Samstag, September 19, 2020

Frauen-Netzwerk in der FDP greift an – News vom 19. September 2020

1.
Die FDP-Frauen greifen an. Pünktlich zum Bundesparteitag der Freien Demokraten, der an diesem Sonnabend in Berlin stattfindet, gründet sich ein neues Frauennetzwerk der Freien Demokratinnen, das vor allem den weiblichen FDP-Abgeordneten und den hochrangigen Funktionsträgerinnen mehr Sichtbarkeit verschaffen soll. Der Auftakt findet an diesem Freitag statt. Eingeladen haben Nicole Bauer, frauenpolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, und Maren Jasper-Winter, die diese Rolle im Berliner Abgeordnetenhaus übernimmt.


Dabei lehnen die liberalen Damen eine Frauenquote ab:

"Ich denke, eine Quote löst das Problem nicht", sagt Nicole Bauer. Das liege viel tiefer. "Unsere Gesellschaft ist in vielen Bereichen – ob Politik oder Wirtschaft – noch sehr männlich geprägt. Hier muss sich etwas ändern: bei den Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bei der Kultur, wann wie und wo Entscheidungen gefällt werden." Das aber gehe nicht mit der Brechstange, sondern nur gemeinsam. "Ich plädiere für ein gutes Talentmanagement, für eine nachhaltige Chancenverwirklichung."

Gerade jüngere FDP-Politikerinnen stehen einer Frauenbeteiligung per Verordnung kritisch gegenüber. "Das halte ich nicht für ein gutes Instrument", sagt auch die 28 Jahre alte Ria Schröder. "Wir wollen andere Wege finden, damit mehr Frauen Lust haben, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen."


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Wenn eine Autorin, es muss keine Deutsche sein, in ihrem Buch Hass auf Männer bekundet, erhält sie in der "taz" natürlich jederzeit eine Werbeplattform. Ein Auszug aus dem Artikel:

Erst das völlige Ignorieren von Männern, deren Ansprache auch immer etwas Belehrendes (Stichwort: Mansplaining) habe, deren Versuche, charmant zu sein, herablassend wirken, könnte die Gesellschaft endlich verändern, sagt Harmange der taz am Telefon.


Der oberste Leserkommentar unter dem Artikel ist eine treffende Antwort auf diese Menschenfeindlichkeit:

Die Taz bringt mich in letzter Zeit wirklich in eine Zwickmühle. Einerseits gibt es viele gute Artikel, differenziert und, wenn es um Rechtsextremismus geht, meistens auch früher als andere Zeitungen.

Andererseits diese ganzen Artikel für die identitäre Filterblase. Negative Eigenschaften werden über die Hautfarbe zugeschrieben? Geht klar! Übers Geschlecht? Warum nicht? Sexuelle Vorlieben geraten auch schon ins Schussfeld, wenn man sich nicht strikt mit Menschen gleicher Hautfarbe paaren möchte. Rassentrennung in der Taz - aber woke! Nicht mit Menschen eines anderen Geschlechts reden hat noch gefehlt, bisher war so eine Haltung ja meist religiösen Extremisten vorbehalten. Aber hey wenn man das "feministisch" macht, ist es cool!

Dazu noch eine populitische "Diskussionskultur", die nicht mehr auf Argumente setzt, sondern an Hautfarben, Geschlecht etc. schon vorher bestimmen kann, wer wieviel Recht haben darf.

Diese Mischung aus Ignoranz und Opfergetue erinnert mich nur allzu sehr an Pegida und Co. Außerdem habe ich nicht das Gefühl, dass damit eine Diskussion angestoßen werden soll. Differenzierte Positionen sucht man vergebens. Wie auf Twitter wird irgendeine möglichst extreme Behauptung in den Raum geschmissen, um dann alle anzugehen, die nicht reflexartig zustimmen.

Naja, wenn´s dem Ego hilft. Letztens kam noch Wissenschaftsfeindlichkeit hinzu, indem die Behauptung aufgestellt wurde, dass man das Geschlecht nicht anhand der Gene nachweisen kann - was natürlich Blödsinn ist. Aber warum sollte man Jahrzehnte an Forschungsarbeit respektieren, wenn man sich etwas Intellektuelles zusammenschwurbeln kann?

Wie links sind Leute, die ihre Argumente anscheinend bei Pegida, esoterischen Impfgegnern und religiösen Extremisten klauen?




3. Gestern hatte ich hier die Empfehlung einer Episode der Netflix-Serie "Criminals" zitiert. In dieser Folge spielte Kit Harrington einen Mann, der wegen einer angeblichen Vergewaltigung verhört wurde, die er nicht begangen hatte. [Spoiler] Das fanden die Ermittlungsbeamten dann auch heraus, aber das Leben des beschuldigten Mannes war trotzdem runiert.

Wie ich jetzt erfahre, hätte Genderama diese Episode nie bewerben dürfen. Das war nämlich mal wieder total frauenfeindlich.

Die britische Tageszeitung "Sun" berichtet:

Die Netflix-Serie "Criminal" wurde beschuldigt, eine "verkorkste Botschaft" und "Frauenfeindlichkeit" zu verbreiten, da Kit Haringtons Figur fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt wird.

Viele Zuschauer machten die Episode nieder, die von Männern geschrieben wurde und bei der Männer Regie führten, und nannten sie "sehr gefährlich".

(...) Jede Episode von Netflix' Criminal konzentriert sich auf ein Verbrechen mit intensiven Verhörszenen, die ausschließlich innerhalb der Grenzen eines polizeilichen Befragungsraums stattfinden.

Die Serie geniesst es, den advocatus diaboli zu spielen, und ermutigt die Zuschauer, zu debattieren und ihre eigenen Schlussfolgerungen und Meinungen zu bilden.

Viele haben jedoch auf Twitter bekundet, dies mit dem Thema Vergewaltigung zu tun, sei moralisch fragwürdig, und die Auswirkungen auf die reale Welt seien verheerend.

Viele Zuschauer der Episode tauschten auf Twitter ihre Gedanken aus, wobei einige den Umgang mit der sehr heiklen Angelegenheit missbilligten.

Einer schrieb: "Criminal UK Season 2 auf Netflix die ersten 3 Episoden zeigen lügnende/moralisch instabile Frauen, die das Leben unschuldiger Männer ruinieren. Man kann eure Frauenfeindlichkeit erkennen."

"Kit Harringtons Episode von Criminal auf Netflix ist heftig, aber sehr SEHR gefährlich", fügte ein anderer hinzu.

Während ein Dritter erklärte: "Die Kit-Harington-Episode von Criminal, in der ein Mann fälschlicherweise der Vergewaltigung durch eine Untergebene beschuldigt wird, die versucht, aus der Situation Profit zu schlagen, von Männern geschrieben und inszeniert, macht keinen guten Eindruck, besonders wenn falsche Anschuldigungen die weitaus geringere Minderheit darstellen."

"Gedanken zu #criminaluk: Habe gerade Staffel 2 Episode 2 gesehen und bin froh, dass die am Ende der Episode aufgeworfenen Fragen angesprochen wurden. ABER sie hätten den gleichen Punkt auch mit einem anderen Straftatbestand machen können, wodurch der Rückgriff auf die schädliche 'Sie-hat-es-sich-ausgedacht'-Vergewaltigungsgeschichte vermieden worden wäre."


Bemerkenswert, wie eifrig immer noch versucht wird, ein Gespräch über Falschbeschuldigungen zu tabuisieren.



Freitag, September 18, 2020

Claudia Roth: "Maskulinisten und Retromänner formieren sich" – News vom 18. September 2020

1.
"Maskulinisten" und "Retromänner" formierten sich neu, sagte Roth, und wollten sich zurückholen, "was ihnen gar nicht gehört: Macht, Einfluss, das Sagen".


Das berichtet aktuell Spiegel-Online. In dem Artikel heißt es weiter:

Besonders der Einzug der AfD in den Bundestag habe den Umgang verändert. Wenn eine der beiden Frauen eine Sitzung leite, würden manche AfD-Redner das Präsidium nicht grüßen. "Dabei ist das seit 70 Jahren Brauch im Plenum", so Roth. Die Abgeordneten fingen dann einfach an zu reden - andere sagten explizit zur Begrüßung "Präsident"'.

(…) Rückblickend beurteilt Roth die Zeit vor der Vertretung der AfD im Parlament als deutlich anders. "Es kommt mir so vor, als wären wir bis dahin in Watte gepackt gewesen", sagte die Grünenpolitikerin der "Zeit". Nun hätten Sexismus und Antifeminismus eine Bühne im Bundestag. Das wirke sich auch enthemmend auf die Gesellschaft aus.


~ Gut, dass es eine Partei wie die Grünen gibt, die für Sitte, Anstand sowie Respekt vor der Obrigkeit und 70 Jahre alten Traditionen sorgt. Unter diesem Motto waren die Grünen 1983 in den Bundestag eingezogen und wegen ihres Wohlverhaltens sofort bei allen etablierten Parteien beliebt. Claudia Roth sorgte als Managerin der Rockband "Ton, Steine, Scherben" ("Macht kaputt, was euch kaputtmacht") besonders engagiert dafür, dass Disziplin, Ordnung und Zucht noch von Bedeutung waren. ~

Ernsthaft: Ich kann mich ja vielen Kritikpunkten an der AfD anschließen. Aber ausgerechnet "Manche von denen grüßen das Präsidium nicht"? Und was bitte hat Maskulismus mit angeblich schlechten Umgangsformen zu tun? Ich wettere doch auch nicht über den Kommunismus, wenn mich mein Nachbar nicht grüßt.



2. Einer meiner Leser macht mich auf einen Artikel im sozialistischen Magazin Jacobin aufmerksam. Dort heißt es:

Wenn auch der Begriff "Geschlechterpolitik" zunächst an feministische Kämpfe denken lässt, so sind in jüngerer Zeit vor allem Gegenbewegungen wie der Anti-Feminismus, der Anti-Genderismus oder auch der Maskulismus als eigenständige Formen der Geschlechterpolitik sichtbar geworden.

(…) Nachdem die Frauenbewegung und der Feminismus die Geschlechterpolitik erfolgreich auf die politische Agenda gesetzt haben, verliert der Feminismus nun zunehmend die dominante Rolle innerhalb der Gesamtheit geschlechtspolitischer Forderungen. Dem Bedeutungsanstieg von Geschlechterpolitik als solche folgte dabei nicht automatisch ein Ausbau emanzipatorischer Errungenschaften, sondern vielmehr die Fragmentierung des Spektrums der Positionen und Bewegungen.


Der Artikel betrachtet vor allem, wie der Feminismus durch seine Verknüpfung mit dem Neoliberalismus eine wachsende Angriffsfläche für Kritik bietet. Mein Leser merkt zu dem Beitrag an:

Zwar wird der linke Maskulismus praktisch ignoriert, aber ich finde es bemerkenswert, dass Maskulismus hier von linker Seite nicht mehr pauschal verteufelt wird. Die Einordnung des Maskulismus ist etwas differenzierter als üblich. Die Interpretation als "Widerstand gegen den progressiven Neoliberalismus" finde ich sogar recht treffend, auch wenn sie natürlich nicht erschöpfend ist.




3. Verschiedene Medien berichten über eine Aufarbeitung der Diskriminierung schwuler Soldaten:

Lange Jahre galt: Homosexuelle können in der Bundeswehr keine Karriere machen. Wer als schwul enttarnt wird, muss die Truppe verlassen. Eine Studie arbeitet diese Praxis, die erst 2000 endete, jetzt auf. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bittet Betroffene nun stellvertretend um Entschuldigung.


Hier geht es weiter.

Zu dieser Meldung gibt es einen maskulistischen Kommentar auf Twitter:

Und wann bittet #AKK um Entschuldigung dafür, daß die Bundeswehr über 50 Jahre lang Millionen von jungen Männern durch den Raub von zwischen 6 und 18 Monaten ihres Lebens sexistisch diskriminiert hat?

Oh nein, diese Zwangsarbeit würde sie ja am liebsten wieder einführen …




4. Ebenfalls auf Twiter hat Lutz Bierend einen TV-Tipp:

Während es bei #Neflix' "Criminial" sonst darum geht wie Schuldige im Verhör überführt werden, gibt es diesmal tatsächlich eine Folge über Vergewaltigung, die sich damit beschäftigt was #Falschbeschuldigung mit dem angeklagten Mann macht.


(Gemeint ist offenbar die zweite Folge der zweiten Staffel von "Criminal UK", nicht von "Criminal Deutschland".)

[Nachtrag um 13:15 Uhr: Ich habe die Folge gerade gesehen; sie ist wirklich gelungen.]



5. Unter der Überschrift "Love Hurts" plädiert die Publizistin Kat Rosenfield dafür, mit der Infantilisierung von Frauen und Dämonisierung von Männern aufzuhören:

Wenn Sie jemals einen Liebesroman aus der Regency-Epoche gelesen oder eine Jane-Austen-Adaption gesehen haben, haben Sie wahrscheinlich eine flüchtige Bekanntschaft mit dem Motiv der ruinierten Frau gemacht: dieses tragische Opfer eines schurkischen Mannes, der sie liebte, sie verließ und ihren gesellschaftlichen Wiederverkaufswert dabei ruinierte. In einer Welt, die von einem patriarchalischen Ehe- und Erbschaftssystem regiert wird, das auf weibliche Reinheit angewiesen ist, um sicherzustellen, dass alle männlichen Nachkommen legitim sind, war die ruinierte Frau buchstäblich beschädigte Ware. Selbst der geringste Hauch einer vorehelichen Tändelei könnte ihr zum Verhängnis werden.

