Freitag, August 23, 2019

MeToo-Dichter? Feministisches Kollektiv bewirft Goethe-Haus mit Klopapier – News vom 23. August 2019

1. Glaube ja keiner, dass es für feministischen Widerstand keine wichtigen Anliegen mehr gibt.

Die Frankfurter Allgemeine kommentiert die Aktion allerdings unter der Überschrift "Geistlos ahnungslos".



2. In Mannheim wird es künftig Taxis geben, mit denen Frauen nachts zu günstigeren Tarifen befördert werden als Männer:

Die Mannheimer Gleichstellungsbeauftragte hat das Konzept erarbeitet, der Gemeinderat es abgesegnet. Die Stadt finanziert das Angebot 2019 und 2020 mit jeweils 25.000 Euro. Hintergrund ist, dass viele Frauen sich nach Einbruch der Dunkelheit unsicher oder zumindest unwohl fühlen, wenn sie auf Mannheims Straßen unterwegs sind. Die Stadt spricht davon, sie vor "geschlechtsspezifischer Gewalt" schützen zu wollen. Gemeint sind damit Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe. Die Stadt will damit nach eigenen Angaben "ihrer im Grundgesetz verankerten Pflicht nachkommen, auf die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Bereichen hinzuwirken und bestehende Nachteile zu beseitigen".


Tatsächlich werden der Kriminalstatistik zufolge Männer weit eher Opfer von Gewalt im öffentlichen Ram als Frauen – der Nachteil liegt also klar auf ihrer Seite. Da Männer aber zudem über den Nachteil verfügen, dass es für sie keine Gleichstellungsbeauftragte oder vergleichbare Instanzen gibt, interessiert das keine Socke. Frauen "fühlen sich unwohl"; das muss für eine dritte Benachteiligung von Männern genügen: In Mannheim werden sie jetzt häufiger Opfer von Gewalt, verfügen über keinen amtlichen Fürsprecher und müssen für nächtliche Taxifahrten mehr berappen.



3. In Spanien hat ein Hotel eröffnet, in dem nur Frauen wohnen dürfen.



4. Im Interview mit der "Tagespost" kritisiert Dr. med. Alexander Korte, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München, den medialen Hype um das Gender-Thema:

Bisweilen gewinnt man den Eindruck, dass die Frage, ob man oder frau politisch rechts oder links steht, sich heutzutage primär anhand der persönlichen Positionierung in der Genderfrage entscheidet – genauer gesagt, anhand der eingenommenen Haltung gegenüber der queeren Theorie, der zufolge – vereinfacht gesagt – auch das biologische Geschlecht an sich als historisch diskursiv bedingte, reine Konstruktion verstanden werden soll.

(...) Der Genderdiskurs imponiert zusehends als Eliten- und Metropolendiskussion! Zudem macht die vorwiegend ideologisch geführte Diskussion eine sachliche, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema zunehmend unmöglich: Ideologie bedeutet den Tod der Wissenschaft – ähnlich wie Populismus den Tod der Demokratie bedeutet. Das kann nicht im Sinne der Betroffenen sein, die Hilfe bei Medizinern und Psychologen suchen und auf deren Unterstützung angewiesen sind.

Es wäre meines Erachtens angebracht darüber zu diskutieren, ob die Inbrunst, mit der die politische Linke – nicht nur in Deutschland, sondern insgesamt in den westlichen Industriegesellschaften – sich auf das Genderthema fokussiert, eine Art Verschiebung darstellt, da sie bislang keine befriedigenden Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung und keine Lösungen für den entfesselten Kapitalismus hat!




5. NBC, einer der führenden Sender in den USA, stellt klar:

Männer brauchen Heterosexualität, um ihre gesellschaftliche Dominanz gegenüber Frauen zu erhalten. Frauen hingegen erkennen zunehmend, dass sie nicht nur keine Heterosexualität brauchen, sondern dass diese oft auch das Fundament ihrer globalen Unterdrückung ist.


Eine Erfolgsgeschichte: Gestern noch eine kuriose These in den Genderstudien, heute schon Mainstream in den Abendnachrichten.



6. Bei einer Beschneidung in Kenia ist der Penis des Jungen komplett abgesäbelt worden.

Donnerstag, August 22, 2019

Nordrhein-Westfalen will Gewalt gegen Männer erforschen – News vom 22. August 2019

1.
Häusliche Gewalt gegen Jungen und Männer - zu diesem Thema schweigt die Forschung sich weitgehend aus. "Es gibt sie, aber wir wissen nicht, in welchem Umfang. Das ist ein Tabu", sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Dabei will die Landesregierung es nicht belassen. Reul und Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) wollen das Dunkelfeld mit einer aufwändigen Studie ausleuchten - der ersten dieser Art bundesweit.


Hier geht es weiter. Die bereits vorliegende Forschung zu diesem Bereich war auf Genderama immer wieder Thema.



2. Man hat es nicht leicht als Dauer-Empörter. Da hat man noch alle Hände voll mit dem Shitstorm gegen True Fruits zu tun, schon muss man sich um eine Steak-Reklame kümmern, die ebenfalls eine sexuelle Anspielung enthält. So wird es doch nie was mit der "Aktion saubere Plakatwand"!

Mit den feministischen Angriffen auf True Fruits beschäftigt sich derweil Christian Schmidt



3. Währenddessen erklärt die Firma Gillette, die in ihrer Reklame tatsächlich eines der Geschlechter herabgesetzt hatte, den Schwerpunkt nach dem Backlash auf diese Reklame "von sozialen Anliegen zu regionalen Helden" verlegen zu wollen:

In der neuen Reklame, die letzte Woche veröffentlicht wurde, steht der australische Feuerwehrmann und Personal Trainer Ben Ziekenheiner im Mittelpunkt. "Ich bin seit 19 Jahren Feuerwehrmann", sagt Herr Ziekenheiner in der Anzeige. "Die Leute fragen manchmal, ob es beängstigend ist. Das kann es sein, aber wie jeder, der eine Aufgabe zu erledigen hat, bereitet man sich vor - nicht nur in Bezug auf seine Ausrüstung, sondern auch geistig und körperlich."


Gestern noch "toxische Männlichkeit", heute Männer als Helden – was so ein kleiner Boykott doch alles erreichen kann.



4. Eher aus der kuriosen Ecke: Die Müllabfuhr Hannover sucht dringend weibliche Mitarbeiter – mit Speeddating, Lippenpflegestiften und Tonnenslalom. Merkwürdig, dass hier niemand auf die Idee kommt, einfach eine Quote zu verordnen ...



5. Der Washington Examiner listet im Zusammenhang mit MeToo die wachsende Reihe an Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit gegen die Popsängerin Katy Perry auf und fragt: Sollte für einflussreiche Frauen nicht derselbe Maßstab gelten wie für einflussreiche Männer?

Mittwoch, August 21, 2019

Riesen-Sexismus-Streit um Fruchtsaft-Firma – News vom 21. August 2019

1. Seit mehreren Tagen tobt eine zunehmend heftigere Sexismus-Debatte um die Fruchtsaft-Produzenten True Fruits:

Ein Pfirsich-Maracuja-Püree, das unter dem Namen "Sun Creamie" verkauft werden soll, erinnert in der Aufmachung stark an eine bekannte deutsche Sonnencreme-Flasche. Der Saftname beinhaltet aber nicht nur einen Verweis auf das englische Wort für Sonnencreme, "Sun Cream", sondern auch eine sexuelle Anspielung. Auf der Instagram-Seite veröffentlichte die Firma nun Werbung für diese neue Sorte. Auf einem Anzeigenmotiv sieht man eine junge, attraktive Frau im Bikini, auf deren Rücken ein Penis mit Sonnencreme gemalt ist. Die Bildunterschrift lautet: "Sommer, wann feierst Du endlich Dein Cumback?" - ebenfalls mit einer sexuellen Konnotation.


Nun bedeutet "Sexismus" eigentlich, dass eines der beiden Geschlechter als minderwertig herabgewürdigt wird und nicht "alles, was mit Sex zu tun hat". Im Zeitalter der Neuen Prüderie ist das aber anders. Gegen True Fruits kam es zügig zu einem Shitstorm auf Twitter, der zu tausenden von Kommentaren führte. Besonders aggressive Kommentare beantwortete True Fruits mit trockenem Humor, was die feministische Kampagne Pinkstinks wiederum als "brutal und unmenschlich" bezeichnete.

Daraufhin stellte True Fruits eine mehr als ausführliche Stellungnahme online. Ein Auszug:

Es ist mal wieder so weit. Die Welt geht gerade unter für eine Gruppe von Menschen, die es nicht ertragen können, dass wir für die Bewerbung unseres aktuellen "Suncreamie" im Sonnencreme-Design in den sozialen Medien ein Bild verwenden, auf dem ein Frauen- bzw. Männerrücken zu sehen ist, der mit einem kleinen (einige Kollegen beharren darauf er sei mindestens mittelgroß) Penis aus Sonnenmilch verziert wurde. Uns macht das Ganze sehr nachdenklich und auch ein bisschen Angst ...

(...) Der Werberat wird überhäuft mit Beschwerden, die Presse wird informiert und unsere Handelskunden erhalten unzählige E-Mails mit der präzise formulierten Forderung unsere Produkte unverzüglich aus dem Sortiment zu schmeißen. Der Vorwurf gegen uns lautet: Sexismus, Rassismus oder Ableismus, aber am schlimmsten ist, wie wir im Netz auf Kommentare reagieren. Aber nicht nur wir werden angegangen: Wer uns OK oder gar lustig findet, ist mindestens ein Idiot, auf einer Stufe mit Trump und der AfD.

Kurz: Leute malen nun mal mit Sonnencreme Penisse auf Rücken. Auf Männerrücken wie auch auf Frauenrücken. Na und? Es ist schlichtweg Teil dessen was manche Leute tun. Man muss es nicht mögen oder kann es vorpubertär, vulgär oder kindisch finden aber sexistisch? Hier teilen sich nun mal die Meinungen. Manche finden es lustig und ok - andere halt nicht. Sexistisch ist es jedoch auf keinen Fall.

Vielleicht nehmen wir uns zu wichtig, aber die Fanatiker, die uns angreifen, greifen nicht bloß uns an. Sie streben die Diktatur darüber an, welcher Humor, welche Meinung erlaubt ist und welche nicht. Und genau das ist das Problem. Diese Radikalapostel glauben, sie besäßen die alleinige Wahrheit und gehen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen anders Denkende und Handelnde vor. Für diese Menschen gibt es kein grau. Nur schwarz oder weiß, Freund oder Feind. Keinen anderen Humor, nur Diskriminierung oder Rassismus.

Diese Radikalapostel sind die Wohltäter der Nation, weil sie vermeintlich für das Gute kämpfen. Was nicht ihres Gleichen ist wird mit aller Kraft versucht zu bekehren und wenn das nicht gelingt, dann mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Sie glauben sie stehen für Toleranz und Gleichheit, aber Toleranz zu zeigen ist nicht schwer, wenn es darum geht, dass ein Anderer eine komische Hose oder eine verrückte Frisur trägt. Toleranz wird dann zur Aufgabe, wenn die Meinung oder Position anderer gänzlich entgegen der eigenen steht, dann zeigt sich wer Toleranz wirklich aushält.

Sie erinnern uns an Daenerys Targaryen aus Game of Thrones, die eine bessere, freie Welt erschaffen will, aber am Ende dafür über Leichen geht und im Endeffekt nicht besser ist, als die Monster, die sie zu vertreiben sucht. #teamtyrion

Aber wer sind diese Hysteriker, die scheinbar wirklich davon überzeugt sind, das WIR (kurze Erinnerung: true fruits = kleiner Saftladen, 30 Mitarbeiter, keine Rassisten, kein Sexismus, dafür politisch unkorrekte Witze und - touché - Peniszeichnungen an den Konferenzwhiteboards, vier Azubis, ein Hund sowie eine Tischtennisplatte) das absolut Böse sind und auf einer Stufe stehen mit Donald Trump oder der AfD???

