Mittwoch, Juli 24, 2024

"Drückeberger aller Länder, vereinigt euch!"

1. Ein Gastbeitrag in der Berliner Zeitung beschäftigt sich mit Kriegsdienstverweigerern in der Ukraine. Ein Auszug:

Über Männer, die nicht in den Krieg ziehen und nicht sterben wollen, gibt es eher wenig Berichte. Auch Frauen, die mit ihren Kindern dafür demonstrieren, dass die Ehemänner und Väter von der Front nach Hause dürfen, kommen in solchen Reportagen nicht vor. Die Ukrainer sind in der Kriegsfrage keineswegs eins. Die Zahl ukrainischer Kriegsdienstverweigerer ist sechsstellig. Wie hoch genau weiß nur der Staatsapparat.

Was man weiß, ist, dass 650.000 ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter zwischen 18 und 60 das Land verlassen haben. Die Hälfte von ihnen sind wahrscheinlich Wehrpflichtige, meint die Kriegsdienstverweigerer-Organisation Connection e.V. aus Offenbach und geht deshalb von etwa 325.000 Kriegs-Entziehern aus. Das ist etwa die Stärke einer Armee. Über 20.000 ukrainische Soldaten sollen seit Kriegsbeginn im Februar 2022 allein ins angrenzende Moldawien geflohen sein. (…) In den ersten Wochen nach Kriegsbeginn gab es in der Ukraine bereits die ersten Strafverfahren wegen Kriegsdienstverweigerung, Militärdienstentziehung oder Selbstverstümmelung. Tendenz steigend. In den ersten neun Monaten des zweiten Kriegsjahres 2023 kam es nach offiziellen Quellen zu knapp 20.000 solcher Verfahren.

(…) In Deutschland gibt es offiziell keine große Unterstützung für ukrainische Kriegsdienstverweigerer. Im Gegenteil: konservative Politiker bekommen in den Medien breiten Raum, um eine Neid- und Hetzdebatte über Sozialleistungen für die geflüchteten ukrainischen Männer im wehrpflichtigen Alter anzuzetteln. Sie würden ihr Land im Stich lassen. Gefordert wird zum Beispiel, ihnen das Bürgergeld zu streichen, um sie zur Rückkehr in die Ukraine zu bewegen.

(…) Aber auch in Russland gibt es eine wachsende Zahl von Kriegsdienstverweigerern. Nach einer Studie des oppositionellen russischen "Netzwerkes für Analyse und Politik" sollen seit Kriegsbeginn bis zum Juli 2023 zwischen 820.000 und 920.000 Menschen Russland verlassen haben. Darunter sind nach Schätzung der Initiative Connection mindestens 250.000 Kriegsdienstverweigerer.

Laut Bundesinnenministerium (BMI) gingen vom ersten Kriegstag am 24. Februar 2022 bis zum September 2023 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 3500 Asylanträge russischer Männer im wehrfähigen Alter ein, wozu das BMI die Jahre 18 bis 45 zählt. Einen Schutzstatus erhielten 2022 genau 81 Personen, im Jahr 2023 bis einschließlich August ganze 11.

Als Helden, die dem Aggressor in den Rücken fallen und ihm seinen Krieg erschweren, werden die russischen Fahnenflüchtigen in Deutschland also nicht gehandelt. Vielleicht, weil sie auch eine Legitimation für die ukrainische Kriegsdienstverweigerung darstellen. Und wenn der Verweigerer der einen Seite den Verweigerer der anderen ermuntert und ihm Sinn gibt, wo führt das dann hin? So sind Kriege doch nicht mehr führbar.

Die anarchistischen ukrainischen Kriegsdienstverweigerer haben sich ein Motto gegeben, das dazu passt: "Drückeberger aller Länder, vereinigt euch!" Sie gehen aber noch weiter. Indem sie erklären, sich nicht für das "Vaterland" und auch nicht für die "Oligarchen opfern" zu wollen, weisen sie darauf hin, dass auch im Krieg nicht alle gleich sind. Es gibt Bürger, die in diesem Krieg den Preis bezahlen und welche, die davon profitieren. Krieg ist immer auch eine soziale Frage.

Was in diesem Krieg zusehends fehlt, sind Soldaten. Die Verluste sind auf beiden Seiten enorm. Trotzdem geht auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit den russischen Verweigerern eher streng als anerkennend um. Ihre Anträge prüft das BAMF anhand des Kriteriums der sogenannten "beachtlichen Wahrscheinlichkeit" einer Kriegsteilnahme. Will heißen: Wie wahrscheinlich ist es, ob ein Rekrut in die russische Truppe eingezogen und zum Einsatz in der Ukraine abkommandiert wird. Es gilt also nicht der Wille des potenziellen Soldaten, nicht eingezogen werden zu wollen.

(…) Zweitausend Kilometer westlich des Krieges in der Ostukraine hat sich eine Mentalität breit gemacht wie vor über hundert Jahren. Dazu passen dann auch die neuen Fackelzüge zu den Soldatengräbern auf den deutschen Friedhöfen am Volkstrauertag, wenn Kriegsopfern und ihren Tätern zugleich gedacht wird. Die Kriegspropaganda in Deutschland zielt in Wahrheit auf Deutschland. Tote Soldaten, die stolz sind, wenn sie Opfer werden, Verletzte, die so schnell wie möglich zurück an die Front wollen – das verstehen die Planer und Einheizer unter "Kriegstüchtigkeit" und "Kriegswilligkeit".




2. CNN berichtet, wie in immer mehr europäischen Ländern die Einberufung ins Militär zurückkehrt.

Eine Reihe europäischer Länder hat die Wehrpflicht nach dem Ende des Kalten Krieges abgeschafft, aber mehrere Länder - insbesondere in Skandinavien und im Baltikum - haben sie in den letzten Jahren wieder eingeführt, vor allem wegen der russischen Bedrohung. Die Nicht-Einberufung kann in einigen Ländern zu Geld- oder sogar Gefängnisstrafen führen.

Lettland ist das letzte Land, das die Wehrpflicht eingeführt hat. Die Wehrpflicht wurde am 1. Januar dieses Jahres wieder eingeführt, nachdem sie 2006 abgeschafft worden war. Männliche Staatsbürger werden innerhalb von 12 Monaten nach Vollendung des 18. Lebensjahres bzw. nach Abschluss der Schulausbildung zum Wehrdienst eingezogen.

(…) Im April legte Norwegen einen ehrgeizigen langfristigen Plan vor, der den Verteidigungshaushalt des Landes nahezu verdoppeln und die Streitkräfte um mehr als 20.000 Wehrpflichtige, Angestellte und Reservisten erweitern soll.

"Wir brauchen eine Verteidigung, die für das neue Sicherheitsumfeld geeignet ist", sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre.

In Norwegen ist die Wehrpflicht obligatorisch, und 2015 war das Land das erste Mitglied des NATO-Verteidigungsbündnisses, das Männer und Frauen zu gleichen Bedingungen einberufen hat.




