Montag, Februar 28, 2022

Wegen Putin: Kehrt die Wehrpflicht zurück? – News vom 28. Februar 2022

1. Die CDU Niedersachsen regt anlässlich der Ukraine-Krise eine Rückkehr der Wehrpflicht an. Die Wehrpflicht war im Jahr 2011 in Deutschland ausgesetzt worden und könnte jederzeit reaktiviert werden. Auch der Experte für Sicherheitspolitik Joachim Krause hält das bei der aktuellen Lage für denkbar. Der MDR erörtert, wie wahrscheinlich die Rückkehr der Wehrpflicht ist und was ihr im Wege steht.

Verteidigungsministerin Lambrecht allerdings erteilt derartigen Spekulationen eine Absage:

"Ich glaube nicht, dass die Wehrpflicht uns gerade in der aktuellen Diskussion jetzt wirklich weiter hilft", sagte die SPD-Politikerin am Sonntag in der ARD. "Das wäre eine große Reform, es wären auch große rechtliche Fragen zu klären." Sie erwähnte die Frage, ob dann auch Frauen zum Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet werden sollten.




2. Die britische Daily Mail beschäftigt sich damit, ob die 10.000 Jungenbeschneidungen pro Jahr wirklich nötig sind. Einer neuen Studie zufolge ist das bei der Hälfte nicht der Fall.



3. Nachdem der Journalist Harald Martenstein wegen eines vom erlaubten Meinungskorridor abweichenden Artikel beim Berliner "Tagesspiegel" gehen musste, schreibt er jetzt unter anderem für "Die Welt". In seinem ersten Beitrag dort, "Es wächst eine totalitäre Ideologie heran", (Bezahlschranke) schildert er die Vorgänge beim Tagesspiegel und stellt fest:

Ich bin nicht wichtig. Der "Tagesspiegel" ist nicht wichtig. Wozu also diese Geschichte? Sie handelt von etwas Wichtigem, der Meinungsfreiheit. Manche denken bei Storys wie dieser vielleicht "DDR 2.0", Parallelen sind unübersehbar. Aber das trifft es nicht. Nach Nationalismus und Kommunismus wächst eine neue totalitäre Ideologie heran, ich nenne sie "identitär", andere "woke". Vom Nationalismus hat sie das Stammesdenken, wir sind besonders wertvoll. Vom Marxismus hat sie die irre Idee geborgt, sie sei keine Meinung, sondern eine Wissenschaft. Sie hat edle Ziele, den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierungen zum Beispiel. Aber sie will die ganze Macht, sie ist unduldsam, sie kann skrupellos sein und brutal, um Andersdenkende auszuschalten. In den Medien wird sie immer mächtiger. Wer seine Meinung schlicht "die Wahrheit" nennt, kann von der Meinungsfreiheit anderer natürlich nichts halten. Meinungsfreiheit ist nicht der historische Normalfall, sie ist eine kostbare Ausnahme. Man muss Tag für Tag um sie kämpfen, sonst ist sie schnell weg, und das ist nicht gut für die Gesundheit.




Sonntag, Februar 27, 2022

Darum sprechen Männer nicht über ihre psychische Gesundheit

Ich hatte ja schon erwähnt, dass man im populärwissenschaftlichen Magazin Psychology Today immer öfter männerfreundliche Beiträge findet. Auch aktuell gibt es dort einen Artikel online gestellt, den ich für Genderama gern übersetze.



Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass Männer sich viel wohler fühlen, über ihre körperliche Gesundheit zu sprechen als über ihre psychische Gesundheit. Diese Umfrage deckt sich mit anderen Untersuchungen, die zeigen, dass Männer viel seltener psychische Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen als Frauen. Woran liegt es, dass viele Männer nicht über ihre psychische Gesundheit sprechen? Eine gängige Erklärung lautet, dass Männer aufgrund einer selbstschädigenden "toxischen Männlichkeit" hartnäckig schweigen und dass Männer ihre verinnerlichten "männlichen Normen" überwinden müssen, um besser über psychische Gesundheit sprechen zu können.

Diese Ansicht wurde von vielen prominenten Organisationen für psychische Gesundheit, Nutzern sozialer Medien und prominenten Persönlichkeiten implizit übernommen. So erklärte beispielsweise Prinz William kürzlich, dass wir "die Botschaft an alle Männer weitergeben müssen, dass es in Ordnung ist, über psychische Gesundheit zu sprechen". Zu den beliebten Twitter-Hashtags zum Thema psychische Gesundheit von Männern gehört auch #itsokaytotalk.

Eine systematische Analyse der Forschungsliteratur zeigt jedoch, dass diese monokausale Erklärung eine sehr vereinfachende Darstellung einer komplexen Situation ist. Wie in meinem kürzlich erschienenen Buch "Men's Issues and Men's Mental Health" (Springer 2021) dargelegt, gibt es viele praktische, finanzielle und persönliche Gründe, warum manche Männer nicht über ihre psychische Gesundheit sprechen.

- Wer hört eigentlich zu? -

Es wird angenommen, dass es ein Reservoir an kompetenten und hilfsbereiten Menschen gibt, die bereit und in der Lage sind, Männern mit psychischen Problemen einfühlsam zuzuhören. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass dies nicht unbedingt der Fall ist. In meinen eigenen Forschungsstudien habe ich regelmäßig von Männern gehört, dass sie versucht haben, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen, aber abgewiesen worden sind. Hier sind ein paar symbolische Beispiele.

* Ein geschiedener Mann mittleren Alters erzählte mir, dass er während einer beginnenden psychischen Krise seinen einzigen Bruder angerufen hatte, aber gebeten wurde, in ein paar Stunden noch einmal anzurufen, da dieser sich gerade einen Film ansah. Als er zurückrief, ging der Anruf auf die Mailbox.

* Ein zugewanderter Vater hatte mit psychischen Problemen zu kämpfen, die seine Fähigkeit beeinträchtigten, zu arbeiten und für seine Familie zu sorgen. Wenn er versuchte, seine Probleme mit seiner Frau zu besprechen, schimpfte sie ihn aus: "Bist du ein Ehemann?" oder "Bist du ein Mann?"

* Ein männlicher Student merkte an, er habe versucht, mit verschiedenen Gleichaltrigen über seine psychischen Probleme zu sprechen, aber er habe festgestellt, dass sie schnell weggetreten waren und nach ihren Handys griffen. Er erlangte den Ruf eines "Jammerers" und verlor infolgedessen Freunde.

Kurz gesagt, Untersuchungen zeigen, dass viele Männer mit psychischen Problemen versucht haben, über ihre Probleme zu sprechen, aber in ihrem Umfeld häufig auf Unverständnis oder Gleichgültigkeit gestoßen sind. Dies schreckt offensichtlich alle zukünftigen Bemühungen ab, über psychische Gesundheit zu sprechen.

- Probleme am Arbeitsplatz -

Anstatt mit Menschen in ihrem sozialen Netzwerk zu sprechen, haben Männer mit psychischen Problemen auch die Möglichkeit, ausgebildete Therapeuten und andere Fachleute für psychische Gesundheit aufzusuchen und zu konsultieren. Es gibt jedoch viele unerkannte und oft ignorierte Hindernisse für ein solches Vorgehen, die oft mit dem Arbeitsplatz zusammenhängen.

Männer sind nach wie vor die Haupternährer in einer typischen Familie, und ihr Einkommen ist für die Ernährung, die Unterkunft und die Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Das bedeutet, dass Männer in der Regel länger arbeiten als Frauen und ständig bestrebt sind, ihren Arbeitgeber im Hinblick auf Gehaltserhöhungen, Beförderungen und Arbeitsplatzsicherheit zu beeindrucken. Daher nehmen viele Männer aus gesundheitlichen Gründen nur ungern eine Auszeit von der Arbeit, um den Eindruck zu vermeiden, dass sie unzuverlässige Mitarbeiter sind.

Dies gilt vor allem dann, wenn der Arbeitnehmer eine Auszeit nehmen möchte, um einen Psychotherapeuten oder Psychiater aufzusuchen. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Arbeitgeber psychische Erkrankungen mit Simulantentum, Hypochondrie und Faulheit gleichsetzen. Darüber hinaus können Männer mit psychischen Problemen als gefährlich, unberechenbar und als Bedrohung für die Arbeitsmoral in männerdominierten Arbeitsbereichen gelten, in denen Sicherheit eine große Rolle spielt, wie z. B. bei der Polizei, beim Militär, im Transportwesen sowie in der Öl- und Gasindustrie.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter Arbeitnehmern ergab, dass etwa jeder vierte Arbeitnehmer glaubt, dass sein Arbeitsplatz gefährdet sein könnte, wenn er am Arbeitsplatz über psychische Probleme spricht, etwa jeder dritte glaubt, dass er bei einer Beförderung übergangen wird, wenn er ein psychisches Problem erwähnt, und knapp die Hälfte glaubt, dass dies zu negativen Kommentaren von Arbeitskollegen führen würde. Auch dies schreckt Männer massiv davon ab, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen.

- Die Kosten des Gesprächs -

Mit anderen Worten: Einige Männer, die unter psychischen Problemen leiden, haben möglicherweise berechtigte Befürchtungen, dass die Offenlegung ihrer psychischen Probleme ihrem Beschäftigungsstatus, ihren zukünftigen Arbeitsmöglichkeiten und ihren zwischenmenschlichen Beziehungen schaden könnte.

Daher werden einige Männer eine kalkulierte Kosten-Nutzen-Analyse vornehmen und die sozio-beruflichen Kosten einer Offenlegung mit den potenziellen Vorteilen für die psychische Gesundheit abwägen. Für einige Männer wird jede Offenlegung mehr Kosten als Nutzen bringen, insbesondere wenn der Arbeitsmarkt zeigt, dass sie leicht ersetzbar sind, was bedeutet, dass sie weiterhin im Stillen kämpfen werden, um ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen zu behalten.

Diese Prozesse wurden in der populären Diskussion über die psychische Gesundheit von Männern weitgehend übersehen, die stattdessen einen im Wesentlichen fehlerhaften, monokausalen Ansatz verfolgte, indem sie sich auf die angeblich negativen Auswirkungen toxischer Männlichkeit und männlicher Normen konzentrierte.

- Schlussfolgerung -

Manche Männer haben das Glück, dass sie eine unterstützende Familie, Freunde, Arbeitgeber und Kollegen haben. Die traurige Realität ist jedoch, dass viele Männer mit Gleichgültigkeit, Vorwürfen und anderen negativen Auswirkungen konfrontiert sind, wenn sie sich bemühen, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen. In vielen sozialen Kontexten lernen Männer, dass es nicht wirklich in Ordnung ist, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen, trotz der wohlmeinenden Bemerkungen von Prinz William und einigen Twitter-Nutzern.

Daher ist es falsch, Männer für ihr angebliches Schweigen oder ihre Zurückhaltung bei der Diskussion über psychische Probleme zu beschuldigen oder ins Visier zu nehmen. Stattdessen muss der Fokus viel stärker auf den sozialen Kontext gerichtet werden, einschließlich:

* Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit in Schulen, am Arbeitsplatz und anderswo, um das öffentliche Verständnis für psychische Gesundheit zu verbessern

* eine Reform der Arbeitsmedizin, um sicherzustellen, dass psychische und physische Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz gleich behandelt werden

* bessere Bereitstellung von evidenzbasierten, männersensiblen Diensten für psychische Gesundheit, wie z. B. Peer-Support-Programme für Männer

Abgedroschene Klischees helfen niemandem, über seine psychische Gesundheit zu sprechen. Stattdessen könnte ein kontextbezogener, mehrgleisiger Ansatz der beste Weg nach vorne sein.




Samstag, Februar 26, 2022

Komiker Jerry Lewis (1926-2017) der sexuellen Belästigung beschuldigt – News vom 26. Februar 2022

1.
Der im Jahre 2017 im Alter von 91 Jahren verstorbene Jerry Lewis wurde der sexuellen Belästigung bezichtigt. In einem neuen Dokumentarfilm teilen die Regisseure von "The Hunting Ground" und "Allen v. Farrow", Kirby Dick und Amy Ziering, sowie die Schauspielerinnen Karen Sharpe und Hope Holiday Erfahrungen, die sie 1964 mit dem Komiker gemacht haben wollen. Während einer Kostümprobe habe Lewis alle Anwesenden in einen Raum verscheucht, um mit der heute 87-jährigen Darstellerin Sharpe alleine zu sein. Laut der Schauspielerin hätte Lewis angefangen, sich auf sie zu stürzen, um sie zu begrapschen.


Wäre interessant gewesen, Jerry Lewis Antwort auf diese Vorwürfe zu hören. Vielleicht ist fünf Jahre nach seinem Tod nicht der beste Zeitpunkt, sie an die Öffentlichkeit zu bringen.



2.
Was man aus Hochschulen über Intoleranz und Cancel Culture hört, klingt gruselig. Gibt es das Phänomen, über das alle sprechen, wirklich? Eine viertägige Suche an einer renommierten deutschen Universität offenbart Überraschendes.


So beginnt ein aktueller Artikel der "Welt", in dem es weiter heißt:

Die „Cancel Culture“, wie man sie aus den USA und Großbritannien kennt, sei längst auch an deutsche Unis gedrungen, schallt es auf Twitter und aus Kommentarspalten. Wissenschaftlich gestützt wir dieses Raunen durch eine Allensbachstudie. Demnach empfinden immer mehr Hochschullehrer das Meinungsklima an deutschen Universitäten als unfrei.