Ein paar sogenannte Aktivisten (bisher keine zertifizierte IHK Ausbildung) führen den digitalen Mob an und organisieren den Kreuzzug gegen jede Art von unkorrektem Humor. Unter dem Deckmantel der Fürsorge der Schwachen werden Inhalte aus dem Kontext gerissen und alle durch Empörungslärm zum Schweigen gebracht, die es wagen sich gegen ihre moralische Vorherrschaft und Meinungsdiktatur auszusprechen. Und sie fühlen sich natürlich alle SO sicher, da sie überzeugt sind, sich für Minderheiten einzusetzen gestatte ihnen alles und der Zweck würde die Mittel heiligen. Und da sie sich vermeintlich für die Schwachen einsetzen, stoßen sie auf so wenig Widerhall, da ja niemand ein schlechter Mensch sein will.

Aber auch Leute die vermeintlich Gutes tun wollen, können hirnverbrannte Idioten sein und das darf man auch ruhig aussprechen.

Sie tun uns leid, allesamt. Und was uns betrifft hier bei true fruits: Sie haben unsere Firmenzentrale beschmiert, unsere Handelskunden mit hunderten E-Mails bombardiert, Influencer, die mit uns zusammenarbeiten beschimpft und bedroht. Wir werden öffentlich als Rassisten bezeichnet, nachdem Einzelmotive aus unserer 250.000 € Kampagne gegen die rechtsgerichtete Politik Österreichs aus dem Kontext heraus gerissen werden... (facepalm) Was kommt noch? Werden wir demnächst auf der Straße angegriffen? Mag sein, aber eher gehen wir mit unseren dummen Peniswitzen unter und bleiben uns treu, als uns diesen falschen Weltverbesserern zu beugen.

(...) Alle bisherigen Kampagnen, die in der Kritik stehen, hat der Werberat weder als sexistisch noch als rassistisch eingestuft. Woran sollen wir uns sonst orientieren? Daran was moralisch korrekt ist? Und wer bestimmt das? Diejenige, die am lautesten brüllt?

(...) Zu guter Letzt wirft man uns dann immer wieder vor, wie menschenverachtend wir mit den Kommentaren im Netz umgehen. Dazu nur eine kurze Erinnerung, wie wir es auf unseren Kanälen mit Trollen halten: Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Wessen Kommentar schon voller Hass beginnt, der muss schon ziemlich optimistisch sein, um mit einer freundlichen, ernsthaften Antwort zu rechnen. Ja, es ist wahr, wir fassen niemanden mit Samthandschuhen an, der uns doof kommt. Und ja, nicht alle unsere Kommentare sind im Ansturm der wütenden Radikalapostel immer 100% on point. Auch wir machen Fehler. Natürlich ist es nicht unsere Absicht, Menschen mit Traumata aufzuziehen oder zu verletzen. Das ist rücksichtslos und schlicht böse. Aber wir haben immer stärker das Gefühl, dass alles und jede noch so harmlose Bemerkung, die nicht völlig politisch korrekt formuliert ist, gleich mit der schlimmsten Absicht verbunden wird.

(...) Wenn wirklich Jemand bei dem Anblick eines Sonnencreme-Penis an ein Trauma erinnert bzw. getriggert wird, wäre unser ehrlicher, freundlicher Rat, sich mit den eigenen Bewältigungsstrategien auseinander zu setzen. Es hat keinen Sinn die ganze Welt zu bitten sich zu verändern. Lohnenswerter wäre vielmehr der Aufbau der eigenen Resilienz.

(...) JA, ABER ES TRIGGERT MICH! Es ist reine Willkür und total subjektiv. Nichts wäre mehr möglich, denn irgendwas triggert immer irgendwen und wir sprechen hier aus Erfahrung. Also: Leben und leben lassen. Und wenn es gar nicht geht - bitte, dann trommelt halt so viele zusammen wie nötig, dass es Gesetzesänderungen gibt, die uns untersagen das zu tun, was wir tun. Aber stellt nicht jeden, der nicht denkt wie ihr als Sexist, Rassist oder AFD-Anhänger da.

Wir werden sehen wie es mit der Aufregung um true fruits weiter geht, aber das ist fast schon Nebensache. Viel spannender ist es zu sehen, wie es mit dieser, unserer Gesellschaft weitergeht. Werden wir uns von einer Gruppe fanatischer Radikalapostel, die keinen Deut besser sind als alle anderen fanatischen Gruppierungen (völlig intolerant, diffamierend, etc.) vorschreiben lassen, wie wir sein sollen, worüber wir lachen dürfen?


Darauf wiederum antworten die Social Justice Warriors vom STERN, um True Fruits in einem Artikel rechtspopulistisches, perfides Marketing mit Elementen von Sexismus und Rassismus vorzuwerfen: "Es geht hier (...) nicht um Meinungen, sondern um strukturelle Diskriminierungs-, Unterdrückungs- und Ungleichheitsverhältnisse, die durch Sprache und Bildsprache reproduziert werden." Die STERN-Leser werden aufgefordert, True-Fruits-Produkte nicht zu kaufen, Freunde auf Instagram-Accounts von True-Fruits-Gegnern hinzuweisen, eine Petition gegen True Fruits zu unterschreiben, True Fruits beim deutschen Werberat zu melden und Geschäftspartner von True Fruits dazu aufzufordern, die Smoothies aus dem Sortiment zu nehmen.

Darüber hinaus sei die Behauptung, es gebe eine "feministische Meinungsdiktatur", rechtspopulistischer Blödsinn.

In Österreich poltert ein Frauenrechtsbegehren gegen die True-Fruits-Reklame, dessen Sprecher Christian Berger im Standard erklärt, es gehe "um eine Sensibilisierung der KonsumentInnen" sowie "die HandelspartnerInnen, die man an ihre wirtschaftsethische Verantwortung erinnern müsse", nachdem True Fruits keinerlei "Lernbereitschaft" zeige. Für "derart menschenverachtende Produktgestaltungen und Werbelinien brauche es Regulierungen, die dafür Sorge tragen, dass der Grundsatz der Gleichheit von Menschen gewahrt bleibe."



2. "MDR Wissen" berichtet über eine Studie, die untersucht, warum Frauen zu Sexualstraftäternnen werden.



3. In der L.A. Times beschäftigt sich Teresa Watanabe mit der Welle von Diskriminierungsklagen, die Männer inzwischen gegen sexistische Programme an US-amerikanischen Hochschulen einlegen:

Nur Frauen offenstehende Wissenschaftsprogramme, die von vielen Universitäten ins Leben gerufen wurden, um das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in Bereichen wie Informatik und Ingenieurwesen zu beheben, werden zunehmend juristisch angegriffen, da sie eine geschlechtsspezifische Diskriminierung von Männern darstellen.

Das US-Bildungsministerium hat mehr als zwei Dutzend Untersuchungen an Universitäten im ganzen Land - darunter Berkeley, UCLA und USC sowie Yale, Princeton und Rice - eingeleitet, die ausschließlich für Frauen bestimmte Stipendien, Auszeichnungen, Workshops zur beruflichen Entwicklung und sogar Naturwissenschaftliche und Ingenieurlager für Mädchen der mittleren und höheren Schule anbieten. Geschlechterdiskriminierung in Bildungsprogrammen ist nach Titel IX verboten, einem Bundesgesetz, das für alle Schulen gilt, sowohl öffentliche als auch private, die Bundesmittel erhalten.

Eine neue Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde, ergab, dass 84% der etwa 220 Universitäten Stipendien für ein Geschlecht anbieten, viele von ihnen in MINT-Bereichen: Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik. Diese Praxis ist nach Titel IX nur zulässig, wenn die "Gesamtwirkung" von Stipendien angemessen ist. Die Studie durch einen in Maryland ansässigen gemeinnützigen Verein, der sich für die Gleichstellung der Geschlechter auf dem College-Campus einsetzt, zeigte, dass die Mehrheit der Campus-Auszeichnungen einseitig den Frauen zugute kommt.

In Kalifornien zum Beispiel boten 11 überprüfte Colleges und Universitäten 117 Stipendien für Frauen und vier für Männer an, so die Umfrage von "Stop Abusive and Violent Environments". Die Gruppe wurde ursprünglich gegründet, um sich für die Durchsetzung von Prozessrechten für diejenigen einzusetzen, die des sexuellen Fehlverhaltens auf dem Campus beschuldigt werden, die überwiegend männlich sind - und startete im Januar das aktuelle Projekt, um Programme anzugehen, zu denen nur ein Geschlecht Zugang hat.

"Das Pendel ist zu weit in die andere Richtung geschwungen", sagte Everett Bartlett, der Präsident der Organisation, der plant, Bundesbeschwerden gegen etwa 185 Universitäten einzureichen, wenn sie nicht ausreichend auf Fragen über die Stipendienpraxis antworten. "Wir sind keine Gesellschaft, die auf Quoten basiert, wir sind eine Gesellschaft, die auf Fairness basiert", sagte Bartlett.

Emily Martin vom National Women's Law Center hält dem entgegen, dass solche auf Frauen ausgerichteten Programme unter Titel IX als zulässige positive Maßnahmen zur Überwindung von Bedingungen erlaubt sind, die zu einer "begrenzten Beteiligung" eines Geschlechts an einem bestimmten Bildungsprogramm führten. Sie kritisierte die landesweit wachsende Welle von Beschwerden, wonach Männer unter Titel IX ungerecht behandelt werden - vor allem in Fällen sexuellen Fehlverhaltens und jetzt in MINT-Programmen.

(...) "Es gibt eine ziemlich gut organisierte und gut finanzierte Bewegung, die die falsche Erzählung verbreitet, dass Männer Opfer von Feminismus sind", sagte Martin, Vizepräsident für Bildung und Arbeitsrecht des National Women's Law Center. "Die Trump-Administration hat diejenigen ermutigt, die versuchen, diesen Moment und dieses Bildungsministerium als Waffe gegen den Fortschritt von Frauen zu nutzen."

Dienstag, August 20, 2019

Kindesmissbrauch im Sport: Frauen als Täter immer noch ein Tabu – News vom 20. August 2019

1. In einem Interview, das für Nicht-Abonnenten der "Welt" leider nur im Anriss online steht, berichtet Professorin Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Erfreulicherweise spricht sie immer wieder von "Tätern und Täterinnen" (hier ist die ausdrückliche Nennung von Frauen keine politisch korrekte Floskel, sondern ein sinnvoller Hinweis). In einer Passage des Interviews heißt es:

WELT AM SONNTAG: Sie sprachen auch von Täterinnen, also dass auch Frauen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ausüben. Eine Studie des Bundesinnenministeriums besagt, dass 46 Prozent der betroffenen Jungen von mindestens einem Missbrauch durch eine Frau berichten.

Andresen: Frauen als Täterinnen ist ein Tabu im Tabu, doch wir müssen davon ausgehen, dass es auch Täterinnen gibt. Wir wissen bislang, dass sexualisierte Gewalt im Sport wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen am häufigsten von Männern ausgeht, was auch daran liegt, dass von ihnen häufiger Machtpositionen besetzt werden. (...) Die Aufarbeitungskommission analysiert dabei nicht nur die Rolle als Täterin, sondern schaut auch darauf, was Frauen im Verein gewusst haben, ob sie eingeschritten sind, versucht haben zu helfen, oder sie sich der Täterstruktur untergeordnet haben.

WELT AM SONNTAG: Warum sind Frauen als Täterinnen ein Tabu-Thema?

Andresen: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, man bewegt sich bezogen auf die Vorstellung von Gewalt und Gewaltverhältnissen gegenüber Kindern noch zu sehr in geschlechterstereotypen Vorstellungen. Es fällt einem extrem schwer, sich eine sexuelle Gewalt ausübende Frau gegenüber Kindern vorzustellen.




2. Kaum hat Frauenministerin Giffey angekündigt, aufgrund ihrer Betrügereien nicht für den SPD-Vorsitz zur Verfügung zu stehen, rasten die ersten Journalisten aus vor Wut.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Eine Jennifer Wilton,“ Leiterin des Ressorts Investigation und Reportage“, leistet sich in der "Welt" einen auf Wahrscheinlichkeiten basierenden männersexistischen Erguss, der vor feministischen Plattitüden und Verleumdungen nur so strotzt. Das alles diesmal am Beispiel von Placido Domingo. Diese als "Meinung" gekennzeichnete Infamie wird aktuell von zwei (!) Lesern bejaht, 68 sind allerdings ganz anderer Meinung. Und die Leserkommentare bestehen zu 100 Prozent aus Ablehnung.


