Samstag, Januar 18, 2020

Sexismus-Debatte: Jetzt werden Verkehrsschilder gegendert – News vom 18. Januar 2020

1.
Genfs Stadtpräsidentin macht den Strichmännchen einen Strich durch die Rechnung. Sandrine Salerno hat beschlossen, die Strassenbeschilderungen in der Stadt femininer zu gestalten. 250 Piktogramme, die bisher ein schwarzes Strichmännchen beim Überqueren der Strasse zeigten, werden abmontiert und durch feminine Sujets ersetzt: Frauen mit Babybauch, ältere Frauen mit Gehstock, zwei Frauen Hand in Hand, Frauen mit Locken, dünnere und dickere Frauen. 250 Schilder überleben das Strichmännchen-Massaker. So erreicht die Stadt eine ausgewogene Gender-Beschilderung. Halb männlich, halb weiblich.

(…) Salerno betont, wie wichtig Symbole im Alltag seien, da sie Werte in der Gesellschaft beeinflussen. Dazu gehöre auch der öffentliche Raum. Frauen würden sich auf Trottoirs und Strassen viel zurückhaltender und zielgerichteter bewegen, insbesondere wenn es dunkel wird, während Männer das Gefühl hätten, sie könnten sich überall frei bewegen. "Mit den Schildern wollen wir die Vielfältigkeit der internationalen Genfer Gesellschaft widerspiegeln."


Die Luzerner Zeitung berichtet. Ironischerweise führten die durchgegenderten Verkehrsschilder zu neuen Diskriminierungsvorwürfen:

Was auffällt: Frauen mit Behinderungen sind nicht abgebildet. Das sorgt bei der Organisation Inclusion Handicap für Kopfschütteln: "Die neue Beschilderung in Genf will nicht nur Frauen, sondern auch die Diversität in der Gesellschaft abbilden", sagt ein Sprecher. "Dass dabei nicht auch eine Frau mit Behinderungen abgebildet wird, ist schade. Da wurde ein Chance verpasst." In der Schweiz leben rund 1.7 Millionen Menschen mit Behinderungen. Wolle man die Diversität der Gesellschaft abbilden, gehören auch Menschen mit Behinderungen dazu, so der Sprecher des Dachverbands der Schweizer Behindertenorganisationen. "Die Schilder zeigen symbolisch auf, dass Menschen mit Behinderungen häufig vergessen gehen."


Dem Schweizer Tages-Anzeiger zufolge dürften andere rot-grüne Städte dem Beispiel Genfs folgen.



2.
Unverheiratete Väter sollen nach Willen des Bundesjustizministeriums von Geburt an das Sorgerecht bekommen. Die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau kritisieren die Reformpläne. Sie würden Frauen und Kinder großen Risiken aussetzen und trügen nichts zur Geschlechtergerechtigkeit bei.


Hier erfährt man mehr.



3. Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert, dass Hass im Internet nicht besonders geahndet wird, wenn Frauen die Opfer sind.



4. Die Auflagenzahlen der "Qualitätsmedien" brechen weiter ein.



5. Österreichs Männerpartei bezieht Stellung zur neuen türkis-grünen Regierung des Landes.



6. Japans Umweltminister möchte mehr Männer motivieren, Vaterschaftsurlaub zu nehmen.



7. Das Male Psychology Network stellt Daniel Jiminez spanisches Buch "Deshumanizando al varon" ("Die Entmenschlichung des Mannes") vor. Ein Auszug:

Daniel zufolge sind aufgrund der dem männlichen Geschlecht zugewiesenen Position als Unterdrücker und Privilegierter die männlichen Probleme (die ausschließlich oder überwiegend von Männern erlebt werden) vom politischen Diskurs ausgeschlossen, was hauptsächlich auf drei Arten geschieht:

(1.) Unsichtbarmachen oder Verleugnen. Dies kann in vielen staatlichen Untersuchungen oder Berichten über geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt in der Partnerschaft beobachtet werden, bei denen Männer nicht direkt nach ihren Erfahrungen befragt werden. Beispiele hierfür sind die von der spanischen Regierung in Auftrag gegebene Makrostudie über Gewalt gegen Frauen und die Studie der Europäischen Union zum gleichen Thema. Es muss gesagt werden, dass sich dies in Ländern wie den Vereinigten Staaten bereits geändert hat und in den wichtigsten offiziellen Erhebungen, wie der NISVS (National Intimate Partner and Sexual Violence Survey), beide Geschlechter vertreten sind. (…)

(2.) Neueinteilung der Männerprobleme in andere Kategorien: soziale Probleme, ethnische Probleme, Klassenprobleme, Einwanderungsprobleme und so weiter. Weibliche Probleme sind geschlechtsspezifisch, männliche Probleme jedoch nicht. Zuvor haben wir über Todesfälle am Arbeitsplatz gesprochen. Nun, wenn Sie dazu einen Artikel in der Zeitung ElDiario.es lesen, werden Sie feststellen, dass nach Geschlecht getrennte Daten nicht zur Verfügung stehen. Der Artikel bezieht sich auf "tote Menschen" oder "Arbeiter". Wenn Sie ihn in der Europa Press lesen, passiert dasselbe. Aber wenn Sie ihn auf RTVE lesen und die Geduld haben, das Ende des letzten Absatzes zu erreichen, werden Sie die Aufgliederung nach Geschlecht finden. Stellen Sie sich vor, dass die Zahl der getöteten männlichen und weiblichen Arbeitnehmer andersherum wäre (also 602 tote Frauen und 50 Männer): Glauben Sie, dass die Behandlung in den Medien die gleiche gewesen wäre? Glauben Sie, dass die Reaktion der Gesellschaft und der sozialen Akteure die gleiche (also: keine) gewesen wäre? Wie Daniel in seinem Buch immer wieder aufgreift, gibt es keine geschlechtsspezifischen Perspektiven auf Männerprobleme. Wenn ein Problem oder Gewalt hauptsächlich Frauen betrifft, ist es ein geschlechtsspezifisches Problem, aber das Gegenteil geschieht nicht.

(3.) Beschränkung der Männerprobleme auf rein interne Probleme, die auf den Geschlechterrollen basieren. Männer leiden unter dem sozialen Druck, ihre Gefühle nicht ausdrücken zu können, und sie sind durch ihre Rolle als Versorger und Beschützer eingeschränkt, aber alles, was sie tun müssen, um ihre Probleme zu lösen, ist, ihre Einstellung zu ändern, zu lernen, besser zu kommunizieren und um Hilfe zu bitten. Dieser Ansatz ist zum Beispiel beim Thema Selbstmord vorhanden. Die Diskussion über den Suizid von Frauen hingegen konzentriert sich eher auf externe Faktoren: die Lebensbedingungen der Frauen, den Stress, den sie ertragen müssen und so weiter. Beim Thema Männerselbstmord hingegen stehen die inneren Faktoren im Vordergrund: Männer weinen nicht, sie müssen hart sein, können nicht um Hilfe bitten etcetera. Warum ist es nicht möglich, sich vorzustellen, dass Männer vielleicht deshalb so häufig Selbstmord begehen, weil sie harte und stressige Lebensbedingungen haben, die ihr Leben zur Hölle machen?

Ich glaube, die These dieses Buches erklärt sehr gut die Veränderungen, die wir derzeit erleben. Was passiert, wenn eine Gesellschaft den Frauen mehr Status und auch mehr Schutz gewährt? Nun, Frauen fordern und erhalten einen höheren Status, ohne jedoch auf einen größeren Schutz zu verzichten oder manchmal sogar mehr Schutz (und besonderen Schutz) als zuvor zu verlangen. (…) Wenn der Feminismus mehr Schutz für Frauen fordert, dann bricht er nicht mit den traditionellen Regeln des Rittertums oder mit seiner geschlechtlichen Identität. Im Gegensatz dazu fordern Männer traditionell keinen Schutz. Die Frau, die Schutz fordert, verliert ihre Weiblichkeit nicht, aber der Mann, der darum bittet, schadet seinem Ruf als Mann in den Augen der Gesellschaft, die ihn als weniger als Mann wahrnimmt (im Falle des Traditionalismus) oder als privilegierte Person, die vorgibt, ein Opfer zu sein und kein Recht hat, sich zu beschweren (im Falle des Feminismus). Männer fordern keinen Schutz, Männer schützen andere und vor allem sich selbst. Ein Mann, der sich selbst nicht schützen kann, wird einfach als nicht männlich genug angesehen.

(…) Meiner Einschätzung nach ist der Beweis stark, dass Männer in zahlreichen Settings Diskriminierung und Gewalt erfahren, sowohl unverhältnismäßig und/oder weil sie Männer sind. Es ist auch wahr, dass die Presse, die Medien und die Gesellschaft als Ganzes diese Benachteiligungen und Diskriminierungen ignorieren.

Freitag, Januar 17, 2020

Gendersterne, Impotenz-Shirts, Klima-Feminismus, Angela Merkel blutverschmiert – News vom 17 Januar 2020

1. Die Schweizer Zeitung Der Bund: berichtet:

Der Universität Wien reicht die Gendergerechtigkeit nicht mehr, "genderinklusiv" muss die Sprache jetzt sein. Denn bloss Männer und Frauen anzusprechen, offenbart binäres Denken und schliesst das grosse weite Feld der trans-, inter-, a-sexuellen bzw. genderunspezifischen Menschen aus. Eine "Taskforce Genderinklusion" hat jetzt das *-Sternchen als Lösung angeordnet, anzuwenden in allen Formulierungen, auch Anreden. Das Paradies ist also greifbar nah. Nur nicht für die Sehbehinderten, immerhin eine durchaus inklusionsbedürftige Gruppe. Diese ist auf Sprachcomputer angewiesen, die die sprachgereinigten Formulierungen vorlesen. Screen-Reader, so ein Warnhinweis im sprachlichen Leitfaden, läsen den Genderstern aber leider mal als Pause, mal wörtlich als "Stern", «Sternchen, Asterisk», manchmal auch gar nicht, wodurch fälschlich der Eindruck der weiblichen Form entstünde.