Der Aussage "Die Political Correctness verhindert es, dass man bestimmten Forschungsfragen nachgehen kann" stimmten 18 Prozent zu. Im Vorjahr waren es noch 13. Zudem gaben 40 Prozent an, sich durch "Political Correctness" in der Lehre gehemmt zu fühlen, 2020 waren es noch 31 Prozent. Für die vom CDU-nahen Konrad-Adenauer-Institut in Auftrag gegebene Umfrage wurden mehr als 6000 zufällig ausgewählte Lehrpersonen angeschrieben. 1020 von ihnen wurden befragt. Ist also die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr?

(…) Wenn Professor Albrecht und andere Lehrende im Vertrauen offen berichten, geht es nicht um die Angst vor harten Konsequenzen. Niemand fürchtet um seine Stelle. Sie beschreiben eher eine Atmosphäre, eine wabernde Bedrohung. "Es ist wie im Sommer, mit drohenden Gewittern", so Albrecht. Es ist das Unbehagen vor der schweigenden Mehrheit in den Hörsälen, vor "fehlerhungrigen Studenten", so ein Jura-Professor. Viele Lehrende scheinen Angst vor ihren Studenten zu haben.

Die nehmen die Atmosphäre jedoch anders wahr. Im Juridicum, einem grauen deprimierenden Kasten, finden sich mehr Studenten als im alten Schloss. Sie sitzen in Gruppen und lernen, oder schauen Videos auf ihrem Handy an und essen aus der Tupperdose. Fast alle tragen Maske, so wie das Schild an der Wand es will. Die meisten sind weiß. Auf die Frage, ob sich jemand durch Political Correctness gehemmt fühlt, antwortet ein immer gleiches Kopfschütteln. Egal, ob in Studentencafés, Seminarräumen oder der Mensa, egal ob anstrebende Germanisten, Juristen, Philosophen oder Psychologen: Alle schütteln überall den Kopf. Viele scheint die Frage zu irritieren, einige zu nerven.

An einem Tisch im Gemeinschaftssaal des Jura-Gebäudes sitzen drei Männer und eine Frau. Sie lernen. Wieder die gleiche Frage, wieder harmonisch schüttelnde Köpfe. Nur einer schließt sich nicht an. Die Stirn darunter kräuselt sich leicht, der Blick ruht auf mir. Dann: "Natürlich fühle ich mich gehemmt!", sagt er. "Echt?", fragt der Typ mit Cappy links neben ihm. "Ja, du nicht?" "Nee". "Natürlich! Man wird schon komisch angeguckt, wenn man die ‚Regeln‘ nicht befolgt. Ich gendere zum Beispiel nicht. Habe es mal versucht, aber Deutsch ist so schon schwierig. Macht das jetzt meine Werte schlechter? Hier ist das sofort eine moralische Frage. Wer gendert, ist tugendhaft, und der Rest frauenfeindlich und altbacken. Außerdem: Warum ist es wichtig, ob du einen Penis oder eine Vagina hast?!"

Er spricht mit leichtem Akzent. Niemand will hier seinen Namen nennen. Wir nennen ihn George. Sein Kommilitone mit Cappy sagt: "Im Deutschen benutzen wir, um ‚alle‘ anzusprechen, immer die männliche Form. So ist der Mann die Norm und Frauen bleiben außen vor." "Aber die männliche Form steht doch für alle?" George blickt die blonde junge Frau an, die ihm gegenübersitzt. "Fühlst du dich diskriminiert, wenn jemand nur die männliche Form benutzt?" Sie antwortet nicht, schaut ihn unsicher an. "Du bist doch eine Frau." Kurze Pause. "Oder?" Alle lachen. "Also eine als Frau ‚gelesene‘ Person", setzt George nach. "Mich stört einfach diese moralische Haltung, mit der einem hier viele begegnen."

Jetzt nickt auch der Cappy-Typ neben ihm zögerlich. "Tut mir leid, aber ich komme aus Syrien, dort gibt es keine Freiheit, deswegen bin ich da echt empfindlich." (…) Enttäuschtes Vertrauen ist es auch, dass [Professor] Albrecht heute noch beschäftigt. Er habe im letzten Semester zwar einige gute Diskussionen mit seinen Studenten geführt, vielleicht hätten diese das aber ganz anders wahrgenommen. "Ich weiß ja nicht, ob nicht im Stillen jemand an der nächsten Bombe bastelt", so der Professor. Um aus diesem Klima wieder in eine gesunde Diskussionskultur zu kommen, müssen laut Albrecht die politischen Debatten entmoralisiert werden. "Entmoralisiert, wo immer es geht".




3. Die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe des Manager-Magazins (leider nicht online): "Frau gegen Mann. Kulturkampf in den Unternehmen: Wie die Quote weibliche Karrieren beschleunigt und männliche jäh beendet". Den Unternehmen drohe jetzt "ein Großkonflikt der Geschlechter".



4. Die Hamburger Theodor-Haubach-Grundschule verschickt einen belehrenden Elternbrief: Damit "keine Stereotype bedient werden, die diskriminieren könnten" und um "geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen" aufzuheben, sollten sich Mädchen statt als Prinzessin besser "als Spiegelei oder Karotte verkleiden".



5. Gestern berichtete Genderama, dass aufgrund des verhängten Ausnahmezustandes nach Putins Angriff männliche ukrainische Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen. Während Frauen und Kinder in Sicherheitszonen gebracht werden, müssen die Männer das Land gegen den russischen Diktator verteidigen. In der britischen Metro schildert ein Journalist, wie Männer dafür zwangsrekrutiert werden, und skizziert damit eine der eindrucksvollsten Szenen des "Frauen unterdrückenden Patriarchats":

Ein Amerikaner, der 20 Stunden lang mit Tausenden von ukrainischen Flüchtlingen zu Fuß unterwegs war, hat berichtet, wie Männer im kampffähigen Alter von ihren schreienden Familien weggezerrt wurden, um sich dem zunehmend vergeblichen Kampf gegen Russland anzuschließen.

Manny Marrotta, 25, aus Pennsylvania, sagte, er sei seit 10 Tagen in der westlichen Stadt Lemberg als freier Journalist tätig gewesen, als Putin am Donnerstag seine Invasion ankündigte.

Er schloss sich einer Masse von Zivilisten an, die am Nachmittag zur 43 Meilen entfernten polnischen Grenze flüchteten, nachdem er durch den Klang einer Luftangriffssirene aufgewacht war und Gerüchte über einen bevorstehenden Bombenangriff gehört hatte.

Da die Züge ausgebucht waren und es keine Mietwagen und öffentlichen Busse mehr gab, traf er die "verzweifelte" Entscheidung, sich zu Fuß auf den Weg nach Westen zu machen, was sich als "erschütternde" Wanderung herausstellen sollte.

Er beschrieb Szenen, die einem "humanitären Albtraum" gleichkamen, als Männer, Frauen und Kinder die Straßen in Bussen, Autos und zu Fuß überfüllten.

Herr Marrotta berichtet:

"Es gab ältere Menschen, die mit ihren Stöcken allein am Straßenrand entlangliefen und humpelten.

Eine Großmutter erzählte mir, dass sie nach Polen wollte - Polen war weit weg, es ist erstaunlich, wie viele Menschen versucht haben, zu entkommen.

Etwa 10 bis 15 Kilometer von der Grenze entfernt kamen Soldaten der ukrainischen Armee mit Lautsprechern auf die Straße und verkündeten: 'Kein ukrainischer Mann zwischen 18 und 60 Jahren darf das Land verlassen - ihr müsst in den Osten gehen und kämpfen'.

Die ukrainische Regierung hat die Wehrpflicht verkündet, d. h. gesunde erwachsene Männer müssen sich bei den Streitkräften melden.

Sie sagten: 'Verabschiedet euch von eurer Freundin, von eurer Frau, von euren Müttern und Töchtern, ihr geht in den Osten.'

Ich sah diese surrealen Szenen von Vätern, die sagten: 'Ich will meine Familie nicht verlassen', und ukrainische Soldaten zerrten sie weg ... Die Mütter protestierten, sie schrien: 'Warum tut ihr das?'

Da war dieser Mann, der auf einer Kiste stand und sagte: 'Vergesst eure Frauen, vergesst eure Freundinnen - ihr müsst euer Land verteidigen. Seid keine Feiglinge.'"

Der Journalist beschrieb den "herzzerreißenden" Moment, in dem ein 24-jähriger ukrainischer Mann, mit dem er sich angefreundet hatte, weggeschleppt wurde, und fügte hinzu: Er hatte keine Wahl, er warf mir diesen Blick zu, den ich nie vergessen werde, es war eine Art trauriges Lächeln ... Ich hoffe, es geht ihm gut.

Als ich an der Grenze ankam, freundete ich mich mit diesem 18-jährigen ukrainischen Jungen an ... Sie haben ihn auf der Stelle eingezogen, es war einfach sehr brutal, den Schrecken in seinen Augen zu sehen, als er wusste, dass er nach Osten gehen und gegen die Russen kämpfen würde.

Die UNO hat davor gewarnt, dass Europa eine Welle von bis zu 4 Millionen Flüchtlingen droht, wenn der Konflikt so weitergeht wie bisher.

Herr Marrotta sagte, er sei "untröstlich glücklich", nachdem er Polen erreicht hatte, warnte aber, dass viele Ukrainer auf der Straße immer noch "schrecklich leiden" würden.

Er fügte hinzu: "Die westliche Welt sollte sich darüber im Klaren sein, wie schrecklich diese Situation für das ukrainische Volk ist."


RTL hat das Video eines Vaters, der sich unter Tränen von seiner kleinen Tochter verabschiedet, online gestellt.



Freitag, Februar 25, 2022

Das dunkle Erbe von MeToo: Intendant wegen Anstarren gecancelt? – News vom 25. Februar 2022

1. Die Frankfurter Allgemeine berichtet mit Bezug auf einen Artikel der Berliner Zeitung (Bezahlschranke):

In der "Brigitte" wurde er in eine Reihe mit dem übergriffigen Regisseur Dieter Wedel und dem verurteilten Sexualstraftäter Harvey Weinstein gestellt: der Interimsintendant Klaus Dörr, der zwischen 2018 und 2021 die Berliner Volksbühne leitete, bevor er sich undurchsichtigen MeToo-Vorwürfen gegenübersah und seinen Rücktritt erklärte.

Die Öffentlichkeit wertete das damals als Schuldeingeständnis, denn warum sollte einer so schnell abtreten, wenn er keinen Dreck am Stecken hätte. Die "Berliner Zeitung" hat den Fall jetzt noch einmal aufgerollt. Anlass ist die bedrückende Beobachtung, dass der Name Dörr auf dem offiziellen Hauptstadtportal des Landes Berlin gar nicht mehr auftaucht, also "gecancelt" ist. Und das, obwohl die damals von sieben Beschwerdeführerinnen vorgebrachten Anschuldigungen sich inzwischen offenbar auf ein "Anstarren von Frauen" und einige niveaulose Sprüche beschränken.

Die Frauen zu den Beschwerden ermutigt, so berichtet die "Berliner Zeitung" jetzt, hätte eine Rädelsführerin von "Staub zu Glitzer", jenem Kollektiv, das 2017 öffentlichkeitswirksam die Volksbühne besetzte. Klaus Dörr lehnte in der Folge ein künstlerisches Projekt des Kollektivs ab. Daraufhin nahm sich die selbsternannte "linksradikale Feministin" offenbar den Sturz des Intendanten vor. Auf Instagram gibt sie freimütig Auskunft darüber, wie sie die Frauen zu der Beschwerde gebracht und die Presse mobilisiert hat. Am Ende biss nur die "taz" an - aber das reichte aus, um ihr Ziel - das Ende der "patriarchalen Tyrannei" - zu erreichen.


Die Frankfurter Allgemeine sieht in den Attacken auf Klaus Dörr, der inzwischen keinen Job mehr bekomme, einen "fatalen Reiz-Reaktionsmechanismus, der nicht zwischen ungehörigem Verhalten und schwerwiegendem Missbrauch unterscheidet."

Der Artikel der Berliner Zeitung, auf den die FAZ sich bezieht, ist ausführlicher:

In die Schlagzeilen geriet er erstmals vor einem Jahr, als ihn die Tageszeitung taz als übergriffigen "Sexisten" bezeichnete und die Frage stellte: War der Kultursenator gewarnt? Gewarnt. Als wäre ein Straftäter dem Gefängnis entflohen und bilde eine Gefahr.

