Freitag, Mai 07, 2021

"Dieser Mann wurde ein Jahr von seiner Frau gefoltert" – News vom 7. Mai 2021

1. Toxische Weiblichkeit bleibt ein Problem:

Über ein Jahr schwieg er, weil sie seine große Liebe war.

Ein Mann (35) aus Tyresö (Schweden) wurde monatelang von seiner eigenen Ehefrau geschlagen, misshandelt, gedemütigt. Jetzt verurteile das Amtsgericht Stockholm die Frau wegen Körperverletzung zu einem Jahr und vier Monaten Haft. Außerdem muss sie 5500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

In der Zeitung "Expressen" schildert der Gepeinigte anonym, was ihm passiert ist. Er sagt: "Mein Körper war ein lebender Sandsack."


Hier geht es weiter. Ein konkreter Fall und begleitende Fotos ist womöglich anschaulicher als noch so viele Statistiken über die hohe Zahl männlicher Opfer.

Etwa zur selben Zeit twittert der Lehrer, Schulleiter, Publizist und seinem Blog zufolge Vater dreier Töchter Jan-Martin Klinge, er frage sich, ob bei Männern "vielleicht generell etwas falsch verdrahtet" sei, weshalb man die Frauenquote auf 95 Prozent anheben und Männer nur noch in homöopathischen Dosen zulassen sollte.

Es erschreckt mich schon, dass ein biologistischer Hass auf männliche Personen inzwischen sogar derart tief in unser Erziehungswesen vorgedrungen ist. Nachdem ich diesen Tweet beanstandete, wurde ich allerdings schnell von Jan-Martin Klinge blockiert. Offenbar war die Kritik an Klinges Statement aber insgesamt so heftig, dass er seine Tweets jetzt grundsätzlich nur noch für seine Follower sichtbar gemacht hat. Diskursfähigkeit sieht anders aus.

Ich bleibe natürlich trotzdem dabei: Gewalt ist weder männlich noch weiblich, sondern – leider Gottes – menschlich.



2. Endlich scheint sich die erhoffte Wende im Fall Johnny Depp anzubahnen: Die Polizei ermittelt jetzt gegen seine Ex-Frau Amber Heard. Neue Beweise belasten Heard schwer:

Die Bodycams der Beamten, die damals zum Tatort gerufen wurden, wurden nun ausgewertet. Auf ihnen zu sehen: Eine Küche in einwandfreiem Zustand und auch Amber wirkt unverletzt. Die Polizisten, Spezialisten für Opfer häuslicher Gewalt, sagten aus, dass weder Amber Verletzungsspuren aufwies, noch die Wohnung verwüstet oder zertrümmert war.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Amber Heard verhärten, drohen ihr bis zu vier Jahre Gefängnis wegen Meineids, also gefälschter Beweise.

Johnny Depp erklärte (...) über seinen Anwalt Adam Waldmann: "Mister Depp wartet geduldig auf seine Rehabilitierung und das Ende dieses Albtraums."




3. In einem brillanten Artikel, der ein Grundlagentext in einem maskulistischen Lesebuch sein könnte und der die komplette Seite 2 der "Welt" von gestern einnimmt, fragt Marcel Peithmann, dessen Newsletter ich kürzlich hier empfohlen hatte: "Was ist eigentlich aus der Unschuldsvermutung geworden?" Der Artikel beginnt so:

Kürzlich sah sich der deutsche Comedian Luke Mockridge mit der öffentlichen Behauptung seitens einer Ex-Partnerin konfrontiert, er habe sich während der Beziehung ihr gegenüber körperlich übergriffig verhalten. Erwartbar wäre als Reaktion die Anregung gewesen, den Vorwürfen nachzugehen, auch wenn der gegenüber dem Sender Sat.1 geäußerte Wunsch, dieser möge mögliche Straftaten aufklären, eine völlige Unkenntnis des Rechtssystems belegt. In den sozialen Medien wurden allerdings Stimmen laut, sein Arbeitgeber solle ihn umgehend entlassen. Mit #KonsequenzenfuerLuke entstand ein eigenes Hashtag, mit dem der Sender massiv unter Druck gesetzt wurde. Das Online-Scherbengericht hatte sein Urteil gefällt.

Der Sender reagierte mit einer Stellungnahme, in der es hieß, es gebe „aus guten Gründen“ kein Verfahren gegen den Künstler und man hielte es für eine moderne Form der Lynchjustiz, jemanden aufgrund von Gerüchten an den Pranger zu stellen. Das sei nicht mit dem eigenen Rechtsverständnis vereinbar. Diese Worte überraschten in ihrer Deutlichkeit. Im aktuellen Klima reichen oftmals bloße Behauptungen, damit eine Institution einknickt. Auch die "Spiegel"-Kolumnistin Margarete Stokowski beschäftigte sich in einem Beitrag unter anderem mit diesem Fall: "Wer erklärt, dass eine Frau, die von Übergriffen spricht, lügt und das Ansehen dieser Person zerstören will, wirft der Frau mindestens üble Nachrede vor – und das wäre dann auch eine Straftat, die diese Frau begehen würde." Dieser Satz basiert nicht nur vollständig auf Unterstellungen, sondern diskreditiert auch die Unschuldsvermutung, indem er sie nach eigenem Gusto verdreht.

Gegen diese Kritik versuchte sich Stokowski mit der Aussage zu immunisieren, die Unschuldsvermutung sei ausschließlich ein "rechtliches Prinzip". Damit möchte sie wohl behaupten, diese gelte nur vor Gericht. Das ist nachweislich unzutreffend. Aus dem Pressekodex, den man als Journalistin eigentlich kennen sollte, geht hervor, dass der Grundsatz der Unschuldsvermutung auch für die Presse verpflichtend ist. Man kann durchaus die Meinung vertreten, dass sie zusätzlich auch ein moralisches Prinzip sein sollte.

Ein Abschnitt lädt besonders zu Kommentierung ein: „Dass sexualisierte Gewalt selten nachgewiesen werden kann, ist ein Problem. Aber die Hauptgefahr ist hierbei nicht, dass haufenweise unschuldige Männer im Knast landen. Die Hauptgefahr ist, dass das öffentliche Misstrauen gegen mutmaßliche Opfer und diejenigen, die den Schilderungen glauben, dazu führt, dass Menschen, die Gewalt erfahren haben, es nicht wagen, darüber zu sprechen, weil sie ahnen, welche Macht ihnen dann entgegenschlagen würde.“ In negativer Hinsicht bemerkenswert, wie grotesk hier die Idee der Unschuldsvermutung verzerrt wird.


In den folgenden Absätzen erläutert Peithmann, dass die bloße in einem Rechtsstast bestehende Notwendigkeit, Anschuldigungen auch zu belegen, keieswegs ein Zeichen dafür sei, dass unser Gesellschaft Frauen nicht glaube. Man verstärke seine Glaubwürdigkeit als angebliches Opfer allerdings nicht, wenn man seine Vorwürfe statt bei der Polizei in den sozialen Medien einbringe.

Dass Stokowski unschuldig Kompromittierte zu Kollateralschäden erklärt, spricht zudem Bände darüber, welche Stufe der Verrohung der Diskurs inzwischen erreicht hat.


Vor diesem Hintergrund entwickelt Peithmann eine gründlichere Analyse der Unschuldsvermutung und ihres Werts in einer ziviliserten Gesellschaft. Diese Erörterung geht ideengeschichtlich bis ins 13. Jahrhundert zurück, lässt aich aber auf den einfachen Nenner bringen: Wer jemand anderen auf der Grundlage bestimmter Vorwürfe benachteiligen möchte, muss diese Vorwürfe eben auch belegen können. Dieses Rechtsprinzip ist, wie Peithmann zeigt, inzwischen auch in einer Reihe internationaler Verträge kodifiziert. Dem unbenommen wird diese zentrale Maxime unseres Rechts insbesondere von den Medien immer wieder gebrochen, und es kommt zu einer vorverurteilenden Berichterstattung bei Prominenten wie Jörg Kachelmann, Michael Jackson und Woody Allen (sämtlich Männer, wie dem aufmerksamen Leser auffallen dürfte).

2020 versuchten Autoren des Rowohlt Verlags mit einem offenen Brief, die dortige Veröffentlichung der Memoiren Allens zu verhindern. Eine Mitunterzeichnerin des Briefs: Margarete Stokowski.


Während sich die Mehrheit der Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe nach sorgfältiger Prüfung durch Staatsanwaltschaft und Gericht als zutreffend erweise, argumentiert Peithmann, rechtfetige allein "die statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, allerdings nicht die Zerstörung von Existenzen ohne rechtsstaatliches Verfahren." Auf dieser Grundlage, die eigentlich eine Binsenweisheit darstellen sollte, entwickelt Peithmann deutlich weitergehende Gedanken:

Rechtsstaatliche Standards werden von vielen allerdings nur akzeptiert, solange sie nicht mit den eigenen Ansichten kollidieren. Diese Ansichten enthalten häufig die auf einem Irrtum basierende Erzählung, dass Angehörige bestimmter Gruppen pauschal Opfer und Angehörige anderer Gruppen pauschal Täter seien. Dabei ist unerheblich, ob es sich um Geschlechterfragen, Rassismus oder andere Themen handelt: Einem friedlichen Miteinander ist dieses Narrativ nicht zuträglich.

Die Unschuldsvermutung sollte deshalb nicht nur als zentrales Element des Rechtsstaats, sondern als wichtiger Teil der Verbesserung des Umgangs miteinander auch in allen anderen Lebensbereichen gelten. Es verwundert, dass in einer Zeit, in der sich parteiübergreifend auch in politischen Programmen immer häufiger Forderungen nach "Achtsamkeit" und "Respekt" finden, dieses so wichtige Werkzeug zur Erfüllung des Wunsches nach einem konstruktiv-bejahenden Miteinander gering geschätzt wird.


Dies habe insbesondere im Zeitalter der sozialen Medien zu gelten, durch die unbelegte behauptngen nicht nur in Windeseile tausendfach vervielfältigt und verbreitet werden, sondern deren Aufmerksamkeisökonomie den Wert der Unschuldsvermutung immer weiter erodieren lässt. Umso eher müsse sie verteidigt werden, um den sozialen Frieden zu sichern.

Das ist natürlich genau das, was auch wir Maskulisten immer wieder tun. Ebenso bezeichnend wie bedauerlich ist, dass wir daraufhin selbst immer wieder Opfer des von Peithmann skizzierten Mechanismus der verschiedensten Unterstellungen und des leichtsinnigen Glaubens werden, dass diese Unterstellungen schon irgendwie zutreffen werden.



4. Dem eben erwähnten Newsletter Peithmanns habe ich aktuell einen Hinweis auf einen gelungenen Artikel zu verdanken, den Barbara Zehnpfennig, Professorin für Politische Ideengeschichte an der Universität Passau, in der Frankfurter Allgemeinen veröffentlicht hat. Zehnpfennig befindet, die wachsende Zahl an Ausladungen und Sprechverboten an den Hochschulen ("Cancel Culture") treffe die Wissenschaft im Kern. Was Zehnpfennig hierzu ausführt, erklärt auch, warum die maskulistische Perspektive in Disziplinen wie den Genderstudien, die sich derzeit noch eher auf dem Rang einer ideologiegetriebenen, einseitigen Pseudowissenschaft befinden, kontinuierlich ausgeblendet bleibt:

Wenn heute eine nicht unbeträchtliche Zahl von Wissenschaftlern der Ansicht ist, in einem Klima zu leben, das die Freiheit der Wissenschaft bedroht, wird ihnen oft entgegengehalten: Von wem soll denn eine solche Bedrohung ausgehen? Man kann bei uns doch alles sagen! Es wird ihnen unterstellt, dass sie sich weinerlich nach den guten alten Zeiten sehnten, die es so nie gegeben habe, dass sie keine Kritik an ihrer Forschung ertrügen und sich als alte weiße Männer an ihren Privilegien festkrallten, die sie durch die neuen Zeiten in Gefahr sähen.

Schon der letzte Vorwurf, der im Übrigen die alten weißen Frauen durch Nichtbeachtung diskriminiert, zeigt aber, dass es in diesem Meinungskampf um Ideologie geht. Was hat Wissenschaft mit dem Geschlecht und Alter ihrer Akteure zu tun? Früher hätte man den Spruch über die "alten weißen Männer" schlicht als dumm abgetan. Heute ist er geradezu in den Rang eines Arguments erhoben, obwohl er genau den Rassismus transportiert, den er zu bekämpfen vorgibt. Aber auch die anderen Unterstellungen sind dazu angetan, von der Sache abzulenken. Denn sie beruhen auf der Spekulation über Motive, statt sich mit dem behaupteten Sachverhalt auseinanderzusetzen.


Genau das erleben ich und andere Männerrechtler immer wieder, wenn wir bei unserer Recherche die aus feministischer Sicht "falschen" Dinge herausfinden. Auf die von uns ermittelten Fakten wird dann gar nicht mehr eingegangen – stattdessen werden uns Beweggründe wie "Frauenfeindlichkeit" und "radikal rechtes Denken" unterstellt. An Universitäten gelangen wir mit diesem "falschen" Denken natürlich nicht, wozu Zehnpfennig weiter ausführt:

Das Problem ist, dass der Andersdenkende oft gar nicht mehr die Gelegenheit erhält, seine Position zu begründen. Er hat gegen einen ungeschriebenen Kodex verstoßen, und das macht ihn satisfaktionsunfähig. Wer den Rassismus nicht für eine europäische Erfindung hält, wer im Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung der Frau sieht, wer darauf besteht, dass Geschlecht nicht einfach nur ein gesellschaftliches Konstrukt ist, hat sich in weiten Teilen der akademischen Welt schon so unmöglich gemacht, dass man gar nichts weiter von ihm hören will. Es ist also nicht so, dass man sich bei solchen Positionen auf ein Bombardement von Gegenargumenten einstellen müsste. Der Angriff zielt vielmehr auf die Person.

Da der Antirassismus, der Antieurozentrismus, die Gendertheorie und der Multikulturalismus die Seite des moralisch Guten okkupiert haben, ist der Kritiker dieser Strömungen fraglos der moralisch anrüchigen zuzuordnen. Die Verlagerung der Auseinandersetzung von der Sachebene auf die Ebene des Moralischen erlaubt den Ideologen eine erfrischende Freiheit im Umgang mit den Fakten: Was bedeutet schon die naturwissenschaftliche Forschung zu den Geschlechtern, wenn man solch schöne sozialwissenschaftliche Theorien über die gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts hat? Wen interessieren die historischen Tatsachen zum Thema Sklaverei, wenn man doch weiß, dass hier alle Schuld beim weißen Mann zu suchen ist?

Doch abgesehen davon, dass sich diese angeblichen Einzelfälle häufen, darf nicht übersehen werden, was der für alle spürbare Sanktionsmechanismus der moralischen Ächtung subkutan für Verwüstungen anrichtet. Sichtbar ist nur, wer bereits dem Verdikt verfallen ist. Unsichtbar aber bleiben die vielen, die aus Angst vor einer Ächtung, gegen die man sich eben nicht wehren kann, nicht so reden, wie sie denken, und nicht so forschen, wie sie gerne forschen würden.

Das bedeutet die Ausbreitung des Duckmäusertums und der Heuchelei in die Wissenschaft. Man macht seinen Kotau vor Diversität, Gender und europäischer Universalschuld und versucht, dahinter verborgen doch noch etwas von dem zu retten, was einem eigentlich wichtig ist. Oder man ergibt sich völlig dem Druck und liefert das Geforderte. In beiden Fällen verstärkt man die schon vorhandene Tendenz. Natürlich kann man den Betreffenden vorwerfen, dass sie auf diese Weise an dem Netz mitknüpfen, das sie einschnürt. Aber Heldentum ist eben dünn gesät – und an der Universität, so der Eindruck, den man manchmal haben kann, vielleicht noch dünner als an anderen Orten.