3. Unter der Überschrift K.O.-Tropfen-Verdacht gegen Lindemann bleibt unzulässig geht es in der Legal Tribune um den SPIEGEL, der wegen seiner fragwürdigen Berichterstattung über die Band Rammstein vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamburg stand. Ein Auszug:

Tiefgehender wird die Argumentation des OLG hingegen beim fehlenden Mindestbestand an Beweistatsachen. Ein solcher ist Voraussetzung für zulässige Verdachtsberichterstattung. Tragfähige Indizien für die Verabreichung von K.O-Tropfen seien nicht glaubhaft gemacht, so das OLG. Wenn die Frauen über Erinnerungslücken im Zusammenhang mit den Aftershowpartys berichten, reichte das nicht aus, um anzunehmen, dass den betreffenden Frauen Drogen oder K.O.-Tropfen verabreicht worden wären. Auch hätte der Artikel dann darstellen müssen, welche Symptome bei K.O.-Tropfen zu erwarten sind, und diese hätten mit den von den Frauen geschilderten Symptomen abgeglichen werden müssen. Abgesehen davon, dass es schon keine tragfähigen Indizien für den Einsatz von K.O.-Tropfen überhaupt gebe, existierten erst recht keine Indizien dafür, dass Lindemann selbst dahinterstecken würde.




4. In der "taz" geht es um die Probleme, mit denen männliche Sexarbeiter zu kämpfen haben.



Dienstag, Juli 23, 2024

Professor Galloway: "Hinter dem Attentat auf Donald Trump verbirgt sich eine Krise der Männer"

Der US-Wahlkampf vollzieht sich in so rasantem Tempo, dass kaum nachkommt. Heute spricht jeder über den Rückzug Joe Bidens; währenddessen ist das letzte aufsehenerregende Ereignis dieses Wahlkampfs, das Attentat auf Donald Trump, noch keine zwei Wochen her. Ich würde gerne darauf zurückblicken, und zwar in der Form eines Aufsatzes des Ökonomen Professor Scott Galloway, der das Attentat in Verbindung mit der Vernachlässigung von Männern in unserer Gesellschaft bringt. Männerrechtler würden bei bestimmten Punkten anders formulieren als Galloway, andere Punkte betreffen speziell die Situation der USA. Gleichzeitig trifft er so oft ins Schwarze, dass ich seinen Beitrag auch hierzulande für lesenswert halte in der Debatte über eine vernünftige Geschlechterpolitik.

Der verliunkte Originaltext enthält mehrere Diagramme, die sich auf Genderama nicht wiedergeben lassen.



Die Erzählungen über das Attentat auf Trump wurden bereits während des Geschehens geprägt. Die meisten von ihnen lenken von der wahren Geschichte ab - der Krise, mit der junge amerikanische Männer konfrontiert sind.

Nur wenige Augenblicke, nachdem der 20-jährige Thomas Matthew Crooks auf ihn geschossen und er von Secret-Service-Agenten umringt wurde, hatte Donald Trump den Instinkt und den Mut, seine Faust in die Menge zu recken und "Kämpft!" zu rufen. Dieses Bild von ihm, trotzig und mit blutverschmiertem Gesicht, könnte ihm helfen, das Weiße Haus zurückzuerobern und das Jahr - möglicherweise das Jahrzehnt - zu prägen.

Kurz darauf beeilte sich jeder, der über einen Internetanschluss verfügte, eine Erklärung für die Ereignisse auszuspeien, die ihre vermeintlichen Feinde als unamerikanisch, ja sogar gefährlich darstellten. Der republikanische Kongressabgeordnete Mike Collins aus Georgia verkündete auf X: "Joe Biden hat die Befehle erteilt" und setzte Bidens ungeschickte Metapher – "Es ist an der Zeit, Trump ins Visier zu nehmen" - mit der Anweisung gleich, einen Anschlag auszuführen.

Andernorts wurde in Verschwörungs- und Fehlinformationen von links spekuliert, die Schießerei sei eine von der Trump-Kampagne selbst inszenierte Falschmeldung gewesen. Rechtsextreme erklärten, das Versagen des Secret Service, die Schießerei zu verhindern, sei auf die Zuweisung inkompetenter weiblicher Agenten zurückzuführen. Spoiler-Alarm: Mehr weiße Männer, die weiße Männer vor anderen weißen Männern schützen, sind nicht die Lösung.

Es gibt auch eine verständliche Reihe von Fragen, warum der Secret Service den Schützen auf dem Dach nicht gesehen hat, obwohl die Teilnehmer der Kundgebung ihn sehen konnten. Bislang sieht es so aus, als ob es sich um eine Geschichte von Inkompetenz und nicht um eine Verschwörung handelt. Unabhängig von Ihrer politischen Einstellung gibt es nur wenige Menschen, die es mehr verdienen, von ihren Aufgaben entbunden zu werden, als Direktorin Kimberly Cheatle.

Als Präsident Biden sich am Sonntag an die Nation wandte, betonte er die Notwendigkeit, "die Temperatur der amerikanischen Politik abzukühlen". Dies ist eine vernünftige Forderung - und hat keinerlei Aussicht auf Erfolg.

All diese Erzählungen sind ein Versuch, uns zum Wegschauen zu bewegen. Wir wussten, wer der Täter war, bevor wir wussten, wer er war: ein einsamer junger Mann mit Zugang zu Kriegswaffen, der mit einer (vermeintlich) heldenhaften Gewalttat seinen sozialen Status zurückerobern wollte.

- Verlorene Jungen -

Ich habe schon viel über die finanziellen, erzieherischen, sozialen, sexuellen und spirituellen Hindernisse geschrieben und gesprochen, mit denen junge Männer heute konfrontiert sind, daher möchte ich meinen Fall nicht noch einmal aufrollen. (…) Die Kernaussagen: In den letzten Generationen hat es einen gezielten Vermögenstransfer von den Jungen zu den Alten gegeben. Das Ergebnis sind unter anderem unerschwingliche und unvertretbare Kosten für Bildung und Wohnen. Besonders schlimm sieht es für Jungen und junge Männer aus.

Algorithmisch generierte Inhalte in den sozialen Medien tragen zur zunehmenden sozialen Isolation, Langeweile und Ignoranz junger Männer bei - und profitieren davon. Während die reichsten Firmen der Geschichte versuchen, sie davon zu überzeugen, dass sie ein vernünftiges Faksimile des Lebens auf einem Bildschirm haben können, wachsen sie auf, ohne die Fähigkeiten zu erwerben, Sozialkapital aufzubauen oder Wohlstand zu schaffen. Sie werden mit einem Bildungssystem konfrontiert, das sie benachteiligt, und treten in eine Arbeitswelt ein, in der der Mindestlohn unter der Armutsgrenze liegt. Viele Jungen wachsen mit fast keinen männlichen Vorbildern auf. Die Folgen sind Einsamkeit, Depressionen, Selbstmord und eine erhöhte Anfälligkeit für Radikalisierung und den Glauben an Verschwörungen.

Entfremdung und Unzufriedenheit führen zu Depressionen und Gewalt. Im Alter von 27 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, verhaftet zu werden, vom Arbeitgeber entlassen zu werden, staatliche Unterstützung zu erhalten oder drogenabhängig zu sein, bei High-School-Abbrechern viermal höher als bei Gleichaltrigen, die ihren Abschluss gemacht haben. Jeder siebte Mann gibt an, keine Freunde zu haben, und 3 von 4 Todesfällen aus Verzweiflung in Amerika - Selbstmorde und Überdosen von Drogen - betreffen Männer. Wir sehen uns mit rückläufigen Haushaltsgründungen, sinkenden Geburtenraten und einem verlangsamten Wirtschaftswachstum konfrontiert, während die Babyboomer in den jahrzehntelangen unproduktiven Ruhestand gehen.

Es gibt, um es einfach auszudrücken, eine Kohorte junger Menschen in unserem Land, denen die gleiche Chance verwehrt wird, die meiner Generation geboten wurde: die Chance auf ein sinnvolles Leben.