(…) Man stutzt schon beim ersten Lesen der taz, die sich der "Aufdeckung" des Falles rühmt, denn der Hauptvorwurf läuft auf angebliches "Anstarren" von Frauen hinaus. Der einzige zitierte fiese Spruch ("... jeder will dich ficken!") fiel – wenn überhaupt – vor sieben Jahren nach viel Wein auf einer Premierenfeier in Stuttgart. Ansonsten stellt die taz vor allem unkonkrete Behauptungen auf wie "enge, intime, körperliche Nähe und Berührungen, erotisierende Bemerkungen", Mobbing, Machtmissbrauch. Was genau ist gemeint? In den Gedächtnisprotokollen der Beschwerdeführerinnen der Volksbühne – es sind sieben, nicht wie kolportiert zehn –, liest es sich so: Klaus Dörr hat einer Frau "die Hand auf die Schulter gelegt", angeblich auch auf ein Bein, es reichte "bis zu Handküssen zur Begrüßung". Die "sexistischen" Begriffe heißen "Maus", "Theatermaus", "Tante"; Machtmissbrauch meint wohl SMS nach Feierabend aufs Privathandy. Eine Schauspielerin will nach einem Gespräch mit Dörr Existenzangst bekommen haben, sie ist 63 und unkündbar, weil länger als 15 Jahre am Haus.

So, und jetzt stellen wir noch mal kurz klar, an was für einem Ort wir uns gerade befinden. An der größten Bühne Berlins mit hochemanzipiertem, 270-köpfigen Ensemble, berühmt für Inszenierungen mit ungenierten Tabubrüchen entlang zivilisatorischer Abgründe? Oder in einem stalinistischen Erziehungsheim, in dem geknechtete Insassen nicht Laut geben dürfen? So angstgeschüttelt, dass sie einfache Sätze nicht sprechen können: Chef, bitte keine Hand auf meine Schulter! Castorf dürfte sich gekugelt haben vor Lachen, als er die Nachrichten von seiner alten Bühne las. Was passierte denn, wenn eine Kollegin verlangte, Dörr möge keine "unangemessenen SMS" senden? Dann, schreibt die taz, hat sich der Intendant entschuldigt und keine Nachricht mehr geschickt. Warum haben das die anderen Frauen nicht gekonnt?

So einen muss nicht jede Kollegin mögen, aber jede kann sich Sprüche verbitten, zur Not über Frauenbeauftragte und Personalräte. Doch die Beschwerdeführerinnen der Volksbühne hielten sich eher an die linksradikale Feministin (Selbstbeschreibung) Sarah Waterfeld. Sie hatte 2017 mit ihrem Kollektiv "Staub zu Glitzer" unter Dercon die Volksbühne besetzt, bis das Haus von der Polizei geräumt wurde.

Auch Dörr lehnte ihr künstlerisches Projekt an der Volksbühne ab. War es ein Racheplan, was nun folgte? Waterfeld rühmt sich heute, acht Monate lang für Dörrs Sturz und das Ende der "patriarchalen Tyrannei" gekämpft zu haben. Erzählt auf Instagram, wie sie die Frauen zu der Beschwerde gebracht und die Presse mobilisiert hat, "Überredungskunst" einsetzen musste. Denn die Frauen wollten partout keine Namen nennen, nicht vor die Kamera, weshalb die Fernsehkollegin absprang. Zuletzt habe Waterfeld, erzählt sie, die taz aktiviert, die dann die läppischen Vorwürfe skandalisierte. Am Tag von Dörrs Rücktritt habe sie eine halbe Stunde lang geweint – vor Glück. Enttäuscht nur, weil die taz ihre, Waterfelds, monatelange Recherchearbeit einfach unerwähnt ließ.

Solche Kräfte bestimmen, was an der Spitze eines Berliner Staatstheaters passiert? Nicht der Kultursenator?

Nun, der hörte sich über Stunden an, was betroffene Frauen vorzutragen hatten und ließ ihre Gedächtnisprotokolle rechtlich prüfen. Fachanwälte bestätigten ihm, dass derart vage, unkonkrete Vorwürfe sicher nicht mal für eine Abmahnung reichten. Monate später konfrontierte der Kulturstaatssekretär den Intendanten mit den Vorwürfen der Mitarbeiterinnen. Aber es gab keinen einzigen Vermittlungsansatz, nicht einen Versuch der Konfliktlösung, nichts. Nach Erscheinen des taz-Artikels ließ Lederer den Intendanten fallen, nahm den Rücktritt an, drei Monate vor Ende der Amtszeit. Spreizte sich im Kulturausschuss, wie er sofort Verantwortung übernommen habe für die betroffenen Frauen.

(…) Der gewesene Volksbühnen-Intendant, der nach jahrzehntelanger untadeliger Arbeit keinen Job mehr bekommt, findet nicht mal mehr Erwähnung auf der Website. Der Mann hat Handküsse auf dem Gewissen! Wobei Klaus Lederer natürlich nicht gerichtet hat. Diesen Part überließ er der radikalen Aktivistin und der skandalisierenden Presse.

So wie an der Volksbühne, bei den Festspielen und wer weiß wo noch. Welche Rolle Recht und Gesetz in der Zukunft spielen könnten, wenn Denunzianten und Moralisten die Hoheit über die Wahrheit übernehmen, wenn sich der Gender-, Sensibilisierungs- und Antidiskriminierungswahn weitere Räume in der Kultur erschließt und "Opfer" kreiert, zeigt die neue Dienstverordnung im Theater an der Parkaue. Die besagt: Es wird unwiderleglich vermutet, dass jemand beleidigt oder diskriminiert wurde, wenn er sich beleidigt oder diskriminiert fühlt. Dann folgt eine Art Strafkatalog.




2. Im Fall der Berichterstattung über den Comedian Luke Mockridge hat das Landgericht Hamburg am Dienstag eine einstweilige Verfügung gegen den "Spiegel" bestätigt:

Das Landgericht Hamburg beurteilte den Spiegel-Report schon im Dezember als unzulässige Verdachtsberichterstattung und untersagte schon zentrale Teile. Auch wenn das öffentliche Interesse an dem Fall hoch sei, habe der Bericht gegen die Grundsätze der Unschuldsvermutung verstoßen, die Persönlichkeitsrechte von Luke Mockridge seien verletzt worden. Gegen die einstweilige Verfügung hatte der Spiegel Widerspruch eingelegt, den das Gericht nun aber zurückgewiesen hat mit dem Hinweis, über bereits eingestellte juristische Verfahren dürfe nur berichtet werden, wenn sich neue Verdachtsmomente ergeben.


Die Süddeutsche Zeitung berichtet.



3. Wie die Bildzeitung meldet, wird die Klage eines Audi-Mitarbeiters gegen die vom Konzern verordnete Gendersprache zugelassen:

Was der Audi-Vorstand im März 2021 als "Vorsprung beginnt im Kopf" anpries, sorgte bei Mitarbeitern nur für Kopfschütteln.

VW-Mitarbeiter Dr. Alexander B. klagte gegen die Audi AG auf Unterlassung, wollte in einem gemeinsamen VW-/Audi-Gremium nicht nach der neuen Gender-Richtlinie angesprochen werden.

Jetzt erlitt der Auto-Riese eine erste Schlappe vor dem Landgericht Ingolstadt. Denn: Das Gericht lässt die Klage bei einem ordentlichen ­Gericht zu.

Die Audi-Anwälte versuchten, die Klage vor dem Arbeitsgericht auszutragen. Ihre Argumentation: B. unterliege als VW-Mitarbeiter auch den Audi-Gender-Richtlinien.

Kläger-Anwalt Burkhard Benecken: "Es ist beschämend, wie sehr ein angeblich moderner Weltkonzern auf Formalien rumreitet, anstatt zur Sache Stellung zu beziehen."

Kläger B. zu BILD: "Ich bin heilfroh, dass das Gericht für mich entschieden hat. Ich hoffe auf eine baldige Klärung – dieses aufgezwungene Gendersprech macht mich krank."

Unterstützt bei seiner Klage wird er vom "Verein Deutsche Sprache" (VDS). Deren Sprecherin Doro Wilke: "Das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen darf nicht einer sprachlichen Ideologie zum Opfer fallen."

Und was sagt Audi? Ein Sprecher zu BILD: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu laufenden rechtlichen Verfahren nicht äußern. Grundsätzlich gilt, dass Audi eine Organisationskultur pflegen möchte, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Gendersensible Sprache ist für uns Ausdruck einer sichtbaren, positiven Haltung zu Vielfalt und Chancengleichheit."




4. Aus dem britischen "Guardian" erfährt man:

Die Minister werden es ablehnen, Frauenfeindlichkeit in England und Wales zu einem Hassverbrechen zu machen, und die Abgeordneten auffordern, sich hinter die umstrittene Gesetzgebung zu stellen, die kritisiert wurde, weil sie das Recht auf Protest einschränkt, während die Regierung versucht, wichtige Änderungen am Strafrechtssystem durchzusetzen.

Die Innenministerin Priti Patel wird am Montag in einem Schreiben an die Abgeordneten erklären, dass die Regierung einen Änderungsantrag des Oberhauses ablehnen wird, der eine Ausweitung der Hassverbrechen auf Frauenfeindlichkeit vorsieht.




5. Die britische Daily Mail berichtet über die neuesten Entwicklungen im Bereich Spionage:

Großbritanniens Spione werden aufgefordert, ihr "weißes Privileg" zu überdenken und ihre Pronomen zu deklarieren, während Europa in den Krieg stürzt.

Ein durchgesickerter Leitfaden zur Verbesserung der Vielfalt und Integration in den Sicherheitsdiensten schlägt vor, dass die Agenten geschlechtsspezifische Begriffe wie "manpower" vermeiden sollten.

Den Spionen wird auch von Wörtern wie "stark" und "Griff" abgeraten, die "dominante kulturelle Muster verstärken" können. Und sie werden ermutigt, nicht in rein männlichen Gremien zu sprechen.

(...) Aber eine Regierungsquelle sagte: "Es wird Zeiten geben, in denen unsere Sicherheitsdienste die Feinde, die uns Böses wollen, töten müssen. Eine Kultur, in der 'manpower' beleidigend ist und in der Pronomen und 'Privilegien' propagiert werden, ist weit entfernt von den tödlichen Entscheidungen, die Spione oft treffen müssen."

Das Toolkit zur Vielfalt soll von Beamten des GCHQ, des MI5 und des MI6 sowie des Büros für Sicherheit und Terrorismusbekämpfung im Innenministerium und des nationalen Sicherheitssekretariats gelesen werden.

In dem Dokument lobt eine muslimische Arbeitnehmerin ihren Arbeitgeber dafür, dass er ihr erlaubt, Männern nicht die Hand zu geben, weil dies mit ihren religiösen Vorstellungen von Bescheidenheit übereinstimmt.

Und eine Beamtin des Verteidigungsministeriums behauptet, sie habe sich "gedemütigt" gefühlt, als sie dort zu arbeiten begann, da "neue Mädchen sich ihren Platz im Team erst verdienen mussten". Sie sagte, die 'Arbeitsplatzkultur hat uns im Stich gelassen'.

(...) Sie fordert die Mitarbeiter der nationalen Sicherheit auf, ihre Pronomen anzugeben - sich mit 'he', 'she', 'they' oder etwas anderem anzusprechen -, damit sich transsexuelle Kollegen stärker einbezogen fühlen. "Die Bekanntgabe Ihrer Pronomen, wenn Sie sich damit wohl fühlen, trägt dazu bei, ein Umfeld zu schaffen, in dem dies normal ist. Sie können dies tun, indem Sie Ihre Pronomen in Ihre E-Mail-Signatur einfügen oder sie am Anfang eines Folienpakets mitteilen."

In einem Abschnitt über integrative Sprache heißt es: "Achten Sie bei der nationalen Sicherheit auf Wörter und Ausdrücke wie 'stark' oder 'Griff', die die vorherrschenden kulturellen Muster verstärken. Vermeiden Sie Jargon, Hierarchie oder geschlechtsspezifische Vorurteile."


Hierzulande haben auch nach dem Überfall Putins auf die Ukraine manche Leute ähnliche Prioritäten.

Währenddessen dürfen aufgrund des verhängten Ausnahmezustandes männliche ukrainische Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Man werde sie nicht über die Landesgrenze lassen, teilte der Leiter der ukrainischen Zollbehörde in Lemberg, Danil Menschikow, auf Facebook mit.



Donnerstag, Februar 24, 2022

Versuchte Maskuzide in Graz: Frauen stechen aus Männerhass 13 Mal auf Studenten ein – News vom 24. Februar 2022

1. Inzwischen bleibt es nicht nur bei Twitter-Hashtags wie #killallmen – jetzt wird zur Tat geschritten. Unter der Schlagzeile Männer-Hass: 13 Mal auf Studenten eingestochen berichtet Oe24:

Zu den irren Szenen kam es in der Nacht auf Samstag in Graz: Zwei junge Frauen fackelten zunächst in einem Haus ein WC ab. Anschließend stachen die beiden, die offenbar einen Groll gegen Männer hegten und wahllos auf diese losgingen, in der Mondscheingasse mit zwei Küchenmessern 13 Mal auf einen Studenten (22) ein. Kurz darauf machten sie einem Iraker (17) Komplimente, lenkten ihn ab und stachen erneut zu. Eine der Angreiferinnen rammte ihm das Messer in den Kopf. Das Opfer konnte schwer verletzt flüchten und befindet sich im Spital. Die beiden wurden festgenommen.

Zwischenzeitlich meldeten sich zwei weitere Opfer und zeigten an, dass sie von dem Duo bedroht wurden. Die 18-Jährigen sitzen nun wegen doppelten Mordversuchs in U-Haft. Die Ermittler bitten weitere potenzielle Opfer und Zeugen, sich zu melden.