Wenn sich in der Wissenschaft die Haltung breitmacht, die Wahrheit bereits gefunden zu haben, und die Forschung nur noch dem Zweck dient, sie zu verifizieren, trifft das die Wissenschaft im Kern. Wissenschaft ist fortwährende, möglichst vorurteilsfreie, auf jeden Fall aber existenziell auf die sachliche Auseinandersetzung angewiesene Erkenntnis- und Wahrheitssuche. In ihr kann es nur um die Sache gehen, nicht um die Personen, nicht um moralische Qualifizierungen, nicht um politische Zielsetzungen. Wenn das aus dem Blick gerät, ist in der Tat viel verloren.




5. Der NDR forderte gestern in Schlagzeile und URL eines Beitrags ein "Genaues Auge bei Vorurteilen gegen alte weiße Männer" (https://www.ndr.de/kultur/sendungen/nachgedacht/Genaues-Auge-bei-Vorurteilen-gegen-alte-weisse-Maenner,kuehn470.html), hat dann aber offenbar Angst vor seiner eigenen Courage bekommen (Männer UND Weiße gleich in der Überschrift zu verteidigen geht bei den Öffentlich-Rechtlichen nun wirklich nicht) und die Überschrift zu "Alters-Bashing: An der Brust des Vorurteils" geändert.

In dem Beitrag selbst erklärt Ulrich Kühn, er wolle sich selbstverständlich keineswegs zu einem "Statement für eine Bevölkerungsgruppe" erdreisten, "die nun wirklich nicht schwer zu klagen hat", sondern nur generell vorsichtig hinterfragen, ob denn die Einteilung von Menschen nach Geschlecht und Hautfarbe sinnvoll ist. So nennt dann Kühn analog zum "guten Ausländer", den viele radikal Rechte gerne anführen, auch drei "gute" weiße Männer mit Joe Biden, Jürgen Habermas und Gerhard Polt. Implizites Fazit: Wenn sich weiße Männer an diesen Exemplaren orientieren würden, die offenbar der politischen Ausrichtung Ulrich Kühns entsprechen, dann müssten sie sich auch weniger rassistische und sexistische Anfeindungen gefallen lassen.



Montag, September 16, 2024

Maskulistischer Artikel in der ZEIT: "Jungen in Kita, Schule und Universität benachteiligt – und keinen interessiert es"

1. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Arne,

gerade bin ich über einen Artikel in der ZEIT gestolpert, der vom Duktus her glatt von Dir sein könnte.

Es freut mich, dass das Thema in dieser Art auch einmal von einem großen Medienhaus aufgegriffen wird.


In dem angesprochenen Artikel geht es um die Situation von Jungen. So lautet der Anreißer:

Ob in Kita, Schule oder an der Universität: Jungen leisten weniger – und werden benachteiligt. Warum interessiert das niemanden?


Hier geht es weiter. (Sicherheitshalber: Hier wurde der Artikel archiviert.)

Es war übrigens "Die Zeit", die 2003 als erstes deutsches Leitmedium zur Sprache brachte, dass in unserem Erziehungswesen nicht Mädchen, sondern Jungen zu kurz kommen. Diese Berichterstattung führte zum Stichwort "Jungenkrise" und einer großen Debatte, an der auch ich mich mit meinem Buch "Rettet unsere Söhne" beteiligte, bis sie 2009 versandete und das Thema fast komplett von der Tagesordnung verschwunden war. Und das obwohl eben 2009 der Aktionsrat Bildung noch festgestellt hatte, dass die Ungleichheit zu Lasten der Jungen "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren" inzwischen klar überschreite.

So heißt es in dem aktuellen "Zeit"-Artikel klar:

Dass Arbeiterkinder bessere Leistungen als Akademikerkinder zeigen müssen, um aufs Gymnasium zu kommen, wird zu Recht als unfair kritisiert. Dass Jungen für eine Gymnasialempfehlung mehr leisten müssen als Mädchen, ist dagegen weitgehend unbekannt. Und wer weiß, dass der Abitur-Gap ähnlich groß ist wie der Gender-Pay-Gap?

In den Gleichstellungsberichten wird das Geschlechtergefälle zuungunsten der Jungen allenfalls am Rande erwähnt. Im Bundesfamilienministerium, das für die Geschlechtergerechtigkeit zuständig ist, beschäftigen sich Dutzende Personen mit Frauen, Mädchen oder queeren Personen, aber nur eine Handvoll mit Jungen- oder Männerthemen.

An den Universitäten ist die Jungenkrise ebenfalls kein Thema. "Man kann mit dem Jungenthema keine akademischen Meriten gewinnen", sagt Bettina Hannover, Bildungswissenschaftlerin an der FU Berlin und eine der wenigen der Zunft, die zu Jungen arbeiten.

Vielen Institutionen scheint ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Jungen nicht aufzufallen – dabei springt sie einen mitunter geradezu an. Etwa in der neuesten Ausgabe des Nationalen Bildungsberichts. Sechs Frauen und einen Mann zeigt das Cover dieses wichtigsten Datenreports zu Kita, Schule und Hochschule: Bildung ist weiblich.


Der "Zeit"-Artikel endet mit einem geradezu maskulistischen Plädoyer:

Im norwegischen Report heißt es, mehr Aufmerksamkeit für die Probleme von Jungen und Männern werde die Gleichstellungspolitik stärken und nicht schwächen. Anders gesagt: Geschlechtergerechtigkeit kennt nicht nur ein Geschlecht.


Die Distanz zwischen Norwegen und Deutschland ist offenbar größer, als man glaubt.



2. "Jungen im Teenager-Alter zählen zu den häufigsten Opfern" lautet die Schlagzeile eines "Welt"-Artikels über Sextortion.



3. Für eines kann man junge Männer aber nach wie vor verwenden: Auch Serbien führt jetzt die Wehrpflicht ein. Allein für das männliche Geschlecht, versteht sich. Frauen können weiterhin freiwillig dienen.



4. Das Overton-Magazin stellt den russischen Kriegsdienstverweigerer Nikolai Goriachev vor, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zurückschicken will: "Kanonenfutter aus Deutschland für die russische Armee."

Als der Deutsche Bundestag im April 2022 nach Kriegsbeginn erstmals die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine beschloss, erging von ihm zugleich ein Appell an russische Soldaten, die Waffen niederzulegen und in Europa Asyl zu beantragen.

Mehrere Hunderttausend haben das inzwischen getan. Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) jedoch verweigert in der Mehrzahl die Anerkennung und schickt die geflohenen russischen Kriegsdienstverweigerer wieder zurück. Dort warten entweder russische Gefängnisse auf sie oder die Front in der Ukraine.

(…) Im Ablehnungsbescheid des BAMF gibt es noch eine besonders bemerkenswerte Stelle: Auch totalitäre Staaten hätten das Recht, Bürger zur Armee und zum Krieg einzuziehen, heißt es. Die deutsche Behörde verwirft also Kriegsdienstverweigerung als Asylgrund. Dahinter kann man ein staatspolitisches bzw. regierungspolitisches Interesse erkennen: Denn, wenn russischen Bürgern grundsätzlich ein Recht auf Kriegsverweigerung zuerkannt würde, dann müsste das auch für ukrainische Bürger oder für israelische Bürger und natürlich auch für Deutsche gelten. Doch ohne Kriegspflicht lässt sich im Zweifel dann kein Krieg mehr führen.




5. Das Verkehrsministerium setze oft falsche Prioritäten, beklagte die Journalistin Antje Hoening gestern im ARD-Presseclub: Zulagen an Bahnvorstände werden nicht nach der Pünktlichkeit der Züge, sondern nach der Erfüllung der Frauenquote verteilt.



Mittwoch, Februar 20, 2013

Neue Wege an Kanadas Schulen: Männer und ethnische Minderheiten bevorzugt eingestellt

Im kanadischen Erziehungswesen geht man inzwischen dazu über, Männern dieselbe Vorzugsbehandlung wie ethnischen Minderheiten zukommen zu lassen:

A Toronto District School Board memo to staff that included gender and race among qualifications that could win a candidate an interview for a teaching position has outraged some female teachers.

The memo, which was received by principals and teachers and obtained by The Globe and Mail, says that the qualities that could get a candidate an interview include being male or from a racial minority.


Hier geht es weiter.

Dienstag, März 20, 2007

P.T.-Magazin berichtet über MANNdat-Studie

Das bundesweit erscheinende P.T. Magazin berichtet über die desolate Lage von Männern in Deutschland. Ausgangspunkt ist die bekannte Diskriminierung von Jungen im Erziehungswesen:

Laut eurostat waren im April 2003 rund 43 Prozent mehr junge Männer arbeitslos als weibliche Jugendliche, Tendenz steigend. Zwölf Jahre zuvor war das Verhältnis noch fast ausgeglichen. Was ist da schief gelaufen? Gar nichts! Die eklatante Benachteiligung von Jungen in der Schule ist offenbar gewollt. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf, wenn man die beharrliche Verweigerungshaltung der politischen Entscheider zur Beseitigung der Ursachen betrachtet.


Wie Langzeitleser von Genderama wissen, untersuchte im Frühjahr 2006 die Männerrechts-Organisation MANNdat in einer gründlichen Studie „Die Berücksichtigung der Belange von Jungen durch die Bildungsministerien“.

Die Ergebnisse sind verheerend: Eine Thematisierung der jungenspezifischen Leseproblematik wurde „immerhin“ noch in zehn von 16 Länderministerien gefunden, spezifische Jungenleseprojekte aber nur in zweien. Der stetig fallende Männeranteil bei den Lehrern ist kein Thema. In nur drei Ministerien wurde die Problematik überhaupt erwähnt. Konkrete Maßnahmen gibt es aber auch dort nicht. Am deutlichsten tritt die regelrechte Jungenfeindlichkeit zutage, wenn es um deren Teilhabe am Zukunftstag geht. Von diesem wurden sie nämlich von vornherein ausgeschlossen – daher auch der Name „Girls’ Day“, der seit 2000 jährlich stattfindet.


Einige Absätze weiter unten findet sich in diesem Artikel eine Passage, die so fulminanten Klartext spricht, wie es in Deutschland ansonsten unvorstellbar ist:

Wie ist eine derart massive Diskriminierung zu erklären? Der Schlüsselbegriff heißt „Gender Mainstreaming“. Dahinter verbirgt sich die Verpflichtung der Politik, weibliche und männliche Belange gleichermaßen zu berücksichtigen. Und selbstverständlich gilt das auch für die Bildungsministerien. In der Praxis aber wird „Gender Mainstreaming“ mit „Frauenförderung“ übersetzt. Beispiele gefällig?

Das Bundesbildungsministerium listet unter dem Titel „Gender Mainstreaming“ ausschließlich Frauenprojekte auf. In Rheinland-Pfalz, wo Frauen- und Bildungsministerium unter einem Dach vereint sind, ist das Thema ausschließlich im Ressort „Frauen“ aufgeführt. In Sachsen-Anhalt und Bremen werden als geschlechtsspezifische Gleichstellungsmaßnahmen trotz der schlechteren Bildungssituation von Jungen ausschließlich Frauen und Mädchenförderprojekte genannt.

Den sprichwörtlichen Vogel aber schießt der Internet-Auftritt Schleswig-Holsteins ab. Unter der Überschrift „Das Ministerium für Bildung und Frauen und seine Aufgaben“ heißt es wörtlich: „Im Frauenministerium wird Politik gemacht für jene, die Unterstützung brauchen und für alle, die wollen, dass Frauen mehr Gestaltungsmöglichkeiten in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft erhalten. Das Ministerium unterstützt Projekte, die Frauen mit neuen Ideen in der Ausbildung, im Beruf oder im öffentlichen Leben voranbringen.

Ziel ist hierbei vor allem, die eigenständige Existenzsicherung von Frauen zu fördern. Doch auch der Schutz von Familienmitgliedern vor Gewalt gehört zu den wichtigen Aufgaben der Frauenministerin. Darüber hinaus werden hier alle Vorhaben der Landesregierung daraufhin geprüft, wie sie sich auf die Lebenswirklichkeit von Frauen auswirken.“ Wenn die zuständige Ministerin Ute Erdsiek-Rave dann noch gegenüber dpa äußert, den Schulen gelinge es „häufig nicht, Mädchen und Jungen gleichermaßen zu fördern“, klingt das wie purer Zynismus. Was glaubt Frau Ministerin denn, woran das wohl liegt?

Das Beispiel Schleswig-Holstein ist typisch für Deutschland. Es ist das Ergebnis von 30 Jahren uneingeschränkter Frauenförderung, die jedes Maß verloren hat und mittlerweile auch die systematische Diskriminierung von Männern, männlichen Jugendlichen und Kindern einschließt.

Doch wer öffentlich Kritik an den katastrophalen Folgen eines Feminismus übt, der nichts – aber auch gar nichts – mit Gleichberechtigung zu tun hat, wird als Frauenfeind verschrien und mundtot gemacht. Dabei ist es allerhöchste Zeit, den politisch Verantwortlichen klarzumachen, dass die Heranzüchtung leseunfähiger Arbeits- und Zahlsklaven männlichen Geschlechts in Deutschlands staatlichen Schulen von der Gesellschaft nicht hingenommen werden kann.


Zusammen mit dem Artikel der Märkischen Allgemeinen vom 8. März und dem Artikel der FAZ nach dem Karlsruher Urteil über Vaterschaftstests hätte dieser Beitrag schon jetzt hervorragende Chancen auf eine Genderama-Bestenliste der Top-Artikel 2007. Es wäre sehr zu wünschen, wenn auch andere Journalisten den Mut zu solchem Klartext fänden.

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Dienstag, Juni 14, 2022

Sexismus an Kitas: Männliche Erzieher kämpfen gegen Vorurteile – News vom 14. Juni 2022

1. Im Sonntagsblatt ist ein Artikel erschienen, der Männerfeindlichkeit im Erziehungswesen beleuchtet und inzwischen von der Südwest-Presse übernommen wurde. Ein Auszug:

Männliche Erzieher sind manchen verdächtig. Missbrauchsskandale wie der in Würzburg vor rund zwei Jahren, bei dem ein Logopäde Kinder sexuell missbraucht hat, bestärken Vorurteile und Sorgen. (…) Der angehende Erzieher Alexander Brenken (Name geändert) stößt neben vielen positiven Erfahrungen und Bestärkungen immer wieder auf Vorurteile von Eltern. "Als männlicher Erzieher wird man sehr genau beäugt, von den anderen Erzieherinnen genauso wie von den Eltern der Kinder." Eine Mutter habe einmal sehr deutlich ihren Wunsch geäußert, dass kein Mann ihre Tochter wickeln dürfe.

Alexander hat oft den Eindruck, er werde als Fremdkörper in einer weiblichen Domäne wahrgenommen. (…) In der Kita, in der er seine Ausbildung absolviert, herrsche eine unterschwellige Form von "humorvollem Sexismus" gegen Männer. "Da steht dann so etwas wie 'Männer haben Probleme für jede Lösung!' auf einem Schild. Was vielleicht lustig gemeint sein soll, aber trotzdem eine bestimmte Gesinnung durchsickern lässt", findet Brenken. Er glaubt, eine stärkere Mischung der Geschlechter in den Kitas würde helfen, Vorurteile gegen Männer abzubauen.