- 12 Jahre -

Eine Generation von entfremdeten jungen Männern kann eine Nation schnell in die Finsternis stürzen. Die letzte Woche verbrachte ich in Deutschland zur Europameisterschaft. Zwischen den Fußballspielen haben wir Radtouren gemacht und etwas über die Geschichte des Landes gelernt. Während des größten Teils seiner jahrhundertelangen Geschichte war Deutschland eine fortschrittliche Gesellschaft, tolerant gegenüber verschiedenen Religionen, Nationalitäten und sexuellen Orientierungen. Im Mittelpunkt des 12-jährigen Abstiegs in den faschistischen Totalitarismus stand derselbe Brandstifter, der auch die Russische Revolution, den Arabischen Frühling und den Untergang des Römischen Reiches inspiriert hat: junge Männer in Not.

Die Weltwirtschaftskrise machte viele junge Männer in Deutschland arbeitslos und ohne Perspektive. Die Nationalsozialistische Partei machte sich diese Verzweiflung zunutze, indem sie Arbeitsplätze, wirtschaftliche Stabilität und eine Rückkehr zur nationalen Größe versprach. Für junge Männer aus unteren sozioökonomischen Schichten boten die Nationalsozialisten nie dagewesene Möglichkeiten der sozialen Mobilität. Durch den Beitritt zur Partei oder zu den ihr angeschlossenen Organisationen konnten Männer Macht, Status und Einfluss erlangen, die in der starren Klassenstruktur des Weimarer Deutschlands sonst unerreichbar waren. Diese Rekruten bildeten die zwei Millionen Mann starke Hitlerjugend und später die Sturmabteilung (SA), auch bekannt als die Braunhemden.

- Ein Mann -

Manchmal braucht es nur einen unzufriedenen jungen Mann, um den Lauf der Geschichte zu verändern. Gavrilo Princip wurde am 25. Juli 1894 in dem Dorf Obljaj in Bosnien geboren, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Er war das zweite von neun Kindern einer armen serbischen Bauernfamilie. Nur drei seiner Geschwister überlebten das Säuglingsalter. Denken Sie über den letzten Satz nach und überlegen Sie, welche Auswirkungen es auf Ihre Perspektive hätte, wenn Sie in einem Umfeld aufgewachsen wären, in dem nur ein Drittel Ihrer Geschwister überlebt hätte.

Gavrilo Princip zog 1912 nach Belgrad, wo er sich einer serbischen nationalistischen Organisation, der Schwarzen Hand, anschloss, einer geheimen Militärgesellschaft, die dafür bekannt war, dass sie Terrorismus einsetzte, um politische Ziele zu erreichen. Princips Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau setzte die Kette von Ereignissen in Gang, die zum Ersten Weltkrieg führten und den Boden für den Zweiten Weltkrieg bereiteten. Er war 19 Jahre alt.

- Manchmal ist es am dunkelsten, bevor es pechschwarz wird -

Zwischen 2010 und 2020 gab es in den USA nur 231 dokumentierte politische Gewalttaten. Angesichts von mehr als 40.000 Todesfällen durch Schusswaffen pro Jahr und zehn Massenerschießungen pro Woche ist es jedoch naiv zu glauben, dass große, häufige Versammlungen wie politische Kundgebungen nicht irgendwann von willkürlicher Gewalt betroffen sein werden. Was dies wahrscheinlicher macht - das Glycerin zum Nitro der kämpfenden jungen Männer - ist der Zugang zu Kriegswaffen.

Das halbautomatische Gewehr des Typs AR-15, das [der Trump-Attentäter Thomas] Crooks offenbar benutzt hat, ist keine Waffe für die Jagd, das Scheibenschießen oder die Selbstverteidigung außerhalb eines Kriegsgebiets. Das ursprüngliche AR-15 wurde in den 1950er Jahren entwickelt, weil US-Kampfsoldaten eine präzise Waffe brauchten, die schnell mehrere Schüsse auf den Feind abfeuern konnte. Die Abkömmlinge der AR-15, die einst von Präsident Clinton verboten wurden, sind heute die meistverkauften Waffen in Amerika. Als Trump Präsident war, erwog er, das Verbot wieder in Kraft zu setzen, bis die NRA ihn davon abbrachte.

- Wir wussten, wer er war -

Wir wussten, wer Thomas Crooks war, bevor wir überhaupt seinen Namen hörten. Wie meine Pivot-Podcast-Partnerin Kara Swisher es ausdrückte, war er "dieses Kind", jemand, den sich jeder von uns leicht vorstellen konnte. Ein Kind mit wenig sozialem Kapital, ohne Beziehungen zu anderen. Wir kennen dieses Kind, einige von uns waren dieses Kind.

Ein Klassenkamerad erzählte der New York Times, dass Crooks als Studienanfänger wegen seines albernen Spongebob-T-Shirts und seiner mangelnden Hygiene verspottet wurde. "Die anderen Kinder sagten immer: 'Hey, seht euch den Amokläufer da drüben an'", sagte sie.

Die Verrohung unseres Diskurses, die Einkommensungleichheit und die politische Polarisierung sind Probleme, die unsere Aufmerksamkeit und unsere Ressourcen rechtfertigen. Aber der Brandbeschleuniger für fast jedes ernsthafte Problem in unserer Gesellschaft ist eine Generation junger Männer, die ein zunehmend trostloses, einsames Leben führen. Wir haben kein Monopol auf junge Männer in Not. Aber wir haben ein Monopol auf junge Männer in Schwierigkeiten, die Zugang zu Kriegswaffen haben.

Wir brauchen mehr Empathie sowie Programme, die die Verbindung wiederherstellen: Investitionen in öffentliche Begegnungsstätten [wie z.B. Jugendzentren], Berufsbildungsprogramme, mehr Studienanfängerplätze an Hochschulen, Steuergutschriften für Kinder, negative Einkommenssteuergutschriften, einen Mindestlohn von 25 Dollar, eine Kultur der Mentorenschaft, mehr Männer, die an Grundschulen unterrichten, eine Altersfreigabe für soziale Medien, einen verpflichtenden Nationaldienst und eine Steuer- und Abgabenpolitik, die die Übertragung von Chancen und Wohlstand von Jung auf Alt verhindert.

Jede Seite will die Rhetorik der anderen beschuldigen oder eine neue Verschwörung finden. Das Problem ist eher langweilig und versteckt sich im Verborgenen: Der gefährlichste Mensch auf der Welt ist ein einsamer junger Mann, und wir bringen zu viele von ihnen hervor. Schlimmer noch, wir rüsten sie mit Waffen aus, die jede andere Industrienation als Kriegsinstrumente anerkennt.

Die USA sind nahezu unempfindlich gegen ausländische Bedrohungen, aber sie führen Krieg gegen sich selbst. Die Frontlinie dieses Krieges befindet sich auf unserem eigenen Boden, wütet und wird weitgehend ignoriert: der Kampf der jungen Männer.




Montag, Juli 22, 2024

Alleinlebende Männer suchen besonders oft Hilfe – und sind höher verschuldet

1. Das Redaktionsnetzwerk deutschland meldet eine besondere Form der Belastung von Männern, über die selbst ich noch nie berichtet habe:

Singles suchen häufiger die Hilfe von Schuldnerberatungen. Alleinstehende Männer sind dabei nicht nur häufiger, sondern auch höher verschuldet als Single-Frauen. Das zeigt die neue Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamts.


Hier erfährt man mehr.