Diese altmodischen Vorstellungen über den Wert von Frauen haben uns nie ganz verlassen und tauchten im Laufe der Jahre in allen Bereichen wieder auf, von den Werken Andrea Dworkins bis zu den Abstinenzkriegen der späten 1990er Jahre. Da Mitgift nicht im Spiel war, hing die Idee, dass Sex Frauen entwertete, stattdessen an Amerikas plötzlicher Besessenheit von Selbstwertgefühl. Eine junge Frau, die Sex hatte, insbesondere Gelegenheitssex, respektierte sich eindeutig nicht selbst. Sie versuchte, eine emotionale Leere mit billigen körperlichen Beziehungen zu füllen, und - ja - sie machte sich selbst unverheiratbar. Man sagte uns, dass ein Mann die Kuh nicht kaufen würde, wenn er die Milch umsonst bekäme.

Heute hat sich die Vorstellung, dass sexueller Kontakt für Frauen erniedrigend ist, in der zeitgenössischen progressiven Sprache des Traumas und der Zustimmung verwickelt. Der fragliche Schaden ist emotional, nicht materiell, aber die paternalistische Botschaft ist dieselbe: Unschuldige Frauen müssen geschützt werden.

Zustimmung ist sexy, so sagt man uns, da uns die Broschüren zur Sexualerziehung in erster Linie das Wesentliche der Gespräche während des Geschlechtsverkehrs vermitteln: "Gefällt es dir, wenn ich dich dort berühre? Was genau soll ich mit dir machen?" Es spielt keine Rolle, dass die besagte Literatur geflissentlich die Tatsache ignoriert, dass für die jungen, unerfahrenen Menschen, an die solche Anweisungen gerichtet sind, Dirty Talk durch ein Verwaltungsmandat nur eine ganz neue Ebene des Drucks zu einer bereits unangenehmen Situation hinzufügt: So sehr auch beschworen wird, wie heiß Zustimmung sein kann, ist der progressive Diskurs über Sex ausgesprochen unsexy. Inmitten der Machtbesessenheit, der Unterdrückung und der ständig drohenden Gefahr einer Schädigung verschwindet der Begriff des Begehrens (oder, Gott bewahre, des Spaßes) fast völlig. Selbst im pornografischsten Konsens-ist-sexy-Skript geht es um die Minderung von Risiko, nicht um erotischen Kitzel, um Versicherungsformulare, die schwer atmend überreicht werden.

Dieser Laser-Fokus auf die Zustimmung stellt Sex an sich als eine gefährliche Handlung dar, die mit äußerster Vorsicht und nur dann vorgenommen werden sollte, wenn sie absolut notwendig ist. Und wenn es in Beziehungen hauptsächlich um Macht und die Drohung von Missbrauch geht, müssen diejenigen, die sie zu enthusiastisch verfolgen, mit Misstrauen betrachtet werden. Hier tauchen noch mehr Geschlechterstereotypen der alten Schule auf: Männer werden zunehmend fast standardmäßig als Raubtiere angesehen, während Frauen als hilflos, ja sogar als infantil angesehen werden. (Erleben Sie den Aufstieg des Wortes "Grooming", das früher dem sexuellen Raubbau an Kindern vorbehalten war, als etwas, das Frauen in ihren Zwanzigern angetan wurde). Während eine atemberaubende Bandbreite enttäuschender männlicher Verhaltensweisen unter den Schirm von MeToo gefegt wird, ist die Grenze zwischen dem hartnäckigen Interesse an einer Frau und ihrer Ausbeutung verschwommen.

(…) Diese Vorstellung von Zustimmung als Schutz vor heftigen Gefühlen ist sowohl neu als auch kontraintuitiv: In den meisten Kontexten (z.B. bei medizinischen Studien oder Medieninterviews) wird die Zustimmung gerade deshalb eingeholt, weil das, was folgt, nicht vorhersehbar ist und sehr wohl unangenehm sein kann. In bestimmten progressiven Räumen wird jedoch jede Art von Unbehagen als Hinweis auf das Fehlen der Zustimmung gewertet, was unzählige normale menschliche Interaktionen verdächtig macht. Jemandem einen Korb zu geben ist unangenehm, aber jemanden um ein Date zu bitten auch. Selbst in glücklichen Beziehungen gibt es Momente des Unbehagens, der Enttäuschung, des Konflikts - und selbst freundschaftliche Trennungen sind selten schmerzfrei. Dennoch wird jungen Menschen heute beigebracht, jederzeit absolute emotionale Sicherheit bei Sex, Liebe und Liebeswerben zu erwarten - und dass, wenn sie sich verletzt, enttäuscht oder betrogen fühlen, dies bedeutet, dass sie vergewaltigt worden sind.

Wie sind wir also hierher gekommen? Die Sozialkonservativen sagen, dass die Kultur unverbindlicher sexueller Kontakte schuld sei, und sie haben nicht Unrecht: Traditionelles Werben, Monogamie und Ehe haben ihre Schattenseiten, aber sie geben den Beziehungen ein gewisses Maß an Struktur und Sicherheit. Im Zeitalter von Tinder sind diese Sicherheitsvorkehrungen vergleichsweise schwer zu erreichen - und die ausgeklügelte (und manchmal lächerliche) Bürokratie der Einwilligungsbestimmungen kann am besten als verzweifelter Versuch verstanden werden, diesem wilden Westen von Sex und Intimität, an dessen Spitze Menschen stehen, die Angst haben, verletzlich zu sein oder verletzt zu werden, eine gewisse Ordnung aufzuzwingen. Man hat das Gefühl, dass Beziehungen unfehlbar sicher und bequem gemacht werden könnten, dass Enttäuschung und Peinlichkeit nicht existieren würden, wenn wir nur genug Regeln hätten.

Beziehungen waren schon immer ein riskantes Unterfangen, aber ironischerweise hat diese Hyperwachsamkeit sie geradezu erschreckend erscheinen lassen. Jede neue Romanze wird wie eine Schnitzeljagd auf Alarmsignale behandelt, die vor Missbrauch warnen, und jede Trennung unterliegt der Beurteilung durch den #MeToo-Rahmen. Unglückliche Ex-Partner streuen ihre Klagen in sozialen Medien auf eine Weise, die früher geschiedenen Prominenten vorbehalten war, die um die Sympathie der Presse ringen. Private Angelegenheiten werden für öffentliche Abrechnungen und Wiedergutmachungen ins Rampenlicht gerückt. Männer, die bereits unter dem Druck stehen, den ersten Schritt zu tun, müssen mit dem zusätzlichen Risiko rechnen, dass eine unbeholfene Ouvertüre oder ein falsch verstandenes Signal nicht nur zu Ablehnung, sondern auch zu öffentlicher Demütigung und Ruinierung führt. Trotz all seiner wertvollen Beiträge zur Bekämpfung der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz hat #MeToo auch die Verabredung selbst gleichzeitig spannender und unattraktiver gemacht - für alle. Wenn jede Beziehung ein Machtkampf ist, in dem die weniger privilegierte Partei ständig Gefahr läuft, zum Opfer zu werden, warum sollte man sich dann überhaupt bemühen? Wer könnte daran Freude haben?

Damit soll keine Rückkehr zu den starren Werbenormen der Regency-Epoche gefordert werden - auch nicht zu der engstirnigen Sex-Positivität der frühen Nullerjahre. Stattdessen müssen wir grundlegende Vorstellungen von weiblichem Empowerment und individueller Handlungsfähigkeit wieder einführen und das oberflächliche Verständnis komplexer zwischenmenschlicher Beziehungen als Machtkämpfe zwischen Unterdrückten und Unterdrückern zurückdrängen. Wir sollten sowohl jungen Männern als auch jungen Frauen beibringen, die Verletzlichkeit und Menschlichkeit des jeweils anderen anzuerkennen - auch wenn ein Partner in gewisser Hinsicht mehr Macht haben mag als der andere - und sich auf ihre Liebhabern als Individuen und nicht als Vertreter einer Identitätsgruppe einzulassen. Und wir sollten junge Menschen auch beibringen, Unannehmlichkeiten zu tolerieren und zu verarbeiten, anstatt sich selbst als hilflos der Machtdynamik ausgeliefert zu sehen, die sie für immer am Abgrund des Opferdaseins taumeln lässt.

Als ich zwischen 2009 und 2019 eine Kolumne mit Ratschlägen für Jugendliche schrieb, gab es eine Frage, die ich öfter als jede andere erhielt: "Wie kann ich mich verlieben, ohne verletzt zu werden?" Meine Antwort war immer dieselbe: "Das kannst du nicht! Intimität erfordert Verwundbarkeit; die Freude an der menschlichen Verbindung geht immer mit dem Risiko einher, verletzt zu werden." Aber dieses Risiko ist für alle gleich, egal wie privilegiert oder mit institutioneller Macht gesegnet sie sind. Selbst der wohlhabendste, weißeste, cisheterosexuellste Kerl der Welt kann durch Herzschmerz absolut vernichtet werden - und selbst eine Person, die am Schnittpunkt mehrerer unterdrückter Identitätskategorien sitzt, hat die Macht, jemandem das Herz zu brechen.

So sehr Trauma und Missbrauch Reinheit und Heiratsfähigkeit in der Landschaft der moralischen Panik ersetzt haben, so sehr ist die gleiche alte Angst am Werk: dass die Wünsche der Frauen, wenn sie ungehemmt bleiben, sie in Trümmern zurücklassen werden. Und obwohl der Impuls, junge Menschen vor emotionalen Schmerzen zu schützen, gut gemeint sein mag, sind die Folgen toxisch. Die zwanghafte Fokussierung auf Macht als Antriebsmechanismus in allen Beziehungen schürt einen Kreislauf katastrophalen Denkens: Frauen haben immer mehr Angst davor, misshandelt zu werden, sind immer mehr von ihrer Machtlosigkeit überzeugt, dies zu vermeiden, und immer sicherer, dass sie, wenn es passiert, nicht in der Lage sein werden, damit umzugehen. Und die ganze Zeit über werden Männer, die durch einen Rahmen entmenschlicht werden, der ihre Begierden als von Natur aus räuberisch erscheinen lässt, gelehrt, den Frauen zu misstrauen und sie unter dem Vorwand, sie zu respektieren, zu Kleinkindern zu machen.

Wir müssen das Gespenst der ruinierten Frau dauerhaft aus unserem Verständnis heterosexueller Beziehungen verbannen. Eine gesunde, sex-positive Gesellschaft erkennt an, dass Unvorhersehbarkeit ein Merkmal von Verabredungen ist, kein Fehler, und dass sie nicht stillschweigend abgeschafft werden kann - insbesondere für unerfahrene Menschen, vor allem wenn es um Gelegenheitssex geht. Jungen Menschen muss beigebracht werden, freundlich und gewissenhaft miteinander umzugehen, Grenzen zu respektieren und in zweideutigen Situationen auf der Seite der Vorsicht zu irren - aber man sollte ihnen auch beibringen, dass Liebe und Sex voller schmerzhafter Missverständnisse sind und dass selbst wohlmeinende Menschen einander verletzen können, weil sie unsicher sind, verwirrt oder wirklich unsicher, was sie eigentlich wollen. Anstatt zu versuchen, sie davon abzuhalten, jemals Herzschmerz, Bedauern oder Scham zu empfinden, sollten wir ihnen beibringen, dass man diese Dinge immer überleben kann und sie manchmal sogar nützlich sind. Bringen wir ihnen bei, mit Ablehnung gnädig und mit Fehlern wohlwollend umzugehen, zumal sie wissen, dass sie selbst Fehler machen werden; bringen wir ihnen bei, dass sich verletzt zu fühlen nicht immer dasselbe ist wie Unrecht zu erleiden. Bringen wir ihnen bei, dass Liebe unordentlich ist und dass sie sich einfachen Erzählungen über Macht und Opfer-Sein widersetzt, dass sie es aber auch wert ist, mutig zu sein - denn dieselbe Ungewissheit, die die Liebe beängstigend macht, macht sie auch bereichernd, aufregend und zu einer außergewöhnlichen Quelle der Freude.




Donnerstag, September 17, 2020

Gender-Knacklaut: Rundfunkräte sollen gegen "Männerdiskriminierung" einschreiten – News vom 17. September 2020

1. Wie das Blob "Übermedien" berichtet, engagiert sich Professor Walter Krämer, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sprache und des Vereins Deutscher Sprache, aktuell besonders aktiv gegen ideologische Einflüsse auf die Sprachverwendung der Öffentlich-Rechtlichen. In den letzten Monaten habe er Protestbriefe gegen Gender-Pausen mitten im Wort an Mitglieder der ARD-Rundfunkräte, des ZDF-Fernsehrates und des Hörfunkrats des Deutschlandfunks geschrieben. Krämers Argumentation: Der gesprochene Genderstern trage dadurch, dass er oft kaum hörbar ist, zur Diskriminierung von Männern bei:

"Dieser Knacklaut (der von sehr geringer akustischer Stärke ist) bleibt allerdings oft unhörbar oder wird gar gänzlich vermieden. Dann wird ausschließlich die gemäß aller deutschen Grammatiken und Wortbildungslehren unstrittig feminine Form hörbar, womit die jeweilige Personenbezeichnung männliche Mitglieder explizit ausschließt."