Inzwischen stimmen neun Leser den Thesen dieses Artikels zu. 225 Leser lehnen sie ab.

Ein anderer Leser schreibt mir:

"Welt online" hat gerade einen typischen Artikel nach dem Motto von Hillary Clinton "Frauen sind die ersten Opfer des Krieges. Sie verlieren ihre Väter, Ehemänner und Söhne." veröffentlicht. Es geht um Sklaverei, und es wird mehrfach beschrieben, dass die Männer in Kriegen getötet wurden und die Frauen versklavt. Trotzdem geht es vor allem um das Leid der Frauen: "Wenn man bedenkt, dass nach der Eroberung Galliens durch Caesar 52 v. Chr. so viele Sklaven auf den Markt kamen, dass ihr Preis dramatisch fiel, lässt sich das entsetzliche Ausmaß an menschlichem Leid allenfalls erahnen, das vor allem Frauen zu tragen hatten." Gerade im Zusammenhang mit den gallischen Kriegen ist dieses Statement bizarr, denn in diesen Kriegen haben zehntausende Männer ihr Leben verloren. Die völligen Empathielosigkeit gegenüber dem Schicksal der ermordeten Männer zieht sich durch den gesamten Artikel.


Ein weiterer Leser weist mich auf einen Fehler in der Überschrift meines letzten Genderama-Beitrags hin:

Eine kleine Berichtigung zur gestrigen Meldung, dass mit Elisabeth Motschmann die erste CDU-Politikerin ein feministisches Wahlrecht fordert. Motschmann ist leider keineswegs die erste. Auf Landesebene (z.B. Brandenburg und Thüringen) erweist sich die Union zwar noch als Verteidigerin des freien und gleichen Wahrechts, auf Bundesebene sieht die Sache aber anders aus: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich längst für ein Paritätsgesetz ausgesprochen. Weitere wären Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin oder auch Anette Widmann-Mauz, Vorsitzende der Frauenunion (zentrale Frauenorganisation der Union). Innerhalb der Frauenunion scheint eine Einschränkung des freien und gleichen Wahlrechts zugunsten von Kandidatinnen durch ein Paritätsgesetz oder ähnliches schon Konsens zu sein. Auch Merkel ist dieser Idee gegenüber offen, hat sich aber (oh Wunder!) noch nicht festgelegt.

Weitere Informationen zu Unterstützern und Hintergründen des Paritätsgesetzes gibt es in meiner "Femokratenliste", die ich im Februar erarbeitet habe. Diese Liste, in der ich versuche, alle namhaften Politiker und Aktivisten etcetera zu listen, die für "Gleichstellung" oder Frauenförderung die Demokratie beschneiden wollen, hat über 200 Einträge. 24 davon (also mehr als 10%) stammen von der Union.

Sonntag, August 18, 2019

Erste CDU-Politikerin fordert feministisches Wahlrecht – News vom 18. August 2019

1. In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL übernimmt die CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann die Forderung linker Partien nach ener Änderung des Wahlechts, um Frauen zu fördern. In dem Artikel, der nur im Anriss online steht, befindet Motschmann:

"Ich bin dafür (...), dass die meisten unserer Abgeordneten gar nicht über eine Liste ins Parlament kommen, sondern direkt ihren Wahlkreis gewinnen. Deshalb müssen wir über eine Wahlrechtänderung nachdenken, die es Frauen erleichtert, gewählt zu werden. (...) Es gibt zwei Modelle, die diskutiert werden: Man könnte die Anzahl der Wahlkreise halbieren, und pro Wahlkreis müsste dann jede Partei einen Mann und eine Frau aufstellen, die beide gewählt werden. Besser wäre aber folgendes Modell: Man lässt die Wahlkreise so, wie sie sind, verpflichtet aber jede Partei, sowohl einen Mann als auch eine Frau als Direktkandidaten aufzustellen. Der Wähler entscheidet dann, wen er bevorzugt."


Die Passage ist eingebettet in feministische Gedankengänge, die die meisten von uns schon mehrere tausend Mal in den Leitmedien gelesen haben: Der Informationsgewinn durch die Lektüre liegt bei null.



2. Auf Spiegel-Online berichtet die ehemalige Stewardess Sylvia Gaßner über eine von ihr veröffentlichte Umfrage zu sexueller Belästigung von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern:

Die Auswertung hat gezeigt: Ungefähr die Hälfte hat schon mal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren, zum Beispiel in der Kabine oder bei Aufenthalten zwischen zwei Flügen. Das beginnt bei sexistischen Sprüchen bis hin zu ungewollten Berührungen. Außerdem möchte ich betonen: Unserer Umfrage zufolge erfahren Männer fast genauso oft sexuelle Belästigung an Bord wie Frauen.


Zu dieser viele Neulinge beim Thema vermutlich überraschende Gleichverteilung wird im Verlauf des Interviews nicht weiter nachgefragt.



3.
"Die Anfragen bei uns liegen pro Jahr im hunderter Bereich", sagt Markus Wickert. Gemeinsam mit einer Psychologin berät der ausgebildete Traumapädagoge bei MUT junge Männer, die sexualisierte Gewalt erleben oder erlebt haben. Trotz des großen Bedarfs droht dem 2017 entstandenen Projekt [in Berlin] nun ein Finanzierungsstopp. Die bisherige Unterstützung durch die Lotto-Stiftung endet, die Projekte in der Regel nur einmalig fördert. Und ob das Land Berlin die Förderung übernimmt, ist offen.


Hier geht es weiter.

Samstag, August 17, 2019

Deutsche Feministin fordert Vermögens-Obergrenze für Männer – News vom 17. August 2019

1. Bis das Patriarchat abgeschafft sei, brauche es eine Obergrenze für den finanziellen Besitz von Männern, fordert im "Neuen Deutschland" die Feministin Lou Zucker, die etwa auch für die "taz" und den "Zeit-Online"-Partner "ze.tt" schreibt. Diese Obergrenze sei notwendig, um sexuelle Gewalt zu reduzieren, wie die "lange Liste an Superreichen, Promis und Politikern zeigt, die seit 2017 des Missbrauchs beschuldigt werden".



2. Wie verlassen die Welt des unbekümmerten Sexismus und kehren zurück in die Wirklichkeit, wo die Liste an Menschen, die sexueller Übergriffe bezichtigt werden, keineswegs nur auf reiche Männer begrenzt ist. Aktuell etwa gibt es neue Beschuldigungen gegen die Pop-Sängerin Katy Perry – und sie werden diesmal von einer Frau vorgebracht:

[Die Moderatorin] Tina Kandelaki behauptet, dass Perry sie im angetrunkenen Zustand betatscht und versucht habe, sie zu küssen. Nachdem sie ihre Annäherungsversuche offen zurückgeweisen hatte, behauptet Kandelaki, dass Perry hartnäckig geblieben sei und sich weiterhin unangemessen verhielt, bevor sie schließlich [zu einem neuen Opfer] davon zog. (....) Kandelaki sagt, dass sie inspiriert wurde, darüber zu berichten, nachdem sie erfahren habe, dass Josh Kloss behauptete, dass Perry ihm während einer Party im Jahr 2010 die Hose herunter zog und ihn so vor anderen Parteigästen entblößte. Perry hat sich öffentlich zu keiner der Anschuldigungen geäußert.


Die Vorwürfe werden in den Kommentaren unter dem verlinkten Artikel diskutiert. "Können wir uns alle eine Minute Zeit nehmen", bittet ein Leser, "um Katy Perry als Vorreiterin für die bisexuelle Belästigung zu würdigen? Ein weiterer Meilenstein in der Bürgerrechtspolitik!" Ein anderer Leser merkt an: "I kissed a girl and she disliked it wäre vermutlich kein so großer Hit geworden."

Trotz dem MeToo-Motto "Glaubt den Opfern" hat es übrigens noch keine Aufrufe a la "Cancel Katy Perry" gegeben. Das bleibt weiterhin Männern vorbehalten, gegen die solche Vorwürfe laut werden.



3. Dafür wird aus MeToo jetzt auch MuhToo: Das Magazin Campus Reform berichtet über eine Veröffentlichung im Fachbereich Genderstudien der Universität New York, die die Besamung von Kühen als "Vergewaltigung" erkennt sowie das Melken mit "sexuellem Missbrauch", "emotionalen Trauma im Zusammenhang mit der Schwangerschaft" und "nicht einvernehmlichen Hormonbehandlungen" vergleicht.

Die Autorin der Studie, Mackenzie April, argumentiert, dass "um die geschlechtsspezifische Unterdrückung vollständig zu bekämpfen", unsere Gesellschaft auch die Notlage der Milchkühe angehen müsse, die "immer noch einer geschlechtsspezifischen Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind", obwohl ihre Stimmen "nicht immer erhoben werden oder verständlich sind". April gibt zudem ihrer Hoffnung Ausdruck, dass ihre Studie Feministinnen und andere "Socal-Justice"-Aktivisten inspirieren werde, "nicht-menschliche Körper in ihre eigenen feministischen Perspektiven einzubeziehen". Der Emanzipationskampf der Milchkühe verdiene dieselbe Unterstützung wie "die Kämpfe der Frauen, die man aufgrund seiner Privilegien von Rasse, Geschlecht, Klasse und so weiter nicht selbst durchstehen muss".



4. Die Diskriminierungsklage einer Mutter, die ihre Tochter als Mitglied in einem Berliner Knabenchor sehen wollte, wurde vom Frauen unterdrückenden Patriarchat abgewiesen. Das Mädchen sei stimmlich schlicht nicht geeignet, befanden die Richter.



5.
"Die Zeit", einst eine betuliche, seriös-langweilige Wochenzeitung zur Dekoration von Studienratswohnzimmertischen, wird von ihrer Redaktion schon seit einer ganzen Weile windschnittiger und marktgerechter an Reiz-Reaktions-Muster des Internets angepasst. Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen dort Artikel, die mit souveränem Verzicht auf ablenkende Gedanken ganz für die Herstellung einer möglichst großen Erregung bei Kritikern und Verteidigern produziert werden.

Ein Beispiel solcher erregungsfördernder Provokationen ist vor einer Woche erst erschienen, hatte innerhalb weniger Tage zufriedenstellend mehr als 1000 Kommentare provoziert und zeigt, warum auch oberflächliches Clickbait gefährlich sein kann.


Hier geht es weiter mit Lucas Schoppes lesenswertem Beitrag "Ein bisschen Faschismus".



6. Im Blog Männerwege weist Alexander Bentheim auf die Hamburger Beratungsstelle basis-praevent hin. Sie bietet sich Jungen und Männern, die sexuelle Gewalt erfahren haben, als Ansprechpartner an.

Freitag, August 16, 2019

Frauenministerin Giffey stellt Rücktritt in Aussicht – News vom 16. August 2019

1. Unter der Schlagzeile "Familienministerin Giffey stellt Rücktritt in Aussicht" berichtet die Frankfurter Allgemeine, dass die SPD-Politikerin nicht für den Vorsitz ihrer Partei kandidieren werde und auch ihren Ministerposten räumen werde, falls die Freie Universität Berlin ihr wegen zahleicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit den Titel aberkennen.wolle.

Während Beobachter schon seit einiger Zeit so etwas spekulierten, sind das von Giffey selbst neue Töne. Normalerweise sprechen Politiker, die in einen Skandal oder eine Affäre verwickelt sind, nicht freimütig über einen möglichen Rücktritt, sondern versuchen, rhetorisch den Eindruck zu erzeugen, sie hätten sich nichts zuschulden kommen lassen und deshalb auch nichts zu befürchten. Auf die Frage "Was tun Sie, wenn sich die Dinge unschön entwickeln?" wird in solchen Fällen eigentlich immer mit der Entgegnung gekontert, dass sich diese Frage gar nicht stelle. Dass Giffey jetzt ein anderes Vorgehen wählt, lässt vermuten, dass sie dafür ihre Gründe hat: beispielsweise die Öffentlichkeit und ihre Parteigenossen auf entsprechende Entwicklungen vorzubereiten. Allerdings spricht Giffeys Universität davon, dass es keinen neuen Sachstand im Prüfungsverfahren ihrer Arbeit gebe und dessen Dauer nicht abzuschätzen sei. Die Prüfung der erforderlichen Unterlagen werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.