In der persönlichen Kommunikation "mit persönlich bekannten Personen", berichtet die Neuen Zürcher Zeitung, sei es auch an der Uni Wien weiterhin gestattet, jemanden mit "Sehr geehrte Frau Professorin" anzusprechen – sofern man wisse, dass sich die Person als Frau identifiziere. Trotz dieser großzügigen Erlaubnis wächst an der Hochschule gegen derlei verordnetes Sprechen Widerstand in einer Reihe von Studenten:

Die Historiker, Germanistinnen und Philologen wehren sich dagegen, dass von oben verordnet wird, wie man an der Hochschule zu reden habe oder wie wissenschaftliche Arbeiten verfasst sein müssten, damit sie der gendergerechten Gesinnung entsprechen und man keine schlechtere Bewertung riskiert. Die Studentinnen und Studenten sind politisch unabhängig und stehen als Geisteswissenschafter auch nicht in Verdacht, dass ihre Ablehnung der Genderpolitik durch reaktionäre Impulse motiviert sein könnte.

In der von der Universitätsspitze empfohlenen Schreib- und Sprechweisen sehe man nicht nur "eine Kriegserklärung an die deutsche Grammatik", sagt der Autor Max Haberich, der die Gruppe vertritt, im Gespräch. Der Beschluss bedrohe vielmehr die Redefreiheit. Die Gruppe fordert die Hochschule auf, sich von der Genderideologie zu distanzieren, die sprachlichen Vorgaben zurückzunehmen und sich auf ihre eigentlichen Forschungsaufgaben zu besinnen.

Es dürfte schwierig sein, im politisch linksstehenden akademischen Betrieb Gehör zu finden. Zumal der bisherige Protest der Gruppe harmlos wirkt wie ein Schülerstreich. Zu Semesterbeginn hat man Aufkleber mit dem Spruch "Gendern? Nein, danke!" an "strategischen Orten" wie dem Rektorat oder dem Gleichstellungsbüro angebracht. Nach ein paar Tagen waren viele Kleber wieder abgerissen.




2. In Mailand hat Gucci jetzt ein Männer-T-Shirt mit dem Aufdruck "impotent" vorgestellt (der sich mit etwas Mühe auch als "impatient" lesen lässt). Die Vogue berichtet:

In Alessandro Micheles neuer Männerwelt muss man sich nicht dafür schämen, wenn man sich selbst als impotent (oder ungeduldig) bezeichnet. Die Notizen für die Kollektion sprachen von einer Ablehnung giftiger Männlichkeit und einer Umarmung einer geschlechtslosen Form von Schönheit. "Toxische Männlichkeit nährt in der Tat Missbrauch, Gewalt und Sexismus", heißt es in der Pressemitteilung. "Und nicht nur das. Sie verurteilt die Männer selbst dazu, sich einer aufgezwungenen phallischen Männlichkeit anzupassen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden". Kurz gesagt: Das Patriarchat ist vorbei.




3. Eine Überraschung in Zeiten wie diesen: 007 soll männlich bleiben. Dem Tagesspiegel zufolge zeugt diese Entscheidung von "lächerlichem Männlichkeitswahn, Feigheit und schlimmen Geschlechterstereotypen".



4. "Schadet der Penis dem Klima?" fragt Tamara Wernli in der Schweizer "Weltwoche" und fasst die neuesten Skurrilitäten im Klima-Feminismus zusammen, die sie bei dieser Gelegenheit fast beiläufig widerlegt.



5. In den USA eskaliert der Wettstreit der besten Kandidaten der Demokratischen Partei darum, gegen Trump anzutreten, in einem Sexismus-Vorwurf von Elisabeth Warren gegen Bernie Sanders.



6. Die Post. Matthias Enderle, Vorstandsvorsitzender von MANNdat, äußert seine Einschätzung dazu, dass Frauenministerin Giffey sich anschickt, auch maskulistische Forderungen für ihre Politik aufzugreifen:

Frau Giffey wird sich – wie alle anderen Protagonisten der Volksvertretung auch – an ihren Taten messen lassen müssen. Die Vergangenheit lehrt, dass in der Politik solche Vorstöße selbst Frauen den Kopf kosten können. Wir müssen also abwarten, wie es mit der Umsetzung aussieht und wie nachhaltig diese ausgestaltet wird. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass nach einer gewissen Zeit Fördermittel mit fadenscheinigen Begründungen wieder gestrichen werden. Sollten dagegen die angekündigten Maßnahmen über eine erfolgreiche Wiederwahl oder Legislaturperiode hinaus Bestand haben und entsprechend verankert bleiben, könnte man tatsächlich von einem Erfolg reden. Bis dahin gilt für mich: Die Botschaft hör' ich wohl – allein mir fehlt der Glaube.


Gut, aber wenn Giffey aus der Männerförderung aussteigen würde, stünde sie als Betrügerin da, alle Zeitungen würden über sie herfallen und ihre politische Zukunft wäre vorüber.

Kleiner Scherz. :-)

Dr. Bruno Köhler, ebenfalls im Vorstand von MANNdat, fügt hinzu:

In Ergänzung zu Matthias Ausführungen verweise ich auf unseren Beitrag von 2018: "Familienministerin Franziska Giffey (SPD) bricht Versprechen". Damals 35 Mio für weibliche Gewaltopfer und 0 Cent für männliche Gewaltopfer. Die muss man in die Bilanz mit einbeziehen. Allein dadurch relativiert sich das "Engagement für Männer" von Flunker-Giffey.


Giffeys Glaubwürdigkeit ist heute auch Diskussionsthema bei Christian Schmidt. Nach den bisherigen Erfahrungen mit der SPD herrscht durchgehend Skepsis, ob sich diese Partei ernsthaft gegen Sexismus positionieren kann.

Ein anderer Leser berichtet mir über seine jüngsten Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Thema "Gendersprache":

Irgendwie bin ich über einen Artikel zu Neusprech von Netzpolitik.org gestolpert.

Darunter habe ich einen Kommentar geschrieben, der allerdings nicht veröffentlicht wurde. Statt dessen fand sich ein Eintrag der Redaktion, der eindeutig eine Reaktion auf meinen Kommentar war.

Ich hatte sinngemäß geschrieben:

"Es ist immer gut, sich mit seinen Überzeugungen argumentativ auseinander zu setzen. Wenn Sie im Artikel schreiben, dass es zahlreiche Studien gäbe, welche den Nutzen der Gendersprache belegen würden, so ist dies leider falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Dafür muss man allerdings sehr tief in die Materie einsteigen, womit man mit diesem schönen Blogbeitrag starten kann Es ist auch nachvollziehbar, weshalb Sie viele Kommentare zur Gendersprache erreichen, aber keine zu Anglizismen etc. Es entsteht eine Reaktion, wenn mit einem Millionenbudget von oben nach unten Sprachregelungen durchgesetzt werden sollen."

Der Kommentar der Redaktion lautet:

"Vielen Dank. Für alle, die sich gerne tiefer einlesen wollen, empfehlen wir übrigens die Übersichtsseite 'Wissen' auf genderleicht.de. Dort findet man Studien, Artikel, Bücher, Podcasts und mehrere Sprachleitfäden zum Thema geschlechtergerechte Sprache. Vieles davon stammt von Menschen, die im Gegensatz zu uns studierte Linguist*innen sind."

Na? Wer steht wohl hinter dieser Seite? Das BMFSFJ und ein gewisser "Journalistinnenbund", der Mitglied im "Deutschen Frauenrat" ist. Mit anderen Worten "Genderleicht.de" ist ein Projekt mit (jedenfalls potentiellem) Millionenbudget, das von oben nach unten Sprachregelungen durchsetzen soll.

Soll ich noch was zu den "Studien" schreiben, die auf "Genderleicht.de" zu finden sind? Tut mir leid, das schaffe ich vor lauter Lachen leider nicht..

Ich habe Netzpolitik.org dann mal geblockt. Für schlechten Spartenjournalismus fehlt mir echt die Zeit.


Ein weiterer Leser schreibt:

Hallo Herr Hoffmann!

Die Headline ihres heutigen Blogeintrags "Warum kommen Unsummen an Unterstützung eigentlich fast nur Frauen zu?" lässt sich wahrscheinlich erweitern mit "Warum bekommen fast nur Frauen die mediale Aufmerksamkeit beim Thema Gewalt?"

In Italien läuft derzeit folgende Aktion: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit gebrochener Nase und blutverschmiertem Gesicht – als Opfer von Gewalt gegen Frauen.

Österreichs "Krone" berichtet:

"In Mailand sorgt derzeit der Künstler AleXsandro Palombo mit schockierenden Bildern führender Frauen für Aufsehen. Im Rahmen einer Plakatserie sind an bekannten öffentlichen Orten der italienischen Metropole unter anderem Fotos von Angela Merkel, Michelle Obama, Hillary Clinton, Aung San Suu Kyi und Sonia Gandhi mit geschwollenen und blutverschmierten Gesichtern zu sehen. Palombo will das Thema Gewalt gegen Frauen ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken."

Für mein Empfinden an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen. Meiner Meinung nach dient diese Aktion wohl eher, um den Bekanntheitsgrad von Herrn Palombo zu erweitern. Allein das Argument des Künstlers, das Thema Gewalt gegen Frauen ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken ist völlig realitätsfern. Gewalt gegen Frauen ist seit 20 Jahren ein vorrangiges und regelmäßiges Thema in allen Medien.

Offenbar haben die deutschen Medien von dieser Aktion noch nichts mitbekommen, aber ich bin mir sicher, sobald die erste überregionale Internet-Zeitung darüber berichtet, wird es wie ein Domino Effekt durch die Medienlandschaft rauschen und alle werden darüber berichten.


In Österreich und Tirol haben das schon mehrere Medien getan.