Diese Kritik erscheint nachvollziehbar Aus "Zuschauer-(Pause)-Innen" wird bei schnellem, die Silben verschleifendem Sprechen schnell "Zuschauerinnen". Die männliche Hälfte des Publikums wird sprachlich unsichtbar gemacht.

Übermedien berichtet auch, wie die Sender auf Professor Krämers Kritik reagieren.



2. Frauenministerin Giffey (SPD) zieht sich aus der Bundespolitik zurück:

Giffey will sich für die SPD um einen Platz im Berliner Abgeordnetenhaus bewerben. Die SPD Neukölln habe sie als Kandidatin für die Wahl im Herbst 2021 nominiert, teilte Giffey auf Facebook mit. "Als ehemalige Kreisvorsitzende der SPD Neukölln, Bezirksbildungsstadträtin und Bezirksbürgermeisterin und heutige Bundesfamilienministerin habe ich mich entschieden, wieder in die Landespolitik zurückzukehren."




3. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die Stimmung in der SPD angespannt, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung (MZ):

Nach den Austritten bekannter Sozialdemokraten und einer Panne zum Wahlkampfauftakt warnen Kommunalpolitiker der SPD die Landesparteichefs in einem Brandbrief: "Um die kommenden Wahlen nicht völlig zu vergeigen, muss an dieser Stelle deutlich umgesteuert werden." Den Brief haben 22 Mitglieder geschrieben, die sich als Ortsvereinsvorsitzende oder in Kommunalparlamenten engagieren. Dazu gehört auch Kay Gericke, Kreisvorsitzender im Jerichower Land und Bürgermeister der Einheitsgemeinde Biederitz. "Wir sind mit der Gesamtsituation unzufrieden", sagte Gericke auf MZ-Nachfrage.


Gericke zufolge setze seine Partei im Wahlkampf falsche Prioritäten:

"Wir können uns im ländlichen Raum den Tüv für Spielplätze nicht mehr leisten - aber in Magdeburg fordern wir Gender-Toiletten", sagte Gericke der MZ. Wobei die SPD nicht wirklich "Gender-Toiletten" fordert; der Kreisvorsitzende möchte das als "Symbol" verstanden wissen für die aus seiner Sicht falsche Schwerpunktsetzung auf Minderheitenrechte.




4. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer möchte die Idee weiblicher Dienstgrade für Soldaten nicht weiterverfolgen.



5. "Ohrfeige statt Entschuldigung für Feministinnen" titelt die Basler Zeitung. In dem Artikel heißt es:

Die Reaktionen nach der unbewilligten Frauendemonstration vom 14. Juni waren heftig. Die Polizei hatte damals die Demo auf der Johanniterbrücke gestoppt und alle Demonstrantinnen einer Personenkontrolle unterzogen. Auch Nationalrätin Sibel Arslan, die noch zu vermitteln versuchte, wurde am Ende weggeführt.

Anschliessend äusserten die beteiligten Politikerinnen, allen voran die beiden Grossrätinnen Jessica Brandenburger (SP) und Raffaela Hanauer (GB), schwere Vorwürfe an die Adresse der Polizei. Von "sexistischem Gehabe und Äusserungen einiger Polizistinnen", war die Rede.


(Gemeint ist statt "einiger Polizistinnen" wohl "einiger PolizistInnen", aber so ist es eben mit der Gender-Sprache, die Männer unsichtbar macht.)

Auch körperliche Gewalt durch Polizeikräfte beklagten die Feministinnen. Franziska Stier (Basta), Mitorganisatorin des Frauenstreiks, sagte damals gegenüber Telebasel: "Ich habe Statements erhalten, wonach sowohl Frauen als auch gender-queeren Menschen an die Brust gefasst wurde, die beim Urinieren gefilmt und von der Polizei von hinten gepackt wurden." Die Demonstrantinnen forderten eine Entschuldigung von der Polizei.

Weil eine Entschuldigung vom Sicherheitsdirektor nicht erfolgt ist, wollte Hanauer später mit einer schriftlichen Anfrage von der Basler Regierung eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erzwingen. Am Mittwoch hat der Regierungsrat nun die Antwort gegeben. Eine, die es in sich hat: "Der Regierungsrat verurteilt das Verbreiten von rufschädigenden Gerüchten gegenüber Mitarbeitenden des Kantons, ohne dass diese konkretisiert würden", schreibt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann im Namen der Regierung. Damit die Strafverfolgungsbehörden Strafverfahren einleiten können, seien konkrete Anhaltspunkte notwendig. "Bislang indes gibt es keine Hinweise auf sexuelle Belästigungen, die bei diesem Einsatz durch Angehörige des Korps der Kantonspolizei begangen worden wären."

Ackermann hält in ihrer Antwort zudem fest, dass die Polizei, entgegen der Ansicht der Demonstrantinnen, "keine politische Strategie verfolgt". Sie sorge bloss "auftragsgemäss für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die Einhaltung der Gesetze".

In ihrer Antwort geht die Regierung auch noch einmal auf die Auflösung der Demonstration vom 14. Juni ein. Die Frauen hatten damals behauptet, dass sie eigentlich die unbewilligte Demo sofort auflösen wollten, so wie dies die Polizei verlangt hatte. Doch dann seien sie eingekesselt worden. Dem widerspricht Ackermann: "Die Kantonspolizei erkannte keine Anzeichen, dass sich die Demonstration auf der Johanniterbrücke auflösen würde. Im Gegenteil bestärkten einzelne Personen mit ihrem Verhalten gegenüber der Kantonspolizei die übrigen Demonstrantinnen und Demonstranten darin, sich den Weisungen der Polizei standhaft zu widersetzen, was dazu führte, dass die Personenkontrollen rund zwei Stunden in Anspruch nahmen." Zuvor bereits seien die Frauen der Aufforderung, die Kundgebung aufzulösen, nicht nachgekommen. Stattdessen sei der "Pulk" weitergezogen und hätte den Verkehr blockiert.




6. Der Humanistische Pressedienst berichtet:

Mitten in der neuen dänischen Beschneidungsdebatte haben mehrere medizinische Vereinigungen ihren Austritt aus der Kommission der Dänischen Patientensicherheit zur Festlegung von Richtlinien für nicht-therapeutische Vorhautamputationen erklärt.


Bei diesen Vereinigungen handelt es sich um die Dänische Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, den Dänischen Hebammenverband, den Dänischen Verband medizinischer Pflegeberufe, die Dänische Pädiatrische Gesellschaft, die Dänische Gesellschaft für Urologie sowie die Dänische Gesellschaft für Kinderchirurgie.

Alle Organisationen und Verbände, die sich aus der Arbeitsgruppe zurückgezogen haben, sind grundsätzlich gegen die Beschneidung gesunder Kinder unter 18 Jahren. Ursprünglich war es ihr Ziel, aufgrund des bestehenden Nicht-Verbots der rituellen Jungen-Beschneidung wenigstens dafür sorgen zu können, dass diese sicherer durchgeführt oder wenigstens registriert werden. Doch ein entsprechender Weg schien sich bei den Beratungen nicht abzuzeichnen. Durch den Austritt des Großteils der für das Thema relevanten medizinischen Vereinigungen ist die Arbeitsgruppe nun de facto arbeitsunfähig.

Laut dem Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e. V. erklärte der Vorsitzende der Dänischen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Joachim Hoffmann-Petersen, diesbezüglich gegenüber dem Gesundheitsausschuss des Dänischen Parlaments: "Wenn das nächste Mal Komplikationen bei einer rituellen Jungenbeschneidung auftreten, sind nicht mehr die Anästhesisten in professioneller, ethischer oder rechtlicher Verantwortung. Es sind die Politiker, die weiterhin die rituelle Beschneidung von Jungen zulassen."


Zum selben Thema hat MOGIS einen eigenen Beitrag veröffentlicht: "Dänische Ministerpräsidentin Mette Fredriksen nimmt Forderung nach gleichem Schutz von Jungen zurück". Darin heißt es:

Die Kommission der Patientensicherheit zur Überarbeitung von Richtlinien für nicht-therapeutische Vorhautamputationen an Jungen wurde von allen ärztlichen Fachgesellschaften verlassen. Sie lehnen aus ethischen Gründen solche Eingriffe bei Kindern ab und empfehlen oder fordern die Einführung des Mindestalters. 86% der Bevölkerung sprechen sich ebenfalls dafür aus.

Ministerpräsidentin Mette Fredriksen (Sozialdemokratie) hat vergangene Woche ihre ursprüngliche und häufig zitierte Kinderschutz-Position offiziell zurückgenommen und sich nun gegen ein Mindestalter ausgesprochen. Ein gewagtes Unterfangen, schließlich stellt sie sich damit auch noch gegen 90% ihrer eigenen Wähler*innen.

In ihrer Neujahransprache 2000 hatte sie zudem auch noch versichert, allgemein "immer an der Seite der Kinder" zu stehen. In ihrer jetzigen Stellungnahme war von Kindern überhaupt nicht mehr die Rede. Sie ging darin ausführlich auf die dänische und europäische Geschichte und den Massenmord an jüdischen Menschen im Zweiten Weltkrieg ein. "Glücklicherweise" habe sie "sich getraut", ihre "Meinung zu ändern".

In Analysen werden ansonsten die Rücksichtnahme auf jüdische Verbände, aktuelle wirtschaftliche Interessen (mögliche Exportverluste in den Nahen Osten) und die Sorge vor möglichen Terroranschlägen als Gründe genannt, sich gegen ein Mindestalter auszusprechen. Die US-Botschaft in Kopenhagen kündigte ebenfalls mögliche wirtschaftliche Konsequenzen an.

Die menschenpolitische Rolle rückwärts von Frau Fredriksen stieß in Israel auf ein geteiltes Echo. Während Ministerpräsident Netanyahu ihr via twitter für ihre "Verteidigung der alten Tradition der Beschneidung" dankte, kommentierte Ronit Tamir von der israelischen Elterninitiative KAHAL: "Es gibt viele Juden in Israel gegen Beschneidung, und wir schätzen sehr, dass das Dänische Parlament versucht, ein Gesetz dagegen zu verabschieden. Wir sehen dies nicht als Antisemitismus, sondern als reine Sorge um die Kinder und die Menschenrechte. Wir hoffen sehr, dass dieses Gesetz verabschiedet wird."

Einige sozialdemokratische Kolleg*innen von Frau Fredriksen äußerten sich kritisch: "Als Mensch, Vater, Bürger von Dänemark und sozialdemokratischer Politiker hoffe ich inständig, dass in meiner Partei in dieser Angelegenheit abgestimmt wird und dass eine Mehrheit im Parlament das Richtige tut, indem sie eine Altersgrenze von 18 Jahren für Jungenbeschneidung einführt!" schrieb Niels E. Bjerrum.

Ercan Alici, Betroffener und Mitglied unserer Partnerorganisation Intact Denmark, kommentierte: "Als Kind auf dem Tisch wünschte ich mir nur, jemand hätte mir geholfen. Europas Geschichte scheint unendlich weit weg von der Realität des Kindes auf dem Tisch zu sein."

Ahmad Mahmoud nannte Frederiksens Versuch, ein Kinderbeschneidungsverbot mit der Verfolgung von Juden während des Zweiten Weltkriegs zu vergleichen "absurd", und ergänzte: "Nein, wir dürfen keine kulturellen oder religiösen Erwägungen akzeptieren, wenn es um die Beschneidung von Kindern geht. Es geht um das Wohl des Kindes und das Recht, sich frei zu finden und so die eigene Identität zu schaffen. Dafür haben wir in Dänemark gekämpft."

Harun Demirtas sieht die Demokratie geschädigt: "Politiker, die Tag und Nacht fragten, ob eine Krankenschwester arbeiten könne, nur weil sie ein Kopftuch trägt, oder ob ein Busfahrer einen Bus fahren könne, wenn er im Ramadan fastet, haben ihre politische Haltung heute zu 100 Prozent gedreht und befürworten die Beschneidung von Jungen, obwohl es ein religiöses Ritual ist."

Einen erschütterten anonymen Bericht eines Betroffenen veröffentlichte die Tageszeitung Berlingske: "Haben die Premierminister, Parteivorsitzende und Bischöfe jemals das Ergebnis einer gescheiterten Beschneidung, einen verstümmelten Penis, gesehen? Ich habe es. Ich sehe es jedes Mal, wenn ich aufs Klo gehe, nackt vor einem Spiegel stehe, dusche oder Sex habe. (…) Ich habe als Erwachsener vier Operationen benötigt, um einer im Grunde unnötige Intervention abzuhelfen. [...] Bis ich im Alter von 24 Jahren operiert wurde, konnte ich zum Beispiel aus drei verschiedenen Löchern in meinem Penis urinieren [...]. Wenn ich einen neuen Sexualpartner oder Freund treffe, muss ich immer erklären, warum mein Penis klare Narben trägt. (…) Politiker und Meinungsbildende, die mit historischem Pathos um sich werfen, müssen wissen, dass Beschneidung [...] ein chirurgischer Eingriff mit schwerwiegenden möglichen Folgen ist, und es hat mein ganzes Leben beeinflusst…"

Es verspricht, ein spannender Herbst zu werden. Die erste Lesung im Parlament wird frühestens im Oktober erwartet.