2.
Dass Väter in Elternzeit gehen, ist noch lange nicht Normalität in Deutschland. Nur jeder Dritte nimmt eine berufliche Auszeit für die Kinder. Das liegt auch an den Arbeitgebern. Männer berichten von Mobbing, Einschüchterungsversuchen und Kündigung.


Der Bayrische Rundfunk hat sich des Themas angenommen.



3. Im nordrhein-westfälischen Brakel befindet sich ein Vater im Hungerstreik.



4. Das Deutsche Jugendinstitut sucht für eine Studie Menschen, die als Jugendliche sexualisierte Gewalt erfahren und sich damals Gleichaltrigen anvertraut haben und die heute zwischen etwa 18 und 28 Jahren alt sind oder denen von Gleichaltrigen sexualisierte Gewalterfahrungen anvertraut wurden.



5. Auch das britische Boulevardblatt "Sun" berichtet über "Samenraub" und die komplette Macht- und Rechtlosigkeit von betroffenen Männern.

Donnerstag, August 15, 2019

Briten verbieten "männerfeindliche" Reklame – News vom 15. August 2019

1. In Großbritannien wurden nach einem neuen Gesetz die ersten Werbespots als "sexistisch" befunden und verboten. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet unter der ironischen Schlagzeile "Wie Elektroautos und Frischkäse das Patriarchat zementieren":

Beim Philadelphia-Spot besuchen zwei Väter mit ihren Kleinkindern ein Restaurant, auf dem Snacks auf einem Transportband durch den Gastraum schweben. Abgelenkt von einem leckeren Philadelphia-Brötchen, setzt ein Vater sein Kind auf dem Band ab. Während er seligen Gesichtes den Frischkäse geniesst, dreht der Nachwuchs auf dem Band eine Runde durch den Raum. Hier werde das Klischee von Männern bedient, die zur Betreuung von Kindern ungeeignet seien oder sie gar in Gefahr brächten, kommentierte die Werbeaufsicht. Mondelez wandte vergeblich ein, man habe extra Väter statt Mütter genommen, um ein Stereotyp zu vermeiden. 128 Zuschauer hatten sich beschwert.


So schön es ist, wenn auch einmal Männerfeindlichkeit als "Sexismus" beanstandet wird: Wir werden in Zukunft wohl geschlechtslose Androiden brauchen, wenn jemand gezeigt werden soll, der sich irgendwie falsch verhält. Damit stellt man sicher, dass niemand beleidigt ist.

Im zweiten Fall bewirbt Volkswagen die Aussage "Wir können alles erreichen, wenn wir uns anpassen" – kausal eher lose verknüpft mit einem Golf-Elektrowagen. Zu sehen sind Astronauten im All, ein Behinderter, der mit einer Beinprothese einen Weitsprung ausführt, ein Bergsteigerpärchen in einem Zelt (die Frau schläft) und eine Mutter mit Kinderwagen. Die Aufsicht kritisiert, dass die zwei Frauen entweder passiv (schlafend) oder in der traditionellen Rolle als Mutter auftauchten, während die Männer aktiv aufregende Dinge erlebten. Drei Zuschauer hatten das beanstandet. Die ersten Erfahrungen mit der Moralpolizei sind also durchwachsen und der Ermessensspielraum wie erwartet gross.


Die Darstellung der NZZ ist immerhin deutschen Blättern wie der Frankfurter Rundschau, der Süddeutschen und Co. überlegen, die in Schlagzeilen wie "Großbritannien verbietet erstmals sexistische Werbung" persönliche Wertungen so selbstverständich übernimmt, als würde es sich um erwiesene Tatsachen handeln. Entsprechend traurig klingt der Schlussatz im verlinkten Artikel der Süddeutschen: "Ein deutschlandweites Verbot von sexistischer Werbung ist nicht geplant."



2. Hoppla – ist die "taz"-Radikalfeministin Simone Schmollack inzwischen geläutert? Beim Deutschlandfunk wehrt sie sich gegen "Sprachverbote der Gender-Polizei". Früher hatte das als polemische Formulierung gegolten, die nur wir bösen Maskulisten benutzen. "Statt miteinander zu reden, wird gegeneinander gekämpft" prangert Schmollack an – als ob nicht genau das seit Jahrzehnten die Einstellung der "taz" gegenüber Männerrechtlern wäre. Zwar geht es in Schmollacks Beitrag vor allem um innerfeministische und queere Solidarität und keinen Wunsch nach Kommunikation zu tatsächlich Andersdenkenden und Außenseitern – trotzdem prangert er das "Schwarz-Weiß-Raster" an, sobald es um die bei velen Feministinnen verhassten "weißen Männer" geht. Vielleicht dauert es jetzt nur noch weitere 20 oder 30 Jahre, und die "taz" ist sogar zu Gesprächen mit Männerrechtlern bereit.



3. In der Frankfurter Allgemeinen kommentiert Hannah Bethke den Fall des neunjährigen Mädchens, das sich in einen Knabenchor einzuklagen versucht (Genderama berichtete):

Mitunter nimmt die geradezu ignorante Entschlossenheit, überall absolute Gleichheit durchzusetzen, groteske Züge an. (...) Wenn Mädchen in Knabenchöre aufgenommen würden, ginge eine jahrhundertealte Musiktradition zu Ende und mit ihr genau das, was die besessenen Kritikerinnen eigentlich erstreiten wollen: musikalische Diversität. Denn dazu gehören reine Knabenchöre, genauso wie es Mädchen- und Frauenchöre gibt. Wer hier eine falsch verstandene Geschlechtergleichheit rabiat erzwingen will, opfert ein Kulturgut für eine Gesellschaft, die dadurch gerade nicht demokratischer und gerechter wird, sondern in der Bürger bestärkt werden in der fatalen Tendenz, Differenzen und Verzicht immer weniger zu akzeptieren.




4. Eigentlich wurde die These vom Segen des "Multitaskings" schon vor über zehn Jahren widerlegt, aber etliche Medien, darunter Heise, verweisen derzeit auf eine neue Studie, der zufolge Frauen keienswegs besser dabei sind. Da mich gleich mehrere Leser darauf hingewiesen haben, scheint es euch immer noch zu interessieren, und ich nehme es in den heutigen Blogpost auf.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu den internen Gender-Richtlinien des Deutschlandradioss, bei denen beispielsweise das Wort "keiner" durch das Wort "niemand" ersetzt werden soll:

Tjaja, bloß ist "niemand" aus "jemand" entstanden und in beiden Worten bedeutet "man" Mensch=Mann. Da stehen die vor demselben Problem, wie beim Indefinitpronomen "man", das viele Besserwisser so gern durch "frau" oder "mensch" ersetzen. Oder analog "mankind" im Englischen.

Das Grundproblem lautet wohl schlicht Besserwisserei - nichts weiter. Dafür reicht ein Modethema, egal welches. Und zwar mit dem Effekt, dass man ständig auf der Flucht ist, wenn man Besserwissern nachgibt, denn um weiterhin besser zu wissen, müssen diese Leute zwangsläufig auch beim neuen Wort nörgeln, sobald es sich durchgesetzt hat.

Diesen Gedankengang reibe ich solchen Leuten unter die Nase. Meist bleibt denen dann zumindest so lange die Sprache weg, dass man Gelegenheit hat, sich in bessere Gesellschaft zu begeben.

Mittwoch, August 14, 2019

SPD-Parteivorsitz: Die verzweifelte Suche nach Frauen – News vom 14. August 2019

1. Die Sozialdemokraten stecken in ihrem selbstgebauten ideologischen Tunnel fest. Spiegel-Online berichtet:

Jene Genossen, die das Bündnis mit der Union fortsetzen möchten, brauchen noch eine zugkräftige Kandidatur. Doch die Suche gestaltet sich kompliziert. Aus der Partei heißt es, dass es zwar gleich mehrere führende Männer gebe, die sich den Job des Vorsitzenden vorstellen können. Doch alle haben ein gemeinsames Problem: Sie finden keine Frau für eine Teambewerbung.

Und allein antreten? Das Verfahren lässt das prinzipiell zu. Doch derzeit traut sich kaum ein Spitzengenosse einen Alleingang. Denn die Partei hat sich recht klar festgelegt: Diesmal soll eine Doppelspitze her. Doch wer? Die beiden Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig haben gleich nach ihrer Nominierung als Interimschefinnnen abgewunken. (...) So ergibt sich die Konstellation, dass derzeit gleich mehrere führende SPD-Männer zunehmend verzweifelt auf der Suche nach einer Partnerin sind:

Von einem "Trauerspiel" spricht ein führender SPD-Mann aus Nordrhein-Westfalen.

Eine Abgeordnete erzählt von Rekrutierungsanrufen, bei denen sie kaum zu Wort gekommen sei.

Ein Genosse habe sich bereits mehrere Körbe geholt, heißt es, versuche es aber unverdrossen weiter.


Böses Karma: Die SPD ist damit in der Situation vieler Firmen, denen man eine Frauenquote aufgezwngen hat – mit dem Argument: "Na irgendjemand wird sich doch finden! Ihr patriarchalen Chauvis und Frauenunterdrücker wollt uns doch nicht im Ernst erzählen, dass es keine einzige weibliche Mitarbeiterin gibt, die dem Job gewachsen ist? Von wieviel tiefer Frauenverachtung muss man besessen sein, um so etwas zu glauben?"

Dass die SPD Geschlechtszugehörigkeit als Kriterium für den Parteivorsitz doch noch streicht und an seine Stellung Leistung und Begabung setzt, steht wohl kaum zu erwarten. Allzu sehr hatten sich führende Parteimitglieder wie Barley und Nahles in der Vergangenheit mit markigen Sprüchen aus dem Fenster gelehnt.



2. Die "Bild"-Zeitung hat die internen Gender-Richtlinien des Deutschlandradios aufgetan. Diesen Regeln zufolge sollen praktisch alle Begriffe, die auf das Geschlecht hindeuten, aus dem Sprachgebrauch entfernt werden:

▶︎ Statt: „Parlamentarier“ – Fair: „Abgeordnete“

▶︎ Statt: „Zuschauer“ – Fair: „Publikum, Auditorium“

▶︎ Statt: „Teilnehmer“ – Fair: „Teilgenommen haben“

▶︎ Statt: „Vertreter“ – Fair: „vertreten durch“

▶︎ Statt: „festangestellte Mitarbeiter“ – Fair: „die Festangestellten“

▶︎ Statt: „Man wundert sich“ – Fair: „Viele wundern sich“

▶︎ Statt: „keiner“ – Fair: „niemand“




3. In der Basler Zeitung kritisiert Barbara Gutzwiller die Gendersprache:

Anlässlich des sogenannten Frauenstreiks vom Juni hat die Zeitung "20 Minuten" rund 11600 Personen gefragt: "Sollte man gendergerecht schreiben?" Aufgrund der über Wochen andauernden mehr oder weniger tendenziösen Berichterstattung zu gleichstellungspolitischen Themen in den Medien hätte ich eigentlich klare Zustimmung erwartet.

Umso mehr hat mich verblüfft, dass nicht nur 87 Prozent der befragten Männer, sondern auch 70 Prozent der Frauen angaben, "nur wenig von gendergerechter Sprache" zu halten. Lediglich 11 beziehungsweise 24 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass "Geschlechterstereotype durch Sprache zementiert" würden.

Die Bundeskanzlei, viele Universitäten, Kantone und grosse Unternehmen haben von dieser Umfrage noch keine Kenntnis genommen. Auf ihren Websites finden sich nach wie vor Anleitungen "zum geschlechtergerechten Formulieren". (...) Auch gemäss den Erläuterungen der Universität Basel sollen Texte gendergerecht formuliert werden, weil nur solche Formulierungen "eindeutig und klar" seien und "somit eine unabdingbare Voraussetzung für exaktes wissenschaftliches Schreiben". Im Umkehrschluss heisst das, dass Texte, die geschrieben wurden, bevor die gendergerechte Sprache eingeführt worden ist – grob gesagt also alle Texte, die vor den frühen 1980er-Jahren verfasst wurden –, samt und sonders wissenschaftlich nicht exakt formuliert sind.