Im Oberösterreichischen Volksblatt heißt es zu diesen Verbrechen:

Gegen die beiden 18-Jährigen wird wegen versuchten Mordes ermittelt, sagte Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, auf APA-Nachfrage. Bei den bisherigen Befragungen belasteten sich die Frauen wechselseitig: Die jeweils andere habe zugestochen.


Die Kronen-Zeitung schließlich stellt die Tatnacht so dar:

Ein Student besuchte in der Mondscheingasse einen Freund. Während er vor dem Haus wartete, sprachen ihn die jungen Frauen, die zuvor in einem Haus in der Nähe ein Feuer in einem WC gelegt hatten, an. Dann stachen sie zu, 13-mal! „Mit zwei Messern“, glaubt sich der 22-Jährige zu erinnern. Ins Gesicht, in den Hals und auch noch in den Rücken, als er zu fliehen versuchte.

Sein Freund kam ihm rettend zur Hilfe, die beiden zierlichen 18-Jährigen liefen über den Jakominiplatz Richtung Radetzkybrücke davon. Unterwegs pöbelten sie Passanten an, bedrohten sie mit dem Umbringen.

Dann geriet ein Iraker auf einem Fahrrad in ihr Visier. Sie machten dem 17-Jährigen Komplimente, lenkten ihn ab - und stachen erneut zu. Der Iraker konnte fliehen, erlitt aber Verletzungen an der Schläfe. Die Verdächtigen wurden festgenommen, Beamte des Kriminalreferates Graz (Fachbereich 1) ermitteln auf Hochtouren.




2. In den USA wird einer Lehrerin vorgeworfen, mindestens neun Schüler sexuell missbraucht zu haben:

Mitglieder einer Gemeinde in Tennessee äußerten sich letzte Woche schockiert und empört, nachdem eine 38-jährige Frau beschuldigt wurde, mit E-Zigaretten und anderen Verlockungen Schüler der örtlichen High School zum Sex mit ihr verführt zu haben.

Melissa Blair aus Englewood wurde verhaftet und muss sich nun wegen Anstiftung zum Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen, 18-fachem sexuellen Missbrauchs, vierfachen Menschenhandels durch Förderung der Prostitution und Einziehung von persönlichem Eigentum verantworten, wie WTVC-TV aus Chattanooga, Tennessee, berichtete.

Dem Sender zufolge gab es mindestens neun Opfer, die zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Verbrechen zwischen 14 und 17 Jahre alt waren und dieselbe High School besuchten.

Die Behörden gehen davon aus, dass es noch mehr Opfer gibt, sagte der Bezirksstaatsanwalt von McMinn County, Steve Crump, dem Sender.


In der New York Post heißt es zu den Übergriffen:

Die Polizei begann, gegen Blair zu ermitteln, nachdem der Schulbezirk einen anonymen Brief erhalten hatte, so die Beamten. Sie ist weder Lehrerin noch Angestellte des Bezirks, war aber im Förderverein der Schule aktiv. Sie hatte ein Kind im Schulsystem, das inzwischen die Schule gewechselt hat.

Blair ist vom Schulgelände und von schulischen Aktivitäten ausgeschlossen.

"Wir sind am Boden zerstört", sagte die Mutter eines der Opfer, die anonym bleiben möchte. "Ich kann mit Worten nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, das durchzumachen, was wir gerade durchmachen. Es sind alle Gefühle, die man sich vorstellen kann. Und keine davon ist glücklich."

"Die Leute konzentrieren sich hauptsächlich auf die Täterin", fuhr sie fort. "Sie erkennen nicht, wie sehr es eine Familie verwüstet. Wie die Familien zu Hause sind und wir nicht wissen, was wir als nächstes tun sollen. Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll."

Blair ist mit einer Kaution von 100.000 Dollar auf freiem Fuß, die sie am Dienstagabend hinterlegt hat. Eine Anklageerhebung ist für den 28. Februar geplant.




3. Täterin weiblich – Wird sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen tabuisiert? ist morgen ab 17:05 Uhr das Thema in der Radio-Talkshow "SWR2 Forum". In der Ankündigung zur Sendung heißt es:

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird von Männern verübt. So die gängige Wahrnehmung. Frauen tauchen höchstens als Helferinnen auf. Aber eine aktuelle Hamburger Studie zeigt: Minderjährige werden auch von ihren eigenen Müttern, Tanten oder weiblichen Bekannten missbraucht. Warum ist sexueller Missbrauch durch Frauen noch immer ein Tabu? Welche Motive treiben die Betreffenden zu ihren Taten? Und weshalb ist es so wichtig aufzuklären?

Doris Maull diskutiert mit

* Prof. Dr. Sabine Andresen, Kindheits- und Jugendforscherin, Universität Frankfurt

* Prof. Dr. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

* Nicolas Haaf, Mitglied im Betroffenenrat beim Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch




4. Aber genug mit all diesen Trivialitäten: Kommen wir zu den wirklch wichtigen Dingen. Die Süddeutsche Zeitung fragt: "Ist Toast Hawaii sexistisch?" Da der Artikel hinter einer Bezahlschranke liegt, können wir uns alle jetzt die lustigsten Begründungen für diese These ausdenken.



Mittwoch, Februar 23, 2022

Wie es Jungen an Jungenschulen ergeht

Während ich persönlich kein Freund von geschlechtergetrennter Erziehung bin, finde ich angesichts der immer noch wachsenden Jungenkrise in unserem Bildungswesen ein aktuelles Interview, das die Pädagogin Jenny Rankin mit der Leiterin einer Jungenschule führte, durchaus lesenswert.



Um herauszufinden, wie wir männliche Schüler besser ausbilden und fördern können, habe ich mich an Olga Hofreiter gewandt, die stellvertretende Schulleiterin an einer privaten High School für Jungen ist. Sie besuchte in ihrer Kindheit eine reine Mädchenschule, was ihr die Möglichkeit gab, die Unterschiede zwischen den beiden Umgebungen zu analysieren, und sie hatte dazwischen viele Lehr- und Verwaltungsfunktionen inne. Ich habe mit Hofreiter darüber gesprochen, wie Jungen im Teenageralter lernen und wie wir ihnen am besten zum Erfolg verhelfen können.

Jenny Rankin: Was haben Sie darüber herausgefunden, wie Jungen lernen?

Olga Hofreiter: Nun, ich möchte vorausschicken, dass jeder einzelne Schüler einzigartig ist; ich kann nicht sagen, dass diese allgemeinen Erkenntnisse auf jeden einzelnen jungen Mann zutreffen, aber es sind ziemlich solide Praktiken, die Jungen als Lernende und als individuelle Menschen ansprechen.

Jenny Rankin: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, mit dem Vorbehalt, dass jeder Schüler einzigartig ist?

Olga Hofreiter: Das erste, was man über eine reine Jungenschule wissen muss, ist, dass Sport sehr wichtig ist, aber nicht jeder Schüler ist ein Sportler. Robotik, darstellende Künste und Führungsqualitäten sind ebenfalls sehr wichtig. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jeder junge Mann Anschluss an eine Gruppe, eine Aktivität oder einen erwachsenen Fürsprecher findet. Sie müssen verstehen, dass sie dort sind, um herauszufinden, wer sie sind und was ihr Ziel ist.

Jenny Rankin: Mir gefällt diese Konzentration auf den Zweck. Was sollten Pädagogen sonst noch wissen?

Olga Hofreiter: In einer gemischten Klasse mäßigen die Mädchen die Jungen, aber Jungen sind anders, wenn sie in einer Klasse mit nur Jungen sind. Sie sind weniger gefiltert, authentischer. Sie sind wettbewerbsorientiert, manchmal mit anderen, aber meistens mit sich selbst. Sie machen sich gerne gegenseitig das Leben schwer, und sie können hysterisch lustig und unterhaltsam sein. Sie stellen nicht gern Fragen; ein Lehrer muss sie anstupsen und ihnen die Fragen entlocken, damit sie ihr Gesicht wahren können. Sie können es nicht ertragen, vor ihren Mitschülern in Verlegenheit gebracht zu werden, aber sie sind zerknirscht und entschuldigen sich, wenn man sie nach dem Unterricht in aller Ruhe anspricht. Sie dulden keine Heuchelei. Worte sind wichtig, aber deine Taten sind das, was sie aufnehmen.

Jenny Rankin: Trotz der Ähnlichkeiten mit Mädchen kann ich mir vorstellen, dass in einer Umgebung, in der nur Jungen leben, starke Tendenzen noch deutlicher hervortreten. Gibt es entwicklungsbedingte Neigungen?

Olga Hofreiter: In der Regel sind sie keine sehr guten Mitschreiber. Vor allem, weil es ihnen schwer fällt, schnell zu schreiben. Sie haben eine schlechte Handschrift, eine eher schlechte Feinmotorik, sie können nicht lange in diesen Käfigen sitzen, die wir Schreibpulte nennen. Sie haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und müssen auf sinnvolle Weise beschäftigt werden.

Jenny Rankin: Wie sieht es mit sozial-emotionalen Faktoren aus?

Olga Hofreiter: Sie schätzen Ehrlichkeit, wenn sie einem vertrauen. Verraten Sie sie? Dann werden sie nicht in Ihrer Klasse arbeiten. So bestrafen sie dich dafür, dass du sie im Stich gelassen hast.

Jenny Rankin: Was sollten Lehrer über die Erteilung von Unterricht wissen?

Olga Hofreiter: Visueller Input ist für Jungen absolut entscheidend. Wenn man das Visuelle mit dem Auditiven kombinieren kann, erreicht man sie besser. Sie kommen gut mit Aufzählungspunkten auf Folien zurecht, und die Schrift muss groß sein, damit sie auch vom hinteren Teil des Raumes aus gut sehen können. Sie brauchen Ruhe, um Informationen aufzuschreiben, denn es fällt ihnen schwer, einem Lehrer zuzuhören und gleichzeitig Informationen aufzuschreiben.

Jenny Rankin: Was kann Lehrern bei der Klassenführung helfen?

Olga Hofreiter: Jungen reagieren nicht gut auf hohe, schrille Stimmen; tiefe Töne erregen ihre Aufmerksamkeit. Wenn man sie anschreit, reden sie einfach lauter. Sie wollen Struktur und Beständigkeit. Sie müssen sich bewegen. Wenn man sie also aufstehen lässt, um Fragen zu beantworten oder mit einem Partner zu sprechen, oder wenn man ihnen erlaubt, zum Stehpult im hinteren Teil des Raumes zu gehen, hilft ihnen das, konzentriert zu bleiben und sich selbst zu regulieren. Jungen wollen wissen, was sie lernen sollen und was Sie von ihnen erwarten, und höchstwahrscheinlich werden sie Ihre Erwartungen auch erfüllen. Aber täuschen Sie sich nicht, sie werden alles tun, um zu sehen, womit sie durchkommen; Sie müssen hart, klar und konsequent sein. Wenn Sie sagen, dass etwas eine Regel ist, müssen Sie sie auch durchsetzen.

Jenny Rankin: Was wünschten die Jungen, dass ihre Lehrer wüssten?

Sie sind ständig am Telefon, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen. Wenn man ihnen sagt, sie sollen ihr Handy in den Caddy legen, sind sie insgeheim erleichtert, dass sie das Ding los sind, auch wenn es nur 45 Minuten am Stück sind. Sie wollen nicht um zusätzliche Hilfe bitten, weil das ein Eingeständnis der Niederlage ist. Sie müssen sie einladen, manchmal sogar auffordern, sich Hilfe zu holen. Wenn die Hilfe funktioniert, werden sie regelmäßig kommen. Aber das hat mehr mit der Beziehung und dem Vertrauen zu tun als mit dem Inhalt. Jungen werden Berge für Sie versetzen, wenn sie das Gefühl haben, dass Sie sich wirklich für sie interessieren, und sie bauen unglaublich starke Bindungen zu ihren Klassenkameraden auf, die weit in die Zukunft reichen.

Jungen sind durch und durch loyal. Sie wollen gebraucht werden. Egal, wie gut du in der Lage bist, eine Kiste über den Campus zu tragen, mehrere Jungen werden dir ihre Hilfe anbieten. Lass sie helfen, denn sie müssen es tun. Und ich garantiere Ihnen, dass diejenigen, die Sie am meisten herausgefordert haben, die die größten Rebellen waren, die sich nicht so recht mit dem Programm anfreunden konnten, die Jungen sind, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu Besuch kommen und sogar an die Schule zurückkehren, um zu unterrichten oder zu arbeiten, weil sie die Erfahrung so sehr schätzen. Letztendlich erlaubt eine reine Jungenschule den Jungen, auf die positivste und beste Art und Weise Jungen zu sein, aber sie lehrt sie Disziplin, Lernfähigkeiten und soziale Kompetenzen in einem Umfeld, das sie als junge Männer und männliche Lernende wertschätzt.




Dienstag, Februar 22, 2022

Veganerin klagt an: Burger essen ist frauenfeindlich – News vom 22. Februar 2022

1. Im Oxford Society Club, einem hochangesehenen Debattierclub des britischen Königreichs, kam es zu einer überraschenden Wortmeldung:

In ihrer feurigen Ansprache klagt die US-amerikanische Autorin Carol Adams an, dass weiße Rassisten den Konsum von Fleisch, Eiern und Milchprodukten als "Waffe" einsetzen, um "ihre verletzte Männlichkeit zurückzuerobern". (…) Unter anderem verkündete die US-Amerikanerin: "Unser Weiß-Sein ist Teil des Problems des Fleischessens" und führte die Anschläge vom 11. September und die Wahl eines Schwarzen zum US-Präsidenten als Ursache dafür an, dass Männer versuchten ihre "verletzte Männlichkeit" durch den Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten zurückzuerobern.