2. "Ein Mann fürs gute Leben, das ist vorbei" heißt es in der Neuen Zürcher Zeitung

Man erhält oft den Eindruck, dass Frauen unfreiwillig beruflich zurückstecken, sobald Kinder kommen. So hat der Kanton Zürich diese Woche eine Studie zur Gleichstellung veröffentlicht, die besagt, dass Frauen immer noch mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Frauen kochen, putzen, waschen und verdienen nichts dabei. Die Studie wertet zwar nicht, aber man hört das Unrecht heraus. Was dabei unterschlagen wird: Viele Männer hätten es gerne anders, ihre Frauen aber nicht unbedingt.

(…) Die Emanzipation der Frau hat auch die Männer emanzipiert, so dass sie ihren Frauen manchmal sogar voraus sind. Die meisten Männer, die ich kenne, in der Stadt und auf dem Land, ob Arzt oder Abwart, finden es gut, wenn ihre Frau ausser Haus arbeitet. Es ist nicht mehr 1970, als die Männer ihre Frauen ans Haus binden wollten, weil sie, die Männer, unter Verlustangst litten. Sie fürchteten, dass die Frau sich bei der Arbeit in andere Männer verliebt. So kontrollierten sie das Begehren der Frau.

Die Abhängigkeit der Frauen von ihnen hat für Männer an Reiz verloren. Sie wollen die Frau an ihrer Seite nicht aushalten. So sagen es auch junge Männer, bevor sie eine Familie gründen. Ein Sugarbabe zu haben, mag noch für reiche, ältere Männer erregend sein: die verschwenderische junge Frau, die mit seiner Kreditkarte Dessous einkauft und ihn abends zu Hause darin erwartet, als Phantasie.




3. Ulrike Scharf, die Vorsitzende der Frauen-Union in der CDU/CSU hat ein Interview zu ihrer Forderung nach einer parteiinternen Frauenquote gegeben. Holm Putzke (CSU) kommentiert.



4. In Australien wurde eine neue Methode zur Erkennung von Männern mit Depressions- und Selbstmordrisiko vorgestellt:

Das von der Universität Adelaide entwickelte Instrument kann Berichten zufolge Männer mit einem "bis zu 30-fachen" Risiko für Selbstmordgedanken erkennen.

Dank eines neuen, von australischen Forschern entwickelten Screening-Tools könnte bald eine ganze Untergruppe von Männern mit Depressionen behandelt werden, die andernfalls vielleicht einer Diagnose entgangen wären.

(…) "Etwa 10 % der Männer mit Depressionen liegen bei den herkömmlichen Tests unter dem Schwellenwert für diese Störung, weisen aber auf der Risikoskala für männliche Depressionen hohe Werte auf", sagte [Danielle Herreen, die Leiterin der Studie.] "Dies stellt eine ganze Untergruppe von Männern dar, die bisher möglicherweise unter dem Radar geflogen sind und nun entdeckt werden können."

(…) Die Autoren sagen, dass die Standardpraxis die Bewertung von Symptomen wie schlechte Stimmung, Verlust des Interesses an Aktivitäten, Appetitveränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Gefühle der Wertlosigkeit beinhaltet. Dieser Ansatz verkennt jedoch eine einzigartige und anders geartete Reihe von Anzeichen, die auf eine zugrundeliegende psychische Störung bei einigen Männern hinweisen.

"Wir haben festgestellt, dass einige Männer, die möglicherweise an Depressionen leiden oder suizidgefährdet sind, ihre Notlage auf andere Weise zum Ausdruck bringen, als wir es normalerweise tun", sagte Frau Herreen.

Dies äußert sich oft in Verhaltensweisen, die als eher stereotypisch männlich wahrgenommen werden. Zu den bewerteten Bereichen gehören Aggression, Wut, Unterdrückung von Emotionen, Alkohol- und Drogenkonsum, somatische Symptome und Risikobereitschaft.

Dr. Cathy Andronis, Vorsitzende von RACGP Specific Interests Psychological Medicine, erklärte, die Studie unterstreiche, was viele Hausärzte bereits intuitiv wüssten: "Männer, die es vermeiden, Emotionen und Kummer anzuerkennen, insbesondere Trauer und Depression, betäuben sich häufig mit Drogen und Alkohol, was unterdrückte Wut und Impulsivität freisetzen kann, wobei letztere mit Suizidalität in Verbindung gebracht wird. Wut kann eine hilfreiche Emotion sein, wenn sie eine Gefahr oder Verletzung signalisiert, mit der dann proaktiv, sicher und effektiv umgegangen wird, oft mit Unterstützung von fürsorglichen Menschen. Bleibt sie jedoch unkontrolliert oder unerkannt, kann sie sich negativ in Aggression gegen sich selbst oder andere entladen, insbesondere unter Drogeneinfluss."

Dr. Andronis sagt, dass eine gute Anamnese und die Fähigkeit, einfühlsam nach Wut zu fragen, entscheidend sind, um gefährdete Männer zu identifizieren, aber [die neue Diagnose-Methode] ist ein willkommenes "schnelles Screening-Instrument für Hausärzte".

Den Autoren der Studie zufolge ist die neue Skala nicht als Ersatz für den derzeitigen Ansatz gedacht, sondern als Zusatznutzen, der eine umfassendere Erfassung des psychologischen Zustands einer Person ermöglicht.




Montag, Mai 07, 2007

Österreichische Studie bestätigt: Jungen in Schule benachteiligt

Der ORF meldet:

Buben bekommen bei gleicher Schulleistung oft schlechtere Noten als Mädchen. Das hat der Salzburger Erziehungswissenschaftler Ferdinand Eder in einer aktuellen Untersuchung festgestellt.


Als mögliche Gründe sieht Eder eine versteckte „Rache“ für schlechtes Benehmen der sozial weniger anpassungsfähigen Jungen sowie dass das Erziehungswesen mittlerweile von Frauen dominiert wird. Eders Einsichten schließen an Erkenntnisse an, die schon seit einigen Jahren in der Forschung zu diesem Thema vorliegen.

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Mittwoch, November 07, 2007

Lila Kröte 2007 an Bundespräsident Horst Köhler verliehen

Die von dem bekannten Männerrechtler Michail Savvakis jährlich vergebene "Lila Kröte" ist eine ironische Negativ-Auszeichnung "für besonders akzentuierte Männerfeindlichkeit in Wort oder Tat. (...) Eine Lila Kröte geschluckt zu haben bedeutet, den Klischees erlegen zu sein, die Mann und Frau in Parallele zum Täter und Opfer, Gewalttätigen und Friedfertigen, Bösen und Guten, höheren und niederen Menschen, Verzichtbaren und Förderungswürdigen stellen." Bisherige Preisträger waren DER SPIEGEL (für seine Titelgeschichte "Eine Krankheit namens Mann"), der ehemalige Kultursender ARTE (für einen Themenabend zur Geschlechterdebatte, der einseitiger, diffamierender und manipulativer war als jeder andere TV-Beitrag der letzten Jahre) sowie Frauenministerin von der Leyen (für ihr Desinteresse an der Benachteiligung von Jungen im Erziehungswesen).

Dieses Jahr geht die "Lila Kröte" an Bundespräsident Horst Köhler. Als Grund für diese Nominierung heißt es:
Bundespräsident Horst Köhler schloß bei der diesjährigen Verleihung des Bundesverdienstordens an verdiente Bürger die Männer aus! Während der Verleihungsfeier, in welcher nur Frauen geehrt wurden, verkündete er zudem, was einige Monate zuvor auch vom Magazin FOCUS berichtet wurde, nämlich die Einführung einer obligatorischen Frauenquote für zukünftige Vorschlagslisten als Bedingung für deren Annahme. Mit der Durchsetzung eines solchen starren Mechanismus in einem Bereich ethischer Erwägungen und Bewertungen dürfte dieser Präsident den dirigistischen Vorstellungen selbst hartgesottener Volkspädagogen entsprochen haben.


Alles weitere erfährt man hier.

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Montag, November 25, 2019

Schule, Gewalt, Missbrauch: Menschenrechte für Männer bleiben ein Problem – News vom 25. November 2019

1.
Der Fall eines Zürcher Kantischülers erregte vor ein paar Wochen Aufsehen. Sein Vater hatte bei der Zürcher Bildungsdirektion Rekurs eingelegt, weil der Sohn wegen ungenügender Leistungen die Klasse repetieren musste. Als Hauptgrund für den Rekurs führte der Vater an, Knaben würden an den Gymnasien diskriminiert. Das verstosse gegen die Verfassung und gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.


Das Schweizer Tagblatt berichtet. Anders als hierzulande versucht man in der Schweiz wenigstens ein bisschen, die Ungleichheit im Erziehungswesen anzugehen.

"Es gibt immer wieder Überlegungen, wie Knaben gezielter angesprochen werden könnten. Zum Beispiel durch den Verzicht auf Französisch bei der Aufnahmeprüfung. Das verschiebt das Problem aber einfach auf die Gymnasialzeit, in der Französisch noch immer ein wichtiger Teil der Promotion ist", sagt [Urs Schwager vom Thurgauer Amt für Mittelschulen].


Ein weiterer Versuch, die Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer, habe zwar zu einer Zunahme des Interesses an diesen Fächern geführt, nicht jedoch zu einem höheren Knabenanteil.



2. Heute ist Internationaler Aktionstag gegen Gewalt, solange diese Gewalt Frauen zum Opfer hat. Bundesweit sind zahlreiche Aktionen und Pressekonferenzen geplant. Auch Frauenministerin Giffey hat Zahlen zu diesem Thema vorgelegt. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, verwies auf Gewalt gegen Frauen weltweit. "Jeden Tag, in allen Teilen der Welt werden Frauen und Mädchen misshandelt, verstümmelt oder ermordet".

Jungen und Männer natürlich auch, aber die sind der deutschen Regierung keinen Aktionstag wert.



3. Das Magazin "jetzt" der Süddeutschen Zeitung durchbricht die auch dort herrschende Einseitigkeit und beschäftigt sich mit dem sexuellen Missbrauch von Jungen. Aufhänger ist der aktuelle Kinofilm "Die Hände meiner Mutter", der dem Autor des Artikels so der gewohnten Sicht auf sexuelle Gewalt entgegenläuft, dass er "starke Befremdung" auslöst:

Man hat irgendwie das Gefühl, dass es diesen Film nicht geben sollte, dass er keinen Sinn ergibt, dass da irgendjemand was falsch verstanden hat. Das war zumindest unser Eindruck als wir den Trailer in der Redaktion gesehen haben, sowohl bei Söhnen als auch bei Töchtern. Gleichzeitig kam da aber auch der Verdacht auf, dass diese Reaktion irgendwie ungerecht ist.


Genderama und die Männerrechtsbewegung insgesamt ist da seit fast zwanzig Jahren schon deutlich weiter. Was vermutlich der Grund dafür ist, dass auch wir bei velen Journalisten nur "starkes Befremden" auslösen.

Trotz solcher merkwürdiger Passagen ist der Artikel durchaus lesenswert, weil er die zusätzlichen Probleme, die mit dem sexuellen Missbrauch gerade männlicher Opfer verbunden sind, benennt. So wird über das Missbrauchsopfer Markus in dem erwähnten Film berichtet, wie man ihm seine Erfahrungen abzusprechen versucht:

Es wird von verschiedenen Seiten versucht, ihn in die aktive, die Täterrolle zu drängen. "Haben Sie nicht manchmal auch ein bisschen Lust empfunden?", fragt ihn ein Therapeut augenzwinkernd.


Gleichzeitig versucht der Artikel allerdings auch, solche Erfahrungen immer wieder in die abgegriffene These vom "Patriarchat" einzupassen. Wenn man als einziges Werkzeug einen Hammer hat, erscheint manchem eben alles, was er sieht, als ein Nagel. So heißt es über die Täterin:

Diese Erfahrung männlicher Gewalt und einer Geschlechternorm, in der sie hierarchisch unter ihrem Mann stehen muss, äußere sich dann in den umgesetzten sexuellen Machtphantasien der Mutter an ihrem Sohn, der dann quasi stellvertretend für ein verhasstes Patriarchat stehe.


Sexueller Missbrauch als Akt der Befreiung – auch mal eine Idee. Gilt das dann auch für die männlichen Missbrauchstäter, die als Kinder sexuelle Gewalt durch eine Frau erfahren hatten? Stehen deren Opfer "dann quasi stellvertretend für ein verhasstes Matriarchat"? Man möchte beim Lesen solcher Formulierungen schon manchmal ein bisschen schreien.



4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Auf Zeit-Online wurde ein Artikel über Proteste in Paris veröffentlicht. Protestiert wurde gegen häusliche Gewalt und die weiblichen Todesopfer, was unter dem Stichwort Femizid läuft. Die Meldung an sich ist Klickbait und nichtssagend. Interessanter sind die Kommentare darunter. Vor allem wird angemerkt, dass der Begriff Femizid unpassend ist, wenn es doch mehr männliche Gewaltopfer insgesamt gibt und männliche Opfer häuslicher Gewalt ausgeklammert werden. Auch auf dein Blog wird in einem Kommentar verlinkt (was Zeit-Online, oh Wunder, nicht zensiert hat).


Ein anderer Leser schrieb mir zur selben Kommentarspalte mit berechtigter Empörung, sein Hinweis auf männliche Opfer sei gelöscht worden:

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Whataboutism! Danke, die Redaktion/cb


Offenbar gab es aber so viele Kommentare, die in dieselbe Richtung gingen, dass die "Zeit" das Löschen solcher Hinweise schließlich unterlassen hat. (Oder es gab zwischendurch Schichtwechsel, und der neue Zensor war großzügiger beim Durchlassen von Kommentaren.)

Ein anderer Leser macht mich auf die Arte-Sendung "Vox Pop" aufmerksam, wo es ab Minute 14:30 um die Frage geht: "Beschneidung: Muß ein Verbot her?"

Es werden etliche Argumente der Beschneidungsgegner genannt, aber leider auch fragwürdige Argumente der Befürworter wie die angebliche AIDS-Prävention oder das Argument, dass bei einem Verbot illegale Beschneidungen noch mehr Schaden anrichten würden (wann hat man je ein Gesetz nicht verabschiedet, aus Angst, dagegen könnte verstoßen werden?!).

Highlight ist jedoch das Interview mit der Präsidentin von INTACT Dänemark.


Bemerkenswert ist auch ein Vergleich der verheißungsvollen Situation in Schweden, nachdem dort ein Fall tödlich und mehrere weitere Fälle fast tödlich endeten, und der rückwärts gewandten Politik in Deutschland, die sich wohlwollend an religiösem Fundamentalismus orientiert.

Mittwoch, Juni 11, 2008

"Was vom Manne übrig blieb" (Rezension)

Walter Hollstein gilt seit Jahrzehnten als einer der bekanntesten und anerkanntesten Männerforscher des deutschsprachigen Raums. Er lehrt als Professor für politische Soziologie in Berlin, ist Gutachter des Europarates für Geschlechterfragen und Träger des Deutschen Sachbuchpreises. Mit "Was vom Manne übrig blieb" liegt nun ein Höhepunkt seines Schaffens vor – und zugleich eines der inhaltlich wohl wertvollsten Bücher des bisherigen Jahres. Es enthält nur ein kleines Manko, das ihm letztlich meine Höchstwertung verwehrt. Aber ich würde viel lieber zunächst über das Positive sprechen; es gibt Tonnen davon.

