Chaos verursachen. Unsere Anwesenheit macht nicht automatisch etwas besser. Wir sind Individuen, kein Monolith. Es wäre schön, wenn die Demokraten das merken würden.

Dienstag, Februar 25, 2020

Weinstein schuldig gesprochen – Spiegel-Online empört über "frauenfeindliches" Urteil – News vom 25. Februar 2020

1. Die Geschworenen im Weinstein-Prozess haben sich jetzt doch zu einem Urteil durchgerungen und den Angeklagten in zwei von fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen:

In dem aufsehenerregenden New Yorker Prozess ging es seit Januar (…) vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Die Jury befand ihn in diesen beiden Fällen für schuldig. In zwei Anklagepunkten wegen wiederholter sexueller Angriffe wurde der 67-Jährige dagegen freigesprochen. Die Jury sprach Weinstein zudem lediglich der Vergewaltigung in einem minder schweren Fall schuldig, nicht im schwersten Anklagepunkt des "raubtierhaften sexuellen Angriffs".


Spiegel-Online ist erwartungsgemäß unglücklich und titelt "Im Zweifel immer gegen die Frau". Korrekt wäre natürlich: Im Zweifel für den Angeklagten – einer der wichtigsten Rechtsgrundsätze, den manche Feministinnen heute sturmreif zu schießen versuchen. So heißt es auch in dem Spiegel-Online-Artikel:

Der Fall Weinstein belegt in mehrfacher Hinsicht, dass das amerikanische Justizsystem Frauen nicht ausreichend vor männlicher Gewalt schützt. Zunächst taten sich die Staatsanwälte in New York schwer damit, eine Anklage aufzubauen, da manche der Taten verjährt waren, Frauen nicht aussagen wollten, oder Fälle außerhalb des Bundesstaates stattgefunden hatten. Dann war es schwer, mehrere Frauen zu finden, deren Geschichten ausreichend glaubwürdig waren – und am Ende scheiterte das entscheidende Urteil genau daran.


Wie würde dieser Darstellung nach also ein Rechtssystem aussehen, dass Frauen "ausreichend vor männlicher Gewalt schützt"? Es gäbe darin keine Verjährung, es würde bei der Rechtsprechung auch Aussagen berücksichtigen, die nie geäußert wurden, es würde Fälle außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs verfolgen und auch Aussagen für einen Schuldspruch verwerten, die nicht ausreichend glaubwürdig sind. Wenn Feministinnen nichts anderes als eine vollständige Aushöhlung des Rechtsstaats als Sieg akzepotieren, sorgen sie zwar dafür, dass ihre Bewegung nocht lange Bestand haben wird, aber auch dafür, dass immer weniger Menschen ihre Berechtigung anerkennen werden und lieber zum #TeamRechtsstaat gehören. Gottseidank äußern viele Kommentare unter dem zitierten Spiegel-Online-Artikel scharfe Kritik an dem eigentümlichen Rechtsverständnis der Verfasserin.

Weinsteins Anwaltsteam hat inzwischen angekündigt, in Berufung zu gehen.



2. Die australische Labor-Partei bemüht sich immer noch verzweifelt darum, dass die Männerrechtlerin Bettina Arndt ihren Orden aberkannt bekommt.



3. Wenn der Feminismus behauptet, für alle Frauen zu kämpfen, warum ignoriert er dann ausgerechnet die ärmsten unter ihnen, fragt Mikki Kendall im Magazin "Time". Damit greift Kendall die bekannte Kritik auf, dass die feministische Bewegung hauptsächlich die Interessen von Frauen der Mittel- und Oberschicht vertritt. Ich freue mich darüber, dass die Männerrechtsbewegung diesen Fehler nicht wiederholt und beispielsweise die Probleme der Obdachlosen (zu achtzig Prozent männlich) immer wieder benennt.

Montag, Februar 24, 2020

Karriereunwillige Frauen, weiße Männer als Zielscheibe, Schwarzbuch Feminismus und Videobeweise beim Sex – News vom 24. Februar 2020

1. "Wenn Frauen mehr verdienen als ihre Partner, hadern sie oft mit ihrem Leben - das zeigen Daten aus der Wissenschaft", berichtete gestern Patrick Bernau in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Artikel, überschrieben mit "Viele Frauen wollen keine Karriere machen", beginnt mit einer Erfahrung der Pharma-Managerin Manuela Hoffmann-Lücke, wenn sie jüngere Frauen für Führungspositionen coacht. "Es gibt eine Menge Frauen, die davon reden, gleichberechtigte Möglichkeiten haben zu wollen, die sie aber nicht wirklich annehmen", berichtet Hoffmann-Lücke. "Das muss ich so brutal sagen.“ Die Frauen zögen sich zurück: "Erst wollen sie die Kinderbetreuung perfektionieren, später kümmern sie sich gern um sich selbst, mit Fitnessstudio und Nagelstudio." Ihr Mann Thomas Lücke wiederum kann aus dem Nähkästchen plaudern, was seine beruflichen Erfahrungen als Lehrer angeht: "Ich habe viele Mütter getroffen, die zu Hause geblieben sind und ein strukturelles Problem dafür vorgeschoben haben: Der Mann verdient mehr. Ich habe das oft als Ausrede empfunden."

Diese persönlichen Einblicke dienen als Aufhänger für einen Bericht über Daten, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die Frankfurter Allgemeine ermittelt hat. Dessen zentrale Erkenntnis: Es gibt eine große Gruppe von Frauen, die als Hauptverdiener in einer Partnerschaft unglücklicher werden. Als Zuverdienerin bewerten sie ihr Leben am besten. Am unglücklichsten sind beide Partner, wenn das Einkommen hauptsächlich von der Frau erwirtschaftet wird. Auf einer Zehn-Punkte-Skala bewerten alle Hauptverdienerinnen zusammen ihr Leben durchschnittlich fast 0,3 Punkte schlechter als Frauen, die weniger verdienen als ihr Partner oder gleich viel. Das entspricht ungefähr dem Zufriedenheits-Unterschied zwischen Deutschland und Polen.



2. Mit "Weiße Männer sind zu einer massiven Zielscheibe geworden" betitelt der Deutschlandfunk ein Interview mit der britischen Philosophin Nina Power:

Sie hat das Projekt "Amity/Animosity" – Freundschaft-Feindschaft – ins Leben gerufen. Bei einem Kaffee trifft sie ganz bewusst Menschen, die Meinungen jenseits des politisch korrekten Mainstreams vertreten, um mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Das hat sie besonders in linken Kreisen zur Persona non grata gemacht. Powers ist allerdings davon überzeugt, dass ein gemeinschaftlicher Dialog unabdinglich und das Ausschließen von Menschen, egal welche Meinung sie vertreten, kontraproduktiv ist.


Ein Auszug aus dem Interview:

Raphael Smarzoch für den Deutschlandfunk: Damit geht auch die Tendenz einher, online Grenzen zu überschreiten, indem man unverschämte und provozierende Dinge sagt. Ich muss da zum Beispiel an die Hashtag-Kampagne "Men Are Trash" denken, Männer sind Müll. Wie nützlich ist so etwas für die Etablierung eines Dialogs zwischen Männern, die gern dazulernen möchten, und Frauen, die daran interessiert sind, dass Männer sich verändern?


Dass schon in der Fragestellung ganz automatisch das Weltbild von Männern als minderwertigen Wesen mitgeliefert wird, ist derzeit leider typisch (nicht nur) für den Deutschlandfunk.

Nina Power: Auf der einen Seite würde ich sagen, wenn man Redefreiheit oder freie Meinungsäußerung ernst nimmt, wird sie auch Dinge beinhalten, die unangenehm, beleidigend oder beunruhigend sind. Es gibt keine Gruppe, die man nicht kritisieren oder über die man nicht lachen darf. Wenn wir anfangen zu sagen, dass man über bestimmte Gruppen nicht lachen darf, befinden wir uns auf gefährlichem Gebiet, weil wir Hierarchien und Privilegien aufbauen. "Über diese Gruppe darf gelacht werden, aber nicht über die andere …"

Auf der anderen Seite sind aber weiße Männer zu einer massiven Zielscheibe geworden. Das zeigt der Hashtag, den Sie erwähnt haben. Es gab auch noch einen anderen, der viel ernster war, nämlich "Kill All Men", "töte alle Männer". Das ist in gewisser Weise natürlich ein Witz, weil er nicht der tatsächlichen Gewalt in der realen Welt entspricht. Frauen neigen nicht sehr oft dazu, Männer zu töten – es ist vielmehr umgekehrt. Es ist schon seltsam: Man muss die Möglichkeit verteidigen, diese aggressiven und unangenehmen Statements äußern zu dürfen. Und doch braucht man Zeit, um eine vernünftige Diskussion über gute und schlechte Maskulinität zu führen. "Das Medium ist die Botschaft", sagte Marshall McLuhan. Ein Medium wie Twitter ist aber sehr schnelllebig. Es ermöglicht nicht wirklich diese Art von tiefgehender Untersuchung eines komplizierten Themas zum Beispiel darüber, wie sich Männer verhalten sollten. Was bedeutet es, ein "guter Mann" zu sein? Es gibt viele gute Männer. Wir haben also eine Art Problem mit der Zerstreuung. Diese großen Themen werden mit einer gewissen Schnelligkeit behandelt, dabei gehen sie viel tiefer.


Zuende gedacht landet man letztlich bei der Binsenweisheit, dass es nun mal gute und schlechte Menschen gibt. "Kill all men" gehört dabei sicher nicht zu den moralischen Glanzleistungen der Menschheit.



3. Mittlerweile ist ja bekannt, dass ich erfolgreich mit jenen Feministinnen zusammenarbeite, die nicht dem Männer hassenden Flügel dieser Bewegung angehören. Dem unbenommen muss auch ich einräumen, dass ein weit überwiegender Großteil der Literatur über die Geschichte des Feminismus daran krankt, dass sie diese politische Bewegung weniger kritisch analysiert, als vielmehr in Form einer Werbebroschüre weichzeichnet. Einen Gegenpol dazu soll jetzt das von dem Ideologiekritiker Gunnar Kunz herausgegebene "Schwarzbuch Feminismus" bilden, das Kunz mit folgenden Worten vorstellt:

Es ist das Ergebnis einer 4-jährigen Recherche, eine Dokumentation der 2. und 3. Welle des Feminismus in Deutschland von 1968 bis 2019. Es geht darin um Väter und Kinder, Sexualität und Gewalt, Arbeit und Geld, Staat und internationale Frauenlobby, Medien und Zensur. Wer wissen möchte, mit welchen Tricks Gender Mainstreaming installiert wurde, wer bei der Scheidungsreform 1977 dafür gesorgt hat, dass das angestrebte Ziel der finanziellen Selbstständigkeit der Ex-Ehefrau konterkariert wurde, wie Geschlechterstudien manipuliert werden, mit welch irrwitzigen Summen feministische Lobbyistinnen gefördert werden, wie sie Politik und Medien beeinflussen und demokratische Entscheidungsprozesse unterlaufen, findet hier Antworten. Das Buch arbeitet Fakten auf über den stets geleugneten Krieg, den Feministinnen seit mehr als 50 Jahren gegen Männer und emanzipierte Frauen führen, mit verheerenden Folgen für die gesamte Gesellschaft. Die Aussagen sind mit ca. 7.000 Quellenangaben belegt; ein ausführliches Register rundet das Buch ab.

In Kürze ist das 548 Seiten starke Buch zum Preis von 19,90 Euro erhältlich. Bis dahin biete ich es zum Subskriptionspreis an:

Wer bis zum 8. März bestellt und bezahlt, erhält das Buch für 14,00 Euro + 4,30 Versandkosten (Versand über Hermes, also mit Sendungsverfolgung). Um Versandkosten zu sparen, können sich natürlich auch mehrere Leute zusammentun, und ich verschicke dann gebündelt und berechne nur einmal Versandkosten.

Wer zusätzlich zum Schwarzbuch mein Buch "Verwundbar sind wir und ungestüm" (14,99 Euro) bestellt, erhält die beiden Bücher versandkostenfrei (also für 28,99 Euro).