2. Der Kölner Stadt-Anzeiger kommentiert die Wehrpflicht-Debatte: "Frauen sind ohnehin benachteiligt – ein zusätzlicher Dienst wäre unfair". Bezahlschranke. Wie schade. War bestimmt ausgewogen und hochgradig informativ.

Auch "ZDF heute" befasst sich mit diesem Thema: Ein Auszug:

Dabei will [Verteidigungsminister Boris] Pistorius einen wesentlichen Bestandteil des schwedischen Modells jedoch nicht umsetzen: die Dienstpflicht für Frauen. Während junge Männer dem Plan von Pistorius zufolge den Fragebogen ausfüllen müssen, wird es jungen Frauen freigestellt. Denn eine Dienstpflicht auch für Frauen bedarf einer Grundgesetzänderung. Männern wie Frauen stünde in diesem Fall die Option offen, zu verweigern und einen zivilen Ersatzdienst zu leisten.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Schon für seinen aktuellen "Neuen Wehrdienst" ohne Frauen fehlt ihm die Mehrheit in der eigenen Koalition: Die FDP lehnt ein verpflichtendes Modell ab. Außerdem kostet eine Dienstpflicht zusätzliche Milliarden - die will der Finanzminister nicht ausgeben.

Im Gegensatz dazu zeigt sich die Union offen für die Pläne von Pistorius - auch mit Blick auf eine Dienstpflicht für Frauen. "Ich würde mir eine Wehrpflicht tatsächlich für Frauen und Männer wünschen. Ich glaube, das wäre auch im Sinne der Geschlechter- und der Wehrgerechtigkeit", sagt die CDU-Abgeordnete Serap Güler im Gespräch mit ZDF frontal.

Das ist jedoch nicht der einzige Aspekt, der bislang gegen eine Dienstpflicht auch für Frauen spricht. "Der Wehrdienst für Frauen wurde während des Kalten Krieges unter anderem deswegen nicht für Frauen verpflichtend gemacht, weil Frauen ihren Dienst an der Gesellschaft bereits durch Carearbeit leisteten", erklärt Julia Weigelt, Fachjournalistin für Sicherheitspolitik. "Bis heute übernehmen Frauen pro Tag 79 Minuten unbezahlte Sorgearbeit mehr als Männer."

(…) Und was sagen junge Frauen zu der Idee einer Dienstpflicht oder gar Wehrpflicht? ZDF frontal fragt nach bei Julia Lomm. Sie leistet ihr freiwilliges soziales Jahr in der Wuppertaler Förderschule am Nordpark, arbeitet mit Kindern mit Behinderung. Schon jetzt ist die Mehrheit der Bundesfreiwilligendienstleistenden weiblich. Lomm spricht sich gegen einen verpflichtenden Wehr- oder Zivildienst aus: "Ich würde es freiwillig belassen, denn für viele ist es vielleicht gar nichts."

Auch Denise Preis, die ZDF frontal bei der Jobmesse in Regensburg trifft, ist skeptisch. Die Bundeswehr findet sie als Arbeitgeber interessant - auch wegen der vielen Studiengänge, die sie anbietet. Gleichzeitig erklärt sie: "Mich würde das eher abschrecken, dass ich als Soldatin im kämpferischen Bereich wäre. Ich glaube, ich habe ein bisschen Angst davor."




3. Mehr als die Hälfte der wehrpflichtigen Ukrainer haben sich trotz des neuen Mobilisierungsgesetzes nicht registriert.



4. Ein deutscher Militärsanitäter, der in der von US-Amerikanern geführten Einheit "Chosen Company" in der Ukraine kämpft, erhebt in der New York Times schwere Vorwürfe gegen einige seiner Kameraden: Mehrmals seien russische Soldaten getötet worden - obwohl sie sich bereits ergeben hatten. Das Töten von Kriegsgefangenen stellt einen Verstoß gegen die Genfer Konventionen dar. Sobald Soldaten eindeutig ihre Absicht bekunden, sich zu ergeben, dürfen sie nicht angegriffen werden und müssen sicher in Gewahrsam genommen werden.



5. Die Post. Professor Tonio Walter schreibt mir zu dieser Meldung, die Genderama am Freitag mit der Behauptung verlinkte, die Zahl der untergebrachten "Obdachlosen" sei gestiegen:

Lieber Arne,

Achtung: "Obdachlose" sind nicht das gleiche wie "Wohnungslose". Der ZEIT ONLINE-Beitrag, auf den Du in Genderama hinweist, hat eine falsche Überschrift (richtig dann aber im Text). Unter den Wohnungslosen ist der Anteil der Männer kleiner. Zu den Obdachlosen gibt es weniger Daten.

Meine jüngsten Quellen: Obdachlose Schweiz: Befragung in acht Schweizer Städten, 83 % Männer. Deutschland: Zählung in Berlin, 84 % Männer.

Wohnungslose: Für den Stichtag 31. Januar 2022 und Deutschland verzeichnet das Statistische Bundesamt einen Männeranteil von 62 % versus 37 % Frauenanteil (1 % "Geschlecht unbekannt"). Für 2022/23 verzerrt der Ukrainekrieg mit überwiegend weiblichen Flüchtlingen die Statistik.




Freitag, Juli 19, 2024

Fast eine Million Euro für Register, das Kritik am Gendern meldet

1. Unter der Schlagzeile "900.000 Euro für Register, das Sticker meldet, die gegen Gendern sind!" prangert die Berliner B.Z. das Verschleudern von Steuergeldern an. In dem Artikel geht es nicht um die Meldestelle Antifeminismus, sondern das sogenannte "Berliner Register". Die Reporter der B.Z. finden im Test heraus, dass dorthin gesendete Behauptungen nicht einmal auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden: "Jeder kann sich also einen Vorfall ausdenken – und der landet dann im Register. Und dafür zahlt der Senat fast eine Million Euro im Jahr?"



2. In Bayern drohen Lehrern, die gendern, inzwischen Bußgelder.



3. Weil das Wort "Notarzt" auf entsprechenden Einsatzfahrzeugen nicht gendergerecht sei, sollen diese jetzt umbenannt werden. Ob stattdessen "Notärzt*in" auf den Fahrzeugen stehen wird, ist noch nicht ausdiskutiert. Sanitäter und Feuerwehrleute sind fassungslos über die Debatte: "Als hätten wir keine anderen Probleme."



4. Zukünftig kann auch ein Mann Deutsche Weinkönigin werden.



5. Bei Spiegel-Online ist man empört: "Etwa 2000 deutsche Unternehmen sind eigentlich gesetzlich verpflichtet, ihre Ambitionen zur Beförderung von Frauen in den Vorstand festzulegen. Doch ein Großteil schert sich nicht drum."



6. "Wir müssen mehr tun, um die psychische Gesundheit von Männern zu fördern", erklärt der Psychologe Andreas Walther im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung: " Männer sollen verstehen, dass sie Anspruch auf Unterstützung haben und dass es gute Angebote für sie gibt.



7. Die Zahl der untergebrachten Obdachlosen in Deutschland steigt.



8. "Es ist in unserer patriarchalen Gesellschaft nach wie vor ein Lebensrisiko, eine Frau zu sein", erklärten die Berliner Grünen-Politiker Bahar Haghanipour und Vasili Franco im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.



9. Begehen Männer Verwerfliches, landet das häufig in den Medien, oft versehen mit Etiketten wie "toxische Männlichkeit". Aber wer von euch hat zum Beispiel mitbekommen, dass der Mann, der bei dem Trump-Attentat getötet wurde, auch deshalb starb, weil er sich im Kugelhagel schützend vor seine Familie geworfen hat?