Auf den Punkt gebracht: Ich habe seit Jahren nicht mehr eine so gute Darstellung über die Situation des Mannes in unserer Gesellschaft gelesen. Hollstein legt den Schwerpunkt auf die politisch-soziale Analyse der Gegenwart, in angenehmen Dosierungen sind auch einige Exkurse über kulturgeschichtliche und psychologische Hintergründe beigemischt. Das, was Hollstein in bemerkenswert deutlichen Worten zur Sprache bringt, ist dabei so brisant, dass sein Buch, lebten wir in einer gerechten Welt, die ersten Ränge der Bestsellerlisten einnehmen müsste.

Zugestanden: Viele der vielfältigen Schlechterstellungen von Männern, die Hollstein anspricht, sind zumindest in der Männerszene im Internet bereits bekannt: etwa die sexistische Wehrpflicht, die Entrechtung der Väter und die massive Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen oder dass Frauen bei denselben Delikten, für die Männer bestraft werden, häufig straffrei ausgehen. Aber Hollstein breitet auch vieles aus, was einem selbst als kundigem Leser in diesem Bereich zumindest noch nicht dermaßen klar war. Drei beispielhafte Schlaglichter:

- "Wurde die höhere Arbeitslosigkeit von Frauen als gesamtgesellschaftlicher Skandal bezeichnet", schreibt Hollstein, "wird nun die höhere Arbeitslosigkeit von Männern als Selbstverständlichkeit hingenommen." Die Folge: "Eine ganze Palette von Internetangeboten führen Frauen an die sogenannten Männerberufe heran, dagegen gibt es keine Internet-Seiten für jene Männer, die sich für die sogenannten Frauenberufe interessieren. (...) Unzählige Informationsbroschüren und Handbücher informieren Frauen und Mädchen über alle relevanten Bereiche des Lebens wie Gesundheit, Berufs- und Lebensplanung, Finanzen, Versicherungen, Finanzierung der Ausbildung etc.; für Jungen und Männer gibt es kein vergleichbares Angebot."

- Männern stehen im Vergleich zu Frauen "nur ein unzureichendes Angebot an Hilfs- und Betreuungsmöglichkeiten im Alter zur Verfügung, wie der Alters- und Familienforscher Francois Höpflinger belegt hat. Frauen werden in den Alters- und Pflegeheimen mit spezifisch weiblichen Beschäftigungs- und Unterhaltungsprogrammen versorgt, Männer nicht"

- Anerkannten Experten zufolge "werden in Deutschland jährlich bis zu 1,4 Millionen Jungen von ihren Müttern und anderen weiblichen Familienmitgliedern sexuell missbraucht. Während für missbrauchte Mädchen ein breites Netz- von Hilfe und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung gestellt worden ist, gibt es für Jungen nur sechs Beratungsstellen im ganzen Land." Ursula Enders von der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch "Zartbitter" geht davon aus, "dass maximal fünf Prozent der Jungen, die von Frauen ausgebeutet werden, als Opfer erkannt werden."

Nicht wenige dieser Benachteiligungen von Männern führt Hollstein auf de gesellschaftlichen Dutrchmarsch eines massiv einseitigen Feminismus zurück. Das gilt beispielsweise für das Erziehungswesen. Wenn mittlerweile selbst das Bundesfrauenministerium in einer unter der Hand veröffentlichten Studie feststellen muss, dass Mädchen für gleiche Leistungen bessere Noten bekommen als Jungen, dann erinnert Hollstein daran, dass "der ideologische Feminismus klar die Gebrauchsanweisung" formuliert hatte, "dass Jungen benachteiligt werden müssen, damit Mädchen aufholen können." Als Beleg zitiert Hollstein zunächst eine Autorin von Alice Schwarzers Zeitschrift "Emma": "Wenn wir wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen. Auch wenn es weh tut." Dazu führt Hollstein aus: "In der Realität bleib es nicht bei solchen Slogans, sondern sie wurden auch in der Schul-, Erziehungs- und Gleichstellungspolitik in gesellschaftliche Praxis umgesetzt. Frauen- und Gleichstellungsministerinnen wie zum Beispiel Ilse Ridder-Melchers in Nordrhein-Westfalen bekannten sich immer wieder zu solchen Maximen, die Jungen bewusst diskriminierten, um Mädchen ebenso bewusst zu fördern." Der Effekt ist bekannt: Jungen besuchen inzwischen weit überwiegend niedrigere Schulzweige, erhalten schlechtere Noten, machen weniger gute Abschlüsse, neigen immer häufiger auch zur Gewalt. Selbst das ideologische Ziel der Feministinnen beginnt unter diesem Debakel zu leiden: So belegt die Shellstudie von 2006, dass mehr als 70 Prozent der deutschen Schüler sich ausdrücklich keine emanzipierte Partnerin wünschen.

Wer kann es ihnen verdenken, wenn der blinde Irrwitz mittlerweile so institutionalisiert ist, wie Hollstein an einem einfachen Beispiel der misslungenen Umerziehung von Männern deutlich macht: "2007 gibt das deutsche Bundesfrauen- und Familienministerium 'Porträts von Männern im Aufbruch' heraus, Verfasserinnen sind zwei Frauen, von denen zumindest eine sich als Feministin versteht. Das ist alles ganz selbstverständlich, doch was wäre, wenn das (Ministerium) ein Buch über die Veränderung von Frauen herausgäbe, das von zwei Männern verfasst wird, die Mitglieder der 'Männerpartei' sind. Der Aufschrei im Lande wäre gewaltig; das Umgekehrte hingegen wird als normal akzeptiert."

Dass vieles an dieser Schieflage unseren Medien zu verschulden ist, ist natürlich auch Hollstein klar: "Pädagogen, Bischöfe oder Moderatorinnen, die ein anderes Bild zeichnen als das gegenwärtig opportune, werden flugs und unbesehen als 'Neonazis' oder 'Hassprediger' verunglimpft, statt dass erst einmal gepräft wird, wo da unter Umständen auch ein wahrer Kern sein könnte." Hier kann man sich die Vorhersage nicht ganz verkneifen, dass eben jene Einäugigkeit unserer Journalisten auch Hollsteins Buch zum Verhängnis werden dürfte: Die deutschen Medien käuen zehnmal lieber den Hype um die "Alphamädchen" wieder oder schreiben den tausendsten Artikel über Charlotte Roches Analfeminismus als sich mit den Belangen und Argumenten auch der männlichen Bevölkerung auseinanderzusetzen. Insofern ist es wohl kein Zufall, dass männerpolitische Bücher entweder bei Verlagen erscheinen, die offenbar gerade mit der Insolvenz zu kämpfen haben (Aufbau) oder noch junge Start-Ups darstellen (Lichtschlag). Bei den Branchenführern hat eine seriöse Behandlung des Männerthemas keine Chance.

Es ist aber mehr als Desinteresse, dem Männerpolitik zum Opfer fällt. Oft genug ist es blanker Hass auf das "Tätergeschlecht". So überrascht es nicht, dass auch in Hollsteins Buch mit fast vierzig Seiten das Kapitel über die "Begründung und Ausbreitung von Männerhass" (Misandrie) den größten Teil ausmacht. Während belegt ist, dass bereits um 1800 der Mann bereits als gewalttätig, unmoralisch und triebgesteuert dargestellt wurde, habe in unserem Jahrhundert insbesondere der Mainstream-Feminismus "seit den späten sechziger und frühen siebziger Jahren ein Gebäude systematischer Abwertung von Männlichkeit aufgerichtet. Mit den Stilmitteln der Wiederholung, Popularisierung und Indoktrination entstand über die Jahre ein Artefakt der Deformation, der sukzessive in die öffentliche und mediale Darstellung Eingang fand." Zwar hätten sich einzelne kritische Feministinnen "immer wieder gegen diese pauschale Verurteilung der männlichen Population gewehrt. Sie konnten dabei allerdings nicht verhindern, dass sich die radikalfeministische Darstellung von Männlichkeit in den achtziger und neunziger Jahren habitualisiert hat, wie es die Soziologie nennt: Sie wurde gewohnheitsmäßig und eine feste Größe im gesellschaftlichen Diskurs." Während etwa vor Jahrzehnten Valerie Solanas "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" in radikalen Frauengruppen mit Begeisterung gelesen worden sei, titele in der jüngeren Vergangenheit der SPIEGEL "Eine Krankheit namens Mann" und auf Spiegel-Online heißt es, Männer würden aus Sicht der Evolution viel zu alt. "Konsequent zuende gedacht", merkt Hollstein an, "müssten solche Überlegungen in ein Euthanasieprogramm für Männer führen."

Als weiteres Beispiel nennt Hollstein Marilyn Frenchs bekanntestes Werk "Frauen", ein feministisches Kultbuch, das in den USA eine Millionenauflage erreichte. Darin finden sich Passagen wie diese: "Meine Gefühle den Männern gegenüber sind das Ergebnis meiner Erfahrung. Ich empfinde wenig Sympathie für sie. Wie ein Jude, der gerade aus Dachau entlassen worden ist, sehe ich, wie der junge hübsche Nazisoldat sich windend, mit einer Kugel im Bauch, zu Boden fällt, und ich sehe nur kurz hin und gehe weiter. Ich brauche nicht einmal mit den Schultern zu zucken: Es berührt mich nicht." Hollstein bezeichnet diesen Text treffend als "Männerhass pur". Das Buch gilt indes noch 2008 laut Leserinnen-Kommentaren bei Amazon als "absolutes Muss" und "Pflichtlektüre". Und auch die deutsche Frauenpresse der Gegenwart zwischen "Brigitte" und "Petra" kommt bei Hollstein nicht gut weg. "Der Mann erscheint coram publico heute als verachtenswerte, eher eklige und auf jeden Fall defizitäre Kreatur." Wie gewohnheitsmäßig diese Entwertung geworden sei, zeigten insbesondere die berühmten kleinen Dinge: Etwa wenn die Gruppe "Cosmos Direct" für eine Lebensversicherung wirbt, indem ein kleines Mädchen in TV-Spots "Du, Mama, wenn Papa tot ist, kaufe ich mir erst mal einen Ponyhof" äußert, woraufhin die Mutter erwidert "Moment. Wenn Papa weg ist, kaufe ich mir erst mal 'ne Finca auf Mallorca." (Das ganze Gespräch geschieht in Gegenwart des dem gegenüber als völlig hilflos dargestellten Vaters.) Ein kaum weniger frappantes Beispiel ist es, wenn der RBB in den Abendnachrichten über den Schießbefehl an der deutsch-deutschen Grenze empört berichtet, dass "sogar auf Frauen und Kinder" geschossen werden sollte. (Nur auf Männer zu schießen erschien offenbar als halb so schlimm.)

Wie der umfassende Männerhass in unserer Gesellschaft erzeugt wird, verdeutlicht Hollstein an einer feministischen Studie über "geschlechtsspezifische Gewalt", der zufolge in den USA jährlich fast vier Millionen Frauen zu Tode geprügelt würden. ("Danach dürfte es eigentlich schon kaum noch Frauen in den USA geben" kommentiert Hollstein trocken.) Mit derartigen "falschen Behauptungen, Projektionen und Verzerrungen" werde jedoch ein "Horrorszenario entworfen, um den weiblichen Opferstatus ebenso zu zementieren wie den männlichen Täterstatus". Hierzu zitiert Hollstein Elisabeth Badinter: "Diese systematische Viktimisierung hat natürlich auch ihre Vorteile. Zunächst einmal fühlt man sich sofort auf der richtigen Seite der Barrikade. Nicht nur, weil das Opfer immer recht hat, sondern auch, weil es im selben Maße Mitleid erweckt, wie der Täter gnadenlosen Hass auf sich zieht."

Tatsächlich allerdings ergibt die aktuelle Forschung (Hollstein nennt hier das Buch "Tatort Familie. Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext" von Siegfried Lamnek und Ralf Ottermann), "dass der prozentuale Anteil der Ehefrauen, die physische Gewalt ausüben, größer ist als der der Männer, obwohl Männer etwas häufiger schwere Verletzungen verursachen." Dabei werde allerdings die Häufigkeit der häuslichen Gewalt ohnehin kontinuierlich in den Medien auf unseriöseste Weise hochgesteigert: "Nach der neuesten Studie im deutschsprachigen Raum von Luedtke und Lamnek ergibt sich, dass sich in knapp sechs Prozent der Familien die Gewalt gegen den Partner richtet. Entsprechend solchen Befunden relativieren sich 'geschlechterpolitische' Zahlen, nach denen angeblich jede dritte Beziehung in Deutschland gewaltbelastet sein soll, wie das (Bundesfrauenministerium) 2003 behauptet und 2007 in der Version wiederholt, dass jede dritte Frau in Deutschland misshandelt worden sei."

Vor diesem Hintergrund findet Hollstein auch klare Worte, wenn Alice Schwarzer in einen wahren Freudenrausch gerät, nachdem Lorena Bobbit ihrem schlafenden Mann das Glied abgetrennt hatte ("Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. (...) Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersiliehacken.") Das, merkt Hollstein an, sei "nicht nur als ein öffentlicher Aufruf zu Mord und Totschlag, sondern auch als Aufruf zur Gründung einer terroristischen Vereinigung zu werten. Würde zum Beispiel irgendein Islamist in diesem Stile Gewalt gegen die 'ungläubigen' Christen fordern, wäre die Bundesanwaltschaft schon am gleichen Tag auf dem Plan." Alice Schwarzer hingegen erhält zweimal das Bundesverdienstkreuz vom verhassten Patriarchat, von dem sie sich als Frau, wie sie noch 2008 in ihrer Börne-Preis-Rede kundtat, behandelt fühlte wie damals die Juden. Männer wie Frauen erhoben sich nach diesen Äußerungen zum Applaus.

Während es im Ausland selbstkritische Autorinnen wie Elisabeth Badinter und Christina Hoff Sommers gebe (warum wird eigentlich Wendy McElroy nicht erwähnt?), die ausführlich und einfühlsam auch die Verlustseiten von Männlichkeit ansprechen, "halte "im deutschsprachigen Raum der Mainstreamfeminismus geradezu obsessiv an seinem einseitigen Täterbild von Männlichkeit fest." Hier möchte man minimal Einspruch einlegen: Der Mainstreamfeminismus (z. B. Gruppen wie NOW in den USA) verbeißt sich auch im Ausland in männerfeindliche Klischees, während auch in Deutschland kritische Feministinnen wie Katharina Rutschky und Astrid von Friesen ihr Denken auf ein höheres Niveau geführt haben. Dem unbenommen ist Hollstein zuzustimmen, wenn er das Fazit zieht: "Entsprechend der Gesetzlichkeit, dass sich in der Mediengesellschaft die platten Formen eher duchsetzen und einprägen als die differenzierten Überlegungen, hat der ideologische Feminismus obsiegt. (...) Der zur 'Wahrheit' gewordene Mythos wird von einer feministischen Lobby in der Politik, in den Medien und in Frauen- und Gleichstellungsbüros sorgsam gepflegt; Widerstand wird diffamiert und mit Etiketten von 'Frauenfeindlichkeit' versehen. Dieser Vorwurf ist inzwischen ebenso sehr ein sozialer Todesstoß wie der Ordnungsruf des 'Antisemitismus', wenn die israelische Politik kritisiert wird." Und an einer anderen Stelle ergänzt Hollstein: "Es ist im Grunde das stalinistische Prinzip der Installierung von Totschlagbegriffen. Widerspruch ist gleichbedeutend mit 'Frauenfeindschaft'. Auch das ist Misandrie."