Wer das Buch beziehen möchte, meldet sich bitte mit der Angabe, welche + wie viele Bücher gewünscht werden (Zustelladresse nicht vergessen!), hier:

schwarzbuch2020@vodafonemail.de

Ich schicke dann eine Rechnung mit Kontoangabe und Rechnungsnummer. Die Bücher werden ab ca. 12. KW ausgeliefert.




4. Inzwischen geht es den ersten Feministinnen an den Universitäten offenbar wie den (wenigen) Männerrechtler_*Innen, die dort versucht haben, eine Diskussion zu führen . Die "Ruhrbarone" haben dazu die Feministin Naidal Pintu interviewt. Ein Auszug:

Ruhrbarone: Warum stellen sich Deine Kritiker nicht einer Diskussion, sondern wollen Deine Vorträge verhindern?

Naida Pintul: Die Erklärungen dafür sind wirklich amüsant: Sie reichen von "Betroffene sollen sich mit einer so transphoben, hasserfüllten Person nicht auseinandersetzen müssen" über "Leute mit solchen schlimmen Ansichten sind unbelehrbar" bis hin zu "Mit Faschisten/Rassisten redet man nicht". Sehr selten erlebe ich, dass jemand wirklich kritisch nachfragt und in einer Gegenargumentation beschlagen ist.

Ruhrbarone: Sind diese Versuche, Debatten zu verhindern noch Ausnahmen oder ist das ein Trend an den Hochschulen?

Naida Pintul: In der Heftigkeit und Konstanz gibt es aktuell vermutlich nicht viele andere Referenten, denen das in Deutschland genauso passiert, aber an Universitäten in UK, Kanada und den USA sind diese Maßnahmen nicht ungewöhnlich und fallen auch noch heftiger aus. Die kanadische Feministin Meghan Murphy erhält vor vielen Veranstaltungen Drohungen und entsprechend referiert sie unter Polizeischutz. Das gilt für viele andere Feministinnen in diesen Ländern, die inhaltlich ähnlich wie ich argumentieren, in etwas abgeschwächter Weise genauso. Wenn Resolutionen wie "Gegen jede Queerfeindlichkeit" an mehr Hochschulen Verbreitung finden, wird man sich der Kritiker in Zukunft aber sehr schnell auch ohne weitere Maßnahmen entledigen können.




5. Die auflagenstarke Tageszeitung USA Today beschäftigt sich mit einer Frage, die in Zeiten von MeToo viele Männer interessiert: Kann man sich vor einer Falschbeschuldigung, man habe eine Frau vergewaltigt, schützen, indem man ihre Einwilligung vor dem Sex aufzeichnet?

Einige Anwälte sagen, dass eine schriftliche oder per Video aufgezeichnete Einwilligung zum Sex die einzige Möglichkeit für Menschen sein kann, sich gegen Vergewaltigungsvorwürfe zu verteidigen. Aktivisten wenden ein, dass diese Maßnahme deutlich zu kurz greife.

Zwei Fußballspieler der Ohio State University, Amir Riep, 21, und Jahsen Wint, 21, wurden letzte Woche verhaftet, nachdem sie der Entführung und Vergewaltigung einer 19-jährigen Frau beschuldigt wurden. Am nächsten Tag gab Cheftrainer Ryan Day bekannt, dass er die beiden aus dem Team entlassen habe.

Die Polizei von Columbus sagte in einer eidesstattlichen Erklärung, Riep habe auf einer Videoaufnahme das Opfer aufgefordert, zu bestätigen, dass der Verkehr einvernehmlich stattgefunden habe. Diese Aufnahme sei sichergestellt worden, sagte die Polizei.

Die Vorstellung, einen "Beweis" für die Zustimmung zu suchen, beschäftigt Forscher und Aktivisten bei der Prävention sexueller Gewalt.

Brad Koffel, ein seit über 25 Jahren in Kolumbus tätiger Strafverteidiger und geschäftsführender Gesellschafter von Koffel Brininger Nesbitt, rät seinen Mandanten, eine schriftliche Einwilligung für sexuelle Handlungen einzuholen, auch wenn es sich nur um eine Textnachricht oder eine Audio- oder Videoaufnahme handelt, die die Zustimmung anzeigt.

"Wenn sie es nicht tun", sagte er, "werden sie im jetzigen Klima einige Konsequenzen erleiden".

Diesen Monat deutete eine Anwältin, die den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein in seinem Prozess wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verteidigte, ähnliches an.

"Wenn ich in der heutigen Welt ein Mann wäre, würde ich, bevor ich mit einer Frau Sex habe, sie bitten, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben", sagte Donna Rotunno in The Daily, einem Podcast der New York Times.

Der Strafverteidiger Dan Sabol sagte, er wäre besorgt, wenn ein Klient eine schriftliche oder aufgezeichnete Einwilligung von einem Sexualpartner erhalten würde: "Das wäre ein Alarmsignal. Es könnte so aussehen, als wollten sie ihre Spuren verwischen."

Der Nachweis der Einwilligung könnte jemandem helfen, der fälschlicherweise beschuldigt wird, sagte Sabol, aber wenn es zwingende Beweise dafür gibt, dass ein sexueller Akt nicht einvernehmlich war, könnte die Dokumentation der Einwilligung eines Partners den Anschein von Schuld bei einem Verdächtigen erhöhen. "Nur weil jemand auf Video sagt, dass es einvernehmlich war, ist es noch lange nicht einvernehmlich."

Brandon Shroy, ein Strafverteidiger aus Columbus, sagte, eine Jury sei dafür verantwortlich, die Gültigkeit eines Einwilligungsvideos festzustellen. "Es ist etwas, das die Verteidiger ... gerne sehen würden, aber eine Gruppe von Geschworenen kann sich entscheiden, es zu glauben oder nicht zu glauben."

Die Befürworter der Prävention sexueller Übergriffe sagten, sie sähen mehr Fälle von Jugendlichen, denen geraten wird, einen Einverständnisnachweis zu erhalten, aber eine formelle Dokumentation in schriftlicher Form oder auf Video erfasse nicht, wie Einverständnis wirklich funktioniert.

"Es sollte als Alarmsignal gewertet werden, dass eine Person genug Zweifel daran hat, ob eine Zustimmung vorliegt oder nicht, um ... vor oder nach einer Begegnung diese Art von Zustimmung zu verlangen", sagte Laura Palumbo, Kommunikationsdirektorin des National Sexual Violence Resource Center. "Denn in Wirklichkeit ist eines der wichtigsten Dinge, die die Menschen über die Zustimmung wissen müssen, dass, wenn Sie irgendwelche Zweifel haben ... die Interaktion mit Ihrem Partner nicht weitergehen sollte".

Emily Gemar, Campus-Koordinatorin für die Interessenvertretung des Sexual Assault Response Network of Central Ohio, sagte, dass die Zustimmung jederzeit rechtlich widerrufen werden kann, so dass schriftliche oder per Video aufgezeichnete Unterlagen in keiner Weise repräsentativ für eine gesamte sexuelle Begegnung sind. "Wenn jemand einmal in eine Aufzeichnung einwilligt, bedeutet das nicht einfach eine pauschale Zustimmung für alles, was danach geschieht", sagte sie.

″Einerseits wissen die Menschen, dass die Zustimmung wichtig ist, aber andererseits sind diese Arten des Nachweises der Zustimmung natürlich besorgniserregend", sagte Zoë Peterson, Direktorin der Forschungsinitiative zu sexuellen Übergriffen am Kinsey-Institut der Universität Indiana, die sich mit sexueller Zustimmung, sexuellem Übergriff, sexuellem Zwang und unerwünschtem Sex befasst.

Gemar sagte, sie benutze das "FRIES"-Modell, um die Anforderungen der Einwilligung zu umreißen: frei gegeben, umkehrbar, informiert, enthusiastisch, spezifisch.

"Eine gute einvernehmliche Handlung oder eine Reihe von Ereignissen sollte kontinuierlich aus aktiver Kommunikation und Rückversichern beim Partner bestehen", sagte sie. "Der Partner sollte einwilligen und die ganze Zeit über mit Begeisterung zustimmen".


Kurz gefasst: Eine aufgezeichnete Einwilligung vor dem Sex genügt nicht, um im Zweifelsfall Ihre Unschuld zu beweisen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, müssen Sie schon jedesmal den gesamten Sex mitfilmen. Dabei sollten Sie vor jeder neuen Liebkosung so lange fragen, ob sie genehm ist, bis die Begeisterung Ihrer Partnerin unüberhörbar wird. Erst dann sind Sie – vermutlich – auf der sicheren Seite.

Sonntag, Februar 23, 2020

Warum der Prozess gegen Harvey Weinstein zu platzen droht

Wenn man sich an den meisten Medienberichten über den Prozess gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein oritentiert, erscheint einem eine Verurteilung fast schon als Formsache und ein Freispruch als Skandal, der die Allmacht des Frauen hassenden Patriarchats zeigen würde. Der aktuelle SPIEGEL etwa betitelt einen Artikel über "Typen wie Harvey Weinstein und Dieter Wedel" wie selbstverständlich mit "Arschlöcher galten als cool": Die bloße Beschuldigung reicht inzwischen, damit jemand Zielscheibe öffentlicher Beschimpfungen in Massenmedien werden darf. Für die renommierte US-amerikanische Wochenzeitschrift hat sich nun die Kolumnistin JoAnn Wypijewski (Autorin eines kommenden Buchs über die Tabus in der MeToo-"Debatte") gründlicher und seriöser mit dem Gerichtsverfahren gegen Weinstein beschäftigt als viele Kollegen, die den Schuldspruch ohnehin im Kopf und passende Kommentare geistig vorformuliert haben dürften. Ich habe ihren Prozessbereicht für Genderama ins Deutsche übersetzt.



"Ich glaube nicht, dass irgendjemand darauf vorbereitet ist", sagte eine feministische Aktivistin in der öffentlichen Schlange vor dem Raum 1530 des Obersten Gerichtshofs des Staates New York während einer Zeugenpause am Ende des Prozesses von Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung. "Darauf" bedeutete die Möglichkeit eines Freispruchs oder dass sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen können.

Eine Gruppe von uns hatte sich unterhalten, nachdem wir Jessica Mann direkt und im Kreuzverhör gehört hatten. Ihre Behauptungen sind für die Argumentation der Staatsanwaltschaft von zentraler Bedeutung. Wir waren vier New Yorkerinnen, Fremde füreinander: drei Frauen und ein Mann, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Klasse; eine Schwarze, ein Latino, zwei Weiße; eine unabhängige Filmemacherin, eine Aktivistin, eine frischgebackene Hochschulabsolventin und ich. Ungewollt dachten wir wie Geschworene, die zu entscheiden hatten, ob der Staat seiner Beweislast gerecht wird. Wir hatten Zweifel. Unser Gespräch glich denen, die ich schon früher hatte, und denen, die ich in den kommenden Tagen mit anderen in der öffentlichen Schlange haben würde, während wir mit dem Rücken zur Wand und in einem großen Gerichtssaal, der bereits mit Gästen und mehr als 100 beglaubigten Reportern gefüllt war, auf die wenigen Plätze warteten.

Diese Reporter verrieten keine Neugierde über die Bewertung der öffentlichen Beobachter der Ereignisse, zumindest nicht die, die ich an den vielen Tagen, an denen ich anwesend war, miterlebte. In den Aufzügen und auf den Toiletten hörten ihre Scherze abrupt auf, als sie uns bemerkten. In den meisten Fällen haben ihre Meldungen die Erzählung der Anklage nachgeplappert. Die öffentliche Berichterstattung war bruchstückhaft und nach Orientierung suchend. In der Plädoyerphase hatte eine junge Frau, die Tage zuvor die Widersprüche in den Zeugenaussagen der Anklage wegdiskutiert hatte, entschieden: "Es ist ein sehr schwacher Fall." Die Nachrichtenberichte, die ich gesehen habe, haben nur seine Stärken betont. Sie erkannten das Schlusswort der Verteidigerin Donna Rotunno nicht als eine methodische Überprüfung der Beweise an, die einen Berg von Zweifeln aufkommen ließ, noch beschrieben sie das Plädoyer der stellvertretenden Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon als einen abschweifenden Appell an die Emotionen, indem sie Weinstein wiederholt als 'räuberisches Monster' deklarierte, aber ansonsten Verwirrung stiftete. Stattdessen bezeichneten die Medien das Argument der Verteidigung weitgehend als Angriff auf Frauen und wichen der entscheidenden Frage aus, ob die Anklage ihren Fall bewiesen habe.