Donnerstag, Juli 18, 2024

Ukraine: Kriegsdienstverweigerer auf der Flucht erschossen

1. Mehrere Medien berichten über die Tötung eines ukrainischen Deserteurs, darunter die Berliner Zeitung:

Ein Soldat der ukrainischen Armee wurde übereinstimmenden Medienberichten zufolge von einem ukrainischen Grenzbeamten erschossen, als er versuchte, in die benachbarte Republik Moldau zu flüchten. Das Staatliche Ermittlungsbüro in der Ukraine, eine Art Bundeskriminalamt, bestätigte den Vorfall, der am späten Abend des 14. Juli stattgefunden haben soll.

Der ukrainischen Behörde zufolge flohen vier Soldaten aus einem Militärcamp in der Schwarzmeer-Region Odessa und versuchten, zu Fuß die Grenze nach Moldau zu überqueren. Einer der Fahnenflüchtigen leistete dem Ermittlungsbüro zufolge nach dessen Festnahme durch einen Grenzbeamten Widerstand, woraufhin er erschossen wurde.

Ein Sprecher der ukrainischen Grenzschutzbehörde widersprach jedoch zunächst und sagte gegenüber ukrainischen Medien, der Grenzsoldat habe das Feuer nicht als Erster eröffnet. Ermittlungsbehörden in Kiew teilten daraufhin mit, dass eine Untersuchung wegen übermäßigen Missbrauchs von Strafverfolgungsbefugnissen eingeleitet worden sei.

(…) In der Region Transkarpatien wurde ebenfalls ein Mann von ukrainischen Grenzbeamten erschossen, der versuchte, ins Ausland zu fliehen.




2. In der Frankfurter Rundschau geht es darum, wie Russland Kriegsdienstverweigerer in seine Gewalt bekommen möchte:

Mindestens hunderttausend russische Militärangehörige sollen bereits gestorben sein, während sie Wladimir Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in die Ukraine trugen. Die jüngste Zusammenschau verschiedener Datensätze durch den britischen Economist lässt darauf schließen, dass zwischen Februar 2022 und Mitte Juni 2024 sogar 462.000 bis 728.000 russische Soldaten kampfunfähig wurden, weil sie starben oder schwer verletzt wurden.

Die Verluste sind horrend, das schildern auch Soldaten aus Russland, und laut dem unabhängigen russischen Medium Mediazona wurden seit Putins Invasion bereits über 9000 Personen angeklagt, weil sie sich unerlaubt von ihrer Einheit entfernt hatten. Deswegen braucht der Kreml neue Rekruten. Damit die ihm nicht weglaufen, bevor sie ausgebildet werden können, setzt die russische Führung nun auf eine Software zum "elektronischen Datenaustausch" zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Föderalen Sicherheitsdienst (FSB). Das berichtete das unabhängige russische Nachrichtenportal Meduza.

Im September 2022 ordnete Wladimir Putin die im Ukraine-Krieg erste und bisher einzige Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten an. Sie provozierte einen Exodus junger Russen, insbesondere aus den Städten, der die russische Gesellschaft wichtige qualifizierte Arbeitskräfte kostete. Noch im selben Monat berichtete die unabhängige russische Zeitung Nowaya Gazeta, dass bereits 261.000 Russen das Land verlassen hätten.

(…) Deswegen will sich der Kreml nun digitaler Hilfsmittel bedienen, um Wehrpflichtige, die ihren Einberufungsbefehl erhalten haben, erfolgreicher an der Ausreise zu hindern. Seit dem 1. Januar 2024 ist in Russland ein neues Gesetz in Kraft, welches das Maximalalter für die Wehrpflicht von 27 auf 30 heraufsetzt. Es verbietet außerdem allen Männern, das Land zu verlassen, sobald sie einen Einberufungsbefehl erhalten haben. Nachdem dieser Befehl früher per Post entgegengenommen oder vom Arbeitgeber übergeben werden musste, kann er bereits seit April 2023 auch online über das Regierungsportal Gosuslugi zugestellt werden.

Bisher scheint das Problem gewesen zu sein, dass der für den Grenzschutz zuständige Inlandsgeheimdienst FSB nicht immer darüber informiert war, wer einen Einberufungsbefehl erhalten hatte und infolgedessen das Land nicht verlassen durfte. Daher entwickelt das "Voskhod" Forschungsinstitut, das dem russischen Ministerium für Digitale Entwicklung unterstellt ist, jetzt ein Programm, das Abhilfe schaffen soll. Ziel ist die Übertragung einer regelmäßig zu aktualisierenden Liste mit den relevanten Namen aus dem Einberufungsregister des Verteidigungsministeriums an das föderale Datenverarbeitungszentrum des FSB-Grenzdienstes.




3. Kriegsdienstverweiger aus Israel hat die Tagesschau für den Beitrag "Was wir in Gaza tun ist unmoralisch" interviewt. Die porträtierten Männer ziehen sich nach ihren Erlebnissen in Gaza von dort zurück:

"Von den Leuten, die ich getroffen habe, sagt niemand: 'Ich will so viele Menschen in Gaza töten, wie möglich.' Aber es fühlt sich definitiv so an, dass sich niemand für die palästinensischen Zivilisten interessiert", so Ziv ein paar Tage nach der Demonstration. Der 29-Jährige sitzt auf einer Parkbank im Zentrum von Tel Aviv. Er ist trainiert, wirkt selbstbewusst, überlegt genau, was er antwortet.

(…) Schriftliche Einsatzregeln für die Soldaten am Boden hat Ofer Ziv nach seinen Worten nie gesehen. In aktiven Kriegszonen, für die die Armee zuvor Evakuierungen angeordnet habe, wird nach Darstellung des Reservisten auf alles geschossen: "Jedes Mal, wenn wir jemanden Unbekannten in der Gegend herumlaufen sehen haben, wurde er erschossen. Jedes Mal, soweit ich mich erinnern kann."

(…) Je mehr Einsätze der Offizier am Bildschirm des Hauptquartiers verfolgt, um so mehr hinterfragt er sie. Er frage sich zum Beispiel, ob bei einzelnen Angriffen immer rein militärische Motive eine Rolle spielen? "Wollten die Leute sich auch rächen und die Schule zerstören? Weil sie einfach die Palästinenser hassen oder die Bewohner von Gaza oder was auch immer?"

(…) Ofer Ziv will seinen Beitrag leisten, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen. Deshalb erzählt er von seinen Erlebnissen im Gaza-Krieg: "Ich kann der Regierung nicht vertrauen. Ich glaube, dass das, was wir in Gaza tun, unmoralisch ist. Es ist sehr, sehr, sehr problematisch."

Der Weg an die Öffentlichkeit könnte für ihn selbst zu einem Problem werden. In den nächsten Tagen schon könnte die Armee den Reservisten wieder zum Dienst einberufen. Eine Verweigerung kann mit Gefängnis bestraft werden. Der 29-Jährige will sich davon aber nicht einschüchtern lassen: "Das macht mir Sorgen. Aber im Moment habe ich mehr Angst davor, das zu tun, was sie von uns in Gaza wollen, als davor, ins Gefängnis zu gehen."