Was für eine ungeheure Behauptung! Von "Formulierungen, die implizit Frauen und Männer meinen", sowie von "Generalklauseln" solle abgesehen werden, da es sich dabei "um Scheinlösungen" handle. So solle etwa der Begriff "Angestellte" durch "Personal, Belegschaft, Mitarbeitende" ersetzt werden.

Mir erschliesst sich allerdings nicht, weshalb ich mich diskriminiert fühlen sollte, wenn ich als Teil der "Angestellten" nur "mitgemeint" bin. Und es bedeutet mir wenig, "sprachlich in gleichem Mass sichtbar gemacht" zu werden, wenn ich stattdessen Teil einer "Belegschaft" bin.

Kurz gesagt, die Umfrage zur gendergerechten Sprache hätte auch ich – als Frau seiende – klar mit "Nein" beantwortet. Bleibt die Hoffnung, dass bald der Inhalt eines Textes wieder wichtiger wird als das Einhalten künstlicher und übertriebener, dafür aber "gendergerechter" Formulierungsvorschriften.




4. Ebenfalls in der Schweiz kommt noch einmal die Debatte darüber auf, ob eventuell reine Bubenklassen eine sinnvolle Maßnahme darstellen könnten, um die "Jungenkrise" an den Schulen anzugehen.



5. Zuletzt ein bemerkenswertes Gerichtsurteil: Für Trennungsunterhalt muss man nicht zusammengelebt haben.

Dienstag, August 13, 2019

Mann wirft Katy Perry sexuellen Übergriff vor, Grüne fordert reines Frauenkabinett für Brexit – News vom 13. August 2019

1. Viele Medien berichten:

Das Männermodel Josh Kloss erhebt auf Instagram schwere Vorwürfe gegen die Sängerin Katy Perry. Angeblich hat die "I Kissed a Girl"-Interpretin ihn auf einer Geburtstagsfeier sexuell belästigt. (...) Mit seiner Geschichte ginge das Model jetzt an die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass nicht nur mächtige Männer pervers seien, wie unsere Gesellschaft beweisen wolle: Frauen mit Macht seien genauso widerlich, meint Kloss.


Hier geht es weiter.

Der britische Independent zitiert Kloss' Vorwurf im Original:

"And you hear over and over a million times that males are the great evil on this planet," he wrote, appearing to reference the #MeToo movement. "Meanwhile you know the truth: POWER empowers what is corrupt in people, regardless of their gender."




2. Ältere Leser dürften den Begriff "Samenraub" – also wenn eine Frau das Sperma eines Mannes in der Absicht beschafft, es ohne dessen Zustimmung zur Befruchtung ihrer Eizellen zu verwenden – aus der Berichterstattung über eine ungewollte Vaterschaft Boris Beckers Ende der neunziger Jahre kennen. Die Medien verwendeten diesen Ausdruck in der Regel mit einem schmunzelnden Unterton. Inzwischen ist aus dieser Praxis ein kleiner Trend geworden. In der britischen Daily Mail berichtet eine Publizistin über ihre Recherche:

"Am Anfang fühlte ich mich, als wäre ich vergewaltigt worden. Das mag unvernünftig klingen, aber wenn jemand deine DNS stiehlt und sie dann für etwas benutzt, dem du nie zugestimmt hast, fühlt es sich wie eine Verletzung auf einer sehr tiefen Ebene an."

Das sind die Worte eines Mannes, den wir Jonathan nennen werden, ein Versicherungsmakler Mitte 30, der letztes Jahr mit einer 39-jährigen Buchhalterin zwei Monate lang zusammen war, bevor er es abbrach. Sie war nett, aber Jonathan entschied, dass es nicht die Beziehung für ihn war, und er und seine Ex gingen getrennte Wege. So dachte er zumindest. Ein paar Tage nachdem sie sich getrennt hatten, rief sie an, um ihm zu sagen, dass sie im zweiten Monat schwanger war. Sie hatte die Pille genommen, behauptete sie, aber irgendwie hatte es nicht funktioniert und jetzt trug sie sein Baby aus.

Natürlich haben Frauen seit langem Männer in die "Babyfalle" gelockt, indem sie ohne ihre Zustimmung schwanger wurden - sei es für die Ehe, das Geld oder einfach nur, um Mutter zu werden. Aber im Internet-Zeitalter hat sich das Spiel verändert.

Heute hat eine Frau, die verzweifelt danach strebt, schwanger zu werden, ohne dass ihr Freund oder Liebhaber es herausfindet, ein Arsenal an High-Tech-Gimmicks zur Verfügung. Es gibt Ovulationstests und Telefon-Apps zur Überwachung fruchtbarer Tage. Es gibt die Selbermach-Besamungssets für ca. 20 Pfund bei Amazon, die - so schockierend es auch klingt - für den unappetitlichen Zweck verwendet werden können, sich mit dem Inhalt eines gebrauchten Kondoms zu schwängern. Und um sicherzustellen, dass eine Möchtegern-Mutter es richtig macht, gibt es auf YouTube Tutorial-Videos zur Insemination. Es gibt sogar einen neuen Namen für diese Praxis: "Spurgeln", ein leicht abstoßendes Kofferwort aus "sperm" und "burglary": Samenraub.

(...) Ich habe Online-Threads von Möchtegern-Samenräuberinnen gelesen, die darüber diskutieren, wie groß ein Loch in einem Kondom sein muss, damit das Sperma hindurch kommt. Ich habe entdeckt, dass Silatic-Kondome besser zum Samenraub geeignet sind als normale, da sie aus einem Material hergestellt werden, das für Spermien nicht giftig ist. Ich habe auch gelernt, dass Plastikspritzen, mit denen Sperma so hoch wie möglich in die Scheide einer Frau gespritzt wird, besser sind als Metallspritzen, denn laut einer Frau, die versuchte, einen reichen Mann, mit dem sie im Bett war, mit einem Baby einzufangen, "sind die Plastikspritzen so viel wärmer"! Mit anderen Worten, die Babyfalle hat einen Gang zugelegt.

Man braucht sich nur die Schlagzeilen der Nachrichten anzusehen, um zu sehen, dass es in letzter Zeit einen Anstieg entsprechender Fälle auf der ganzen Welt gegeben hat. Anfang des Jahres ging der Beitrag eines Mannes auf der Website Reddit viral, als er um Rechtsberatung bat, nachdem er entdeckt hatte, dass seine Freundin versucht hatte, sich mit dem Inhalt ihres Kondoms zu schwängern. Ein bemerkenswertes Posting auf der Website Mumsnet zeigte, wie eine Frau schwanger wurde, nachdem sie sich mit Sperma besamt hatte, das ihr Partner auf ihrem Bauch hinterlassen hatte, als er versuchte, die Rechtzeitig-herausziehen-Methode der Empfängnisverhütung anzuwenden.

(...) Wir erinnerten uns daran, dass der Tennisspieler Boris Becker behauptete, er sei von Angela Ermakova, der Mutter seiner Tochter Anna, nach ihrer Begegnung im Nobu-Restaurant im Jahr 1999 seines Spermas beraubt worden. Obwohl Becker zunächst bestritt, dass er der Vater war, bewies ein Vaterschaftstest später das Gegenteil. Vor zwei Jahren berichteten New Yorker Urologen von einer Zunahme wohlhabender Männer, die wegen Vasektomien zu ihnen kamen, so besorgt waren sie darüber, von "Goldgräberinnen" verfolgt zu werden.

(...) Ich habe eine lange Liste von anonymen Geständnissen online gelesen. "Ich wurde absichtlich schwanger, um ihn davon abzuhalten, zu gehen", schildert eine Frau. "Wir sind seit fünf Jahren zusammen. Ich habe ein Jahr lang versucht, von meinem verheirateten Freund schwanger zu werden", sagt eine andere. "Ich denke, wenn ich ein Baby habe, wird er seine Frau für mich verlassen." – "Er sagte mir, dass er mich nie verlassen würde, wenn wir herausfinden würden, dass ich schwanger bin, also tat ich es absichtlich, um sicher zu gehen", gibt eine weitere zu. Sie haben bei diesen Männern Samenraub begangen, ja, aber wenn sich die überraschten Väter in ihre Babys verlieben, sobald sie sie im Arm halten, ist das eine solche Katastrophe?


Die Antwort auf diese Frage hängt vermutlich davon ab, wieviel Respekt man vor der Lebensplanung und den Entscheidungen von Männern hat.



3. Auch das ZDF berichtet inzwischen über den offenbar massenhaft begangenen sexuellen Missbrauch an Pfadfindern in den USA.



4. Die britische Grünen-Abgeordnete Caroline Lucas fordert ein durchgehend weibliches Not-Kabinett, um einen No-Deal-Brexit zu blockieren:

Lucas sagte, sie glaube, dass eine Auswahl von Frauen aus dem gesamten politischen Spektrum am besten geeignet sei, ein "Notfallkabinett" einzurichten, von dem sie sagte, dass es "für die Versöhnung arbeiten" würde, statt neue politische Kämpfe zu führen.

"Warum Frauen? Weil Frauen gezeigt haben, dass sie eine andere Perspektive in Krisen einbringen können und dass sie in der Lage sind, diejenigen zu erreichen, mit denen sie nicht einverstanden sind, und kooperieren, um Lösungen zu finden", schrieb sie.

"Es waren zwei Frauen, die die Peace People-Bewegung während der schlimmsten Unruhen in Nordirland gegründet haben; es waren zwei Frauen, die der Schlüssel zur Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens waren; schwierige, hartnäckige Probleme haben dank der Führung der Frauen den Beginn einer Lösung gefunden."


Inzwischen haben auch mehrere Frauen Einspruch gegen diesen Vorschlag eingelegt – allerdings mit sehr unterschiedlichem Hintergrund. Die Journalistin Meena Alexander etwa schließt sich dem Männer-Bashing der grünen Abgeordneten an und sieht im Brexit vor allem einen Anschlag auf die Frauenrechte, die von der EU garantiert werden, ist aber wütend darüber, dass Lucas' rein weiblichem Kabinett keine einzige farbige Frau angehört. Die Journalistin Emma Revell hingegen zieht Lucas für deren "dämlichen Sexismus" zur Verantwortung:

Stellen Sie sich vor, ein männlicher Abgeordneter, der im Daily Telegraph schreibt, fleht seine Kollegen an, zusammenzukommen und ein Notfall-Kabinett zu bilden, um den Brexit durchzusetzen, weil Frauen zu entgegenkommend sind und nicht fest und ruppig genug sein werden, um sich gegen europäische Führer zu behaupten und viel für Großbritannien zu verlangen. Es ist allgemein bekannt, dass Männer konfrontativer, anspruchsvoller und weniger bereit sind, die von ihnen gezogenen Linien zu überschreiten, so dass wir im Interesse des Brexit ältere Männer aller Parteien brauchen, die zusammenkommen und ein neues Kabinett im nationalen Interesse bilden.

Die Abgeordnete der Grünen Partei Caroline Lucas - feministisch, progressiv, Barrierebrecherin und Kritikerin von Stereotypen - wäre die Erste, die zurückschießen und einen solchen Mann zu einem Sexisten erklären würde, der seine Mitmenschen erniedrigt hat, indem er annahm, dass sie alle gleich denken und handeln.

Warum also macht sie heute im Guardian das Gegenteil und fordert ein rein weibliches Kabinett, um den Brexit zu stoppen - und erwartet keine Gegenreaktion? (...) Lucas schreibt, dass Frauen nach ihrer Erfahrung "weniger Stammesdenken" und größeres Vertrauen aufweisen, also im nationalen Interesse zusammenarbeiten können, um den Brexit zu stoppen. Ich bin mir nicht sicher, in welchem Unterhaus sie die letzten neun Jahre gesessen hat, aber die Idee, dass Partisanenkriegerinnen wie Diane Abbott und Andrea Jenkyns zusammenarbeiten könnten, erscheint mir mehr als ein Wolkenkuckucksheim.