Donnerstag, Januar 16, 2020

Warum kommen Unsummen an Unterstützung eigentlich fast nur Frauen zu? – News vom 16. Januar 2020

1. Wir beginnen heute mit der Leserpost und den Reaktionen auf die männerpolitischen Ankündigungen von Frauenministerin Giffey. Hier wird deutlich, dass Giffey nach ihrer bisherigen sexistischen Politik durch solche Ankündigungen allein noch nicht automatisch Vertrauen genießt. So schreibt mir Tristan Rosenkranz auf Facebook:

Fällt mir schwer, bei Giffeys Statement mehr als nur versuchten Landgewinn für die schwindsüchtige SPD zu erkennen.


Natürlich ist der Verdacht nachvollziehbar, dass Giffeys Handeln weniger der Einsicht als politischem Kalkül zu verdanken ist. Die SPD ist in der aktuellen INSA-Wahlumfrage auf 12,5 gefallen, gleichzeitig ist das Drängen der Männerrechtler nach Gleichberechtigung in den sozialen Medien trotz beharrlichem Totschweigen unserer Bewegung in den Leitmedien unüberhörbar geworden. Insofern greift die SPD in ihrer Not jetzt vielleicht sogar nach den Stimmen einer dort eigentlich verhassten Gruppe (Männer).

Da ich nicht der Seelsorger von Franziska Giffey bin, ist mir persönlich ein bisschen schnuppe, ob ihr männerpolitischer Aufbruch durch Berechnung oder durch Einsicht bedingt ist. Fakt ist, dass wir mit der FDP und der SPD jetzt zwei Parteien haben, die sich Männerpolitik zu widmen beginnen und damit auch ein Parteienwettbewerb um die bessere Männerpolitik beginnen kann. Bislang hatte es diesen Wettstreit, anders als bei Frauenpolitik, nicht gegeben: Weil sich KEINE Partei den Anliegen der Männer widmete, brauchte auf diesem Feld auch keine Partei Angst zu haben, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Inzwischen kann man die Parteien fragen: "Die SPD bietet Männern dieses, die FDP jenes. Was habt ihr dagegen anzubieten, liebe Grüne/Union/Linke und so weiter?"

Dem unbenommen bleibt das Misstrauen der Männer gegenüber Giffey groß. So kommentiert ebenfalls auf Facebook Arne Haustein:

Die braucht angesichts ihrer Verfehlungen grad einfach nur so viel positive PR wie möglich. Da sind dann auch Männer gut genug. Die Alibifunktion dieser Maßnahmen wird doch schon durch die homöophatische Dosis der Gelder verraten. Sie kann sich jetzt als Männerförderin verkaufen und doch ist die Summe so lächerlich gering, dass kein Aufstand der Feministencliquen zu erwarten ist.


Andreas Ernst merkt an:

Ich glaube Giffey kein Wort mehr. Es wurde in sozialen Medien nur in letzter Zeit wirklich viel Druck gemacht. Fast täglich ein kleiner Shitstorm um mehrere Hinweise, dass sie gegen Gleichberechtigung und gegen das Grundgesetz arbeitet. Das will sie natürlich ruhig stellen. Mit Worten. Nicht mit Taten.


Hierzu wendet in derselben Kommentarspalte Susanne Simsch ein:

Immerhin will sie ein paar Euro locker machen. Man kann doch nicht erwarten, dass nach jahrhundertelanger Diskriminierung auf einmal Gleichberechtigung eingeführt wird!


Verhalten zuversichtlich äußert sich Dirk M. Jürgens auf Twitter zu Giffeys Versprechungen:

Solche Worte allein heißen noch nicht, dass auch was geschieht, aber dass sie überhaupt gesagt werden, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Bisher war das Thema ja im Mainstream ein Tabu. Insoweit eine positive Entwicklung. Das heißt jetzt nicht, dass man sich mit einer symbolischen Geste abspeisen lassen soll, aber man soll erstmal nicht vorwerfen, was noch fehlt, sondern motivieren, wo ein richtiger Schritt getan wird.


Professor Tonio Walter teilt mir seine ebenfalls optimistische Bewertung mit:

Die jüngste Initiative von Frau Giffey ist wirklich ermutigend! Das ist etwas, was Sie sich auch auf ihre Fahnen schreiben dürfen. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt endlich insgesamt eine Trendwende erleben; auch wenn der Vorstoß von Giffey lediglich ein zarter Anfang sein kann.


Der aus der Online-Männerszene bekannte Publizist "Leszek" liefert folgende Einschätzung zu Giffeys Ankündigungen:

Ich finde es gut und freue mich über diese Entwicklung.

Über die Ursachen sollte man sich freilich keine Illusionen machen. Es handelt sich sicherlich um den rein pragmatisch-motivierten Versuch einer Partei im Abstieg sich durch Aufnahme des Themas Männerpolitik neue Wählerpotentiale zu erschließen.

Das Gleiche auch damals bei der FDP.

Politische Parteien sind keine verlässlichen Bündnispartner, sie beziehen das Thema Männerpolitik nur ein, falls sie sich in einer spezifischen Situation bestimmte Vorteile davon versprechen und sie vernachlässigen es wieder oder schmeißen es wieder raus, falls sich der Wind in ihren Augen irgendwie dreht und/oder sich in ihren Augen irgendwelche Nachteile dadurch einstellen.

Solche parteipolitischen Entwicklungen sind meines Erachtens also vor einem rein strategisch-pragmatischen Hintergrund zu analysieren und haben mit ethischen Überzeugungen der parteipolitischen Akteure natürlich in der Regel nichts zu tun.

Eine emanzipatorische soziale Bewegung kann meines Erachtens nur langfristigen Erfolg haben, wenn sie durch beharrliche außerparlamentarische Öffentlichkeitsarbeit und durch gewaltfreie direkte Aktionen Druck auf die Politik ausübt.

Wie ich es einmal formulierte:

Gewaltfreie Aktionen sollten meines Erachtens aus humanistischem Geiste heraus durchgeführt werden und des Weiteren so, dass sie geeignet sind die Medien zu erreichen, berechtigte männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung als emanzipatorische soziale Bewegung und für berechtigte männerrechtliche Anliegen zu erzeugen.

Dann springen die politischen Parteien irgendwann automatisch an.

Eine emanzipatorische soziale Bewegung sollte sich meines Erachtens aber niemals wesentlich von einer bestimmten politischen Partei abhängig machen oder primär auf eine solche setzen, sondern den außerparlamentarischen Druck durch gewaltfreie direkte Aktionen und außerparlamentarische Öffentlichkeitsarbeit weiter aufrechterhalten. Gerade dadurch hält man dann die politischen Parteien bei der Stange.

Was das Thema Männerpolitik angeht, würde ich die SPD bei Aufnahme dieses Themas aber zumindest wählen, die FDP (die Partei des Kapitalismus und Neoliberalismus, die Partei der Unterdrücker und Ausbeuter) hingegen niemals.




2. Wir wechseln den Kontinent, bleiben aber bei der Frage, warum gewaltige finanzielle Zuschüsse fast grundsätzlich dem weiblichen Geschlecht zugute kommen. In der kanadischen National Post beschäftigt sich Barbara Kay mit diesem Missverhältnis. Ich zitiere ihren Artikel im Volltext:

Hillary Clinton sagte 1998 in ihrer Ansprache auf einer First Ladies Conference in El Salvador: "Frauen waren schon immer die Hauptopfer des Krieges. Frauen verlieren ihre Männer, ihre Väter, ihre Söhne im Kampf. ... Frauen werden oft allein mit der Verantwortung für die Erziehung der Kinder zurückgelassen."

Hillary hätte, wenn man sie bedrängt hätte, vielleicht zugegeben, dass es besser ist, einen Trauerfall zu erleiden als zu sterben und dass es besser ist, Kinder allein aufzuziehen, als sich die Beine von einer Bombe zerstören zu lassen. Aber niemand von irgendeinem Einfluss hat sie tatsächlich zu dieser Einsicht gedrängt. Schließlich kanalisierte Clinton nur den geschlechtsspezifischen Zeitgeist, demzufolge Männer als Kollektiv angeborene Privilegien besitzen und Frauen kollektive Opfer sind.

Heute leben wir 22 Jahre später. In diesem Zeitraum haben amerikanische Frauen nachweislich in allen ehemals männlich dominierten Bereichen der feministischen Checkliste die Glasdecke durchbrochen. Aber indem sie die Zielpunkte des Feminismus weiter in Richtung Utopie verschieben, bewahren und fördern feministische Eliten die gleiche Opfererzählung.

Melinda Gates, Bill Gates' Ehefrau und philanthropische Partnerin und eine der privilegiertesten Menschen auf diesem Planeten, hat zum Beispiel angekündigt, dass ihre Firma Pivotal Ventures eine Milliarde Dollar für die Zusammenarbeit mit neuen und etablierten Partnern zur Verfügung stellt, um "innovative und vielfältige Ansätze zur Erweiterung der Macht und des Einflusses von (amerikanischen) Frauen zu verfolgen".

Warum diese massive Finanzspritze notwendig ist, wird in Frau Gates' gelegentlich selbstwidersprüchlicher Aussage nicht gut erklärt. Sie beginnt mit der empörten Feststellung, dass Frauen nur 24 Prozent der Sitze im Kongress innehaben. Doch zwei Absätze später erwäht sie die "Rekordzahl von Frauen, die 2018 kandidierten und gewannen", viele davon farbige Frauen, was wie selbstverständlich in einer Gesellschaft geschah, die seit Jahrzehnten den weiblichen Ehrgeiz fördert.

Gates glaubt an positive Maßnahmen für Frauen - "im Schnellverfahren" - "in Bereichen mit übergroßen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft - wie Technologie, Medien und öffentliche Ämter". Aber sie macht keine wirklichen Argumente für verschwenderische Nächstenliebe an Frauen in diesen Bereichen. Bevorzugt Microsoft bei seiner Einstellungspolitik Männer? Die Technologieindustrie gilt als die am meisten politisch korrekte in Amerika. Universitäten überall bieten bereits Frauenfördermaßnahmen an - nur für Frauen bestimmte MINT-Sommerschulen, nur für Frauen bestimmte Stipendien und andere (illegale) Ansprüche, bis zu dem Punkt, dass einige wegen Diskriminierung verklagt werden.