Wie israelische Soldaten unter der Überschrift "Mir ist langweilig, also schieße ich" berichten, dienen dabei entgegen früheren, von Genderama aufgegriffenen Schilderungen zwar in erster Linie, aber nicht ausschließlich Männer als potentielle Terroristen und damit legitime Zielscheiben:

Die Zeugenaussagen zeichnen das Bild einer mit zivilen Leichen übersäten Landschaft, die der Verwesung überlassen oder von streunenden Tieren gefressen werden; die Armee versteckt sie nur vor der Ankunft internationaler Hilfskonvois, damit "keine Bilder von Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung auftauchen". Zwei der Soldaten bezeugten auch eine systematische Politik, palästinensische Häuser in Brand zu setzen, nachdem sie sie besetzt hatten. (…) "Es ist erlaubt, jeden zu erschießen, ein junges Mädchen, eine alte Frau."


Die Freigabe, alles abzuknallen, was sich bewegt, schade mitunter den israelischen Soldaten selbst:

Diese laxen Richtlinien trugen nicht nur zur Tötung von mehr als 38.000 Palästinensern bei, sondern waren auch mitverantwortlich für die hohe Zahl von Soldaten, die in den letzten Monaten durch eigenes Feuer getötet wurden.


Mindestens 28 israelische Soldaten sollen so von den eigenen Leuten erschossen worden sein.

Für Green zeigten die Einsatzregeln auch eine tiefe Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Geiseln. "Sie erzählten mir von der Praxis, Tunnel zu sprengen, und ich dachte mir, wenn Geiseln [darin] wären, würde das sie töten. Nachdem israelische Soldaten im Dezember in Shuja'iyya drei Geiseln getötet hatten, die weiße Fahnen schwenkten, weil sie sie für Palästinenser hielten, sagte Green, er sei wütend, aber man habe ihm gesagt, 'wir können nichts tun'."

(…) "Ich habe Aussagen [von anderen Soldaten] gehört, dass die Geiseln tot wären, dass sie keine Chance haben, dass sie aufgegeben werden müssen", so Green. "Das hat mich am meisten gestört ... dass sie immer wieder sagten: 'Wir sind wegen der Geiseln hier', aber es ist klar, dass der Krieg den Geiseln schadet. Das war damals mein Gedanke; heute hat sich das bewahrheitet."

(…) "Auch ich, ein eher linker Soldat, vergesse sehr schnell, dass es sich um echte Häuser [in Gaza] handelt", sagte A. über seine Erfahrungen im Einsatzraum. "Es fühlte sich an wie ein Computerspiel. Erst nach zwei Wochen wurde mir klar, dass es sich um [tatsächliche] Gebäude handelt, die einstürzen: Wenn es [darin] Bewohner gibt, dann stürzen [die Gebäude] auf ihren Köpfen ein, und selbst wenn nicht, dann mit allem, was darin ist." Mehrere Soldaten sagten aus, dass die israelischen Einheiten aufgrund der Politik des freizügigen Schießens palästinensische Zivilisten auch dann töten konnten, wenn sie zuvor als solche identifiziert worden waren.


Der Beitrag ist bei Interesse am Thema in Gänze lesenswert.



4. Die Post. Einer meiner Leser schrieb mir gestern:

Heute kam im ZDF im Rahmen der Sendung "hallo deutschland" ein ausführlicher Bericht über die Wormser Mißbrauchsprozesse.

Ein sehr sehenswerte Einblick in das Versagen der Justiz und die Folgen übereifriger "Kinderschützerinnen". Besonders weist die Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen auf eine Frau hin, die mit missionarischem Eifer sexuellen Mißbrauch aufdecken wollte. Sie betont "aufdecken", nicht "aufklären". Die Frau hat nachts eine Kneipe observiert, in die viele Männer gingen. Daraus hat sie sich zusammenphantasiert, daß das der Ort des Mißbrauchs sein muß.

Alles begann mit einem Sorgerechtsstreit, der eskalierte.

Auch die damaligen Kinder kommen zu Wort und schildern die Folgen. Besonders bedrückend ist der Fall von Jacqueline, die erst im Heim vom Heimleiter mißbraucht wurde! Sie hat später die Kraft gefunden, ihn anzuzeigen. Er bekommt 5 Jahre und 8 Monate Haft - für sie enttäuschend.

Der Beitrag ist noch nicht als Einzelbeitrag unter der Rubrik "Wahre Verbrechen" gelistet, sondern nur in der Gesamtsendung bei 25:20.

Ich bin in der ARD-Mediathek dann auf einen weiteren Bericht über den Fall gestoßen: "Der Missbrauch, der keiner war" Ebenfalls sehr sehenswert. Die verwendeten Befragungsmethoden waren damals schon als untauglich angesehen.

Alle Angeklagten mussten zweieinhalb Jahre in U-Haft verbringen. Eine ältere Frau ist dort gestorben. Das könnte die Oma sein, die Gisela Friedrichsen beschreibt und die fünf Kinder großgezogen hat.




Dienstag, Juli 16, 2024

Grünen-Politikerin erfindet sexuelle Belästigung

1.
Die österreichische Grünen-Politikerin Lena Schilling bringt Journalisten in Verruf. Mit einem ORF-Moderator habe sie angeblich ein Verhältnis, ein anderer habe sie belästigt. Nichts davon stimmt.


Hier geht es weiter. Der –erfundene Vorwurf hatte einen Grünen-Abgeordneten dazu gebracht, den angeblichen Täter tätlich anzugreifen. Dabei hatte Schilling nicht zum ersten Mal Lügen in die Welt gesetzt. So hatte sie fälschlicherweise behauptet, eine frühere Freundin von ihr werde von ihrem Ehemann geschlagen. (Genderama berichtete.)



2. Die Schwäbische berichtet über einen 40-Jährige, der von seiner Frau emotional misshandelt wird. Es dauert Jahre, bis er das versteht und aus dem Teufelskreis ausbricht.

Als sie ihn nachts in einem Zimmer in der Wohnung festsetzt, ruft er die Polizei - ein Durchbruch. Auf dem Revier findet er den Flyer für die Männerberatung und sucht sie auf. Genau das hilft, denn dort sitzt ihm ein Mann gegenüber. "Ich hätte mich zu diesem Zeitpunkt einer Frau gar nicht öffnen können", sagt Schmidt, der durch die Beratung verstanden habe, selbst Schutz zu brauchen.

Den hätte er sich schon in der Nacht von der Polizei gewünscht. Wie [Sebastian Schneider von der Männerberatungsstelle Sigmaringen] anfügt, gibt es bei häuslicher Gewalt Frauen gegenüber eine Meldung ans Jugendamt, sobald ein Kind im Spiel ist. Auch ein Wohnungsverweis sei üblich. Beides sei in Schmidts Fall nicht passiert.




3. Einem anderen Thema widmet sich Birgit Schmid in der Neuen Zürcher Zeitung:

Der weibliche Busen soll heute ein Körperteil wie jeder andere sein. Frauen schwimmen oben ohne oder tragen knappe Tops. Gleichzeitig gibt es ein Verbot, hinzuschauen. Die neue Prüderie ist paradox.


Hier geht es weiter.



Montag, Juli 15, 2024

"Die Zeit" jetzt maskulistisch: "Patriarchat: Tim hat es schwerer als Anna"

1.
Ich habe eine Tochter. Sie ist drei Jahre alt, und ich liebe sie, wie Eltern ein Kind nur lieben können. In diesem Text nenne ich sie Anna. Ich versuche, Anna so zu erziehen, wie ich erzogen worden bin: ohne Geschlechterklischees. So soll so hoch schaukeln, wie sie will, so wild radeln, wie sie will, in Pfützen springen, und am liebsten sehe ich ihr ins Gesicht, wenn sie sich von mir in die Luft werfen lässt; sie nennt das "fliegen".