(…) Dass deutsche Medien die Ereignisse in Dänemark seit über zwei Jahren komplett ignorieren, überrascht. Schließlich verwiesen sie in der deutschen Debatte 2012 sehr häufig aufs Ausland und warnten vor einem möglichen "deutschen Alleingang", sollte eine Erlaubnis nicht-therapeutischer Vorhautamputationen an Jungen hinterfragt werden. Um eine völlige Schutzlosstellung von Jungen in Deutschland zu promoten, waren Blicke ins Ausland offensichtlich durchaus opportun. Verlaufen heute dort hingegen Debatten, die dem Kinderschutz medial und politisch großen Raum einräumen, wird geschwiegen. Sollen Menschen in Deutschland einfach nicht davon erfahren?




Dienstag, September 15, 2020

Cora Stephan: "Männer haben ihr Elend selbst heraufbeschworen" – News vom 15. September 2020

1. Vor einigen Tagen verlinkte Genderama den in der "Tagespost" veröffentlichten Artikel "Männer werden verteufelt". Hierzu gibt es jetzt eine Gegenrede der Schriftstellerin Cora Stephan: "Männer haben ihr Elend selbst heraufbeschworen". Ein Auszug:

Der verteufelte Mann ist in Wirklichkeit der Komplize einer weiblichen Machtstrategie. Und das hat er bis heute nicht gemerkt. Denn er hat sich mit seiner aus Feigheit geborenen Anpassung an die aggressivste Variante des Feminismus dort keineswegs beliebter gemacht. Im Gegenteil: Je mehr er sich beugt, desto lustvoller wird nachgetreten. Zwar war er schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts als "potenzieller Vergewaltiger" (Alice Schwarzer) angezählt, aber als rundherum "toxisch" und als "Abfall" gilt er erst heute. Es hat also alles nichts genützt: Auch nicht, dass Mann fleißig gendert, damit ja keine Frau auf die Idee kommt, beim Wort "Fußgänger" oder "Bürgersteig" komme sie nicht vor. Nichts hat geholfen, keine Bußübung, keine öffentliche Reue, keine großzügige Geste an die Damen, von denen Mann offenbar nicht erwartet hat, dass sie gern die ganze Hand nehmen, wenn man ihnen schon entgegenkommt.

Männer haben ihr Elend selbst heraufbeschworen, über das sie sich heute durchaus beklagen dürfen. Sie haben Frauen unterschätzt, haben einigen zarten, aber lautstarken Wesen abgenommen, dass sie alle Opfer sind, die entschädigt gehören, haben sich gemüht (und sich dabei an ihrer eigenen Großmut besoffen) und nicht gemerkt, dass sie dabei sind, im Kampf um die Macht zu unterliegen. In der Öffentlichkeit sind sie längst unterlegen. Den triumphierenden Weibern ist es gelungen, alles madig zu machen, was einst dem Mann eine gewisse Größe verliehen hat, unterstützt von gewieften Frauenfreunden, die sich anschicken, sogar das Rad feministisch neu zu erfinden.


Momentan sieht es allerdings so aus, als seien beide Stragien der Männerbewegung nicht sonderlich erfolgreich. Das Bundesforum Männer, das sich seit etwa zehn Jahren größte Mühe gibt, nur ja nicht den herrschenden Feminismus an irgendeinem Punkt zu kritisieren, muss gerade feststellen, dass diese Ergebenheit in keiner Weise gedankt wird: Die versprochene Reform des Familienrechts lassen vor allem die SPD-Ministerinnen eiskalt ausfallen.

Sobald auf der anderen Seite die Männerrechtsbewegung selbstbewusst sowohl Ideologiekritik am Feminismus als auch eigene Forderungen äußert, wird sie von Ideologen angesprungen, die nur darauf gewartet zu haben scheinen, sich als die "besseren Männer" zu profilieren und die Bürgerrechtler auf großer Bühne als frauenfeindlich, radikal und verschroben zu verunglimpfen: hemmungslos, kontinuierlich und ohne Skrupel. Aufgrund dieser Raufmordmaschine sind auch ihre Erfolge bislang begrenzt.

Was helfen könnte: Sehr viel mehr Männer, die das Rückgrat entwickeln, trotz der absehbaren Schmähungen eigene Positionen in die Debatte einzubringen.

Im Fazit ihres Essays setzt Cora Stephan darauf, dass die immer schrillere Einseitigkeit der Debatte zu ihrem Ende führen wird:

Doch das machen auch viele Frauen nicht mit. Es beleidigt ihre Intelligenz. Es ist toxisch für ein gedeihliches Zusammenleben. Vielleicht sollte Mann, der verteufelte, endlich runter von der Schleimspur und sich diesen Frauen anschließen – den normalen.




2. Im Deutschlandfunk beschäftigt sich der "Philosoph" Florian Goldberg mit der "Gefahr der toxischen Männlichkeit" und "einem Milieu, das darin aufgeht, sich selbst zu bemitleiden, und Frauen als Feinde zu betrachten". Ihm zufolge gibt es "online vernetzte Gruppierungen frustrierter Männer", die "im Erstarken der Frau den Grund für ihr Unglück sehen", etwa die "eher normal deprimierten Männerrechtler":

Sie können sich natürlich weiterhin ihrem Selbstmitleid und ihrem Hass ergeben. Glücklicher machen wird es sie nicht. Selbst wenn es ihnen gelänge, die ganze Welt in jenes Unglück zu stürzen, das sie ständig empfinden. Ich empfehle, stattdessen etwas Neues zu probieren und den Frauen in ihrer Umgebung aufmerksam zuzuhören.


Gab es solche Rhetorik eigentlich auch, als sich die ersten Frauenrechtlerinnen zu Wort meldeten? Also etwa so:

Sie können sich natürlich weiterhin ihrem Selbstmitleid und ihrem Hass ergeben. Glücklicher machen wird es sie nicht. Selbst wenn es ihnen gelänge, die ganze Welt in jenes Unglück zu stürzen, das sie ständig empfinden. Ich empfehle, stattdessen etwas Neues zu probieren und den Männern in ihrer Umgebung aufmerksam zuzuhören.


Die aktuelle Botschaft an uns ist jedenfalls klar: Hört also auf damit, über männliche Opfer sexueller und häuslicher Gewalt zu sprechen, Jungs, über Selbstmörder und Obdachlose. Das macht euch in den Augen eines großen deutschen Philosophen nur zu bemitleidenswerten Gestalten.

Und wenn wir den Frauen zuhören – Cora Stephan zum Beispiel? Oder gar als Mann ganz unabhängig von Frauen eigene geschlechterpolitische Positionen entwickeln, auch wenn die Medien noch so sehr auf uns einschreien, wie jämmerlich und frauenfeindlich das wäre?



3. Der CDU-Parteivorstand befürwortet die Frauenquote. Bis 2025 soll in der Partei demnach eine Quote von fünfzig Prozent eingeführt werden, obwohl nur ein Viertel der Mitglieder weiblich sind.



4.
Männer in ganz Europa verdienen mehr als Frauen. In Deutschland beträgt der sogenannte Gender Pay Gap ganze 20 Prozent - aber die Ergebnisse einer in diesem Jahr vom DIW veröffentlichten Studie ergeben überraschenderweise dennoch, dass die Lohnungleichheit von den Betroffenen als gerecht empfunden wird.


Hier geht es weiter. Die Autoren der Studie fordern dazu auf, die Akzeptanz der Betroffenen, was den ungleichen Lohn angeht, nicht hinzunehmen, sondern diese Einstellung zu verändern. Der Gedanke, der ungleiche Lohn könne deswegen als fair empfunden werden, weil er auf ungleicher Arbeit beruht, scheint ihnen nicht zu kommen.



5. Unter anderem wegen eines Übergewichts an Gender-Themen verlässt eine Hartz-IV-Kritikerin die Linkspartei.



Montag, September 14, 2020

CDU-Vorstand stimmt heute über Frauenquote ab – News vom 14. September 2020

1. Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, will die CDU-Führung heute über die Einführung einer Frauenquote von fünfzig Prozent diskutieren und eine Vorstandsentscheidung herbeiführen. Unter anderem die CDU-Vorsitzende (und Verteidigungsministerin) Annegret Kramp-Karrenbauer plädiert mit Nachdruck für eine Quote. Allerdings würde auch ein befürwortendes Votum von Präsidium und Vorstand noch nicht bedeuten, dass die Quote in die Satzung geschrieben wird. Das müsste auf einem Parteitag im kommenden Jahr entschieden werden. Ob es dafür eine Mehrheit gibt, ist nach wie vor ungewiss.



2. Das auf Militär- und Sicherheitspolitik fokussierte Blog "Augen geradeaus!" weiß Interessantes im Zusammenhang mit der Debatte zu berichten, ob die Dienstränge in der Bundeswehr gegendert werden sollten ("Oberstleutnantin"):

Im Hinblick auf die Forderung, dazu sollten doch die Soldatinnen selbst befragt werden, scheint allgemein untergegangen (mir auch), dass die genau dazu auch befragt wurden – und zwar schon vor mehr als sechs Jahren. Im Januar 2014 legte das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) die von Gerhard Kümmel verfasste Studie "Truppenbild ohne Dame? – Eine sozialwissenschaftliche Begleituntersuchung zum aktuellen Stand der Integration von Frauen in die Bundeswehr" vor, in der es unter anderem heißt:

"In der Frage der Dienstgradbezeichnungen weisen die Daten eine überwältigende Mehrheit bei beiden Geschlechtern für die Einheitlichkeit bei den Dienstgradbezeichnungen aus. Diese Einheitlichkeit präferieren 82 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen. Entsprechend niedrig sind die Werte bei dem Item zur allgemeinen geschlechterspezifischen Formulierung von allen Dienstgraden. Hierfür können sich lediglich 6 Prozent der Männer und 4 Prozent der Frauen erwärmen."


Das Blog zitiert auch einen offenen Brief der Soldatin Jung-Loddenkemper an Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Darin heißt es:

Wir alle träumten den gleichen Traum und folgten der gleichen Berufung. Wir identifizieren uns mit unserem Dienstgrad, egal ob Gefreiter, Fähnrich, Oberfähnrich, Leutnant oder General. Bisher standen wir immer vereint auf einer Stufe. Dementsprechend lässt sich bis dato sagen: "Dieser gemeinsame Dienstgrad ist etwas, das uns eint, nichts was uns trennt."

Er steht für die gleichen Träume, die gleiche Arbeit, die gleiche Leistung und der gleiche Stolz! Sie helfen unserer Gleichstellung nicht, wenn Sie durch gegenderte Dienstgrade einen Unterscheid aufzeigen. Das ist keine Brücke, die Sie dort bauen, sondern einen Graben, den Sie ziehen.

Wenn ich, als Soldat, an einen Hauptmann denke, dann denke ich genauso an eine Frau wie an einen Mann. Dieser Begriff mag zwar eine grammatikalisch männliche Endung haben, aber die Assoziationen mit diesem Begriff sind ganz anders gefüllt, als es seine eigentliche Endung vermuten mag. Und was könnte emanzipierter und gleichberechtigter sein als ein Begriff, der bereits mit beiden Geschlechtern verbunden wird?

Wir wollen kein Zwei-Klassen-System. Wir sind alles Kameraden und wir sind eins. Wir lassen uns nicht einfach voneinander separieren. Ich möchte nicht anders betitelt werden als meine männlichen Kameraden.




3. Das Arbeitsamt Niederösterreich hat infolge der Corona-Pandemie eine Männerberatungsinitiative als Pilotprojekt begonnen:

Ziel ist es hier Männer, die schon länger arbeitslos sind und nicht gleich vermittelt werden können, innerhalb eines halben Jahres Schritt für Schritt wieder auf einen Job vorzubereiten und dabei auch so manche private Probleme zu lösen. Denn oft liegt die Ursache für die Arbeitslosigkeit ganz wo anders, weiß Projektleiter Leopold Kaiblinger, "wie etwa finanzielle Probleme, Kinderbetreuungspflichten oder gesundheitliche Einschränkungen." (…) Männer und Frauen kämpfen in diesen Situationen oft mit unterschiedlichen Herausforderungen. Deshalb wurde Anfang April – neben sieben bereits bestehenden Frauenberatungsstellen – das erste Männerberatungszentrum gestartet.




4. Die im Laufe der MeToo-Debatte aufgenommenen Ermittlungen gegen den Filmemacher Dieter Wedel wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung laufen inzwischen zweieinhalb Jahre. Weil dem mutmaßlichen Opfer, der Schauspielerin Jany Tempel, finanziell die Puste ausgeht, hat sie nun eine Spendenaktion gestartet, um ihre Anwaltskosten für einen möglichen Prozess gegen den Filmemacher zu bezahlen. Bislang seien 70.000 Euro zusammengekommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München wird "nicht vor Spätherbst" mit einer Entscheidung darüber zu rechnen sein, ob sie Wedel anklagt oder nicht. Wedel, der Tempel 1996 vergewaltigt haben soll, hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Inzwischen sei froh, dass es diese Ermittlungen gibt: "Ich vertraue auf die Staatsanwaltschaft."



5. In seinem Blog Alles Evolution berichtet Christian Schmidt:

In einer Diskussion, in der ich anführte, dass ich Linksextreme und Rechtsextreme beide ablehne, weil ich Identitätstheorien von beiden Seite für falsch halte ging es etwas in die Vergleiche und es wurde angeführt, dass Rechtsextreme "stochastischen Terrorismus" betreiben, die Linksextremen aber nicht.


