Sonntag, März 29, 2020

Verein macht Genderstudien für fehlende Finanzmittel bei Virenforschung verantwortlich – 29. März 2020

1.
Der Verein Deutsche Sprache e. V. behauptet: "In Deutschland werden Milliardenbeträge für den Genderunfug ausgegeben. Diese Gelder fehlen Krankenhäusern oder den naturwissenschaftlichen Uni-Fakultäten - zum Beispiel in der Virusforschung". Dafür wird der Verein nun kritisiert.


Die Berliner Zeitung berichtet und zitiert dabei nur die kritischen bis ablehnenden Reaktionen. Unerwähnt bleibt der große Erfolg des Facebook-Kommentars, der mit über 1300 "Likes" viel Zustimmung erhielt und mehr als 700mal geteilt wurde.



2. Ein Beruf, der in den letzten Tagen kaum als "systemrelevant" gewürdigt wurde (warum nur?), ist der Bauarbeiter. Viele dieser Männer schuften auch während der Pandemie weiter.



3. Feministinnen setzen währenddessen andere Prioritäten.



4. Johnny Depps 50 Millionen Dollar schwere Verleumdungsklage gegen Amber Heard wird vor Gericht zugelassen.



5. Peter Wright schließt sich sarkastisch den "Frauen-am-meisten-von-Corona-betroffen"-Artikeln an:

Während der Rat für Frauen, sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren, immer dringlicher wird, haben (…) die meisten Mainstream-Pressevertreter den vielleicht verheerendsten Preis übersehen, den Frauen infolge dieser Pandemie zahlen werden: die Reduzierung der Männer im verfügbaren Dating-Pool.

Dabei durchzieht die Gesellschaft eine große, fette Lücke, und wir vergessen allzu schnell Hillary Clintons klugen Ratschlag, dass Frauen die Hauptopfer von Kriegen - oder in diesem Fall von Pandemien - sind.

Sowohl kollektiv als auch individuell müssen wir innehalten und einen Gedanken an Becky verschwenden, die in einem bescheidenen Job im örtlichen Sandwich-Laden arbeitet und sich nach einem Ehemann sehnt, der das finanzielle Rückgrat ihres Traums für ein besseres Leben bildet. Oder denken Sie an die einsame Chloe, eine Feministin, die in der UNESCO-Abteilung der Vereinten Nationen arbeitet und sich einen Mann wünscht, der sie in ihrer endlosen emotionalen Arbeit unterstützt. Diese Frauen, und Millionen andere wie sie, werden feststellen, dass das Dating-Spiel sehr viel schwieriger wird, da die Zahl der verfügbaren Männer durch den Tod immer geringer wird - ganz zu schweigen von der Konkurrenz zwischen den Frauen um die verbleibenden Männer, die viel gehässiger und bösartiger werden wird.

Interessiert es jemanden, dass Becky jetzt mit bösartigen Aggressionen konfrontiert wird, wenn sie einfach nur ein Date sucht, oder dass Chloe einsamer denn je sein wird?

Das bezweifle ich. So ist das Leben einer Frau.

Samstag, März 28, 2020

Handelsblatt: "In der Coronakrise schlägt die Stunde der alten weisen Männer" – News vom 28. März 2020

1. "In der Coronakrise schlägt die Stunde der alten weisen Männer" betitelt das "Handelsblatt" einen Artikel, der einen bemerkenswerten Kontrapunkt zu dem Geläster über alte weiße Männer vor der Pandemie darstellt. Am Beispiel der Unternehmer Erich Sixt, Heinz Hermann Thiele und Dietmar Hopp wird erläutert, wie die "patriarchalen Unterdrücker" sich gerade positionieren. Ein Auszug:

Auch Dietmar Hopp ist in diesen Tagen im Rampenlicht. Anfang März musste sich der SAP-Gründer von Fußballfans noch verschmähen lassen, nun ist der 79-jährige einer der größten Hoffnungsträger des Landes. Als die Pandemie noch weit entfernt war, investierte der Unternehmer in die Virenforschung. Nun ist es das von ihm maßgeblich finanzierten Biotechunternehmen Curevac, das in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes weltweit ganz vorne mitarbeitet.

Während die Republik überlegt wie sie ihre Senioren vor dem Coronavirus am besten schützt, sind ihre ältesten Unternehmer hoch aktiv. (…) Sixt, Hopp und Thiele sind (…) keineswegs Hasardeure. Keiner von ihnen hat sein Geld geerbt, sie starteten unter denkbar schlechten Vorzeichen in ihr Leben. In Kriegszeiten geboren, haben sie in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ein Vermögen gemacht. Wer heute mit Vertretern dieser Generation spricht, trifft oft auf eine gewisse Gelassenheit, was die materiellen Folgen der Coronakrise angeht. (…) So widerspricht Erich Sixt auch der Kanzlerin Angela Merkel bei der Feststellung, dass diese Krise die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg sei. Wer nach dem Krieg von Schulspeisung gelebt hat, den können auch ein paar Wochen Shutdown im Wohlstandsland nicht schocken. (…) Die Generation der alten weißen Männer wird gern verspottet, aber sie hat die Erfahrung aus existenziellen Krisen und der sich daraus ergebenden unternehmerischen Chancen anderen voraus. Sixt wird mit der dicksten Eigenkapitaldecke der Branche in die Nach-Corona-Zeit fahren. Heinz-Hermann Thiele wird ein Schlüsselspieler beim Neustart der Lufthansa. Und Dietmar Hopp wird mit Curavec hoffentlich helfen, die Corona-Krise zu beenden. Gut, dass wir sie haben.




2. Aber auch jüngere, nicht-vermögende Männer sind während der Pandemie besonders gefragt. Österreich etwa debattiert darüber, ob man frühere Zivis zwangsverpflichten sollte, um die fehlenden Krankenpfleger auszugleichen. Zur Bewältigung von Corona wurde auch der Grundwehrdienst gerade um zwei Monate verlängert. Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger sagte am Freitag, die jungen Männer würden dringend vor allem in Krankenhäusern gebraucht, um das Personal dort zu unterstützen und entlasten. Auch die Soldaten sind aktuell mit sogenannten Unterstützungseinsätzen gefordert.

Siehe zum selben Thema auch " Welche Männer wegen der Corona-Krise einrücken und mit anpacken".

Dass noch vor einem halben Jahr (weiße) Männer vor allem als Zielscheibe für Resentiments dienten, kommt einem rückblickend besonders dekadent vor.



3. Werdende Väter sollten auch während der Pandemie in den Kreißsaal dürfen, befindet der Verband der Frauenärzte:

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) weist darauf hin, dass die World Health Organisation (WHO) und die europäischen gynäkologischen Fachgesellschaften keine Evidenz dahingehend sehen, die PartnerInnen von gebärenden Frauen von der Geburt auszuschließen, sofern sie nicht positiv auf SARS-CoV-2 getestet sind oder Krankheitssymptome haben1.

"Gleichzeitig appellieren wir aber auch an das Verantwortungsbewusstsein der Schwangeren und ihrer PartnerInnen, vorhandene Symptome nicht zu verschleiern. Das würde andere Familien und auch das Krankenhauspersonal unnötig in Gefahr bringen", warnt DGGG-Präsident Prof. Dr. Anton J. Scharl in Anbetracht der anhaltend hohen Infektionszahlen.

Die PartnerInnen im Kreißsaal erfüllen wichtige Funktionen unter der Geburt. Nicht zuletzt leisten sie in diesem besonders vulnerablen Moment essentiell wichtigen mentalen Beistand für die Gebärenden. Die DGGG empfiehlt daher Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Landesministerien, dies bei Ihren Erlassen und Verordnungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu berücksichtigen.


Vor allem wegen fehlender Schutzkleidung dürfen zum Beispiel in Rheinland-Pfalz viele Väter bei der Geburt nicht dabei sein.

In Franken lassen Kliniken Väter nach anfänglicher Weigerung wieder bei der Geburt dabei sein. Voraussetzung dafür sind "umfangreiche Hygienemaßnahmen" und das Tragen einer Schutzmontur: "Das ist möglich, wenn der Vater symptomfrei ist und in den letzten 14 Tagen keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatte."



4. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz stellt klar, was die Coronakrise für Trennungsfamilien und den Umgang mit ihren Kindern bedeutet. In einem FAQ werden die wichtigsten Fragen zu diesem Thema beantwortet. Irritierend bleibt, dass es dieselbe Orientierungshilfe nicht von seiten des Frauen- und Familienministeriums gibt.



5. Ministerin Franziska Giffey (SPD) will während der Pandemie Frauen besser vor Gewalt schützen:

"Die Fallzahlen häuslicher Gewalt, die sich in aller Regel gegen Frauen und Kinder richtet, werden voraussichtlich zunehmen", sagte Giffey der "Rheinischen Post". "Derzeit leerstehende Hotels können für Frauen, die vor Gewalt fliehen, geöffnet werden", wenn Frauenhäuser überfüllt seien, schlug sie vor.

Sie sei mit ihren Länderkollegen im intensiven Austausch über die Lage und konkrete Maßnahmen, berichtete Giffey. Als positive Beispiele nannte sie die Stadt Kassel, die leerstehende Ferienwohnungen für Frauen in Not angemietet habe, sowie Berlin, wo "zwei ganze Hotels als Schutzräume gebucht" worden seien.


Mit anderen Worten: Giffey betreibt nach denselben moralischen Maßstäben Politik, nach denen sie ihre Doktorarbeit erstellt hat.

Hamburg hat schon mal eine Pension für Opfer häuslicher Gewalt gebucht:

Zwar gibt es in der Hansestadt bisher keine Hinweise darauf, dass häusliche Gewalt wegen der Ausgangsbeschränkungen zugenommen hat. Auch das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" registriert kein Plus an Anrufen.


Aber man weiß ja nie … So fragt dann auch der "Stern": "Corona-Quarantäne: Bleibt der Schutz von Kindern und Frauen vor Gewalt auf der Strecke?" Wobei der "Stern" sich immerhin darauf beziehen kann, dass einflussreiche Frauenrechtsorganisationen einen besonderen Schutz für Frauen fordern. Vergleichbare Forderungen von einflussreichen Männerorganisationen wie dem "Bundesforum Männer" gibt es ja nicht.



6. London bringt hunderte Obdachlose während der Pandemie in Hotelzimmern unter. Dies geschieht durch Taxifahrer, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet hätten.



Weiter geht es mit Meldungen, die nichts mit Corona zu tun haben.



7. In den letzten Tagen sind mehrere Artikel über den Inhalt von Woody Allens Memoiren erschienen. Ich zitiere hier einmal Spiegel-Online:

In der am Montag in den USA erschienen Autobiografie "Apropos of Nothing" (…) widmet Allen sogar mehr als 50 Seiten dem Vorfall von 1992, bei dem er seine damals siebenjährige Adoptivtochter sexuell missbraucht haben soll. (…) Erst mit dem Aufkommen der MeToo-Bewegung fanden die Vorwürfe weitreichend Gehör und sorgten de facto für das Ende von Allens Karriere.

(…) Grund für die Anschuldigungen sei seine Beziehung zu Mia Farrows Adoptivtochter gewesen. Er habe, da er mit Farrow nie zusammengelebt habe, Soon-Yi als Kind kaum gekannt. Erst als sie erwachsen war und aufs College ging, habe Farrow Allen gebeten, ein bisschen Zeit mit der angeblich verstockten Adoptivtochter zu verbringen. Also nahm Allen, damals 57 Jahre alt, die 22-Jährige mit zu Baseballspielen. Die Beziehung zu Farrow sei da schon abgekühlt gewesen, Soon-Yi und Allen verlieben sich, haben Sex und machen, angeblich durch Zufall, weil eine Kamera gerade herumlag, nackt Polaroidfotos. (…) Die Sache mit Farrow sei vorbei gewesen, Soon-Yi 22 Jahre alt und nicht mit ihm verwandt, auch habe er keine Vaterfigur für sie dargestellt.

Er beschreibt dann, wie Mia Farrow die Fotos in Allens Penthouse in New York findet, als sie den damals vierjährigen Ronan, der damals noch Satchel hieß, von seiner Therapiestunde abholte, die wöchentlich in Allens Apartment stattfand. Farrow hätte ihm daraufhin verkündet, ihre Rache werde schlimmer sein als Allens Tod und sie nehme ihm nun seine Tochter weg, denn er habe ihr ihre weggenommen.

(…) Die Rache-Erzählung, wie Allen sie präsentiert, (…) klingt, kontextlos betrachtet, wahrscheinlicher als die Geschichte, dass Allen auf einmal seine Adoptivtochter missbraucht. Aber wie weit kommt man mit Wahrscheinlichkeiten schon bei Sexualverbrechen und wie unendlich kaputt oder krank können Menschen sein, die uns in Ordnung erscheinen, oder im Falle von Woody Allen sogar charmant und geistreich? (…) Trotzdem ist es richtig, dass Allen seine Seite der Geschichte nun dargelegt hat und ihm das im Zuge der Cancel-Kultur nicht verboten wurde.