Der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milch, so die Autorin von "The Sexual Politics of Meat", beruhe auf einer "weißen, patriarchalischen Weltanschauung", die ähnlichen Unterdrückungsmechanismen gegenüber Tieren zugrunde läge, die auch gegen Frauen eingesetzt werden. Adams zentrale These: Tiere werden so, ebenso wie Frauen, zu Objekten gemacht, also als Wesen unsichtbar gemacht und konsumiert. Sie bezeichnet Fleischesser als Rassisten, beschuldigt sie des modernen "Kolonialismus" – und behauptete sogar, Fleisch-Burger seien "frauenfeindlich".

Und die Veganerin und Ökofeministin fährt noch härtere Geschütze auf: "Bilder von milchtrinkenden weißen Männern, vor mit Fleisch gefüllten Tellern, die gegen liberale Männer als ,Sojaboys´ hetzen, sind Teil dieser Neonazi-Botschaften. ,Das ist mein Recht´, sagen diese Neonazis, ,das ist meine Identität´".




2. Die Zeitschrift der deutschen Architekten hat einen neuen, politisch korrekteren Namen erhalten:

Als der deutsche Architektenverband (BDA) im Jahr 1952 ein eigenes Periodikum gründete, wurde es ganz selbstverständlich "der architekt" genannt. Die Kleinschreibung des Titels knüpfte deutlich an die (Bauhaus)-Moderne an. Und im bestimmten Artikel vor der Berufsbezeichnung war das generische Maskulinum sicherlich höchstens mitgemeint, denn "der Architekt" war in der Nachkriegszeit ganz gewiss ein Mann mit Hut, Krawatte und Anzug. Die schwarzen Rollkragenpullover kamen später. Frauen noch viel später.

Jetzt hat sich das Blatt umbenannt und heißt "Die Architekt". Das klingt erst mal sympathisch dadaistisch und so schief wie ein Tatlin-Turm. Ist aber völlig humorlos gegenwärtig. Der alte Titel habe "vermehrt Anlass zu Diskussionen in der Redaktion sowie in den Gremien des BDA und der Fachöffentlichkeit" gegeben. "Angesichts eines Berufsstands, in dem seit vielen Jahren mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen sind, erschien er zunehmend unzeitgemäß."




3. Der Sozialistischen Jugend Österreich zufolge ist schätzungsweise jede fünfte Frau von Periodenarmut betroffen. "Wir fordern daher kostenlose Tampons & Binden an allen öffentlichen Orten, um den Frauen* ein entlastendes 'Geschenk' zu geben, dass sie auch wirklich verdienen!"

Der Tweet erhält, freundlich formuliert, nicht nur zustimmende Reaktionen. In einer Antwort etwa heißt es:

Ihr lenkt damit von der krassen Spaltung zwischen Arm und Reich (die Männer ebenso wie Frauen betrifft) ab – und das wegen ein paar Euros im Monat. Die politische Linke verliert mit ihrem Feminismus ohnehin sehr viele männliche Wähler aus der Unterschicht, mich eingeschlossen.




4. Die Post. Einer meiner Schweizer Leser schreibt mir zu diesem Artikel.

2021 wurden knapp 23.000 "stellungspflichtige" Männer zum CH-Militärdienst eingezogen. Gleichzeitig kamen knapp 670 Frauen freiwillig zum Militär. Die Frauenquote lag also bei ca. 3%, wobei 100% sich freiwillig dafür entschieden haben. Wo sind die Linken die mindestens 50% Frauenanteil fordern?




Montag, Februar 21, 2022

Student geht juristisch gegen Zwang zum Gendern vor – News vom 21. Februar 2022

1.
An der Universität sind Studentinnen und Studenten verpflichtet, in ihren Arbeiten zu gendern. Richtlinien und ein Leitfaden geben entsprechende Regeln vor, obwohl diese nicht der amtlichen Rechtschreibung entsprechen – bei Nichtbeachtung droht Punktabzug. Dies will der Student der Transkulturellen Kommunikation am Zentrum für Translationswissenschaft (ZTW) der Universität Wien nicht hinnehmen. "Es ist nicht Aufgabe der Universität, durch eine bestimmte Sprachgestaltung in Studienleistungen zu einer 'Veränderung der Welt' beizutragen, wie es in der Leitlinie formuliert ist", sagt sein Anwalt, Dr. Gerald Ganzger von der Kanzlei Lansky, Ganzger, Goeth, Frankl und Partner in Wien. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) unterstützt den jetzt der Universität zugestellten Feststellungsantrag.

In den Leitlinen des Studiengangs wird das Gendern vorgegeben, um eine "gesellschaftliche Veränderung" und eine "Beeinflussung von feststehenden Normen und Machtverhältnissen" zu erreichen. "Der Studiengang soll junge Menschen befähigen, Texte zu übersetzen – frei von Ideologie und politischen Absichten", stellt Ganzger klar, "einen Studenten dazu zu zwingen, eine Meta-Ebene zu öffnen und den Inhalt eines Textes weltanschaulich zu verändern, überschreitet die Kompetenzen der Dozenten." Das Gendern sei wirklichkeitsfremd, zumal die Uni selbst in anderen Veröffentlichungen selbst Begriffe wie "Kläger", "Berufungsgegner", "Richter" nutzt und damit akzeptiert, dass das generische Maskulinum alle Menschen unabhängig vom Geschlecht anspricht, eine Diskriminierung findet durch den korrekten Gebrauch von Sprache nicht statt. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Studenten ohne gesetzliche Grundlage eine politisierte Sprache nutzen müssen, um keine negativen Studienauswirkungen befürchten zu müssen. Woanders würde man sowas 'Erpressung' nennen", so Ganzger, "das eigenmächtige Diktat durch die Prüfer ist schlichtweg nicht akzeptabel."


Hier geht es weiter.



2. In der Debatte um eine "geschlechtergerechte Sprache" thematisiert Meinhard Creydt auf Telepolis einen bislang übersehenen Aspekt: die Dominanz des weiblichen Artikels. Ähnlich wie "feministische Sprachwissenschaftlerinnen" in das generische Maskulinum als angeblichen Ausdruck von Sexismus verbissen haben, beschäftigt sich Creydt mit diesem blinden Fleck:

Wer sich für geschlechtergerechte Sprache interessiert, wird fragen: Welches Geschlecht herrscht vor, wenn die Sprache auf das zu sprechen kommt, was für uns Menschen zentral ist?

Fangen wir an mit der unbestreitbaren Bedingung alles irdischen Lebens. Ist es bloßer Zufall, dass uns, wenn wir darüber reden, zuerst die Sonne einfällt und dass der andere sichtbare, aber für uns minder lebensnotwendige, ja im Vergleich zur Sonne geradezu als Aschenputtel firmierende Himmelskörper den männlichen Artikel zugeteilt bekommt?

So etwas kann ja mal passieren, denken wir. Das Wohl und Wehe der Menschen hängt schließlich nicht nur von den Himmelskörpern ab. Richten wir also unsere Aufmerksamkeit auf etwas Prosaischeres: Ohne die (!) Arbeit können Menschen nicht existieren. Erstaunlicherweise begegnet uns auch hier der weibliche Artikel. Die Wirtschaft, die Ökonomie und die Firma sind die Bereiche der Arbeit und Reproduktion.

Die (!) Konjunktur dieser mit weiblichem Geschlechtswort versehenen Wesen erweist sich als entscheidend für die (!) Einkommenssituation der Menschen. Ihre Gesamtheit müssen wir, ob wir wollen oder nicht, wieder mit einem weiblichen Artikel versehen: die Bevölkerung.

Dafür, dass menschliche Lebewesen bewusste und gesittete Subjekte werden können, dafür sind bestimmte Einrichtungen unabdingbar. Gespannt fragen wir uns, welches Geschlecht unsere Sprache ihnen gibt. Es handelt sich um die (!) Erziehung und die Schule. Damit hört die (!) Sozialisation und die Bildung aber nicht auf. Was folgt auf die Schule? Richtig: Die (!) Hochschule oder die Universität.

Und was vermitteln diese Einrichtungen? Die (!) Wissenschaft und die Kultur. Wie entsteht sie? Durch die (!) Forschung, durch die Erkenntnisarbeit und die Theorie. Was für eine auffällige Häufung des weiblichen Artikels bei den Stationen, die die Menschen durchlaufen, wenn sie sich zu kultivierten Wesen entwickeln.


Creydt breitet seine Beobachtungen weiter aus, um dann seinen Punkt zu machen:

Die Debatte hat sich verengt auf das sogenannte generische Maskulinum. Mit ihm wird bspw. von dem Schüler, dem Lehrer, dem Autor gesprochen, auch wenn Frauen und alle anderen Geschlechter gemeint sind. Die Konzentration bis Fixierung auf dieses Problem verengt bislang die Aufmerksamkeit für geschlechtergerechte Sprache massiv.

Anne Wzorek schreibt:

"Unsere Welt besteht nun einmal nicht nur aus Männern, warum sollten wir sie also ausschließlich in männlicher Form denken?"

Die Autorin reduziert personalistisch die Welt auf Personen. Dass zentrale Elemente der Natur, der Dingwelt sowie der Gesellschaft – wie gezeigt – weibliche Artikel tragen, dieses Thema kommt in der Auseinandersetzung um geschlechtergerechte Sprache nicht vor. Viele nehmen Anstoß daran, dass Sprache ein Machtkonstrukt sei.

Neben dem generischen Maskulinum wird als Beleg genannt, dass die Sprache die fluide Geschlechtlichkeit der vielfältigen Geschlechter nicht zu artikulieren vermöge. (Auch wenn Lann Hornscheidt sich als genderfrei versteht und die Pronominaform -ens nutzt. Also nicht Professorin oder Professor, sondern: Professorens!)

Wie aber verträgt sich das Dogma "Die Diagnose vom Deutschen als Männersprache hat allen Versuchen widerstanden, sie zu bestreiten" (Anatol Stefanowitsch) – was für Dogmen nichts Ungewöhnliches ist – mit der skizzierten Ausbreitung des weiblichen Artikels?

(…) Ein A und O der Welt- und Selbstsicht besteht in der Diskriminierung des Männlichen in der Bezeichnung der Zentralobjekte unseres Seins. (...) Nichts Geringeres als ein Paradigmenwechsel steht an. Alles hängt nun davon ab, die Wahl des Geschlechts in Bezug auf diejenigen Objekte, die für Menschen wesentlich sind – von "die Sonne" bis zu "die Dusche" – ernstzunehmen. Hier sitzt der Ausgangspunkt für die grundstürzende Revision der verengten Debatte. Nur wenige nehmen das bislang wahr und viele wollen es (noch) nicht wahrhaben.

Die entscheidende Wende lässt sich aber nicht mehr aufhalten. Die Transformation wird weit mehr als die Auseinandersetzung um die geschlechtergerechte Sprache umwälzen. Sind erst die Vorstellungen revolutioniert, hält die Wirklichkeit nicht stand.


Ich bin mir nicht sicher, ob Creydt es ernst meint oder die Verstiegenheiten der "feministischen Sprachwissenschaft" mit seinem Text karikieren möchte.



3. In der Ukraine herrscht die gewohnte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern:

Denis Puschilin, Chef der prorussischen Separatistenregierung in der Region Donezk, gab am Samstag eine Erklärung ab, in der er eine vollständige Mobilisierung der Truppen ankündigte und die Reservisten aufforderte, sich bei den Einberufungsstellen zu melden.

Eine ähnliche Ankündigung folgte kurz darauf von Leonid Pasechnik, dem Separatistenführer in der Region Luhansk.

Puschilin sprach von einer "unmittelbaren Bedrohung durch die ukrainischen Streitkräfte", was von ukrainischer Seite zuvor vehement bestritten wurde.

Er sagte: "Ich appelliere an alle Männer in der Republik, die Waffen in der Hand halten können, ihre Familien, ihre Kinder, Ehefrauen und Mütter zu verteidigen. Gemeinsam werden wir den ersehnten Sieg erringen, den wir alle brauchen.

Die Ankündigung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als eine Massenevakuierung von Frauen, Kindern und älteren Menschen aus den von den Rebellen kontrollierten Gebieten in den Regionen Donezk und Luhansk ins benachbarte Russland begann.


Während Männer also wie gewohnt Frauen schützen und verteidigen, fabuliert die Berliner "taz":

Die demonstrierte Macht der Panzer mit ihren phallischen Kanonenrohren und der Kampfflugzeuge mit ihren geschürzten Schnauzen wirkt obszön. Sie richten sie auf die Ukraine; Ukrayina. In Sprachen mit grammatischem Geschlecht ist die Ukraine weiblich. Die Ukraine also – aber selbst wenn das Land die Frau ist, ist dies kein Freibrief, sie mit Gewalt zur Vereinigung zu zwingen: "Nein heißt Nein." Auch im Tierreich wird vergewaltigt. (…) Delfine, Fledermäuse, Stockenten sind auf Gang-Bang aus.