Die Medien? Handzettel von jeder Organisation oder Agentur, einschließlich der Regierung, die mit einer Social-Engineering-Agenda kommen, ist das Letzte, was die Medien brauchen. Dasselbe gilt für öffentliche Ämter. Frauen steht es frei, für öffentliche Ämter zu kandidieren und Geld für ihre Kampagnen zu sammeln. Elizabeth Warren brauchte Melindas Geld nicht, um eine demokratische Spitzenkandidatin zu werden. Es wird die Schuld ihrer Plattform sein, nicht ihres Geschlechts, wenn sie versagt.

Ich glaube, Melinda leidet unter derselben engstirnigen Geschlechtervision, die in Hillarys El-Salvador-Rede aufschimmerte. Sie kann nur männliche Privilegien und weibliche Ungleichheit sehen. Sie hat keine Ahnung von den 99,9 Prozent der Männer, die nicht reich und berühmt sind und die keine erkennbaren Privilegien genießen, während sie darum kämpfen, den Erfordernisse des täglichen Lebens gerecht zu werden.

Melinda sollte mal einen Blick auf ein dramatisch die Augen öffnendes Dokument mit dem Titel "Für je 100 Mädchen/Frauen ..." werfen. Dies ist eine Liste, die 2011 von Tom Mortenson, Senior Scholar am Pell Institute for the Study of Opportunity in Higher Education in Washington, D.C., erstellt und 2019 von dem Forscher Mark J. Perry vom American Enterprise Institute aktualisiert wurde. Dieses Diagramm zeigt überraschende datenbasierte Geschlechterunterschiede in der allgemeinen Bevölkerung, die die absurd engen Metriken von Melindas "Macht und Einfluss"-Vision beleuchten.

Das Diagramm zeigt zum Beispiel folgendes: Auf 100 Frauen, die an amerikanischen Graduiertenschulen eingeschrieben sind, kommen 73 Männer. Auf 100 Frauen, die einen Doktorgrad erwerben, kommen 90 Männer. Auf 100 Mädchen, die den Kindergarten wiederholen, kommen 145 Jungen. Auf 100 Frauen, die an einer Überdosis Opioide sterben, kommen 212 Männer. Auf 100 Frauen, die obdachlos sind, kommen 242 Männer. Auf 100 Frauen im Alter von 20 bis 29 Jahren, die Selbstmord begehen, kommen 450 Männer. Auf 100 Frauen, die bei der Arbeit sterben, kommen 1.294 Männer.

Auf fast jedem universitären Campus gibt es Frauenzentren und Kommissionen, aber keine für Männer. Präsident Barack Obama schuf einen Rat für Frauen und Mädchen im Weißen Haus, weigerte sich aber, einen für Jungen und Männer zu schaffen. Aber den Daten zufolge sind es Jungen und Männer, die in unserer Gesellschaft in einer Krise stecken. Jungen und Männer bleiben in der Bildung, in Verhaltens- und Gesundheitsfragen zurück, nicht Mädchen und Frauen.

Wenn Melinda Gates über die feministische Faszination für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in dem winzigen Stückchen Gesellschaft hinauskäme, das von Fortune-500-Geschäftsführern, Filmmogulen und Staatsgouverneuren repräsentiert wird, und überlegen könnte, wie ihr Geld der amerikanischen Gesellschaft als Ganzes am besten dienen könnte, würde sie ihre Milliarde Dollar dafür einsetzen, Menschen in Schwierigkeiten zu helfen – ohne Betrachtung ihres Geschlechts.




3. Ein franzöischer Priester hat gestanden, pro Woche vier bis fünf Jungen missbraucht zu haben:

In einem Prozess um Kindesmissbrauch durch einen früheren katholischen Priester in Frankreich hat der Angeklagte mit seinem Geständnis schockiert. Er habe als Leiter von Ferienlagern zeitweise “vier bis fünf Kinder pro Woche” missbraucht, sagte der ehemalige Geistliche Bernard Preynat am Dienstag zum Auftakt seines Verfahrens in Lyon. Er gab sexuelle Übergriffe auf Jungen über einen Zeitraum von 20 Jahren zu.

"Für mich stellte es sich damals nicht als sexuelle Gewalt dar, sondern als Zärtlichkeit und Liebkosung", sagte der heute 74-jährige Preynat. "Ich habe mich getäuscht. Erst durch die Anklagen der Opfer habe ich verstanden", sagte er über die Jungen im Alter von damals sieben bis 15 Jahren.




4. Die Berliner Zeitung berichtet über den sexuellen Missbrauch von Jungen mit Wissen des Staates. Jetzt wollen die inzwischen erwachsenen Männer das Land verklagen.



5. Das (eher links stehende) US-amerikanische Nachrichtennetzwerk NPR stellt das Buch "Boys & Sex" der Feministin Peggy Orenstein vor:

Orenstein verbrachte 25 Jahre damit, das Leben von heranwachsenden und jugendlichen Mädchen zu dokumentieren und hat nie wirklich erwartet, sich auf Jungen zu konzentrieren. Doch dann kam die #MeToo-Bewegung, und Orenstein, zu dessen früheren Büchern "Girls & Sex" und "Cinderella Ate My Daughter" gehören, beschloss, dass es an der Zeit war, junge Männer in Gespräche über Geschlecht und Intimität einzubeziehen.

Ihr neues Buch, "Boys & Sex", basiert auf ausführlichen Interviews mit mehr als 100 ein College besuchende oder auf ein College zusteuernde Jungen und jungen Männern unterschiedlicher Herkunft im Alter von 16 bis 22 Jahren.

"Als ich das Mädchenbuch schrieb, war das Kernthema bei den Mädchen, dass sie von ihrem Körper abgeschnitten wurden und die Reaktionen ihres Körpers, ihre Bedürfnisse, ihre Grenzen und ihre Wünsche nicht verstanden", sagt sie. "Bei den Jungs war es, als ob sie von ihren Herzen abgeschnitten wurden."

Orenstein stellt fest, dass die Gesellschaft den Jungen nicht oft "Erlaubnis oder Raum" gibt, um über ihr Innenleben zu diskutieren. Vielleicht waren die jungen Männer, mit denen sie sprach, deshalb so eifrig dabei, sich zu öffnen: "Wenn sie die Chance hatten, wenn jemand sie ihnen wirklich gab und nicht darüber urteilen wollte, was sie zu sagen hatten, dann gingen sie darauf ein."

Orenstein sagt, die Jungs, mit denen sie sprach, fühlten sich durch traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit eingeschränkt. Ein Befragter vertraute ihr an, dass er es vorzog, sich bei Schulprojekten mit Mädchen zusammenzutun, weil "es bei einem Mädchen in Ordnung war zu sagen, dass man nicht wusste, was man macht, und dass man das bei einem Jungen nicht tun konnte".

"Diese Vorstellung von emotionaler Verletzlichkeit war für Jungs so tiefgreifend", sagt Orenstein. "Verwundbarkeit ist wichtig für menschliche Beziehungen. Wenn du Jungs die Möglichkeit versperrst, verwundbar zu sein, erweist du ihnen einen schlechten Dienst."


Auch die New York Post berichtet über Orensteins Buch. Ein Auszug:

Im Laufe von zwei Jahren sprach Orenstein mit Hunderten von Jungen in den Vereinigten Staaten, vom frühen Teenager-Alter bis Mitte 20, die die unterschiedlichsten ethnischen Gruppen, sozioökonomischen Hintergründe, religiösen Überzeugungen und sexuelle Orientierungen umfassten. Sie erfuhr, dass überraschend viele von ihnen nicht den Geschlechterklischees entsprechen: Das heißt, sie sind keine hormongesteuerten Frankenstein-Monster, die von Sex besessen sind und sich nicht um die Konsequenzen kümmern. Vielmehr drängen sie gegen kulturelle Erwartungen, und viele gehen so weit, Sex ganz zu vermeiden.

Den neuesten Daten der General Social Survey zufolge haben Männer zwischen 18 und 29 Jahren weniger Sex als je zuvor; die Zahl der abstinenten Männer hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht, von 10 Prozent im Jahr 2008 auf 28 Prozent im letzten Jahr.

Aber wie Orenstein entdeckte, ist das eine Bewegung, die weitgehend im Verborgenen existiert. Anstatt ihre Abstinenz zu erklären, denken die jungen Männer sich Entschuldigungen für ihr mangelndes sexuelles Interesse aus - wie ein von Orenstein befragter College-Zehntklässler, der häufig einen "Whisky-Schwanz" vorgetäuscht hat, um Sex zu vermeiden, oder Mitchell in Los Angeles, der jahrelang den Sex mit seiner High-School-Freundin vermied, weil er Angst hatte, dass seine sexuellen Fähigkeiten "einfach nur ... ausreichen" würden.

Während die Mädchen darum kämpfen, den magischen Mittelweg zwischen "Prüde" und "Schlampe" zu finden, werden die Jungs "dazu gedrängt, so sexuell aktiv wie möglich zu sein", schreibt Orenstein, "ihre Erste flachzulegen, unabhängig von den Umständen oder wie sie sich gegenüber ihren Partnerin fühlten".

(...) Orenstein gibt zu, wie schockiert sie darüber war, wie oft die Jungen davon berichteten, dass sie ungewollten Sex hatten, "in denen die Mädchen kein 'Nein' hörten oder es nicht respektierten".

War es eine Vergewaltigung? Die Jungen, die sie befragte, waren sich nicht sicher. Sie erinnert sich an einen Studenten, der ihr auf seiner ersten Highschool-Party erzählte, dass er seine Jungfräulichkeit mit 14 Jahren an ein 17-jähriges Mädchen verloren hatte.

Er wollte es nicht tun, sagt er, aber er war zu betrunken und zu besorgt wegen der Gerüchte, die sie verbreiten könnte, um zu gehen.

"Wenn es der Kerl ist, der nicht zum Sex einwilligt", fragte er Orenstein, "wie nennt man das dann?"