Lucas rührt auch 51% der Bevölkerung (und 32% des Unterhauses) zusammen, weist ihnen passive, kooperative Merkmale zu und kennzeichnet damit Männer als konfrontativ und rüpelhaft, womit sie sich genau den Geschlechterstereotypen hingibt, gegen die sie im Lauf ihrer Karriere häufig angekämpft hat. Ironischerweise gehört ihre Wortmeldung zu genau der Art von Kommentaren, die bestimmte Feministinnen so wütend machen, wenn sie von Typen wie Jordan Peterson kommen. (...) Indem sie ein Fantasy-Kabinett fordert, in dem die Mädels sich an den Tisch setzen und bei einer netten Tasse Kamillentee alles klären, unterstützt sie genau jene Klischees, die sie angeblich ablehnt.

Montag, August 12, 2019

Feministische autonome Zellen in Deutschland gegründet – News vom 12. August 2019

1. Über die Website Anarchists Worldwide bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der die Gründung Feministischer Autonomer Zellen (FAZ) in Deutschland verkündet. Diese Einheiten sollen der "Subversion patriarchaler Herrschaft" in Form von "direkten militanten öko-feministischen Aktionen" dienen. Historisch möchte man beispielsweise an die feministische Terrorgruppe Rote Zora und die Revolutionären Zellen anknüpfen. Die Zerstörung eines Amazon Lockers in Freiburg im Breisgau am 6. August 2019 soll "eine Serie von Texten und Aktionen" begründen: "Bildet feministische autonome Banden!"

Darf man das jetzt eigentlich kritisch sehen, oder gilt man danach in den nächsten pseudowissenschaftlichen Expertisen wieder als "antifeministisch" und "frauenfeindlich"?



2. Forscher haben herausgefunden, was Frauen davon abhält, sich für Informatik zu interessieren. Es sind Star-Trek-Poster:

Die Arbeit aus unserem Labor zeigt, dass Mädchen, die Star Trek Poster und Videospiele in einem Informatik-Klassenzimmer sehen, weniger interessiert sind als Jungen, den Kurs zu besuchen. Wenn das Klassenzimmer nicht dekoriert ist, entscheiden sich die Mädchen immer noch dagegen. Erst wenn ein alternatives Bild der Informatik präsentiert wird, indem nerdige Objekte durch Kunst- und Naturposter ersetzt werden, entwickeln Mädchen ein so starkes Interesse wie Jungen.

Samstag, August 10, 2019

Neunjähriges Mädchen will sich in Knabenchor einklagen – News vom 10. August 2019

1. In Berlin möchte sich ein neunjähriges Mädchen in einen Knabenchor einklagen:

Die Auswahlkommission habe das Mädchen (...) abgelehnt. Als Begründung sei unter anderem genannt worden, ihre Motivation für einen Einstieg in den Domchor genüge nicht. Zudem fehle es an einer Grundlage für eine Ausbildung. Nicht zuletzt bestünden Zweifel an einer vertrauenvollen Zusammenarbeit mit den Eltern, was aber Grundlage für die persönliche Ausbildung einer Kinderstimme sei. Die Mutter der Neunjährigen meint laut Verwaltungsgericht nun, die Ablehnung ihrer Tochter verletze ihren Anspruch auf gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und an staatlicher Förderung. Die Zugangsbeschränkung auf Jungen diskriminiere sie in unzulässiger Weise. Der Domchor wiederum entgegnet, die Nichtaufnahme des Mädchens sei nicht vor allem auf ihr Geschlecht zurückzuführen. Vielmehr wäre sie aufgenommen worden, wenn sich die Auswahlkommission bei ihrem Vorsingen von einer außergewöhnlichen Begabung, hoher Leistungsmotivation und entsprechender Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätte überzeugen können und wenn ihre Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte.




2. Während die deutschen Medien sich vom Thema "Benachteiligung von Jungen in der Schule" längst abgewandt haben, schlägt in der Schweiz die Aargauer Zeitung unverdrossen Alarm mit dem Artikel "Vor dem neuen Schuljahr warnen Experten: Die Schule ist bubenfeindlich".



3. Der Deutschlandfunk stellt das feministische Buch der Woche vor:

Im Buch bedient sich das Kollektiv Feministische Intervention auch Fäkalsprache, um die sogenannte toxische Männlichkeit zu beschreiben. Es könne sein, dass diese Wortwahl Widerstand hervorrufe. Aber dies gelte für die gesamte Gender-Debatte, sagte Berg. Manchmal gebe es keine andere Möglichkeit, als gewaltvolle Verhältnisse drastisch zu beschreiben.


Klingt nach genau der Form von Männer-Bashing, die einem eine Buchvorstellung in unseren Leitmedien geradezu garantiert.



4. Die Londoner Times berichtet:

Es wurde als historischer Meilenstein für die Gleichstellung der Geschlechter bezeichnet, als die Infanterie der Britischen Armee im vergangenen Herbst endlich ihre Türen für Frauen öffnete. Neue Daten zeigen jedoch, dass in den letzten zehn Monaten weniger als fünf Soldatinnen die Gelegenheit genutzt haben.


Wow. Dann ist dieser "Meilenstein" ja fast so erfolgreich wie das deutsche Entgelttransparenzgesetz, das mit großem Medienwirbel vorgestellt wurde, aber von kaum einer Frau genutzt wird.

Dabei ist die Reklame, mit der die britische Armee versucht, Frauen anzuwerben, wirklich professionell gestaltet. Echte Überzeugungskraft entfaltete sie offenbar trotzdem nicht.

Freitag, August 09, 2019

Unternehmensberaterin: "Frauen, verabschiedet euch von der Opferrolle" – News vom 9. August 2019

1. Die Unternehmens- und Kommunikationsberaterin Celine Flores Willers richtet in der "Welt" einen Aufruf an ihre Geschlechtsgenossinnen:

Seit 26 Jahren lebe ich in einer Welt, in der es für mich nur Gleichberechtigung unter Geschlechtern gibt. In der Schule bin ich auf Bäume geklettert, habe mir die Knie in den Pausen abgewetzt, und die Jungs haben sich im Fach "Näharbeit" reingehängt. Klar gab es Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen – aber nicht im Hinblick auf die Gleichstellung.

Und heute im Arbeitsleben? Es hat sich nichts geändert. Ich soll auf einmal für Female Empowerment kämpfen?! No way. Meiner Meinung nach ist Female Empowerment heute mehr ein toxischer Hype als eine Hilfe für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Das viel besagte "Empowerment" will Barrieren abbauen und schafft doch selbst Hürden. Mediale Inszenierung, Events, Hashtags und Boob-Shirts haben zu einer Fingerzeig-Bewegung geführt, die keine neuen Perspektiven mehr zulässt und nicht mit Kritik umgehen kann. Wer anderer Meinung ist, wird als Frauenfeind abgestempelt.


Hier geht es weiter.



2. Von Lucas Schoppe gibt es einen neuen Blogbeitrag:

"Die Zukunft ist feministisch", verkündet die grüne Fraktionsvorsitzende im Bundestag und dessen ehemalige Vizepräsidentin, Katrin Göring-Eckardt, gerade im Interview mit der Tageszeitung taz. Was die Zukunft angeht, bleibt also glücklicherweise alles beim Alten – weiblich jedenfalls ist sie schon mindestens seit den Achtzigern.

Ich möchte nun natürlich keine Spaßbremse sein und fragen, was denn eigentlich so toll ist an einer Zukunft, die ungefähr die Hälfte der Menschheit ausschließt und die verbleibenden Hälfte auf die richtige politische Gesinnung festlegt. Stattdessen lohnt es sich, darauf zu achten, was sich eine der wichtigsten Personen einer der wichtigsten deutschen Parteien eigentlich unter einer feministischen Zukunft vorstellt.


Hier geht es weiter. Absolut lesenswert.



3. Die Linke behauptet in einer aktuellen stellungnahme, das Wechselmodell könne nur greifen, wenn die Eltern sich vertrügen.



4. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Dating-App, Bumble, die sich als feministisch präsentiert, weil bei ihr nur Frauen den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme unternehmen dürfen. In einem aktuellen Blogpost wettert nun die feministische Professorin Treena Orchad gegen diese App. Die Website Pluralist fasst diese Klage zusammen:

Orchard entschied bald, dass "machtvoll zu sein" auch sexistisch ist. Sie äußerte Groll darüber, dass sie die traditionell männliche Aufgabe erfüllen musste, "eine Einladung nach der anderen" zu senden, während die Männer "weitgehend herumsitzen und darauf warten, dass ihre Einladungen eintrudeln".

"Wird er antworten? Wird der hier mich mögen?", erinnert sie sich qualvoll. "Mich selbst da draußen zu platzieren, gab mir immer wieder das Gefühl, verwundbar zu sein, nicht machtvoll."

Um mit ihren Schwierigkeiten bei Bumble fertig zu werden, begann Orchard, ihre Erfahrungen in der App mit akademischer Strenge zu dokumentieren. Die Ergebnisse waren nicht schön. Nach ihrer Zählung waren nur 60 Prozent ihrer Pickup-Sprüche erfolgreich, und sie berichtete von Verabredungen mit "nur zehn Männern in fünf Monaten, was einer Erfolgsrate von neun Prozent entspricht".

Anscheinend noch Single am Ende des Prozesses, gab Orchard die Schuld für ihre ständige Ablehnung Männern, die "sich nicht damit wohlfühlten, eingeladen zu werden". Als Beweis dafür berichtete sie, dass sie in der App schlecht behandelt wurde, weil sie eine Feministin ist.

(...) Orchard warf Bumble weiterhin vor, eine "veraltete Marke des Feminismus" zu praktizieren, die fälschlicherweise annimmt, dass weibliche Ermächtigung in einer "patriarchalischen Welt" überhaupt möglich ist.

"Die Bewegungen #MeToo und Time's Up zeigen weiterhin, wie viel unerledigtes Geschäft vor uns liegt, bevor die Gleichstellung der Geschlechter Realität wird", sagte sie. "Bumble benötigt ein ernsthaftes Upgrade, wenn es wirklich Frauen befähigen und Platz für Männer auf dem Weg zu bedeutsameren Dating-Erfahrungen schaffen will", sagte sie.

Orchard schlug eine Reihe von Korrekturen für die App vor, darunter die Einrichtung eines "Forums" für Benutzer, in dem sie ihre Erfahrungen austauschen und Männer entsprechend ihrer Haltung zum Feminismus aussieben können.

Ihr Hauptvorschlag war jedoch, dass Bumble "das Design "sie fragt" und "er wartet" entfernt, damit beide Partner aufeinander zugreifen können, sobald eine Übereinstimmung hergestellt ist. Sie präsentierte ihr Plädoyer wie eine neue Idee, aber es würde Bumble genauso gestalten wie die meisten der angeblich patriarchalischen Apps, für die es als Ersatz gepriesen wurde.


Ich finde das sehr aufschlussreich.

Zahllose Männer sind entnervt darüber, dass es auch heute noch von ihnen erwartet wird, bei einem Flirt den ersten Schritt zu machen, weshalb auch sie es sind, die bewertet werden, die mit dem Schmerz einer Ablehnung fertig werden müssen und über die sich eine Frau, die begehrenswert wirkt, vielleicht sogar lustig macht. Aus der Sicht vieler Feministinnen leben die männlichen Unterdrücker aber im Himmel und Frauen in der Hölle. Also fordern sie für sich dieselbe Situation ein, in der sich Männer befinden. Das Gras ist nun mal immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Wenn dieselben Feministinnen dann aber feststellen, wie belastend die Männerrolle in Wirklichkeit ist, lassen sie sich bemerkenswerte Verrenkungen einfallen, um ihren Glauben an ein "Patriarchat" trotzdem aufrecht zu erhalten. Durch ihre narzisstische Selbstbezogenheit ("Ich will, dass die Welt alle meine Bedürfnisse erfüllt, sonst ist die Welt scheiße") bleiben sie in ihrer Opferrolle gefangen.

Donnerstag, August 08, 2019

FOCUS: "Es bedarf Widerspruch gegen die Sprachpolizei" – News vom 8. August 2019

1. Der bekannte Schriftsteller Reinhard Mohr (vormals "taz" und Spiegel-Online) fordert im "Focus" Widerstand gegen eine autoritäre Sprachpolitik. Ein Auszug aus dem sehr ausführlichen Artikel:

Als würde sich eine neue Aktion "Saubere Leinwand" – die Älteren erinnern sich – in alle Lebensbereiche ausbreiten, treten überall Hausmeister der guten Sache auf, "Blog-Warte" der einzig richtigen Gesinnung und Sprachpolizist*innen mit dem linguistischen Handmikroskop, um allfällige Verstöße gegen die politische Korrektheit zu melden und möglichst umgehend zu ahnden. (...) Selbst die lobenswerte Kampagne des Bundesverkehrsministeriums für Fahrradhelme, bei der "halbnackte Models" zu sehen waren, wie ausgerechnet der "Stern" monierte, geriet im Handumdrehen unter "Sexismus"-Verdacht.