(…) Baerbock ist kaum im Amt, schon ist sie mit einem brandgefährlichen Konflikt konfrontiert, in dem Männer ihre geschwollenen Kämme zeigen. Was macht sie? Sie deutet, wenngleich in einem anderen Krisengebiet, dem in Nahen Osten, mit dem Finger auf Zusammenhänge, die im Kriegsdiskurs so nicht vorkommen. Und sie redet. Redet, wie andere auch, mit allen am Konflikt Beteiligten. Denn der Faden darf nicht abreißen. Konfliktlösung hat viel mit Gespräch zu tun und nicht damit, zur Waffe zu greifen. Scheherazade hat es vorgemacht, als sie redete, bis der Aggressor, ihr eigener Mann, davon abließ, sie umzubringen.


In den Kommentaren unter dem Artikel zeigt sich, dass etliche Leser sich dem bunten Mix aus Geopolitik, Tierreich und arabischen Märchen ebenso wenig anschließen möchten wie dem sexistischen Weltbild der Autorin – und der stupiden Vereinfachung eines komplexen Konfliktes auf "männliche Kanonenrohre vergewaltigen die weibliche Ukraine".



4. Die WAZ titelt "Familienrollen im Corona-Wandel: Neue Väter hat das Land". Nachdem Feministinnen wie vor allem Jutta Allmendinger getönt hatten, die Pandemie habe "Rollenverteilung und Gleichstellung" um 30 Jahre zurückgeworfen – "dreißig Jahre" betonte Will die absurde Propaganda eigens noch einmal auf Twitter – erfahren wir nun mal wieder, das alles ganz anders ist:

Dank Homeoffice und flexibler Arbeitszeitmodelle sowie kurzfristiger und kreativer Vereinbarkeitspolitik von Unternehmen konnte ein Teil der Väter während Corona erstmals ein partnerschaftliches Familienmodell im Alltag ausprobieren.

Zwar haben Mütter nach wie vor den größten Anteil der Care-Arbeit übernommen. Allerdings ist der Sorgeanteil der Väter innerhalb des Jahres deutlich gestiegen: 2019 übernahmen Väter durchschnittlich nur 2,8 Stunden der täglichen Sorgearbeit, Mütter hingegen 6,7 Stunden. Im Frühling 2020 kletterte die Zahl bei den Vätern auf 5,3 Stunden und auf 9,6 Stunden bei den Müttern.


Übrigens schließt sich auch Frauenministerin Anne Spiegel den Alarmismus von Jutta Allmendinger und Anne Will nicht an:

"So schnell hat Corona die Gleichberechtigung nicht zurückgedreht. Viele Väter, die sich in der Pandemie stärker für die Familie engagiert haben, wollen das auch in Zukunft beibehalten", sagte die Grünen-Politikerin, selbst Mutter von vier Kindern im Kita- und Grundschulalter, der "Bild am Sonntag".

(…) Spiegel plädierte für eine differenzierte Betrachtung: „Ganz klar: Mütter waren und sind in der Krise sehr stark belastet“, sagte sie. "Aber eine Reihe von Untersuchungen zeigen uns, dass sich auch die Väter im Lockdown, als Schulen und Kitas geschlossen waren, sehr stark engagiert haben."


In dem Artikel aus der WAZ heißt es weiter:

Der Väterreport spiegelt die deutsche Wirklichkeit wider: 55 Prozent der Väter versichern, dass sie etwa die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen möchten. Wunsch und Wirklichkeit stimmen aber noch längst nicht überein: nur 17 Prozent der Eltern übernehmen etwa gleiche Anteile. Dennoch sieht Vaterkurs-Leiter Althoff, der ursprünglich aus dem Führungskräfte-Coaching kommt, gute Anzeichen dafür, dass sich das ändern könnte: "Familienfreundliche Maßnahmen haben laut Väterreport in mehr als jedem zweiten Unternehmen mittlerweile einen höheren Stellenwert als vor Covid-19."

(…) Laut der Trendstudie "Zukunft Vereinbarkeit" des Väternetzwerks "Conpadres" und des Marktforschungsinstituts Forsa sind die "neuen Väter" auf einem guten Weg: 37 Prozent der Männer in Deutschland nehmen sich den eigenen Freundes- und Bekanntenkreis zum Vorbild zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Um diesen Wert noch zu steigern, rät Althoff: "Schaffen Sie sich Ihr eigenes Väter-Netzwerk – aus Freunden, Verwandten, anderen Vätern aus Kita und Nachbarschaft. Treffen Sie sich regelmäßig und sprechen Sie über Kinder und Familie. Sie werden überrascht sein, wie viel Wertschätzung und hilfreiche Perspektiven Sie bekommen."

Dabei sei es besonders wichtig, sich mit Männern zu umgeben, die positiv und wertschätzend mit Ihnen und den anderen Männern umgehen: "Jede Generation geht einen Schritt in der Veränderung", fasst Nicola Schmidt aus ihrer Sicht die neue Bewegung zusammen, "und wir sind längst auf einem neuen Weg – Vater für Vater."




5. Das Nürnberger Land berichtet in einem Kurz-Artikel über das "Väter-Netzwerk" und den Vorsitzenden des Vereins, André Roßnagel.



6. Die britische Daily Mail berichtet über die Diskriminierung von Männern bei Scheidungsverfahren.

Das Bild vom armen Ehemann, der nach dem Scheitern seiner Ehe von einer glücklichen Ex-Frau schlecht behandelt wird, mag wie ein sexistisches Klischee erscheinen.

Doch in den meisten Scheidungsfällen kommen die Männer tatsächlich am schlechtesten weg - und zwar nach Meinung der Frauen, von denen sie sich trennen.

Zwei Drittel der Ehefrauen glauben, dass die Männer den Kürzeren ziehen, wenn es um den Umgang mit den Kindern geht.

Weniger überraschend ist, dass fast 90 Prozent der geschiedenen Männer der gleichen Meinung waren.

Dies ergab eine im Auftrag der Anwaltskanzlei Vardags durchgeführte Umfrage unter 2.000 geschiedenen Personen.

(…) Die Gründerin der Kanzlei, Ayesha Vardag, die als "Diva der Scheidung" bezeichnet wird, weil sie eine Reihe wohlhabender Mandanten vertritt, sagte, sie glaube, dass "Männer im Allgemeinen eine ziemlich negative Sicht auf eine Scheidung entwickeln", weil sie oft nichts falsch gemacht hätten, was zur Trennung geführt habe. "Ich kann mir vorstellen, dass sich von einem geschiedenen Mann zum anderen herumspricht, dass die Scheidung letztlich ein Spiel der Frauen ist und die Chancen gegen sie stehen."

Die Männer spielen dabei nur eine Rolle: den archetypischen Antagonisten. Die hemmungslose und lustgetriebene Liebesratte, die zwischen ihren Affären, Saufgelagen und ihrem anspruchsvollen Arbeitspensum nur einen kurzen Blick auf ihre Kinder wirft.

Und weil das so ist, bekommen die Frauen nicht nur den Großteil des Vermögens, sondern auch das Sorgerecht für die Kinder.




Sonntag, Februar 20, 2022

Studie: Wie Persönlichkeitsmerkmale die Gehaltslücke erklären – News vom 20. Februar 2022

1. Das IAB-Forum, das Magazin für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, berichtet über neue Forschungserkenntnisse:

Darüber, dass Männer im Schnitt deutlich mehr verdienen als Frauen, wird schon seit Jahren heftig debattiert. In praktisch allen Staaten bringen berufstätige Frauen im Durchschnitt weniger Geld nach Hause als Männer. Die Gründe hierfür sind vielfältig: So wählen Frauen und Männer unterschiedliche Berufe und treffen unterschiedliche Bildungsentscheidungen. Zudem verlaufen die Karrieren von Männern und Frauen auch innerhalb derselben Berufe unterschiedlich. Insbesondere die Erziehung von Kindern trägt zum Lohnrückstand bei, da Frauen diese Aufgabe im Allgemeinen häufiger übernehmen.

Doch selbst wenn man all diese Faktoren herausrechnet und nur Männer und Frauen mit den gleichen Berufen, in den gleichen Branchen, mit der gleichen Bildung und der gleichen Arbeitsmarkterfahrung vergleicht, bleibt immer noch eine Lohnlücke von etwa 10 Prozent. Es muss also noch andere Gründe für die Lohnlücke geben. Neben einer – möglicherweise unbewussten – Diskriminierung von Frauen könnten weitere Unterschiede zwischen den Geschlechtern eine Rolle spielen, die bislang in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion noch nicht hinreichend berücksichtigt wurden.

Ein relativ junger Erklärungsansatz sind unterschiedliche Persönlichkeitseigenschaften von Frauen und Männern. Die Forschung, insbesondere aus der Psychologie, hat gezeigt, dass sich Frauen und Männer in ihren Persönlichkeitsmerkmalen tendenziell unterscheiden. So sind Frauen risiko- und konfliktscheuer als Männer. Die ökonomische Forschung, zum Beispiel eine Studie von Guido Heineck und Silke Anger aus dem Jahr 2010, zeigt zudem, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Persönlichkeitseigenschaften und der Höhe der Löhne gibt. Vor dem Hintergrund dieser beiden Forschungsstränge wäre also denkbar, dass Persönlichkeitsmerkmale zumindest einen Teil der Lohnlücke zwischen den beiden Geschlechtern erklären.

(…) Um die möglichen Wirkungsmechanismen empirisch zu untersuchen, nutzt die Studie Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), das seit 1984 jährlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erhoben wird. In einigen Wellen enthält die Befragung Fragenblöcke zu Persönlichkeitseigenschaften, konkret zu den "Big Five" (Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Offenheit), der Kontrollüberzeugung, der Reziprozität und der Risikoaversion (siehe Infokasten "Persönlichkeitseigenschaften im Sozio-oekonomischen Panel").

Deskriptive Auswertungen dieser Daten zeigen, dass sich erwerbstätige Männer und Frauen bei fast allen Maßen unterscheiden (…). Demnach sind Männer im Durchschnitt deutlich risikobereiter als Frauen. Zugleich weisen Männer geringere Werte bei Verträglichkeit und Neurotizismus auf. Letzteres bedeutet, dass sie sich weniger Sorgen machen und weniger schnell nervös werden. Frauen hingegen zeigen mehr Offenheit für neue Erfahrungen, höhere Werte bei der Extraversion sowie eine im Durschnitt höhere Gewissenhaftigkeit. Insgesamt zeigen sich also deutliche Geschlechterunterschiede, die sich im Lohnniveau niederschlagen könnten.

(…) Persönlichkeitseigenschaften können einen Teil der Geschlechterlohnlücke erklären. Insbesondere ihr Einfluss auf das Ergebnis individueller Gehaltsverhandlungen dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn der Teil der Lohnlücke, der mit Persönlichkeitseigenschaften erklärt werden kann, steigt mit der Lohnhöhe. Dies wiederum dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass individuelle Gehaltsverhandlungen bei Besserverdienern häufiger vorkommen als bei Geringverdienern. Die Studie findet hingegen kaum Hinweise darauf, dass Frauen und Männer für die gleichen Eigenschaften unterschiedlich entlohnt werden.




2. Junge Menschen lehnen das Gendern überwiegend ab. Nur elf Prozent sind dafür, es überall und konsequent durchzusetzen.



3. Im Bayrischrn Rundfunk gab es gestern ein Feature zum "Alptraum Eltern-Kind-Enfremdung", das man sich hier noch anhören kann.



Samstag, Februar 19, 2022

Österreich: Stellenausschreibung Uni diskriminiert schwule Männer – News vom 19. Februar 2022

1.
Die Ausschreibung eines Postens im Referat für Genderfragen der ÖH Uni Salzburg sorgt für Aufregung: Der ÖH-Vorsitzenden Laura Reppmann (Gras) wird vorgeworfen, queere Männer in der Ausschreibung zu benachteiligen. Denn FLINT-Personen mit gleicher Qualifikation sollten laut der Stellenausschreibung bei der Besetzung des Postens bevorzugt werden. Laut Maximilian Veichtlbauer von der Aktionsgemeinschaft (AG) würden dadurch "Männer, insbesondere solche, die einer sexuellen Minderheit angehören, diskriminiert". Der Beschwerde von Veichtlbauer gegen Reppmann wurde vom Bildungsministerium stattgegeben – jedoch nicht wegen einer möglichen Diskriminierung von homosexuellen Männern. Die Satzung der Hochschüler_innenschaft der Universität Salzburg sehe lediglich eine Förderung von Frauen vor – nicht aber von FLINT-Personen.


Hier geht es weiter.



2.
Junge Männer müssen in der Schweiz Militärdienst machen. Arbeitsnehmende haben wenig Verständnis dafür: Lehrabgänger, die vor der Rekrutenschule stehen, bekommen oft keine Stelle.


Die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet.



3. Die Schweizer "Weltwoche" schlagzeilt: " Genf leistet sich einen feministischen Witz: Frauen sollen an der Badi-Kasse, in Bibliotheken und Museen 20 Prozent weniger Eintritt bezahlen. Sogar Sozis schütteln den Kopf".