Weinstein ist mit fünf Anklagepunkten wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen konfrontiert, darunter zweien wegen sexueller Übergriffe, die ihn lebenslang ins Gefängnis bringen könnten. Die Argumentation des Staates hängt von den Anschuldigungen zweier Frauen ab: Jessica Mann, die 2013 eine aufstrebende Schauspielerin war, und Miriam Haley, die 2006 Produktionsassistentin war. Aber der Staat durfte die Anschuldigungen von vier anderen Personen vorbringen, um ein Muster schlechter Taten zu demonstrieren. Dazu gehört Annabella Sciorra, deren 27-jähriger Vergewaltigungsvorwurf, der verjährt ist, durch die Hintertür hereingekommen ist, und zwar in Verbindung mit der Behauptung jedes Hauptanklägers in den Anklagen wegen sexueller Übergriffe. Die Schauspielerin gilt als beste Zeugin der Staatsanwaltschaft. In einem drei Stunden und 20 Minuten dauernden Plädoyer verbrachte Illuzzi-Orbon die erste Stunde und 10 Minuten mit Sciorra, deren Bilder die Diashow des Staates dominierten und die anderen Frauen auf eine Statistenrolle reduzierten. Rotunno hatte die Geschworenen bestehend aus fünf Frauen und sieben Männern dazu aufgefordert, sich auf die beiden Hauptanklägerinnen zu konzentrieren, die Beweise zu studieren und ihre Rolle als ultimative Prüfer der Tatsachen zu übernehmen; Illuzzi-Orban hatte ihre Arbeit mit "gebildeten Konsumenten" verglichen. Sie können sich an dieser Degradierung stören.

Am Dienstag, dem 18. Februar, erhielten sie Anweisungen von Richter James Burke. Auch sie wurden von den Berichterstattern des Prozesses als verwirrend empfunden. Es war bald klar, dass die Geschworenen das Gleiche empfanden. Sie schickten dem Richter Fragen: Würde er ihnen schriftliche Definitionen von Begriffen in den Anklagepunkten geben? Das konnte er nicht. Müssen sie feststellen, dass der Staat bewiesen hat, dass Weinstein sowohl dem Hauptankläger im Jahr 2006 (oder 2013) als auch Sciorra im Winter 1993-94 Sex aufgezwungen hat, um einen Schuldspruch in der Anklage wegen sexueller Übergriffe zu erwirken? Ja. Könnte er erklären, wie sie Sciorra angesichts der Verjährungsfrist betrachten sollen? "Jede Angelegenheit bezüglich der Verjährungsfrist ist Sache des Richters; Sie dürfen nicht spekulieren". Sollen sie die Behauptung von Sciorra für sich allein betrachten? Nein.

Ihnen wurde gesagt, dass sie bei der Bewertung der Beweise ihren gesunden Menschenverstand einsetzen sollen. Sie haben Expertenaussagen über die Häufigkeit des fortgesetzten Kontakts einer Frau mit ihrem Vergewaltiger und über die Häufigkeit der Überarbeitung einer Erinnerung durch eine Person auf der Grundlage von Informationen nach dem Ereignis gehört. Sie haben die auffällige Übereinstimmung der Erinnerung 27 Jahre nach der Tat zwischen Sciorra und ihrer Freundin Rosie Perez gehört, aber auch von Illuzzi-Orbon gehört: "Ungereimtheiten ... sie sind das Kennzeichen der Wahrheit". Von den Zeuginnen der "bösen Taten" hatte eine Erinnerungen, die so zersplittert waren, dass die Staatsanwaltschaft sagte, sie könne nicht benutzt werden; sie trat nach 55 Besuchen bei einem Therapeuten in den Zeugenstand. Eine andere erzählte zahlreichen Reportern und ihrem damaligen Verlobten, dass sie von Weinstein drei Drehbücher für einen Dreier vorgeschlagen bekommen hatte; bei der ersten Verhandlung erinnerte sie sich, dass er sie bei einer früheren Gelegenheit befummelt hatte. Eine dritte, die ebenfalls Gedächtnisprobleme hatte und die von der Polizei über Weinsteins Genitalien verhört wurde, bis sie ihnen sagte, dass sein Penis "deformiert" sei, beschuldigte eine andere Frau, sie mit Weinstein in einem Bad eingesperrt zu haben; die andere Frau, die von der Verteidigung vorgeladen worden war, bestritt das entschieden.

Beide Hauptanklägerinnen gaben gefühlsbetonte Berichte ab, die aber auch durch andere Zeugenaussagen oder Beweise, manchmal ernsthaft, untergraben wurden. Ein Kalender, den Haley aufbewahrt hat, war mit den Worten "Ich liebe, ich liebe, ich liebe New York" bekritzelt. "Ich liebe, liebe, liebe Zeug", umgeben von gekritzelten Herzen in der Woche ihres angeblich gewaltsamen Oralsexes. Spätere Einträge, die sich auf Weinstein bezogen, hat sie gelöscht, und einige ihrer anderen Aussagen, einschließlich der düsteren Charakterisierung einer Begegnung, die zuvor als einvernehmlich beschrieben wurde, luden zu Skepsis ein, wenn sie E-Mails mit den Worten "ganz viel Liebe" oder "total entnervt, dich verpasst zu haben" gegenübergestellt wurden. Ihre damalige Mitbewohnerin sagte aus, dass sie Haley sagte: "Das klingt nach Vergewaltigung", als sie von dem angeblichen Oralsex hörte, aber sie sagte Haley auch, sie solle lieber einen Anwalt als die Polizei anrufen, tat nichts, als Haley sich weigerte, und konnte sich an keine anderen Ereignisse im Leben ihrer Freundin in der unmittelbaren Folge darauf erinnern.

Jessica Mann, die die längste Zeit im Zeugenstand verbrachte, sagte aus, dass sie die Angeklagte, ihre Freunde, ihren Freund, ihre Mutter, ihre Hellseherin und ihren Life Coach über die Jahre hinweg belogen habe, als sie in E-Mails oder aufgezeichneten Telefonaten sagte, Weinstein habe sie "wertgeschätzt", "verstehe" sie, sei "nichts als gut" zu ihr, habe ihr "ein so fabelhaftes und schönes Gefühl" vermittelt; als sie sagte, sie liebe ihn und habe "Grenzen" in der Beziehung gesetzt. Sie sagte, dass eine Freundin im Wohnzimmer der Hotelsuite wartete, während sie bedrängt und oral vergewaltigt worden sei, dass sie auf dem Boden des Schrankes dieser Freundin schlief, als sie sich entschied, nach der angeblichen Vaginalvergewaltigung eine weitere Nacht in New York zu verbringen, damit sie zu einer Vorführung gehen und am nächsten Tag Weinsteins Geburtstag feiern konnte. Die (inzwischen ehemalige) Freundin wurde von der Staatsanwaltschaft nicht in den Zeugenstand gerufen Als sie unter Vorladung der Verteidigung aussagte, widersprach sie Mann in großen und kleinen Punkten und war eine der glaubwürdigsten Zeuginnen des Prozesses. Abgesehen von Freunden des Staatsanwalts oder Mitgliedern der Staatsanwaltschaft war niemand, mit dem ich sprach, zuversichtlich, sagen zu können, wann Mann die Wahrheit sagte und wann nicht. Wenn die Geschworenen einen Zeugen in einigen Dingen für unwahrhaftig halten, können sie einen Teil oder die gesamte Aussage dieses Zeugen verwerfen. Als ich sah, wie Mann direkt befragt wurde, unvorbereitet, sich windend und scharf darauf eine Geschichte zu erzählen, die nicht erzählt werden konnte, hatte ich den Eindruck, dass die Anklage einen Akt der Grausamkeit gegen sie begangen hatte.

Wie die Geschworenen ihre Pflicht erfüllen werden, ist nicht zu erraten. Sie haben die starke Erinnerung an Frauen, die im Zeugenstand weinen, und einen Haufen die Sache komplizierender oder widersprüchlicher Materialien, wenn sie es wollen. (Ein ausgezeichneter Podcast, "The Harvey Weinstein Trial Unfiltered", zeigt die Bandbreite der Beweise, mit Auszügen wortgetreuer Zeugenaussagen von jedem Prozesstag, die von Schauspielern gelesen werden). Indem der Staat diesen Fall auf die Art und Weise vorgebracht hat, wie er es getan hat, hat er die Geschworenen jedoch auch dazu eingeladen, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, für deren Lösung das Strafrecht ein zu stumpfes Instrument ist. Wie diese in die Beratungen einfließen, ist wiederum nicht bekannt. Sie haben sicherlich die öffentliche Diskussion angeregt.

Beziehungen. Abgesehen von der konkurrierenden und vielberühmten Rhetorik der Rechtsanwaltsteams verdient nicht die Tatsache der Beziehungen der Anklägerinnen zu Weinstein Beachtung, sondern die Qualität, die sich in der Echtzeitkommunikation widerspiegelt. Niemand außerhalb von Raum 1530 bezweifelte, dass Missbrauch und Vergewaltigung neben einer Beziehung existieren können oder dass Frauen Kontakt zu Männern aufrecht erhalten, die sie verletzt haben. Was falsch klang, war die schaudervolle Sprache der Anklage und ihre Theorie über den Tathergang, wenn sie in einen Kontrast zu der munteren, gewöhnlichen Sprache der E-Mails der Zeuginnen an Weinstein gesetzt wurde - die Frage, wie es ihm gehe, was er sich vorgenommen habe, wann er in LA oder London wäre, ob er ihre Mutter treffen kann; das Schwelgen in Erinnerungen an ihre ersten Treffen (als er angeblich unangemessen oder gewalttätig war); die Bitte um Hilfe bei Strafzetteln, bei Jobangeboten und Partyeinladungen; Auf-den-neuesten-Stand-Bringen über ein Familienmitglied, über Gefühle, Arbeit, eine Trennung von einem Freund, ihre neue Telefonnummer, die Nummern ihrer Freunde, unter denen sie auch erreichbar ist; Witze-Machen, Herumalbern vor der Kamera, "Hallo, aus Berlin!”

Jessica Mann sagte, jede E-Mail an Weinstein sei eine kalkulierte Farce ihrer eigenen Sicherheit zuliebe gewesen. Als das Gericht mit der Banalität der Nachrichten überflutet wurde, schlug sie vor, dass man den Worten nicht trauen sollte, dass sie keinen freien Willen gehabt habe, selbst als sie aus 3000 Meilen Entfernung getippt habe, selbst als sie einen Friseurjob annähme, selbst in der Zuversicht, mit der sie Beratern über ihre Beziehung zu ihrem "Klienten" erzählt hatte. Die Staatsanwaltschaft beschimpfte sie als "Stoffpüppchen", als Hinterwäldlerin vom Land, und brachte sie in eine Lage, in der sie gezwungen war, jegliche Autorität oder Verantwortung in ihrem eigenen Leben, ihren Worten, ihrem früheren Selbst, als betrügerisch zu verleugnen. "Ich versetzte mich in die Höhle des Löwen und es war aufregend ... es war ein Nervenkitzel", hatte sie 2014 an einen Freund geschrieben. Das beweist nicht, dass sie nicht vergewaltigt wurde, aber die Geschworenen müssen die Gesamtheit der Beweise berücksichtigen, und wenn sie Zweifel haben, wären diese nicht unangemessen.