8. Die neuesten Marvel-Superhelden sind "Safespace" und "Schneeflöckchen". Darüber berichtet der hier verlinkte Artikel der "Welt" – sowie ca. 180 empörte, belustigte und andere Videos auf Youtube.



9. Der konservative Washington Examiner beklagt, dass dasselbe Lager, das bei den unbewiesenen Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe gegen Brett Kavanaugh noch "Glaubt den Frauen!" rief, sich bei den Vorwürfen gegen Joe Biden, kommender Präsidentschaftskandidat der Demokraten, sehr zurück hält:

Natürlich müssen die Konservativen, um sich nicht selbst zu widersprechen, darauf bestehen, dass Biden ein faires, ordentliches Verfahren verdient, und Anschuldigungen allein kein ausreichender Beweis sind, um einen Mann als sexuellen Angreifer zu brandmarken und seinen Ruf und seine Karriere zu torpedieren. Aber Bidens Anhänger sind aufgrund des zutiefst illiberalen Präzedenzfalles, den sie während der Kavanaugh-Affäre geschaffen haben, in einer ziemlich schwierigen Lage. (...) Sogar Biden selbst verfolgte in der Kavanaugh-Affäre einen "Glaubt-allen-Frauen" Ansatz. Damals sagte er: "Damit eine Frau im grellen Licht der Aufmerksamkeit nach vorne treten kann, muss man auf nationaler Ebene von der Annahme ausgehen, dass zumindest das Wesen dessen, worüber sie spricht, real ist." Sicherlich müssen wir also davon ausgehen, dass "das Wesen" dessen, was [Bidens Anklägerin Tara] Reade sagt, auch "real" ist.

(…) Natürlich könnten die Verteidiger von Biden schnell darauf hinweisen, dass Reade eine Anhängerin von Bernie Sanders ist, dass der Zeitpunkt ihres Auftretens in der Tat politisch verdächtig ist und dass es bisher keine substanziellen Beweise oder Bestätigungen für ihre Behauptungen gibt. Sie haben Recht. Folglich sollten die Konservativen behaupten, dass Biden die Unschuldsvermutung verdient. Aber das galt auch für Kavanaugh, und die Demokraten entschieden damals, dass es keine Rolle spielte.

Jetzt ist es an der Zeit, dass die Linken den Preis für ihren parteiischen Verzicht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren in der Öffentlichkeit zahlen. Wenn die Demokraten nicht bereit sind, Biden aufzugeben, sollten die Konservativen darauf bestehen, dass die Demokraten zugeben, dass sie sich in Bezug auf Kavanaugh geirrt haben - und versprechen, dass sie in Zukunft die Rechte auf ein ordnungsgemäßes Verfahren für alle, nicht nur für ihre politischen Verbündeten, respektieren werden.


Stattdessen trenden inzwischen die Hashtags #TimesUpBiden und 'BelieveTara. Das linke Magazin "Vox" berichtet.

Freitag, März 27, 2020

Massive Kritik an Bundesforum Männer wegen Corona-"Survival-Kit" – News vom 27. März 2020

1. Nachdem Genderama gestern über das fragwürdige "Survival-Kit für Männer" während der Corona-Pandemie berichtet hatte, bewarb es das deutsche Bundesforum Männer, das für diesen "Survival-Kit" mit verantwortlich zeichnet, auf Twitter. Während das Bundesforum damit immerhin elf "Gefällt-mir"-Rückmeldungen erntete, hagelte es von männlicher wie weiblicher Seite vor allem Kritik, die teils sehr unverblümt geäußert wurde. Hier nur einige Beispiele aus den zahlreichen Kommentaren:

Welche Priorität für Euch angebliche Männervertreter Männer tatsächlich haben sieht man daran, an welcher Stelle daran gedacht wird, dass auch Männer Opfer übergriffiger Partnerinnen sein könnten:

An letzter Stelle.

Niemand braucht Euch Pseudo-Männerrechtler.


Wenn ich so einen Quatsch lese, obwohl es 560 Studien und Veröffentlichungen gibt, die eine Gleichverteilung der Geschlechter bei häuslicher Gewalt sehen, und somit gesamtsystemische Ansätze als Lösung bedingt, verliere ich die Beherrschung!


Diesen ganzen Schrott kann man 1 zu 1 auf Frauen anwenden, aber nein, unser BFMaenner arbeitet sich mal wieder an dem toxischen, gewalttätigen Mann ab.

Das ist keine Geschlechterpolitik, das ist Männerverachtung.

Wir Männer wären ohne euch besser dran!


Puh, wer ist bei Ihnen für Social Media & Kommunikation verantwortlich? Der @Frauenrat? @BMFSFJ?

Reihenweise werden wegen #COVID19 Umgänge gestrichen & Kinder entfremdet. Ist das per Ministerien-Erlass bei Ihnen auf dem Index?

Das zweite Mal binnen kurzer Zeit so ein Ding.


Können bitte alle damit aufhören uns täglich einzureden, dass morgen alle Männer ganz doll gewalttätig werden? (rosa Elefant und so ...) Das Thema ist sehr ernst! Als seit Jahren damit als Rechtsanwältin befasst, kann ich mir nur noch an den Kopf fassen; das ist verantwortungslos.


(Dieser Tweet erhielt bislang fast viermal so viel Zustimmung wie die Vorstellung des Merkblatts selbst.)

Die Tipps gegen Stress sind zwar trivial, aber trotzdem okay;

Wenn diese nur nicht wieder in das Narrativ der Männer als tickende Zeitbomben, die jederzeit Frauen vermöbeln könnten, eingebettet wären ...


Persönlich würde mir eine Höherpriorisierung von zeitgemäßen Herausforderungen in der männlichen Realität hier vor klischeehaften Gewalttäter-Schubladen wünschen. Von häuslicher Gewalt sind alle Menschen (Frau und Mann gleichermaßen) betroffen.


Leider fehlt im 'Survival-Kit', wie Männer bei rechtswidrigen Umgangsverweigerungen dem Corona-Druck begegnen können, also der psychischen Gewalt, der sie und die Kinder in dem Moment ausgesetzt sind. Vielleicht geht Ihr Angebot manchmal am Bedarf vorbei.


Die harte Kritik ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das staatliche Bundesforum den Zusammenschluss mit der Basis der Männerbewegung immer noch nicht gefunden hat. Dass unter all den für diesen "Survival-Kit" konsultierten "Fachmännern" kein einziger war, der dieses Fiasko vorhersah und darauf hinwirkte, ein wenigstens geschlechtsneutrales Merkblatt zu erstellen, deutet darauf hin, dass das Bundesforum in einer ganz eigenen Filterbubble agiert. Vermutlich wäre es sinnvoll, in die dortigen Entscheidungsprozesse allmählich auch Menschen einzubinden, die männliche Opfer ernster nehmen.



2. Zum selben Thema passt dieser Beitrag:

Bitte halten Sie Abstand zu mir. Ich bin ein "gefährlicher Mensch" und ein "Lebensrisiko". Weil ich ein Mann bin. Hat neulich eine Expertin für häusliche Gewalt geschrieben. Unter uns, was das betrifft, bin ich auch Experte.

Nun habe ich einige Tage auf den #Aufschrei gewartet. Nichts. Überhaupt rein gar nichts! Ich indes will #metoo rufen. Schon wieder musste ich mich als Mann in eine Rolle drängen lassen, die ich nie in meinem Leben eingenommen habe. Weder bin ich je das Lebensrisiko einer Frau gewesen. Noch war ich für sie gefährlich. Für Dorothea Blunck vom hessischen Landespräventionsrat bin ich aber als Mann genau das: Das größte Risiko im Leben einer Frau. Ein Predator, wie man im Englischen zu so einem Typ Mann sagen würde – und was nichts anderes heißt wie "Raubtier".

Kurz gesagt, es wurde mal wieder die ganze männliche Menschheit über einen Kamm geschert. Ganz unbeschwert und im Rahmen der von der Allgemeinheit finanzierten Hessenschau. Passend zum Weltfrauentag natürlich. Als Mann und Gebührenzahler wähne ich mich doppelt verunglimpft. Häusliche Gewalt kenne ich auch als Opfer: Daher muss ich feststellen, dass mich dieses Schurkinnenstück nochmals extra verunglimpft.


Weiter geht es im linken Blog Neulandrebellen.



3. Der Männerrechtler Lucas Schoppe hat sich vernünftigerweise ein paar Tage Zeit gelassen, um über den Umgang unserer Gesellschaft mit der Corona-Pandemie nachzudenken. So konnte er einen absolut lesenswerten Beitrag darüber verfassen: "Humanität in Zeiten von Corona".



4. In dem Artikel "Vaterlos auf Zeit" beschäftigt sich Spiegel-Online mit der Situation von Trennungskindern während der Pandemie.

Währenddessen stellt die Bundesregierung auf Facebook klar:

Frage: Was bedeuten die neuen bundesweiten Regeln für getrennte Eltern und ihre Kinder?

Antwort: In Trennungsfamilien bleibt grundsätzlich die bisherige Vereinbarung oder gerichtliche Festlegung gültig - denn auch in Zeiten von Corona bleibt eine emotionale Bindung zu beiden Elternteilen für Kinder wichtig. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, das Kindeswohl zu schützen.


Auch die Legal Tribune widmet sich dem Thema "Umgangsverweigerung wegen Corona"



5. Die Tagesschau berichtet, was die Pandemie für Obdachlose bedeutet:

Für Obdachlose bricht mit der Corona-Krise praktisch das gesamte Netz zusammen, das sie sonst über den Tag kommen lässt. Mit der Zahl der Passanten in den Innenstädten sinkt auch die Zahl der Spenden oder Pfandflaschen. Und auch andere Möglichkeiten, Geld zu verdienen, fallen weg - wie etwa der Verkauf von Straßenmagazinen. "Schweren Herzens" habe man das einstellen müssen, sagt Jörn Sturm, Geschäftsführer des Magazins "Hinz&Kunzt". "Unsere Sorge ist, dass wir die Verkäufer anstecken oder dass sie sich an ihrem Verkaufsplatz anstecken."

Diese Ansteckungsgefahr besteht für Menschen, die auf der Straße leben, in ganz besonderem Maße. "Wohnungslose Menschen können nicht zu Hause bleiben. Ihnen fehlen die schutzbietenden eigenen vier Wände", sagt Jens Rannenberg vom Evangelischen Fachverband EBET. Die Aufforderung, zu Hause zu bleiben und physische Kontakte einzuschränken, gehe völlig an ihrer Lebenswirklichkeit vorbei. Und selbst simple Schutzvorkehrungen wie regelmäßiges Händewaschen sind ein Problem, wenn es kaum Orte gibt, an denen man das tun kann.

Hinzu kommt, dass viele Obdachlose durch das jahrelange Leben auf der Straße an Krankheiten leiden und körperlich geschwächt sind. Sie sind daher eine "Risikogruppe" was Corona anbelangt.

Doch gerade viele medizinische Hilfsangebote mussten ihre Arbeit einschränken oder sogar einstellen. Gründe dafür seien zum einen fehlende Schutzkleidung und Desinfektionsmittel, zum anderen das Alter der in der Regel ehrenamtlichen Helfer, so Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. "Dort arbeiten oft Ärzte und Pflegekräfte im Ruhestand, die jetzt selbst zur Corona-Risikogruppe gehören."

Der Alltag Obdachloser sei momentan "noch bedrohlicher als sonst", so Rosenke weiter. Die Einschränkungen in der Bereitstellung von Lebensmitteln, ärztlicher Versorgung und Tageseinrichtungen werfe die Menschen noch mehr auf sich zurück.

Und was ist, wenn sich ein Obdachloser mit dem Coronavirus infiziert? Dann müsste er eigentlich dringend isoliert werden. Aber wo? Die Sozialgenossenschaft Karuna, einer der Träger von Obdachlosenarbeit in Berlin, sprach sich für Quarantänezentren für Obdachlose in der Stadt aus. Drei Berliner Hotels hätten gegenüber Karuna ihre Bereitschaft erklärt, ihre Häuser dafür zur Verfügung zu stellen, sagte Karuna-Vorstand Jörg Richert.

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach will wegen der Corona-Pandemie nun neue Unterkunftsmöglichkeiten für Obdachlose in der Bundeshauptstadt schaffen. "Wir brauchen einen Rettungsschirm für Obdachlose", sagte die Linken-Politikerin. Die Angebote sollten aus Infektionsschutzgründen deutlich über eine Notübernachtung hinausgehen. Gebraucht würden dauerhafte Wohnplätze in Zimmern, hauptamtliche Sozialarbeitende, ein Catering, eine kontrollierte Drogenabgabe und medizinische Versorgung.




