Donnerstag, Juni 30, 2022

Haben fiese Männerrechtler feministische Gesprächsrunde torpediert? – News vom 30. Juni 2022

1. Eine Gesprächsrunde der feministischen Schriftstellerin Julie Bindel ist nnach einer politischen Kontroverse abgesagt worden:

Der Stadtrat von Nottingham hat bestätigt, dass er einen Vortrag in einer Stadtbibliothek aufgrund der Ansichten der Autorin über Transgender-Rechte abgesagt hat. Julie Bindel sollte am Samstag, den 25. Juni, in der Aspley-Bibliothek über "feministischen Aktivismus zur Beendigung männlicher Gewalt in Nottingham" sprechen.

Der Stadtrat erklärte jedoch, dass die Ansichten von Frau Bindel über Transgender-Rechte im Widerspruch zur Strategie der Behörde für Gleichstellung, Vielfalt und Integration stehen. In einem Beitrag auf Twitter schrieb die Autorin: "Ich wurde gebeten, vor (überwiegend arbeitenden/jungen) Frauen über feministischen Aktivismus zu sprechen, um männliche Gewalt in Nottingham zu beenden. Die Veranstaltung war sehr schnell ausverkauft und sollte in den @NottmLibraries stattfinden. Soeben wurden wir informiert, dass der Vortrag abgesagt wurde. Warum? Weil frauenfeindliche Männerrechtsaktivisten (die sich als Unterstützer von Trans-Rechten ausgeben) den Veranstaltungsort so sehr belästigt haben, dass man dort keine Unannehmlichkeiten mehr ertragen konnte."


Das ist ja mal eine nette Zwickmühle:

Männerrechtler, die sich für trans Personen einsetzen, sind voll schlimm, denn das richtet sich gegen transphobe Feministinnen und ist damit antifeministisch. Rechtes Pack!

Männerrechtler, die sich nicht für trans Personen einsetzen, sind voll schlimm, denn sie schweigen zur Diskriminierung einer sexuellen Minderheit. Rechtes Pack!

Wie auch immer sie sich verhalten: Männerrechtler sind mal wieder aus der Zeit gefallene, zurückgebliebene Horden des Hasses, die eine friedliche Gesellschaft überfallen.

Dabei haben Männerrechtler mit dem aktuellen Fall vermutlich nicht einmal etwas zu tun. Die Daily Mail etwa berichtet über die Kontroverse um Julie Bindel so:

Frau Bindel sollte heute in der Aspley Library in Nottingham über "feministischen Aktivismus zur Beendigung männlicher Gewalt in Nottingham" sprechen. Aber die Stadtverwaltung (…) bestätigte, dass sie den Vortrag aufgrund von Meinungsverschiedenheiten abgesagt hat. Die Behörde erklärte, dass die Ansichten von Frau Bindel über Transgender-Rechte im Widerspruch zu ihrer Strategie für Gleichstellung, Vielfalt und Integration stünden.

Das hielt die Autorin jedoch nicht davon ab, den Vortrag vor Dutzenden von Zuhörern außerhalb der Bibliothek zu halten, und das trotz der Anwesenheit von Aktivisten für Transgender-Rechte, die gegen sie protestierten.

(...) Mitglieder von "Nottingham Against Transphobia" protestierte gegen die Veranstaltung und bezeichnete die Autorin und ihren Vortrag als "hasserfüllt und transphob".

Der Beamte Liam McClelland, 34, sagte: "Transphobie ist kein neues Thema, keine neue Sache. Es ist einfach eine Schande, das zu sehen, wo doch im Moment so viel anderes in Großbritannien passiert."

Anna Preston, 34, Angestellte im Gastgewerbe, fügte hinzu: "Sie sagten dem Rat, sie würden ein Sicherheitsgespräch führen. Da wir wussten, wer sie waren, konnten wir uns an die Stadtverwaltung wenden, die sagte: 'Nein, Sie können in der Bibliothek keinen Hass verbreiten.' Wir sind hier, um anderen LGBTQ+-Anhängern zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es immer eine schöne Trans-Flagge gibt, die weht, selbst wenn die Dinge dunkel erscheinen."

(...) Die stellvertretende Vorsitzende der Labour-Partei im Stadtrat von Nottingham, Adele Williams, und der Ressortinhaber für Nachbarschaft, Sicherheit und Integration, Neghat Khan, veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung zur Absage: "Es handelte sich um eine private Buchung der Aspley-Bibliothek durch die Gruppe 'Nottingham Women for Change', und der gesamte Kartenverkauf und das Marketing für die Veranstaltung wurden unabhängig und ohne Zutun der Stadtverwaltung durchgeführt. Es war zwar bekannt, dass die Veranstaltung aus einer feministischen Perspektive stattfinden würde, aber der Bibliotheksdienst wurde nicht über die Ansichten der Rednerin zu Transgender-Rechten informiert. Als wir davon erfuhren, haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung abzusagen. Nottingham ist eine integrative Stadt und als Stadtverwaltung unterstützen wir unsere LGBT-Gemeinschaft und haben uns verpflichtet, die Rechte von Transsexuellen als Menschenrechte zu unterstützen. Wir wollten nicht, dass die Nutzung eines unserer Bibliotheksgebäude für diese Veranstaltung, die während des Pride-Monats stattfand, als implizite Unterstützung für die Ansichten des Redners angesehen wird, die unserer Position zu den Rechten von Transgendern zuwiderlaufen."




2. Auch in Schleswig-Hollstein ist der Weltfrauenkampftag jetzt ein Feiertag. Hugo Müller-Vogg kommentiert.



3. In meinem Lexikon der feministischen Irrtümer hatte ich ja bereits erläutert, dass dem aktuellen Forschungsstand nach und entgegen Behauptungen von Feministinnen wie Anita Sarkeesian sexualisierte Videospiele die Benutzer keineswegs frauenfeindlich werden lassen. Eine neue Studie bestätigt jetzt, dass diese Spiele keinen Schaden anrichten. Man hätte sich die ganze Aufregung vor ein paar Jahren prima sparen können.



4. Zuletzt:

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen befasst sich zurzeit mit dem Thema Gewalt gegen Männer in Partnerschaften und sucht ab sofort männliche Interviewpartner ab 18 Jahren, die Gewalt oder Übergriffigkeiten in aktuellen oder ehemaligen Beziehungen erlebt haben.




Mittwoch, Juni 29, 2022

Kein Einzelfall: Sexualverbrecherin zu zwanzig Jahren Haft verurteilt

Nach dem Urteil gegen Amber Heard vor wenigen Wochen sprengt ein weiteres Gerichtsurteil das Klischee von den bösen Männern und den guten Frauen:

Seit mittlerweile zwei Jahren sitzt Ghislaine Maxwell in Haft. Im Dezember vergangenen Jahres sprach ein New Yorker Geschworenengericht die Britin des Sexhandels mit Minderjährigen schuldig. Jetzt wurde ihr Strafmaß verkündet.

Die Komplizin des verstorbenen Pädophilen Jeffrey Epstein muss für 20 Jahre in Haft. Vor Gericht fanden ein letztes Mal die Opfer von Epstein und Maxwell Gehör. Gleich mehrere davon hatten sogenannte "victim statements" eingesendet und darin die Verbrechen der Britin geschildert. Auch im Gerichtssaal waren Opfer anwesend. Maxwell wurde von drei ihrer Geschwister unterstützt.


Selbstverständlich versucht sich auch diese Täterin in der Rolle des Opfers:

Die Anklage hat eine Haftstrafe zwischen 30 und 55 Jahren für die 60-Jährige gefordert, ihre Anwälte hingegen hatten noch bis zuletzt versucht, Maxwell als Opfer darzustellen. Sie sei ein "Sündenbock", weil Epstein sich noch vor seinem Prozess in Haft das Leben genommen hatte. So forderten sie für ihre Mandantin eine Haftstrafe unter 20 Jahren und begründeten dies unter anderem mit ihrer Vergangenheit. Sie legten dar, Maxwells "traumatische Kindheit mit einem dominanten, narzisstischen und fordernden Vater" habe sie "anfällig für Epstein" gemacht. Das Urteil ist damit recht milde ausgefallen, wenn man die Forderungen der Staatsanwaltschaft bedenkt. Zum ersten Mal in diesem Prozess äußerte sich auch Maxwell selbst. Sie berichtet, dass es schwer für sie gewesen sei, die Schilderungen der Opfer zu hören, dann zeigte sie Reue: "Ich nehme Ihr Leid wahr, ich habe Empathie, ich bedaure zutiefst den Schmerz, den Sie erlitten haben." Sie selbst sieht sich aber auch als Opfer des manipulativen Epstein und sagte: "Ich bereue den Tag, an dem ich ihn getroffen habe."

Die Britin wurde in sechs Punkten angeklagt, darunter Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid. Schuldig gesprochen wurde sie in fünf Punkten, darunter der schwerwiegendste Vorwurf: "Menschenhandel mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken". Während der ersten Anhörung wies sie die Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig.


Ich bin gespannt auf die ersten Beiträge, die erklären, warum dieses Urteil zutiefst frauenfeindlich und einer rechten Kampagne zu verschulden ist. Maxwell selbst hat ihre Haft bereits als "sexistisch" beklagt, Feministinnen sind unterschiedlicher Meinung:

Die Verurteilung von Ghislaine Maxwell hat die Feministinnen gespalten. Ich kenne keine, die behaupten würde, sie sei unschuldig. Aber es gibt diejenigen, die behaupten, sie sei nichts weiter als ein Dienstmädchen gewesen, das von Jeffrey Epstein gezwungen und missbraucht wurde, diese armen Mädchen zu vergewaltigen und zu prostituieren. Andere sagen, sie sei sowohl Opfer als auch Täterin, und dass ihr Verhalten eine direkte Folge des sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater, den verstorbenen Robert Maxwell, sei.


Immerhin titelt die Londoner Times "Gebt nicht Männern jedem Verbrechen von Frauen die Schuld". Und die Geschlechterforscherin Professor Lara Stemple stellt klar, dass Ghislaine Maxwell kein von der Norm abweichender Einzelfall ist und begründet das mit denselben Argumenten, die wir Männerrechtler seit Jahren verwenden, um als antifeministische Frauenhasser verunglimpft zu werden:

Allgemein verbreitete Überzeugungen, Darstellungen in den Medien und starke Geschlechternormen deuten darauf hin, dass Männer die einzige wirkliche sexuelle Bedrohung darstellen. Doch die Forschung über weibliche Täter hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen und zwingt uns, unsere Vorstellungen von sexuellem Missbrauch zu überdenken. Dieses Umdenken ist so dringend wie eh und je: Ein gründliches Verständnis des gesamten Spektrums von Missbrauch ist notwendig, um die feministischen Lehren aus der #MeToo-Bewegung und darüber hinaus voranzubringen.

Wir wissen heute, dass sexuelle Übergriffe durch Frauen viel weiter verbreitet sind, als gemeinhin angenommen wird. Meine Kollegen und ich an der UCLA Law haben Daten aus der National Crime Victimization Survey (Nationale Erhebung über die Viktimisierung von Verbrechen) aus den Jahren 2010-2013 zusammengetragen. Von denjenigen, die einen Angriff durch einen weiblichen Täter meldeten, berichteten 58 Prozent der männlichen Opfer und 41 Prozent der weiblichen Opfer, dass die Täterin das Opfer geschlagen, niedergeschlagen oder anderweitig angegriffen hat.

Die Forschung hat auch einen Trend zutage gefördert, der bei sexuellen Übergriffen häufig auftritt: Die meisten Überlebenden von sexuellen Übergriffen kennen ihren Täter. Auch die Täterinnen sind den Opfern in der Regel bekannt, die nach dem Missbrauch oft verwirrt und von Selbstvorwürfen geplagt sind. Junge Erwachsene und Menschen hinter Gittern sind besonders gefährdet. Und laut der Nationalen Gesundheitsbehörde der USA sind heterosexuelle männliche Opfer von sexuellem Missbrauch die Gruppe, die am ehesten weibliche Täter anzeigt (71 Prozent ihrer Täter waren weiblich).

Der Anteil der Frauen, die von selbst begangenem sexuellem Missbrauch berichten, ist erstaunlich hoch. In einer Umfrage des Census Bureau aus dem Jahr 2012 wurden Menschen gefragt, ob sie jemals eine andere Person zum "Sex gegen deren Willen" gezwungen haben. Vierundvierzig Prozent derjenigen, die mit "Ja" antworteten, waren Frauen. Und eine nationale Jugendstudie aus dem Jahr 2013 ergab, dass fast die Hälfte derjenigen, die im Alter von 18 bis 19 Jahren selbst angaben, eine Vergewaltigung oder eine versuchte Vergewaltigung begangen zu haben, weiblich waren.

Die Forschung ist verblüffend klar: Es ist an der Zeit, die Vorstellung von ausschließlich männlichen Tätern zu überwinden.

Maxwells Prozess stellt eine für weibliche Missbrauchstäter spezifische Tendenz in den Vordergrund. Während ihr Verteidigungsteam argumentiert, sie sei lediglich ein Sündenbock für Epstein, hat die Staatsanwaltschaft überzeugend dargelegt, dass die beiden eng zusammenarbeiteten. Dieses Missbrauchsmuster ist inzwischen gut dokumentiert. Eine Analyse von Bundeserhebungen aus dem Jahr 2015 ergab, dass weibliche Sexualstraftäter im Vergleich zu Männern sehr viel häufiger einen Komplizen haben und in einem Drittel der Missbrauchsfälle mit einem Mittäter zusammenarbeiten. Einige Mittäterinnen werden als "von Männern gezwungen" beschrieben und sind manchmal selbst Opfer, während andere bereitwillig mitmachen.