Bei "stochastischem Terrorismus" handelt es sich um öffentliche Äußerungen zum Beispiel in den Massenmedien, die bestimmte Gruppen dämonisieren und dadurch Gewalthandlungen vorbereiten können. Schmidt bekundet, nicht nachvollziehen zu können, wie man diese Rhetorik im linken Spektrum und auch beim intersektionalen Feminismus nicht sehen könne:

Deren Theorien sind ja als Identitätspolitiken, die in bestimmten Kategorien wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Identität in Gut und Böse einteilen und damit deutliche Schuldzuweisungen vornehmen. Dazu fehlt jede Begrenzung, selbst kleinste Verfehlungen die nahezu in alles hineininterpretiert werden können, rechtfertigen sehr großen Aufruhr und der Kampf gegen den Feind kann mit allen Mitteln geführt werden.

Und natürlich gibt es dort auch eine lange Tradition von Gewalt (…), Slogans wie "Macker gibt es in jeder Stadt – Bildet Banden macht sie platt" oder #killallmen

Bisher konnte aber zumindest der Feminismus anführen, dass man ja doch eben als Frau auch irgendwie zu brav wäre, um was Schlimmes zu machen.

Aber in den Unruhen in den USA haben die intersektionalen Theorien in der Hinsicht stark verloren: Diverse Taten sind gegen Weiße, Polizisten etc verübt worden, einfach weil sie Weiße sind oder eben Polizisten. Meist waren Männer die Opfer.

(…) Beispiele für vollkommen fehlende Empathie und Äußerungen wie "ich hoffe er stirbt" bei Taten gegen "Privilegierte" (zu denen ich auch mal die Polizisten rechne) oder Brandstiftungen und Plünderungen oder das Werfen mit Molotovcocktails etc lassen sich gegenwärtig leicht finden.

Distanzierungen von Gewalt oder von diesen Übertreibungen hört man auch nicht. Insofern passt es zu der Definition oben von "stochastischen Terrorismus".




Samstag, September 12, 2020

Oberstleutnantin, Feldwebelin, Bootsfrau: Verteidigungsministerium will Soldaten-Dienstgrade gendern – News vom 12. September 2020

1. Spiegel-Online berichtet:

Feldwebelin, Bootsfrau, Oberstleutnantin: Bislang gibt es bei der Bundeswehr keine weiblichen Dienstränge. Im Ministerium wird eine Änderung diskutiert. Doch unter Soldatinnen regt sich Widerstand.


In der Tat – Begeisterung sieht anders aus:

Die Frauen im Verteidigungsausschuss des Bundestags sehen die Pläne eher skeptisch. Es sei ihr völlig egal, ob es weibliche Dienstgradbezeichnungen gebe, sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, der "Welt": "Ich glaube aber, dass die Bundeswehr andere Sorgen hat."

Noch deutlicher äußerten Soldatinnen der Bundeswehr ihren Unmut. In einer gut orchestrierten Twitterkampagne mit dem Titel "Wir sind gegen das Dienstgradgendering in der Bundeswehr" veröffentlichten Dutzende Soldatinnen ihr Foto im Netz und protestierten so gegen eine Änderung der bisherigen Regeln. Unter Soldaten verbreitete sich die Kampagne in den letzten Tagen wie ein Lauffeuer im Netz.

Der Bundeswehrverband lehnte die Pläne aus dem Wehrressort deutlich ab. "Wenn unsere Kameradinnen mehrheitlich Dienstgrade mit einer weiblichen Endung wollten, wäre das sicher eine gute Idee, tatsächlich kennen wir als Verband allerdings fast nur Frauen, die eine solche Änderung ablehnen", sagte Verbandschef André Wüstner dem SPIEGEL. Er forderte Ministerin Kramp-Karrenbauer auf, "vor einer Entscheidung den Rat von Beteiligungsgremien, Verbänden und anderen Experten einzuholen".

Eindringlich warnte Wüstner vor einer Schein-Debatte, die von den wahren Problemen der Bundeswehr ablenken könnte. Allen Soldaten, männlich wie weiblich, seien zunächst eine moderne Ausrüstung und die Verbesserung der Einsatzbereitschaft wichtig. "Wer auch immer im Ministerium jetzt eine solche Gender-Debatte lostritt, erweckt in der Truppe den Eindruck, endgültig jeglichen Bezug zu den von Mangelverwaltung geplagten Soldaten verloren zu haben", kritisierte er.


Der Verband der Soldaten der Bundeswehr (VSB) bezieht mit folgendem Statement Stellung:

Richtig an der gesamten Diskussion ist, dass Sprache Bewusstsein bildet. Also ist die gendergerechte Sprache auch bei der Bundeswehr wichtig und richtig. Jedoch haben weibliche Dienstgrade nichts mit der Gleichstellung von Soldatinnen und Soldaten zu tun. Kennen Sie die Definition einer Hauptfrau? Der Duden hilft: "Hauptfrau – angesehenste, ranghöchste von mehreren Ehefrauen eines Mannes." Sie möchten doch sicherlich auch nicht, dass zum Beispiel unsere Kompaniechefin der Aufklärungskompanie im Einsatz von den Einheimischen mit dieser Definition betrachtet wird. (...) Unsere lebens- und dienstälteren Kameradinnen berichten uns immer wieder, welche Mühen es gemacht hat, den Zusatz (w) vom Dienstgrad abzukoppeln. Der VSB wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass wir den verliehenen Dienstgrad einzig durch den Zusatz Herr bzw. Frau ergänzt wissen wollen.


Die "Bild-Zeitung" zitiert den verteidigungspolitischen Sprecher der Union, Henning Otte, mit folgenden Worten:

"An der Truppe vorbei! Wir brauchen einsatzbereite Streitkräfte und jetzt keine Diskussion über genderkonforme Dienstgradbezeichnungen von Soldaten – wir haben aktuell Wichtigeres zu tun. Bei der Debatte um die Einführung weiblicher Dienstgrade muss unbedingt berücksichtigt werden, dass eine Befragung innerhalb der Streitkräfte zu erfolgen hat. Bislang lehnte die Mehrheit der Frauen in der Bundeswehr geschlechterspezifische Dienstgrade ab."


Die "Bild" zitiert auch einen Tweet, mit dem sich Oberleutnant Wiebke Hönicke an der Debatte beteiligt hatte:

"Die Uniform kennt keine Hautfarbe oder Geschlecht, jeder ist gleich, jeder ist Kamerad. Sie vereint uns, genauso wie der Dienstgrad, der für jeden der gleiche ist. Der einzige Unterschied ist das 'Frau' oder 'Herr' vor dem entsprechenden Dienstgrad. Die Bundeswehr lebt davon, dass wir Soldaten Kameradschaft und Einigkeit leben – zu jeder Zeit. Für mich haben gegenderte Dienstgrade nichts mit #Feminismus, #Emanzipation oder #Gleichbereichtigung zu tun! Im Gegenteil: Gleichberechtigung bedeutet für mich, dass der Dienstgrad nicht in Geschlechtern unterscheidet, sondern dass es um die gleichen Rechte und Pflichten geht."


Vorsichtige Unterstützung der gegenderten Dienstgrade kommt der FAZ zufolge von der grünen Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger. Sie halte die Idee von weiblichen Dienstgraden nicht für falsch, finde die Art und Weise aber, wie das Ministerium das Thema behandele, aber "alles andere als klug."

Auch in der FDP gibt es Zustimmung zu dieser Idee. So twittert der Vorsitzende der FDP Rheinland-Pfalz, Volker Wissing, der als Nachfolger von Linda Teuteberg zum neuen Generalsekretär der Partei nominiert ist: "Eine #CDU, die weibliche Dienstgrade für Genderwahn hält, verachtet unsere Soldatinnen."



2. "Männerrechtler*innen: Brauchen wir die?" ist die neueste Folge der Podcast-Reihe "Freitag Abend" der trans Feministin Phenix Kühnert. Der erste Link auf der Seite dieses Podcasts führt zu meiner Website, was wohl vor allem daran liegt, dass ich in einem Telefoninterview die Positionen unserer Bewegung darstellen darf, wobei ich (wieder einmal) versuche, zur feministischen Bewegung Brücken zu schlagen. Unter dem Link auf meine Website finden sich zahlreiche weitere Verlinkungen: etwa zu dem rufschädigenden Artikel der FAZ über mich. zu dem gelungenen Feature über uns Männerrechtler von Mithu Sanyal, zu Genderama, zur Website von MANNdat und zu vielen Websites mit Hintergrundinformationen zu den von uns angesprochenen Problembereichen – von Suiziden über Obdachlosigkeit bis zur Todesstrafe.

Der Podcast, der auch bei iTunes und Spotify zu hören ist, eröffnet das Thema "Männerrechtsbewegung" mit einer Definition Hinrich Rosenbrocks, der unsere Bewegung bekanntlich als Bedrohung darstellt. Im Gegensatz dazu geben sich die beiden Journalistinnen, die den Podcast gestalten (Phenix und Solveig), durchaus Mühe zu differenzieren: Das Internetforum "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?" und die Wikimannia werden von ihnen wegen menschenfeindlicher und abstruser Statements abgelehnt, Manndat hingegen – wenn auch mit leichter Zurückhaltung – als "positives Beispiel" bewertet und ich selbst als "sympathisch" (was ja auch den Tatsachen entspricht).

Auf das Telefoninterview mit mir folgt eine Gegenrede aus feministischer Perspektive: Einerseits wäre es nett gewesen, auf diese Einwände eingehen zu können (auch hätte ich die gesuchten Zahlen zum Männeranteil unter den Obdachlosen leicht liefern können), aber immerhin beginnt hier mal eine Sachdebatte, statt dass es wie in manchen Artikeln der Leitmedien bei Attacken auf persönlicher Ebene bleibt.

In diesem Teil des Podcasts gibt es negative und positive Aspekte. Ärgerlich ist, dass Männerrechtsbewegung und Rechtsextremismus immer wieder stark aneinander gekoppelt werden, was mit der sehr überschaubaren Zahl an Leuten, die Wikimannia und "Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?" betreiben, nicht wirklich gut belegt ist. Darüber hinaus wird lediglich ein angeblicher US-Männerrechtler erwähnt, der Vergewaltigungen legalisieren wolle, ohne dass kenntlich gemacht wird, um wen es überhaupt geht: Gemeint ist offenbar Roosh V., der das Sorgenkind der Pick-up-Szene, aber nun mal kein Männerrechtler ist. Anhand von einigen wenigen Personen wird also eine gesamte soziale Bewegung diskreditiert – das geht allerdings jeder neuen sozialen Bewegung so und wird voraussichtlich auch immer so bleiben.

Positiv anzumerken ist, dass in dem Fazit des Podcasts deutlich wird, wie nahe beieinander wir in vielen Punkten sind: Beispielsweise erkennt Phenix Kühnert Sexismus gegen Männer an und plädiert nachdrücklich dafür, dass Polizisten bessere Fortbildungen erhalten, was die Wahrnehmung männlicher Opfer etwa von häuslicher Gewalt angeht.

Ab Minute 44 würdigen die Redakteurinnen des Podcasts die kanadische Autorin Liz Plank: Sie beklage in ihrem 2019 veröffentlichten Buch "For the Love of Men", dass der Feminismus die Probleme von Männern vernachlässige – und auch andere ihrer in dem Podcast gewürdigten Positionen decken sich mit meinen, werden aber, wohl weil Liz Plank aus dem Lager der Podcast-Redakteurinnen stammt, von ihnen begeisterter wahrgenommen, als wenn ich dasselbe mit anderen Worten darlege. (Der Fachausdruck für das, was Liz Plank mit maskulistischen Ideen tut, lautet "shepeating".)

Schließlich scheitern die Macher des Podcasts an demselben Problem, an dem ich selbst und bislang auch jeder andere gescheitert ist: einen besseren Begriff als "Feminismus" oder "Maskulismus" für eine Politik zu finden, die die Probleme aller Geschlechter gleichermaßen angeht. "Humanismus", "Equalismus" und so weiter haben bislang niemanden so richtig überzeugt.

In ihrem Fazit zu der Frage, ob man die Männerrechtsbewegung unterstützen solle, gelangen die beiden Feministinnen schließlich zu einer negativen Einschätzung. Warum? Erstens:

Vor allem muss man da bedenken, dass Menschen, die nicht extremes und rechtes Gedankengut unterstützen wollen, sich dieser Bewegung vielleicht nicht anschließen sollten, da im deutschsprachigen Raum das damit leider oft konnotiert ist – was für mich das als absolutes No-Go machen würde, mich für diese Bewegung einzusetzen.


Mit anderen Worten: Man sollte sich einer sozialen Bewegung für Jungen und Männer nicht einsetzen, weil es die WikiMANNia und fragwürdige Kommentatoren in einem Online-Forum gibt. Nach derselben Logik düfte man den Feminismus nicht unterstützen, weil es dort Terroristinnen gibt, die nicht nur verbal gewalttätig werden. Auch das sollte eigentlich ein "absolutes No-Go" darstellen.

Darüber hinaus gibt es keine gangbare Strategie, mit dem der Hauptstrom der seriösen Männerrechtsbewegung auf diesen Vorwurf reagieren kann: Wir können die wenigen Polterer unter uns schließlich nicht einfach wegzaubern (zumal man sich fragen muss, ob das in einer liberalen Demokratie überhaupt wünschenswert wäre).