Warum Menschen die Dinge tun, die sie tun, was kompliziert ist an der Verletzlichkeit und der Macht von jemandem in einer Beziehung, was wechselseitig stattfindet, wie der Verlauf der Zeit, suggestive Fragen und veränderte Umstände das, was früher akzeptabel oder vielleicht bedauerlich war, in etwas völlig Erniedrigtes und Kriminelles verwandeln können - all die Unordnung, die die Menschen aus ihrem eigenen Leben kennen, wurde nur von der Verteidigung angesprochen. Obwohl parteiisch und eng geführt, sah Rotunnos Theorie des Falles so aus, dass Sex mit Weinstein in der realen Welt eine Form des Tauschhandels war. Die Eröffnungsrede von Staatsanwältin Megan Hast fasste den Ansatz des Staates am besten zusammen: "Das waren keine gegenseitigen Beziehungen zwischen Erwachsenen.... Er war die alte Dame im Lebkuchenhaus, die die Kinder anlockte – nur der Ofen dahinter fehlte."

Scham. "Was sagt das alles über die Sexualität von Frauen aus? Über die Handlungsmacht von Frauen", rief eine Frau um die 40 während einer Pause der Befragungen aus. Entscheidend für den Fall des Staates war die Vorstellung, dass Frauen, die so schön, so perfekt geformt und unschuldig sind, sich niemals für den Sex mit Harvey Weinstein hätten entscheiden können. Er war bereits ein metaphorisches Monster und wurde im Prozess zum Monster gemacht: körperlich "deformiert", "abnormal", "intersexuell", "ekelhaft", "vernarbt", "grunzend", mit holpriger Haut, mit oder ohne Sperma, "fett", "haarig", stinkend nach "Scheiße, Entschuldigung, Kacke", ein Biest, unmännlich, unmenschlich, möglicherweise "autistisch", aber auch ein "Genie". Noch nie wurden Körperscham und die Schönheitsfalle, die "Normalitäts"-Falle, so massiv als Waffe der vermeintlich fortschrittlichen Gerechtigkeit eingesetzt. Wie ein Kollege unter den Prozessbeobachtern andeutete, erforderte die Beschämung Weinsteins zwangsläufig, dass auch seine Anklägerinnen beschämt werden mussten. Jessica Mann sagte: "Ehrlich gesagt, ich hatte Mitleid mit ihm", und sprach auch von "Verhandlungen": "Ich dachte, wir erschaffen eine Fantasie, als ob wir normalen Sex hätten." Sie sagte, sie habe sich benutzt gefühlt, gab aber auch zu, ihn benutzt zu haben. Sie deutete an, dass er ein Daddy sei, und sagte beiläufig und spät in ihrer Aussage, dass sie ein großer Fan von "Die Schöne und das Biest" wäre. In diesem Umfeld konnte sie jedoch unmöglich zugeben, dass sie in den Jahren, in denen sie eng mit Weinstein verbunden war, jemals irgendeine Anziehungskraft oder Vergnügen empfunden hätte. Dies warf Fragen auf, in der Öffentlichkeit und vielleicht auch in der Jury. Wenn er wirklich so gestört oder wegen Impotenz und so weiter verunsichert ist, hätte er dann vielleicht die Lügen glauben müssen, die Frauen ihm über ihre Liebe erzählten? Was wäre, wenn sie sich nicht wie Opfer, sondern wie Freiwillige verhalten hätten?

Komplizenschaft. Die Geschworenen können, wenn sie es wünschen, eine E-Mail vom 22. Mai 2014 einsehen, die den emotionalsten Moment des Prozesses ausgelöst hat. Jessica Mann schrieb an ihren Freund, einen Schauspieler namens Eddie, folgendes: "Ich lebte in Angst vor [Deiner] Ablehnung". Der Brief verteidigt ihre Beziehung zu Weinstein und sagt, dass er über den Wirrwarr ihres Lebens hinweg sehen konnte. Er sagt nichts Negatives über ihn. Er klagt Eddie an, weil er sie beschämt hat, weil er kein Mitgefühl oder keine Liebe hat. Es wird ein sexueller Übergriff in ihrer Jugend erwähnt. Sie weinte beim Lesen, erzählte dem Richter, dass sie eine Panikattacke hatte, und wurde schließlich für den Tag entschuldigt. Zuvor hatte sie ausgesagt, dass ihr "schlimmster Alptraum" darin bestand, dass ihre Freunde von ihr und Weinstein erfahren würden, dass sie ein "Stigma" haben würde - mit anderen Worten, dass die Industrie, die offen über Weinsteins Casting-Couch scherzte, die sich in ihrer Geschichte des sexuellen Tauschhandels sonnte, die gesehen hat, wie Legionen junger Frauen (und mindestens eine Nicht-Anklägerin, die im Prozess aussagte) Intimität für die Chance, in die intime Filmkunst einzudringen, eintauschte, dass eben jene Industrie Menschen zerstören könnte, die nach ihren ungeschriebenen Regeln leben.

Die Geschworenen wurden angewiesen, ihre Lebensrfahrung bei der Auswertung der Beweise zu nutzen. Eine von ihnen hat einen Debütroman geschrieben, der im Juli erscheint und in dem junge Frauen mit "übergriffigen älteren Männern" interagieren, so eine Beschreibung der Handlung. Während der Vorvernehmung sagte sie darüber nicht viel, und die Verteidigung versuchte, sie als Geschworene streichen zu lassen. Der Richter war anderer Meinung und stimmte am 18. Februar erneut nicht zu, als die Verteidigung sie ersetzten lassen wollte und eine Rezension des Buches vorlegte, die sie während des Prozesses über ein Buch geschrieben hatte, in der ein "abstoßender" Triebtäter vorkam. Es ist schwer zu erkennen, wie ihre kommerziellen Aussichten ihr Urteil über Weinstein nicht beeinflussen sollten. Die Verurteilung des Monsters würde ihr sofortiges Medienecho einbringen; ein Freispruch hätte wahrscheinlich negative Folgen. Andererseits ist es schwer vorstellbar, dass es nicht mindestens einen Geschworenen gibt, dem die Argumentation des Staates genauso missfällt wie einigen der Prozessbeobachter, so dass die Geschworenenberatungen in einer Sackgasse landen würden. Manche sind sich da nicht so sicher. Andere sagen, Weinstein wird freigesprochen werden.




Den neuesten Meldungen zufolge sieht es inzwischen tatsächlich so aus, dass sich die Geschworenen nicht einig werden: "Kommt die Jury tatsächlich zu keiner einstimmigen Entscheidung in allen Anklagepunkten gegen Weinstein, könnte der Prozess platzen und müsste wohl neu aufgerollt werden."

Samstag, Februar 22, 2020

Hanau: Terror hat immer auch soziale Ursachen – News vom 22. Februar 2020

1. Dass Alice Schwarzers "Emma" sich nicht lange zurückhalten konnte, bis sie die Bluttat von Hanau ausschlachtete, um gegen "Männlichkeitswahn" zu wettern, hat niemanden überrascht. Mit ruhigerem Blick und ohne Sexismus analysiert der Professor für Psychologie Stefan Schleim die Problematik. Ein Auszug:

Warum werden solche Taten so gut wie immer nur von Männern begangen? Auch Männer werden nicht als Mörder oder Terroristen geboren. Und die allermeisten von ihnen sind friedlich. Dass Gewalt - und vor allem schwere bis schwerste Körperverletzungen - aber nicht nur auf der Täterseite, sondern auch bei den Opfern hauptsächlich ein Männerproblem ist, das ist ein blinder Fleck, den unsere Gesellschaft nicht wahrhaben will.

So wachsen aber Männer mit der Erfahrung auf, dass Gewalt eine Lösungsstrategie ist und sich doch keiner für sie interessiert, wenn sie Opfer werden. Also: Lieber Täter als Opfer sein, denn als Opfer existierst du nicht!

Es ist schon lange deutlich, dass Männer am häufigsten die Schule abbrechen oder herausfliegen. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten alkohol- und drogenabhängig sind. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten obdachlos sind. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten im Gefängnis sitzen. Interessiert das jemanden? Dass sie am häufigsten in Kriegen gefoltert werden oder sterben - und keine Staatsanwaltschaften ermitteln, denn es sind ja nur "Soldaten", "Rebellen" oder "Terroristen". Interessiert das jemanden?

Dass sie selbst in einem reichen Land wie Deutschland Jahre früher sterben als andere Geschlechtsgruppen. Interessiert das jemanden? Mann ergänze zu dem Faktor "männlich" noch Attribute wie "aus armen Verhältnissen", "aus einem bildungsfernen Elternhaus", "nicht-weiße Hautfarbe", "Moslem" oder vieles andere mehr und die Unterschiede werden noch krasser. Interessiert das jemanden?

Ich schrieb schon vor Jahren darüber, dass die typischen Opfer von Gewaltverbrechen junge Männer sind - und erntete dafür viel Häme oder den Vorwurf, ich wolle Gewalt gegen Frauen relativieren. Ja, so huldigt man den blinden Flecken - oder anders gesagt: den Vorurteilen - unserer Gesellschaft.

Schon ein entsprechender Kommentar auf die polizeiliche Kriminalstatistik in den Diskussionsforen unserer schönen Presse konnte zur Löschung führen mit dem Hinweis, ich möge doch auf stereotypisierende Bemerkungen verzichten. (Weil ich eben statistisch nachwies, dass die meisten Opfer von Gewaltverbrechen, vor allem den schweren und schwersten Taten unter ihnen, das sind: Männer.)


Professor Schleims Artikel ist in Gänze lesenswert.



2. Passend dazu veröffentlichte am Donnerstag das Bundesfrauenministerium unter Franziska Giffey (SPD) eine Pressemitteilung, in der es heißt:

Das Bundesinvestitionsprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" ist gestartet. Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey und die Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Melanie Leonhard, haben dazu heute die erste Vereinbarung zur Förderung zwischen dem Bund und einem Bundesland unterzeichnet. Mit dem Bundesinvestitionsprogramm werden bauliche Maßnahmen z.B. in Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen gefördert.

Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey: "Der Kampf gegen Hass und Gewalt geht uns alle an. Mit unserem Bundesinvestitionsprogramm legen wir einen besonderen Fokus auf den Kampf gegen Gewalt an Frauen. (…) Zum Wohle aller von Gewalt betroffenen Frauen und ihrer Kinder. Mit dem Bundesinvestitionsprogramm stellt der Bund bis 2023 insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung, um bauliche Maßnahmen in Frauenhäusern oder Fachberatungsstellen zu unterstützen."

Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: "Keine Frau soll Gewalt erleiden müssen. Mit der Förderung eines sechsten Frauenhauses haben wir in Hamburg die Schutzplätze für Frauen weiter ausgebaut. Diesen Weg wollen wir weiter beschreiten. Ich bin froh, gemeinsam mit dem Bund das Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen und ihrer Kinder auch in Hamburg in den kommenden Jahren weiter stärken zu können!"

Das Investitionsprogramm ist eine von zwei Säulen des Bundesförderprogramms "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen"

Mit dem Förderprogramm trägt der Bund zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Hilfseinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen bei. Fachberatungsstellen, Frauenhäuser und andere Hilfseinrichtungen sollen ausgebaut und besser ausgestattet, der Zugang zum Hilfesystem soll erleichtert werden, auch für Frauen, die bislang nicht gut erreicht wurden. Mit den Bundesmitteln soll zum Beispiel der barrierefreie Ausbau gefördert werden können. Außerdem sollen neue räumliche Kapazitäten und innovative Wohnformen für Frauen geschaffen werden, die gemeinsam mit ihren Kindern Schutz suchen. Die Umsetzung des Investitionsprogramms wird in enger Kooperation mit den Ländern durchgeführt. (…) Die zweite Säule des Förderprogramms sind innovative Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen.

Mit dem Innovationsprogramm sind bereits im vergangenen Jahr fünf Bundes-Projekte gestartet, die gewaltbetroffenen Frauen helfen und der Unterstützung von Fachkräften im gesamten Hilfesystem bundesweit zu Gute kommen.

Dazu gehört auch die Initiative "Stärker als Gewalt", die am 25. November 2019 erfolgreich gestartet ist. Auf der Internetseite sind erstmals eine Vielzahl an Hilfs- und Beratungsangeboten gebündelt: www.stärker-als-gewalt.de. Die Initiative ist eingebettet in ein Gesamtprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegenüber Frauen und ihren Kindern im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Koalitionsvertrags. Seit 2018 arbeitet der von Ministerin Giffey eingerichtete Runde Tisch von Bund, Ländern und Gemeinden, mit dem das Hilfenetz verstärkt und verbessert werden soll.