Geschlechtsspezifische Stereotypen haben uns daran gehindert, ein klares Bild von weiblichen Tätern zu entwickeln. Auch heute noch wird weiblicher Missbrauch den Behörden zu selten gemeldet, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Opfer befürchten, dass ihnen niemand glauben wird. Stereotype über das so genannte schwache Geschlecht lehren, dass Frauen naiv, fürsorglich und harmlos sind, was zu einer weit verbreiteten Skepsis gegenüber von Frauen initiiertem Missbrauch führt. Selbst der weibliche Körper wird als nicht bedrohlich angesehen. "Kein Penis, kein Problem", so fasste ein Wissenschaftler spöttisch unsere weit verbreitete kulturelle Gleichgültigkeit gegenüber weiblichem Sexualtrieb zusammen. Wenn Opfer weibliche Missbrauchstäter anzeigen, werden die Vorfälle seltener zur Anzeige gebracht und strafrechtlich verfolgt. Doch Menschen, die von Frauen sexuell missbraucht werden, erleiden die gleichen Traumata wie andere Überlebende.

Frauen, die sexuelle Gewalt ausüben, ins Rampenlicht zu rücken, mag für feministische Aktivistinnen, die seit langem die Auffassung vertreten, dass es bei sexueller Viktimisierung um männliche Übergriffe und Privilegien geht, eine heikle Strategie sein. Aber ein besseres Verständnis dafür, wie und wann Frauen andere sexuell verletzen, ist keine Gegenreaktion auf die feministischen Fortschritte in unserem kollektiven Verständnis und Umgang mit Vergewaltigung und Vergewaltigungskultur. Einfach ausgedrückt: Eine erweiterte Perspektive auf geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt ist der nächste entscheidende Schritt vorwärts, nicht rückwärts.

(…) Die Konfrontation mit Geschlechterstereotypen ist natürlich eine weitere wichtige feministische Intervention. Allein die Vorstellung, dass Frauen sexuell manipulativ, dominant und sogar missbräuchlich sein können, widerspricht dem traditionellen Bild der sanftmütigen Frau. Beunruhigend ist, dass Maxwells Verteidiger die alten Stereotypen ausnutzen, indem sie behaupten, sie sei lediglich ein Opfer der Gesellschaft. Ja, viele Frauen werden zu Opfern. Aber können die emanzipatorischen Ziele des Feminismus verwirklicht werden, wenn erwachsene Frauen niemals zu mündigen Akteuren werden können, die in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und für ihr eigenes Handeln verantwortlich zu sein?

Wie alle komplexen menschlichen Wesen haben auch Frauen die Fähigkeit zur Freundlichkeit und zur Grausamkeit. Aber Maxwell scheint sich auf Stereotypen über Frauen als immer "sicher" verlassen zu haben. Opfern und Staatsanwälten zufolge trug ihre bloße Anwesenheit dazu bei, die Situation für Mädchen zu normalisieren, die davon ausgingen, dass sexueller Missbrauch niemals in der Nähe einer Frau stattfinden würde. Wie falsch sie doch lagen.




Dienstag, Juni 28, 2022

Bewerber zieht vor Gericht: Nur Frauen als Gleichstellungsbeauftragte ist Diskriminierung – News vom 28. Juni 2022

1. Die Berliner "taz" berichtet über einen wegweisenden Prozess:

Mathias Weidner hat den weitaus größten Teil seines* Berufslebens Genderfragen und der Gleichstellung gewidmet. Umso mehr wurmt es Weidner, dass auf seine* Bewerbung um das Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Ostfalia-Hochschule eine Absage kam. Die Begründung: Die Stelle sei zwingend mit einer Frau zu besetzen. Weidner hält die Begründung für nicht mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vereinbar und klagt nun vor dem Arbeitsgericht Braunschweig.

Weidner kann einen Master-Abschluss in Soziologie und Gender Studies vorweisen und sieht sich selbst als non-binär. In seiner* Bewerbung weist Weidner darauf hin, "dass ich meinen Gender-Eintrag aus sämtlichen Registern streichen lasse, aber nicht zu ‚Frau‘ ändere".

Ein Vergleichsangebot der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften lehnte Weidner bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht ab. "Ich möchte das grundsätzlich geklärt haben, wenigstens in Niedersachsen, aber am liebsten in ganz Deutschland", sagt Weidner. Die Länder Hamburg, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt lassen bereits alle Geschlechter für dieses Amt zu. "So eine Ablehnung wird mir immer wieder begegnen, es sei denn, ich ändere etwas daran – mangels Alternativen eben über eine AGG-Klage."


Hier geht es weiter.



2. Die Basis der CDU will die Frauenquote nicht, wird aber von der Parteiführung nicht gefragt.



3. Björn Stritzel ärgert sich über die Reaktion der Grünen auf den Terroranschlag, der auf eine Schwulenbar in Oslo verübt wurde:

Eine EU-Abgeordnete fabuliert von der "extremen Rechten". Familienministerin Paus lässt die Ideologie des Täters unerwähnt. Partei-Chefin Lang braucht über 24 Stunden und eine BILD-Anfrage, um einzugestehen, dass der Mörder Islamist war – und kein Teil der "globalen Rechten". Schlimmer noch: Lang stellte den Terroranschlag von Oslo in eine Reihe mit dem antifeministischen Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, sprach von einem "Rückschlag gegen Frauenrechte und LGBTIQ".




4. Auch die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit den deutschen Grünen:

Was aussenpolitisch ein Erfolg ist, wird innenpolitisch zum Risiko. Während sich alle Augen auf die Ukraine richten, treiben Grüne den gesellschaftlichen Umbau voran. Ob Genderfragen oder Migration – die ehemalige Umweltpartei konzentriert sich umso mehr auf die Identitätspolitik, als ihr die Kriegszeiten viele Kompromisse abverlangen. So ersetzt sie die ausbleibenden russischen Gaslieferungen beherzt mit Kohle und Gas vom Golf, betreibt also nüchterne Realpolitik. In Identitätsfragen hingegen polarisiert die Partei und fördert Extreme. Die Schaltzentrale der Grünen für ihr Umerziehungsprogramm ist das Ministerium für Wokeness, früher bekannt als Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


Der Artikel konzentriert sich in den folgenden Passagen auf die Kontroverse um die von Familienministerin Lisa Paus vorgeschlagene nächste Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman sowie die Debatte um Transsexualität, bevor er zu einem allgemeinen Fazit gelangt:

Der grünen Kampfbrigade fällt das Paradoxe ihres Tuns nicht auf. Sie fordert Toleranz und Gleichberechtigung für Minderheiten, begegnet aber allen Einwänden mit Intoleranz. Wer Lehmann oder Ataman zu widersprechen wagt, ist eine Kartoffel oder ein Menschenfeind. Das ist die Sprache von Kulturrevolutionären und nicht von Politikern, die eine Gesellschaft auf dem langen Weg der Veränderung mitnehmen wollen. Eines ist gewiss. Wenn das Ministerium für Wokeness sein Programm verwirklicht hat, wird die Republik an einigen Stellen nicht wiederzuerkennen sein.




5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Lieber Arne Hoffmann,

anbei ein, wie ich finde, sehr passender Artikel für Ihren Blog. Es ließe sich viel darüber sagen, zum Beispiel dass die Berichterstattung dazu einmal mehr sehr deutlich macht, dass ein und die selbe Tat je nach Geschlecht sehr unterschiedlich gewertet wird.

Dass aber selbst die Polizei bei sexueller Belästigung zweier 18jähriger - als selbst gerade noch Kinder - während voller Fahrt, also in gefährlicher Situation - in ihrer Pressemitteilung noch demütigt und heranwürdigt - in dem als fun fact von Überforderung gesprochen wird - bringt mich sehr ins Nachdenken über unsere Gesellschaft und das von Ihnen treffend beschriebene Emphatie-Gap für Jungs und Männer.




Montag, Juni 27, 2022

Der Mann, der Audi verklagt, im Interview: "Ich fühle mich von dem Gender-Leitfaden sprachlich unsichtbar gemacht, marginalisiert" – News vom 27. Juni 2022

1. "Da hat einer Audi verklagt wegen der Gendersprache im Konzern", sagte neulich ein Kumpel von mir. "Das ist doch ein klassisches Beispiel für fragile Männlichkeit." Und ich denke mir: Wie sich die Zeiten ändern. Früher hast du als ganzer Kerl gegolten, wenn du in den Krieg gezogen bist, dir nichts hast gefallen lassen oder wenigstens eine Familie ernährt hast. Im Jahr 2022 genügt, dass du jeden fragwürdigen Quatsch mitmachst, ohne aufzumucken, sondern dem System gegenüber immer konformistisch bleibst.

Nun wissen wir alle, dass persönliche Herabsetzungen in der politischen Debatte heutzutage Argumente ersetzen. Aber was geht wirklich in dem Audi-Mitarbeiter vor, der wegen der Gendersprache seine Firma verklagte? Bezeichnenderweise schien das lange Zeit kaum jemanden näher zu interessieren. Jetzt aber hat "Die Welt" ein Interview mit ihm geführt:

Was stört den 46-Jährigen, der einen Doktor in Chemie hat und zwölf europäische Sprachen spricht, eigentlich so sehr [an der Gendersprache bei Audi], dass er deshalb sogar vor Gericht zieht? Das beantwortet Alexander B. in einem telefonischen Interview, das über seine Anwälte Dirk Giesen und Burkhard Benecken zustande gekommen ist. Denn Alexander B. will zum Schutz seiner Person weiter anonym bleiben. Gleichzeitig möchte er auch erklären, warum dieser Leitfaden aus seiner Sicht mehr diskriminiert und ausgrenzt, als dass er verbindet.

WELT: Herr B., der neue Gender-Leitfaden von Audi sieht Sätze vor wie "Der_die BSM-Expert_in ist qualifizierte_r Fachexpert_in". Sie klagen als Mitarbeiter dagegen, weil Sie sich davon diskriminiert fühlen.

Alexander B.: Ja. Ich fühle mich von dem Gender-Leitfaden sprachlich unsichtbar gemacht, marginalisiert. Ich fühle mich teilweise durch diese Wörter wie "Zeug_innen" regelrecht verächtlich gemacht und beleidigt.

WELT: Können Sie Ihre Kritikpunkte genauer erklären? Bislang hieß es immer nur, Sie wollen damit "in Ruhe" gelassen werden. Eigentlich ist der Gedanke hinter so einem Leitfaden doch, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen – Männer, Frauen und auch diejenigen, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen möchten.

Alexander B.: Es gibt eine ganze Vielzahl von Dingen, die mich daran stören. Audi schreibt vor, dass bei Begriffen wie Kollege zu gendern sei nach der Form, dass nach "Kolleg" ein Unterstrich folgt und dann kommt immer ein "innen". Die männliche Form im Plural ist aber nicht Kolleg, sondern Kollegen. Das heißt, männliche Endungen werden einfach abgehackt, sodass de facto also nur noch die spezifisch weibliche Form zu hören ist. Dadurch entstehen Ausdrücke, die zwar für Männer gelten sollen, aber eigentlich eine ganz andere Bedeutung haben. Aus ursprünglich Kollegen wird dann "Kolleg" – und "Kolleg" ist etwas ganz anderes, eine Lehranstalt oder ein Gebäude.

Es wird aber noch schlimmer, etwa bei Zeug_innen. Da werden Männer reduziert auf "Zeug", was im schlimmsten Fall Kram, Unrat oder Müll ist, der weggeschmissen wird. Und selbst wenn durch die Verstümmelung keine neue Bedeutung entsteht, dann doch ein grammatikalischer Fehler wie etwa bei "Interessent_innen". Da bliebe vom männlichen Plural "Interessenten" nur der eine männliche "Interessent" übrig, ansonsten wäre der weibliche Plural "_innen" voll gültig. Und genau deswegen musste ich aktiv werden, um deutlich zu machen, dass das zwar geschlechtergerechte Sprache genannt wird, aber wenn man das für sich genauer anschaut und analysiert, leider eben keine geschlechtergerechte Sprache ist.

WELT: Was denn dann Ihrer Meinung nach?

Alexander B.: Hinter diesem Sprachleitfaden steckt der Gedanke, dass man durch eine Änderung der Sprache die Gesellschaft verändern könne. Empirische Belege dafür sind äußerst dürftig. Zum Beispiel: Im Türkischen gibt es keine Genus-Ausdifferenzierung, in vielen Sprachen, die in Afghanistan gesprochen werden, gibt es die nicht, auch nicht im Persischen. Bekanntermaßen sind weder Afghanistan noch der Iran noch die Türkei leuchtende Vorbilder der Gleichberechtigung oder Gleichstellung von Frauen. Und ich könnte das noch weiter ausführen.

Ich kritisiere ferner, dass Frauenförderung und der Einsatz für diversgeschlechtliche Personen sich meiner Meinung nach besser auf andere Bereiche konzentrieren sollten. Denn durch diese "innen"-Formen wird oft ein höherer weiblicher Anteil suggeriert, als er in Wirklichkeit vorhanden ist. Ich halte es deshalb nicht für sinnvoll, an der Sprache Veränderungen erzwingen zu wollen, die bei genauerem Betrachten das Label, was man ihnen gibt, nämlich geschlechtergerecht oder gar gerecht zu sein, überhaupt nicht einlösen. Man sollte Sprache auf das zurückführen, was sie eigentlich ist, nämlich ein Kommunikationsmittel, was Gemeinschaft stiftet, was eine gemeinsame Kultur begründet.

WELT: Welche Folgen hat denn Ihrer Meinung nach die zunehmende Verwendung von Gender-Sprache?

Alexander B.: Diese Gender-Sondersprache erfüllt leider überhaupt nicht den Zweck, für mehr Inklusion zu sorgen und alle anzusprechen, sondern grenzt nur noch mehr aus. Das wurde ja auch im Verfahren mehrfach betont. Stellen Sie sich Menschen vor, die Legasthenie oder Dyskalkulie haben, Menschen, die vielleicht unsere Sprache erst gerade lernen oder blinde Menschen. Durch diese Gender-Sondersprache, die Verwendung von Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkten, erleben wir eine zunehmende Distanz der gesprochenen von der geschriebenen Sprache – was natürlich das Erlernen der Sprache und der Schrift viel komplizierter macht.