Mittwoch, Januar 15, 2020

Frauenministerin Giffey will jetzt auch Männer fördern – News vom 15. Januar 2020

1. Vor acht Jahren wurde die damalige Goslarer Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling noch auf Betreiben der Grünen aus dem Amt gejagt, weil sie Gleichstellungspolitik auch für die Anliegen von Jungen und Männern öffnete. Seit gestern ist genau dieser Ansatz deutsche Regierungspolitik. Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) hat – wenn auch noch so zaghaft – damit begonnen, maskulistische Anliegen aufzugreifen. Die Frankfurter Allgemeine berichtet:

Mit 1,15 Millionen Euro will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) qualitative Männerarbeit fördern und ein flächendeckendes Netz einer männerfokussierten Beratung finanzieren. "Ich möchte auch Männer, die sich in Problem- und Krisensituationen befinden, besser unterstützen", sagte Giffey und verwies auf Dreiviertel der Suizide, die von Männern und Jungen begangen werden. 610.000 Männer würden außerdem jährlich Gewaltopfer im öffentlichen und privaten Raum.

Auch die Wohnungslosen sind in der Mehrheit Männer. In einem Stufenplan will Giffey deshalb das Beratungs- und Hilfesystem für Jungen und Männer stärker ausbauen und die Fakten zur Gewaltbetroffenheit verbessern. Künftig soll es auch mehr Multiplikatoren für eine männerfokussierte Beratung durch den Sozialdienst katholischer Männer (SKM Bundesvorstand e.V.) geben. Auch eine bundesweite Fach- und Koordinierungsstelle für Männergewaltschutz soll es künftig geben.

(…) Auch Männer brauchten Unterstützung, wenn es etwa um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehe. "Deshalb müssen auch sie Adressaten und Nutznießer unserer Gleichstellungspolitik sein", so Giffey. Die Bundesregierung will deshalb noch in diesem Jahr eine Gleichstellungsstrategie verabschieden.


Wie stark nach sechzig Jahren einseitiger Geschlechterpolitik die Sehnsucht wenigstens nach diesem kleinen Aufbruch ist, zeigten schon die Kommentare auf Facebook, als die Ministerin sich kürzlich dazu herab ließ, Männer als Adressaten von Geschlechterpolitik überhaupt nur zu erwähnen. Sabine Menkens berichtet in der "Welt":

"DANKE dafür, dass Männer jetzt auch Teil einer Familie sein dürfen!" und "Juhu, Männer wurden in den Kreis der Gesellschaft aufgenommen, zumindest verbal", hieß es dazu in den Kommentaren. Ein anderer Herr: "Meinen allerherzlichsten Dank, Frau Dr. Giffey, dass Sie (endlich) auch Ihre Wertschätzung für Männer zum Ausdruck bringen. Sie haben mir damit den Höhepunkt dieses Tages geschenkt."


Zu einigen ersten Reaktionen auf die gestrige Pressekonferenz kam es auf Twitter. So stellte Christian Schmidt eine zentrale Frage, die als Prüfstein gelten kann, wie ernst es Giffey mit ihrem Aufbruch meint:

Werden sie dann eine eigene Abteilung für Männer einrichten, in der auch Männerrechtler tätig sind? Werden sie sich umbenennen, um eine Zuständigkeit für Männer in ihrem Ministerium zu erreichen?


Daran ist dem oben verlinkten "Welt"-Artikel zufolge unter Giffey nicht zu denken. Dementsprechend ist nicht jeder glücklich damit, dass der Weg zur Gleichberechtigung zunächst nur mit Tippelschrittchen aufgenommen wird. "Die Welt" berichtet auch darüber:

"Authentische Männerverbände" würden von Giffeys Ministerium systematisch ausgegrenzt, das Referat "Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer" habe in erster Linie die Aufgabe, "Frauenpolitik für Männer" zu konzipieren, kritisiert etwa Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter. "Nach den Bedürfnissen von Jungen, Männern und Vätern wird überhaupt nicht gefragt", sagt Riedmeier. "Väter sollen zwar mehr Care-Arbeit übernehmen, aber gleichzeitig bitteschön alleine unterhaltspflichtig bleiben." Und dann ist da noch Giffeys Eingeständnis, dass der Fokus der finanziellen Förderung natürlich nach wie vor auf den Frauen liege. Für die Männer wolle man aber "Akzente setzen".


Die finanzielle Aufteilung öffentlicher Mittel sieht dementsprechend so aus:

Giffey stellte die Projekte "Das Digitale Deutsche Frauenarchiv" (DDF) und das Projekt "Männer stärker in die Gleichstellungspolitik" vom Bundesforum Männer als Beispiele für Gleichstellungspolitik vor. Das DDF soll danach ab 2020 jährlich mit 1,85 Millionen Euro gefördert werden, das Männer-Projekt bis 2022 mit rund 1,15 Millionen Euro. Bei letzteren Aktivität sei es unter anderem Ziel, die Männerberatung weiterzuentwickeln. Als ein weiteres Projekt werde zudem die Weiterbildung für männerfokussierte Beratung durch den Sozialdienst katholischer Männer (SKM) unterstützt. Die Initiative werde bis Oktober 2022 mit insgesamt rund 800.000 Euro gefördert.


Das Ungleichgewicht bleibt bestehen, was Giffey zu rechtfertigen versucht:

"Solange Frauen viel schlechter bezahlt werden als Männer, solange sie in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und viel häufiger Opfer von Partnerschaftsgewalt werden, braucht es den besonderen Fokus auf die Frauenpolitik", sagte Giffey.


Dies kommentiert Markus Witt vom Väteraufbruch für Kinder so:

3 Aussagen, davon zwei mehrfach nachgewiesen falsch (Gewalt und Bezahlung) Brauchen wir tatsächlich trumpsche Verhältnisse in der deutschen #Politik? Müssen Bürger tatsächlich wieder und wieder belogen werden?


Wie Genderama berichtete, erregte Giffey vergangenes Jahr einigen Unmut damit, dass sie 120 Millionen Euro für den Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt zur Verfügung stellte und die männlichen Gewaltopfer leer ausgingen.

Auch das "Neue Deutschland", das kürzlich erst Männerrechtler als Bedrohung der öffentlichen Sicherheit verfemte, berichtet über Giffeys Aubruch:

Noch in diesem Jahr sollen etwa neun Männerschutzwohnungen mit insgesamt 24 Plätzen eingerichtet werden. "Das ist weniger als der Bedarf", gibt Giffey zu. Aber Gewalt gegen Männer sei eben immer noch ein großes Tabu. Dabei sind die meisten Gewaltbetroffenen Männer: Laut Bundeskriminalamt gab es im letzten Jahr 610.000 männliche Geschädigte und 410.000 weibliche. Die vielen männlichen Gewaltopfer werden später oft selbst zu Tätern, erläutert auch [Thomas Altgeld, der Vorsitzende des Bundesforums Männer.] (…) Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, sagte gegenüber [dem Neuen Deutschland], sie begrüße Giffeys Initiativen insgesamt.


In der Süddeutschen Zeitung heißt es über die aktuellen Entwicklungen:

Auch Männer sollen gefördert werden, zumal sie zunehmend Elternzeit in Anspruch nehmen wollten, ihnen seltener Berufe wie der des Erziehers zugetraut würden und viele unter ihnen mit Gewalt im Allgemeinen konfrontiert seien. 1,15 Millionen Euro erhält in der ersten Jahreshälfte das Bundesforum Männer, ein Interessenverband für junge Männer und Väter, der in diesen Fragen Hilfe bietet. "Männer im Baugewerbe etwa sollen nicht kämpfen müssen, Elternzeit nehmen zu können", sagte der Vorsitzende Thomas Altgeld. Analog zu den 350 Frauenhäusern soll es künftig mehr Männerschutzwohnungen geben, "der Bedarf ist da", sagte Giffey. Bisher stehen neun solcher Zufluchtsorte mit 24 Plätzen zur Verfügung. Um den Bedarf zu decken, müsste es pro Bundesland fünf Wohnungen geben.


Klar ist, dass es selbst diesen kleinen Aufbruch ohne den beständigen öffentlichen Druck von uns Männerrechtlern nie gegeben hätte. Klar ist auch, dass die feministische Lobby noch immer eine haushohe Übermacht genießt und deshalb mehr als die aufgeführten Dinge von einer SPD-Ministerin nicht zu erwarten waren. Schon, dass Männern überhaupt Unterstützung erhalten sollen, erweckt bei mancher Frau vielsagende Reaktionen. Ebenso unwirsch äußerte sich aus rechter Perspektive Marcus Pretzell (Die blaue Partei, vormals AfD).

Einerseits markiert die Pressekonferenz der Ministerin also eine klare Trendwende. Maskulistische Forderungen sind gestern zumindest nominell Teil der Berliner Regierungspolitik geworden – was es im übrigen den Demagogen der Geschlechterdebatte schwerer machen wird, Maskulisten als Jammerbabys, Irre oder halbe Neonazis anzufeinden. Insofern haben viele Beteiligte einen Sieg davongetragen: Die Männerrechtsbewegung, weil überhaupt erst einmal die Notwendigkeit einer zielgerichteten Männerpolitik regierungsamtlich anerkannt werden musste: Weitere Bausteine lassen sich jetzt leichter nach und nach hinzufügen. Für Ministerin Giffey, weil man diesen Aufbruch künftig mit ihrem Namen verbinden dürfte. Und für den neuen Vorsitzenden des Bundesforums Männer, Thomas Altgeld, aus beiden Gründen – und wegen der Finanzspritze von 1,5 Millionen, die allerdings auch eine Verpflichtung darstellt.

Auf der anderen Seite kann das gestern Verkündete natürlich nur ein erster Anfang sein. Der männerpolitische Wunschzettel ist umfangreich, weil nach über einem halben Jahrhundert Ignorieren von Männeranliegen Etliches liegengeblieben ist. Die Männerbewegung tut gut daran, weiter einzufordern, dass für die eine Hälfte der Bevölkerung geschlechterpolitisch nicht nur "Akzente" gesetzt werden.