Hilfe und Rat gibt es auch beim bundesweiten Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen". Unter der Nummer 08000 116 016 bekommen Betroffene und ihr Umfeld Unterstützung und Informationen, zum Beispiel über Beratungsstellen in ihrer Nähe.




3. Unter der Überschrift "Männer sind Schweine – Frauen erst recht" schreibt Susanne Wendel in der Hamburger Morgenpost:

Frauen sind genauso übergriffig, gewalttätig und gemein wie Männer. Nur ganz anders und meistens gut versteckt. Bisher hat kaum jemand hingeschaut, und das sollten wir dringend ändern. Denn wenn wir immer nur die Männer als "Schweine" hinstellen und uns Frauen als Opfer von Sexismus, männlicher Macht und Gewalttätigkeit definieren, haben wir keine Chance, auf Augenhöhe zu kommen.


Hier geht es weiter.



4. Die Berliner "taz" macht eine Geschlechteranalyse zur Hamburger Bürgerschaftswahl und ist über das Ergebnis verblüfft: Die Linke hat die gleiche Frauenquote wie die CDU. Und parteiübergreifend sind die meisten Kanidaten ausgerechnet die verhassten weißen Männer. Drei Parteien allerdings halten ihre Kandidatenlisten vorbildlich männerfrei: Die Partei, Menschliche Welt und die Sozialliberale Demokratische Partei.

Freitag, Februar 21, 2020

Genderdebatte um CDU-Vorsitz: Braucht die Union ein gemischtes Doppel? – News vom 21. Februar 2020

1.
Nach dem Rückzug der Bundesvorsitzenden der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer werden die Stimmen nach einem paritätischen Zukunftsteam an der Spitze der Union laut. Bei den vier männlichen Kandidaten, die um den CDU-Vorsitz konkurrieren, befürchten Kritiker eine "Rückwärtsrolle in die alte Männerwirtschaft". Dabei vergessen sie, dass es bei der Führung einer Partei und eines Landes vor allem auf eins ankommt: politische Kompetenz.


Hier geht es weiter mit dem FOCUS-Artikel von Birgit Kelle.



2. Der Lehrerverband lernt getrennten Unterricht von Mädchen und Jungen ab:

Hintergrund der Diskussion ist eine Sonderauswertung der Pisa-Studie. Diese hatte im Januar gezeigt, dass 15 Jahre alte Mädchen am liebsten Lehrerin, Ärztin oder Erzieherin werden wollen, während gleichaltrige Jungen vor allem in technische Berufe streben. Ganz vorn steht bei ihnen der IT-Spezialist vor dem Industrie- und dem Automechaniker. [Verbandspräsident Heinz-Peter] Meidinger sagte dazu: "Entscheidend ist, dass wir innerhalb der Gesellschaft die beruflichen, geschlechterbestimmten Rollenmuster aufbrechen." Studien zeigten zwar, dass Mädchen an reinen Mädchenschulen mehr Selbstbewusstsein in den Naturwissenschaften entwickelten und eher bereit seien, beispielsweise in der Oberstufe Mathe- oder Physikkurse zu wählen. "Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass dadurch sich das Berufswahlverhalten ändert."




3. Ein aktueller Veranstaltungshinweis: Am 24. Februar wird in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin (Grüne) über eine feministische Kritik der Atombombe diskutiert.



4. Ein offener Brief an den Wissenschaftsrat fordert eine Evaluierung der Genderstudien.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem gestern auf Genderama präsentierten Internet-Fundstück:

Bis auf das letzte Drittel kann ich dem jungen Mann beipflichten. Er zieht aber, wohl auch als Sohn einer Alleinerzieherin, die falschen Schlüsse. Es ist noch schlimmer, als er denkt.

Die Probleme, von denen er meint, dass sie zu Recht von Feministen angeprangert werden ("ungleiche Bezahlung, sexistisches Casting, Hinterherpfeifen von Männern, Männer, die sie anstarren, wenn sie freizügige Kleidung tragen, rape culture, gezwungen zu werden, eine Hausfrau zu sein, Spielzeug für Mädchen, das sexistisch ist, Filme, die sexistisch gegenüber Frauen sind, Menschen, die das öffentliche Stillen nicht akzeptieren"), sind bei genauerem Hinsehen keine. Miniröcke anzuziehen zum Beispiel ist genau dazu gedacht, dass Männer starren. Diese Frauen und Mädchen wollen bloß von den richtigen Männern angestarrt werden.

Er ist zwar in die Erpressungsmaschinerie bezüglich selbstverletzendes Verhalten und Falschbeschuldigung geraten, aber offenbar noch nicht in die systematische Aussortierung aus dem Leben der Kinder und Reduzierung zum Zahldepp. Er hat darüber nur recherchiert.

Wenn er Esther Vilar lesen würde, würde er zudem erkennen, dass diese Art von Frauen Männern keinen Wert beimessen außer dem, ihnen zu Diensten zu sein.

Der Friede der Geschlechter - nach Christine Bauer-Jelinek ist der Geschlechterkampf eh ein Stellvertreter-Krieg - muss anders hergestellt werden, als mit einem faulen Kompromiss, der dem Mann eine Mitschuld (oder Mitverantwortung) gibt, nur weil man bei der "Suche nach jemandem, dem Sie die Schuld zuschieben können, nichts erreichen wird", während Frauen munter den Männern und ihrer Toxizität die Schuld zuschieben.

Frauen sind die Gewinner im Geschlechterkampf. Den Frieden herzustellen, sollen wieder nur die Männer übernehmen. Sicher auf ihre eigene Kosten ...

Donnerstag, Februar 20, 2020

Warum es eine Männerrechtsbewegung gibt

Heute ist die Nachrichtenlage mau; ich will Genderama aber auch nicht ausfallen lassen. Deshalb hier ausnahmsweise mal statt aktuellen Meldungen ein älteres Fundstück aus dem Internet.

Quora ist eine amerikanische Website, deren Nutzer Antworten auf die Fragen anderer Nutzer geben. Eine vor mehreren Jahren gestellte Frage lautete "Was war das Demütigendste, das eine Frau einem Mann je angetan hat?" Darauf gab es mehr als hundert Antworten. Die Top-Antwort ist sehr ausführlich und wurde über elftausend Mal hochgevotet. Ich habe sie für Genderama übersetzt und dokumentiere sie hier trotz der einen oder anderen schiefen Formulierung ohne Kürzungen und eigene Kommentare.



Gegen Ende meiner Beziehung mit einer meiner jetzigen Ex-Freundinnen waren wir in einen ziemlich heftigen Streit geraten. Irgendwann während der Debatte hatte sie die Nase voll und holte meine Autoschlüssel, um mein Auto zu nehmen und drei Stunden zu ihren Eltern zu fahren. Ich sagte ihr, dass ich meine Wohnung verlassen würde, wenn sie wollte, aber obwohl sie wirklich wütend war, wollte ich ihr die Schlüssel zu meinem Auto nicht geben.

Erstens war sie nicht versichert. Zweitens regnete es draußen in Strömen, und sie war in einem enorm aufgebrachten Zustand. Schließlich sagte ich ihr, dass sie, sobald sie sich abgekühlt hätte, mein Auto nehmen könnte, wenn sie wollte. Noch einmal bot ich ihr an zu gehen, wenn sie das brauchte.

Sie schnappte sich meine Schlüssel und ging zur Tür. Ich sagte ihr (ohne den Eingang zu blockieren oder irgendetwas anderes zu tun): "Schau mal. Ich werde gehen, aber du kannst nicht mein Auto nehmen. Du fragst nicht einmal danach und wir haben kein Vertrauen mehr zueinander", und sie ging zur Tür hinaus. Von der Türschwelle aus sagte ich ihr: "Ich werde die Polizei rufen, wenn du mein Auto stiehlst. Du bist nicht versichert, und du hast nicht meine Erlaubnis, mein Auto zu stehlen. Ich fahre dich, wohin du willst oder lasse dich abholen, aber du kannst mein Auto nicht mitnehmen." Diese Ex hatte wirklich schlimme Wutprobleme, wie ich gleich beschreiben werde.

Sie stürmt also zurück in die Wohnung und schließt die Tür. Dann beginnt sie, ihren Ärmel hochzuziehen und zeigt mir einen riesigen grünen Bluterguss auf ihrem Arm. Ich machte mir sofort Sorgen um sie und fragte, woher sie ihn hat. Sie sagte mir: "Ich habe mich neulich geärgert und mir das selbst angetan. Aber wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe, werde ich den Bullen sagen, dass du das getan hast", und sie zeigte auf ihren Bluterguss.

Ich war wie erstarrt, aber mein Gehirn lief auf Hochtouren. Meine Mutter hatte mich als Teenager gewarnt, dass ein solcher Tag kommen könnte, ähnlich wie ein Elternteil ein Kind vor Triebtätern warnt. Mein Herz raste, und ich fühlte mich völlig verängstigt, stellte mir die Polizei vor, wie sie mich in Handschellen ins Gefängnis brachte.

Ich fragte sie: "Du würdest die Polizei anlügen und sagen, ich hätte dich geschlagen?!" und sie sagte: "Ja! Wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe." Später, als sie und ich uns schließlich trennten, war sie wütend. Sie warf meine Sachen herum, schrie und drehte völlig durch. Ich rief meine Mutter an und erzählte ihr, was los war, und vom Telefon aus konnte sie hören, wie meine Ex sich die Lunge aus dem Leib brüllte. Ich hatte meiner Mutter einige Tage zuvor anvertraut, was mit meiner Ex vorher passiert war, und so sagte meine Mutter mir dringend: "Wenn du nicht die Polizei rufst, werde ich es tun." Ich sagte zu meiner Mutter: "Warum?! Es ist in Ordnung! Sie wird sich beruhigen, und wenn sie ihre Sachen rausholt, wird es vorbei sein." Meine Mutter antwortete: "Dieser Frau geht es nicht gut. Und wenn sie als ERSTE die Polizei anruft und eine Geschichte erfindet, wie sie beim letzten Mal gedroht hat, dann kriegst du Ärger."

Also rief ich die Polizei. Als die beiden Polizisten ankamen, ging einer von ihnen zu ihr und der andere zu mir. Ich sagte ihm, dass ich die Polizisten im Wesentlichen in der Hoffnung angerufen hatte, dass sie vielleicht helfen könnten, meine Freundin zu beruhigen und mir auch ein wenig Sicherheit zu geben – dass ich hier versuchte, die Dinge zivilisiert zu regeln.

Wissen Sie, was passiert ist? Das Folgende ist im Wesentlichen das Gespräch, das ich außerhalb der Wohnung mit dem Beamten führte, der mich befragt hatte:

Der Polizist: "Haben Sie einen Ort, wo Sie hingehen können?"

Ich: "Eigentlich nicht. Wie Sie vielleicht an meinen Augen erkennen können, habe ich eine Virusinfektion. Der Augenarzt, bei dem ich gestern war, sagte mir, ich solle wegen meiner Sehkraft nicht fahren."

(Das stimmte. Ich hatte eine Virusinfektion, die über eine Woche andauerte und meine Augen anschwellen ließ, aufblähte und Schleim absonderte. Lecker.)

Der Beamte: "Wie wäre es mit einem Freund, der Sie abholen kann?"

Ich: "Alle meine Freunde sind gerade bei der Arbeit. Warten Sie, werfen Sie mich raus? Aber ich habe Sie angerufen? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Der Beamte: "Sehen Sie. Verlassen Sie einfach die Wohnung und lassen Sie sie ihre Sachen packen. Sie sagte, sie wird in ein paar Stunden abgeholt und dann ist sie weg."

Ich: "Ich habe gerade buchstäblich eine Virusinfektion in meinen Augen. Ich kann kaum sehen, und der Arzt sagte, ich könne nicht fahren, bis die Infektion verschwindet. Warum muss ich MEINE Wohnung verlassen?"