WELT: Aber Sprache entwickelt sich auch weiter und passt sich den gesellschaftlichen Veränderungen an. Und Frauen mussten bislang auch damit leben, im männlichen Plural angesprochen zu werden. Wo ist also Ihr Problem?

Alexander B.: Man schafft angebliche Ungerechtigkeiten aus der Vergangenheit nicht dadurch weg, indem neue schafft. Und wenn Männer mit solchen Bezeichnungen wie "Zeug" leben sollen, dann bedeutet das ja, Diskriminierung gegenüber Männern sei gerechtfertigt. Das ist für mich ein elementarer Verstoß gegen die Ideen des Grundgesetzes. Für mich ist es auch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz in den allgemeinen Menschenrechten.

Abgesehen davon ist, wenn man genauer in die Sprachgeschichte blickt, die Situation viel diffiziler. Denn die Endung "en", bleiben wir mal bei Kolleg-en, ist eigentlich nur eine Ersatzendung. Lateinisch heißt das collegae und steht für Männer und Frauen. Dieser Ersatz hat von jeher nicht nur für ein Genus – also für ein Geschlecht – gestanden, sondern für alle Genera bzw. Geschlechter. Und insofern ist dieser Vorwurf, dass das also jahrhundertelang so gelaufen wäre, sprachhistorisch schlicht und ergreifend falsch. Damit will ich allerdings nicht sagen, dass ein gendergerechter Leitfaden unmöglich wäre.

WELT: In den sozialen Netzwerken wird Ihnen vorgeworfen, selbst andere zu diskriminieren, weil sie gegen diesen Gender-Leitfaden klagen.

Alexander B.: Für mich ist Gleichberechtigung absolut selbstverständlich. Meine Frau und ich haben zum Beispiel die Elternzeit fast eins zu eins aufgeteilt. Ich habe außerdem schon etliche kreative Ansätze entwickelt, die es ermöglichen würden, im Wesentlichen im Rahmen bestehender Sprach- und Grammatikregeln tatsächlich inklusiver zu sprechen und den unterschiedlichen Interessenlagen gerecht zu werden. Man muss nur bereit sein, eingetretene Pfade dann auch zu verlassen. Beziehungsweise man muss die Bereitschaft zeigen. Aber das traue ich Audi durchaus zu.

WELT: Das klingt so, als würden Sie sich auskennen.

Alexander B.: Ich möchte anonym bleiben, aber ich kann so viel verraten, dass ich Kulturwissenschaftler mit einem Doktortitel in Chemie bin. Ich besitze das große Latinum, das Graecum und das Hebraicum und insgesamt Zertifikate in zwölf europäischen Sprachen, darunter Spanisch, Italienisch, Französisch, Schwedisch oder Polnisch (Anm. der Red: Entsprechende Nachweise liegen der Redaktion vor). Ein paar Zeichen Chinesisch kann ich auch, es reicht, um damit Aufschriften auf T-Shirts zu lesen. Ich verfasse sprachwissenschaftliche Fachartikel und arbeite an Fachbüchern zum Thema Sprache. Ich habe darüber hinaus an einigen gendergerechten Satzungen und ähnlichen Texten mitgearbeitet, die ohne Gender-Satzzeichen, Doppelpunkte oder Sternchen auskommen. Man kann den Wünschen und Anforderungen aller sehr wohl gerecht werden, ohne dass es zu Verstümmelungen kommt. Man muss nur wollen.

(…) WELT: Kommen wir also noch einmal auf das Wort "Kollegen" zurück. Wie sollte es da Ihrer Meinung nach heißen?

Alexander B.: Das kommt auf den jeweiligen Kontext an. Das können Wörter wie etwa Kollegenschaft oder Beschäftigte sein, aber mein Lieblingsausdruck ist Team bzw. Teammitglied. Und ich habe es auch schon vor Gericht gesagt: Ich bin jederzeit und sehr gerne bereit, an einer Überarbeitung des Leitfadens mitzuarbeiten, damit alle eine tatsächlich gerechtere Sprache verwenden können.

(…) WELT: Das Urteil des Landgerichts Ingolstadt steht noch aus. Einen Vergleich hat der Konzern trotz Vorschlag seitens des Richters abgelehnt. Befürchten Sie durch Ihre Klage nun berufliche Nachteile?

Alexander B.: Das Unternehmen Volkswagen hat ja eine ganz besondere Historie in den vergangenen Jahren erlebt. Und eine der Konsequenzen war, dass man gesagt hat, wir brauchen auch Leute, die Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und die dann auch mal Tacheles reden und auf Missstände aufmerksam machen. Ich gehe jetzt davon aus, dass das Unternehmen es damit auch ernst meint. So erlebe ich das zumindest jetzt schon jeden Tag. Insofern mag es manchen vielleicht noch etwas schwerfallen, aber ich kann mir vorstellen, dass diejenigen, die im Moment noch etwas skeptisch sind, vielleicht in ein paar Jahren froh darüber sind, dass es mich gibt, dass es mich gegeben hat, dass ich da gesagt habe: Das halte ich für falsch, so geht das nicht. Und da reiche ich allen die Hand.




2. Der Wirtschaftswoche zufolge haben inzwischen 64 Prozent der Dax-Unternehmen Leitlinien zur Gendersprache veröffentlichet. Bei jedem vierten werden die Mitarbeiter zum feministischen Deutsch verpflichtet:

Manche Konzerne unterscheiden zudem zwischen interner und externer Kommunikation. So gibt es bei Bayer einen Leitfaden, der sich an "genderwillige Beschäftigte" wendet. In der Außendarstellung aber solle auf solche Formulierungen verzichtet werden, "weil wir wissen, dass deren Zielgruppen gegenderte Formulierungen nicht schätzen", so schreibt das Unternehmen. (…) Höchst umstritten ist zudem die Verwendung von Gendersternchen und Doppelpunkten. SAP und Conti schließen deren Verwendung explizit aus, während Infineon voll auf das Sternchen setzt, ebenso wie die Telekom. RWE und Covestro setzen derweil auf den Doppelpunkt.

Sogar technologisch scheiden sich an dieser Frage offenbar die Geister: Während SAP die Verwendung mit der Begründung ausschließt, dass sie für Screenreader-Programme nicht darstellbar seien, nutzt die Allianz den Doppelpunkt explizit, weil er so gut darstellbar sei – mit dem exakt gleichen Argument entscheidet sich die Telekom für das Sternchen. Andere Konzerne lagern solche Fragen gleich ganz aus: Sowohl Mercedes und Daimler Trucks als auch BMW geben an, sich in ihrer Kommunikation komplett an den Vorgaben der Gesellschaft für deutsche Sprache zu orientieren.

Merck setzt derweil auf technologische Hilfe. Um seine Publikationen gendersensibel zu gestalten, nutzt das Unternehmen eine Software, die entsprechende Formulierungen automatisch vorschlägt.

Am weitesten fortgeschritten in Sachen Gendern scheint der Chipkonzern Infineon zu sein. Zum einen ist das Unternehmen neben Symrise das einzige, das auch in der mündlichen Kommunikation aufs Gendern setzt. Infineon macht sogar konkrete Angaben, wie das gehen soll: "Im Mündlichen wird das Sternchen über eine kleine Sprachpause hörbar gemacht." Zudem macht der Konzern Vorgaben, wie auch jenseits direkter Personenbenennungen geschlechtergerechter formuliert werden könne. "Wir wählen Adjektive und Formulierungen, die insbesondere auch Frauen ansprechen, gleichfalls aber Männer keinesfalls davon abhalten, sich zu bewerben", heißt es. Der Konzern nennt dafür auch konkrete Anwendungsfälle: "Ein Beispiel dafür, die eher „maskuline“ Formulierung „ehrgeizig“ ersetzen wir mit dem Wort „motiviert“. Das Wort „selbständig“ wird beispielsweise häufig mit „verantwortungsvoll, verantwortlich“ ersetzt. Anstatt „Mannschaft“ sagen wir „Team“ oder „Belegschaft“."


Einige Firmen schulen ihre Mitarbeiter gezielt in der Verwendung von Gendersprache. Bei Hello Fresh etwa sind solche Kurse für jeden, der eine Führungsrolle anstrebt, verpflichtend. Adidas hat für sämtliche 61.000 Mitarbeiter weltweit ein solches Training eingeführt.



3. Ein Südtiroler Handwerksbetrieb sucht "Mitarbeiter". Dafür soll er nun eine Strafe von 3000 Euro zahlen.



4. Der Bundesverband der Freien Wähler hat mit klarer Mehrheit beschlossen, das Gendern zu unterlassen.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Arne,

da ich zunehmend genervt bin von überall mit dem sogenannten Genderdeutsch überschüttet zu werden, bin ich auf der Suche im Internet auf Deine Seite gestoßen. Es freut mich, dort über aktuelle Themen lesen zu können.

Um auf das Gendern zurückzukommen, bin ich besonders enttäuscht, was unsere Leitmedien diesbezüglich anstellen. Die Tagesschau sollte den höchsten Anspruch an journalistischer Arbeit und korrekter Verwendung der deutschen Sprache haben. Leider ist das schon länger nicht mehr so.

Ich habe mich bereits von den wissenschaftlichen Podcasts des Deutschlandfunks abgemeldet, weil ich die dort verwendete Sprache nicht mehr ertragen kann. Ich höre jetzt englische Podcasts, z.B. des BBC.

Das Gendern führt zu Ungenauigkeiten, erzeugt falsche Bilder und rückt den Fokus auf die Information Geschlecht, das für den zu überbringenden Inhalt vollkommen irrelevant ist.

Ich habe ein interessantes Interview mit Lisa Eckhart gesehen, in dem sie die Entwicklung der Sprache als eine Entwicklung zur Respektlosigkeit beschreibt. Nun mache ich genau das, was sie sich nicht wünscht, indem ich per Du schreibe. Ich muss gestehen, dass ich absolut kein Fan von der Dame bin. Allerdings erscheint es mir wirklich mimosenhaft, dass bestimmte Personen mit einem spezifischen "pronoun" angesprochen werden wollen. Vor über 100 Jahren haben wir die Adelstitel abgeschafft, so dass alle Bürger gleich angesprochen werden können, jetzt entsteht plötzlich wieder etwas derart Kapriziöses.

Ich selbst bin lediglich Muttersprachler, aber interessiert an Sprache und Feinheiten innerhalb der Sprache. Ich höre seit einigen Jahren, die Podcasts von Daniel Scholten, die auf amüsante Weise einen guten sprachlichen Hintergrund vermitteln.


Was das Duzen in Leserpost an Genderama angeht: Manche duzen mich in ihren Zuschriften, andere wählen das Sie – mir ist beides Recht, und ich habe hier keine Vorliebe.



6. Zuletzt: Der Journalist und Genderama-Leser Ingo Meyer ist für seinen in der Berliner Zeitung veröffentlichten Text "Das Märchen vom Gendersterntaler" mit dem Theodor-Wolff-Preis 2022 ausgezeichnet worden. Die Ehrung ist mit 30.000 Euro dotiert und gehört zu den renommiertesten deutschen Journalistenpreisen. Ganz herzlichen Glückwunsch!



Sonntag, Juni 26, 2022

Feministin angepisst von Propaganda der Leitmedien zum Urteil gegen Amber Heard

In einem Nachklapp zum Urteil in dem Prozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard hat sich inzwischen auch eine Feministin gegen das von den Leitmedien gesponnene Narrativ ausgesprochen:



Eine Orgie der Frauenfeindlichkeit - das ist die Botschaft der Mainstream-Medien in den USA und im Vereinigten Königreich in Bezug auf den Prozess und den Ausgang des vielbeachteten Verleumdungsprozesses zwischen Johnny Depp und Amber Heard.

Denkschriften und Schlagzeilen mit einer Voreingenommenheit für Heard - große Zeitungen, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und Online-Publisher von The Atlantic bis Vox - bevölkern meine Social-Media-Feeds, die Heards Team nun dafür verantwortlich macht, die Entscheidung der Jury zu beeinflussen.

(...) "Wie wird jemand in seinen 60ern zum Gewalttäter?", fragte sich Depp, genau wie der Rest von uns. Doch ein Artikel nach dem anderen behauptet, wir seien Teil der Hassmaschine gegen Amber Heard.

Ich hasse Amber Heard nicht. Ich finde sie nur nicht glaubwürdig. Und weil es um häusliche Gewalt geht - häusliche Gewalt, die ich erkenne - stehe ich auf der Seite von Depp.

(...) Warum befassen sich die Mainstream-Medien nicht mit Heards eigener Verantwortung dafür, dass sie einer Bewegung geschadet hat, die sie zu ihrem persönlichen Vorteil zu kapern versuchte - selbst wenn das bedeutete, zu lügen und zu betrügen?

Die meisten Leute, die über den Prozess schreiben und tragische Rückschläge für die Frauen und die Demokratie selbst beklagen ("Demokratie stirbt in der Dunkelheit", sagte die Washington Post), haben den Prozess nie gesehen.

Ich habe ihn aus dem Ausland gestreamt und war erleichtert, als ich einige Vlogger, unabhängige Journalisten und Lawtuber entdeckte, die versuchten, die Fakten in Echtzeit zu interpretieren, während sich der Prozess entwickelte.

Keiner von ihnen war beleidigend oder hatte Verbindungen zu konservativen, rechtsgerichteten Medien, und jeder von ihnen bot eine Erleichterung in der Flut der Voreingenommenheit der Mainstream-Medien (einer wurde vom Anwaltsteam von Amber Heard ins Visier genommen).

(...) In der Tat sind die meisten von Depps Unterstützern Überlebende verschiedener Formen von häuslicher Gewalt - und der Versuch der Medien, es anders darzustellen, ist ein Schlag ins Gesicht für uns alle.