Verständlicherweise gibt Hollstein seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass die Debatte über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen hierzulande ausgerechnet von der lesbischen Fraktion (Alice Schwarzer, Anita Heiliger und Co.) angeführt worden sei, was besonders deutlich wurde, als Schwarzers Zeitschrift "Emma" 1987 ihre Leserinnen auffforderte: "Boykottiert alle Männer!" Das bedeute für die Sexualität, dass der Plastkdildo den Penis ersetzen soll: "Männer sind kein Schicksal ... Immer mehr Frauen und Frauen benutzen sie nicht." Und noch 2007 enthalte Schwarzers biographische Rückschau "Die Antwort" die gleichen Stereotypen und Diffamierungen gegen Männer, die die Autorin schon in ihrem ersten Buch über den angeblich 'Kleinen Unterschied' verteilt habe.

Inzwischen zeigt der grasierende Männerhass kaum übersehbare Folgen: "Für die Schweiz schildert Marianne Fehr eine inzwischen 'phobisch gewordene Grundatmosphäre' der Verdächtigungen gegenüber Männern, was sexuelle Übergriffe, Belästigungen oder Pädophilie betrifft. Obwohl sich fast alle Beschuldigungen als falsch oder bewusst instrumentalisiert erweisen, sind nun Misstrauen und Verunsicherung groß." Aber auch in Deutschland und Österreich berichten Väter-Organisation "von einer ganzen Kaskade solcher Fälle, in denen – vorzugsweise – Väter des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, um ihnen das Besuchfsrecht zu verweigern. In nahezu allen Fällen erweist sich dieser Vorwurf als erfunden, ohne dass die betreffenden Mütter dafür von der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden."

Bei der Frage, wie die Geschlechterdebatte dermaßen ins Ungleichgewicht geraten konnte, widmet sich Hollstein eingehend auch jenen Männern, die im Internet inzwischen spöttisch als "lila Pudel" und "Fifis" bezeichnet werden: jene Kinder der 68er-Bewegung, die, wie Hollstein zutreffend darlegt, mit wahrer Begeisterung "das eigene Geschlecht niedermachen, ankreiden oder geißeln und dabei in vorauseilendem Gehorsam zum Teil noch den Männerhass von Feministinnen zu übertreffen suchen". Gedankt wird ihnen ihre Unterwerfung weiblicherseits nicht, wie Hollstein an dem Beispiel Claudio Hofmanns illustriert, der für seinen anbiedernden Text "Über das Unglück kein Feminist zu sein" keine Lorbeeren erntete, sondern, als er bei Männer-raus-Sprechchören teilnahm, von Frauen scharf angefahren wurde: "Das ist ja wohl das Letzte! Klemmt euer scheiß-Verständnis mitsamt eurem Schwanz zwischen eure Beine und verpisst euch!" Die so undankbar behandelten Männer sind aber weit mehr als harmlose Witzfiguren, über die man sich lustig machen könnte. Sie haben zu dem besonders heiklen Problem geführt, komplett den akademischen Bereich zu verbauen, der ansonsten eine Grundlage hätte darstellen können, um auch die Situation von Männern tiefgründig zu erforschen.

Leider nämlich habe sich die Männerforschung "quasi vollumfänglich an den Erkenntnissen der Frauenforschung orientiert und sich überdies explizit als feministisch oder profeministisch verstanden". Als Beispiel führt Hollstein den in der Tat unsäglichen Männerforscher Michael S. Kimmel an, der "männliches Leben im Wesentlichen reduziert auf Machterwerb, Gewalt, Krieg, die Unterdrückung von Mädchen und Frauen, sexistische Witze, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Pornographie und Konkurrenz. Die Analyse orientiert sich nicht an den männlichen Wirklichkeiten und Bedürfnissen, sondern an feministischen Kategorien." Das wird von Hollstein zu Recht hinterfragt: Es sei "zum Beispiel sicher lobens- und ehrenwert, dass sich profeministische Männer mit dem Protest von Feministinnen gegen die Klitoris-Beschneidungen von Mädchen in Afrika solidarisieren; doch ist es zumindest merkwürdig und eigentlich auch auf eine bestimmte Weise pervers, dass sie die Beschneidung von Jungen (...) nicht zur Kenntnis nehmen", welche die diesbezügliche Forschung als sexuelle Gewalterfahrung mit nachgerade traumatischen Folgen erkannt hat. "Diese Problematik wird von der profeministischen Männerforschung aber gänzlich ignoriert." Insgesamt sei von diesem Zweig "leider nichts zu erwarten; sie ist erheblich mehr um die Situation der Frauen bemüht als um jene der eigenen Geschlechtsgenossen, deren Bedürftigkeit sie einfach leugnet." Hollstein veranschaulicht das an dem im akademischen Bereich bekanntesten Männerforscher der zeitgenössischen Welt, Robert W. Connell, der so originelle Konzepte anbot wie Lehrpläne für Jungen, die sich nach den Interessen der Mädchen richten und der gegenüber dem Männerforscher Warren Farrell geradezu beleidigend wurde, "weil sich Farrell als einstiger Anhänger des Feminismus nun den Belangen von Männern zugewandt habe." Im Jahr 2007 mutierte Connell offiziell zur Frau und nennt sich fortan Raewyn. (Nein, der letzte Satz war kein Scherz, auch wenn er sehr nach Monty Python klingt. Es ist Realsatire.)

Sobald sich jemand kritisch mit dem Feminismus beschäftigt, wird geradezu reflexartig der Vorwurf erhoben, er wolle wohl wieder zurück zu den Geschlechterrollen der fünfziger Jahre. So wie bei vielen Männerrechtlern muss man sich hier auch bei Hollstein allerdings keine Sorgen machen. Ihm ist vollkommen klar, wie sehr gerade das traditionelle Männerbild dazu beigetragen hat, Männer kaputt und krank zu machen. Unter anderem weist er auf eine empirische Untersuchung hin, in der sich fast drei Viertel der untersuchten Präsidenten, Direktoren, Firmenchefs und Topmanager als depressiv heraussstellten. Fatal sei in diesem Zusammenhang jedoch, dass viele Frauen für sich zwar ein verändertes, modernes Frauenbild verträten, gleichzeitig aber auf einem traditionellen Männerbild verharrten. Das gilt bis hin zu Alice Schwarzers Idol, der französischen Feministin Simone de Beauvoir, die für den amerikanischen Macho Nelson Algren schwärmte und mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung einging. "Der erfolglose oder arbeitslose Mann ist eben 'kein richtiger Mann'" bringt Hollstein dieses Denken auf den Punkt. Dasselbe gilt für die immerhin fünf Prozent der 40jährigen Männer, die noch zu Hause wohnen (müssen). Etlichen Mänern ist wohl schon die Galle hochbekommen, wenn sie Politikerinnen wie Übermutter von der Leyen den Zeigefinger heben sehen und sie spöttisch tadeln hören, Männer müssten noch viel an sich arbeiten, um mit den Frauen Schritt zu halten und längst überholte, schädliche Verhaltensweisen abzulegen, wenn diese Männer zugleich vielfach erlebt haben dass Frauen weit überwiegend mit denjenigen Männern in die Laken springen, die sich dem alten Männerbild gemäß immer noch mit Wonne selbst zerstören und zugrunde richten.

Hollstein spricht auch über Chancen und Wege, das derzeitige Dilemma zu überwinden. Lobend erwähnt er, dass man sich in den skandinavischen Staaten bei der Umsetzung der neuen Frauenpolitik vernünftigerweise zugleich auch um Männerbelange kümmerte. Auch in Deutschland hatten sich einige Einzelstimmen entsprechend geäußert – so etwa die Frankfurter Stadträtin für Frauen, Sylvia Schenk, die schon in den frühen neunziger Jahren einen Perspektivenwechsel gefordert und verlangt hatte, auch die Diskriminierungen gegen Männer zu sehen: "Ein Mehr an Chancen für Frauen muss einhergehen mit einem Mehr an Chancen für Männer." Die öffentliche Wahrnehmung hingegen, hier macht sich Hollstein keine Illusionen, sei durch den Einfluss der Frauenbewegung insgesamt bis heute selektiv darauf eingestellt, weder das Problemverhalten von Frauen noch die Benachteiligungen von Männern zu benennen. Wenn sich Männer verändern sollen, dann nur, damit sie für Frauen noch komfortabler sind. Allerdings liege es auch an den Männern selbst, ob sie die Situation zu ihren Gunsten verändern: "Die allgemein menschliche Erfahrung, dass es einem besser geht, wenn man Ärger und Frust nicht herunterschluckt, sondern artikuliert, gilt mit Sicherheit nicht nur für Frauen. Männer sollten aufhören, aus ihrer Seele eine Mördergrube zu machen. Sie haben nichts mehr zu verlieren, sondern nur noch zu gewinnen."

An dieser Stelle kommen wir zu dem einzigen Manko, dieses in jeder anderen Hinsicht grandiosen Buches. Hollstein verbleibt mir allzusehr bei einer Auflistung nach dem Motto "Alles ist schlimm". Die akademische Männerforschung ist vom Feminismus geblendet (stimmt). Der Rückzug in therapeutische Männergruppen ende allzu oft bei selbstmitleidigem Narzissmus, der alles beim Alten lässt (stimmt auch). Und die von diversen Buchverlagen gestützte Rückkehr zu John Wayne und mehr Machtotum gehe an jeder Reflexion vorbei und ende im Extremfall im Rechtsextremismus (stimmt ebenfalls). Darauf, dass sich in Deutschland schon seit Jahren eine politisch sehr aktive Männerrechtsbewegung entwickelt hat, die im Internet ebenso prominent auftritt wie mit diversen Buchpublikationen (Michail A. Xenos "Medusa schenkt man keine Rosen" (2007), meine eigenen Bücher "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) und "Männerbeben" (2007)) geht Hollstein unangemessen kurz ein – oder gar abwertend. Zu den Forderungen der "Männerpartei" etwa formuliert er: "In dieser Reaktion auf einen einseitigen und männerfeindlichen Feminismus wiederholt sich spiegelverkehrt eine maskulinistische Einseitigkeit, die dann auch nur folgerichtig in Frauenfeindlichkeit mündet." Was an den von Hollstein zitierten Forderungen der Männerpartei (unter anderem gleiche Rechte für Väter wie Mütter, die Gewichtung von Kindesentzug als Straftat, die inzwischen durchgesetzte stärkere zeitliche Begrenzung von Unterhaltszahlungen, kein Verbot von Vaterschaftstests, mehr Geld für Kinder und Bildung) "frauenfeindlich" sein sollen, erklärt Hollstein nicht. Stattdessen greift er zu einem Wort, das er zuvor richtig als Totschlagbegriff erkannt hatte.

Zugestanden: Wohl nicht einmal die Mitglieder der Männerpartei selbst dürften bestreiten, dass deren Rhetorik mitunter recht polternd daherkommt. Hierbei ist allerdings bezeichnend, dass Hollstein die hierzulande wohl führende und wichtigste Männerrechtsgruppe MANNdat e.V., die auf dieses polternde Auftreten verzichtet, sondern wesentlich sachlicher und gemäßigter daherkommt, gar nicht richtig wahrnimmt. Er erwähnt an zwei Stellen lediglich Kommentare, die "das Internetforum manndat.de" enthielt. In Wahrheit ist MANNdat viel mehr als das lediglich seiner Website angeschlossene Diskussionsforum, nämlich eine männerpolitisch hochaktive Gruppe. Wenn Hollstein Männern schon den Tipp gibt, dass sie für ihre Bedürfnisse eintreten sollten, dann hätte er ihnen ruhig auch den Weg dorthin weisen können, wo sie politisch etwas erreichen können. Hier und da einen kritischen Leserbrief zu schreiben, wird die Dinge wohl kaum zum Besseren wenden.

Dabei erkennt Hollstein durchaus, dass Veränderungen nur durch massiven politischen Druck möglich sind, etwa wenn er feststellen muss: "Innovativen Projekten, die ehrenamtlich betrieben werden, wie das 'Männerhaus' in Berlin für Männer in akuten Krisensituationen, wird eine Unterstützung von der 'Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen' versagt. Auch in solchen Konstellationen fehlt berechtigten männlichen Anliegen eine Lobby, die hilft und die Politik drängt." Die Lösung kann wohl kaum darin liegen, über die Jahrzehnte hinweg nur immer wieder neue Bücher zu verfassen, die zwar inhaltlich sehr stark sind, wegen der einseitigen Berichterstattung unserer feministischen Medien aber nur ein paar hundert Leser erreichen, während die Situation immer schlimmer wird. Hollsteins eigene Titel waren vor wenigen Jahren noch wesentlich mehr wischi-waschi formuliert, und wenn er sich jetzt dazu durchgerungen hat, endlich Klartext zu schreiben, liegt das wohl nicht zuletzt an den jüngsten Entwicklungen.

So trifft er ins Schwarze, wenn er schreibt: "Eine einseitige Frauenpolitik wird sich in nicht allzu entfernter Zukunft politisch dafür verantworten müssen, dass sie die Probleme von Jungen und Männern seit zwei Jahrzehnten willentlich ignoriert und damit einen sozialen Zündstoff provoziert, der jetzt schon die Grundfesten der demokratischen Ordnung unterminiert." Dazu ist aber offenbar politischer Druck aus der Bevölkerung nötig, wie in Hollsteins Fazit deutlich wird: "Für Jungen und Männer braucht es eine angepasste Jungen- und Männerpolitik. Die Vereinten Nationen (UNO) haben 2004 Richtlinien dafür verabschiedet. Die Europäische Union (EU) hat 2006 in Helsinki nachgedoppelt und Richtlinien für eine europäische Jungen- und Männerforderung formuliert." Die Reaktion in Deutschland? "Weder die Empfehlungen der UNO noch jene der EU werden zur Kenntnis genommen, geschweige denn umgesetzt. Das ist ein politischer Skandal, und da sind auch die Männer zu einem Anteil selber schuld, wenn sie nicht politisch einfordern, was schon längst hätte verwirklicht werden müssen. Das gilt vor allem auch für das Instrmentarium des 'Gender Mainstreaming', das im deutschsprachigen Raum nur für frauenpolitische Maßnahmen genutzt wird." Und Hollstein bringt es noch mehr auf den Punkt: "Es geht offenbar nicht gütlich."

Das Unglückliche an solchen ausufernden Buchbesprechungen wie dieser ist wohl, dass manch ein Leser denken wird: Jetzt habe ich diese lange Rezension gelesen, jetzt brauche ich mir das Buch gar nicht mehr zu kaufen. Selten wäre das so falsch wie hier. Walter Hollstein verdichtet auf engstem Raum eine Unzahl von Informationen, von denen ich hier trotz aller Ausführlichkeit nur einen Bruchteil zusammenstellen konnte. Ich empfehle die Lektüre des vollständigen Werkes mit großem Nachdruck.

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Freitag, März 27, 2009

Benachteiligung von Jungen seit über zehn Jahren bekannt

Ein aufmerksamer Leser von "Rettet meine Söhne" weist mich darauf hin, dass mein Buch strenggenommen irreführend und gegenüber der Untätigkeit unserer Politiker noch zu gutwillig ist. So heißt es in meinem Buch auf Seite 104

(…) dass Jungen, wie schon erwähnt, für dieselbe Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen. Bereits 2007 wurde eine Studie des österreichischen Erziehungswissenschaftlers Ferdinand Eder veröffentlicht, die dies belegte. Als mögliche Gründe gab Eder als Grund für diese ungleiche Notenverteilung seitens der Lehrer eine versteckte "Rache" für schlechtes Benehmen der sozial weniger anpassungsfähigen Jungen an, und das wiederum hätte etwas damit zu tun, dass das Erziehungswesen mittlerweile von Frauen dominiert werde.