Der Beamte: "Oh, ich sage nicht, dass Sie gehen müssen. Ich sage nur, dass, wenn wir einen weiteren Anruf von einem von Ihnen oder den Nachbarn erhalten, weil Ihre Freundin schreit, und ich wieder hier auftauchen muss, Sie wahrscheinlich derjenige sein werden, der die Nacht im Gefängnis verbringt. Ich sage nur: So ist es nun mal."

Ich musste eine Freundin, die 30 Minuten entfernt war, bitten, ihre Arbeitszeit zu unterbrechen, um mir als Dritte zu helfen (also musste ich jetzt Außenstehende miteinbeziehen), während ich einige meiner wichtigsten Dinge aus der Wohnung holte, bevor ich für den Tag wegging. Außerdem musste ich meiner Partnerin meine Wohnung unbeaufsichtigt überlassen.

Als ich an diesem Abend zurückkam, war meine Wohnung verwüstet. Meine Partnerin zerbrach den Computer, den ich gebaut hatte, machte noch mehr von meinem Zeug kaputt, stahl meine Sachen im Wert von 200 Dollar, nahm dann auch die Lebensmittel im Wert von 300 Dollar mit, die wir am Tag zuvor gerade bei Costco gekauft hatten, und ließ mich ebenfalls ohne Geld zurück, um die Miete, die Nebenkosten oder das zu bezahlen, was sie auf ihrer Hälfte der Kreditkartenrechnung schuldete.

Und was noch schlimmer war, sie nahm BEIDE Katzen, die wir zusammen adoptiert hatten, und ich war derjenige, der jeden Morgen um 6:10 Uhr aufwachte, um zu füttern und zu dressnieren (ich habe unseren Katzen beigebracht, aus getrennten Schüsseln zu fressen; keine leichte Aufgabe).

Ich habe mehrere Anwälte angerufen und sogar für eine Beratung bezahlt, aber jeder sagte mir das Gleiche: Gehen Sie zum Gericht für Kleinbeträge, wahrscheinlich werden Sie nur das Geld bekommen, das sie für die Rechnungen schuldet, aber ich würde die Katzen definitiv nicht zurückbekommen, denn im besten Fall wird der Richter sie aufteilen und/oder einer von Ihnen zahlt dem anderen die Adoptionsgebühren; "sie wird die Katzen höchstwahrscheinlich behalten, es sei denn, Sie sind bereit, viel Geld für die Gerichtsgebühren auszugeben", sagten sie. Schlimmer noch, ich würde sie wahrscheinlich gar nicht bekommen, weil ein Richter ihrem Wort mehr Glauben schenken würde als meinem, weil sie eine Frau ist, und deshalb müsste sie nur sagen, dass ich sie ihr überlassen habe. Und wenn ich dann die Bullen erwähne, stünde ich noch dümmer da.

In meinem Leben habe ich Frauen immer besser behandelt als Männer; ich habe ihnen die Tür geöffnet, Kaffee und Essen bezahlt, auch wenn sie nur Freunde sind, und ich werde mich bemühen, wenn es spät in der Nacht ist, auf die andere Straßenseite zu gehen, damit sie keine Angst haben. Ich verstehe inzwischen, dass eine solche Sonderbehandlung wahrscheinlich als beleidigend angesehen wird, weil ich sie "wie eine zerbrechliche Frau behandle", aber meine Absichten waren nie etwas anderes als gut. Ich wurde von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen, ich habe beobachtet, wie toll meine Mutter als Frau reingehaun hat, und so bin ich einfach mit etwas mehr Bewunderung und Respekt für Frauen als für Männer aufgewachsen.

Aber dann kam dieser Tag, an dem die Polizei, die ich angerufen habe, mir mit Gefängnis droht, wenn ich mein eigenes Haus nicht verlasse, weil ich ein Mann bin und sie eine Frau ist und sie mehr wert ist als ich. Der Tag, an dem ich nur noch daran denken kann, ob sie den Ärmel hochziehen und der Polizei eine Geschichte erzählen wird, dass ich sie verletzt hätte. Der Tag, an dem ich begreife, dass das Wort einer Frau in den Augen der Gesellschaft, der Medien und des Gesetzes mehr wert ist. Ich fühlte mich gedemütigt.

Ich dachte an all die Zeiten, als ich als Teenager den Feminismus verbreitete und förderte, bevor er in Mode kam. Als ich für Mittag- und Abendessen bezahlte, wenn ich mit meinen weiblichen Freunden ausging, nur weil sie Frauen waren. Als ich früher glaubte, Männer seien Schweine und Arschlöcher, weil andere Frauen immer darüber getratscht haben, und ich angenommen hatte, dass es wahr sein muss. Und hier war ich, am Rande eines normalen Lebens und eines Lebens, in dem ich fast ins Gefängnis ging, weil die Worte einer Frau mehr wert waren als meine.

Dann wurde es noch schlimmer. Sie hatte eine Menge Drama verursacht, wo wir beide arbeiteten, und gekündign. Ihr Chef hatte davon gehört, was passiert war, und ich wurde am nächsten Tag wegen "schlechter Leistung" entlassen; obwohl mein Vertrag dreimal verlängert wurde, ich als Praktikant Weihnachtsgeld bekam (als andere Mitarbeiter keins bekamen) und eine jährliche Lohnerhöhung von 2.100 Dollar bekam, um die ich nicht einmal gebeten hatte. Aufgrund der engen Verbindungen zu den Menschen dort erfuhr ich später, dass ich entlassen wurde, weil sie ein zu hohes Risiko darstellte. Das Management und/oder die Personalabteilung waren besorgt, dass sie zurückkommen würde, um ihnen einen Skandal wegen sexueller Belästigung anzuhängen (weil sie so unberechenbar/emotional war), und da ich Praktikant war, war ich das Risiko logischerweise nicht wert (was ich verstehe, so sehr es mich auch verbittert hat).

Bis zum heutigen Tag fühle ich mich immer noch gedemütigt. Ich bin zu paranoid, um mit einer Frau allein in einem Raum zu sein. Ich werde es trotzdem tun, aber ich werde immer daran denken, dass sie mich zumindest für die Nacht ins Gefängnis schicken könnte, einfach nur weil sie es wollte.

Gestern hat ein Freund auf Facebook ein Video von Frauen gepostet, die über die Vorurteile gegenüber Frauen bei Talentwettbewerben schimpfen. Ich fühlte mich gedemütigt, weil ich darüber nachdachte, was mir passiert ist und dass niemand für Männer eintritt. Überhaupt nicht. Niemals. Wohin ich mich auch wende, auf Facebook, in den Nachrichten, im Radio, in Gesprächen unter Freunden, im Kino, auf jeder Website: Frauen leiden und Männer sind typischerweise die Ursache dafür.

Ich war eine Autorität für feministische Themen, daher weiß ich nur zu gut, mit welchen Problemen Frauen tatsächlich konfrontiert sind. Aber es erniedrigt mich als Mensch, dass ich jedes Mal, wenn ich versuche, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass auch Männer mit Vorurteilen konfrontiert sind, in der Luft zerrissen werde. Von Frauen und Männern gleichermaßen.

Die Dinge, über die sich Feministinnen aufregen, wie z.B. ungleiche Bezahlung, sexistisches Casting, Hinterherpfeifen von Männern, Männer, die sie anstarren, wenn sie freizügige Kleidung tragen, rape culture, gezwungen zu werden, eine Hausfrau zu sein, Spielzeug für Mädchen, das sexistisch ist, Filme, die sexistisch gegenüber Frauen sind, Menschen, die das öffentliche Stillen nicht akzeptieren (Ich nenne das Schwachsinn. Meine Mutter hat in der Öffentlichkeit gestillt und nichts als Komplimente von Fremden bekommen, weil sie das Stillen anstelle von Milchnahrung übernommen hat), und so weiter. Einige dieser Behauptungen können wahr sein oder auch nicht.

Aber wenn man populäre Anliegen von Frauen mit populären Anliegen von Männern vergleicht, unterscheidet sich eines sehr stark: das Gesetz. Seit dem Vorfall mit meiner Ex hat es mich in eine Spirale des Grolls und der Gefühllosigkeit (nicht gegenüber der Frau, sondern gegenüber der Gesellschaft) hinunter gestoßen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir die Fakten anzuschauen, und die Fakten sind einfach, dass das Gesetz am häufigsten zu Gunsten der Frau ausfälltt. Scheidung, Kindesunterhalt, Trennung von den eigenen Kindern, Unterhaltszahlungen/Ehegattenunterhalt, Körperverletzung, sexuelle Übergriffe und so weiter und so fort. Und beten Sie zu den Göttern jeder Religion, dass Sie kein afroamerikanischer Mann sind, denn es wird noch schlimmer für Sie, wenn Sie das sind. Ich schließe diesen Teil mit einem Zitat von einer Website für Familien, die auf der Sensibilisierung für häusliche Gewalt aufgebaut ist: "Ein Teil der Gründe für die Ungleichheit der gemeldeten Opfer könnte auch darin bestehen, dass Männer, die die Polizei anrufen, um häusliche Gewalt gegen sie anzuzeigen, befürchten, dass sie am Ende diejenigen sein werden, die verhaftet werden." Hm, dazu könnte ich einiges sagen.

Es fällt mir schwer, das alles zu schreiben, weil ich es gewohnt bin, in einer Welt zu leben, in der jeder Versuch zu zeigen, dass auch Männer Opfer sein können, in der Regel damit endet, dass mich jeder um mich herum beschimpft: nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Aber ich hoffe, dass alle jungen Männer, insbesondere die Jungen, die dies lesen, wissen, dass jeglicher Groll, der sich im Inneren gegenüber Frauen aufbaut, nicht in Ordnung ist. Ich verstehe, dass es ermüdend ist, von nichts anderem zu hören als der Schikanierung von Frauen aur allen Kanälen. Ich verstehe, dass es schmerzt, wenn man als Mann seinen Problemen gegenübersteht, aber der eigene Schmerz ignoriert wird. Es ist demütigend, wenn man eines Tages die Tatsache erkennt, dass wir als Gesellschaft die Männer dazu erziehen, "Frauen und Kinder an die erste Stelle zu setzen", auch wenn das bedeutet, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen müssen. Doch kein einziger Mann und keine einzige Frau wird Ihnen jemals die Höflichkeit erweisen, Ihren Schmerz zu erkennen, wenn Sie versuchen, ihnen gegenüber auszudrücken, dass auch Männer mit geschlechtsspezifischen Problemen konfrontiert sind. Dass man als Mann zum Beispiel "schwach" ist, wenn man weint. Es ist auch erniedrigend, wenn Sie von Ihren Altersgenossen zum Schweigen gebracht werden, weil sie erwähnen, dass Sie es sexistisch finden, dass es niemanden zu interessieren scheint, dass Männer kein Mitspracherecht dabei haben, ob sie beschnitten werden oder nicht.

Die Männer, die leiden, sollten wissen: Es ist nicht die Schuld der Frauen. Es ist die Schuld unserer Gesellschaft. Beide Geschlechter beteiligen sich daran, die Vorurteile gegen Männer zu ignorieren. Sie sind kein Monster, nur weil Sie ein Mann sind, und du bist nicht weniger wert, nur weil du ein Junge bist. So wie die Medien die Eltern loben, wenn sie ihren Mädchen beibringen, dass es in Ordnung ist, Fußball zu lieben, so ist es für dich völlig in Ordnung, Tanzen zu lieben. Mädchen können Rock mögen, also können Sie definitiv Pop mögen (meine Lieblingsmusikerin, Lights, ist eine Synthie-Pop-Kanadierin mit einer starken weiblichen Fangemeinde). Und Sie sind nicht verpflichtet, für ihr Essen zu bezahlen, nur weil sie eine Frau ist. Bezahlen Sie ihr Essen, wenn Sie derjenige waren, der das Date initiiert hat (es ist eine respektvolle Geste).