(...) Wenn das Internet Amber Heard hasst, liegt das nicht daran, dass sie eine Frau ist (oder ein unvollkommenes Opfer), sondern daran, dass sie nicht glaubwürdig ist.

Die wichtigste Erkenntnis für junge Menschen? Lügt nicht.

Es macht mich wütend, dass die Medien meinen, mir vorschreiben zu können, was es heißt, Feministin zu sein.

Warum kann ich Frauen nicht unterstützen, ohne auch anzuerkennen, dass nicht alle Frauen über jeden Vorwurf erhaben sind, dass nicht alle Mütter mütterlich und liebevoll sind?

Warum kann ich nicht Feministin sein und zugeben, dass manche Frauen lügen?

(...) Dieser Prozess hat ein Licht auf männliche Überlebende von Gewalt in Paarbeziehungen geworfen, und warum sollte er das nicht?

Warum sollten wir nicht über den einen von drei Männern sprechen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind?

Vielleicht liegt es daran, dass einer von drei Männern auch der Meinung ist, dass der Feminismus mehr schadet als nützt: Die "kritische Auseinandersetzung mit der Männlichkeit rund um #MeToo hat einige dazu veranlasst, eine feministische Offensive gegen Männer wahrzunehmen, aber bisher hat nur wenig Forschung die Reaktionen der Männer [auf die Bewegung] analysiert."

Wie kann das Ignorieren von "einem von drei" Einstellungen und Meinungen überzeugen oder positiv beeinflussen?

Die Behauptung, das Urteil sei ein "Rückschlag für die Frauen", ist selbst ein Rückschlag für die Frauen. Wir brauchen immer noch (verzweifelt) Feminismus, aber diese spezielle Form fühlt sich extrem an, als würde man Männer hassen - als würde man seine Glaubwürdigkeit verlieren.

Wie bringt es die Rechte der Frauen voran, wenn man Männer schlecht behandelt? Wie hilft es unseren Söhnen zu gedeihen, wenn wir sie beschämen?

Häusliche Gewalt ist geschlechtsunabhängig, und dank des Urteils von 2022 ist Johnny Depp nicht länger ein Opfer von häuslicher Gewalt - er ist ein Überlebender.

(...) Warum wird in feministischen Berichten nicht die Arbeit von Frauen wie Depps Anwältin Camille Vasquez und Dr. Shannon Curry gewürdigt? Oder versucht, junge Mädchen vor dem narzisstischen Missbrauch durch ihre Eltern zu schützen? (Heard ist vor kurzem Mutter geworden.)

Sowohl Depp als auch Heard haben in ihrer Kindheit ein Trauma erlebt, das sie anfälliger dafür macht, im Erwachsenenalter Opfer (oder Täter) von Missbrauch zu werden. Warum sprechen wir nicht darüber?




Freitag, Juni 24, 2022

Männer berichten: "Weil ich Primarlehrer werden will, werde ich als Pädophiler abgestempelt" – News vom 24. Juni 2022

1.
Männer, die in Berufen mit einer hohen Frauenquote arbeiten, werden dafür oft schräg angeschaut. Deshalb schämen sich viele für ihren Beruf. Drei Betroffene erzählen.


Und zwar hier.



2. Der FOCUS berichtet über eine Kontroverse in Nürnberg:

Neuer Tag, neue Aufregung um ein Gender-Thema. Am Montag verkündete die Technische Hochschule Georg Simon Ohm in Nürnberg, dass in ihrer offiziellen Kommunikation künftig neben geschlechtsneutralen Formulierungen auch das Gendersternchen zum Einsatz kommen wird. Dafür hat die Hochschule einen Leitfaden entwickelt. "Mitarbeitenden wird die Verwendung der Schreibweise im Alltag zwar empfohlen, bleibt aber freiwillig", heißt es dazu.

So weit, so neutral. Dennoch sorgt die Ankündigung für Empörung. Mehrere Mitarbeitende und Studierende äußern sich entrüstet. Weil viele, wohl auch bewusst, direkt auf die Ankündigungsmail der Hochschul-Leitung antworten, geht die Kritik an den gesamten Hochschul-Verteiler. Dadurch können 15.000 Menschen mitlesen. FOCUS Online liegen entsprechende Mails vor.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter schreibt: "Sehr geehrte Hochschulleitung, hiermit stelle ich den Antrag, dass die TH Nürnberg zukünftig den Studentinnen aus Gründen des Respekts und der Sicherstellung der Gleichbehandlung als Studienabschluss die Titel „Mistress“ bzw. „Bachelorette“ verleiht."

Ein Gastdozent schreibt: "Vielen Dank für den „LEIDfaden“. [...] Jede Vorlesung genderneutral zu gestalten hat für mich nicht gerade den Anstrich von Fortschrittlichkeit, sondern es wirkt eher etwas wie gewollt und nicht gekonnt und hat auch eine erbärmliche und wirklich peinliche Komponente."

Ein Bauingenieurs-Professor: "Ich möchte mich bei allen recht herzlich bedanken, die sich gegen diesen Leitfaden ausgesprochen haben. Was bedeutet Kolleg*innen? Sieht nach einem Quelltext in einer Programmiersprache aus. Als Verfechter der lateinischen Sprache bekomme ich da schon mittelgroße bis große Schmerzen."

Und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Chemie-Lehrstuhl findet die Diskussion über den gesamten Verteiler richtig: "Die Mehrheit lehnt diese grotesken Sprachregeln nämlich ab, traut sich aus Angst vor sozialen Sanktionen jedoch nichts dagegen zu sagen." Und weiter: "Der fehlende sichtbare Widerspruch ist nämlich genau der Grund, warum sich dieser Unsinn überhaupt erst so sehr verbreiten konnte. [...] Die 'Woken' möchten die Leute glauben lassen, dass sie mit ihrer Meinung in der Minderheit sind und das [sic] Widerspruch moralisch verwerflich sei."


Hier geht es weiter.



3. Auf dem Kölner Domherrenfriedhof liegen nur Männer begraben. Trotzdem soll er umbenannt werden: "Denn an der großen Gender-Debatte, in der viele Begriffe geschlechterneutral gehalten werden sollten, kommt offenbar auch das Erzbistum nicht vorbei."



4.
Einer Obersteirerin wurde die Chance auf ihren Traumjob vermasselt. Nicht etwa wegen fehlender Kompetenzen - sondern, weil sie nicht geschlechterneutral formuliert hatte.


Die Krone hat den Fall aufgegriffen.



Donnerstag, Juni 23, 2022

Soziologe erklärt: "Warum geschlechtergerechte Sprache nicht gerecht ist" – News vom 23. Juni 2022

1. In der Frankfurter Allgemeinen beschäftigt sich der Soziologe und Psychologe Stefan Beher mit der Gendersprache:

Gegner von Gendersprache leben in schweren Zeiten. Sie stellen zwar zahlreichen Umfragen zufolge eine große und gar wachsende Mehrheit in der Bevölkerung. Noch unter Frauen überwiegt eine teils starke Ablehnung, und nicht einmal im gendernden Kernmilieu, nämlich bei den Anhängern der grünen Partei, sympathisiert die klare Überzahl mit Asteriskus oder Binnen-I. Doch zumindest im veröffentlichten Diskurs werden Kritiker der Gendersprache mittlerweile klar geschmäht: zu männlich, zu rechts, irgendwie nicht auf der Höhe der Zeit. Gegen die offiziellen Regelungen zur Orthographie wird mittlerweile in Schulen und Universitäten, auch in Verlagen und Behörden sprachliche "Gerechtigkeit" eingefordert — und sanktioniert. Zuweilen nicht nur moralisch, sondern auch in der harten Währung etwa von Benotungen.

Nun mag man einwenden, dass auch Mehrheiten irren können und höhere Einsicht auch sie auf den rechten linken Pfad zurückführen müsste. Sicherlich: Auf die Frage, ob oder in welchem Ausmaß politischer Aktivismus in Schulen und Behörden, im öffentlichen Rundfunk und in den Printmedien über das Medium der Sprache diese uneinsichtige, die Erkenntnisse der Zeit verschlafende, möglicherweise gar latent frauenfeindliche Mehrheit pädagogisch, zwar gegen ihren Willen, aber doch zu ihrem Besten, formen soll und wie sich dieser gute Zweck mit anderen Erfordernissen von Sprache, etwa Lesbarkeit, Ästhetik oder bloß Verständlichkeit für andere, so noch zusätzlich disprivilegierte Gruppen verträgt, können keine rein wissenschaftlichen Antworten erwartet werden. Für andere Aspekte wird allerdings gern auf wissenschaftliche "Fakten" verwiesen. So leide das generische Maskulinum insbesondere an dem Makel, dass seine Leser sich nicht in ausreichendem Maße Leserinnen vorstellen, die daher aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit durch die ungeliebten Formen "sichtbar" gemacht werden müssten.


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2. Unter der Überschrift Sittlich desorientiert: Buchtipps für die Tabuthemen unserer Gesellschaft stellt der Kulturteil des STERN auch zwei meiner Titel vor. Darüber hinaus zeigt der Artikel, dass man als deutscher Journalist auch ohne Schaum vorm Mund über Männerrechtler schreiben kann. Ein Auszug:

Mann gegen Frau, Frau gegen Mann, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Transgender und non-binäre gegen cis-Heteros, jeder gegen jeden, alle füreinander. Wer sich etwas mit Feminismus und der deutlich kleineren und jüngeren Männerbewegung befasst, verliert schnell den Überblick, wer was eigentlich von wem will.

Irgendwie einen sich alle in ihren Zielen: So wie jede Ideologie wollen sie unser aller Leben erträglicher und fairer machen und das mit einfachen Antworten auf schwierige Fragen. Und doch ist für beide das Gesagte des anderen ein Tabubruch, weil es dann doch immer um ebenjene Grenzverschiebungen geht, die die jeweils andere Gruppe anstößig findet.

Egal, in den Bewegungen steckt politisches Knallpotenzial und der Tabubruch ist so sehr an der Tagesordnung, dass es schwerfällt, überhaupt nachzukommen. Deshalb eine kleine und unvollständige Übersicht der schönsten Tabubrüche, festgehalten in Büchern:

(…) Sexismus gegen Männer – geht das überhaupt? Ja, sagt Arne Hoffmann in seinem Buch "Not am Mann – Sexismus gegen Männer" und geht dabei hart mit der Feminismus-Bewegung in Deutschland ins Gericht. Um seine Thesen zu untermauern, zieht er Studien zu Rat und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Dass Männer in Sorgerechtsstreitigkeiten häufig den Kürzeren ziehen, ist allgemein bekannt und irgendwie akzeptiert. Dass sie aber auch ähnlich häufig Opfer sexueller Gewaltverbrechen in Kriegen werden wie Frauen, ist ein Thema, das weder die betroffenen Männer gerne aussprechen, noch der breiten Öffentlichkeit bewusst ist.

(…) Wer hätte es gedacht: Wahres Glück liegt nicht (für jeden) im Ausleben einer Sexsucht begraben, sondern vielleicht in tiefer Zwischenmenschlichkeit und einem Funken Empathie. Aber für beides muss Mann eben seinen Mund aufbekommen, wenn er die Aufbauen und zeigen will. Die deutsche Standardliteratur liefern Maximilian Pütz und Arne Hoffmann unter anderem in "Der Casanova Code" – uhlala.




3. Wegen dem Vorwurf der Vergewaltigung leitet Frankreich eine Untersuchung gegen eine Staatssekretärin ein.



4. Das Schweizer Fernsehen widmet einen achtzehnminütigen Beitrag sexuellen Übergriffen gegen Männer.



5. In Pakistan verstehen die ersten, dass sexuelle Gewalt auch Jungen trifft:

Ausgehend von den Ergebnissen einer detaillierten Befragung von 63 Sozialarbeitern, die an vorderster Front Jungen unterstützen, die Opfer sexueller Ausbeutung geworden sind, und einer detaillierten rechtlichen Analyse gibt es mehrere Faktoren, die dazu beitragen, dass in Pakistan ein hohes Risiko besteht, dass Jungen sexuell missbraucht und ausgebeutet werden.

Jungen genießen im Vergleich zu Mädchen eine große Freiheit. Während die meisten Einschränkungen in Bezug auf Bewegung und Mobilität im öffentlichen und privaten Raum für Mädchen gelten, sieht man Jungen auf der Straße herumlaufen oder in Friseurläden, Restaurants, Fabriken und Bergwerken arbeiten, manchmal unbeaufsichtigt. Dieser Mangel an Aufsicht und das Ignorieren der alltäglichen Aktivitäten von Jungen tragen zur Gefährdung bei.

Wir haben fest definierte Geschlechternormen, die Männer durch Attribute wie Dominanz, Stärke und die Fähigkeit, sich und andere zu schützen, charakterisieren. Diese Normen minimieren die Risikowahrnehmung von Jungen und die Art und Weise, wie sie Gefühle und Schmerz erleben können. Jungen fällt es schwer, sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung zu verstehen und zu akzeptieren und anschließend Unterstützung oder Hilfe zu suchen.

(…) Selbst wenn das Kind Hilfe sucht, wird sexueller Missbrauch und Ausbeutung von Jungen aufgrund des unzureichenden Rechtsrahmens und der unterentwickelten sozialen Unterstützungssysteme nicht als wichtiges Kinderschutzproblem anerkannt. (…) Es ist von entscheidender Bedeutung zu erkennen und zu verstehen, dass die sexuelle Ausbeutung und der Missbrauch von Jungen ein wichtiges Kinderschutzproblem in Pakistan ist.