[Ende 2007] stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Untersuchung mit dem Titel "Bildungs(Miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen" online, die die Erkenntnisse aus dem Nachbarland bestätigte. In ihr finden sich so aussagekräftige Sätze wie: "Für den Übergang in weiterführenden Schulen hat die Lern-Ausgangs-Untersuchung (LAU) in Hamburg herausgefunden, dass Jungen nicht nur generell seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten, auch bei gleichen Noten werden sie seltener von den Lehrkräften für gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen." Oder auch: "In allen Fächern erhalten Jungen auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten."


Diese Passage erweckt den Eindruck: Davon, dass Jungen für dieselbe Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen, wisse man erst seit 2007 bzw. erst seit der IGLU-Studie von 2005.

Tatsächlich stammt die vom Bildungsministerium 2007 angeführte Hamburger Lern-Ausgangs-Untersuchung (LAU) aber aus den Jahren 1996! Und sie steht sogar online. Hier findet man das entsprechende Kapitel. Einige der Kernsätze darin lauten:

Das negative Vorzeichen beim weiblichen Geschlecht zeigt an, daß Mädchen unter sonst gleichen Voraussetzungen die besseren Noten bekommen, womit die vorhandenen Leistungsunterschiede für das Fach Deutsch in der Zensurenverteilung noch verstärkt werden


Ebenfalls verdient es Erwähnung, daß wiederum Mädchen (wie übrigens auch Migrantenkinder, wenn auch in schwächerem Maße) etwas besser zensiert werden, als es ihre mathematischen Testleistungen nahelegen.


In der Geschlechterfrage zeigt sich, daß die wesentlich häufigere Empfehlung von Mädchen für das Gymnasium ausweislich der Testergebnisse allenfalls teilweise durch ein höheres Leistungsniveau begründet werden kann. Von einer Benachteiligung kann jedenfalls nicht die Rede sein, und zwar auch dann nicht, wenn man weitere denkbare Einflüsse in die statistische Analyse einbezieht.


Ende der neunziger Jahre war, wenn es um Schule und Geschlecht ging, allerdings nur von eben jener vermeintlichen Benachteiligung der Mädchen die Rede. Politikerinnen wie Gabriele Behler, damals Ministerin für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen, sprachen gar von einem "heimlichen Lehrplan", demzufolge Lehrkräfte Jungen unbewusst förderten. Die tatsächlich vorliegenden Forschungsergebnisse wurden im Überschwang des Zeitgeistes komplett ignoriert.

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Freitag, Januar 12, 2007

Hurrelmann fordert Männerquote

Die Meldung ist schon eine Woche alt und geht durch verschiedene Medien: Der bekannte Jugendforscher Klaus Hurrelmann macht sich für eine Männerquote im Erziehungswesen stark. Näheres erfährt man über die “Süddeutsche“, die “Neue Epoche“ und die “Kölnische Rundschau“.

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Sonntag, Juli 24, 2005

BENACHTEILIGUNG VON JUNGEN IN DER SCHULE ALLMÄHLICH WAHRGENOMMEN

Was ich 2001 in einem Kapitel meines Buches „Sind Frauen bessere Menschen?“ umrissen habe und seit einigen Jahren vor allem von den Männerrechtlern von Manndat zum Thema gemacht wird, ist dem „Fränkischen Tag “ zufolge „noch nicht so recht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen“: die auffallende Benachteiligung von Jungen in unserem Schulsystem. Mädchen besuchen in größerer Zahl höhere Schulen wie Gymnasien, wo sie bessere Noten schreiben, Jungen hingegen stellen die Mehrheit in Haupt- und Sonderschulen. Während vor Jahren noch Frauenpolitikerinnen wie die ehemalige Ministerin Bergmann in Talkshows trendgemäß von einer natürlichen Überlegenheit des weiblichen Geschlechts krakeelten (Mädchen seien einfach von Natur aus fleißiger, hätten einen größeren Hirnbalken und dergleichen mehr), geht man heute etwas rationaler an die Sache heran, sucht nach Ursachen im Schulsystem und überlegt, wie man die zu kurz gekommenen Jungen fördern könne. Als mögliche Gründe für die deutliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wird unter anderem ein „weibliches“ Schulsystem gesehen, also eines, das sehr stark von Frauen geprägt und auf Charakter, Neigungen und Bedürfnisse von Mädchen ausgerichtet ist. (Darüber schreibt z. B. Karin Jäckel seit fast einem Jahrzehnt.) Das Problem verstärkt sich dadurch dass sich die Diskriminierung im Bereich Schule auf die gesamte Gesellschaft ausdehnen könnte, da es für niedrig qualifizierte männliche Jugendliche kaum noch Arbeitsplätze gebe. Das Endresultat einer jahrzehntelang betriebenen einseitigen Förderung allein des weiblichen Geschlechts im Erziehungswesen könnte also eine Welt sein, die aus Scharen arbeitsloser Männer und vielen hochqualifizierten Frauen in Top-Jobs besteht. Was dann die Genderfaschisten wieder als Beleg für die Überlegenheit des weiblichen Geschlechts verwenden könnten ...

Montag, Januar 14, 2019

Super-Giga-Phallo-O-Gott-ist-der-groß!-Jahresanfangs-Blogbeitrag: Alle wichtigen News, die ihr vielleicht verpasst habt

Ein frohes neues Jahr euch allen – und erst einmal ganz herzlichen Dank allen Spendern, die dieses Blog in den letzten Wochen unterstützt haben! Einige von euch waren ausgesprochen geoßzügig, so dass der über das vergangene Jahr feststellbare Rückgang an Spenden komplett wieder aufgefangen wurde. Es wird also nicht nötig sein, dass ich hier unter meine Beiträge regelmäßig einen Spendenbutton einbaue.

Mit eurer Unterstützung habt ihr drei Dinge erreicht: Ihr habt mir das finanzielle Backing gegeben, dieses Blog überhaupt fortführen zu können. Ihr habt ein klares Vorum dafür abgegeben, dass ihr an dieser Fortführung sehr interessiert seid. Und ihr habt mich mit der Motivation versorgt, das mindestens ein Jahr lang weiterhin täglich zu tun. (Auch an Tagen, an denen kein Blogbeitrag erscheint, recherchiere ich zu interessanten News, aber ich blogge halt nichts, wenn ich nur auf Dinge stoße, die mich selber langweilen.) Generell habe ich für das kommende Jahr so einiges geplant.

Einer meiner Leser hat mir ein supersupersüßes Neujahrsgeschenk gemacht, indem er mich auf diesen putzigen Kalender mit Social-Justice-Warrior-Kätzchen aufmerksam machte. Katzenfreunde könnten sich zum Beispiel jeden Monat eine dieser Aufnahmen als Bildschirmhintergrund einrichten. Auch dafür – so wie für jeden Linktipp – ganz herzlichen Dank!

Damit kommen wir sofort zu den aktuellen News der letzten Wochen. Wer viel in der "Mannosphäre" des Internets unterwegs war, hat einiges davon sicher längst selbst entdeckt, aber das trifft ja nicht auf jeden Genderama-Leser zu.



1. Das unter anderem von Anne Wizorek betriebene feministische Blog "kleinerdrei" hört auf, meldet die "Süddeutsche Zeitung"..Dem von zehn Leuten verfassten Abschiedsbeitrag zufolge verteile sich die Arbeit an diesem Blog schlicht "auf zu wenig Schultern". Im letzten Jahr etwa waren es 40 Blogbeiträge, also vier pro Mitarbeiterin. Zugegeben, das artet in die für unser Patriarchat leider typische Ausbeutung von Frauen aus. Nur weil eine Frau bekanntlich so viel leistet wie zig Männer, war es wohl überhaupt möglich, diese Schufterei zu stemmen.

Vermutlich sehe ich nur zu schwarz, aber irgendetwas sagt mir: Wenn Genderama jemals eingestellt wird, wird darüber kein eigener Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" erscheinen.



2. Auch ein weiteres feministisch geprägtes Projekt stirbt: die deutsche Ausgabe der Huffington Post.



3. Eine Meldung, die in der ersten Januarwoche in mehreren englischsprachigen Zeitungen verbreitet und daraufhin auch von dem Blog "Alles Evolution" aufgegriffen wurde, blieb von fast allen deutschen Leitmedien zwar ignoriert – überraschenderweise berichtete immerhin die Süddeutsche Zeitung: Genderforscher hatten endlich auch das gemerkt, worauf Maskulisten seit mehreren Jahrzehnten aufmerksam machen, nämlich dass man beim Thema Diskriminierung nur dann eine "patriarchale" Benachteiligung von Frauen feststellen kann, wenn man sämtliche Benachteiligungen, die Männer erleiden, von Anfang an ausblendet. Tut man das nicht, sind Männer in sämtlichen europäischen Nationen außer Italien sogar ein wenig im Nachteil. Nicht neu für uns, aber ein Unding für den Filz aus Leitmedien, Politik und den feministischen "Genderstudien", weshalb man dort wohl auch weiterhin so tun wird, als ob es diese Erkenntnisse nicht gäbe.



4. Gerne mache ich auf Nachrichten aufmerksam, die bisher auf Genderama Gemeldetes korrigieren oder zumindest in Frage stellen. Kommt nicht oft vor, aber diesmal schon: So hatte ich einen Artikel der "Ostsee-Zeitung" verlinkt und zitiert, dem zufolge in Rostock 80 Prozent der Vergewaltigungen vorgetäuscht seien, es sich also um Falschbeschuldigungen handele. Im Rest des Landes sehe es ähnlich aus. Dazu meldet die Tagesschau:

Auf Anfrage dementierte ein Sprecher der Polizei Rostock die Zahl von 80 Prozent. "Dass acht von zehn Vergewaltigungen vorgetäuscht sind, wurde seitens der Polizei nicht gesagt." Allerdings bestätigte der Sprecher die Darstellung, wonach die Zahl der vorgetäuschten Sexualdelikte seit etwa fünf Jahren steige.


Die "Ostsee-Zeitung" hat ihren Artikel weder zurückgezogen, noch ergänzt oder korrigiert. Hier auf Genderama möchte ich aber auf das Dementi der Rostocker Polizei hinweisen, denn mit unsauberen Daten kann man politisch nicht sinnvoll arbeiten.



5. "Die Welt" wirft einen Blick zurück auf die Entwicklung der Löhne im letzten Jahrzehnt: "Männlich, Facharbeiter, Vollzeitjob – das sind die Verlierer". Dabei heißt "verlieren" allerdings "weniger stark gewinnen": Unter dem Strich sind die Gehälter von Männern zwischen 2007 und 2017 um real 10,9 Prozent gestiegen. Frauen kamen hingegen auf 14,4 Prozent Zuwachs.



6. Der bekannte Staatsrechtler Udo di Fabio hält ein Gesetz für mehr Frauen im Parlament für verfassungswidrig. Dieses Gesetz wird vor allem von Justizministerin Katarina Barley (SPD) vorangetrieben, findet aber etwa auch bei Kramp-Karrenbauer (CDU) Anklang.



7. In der Frankfurter Allgemeinen analysiert Frank Pergande, wie das Bundesfrauenministerium zum sozialdemokratischen Basislager wurde.



8. Der "enttäuschte und missachtete ostdeutsche Mann" dürfte im Wahljahr 2019 eine große Rolle spielen.



9. Jörg Kachelmann hat Grund, sich freuen. Er kehrte nicht nur unter großem Applaus und Rekord-Zuschauerzahlen auf den Bildschirm zurück, sondern triumphierte auch ein weiteres Mal juristisch gegen die Springer-Presse: diesmal vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. (Ausführlicher berichtet die Legal Tribune.)



10. Im Zusammenhang mit Kachelmanns Rückkehr beschäftigt sich Don Alphonso unter anderem mit der Feministin Juliane Leopold:

Früher war sie Teil des Blogs "kleiner_3", das von Anne Wizorek betrieben wurde, eine andere Feministin, die durch die sogenannte Oktoberfestlüge bekannt sein könnte: Da ging es um krass überhöhte Vergewaltigungszahlen, um die Silvesternacht von Köln zu relativieren. Wie auch immer, Frau Leopold arbeitet bei der ARD, genauer beim NDR, und sie leitet Tagesschau.de, das Digitalangebot der vermutlich wichtigsten Nachrichtensendung in jenem Rundfunk, den man landläufig "öffentlich-rechtlich" nennt. Und sie zitiert gerade jetzt, da Jörg Kachelmann auch von diesen Sendern ein klein wenig rehabilitiert wird, indem er eine Sendung des MDR moderieren kann, das Urteil der ersten Instanz im Prozess gegen ihn. Dieses von Misstrauen gegen Kachelmann durchtränkte Urteil gilt heute zusammen mit dem ganzen Prozess gemeinhin als Justizskandal, denn im weiteren Verlauf bewies Kachelmann nicht nur seine Unschuld: Die Frau, die ihn belastet hatte, wurde rechtskräftig wegen der Falschaussagen verurteilt. Und daneben zahlten auch noch einige Medienhäuser, die falsche Behauptungen verbreitet hatten. Natürlich kann man das vollkommen ignorieren, nur das Skandalurteil zitieren und auf den letzten Satz verweisen. Aber das macht nicht irgendwer. Das macht die Leiterin der Abteilung, die für den Online-Bereich der "Tagesschau" zuständig ist. Sie ist da noch nicht mal allein, eine Journalistin der "taz" hat das auch vor Kurzem getan.

Man kann also unschuldig im Gefängnis sitzen, man kann sich vor der ganzen Republik durch parteiische Medien fertigmachen lassen, sich wehren, seine Ehre vor Gericht verteidigen und ein Urteil gegen die Falschbeschuldigerin erwirken. Man kann absolut sauber aus der Sache herauskommen, aber da draußen ist dann immer noch eine, die denkt, sie könnte, wenn sie es nur richtig formuliert, einem noch was mitgeben. So, dass doch noch etwas haften bleibt, und so, dass gegen sie keine Anzeige möglich ist. Das, liebe Leser, macht die im NDR tätige Leiterin von Tagesschau.de, und Sie können sich nun überlegen, ob dafür die Zwangsabgaben, von denen Frau Leopold sicher nicht schlecht lebt, angemessen sind. Vor allem aber müssen Sie bedenken: Mit solchen Methoden arbeitet die Leiterin. Was sagt das über die anderen Nachrichten, die durch ihre Hände gehen, und wie sicher muss man in diesem Sender sein, dass man einen Mann mit solchen Methoden kompromittieren kann? Wer schützt diese Person, und was sagt das über den gesamten Betrieb, in dem sie arbeitet? Vor allem, weil das nicht der erste Fall ist, schon 2010 schrieb Frau Leopold zum Thema Kachelmann Unsägliches.