6. Der britische Guardian beschäftigt sich damit, warum weit überwiegend Männer von Corona betroffen sind. Es liegt wohl eher nicht daran, dass wir Kerle so viel mehr rauchen und saufen würden:

"Die zunehmende Beobachtung einer erhöhten Sterblichkeit bei Männern gilt für China, Italien und Spanien. Wir sehen dies in sehr unterschiedlichen Ländern und Kulturen", sagte Sabra Klein, Professorin an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. "Wenn ich das sehe, denke ich, dass es etwas Universales geben muss, das dazu beiträgt. Ich glaube nicht, dass Rauchen der wichtigste Faktor ist."

Frühere Forschungen, auch von Klein, haben ergeben, dass Männer eine geringere angeborene antivirale Immunantwort auf eine Reihe von Infektionen, einschließlich Hepatitis C und HIV, haben. Studien an Mäusen deuten darauf hin, dass dies auch für Coronaviren zutreffen könnte, obwohl Covid-19 speziell nicht untersucht wurde.

"Ihr Immunsystem löst möglicherweise keine angemessene Reaktion aus, wenn es das Virus zum ersten Mal sieht", sagte Klein.

Auch Hormone können eine Rolle spielen - Östrogen erhöht nachweislich die antivirale Reaktion von Immunzellen. Und viele Gene, die das Immunsystem regulieren, sind auf dem X-Chromosom kodiert (von denen Männer eines und Frauen zwei haben), so dass es möglich ist, dass einige Gene, die an der Immunantwort beteiligt sind, bei Frauen aktiver sind als bei Männern.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunreaktion auf Covid-19 werden wahrscheinlich in den Antikörperuntersuchungen, die derzeit weltweit durchgeführt werden, auftauchen. Klein sagte, sie habe bereits Arbeiten dazu von chinesischen Teams überprüft, die Blutproben von Patienten im Verlauf der Infektion verfolgt haben. "Wir können bald mehr dazu erwarten", sagte sie.




7. Joe Biden, der für die Demokratische Partei das Amt des US-Präsidenten anstrebt, hat erneut mit Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit zu schaffen. Das ist besonders pikant, weil Biden selbst immer wieder gegen eine "rape culture" an amerikanischen Universiäten gewettert und ein hartes Durchgreifen gegen die Beschuldigten gefordert hat. Die Yahoo-News berichten:

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden sieht sich mit einer neuen Anschuldigung wegen sexueller Übergriffe konfrontiert, die von einer Frau namens Tara Reade stammt. Sie sagt, sie versuche seit 1993, als es angeblich geschah, ihre Geschichte zu erzählen. Reades Behauptung steht mitten in Bidens schwungvollem Präsidentschaftswahlkampf und steht im Einklang mit anderen Geschichten, die Frauen über ihr Unbehagen an der Art und Weise, wie Biden sie berührt habe, schilderten..

Reade war 1993 Mitarbeiterin von Joe Biden, als sie behauptet, er habe sie mit seinen Fingern vergewaltigt. (…) Nun hat sie ihre Erfahrungen mit Biden in der Katie-Halper-Show ausführlich beschrieben. Laut Reade drückte Biden sie gegen eine Wand und drang ohne ihre Zustimmung mit ihren Fingern in sie ein. "Es geschah alles auf einmal, und dann... seine Hände waren auf mir und unter meiner Kleidung", sagt sie. Sie erinnert sich auch, dass er fragte: "Willst du woanders hingehen?" und dann, als sie sich zurückgezogen hatte: "Komm schon, ich habe gehört, dass du mich magst." Reade sagt, dass "alles in diesem Moment zerbrach" und seine Behauptung, er dachte, dass sie ihn mochte, gab ihr das Gefühl, dass sie diese Situation irgendwie herbeigeführt habe. "Ich schaute zu ihm auf, er war so alt wie mein Vater. Er war in meinen Augen dieser Verfechter der Frauenrechte", sagt sie. "Ich wollte Senatorin werden, ich wollte nicht mit einem schlafen."

Im Anschluss an ihre Anschuldigungen gegen Biden wurden in Berichten von Ryan Grim von The Intercept alle Wege beschrieben, auf denen Reade gehindert wurde, ihre Darstellung zu schildern - auch von Time's Up, der hochkarätigen Organisation, die gegründet wurde, um Überlebenden zu helfen, ihre Geschichte inmitten der #MeToo-Bewegung zu erzählen, die im National Women's Law Center untergebracht ist. Laut Grims Bericht bat Reade die Organisation im Januar dieses Jahres um Hilfe, aber ihr wurde gesagt, dass sie ihr nicht helfen könnten, weil dies ihren gemeinnützigen Status gefährden würde, da er ein Präsidentschaftskandidat sei. (...) Reades Anschuldigung hat einen Diskurs über soziale Medien eröffnet, warum die Mainstream-Medien die Geschichte ignorieren.




8. In den USA wurde eine Liste von 85 Universitäten erstellt, an denen sexistische Diskriminierung herrscht. Diese Diskriminierung fällt grundsätzlich zum Nachteil von Männern aus. Auf der Website Minding the Campus heißt es hierzu:

Zu den schlimmsten Übeltätern im Land zählt die Universität von Missouri - Kolumbien, die 70 Stipendien für weibliche und eines für männliche Studenten anbietet. Die 70 ausschließlich an Frauen gehenden Stipendien richten sich an ein breites Spektrum von akademischen Bereichen, darunter Medizin, Pädagogik, Journalismus, Kunst und andere Fachbereiche. Die einzige Auszeichnung für männliche Studenten, der Eric G. Rowe-Stipendienfonds, ist für "verdiente Bauernjungen" reserviert, die planen, die Landwirtschaftsschule der Universität zu besuchen.

(...) Mark Perry, Professor an der University of Michigan-Flint, hat dies so kommentiert: "Die Universitäten würden niemals besondere Vorteile für Männer oder die Diskriminierung von Frauen tolerieren; aber andererseits tolerieren sie nicht nur die Diskriminierung von Männern und besondere Vorteile für Frauen, sondern sie fördern, finanzieren und unterstützen aktiv die illegale Diskriminierung. Die illegalen diskriminierenden Programme werden trotz der großen Zahl von Diversity-Beauftragten intern nicht korrigiert".




9. Die Post:

Mein Leser Noah Lilienthal schreibt mir heute:

Danke für Deine Thematisierung des Merkblatts Männer unter Druck. Für mich ist die Publikation des Merkblatts in dieser Form bedauerlich, da ich männer.ch bereits vor der Publikation auf die Disbalance ihrer Darstellungen zwischen Männern als Täter resp Opfer von häuslicher Gewalt hingewiesen hatte, und dies von ihnen auch als Versäumnis eingeräumt worden war

Dies ist sehr schade, da ich eigentlich finde, dass männer.ch in Deiner Berichterstattung traditionell in einem zu schlechten Licht erschienen sind. Du hast sie oft als Schweizer Pendent zu Thomas Gesterkamp dargestellt, was aber ausser Acht lässt, dass sie sich in den vergangenen 10 Jahren auch immer wieder sehr aktiv, teils erfolgreich, und teils gegen massiven Widerstand von feministischen Organisationen für Themen eingesetzt haben, die für Männer wirklich wichtig sind (z.B. für gemeinsamen Sorgerechts, Wechselmodell, gegen untragbare Kinderalimente und die Nur-Männer-Wehrpflicht). Auf jeden Fall fallen sie den schweizerischen nicht-feministischen Männer- und Väterorganisationen (z.B. VeV, IGM) nicht ständig in den Rücken (wie Gesterkamp & Co). Im Gegensatz zu Deutschland war in der Schweiz die Beziehung zwischen den feministischen und den nicht-feministischen Männer- und Väterorganisationen traditionell vergleichsweise gut, was auch wiederholt politische Erfolge möglich gemacht hat.

Leider vernachlässigen männer.ch in letzter Zeit diese positiven Seiten ihrer Arbeit immer mehr. Der Social-Media-Auftritt ist inhaltlich von dem einer Frauenorganisation kaum noch zu unterscheiden, es geht alles nur noch um traditionelle vs neue "Männlichkeiten" etc, einzig der Vaterschaftsurlaub ist noch ein für Männer wirklich wichtiges behandeltes Anliegen. Mir scheint dies insbesondere für männer.ch selbst und ihre zukünftige gesellschaftliche Relevanz nicht gerade förderlich. Ich hoffe es erfolgt eine Rückbesinnung.


Mein Leser Thomas Penttilä schreibt mir dazu, dass in Spanien trotz der bekannten Corona-Gefahr noch ein großer Frauenmarsch stattgefunden hat:

In Spanien erkrankten zwei Minister nach Teilnahme an Frauenmarsch – trotz Warnungen.

Auch der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari (Friedensnobelpreis 2008) ist an Korona infiziert. Er wurde durch seiner Frau angesteckt. Seine Frau hatte sich neben vielen anderen bei dem Konzert zum Weltfrauentag infiziert.


Auf Twitter schreibt mir hierzu ein Leser:

Auch in Zürich wurde die unbeweilligte Frauendemo von der @StadtpolizeiZH toleriert. Die StaPo sprach sogar von vorbildlichem Verhalten der Damen, welche teilweise auch ihre Kinder dabei hatten. Inzwischen ist die CH Weltmeister was die Fälle/Kopf betrifft.


Eine schwierige Situation für die Verantwortlichen: Wer die potentielle Corona-Schleuder Frauenmarsch unterbunden hätte, wäre sofort als "Antifeminist" und "Frauenfeind" angegiftet und ins soziale Aus gestellt worden.

Ein weiterer Leser macht aus seinem Ärger über diese Entwicklung kein Geheimnis:

Das das meins Wissens die letzten großen Demos waren und andere davor zeitlich sehr zurücklagen UND damals bereits deingende Abstands-Appelle ergingen, gehen mir aber boshafte Gedanken durch den Kopf:

Ob diese dummen ignoranten Trinen maßgeblich zur Verbreitung des Virus und damit direkt zum Tod alter Männer beigetragen haben?

Donnerstag, März 26, 2020

"Survival-Kit für Männer" während Corona-Krise veröffentlicht – News vom 26. März 2020

1. Die Schweizer Organisation Mämner.ch veröffentlichte gestern folgende Meldung:

Die Zeichen verdichten sich, dass die mit der Corona-Krise verbundenen Einschränkungen zu einer Zunahme häuslicher Gewalt führen.

Deshalb veröffentlichen die drei Dachorganisationen der Fachleute für Jungen-, Männer- und Väterarbeit in Deutschland (Bundesforum Männer), Österreich (Dachverband Männerarbeit Österreich) und der Schweiz (männer.ch) am Mittwoch, 25. März, ein "Survival-Kit für Männer unter Druck".

Das Merkblatt formuliert Empfehlungen zum Selbstmanagement, damit Männer gewaltfrei durch die Krise kommen. Das Merkblatt liegt bereits in acht Sprachen vor. Weitere neun werden folgen (Serbokroatisch, Portugiesisch, Türkisch, Kurdisch, Arabisch, Farsi / Dari, Tigrinya, Russisch und Tamilisch).

Um der angespannten Lage in der Corona-Krise schnell Rechnung zu tragen, wurde das Projekt in hohem Tempo aufgegleist: Zwischen Idee und Umsetzung liegen nur gerade 48 Stunden: 6 erfahrene Fachmänner aus 3 Gewaltberatungsstellen (Agredis Luzern, mannebüro züri und Fachstelle Gewalt Bern) haben am Montag, 25. März, die Empfehlungen erarbeitet und fachlich abgestützt. 16 Übersetzer_innen haben die Empfehlungen am Tag darauf übersetzt.


Auch das deutsche Bundesforum Männer bewirbt das Merkblatt, in dem es heißt:

Unser Beruf ist, Männer zu beraten und zu begleiten. Wir wissen aus Erfahrung: In einer Krisensituation steigt das Risiko, die Kontrolle zu verlieren und gewalttätig zu werden. (…) All das belastet und reduziert deine Möglichkeiten, dich selbst zu führen und dich in Andere einzufühlen. Stress macht Gefühle und Sichtweisen eng. Er verleitet dazu, Schuldige zu suchen.

Aber: Es gibt weder einen Grund noch eine Entschuldigung, deine Not an Anderen auszulassen. Du stehst selbst in der Verantwortung, wie du mit Überforderung, Unsicherheit oder Wut umgehst. Gewalt ist keine Lösung. Sag Nein zu Gewalt.


Zwei Seiten lang geht es in diesem Stil weiter. Nun wird hierzulande jeder vierte Mann selbst Opfer häuslicher Gewalt. Für diese Opfer können sich die "sechs erfahrenen Fachmänner" aus "drei Dachorganisationen für Jungen-, Männer- und Väterarbeit" in ihrem "Survival-Kit für Männer unter Druck".ganz am Ende gerade mal zwei Sätzchen abringen:

Nimm eigene Verletzungen und Verwundungen ernst. Such dir auch Unterstützung, wenn du selbst Opfer von psychischer oder physischer Gewalt bist.


Wie das konkret geschehen kann, was ein Mann in dieser Situation am vernünftigsten tun sollte – darüber verlieren das Bundesforum Männer, der Dachverband Männerarbeit Österreich und die Schweizer Gruppe männer.ch in ihrem Merkblatt keine Silbe. Die drei Organisationen nehmen Männer hier fast durchgehend als potentiuelle Täter wahr. Dieses Männerbild wird durch das in mehreren Sprachen angebotene Merkblatt zementiert.