Wie schätzt ihr diese Entwicklungen ein? Wie immer freue ich mich über euer Feedback.



2. Die Stadt Lübeck hat zum Jahreswechsel den Gender-Doppelpunkt eingeführt. Auch männliche Bewohner der Stadt sind jetzt "Lübecker:innen". Dazu kommt ein Leitfaden für geschlechtersensible Sprache:

Das heißt: Formulierungen wie "freiwillige Helfer", "man muss beachten" und "Unterstützung durch Kollegen" sollen verschwinden. Stattdessen sollen Mitarbeiter der Stadt etwa "freiwillige Hilfe", "es muss darauf geachtet werden" und "kollegiale Unterstützung" schreiben.

(...) Folgerichtig sollen Mitarbeiter der Stadt beim Schriftverkehr mit Unbekannten künftig zuerst das Geschlecht der jeweiligen Person ermitteln. Die Empfehlung zur Ansprache unbekannter Personen lautet: "Guten Tag Vorname Name, wie darf ich Sie in Zukunft ansprechen?"


Gegen diese Neuregelung gibt es einigen Unmut – beispielsweise durch den Verein deutsche Sprache (VDS):

"Thomas Mann hätte sich für seine Heimatstadt geschämt", sagte der VDS-Vorsitzende Walter Krämer am Freitag. "Die Stadt Lübeck setzt sich über amtliche Regeln der deutschen Rechtschreibung hinweg und macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt." Der Doppelpunkt sei ein Satzzeichen - und damit nichts, was man aktiv sprechen könne. Er hindere, wie auch das Gendersternchen oder das Binnen-I, den Lesefluss und stifte mehr Verwirrung, als dass er Klarheit schaffe. "Der Dienstherr missbraucht hier in eklatanter Weise sein Weisungsrecht", kritisierte Krämer. Die geltende Rechtschreibung sehe entsprechende Monstrositäten aus gutem Grund nicht vor.

(...) Da der verbindliche Leitfaden gegen geltendes Recht verstoße und gesellschaftlich gesehen unnötige Gräben zwischen den Geschlechtern schaffe, biete der VDS Prozesskostenhilfe an. Ein Prozess gegen die Stadt Zürich in der Schweiz laufe bereits.




3. "Weg mit den Gender-Wortmonstern!" fordert auch ein norddeutscher Lehrer, den es ärgert, dass Kommunikation in der Schule immer schwieriger wird.



4.
Eine Wissenschaftlerin hat ein dramatisches Diversitätsdefizit bei der Feuerwehr festgestellt. Heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht seien hier unter sich. Brauchen wir eine Löschdebatte?


Die Frankfurter Allgemeine berichtet und kommentiert.

Grotesk ist, dass hier etwas als "Benachteiligung von Frauen" diskutiert wird, über das man genauso gut als Heldenmut von Männern sprechen könnte. So heißt es in einem Artikel über die Bekämpfung der Waldbrände Australiens:

Tatsächlich waren fast alle Todesopfer Männer - Feuerwehrleute wie Keaton, O'Dwyer und McPaul - oder Männer, die zurückblieben, um ihre Häuser vor den Flammen zu verteidigen. Akademische Studien bestätigen, dass es bei Buschfeuern einen deutlichen Geschlechterunterschied gibt. In den letzten hundert Jahren waren 60 Prozent der Todesopfer bei australischen Buschbränden Männer. Die meisten von ihnen starben bei dem Versuch, ihre Häuser zu schützen; Frauen und Kinder starben, als sie in einem Haus Schutz suchten oder bei einem Fluchtversuch.


Das muss die "toxische Männlichkeit" sein, von der man ständig liest.



5. Beim Deutschlandfunk diskutiert man über den besten Weg zum Klimaschutz. Auch eine Feministin diskutiert mit:

“Als Ökofeministin muss ich sagen, dass Reproduktion durchaus eine der größten Umweltsünden darstellt. Bekanntlich bringt der Verzicht auf ein Kind weit mehr als alle anderen individuellen möglichen Beiträge zum Klimaschutz. So etwas wie Flugreisen oder Fleischkonsum wird wenigstens diskutiert, aber die Kinderfreiheit als wertvollste Aktion wird vor allem bei uns in Deutschland immer noch zu stark tabuisiert.“




6. Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender des Opferverbands Weißer Ring, äußert sich in einem Interview zum Thema häusliche Gewalt mit unverhohlenem Sexismus:

Der Staat sollte Frauen Mut machen, solche Taten anzuzeigen, damit ein Martyrium beendet werden kann. Und zwar mit deutlichen Konsequenzen für die Täter. Sie müssen spüren, dass sie so nicht weitermachen dürfen. Gewalttätige Männer sollten eine elektronische Fußfessel tragen müssen und so kontrolliert werden.


Dabei war der Weiße Ring vor über einem Jahr bei diesem Thema schon viel weiter.



7. Wie die BBC berichtet, gibt es allein in Südafrika seit 2012 mehr als 400 tote Jungen durch verpfuschte Beschneidungen. Fazit des Artikels: "Obwohl es keine einfachen Antworten gibt, stimmen viele darin überein, dass Jungen nicht einfach sterben sollten, um als Mann anerkannt zu werden." Viele? Klingt so, als ob nicht einmal das allgemeiner Konsens wäre.



8. Die Post. Auf die gestern von einer Genderama-Leserin gestellte Frage, ob es auch Suchtberatungsstellen speziell für Männer gebe, antwortet ein sachkundiger Leser:

Seit den 80er Jahren werden auch in der Suchtberatung geschlechtsspezifische Ansätze verfolgt. Die Caritas hat Angebote, die sich spezifisch an Männer richten.


Ein anderer Leser schreibt mir zur selben Frage:

Hallo Herr Hoffmann,

eine Männerberatung für Süchtige kenne ich nicht. In diesem meiner Blogbeiträge schrieb ich jedoch zur Differenz zwischen Männlein und Weiblein bei Süchtigen folgendes:

"Wie selbstverständlich allerdings die Diskriminierung von Jungen vonstattengeht, bemerkt man erst, wenn man mit der Nase darauf gestoßen wird. Missbraucht etwa eine Lehrerin einen 13jährigen Schüler, echot es aus allen dumpfbackigen, asozialen Medien: der Junge kann ja froh sein, so eine Lehrerin zu haben; und der Depp, der das sagt, vergisst auch nicht anzumerken, dass das sein Herzenswunsch gewesen sei. Nein, es mit einer alten Frau zu treiben, und das ist für einen Jungen eine Frau, die 20 Jahre älter als er selbst ist, ist kein Wunsch- sondern ein Albtraum.

Freilich gibt es noch selbstverständlichere Diskriminierungen, die viele nicht einmal erkennen, wenn sie mit der Nase darauf stoßen. Ein Beispiel: In München gibt es das LIMIT. Ein Tagesaufenthalt für Drogensüchtige, wo sie preiswert essen können und auch, sofern sie wollen, Rat und Hilfe erhalten. Auf der Frauentoilette klebt der Aufkleber des Frauennotrufs, auf der Männertoilette klebt kein Aufkleber, dafür steht eine Schale mit Kondomen bereit. Bedenkt man, dass ein Drittel aller Drogensüchtigen in ihrer Kindheit und Jugend sexuell missbraucht wurden und zwei Drittel aller Drogensüchtigen männlich sind, dann ist nach Adam Riese das Verhältnis männlicher zu weiblichen Missbrauchsopfer auf der Drogenszene 2:1. Warum aber klebt dann im Männerklo kein Aufkleber der Münchner Anlaufstelle für missbrauchte Burschen KIBS? Die Antwort ist simpel: weil Männer nicht als Opfer, sondern nur als Täter wahrgenommen werden.

Dienstag, Januar 14, 2020

Das-geht-ja-schon-wieder-gut-los-Jahresanfangs-Blogbeitrag: Alle erwähnenswerten Meldungen, die ihr vielleicht verpasst habt

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr – und danke denjenigen von euch ganz herzlich, die Genderama in den letzten Wochen durch Spenden unterstützt haben. Viele von euch waren sehr großzügig und haben mir darüber hinaus mitgeteilt, wie wichtig mein Blog für sie ist. Ihr scheint mit meiner Arbeit zufrieden zu sein: Darüber freue ich mich sehr!

Der beste Weg, euch zu danken, ist vermutlich, meine Arbeit fortzusetzen, die ihr mit euren Spenden honoriert habt und dabei gleich voll durchzustarten. Auch dieses Jahr war ich während meines Urlaubs nie völlig untätig, sondern habe mir all die Meldungen notiert, die ich für erwähnenswert halte. Hier also wieder die gewohnte Zusammenstellung zu Beginn des Jahres:



1. Wie das evangelische Nachrichtenmagazin "idea" berichtet, wurde Anfang des Jahres ein neuer feministischer Terroranschlag verübt:

Zu dem Anschlag auf eine evangelikal-charismatische Gemeinde in Tübingen hat sich eine "Feministische Autonome Zelle" bekannt. Mehrere Täter hatten am frühen Morgen des 27. Dezember vor dem Konferenzzentrum der "Tübinger Offensiven Stadtmission" (TOS) einen Kleinbus in Brand gesteckt und den Eingangsbereich des Gottesdienstraums mit lila Farbe besprüht. Dabei entstand nach Polizeiangaben ein Sachschaden von etwa 40.000 Euro.

Auf der linken Internetplattform de.indymedia.org schreibt die Gruppe, sie habe sich entschieden, "diese symbolträchtige und für Aktionen angenehm ruhige Zeit zu nutzen, um auf einen überregionalen antifeministischen Akteur, die Tübinger Offensive Stadtmission (TOS), hinzuweisen und diesen mit Farbe und Feuer anzugreifen". In ihr grassierten "koloniale Kontinuität, antifeministische Einstellungen und reaktionäre Grundstimmung".