Natürlich wünsche ich Anna von allem das Beste: dass sie glücklich wird – und dass sie auch beruflich schafft, was sie sich vornimmt, ob sie nun Balletttänzerin werden will oder Pilotin. Soweit ich kann, werde ich sie dabei fördern und ermutigen. Und ich habe das gute Gefühl, dass Anna in eine Gesellschaft hineingeboren worden ist, die sie mit offenen Armen aufnimmt. Wenn sie Pilotin werden will, dann wird es vielleicht noch irgendwo einen alten Knacker geben, der sagt: "Hätte der liebe Gott gewollt, dass Mädels fliegen, hätte er den Himmel rosa gemacht." Das habe ich vor dreißig Jahren tatsächlich einmal von einem Piloten gehört – und mich darüber aufgeregt. Aber solche vorgestrigen Sprüche werden Annas Weg ins Cockpit, wenn sie dorthin will, nicht behindern. Im Gegenteil bemühen sich die Fluggesellschaften heute wie nie zuvor, Frauen für die Pilotenausbildung zu gewinnen; schon weil sie ihren Bedarf an Flugzeugführern sonst nicht mehr decken können. Ich habe auch einen Sohn. Er ist ein Jahr alt, eine Frohnatur, in diesem Text nenne ich ihn Tim. Das Einzige, was wir bei Tim anders machen als bei Anna, ist, dass wir ihm weniger Aufmerksamkeit widmen – weil Anna sie mit größerem Nachdruck verlangt und weil es seiner guten Laune kaum Abbruch tut, wenn man ihn allein spielen lässt. Gleichwohl sehe ich für ihn sorgenvoller in die Zukunft. Denn ich fürchte, dass unsere Gesellschaft – in Deutschland wie in der Schweiz – Tim verhaltener willkommen heißt als Anna.


Hier geht es weiter mit dem Gastbeitrag eines meiner Leser, dem Regensburger Professor Tonio Walter. Er ist in Gänze lesenswert und sammelte auf "Zeit"-Online (nur für Abonnenten zugänglich) schon über 600 Kommentare. Auch auf Reddit wird darüber diskutiert.



2. Auch nachdem die Vorwürfe sexueller Gewalt gegen die Band Rammstein nicht erhärtet werden konnten, arbeiten sich die Leitmedien in zahlreichen Artikeln an ihr ab. Dass auf Rammstein dabei nur stellvertretend für eine größere verhasste Gruppe der Bevölkerung eingedroschen wird, offenbart eine Schlagzeile der Berliner Morgenpost: "Das Problem sind die weißen Männer". Auch dieser Artikel ist lesenswert, allerdings als Negativ-Beispiel. Allzu schön sind Passagen wie diese:

Es ist meines Erachtens nicht möglich, den aggressiven Stil Rammsteins von ihrem aggressiven juristischen Vorgehen gegen die Frauen, die die Vorwürfe erhoben haben, zu trennen. In beiden Situationen spielt weiße, männliche Aggression eine zentrale Rolle – einmal auf der Konzertbühne, einmal im Alltagsleben.


Zu deutsch: Dass die Mitglieder von Rammstein sich gegen Unterstellungen juristisch wehren ist genauso inakzeptabel wie ihr starker Auftritt auf der Bühne, wegen dem etliche Fans in Scharen zu ihren Konzerten stürmen.



3. Prinz William hat gestern am EM-Finale teilgenommen und damit einen Sexismus-Skandal riskiert, weil er beim EM-Finale der Frauen nicht dabei war.



4. Über Männer, die vor dem Krieg aus der Ukraine flüchten, häufen sich inzwischen die Artikel. Der NDR etwa stellt vier dieser Männer jeweils in einem eigenen Beitrag vor. "Ich möchte kein Kanonenfutter sein" sagt einer von ihnen; "die Ukraine ist nicht demokratisch" beklagt ein anderer. Auch der Bayrische Rundfunk und der Tagesspiegel widmen sich dem Thema.



5. Der achtzehnjährige Israeli Tal Mitnick, der sich als erstes der Teilnahme an der militärischen Vernichtung von Gaza verweigerte, ist nach sechs Monaten Haft aus dem Gefängnis freigekommen. Er saß damit länger hinter Gittern als jeder andere israelische Kriegsverweigerer in den letzten zehn Jahren.

"Ich bin erleichtert, dass ich nach so langer Zeit freigelassen wurde. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, mich am Kampf gegen den Krieg und die Besatzung zu beteiligen", wird Mitnick in einer Pressemitteilung von Mesarvot, einem Aktivistennetzwerk aktueller und ehemaliger Kriegsdienstverweigerer, zitiert.

"Es gibt immer mehr Stimmen in unserer Gesellschaft, die erkennen, dass nur Frieden Sicherheit garantieren kann und dass der einzige Weg, aus dem Kreislauf auszusteigen und eine andere Zukunft für beide Völker zu schaffen, ein Waffenstillstand und ein Geiselabkommen ist", fuhr er fort.


Die renommierte britische Fachzeitschrift "Lancet" geht davon aus, dass in Gaza mittlerweile mit mehr als 186.000 Toten zu rechnen ist.



Freitag, Juli 12, 2024

Neue Studie: Männliche Gewaltopfer sind uns eher egal

1. Der Väterrechtler Markus Witt macht auf die Ergebnisse einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2021 aufmerksam, die mir bislang noch unbekannt war. Ein Auszug:

Die Wissenschaftler konnten anhand ihrer Daten feststellen, dass insbesondere physische Gewaltvorfälle als schwerwiegender bewertet wurden, wenn die Opfer Frauen waren. Physische Gewalt gegen Männer wurde hingegen durchgehend als weniger schlimm beurteilt. So wurden hohe Schweregrade physischer Gewalt gegen Männer mit einer Wahrscheinlichkeit von 36% bewertet. Handelte es sich um Gewalt gegen Frauen, so stieg die Wahrscheinlichkeit auf fast 64%.

(…) Die Forscher konnten somit nachweisen, dass es erhebliche Unterschiede in der Wahrnehmung von Gewalt durch das jeweilige Opfer-Geschlecht gibt. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Bewerter männlich oder weiblich waren.

(…) Wenig überraschend wurden die Forscher für die Ergebnisse ihrer Arbeit, insbesondere von Frauenrechtsorganisationen, massiv angegriffen. Ihnen wurde unter Bezugnahme auf ihre Veröffentlichungen Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Dies auch in ähnlichen Fällen zu beobachtende Verhalten zeigt leider deutlich, dass es einigen Kreisen nicht um den Gewaltschutz von Menschen, sondern um einseitige Täter-Opfer-Zuschreibungen geht.


Der Beitrag, in dem Markus Witt auch auf die Bedeutung dieser Erkenntnisse für hochstrittige Scheidungsfälle zu sprechen kommt, ist in Gänze lesenswert.



2. Die Linux News berichten von einer bizarren Kampagne politischer Aktivisten gegen den neuen Browser "Ladybird".



3. Die Frankfurter Rundschau schildert, welche Mühe Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sich dabei gibt, Männer für den Feminismus zu gewinnen.



4. Derweil zeichnet sich in Spanien dieselbe Entwicklung ab wie in anderen Ländern zuvor:

In einer seiner jüngsten Umfragen berichtete das spanische öffentliche Forschungsinstitut CIS, dass 52 % der befragten jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren der folgenden Aussage "sehr" oder "ziemlich" zustimmen: "Die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter ist so weit gegangen, dass jetzt Männer diskriminiert werden".