Nicht sexistisch geframete Experten-Tipps, welche Maßnahmen man in der häuslichen Isolation gegen Konflikte und Gewalt einsetzen kann, findet man zum Beispiel hier ab Seite 7.

Wie Männer sich generell sinnvoll verhalten können, wenn ihnen häusliche Gewalt droht, erklärt MANNdat ausführlich – ohne dabei marktschreierische Begriffe wie "Survival-Kit" zu verwenden. Warum erhält man solche Hilfestellungen eigentlich nur von einer sich selbst finanzierenden Nichtregierungsorganisation, während von unseren Steuergeldern bezahlte Clubs wie das "Bundesforum Männer" hier derart versagen?



2. Am anderen Ende der Welt ist es nicht weniger irre: Die Neuseeländische Polizei hat eine Hotline für Männer eingerichtet, die Angst haben, dass sie wegen der angespannten Quarantänesituation bald jemandem häusliche Gewalt antun könnten. Frauen in dieser Situation werden sich selbst überlassen.



3. Vor drei Wochen ignorierten am Weltfrauentag tausende von spanischen Feministinnen die Bedrohung durch Corona und sammelten sich zui einer Massendemonstration. Dabei schwenkten sie Transparente mit Sprüchen wie "Machismos tötet mehr als der Coronavirus".

So sieht es in Spanien heute aus.



4. "Kind & Recht", eine auf Umgangs- und Sorgerecht spezialisierte Hamburger Anwaltskanzlei, bietet heute um 16 Uhr ein Webinar "Sorge- und Umgangsrecht in der Corona Krise" an.

Mittwoch, März 25, 2020

Corona: LKW-Fahrer und "Alleinerziehende" am Limit – News vom 25. März 2020

1. "Ist es nicht erstaunlich: Die Menschen, die Deutschland aufrecht erhalten sind ausgerechnet die schlecht bezahlten Frauen" sagte Frank Plasberg sinngemäß am Montag in "Hart aber fair" und plapperte damit Artikel nach, in denen genau diese Botschaft lanciert wurde. Nach Artikeln, die die Situation von Männern schildern, die bis zum Rand des Zusammenbruchs dabei helfen, unsere Gesellschaft aufrecht zu erhalten, muss man suchen. Die Frankfurter Neue Presse hebt sich hier mit einem Beitrag positiv hervor:

Zwar liegt in Hessen noch keine Ausgangssperre vor, aber die Corona-Schließungen treffen die Lkw-Fahrer besonders hart. So haben sie nach 18 Uhr oftmals weder die Möglichkeit etwas Warmes zu essen, noch sanitäre Anlagen zu nutzen. Aber es kommt noch härter für die Lkw-Fahrer.

So berichtet Markus Bauer der Chefredakteur des Magazins Fernfahrer in seinem offenen Brief an die Autohofbetreiber: "Während die Raststätten von Tank & Rast den Fahrern weiter, wenn auch teils etwas eingeschränkt, eben diese Grundversorgung noch bieten (müssen), erreichen uns zunehmend Anrufe und Zuschriften von Fahrern, die genau das auf vielen Autohöfen nicht mehr auffinden. Auch einige Verlader verweigern den Fahrern den Zutritt zu sanitären Anlagen, dafür stehen verdreckte Dixi-Klos auf dem Hof. (...) Es darf aber nicht sein, dass ihnen der Gang auf die Toilette oder zur Dusche verwehrt wird. Ein Fahrer berichtet gar, dass man nicht einmal seinen Wasserkanister auffüllen wollte." Bereits vor dem Corona-Kontaktverbot hatten die Lkw-Fahrer große Probleme bei den normalen Dingen des Alltags.

Dass gerade die Menschen, die dafür sorgen, dass die Versorgungskette in Zeiten des Kontaktverbotes und des Coronavirus gesichert ist, derart behandelt werden, versetzt viele in den sozialen Netzwerken in Erstaunen. Doch dass das die Realität ist versichert auch ein Lkw-Fahrer dem Sender 1live: "Toiletten verschlossen, Duschen versperrt, Restaurants machen um 18 Uhr zu. Wenn das der Dank für unsere Arbeit sein soll. Dann läuft irgendwas verkehrt."


Dass Männer generell wenig Dank für ihre Schufterei erhalten war allerdings schon vor der Pandemie ein Problem.



2. "Alleinerziehende geraten ans Limit" warnt Österreichs ORF im Zusammenhang mit Corona. (Der Ausdruck "Alleinerziehende" ist ein wenig irreführend: Gemeint sind keine Witwen und Witwer, sondern Getrennt-Erziehende.) Der ORF fasst die Sorgen dieser Menschen so zusammen:

Schon im "Normalzustand" sind sie häufig armutsgefährdet, Zeitplanung und Betreuung ein Kraftakt. Derzeit gibt es keinen Unterricht, Großeltern fallen aus, gearbeitet werden muss trotzdem, und nebenbei sollen die Kinder Schulaufgaben machen – und alles bleibt an einer Person hängen, die nun auch vielfach um ihre finanzielle Existenz bangen muss. Unter Alleinerziehenden herrscht "Sorge, Überforderung und viel Angst".


Zu diesem Thema äußerte sich gestern der deutsche "Interessensverband Unterhalts- und Familienrecht (ISUV):

Alleinerziehende klagen, die Kinderbetreuung nicht organisieren zu können, da jetzt als Notstandsmaßnahme um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen Kitas, Kindergärten, Schulen, sämtliche Betreuungseinrichtungen geschlossen wurden. Die Zwangslage müsste oft nicht sein, wenn der "alleinerziehende" Elternteil den unterhaltspflichtigen Elternteil nach Trennung und Scheidung nicht aussortieren, sondern in die Betreuung integrieren würde.

Das Statistische Bundesamt meldet heute, für erwerbstätige Eltern und insbesondere für Alleinerziehende sei es eine Herausforderung die Betreuung zu leisten, wenn Betreuungseinrichtungen geschlossen sind. Davon sind nahezu 700.000 sogenannte "Alleinerziehende" betroffen. Die Statistiker melden, in Deutschland waren im Jahr 2018 rund 692.000 Alleinerziehende mit Kindern unter 13 Jahren erwerbstätig, davon 292.000 in Vollzeit und 400.000 in Teilzeit. 90 % der erwerbstätigen Alleinerziehenden mit Kindern unter 13 Jahren waren Frauen (620 000). "Diese Notsituation müsste oft nicht so sein, weil viele Mütter und Väter auch nach der Trennung gerne mitbetreuen würden, aber daran gehindert werden. Jetzt in der Corona Krise wird besonders deutlich, wie notwendig es ist trotz Trennung und Scheidung weiterhin gemeinsam zu betreuen", stellt ISUV-Vorsitzender, Rechtsanwalt Klaus Zimmer fest.

Woran gemeinsame Betreuung nach Trennung scheitert, hat erst jüngst der Film "Weil du mir gehörst" anschaulich gezeigt. "Es sind oft sehr unterschiedliche Motive, die zu Umgangsverweigerung führen: finanzielle Interessen, Ängste, Narzissmus, Besitzanspruch aufs Kind, Machtanspruch, Rache am ehe-maligen Partner. Das Kindeswohl gerät dadurch völlig aus dem Blickfeld", sagt ISUV-Pressesprecher Josef Linsler.

Linsler kritisiert die Einstellung von Vertreterinnen der GRÜNEN und Linksparteien, "die sich seit Jahren schon gegen Wechselmodell und gemeinsame Betreuung" nach Trennung und Scheidung sperren. "Es geht ihnen primär um Frauenrechte, Genderpolitik. Für uns steht das Kindeswohl im Vordergrund, der Anspruch des Kindes auf Vater und Mutter. Unsere Zielprojektion ist die Trennungsfamilie nicht Alleinerziehen. Mutter und Vater sind die primären Bezugspersonen, wenn es um Betreuung und Erziehung geht."

Der Verband fordert von der Politik: "Gemeinsam, aber getrennt erziehen zum Regelfall machen. Der Gesetzgeber muss sich nun endlich einmal zu einer Reform entschließen, die unter dem Motto steht 'gemeinsam betreuen und bezahlen'. Von einer Expertengruppe zur anderen hangeln geht nicht mehr. Leitbild Trennungsfamilie, nicht Alleinerziehen, Reform sofort, wenn die Corona Krise gemeistert ist!"


Der Väteraufbruch für Kinder äußert sich zu diesem Thema wie folgt:

Das allgemeine Distanzgebot gilt auch in Familien. Um Menschen zu schützen reduzieren auch Familien ihre Kontakte untereinander. Großeltern betreuen beispielsweise ihre Enkel nicht, wenn dies zum Infektionsrisiko führt.

Trennungseltern müssen jetzt noch besser kooperieren, wenn es darum geht in jedem einzelnen Fall das Risiko bei der Gestaltung des Umgangs einzuschätzen. Fachlich Informationen erhalten Eltern gegebenfalls bei den örtlichen Gesundheitsämtern!

Gerade jetzt brauchen die Kinder einen intensivierten Kontakt zu beiden Eltern. Vater/Mutter brauchen Informationen über die Gesundheit ihres Kindes / ihrer Kinder. Also sollten sich die Eltern gegenseitig informieren. Aber auch die Kinder müssen wissen, ob es Vater/Mutter gut geht und ob sie gesund sind.

Auch ohne persönliches Zusammentreffen sind intensive Kontakte in der Familie möglich. Elektronische Medien bieten vielfältige Möglichkeiten eines intensiven Kontaktes und Austauschs.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeglicher Umgangskontakt automatisch ersatzlos entfallen soll. Hier sind in erster Linie die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Bestehende Umgangsregelungen haben weiterhin Gültigkeit, denn sie waren auch Bestandteil des bisherigen Alltags regelmäßiger sozialer Kontakte.

Allerdings ist auch jeder Elternteil verantwortlich, das eigene Infektions- und Übertragungsrisiko zu prüfen und beim Erkennen möglicher Risiken, einen Kontakt weiter einzuschränken.

Auch wenn die Beziehung zwischen den getrennten Eltern noch angespannt ist, empfiehlt es sich, unaufgefordert gegenseitig genauer über Kontakte und Unternehmungen mit dem Kind zu informieren.

Dies ist nicht die Zeit zu streiten. Trennungseltern, die ihre Kinder lieben, stellen ihren Streit zurück und kooperieren ihren Kindern zu liebe mit dem anderen Elternteil, um gemeinsam mit ihrem Kind / ihren Kindern gesund durch die Corona-Virus-Krise zu kommen.




3. Das folgende ist ein wenig Off-Topic: Christian Drosten, einer von Deutschlands renommiertesten Virologen, berichtete in seinem werktäglichen NDR-Podcast am 23. März über seine Erfahrungen mit den Medien – sehr ähnliche Erfahrungen wie meine eigenen.

Beispielsweise, was jetzt gerade am Wochenende passiert ist, ist, dass sich in einer großen Zeitschrift ein relativ differenziertes Interview gegeben habe, wo es über zwei, drei Fragen hinweg um das Thema ging, wie kann es jetzt denn weitergehen? Also was macht man denn jetzt? Jetzt sind diese Maßnahmen alle in Kraft und wie sieht jetzt unsere Zukunft aus? Kann man da wieder raus? Und dann habe ich schon so zum Beispiel gesagt: Na ja, also wenn man sich mal anschaut, Fußballstadien mit Leuten füllen oder zur Schule gehen, da ist doch zur Schule gehen wichtiger. Deswegen glaube ich, dass wir so schnell nicht mehr volle Fußballstadien haben werden. Aber dass wir uns relativ bald darauf konzentrieren müssen, Daten zu kriegen, um zu entscheiden, ob man vielleicht die ganze Schule oder auch nur einige Jahrgänge der Schule wieder zulassen kann. Denn das ist ja wirklich wichtig. Es ging mir um diese Unterscheidung, was ist hier eigentlich Spaßfaktor und was ist essenziell wichtig in der Gesellschaft? Worauf kann man sich jetzt fokussieren, wenn man wieder aus diesen Kontaktmaßnahmen raus will?