Zweitens seien die Probleme der Frauen drängender, was folgender Vergleich versinnbildlichen soll:

"Hey, beim Nachbarn brennt das Haus." Der Nachbar kommt zum anderen Nachbarn und fragt: "Hey, kannst du mir helfen? Mein Haus brennt." Das wäre dann, als ob Nachbar Zwei sagt: "Ähm, ja, mein Haus ist doch auch wichtig." Dann sagt der Nachbar Eins: "Ja, aber mein Haus brennt." (…) Man muss sich erst mal um das kümmern, was jetzt das drängendste Problem ist und wo die größten Benachteiligungen und Unterschiede sind.


Deshalb solle man sich zuerst mal um das Haus kümmern, das brennt, also um Feminismus.

Normalerweise lehnen Linke eine solche sogenannte "Opferolympaide" ab: Niemand argumentiert, die Schwulenbewegung sei nicht unterstützenswert, weil Schwarze drängendere Probleme hätten. Diese Argumentation ist aber plötzlich möglich, wenn es sich bei einer der beiden Gruppen um Jungen und Männer handelt. Vor diesem Hintergrund ist die Notwendigkeit zu einer Männerrechtsbewegung überhaupt erst entstanden.

Wie lautet jetzt mein Fazit zu diesem Podcast? Man könnte ihn als Teil von folgender Entwicklung betrachten: Vor einigen Jahren galten unsere Argumente und Positionen noch als lächerlich, absurd und gemeingefährlich; einige Journalisten tun heute noch so, als ob sie das wären. Formate wie dieser Podcast zeigen indes, dass auch die ersten Feministinnen überlegen, ob an dem, was wir sagen, nicht doch etwas dran sein könnte und ob es diskussionswürdig ist. Man gibt sich Mühe, die Männerrechtsbewegung differenzierter zu betrachten, als das etwa noch Hinrich Rosenbrock getan hat, der sich in einer Abschlussarbeit der Genderstudien fragte, wie man diese soziale Bewegung am besten bekämpfen kann. In einiger Zukunft werden unsere Positionen dann offenkundige Binsenweisheiten sein, und es wird heißen, dass Feministinnen sie zuerst entwickelt haben, während Maskulisten diese genialen und wichtigen Gedanken nur mit ihrem rechtsextremen Quatsch verunreinigten. Das mediale Totschweigen und Herabsetzen auch der seriösen Männerrechtler bereitet diese Strategie ja ohnehin schon vor.



3. Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland steigt. Gehörten bislang hauptsächlich Männer zu dieser Gruppe trifft es jetzt vermehrt Familien mit Kindern. Die Reaktion der Politik bleibt dürftig:

Tatsächlich ist die ohnehin schlechte Lage der Obdach- und Wohnungslosen durch die Pandemie noch elender geworden, beklagen Sozialverbände wie die Diakonie. Denn niedrigschwellige Angebote wie Essens- und Kleiderausgaben mit vielen älteren Ehrenamtlichen in der altersbedingten Risikogruppe, aber auch medizinische Versorgung durch freiwillig tätige ältere Ärzte im Ruhestand waren oder sind reduziert. Im Winter werden viele mit Mehrbettzimmer in Notunterkünften wegen der Abstandsregeln nicht voll belegt werden können.

Und: Die für besonders schutzbedürftige, oft gesundheitlich geschwächten Obdachlosen geöffneten Hotels und Herbergen trafen auch nur wenige Glückliche. In Berlin etwa entstanden so vorübergehend rund 300 Schlafzimmer mehr: Doch allein in diesem Januar wurden in Berlin fast 2000 auf der Straße lebende Menschen angetroffen - von freiwilligen Zählern in der "Nacht der Solidarität". Die Dunkelziffer liegt weit höher. Hinzu kommen 34.051 Wohnungslose in Berliner Sozialunterkünften, rund 4000 Menschen mehr als 2016. (...) Schon lange fordert die BAG W hingegen einen nationalen Aktionsplan, um das Thema nicht weiter an Länder und Kommunen zu verschieben. Denn Wohnungslose werden nicht nur mehr, sondern auch jünger, internationaler und die Zahl der obdachlosen Frauen steigt - bisher eher eine Minderheit in dieser Gruppe.

(...) Die Bundesregierung duckt sich weg. Zwar steht eine Wohnraumoffensive und auch das Ziel "bezahlbarer Mieten" im Koalitionsvertrag, doch im Kabinett spielen Obdachlose als besonders zu stärkende Gruppe keine Rolle. (...) Die Bundestags-Grünen fordern von der Bundesregierung kommende Woche erneut in einem Antrag das Nachhaltigkeitsziel, bis 2030 keine Obdachlosigkeit mehr zu haben. Dies als Ziel auszugeben, traut sich nicht einmal die der Linkspartei angehörende Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach. (…) Deutschlandweit bleibt es ein unübersichtlicher und unkoordinierter Flickenteppich an Maßnahmen, abhängig von der Finanzkraft der Kommunen. Zudem liegen auf Bundesebene und für die meisten Bundesländer keine wirklich belastbaren Zahlen vor - dies wurde lang von Sozialpolitikern kritisiert.


Man muss aber verstehen, wenn den Politikern in unserem Land beispielsweise das Durchgendern der Soldatndienstgrade wichtiger ist, als Obdachlosen zu helfen: Wenn das eine Haus brennt, kann schließlich nicht einfach irgendwer anders daherkommen und sagen: "Bitte hilf mir auch, ich hab überhaupt kein Haus."



4. Aus einer aktuellen Rezension meines "Lexikons der feministischen Irrtümer":

Das Buch schafft es im Wesentlichen ohne Polemik die aktuelle Situation in der Genderdebatte darzustellen. An einigen wenigen Stellen schimmert die Verzweiflung des Autors durch, die ich aber gut nachvollziehen kann.


You hear me, brother. :-)



5. In den letzten Tagen berichtete Genderama immer wieder über die Kampagne "Es reicht!", die sich dagegen richtet, wie eine Reform des Familienrechts vor allem von SPD-Ministerinnen blockiert wird. An die Unterstützer dieser Kampagne richtet der Väterrechtler Franzjörg Krieg nun folgende Aufforderung auf Facebook:

Meldet euch unter krieg@vafk-karlsruhe.de bei mir, damit ich die bisherige Konzeption der Reaktion auf die derzeitige Familienpolitik mit euch teilen und gemeinsam festlegen kann. Ich suche nur Personen, die Ahnung von den Inhalten der Fortschreibung des Familienrechts und von den politischen Abläufen haben und auch wirklich etwas tun möchten.

Ich bitte auch um Personen, die auf anderen Plattformen unterwegs sind (Twitter etc.) und die die Aktion ES REICHT! auch dort einbringen und administrieren können. Auch solche sollten sich bei mir per Mail melden.

Es gibt viele, die von mir über Facebook nicht erreicht werden. Vielleicht kennt ihr solche und könnt auch diese auf meine Aktion aufmerksam machen. Ich möchte nicht, dass diese Aktion nur eine von mir bleibt, sondern dass sie eine breite Aktionsbasis findet. Über Kontakte konnte ich feststellen, dass eine hohe Bereitschaft besteht, das mit zu gestalten und mit in die breite Gesellschaft zu streuen.

Es müssen bundesweit Aktionen dazu laufen mit überall gleichen Signalen. Das funktioniert aber nur, wenn auch viele an der Konzeption beteiligt sind.




6. Die Post. Einer meiner Leser aus Österreich schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

nachdem Sie unermüdlich und zurecht immer wieder auf die ideologische Einseitigkeit in den Medien hinweisen, hier der Hinweis auf zwei Sendungen die sich wohltuend davon abheben. Beide wurden auf dem Radiosendser Ö1 ausgestrahlt, das ist Österreichs öffentlich-rechtlicher Sender für die linke intellektuell-akademische Schicht - zumindest sieht er sich selbst gerne so.

Üblicherweise bekommt man allerdings auch auf Ö1 den immer gleich langweiligen Einheitsbrei zu hören und der Sender tut sich nicht gerade als aufgeklärt-kritisches Medium hervor. Noch kein Gender-Pay-Gap Tag oder einer der vielen weiteren gender gap Tage, bei denen man nicht die volle ideologische Breitseite zu hören bekam (zum gender empathy gap Tag erwartungsgemäß: nichts)

Um so erstaunlicher diese beiden Sendungen, deshalb mache ich mir auch die Mühe darauf hinzuweisen. Die Sendungen sind diese Woche gelaufen und können 7 Tage lang auf der Ö1 Webseite nachgehört werden.

1. Salzburger Nachtstudio vom Mittwoch, dem 9. September, zum Thema Zensur, Eintönigkeit der Medien und Schere im Kopf. Zu Wort kommen die uns wohlbekannte Christine Bauer-Jelinek sowie Rainer Mausfeld. Viele kluge Worte, der Sender Ö1 müsste diese Erkenntnisse "nur" noch umsetzen.

2. Radiokolleg Reihe (4-teilig Montag bis Donnerstag Vormittag) zum Thema 25 Jahre Pekinger Frauenkonferenz.

Ich fand diese Reihe durchaus informativ, obwohl sie natürlich erheblich Schlagseite aufweist. So weit dass man Gender Mainstreaming und dessen teilweise absurden Auswirkungen offen kritisiert will man dann wohl doch nicht gehen, was gerade im Zusammenspiel mit der ersten Sendung bezüglich (vorausseilender Selbst-)Zensur eine gewisse Ironie aufweist. Neu und sehr interessant fand ich den expliziten Hinweis darauf, dass es bei der Frauenkonferenz in Peking und auch bei der Konferenz zuvor (1985 in Nairobi) sehr starke interne Auseinandersetzungen zur politischen Stoßrichtung gab. O-Ton aus der Sendung: "Bis hin zu Handgreiflichkeiten". Es hatte nämlich der "globale Süden" dem "globalen Norden" vorgeworfen, die feministischen Anstrengungen des Nordens wären eine Partikularpolitik für die kleine, gut ausgebildete Schicht der Akademikerfrauen, und man möge sich doch bitte zuerst mal um die tatsächlich gravierenden ökonomischen Benachteiligungen der Frauen in den Ländern des globalen Südens kümmern, bevor man daran denkt Binnen-I und Gender Ampeln gesetzlich zu verankern.

Kommt das vielleicht bekannt vor?

Nun, es dürfte klar sein, wer sich schlußendlich durchgesetzt hat. Gut gemacht Frauenpolitik! 25 Jahre und keinen Deut klüger als zuvor.

Jedenfalls war es für mich neu, dass genau dieser Punkt, der jetzt von Männerrechtlern kritisiert wird (Genderfeminismus ist eine Politik die nur einer kleinen Minderheit von Frauen zugute kommt, die eigentlich eh schon alles haben), bereits vor über 25 Jahren auch feminismusintern heiß umkämpft war. Und genau wie heute hat die Siegerseite es geschafft, dass dieser strittige Punkt weitgehend totgeschwiegen wurde. Oder warum erfahre ich davon erst heute durch diese Sendung?

Ich hoffe diese Sendungen sind vielleicht ein erster kleiner Lichtblick und wir sehen in Zukunft noch mehr ausgewogene Berichterstattung.




Freitag, September 11, 2020

Die Welt: "Die Wut der Väter auf die SPD" – News vom 11. September 2020

1. In einem Artikel der Tageszeitung "Die Welt" berichtet Sabine Menkens über den Unmut der Väterbewegung mit dem Ausfall der versprochenen Unterhaltsreform. Ein Auszug:

Die Erwartungshaltung war groß, nachdem Familienministerin Giffey [SPD] im vergangenen Jahr angekündigt hatte, Trennungsväter finanziell zu entlasten. Es könne nicht angehen, "dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat", hatte Giffey damals gesagt. Auch Justizministerin Christine Lambrecht (SPD), deren Ministerium federführend bei Reformen im Familienrecht ist, kündigte Entlastungen für Väter an, die sich nach einer Trennung intensiv um ihre Kinder kümmern. "Bei der geplanten Reform suchen wir nach einem fairen Ausgleich der Interessen", hatte Lambrecht damals gesagt. Geplant sei ein Gesamtpaket: "Wir müssen das Unterhaltsrecht zusammen mit dem Sorge- und Umgangsrecht betrachten."

Jetzt hat Lambrecht einen Gesetzentwurf in die Ressortabstimmung im Kabinett gegeben. Doch statt der umfangreichen familienrechtlichen Neuregelungen, wie sie zuvor von Experten innerhalb des Ministeriums erarbeitet worden waren, enthält der Entwurf nur kleinere Reformelemente aus den Bereichen des Abstammungs-, Kindschafts- und Kindesunterhaltsrechtes, unter anderem die Mitmutterschaft für lesbische Paare. "Für die ganz große Familienrechtsreform reicht die Zeit tatsächlich nicht", sagte Lambrecht.

Eine Haltung, die bei Vätern auf Protest stößt. "Es scheint offensichtlich, dass erneut versucht werden soll, durch Verabschiedung bewusst wirkungsloser Gesetze die dringend erforderlichen Veränderungen im Familienrecht wieder einmal um fünf oder zehn Jahre hinauszuzögern", heißt es in dem Brief des [Väteraufbruchs für Kinder]. Eine derartige politische Taktiererei auf dem Rücken von Familien und insbesondere von Kindern sei "unerträglich".