(...) Bereits im Kinderzimmer lauern die Gefahren einer patriarchalisch-rassistisch-sexistischen Indoktrinierung, für die alte, nicht selten schon tote weiße Männer die Verantwortung tragen. (...) "Stark ist das neue hübsch", schrieb die Autorin Hatice Akyün in ihrer Kolumne für den Berliner "Tagesspiegel" und dekretierte im Namen einer alle Rollenklischees vermeidenden Gender-Gerechtigkeit: "Wir müssen aufhören, unsere Töchter hübsch zu finden."

(...) Hinter all diesen – übrigens komplett humorlosen und ironiefreien – Versuchen, die Welt von falschen Worten wie falschen Ansichten zu säubern, steckt ein totalitärer Impuls. (...) Nun sind es vor allem junge Gender-Aktivistinnen wie Margarete Stokowski, Mely Kiyak, Sophie Passmann und Ferda Ataman, die das Projekt als überzeugte Volkspädagoginnen mit Hang zum "Social Engineering" weiterverfolgen, bei dem das Sein dem Design folgen soll. Den zentralen Widerspruch ihrer Argumentation bemerken sie gar nicht: Sie feiern "Diversity", die "bunte" Gesellschaft der Vielfalt und Unterschiedlichkeit von (immer mehr) Identitäten, Geschlechtern, Ethnien und Kulturen, bekämpfen im selben Atemzug aber den – selbstverständlich kritischen – Diskurs über Unterschiede und ihre Folgen mit dem allgegenwärtigen Schlachtruf der "Diskriminierung".

(...) Noch ist diese Perspektive nur die Kopfgeburt einer Minderheit, deren akademische Fußtruppen erste Enklaven unserer Gesellschaft erobert haben. Um zu verhindern, dass sie sich weiter ausbreiten, bedarf es scharfen Widerspruchs – ob im Uni-Seminar, in der Polit-Talkshow oder im Deutschen Bundestag.


Der Artikel ist im Original in der aktuellen Ausgabe von "Die Politische Meinung", herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung, erschienen.



2. Die US-amerikanischen Pfadfinder sehen sich mit Vorwürfen von massenhaftem sexuellen Missbrauch von Jungen konfrontiert. In den Darstellungen der Rechtsanwälte, die die mutmaßlichen Opfer vertreten, ist von über 350 Tätern und über 800 Jungen die Rede:

"Viele der Opfer können sich immer noch an den Geruch des Mannes erinnern, der in ihren Schlafsack gekrochen ist", sagte Rechtsanwalt Andrew Van Arsdale. "Das sind happige Schilderungen."

Noch beunruhigender sei, sagte [Rechtsanwalt Tim] Kosnoff, dass nur vier der 800 Opfer "den gleichen Täter identifizieren".

"Alle anderen identifizieren einen anderen Täter", sagte er.

Was die übergriffigen Grupenleiter angeht, sagte [Rechtsanwalt Stewart] Eisenberg: "Sie stammen aus dem ganzen Land" und aus verschiedenen Berufen.




3. Erstmals unterstützt mit Kirsten Gillibrand eine Kandidatin der Demokratischen Partei für die US-Präsidentschaft einen Jungen- und Männerrat des Weißen Hauses, den Männerrechtler wie Warren Farrell seit Jahren fordern.

Der Grund für diese Entwicklung mag sein, dass nach den beiden aktuellen Massakern Warren Farrell als Experte für die Jungenkrise allmählich gefragter wird (siehe etwa hier und hier).

Vielleicht haben die US-Demokraten aber auch einfach keine Lust, sich schon wieder von Trump rasieren zu lassen, weil sie die Anliegen männlicher Wähler aus ideologischen Gründen immer noch übergehen.

Mal gucken, wann hierzulande die SPD auf die Idee kommt, sich auch den Anliegen des männlichen Geschlechts anzunehmen – und das nicht nur mit Lippenbekenntnissen kurz vor der Bundestagswahl. 6,5 Prozent Absturzpotential haben die Spezialdemokraten ja noch, bis sie unter die Fünf-Prozent-Hürde sacken.



4. Die Post. Einer meiner Leser mailt mir heute in aller Kürze:

Unglaublich, wie selbst bei einer für Frauen positive und für Männer alarmierende Nachricht die Formulierung Frauen in die Opferrolle steckt: Immer weniger Frauen beginnen eine Ausbildung.


Wenigstens hat Spiegel-Online die Schlagzeile inzwischen in "Immer weniger Frauen beginnen eine Lehre" verändert. Trotzdem klingt es so, als ob Frauen dadurch in irgendeiner Weise diskriminiert würden, dass sie vermehrt an Hochschulen ziehen, während der niedrigere Bildungsweg überwiegend Männern überlassen bleibt.

Dienstag, August 06, 2019

Jusos: Feminismus soll Schulfach werden – News vom 6. August 2019

1. Wie unter anderem die Baseler Zeitung berichtet, gibt es in der Geschlechterdebatte einen provokativen Vorstoß von Juso-Seite:

Die Basler Jungsozialisten sorgen sich um die Sicherheit der Frauen. Alle zwei Wochen würde in der Schweiz eine Frau an den Folgen von häuslicher Gewalt sterben, beklagt die Juso am Montag. "Mord ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs", schreibt die Jungpartei etwas plakativ in ihrer Mitteilung. Sie fordert, dass nun "endlich wirksame Massnahmen" im Kampf gegen Gewalt an Frauen ergriffen werden. Aus Sicht der Partei werde häusliche Gewalt bislang zu oft verharmlost und Opfer würden nicht ernst genommen.

(...) Weil Gewalt an Frauen ein strukturelles Problem sei, müsse bei der Bildung angesetzt werden, um langfristig gesellschaftlich etwas zu verändern. "Gleichstellung muss im Lehrplan verankert werden und es braucht ein Schulfach Feminismus," fordert die Partei.


Zu dem Zeitpunkt, da ich diesen Blogbeitrag verfasse, zeigt eine Abstimmung unter dem verlinkten Artikel an, dass neun Prozent seiner Leser die Juso-Forderung "sehr sinnvoll" und 91 Prozent "völlig übertrieben" finden.

"Die Forderung ist Sexismus vom Feinsten" titelt zu diesem Thema die Schweizer Zeitung "20 Minuten". In dem Artikel heißt es:

Ein Grossteil der 20 Minuten Leser ist sich einig: Das Schulfach Feminismus schiesse am Ziel vorbei. 95 Prozent von rund 2780 Personen klickten in der Umfrage an, dass die Einführung von besagtem Fach übertrieben sei. (...) Vielfach wird von Männern erwähnt, dass Frauen von der Gesellschaft keineswegs benachteiligt würden. Schliesslich müssten sie keinen Militärdienst leisten, hätten ein niedrigeres Rentenalter und einen längeren Muttschaftsurlaub. "Das Schulfach Feminismus klammert Männer aus", ärgert sich ein Mann. "Die Forderung ist Sexismus vom Feinsten", wird angeprangert.

"Ich bin Lehrerin und werde das Fach nie unterrichten", äussert sich eine Pädagogin. Während die Juso-Äusserung derbe Kritik einstecken muss, wünschen sich viele statt des Feminismus- ein Humanismus-Fach. Einige gehen sogar noch weiter: "Wie kann das der Gleichstellung dienen. Krieg ich ein Schulfach Maskulinismus?", fragt sich ein User.




2. Die SPD habe sich in eine Falle manövriert, was die Nachfolge von Andrea Nahles angehe, befindet der "Focus" in einem aktuellen Artikel:

Weil Doppelspitzen als modern gelten und eine Führung ohne weibliches Mitglied angeblich nicht zeitgemäß ist, hat die SPD die Weichen für ein Duo an der Parteispitze gestellt. Theoretisch können Männer oder Frauen auch als Einzelkandidaten antreten. Aber welcher Mann will im Zeitalter der allumfassenden "Genderisierung" noch als unbelehrbarer Macho gelten.

Mit der Doppelspitze hat die SPD eines ihrer ehernen Gesetze außer Kraft gesetzt: Das Recht des Vorsitzenden, die Kanzlerkandidatur für sich zu reklamieren. (...) Künftig wird es so sein, dass zwei Vorsitzende gar nicht das Erstzugriffsrecht ausüben können; eine Kanzlerkandidatur im Doppelpack ist nicht denkbar. Woraus wiederum folgt, dass die neuen SPD-Vorsitzenden bei der Frage der Kanzlerkandidatur zwar ein entscheidendes Wort mitsprechen, diese Position aber nicht für sich reklamieren können.

(...) Die SPD steckt also in einer Doppel-Falle: Doppelspitze und Frauenquote. Das Ergebnis ist ein Bewerberfeld aus Genossinnen und Genossen aus der zweiten und dritten Reihe.




3. Der Donaukurier berichtet über einen mittelständischen Unternehmer, der 1250 Euro Strafe zahlen musste, weil er Geschlechterbezeichnungen in einer Stellenausschreibung nicht sauber genug aufgeführt hat. Ein Auszug:

Im Oktober erhielt die Firma ein Schreiben des abgelehnten Bewerbers, in dem er eine Entschädigung in Höhe von 1000 Euro forderte. Grund: Der Psychologiestudent gab an, sich wegen seines Geschlechts diskriminiert zu fühlen. In der Stellenausschreibung wurde nämlich lediglich die weibliche Berufsbezeichnung "Hostess" verwendet, nicht aber die männliche Form "Host". Der Student berief sich dabei auf § 15 Abs. 2 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. (...) Beim Gerichtstag in Cham beschuldigte der Psychologiestudent die Herrmann AG, aufgrund der Stellenausschreibung gezielt nach einer weiblichen Person für diesen Job gesucht zu haben. Er habe aufgrund seines Geschlechts keine Chance auf eine Anstellung gehabt, was einer Diskriminierung gleichkomme.




4. Der Blog Sciencefiles spricht ein Therma an, das bisher noch keine starke Aufmerksamkeit von Männerrechtlern hatte: die hohe Rate von männlichen Kindern in der Heimerziehung.



5. Ist es sexistisch, wenn ein Mann einer Frau im Zug oder im Flugzeug beim Verstauen ihres schweren Gepäcks helfen möchte? Diese Frage führte zu einer lebhaften Online-Debatte.



6. Das Magazin Ms., eine Art amerikanische "Emma", nutzt die beiden jüngsten Massaker in den USA zur Stimmungsmache gegen die Männerrechtsbewegung.

Montag, August 05, 2019

"Haben Männerproblem": Wie das Verbrechen von Frankfurt politisch ausgeschlachtet wird – News vom 5. August 2019

1. Auf der Schweizer Nachrichtenseite Nau.ch beschäftigt sich Nadine Brügger mit der Instrumentalisierung des Verbrechens von Frankfurt, bei dem ein Junge ums Leben kam, nachdem ein psychisch kranker Einwanderer drei Menschen vor einen einfahrenden Zug gestoßen hatte:

Bald wird nicht mehr die Nationalität beanstandet, sondern das Geschlecht. SP-Nationalratskandidatin Anna Rosenwasser schreibt auf Facebook: "Unser Problem sind keine Ausländer. Unser Problem ist männliche Gewalt."

Und weiter: "An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass bei schweren Gewaltdelikten 93.4 Prozent der Beschuldigten Männer sind (Stand 2017, polizeiliche Kriminalstatistik)." Auch die ehemalige Grüne-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin verwies auf Twitter auf die gleichen Zahlen. Nun also liegt der Fokus auf dem Geschlecht.

(...) Sieglinde Kliemen, Leiterin des Männer-Hauses "ZwüscheHalt" in Bern, sieht das anders. "Wem dient ein solcher Fokus", fragt sie. "Dem Opfer? Der Suche nach einer nachhaltigen Lösung? Oder wird da einfach ein trauriges Thema politisch ausgeschlachtet?"