Und dann wurde das verkürzt, und zwar von der Zeitschrift selber im Internet, natürlich um Aufmerksamkeit auf diesen Artikel zu sammeln. Da wurde im Prinzip nur noch gesagt: "Drosten: Ein Jahr kein Fußball mehr." Und dann wurde noch dazu geschrieben, was gar nicht in dem Interview vorkam, dass sich das wohl auch darauf erweitern lässt, ohne Zuschauer Fußballspiele abzuhalten. Also selbst davon würde ich abraten, was gar nicht stimmt. Das war gar nicht der Inhalt. Und das war auch nicht direkt so geschrieben, aber aus dem Kontext hörte sich das so an. Dann kommt noch dazu, dass dieser Artikel zusätzlich auch noch hinter einer Paywall steht. Das heißt, wenn man dann auf diese Internetmeldung geht und sich das Interview anschauen will, dann muss man auch noch bezahlen. Und das ärgert mich dann schon, weil das für mich ein ganzer Nachmittag meiner Zeit war, den ich da investiert habe. Natürlich auch in der Intention, Dinge zu sagen, die vielleicht wichtig sind und wo vielleicht auch ein Beitrag geleistet wird, eine Situation zu erklären, die so für die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben noch nie vorgekommen ist. Und für mich übrigens auch nicht. Und wo wir alle nicht wissen, wie wir damit umgehen wollen und wo wir, glaube ich, im Moment ganz viel Stabilität in der Gesellschaft brauchen, auch in unserer Realitätseinschätzung – jeder für sich.

Es ist einfach schlecht, wenn Medien kommen und aus dieser Situation durch solche Kontrastierungen und solche Anreize immer noch versuchen, Geld zu machen. Ich finde, die Medien müssen jetzt aufhören damit. Sonst können wir als Wissenschaftler auch nicht mehr solche Sachen machen, wie ich sie hier mache. Meine Kollegen sind da zum Teil viel vorsichtiger. Das ist natürlich der Hauptgrund, warum nicht viele andere Wissenschaftler in der Öffentlichkeit kommunizieren, weil es eben dauernd zu solchen Sachen kommt. Das ist einfach nicht mehr erträglich inzwischen. Das macht mir als Person auch Angst, weil ich natürlich merke, wenn so etwas verkündet wird. Das ging irgendwann Sonntagnachmittag raus über die Server, ich habe das daran gemerkt, dass in meinem E-Mail-Eingang plötzlich aggressive Kommentare auftauchen, die mich wirklich angreifen. Und wo ich merke, da sind Leute, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen, die aber meine E-Mail-Adresse rausgekriegt haben und die mich jetzt befeuern. Und das ist, sagen wir mal die harmloseste Konsequenz. Ich finde es aber auch sehr gravierend, was da an Missverständnissen entsteht. Und wir müssen uns mal klarmachen, zu welchem Zweck? Letztendlich nur für Auflage.


Wenn man Experteninterviews zum Thema "Männeranliegen" gibt, trifft einen dieses Verhalten von "Qualitätsjournalisten" noch heftiger, weil man ständig auf ideologisierte Journalisten trifft, die sich an einem abarbeiten bzw. einen überführen möchten statt einfach sachlich Bericht zu erstatten.

Wenn das Verhalten unserer "Qualitätsjournalisten" dazu führt, dass viele Wissenschaftler nicht mehr mit ihnen kommunizieren und viele Bürger den Medien nicht mehr trauen, belastet uns ein gravierendes Problem, das weit über die Corona-Krise hinaus reicht.



4. Die kandische Hochschuldozentin Professor Janice Fiamengo beschäftigt sich in ihrem neuesten Youtube-Video mit dem Titel "Coronavirus: Mehr Männer sterben, Frauen am stärksten betroffen" damit, wie Leitmedien beim Thema Corona erneut den Fokus auf die angeblich in erster Linie betroffenen Frasuen richten:

Ich habe vergeblich versucht, mir ein Szenario vorzustellen, in dem eine globale Pandemie den Tod von Frauen in viel größerer Zahl als von Männern verursacht, ohne dass das auf den Titelseite und in allen Artikeln im Mittelpunkt stünde. Es ist sehr schwer, sich eine Reihe von Artikeln vorzustellen, die zu einem solchen Zeitpunkt von Männern geschrieben würden und argumentieren, dass wir uns in Wirklichkeit um Frauen am meisten sorgen sollten. Aber das ist es, was wir derzeit von unseren feministischen Journalisten erhalten.


Auch in wissenschaftlichen Fachmagazinen wie "The Lancet", berichtet Fiamengo, erscheinen bereits die ersten Artikel über den "gendered impact" (die geschlechtsbezogenen Auswirkungen) von Corona, und auch diese Artikel drehen sich um die angebliche Benachteiligung von Frauen. Professor Fiamengo kommentiert:

Ich habe bisher noch keinen Artikel über geschlechtsspezifische Auswirkungen gelesen, der über die höhere Sterblichkeitsrate von Männern nachsinnt, sie beklagt, jemanden zitiert, der darüber verzweifelt ist, oder vorschlägt, dass besondere Maßnahmen zum Schutz von Männern ergriffen werden sollten. Ich habe bisher noch keine feministische Journalistin gesehen, die vorschlägt, dass Frauen wegen ihrer stärkeren Imunität die meisten Aktivitäten übernehmen sollten, bei denen sie dem Virus ausgesetzt sein könnten. Ich habe auch noch keinen feministischen Artikel gesehen, der sich um die Männer kümmert, die in ihrem Beruf solchen Risiken ausgesetzt sind.




5. Einen Beitrag der CNN über dieses Geschlechtergefälle gibt es seit gestern. Die Klage über fehlende Informationen zieht sich als rote Linie durch den Artikel. (Vielleicht ist dieser Mangel an Information ebenfalls dem Umstand zu verschulden, dass es zwar Frauenforschung, aber kaum und wenn dann nur "kritische Männerforschung" gibt, Benachteiligungen und Probleme speziell von Männern im akademischen Sektor also weitgehend unerforscht bleiben.) Bei der aktuellen Pandemie ist das Missverhältnis plötzlich unübersehbar:

"Wenn wir uns die Daten anschauen, sehen wir, dass in jedem Land mit geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselten Daten ... die Sterblichkeitsrate bei Menschen, bei denen Covid diagnostiziert wurde, zwischen 10% und 90% höher ist, wenn sie Männer sind, als wenn sie Frauen sind", sagt Sarah Hawkes, Professorin für globale öffentliche Gesundheit am University College London (UCL) und Co-Direktorin von Global Health 50/50.


Leider steht zu befürchten, dass sich auch hier die einsetzende Forschung an dem bekannten Muster "Frauen sind Opfer der Gesellschaft, Männer sind selbst an ihrer Misere schuld" orientieren wird. Das zeichnet sich schon jetzt ab, wenn spekuliert wird, die höhere Anfälligkeit der Männer für Corona könne schlicht daran liegen, dass sie zu viel rauchen und trinken.



6. Die britische Regierung scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob Trennungsväter während der Pandemie Kontakt zu ihren Kindern haben dürfen, wenn deren Hauptwohnsitz bei der Mutter ist. Die offiziellen Regeln sagen "ja", Vize-Premierminister Michael Gove sagt vor der Presse erst "nein" und nachdem nachgehakt wurde, doch "ja". Mehrere Medien berichten, darunter Daily Mail und Mirror, was hoffentlich für weniger Verwirrung sorgt als dafür, dass auch der letzte Brite begreift, dass Vater-Kind-Kontakte auch während der Pandemie gestattet sind.



7. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, wie Jungen in ägyptischen Gefängnissen zusammengeschlagen, mit Stromstößen gequält und gefoltert werden.



8. In Schottland ist ein aufsehenerregender Prozess gegen den ehemaligen Minister Alex Salmond zuende gegangen. Neun Frauen hatten Salmond sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Bei 12 Anklagepunkten hat ein Geschworenengericht Salmond jetzt mit "nicht schuldig" entlastet, bei einem weiteren Vorwurf lautete das Urteil "nicht beweisbar". (Im schottischen Justizsystem gibt es drei Urteilssprüche: schuldig, unschuldig und "nicht beweisbar".) Salmond hat die Vorwürfe stets entschieden zurückgewiesen. Die schottische Regierung hatte während einer gerichtlichen Überprüfung bereits zugegeben, dass sie bei der Untersuchung von Beschwerden gegen Salmond unrechtmäßig gehandelt hatte. Der Prozess war als schottische Variante von "Me Too" bezeichnet worden.

Dienstag, März 24, 2020

Corona: Verbände fordern finanzielle Entlastungen für unterhaltspflichtige Väter – News vom 24. März 2020

1. Deutschlands führende männerpolitische NGO, die "IG Jungen, Männer, Väter", in der mehrere Verbände zusammengeschlossen sind, hat gestern eine Pressemitteilung zur aktuellen Pandemie veröffentlicht: "Staatliche Corona-Maßnahmen gefährden Trennungskinder". Darin heißt es:

Verbände fordern finanzielle Entlastungen für unterhaltspflichtige Väter

Berlin. Die Bundesregierung wird ein Maßnahmenpaket zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Milliarden-€-Höhe verabschieden - für Unternehmen, Selbständige und Angestellte. Dabei droht ein wichtiger Teil der Gesellschaft übersehen zu werden: Trennungskinder und ihre unterhaltspflichtigen Eltern.

"Insbesondere Kinder in Trennungsfamilien sind auf den Eingang regelmäßiger Unterhaltszahlungen durch den zweiten Elternteil - zu 90 % von Vätern – angewiesen", stellt Gerd Riedmeier fest, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen Männer und Väter (IG-JMV). "Vielen Vätern drohen nun als Selbständige, Kurzarbeiter oder als Arbeitslose erhebliche Einkommenseinbußen", ergänzt Riedmeier und fordert staatliche Hilfsgelder zur Sicherung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Betroffenen.

Zwar plane die Bundesregierung Erleichterungen wie einen einfacheren Zugang zum Kinderzuschlag. Das helfe jedoch nur verheirateten Familien und getrennt erziehenden Eltern, in deren Haushalte die Trennungskinder gemeldet sind. "Die zweiten Eltern, die zu 100 % die Last des Unterhalts tragen, gehen dabei leer aus", kritisiert Riedmeier.

Für viele Väter bleiben die Aufwendungen für Barunterhalt, Vorhalten eines Kinderzimmers, für die Verpflegung der Kinder an den Umgangswochenenden und in den Ferien sowie für die umgangsbedingten Reisekosten konstant. Bei deutlich reduziertem Einkommen sind sie jedoch nicht mehr in der Lage, diesen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Ohne persönliches Verschulden.

Das Unterhaltsvorschussgesetz (UVSchG) gewährt betreuenden Eltern beim Ausfall von Unterhaltszahlungen Vorschuss. Dadurch bekommt der Haushalt, indem das Kind gemeldet ist, finanzielle Mittel. Diese werden jedoch umgehend dem zweiten Elternteil als Schulden in Rechnung gestellt.

"Das kann nicht die Lösung sein" meint Riedmeier. Einerseits gewähre die Bundesregierung Milliarden-Zuschüsse für die Wirtschaft, um andererseits Väter in eine Schuldenfalle zu treiben, für die sie nicht verantwortlich sind. Die IG-JMV fordert direkte und unbürokratische Subventionen für die unterhaltspflichtigen Väter.




2. Der Väterrechtler Franz-Jörg Krieg kritisiert einen Teil der Regierungsrhetorik zu Corona:

Ich hatte heute die Folgen davon in Mails und Telefonaten:

Mütter bezogen sich auf die Aussage der Kanzlerin und verweigerten den Kontakt des Vaters mit dem Kind

Ein Jugendamt an der Donau schrieb heute an einen Vater:

"Die sozialen Kontakte sollen aktuell soweit wie möglich heruntergefahren werden. Dies hat gestern die Bundeskanzlerin bekräftigt. Die Ausnahmen sind Familien und Zusammenwohnende. Der FB Jugend geht davon aus, dass es sich in diesem Zusammenhang auf einen Haushalt bezieht. Also nicht grundsätzlich Kontakt zur Familie erlaubt ist, sondern nur, wenn sie in einem Haushalt wohnen. Wenn möglich, sollte daher aktuell auf Umgänge verzichtet werden und stattdessen auf Kontaktmöglichkeiten zu setzen, die kein persönliches Aufeinandertreffen benötigen."

(…) Wird die wochenlange oder monatelange Isolation aufgehoben werden, dann werden viele Vater-Kind-Beziehungen unwiederbringlich zerstört sein.




3. Ein aktuelles Video der New York Times zeigt, dass New York inzwischen zu großen Teilen einer Geisterstadt gleicht, die an diverse Endzeit-Filme zu erinnern beginnt. Das Video ist derbe deprimierend, vor allem wenn man irgendeinen emotionalen Bezug zu New York hat. In einem Kurzinterview ab Minute 1 erklärt der Straßenverkäufer Ramy Eraky, warum er mitten in der Seuche immer noch an einem fast menschenleeren Platz Essen anbietet:

Sie können mir nicht sagen: "Bleiben Sie zu Hause, es gibt einen Virus", wenn ich eine Familie, eine Frau, einen Vater und drei Kinder habe. Ich kann Ihnen nicht sagen, dass ich keine Angst habe. Ich habe Angst. Aber wenn ich nicht an diesem Wagen arbeite, haben meine Kinder und ich nichts zu essen."


Die männliche Ernährerolle kann ein Miststück sein.

Aber trösten Sie sich, mein Herr: Auch die Corona-Pandemie wird irgendwann vorüber sein. Dann sind Sie mit dem, was Sie tun, wieder ein privilegierter, toxischer Frauenunterdrücker im Patriarchat.