Tatsächlich fällt die angekündigte Unterhaltsreform komplett aus. Das materielle Kindesunterhaltsrecht solle im Rahmen der Teilreform "nicht grundsätzlich reformiert werden", heißt es dazu in dem Gesetzesentwurf. (…) Die Phase der Abstimmung innerhalb der Bundesregierung war bis zum 27. August angesetzt, danach hätte der Entwurf in die Verbändeanhörung gehen sollen. Doch das ist bisher nicht passiert, wie das Justizministerium bestätigte. Das Familienministerium steckt nach eigenen Angaben aber nicht dahinter. Auch zu den in dem offenen Brief erhobenen Vorwürfen wolle man sich nicht äußern, sagte eine Sprecherin.


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Auf Facebook hatte sich schon vor ein paar Tagen der bekannte Väterrechtler Franzjörg Krieg zu dem Debakel geäußert:

7 Jahre SPD-geführte Dominanz im Bundesjustiz- und Bundesfamilienministerium führte zur Katastrophe einer Reform, die keine werden soll und die sowohl Väter als auch Kinder verarscht.

Ich will jetzt keinen Hickhack von Kritikern unserer SPD-geführten Gesellschaftpolitik untereinander, sondern eine deutliche und entschiedene GEMEINSAME Allianz gegen diese verfehlte Politik.

Eine Partei, die so was als Ergebnis jahrelanger Politik anbietet, muss die Quittung dafür bekommen.

14% sind 2 x 5% Prozent zuviel - die ersten 5%, um die GenossInnen einstellig werden zu lassen, d.h., zur Randparteil abzugraden und die zweiten 5%, um den GenossInnen eine schöpferische Pause zu gewähren, damit sie endlich die "Erneuerung" schaffen, die sie uns seit Jahren immer wieder verkaufen wollen.

Die Aktion ES REICHT! nimmt Gestalt an. Ich will aber eine breite Allianz, die noch etwas Zeit braucht. Ihr könnt schon mal das Logo breit streuen. Wir arbeiten an markanten Forderungen, die alles beinhalten, was wir seit vielen Jahren haben wollen. Das muss überall in der BRD immer wieder zu sehen sein.

Wenn wir die nächste Wahl nachhaltig beeinflussen wollen, müsst ihr diesen Ball aufnehmen. Das Logo und die Botschaft ES REICHT! müssen ab sofort überall auftauchen. Die Leute müssen neugierig werden auf den Inhalt, den wir sicher liefern werden.

Teilt das auf allen Portalen und in allen Sozialen Medien!


Ich hatte ja schon vor ein paar Tagen selbst vorgeschlagen, dass diese "Katastrophe" eine Gelegenheit sein könnte, das "Hickhack untereinander" zu begraben und zum Beispiel Bundesforum Männer, Manndat, die "IG Jungen, Männer, Väter" und die Liberalen Männer endlich an einem Strang ziehen zu lassen.



2. Ähnlich wie die SPD-Ministerin Lambrecht zieht sich auch die FDP-Abgeordnete Katja Suding aus der Politik zurück und spricht in einem Interview über die Hintergründe: "Eine 80-Stunden-Woche ist kein Traumjob". (Einer meiner Leser merkt dazu an, das lasse gut erkennen, warum so viel mehr Männer als Frauen in hohen politischen Ämtern seien.) Auf die Frage, ob die FDP ihre Führungsfrauen vergraule, erwidert Suding:

Ganz im Gegenteil. Ich habe viel Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Außerdem lasse ich mich nicht vergraulen, das ist ein schräges Bild. Mit Christian Lindner arbeite ich seit Jahren sehr gern und gut zusammen. Und zu den Frauen in der FDP: Ich habe doch gezeigt, dass man in der FDP als Frau Karriere machen und etwas bewegen kann. Mir hat nie irgendjemand Steine in den Weg gelegt.




3. Noch vor Ende des Jahres soll das dänische Parlament entscheiden, ob die rituelle Beschneidung von Jungen künftig verboten wird und stattdessen nur Erwachsene beziehungsweise Religionsmündige entscheiden sollen, ob siediese Körperverletzung auf sich nehmen. Wie die Jüdische Allgemeine allgemeine berichtet, stellt diese Entwicklung für einen der Sprecher der dänsichen Juden die "größte Krise für das dänische Judentum seit dem Zweiten Weltkrieg" dar: "Damals mussten wir nach Schweden flüchten".



4. Die englische Universität von Sunderland kündigt an, den weltweit ersten Fachbereich für Männerpsychologie zu begründen. Dabei handelt es sich nicht einmal um pseudowissenschaftlich verbrämtes Männer-Bashing wie in den "Männerstudien" von Michael Kimmel &. Co. Stattdessen erfahren endlich diejenigen Themen wissenschaftliche Beachtung, über die Männerrechtler wie ich seit Jahrzehnten sprechen:

Die Männerpsychologie befasst sich mit dem Denken, den Gefühlen und dem Verhalten von Männern und Jungen sowie mit den Faktoren, die auf sie einwirken.

Sunderland hat das Modul für das Grundstudium Stufe 3 ins Leben gerufen, um in diesem Bereich neues Licht zu werfen, und will eine neue Generation von Psychologen in einer Weise informieren, die praktischen und theoretischen Nutzen bringt.

Da Männer und Jungen die Mehrheit der Selbstmorde, Obdachlosigkeit, Sucht, Inhaftierung und Bildungsdefizite in der Gesellschaft repräsentieren, wurde das Modul so konzipiert, dass es ein besseres Verständnis für ihre geschlechtsspezifischen Bedürfnisse schafft und die zugrunde liegenden Probleme untersucht, was zu geeigneten psychologischen Interventionen führt, die allen zugute kommen.

Dr. Rebecca Owens von der Sunderland School of Psychology hat das neue Modul entwickelt, das landesweit durch das Male Psychology Network unterstützt wird und kürzlich in einem Artikel der neuen Sektion für männliche Psychologie der British Psychological Society (BPS) vorgestellt wurde.

Sie erklärte: "Untersuchungen legen nahe, dass Männer ein angeborenes, oft unbewusstes Verlangen haben, stark und unverwundbar zu erscheinen, und die Gesellschaft hat dies auch oft gefördert. Es gibt jedoch ein zunehmendes Bewusstsein für die Verwundbarkeit von Männern, für die Menschlichkeit der Männlichkeit, und wir müssen die Dynamik aufrechterhalten, um Bewusstsein, Verständnis und Unterstützung für Männer zu fördern. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Forschung in der Männerpsychologie und bin im Ausschuss der BPS-Sektion für Männerpsychologie, daher habe ich ein großes Interesse an diesem Bereich. Als ich die Wahrnehmung der Psychologie als Disziplin erforschte, stellte sich jedoch heraus, dass Psychologie in erster Linie als weibliches Fach wahrgenommen wird, was männliche Bewerber abschrecken kann. Dies, zusammen mit dem von uns kritisierten Begriff der 'toxischen Männlichkeit' und den übersehenen Problemen, die Männer und Jungen betreffen, hielten wir ein Modul Männerpsychologie für angebracht".

(...) Dieses Modul wird sich mit den Auswirkungen von Geschlechterrollen und Stereotypen auf die psychische Gesundheit befassen. Wenn Männer zum Beispiel so gesehen werden, als ob sie nur an unverbindlichen sexuellen Beziehungen interessiert seien, wie viel Einfühlungsvermögen besteht dann, wenn es um die langfristigen Auswirkungen der unfreiwilligen Kinderlosigkeit auf die psychische Gesundheit von Männern geht?

Und wenn Männer als dominant, aggressiv, durchsetzungsfähig und machtsüchtig angesehen werden, wie wirkt sich dieses Stereotyp auf die Art und Weise aus, wie die Gesellschaft männliche Opfer von Gewalt durch Intimpartnerinnen betrachtet?

Dr. Helen Driscoll, Hauptdozentin und Teamleiterin für Psychologie, ebenfalls Evolutionspsychologin, erklärte: "Meine Doktorarbeit befasste sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in Aggression und Gewalt. Dabei lernte ich, dass Männer wie Frauen häufig Opfer von Gewalt durch Intimpartnerinnen sind, dass männliche Viktimisierung jedoch in der Gesellschaft, in der Männer in der Regel als Täter angesehen werden, weitgehend ein unsichtbares Thema bleibt. Das führte mich zu einem Interesse an einigen der verborgenen Probleme, mit denen Männer konfrontiert sind, und zu der Notwendigkeit, dass die Psychologie als Disziplin diesen Problemen Aufmerksamkeit schenken muss. Die neue BPS-Sektion für Männerpsychologie ist eine wichtige Entwicklung, und in Sunderland wollten wir diese Dynamik in der Disziplin der Psychologie nutzen und unseren Studenten die Möglichkeit geben, die einzigartigen psychologischen Probleme zu studieren, mit denen Männer konfrontiert sind."


Wenn dieser Zugang zum Männerthema auch außerhalb von Sunderland endlich Schule macht, halte ich das für einen großen Schritt unserer Bewegung nach vorne.

Donnerstag, September 10, 2020

Roter Filz der SPD schützt Betrügerin Giffey – News vom 10. September 2020

1. Die Doktorarbeit von Frauenministerin Giffey (SPD), die nach dem Aufdecken zahlreicher Plagiate darin mit einer eigens für Giffey erfundenen milden Sanktionsform, einer "Rüge", bedacht wurde, wird nicht noch einmal überprüft werden. Das berichtet die Berliner Zeitung B.Z.:

Die SPD-Politikerin Franziska Giffey muss keine weitere Überprüfung ihrer Doktorarbeit fürchten. Das teilte uns der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf Anfrage mit. Müller bekleidet in Personalunion auch das Amt des Hochschulsenators.


Wie auch Genderama berichtet hatte, bestätigte der Wissenschaftliche Parlamentsdienst des Abgeordnetenhauses vor mehreren Wochen, dass eine "Rüge" als Sanktion für Betrug nach dem Hochschulgesetz ungültig ist. Giffey wurde also rechtswidrig bevorzugt. Nicht nur das Präsidium der Freien Universität Berlin, auch der Regierende Bürgermeister der Stadt nehmen ihre Kontrollfunktion nicht wahr und ignorieren der B.Z. zufolge diesen Befund:

Das ist kein Wunder. Denn Franziska Giffey ist die Hoffnungsträgerin der SPD. Sie soll die schwache Partei im Wahlkampf 2021 zum Sieg führen und selbst Regierende Bürgermeisterin werden. Müller will seiner Partei diesen Weg nicht versperren, indem er die Doktorarbeit erneut untersuchen lässt, was dazu führen könnte, dass Giffey ihren Titel noch verliert. Für diesen Fall hat sie ihren Rücktritt angekündigt.

Müller will außerdem in den Bundestag wechseln und braucht dafür die Partei im Rücken. Das FU-Präsidium muckt auch nicht auf, denn dort ist man auf das Wohlwollen von Müller angewiesen. Ab 2021 könnte Giffey selbst die Vorgesetzte des FU-Präsidenten sein. Welches Interesse sollte er denn an einer abermaligen Untersuchung ihrer Doktorarbeit haben? Im Volksmund nennt man diese Konstellation einen Filz. Es ist ein roter Filz, der dafür sorgt, dass Giffey mit einem blauen Auge davon kommt.




2. Die Strategie vieler Feministinnen, Positionen in den Leitmedien einzunehmen, bleibt erfolgreich. So kann sich jeder, der feministische Maßnahmen ergreift, über kostenlose Reklame in diesen Medien freuen: so wie aktuell Radio Fritz, der erste Sender, der Gendersternchen in den Nachrichten mitspricht, in der Süddeutschen Zeitung. Feminismuskritische Stimmen werden von denselben Medien weiterhin totgeschwiegen oder herabgesetzt.



3. Währenddessen bietet in Großbritannien der feministische Guardian Pauline Harmange, der Autorin des Buches "Ich hasse Männer", eine Plattform für ihre Selbstdarstellung. Ein Auszug:

"Ich bin mit einem Mann verheiratet, der großartig ist und mein Schreiben wirklich unterstützt. Aber im Allgemeinen misstraue ich Männern, die ich nicht kenne", sagte Harmange. (...) Sie fügte hinzu: "Wenn wir heterosexuell sind, werden wir ermutigt, Männer zu mögen, aber wir sollten unbedingt das Recht haben, sie nicht zu mögen. Mir ist klar, dass dies nach einem gewalttätigen Gefühl klingt, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es uns erlaubt sein sollte, sie nicht als Ganzes zu lieben und nur für bestimmte Männer Ausnahmen zu machen".

In dem Buch heißt es, die Verteidigung des Männerhasses sei befreiend und könne Raum für Schwesternschaft schaffen. "Was ist, wenn Frauen gute Gründe haben, Männer zu verabscheuen? Was, wenn die Wut auf Männer tatsächlich ein freudiger und emanzipatorischer Weg ist, wenn sie sich ausdrücken darf?" schreibt Harmange.

(...) Sie sagt, Misandrie werde oft als ein Witz oder, schlimmer noch, als ein Mittel zur Diskreditierung von Feministinnen angesehen, aber sie glaubt, es sei nichts Falsches daran, zu diesem Hass zu stehen, der ihrer Meinung nach angesichts des Schadens, den Männer Frauen zufügen, legitim ist.

"Hass auf Männer existiert nur als Reaktion auf die Frauenfeindlichkeit, die die Wurzel systemischer Gewalt ist", schreibt sie. Das Buch zitiert Statistiken aus dem Jahr 2018, die zeigen, dass 96% der Personen, die wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurden, und 99% der Personen, die wegen sexueller Gewalt verurteilt wurden, Männer waren. "Wohingegen Männerhass noch nie jemanden getötet hat", schreibt Harmange.