Ganz gleich, wer Sie erniedrigt, versuchen Sie Ihr Bestes, um sich davon nicht verbittern und verärgern zu lassen. Seien Sie positiv und versuchen Sie, Veränderungen herbeizuführen. Die Suche nach jemandem, dem Sie die Schuld zuschieben können, wird nichts erreichen. Genauso wichtig ist es, nicht in Selbstmitleid zu schwelgen, denn es gibt viele andere Gruppen allein in diesem Land, die es viel schlimmer haben, einfach wegen ihrer Hautfarbe oder dem fehlenden Geld in ihren Taschen.

Mittwoch, Februar 19, 2020

Penthouse über die Laufbahn des Feminismus: Von "Frauen gehören in die Küche" zu "Männer gehören in den Gulag" - News vom 19. Februar 2020

1. Im US-Magazin "Penthouse" beschäftigt sich die Publizistin Amy Alkon mit den Folgen der neofeministischen Prüderie. Alkons Auffassung nach habe sich die Gesellschaft unter dem Einfluss des Feminismus von "Frauen gehören in die Küche" zu "Männer gehören in den Gulag" fortbewegt. Ein Auszug aus ihrem Artikel:

Der heutige Opferfeminismus ist im Grunde genommen eine fundamentalistische Religion ohne den Gotteskram. Die Anziehungskraft, die er auf Frauen ausübt, ist angesichts des starken Rückgangs der organisierten Religion in Amerika verständlich.

Wie die traditionellen Religionen bietet er ein bequemes, vorgekautes Schwarz-Weiß-Weltbild: wir und die, richtig und falsch, gut und böse.

Er scheint auch eine große psychologische Lücke in uns zu füllen. Wir scheinen den drang zu besitzen, uns Gruppen anzuschließen, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass das kooperative Leben in den Zeiten unserer Vorfahren deutliche Überlebensvorteile hatte.

Der Evolutionswissenschaftler Clay Routledge stellt die Theorie auf, dass säkulare Bewegungen heute als Ersatz für Religion fungieren, wobei er feststellt, dass Studien zufolge "Menschen, die mit ihrem Engagement für einen religiösen Glauben wenig Erfolg haben", sich eher einem "extremen politischen Lagerdenken" zuwenden.

(...) Das Internet und die sozialen Medien sind heute die Bühne für die Zurschaustellung des eigenen Glaubenssystems. Dies kann in aller Stille geschehen, indem man sich an die Kleiderordnung der Gruppe hält, wie zum Beispiel durch die Veröffentlichung eines Bildes von sich selbst mit einem rosa Pussyhut auf Instagram.

Man kann auch aggressiv vorgehen, indem man einen gemeinsamen Feind angreift. In Minutenschnelle können auf Twitter Hunderte - oder Hunderttausende - von Mitreisenden gegen einen Täter des falschen Denkens mobilisiert werden.

Als Bonus ist dies ein "Tugendsignal", das Ihre moralische Rechtschaffenheit - Ihr Engagement für die Sache - in einer Weise deutlich macht, die nur geringe tatsächliche Anstrengungen erfordert. (Warum beim Marschieren ins Schwitzen kommen, wenn man einfach nur twittern kann?)

(...) Frauen müssen jetzt wie Kinder behandelt werden. Man kann von ihnen nicht erwarten, dass sie sich durchsetzen oder sich um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern, auch nicht um ihre persönliche Sicherheit.

Wir lassen Kleinkinder nicht autonom sein: "Ich fahre einfach mit meinem Rad zum Feinkostladen, um Eis zu kaufen". Stattdessen entscheiden Erwachsene, was Kinder brauchen und sogar was sie wollen, wenn sie erwachsen genug waren, um zu wissen, was für sie am besten ist.

Von Männern wird nun erwartet, dass sie dies für Frauen tun. Bei einer Verabredung oder bei einem Geschäftsdrink müssen Männer raten, wobei eine Frau sich wohlfühlt, was sie aber entweder nicht für sich selbst herausgefunden oder nicht erwähnt hat.

Und so wie wir bei Kindern keine Erwachsenensprache verwenden, ist sie auch bei erwachsenen Frauen nicht mehr angebracht. Ein Hochschulprofessor, Nick Wolfinger, entdeckte dies, als er ein Sprachverbrechen begangen hatte, indem er seiner Kollegin bei einem Drink erzählte, dass er seiner Frau in einem Strip-Club einen Heiratsantrag gemacht hatte. Die bloße Erwähnung eines Unterhaltungslokals für Erwachsene führte zu einer Beschwerde gegen ihn bei seiner Universität. Es kostete ihn fünf Monate und 14.000 Dollar an Anwaltskosten, um sich zu entlasten.

Schließlich kann von Frauen, wie von Kindern, nicht erwartet werden, dass sie persönlich für ihre Sicherheit verantwortlich sind. Einfach einer Frau vorzuschlagen, Maßnahmen zur Verhinderung sexueller Übergriffe zu ergreifen (wie z.B. sich nicht besinnungslos zu saufen), ist heute ein Gedankenverbrechen.

(…) Ein männlicher Amherst-College-Student, stockbetrunken, wurde von der Zimmergenossin seiner Freundin auf sein Zimmer begleitet. Er wurde ohnmächtig. Während er bewusstlos war, blies ihm diese Studentin einen. Nachdem ihre Mitbewohnerin entdeckt hatte, was sie getan hatte, und sie sich ausgegrenzt fühlte, beschuldigte sie den Studenten des sexuellen Übergriffs und behauptete, dass sie irgendwann während des sexuellen Aktes ihre Einwilligung zurückgezogen habe - ja, das stimmt, die Einwilligung zu einem Sexualakt, den sie an einem bewusstlosen Mann vornahm. Da er die ganze Zeit ohnmächtig war, konnte er dies nicht bestreiten und Amherst warf ihn raus.

(...) Eine Wolke des Misstrauens hängt nun über männlich-weiblichen romantischen Interaktionen. Männer sind potentielle Täter und Frauen potentielle Anklägerinnen.

Dies führte zu einer Politik der "positiven Zustimmung" an den Universitäten in ganz Amerika (und zur Diskussion über die Einführung dieses Gesetzes durch die Staaten). Dabei wird verlangt, dass Menschen jedes Mal, wenn sie zu einer neuen Form der sexuellen Aktivität übergehen, um eine mündliche Zustimmung bitten und diese auch erhalten: "Darf ich dich küssen? Darf ich rasant deine Klitoris lecken?"

Dies steht im Widerspruch zu der Art und Weise, wie sexuelle Aktivitäten in der realen Welt funktionieren - Erwachsene spüren, was als nächstes zu tun ist. Mein Freund ist mein Freund, weil er mich drei Stunden, nachdem wir uns kennen gelernt haben, zu meinem Auto gebracht, mich gepackt und geküsst hat.

Wenn wir diese Spontaneität beseitigen, verlieren wir ein gutes Stück der Sexualität und für Frauen das Gefühl, wild begehrt zu sein. Das ist weg, wenn ein Typ einen Notar mit Einverständniserklärungen zur Unterschrift holt. Das klingt absurd, aber viele Männer sind besorgt, dass sie nur eine einzige unkluge Wahl des Sexualpartners von einer Vergewaltigungsanklage und vom Leben im Gefängnis entfernt ist.

Für Männer ist ein guter Angriff die beste Verteidigung. Treffen Sie Vorsichtsmaßnahmen. Seien Sie nicht allein in einem Büro mit einer Frau bei geschlossener Tür. Überlegen Sie sich zweimal, ob Sie mit weiblichen Mitarbeitern etwas trinken wollen. Und suchen Sie sich schließlich Frauen als Freundinnen, Kolleginnen und romantische Partnerinnen, die nicht auf den Feminismus der Frau-als-Eierschale zu stehen scheinen.

Echte Veränderungen müssen von Frauen ausgehen.

Es gibt Frauen wie mich, die sich weigern, sich in das Opferdenken einzukaufen. Wir sprechen uns dagegen aus, trotz der potenziellen sozialen und beruflichen Kosten. (...) Leider konzentrieren sich feministische Aktivistinnen immer wieder auf die falschen Leute - sie sagen den Männern: "Das könnt ihr nicht sagen", "Das könnt ihr nicht machen". Wir können das Verhalten anderer Menschen nicht kontrollieren; wir können nur unser eigenes Verhalten kontrollieren. Solange der Feminismus vom akademischen Sektor an abwärts nicht aufhört, Schuldzuweisungen zu verteilen, und stattdessen anfängt, sich auf die eigene Handlungsmacht zu konzentrieren, wird die Zukunft nicht weiblich sein. Die Zukunft wird die des Feminismus sein - auf Kosten all der Frauen, für die er sich angeblich einsetzt, und all der Männer, die er in seinem Gefolge kriminalisiert.




2. Die "Ruhrbarone" haben den Sozialdemokraten Nils Heisterhagen dazu interviewt, mit welcher Politik seine Partei ihre Krise vielleicht endlich hinter sich lassen kann. Dabei äußert sich Heisterhagen auch zur Identitätspolitik:

Identitätspolitische Kämpfe sind oft sinnlose Grabenkämpfe, die Polarisierung befördern, anstatt irgendwas zu lösen. Politik sollte handlungsorientiert sein. Das ist für mich eine Verantwortungslinke. Eine haltungsorientierte Diskurslinke hingegen löst keine Probleme, die möchte oft einfach nur gerne Recht haben. So entstehen Sekten. Bist du bei mir oder nicht? Vor allem verliert sich Identitätspolitik zu oft im Partikularen. Es geht doch auch darum, über das Gemeinsame zu reden. Universalismus. Das ist, was die klassische New-Deal-Linke antreibt. Die postmoderne AstA-Linke will sich aber eher moralisch exponieren. Mir ist das fremd und ich halte das für zersetzend für den demokratischen Diskurs und auch für selbstschädigend, was die eigene Wählbarkeit durch ganz normale Leute angeht.




3. Die "International Business Times" weiß Neues über Amber Heards Konflikt mit Johnny Depp zu berichten:

Amber Heard soll Johnny Depp erpresst und bedroht haben, falls er den Bedingungen ihrer Scheidung nicht zustimmen würde.

Im Jahr 2016 beschuldigte die "Aquaman"-Schauspielerin ihren Ex-Mann der häuslichen Gewalt. Heard ging sogar so weit, dass sie ein Foto ihres zerschrammten Gesichts neben ihren Gerichtsunterlagen einreichte.

Doch zu diesem Zeitpunkt war Depps guter Freund Doug Stanhope bereits davon überzeugt, dass Heard log. Tatsächlich versuchte er, Heard zu entlarven, aber nicht viele Leute glaubten ihm. Vier Jahre später hat sich der Spieß umgedreht, und die Mehrheit von Depps Fans sucht Gerechtigkeit für den "Pirates of the Caribbean"-Star.

In einem Artikel, den er [2016] für "The Wrap" verfasst hatte, gab Stanhope zu, dass er und Depps andere Freunde sich bewusst waren, dass Heard den Schauspieler misshandelt hat. Tatsächlich sagte Depp, Heard habe Depp ins Visier genommen, als er am schwächsten war. Stanhope und seine anderen Kumpel weigerten sich, etwas zu sagen, weil sie nicht aus dem Freundeskreis geworfen werden wollten.

Am Samstag vor Depps angeblichem Übergriff besuchten Stanhope und seine Freundin Bingo den Schauspieler zu Hause. Sie stellten fest, dass Depp in gedrückter Stimmung war, und dachten, es sei wegen des Todes seiner Mutter nur einen Tag zuvor.

"Aber er eröffnete auf die verletzlichste Art und Weise, dass es nicht nur seine Mutter war, sondern dass Amber ihn nun verlassen würde, und drohte, öffentlich auf jede mögliche doppelzüngige Weise über ihn zu lügen, wenn er ihren Bedingungen nicht zustimme. Erpressung ist das, was andere Leuten das nennen könnten, einschließlich der Art und Weise, in der er jetzt verunglimpft wird."