Wie es in dem Schreiben weiter heißt, war das nicht der erste Anschlag auf eine Einrichtung der TOS. Im Frühjahr 2018 hätten "Feminist_innen" das Leipziger Gemeindehaus angegriffen. Unbekannte hatten am 9. März mit pinker Farbe gefüllte Christbaumkugeln an die Fassade geworfen. Das Bekennerschreiben endet mit den Worten: "Wir würden uns über weitere Aktionen gegen antifeministische Institutionen und Akteure freuen. Denn diese gibt es überall – bildet Banden – macht sie platt!"


Über die Gründung der Terrorgruppe "Feministische Autonome Zelle" hatte Genderama im August 2019 berichtet.

Die Antifa Freiburg meldete schon vor Veröffentlichung des feministischen Bekennerschreibens:

Nach dem Gründungsanschlag auf einen Amazon-Locker in Freiburg am 6. August gab es bundesweit weitere direkte Aktionen der Feministischen Aktionszellen (FAZ). Am 1. Dezember brannte in Hamburg ein Bosch-Fahrzeug. Am 14. Dezember brannte in Berlin eine Vonovia-Karre und am 16. Dezember wurde ein weiterer Amazon-Locker gesmashed. In Tübingen fand nun einen Angriff auf die reaktionäre Tübinger Offensive Stadtmission (TOS) statt, bei der das Foyer des Gemeindezentrums mit lila Farbe eingedeckt und ein Kleinbus der reaktionären ChristInnen niedergebrannt wurden.

Feministische Zellen schlagen zurück – because the night belongs to us ...


Auch der SWR berichtet über das Verbrechen. Demnach

hält die Polizei das auf einer linksextremen Internetplattform aufgetauchte Bekennerschreiben für echt. (...) Allerdings habe man bislang keine Erkenntnisse über die "Feministische Autonome Zelle", so ein Sprecher. Noch sei völlig offen, ob diese Gruppe existiere und was hinter ihr stecke. (...) Feministische Autonome Zellen gebe es im linken Spektrum immer wieder. Bislang sei im Raum Tübingen-Reutlingen keine solche Gruppierung auffällig.


Über einen weiteren Brandanschlag berichtet der "Tagesspiegel":

Das Auto des "B.Z"-Journalisten Gunnar Schupelius, das in der Nacht zu Dienstag in Wilmersdorf komplett ausgebrannt ist, wurde mutmaßlich von Linksextremisten in Brand gesetzt. Das geht aus einem mutmaßlichen Bekennerschreiben hervor, das am Dienstag auf der Internet-Plattform "Indymedia" veröffentlicht wurde. Demnach sei Schupelius zum Ziel geworden, da er "als Stichwortgeber von Rassist*innen, Rechten und von Reaktionären auf allen Feldern" diene, heißt es in dem Schreiben, das eine "Prinzessin Latte" verfasst hat. Der Text endet mit Grüßen an die "Feministischen Autonomen Zellen".


2014 wurde schon einmal ein Auto von Schupelius in Brand gesetzt. Nach dem aktuellen Anschlag hatte die Terrorgruppe auch seine Privatadresse veröffentlicht und darauf hingewiesen, dass er "dort im Erdgeschoss mit seinen Kindern" wohnt.

Mehrere Väterrechtler sind mit einigen Beiträgen aus Schupelius Feder übrigens auch unglücklich – aber sie fackeln deswegen nicht seine Autos ab. Obwohl Männerrechtler von links bis rechts gewaltfrei auftreten, gilt in unseren Leitmedien immer noch die Maxime "Feministinnen harmlos und gut, Männerrechtler gefährlich und schlecht".



2. Dieser Tage bin ich auf einen Artikel mit der Überschrift "Wie Betroffene mit Hass im Netz umgehen" gestoßen. Reizvoll wäre auch mal ein Artikel darüber, wie Betroffene mit dem Hass umgehen, der ihnen aus den traditionellen Medien entgegen schlägt. Im "Neuen Deutschland" etwa, dem früheren SED-Zentralorgan in der DDR, dämonisiert Veronika Kracher Menschen, die sich für Jungen und Männer engagieren. Schon ein kleiner Auszug zeigt, wie eifrig Kracher hier ein Feindbild konstruiert und dabei das Terrain jeder zivilen Sachdebatte weit hinter sich zurück lässt:

Eigentlich könnten Männerrechtler einer fast schon leidtun. Den ganzen Tag sitzen sie, darauf lässt zumindest ihr Online-Verhalten schließen, vor dem Rechner, schreiben stilistisch unterirdische Texte gegen böse Feministinnen und den, natürlich dem Feminismus geschuldeten, Verfall der Gesellschaft - und fertigen sehr schlechte Memes an. (...) Diese Männerrechtler organisieren Kongresse und Demonstrationen gegen Abtreibung, Feminismus und Frauenrechte, sind bestens mit Neonazis vernetzt, bedrohen Feministinnen online und belästigen Frauen als Pick-up-Artists auf der Straße. Stellenweise geht der reale Frauenhass online radikalisierter Männer so weit, dass sie, wie die sogenannten Incels (aus dem Englischen für involuntary celibate - unfreiwillig enthaltsam), aktiv frauenfeindliche Attentate begehen, wie in Toronto 2018.


Na, jetzt kriegen Sie sich mal wieder ein, liebe Frau Kracher, bevor Ihre Phantasien vollends mit Ihnen durchgehen. In eine Tüte atmen soll helfen.

Wenn Sie mit Ihrem Text Männeraktivisten nur ein bisschen tgrollen möchten, verstehe ich allerdings nicht, warum Sie auf halber Strecke stehen bleiben. Warum schreiben Sie zum Beispiel statt "sind bestens mit Neonazis vernetzt" nicht gleich "bauen längst heimlich die nächsten Konzentrationslager"? Wenn das "Neue Deutschland" den einen Quatsch abdruckt, dann glauben die Ihnen garantiert auch den anderen. Wobei mir allerdings auffällt: Ausgerechnet die Leute, die so schreiben wie Sie, empören sich sonst gerne als erste, wenn jemand auf derselben Ebene kontert und Feministinnen als "Feminazis" beschimpft.

Ansonsten: Dass sich unter den verhassten Männerrechtlern nicht einmal im Ansatz so viele Gewalttäter finden wie unter Feministinnen – das macht einige von euch ganz schön fertig, hm? Maskulistische Terrorgrupen gibt es nun mal nicht. Was sagt es also über euch aus, dass ihr lieber Splitter im Auge eures Gegenübers halluziniert, als endlich den Balken in eurem eigenen zu entfernen?



3. Männerrechtler werden von manchen Eiferern vor allem deshalb als Ausgeburt der Hölle phantasiert, weil sie sozusagen eine Potenzierung von Männern an sich darstellen, die derzeit als Verkörperung allen Übels dieser Welt dargestellt werden. Blättern wir vom "Neuen Deutschland" weiter zur "Zeit", die bei einem Blick auf die Entwicklung der Männer im letzten Jahrzehnt zu folgendem Urteil gelangt:

Man konnte eine historische Rückwärtsorientierung von Männern beobachten und auch eine flächendeckende Verwahrlosung, sowohl in ästhetischer Hinsicht wie auch in Bezug auf ihre Manieren und Umgangsformen. (...) Selbst die Nazis sahen ja früher besser aus.


Einmal mehr fragt man sich: Was für einen Bekannten- und Kollegenkreis haben diese Journalisten, um offenbar ständig mit solchen „verwahrlosten“ Typen in Kontakt zu kommen? Laufen in der "Zeit"-Redaktion wirklich nur die letzten Penner rum?

Könnte sein, denn wenige Wochen später stöhnt es in der "Zeit" schon wieder:

Wo man hinsieht, machen Männer Probleme. Anderen, aber auch sich selbst. Sind sie noch zu retten?


Der komplette Beitrag steht nur für Abonnenten lesbar online. Aber warum sollte ich ein Blatt abonnieren, das inzwischen zwanghaft immer wieder mit sexistischen Platitüden um sich schlägt?



4. Das Magazin "Bento", das beim Thema "Männer" sonst auch gern in die Klischeeschublade greift, erörtert, warum Frauen in der rechten Szene oft unsichtbar bleiben.



5. Trotz aller unterirdischen Beschimpfungen und Anfeindungen dringen die Argumente der Männerrechtler immer weiter in die Debatte vor. Werden Männer benachteiligt? fragt so der Bayrische Rundfunk zum Thema Sorgerecht. Dazu passt ein Artikel der "Welt", der auf denselben Statistiken des Bayrischen Justizministeriums beruht:

Im Jahr 2018 übertrugen bayerische Amtsrichter das Sorgerecht in Scheidungsverfahren in 215 Fällen auf die Mutter, in 28 Fällen auf beide Eltern gemeinsam und nur in 20 Fällen auf den Vater. (...) Dabei sei die Mutter nicht automatisch der bessere Elternteil, betont Heinz Kindler, Leiter der Fachgruppe "Familienhilfe und Kinderschutz" am Deutschen Jugend-Institut (DJI) in München. "Grundsätzliche Kompetenzunterschiede im Gruppenvergleich Mütter - Väter lassen sich ziemlich sicher ausschließen, das wurde mehrfach untersucht."




6. Tödlich endete ein solcher Konflikt für einen Schweizer Vater:

Nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit nahm sich Urs S. im Untersuchungsgefängnis Zofingen das Leben. Der bekannte Unternehmer sah vermutlich keinen anderen Ausweg mehr. Jetzt gibt es aber Kritik am Vorgehen der Behörden.


Hier erfährt man mehr.



7. Ein US-Amerikaner nahm sich das Leben, nachdem das College, an dem er beschäftigt war, ihn nicht öffentlich zu Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit Stellung nehmen ließ.