(...) Harmange sagte, die negative Reaktion auf das Buch sei vorhersehbar. "Weibliche und feministische Stimmen sind unter Männern nicht immer willkommen."




4. Australische Feministinnen sind mit einer Rufmordkampagne gescheitert, die zum Ziel hatte, dass der männerfreundlichen Journalistin Bettina Arndt ein hoher Verdienstorden ihres Landes aberkannt wurde. "Seit acht Monaten verbreiten sie schon all diese Fehlinformationen über mich", berichtet Arndt. "Die Medien, unsere völlig willfährigen Medien, haben einfach all diesen Müll über mich weiterverbreitet, ohne jemals nachzuprüfen, woher das alles kam und warum."



5. Corinne Barraclough, eine andere männerfreundliche australische Journalistin, beschäftigt sich in einem aktuellen Artikel mit den steigenden Selbstmordzahlen bei Männern:

Die Zahlen gehen in die falsche Richtung, überall auf der Welt.

Ein neuer Bericht, der heute - am Welt-Suizidpräventionstag - veröffentlicht werden soll, behauptet, dass er "10 Möglichkeiten aufzählt, wie sich der Selbstmord von Männern von dem von Frauen unterscheidet".

Eine der Statistiken, die in dem "Selbstmord-Schnappschuss" enthalten sind, besagt, dass 97 Prozent der Selbstmorde mit Schusswaffen begangen werden (…).

Sicherlich ist die Tatsache, dass Männer tödlichere Methoden wählen, um ihr Leben zu beenden, allgemein bekannt.

Aber wo liegt der Schwerpunkt auf den Ursachen?

Wo sind die Statistiken über die Schäden durch falsche Anschuldigungen?

Wo sind die Wohltätigkeitsorganisationen für Väter, die Informationen zur Verfügung stellen, die es unmöglich machen würden, tatsächliche Maßnahmen zur Verringerung der Selbstmordrate bei Männern länger zu ignorieren?

In dem Bericht heißt es: "81 Prozent der Selbstmorde [stehen] im Zusammenhang mit der Trennung von Beziehungen".

Wo ist also die Strategie speziell für Trennungsväter?

Wo sind die Ausgaben speziell für die Rettung ihrer Leben?

(...) Im Bericht heißt es: "Die meisten Mittel für die Suizidprävention sind für Dienste bestimmt, von denen bekannt ist, dass sie wirksamer sind, um mehr Frauen als Männer zu erreichen."

Warum?

Warum ist das zugelassen worden - und wo sind die Experten, die die Regierung für dieses Blutbad zur Rechenschaft ziehen?

Warum zum Teufel wird hier Geld an feministische Organisationen gegeben?

(...) Die Wahrheit ist, dass wir die vollständige Zahl nicht einmal kennen.

Wo sind die Zahlen derer, die einen Suizid versucht haben, ihn nicht vollendeten und verletzt bleiben?

Wenn ein Fahrzeug von der Straße abkommt, beschleunigt und gegen einen Baum prallt, ohne dass ein mechanisches Versagen erkennbar ist, wird das als tödlicher Verkehrsunfall gezählt.

Warum können die Mitarbeiter des Rettungsdienstes oder die Gerichtsmediziner die Möglichkeit eines Selbstmordes nicht bewerten?

War diese Person in einen Beziehungszusammenbruch verwickelt? Wurde sie vom Familiengericht verurteilt? Gab es einen Sorgerechtsstreit? Kämpften sie gegen falsche Anschuldigungen?

Der offensichtliche Grund dafür, dass diese Zahlen nicht veröffentlicht werden, liegt darin, dass die Öffentlichkeit den vollen Schrecken nie zu sehen bekommt; denn das würde die Punkte zwischen der Praxis des Familiengerichts, den Falschbeschuldigungen, der feministischen Doktrin und dem männlichen Selbstmord eindeutig miteinander verbinden.

Das ist massenhafter Männerhass. (...) Nicht nur, dass die nationalen Beamten und Führungspersonen auf einem Berg von toten Männern leben und gedeihen, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie hoch er ist - wir alle tun das.

Jeden Tag.




6. Die Post. Einer meiner skandinavischen Leser berichtet heute von einem Coup auf Facebook:

In Norwegen gibt es seit vielen Jahren zwei Facebook-Seiten, auf denen Fragen zu Geschlecht und Gleichstellung diskutiert wurden. Sie heißen Ekvalisme1 und Ekvalisme2 ["Ekvalisme" oder "Äkvalismus" ist eine Ideologie, der zufolge Menschen gleich sein sollten]. Es war ein Forum, wo Menschen mit feministischen und antifeministischen Ansichten in der Lage waren, Klingen zu kreuzen und Ansichten auszutauschen. Ich halte es für die gesellschaftliche Debatte sehr nützlich, dass ein Dialog zwischen unterschiedlichen Ansichten aufrechterhalten werden kann, um zu vermeiden, dass Menschen in zwei Lager aufgeteilt werden, die gegeneinander kämpfen und einander nicht verstehen.

Nun ist es jedoch geschehen, dass der männliche Administrator dieser beiden Seiten durch einige Angriffe gegen ihn stark provoziert wurde. Er wurde so wütend, dass er die Kontrolle über diese Seiten einer Stellvertreterin mit feministischen Ansichten überließ. Seitdem ist die Seite von einer stark roten politischen Gruppierung übernommen wurde. Viele rote Mitglieder haben sich angemeldet, so dass sie jetzt die Mehrheit bilden, und alle Beiträge aus den letzten rund drei Jahre wurden gelöscht. Die Seiten sind tot.

Diese Aktion zielt daher darauf ab, ein Forum für Meinungen zu entfernen, die die Roten nicht akzeptieren.

Die verbleibenden Mitglieder sind jetzt auf eine Seite namens Ekvalisme2 – Backup-gruppe umgezogen. Hier gibt es jetzt über 600 Mitglieder.

In einer Demokratie respektiert man, dass Anderen andere Meinungen haben. In diesem Fall haben sich die Roten als Antidemokraten erwiesen.




Mittwoch, September 09, 2020

Neues Deutschland über Gewalt gegen Männer: "Es muss nicht das Nudelholz sein" – News vom 9. September 2020

1. In einem aktuellen Artikel berichtet die sozialistische Tageszeitung "Neues Deutschland" (ehemaliges Parteiblatt der SED):

Gewalterfahrungen von Männern sind ein Tabuthema - eine Beratungsstelle und Jenaer Wissenschaftler wollen dem abhelfen.


In dem durchaus lesenswerten Artikel von Sebastian Haak heißt es:

Vielleicht noch schockierender als die Gewalt, über die die fünf Männer in den Interviews berichten, ist die Hilfslosigkeit, die aus ihren Aussagen spricht. Immer und immer wieder. Hilflosigkeit, die nicht nur daher kommt, dass es zwar viele Unterstützungsangebote für Frauen in Deutschland gibt, die Opfer häuslicher Gewalt werden, aber nur sehr wenige vergleichbare Angebote für Männer. Die Hilflosigkeit hat viel damit zu tun, dass Gewalt von Frauen gegen Männer noch immer ein großes Tabuthema ist.


Nun gibt es hierzulande seit etwa zwanzig Jahren eine politische Bewegung, die damit beschäftigt ist, dieses Tabu zu knacken: die Männerrechtsbewegung. Genau die politische Bewegung also, die ihr, libe Neues-Deutschland-Mitarbeiter, vor gar nicht so langer Zeit noch als "rechtspopulistische Frauenhasser" diffamiert habt. Das war dann wohl euer Anteil, um zu der Tabuisierung von Gewaltopfern beizutragen, die ihr jetzt beklagt?

(Euer damaliger Artikel wurde übrigens hier angemessen filettiert.)

Aber vielleicht sollte ich auch aufhören, so sarkastisch zu sein, und anerkennen, dass sich das Neue Deutschland wenigstens in die richtige Richtung bewegt. Zwanzig Jahre nach uns Männerrechtlern, aber immerhin.



2. Wie die Londoner Times berichtet, wird ein Pariser Verlag mit Strafverfolgung bedroht, weil er mit der Veröffentlichung eines Essays namens "Ich hasse Männer" zu Hass anstachelte.

Die Warnung des Ministeriums für die Gleichstellung hat Feministinnen verärgert und zu Vorwürfen der Zensur geführt sowie den Verkauf des 80-seitigen Buches von Pauline Harmange, 25, einer Aktivistin aus Lille, angekurbelt.

Die Episode begann, als Coline Pierre und Martin Page, die den winzigen Verlag Monstrograph leiten, von Ralph Zurmely, einem Politikreferenten des Ministeriums, per E-Mail angeschrieben wurden, nachdem das Werk letzten Monat veröffentlicht worden war.

"Dieses Buch ist nach allem, was man hört ... eine Ode an die Misandrie (Männerhass)", sagte er. "Ich möchte Sie daran erinnern, dass die geschlechtsbezogene Aufstachelung zum Hass eine Straftat ist. Ich bitte Sie, dieses Buch unter Androhung einer strafrechtlichen Verfolgung unverzüglich aus Ihrem Katalog zu streichen."

Harmange's Essay "Moi les hommes, je les deteste", den sie als "Manifest für Misandrie" bezeichnet, ist eine mild formulierte Rechtfertigung dafür, Männer als Quelle des Leidens von Frauen anzusehen.

"Feministinnen behandeln Männerfeindlichkeit oft als einen Witz. Ich fand es interessant, zu erklären, dass wir gute Gründe haben, an diesen Punkt zu gelangen", sagte sie. In dem Buch stellt sie fest, dass "Vorwürfe der Männerfeindlichkeit eine ... Möglichkeit sind, den manchmal gewalttätigen und immer legitimen Zorn der Unterdrückten gegenüber ihren Unterdrückern zum Schweigen zu bringen".

Nach Spott und Drohungen gegenüber Harmange in den sozialen Medien distanzierte sich das Ministerium unter der Leitung von Elisabeth Moreno von seinem Referenten Zurmely und sagte, die Warnung sei auf seine Initiative hin und nicht im Namen der Ministerin ausgesprochen worden.

Zurmely blieb hartnäckig und wies die Medien darauf hin, dass eine Verurteilung wegen Anstiftung zum Geschlechterhass mit einem Jahr Gefängnis bestraft werden könne. "Wenn die Verleger darauf beharren, dieses Buch zu verkaufen, werden sie direkt zu Komplizen des Vergehens, und ich werde mich gezwungen sehen, den Fall an die Staatsanwaltschaft zur Strafverfolgung weiterzuleiten", sagte er in einer E-Mail an die Nachrichtenseite Mediapart.

Die Verleger weigerten sich, zu gehorchen. "Dieses Buch ist keineswegs eine Aufstachelung zum Hass", sagten sie. "Der Titel ist provokativ, aber das Argument ist maßvoll."

Die Warnung des Ministeriums habe die Verkäufe in einem "Streisand-Effekt" angekurbelt, sagten sie und bezogen sich dabei auf den Versuch von Barbra Streisand, die Veröffentlichung von Bildern ihres Hauses am Meer in Malibu im Jahr 2003 zu verbieten, wodurch sie viral verbreitet wurden.

"Diese Geschichte zeigt, dass man Wut nicht zum Schweigen bringen kann", sagten sie.




3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

in Ihrem aktuellen Blogpost schreiben Sie, dass sich auch Frauen Naziverbrechen schuldig gemacht haben. Was kann das denn konkret bedeuten?

Ich habe vor einigen Wochen zufällig den Wikipedia-Artikel zum Sexploitation-Porno "Ilsa, She Wolf of The SS" entdeckt (wegen des Fake-Trailers von Tarantino über "Werewolf Woman of the SS", welcher darauf anspielt). In dem Wikipedia-Eintrag heißt es:

"Der Film selbst ist vage inspiriert vom Leben der Irma Grese und der Dr. Herta Oberheuser. Grese war Aufseherin in Bergen-Belsen und Auschwitz, Oberheuser Ärztin in Ravensbrück. Der Name Ilsa leitet sich vermutlich von der Frau des Kommandanten des KZ Buchenwald Ilse Koch (der 'Hexe von Buchenwald') ab, auf die u. a. in Form des Einsatzes von Häftlingen für Haus- und Gartenarbeiten im Film auch explizite Anspielungen enthalten sind.

Grese war eine der meistgehassten Aufseherinnen im Lager. Selbst erst Anfang 20, verbrachte sie ihre Zeit im Lager unter anderem damit, Häftlinge aus einer Laune heraus zu erschießen, Frauen zu Tode peitschen zu lassen und sich an den Gefangenen auf oft grausame Art sexuell zu vergehen. Sie wurde im Alter von 22 im ersten Bergen-Belsen-Prozess zum Tode verurteilt. Oberheuser war eine Ärztin im KZ Ravensbrück, die unter anderem Experimente damit machte, schmerzerzeugende Chemikalien zu spritzen und Gefangenen 'typische Kriegsverletzungen' beizubringen, um die Folgen zu studieren. Oberheuser wurde in Nürnberg zu 20 Jahren Haft verurteilt, später wurde die Strafe herabgesetzt und sie lebte nach Verbüßung von fünf Jahren ein relativ normales Leben in Deutschland. Einige Jahre hatte sie sogar eine Arztpraxis, bevor eine ehemalige Insassin sie erkannte und Oberheuser daraufhin die Approbation entzogen wurde."

Keine weiteren Worte.




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