Mittwoch, Juni 22, 2022

Filmbesprechung: "Top Gun Maverick"

Im Blog Woke Father hat die männerfreundliche Psychologin "Catherine" den Film "Top Gun Maverick" besprochen, der vor einigen Wochen auch in deutschen Kinos angelaufen ist:



Viele dachten, es würde nie passieren, aber 36 Jahre später ist "Top Gun: Maverick" wieder in unseren Kinos. Der Film wurde von den Kritikern hoch gelobt und hat weltweit bereits 548,6 Millionen Dollar eingespielt. Tatsächlich ist "Top Gun: Maverick" auf dem besten Weg, Tom Cruises größter finanzieller Erfolg mit einem Film aller Zeiten zu werden.

Es scheint, dass diese Version von "Top Gun" das geschafft hat, was alle für unmöglich hielten: Viele Filmkritiker und Fans bezeichnen den Film als besser als das Original.

"Top Gun" vs. "Top Gun Maverick"

So gut der erste "Top Gun"-Film auch war, einige Kritiker bemängelten die vielen oben-ohne-Szenen mit muskulösen, verschwitzten Männern, die hochleistungsfähige Kampfjets fliegen, als eine Art Scharade stereotyper und eindimensionaler Darstellungen von Männlichkeit, einige nannten sie sogar "kitschige Männlichkeit". Aber wenn man alles im Zusammenhang betrachtet, muss man bedenken, dass das Original 1986 gedreht wurde, und damals wurden Männer oft in enge und einschränkende Interpretationen dessen gepresst, was es heißt, ein Mann zu sein.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass es sich um einen Hollywood-Film handelte, der zur Unterhaltung gedreht wurde, was ihm in vielerlei Hinsicht die kreative Freiheit gab, alle Dinge seiner Zeit zu übertreiben. Alles in allem ist "Top Gun" selbst immer noch ein großartiger Film, aber es scheint, dass "Top Gun: Maverick" ein noch besserer Film sein könnte.

Fast vier Jahrzehnte später ist "Top Gun: Maverick" eine brillante Feier der modernen Männlichkeit. In diesem Film sind Männer Männer - und niemand entschuldigt sich dafür. Nach gefühlten Jahrzehnten des Männerbashings fühlt sich dieser Film endlich wie eine Würdigung der Männlichkeit durch die Mainstream-Medien an.

Eine andere Art von Männlichkeit

Top Gun: Maverick präsentiert seine männlichen Charaktere auf einem viel breiteren Spektrum der Männlichkeit. Es ist großartig, endlich einen Kassenschlager zu sehen, der all die positiven Eigenschaften von Männern in der heutigen Gesellschaft zeigt. Die Männer in diesem Film stellen ein viel realistischeres Bild von Männlichkeit dar, denn die Handlung erlaubt es, Intelligenz, Reife, Verletzlichkeit, Stärke, tiefe Gefühle, Mut und Spaß zu zeigen.

Nach Jahren negativer Darstellungen von toxischer Männlichkeit in den Medien hat man fast das Gefühl, dass dieser Film ein Gegengewicht schafft und hervorhebt, was man als positive Männlichkeit bezeichnen kann.

Tom Cruises Figur (Maverick) hat fast etwas Väterliches an sich, denn er ist jetzt der ältere, erfahrenere Mann, der ausgewählt wurde, um eine Gruppe neuer Rekruten für eine spezielle und sehr gefährliche Aufgabe zu unterrichten und auszubilden. Mit 30 Dienstjahren auf dem Buckel und einem Ruf als bester Flieger der Navy spielt Maverick einen sehr respektierten und versierten älteren Mann.

Angesichts des Mangels an positiven männlichen Vorbildern, die der heutigen Generation zur Verfügung stehen, haben Männer und Jungen nach einer positiven Darstellung von Männlichkeit in den heutigen Mainstream-Medien gelechzt - und "Top Gun: Maverick" hat endlich für etwas Abwechslung gesorgt.

Natürlich ist die Darstellung von Männern und Männlichkeit in diesem Film nicht perfekt, und wir suchen auch nicht nach einem Film, der alle Aspekte der gesellschaftlichen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern heilt. Aber wir können erkennen und schätzen, wenn die Filmkunst etwas Positives für die Darstellung von Männlichkeit im Allgemeinen getan hat.

Geschlechtergleichheit in "Top Gun: Maverick"

Ein weiterer bemerkenswerter positiver Aspekt des Films ist die Darstellung der Geschlechtergleichheit. Neben den überwiegend männlichen Piloten spielt Monica Barbaro die Rolle der Phoenix, der einzigen weiblichen Pilotin im Film. Ihre Figur ist eine kühle, ruhige und selbstbewusste Top Gun-Absolventin und eine der besten Pilotinnen der Welt. Doch die Art und Weise, wie der Film mit ihrer Figur umgeht, ist im Vergleich zu früheren Hollywood-Filmen ziemlich einzigartig, da ihr Geschlecht nicht wirklich Teil der Handlung ist. Wenn Phoenix um einen Platz in der Hauptmission konkurriert, dann tut sie das natürlich als fähige Pilotin und nicht als Frau.

Ihre Geschichte dreht sich nicht um die Tatsache, dass sie eine Frau in einer von Männern dominierten Branche ist, oder darum, dass sie "genauso gut" sein muss wie ihre männlichen Kollegen. Nein, Phoenix ist eine Pilotin wie die anderen Absolventen, und sie macht die gleichen Herausforderungen und Triumphe durch wie der Rest der Besatzung. Der Film macht keine Anstalten, sie als "starke Frau" zu deklarieren, was meiner Meinung nach eine gewisse Entwicklung von "Top Gun" zeigt und des Kinos im Allgemeinen.

Was macht diesen Film so gut?

Es gibt mehrere Faktoren, die zusammenkommen und so den perfekten Dünger für "Top Gun: Maverick" bilden. Ein bemerkenswerter Faktor für den Erfolg ist die Tatsache, dass der Film eine gewisse Nostalgie auf seiner Seite hat. Jeder, der sich an das Original erinnert, wird in dem Film auch Erinnerungen an die damalige Zeit finden, und da diese fast vier Jahrzehnte zurückliegt, wird die eigene Jugend höchstwahrscheinlich eine Rolle in dieser Nostalgie spielen.

Tom Cruise ist auch bekannt für seine Vorliebe für aufregende Stunts und dafür, diese dem Publikum so nahe wie möglich zu bringen. Die Flugszenen, die in "Maverick" gefilmt wurden, sollen die ersten ihrer Art sein und erreichen ein absolut atemberaubendes Niveau der Luftaufnahmen, das es so noch nie gegeben hat. Cruise und die Produzenten arbeiteten eng mit der Navy zusammen und erhielten sogar die Genehmigung des Militärs, um die einzigartige Art der kinematografischen Aufnahmen zu entwickeln, die erforderlich ist, um den Zuschauern ein sinnliches Erlebnis während des Fluges zu bieten. Der Einsatz von Greenscreen und VFX war begrenzt, um die actiongeladenen Flugszenen so real und spannend wie möglich zu gestalten.

Darüber hinaus gibt es seit einiger Zeit einen großen Mangel an Filmen, in denen Männer und Männlichkeit auf eine positive Art und Weise dargestellt werden, und es besteht wirklich ein Bedarf daran. "Top Gun: Maverick" hat das Thema Männlichkeit auf eine Art und Weise wieder in den Mainstream gebracht, wie es seit langem kein Film mehr getan hat, und er hat es geschafft, all seine Stärken auf unterhaltsame Weise hervorzuheben.

Die Veröffentlichung des Films kommt auch nach zwei Jahren einer weltweiten Pandemie, die voller Entbehrungen war, und ein Kinobesuch war für die meisten nicht einmal eine Option. Die Menschen brauchen also etwas Abwechslung, und wer könnte diese besser bieten als einer der kultigsten Haudegen Hollywoods: Tom Cruise.




Dienstag, Juni 21, 2022

Ahmad Mansour: "Nominierte Antidiskriminierungsbeauftragte pflegt Feindbild der alten weißen Männer" – News vom 21. Juni 2022

1. Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour, Namensgeber und Geschäftsführer der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, hat sich in einem aktuellen Artikel der heißt umstrittenen Nominierung der Politologin und Publizistin Ferda Ataman als vorgeschlagene Antidiskriminierungsbeauftragte Deutschlands gewidmet:

Das Weltbild von Ferda Ataman ist nämlich sehr einfach: Deutschland ist durch und durch rassistisch. Dieses Gefühl bekommt man jedenfalls, wenn man sich ihre Artikel, Interviews und Aktivitäten anschaut. Demnach sind die alten, weißen Männer von Natur aus privilegiert, leben ihre Überlegenheit aus, handeln und denken rassistisch. Angehörige von Minderheiten können in diesem absolutistischen Schema nur das Opfer dieses Rassismus sein und werden als homogene Opfergruppe wahrgenommen, die vor den bösen Weißen geschützt werden müsste.

In diesem Weltbild existiert Rassismus, der von Nicht-Weißen ausgeht, nicht. In diesem Weltbild muss pauschal der alte weiße Mann der Rassist sein. Diese abstruse Fantasie von homogenen Opfer- und Tätergruppen ist ein Produkt der Identitätspolitik, die Frau Ataman leidenschaftlich vertritt. Hier reklamieren Minderheiten für sich eine Form von Artenschutz – oder sie wird ihnen zugeschrieben –, die selbst wieder biologistische Züge trägt: "Weil ich schwarz bin, können Weiße mich nicht verstehen! Also haben Weiße auch nichts dazu zu sagen". Dabei ist Rassismus keine Einbahnstraße. Mitnichten führt sie nur von den Weißen in Richtung der anderen.

Es ist eine beliebte Strategie unter linken Aktivisten, Debatten nur dann zu führen, wenn sie kaum bis gar keinen Gegenwind erwarten müssen. So träumen Ferda Ataman und ihr Verein "Die neuen deutschen Medienmacher" davon, eine Art Datenbank von Personen anzulegen, die als Talkshow-Gäste für alle möglichen Themen in Betracht gezogen werden können, und all jene, die konträre oder diskussionsunwürdige Standpunkte einnehmen, ausschließt. Die Deutungshoheit über diskussionswürdige und -unwürdige Standpunkte beansprucht sie dabei mit ihrem Verein für sich. Message dahinter: Wer nicht die "richtige" (ihre?) Meinung teilt, hat kein Recht auf Teilhabe an Debatten.


Hier geht es weiter.



2. Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen analysiert die Ursachen für die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern. Ein Auszug:

Gehalt steht bei der Stellensuche für Frauen seltener an oberster Stelle als für Männer. Manchen Frauen sind flexible Arbeitszeiten wichtiger, manchen eine kurze Pendelstrecke, manchen ein gutes Arbeitsklima – all diese Prioritäten werden von Frauen häufiger genannt als von Männern.

(…) Mitten in diese Debatte hinein ist in der vergangenen Woche ein neuer Beitrag erschienen. Natasha Burns, Kristina Minnick, Jeffry Netter und Laura Starks arbeiten an unterschiedlichen Universitäten im Süden der Vereinigten Staaten und haben in einem internationalen Vergleich untersucht, wie der Gehaltsunterschied tatsächlich entsteht. Dazu betrachteten sie nicht nur die klassischen Daten wie Unternehmensgrößen und Branchen. Sie analysierten auch Kultur und Werte in den unterschiedlichen Ländern. Mit den klassischen Daten ließ sich nur knapp die Hälfte des Gehaltsunterschiedes erklären. Als Kultur und Werte hinzukamen, war die Erklärung praktisch komplett – doch in den Werten wartet eine Überraschung.

(…) "Arbeit ist in meinem Leben wichtig" und "Die Arbeit macht das Leben lebenswert, nicht die Freizeit" sowie "Harte Arbeit ist eine wichtige Eigenschaft, die Kinder zu Hause lernen sollten" lauten die Sätze in dieser Kategorie – und je mehr Zustimmung sie in einem Land finden, desto eher schließen die Frauen mit ihren Gehältern zu den Männern auf.

Etwas spekuliert ließe sich daraus folgern: Die Gesellschaft sollte nicht darauf warten, dass Unternehmen die Arbeit leichter machen. Wenn die Bürger stattdessen bereit sind, selbst mehr Arbeit in ihren beruflichen Erfolg zu investieren, dann schließt sich auch die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen schneller.




3. Eine Sauna, die die "Zeit"-Mitarbeiterin Anna Mayr besucht, ist einmal die Woche nur für Frauen zugänglich – Männer müssen draußen bleiben. Diese Lösung findet Mayr unglücklich:

Das Prinzip "Damensauna" ist letztlich auch bloß eine weitere Form der Unterdrückung öffentlicher weiblicher Nacktheit: Man will Frauen einen sicheren Ort bieten, ohne Belästigung, wenigstens einmal die Woche, also am Donnerstag. Und sorgt damit versehentlich dafür, dass von Freitag bis Mittwoch ungefähr null Frauen in die Sauna gehen. Denn ihnen wird durch das Angebot der Damensauna suggeriert, dass sie eigentlich nur am Donnerstag wirklich sicher sind. Vor ekligen Blicken, vor Belästigung, vor Männern an und für sich. Wenn die Sauna ein Ort wäre, an dem man sich als Frau ohne Bedenken aufhalten kann, dann bräuchte es keinen Frauentag. Der Frauentag schafft nämlich nicht nur einen sicheren Raum für Frauen am Donnerstag. Er schafft gleichzeitig einen sicheren Raum für Männer an allen anderen Tagen: Sie können sich dann verhalten, wie sie wollen, und sie müssen keine große Rücksicht auf Frauen nehmen. Denn erstens sind eh keine Frauen da. Und zweitens können die ja einfach am Donnerstag gehen, anstatt sich zu beschweren. Ich hätte als Lösung für dieses Problem einen leicht umsetzbaren Vorschlag: "Herrensauna". An einem Tag in der Woche.