4. Schottland diskutiert über Zugabteile nur für Frauen. "Selbst wenn es nur einer Handvoll Frauen hilft, sich sicherer in Zügen zu fühlen, ist es das wert", befindet die Aktivistin Kelly Given.



Freitag, Februar 18, 2022

Maskuzid in Berlin: Vater kämpfte um seine Kinder – und wurde möglicherweise deshalb ermordet – News vom 18. Februar 2022

1.
Ein 39 Jahre alter Mann soll im vergangenen November in Berlin im Streit um das Sorgerecht für seine Kinder getötet worden sein – von der Familie seiner verstorbenen Frau. Gegen zwei Männer im Alter von 31 und 38 Jahren werde wegen Mordes ermittelt, gegen eine 24 Jahre alte Frau wegen der Beihilfe zum Mord, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin mit.

Die Frau sei im Januar in Aachen festgenommen worden. Nun seien auch die Haftbefehle gegen die beiden mutmaßlichen Haupttäter erlassen worden. Den Angaben zufolge sitzen die Männer in Aachen und Köln bereits wegen eines Raubüberfalls, der nichts mit dem Tod des 39-Jährigen zu tun hat, in Untersuchungshaft.


Hier geht es weiter.



2. Bei der "Zeit" ist man unglücklich darüber, dass die Ukraine-Krise Außenministerin Baerbock dabei stört, sich um ihr vorrangiges Ziel zu kümmern: feministische Außenpolitik. Immerhin, so erfährt man aus dem Artikel, kann sich Baerbock wo immer möglich Zeit dafür abzwacken – so etwa kürzlich bei ihrem Besuch in Spanien:

Bei ihrem Antrittsbesuch in Spanien sollte es um feministische Außenpolitik gehen und um Klimaschutz, zwei Themen, die der Außenministerin am Herzen liegen. (…) Baerbock trifft nun also die Staatsanwältin dieser Kammer für Gewalt gegen Frauen, Teresa Peramato Martín, und lässt sich erklären, was Spanien beim Schutz und bei der Gleichstellung der weiblichen Bevölkerung besser macht als Deutschland. Sie hört, dass hier im Verhältnis zur Bevölkerung weniger Frauen durch geschlechtsbezogene Gewalt ihr Leben verlieren als in Deutschland. 44 Frauen waren es 2021 in Spanien, 139 im Jahr zuvor in Deutschland; aktuellere Zahlen für Deutschland gibt es bislang nicht. Baerbock erfährt zudem, dass in Spanien schon bei der Ausbildung von Polizisten oder Richterinnen darauf geachtet wird, dass diese einen sensiblen Umgang mit Opfern geschlechtsbezogener Gewalt lernen. Frauen sollen sich ermutigt fühlen, Anzeige zu erstatten, wenn sie sich etwa von ihrem Partner oder Ex-Partner bedroht fühlen. Es gibt eine Notfallnummer, die sie wählen können, die 016. In Deutschland gibt es eine solche Nummer auch, aber sie ist lang und kompliziert.


In Spanien wird also einiges für Opfer häuslicher Gewalt getan – solange diese Opfer weiblich sind.



3. Die SPD-Bundestagsfraktion twittert:

"Ich werde eine feministische #Entwicklungspolitik vorantreiben", kündigt @SvenjaSchulze68 im #Bundestag an. "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden!"


Die Kommentare vieler Leser dieses Tweets sind deutlich. Für eine Unterstützerin der CDU ist dieser Tweet beispielsweise eine Steilvorlage für ihre Antwort:

Svenja Schulze, Sie tun mir so leid, haben Männer Sie immer ignoriert und/oder schlecht behandelt?

Kann über 45 Jahre, mit überwiegend männlichen Kollegen, nur das Beste berichten.

MÄNNER SIND TOLL, naja in der neuzeitlichen SPD nicht so, aber sonst.


Noch stärker unter Beschuss gerät die SPD wegen eines ähnlich dämlichen Tweets.

Das Thema wird auch bei Christian Schmidt behandelt: Die SPD kann ihre Männerfeindlichkeit nicht lassen.



4. Bislang habe ich meine männerpolitischen Bücher regelmäßig veröffentlicht, ohne sie vorher anzukündogen. Erst am Erscheinungstag habe ich euch alle hier auf Genderama darüber informiert. Bei meinem aktuell geplanten Projekt möchte ich das einmal anders machen und euch an seiner Entwicklung von Anfang an und Schritt für Schritt teilhaben lassen.

Das Buch wird voraussichtlich den Titel "Sexuelle Gewalt gegen Männer" haben, ein Thema, zu dem es noch nicht viel Literatur gibt. (Eine der wenigen Ausnahmen ist diese hier.) Es kann sein, dass ich den Titel noch zu "Sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer" erweitere. Damit wäre dieses Buch nach "Rettet unsere Söhne" (über die Benachteiligung von Jungen) und "Feindbild weiße Männer" (über sexistischen Hass) eine meiner Veröffentlichungen, die sich einem speziellen Thema widmet, statt um Männeranliegen und -diskriminierungen insgesamt.

In den letzten Wochen habe ich eine Sichtung vorgenommen, ob ich überhaupt genug Material für ein komplettes Buch vorliegen habe. In dieser Hinsicht war ich anfangs skeptisch. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass ich so viel Material habe, dass daraus gut und gerne ein wieder ein 400-Seiten-Wälzer entstehen kann, obwohl ich versuchen werde, das Buch nicht zu dick werden zu lassen. Ich möchte mich aber auch damit beschäftigen, warum dieses Thema, obwohl inzwischen klare Studien zur Häufigkeit dieses Phänomens vorliegen, in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt, und Fürsprecher der Opfer stattdessen endlos angefeindet werden. Außerdem soll das Buch eine Reihe von Interviews enthalten.

Momentan bin ich dabei. Struktur in das Material zu bringen, das ich verwenden möchte. Danach beginne ich mit dem Schreiben. Normalerweise benötige ich für ein Buch mit dem geplanten Umfang drei bis vier Monate; in diesem Fall gehe ich von einem halben Jahr aus. Erstens wird täglich ein Teil meiner Zeit durch Genderama und letzte Hand bei bisherigen Buchprojekten in Anspruch genommen. Zweitens möchte ich nach dem "Freedom Day" zum Ende vieler Corona-Maßnahmen viel Zeit zum Auffrischen von sozialen Kontakten nutzen, um psychisch neue Kräfte aufzubauen.

(Die britische Hochschullehrerin und Bestseller-Autorin Noreena Hertz schreibt hierzu übrigens Folgendes:

"Bei einer 2010 durchgeführten Studie mit Teilnehmern, die eine durch äußere Umstände ausgelöste Phase der Einsamkeit erlebt hatten, etwa durch den Tod des Partners oder den Umzug in eine neue Stadt, zeigte sich eine verringerte Lebenserwartung der Probanden, obwohl deren Einsamkeit zeitlich begrenzt gewesen war (in diesem Fall auf zwei Jahre). Angesichts der längeren Zwangsisolation, wie sie die meisten von uns 2020 erlebt hatten, sind dies besonders beunruhigende Ergebnisse. (…) Selbst kurze Phasen der Isolation, wie wir sie während der Coronaviruspandemie erlebt haben, können sich spürbar auf unsere geistige Gesundheit auswirken. Der Effekt kann sich manchmal noch Jahre später zeigen. So haben Forscher festgestellt, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen in Peking, die während der SARS-Pandemie 2003 unter Quarantäne gestellt wurden, drei Jahre später mit größerer Wahrscheinlichkeit an schweren Depressionen litten, obwohl die übliche Quarantänedauer bei SARS weniger als einen Monat, oft sogar weniger als zwei Wochen betrug. Andere Studien, ebenfalls unter Krankenhauspersonal in Peking, zeigen drei Jahre nach der SARS-Pandemie, dass die unter Quarantäne gestellten Mitarbeiter eher alkoholabhängig waren, wobei ein großer Anteil immer noch unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung litt, die mit Symptomen wie Hypervigilanz (erhöhter Wachsamkeit), Albträumen und Flashbacks einherging."

Natürlich konnte all dies in den letzten Jahren kaum diskutiert werden, weil in den Talkshows vor lauter Virologen und Modellierer kaum Platz mehr für Psychologen war, die über die seelischen Belastungen nicht allein von Kindern und Senioren, sondern der Bevölkerung insgesamt durch die Corona-Maßnahmen sprechen durften.)

Da ich das Risiko anhaltender seelischer Beinträchtigungen gerne senken möchte, werde ich in den nächsten Monaten meine Arbeit zurückfahren und mich stattdessen stärker meinen sozialen Kontakte widmen. (Das würde ich auch jedem anderen raten, der während der Pandemie länger als die obern erwähnten zwei Wochen bis einen Monat isoliert leben musste.) Genderama wird natürlich regulär weiterlaufen; dafür haben viele von euch mit ihren Spenden gesorgt. Die Produktion neuer Bücher allerdings dauert aus den geschilderten Gründen ein wenig länger als gewohnt. Über die weiteren Entwicklungen speziell bei diesem Buchprojekt werde ich euch auf dem Laufenden halten.



Donnerstag, Februar 17, 2022

Feministische Kulturkritikerin klagt: "Weiße Männer sind zu einer massiven Zielscheibe geworden"

Anfang Februar hat die bekannte Kulturkritikerin und Philosophin Nina Power, die wegen früherer Veröffentlichungen als Feministin verortet wird, das Buch What Do Men Want? veröffentlicht. Der Deutschlandfunk hat sie dazu unter der Überschrift "Weiße Männer sind zu einer massiven Zielscheibe geworden" interviewt, lenkt aber vom Thema "Männer" zügig auf das Thema "digitale Gesprächskultur" ab, so als ob die traditionellen Medien keinen Anteil an dem Hass hätten, der auf Männer niedergeht.

Im Magazin des Zentrums für Männerpsychologie hat Louise Liddon, Mitbegründerin dieses Zentrums, Nina Powers Buch angemessener besprochen. Ich habe diese Rezension für Genderama ins Deutsche übersetzt.



Nina Power ist Philosophin, Kulturkritikerin, Gesellschaftstheoretikerin und Schriftstellerin. In ihrem Buch "One-Dimensional Woman" (2009) ging sie der Frage nach: "Wo sind all die interessanten Frauen geblieben?" Jetzt hat sich Power mit ihrem brandneuen Buch "What Do Men Want? Masculinity and Its Discontents" ihr Interesse Männern zugewandt. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels war die zweite Amazon-Rezension ein vernichtender Angriff einer nicht verifizierten Käuferin namens "Pumpkinhead", die ihre Rezension mit "Womansplaining" betitelt und bellt "Eine Frau, die Männern sagt, wie sie Männer sein sollen. Bleibt in eurer Spur, bitte." [Die Rezension wurde inzwischen offenbar von Amazon gelöscht. -A.H.]

Wie "Pumpkinhead" könnte man sich fragen: Wer ist diese Nina Power? Und wer ist sie, dass sie darüber spricht, was Männer wollen und uns sagt, was mit deren Männlichkeit los ist? Nun, in ihrem neuen Buch sagt Power, dass wir uns nicht vor solchen Fragen scheuen, sondern sie diskutieren sollten. Sie erinnert uns daran, dass "Männer lange Zeit darüber spekuliert haben, was Frauen wollen, und das 'Mysterium' von Frauen und Weiblichkeit sowohl beklagt als auch gefeiert haben".

Aber die Gründe, warum sie dieses Buch geschrieben hat, sind tiefer und komplexer als das. Sie schrieb: "Zum Teil, weil ich persönlich und politisch über die durch Medien und Technologie geschaffene Spaltung zwischen Männern und Frauen in meinem eigenen Leben beunruhigt bin. Zum Teil, weil ich das Gefühl habe, dass das Leben von Männern und Frauen von den Medien, die gerne pauschale Behauptungen aufstellen, auf Verallgemeinerungen reduziert wurde: Ich glaube, dass diese Behauptungen nicht im Geringsten mit der komplexen Realität unseres Lebens übereinstimmen." Auf ihrer Website fügt Power hinzu: "Es ist unter anderem ein Versuch, sowohl den männlichen Groll als auch die weibliche Wut (und umgekehrt) zu verstehen".

Ich persönlich schätze den Beitrag von Power zu dieser Diskussion sehr. Man könnte argumentieren, dass sie vieles von dem erfasst, was auf der Hand liegt, aber ich würde behaupten, dass es vielen Menschen heute schwer fällt, diese Themen zu erkennen, geschweige denn zu artikulieren, ganz gleich, wie offensichtlich sie erscheinen oder wie oft sie mit ihnen in Berührung gekommen sind. Dies macht die Analyse von Power umso wertvoller. Im Folgenden werden einige ihrer scharfsinnigen Einsichten über Männer und Frauen, toxische Maskulinität, Incels, Patriarchat, westliche Kultur und das Narrativ "Männer sind schlecht" beleuchtet.

- Über Männer und Frauen –

Während so viele Diskussionen über Geschlechtsunterschiede negativ besetzt sind, erinnert uns Power an unsere gemeinsame Menschlichkeit:

"Männer und Frauen existieren. Gelegentlich mögen wir uns sogar gegenseitig. Wir existieren aufgrund dieser beiden einfachen Wahrheiten. Wir alle verdanken unser Leben der Tatsache, dass es - zumindest manchmal - möglich ist, dass Männer und Frauen miteinander auskommen. Das gesamte menschliche Leben beruht auf der Realität von Männern und Frauen und den Unterschieden zwischen ihnen." (Seite 1).