4. Mit Frauenpower hat der heutige Blogeintrag begonnen, mit Frauenpower endet er: "Hört auf, über unsere Söhne zu lügen!" fordert die Publizistin Erika Sanzi in einem Artikel für das Magazin "Medium":

Jungen sind nicht schlecht. Jungen müssen nicht repariert werden. Jungen müssen nicht mehr wie Mädchen sein. Und egal, wie viele schlampige Artikel von Pseudojournalisten auftauchen, die unsere Söhne als von Natur aus giftig und entbehrlich beschämen, wir werden dafür kämpfen, dass unsere Söhne wissen, dass die Kultur sie belügt.

(…) Ich hätte nie gedacht, dass wir einen Punkt erreichen würden, an dem es alltäglich wäre, zu hören, wie Sozialkommentatoren, Journalisten und Präsidentschaftskandidaten Jungen und Männer - unsere Väter, Brüder, Ehemänner und Söhne - in Angst und Schrecken versetzen, nur weil sie männlich sind. Es gab immer diese randständigen Frauenstudien-Professorinnen und radikalen Feministinnen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Hass auf Männer verdienten, aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass eine solche Hässlichkeit den öffentlichen Diskurs infizieren und als mutig, geschweige denn als aufgeklärt gepriesen werden würde.

Sie ist nicht aufgeklärt. Sie ist in der Tat erbärmlich uninformiert. Und es ist grausam. Wir hören ständig das Wort "giftig", oft gefolgt von dem Wort "Männlichkeit". Manchmal werfen diese Männerhasser auch "problematisch", "Frauenfeindlichkeit" und "Mansplaining" ein. Aber nachdem ich fast ein halbes Jahrhundert gelebt habe, ist mir klar, dass Giftigkeit wenig mit dem Geschlecht und alles mit Charakter und Verhalten zu tun hat.

Manche Männer reden schlecht über Frauen und behandeln sie schrecklich. Sprechen Sie also über diese Männer. Manche Frauen sind von der Sonne aufwärts bis zum Sonnenuntergang giftig. Nehmen Sie sie also in das Gespräch über Toxizität mit auf.

Aber lassen Sie unsere Söhne in Ruhe und weit weg von den hässlichen Stereotypen, die Feministinnen und Medienkommentatoren sofort anprangern, wenn sie auf Frauen angewandt werden.

Und während diese faulen Schrieiberund Kommentatoren über Ungleichheit, das Patriarchat und die inhärente Zerbrochenheit von Jungen und Männern plaudern, sollten wir uns daran erinnern:

Über 90 Prozent der Todesfälle in der Arbeitswelt passieren Männern.

Männer sterben 3,54 Mal häufiger durch Selbstmord als Frauen.

Frauen sind derzeit bei der Erlangung von Associates-, Bachelor- und Master-Abschlüssen sowie Promotionen den Männern voraus.

Jungen werden mehr als doppelt so häufig von der Schule suspendiert und fast dreimal so häufig von der Schule verwiesen.

Zwei Drittel der Sonderschüler sind Jungen. Fast 80 Prozent dieser Jungen sind Schwarze und Hispanoamerikaner.

60 Prozent der Schulabbrecher sind männlich.

93 Prozent der Gefängnisinsassen sind männlich und 68 Prozent von ihnen haben keinen High-School-Abschluss.

Während andere sich einen Namen damit machen, Männer zu verunglimpfen, werden wir Mütter von Jungen unseren Söhnen jeden Tag sagen, dass sie den Lügen nicht glauben sollen. Und wir werden uns für die unzähligen Jungen in unserer Nation einsetzen, deren Leben durch eine Kultur unwiderruflich geschädigt wird, die ihnen sagt, sie seien von Natur aus schlecht und der Möglichkeit, ihr bestes Leben zu leben, unwürdig,.

Es reicht.


Peinlich ist, dass immer mehr Frauen auf diese Weise Klartext reden, während zahlreiche Männer zu ihren eigenen Anliegen immer noch nicht den Mund aufbekommen.

Dienstag, Februar 18, 2020

Giffey (SPD) will Frauenquote noch dieses Jahr – News vom 18. Februar 2020

1.
Große deutsche Unternehmen sollen künftig gesetzlich verpflichtet sein, mindestens eine Frau in ihren Vorstand zu berufen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey von der SPD sagte dem SWR, diese Quote werde noch dieses Jahr kommen. Eine Verständigung mit dem Koalitionspartner Union steht allerdings noch aus. Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, hatte bereits in einem Interview vergangenes Jahr eine "Frauenquote per Gesetz" abgelehnt.


Hier geht es weiter.



2. Vor über zehn Jahren hatte der Aktionsrat Bildung befunden, die Bildungs-Ungleichheit zu Lasten der Jungen überschreite "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren". Nichts hat sich seither getan, um die Situation der Jungen zu verbessern. Auch das kurz aufgeflammte Interesse der Leitmedien an diesem Thema hat sich längst gelegt. So kann es sich Stefanie Hubig (SPD), die Präsidentin der Kultursministerkonferenz, leisten, sich gezielt nur jenen Fächern zu widmen, in denen Mädchen hinten liegen:

Getrennte Stunden für Jungen und Mädchen in Mathematik und Informatik, Biologie, Chemie und Physik: Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), kann sich eine zeitweise Geschlechtertrennung in der Schule vorstellen. (…) In Klassen ohne Jungen ließen sich Mädchen häufig leichter für Physik begeistern.


Stellt die Anwesenheit von Jungen in unseren Schulen nicht insgesamt einen Störfaktor für den Bildungserfolg von Mädchen dar?



3. Der "Standard" blickt darauf zurück, wie sich die Debatte um die angeblichen Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange entwickelt hat, die sich inzwischen als groß angelegte Intrige entpuppt haben. Ein Auszug:

Dass das alles nun allmählich an die Öffentlichkeit kommt, ist weniger der Tüchtigkeit der Medien zu verdanken – die sich im Gegenteil lange weigerten, Melzers Rechercheergebnisse zur Kenntnis zu nehmen – als dessen Hartnäckigkeit und der unermüdlichen Tätigkeit diverser Aktivisten sowie der Tatsache, dass es diesen gelang, auch Prominente für Demonstrationen, Solidaritätskundgebungen, Unterschriftenaktionen und Aufrufe zur Freilassung von Assange ins Boot zu holen.

War die Presse nämlich anfänglich von Assange und Wikileaks durchaus angetan gewesen, so war das in die Welt gesetzte Vergewaltigungs-Narrativ auch hier durchaus erfolgreich gewesen: Man nahm unbesehen an, dass es damit schon seine Richtigkeit habe, und brachte in der Folge über viele Jahre lang dem Schicksal des in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchteten Wikileaks-Gründers eine gewisse Gleichgültigkeit entgegen.




4. Die Post. "Lust auf Klischees ohne Wissen?" fragt mich ein Leser und schickt mir einen Link zu einem Artikel über eine Studie über eine vermeintlich immer radikalere "Manosphere" im Internet. Mein Leser merkt dazu an: "Das könnte man eins zu eins statt über Frauenhass über Männerhass beziehungsweise den Feminismus schreiben. All die extremen Strömungen gibt es dort auch. Es würde nur kein Medium veröffentlichen."

Montag, Februar 17, 2020

DIE WELT: "Ist eine HeToo-Bewegung überfällig?" – News vom 17. Februar 2020

1. Ich war sehr überrascht, als ich beim Durchgehen der aktuellen geschlechterpolitischen Nachrichten auf Google News die Schlagzeile "Ist eine HeToo-Bewegung überfällig?" entdeckte. Am Link zu dem betreffenden Artikel der "Welt" kann man auch problemlos erkennen, dass das seine ursprüngliche Schlagzeile war. Allerdings wurde sie dann zügig zu "Eine Lügnerin und eine Schande für Frauen" geändert.

Aufhänger des Artikels von Dietgard Stein sind die aktuellen Enthüllungen über Johnny Depps Misshandlungen durch seine Ex-Partnerin Amber Heard:

Der Mann als Opfer häuslicher Gewalt entspricht zwar nicht der konventionellen Annahme, doch es gibt ihn. Die Debatte darum verläuft leiser – ohne Hashtag-Kampagne oder politische Programme. (…) Ist es also an der Zeit für einen neuen Hashtag? Auf Twitter halten einige tatsächlich eine #HeToo-Bewegung für überfällig, um gegen Frauen, die falsche Anschuldigungen erheben, vorzugehen. Sie sehen sich durch die neuste Veröffentlichung über den mögliche Missbrauch Johnny Depps bestätigt. Darüber hinaus wird nun im Netz gefordert, der Kosmetikkonzern L’Oréal müsse Amber Heard schleunigst als Markenbotschafterin absetzen.


Es ist ja schön, wenn unsere Leitmedien diese Debatte ausnahmsweise nicht komplett unter den Tisch kehren. Allerdings: Eine #HeToo-Bewegung, die Männerrechtsbewegung, gibt es hierzulande seit etwa zwanzig Jahren. Dass in den deutschen Zeitungen immer wieder mal darüber nachgesonnen wird, ob eine solche Bewegung eventuell nötig wäre, statt ihre Institutionen und Aktivisten einfach den Lesern vorzustellen, verrät einiges über die Filterbubble, in der sich unser Journalismus befindet.



2. Der britische "Guardian" berichtet:

Der Freund der Fernsehmoderatorin Caroline Flack, die am Samstag tot in ihrem Haus aufgefunden wurde, hat erklärt, dass ihm ihr Tod "das Herz bricht".

Flack, 40, sollte am 4. März wegen des Angriffs auf Lewis Burton vor Gericht gestellt werden, eine Anklage, die er nicht unterstützt hat. Ein Richter hatte ihr vor dem Prozess verboten, mit ihm zu kommunizieren.

(...) Flack präsentierte viele der größten Reality-TV-Shows des britischen Fernsehens und ihre Ableger, von "The X Factor" bis "I'm a Celebrity, Get Me Out Out of Here Now!", und gewann die BBC-Show "Strictly Come Dancing" im Jahr 2014.

Viele von Flacks ehemaligen Kollegen und Freunden zollten der "warmherzigen und lustigen" Entertainerin in den sozialen Medien Anerkennung.

Der BBC-Frühstücksmoderator Dan Walker twitterte: "Schreckliche Neuigkeiten über Caroline Flack. Wir müssen uns wirklich besser umeinander kümmern." Der Moderator Phillip Schofield, fügte hinzu: "In einer Welt, in der man alles sein kann, sei freundlich."

Flack wurde im Dezember wegen Körperverletzung verhaftet und wurde angeklagt, Burton, 27, mit einer Lampe in ihrem Haus in Islington, Nordlondon, angegriffen zu haben. Das Gericht hörte, dass Burton "erhebliche Verletzungen am Kopf erlitten hatte". Flack wurde gegen Kaution unter der Bedingung freigelassen, dass sie bis zum Prozess keinen Kontakt zu Burton aufnimmt.

Ihr Tod hat in den Medien Kritik an ihrer Behandlung hervorgerufen. Die Boulevardpresse, einschließlich der "Sun", die die Nachricht von ihrem Tod verbreitete, hat sich schnell dazu entschlossen, die jüngsten negativen Geschichten über sie zu löschen.


Jetzt fordern insbesondere Labour-Politiker lautstark nach einer stärkeren Regulierung sowohl der sozialen als auch der traditonellen Medien, in denen über die Vorwürfe, Flack habe häusliche Gewalt ausgeübt, berichtet worden war. So hatte ein früherer Partner Flacks berichtet, ebenfalls Opfer ihres Verhaltens geworden zu sein, und die Vorwürfe gegen Flack dienten als Aufhänger für diesen Artikel über ein anderes männliches Opfer häuslicher Gewalt.

Jetzt wollen Labour-Politiker solche Artikel also zum Verschwinden bringen und Boulevardblätter wie die "Sun" ziehen in vorauseilendem Gehorsam mit? Manchmal ist man fast in der Versuchung, sich zu fragen, ob vielleicht irgendjemand auf Twitter eine HeToo-Bewegung fordert.



3. Christian Schmidt hat Artikel zum Führungswechsel bei der CDU zusammengestellt, die sich mit dem Übergang der Macht von Frauen zu Männern beschäftigen, und lädt ein zur Diskussion über die Frage: Was hat ein weiblicher Bundeskanzler Frauen eigentlich gebracht?

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