Diese Forderung lässt sich leicht auf andere Fälle übertragen. Beispielsweise verfügt die Universität Mainz über eine von Feministinnen geführte Frauenbilbiothek, die von allen Studenten finanziert wird, aber nur Frauen nutzen dürfen. Diese Bibliothek wird als "safe space" rechtfertigt, so als ob in allen anderen universitären Bibliotheken Frauen gefährdet seien. Daran könnte die Argumentation der "Zeit" leicht anknüpfen:

Das Prinzip "Frauenbibliothek" ist letztlich auch bloß eine weitere Form der Unterdrückung öffentlicher weiblicher Belesenheit: Man will Frauen einen sicheren Ort bieten, ohne Belästigung, wenigstens einen einzigen Raum. Und sorgt damit versehentlich dafür, dass sich in allen anderen Bibliothekn ungefähr null Frauen finden. Denn ihnen wird durch das Angebot der Frauenbibliothek suggeriert, dass sie eigentlich nur dort wirklich sicher sind. Vor ekligen Blicken, vor Belästigung, vor Männern an und für sich. Wenn die Bibliothek ein Ort wäre, an dem man sich als Frau ohne Bedenken aufhalten kann, dann bräuchte es keine Frauenbib. Die Frauenbib schafft nämlich nicht nur einen sicheren Raum für Frauen. Sie schafft gleichzeitig einen sicheren Raum für Männer in allen anderen Bibliotheken: Sie können sich dann verhalten, wie sie wollen, und sie müssen keine große Rücksicht auf Frauen nehmen. Denn erstens sind eh keine Frauen da. Und zweitens können die ja einfach in die Frauenbibliothek gehen, anstatt sich zu beschweren. Ich hätte als Lösung für dieses Problem einen leicht umsetzbaren Vorschlag: "Herrenbibliothek". In einem einzigen Raum.




4. Eine ungewöhnliche Meldung aus Österreich:

Die Stadt Klagenfurt sorgt mit ihren Stellenausschreibungen in der aktuellen Zeitung der Stadt für Aufsehen. Nach den neutral formulierten Ausschreibungstexten folgt der Hinweis, dass die Bewerbung von Männern besonders erwünscht sei.


Hier geht es weiter.



Montag, Juni 20, 2022

Neue Zürcher Zeitung: "Männer sind in vielen Bereichen benachteiligt und merken es oft noch nicht einmal" – News vom 20. Juni 2022

1. In einem aktuellen Artikel der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich der Männerforscher und Psychotherapeut Prof. Dr. Michael Klein mit dem Scheitern von Männern. Ein Auszug:

Männer sind in vielen Bereichen benachteiligt und merken es oft noch nicht einmal. Grund dafür ist vor allem, dass sich Männer ungern ohnmächtig fühlen und keine Schwäche zeigen wollen. Damit verdecken sie auch ihre gesundheitlichen Probleme und Benachteiligungen. Sie leben im Schnitt fünf Jahre kürzer, bekommen häufiger Herzerkrankungen sowie Lungen- und Darmkrebs. Sie leben ungesünder, oft um beruflich leistungsfähiger zu sein. Sie stürzen häufiger in ihren Lebensläufen ab – werden suchtkrank, wohnungslos, psychisch krank oder sogar kriminell.

Ein anderer Grund, dass Männer ihre spezifischen Benachteiligungen nicht wahrnehmen, ist, dass ihnen von Politik und Medien immer wieder erzählt wird, sie seien bevorzugt und hätten Privilegien. Dies trifft so pauschal in keiner Weise zu. Männer stellen sowohl mehr Privilegierte als auch mehr randständig und prekär Lebende – sie weisen an beiden Enden der Verteilungskurve mehr Betroffene auf.

(…) Erschwerend hinzu kommt das gesellschaftlich negative Klima für Männer, spürbar an Zuschreibungen wie "toxische Männlichkeit", Patriarchat usw. Dieses negative Klima, das auch als Misandrie (Verunglimpfung und Hass gegenüber Männern) in Erscheinung tritt, macht es Männern schwer, sich auf Veränderungsprozesse einzulassen und Hilfe zu holen. Es erhöht die Scham, sich zu öffnen, und verstärkt Isolation und Einsamkeit.


Wie kann Mann mit dieser Situation umgehen? Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Friedrich Merz gibt zur Frauenquote die Parole "Klappe halten!" aus. Die Bildzeitung berichtet:

„Daher haben wir heute im Bundesvorstand gemeinsam vereinbart, keine Zitate oder Interviews zur Quoten- und Gleichstellungsdiskussion zu geben“, schreibt JU-Chef Tilman Kuban (35, CDU) in einem Rundbrief an alle Landes-, Bezirks- und Kreischefs der JU, der BILD vorliegt. Und weiter: "Ich hoffe sehr, dass sich alle Vorstandsmitglieder daran halten."

Fakt ist: Dass jede Wortmeldung der Quotenbefürworter als Bruch des Schweige-Beschlusses gesehen und als Berechtigung betrachtet wird, nun ebenfalls öffentlich gegen die Quote mobil zu machen. Zuletzt hatten sich etwa NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (64, CDU) und CDU-Generalsekretär Mario Czaja (46) für die Quote ausgesprochen. Auch von der Frauen Union gab es offen Unterstützung.

Wie BILD erfuhr, laufen nun die Vorbereitungen für eine Kampagne gegen die Frauenquote, die in den nächsten Wochen anlaufen soll. Wenn der Ziel der Schweigepflicht die Beruhigung der Partei und das Austreten des Streitthemas gewesen sein sollte, dann dürfte das gründlich nach hinten losgegangen sein.




3. Auf der "Achse des Guten" beschäftigt sich Bernhard Lassahn mit dem Thema Männergewalt. Ein Auszug:

Man könnte auch Männer befragen, ob sie schon Gewalt von ihrer Partnerin erlebt haben, statt immer nur mit einseitigen Horrormeldungen von gewalttätigen Männern aufzutrumpfen. Das könnte man tun – und hat es auch getan.

Bei der Gelegenheit ist der Mythos von der Männergewalt zusammengebrochen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Gewalt geht zu 25 Prozent von Männern aus, zu 25 Prozent von Frauen, zu 50 Prozent von beiden. Eine Studie aus dem Jahr 2007 zeigt sogar, dass Frauen häufiger zuschlagen als Männer. Es gibt außerdem Studien, die zeigen, dass Frauen beim Provozieren eines Streites vorne liegen.

(…) Arne Hoffmann ist so etwas wie der Protokollführer für Männerthemen. Ein Faktenchecker. Auch er war zunächst skeptisch. Als er zum ersten Mal bei Warren Farrell (der das Buch "Mythos Männermacht" geschrieben hat) gelesen hatte, dass es die überall verkündete Männergewalt so nicht gibt, hat er sich im Stillen gedacht: Warren Farrell in allen Ehren, aber hier irrt er bestimmt.

Warren Farrell hatte sich nicht geirrt. Hier sind die Zahlen – es gibt etwa 500 solcher Studien. Hier ist eine Zusammenfassung von Arne Hoffmann aus seinem "Lexikon der feministischen Irrtümer". Obendrein empfiehlt er das Buch "Der 'geschlagene Mann'. Männliche Opfer im Kontext häuslicher Gewalt‘". Was machen wir nun damit? Lesen wir das etwa alles in Ruhe durch und sagen uns anschließend: Oh, das hätte ich aber nicht gedacht, da werde ich wohl meine Meinung ändern müssen? Oder sagen wir uns: Egal, ich bleibe dabei. Gewalt ist männlich? Lässt sich wirklich jemand, der starke Gefühle hat, die über einen langen Zeitraum von eindrucksvollen Bildern und vergifteten Zahlen befeuert wurden, durch langweilige, wissenschaftliche Studien umstimmen?

Mit dem Lied von der Männergewalt kann man Geld verdienen, man kann sich einschmiegen in einen Chor von Millionen von Gleichgesinnten, man kann Anwälte beschäftigen, und Frauen können das Lied als Trumpfkarte in Unterhalts- und Umgangsprozessen einsetzen. Wer dagegen darauf hinweist, dass es aus lauter falschen Tönen besteht, fühlt sich wie ein Geisterfahrer und steht ganz allein da. Kritik am Mythos von der Männergewalt bringt einem nur Ärger und Hassmails.

Ich weiß auch nicht, wie man aus der Schieflage wieder herauskommt. Es wird bestimmt nicht ausreichen, den falschen Zahlen richtige entgegenzuhalten. Doch man sollte nicht darauf verzichten, es trotzdem zu tun.




4. Nachdem Amber Heard in einem Interview ihre Vorwürfe gegen Johnny Depp wiederholt hat, greift Meghan McCain das Thema noch einmal in der britischen Daily Mail auf. Sie glaubt, dass Amber Heard vielfach unverhältnismäßig hart angegangen wird:

Mal abgesehen von Heards offensichtlichen Glaubwürdigkeitsproblemen - vielleicht ist das größere Problem für Heard, dass sie zum Sündenbock für etwas Größeres als sie selbst oder sogar Captain Jack Sparrow geworden ist.

Sie ist zum Symbol für ein Scheitern der MeToo-Bewegung geworden.

Es gab eine Zeit, in der das bloße Dasein als Frau den Eindruck erweckte, man sei unfähig zu lügen.

Ich habe eine Bewegung, die auf der Idee basiert, dass man einem bestimmten Geschlecht "glauben" muss, immer für verrückt gehalten.

Offensichtlich sind Frauen genauso fähig zu lügen und zu betrügen wie Männer. Und Frauen einfach den Vorteil des Zweifels zuzugestehen, ist ungerecht.

Als Mütter, Schwestern, Tanten und Großmütter sahen, wie der Kandidat für den Obersten Gerichtshof, Brett Kavanaugh, während seiner Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof von den Demokraten unfair behandelt wurde, sahen sie ihre unschuldigen Söhne, Brüder, Neffen und Enkel.

Als wir den Depp-Heard-Prozess verfolgten, sahen wir ein dysfunktionales Paar, das sich gegenseitig misshandelte. Und wir lehnten Heards Versuch ab, die MeToo-Bewegung gegen einen Mann zu instrumentalisieren, den sie ebenso zu quälen und zu manipulieren schien wie er sie.

Die "Raserei des Hasses", wie es die Kolumnistin der New York Times, Michelle Goldberg, ausdrückte, gegenüber Heard war dennoch überraschend. Leider hat sich ein Großteil der aufgestauten Wut über MeToo ungerechterweise an einer einzelnen Frau entladen.

Goldberg ist - wie alle, die aus Wokeistan kommen – gezwungen zu sagen, dass sie Heard glaubt. Und sie glaubt, dass die Gegenreaktion gegen sie eine neue Welle des "Antifeminismus" widerspiegelt.

Ich denke, dass die Gegenreaktion gegen Heard eine notwendige Korrektur des Amok laufenden Feminismus ist.

Deshalb sage ich: Amber - bitte mach eine Pause.

Das Ausmaß an Beschimpfungen und Galle, das gegen sie gerichtet wird, ist nicht gerechtfertigt. Sie ist eine Frau, die einen großen Fehler gemacht hat. Aber es ist nicht nur ihr Fehler.

Sie steht stellvertretend für das, was viele als Frauen betrachten, die eine Bewegung zu ihrem eigenen Vorteil instrumentalisiert haben.




Freitag, Juni 17, 2022

Mainzer Professor für Neueste Geschichte: "Gegen das ewige Opferlamento des Feminismus" – News vom 17. Juni 2022

1. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine wenden sich Professor Dr. Andreas Rödder, der Neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz lehrt, sowie die ehemalige Familienministerin Dr. Kristina Schröder gegen das "Opferlamento des Feminismus" und seine sozialen Folgen. Der Artikel nimmt in zentralen Punkten Rückgriff auf Argumente, die Maskulisten seit Jahrzehnten vortragen. Ein Auszug:

So wird inzwischen die Parität, also die hälftige Vertretung von Frauen gefordert, zum Beispiel in Parlamenten und auf den Landeslisten, die von den Parteien erstellt werden. Was aber wäre ein gerechter Maßstab für Parität? Der Anteil von Frauen an der Bevölkerung oder ihr Anteil an der Mitgliederschaft, weil der Eintritt in eine Partei der freien Entscheidung und keiner Diskriminierung unterliegt? Können 26,5 Prozent der Mitglieder aufgrund ihres hälftigen Anteils an der Bevölkerung die Hälfte der Listenplätze beanspruchen? Bedeutete dies nicht notwendig, dass die Anforderungen an das unterrepräsentierte Geschlecht deutlich geringer sein müssten, während Männer in ihren Chancen in Zukunft deutlich benachteiligt würden. Sollten nicht mündige Bürger durch ihre Wahl entscheiden können, welche sozialen Gruppen in gewählten Gremien wie vertreten sind?

Die Gerechtigkeitsfrage ist nicht so einfach, wie es pauschale Forderungen nach "Parität" erscheinen lassen. Das gilt auch für den sogenannten Gender-Pay-Gap. So enthalten die statistischen Gesamtgrößen nicht nur Verzerrungen aufgrund von Branchen, Unternehmensgrößen und geleisteten Überstunden, sondern vor allem aufgrund unterschiedlicher biographischer Entscheidungen, die oftmals bereits vor Jahrzehnten getroffen worden sind. Aber auch heute liegt der Männeranteil beim Studium der Elektro- und Informationstechnik bei 84 Prozent. 77 Prozent der Studenten der Germanistik sind Frauen. Rund um die Geburt eines Kindes neigen Frauen nach wie vor deutlich häufiger als Männer dazu, ihre Berufstätigkeit zu reduzieren oder zeitweise aufzugeben. Solange erwachsene Personen frei entscheiden können und unter Abwägung aller Vor- und Nachteile ihr Konzept eines guten Lebens leben, können wir daran nichts Falsches erkennen.

Ungleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeit hingegen ist inakzeptabel – daher gibt es sie zum Beispiel im öffentlichen Dienst auch nicht. Mit einer Ausnahme: Mit zunehmender Dienstzeit steigt man in den Erfahrungsstufen auf und verdient für die gleiche Tätigkeit mehr. Ist dieser Pay-Gap zwischen Dienstälteren und -jüngeren legitim oder eine Diskriminierung Jüngerer? Und was ist mit frei verhandelbaren Verträgen: Wenn ein Chefarzt ein höheres Gehalt aushandelt als eine Chefärztin – ist das eine strukturelle Benachteiligung im Sinne des Gender-Pay-Gap? Oder ist es unterschiedliches Verhandlungsgeschick, das keiner staatlichen Regulierung bedarf? Vielleicht hat die Chefärztin in den Verhandlungen auch durchblicken lassen, dass sie weniger als ihr Kollege bereit ist, Überstunden zu leisten, um ihr Kind pünktlich aus dem Kindergarten abzuholen – ist das unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit ein Problem?

Und was ist mit den neuen Ungerechtigkeiten, die durch Quoten erzeugt werden – diesmal vonseiten des Staates? Die Frauenquote für Unternehmensvorstände kann dazu führen, dass eine kinderlose Unternehmertochter aus München-Bogenhausen den Vorzug vor einem vierfachen Familienvater mit Migrationshintergrund aus Berlin-Neukölln erhält. Die Chancen eines jungen Mannes können aufgrund offizieller oder inoffizieller Quotenvorgaben über Jahre empfindlich gemindert sein, weil er als Mitglied eines Geschlechterkollektivs für Vorteile in Haftung genommen wird, die andere Mitglieder dieses Kollektivs früher tatsächlich oder vermeintlich hatten – ist das wirklich gerecht? Und wenn Professuren eigens für Frauen ausgeschrieben werden, widerspricht eine solche Maßnahme zugunsten der Geschlechtergerechtigkeit sowohl dem Prinzip der Individualgerechtigkeit als auch den Prinzipien der liberalen Wettbewerbsgesellschaft. Diskriminierung in der Vergangenheit durch Diskriminierung in der Gegenwart zu beantworten, ist die explizite Maßgabe von Ibram X. Kendi, einem der Vordenker amerikanischer Identitätspolitik. Wir halten dies für zutiefst illiberal und ungerecht.

(…) Gleichstellung und Gleichberechtigung stehen für unterschiedliche Gesellschaftsmodelle. Wer Gleichstellung sagt und meint, Gleichberechtigung zu meinen, weil Begriffe doch nicht so wichtig seien, darf sich nicht wundern, wenn hinterher tatsächlich Gleichstellung praktiziert wird. Gleichstellung ist ein dirigistischer Ansatz, der auf kollektive Ergebnisse zielt und persönliche Präferenzen ignoriert: eine neuständische Modellierung nach Gruppen und Quoten, die dann Diversität genannt wird. Gleichberechtigung hingegen setzt auf möglichst gleiche und faire Voraussetzungen, die zu unterschiedlichen, ungleichen Ergebnissen führen: zu einem freiheitlichen Pluralismus, der sowohl dem bürgerlichen Gesellschaftsideal als auch dem christlichen Menschenbild entspricht.




2. Was Professor Dr. Andreas Rödder wohl nicht bedacht hat, ist, wie teuer seine Einstellung ist. "Durch Antifeminismus entstehen hohe Kosten" erklärt Boris von Heesen Thomas Gesterkamp in einem Interview für das Gunda-Werner-Institut, das zur Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne) gehört. In diesem Zusammenhang fordert Boris von Heesen, "digitalem Hass im Netz (…) durch konsequente Verfolgung und abschreckende Strafen" zu begegnen. Darüber hinaus könnten "Kommunikationskampagnen, die Einzelfälle aus der Anonymität herausholen, präventiv versuchen, hassende Männer für die Folgen und das Leid der angegriffenen Frauen zu sensibilisieren."

Der Sprung zwischen Ideologiekritik und "Hass" ist hier offenkundig kühn. Der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer hat hierzu eigentlich alles Notwendige gesagt:

"'Antifeministisch' ist ja, das sei bei dieser Gelegenheit angemerkt, ein merkwürdiger Vorwurf. Der Begriff legt nahe, es gebe für anständige Menschen eine Pflicht, 'feministisch' zu sein, und schon die Nichterfüllung dieser moralischen Pflicht begründe einen schweren Charaktermangel der Person. Das stimmt aber bei 'feministisch' so wenig wie bei 'islamistisch' oder 'kapitalistisch'. So wenig wie 'feministisch' ein Attribut ist, welches per se den Einzug ins Himmelreich garantiert, ist 'antifeministisch' die Fahrkarte zur Hölle."


Nun könnte Boris von Heesen hier einwenden: "Mag sein, Herr Fischer, aber haben Sie sich mal überlegt, was das alles kostet, wenn wir nicht alle derselben Meinung sind?"

Feministen haben natürlich großes Interesse daran, Widerspruch zu ihrer Auffassung als "Hass" zu etikettieren – und als eine Form von Meinungsfreiheit, die sich unsere Gesellschaft finanziell einfach nicht leisten kann.



3. Österreichs Standard beklagt den Einfluss "antifeministischer Väterrechtler" auf politische Entscheidungen. Ein Auszug:

Unter dem Schlagwort Doppelresidenz wird zudem das Narrativ der elterlichen Lasten, die ausgewogen auf beide Elternteile aufgeteilt werden sollen, ausgeweitet. Um den Eltern angeblich die Angst zu nehmen, ihr Kind im Zuge der Trennung zu verlieren, hat das Justizministerium einen Begriff aus der Mottenkiste der Väterrechtler ausgegraben. Übersehen wird dabei, dass Mütter diese Angst zumeist nicht teilen. Vielmehr erhärtet sich der Eindruck, dass der Großteil der Forderungen, für die Väterrechtler seit Jahrzehnten lobbyieren, durch die Novelle erfüllt werden. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wird dabei jedoch nur vorgaukelt, in Wirklichkeit werden auf dem Rücken von Kinderrechten die Interessen der Väterrechtslobby durchgesetzt.

(…) Väterrechtler profitieren von der verbreiteten Vorstellung, dass es grundsätzlich ein wichtiges Anliegen sei, die Rechte als Vater ernst zu nehmen und sich für diese zu engagieren. Jene väterrechtsbewegten Gruppierungen, die im deutschsprachigen Raum ab den 1990ern vor allem aus dem Umfeld organisierter Männerrechtler und Maskulisten hervorgingen, hatten jedoch von Beginn an wenig gemein mit der einst progressiven, profeministischen Männerbewegung der 1970er Jahren, die sich für Kritik an Männlichkeit und eine Umwälzung patriarchaler Strukturen einsetzte. Im Gegenteil, Väterrechtler versuchen heute Gleichstellungsdebatten zu beeinflussen, um die feministischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte rückgängig zu machen. Sie imaginieren dabei eine feministische Vorherrschaft in der Gesellschaft, die Mädchen und Frauen bevorteile, sodass nun Buben und Männer die eigentlichen Opfer wären.

Dabei inszenieren sich Väterrechtler als Opfer in nahezu jeder Lebenslage, sei es im Bildungswesen, am Arbeitsmarkt, beim Staatsdienst, im Gesundheitswesen, in den Medien oder auch im Familien- und Scheidungsrecht. Sie geben zwar vor, Verantwortung für ihre Kinder übernehmen zu wollen, ein Blick auf ihre zentralen Forderungen veranschaulicht jedoch ihre antifeministische Agenda und zeigt, dass es ihnen großteils um Rechte geht, die auf niedrigere Unterhaltszahlungen und Kontrollmöglichkeiten über die Ex-Partnerinnen hinauslaufen.

(…) Auch hinter der oft anzutreffenden Forderung nach "wahrer Gleichberechtigung" verbirgt sich zumeist die Vorstellung einer angeblich "natürlichen" Verteilung von Macht zwischen den Geschlechtern. Das bedeutet nichts anderes als eine klassische Rollenverteilung, der ein biologistisches Verständnis der vermeintlichen natürlichen Aufgaben von Männern und Frauen in dieser Gesellschaft zugrunde liegt.

(…) Gerade der Umstand, dass Väterrechtsorganisationen durch ihre Lobbyarbeit politische Entscheidungen maßgeblich mitbestimmen und zudem international vernetzt sind, macht ihren politischen Einfluss durchwegs gefährlich. Umso bedauernswerter, dass sich selbst eine grüne Justizministerin nicht eher an jenen Vätern orientiert, die sich aus einer profeministischen Perspektive mit Benachteiligungen auseinanderzusetzen, ihre eigene Eingebundenheit in privilegierte Dominanz-Strukturen reflektieren und sich gemeinsam mit Feministinnen für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen.


Wie man merkt, strotz der Artikel vor Unterstellungen, die schlicht behauptet und in keiner Weise belegt werden. Er stammt von Judith Goetz, "Gender-Forscherin und Rechtsextremismusexpertin", Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU), des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus und der Europäischen Feministischen Plattform sowie Andrea Czak, geschäftsführende Obfrau und Gründerin des Vereins Feministische Alleinerzieherinnen, dessen Hauptanliegen "die Verbesserung der Gesetze im Kindschafts- und Unterhaltsrecht" ist, "da das Rechtssystem historisch gesehen ein Instrument ist, um Herrschaft durchzusetzen".



4. In einem wegweisenden Urteil hat ein Gericht im US-Bundesstaat Colorado entschieden, dass Studenten, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, auch an privaten Universitäten ein Recht auf ein faires Verfahren haben.



Donnerstag, Juni 16, 2022

Christopher Eccleston ("Doctor Who"): "Wir weißen Männer sind jetzt die Ausgestoßenen in Film und Fernsehen" – News vom 16. Juni 2022

1. Der britische Schauspieler Christopher Eccleston beklagt die neuen Auswahlkriterien in der Unterhaltungsbranche:

Als weißer Mann mittleren Alters bin ich ein "Ausgestoßener", sagte Christopher Eccleston, als er verriet, dass seine Arbeit als Schauspieler ausstirbt.

Der Schauspieler, der vor allem für die Wiederbelebung der Rolle des "Doctor Who" bekannt ist, spielte zu Beginn seiner Karriere in erfolgreichen Filmen und Serien mit, darunter "Jude the Obscure" und "Our Friends in the North".

Doch jetzt fühlt sich der britische Star wie ein "Versager", weil er nicht in der Lage ist, ähnliche Aufgaben zu übernehmen.

Eccleston sagte, dass sein Alter, sein Geschlecht und seine Hautfarbe ihn in der Unterhaltungsindustrie zu einem "Ausgestoßenen" gemacht haben und seine Karriere von Ungewissheit geplagt ist.

"Ich bin weiß, ich bin mittleren Alters, ich bin männlich, und ich bin heterosexuell", sagte der 58-jährige Schauspieler. "Wir sind die neuen Ausgestoßenen in der Branche. Wir werden alle durch die Linse von Harvey Weinstein und Co. gesehen. Und ich spüre, dass die Möglichkeiten schrumpfen, so wie es sein sollte. Ich habe in den 30 Jahren meiner Karriere von der Hand in den Mund gelebt, aber ich muss immer noch meine Hypothek bezahlen, ich muss immer noch meine Kinder ernähren, also begrüße ich diese Unsicherheit überhaupt nicht."

Eccleston setzt sich seit langem für Innovationen in der Unterhaltungsbranche ein, unter anderem für einen weiblichen Einfluss bei Doctor Who. Auch wenn er seine Karrierekämpfe nicht begrüßt hat, hat er gesagt, dass er "zu Recht" als "Dinosaurier" angesehen wird.




2. Der US-amerikanische Schriftsteller James Patterson hat nach einem Shitstorm um Verzeihung dafür gebeten, dass er behauptete, es gebe inzwischen einen Rassismus gegen alte weiße Männer.

James Patterson hat sich entschuldigt, nachdem seine Äußerungen in einem Gespräch mit der "Times" heftige Reaktionen ausgelöst hatten. In dem Interview sagte der Schriftsteller, dass ältere weiße Männer in Hollywood und in der Verlagsbranche "eine andere Form von Rassismus" erleben.

Patterson entschuldigte sich am Dienstag auf seinem Twitter-Account mit den Worten: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich gesagt habe, dass es eine Form von Rassismus ist, wenn weiße männliche Schriftsteller Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden. Ich glaube absolut nicht, dass weiße Schriftsteller rassistisch behandelt werden. Ich bin sehr dafür, dass eine Vielfalt von Stimmen gehört wird - in der Literatur, in Hollywood, überall."

In dem Interview mit der "Times" sprach Patterson über die Schwierigkeiten, die seiner Meinung nach Gleichaltrige bei der Suche nach Jobs in der Unterhaltungs- oder Verlagsbranche haben.

"Woran liegt das?" fragte Patterson. "Kann man einen Job bekommen? Ja. Ist es schwieriger? Ja. Für ältere Autoren ist es noch schwieriger. Man trifft nicht viele 52-jährige weiße Männer."

Später in demselben Interview beklagte er sich auch über die Arbeitsniederlegung im Jahr 2020, die Mitarbeiter seines Verlags Little, Brown and Company aus Protest gegen die Veröffentlichung von Woody Allens Memoiren inszenierten. "Ich habe das gehasst", sagte Patterson und bezog sich dabei auf die Arbeitsniederlegung. "[Allen] hat das Recht, seine eigene Geschichte zu erzählen."




3. Friedrich Merz unterstützt jetzt eine Frauenquote in der CDU:

Beim Parteitag im Herbst wird die CDU entscheiden, ob ab 2025 Geschlechterparität in all ihren Gremien herrschen muss. Der Bundesvorstand hat in seiner Sitzung beschlossen, einen entsprechenden Antrag an den Parteitag weiterzuleiten.

Nach SPIEGEL-Informationen sprach Parteichef Friedrich Merz sich in der Sitzung dafür aus, den Vorschlag anzunehmen, aber mit einer Befristung zu versehen. Demnach soll die Quote bis 2029 gelten und dann noch einmal evaluiert werden.