Für sie ist es egal, ob die Person, welche die Tat beging, ein Mann oder ein Ausländer war. "Fest steht, dass ein psychisch kranker Mensch etwas unglaublich Schlimmes getan hat."

Zu Pauschalisieren bringe niemandem etwas. Ganz im Gegenteil. "Solange wir stets automatisch von Männern als Täter und Frauen als Opfer ausgehen, werden wir keine gleichberechtigte Gesellschaft haben."

Zu den zitierten Statistiken sagt Kliemen: "Meiner Meinung nach stimmen die Zahlen nicht." Da sei einerseits die hohe Dunkelziffer. "Und die Hellziffer ist geprägt von den Lösungen und Sensibilisierungen aufgrund des Vorurteils Mann gleich Täter. Und Frau gleich Opfer. Auch die Statisitken werden mit dieser Brille geführt. Also sind sie per se falsch."

Man müsse darum umso besser hinschauen. "Wenn wir schauen, wie viele Männer Täter sind, müssen wir auch schauen, wie viele Männer Opfern von Gewalt werden. Auch da machen sie die Mehrheit aus."

Kliemen fordert darum, bei Gewaltdelikten grundsätzlich Opfer zu sehen, die Hilfe brauchen. Und nicht das Geschlecht oder die Nationalität. "Wir müssen aus diesem trennenden und kämpferischen Denken raus", so Kliemen.

"In der Konsequenz müsste man meiner Meinung nach darum statt Frauen- auch Opferhäuser einrichten. Damit alle, die Schutz bedürfen, diesen auch bekommen. Und wir endlich aufhören können, in Schubladen zu denken."


Das fordern wir Maskulisten seit 20 Jahren. Die Reaktionen bestehen oft genug nur aus neuen Anfeindungen, aus neuem Hass.



2. In der in Sydney herausgegebenen Tageszeitung The Australian blickt die Politikwissenschaftlerin Dr Jennifer Oriel auf die MeToo-Bewegung zurück und gelangt zu folgendem Fazit:

Nur ein Jahr nach Beginn der #MeToo-Bewegung war sie durch parteipolitische Gefechte, Gruppenzwang und Gruppendenken beschädigt worden. Die Verfolgung von Männern, die der Mob ohne Prozess für schuldig erklärt hat, zeigt, wie "social justice" den Weg echter Gerechtigkeit verkehrt. Als die Männer jedoch begannen, sich gegen ihre Ankläger zu wehren, sahen die angeblichen Opfer immer mehr wie Rebellen ohne triftigen Grund aus.

(...) Die Bewegung #MeToo bewies zweifellos die Macht der sozialen Medien im Informationszeitalter. Sie hat bei unschuldigen Männern Tränen fließen lassen und ihren guten Ruf vor dem Gericht der öffentlichen Meinung zerstört. Niemals hat eine Bewegung für Frauen so sehr den Hexenjagden geähnelt, die sich von Massenhysterie und Hörensagen ernährten, um Unschuldige zu verurteilen.


Das heften wir dann mal ab in dem dicken Ordner "Einschätzungen, die man in deutschen Leitmedien niemals lesen wird".



3. Christian Schmidt bespricht ein Buch mit Tipps, wie man sich vor Falschbeschuldigungen sexueller Gewalt schützt.

Sonntag, August 04, 2019

Grüne wollen Genderforschung weiter fördern – News vom 4. August 2019

1. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, fordern die Grünen die Bundesregierung auf, die Förderung der Gender- und Geschlechterforschung weiter zu stärken. Im Jahr 2018 hatte sich diese Förderung auf 19,5 Millionen Euro belaufen, was die Regierungskoalition befürworte, weil die Genderstudien "wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursachen und Mechanismen [lieferten], die die Gleichstellung behindern". Die Grünen fordern nun, diese Unterstützung auszubauen, zumal die Genderstudien von "Feinden der Wissenschaftsfreiheit" zunehmend scharf kritisiert würden.

Vor einigen Wochen waren die Grünen stark wegen ihrer Forderung nach einer Stärkung der Homöopathie kritisiert und belächelt worden. Eine ähnlich breitflächige Reaktion gibt es auf ihre Forderung nach einer Stärkung der Genderstudien noch nicht.



2.
Die Reaktionen auf das bedrückende, überfordernde Verbrechen im Frankfurter Hauptbahnhof zeigen unter anderem: Gerade in Milieus, die sich diffus als aufgeklärt verstehen, verschafft es vielen Akteuren Erleichterung, belastendes, antisoziales Verhalten pauschal auf "Männlichkeit" zu projizieren.


Hier geht es weiter mit dem aktuellen Beitrag von Lucas Schoppe, der erklärt, wie eine vom Bundesfrauenministerium geförderte Organisation, die sich zynischerweise "No Hate Speech" nennt, dieses Verbrechen für eigene Zwecke instrumentalisiert.



3. Die Post. Mein Leser Kevin Fuchs schreibt mir heute zu diesem Artikel, dem zufolge der Geschäftsführer von Gilette erklärt, den milliardenschweren Verlust infolge eines vielfach kritisierten männerfeindlichen Reklamespots für MeToo gerne zahlen zu wollen:

Hallo Arne,

die Typen von Procter & Gamble sind erfrischend ehrlich. Aus dem verlinkten Artikel:

"Coombe admitted the #MeToo ad the company put out in January was a ploy to capture market share among millennials, a space in which they were losing market share to Harry's and Dollar Shave Club.

"It was pretty stark: we were losing share, we were losing awareness and penetration, and something had to be done,"

Auf Deutsch:

"Combee gab zu, dass der MeToo-Spot eine Masche war, um Marktanteile bei den Millenials abzugreifen - ein Segment, bei dem [Procter & Gamble] Marktanteile an Harry's und Dollar Shave Club verlor"

"Es war ziemlich heftig: wir verloren Anteile, wir verloren Aufmerksamkeit und Wirkung und es musste etwas getan werden"

Also: Blablabla - es ging um Marktanteile und Kohle, nicht um MeToo-Ideale. Man hat halt gemeint, dass Männerbashing bei Millenials hipp ist. Mag sein, dass das bei Journalisten und jungen Frauen der Fall ist. Aber: erstere sind eine Minderheit und zweitere kaufen keine Männerrasierer. Von Marketing-Experten hätte ich mehr erwartet.

Samstag, August 03, 2019

Übergriffig: Lena Dunham belästigt Brad Pitt – News vom 3. August 2019

1. Die bekannte US-amerikanische Feministin Lena Dunham versuchte bei der Premiere von Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood" Brad Pitt zu küssen. Aufnahmen davon erwecken beim Betrachter den Eindruck, dass Pitt zu diesem Kuss nicht wirklich gewillt war; er drehte sich zur Seite, so dass es Dunham misslang, ihre Lippen auf seine zu pressen. Daraus ist in den sozialen Medien eine Debatte entstanden, ob das Gebot der Einvernehmlichkeit nicht auch gelten sollte, wenn sich eine Frau an einen Kerl heran macht. Viele warfen Dunham einen sexuellen Übergriff und der Sexismusdebatte ein Messen mit zweierlei Maß vor. "Lena Dunham ist eine Heuchlerin" lautet ein typischer Kommentar. "Wenn ein männlicher Schauspieler dasselbe bei ihr gemacht hätte (was ich sehr bezweifle), würde sie ihn metooen bis zur Bewusstlosigkeit."

Auffällig ist, dass infolge dieser Online-Debatte auch hierzulande wesentlich mehr Artikel, als es noch vor ein paar Jahren der Fall gewesen wäre, sehr kritisch über Dunhams "Kussattacke" berichten. Nur zwei Beispiele: "Wir lieben Lena Dunham, dass sie Brad Pitt auf dem roten Teppich aber einfach ungefragt küsste, ist problematisch" befindet die Zeitschrift "Woman", und das Magazin "Glamour" titelt: "Lena Dunham belästigt Brad Pitt. Dieser Kuss geht gar nicht!" In dem "Glamour"-Artikel heißt es:

Natürlich ist das umgekehrter Sexismus! Wenn Leonardo DiCaprio Lena Dunham oder Margot Robbie niedergeknutscht hätte, würden wir nämlich genau das gleiche sagen: Das geht nicht. Das ist übergriffig. (...) Es ist verwunderlich, dass gerade Lena Dunham ("Girls") diesen ganz einfachen Grundsatz vergessen hat. Sie selbst ernannte sich zu einem Sprachrohr der Feminismus-/Gleichberechtigungsdebatte und des #metoo-Movements – auch wenn man ihr das inzwischen leider kaum mehr ernsthaft abnehmen kann.

(...) Klar, der 55-jährige Schauspieler hätte sie einfach zur Seite schubsen können. Dann würde ich heute eine andere Geschichte schreiben: Eine darüber, wie ein bekannter Schauspieler sich gegenüber seiner Kollegin richtig daneben benommen hat. Eine darüber, wie #metoo immer noch nicht in den Köpfen der privilegierten weißen Männer angekommen ist und was für ein mieser Kerl der Ex-Mann von Angelina Jolie und Jennifer Aniston doch wirklich zu sein scheint.


Gut, der "Glamour"-Artikel ist zum Ausgleich mit demonstratv viel feministischer Rhetorik aufgeladen, und es wird natürlich nicht darauf hingewiesen, dass die veränderte öffentliche Wahrnehmung solcher Übergriffe wesentlich Männerrechtlern zu verdanken ist, die in den sozialen Medien immer wieder die herrschende Doppelmoral angeprangert haben. Trotzdem: Noch vor wenigen Jahren konnte man diese Argumentation nur in unseren Foren und Blogs lesen, während sich die "normalen Menschen" über "diese Spinner" kaputt lachten, die ernsthaft meinten, Männer würden denselben Schutz verdienen wie Frauen. Wir bewegen uns Stück vor Stück nach vorne zu einer vernünftigen und fairen Debatte.



2. Der Geschäftsführer von Gillette versucht das milliardenschwere Fiasko, das der Firma durch ihre männerfeindliche Reklame entstanden ist, zum moralischen Sieg umzudeuten: Die acht Milliarden Verlust seien ein Preis, den man für MeToo gerne bereit sei zu zahlen. Darüber hinaus beharrt der Gillette-Chef darauf, dass die Reklame nur eine kleine Minderheit an Kunden verletzt habe. Trotz dieses Großspurigkeit gehe ich davon aus, dass Firmen es sich in Zukunft zweimal überlegen werden, ob Männer wirklich immer noch eine Gruppe darstellen, die sich in Werbespots gefahrlos verunglimpfen lässt. Kaum ein Unternehmen hat Milliarden zum Verjuxen übrig, nur um sich damit bei einer bestimmten politischen Gruppe einzuschmeicheln.



3. Die Post. Genderama scheint bei vielen von euch die Wahrnehmung für unterschwelligen Sexismus in Nachrichtenmeldungen geschärft zu haben. Immer wieder schreiben mir neue Leser, die ich bislang nicht kannte, Mails mit bemerkenswerten Beobachtungen dazu. Heute zum Beispiel schreibt mir einer von euch:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

ein kleiner Hinweis meinerseits zu einer Meldung auf tagesschau.de. Sie demonstriert den Sexismus unserer Tage.

Die wichtigsten Zitate:

"Mehr als 3800 Zivilisten sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Afghanistan getötet oder verletzt worden, heißt es im Bericht der Vereinten Nationen."

sowie

"Frauen und Kinder seien die Hauptleidtragenden des Konfliktes in Afghanistan, heißt es in dem Bericht der UNAMA weiter."

und

"Während seit Anfang des Jahres 430 Frauen infolge von Kampfhandlungen oder Anschlägen getötet oder verletzt wurden, dokumentierte die UN-Mission in Afghanistan mehr als 1200 Fälle, in denen Kinder die Opfer waren - davon wurden fast 330 getötet und 880 verletzt."

Wenn man diese Zahlenangaben miteinander verbindet, bedeutet das wohl, dass die über 2100 getöteten und verletzten Männer nicht so wirklich zählen, obwohl sie mehr sind als Frauen und Kinder zusammengenommen.

Viele Grüße, und machen Sie weiter mit Ihrer wichtigen Arbeit!

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