(...) Das Beispiel zeigt doch recht deutlich, was man sich mit der ARD als Arbeitgeber und mit einer radikal-feministischen Einstellung heutzutage alles so leisten kann – gegenüber einem, der sich nichts vorzuwerfen hat, wohlgemerkt. In der Folge versuchten viele, mit Frau Leopold zu argumentieren, aber ich denke, zwei Aspekte sind klar erkennbar: Eine gewisse Gruppe der Aktivisten wird es Kachelmann nie verzeihen, dass er überlebt und danach auch noch gewonnen hat – sie wollten ihn im Staub sehen, und nicht als Held erleben, der gezeigt hat, dass man gegen Staatsanwalt, Intrige, Gericht und weite Teile der Medien bestehen kann. Und: Sie werden weiter versuchen, ihren Spin durchzusetzen. Weil sie genau wissen, dass ihnen dabei nichts passiert, solange sie nur vorsichtig genug angreifen. Der "Spiegel" beispielsweise hat Margarete Stokowski von der "taz" übernommen, obwohl sie in einem Stück Kachelmann offen unterstellt hat, er sei durch den Prozess "heftig traumatisiert" und "paranoid": So etwas ist kein Karrierehindernis beim Relotius-Haltungsjournalismus-Magazin. Man kann das so über ein Opfer der Justiz und einer Straftäterin schreiben und wird dann trotzdem zu 100 Jahre Frauenwahlrecht von Frau Barley ins Justizministerium eingeladen – selbst wenn man kurz davor in einer Kolumne darüber nachdachte, politisch unpassende Männer mit Falschbehauptungen zu ruinieren. Das alles geht ohne Probleme, zumindest in Hamburg bei NDR und "Spiegel".




11. Mehrfach in den sozialen Medien empfohlen wurde Lucas Schoppes aktueller Beitrag Sascha Lobo und die Freude am Blocken. Ein Auszug:

Wenn Akteure wie Lobo aus einer weit überlegenen Position im Diskurs Tausende anderer blocken oder gar, wie Böhmermann, Blocklisten veröffentlichen, dann maßen sie sich an, andere Menschen nach eigenem Gutdünken aus wichtigen Aspekten des allgemeinen Diskurses auszuschließen. Blocken ist dann, anders als Lobo behauptet, nicht Freiheit, sondern Ausdruck von Macht und Willkür.

Das gilt mehr noch für Politiker und öffentliche Institutionen – und auch das streift der Netzexperte Lobo gelangweilt nur ganz nebenbei. Der Blogger "Lotosritter" beispielsweise veröffentlicht in seinem Blog, unter anderem, beeindruckende Texte über Erfahrungen als männlicher Überlebender sexuellen Missbrauchs, auch des Missbrauchs durch die eigene Mutter. Er wirft dabei politischen Institutionen vor, den Einsatz für die Überlebenden des Missbrauchs insbesondere dann zu vernachlässigen, wenn sie dem etablierten Schema des männlichen Täters und des weiblichen Opfers nicht entsprechen.

Politisch wäre eigentlich, neben dem Justizministerium, vor allem das Jugend- und Familienministerium für die Diskussion zuständig, die der Lotosritter anzustoßen versucht. Das Ministerium ist für ihn jedoch nicht über soziale Medien erreichbar – dort ist er geblockt.

(...) Ich selbst habe ebenfalls, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab als der Lotosritter, Erfahrungen mit dem politischen Blocken gemacht. Ich bin zum Beispiel von der Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, geblockt.

Ich hatte sie natürlich niemals gestalkt, sie vor dem Blocken lediglich in einem Artikel erwähnt und sie per Twitter in einem einzigen Tweet unaggressiv (wenn auch womöglich etwas ironisch) auf eine Geschichte von mir hingewiesen. Dass ich geblockt bin, habe ich einfach nur daran gemerkt, dass ich Zitate von ihr nicht mehr lesen konnte – ich hatte nie wieder versucht, sie zu kontaktieren, habe weder gewütet noch geschimpft noch gedroht, und sie musste gewiss nicht das Gefühl haben, sich vor mir schützen zu müssen. Ich vertrete wohl einfach nur Positionen, von denen sie prinzipiell nichts mitbekommen möchte.




12. Ein Teil des von Gunnar Kunz in seinem Blog veröffentlichten, mehrteiligen Rückblicks auf das "feministische Jahr 2018" ist heute ebenfalls bei Lucas Schoppe erschienen. Er trägt den Titel Medien, Zensur und Manipulation. Eine Leserin kommentierte den Text bereits auf Twitter mit dem Hinweis darauf, dass er nicht nur für eingefleischte Männerrechtler von Interesse ist:

Diese nüchterne und gründliche Auflistung von Angriffen auf die Meinungsfreiheit und Manipulation der Bevölkerung lässt bei mir ein extrem beunruhigtes Gefühl aufkommen. Das sollte eigentlich allen Demokraten so gehen. Man braucht ein bisschen Lesezeit, aber es lohnt sich.




13. Die wichtigste Sexismus-Debatte des zurückliegenden Wochen: Eine Rechtsanwältin fordert einen Zugang für Mädchen bei Knabenchören.



14. Die kirchliche Missbrauchsaufarbeitung ist laut dem Münchner Sozialpsychologen Heiner Keupp noch äußerst defizitär. Ein Grund: Frauen – etwa Nonnen und Diakonissen – seien als Täterinnen bislang kaum im Blick.



15. Mit Frauen an wichtigen Schaltpositionen wird die Welt viel friedlicher, glauben viele. Und das weibliche Geschlecht macht ja auch wirklich große Schritte voran. Inzwischen werden zum Beispiel die größten US-Rüstungskonzerne mehrheitlich von Frauen geführt.



16. Der NDR berichtet in einem hörenswerten, knapp fünfminütigen Podcast über eine neue Studie zum Leiden vieler Väter nach Scheidungen. Aus der Untersuchung ergibt sich ein Plädoyer für das gemeinsame Sorgerecht.



17. Bei einer Beschneidung in Bayern ist das Baby fast verblutet. Die Ermittlungen gegen den Arzt wurden jetzt eingestellt. Erstens gebe es keine bleibenden Schäden, zweitens darf man nach dem vor einigen Jahren von allen Bundestagsparteien beschlossenen Beschneidungsgesetz bei Jungen solche Risiken in Kauf nehmen. Wie der Bayrische Rundfunk in dem verlinkten Artikel berichtet, müssen einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zufolge jedes Jahr mindestens 400 Kinder nach einer Beschneidung stationär in einem Krankenhaus in Deutschland behandelt werden. Der Sender zitiert hierzu den Menschenrechtler Victor Schiering:

"Dieser Fall zeigt wieder, dass Jungen mit ihrem Körper, mit ihren Schmerzen, mit ihrem lebenslang reduzierten Sexualempfinden, mit all den Konsequenzen, die das haben kann, allein den Preis dafür zahlen, dass Erwachsene sich einer dringend notwendigen Menschenrechtsdebatte entziehen."




18. Einen besonders gravierenden Fall toxischer Weiblichkeit gibt es in Österreich: Dort drehte eine Sonderschul-Lehrerin Pornos mit ihrer 13jährigen Tochter.



19. Der Schweizer Verband Männer.ch hat unter Markus Theunert ein neues soziales Anliegen entdeckt: die Ehe Light für Unverheiratete. Schön, dass in der Schweiz sämtliche männerspezifischen Probleme gelöst sind, so dass man sich jetzt auch anderen Themen zuwenden kann.



20. Das Medienprojekt Wuppertal sucht für einen Dokumentarfilm Frauen und Männer, die in ihrer Familie oder Partnerschaft Gewalt erfahren haben. Während in der öffentlichen Debatte häusliche Gewalt durch den Druck der feministischen Lobby häufig auf "Mann prügelt seine Partnerin" reduziert wird, nimmt dieses Projekt die tatsächliche Gesamtheit dieser Problematik in den Blick, also auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen.



21. Ein netter Gastartikel im FOCUS: "Mein Leben als Vollzeitpapa: Was mich am meisten nervt, sind andere Mütter".



22. Der politisch enorm einflussreiche US-Psychologenverband APA (117.500 Mitglieder, 115 Millionen Dollar Jahresbudget) hat verkündet, dass traditionelle Männlichkeit psychologisch schädlich" sei:

Männer hätten allgemein wegen ihres Geschlechts Vorteile und größere Macht, aber es gebe auch viele negative Folgen. Sie würden unverhältnismäßig harter Disziplin unterworfen, scheitern häufiger an der Universitätsausbildung, haben mehr psychische Probleme (vollendeter Suizid), mehr körperliche Probleme (Herz-Kreislauf) oder andere Probleme wie Gewalt, Gefängnis, Drogen, früher Tod oder Beziehungsprobleme. Aus psychologischer Sicht kommt dazu auch noch, dass Männer oft nicht Hilfe suchen, wenn sie das brauchen, und es viele Hürden gibt, geschlechtsspezifische Behandlung anzunehmen.


Toby Young erklärt im britischen Spectator welches Gewicht solche Formulierungen wegen des immensen Einflusses von APA haben:

Dieses Edikt wird von den Universitätsverwaltungen bei der Überwachung sexueller Interaktionen auf dem Campus herangezogen werden, von den Gerichten bei der Entscheidung, wem das Sorgerecht zuerkannt wird, und von den Personalabteilungen bei der Beurteilung von Beschwerden über männliche Mitarbeiter. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese neue Anleitung das Leben von Millionen von Männern und Jungen für die kommenden Jahre beeinflussen wird.


Insofern besteht bei diesem Edikt das erhebliche Problem, dass tatsächlich selbstschädigendes Verhalten (Schmerzen und Probleme ignorieren, weil man den harten Kerl spielen möchte) und gesellschaftlich bedingte Probleme (etwa Diskriminierung im Erziehungswesen) wild zusammengewürfelt werden. Vorhersehbar war auch, dass sich feministische Plattformen sofort mit obskuren Therapieaufforderungen für Männer auf diese Botschaft stürzten, um sie für die eigene Ideologie auszuschlachten. Ist etwa "Erkennt eure Privilegien an" wirklich ein therapeutischer Ratschlag an beispielsweise depressive Männer oder nicht doch eine kaum verhüllte ideologische Parole?

Wegen dieser Gefahr des Missbrauchs ist beispielsweise der linke schwule Journalist Andrew Sullivan sehr skeptisch, was die aktuelle Erklärung des Psychologenverbandes angeht:

"Wenn wir Männer verändern können", gibt einer dieser Psychologen zu, "können wir die Welt verändern." Wenn das für Sie eher nach einem politischen Projekt als nach einem Therapieleitfaden klingt, liegen Sie nicht falsch. (...) Wenn Sie die Richtlinien lesen, erkennen Sie, dass die APA glaubt, dass Psychologen Männer darüber informieren sollten, dass das, was sie für ihre Natur halten könnten, eigentlich nur eine Reihe von sozialen Konstrukten ist, die sie verletzen, Tausende ermorden und die Gesellschaft als Ganzes tief verwunden.

(...) Die Rolle der Psychologie? Soweit ich sagen kann, ist es die Indoktrination der kritischen Gendertheorie: "Psychologen können Klienten helfen, ein Bewusstsein für Systeme zu entwickeln, die davon ausgehen, dass der Ausdruck von cisgender Männlichkeit die erwartete Norm ist, und zu identifizieren, wie sie durch die Diskriminierung von Menschen, die geschlechtsunkonform sind, geschädigt wurden. Angesichts der Zusammenhänge zwischen Sexismus und anderen Formen von Vorurteilen können Psychologen es nützlich finden, Unterdrückungen als pädagogische Strategie zu verbinden, insbesondere bei der Arbeit mit Jungen und Männern in Gruppen." Viel Glück dabei.

Und ja, die ideologische Männerfeindlichkeit ist unverkennbar. Informieren Sie sich über die gleichwertigen Richtlinien für Frauen und Mädchen, die 2007 veröffentlicht wurden. Wo Stoizismus eine schlechte Sache für Männer ist, besonders für schwarze Männer, funktioniert er bei Frauen: "In Therapie, Lehre, Forschung und Supervision werden Psychologen ermutigt, sich nicht nur der Herausforderungen bewusst zu werden, mit denen Frauen und Mädchen konfrontiert sind, sondern auch der Belastbarkeit und Stärke, die Frauen und Mädchen als Reaktion darauf gezeigt haben." Bei Männer ist "Durchsetzungsvermögen" Teil einer Krankheit, bei Frauen ist es eine Tugend.

(...) So viele der Geisteswissenschaften haben sich der kritischen Race- und Gendertheorie ergeben, das Individuum ausgelöscht und natürliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern geleugnet, dass es töricht erscheinen mag, von Psychologen zu erwarten, dass sie es besser machen. Aber für diejenigen von uns, die fest an die Bedeutung der Psychotherapie glauben und die denken, dass viele Männer viel zu zögerlich dabei sind, Hilfe und Unterstützung zu suchen, ist die Entscheidung der APA, die Hälfte der Menschheit zu pathologisieren, eine schreckliche Nachricht. Es gibt in der Tat Probleme, bei denen Männer heute Hilfe brauchen, und die Unterdrückung von Gefühlen ist definitiv ein Teil davon. Männlichkeitsaspekte - Aggression ohne Tugend, Gewaltverherrlichung, Kommunikations- und Kooperationsschwierigkeiten - sind es wert, besser verstanden zu werden, wenn sich Männer mit einem wirtschaftlichen und sozialen Umfeld auseinandersetzen sollen, in dem sie zunehmend zurückgelassen werden.

Aber das hier? Es fühlt sich erniedrigend an, das zu lesen. Um ehrlich zu sein, erinnerte es mich an die Art und Weise, wie Psychologen schwule Männer behandelten: als pathologisch, gefährlich und auf der Suche nach einer Reparatur- und Konversionstherapie. Als Homosexuelle haben wir lange Zeit gelernt, sehr vorsichtig mit Psychologen und Psychiatern umzugehen, weil sie uns routinemäßig als Individuen sahen, deren Wesen und Verhalten grundlegend verändert werden mussten - um unser selbst und um der anderen willen. Was einst gegen schwule Männer verwendet wurde, wird heute gegen alle Männer verwendet.

Wenn dieses Dokument dazu gedacht wäre, Männer zu ermutigen, eine Psychotherapie zu besuchen, dann ist es eine Katastrophe.


Ähnlich bewertet es der bereits erwähnte britische "Spectator":

Wenn Sie Zweifel an der Übernahme des amerikanischen Psychologenberufs durch Professoren der Jammerstudien haben, suchen Sie nicht weiter als bis zu diesen Richtlinien. Es gibt kaum einen Satz, der nicht mit der Ideologie der Social-Justice-Bewegung belastet ist. Das Geschlecht ist sozial konstruiert und nicht binär; das Geschlecht wird bei der Geburt zugewiesen und nicht ermittelt und aufgezeichnet; die dominante Männlichkeit ist historisch bedingt durch die Ausgrenzung von Männern, die nicht weiß, heterosexuell, cisgender, körperlich gesund und privilegiert sind; Psychologen sollten sich über die Auswirkungen von Rassismus und Homophobie auf das Verhalten und die psychische Gesundheit von Jungen und Männern informieren und den schädlichen Auswirkungen von Mikroaggressionen begegnen; weiter geht es mit Rassismus, Homophobie, Biphobie, Transphobie, Altersdiskriminierung, Ablehnung ... blah, blah, blah, blah. Das Wort "Transgender" kommt häufiger vor (56) als "männlich" (53). Das ist kein unparteiischer, evidenzbasierter Ratschlag. Es ist ein politisches Manifest.

(...) Was wirklich psychologisch schädlich erscheint, ist dieser unendliche Krieg gegen die Männlichkeit. Der Effekt, Männern zu sagen, dass ihr Wunsch, zu schützen und zu versorgen, "sexistisch" ist, und Frauen davon zu überzeugen, dass sie ohne uns besser dran sind, hat eine Epidemie des Zusammenbruchs von Familien ausgelöst. Atemberaubende 25 Prozent der amerikanischen Kinder werden von alleinerziehenden Müttern erzogen. Zweifellos denkt die APA, dass Jungen, die ohne Väter aufwachsen, besser dran sind. Schließlich wurde ihnen der Kontakt mit schädlichen männlichen Vorbildern erspart. Aber die düstere Realität sieht so aus, dass dise Jungen eher die Schule abbrechen, Alkohol- und Drogenabhängige werden und im Strafrechtssystem landen.