4. Die Autobiographie Woody Allens ist in den USA erschienen. Der New Yorker Verlag Arcade Publishing hatte sich die Rechte an dem Werk gesichert, das er als eine "offene und umfassende persönliche Rechenschaftsablegung" Allens vorstellt.

Auch in Deutschland erscheint das Buch schon diese Woche:

In Deutschland wird der Rowohlt-Verlag das Buch am 28. März veröffentlichen - das E-Book soll schon am Mittwoch, dem 25. März erscheinen. Das teilte der Verlag am Montag in einer Stellungnahme mit.


In dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, steht Allens Buch auf Platz 74 der US-amerikanischen Amazon-Verkaufscharts. Die Möchtegern-Zensoren, die verhindern wollten, dass Allen seine Sicht der Dinge darstellen kann, sind auf ganzer Linie gescheitert.



5. Ein schon etwas älterer, aber durchaus noch erwähnenswerter Artikel der "South China Morning Post" berichtet: "Häusliche Misshandlungen steigen in Japan an, und es sind Männer, die Frauen wegen der Gewalt anzeigen."

Warum sollte es in Japan auch anders sein als überall sonst auf der Welt?

Bezeichnend ist allerdings, wie von Frauen ausgehende Gewalt gleich im ersten Absatz des Artikels geframet wird:

Nachdem vsie von vielen japanischen Männern jahrzehntelang als Bürger zweiter Klasse wahrgenommen wurden, die für wenig mehr gut sind als Kochen, Putzen und Kinderkriegen, wehren sich die Frauen. Und sie halten sich dabei nicht zurück.


So gehen radikaler Feminismus und National-Chauvinismus Hand in Hand. Nimmt man derartige Formulierungen heraus, so scheint auch in Japan die Dunkelziffer aufzubrechen und immer mehr männliche Opfer ins kriminalpolizeilich erfasste Hellfeld zu rücken:

Im Jahr 2014 wurden in Japan nach Angaben der Nationalen Polizeibehörde 181 Beschwerden über häusliche Gewalt von Männern eingereicht. Im vergangenen Jahr stieg diese Zahl auf 1.571 Beschwerden an.

Die tatsächliche Zahl könnte jedoch weitaus höher liegen, da die meisten Vorfälle laut den Statistiken des Cabinet Office nicht an die Behörden gemeldet werden.

Im Jahr 2017 gaben 14,5 Prozent der 5.000 japanischen Männer, die auf eine Studie geantwortet haben, an, dass sie häusliche Gewalt erlebt haben, gegenüber 10,8 Prozent im Jahr 2014 und 8,1 Prozent im Jahr 2002.

(...) Auf die Frage, warum sie ihren Fall nicht der Polizei gemeldet hätten, sagten die meisten Männer, dass es nicht ernst genug sei, um eine Hilfeleistung zu rechtfertigen, während andere der Meinung waren, dass es wenig sinnvoll sei, um Hilfe zu bitten oder dass sie "mitschuldig" an dem Vorfall seien.


Es gibt auch die Theorie, dass die gestiegenen Zahlen weniger an einer aufgeweichten Dunkelziffer liegen, sondern dass Gewalt gegen Männer tatsächlich häufiger geworden ist:

Japans gut dokumentierte Wirtschaftsprobleme des letzten Vierteljahrhunderts bedeuteten für viele ein Ende der guten Zeiten, sagte [der Professor für Medien Makoto] Watanabe, und diese Frauen sind jetzt im mittleren Alter, mit weniger Geld und weniger aufregenden Ehen.

"Sie sind frustriert mit ihrem Leben", sagte Watanabe. "Sie hatten in der Vergangenheit eine Menge Spaß und ihr Leben ist jetzt einfach nicht mehr so aufregend".

Und das, so glaubt er, sprudelt in Ressentiments gegenüber ihren Ehemännern über.

Tomoko Suga, Professorin an der Rakuno-Gakuen-Universität in Hokkaido, hat zwei Jahrzehnte lang Trends in der häuslichen Gewalt untersucht und sagt, es sei klar, dass japanische Männer "ruhiger und sanfter" werden und gleichzeitig weniger schüchtern sind, wenn es darum geht, Hilfe zu suchen. Währenddessen setzen Frauen ihren Kampf für Rechte am Arbeitsplatz und die Gleichberechtigung in der Gesellschaft im Allgemeinen fort.

(...) "Ich glaube auch, dass Männer in der Vergangenheit nicht darüber reden wollten, dass sie das Ziel häuslicher Gewalt sind, weil es ihnen peinlich ist, aber auch, weil ihnen keine Hilfe zur Verfügung steht", sagte Suga.

"Jetzt sehen wir die Berichterstattung im Fernsehen und in den Zeitungen und sie wissen, dass sie diese Fälle den Behörden melden können und dass sie Hilfe bekommen können", sagte sie.




6. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prangert die Misshandlung von Soldaten in Thailands Militär an. Eine neue Untersuchung zeigt, wie das thailändische Militär neue Wehrpflichtige routinemäßig einem Sperrfeuer aus Schlägen, Erniedrigungen und sexuellem Missbrauch bis hin zu Vergewaltigungen aussetzt, das oft auf Folter hinausläuft.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem "Tatort" vom Sonntag:

Wir sollten als Männerrechtler nicht kleinlich sein. Die Frauen kommen in dem gestrigen Kölner "Tatort" auch nicht viel besser weg als die Männer. Da ist die junge Frau namens Firat, die wahrheitswidrig behauptet, nicht zu wissen, wer der Vater ihres Kindes ist. Die Exfrau des Dachdeckers ist auch keine reine Lichtgestalt, da sie offensichtlich den Kontakt des Vaters mit der Tochter zu unterbinden sucht. Vor allem aber die Frau des ehemaligen Architekten, der eine Zeitlang der Hauptverdächtige ist, weil er die Jugendamtsmitarbeiterin bedroht hat. Sie kündigt zum Schein ihre Stelle, um dem Vater keinen Unterhalt zahlen zu müssen, und nimmt die Situation, in die sie ihn dadurch bringt, auch noch zum Vorwand, um beim Familiengericht zu erreichen, dass die Kinder nicht mehr bei ihm leben. Dass sie am Ende von ihrem verzweifelten Ex umgebracht wird, was mit der Krimihandlung gar nichts zu tun hat, wirkt fast so, als wollten die Drehbuchautoren ganz zum Schluss noch ein männliches Verbrechen nachliefern, um sich feministisch abzusichern.

Montag, März 23, 2020

Was bedeutet Corona für die Männergesundheit? – News vom 23. März 2020

1. Dass Corona weit überwiegend Männer zum Opfer fallen, dürfte bei den meisten angekommen sein – auch wenn die Leitmedien das weit weniger thematisieren als sie tun würden, wenn das Geschlechterverhältnis umgekehrt wäre. So wie es jetzt steht, werden Männer nicht einmal darauf aufmerksam gemacht, dass sie besonders startke Vorsicht walten lassen sollten und deshalb zum Beispiel lieber ihre Partnerin zum Einkaufen schicken sollten. Wenn es Männer sind, die besonderen Schutz bedürfen, bleibt es häufig unerwähnt.

Dabei sind die Zahlen deutlich: In Italien etwa sind 60 Prozent der mit Corona Infizierten und 70 Prozent der Toten männlich. In China sieht es kaum anders aus. Die beiden Gesellschaften unterscheiden sich stark voneinander, aber die Toten sind weit überwiegend Männer.

Woran liegt das? Wir wissen es nicht und können nur spekulieren. Jetzt rächt sich, dass es in der geschlechtsbezogenen Gesundheitsforschung so wie in der Genderforschung insgesamt vorrangig um die besonderen Probleme von Frauen geht und die spezifischen Probleme von Männern weitgehend ignoriert werden. Die Tatsache, dass Männer von Erkrankungen des Immunsystems weit stärker belastet werden ist mit höhnischen Formulierungen wie "Männerschnupfen" vor allem zum Schenkelklopfer geworden und hatte seinen einzigen Nutzen in seiner Funktion als Indikator: Wenn immer man (zumeist) eine Frau "Höhöhöh, Männerschnupfen!" tönen hörte, wusste man, dass man es mit jemandem zu tun hatte, der so sturzdämlich war, dass sich kein Gespräch mit dieser Person lohnte.

Hätte man die männliche Immunschwäche ernster genommen, dann wäre man jetzt vielleicht auch weiter, was die Mechanismen von Corona angeht. So aber stehen Mediziner vor einem Rätsel:

"Die ehrliche Wahrheit ist, dass wir heute nicht wissen, warum Covid-19 für Männer strenger ist als für Frauen oder warum der Unterschied in Italien größer ist als in China", sagte Professor Sabra Klein von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, Maryland, gegenüber der Washington Post. "Was wir wissen, ist, dass neben dem höheren Alter auch das männliche Geschlecht ein Risikofaktor für schwerwiegende Folgen ist und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden sollte".

(...) Auch bei den Ausbrüchen von SARS und MERS, die durch extrem ähnliche Coronaviren in China und Saudi-Arabien verursacht wurden, starben Männer unverhältnismäßig häufig.


Sorry, wusste das irgendjemand von euch? Ich wusste es nicht, und ich bin beim Thema "Nachteile von Männern" einigermaßen firm. Auch hier schien es kein großes Interesse daran zu geben, auf dieses Missverhältnis deutlich hinzuweisen.

Es ist sehr zu hoffen, dass Corona wenigstens die Vernachlässigung des Themas Männergesundheit reduziert. Wenn das geschieht, werden die Leitmedien sich allerdings nicht als erste dafür engagieren.



2. Der Umstand, dass "häusliche Gewalt" in der öffentlichen Debatte auf "Gewalt gegen Frauen" verkürzt wird, führt zu immer groteskeren Entwicklungen. So berichtet "Die Welt" unter der Schlagzeile "Das eigene Zuhause ist für viele Frauen kein sicherer Ort" folgendes:

Die Grünen im Bundestag fordern Ausnahmeregelungen für Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Krise. "Für von Gewalt bedrohte Frauen und Kinder darf die Ausgangssperre nicht gelten", sagt Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, WELT. "Die Möglichkeit, rauszugehen und auch Beratungsstellen aufsuchen zu können, muss gewährleistet sein und darf strafrechtlich nicht belangt werden."

(…) Der Gewaltschutz für Frauen müsse Teil der Pandemiepläne des Bundes werden, zudem müsse eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet werden. Auch für überfüllte Frauenhäuser während der Corona-Krise hat Schauws einen Vorschlag: "Es sollte eine unkomplizierte dezentrale Unterbringung auch in leer stehenden Wohnungen oder nicht genutzten Hotels ermöglicht und finanziert werden."

(…) Auch die Linke hatte bereits eine schnelle Bereitstellung von Notunterkünften gefordert. "Das ist für Frauen überlebenswichtig", sagte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, der "taz".


Die männliche Hälfte der Opfer scheint all diese Hilfsmaßnahmen nicht zu brauchen.

Ceyda Keskin vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe weist darauf hin, dass Frauen häufig auch im Internet von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. In Zeiten von Quarantäne und Selbstisolation sei das Netz allerdings oft der einzige Rückzugsort für Frauen, die Gewalt erleben. "Frauen werden im Internet gezielt angegriffen, beleidigt, erpresst, bedroht und gestalkt. Es braucht sichere Netzwerke, in denen sich gewaltbetroffene Frauen bewegen können", fordert sie.


Auch Männer werden im Internet zuhauf angegriffen, beleidigt und bedroht. Ähnlich wie beim Gesundheitsthema ist das für Politik und Medien allerdings von keinerlei Interesse. Es sind Frauen, die als so schwach, zerbrechlich und unfähig, sich zu wehren, hingestellt werden, dass sie eigene "sichere Netzwerke" benötigen. Wie so oft ergänzen sich frauen- und männerfeindliches Denken perfekt.



3. Auch die britische Daily Mail berichtet darüber, dass Eltern den Coronavirus dazu instrumentalisieren, um dem anderen Elternteil den Kontakt mit den gemeinsamen Kindern zu versperren. So besteht offenbar die Sorge, Kinder könnten bei ihrem Vater "festgehalten" sein, wenn sie sich zu Beginn einer Ausgangssperre in seiner Obhut befänden.



4. Die "Internationale Konferenz für Männeranliegen 2020" (ICMI20), die ursprünglich vom 31. Juli bis zum 2. August in Sydney stattfinden sollte und für die Redner von vier Kontinenten angekündigt waren, wird wegen der Corona-Pandemie jetzt als virtuelle Konferenz ausgerichtet. Das meldet die männerpolitische Website A Voice for Men: "Als Folge der Pandemie wird Australien seine Grenze bald schließen und hat Beschränkungen für öffentliche Versammlungen eingeführt, die die Abhaltung des ICMI20 in der ursprünglich geplanten Form unmöglich machen."

Ähnlich sieht es mit der Wiener Twogether-Konferenz aus, deren Veranstalter auf ihrer Website mitteilen:

Verschiebung des Events auf den 9./10. Oktober 2020. Am 15./16. Mai 2020 wird ein Online Kongress stattfinden.