(…) Die Frauen Union hatte vor den Beratungen von Präsidium und Vorstand für die Quote plädiert, die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) dagegen. Die MIT zog einen Antrag für eine Mitgliederbefragung zur Frauenquote am Mittwoch zurück.

Die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann blieb allerdings bei ihrem Widerstand. Der "Bild"-Zeitung sagte sie: "Wir brauchen mehr starke Frauen. Aber diese bekommen wir nicht mit Quoten." Die Chefin der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, stellte sich hinter die Vorschläge der Struktur- und Satzungskommission für die schrittweise Einführung einer Quote. Eine Mitgliederbefragung lehnte sie ab.




Mittwoch, Juni 15, 2022

Audi lehnt Kompromissvorschlag zur Gendersprache ab, Merz Mitgliederbefragung zur Frauenquote – News vom 15. Juni 2022

1. Nachdem Audi, Konzerntochter des Volkswagens-Konzerns, von einem Mitarbeiter wegen dem Zwang zur Gendersprache verklagt wurde, hat jetzt die Verhandlung darüber begonnen:

Vor dem Landgericht Ingolstadt zitierte Kläger Alexander B. am Dienstag aus Arbeitsanweisungen von Audi an ihn mit Formulierungen wie: "Der_die BSM-Expertin ist qualifizierte_r Fachexpert_in". Der Kläger sieht durch den Leitfaden seine allgemeinen Persönlichkeitsrechte verletzt (Az. 83 O 1394/21). IDer Vorsitzende Richter schlug zur gütlichen Einigung vor, Audi könnte ihm künftig "halt normal schreiben". Die Audi-Anwälte lehnten dies aber als nicht praktikabel und nicht handhabbar ab.

Das Urteil will die Kammer am 29. Juli verkünden.Richter Christoph Hellerbrand stellte klar, dass seine Kammer kein Grundsatzurteil fällen werde. Es gehe bei diesem Prozess nur um den konkreten Einzelfall: "Es geht um Sie, um ihre persönliche Betroffenheit durch diesen Gender-Leitfaden", sagte er dem VW-Mitarbeiter.

(…) Firmenanwalt Sebastian Klaus sagte, Ziel sei es, Diskriminierung zu verhindern. Keine Person, die sich nicht eindeutig als Frau oder Mann sehe, müsse sich offenbaren und dürfe sich auch mit Hilfe der Gender Gaps trotzdem angesprochen und respektiert fühlen. Bei der Erstellung des Leitfadens habe sich Audi von Experten beraten lassen.

Klägeranwalt Dirk Giesen griff dies sofort auf: "Sie haben nicht gesagt: Expert_innen!" Sein Mandant sei klar für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Aber "er möchte in Ruhe gelassen werden mit dieser Gendersprache". Die im Leitfaden vorgeschriebene Verwendung führe zu neuer Diskriminierung und verletzte seine Persönlichkeitsrechte. Audi solle verpflichtet werden, ihm keine Mails, Mailanhänge und Präsentationen mit Gender Gaps mehr zu schicken – und bei Verstößen 100.000 Euro zahlen. Der Richter fasste den Unterlassungsantrag so zusammen: "Der Gender Gap muss weg." Unterstützt wird die Klage vom Verein Deutsche Sprache, der das Gendern als Ideologie ablehnt.




2. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz lehnt eine Mitgliederbefragung der CDU zur Frauenquote ab:

Der CDU-Vorsitzende wird den Führungsgremien seiner Partei am Mittwoch empfehlen, die Entscheidung auf einem Parteitag im September in Hannover zu treffen. (…) Damit stellt sich Merz zum ersten Mal implizit hinter den Vorschlag seiner Vorvorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Diese hatte in ihrer Amtszeit als CDU-Vorsitzende einen Vorschlag erarbeitet, nach dem die parteiinterne Quote schrittweise verschärft wird und als Ziel die "Parität" in die Satzung aufgenommen wird; also eine Besetzung von Posten und Mandaten mit je 50 Prozent Frauen und Männern. Bisher hatte Merz ein Bekenntnis zur Parität vermieden und noch im innerparteilichen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz von einer "zweitbesten Lösung" gesprochen. Die Suche nach einem besseren Konzept zur Frauenförderung hat er nun jedoch aufgegeben.

Am Mittwoch berät der Vorstand der CDU über das Verfahren. Die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, und der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, haben angekündigt, eine Mitgliederbefragung zur Quote zu beantragen. Die Basis der CDU gilt als quotenskeptisch.


Weil sich Merz selbst nicht klar für oder gegen eine Frauenquote ausspricht, bezeichnet in eine Spiegel-Online-Schlagzeile inzwischen als "Drückeberger".



3. Die Berliner Zeitung greift auf, dass es die angeblichen Massenvergewaltigungen in der Ukraine offenbar nicht gab:

[Lyudmyla Denisovas] Erzählungen wurden von den Medien, unter anderem vom Spiegel, eins zu eins übernommen und dann weiter verbreitet – mit all den schrecklichen Details. Auch die Berliner Zeitung hat aus den Erzählungen von Denisova zitiert. (…) Ukrainische Journalisten und Menschenrechtsaktivisten zeigten sich vor allem über die Rhetorik in den Berichten empört, die auf der Webseite des ukrainischen Parlaments veröffentlicht wurden. "Sexualverbrechen in Kriegen sind Tragödien, aber kein Thema für die Beiträge im Sinne einer ‚Skandal-Chronik‘", hieß es in einem offenen Brief.




4. Amber Heard hat in einem Interview ihre Vorwürfe wiederholt, dass Johnny Depp sie geschlagen habe. Depps rechtliche Vertreterin Camille Vasquez bezeichnete sie als "die Anwältin für den Mann, der die Welt davon überzeugt hat, er habe Scheren als Finger". (Hält Heard den Film "Edward mit den Scherenhänden" aus dem Jahr 1990, in dem Depp die Hauptrolle spielt, für eine Dokumentation?)

Die australische Publizistin Bettina Arndt hat gestern einen Beitrag zu dieser Debatte veröffentlicht. Ein Auszug:

Amber Heards sind überall. Das war die Botschaft, die die sozialen Medien überflutete. Das entsetzliche Verhalten der Frau löste einen Schauer der Erkenntnis aus - nicht nur bei Männern, die ähnliche Misshandlungen durch ihre Partnerinnen erlebt haben, sondern auch bei Kindern, die mit ansehen mussten, wie ihre Väter von ihren Müttern belagert wurden. Ich erwähne oft die Forschungsergebnisse des australischen Instituts für Kriminologie, die zeigen, dass ähnlich viele Kinder (22 %) Zeugen häuslicher Gewalt von Müttern gegen ihre Väter werden wie Mütter, die von ihren Vätern misshandelt werden (23 %).

(…) Es gibt ein YouTube-Video mit dem Titel "I did not punch you, I was hitting you", das zeigt, wie Johnny Depp vor Gericht eine Aufnahme von Amber Heard anhört, in der sie wütend erklärt, dass sie tatsächlich eine körperliche Auseinandersetzung mit ihm begonnen hat, aber entrüstet darauf hinweist, dass sie ihn nie geboxz, sondern "nur geschlagen" hat.

Das ist der klassische weibliche Satz. Ein Schlag von einer Frau spielt einfach keine Rolle. Die allgegenwärtige Ohrfeige ist die gesellschaftlich akzeptierte weibliche Antwort auf jede vermeintliche Beleidigung durch einen Mann. In fast jeder Liebeskomödie gibt es eine Frau, die einem Mann eine Ohrfeige verpasst. Das ist die "Pointe", die vom Publikum überall mit schallendem Gelächter begrüßt wird.

Vor über 25 Jahren wies einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt, der verstorbene Soziologieprofessor Murry Straus, in seinem Artikel "Körperliche Übergriffe durch Partnerinnen: ein großes soziales Problem" auf diesen lässigen Umgang mit Ohrfeigen durch Frauen hin. Straus wies auf alltägliche Szenen in den Medien hin, in denen ein Mann eine beleidigende Bemerkung gegenüber einer Frau macht und sie darauf mit einer "Ohrfeige" antwortet.

Straus warnte, dass "dies Millionen von Frauen ein implizites Modell von Übergriffen als moralisch korrektes Verhalten vor Augen führt", eine Haltung, die nicht nur moralisch verwerflich, sondern sogar gefährlich ist. Unter Berufung auf eine Reihe von Studien aus den 1980er Jahren erklärte Straus, dass die Ablehnung weiblicher Gewalt ein echtes Risiko für Frauen darstellt, weil "geringfügige Gewalt durch Frauen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie am Ende Opfer schwerer männlicher Übergriffe werden". Sie schlägt zu, er schlägt zurück, und sie ist diejenige, die am ehesten verletzt wird.

Eine kürzlich von Sandra Stith und Kollegen von der Kansas State University durchgeführte Meta-Analyse von 85 Studien über häusliche Gewalt ergab, dass einer der größten Risikofaktoren für die Vorhersage schwerer Misshandlungen von Frauen darin besteht, dass die Frau selbst die Gewalt auslöst.

Die Gewalttätigkeit von Amber Heard ist also von Bedeutung. Sie hat sich selbst dem Risiko echter Verletzungen ausgesetzt, indem sie einen Mann geohrfeigt, geschlagen und mit Gegenständen beworfen hat. Es ist ein Tribut an Johnny Depps Zurückhaltung, dass er nicht zurückgeschlagen hat. Beim nächsten Mal hat sie vielleicht nicht so viel Glück.

Wenn uns wirklich daran gelegen wäre, die Geißel der häuslichen Gewalt einzudämmen, würden wir offen über dieses kritische Thema sprechen. Wir würden diese Frauen schützen, indem wir ihnen beibringen, mit Konflikten umzugehen, ohne auf Gewalt zurückzugreifen, und Paaren beibringen, mit brisanten Themen anders umzugehen. Das ist der Ansatz, den die Professorin für Paar- und Familientherapie, Sandra Stith, und einige andere mutige Seelen auf der ganzen Welt verfolgen, trotz des aktiven Widerstands der Ideologen.

In dieser Woche startet CEDV, die internationale Koalition, die sich für eine Änderung der Gesetze und der Politik im Bereich der häuslichen Gewalt einsetzt, eine #MenToo-Kampagne, um sicherzustellen, dass männliche Opfer häuslicher Gewalt angehört werden, dass ihnen geglaubt wird und dass sie gleichberechtigten Zugang zu Dienstleistungen haben. Das ist der Anfang - ein wichtiger erster Schritt hin zu evidenzbasierten Behandlungsprogrammen, die die einzige wirkliche Lösung für dieses leidige soziale Problem sind.


Für die "Belltower News" der Amadeu-Antonio-Stiftung veröffentlichte Veronika Kracher gestern den Beitrag "Antifeministen instrumentalisieren Prozess zwischen Amber Heard und Johnny Depp". Projektive Täter-Opfer-Umkehr, heißt es darin, seien ein "integraler Bestandteil der Männerrechtsbewegung".



5. Der britische Sänger Cliff Richard berichtet, was Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs in ihm ausgelöst hatten:

Sir Cliff Richard hat über die psychische Belastung gesprochen, die falsche Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe auf Kinder für ihn bedeuteten, so dass er befürchtete, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Der 81-jährige Sänger bestritt die Vorwürfe vehement und wurde nie verhaftet oder angeklagt, nachdem seine Wohnung in Berkshire 2014 nach einer Beschwerde bei der Operation Yewtree der Metropolitan Police, die im Zuge des Jimmy-Savile-Skandals eingerichtet wurde, von der Polizei durchsucht worden war.

Sir Cliff erhielt von der Polizei von South Yorkshire und der BBC eine Entschädigung wegen der Berichterstattung über den Fall, für den er nie angeklagt wurde.

Er hat sich nun zu Wort gemeldet, um die Menschen aufzufordern, die Kampagne zur Änderung des Gesetzes zu unterstützen, damit Verdächtige anonym bleiben können, solange sie nicht angeklagt werden, und erklärte, dass eine fälschliche Beschuldigung "einen völlig zerstören" könne.

Sir Cliff gab zu, dass er nach der Anschuldigung befürchtete, "an einem Herzinfarkt zu sterben", nachdem er manchmal mit rasendem Puls aufgewacht war, und dass er "für immer" als "der Mann, der der heimtückischen Tat beschuldigt wird", im Internet zu finden sein wird.

In seiner Rede vor dem Oberhaus am Mittwoch bezeichnete er das Internet als "Katastrophengebiet für die meisten Menschen" und fügte hinzu: "Man kann niemandem mehr trauen: Man kann niemandem mehr trauen".

Er erklärte: "Ich kann es nicht stark genug ausdrücken, um zu wissen, wie es ist, ein unschuldiger Mann zu sein und gleichzeitig zu wissen, dass die Person, die einen beschuldigt hat, auf ewig Anonymität genießt. Ich habe diese schreckliche Zeit hinter mir, aber werde ich sie jemals überwinden? Die Antwort ist nein."

Die Interessengruppe Falsely Accused Individuals for Reform (Fair) setzt sich für eine Änderung der Rechtsvorschriften ein, um die Anonymität der Beschuldigten zu gewährleisten, bis ihre Schuld bewiesen ist.

Der DJ Paul Gambaccini wurde im Zuge des Jimmy-Savile-Skandals wegen des Vorwurfs der Körperverletzung verhaftet und verbrachte ein Jahr auf Kaution, bevor das Verfahren eingestellt wurde.

Er sagt, er und Sir Cliff seien "zu einem Magneten für Menschen geworden, denen entweder Unrecht widerfährt oder die das Gefühl haben, dass ihnen Unrecht widerfährt oder die behaupten, dass ihnen durch falsche Anschuldigungen Unrecht widerfährt", und fügt hinzu, er habe geglaubt, das Vereinigte Königreich sei "das humanste Land der Welt, bis die Ereignisse des letzten Jahrzehnts das Gegenteil bewiesen".




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