8. Der Professor für Erziehungswissenschaft Ahmet Toprak hat beobachtet, dass muslimische Eltern ihre Töchter ganz anders erziehen als ihre Söhne: "Den Mädchen vermittelten Eltern die charakterlichen Grundlagen für eine Bildungskarriere – die Jungen erzögen sie hingegen oft zu schwer integrierbaren Bildungsverweigerern." Im verlinkten Artikel heißt es weiter:

Immer wieder bekommt Toprak zu hören, muslimische Jungen hätten keinen Respekt gegenüber Lehrerinnen. Das machohafte Verhalten sei aber nur Fassade, um die eigene Überforderung zu verbergen, sagt er und rät weiblichen Lehrkräften, bei Problemen mit muslimischen Jungen auf keinen Fall einen Mann hinzuzuziehen. So werde nur ein Weltbild gestützt, in dem Frauen schwach und Männer stark seien. Toprak warnt Lehrer davor, sich vom Machogehabe junger Muslime einschüchtern zu lassen. Seiner Erfahrung nach reicht es, ihnen ein paar Mal sachlich und ruhig zu widersprechen. "Dann treten sie schon ganz anders auf." Toprak ist sich sicher: Der Staat und die Bildungseinrichtungen müssen die Erziehungsdefizite ausgleichen.

Das eigentliche Problem von verhaltensauffälligen Kindern sind meistens die Eltern, und bei muslimischen Jungen trifft das wohl vor allem auf die Mütter zu. Laut Toprak übernehmen sie die Erziehung, der Vater spielt oft nur eine Nebenrolle. Toprak beschreibt schlecht integrierte Buben aus muslimischen Familien als verhätschelte Kinder, die aggressiv auftreten und sich wenig um Regeln und Gesetze scheren. Den Grund dafür sieht er in den enormen Erwartungen an die Söhne: Sie sollen heiraten, eine Familie finanzieren, sie vor aller Unbill schützen und später die Alterssicherung der Eltern übernehmen. Die Jungen haben es schwer, und die Mütter wollen sie entlasten. Sie müssen daher nicht im Haushalt helfen und dürfen über die Stränge schlagen.

(...) Topraks Äusserungen haben ihm immer wieder Kritik eingebracht: "Die Leute denken, ich wäre rechts, weil ich Migranten kritisiere. Ich bin aber links." Hass-Mails bekommt er von deutschen Rechtsradikalen, aber auch von Türken, die ihn als Nestbeschmutzer sehen. (...) In seinen Büchern und in Interviews thematisiert Toprak die Defizite der Zuwanderer, sobald das Gespräch aber auf die politische Lage kommt, nimmt er sich die Deutschen vor: "Ich vertraue hier 30 Prozent der Bevölkerung nicht, weil sie Rechtsextreme wählen oder deren Positionen gutheissen."




9. Die katholische Kirche habe im Missbrauchskandal auf Zeit gespielt, urteilt der Deutschlandfunk.



10. Rassistische Diskriminierung ist zu einem größeren Ausmaß für die hohe Selbstmordrate schwarzer Männer in den USA verantwortlich, als man zuvor glaubte. Die Selbstmordrate ist bei Teenagern in dieser Gruppe zwischen 2001 und 2017 um volle 60 Prozent in die Höhe geschnellt.



11. Gunnar Kunz wirft einen Blick zurück auf Medien, Zensur und Manipulation 2019 . Dabei geht es nicht nur, aber auch ums Geschlechterthema, wo die Manipulation oft besonders massiv stattfindet. Ein Beispiel:

Eine UN-Studie, die von 464.000 Menschen spricht, die 2017 weltweit Opfer von Tötungsdelikten wurden, darunter zu über 80 Prozent Männer, bereitet der Deutschlandfunk so auf: "Mehr als 87.000 Frauen und Mädchen Opfer von Mord und Totschlag".


(Es war allerdings nicht nur der Deutschlandfunk, der so gearbeitet hat, sondern etwa auch der MDR, der WDR, die Tagesschau und etliche weitere Medien.)



12. Es gibt die ersten Leserrezensionen zu meinem "Lexikon feministischer Irrtümer". (Sowohl dieses Lexikon als auch "Feindbild weiße Männer" enthalten inzwischen auch die bislang vermissten Seitenzahlen, nachdem mir mehrere Leser mitteilten, dass sie aus diesen Büchern gerne zitieren möchten.) In einer dieser Rezensionen beispielsweise heißt es:

Der Autor Arne Hoffmann ist für die deutsche Männerrechtlerbewegung das, was in den 1970er Jahren Alice Schwarzer für den Feminismus war. Als regelmäßiger Leser seines Blogs Genderama war ich also auf sein Lexikon der feministischen Irrtümer gespannt. Wie immer in seinen Büchern belegt er seine Ausführungen mit Quellen, in diesem Fall bestehen von den 256 Buchseiten 44 Seiten aus Fußnoten, insgesamt 997.

In seinem ersten Kapitel beschäftigt sich der Verfasser mit der Wissenschaftsfeindlichkeit, insbesondere an den amerikanischen, zunehmend aber auch an den deutschen Hochschulen. Er zeigt auf, dass Gender-Ideologen und Feministinnen zunehmend Einfluss gewinnen - teilweise unterstützt von der Politik und von den Leitmedien. Das geht dann laut Hoffmann so weit, dass Verlage sich nicht (mehr) trauen, feminismuskritische Bücher zu veröffentlichen. Er plädiert gegen ein Lagerdenken, Feministinnen und Männerrechtler sollten - soweit sie offen seien - an einem Strick ziehen.

(...) Die Lektüre der Stichwörter des Lexikons zeigt auf, wie viele Glaubenssätze es inzwischen gibt, die als Tatsachen fest im öffentlichen Bewusstsein verankert sind, auch bei Nichtfeministen. (...) Immer wieder gelingt es Hoffmann, kritischen und offenen Lesern Denkanstößen und auch Argumentationshilfen zu geben.

Dem Lexikonteil, der den überwiegenden Teil des Buches ausmacht, schließt sich ein Nachwort an. Hier stellt Hoffmann dar, wie es kommt, dass die feministischen Glaubenssätze (etwa die vom allumfassenden Patriarchat) nicht in Frage gestellt werden und warum das feministische Genderlager konsequent nicht nur kritische und fundierte Gegenargumente ignoriert, sondern - wenn es denn überhaupt reagiert - dann lediglich die Betreffenden persönlich angreift. Mit vielen Einzelbeispielen belegt, zeigt Hoffmann die eklatante pro-feministische Einseitigkeit der Leitmedien auf, auch der öffentlichrechtlichen Sender.

Hoffmann erklärt ausdrücklich, dass er Männerrechtler ist und kein Antifeminist. Das ergibt sich auch aus dem Inhalt seines Buch. Er ist kein Vertreter von Lagerdenken und von geschlechterpolitischen Grabenkämpfen. Daher fände ich es es wünschenswert, wenn sein Buch weitere Verbreitung fände - über den Kreis der engagierten Graswurzelbewegung der Männerrechtler hinaus.


In der Tat bleibt das immer verbissenere Lagerdenken ein Problem. So berichtet mir ein Leser meines Buches, dass er, nachdem er daraus in der Kommentarspalte unter einem "Zeit"-Artikel zitierte, nicht nur dieser Kommentar gelöscht wurde ("Entfernt. Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung antifeministischer und unseriöser Quellen. Danke."), sondern auch das Profil dieses Lesers von der „Zeit“ augenblicklich gesperrt wurde.

Man muss sich das mal vor Augen führen: Acht Prozent unserer Bevölkerung sind Feministen. Analysen, die Behauptungen aus diesem Lager hinterfragen, dürfen von "Zeit"-Lesern nicht genannt werden. Mit den abweichenden Fakten und Argumente kann man nur umgehen, indem man sie aus der Debatte heraus löscht. Das geschieht von demselben Lager, das sich beklagt, Einwände gegen die Genderwissenschaften seien unzulässig, weil sie die "Wissenschaftsfreiheit" bedrohten.



13. Die Post. Eine meiner Leserinnen hat mir zwei Mails geschickt, die ich hier zu einem Text zusammenfüge und verdichte:

Seit vielen Jahren lese ich Ihren Blog und bin sehr dankbar für die Informationen die ich dort erhalte. Was ich mich schon länger als alkoholkranke trockene Frau frage, die hervorragend von Frauenperspektiven in Hamburg unterstützt wird, ist, warum es solche Einrichtungen nicht auch für Männer gibt. In den meisten Suchtberatungen arbeiten überwiegend Frauen, was ich nicht unbedingt für förderlich halte. Den spezifischen Anforderungen von Männern wir das kaum gerecht. Gibt es überhaupt in Deutschland reine Männersuchtberatungen? Ich kann nur bedingt verstehen, warum sich die Männerbewegung hier nicht stark macht.

Ich erlebe nämlich, wie gut es tut, dass bei meiner Suchtberatungsstelle die spezifischen weiblichen Sozialisationsbedingungen mit einbezogen werden. Männer stehen doch ebenfalls unter einem ungeheuren gesellschaftlichen und sozialen Druck, welcher zur Sucht führen kann. Gerade das Thema Angst und Versagen ist von immenser Bedeutung. Insbesondere in Hinblick auf gesellschaftliche Erwartungen bezüglich seinen Mann stehen, Hauptverdiener sein zu müssen und nicht "jammern" zu dürfen. In gemischten therapeutischen Settings (so habe ich es im qualifizierten stationären Entzug und in Rehagruppen erlebt) wird darauf deutlich weniger bis gar nicht darauf geachtet und offensiv thematisiert. Uns Frauen wird ja Angst und Überforderung wegen Doppel- und Dreifachbelastung ( Ehefrau, Mutter, Erwerbstätigkeit) zugestanden und positiv konnotiert.

Es ist ein Trauerspiel für viele Männer, so meine Erfahrung. Selbst die vermittelten Entspannungstechniken (Traumreisen etwa ) führen oft nur an weiße Strände mit Vogelgezwitscher, blauen Himmeln und exotischen Blumen.

Ich wäre bereit, eventuelle Initiativen mit Rat und Tat auch zu unterstützen.

Herzlichen Dank und solidarische Grüße von einer "alten Emanze", die mal "für die Freiheit der Lebensentwürfe" kämpfte und dem Feminismus der zweiten und dritten Welle fassungslos gegenüber steht.


Weiß jemand von euch, ob es hierzulande eine Männersuchtberatung gibt?

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