Ich erwarte, hierzu in den nächsten Tagen nähere Informationen zu erhalten.



5. Der gestern ausgestrahlte "Tatort" sorgt für gemischte Reaktionen. "Die Zeit" etwa zeigt sich begeistert:

Eine ermordete Jugendamtsmitarbeiterin, Väter, die keinen Unterhalt zahlen und ein Amtsleiter mit Affären: Der "Tatort" ist einer der besten Kölner Fälle seit Langem.


Kritisch hingegen urteilt die Frankfurter Allgemeine

Sie alle sagen artig Texte auf (Buch Jürgen Werner, Regie Nina Wolfrum), die uns klarmachen sollen, wie schwierig das mit dem Unterhaltsrecht ist, wie schwer es Alleinerziehende haben und wie sehr die Kinder unter solchen Situationen und dem Egoismus der Erwachsenen leiden. Das ist richtig, das ist wichtig, aber neunzig Minuten "Tatort"-Belehrung brauchen wir dafür nicht.

Sonntag, März 22, 2020

Was bedeutet Corona für die Social Justice Warriors? – News vom 22. März 2020

1. Social Justice Warriors haben es besonders schwer, die Corona-Pandemie und ihr bisheriges Weltbild miteinander zu vereinbaren, befinden Libby Emmons und Barrett Wilson in einem bissigen Beitrag aus konservativ-liberaler Perspektive für die kanadische News-Website The Post-Milennial:

Seit fast einem Jahrzehnt schreit die Social-Justice-Fraktion, dass "Leben in Gefahr" wären. Aber jetzt, wo wir mit der tatsächlichen Zerstörung der menschlichen Lebensweise konfrontiert sind, wird klar, dass es immer nur Rhetorik war. Social Justice ist die Kultur, die blinden Alarm schlägt.

Jetzt, wo infolge einer globalen Pandemie wirklich Leben in Gefahr sind, werden in Nordamerika schnelle Maßnahmen zum Schutz unserer Schwächsten umgesetzt. Anstatt diesen gesunden Menschenverstand zu unterstützen, der im Idealfall nur vorübergehende Veränderungen erfordert, um diese beispiellose Zeit zu überstehen, ist die Social-Justice-Kirche tatsächlich eifersüchtig auf das Coronavirus. Es stellt sich heraus, dass niemand sterben würde, wenn man ihn mit dem falschen Geschlecht anspricht oder er eine Mikroaggression erlebt. Stellen Sie sich das vor.

Momentan gibt es viele gedankenvolle Aufsätze darüber, inwiefern das Coronavirus frauenfeindlich ist, weil mehr Frauen zu Hause sind und die Hausarbeit verrichten müssen, oder transphob, da Operationen zur Geschlechtsumwandlung verschoben oder gänzlich abgesagt worden sind. Und es wird argumentiert, dass erst die Coronavirus-Pandemie uns gezeigt hat, wie schnell wir uns ändern könnten - wenn wir es nur wirklich wollten.

Im Toronto Star schreibt die Gender-and-Race-Kolumnistin Shree Paradkar: "So sieht also ein radikaler Wandel aus ... Wie schnell sich die Maschinerie bewegen kann, wenn sie sich um die gefährdeten Leben kümmert."

Korrektur, Frau Paradkar, so schnell kann sich die Maschinerie bewegen, wenn tatsächlich Menschenleben auf dem Spiel stehen. Es besteht ein riesiger Unterschied zwischen einer Minderheit der Bevölkerung, die Düsternis und die Endzeit vorhersagt - ob es sich nun um religiöse Weltuntergangskulte oder um eine Extinction Rebellion handelt - und einer globalen Pandemie, die über die Grenzen hinweg auf uns niederkracht.

Die Ausbreitung des Coronavirus über unsere Landkarte hinweg hat uns in der Tat dazu gebracht, unser Verhalten zu ändern, aber das ist sicherlich nicht zum Besseren. Sich in unseren Häusern zu verstecken und zu beobachten, wie sich die Welt weiter dreht, sich im Internet unter Quarantäne zu stellen, während wir Dosen mit Bohnen essen, zwei Meter Abstand zu halten, darauf zu warten, krank zu werden, unter Androhung von Strafen nicht zur Arbeit gehen zu können, Freunde und Familie nicht zu sehen, das ist nicht besser. Die Umwelt zu reparieren oder was auch immer das jeweilige Lieblingsanliegen sein mag, ist es nicht wert, den freien Handel, die lokale Kultur, unser Leben oder unsere Gesellschaft im Allgemeinen zum Erliegen zu bringen.

Die Social-Justice-Fraktion ist so sehr darauf bedacht, den Kurs der Menschheit im Allgemeinen zu hassen, dass sie praktisch für die Art von massiven Umwälzungen eintreten, die die Coronavirus-Pandemie uns zwingt zu ertragen. Der Grund dafür, dass wir die Gesellschaft nicht umgestürzt und den Kurs des Fortschritts bisher nicht gestoppt haben, liegt gerade in der Zerstörung der von Menschenhand errichteten Infrastruktur, die wir so mühsam aufgebaut haben. Kleine Unternehmen sterben, und ob sie zurückkommen werden, kann niemand vorhersagen. Restaurants, Geschäfte, Existenzgründer, alle schließen sich ein. Ist dies wirklich das, was die Social-Justice-Verfechter uns vor Jahren hätten tun lassen?

Der menschliche Bienenstock ist ein empfindlicher Bienenstock. Seine Zerstörung ist eine Tragödie, die nicht mit Freude von Aktivisten aufgenommen werden sollte, die uns dazu gebracht hätten, zu rebellieren und diese Geißel der geschlossenen Fabriken und unterbrochenen Versorgungslinien früher auf uns niedersausen zu lassen. Während sich Krankheitsfälle an uns alle heranschleichen, in unsere Nachbarschaft vordringen und unsere Lebensgrundlage ruinieren, nehmen Aktivisten eine tadelnde Haltung ein, die uns sagt, wir hätten dies früher tun sollen.

Wir hingegen - diejenigen von uns, die Social Justice ablehnen und die Freiheit umarmen - möchten unser Leben so schnell wie möglich zurückhaben. Nur wenn die Menschen nicht in der Lage sind, das Essen auf den Tisch zu bringen, zu arbeiten, ihre Familien zu ernähren und sich frei zu bewegen, kommt es zu einem radikalen Wandel. Wir brauchen ihn sonst nicht, es gab vorher keinen Grund, diesen Weg zu beschreiten. Und wenn er uns verlässt, wird uns vieles von dem, was wir während dieser Pandemie verlieren, wieder zurückgegeben werden. Wir werden in der Lage sein, uns zu umarmen, miteinander zu reden, zur Schule zu gehen, zu arbeiten, in Restaurants und Bars zu essen, uns die Hand zu geben und ein Leben zu führen, in dem wir nicht von Angst maskiert sind.

Mit den Magazinen Rolling Stone und Vice, die Schlagzeilen veröffentlichen wie "Wie soziale Distanzierung zu einem Anstieg des weißen Nationalismus führen könnte" und "Während sich die Krankenhäuser auf COVID-19 vorbereiten, verzögern sich lebensrettende Trans-Operationen", und mit einer erstaunlichen Anzahl von politisch korrekten Schreiberlingen, die sich aktiv dafür einsetzen, dass Coronavirus-Sicherheitsmaßnahmen versagen, weil es für Trump schlecht aussehen würde, sehen wir, wie tief unseriös diese Leute tatsächlich sind.

Das ganze Spiel der progressiven Sektenanhänger bestand darin, alle davon zu überzeugen, dass sie die Schwachen sind. Eine tatsächliche Krise hat ihre Täuschung aufgedeckt, und sie sind nicht glücklich darüber. Sicher, sie mögen sich an der totalitären Umverteilung von Reichtum und Macht erfreuen, aber es ist für die falsche Sache. Social-Justice- Sektenanhänger befürworteten all diese übertriebene und zentralisierte Macht, um das zu kontrollieren, was ideologisch akzeptabel war, obwohl es das Leben der einfachen Leute ruinieren würde. Wie deprimierend muss es für sie sein, dass die Regierungen stattdessen strenge soziale Kontrollen im Namen der Rettung von Leben einführen.


Ich finde diesen Beitrag stellenweise unnötig zuspitzend, aber er spricht auch so manche Wahrheit aus: Artikel über die Gefahr durch "Mikroaggressionen" zum Beispiel dürften es in nächster Zeit nicht nur deshalb schwer haben, weil in der Zeit der Großen Verklosterung zahllose soziale Kontakte unterbleiben, die unweigerlich zu solchen "Mikroaggressionen" führen. Der Unterschied zwischen hochgezüchteten Überempfindlichkeiten und echten Problemen wird derzeit besonders klar. Und jene Ökos, die jubeln, dass dank Corona mancherorts das Wasser sauberer und der Himmel klarer ist ... Seid ihr sicher, dass unsere neue Lebensweise der Preis ist, den wir dafür zahlen sollten? Ist es wirklich "so einfach", schnell etwas für den Umweltschutz zu tun? Dass effektiver Umweltschutz nicht schneller geschieht liegt nicht daran, dass ein Großteil der Menschheit dumm oder böse ist, sondern dass man oft zwischen Kosten und Nutzen abwägen muss.



2. Frauenministerin Giffey (SPD) sieht allein bei Frauen eine größere Bedrohung durch häusliche Gewalt während der Pandemie. Ähnlich wie bei Giffeys verpfuschter Doktorarbeit kann man sich hier nur noch fragen, ob Giffey inkompetent und von ihrer Aufgabe ernsthaft überfordert ist oder ob es sich um Vorsatz handelt.



3.
In mehreren französischen Städten hat die Polizei wegen der landesweiten Ausgangssperre offenbar Bußgelder gegen Obdachlose verhängt. Solche Fälle habe es in Paris, Lyon und Bayonne gegeben, kritisierte ein Dachverband von rund 800 Hilfsorganisationen am Freitag in Paris. Die Fédération des acteurs de la solidarité (FAS) verlangte das "sofortige Ende der Strafmaßnahmen".


Die Westdeutsche Zeitung berichtet.



4. Auf Twitter berichtet "Bine" über die Erfahrungen ihres Mannes, eines LKW-Fahrers, während der Pandemie.



5. Die Post. Zu dem gestern auf Genderama veröffentlichten Bericht über die derzeit besonders schwierige Situation von LKW-Fahrern schreibt mir Kevin Fuchs:

Der folgende Satz ist interessant:

"Um die Nachfrage zu befriedigen und die Lieferungen zu beschleunigen, lockert Gouverneur Parsons die Regeln für die Stunden, die LKW-Fahrer auf der Straße verbringen dürfen."

Auch hier in Deutschland sorgt man dafür, dass LKW weniger Pausen machen dürfen und auch an Sonntagen fahren dürfen. Was stört mich daran? Es ist das Wort "dürfen". Richtigerweise sollte es "müssen" heißen.

LKW-Fahrer MÜSSEN jetzt noch mehr Stunden am Stück fahren. Und sie MÜSSEN das auch an Sonntagen. Ich halte es für naiv, zu glauben, dass es keine Engpässe bei Lebensmitteln geben wird. Man kann nicht eine ganze Volkswirtschaft einfrieren und glauben, dass einzelne, isolierte Bereiche einfach weiterlaufen. Die Lebensmittelläden sind - genauso wie auch das Gesundheitssystem – direkt, indirekt und inindirekt auf Produkte und Dienstleistungen anderer Wirtschaftsbereiche angewiesen.

Blöd gesagt: Man kann keine verderblichen Lebensmittel von A nach B transportieren wenn an der hinteren rechten Tür des Kühllasters das obere Scharnier kaputt ist und keiner das Scharnier liefern oder reparieren kann - der Teufel ist ein Eichhörnchen. Noch schlimmer wird es, wenn die Fahrer fehlen. Da der Job so beschissen bezahlt wird, hat man in jüngerer Vergangenheit auf osteuropäische Fahrer zurückgegriffen. Es heißt man müsse bei der Lebensmittelversorgung nichts befürchten - die Lager seien gefüllt. Schön – und wer transportiert den Kram von den prall gefüllten Lagern in die Läden?

Gerade Männer sollten sich nichts vormachen. Wir wissen, bei welchem Geschlecht Regierungen die Prioritäten setzten, wenn es wirklich ernst wird. Ich habe schon vor vielen Wochen damit angefangen, bescheidene Vorräte aufzubauen. Die sogenannte "dynamische" Entwicklung war für mich absehbar, da ich die exponentielle Ausbreitung des Virus und die Entwicklungen in anderen Ländern beobachtet und auf Deutschland extrapoliert habe.