In der Zwischenzeit verbringen die Männer, denen gesagt wurde, dass sie nicht mehr gebraucht werden, ihr Leben mit Videospielen, werden süchtig nach Opioiden und begehen in zunehmender Zahl Selbstmord. Die durchschnittliche Lebenserwartung der amerikanischen Männer lag im vergangenen Jahr bei 76 Jahren und damit zum zweiten Mal in Folge niedriger. Wenn die APA nach Toxizität sucht, sollte sie als erstes sich selbst in den Blick nehmen.


Auch im politisch links stehenden, britischen Independent kommt Patricia Casey in einem ausführlichen Artikel aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Das Fazit ihres Artikels lautet:

Wenn Männer, die psychologische Hilfe benötigen, eingeschüchtert und untergraben werden, als wären sie politische Marionetten oder weibliche Klone, dann werden sie dagegen reagieren. Der Versuch, den männlichen Geist zu unterdrücken, kann die Probleme, die den Autoren zufolge so schädlich für Männer sind, nur verschlimmern. Eine Verbesserung kann man nicht dadurch erreichen, dass man einfach so tut, als ob Männer und Frauen dasselbe wären.


Ja dann mach's doch besser! könnten Sie nach all dieser vernichtenden Kritik zu Recht einwenden. Erfreulicherweise gibt es konkrete, vernünftige Verbesserungsvorschläge von Dr. John Barry, Mitbegründer des Netzwerks für männliche Psychologie der British Psychological Society. Ein Auszug:

Leitlinie 3 [der APA] besagt, dass "Männer insgesamt ein höheres Maß an sozialer und wirtschaftlicher Macht haben als Mädchen und Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft". Diese Aussage ist ein Beispiel für das, was wir als Gamma-Bias in der Psychologie identifiziert haben, eine Art kognitive Verzerrung, bei der Beispiele männlicher Privilegien vergrößert werden und weibliche Privilegien ignoriert oder wegerklärt werden. Beispiele für männliche Benachteiligungen sind der Bildungsabschluss der Jungen und die hohe Selbstmordrate der Männer, Beispiele für weibliche Vorteile leichtere Haftstrafen und Geschlechterquoten in wissenschaftlichen Berufen. Tatsächlich haben jüngste Erkenntnisse ergeben, dass Männer in vielen Ländern weltweit benachteiligt sind, insbesondere in Ländern mit mittlerem bis hohem Entwicklungsstand.

Therapeuten, die glauben, dass die Leitlinie 3 für ihre männlichen Klienten zutrifft, könnten verständlicherweise damit zu kämpfen haben, viel Mitgefühl für sie zu empfinden, und ein männlicher Klient könnte es schwer haben zu glauben, dass er bei solchen Therapeuten auf viel Mitgefühl stoßen wird.

Als Alternative (...) schlage ich vor anzuerkennen, dass Männlichkeit in gewissem Maße angeboren und potenziell positiv für die psychische Gesundheit ist, und die Verletzlichkeiten männlicher Klienten für uns als Therapeuten wichtiger ist als jede hypothetische patriarchale Macht. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass das schlechte Verhalten der Minderheit der Männer für einen grundlegenden Aspekt der Männer im Allgemeinen repräsentativ ist, und wir sollten erkennen, dass ein negatives Männerbild ein Hindernis für ein angemessenes Maß an therapeutischem Mitgefühl darstellt.

Ich möchte die [APA] ermutigen, ihre Leitlinien zu überarbeiten, um sie mit den Forschungsergebnissen und dem gesunden Menschenverstand in Einklang zu bringen. Ich möchte auch die Autoren anderer Leitlinien zur psychischen Gesundheit von Männern auffordern, ähnliche Änderungen vorzunehmen. Schließlich suchen Männer weniger Therapie als Frauen, auch wenn sie selbstmordgefährdet sind, weshalb wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um die Therapie männerfreundlicher zu gestalten.


Auch das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today kritisiert die Richtlinien des APA und gelangt schließlich zu dem Fazit:

Psychologie entwickelt sich zunehmend zu einem Beruf und einer Branche mit mehr Frauen, und Richtlinien wie diese wären eine wichtige Möglichkeit für Klinikerinnen, besser zu verstehen, wie man Patienten mit unterschiedlichen Geschlechtererfahrungen behandelt. Diese besonderen Richtlinien stellen einen schlechten Präzedenzfall dar, was darauf hindeutet, dass Psychologen ganz locker mit Fakten umgehen können und Forschungen ignorieren, wenn ideologische Werte für wichtiger gehalten werden. So wurde ich nicht ausgebildet, weder in der Psychologie noch als Mann.


Die neuen Richtlinien der APA waren gestern auch Diskussionsthema bei Christian Schmidt.



23. Das Europaparlament hat Wörtern wie "mankind", "manpower" und "layman" den Kampf angesagt.



24. Gegen einen der Forscher, die letztes Jahr auch für eine größere Öffentlichkeit den pseudowissenschaftlichen Charakter der "Genderstudien" aufdeckten, werden jetzt disziplinarische Maßnahmen ergriffen. Dem Chronicle of Higher Education zufolge wird der Betreffende bereits von weltbekannten Wissenschaftlern wie Stephen Pinker, Richard Dawkins und Alan Sokal verteidigt.



25. Eine Rechtsanwältin konnte durchsetzen, dass die Tulane-Universität im US-Bundesstaat Louisiana bei der Vergabe von Stipendien Männer nicht mehr finanziell diskriminiert.



26. Einen ähnlichen Sieg für die Gleichberechtigung von Männern gibt es an der britischen Universität Oxford.



27. Mitte Dezember wurde auch in deutschen Medien wie "Zeit" und "Stern" ausführlich über die sexistische Kaderschmiede "The Wing" berichtet, die Männer aus ihren Netzwerken ausschloss und eine weltweite Expansion plant. Inzwischen lässt The Wing stillschweigend auch Männer zu – nach einer zwölf Millionen Dollar schweren Diskriminierungsklage.

Kein Wunder, dass Feministinnen wegen dem Maskulismus in Aufruhr sind: Wer erklärt diesen Drecks-Männerrechtlern endlich, dass Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von FRAUEN gemacht worden sind, von FRAUEN?

Es gibt allerdings auch Stimmen, die behaupten, die Entscheidung von The Wing, sich auch Männern zu öffnen, sei eigentlich der Transgender-Lobby zu verdanken. Bezeichnenderweise heißt es in einer am Freitag von The Wing herausgebenen Erklärung, das Netzwerk werde zukünftig "keine Vermutungen über die Geschlechtsidentität von Bewerbern mehr anstellen oder diese Bewerber danach fragen, welchem Geschlecht sie sich zugehörig betrachten". Ich zum Beispiel hätte demnach auch gute Chancen auf Mitgliedschaft, denn wer weiß, vielleicht bin ich ja insgeheim eine Frau.



28. Vorbildlich: Der Frauenmarsch im kalifornischen Eureka wurde wegen einer unverhältnismäßig großen Zahl weißer Frauen abgesagt.



29. "Mobs von Frauen protestieren gegen die großen Holzfirmen und fordern gleiche Arbeit" lautet eine Schlagzeile der Satire-Website The Babylon Bee. In dem Artikel heißt es:

USA - Verschiedenen Quellen zufolge protestierten heute im ganzen Land Tausende von Frauen gegen die geschlechtsspezifische Diskriminierung bei den Holzfirmen des Landes.

"Überwältigende 99,1% der Arbeiter, die gefährliche Holzarbeiten ausführen, sind Männer! Das ist unerhört", schrie eine Frau durch ein Megaphon, als Streikposten vor den Timber Mainline Contractors im Norden Michigans aufmarschierten. "Wir fordern gleiche Einstellung in allen Berufen, sei es bei Holzfällerarbeiten, der Wartung von Starkstromkabeln oder tödlichem Hochseefischen!"

"Wir wollen auch unglaublich gefährliche Jobs machen! Wir wollen auch unglaublich gefährliche Jobs machen!" skandierten sie.

Eine Frau in Oregon kettete sich an eine Forstmaschine und erklärte, dass sie nicht herunterkommen werde, bis Beaver Lumber Mill einer zu 50 Prozent weiblichen Arbeiterschaft zustimme. "Es ist 2019, und Frauen sind immer noch nicht in gleicher Weise in den körperlich anspruchsvollsten und potenziell tödlichsten Berufen vertreten. Wie können wir sagen, dass dies ein freies Land ist, wenn Frauen nicht in dieser brutalen Art von Arbeit vertreten sind?"

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hatten die Sägewerke des Landes zugestimmt, die Demonstrantinnen einzustellen, aber diese erklärten dann, sie wollten, dass ANDERE Frauen in dieser unglaublich gefährlichen Branche das weibliche Geschlecht vertreten sollen, nicht sie selbst.




30. Da wir gerade beim Thema sind:

Eine Wissenschaftlerin hat ein dramatisches Diversitätsdefizit bei der Feuerwehr festgestellt. Heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht seien hier unter sich. Brauchen wir eine Löschdebatte?


Und das ist KEINE Satire, sondern ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen.



31. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zum neuen Jahr:

Lieber Herr Hoffmann,

schon länger hatte ich mir vorgenommen, Ihnen zu schreiben, und jetzt zum neuen Jahr und angesichts Ihrer Weihnachtsgrüße auf Genderama fand ich es passend. Zunächst möchte ich Ihnen herzlich für Ihre Aufklärungsarbeit danken. Ich lese Genderama nun schon seit mehreren Jahren, und ich muss sagen, dass wenige (oder vielleicht gar keine) Menschen so sehr dazu beigetragen haben, meinen Blick auf die Welt im Hinblick auf Geschlechterpolitik zu ändern, wie Sie!

Früher war ich selbst stolz darauf, ein "moderner Mann" zu sein, Frauen überall als benachteiligt und förderungsbedürftig wahrzunehmen, mich selbst von allzu viel Männlichkeit abzugrenzen und Quoten für eine gute Idee zu halten. Das hat sich vollständig geändert. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass eine Politik, die gefühlte und behauptete Ungleichheiten zu struktureller Diskriminierung umdeutet, den Mann als das Übel der Welt sieht und Frauen "empowern" will, indem er sie in einem kollektiven Opfernarrativ gefangen hält, kontraproduktiv und letztendlich gesellschaftsschädigend ist. Ich freue mich, dass Sie so viel Wert legen auf eine faktenbasierte Berichterstattung, die sich trotz der ein oder anderen berechtigten Spitze nicht in Polemik ergeht und immer konstruktiv auf eine positive Entwicklung für Männer UND Frauen hinarbeitet.

Nach und nach habe ich mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt und bin auf weitere wichtige Stimmen wie etwa Christina Hoff Sommers, Janice Fiamengo, Jordan Peterson, Steven Pinker, Don Alphonso, Science-Files, Hadmut Danisch etc. gestoßen. Als Stabsoffizier der Bundeswehr bin ich natürlich auch persönlich betroffen von den Bemühungen der Leitungsebene, Frauen zu "fördern", "Gleichstellung" zu institutionalisieren und Diversity und Inklusion medienwirksam zu huldigen. (Dass die Bundeswehr durchaus andere, wohl drängendere Probleme hat, lässt sich regelmäßig den Medien entnehmen.) Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass sich der gemeinsame Dienst mit Frauen in der Regel völlig unproblematisch gestaltet, die meisten mit der "von oben" vorgegebenen Gleichstellungspolitik auch nicht wirklich zufrieden sind und keine Extrabehandlung wollen. Ab und zu trifft man jedoch immer wieder mal auf eine Dame, die sämtliche Klischees in Bezug auf den "Kampf gegen das Patriarchat" und die "Unterdrückung der Frau" erfüllt.

Auch dort habe ich jedoch schon häufig "double standards" wahrgenommen und mich in der ein oder anderen Situation auch schon selbst hinterfragt, ob ich einem männlichen Untergebenen mit ebensoviel Nachsicht begegnet wäre, wie der Frau im konkreten Fall. Letztendlich gehe ich mittlerweile bewusster mit solchen Situationen um, und trotz all der berechtigten Kritik an einer Männerbewegung, die vor allem viele Texte schreibt, aber praktisch wenig sichtbar ist, glaube ich, dass schon viel gewonnen ist, wenn viele Ihrer Leser (Männer und Frauen) ihr tägliches Handeln diesbezüglich reflektieren und gegebenenfalls auch ändern. Ich persönlich würde mich mit einer analog zum vorherrschenden Feminismus lauten und aktivistischen Männerbewegung auch eher unwohl fühlen, auch wenn es weiter herausfordernd bleibt, politisch Einfluss geltend zu machen. Trotzdem glaube ich, dass sich die Dinge langsam ändern – und die zunehmend überdreht wirkenden Äußerungen von Feministinnen und Vertretern der Gender-Studies werte ich da als Bestätigung.

Ich habe Ihren Blog auch schon Freunden empfohlen, immer dann, wenn sich Diskussionen über Geschlechterthemen ergaben und sie von meiner Sichtweise überrascht waren. Ich habe diese Empfehlungen immer als Hinweis, nie laut oder rechthaberisch ausgesprochen und konnte feststellen, dass der Effekt bei denen, die sich darauf einließen, immer zu merken war. Deshalb möchte ich Sie herzlich bitten, mit Ihrer Arbeit weiterzumachen, die ich für sehr wertvoll und unbedingt notwendig halte, um insbesondere Männer auf die Einseitigkeit der deutschen wie auch der internationalen Geschlechterpolitik aufmerksam zu machen. Ich habe mich dementsprechend auch entschlossen, dieser Bitte mit einer bescheidenen monatlichen Spende für Ihre Arbeit mehr Nachdruck zu verleihen.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf einen Artikel in der WELT: Gisela Friedrichsen schreibt über die Geschichte hinter der "ZEIT"-Berichterstattung zum Fall Dieter Wedel. Neben den merkwürdigen journalistischen Praktiken fiel mir eine Tatsache besonders ins Auge: Die Protagonistin der Geschichte, die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel, war ausdrücklich nur zu einer Äußerung bereit, wenn sichergestellt sei, dass der behauptete Übergriff verjährt sei. Das ist nicht gelungen, und Friedrichsen schildert die Konsequenzen: "Sie musste auch bereits jene von ihr erwähnten Frauen namhaft machen, die anonym bleiben wollten. Denn auch diese sind nun potenzielle Zeuginnen in der Causa Wedel. Sollte es zu einem Strafprozess kommen, stünden sie alle wider Willen im Licht der Öffentlichkeit. Wie es heißt, ermittle die Münchner Staatsanwaltschaft in dem heiklen Fall überaus gründlich."

Nun darf man hoffen, dass die Münchner Staatsanwaltschaft hier gründlich ermittelt, denn es geht immerhin um einen behaupteten schweren sexuellen Übergriff! Viel erstaunlicher finde ich hingegen, dass es ausdrücklich nicht zum Prozess kommen sollte. Es geht also nicht um Aufklärung und Bestrafung, sondern um die mediale Verarbeitung von Behauptungen schwerster Straftaten, ohne dass diese jemals gerichtlich überprüft worden wären. Welch eine perfide Vorgehensweise! Dementsprechend bin ich froh, dass es dann doch ganz anders kam. Man darf auf die Ermittlungsergebnisse gespannt sein.

Wie immer können Sie diese Zuschrift gerne veröffentlichen, jedoch (Sie denken es sich) bitte ohne Namensnennung.

Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr, viel Energie für die weitere Recherchearbeit und Genderama noch ein langes Bestehen!

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