"Es ist nicht unbedingt sexistisch oder essentialistisch zu sagen, dass Männer und Frauen auf interessante und kompatible Weise unterschiedlich sind. Gemeinsam zivilisieren wir uns gegenseitig. Wir zügeln gegenseitig unsere schlimmsten Auswüchse. Der anmutige Tanz von Männern und Frauen, unabhängig von ihrer Sexualität, ist der Stoff, aus dem die Kultur ist. Er macht uns zu dem, was wir sind, kollektiv." (Seite 52)

- Toxische Männlichkeit -

Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Vorstellung, Männlichkeit sei toxisch oder könne toxisch sein, weit über ihren Nutzen hinausgeht und, nun ja, toxisch geworden ist. Wie Power es ausdrückt:

"Männer sind heute einer Reihe von widersprüchlichen Anweisungen unterworfen, werden aber gleichzeitig gewarnt, dass ihre Version von Männlichkeit ein Privileg darstellen oder sogar toxisch sein könnte. Wenn man Unabhängigkeit mit Unterstützung fördert, jeden Mann zu einer Insel macht und ihn für alles, was ihm widerfährt, allein verantwortlich macht, schafft man ein ängstliches Wesen, für das jeder Fehltritt, ob sozial oder sexuell, ein Minenfeld ist." (Seite 130)

- Incels –

Das Wort "Incel" bezieht sich auf eine Person (fast immer ein Mann), die sich selbst als unfreiwillig zölibatär betrachtet. Wann immer Incels erwähnt werden, ist es selten, dass sie nicht wie ein schrecklicher Erreger behandelt werden, der aus den tiefsten und dunkelsten Ecken der virtuellen Welt auftaucht, um Verwüstung anzurichten und sich am Rest der Gesellschaft zu rächen, insbesondere an Frauen. Sie sind der neue Bösewicht in der Stadt. Power bringt uns in dieser Angelegenheit auf den Boden der Tatsachen zurück:

"Der Wunsch, geliebt zu werden, ist ein zutiefst menschlicher Wunsch. Wenn diese jungen Männer sich online zusammenfinden, um sich zu bedauern, teilen sie nicht nur ihren Unmut darüber, dass sie keine Liebe finden, sondern schaffen auch eine Gemeinschaft für Außenseiter. Die Gesellschaft liebt es, sich auf ihre 'Verlierer' zu stürzen ..." (Seite 27)

"... ist es besser, die Männer zu verstehen, die wir fürchten, oder ist es besser, sie weiter zu isolieren und auszugrenzen? Eine Gesellschaft, die die Zerrissenheit und das Gewaltpotenzial versteht, kann sie vielleicht nicht vollständig beseitigen, aber sie kann diejenigen, die am Abgrund stehen, besser wieder integrieren, indem sie sie umarmt und ihnen hilft, sich weniger allein zu fühlen." (Seite 27)

- Patriarchat -

Du studierst keine Frauenstudien oder feministische Theorie, wenn du in Dem Patriarchat keinen Feind siehst. Das Lesematerial umfasst in der Regel komplexe Texte wie "Wie das Patriarchat mich dazu brachte, eine Affäre mit meinem reichen, giftigen Chef zu haben" und Teil 2 "Ich wollte es nicht tun, aber das Patriarchat zwang mich". Ok, ich habe mir diese Titel ausgedacht, aber das soll nicht heißen, dass nicht irgendwo da draußen jemand tatsächlich daran gedacht hat, sie zu schreiben, und Sie können sicher sein, dass das "Patriarchat" die ganze Schuld für alles, was passiert ist, auf sich nehmen würde. Power erinnert uns daran, dass wir wirklich ein wenig tiefer denken müssen als das.

"Das Patriarchat ist der Name für etwas oder jemanden, den wir nicht unbedingt ganz verstehen, aber von dem wir wissen, dass wir ihn nicht mögen. Es hat eine faktische Dimension - Statistiken - aber auch eine mythische. Wir können das Patriarchat in der Tat nicht 'zerschlagen' oder 'ficken' oder 'zertrampeln', denn es ist kein Wesen, sondern die Struktur einer bestimmten Art von Wesen, das heißt, wie eine Gesellschaft organisiert ist. Aber von wem organisiert? Wie weitergegeben? Wie und warum haben sich einige - oder viele - Frauen darauf eingelassen?" (Seite 40)

"Mit der Abschaffung des Patriarchats ... haben wir kollektiv auch alle positiven Dimensionen des Patriarchats abgeschafft: den beschützenden Vater, den verantwortungsbewussten Mann, die paternalistische Haltung, die Fürsorge und Mitgefühl zeigt, anstatt einfach nur die Freiheit einzuschränken. Wenn überhaupt, haben wir das Patriarchat in einer ziemlich extremen Weise abgebaut, was zu einer horizontalen, wettbewerbsorientierten Gesellschaft geführt hat, die sehr gut zum Konsumkapitalismus passt. " (Seite 41)

- #KillAllMen –

Dieser grässliche Hashtag taucht auf Twitter häufiger auf, als man erwarten würde. Power verdeutlicht die Doppelmoral, die vielen von uns nicht entgangen ist:

"Wenn eine Frau etwas mit dem Hashtag #KillAllMen auf Twitter postet, könnte man sagen, dass sie damit ein legitimes Gefühl der Kränkung gegenüber bestimmten Männern zum Ausdruck bringt, die sie oder andere Frauen persönlich verletzt oder missbraucht haben könnten. Mit anderen Worten: Sie wettert gegen das "Patriarchat". Wir könnten eine solche Aussage aber auch verabscheuungswürdig finden. Es wäre unwahrscheinlich, dass der Hashtag toleriert würde, wenn das Wort "Männer" durch eine andere Kategorie von Menschen, einschließlich Frauen, ersetzt würde. Selbst wenn es ein allgemeiner Seitenhieb gegen Männer bliebe, ist er dann überhaupt noch vertretbar?" (Seite 55)

- Kultur -

Inwieweit haben wir unsere Kultur geschaffen und inwieweit hat unsere Kultur uns geprägt? Die Einsichten von Power in diese komplexe Wechselwirkung geben uns viel zu denken:

"Wenn wir keine Verantwortung für uns selbst oder andere übernehmen, fordern wir das Recht ein, so kindlich zu bleiben, wie wir es können. In diesem Szenario wird niemand zum Mann oder zur Frau, sondern jeder bleibt ein ewiger Säugling oder Heranwachsender, selbst wenn er selbst Kinder hat. In einer egoistischen und unreifen Kultur hören wir auf, sorgfältig und vernünftig zu denken, und unsere Wünsche drängen sich in den Vordergrund, um durch eine endlose Reihe von Dingen befriedigt zu werden." (Seite 134)

"In Abwesenheit von männlichen Führern oder Mentoren wird ein Raum für andere Arten der Manipulation eröffnet. Nur kommt diese Gehirnwäsche jetzt weniger von einzelnen Männern als vielmehr von gesichtslosen Systemen, deren Regeln und Strafen nicht aus Fürsorge stammen, sondern aus pathologischer Bürokratie und Kontrolle der Massen von oben nach unten." (Seite 142)

"... dieses doppelte Gesetz - Marktwerte und sexuelle Werte, die eine weit verbreitete Spaltung und Ungleichheit schaffen -, das zu einem Großteil der heutigen Ressentiments zwischen den Geschlechtern führt, insbesondere bei heterosexuellen Männern, die nie oder nur selten Beziehungen oder sexuelle Begegnungen mit Frauen haben." (Seite 118)

"Männer und Frauen wurden, wie so oft, im Namen des Profits eines anderen gegeneinander ausgespielt." (Seite 2)

- "Männer sind schlecht" -

Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, warum manche Menschen eine solche Abneigung gegen Männer zu haben scheinen und woher diese kommt. Powers Ansichten über die "Männer sind schlecht"-Brigade werfen wohl einige ihrer grundlegendsten Fragen auf:

"Wenn uns heute gesagt wird, dass 'Männer schlecht sind', sollten wir innehalten und darüber nachdenken - sind sie das wirklich? Wenn sie es sind, sollten wir uns fragen, was sie 'schlecht' gemacht hat und wie wir die Situation ändern können. Wenn unsere Erfahrung uns zu dem Schluss führt, dass dies nicht stimmt, oder zumindest, dass es "schlechte" und "gute" Männer gibt, oder dass jeder Mensch eine Mischung aus gut und schlecht ist und wir alle besser sein können, sollten wir weiter und kritisch fragen: Wer will, dass wir denken, dass Männer schlecht sind? Warum wollen sie, dass wir das denken?" (Seite 132) [Hervorhebung von mir - A.H.]

- Abschließende Bemerkungen -

Allzu oft wird heutzutage in Diskussionen, Debatten und sogar regelrechten Auseinandersetzungen Männlichkeit als schlecht, veraltet und giftig dargestellt. Ich finde, dass das Buch von Power eine Gelegenheit ist, über die Narrative rund um Männer und Männlichkeit nachzudenken. Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren, sollten Sie es lesen, und wenn nicht, sollten Sie es unbedingt lesen.




Nina Powers Buch erntet derzeit große Aufmerksamkeit in der britischen Presse. So wird es unter anderem vom Independent, der Daily Mail, der Telegraph (Bezahlschranke, aber schöne Schlagzeile: "Finally feminists are asking: what do men want?"), die Londoner "Times" (Bezahlschranke) sowie der Spectator. Auch Absätze aus diesem Artikel sind eine Übersetzung wert:



Nina Powers eindringlichem und eher ungewöhnlichem Buch "What Do Men Want?" zufolge befinden wir uns im Westen derzeit in einem Krieg über Sexualität. Und währenddessen wird "ein anderer Krieg geführt. Dieser richtet sich gegen die Männer, und zwar gegen die ganze verdammte Schar von ihnen!" Um diesen "Krieg gegen die Männer" zu untermauern, zitiert Power unter anderem das Buch "Ich hasse Männer" der französischen Schriftstellerin Pauline Harmange, in dem sie Männer als "gewalttätig, egoistisch, faul und feige" verdammt... "Männer schlagen, vergewaltigen und ermorden uns".

Power argumentiert, dass der Angriff auf die Männer zu weit gegangen ist. Der Fehler liege darin, "Menschen als bloße Beispiele für eine negative Kategorie zu behandeln, anstatt sie als komplexe Individuen zu betrachten". Dies kann ihrer Meinung nach gefährlich kontraproduktiv sein. Wenn man Männer auf diese Weise kategorisiert, eröffnet man die Möglichkeit, dass auch andere Typen kategorisiert werden können - Homosexuelle, Trans-Menschen und so weiter - und man ersetzt lediglich eine Art von Ungerechtigkeit durch eine andere.

Was können wir also gegen diesen "Krieg" gegen Männer tun? Wir könnten versuchen, Männer ein wenig besser zu verstehen, schlägt sie vor, indem wir sie fragen, was sie wirklich wollen. Männer müssen gehört werden. Sie aufgrund ihrer vermeintlichen Privilegien von den wichtigsten kulturellen Gesprächen auszuschließen, verstärkt nur die Ressentiments zwischen den Geschlechtern. Vergessen Sie nicht, dass Männer weitaus häufiger durch Selbstmord sterben als Frauen. Denker wie der Akademiker und Selbsthilfeschriftsteller Jordan Peterson haben sich eingeschaltet, um diese ausgegrenzten Männer zu trösten.

Power schließt mit dem Argument, dass das Ziel ihres Buches darin besteht, "eine allgemeine Versöhnung zwischen Männern und Frauen" zu fördern, obwohl sie einräumt, dass dies "naiv, wenn nicht sogar schlichtweg unmöglich" ist. Doch diese Absichtserklärung hat - ähnlich wie die allgemeine Atmosphäre des Buches - einen frustrierenden Beigeschmack von Vagheit. Die Existenz des fraglichen "Krieges" wird einfach behauptet. Es wirkt wie eine ziemlich abwegige und fadenscheinige Behauptung, auf die sich eine Argumentation stützen kann.

Zweifellos gibt es böse Männer, und kein vernünftiger Mensch würde die Vorstellung anzweifeln, dass Männer mehr Macht haben als Frauen und dass dies ungerecht ist. In einigen Teilen der sozialen Medien oder in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten unserer Universitäten können die Auseinandersetzungen über diese Ungerechtigkeit vielleicht den Anschein eines Geschlechterkriegs erwecken. Aber in der Außenwelt scheint die überwältigende Mehrheit der Männer und Frauen ziemlich gut miteinander auszukommen.




Das ist sicher richtig: Es gibt keinen Krieg "der Frauen" gegen Männer (genausowenig wie es einen Krieg "der Männer" gegen Frauen gab und gibt, aller entgegengesetzten Propaganda zum Trotz). Der Hass gegen Männer wird im Wesentlichen von einer bestimmten Gruppe von Ideologen geführt. Wie real er jedoch ist und welche Folgen er immer wieder hat, kann man täglich in Blogs wie Genderama nachlesen. Den Redakteur des "Spectator" mag Nina Power nicht wachrütteln können, etliche andere Leser schon.



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