Auf den ersten Blick haben unsere Themen in der Geschlechterdebatte wenig mit dem Coronavirus gemeinsam. ABER: Du und ich haben im Laufe vieler Jahre gelernt, wie subtile Falschinformationen und Falschdarstellungen durch Politiker und Regierungen funktionieren. Wir haben uns intensiver und kritischer als andere mit der Zunft der Medien beschäftigt. Wir haben gelernt, uns breitbandig aus vielen alternativen Quellen zu informieren und Informationen zu plausibilisieren. Wir beherrschen die Kunst der "Quellenkritik" - im Gegensatz zu vielen Journalisten. Außerdem wissen wir, wie dumm, unqualifiziert und undifferenziert viele sogenannte "Faktenchecks" von Journalisten sind. Wir wissen auch, welche journalistischen Quellen wirklich seriös sind: wir wissen z.B. dass Spiegel Online eine schlechte, die NZZ dagegen eine verlässliche Quelle ist - und wir wissen auch warum... Da sind wir im Vorteil, wir haben dazugelernt und sind den sogenannten Qualitätsmedien nicht hilflos ausgeliefert.


Mir ging es ehrlich gesagt für ein paar Tage anders herum. Ich dachte mir: "Qualitätsmedien", die die Männerrechtsbewegung zur rechtsradikalen Bedrohung hochjazzen, schreiben bestimmt auch einen harmlosen Erreger zur Menschheitskatastrophe hoch. Womöglich ist auch dieser Vertrauensverlust, den sich unsere Journalisten hart erarbeitet haben, mit dafür verantwortlich, dass manche Menschen Corona bis heute nicht ernst nehmen.

Samstag, März 21, 2020

Was bedeutet Corona für häusliche Gewalt? – News vom 21. März 2020

1. Eine aktuelle Meldung aus Österreich:

Angesichts der von der Regierung und den Ländern verordneten Bewegungseinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus befürchten Experten eine Zunahme der Fälle häuslicher Gewalt. Um dem entgegenzuwirken, stellten Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne) am Donnerstag ein Maßnahmenpaket vor.


Natürlich geschieht das mit dem üblichen Sexismus, der die männliche Hälfte der Opfer ausblendet:

"Quarantäne und häusliche Isolation ist kein rechtsfreier Raum. Die Krise ist kein Freibrief für häusliche Gewalt. Wir gehen mit aller Härte gegen jeden vor, der Frauen und Kinder angreift", sagte Raab in einer Pressekonferenz. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter bzw. Gefährder sei "weiter gesichert", bekräftigte Zadic. Betretungs- und Annäherungsverbote würden weiter ausgesprochen, Wegweisungen vollzogen.

(…) Die Wegweisung von Gewalttätern sei auch in Quarantänegebieten gesichert, garantierte Zadic: "Der Rechtsschutz wird nicht ausgehöhlt." Frauen und Kinder blieben geschützt. Raab verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die 24-Stunden-Helpline finanziell und personell aufgestockt und die Onlineberatung für von Gewalt bedrohte Frauen ausgebaut wurde.

(…) Das Maßnahmenpaket stieß auf große Zustimmung. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek begrüßte etwa die von der Regierung angekündigte Aufstockung der Frauenhelpline gegen Gewalt. Das teilte sie in einer Aussendung mit. "Das ist ein erster wichtiger Schritt, damit sich Frauen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind, Hilfe holen können", sagte sie.

(…) Ein Dank an die Ministerinnen für die Einführung der Maßnahmen kam vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Durch die Ausgangsbeschränkungen würde das Risiko von häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern stark steigen, hieß es in einer Aussendung. Durch die viele Zeit zu Hause könne es vermehrt zu Überforderungen, Stress und Eskalationen kommen, befürchten die Expertinnen. Gerade in dieser Situation brauchten Betroffene von häuslicher Gewalt erweiterte Möglichkeiten für Hilfe und Unterstützung.

Begrüßt wurde die präsentierte Offensive auch vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). "Neben medizinischen Schutzmaßnahmen müssen wir nun auch dringend psychosoziale Schutzmaßnahmen mitdenken", sagte BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger in einer Aussendung. "Gerade Frauen und Kinder müssen jetzt besser geschützt werden", forderte sie. Aus der Gewaltforschung wisse man nämlich, dass es bei großer räumlicher Nähe zu mehr Gewaltübergriffen kommen könne.


Kurz: Alle sind begeistert, und männliche Opfer häuslicher Gewalt bleiben während der Corona-Pandemie besonders schutzlos. Werden sie wegen ihres Geschlechts als Täter etikettiert, können sie sogar ihre Wohnung verlieren.

Dass auch die "taz" während der Pandemie nur Frauen durch häusliche Gewalt besonders bedroht sieht und männliche Opfer unsichtbar macht, ist ohnehin klar.

Dabei wird häusliche Gewalt in Zeiten von Corona tatsächlich zu einer noch größeren Bedrohung als ohnehin schon. Das US-amerikanische Magazin "Time" erklärt dies genauer, wobei man sich beim Lesen klar machen muss, dass das geschilderte Problem für Männer genauso besteht, diese männlichen Opfer nur weit eher ignoriert werden, statt Hilfe zu erhalten:

In den Vereinigten Staaten, wo 5.218 Menschen mit dem Coronavirus infiziert wurden, berichtet die National Domestic Dance Hotline, dass eine wachsende Zahl von Anrufern sagt, dass ihre Misshandler COVID-19 als Mittel zur weiteren Isolierung von ihren Freunden und ihrer Familie verwenden. "Die Täter drohen damit, ihre Opfer auf die Straße zu werfen, damit sie krank werden", sagt Katie Ray-Jones, die Geschäftsführerin der National Domestic Dance Violence Hotline gegenüber TIME. "Wir haben von der Vorenthaltung finanzieller Mittel oder medizinischer Hilfe gehört."

Von Europa bis Asien wurden Millionen von Menschen eingesperrt, da das Coronavirus mehr als 183.000 Menschen infiziert hat. Aber Anita Bhatia, die stellvertretende Exekutivdirektorin von "UN Women" sagt TIME, dass "genau die Technik, die wir zum Schutz der Menschen vor dem Virus einsetzen, die Opfer häuslicher Gewalt auf perverse Weise treffen kann". Sie fügte hinzu, dass "während wir die Notwendigkeit, diese Maßnahmen der sozialen Distanzierung und Isolation zu befolgen, absolut unterstützen, auch erkennen, dass dies eine Gelegenheit für die Täter bietet, mehr Gewalt zu entfesseln".

(…) In Krisenzeiten - wie Naturkatastrophen, Kriegen und Epidemien - eskaliert das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt. In China verdreifachte sich laut Axios die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt, die der örtlichen Polizei gemeldet wurden, im Februar im Vergleich zum Vorjahr. Aktivisten sagen, dass dies ein Ergebnis der erzwungenen Abriegelung ist.

"Wir wissen, dass häusliche Gewalt in Macht und Kontrolle verwurzelt ist", sagt Ray-Jones. "Im Moment fühlen wir alle einen Mangel an Kontrolle über unser Leben und ein Individuum, das das nicht bewältigen kann, wird es an seinem Opfer auslassen." Ray-Jones zufolge wird die Zahl der Fälle von Misshandlung während der Coronavirus-Krise zwar nicht steigen, aber Menschen, die sich bereits in einer solchen Situation befinden, werden wahrscheinlich mit extremerer Gewalt konfrontiert, der sie nicht mehr durch einen Arbeitsbesuch oder einen Besuch bei Freunden entkommen können.

Die gegenwärtige Krise erschwert es den Opfern auch, Hilfe zu suchen. Da die medizinischen Einrichtungen auf der ganzen Welt immer mehr auf das Coronavirus reagieren müssen, werden die Gesundheitssysteme überlastet, was den Opfern den Zugang zu medizinischer Versorgung oder Therapeuten erschwert. "Unter den besten Umständen haben es Frauen schon jetzt schwer, gehört zu werden", sagt Bhatia.


Und die Männer erst …

"Ich sprach mit einer Anruferin in Kalifornien, die sich selbst um Schutz vor COVID-19 wegen Asthma bemüht", schrieb ein Anwalt der National Domestic Violence Hotline in das Logbuch der Organisation. "Ihr Partner hat sie heute Abend erwürgt. Im Gespräch mit ihr klang es so, als hätte sie einige wirklich schwere Verletzungen. Sie hatte Angst, in die Notaufnahme zu gehen, weil sie Angst hatte, sich COVID-19 einzufangen."

(…) Viele Sozialdienste für Opfer häuslicher Gewalt werden in einer Rezession ebenfalls unter Budgetkürzungen leiden. "Wir erwarten, dass unsere philanthropischen Bemühungen wirklich betroffen sein werden", sagt Ray-Jones. "Es wird schwierig sein, Spenden zu sammeln."

(…) [Anita] Bhatia von "UN Women" hat die Regierungen auch aufgefordert, Unterstützungsgelder für bezahlte Krankenzeiten und unbezahlte Pflegearbeit bereitzustellen, damit Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, finanziell unabhängig von ihren Tätern bleiben können. Sie fügte hinzu, dass diese Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens geschlechtersensibel sein muss, damit Frauen Entscheidungsbefugnisse haben.


Allerdings sollte man "häusliche Gewalt" nicht auf Gewalt in der Partnerschaft verengen. Auch die Gefahr für Kinder, Gewalt zu erleiden, dürfte in der Qurantäne deutlich steigen.



2.
Immer mehr Väter berichten uns, dass ihnen ihr Kind trotz Umgangsrecht von den Müttern vorenthalten wird. "COVID-19" wird hier als Begründung für die Verweigerung vorgeschoben. Darf ein Elternteil von sich aus beschließen, dass das Kind nicht mehr zum anderen Elternteil darf? Wir haben uns an Rechtsanwalt Jochen Scholz, Fachanwalt für Familienrecht, gewandt und ihn um ein Interview gebeten.


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3. Während deutsche Medien aktuell gerne verkünden, dass Frauen während unser Land aufrecht erhalten würden, obwohl sie "stärker betroffen" seien, ist eigentlich jedem, der nicht ideologisiert ist, klar, dass natürlich beide Geschlechter den Laden am Laufen halten. Bei einem US-amerikanischen Rundfunksender findet man einen seltenen Beitrag, der explizit den Einsatz einer Berufsgruppe würdigt, die fast durchgehend von Männern besetzt ist: Lastwagenfahrer.

Während die meisten Arbeitgeber dazu übergehen, Aufgaben auch von zu Hause aus erledigen zu lassen, haben Lastwagenfahrer diesen Luxus nicht.

Das Fahren von Lastkraftwagen erfordert 14-Stunden-Tage, Tausende von Meilen. Für Douglas Burnett, einen Fahrer aus Saint Louis, bedeutet dies, dass er von seiner Familie getrennt ist.

"Wir haben einen Job zu erledigen. Ja, ich habe mich meinem Job als Lkw-Fahrer verschriebet, zu 100 Prozent. Ich weiß, dass ich täglich Opfer bringen muss, weil ich meine Kinder nachts nicht ins Bett bringen kann", sagte Burnett.

(…) Wegen der Coronavirus-Pandemie beginnen die Rastplätze in mehreren Bundesstaaten zu schließen. Aufgrund der Einschränkungen für Gruppenversammlungen schließen auch die Restaurants, in denen die Trucker normalerweise essen,.

Die Fahrer müssen auf Lebensmittelzustelldienste zurückgreifen oder Lebensmittel in Fertiggeschäften kaufen. Die Preise summieren sich.

Mark Livingston, seit 17 Jahren LKW-Fahrer, sagte: "Das Essen kostet uns zwei- bis dreimal so viel".

Drive-through-Restaurants sind keine Option, da Lastwagen zu groß und schwerfällig dafür sind. (…) Schnellrestaurants servieren nur zum Mitnehmen, die Fahrer können das Essen nur dann bekommen, wenn es einen Parkplatz gibt. Da mehr Lastwagen unterwegs sind, ist die Nachfrage nach Parkplätzen höher.

(…) Da die Parkplätze der großen Lebensmittelgeschäfte voll sind, werden die Lkw-Fahrer ausgebootet. Burnett erzählte von seiner Erfahrung in einem Laden, in dem er dreißig Minuten lang anhielt, um Lebensmittel zu holen. Ein Sicherheitsbeamter riet ihm, den Laden zu verlassen, um mehr Platz für andere Kunden zu schaffen.

"Ohne uns hätten Sie nichts im Regal zu kaufen", sagte Burnett.

Die Nachfrage nach medizinischer Versorgung, Lebensmitteln und Toilettenpapier steigt. Um die Nachfrage zu befriedigen und die Lieferungen zu beschleunigen, lockert Gouverneur Parsons die Regeln für die Stunden, die LKW-Fahrer auf der Straße verbringen dürfen.

Während die Geschäfte ihre Ressourcen schneller erhalten, sind die Fahrer besorgt darüber, dass sie mehr Stunden auf der Straße verbringen. Sie machen sich Sorgen, dass sie erschöpft sind und keine geeigneten Orte zum Ausruhen finden.


Zumindest auf die Anerkennung für ihren Einsatz sollten diese und zahllose andere Männer nicht verzichten müssen.

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