Die Autorin des Artikels, selbst erkennbar feministisch ausgerichtet, überlegt, wo diese Entwicklung herrührt:

Wie kann der Glaube an die Fähigkeit des Feminismus, die Gesellschaft zu verändern, nicht verloren gehen, wenn die Probleme junger Männer keinen Platz in der Identitätsrhetorik des aktuellen Feminismus haben? Wenn der Feminismus nicht im Dienste des öffentlichen Interesses steht, wenn seine Utopie die Probleme dieses anderen Teils der Bevölkerung nicht wertschätzt, wenn er die Menschen zu zwingen scheint, eine Identität zu wählen, um anerkannt und gehört zu werden, ist es dann verwunderlich, dass junge Männer demoralisiert sind, glauben, dass der Feminismus ein Katalysator für die Polarisierung ist, und nach neuen Idolen suchen?

Obwohl die feministische Bewegung die negativen Auswirkungen der Werte eines patriarchalischen Systems auf das Leben von Männern sichtbar gemacht hat - insbesondere in Bezug auf ihre Gesundheit, ihre Beziehungen und ihr Risikoverhalten -, hat sie in Wahrheit nicht genug Interesse daran gezeigt, Unterstützungsstrukturen oder -netzwerke für Jungen aufzubauen und zu fördern. Es ist großartig, dass der Feminismus Männer dazu ermutigt, die gesellschaftlichen Erwartungen an dominante Männlichkeit abzulehnen, Mitverantwortung in ihren Lebensstil einzubauen oder missbräuchliches Sexualverhalten anzuprangern, wenn sie selbst Opfer körperlicher oder digitaler sexueller Gewalt sind. Aber was dann?




5. In Australien arbeitet Bettina Arndt deutlicher heraus, warum der Feminismus derart viele Männer abschreckt. Hier lässt sich auch ein Bogen zu den Erkenntnissen schlagen, über die Markus Witt berichtet:

Jetzt geht's los, Leute. Der neue Angriff auf Männer hat begonnen. Zwangskontrolle ist jetzt [im australischen Bundesstaat New South Wales] ein Straftatbestand, der mit sieben Jahren Gefängnis geahndet wird.

Jetzt beginnt der Spaß, denn die Regierung von New South Wales startet eine massive Kampagne, um sicherzustellen, dass nur die richtigen Leute für diese neu erdachte Form des bösen Verhaltens bestraft werden - ein Vorgeschmack auf das, was in anderen Bundesstaaten passieren wird, wenn ähnliche Gesetze landesweit eingeführt werden.

Sehen Sie sich die Liste der Personen an, die laut der Website der NSW-Regierung am meisten von der Zwangskontrolle bedroht sind:

Frauen

Menschen mit Behinderungen

Australische Ureinwohner

Menschen mit multikulturellem, Migrations- oder Flüchtlingshintergrund

LGBTQI-Menschen

Ältere Menschen

Kinder und junge Menschen

Das ist lustig. Wir sprechen über fast jeden, AUSSER über gewöhnliche, heterosexuelle Männer. "Cisgender"-Männer, wie sie in der Regierungsliteratur genannt werden, weil sie angeblich die überwiegende Mehrheit der Täter stellen.

Dabei spielt es keine Rolle, dass nach den offiziellen Daten des australischen Statistikamtes Männer genauso häufig wie Frauen Opfer von emotionalem Missbrauch werden - definiert durch viele der gleichen Verhaltensweisen, die jetzt als Zwangskontrolle aufgeführt werden.

(…) In den neuen Propagandamaterialien unserer Regierungen, die von der ABC und anderen willfährigen Medien pflichtbewusst verbreitet werden, werden Sie auf keinen Fall männliche Opfer sehen. Aber diese neue Front der "geschlechtsspezifischen Gewalt" ist auf einen kleinen Stolperstein gestoßen. Es scheint, als hätten die Bürokraten die zahlreichen Beweise dafür entdeckt, dass Lesben hervorragend im emotionalen Missbrauch sind, ja, dass sie sich bei allen Arten häuslicher Gewalt hervortun.


Das ist leider wahr. Studien zeigen, dass häusliche Gewalt bei lesbischen Paaren häufiger und bei schwulen Paaren seltener als in heterosexuellen Partnerschaften vorkommt.

So zeigt eines der neuen Propagandavideos, wie Jade von ihrer Freundin genötigt wird. Die fiese Täterin wird gezeigt, wie sie gemein an der Leine von Jades Hund zieht. "Sie tun sogar denen weh, die du liebst", heißt es in dem feierlichen Kommentar. Hmm, das lesbische Thema demontiert die geschlechtsspezifische Gewaltdarstellung, nicht wahr?

Natürlich zeigen die meisten der neuen Videos böse, Kontrolzwang ausübende Männer. So wie in der ethnischen Version mit Anjali und ihrem kontrollierenden Ehemann, der ihr den Laptop abstellt, ihr das Handy wegnimmt und sie nicht arbeiten lässt. "Sie brauchen dich ganz für sich allein", kommentiert der Erzähler.

Manchmal lassen die Produzenten einen im Unklaren, wie in dieser Kampagne der Regierung von Queensland, in der Ben, ein männlicher "Überlebender", darüber spricht, wie "sie" ihn verfolgen, indem sie ständig seine Textnachrichten und Telefonanrufe überwachen. Eine raffinierte Methode, um zu vermeiden, dass erklärt wird, ob Bens Missbraucher ein "er" oder eine "sie" ist.

Aber natürlich ist nie die Rede von weiblichen Tätern, die Männer kontrollieren. Niemals werden die Männer erwähnt, die ihr Leben damit verbringen, von rachsüchtigen Partnerinnen gezwungen zu werden. Männer, die sich nicht trauen, die Beziehung zu verlassen, weil das bedeuten würde, dass sie ihre Kinder gefährden, indem sie sie bei einer furchteinflößenden Mutter lassen.

Sie haben keine Chance, ihre Seite der Geschichte zu hören.

Es sei denn, Sie kommen zur Konferenz zur Wiederherstellung der Unschuldsvermutung, auf der Sie von einer Gruppe australischer Männer hören werden, die Opfer von Zwangskontrolle waren. Diese Männer gehörten zu einer Gruppe von fast 1000 Männern aus Australien, die an der großen internationalen Umfrage der University of Central Lancashire über männliche Opfer von Zwangskontrolle teilgenommen haben. Ihre Erfahrungen stehen für die Wahrheit, die unsere Regierungen so gerne verdrängen wollen.

Werfen Sie einen Blick auf die Pressemitteilung, die wir letzte Woche zur Förderung der Konferenz veröffentlicht haben. Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, waren die meisten unserer Medien nicht daran interessiert.


In den folgenden Absätzen macht Arndt ein wenig Werbung für die von ihr mitveranstaltete Konferenz, deren Inhalte und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Wer sich näher dafür interessiert, kann all das im verlinkten Originalartikel nachlesen.

Ich wüsste schon, wie man mehr Männer für den Feminismus gewinnen könnte: indem diese Bewegung das Konzept der Gleichberechtigung der Geschlechter endlich ernsthaft zu vertreten beginnt.Allerdings würde das für Politik, Behörden und Medien ein radikales Umdenken erfordern. Bislang tut man sich dort damit noch schwer.



Donnerstag, Juli 11, 2024

Voreingenommene Lehrer: Schlanke Mädchen aus reichen Familien bekommen die besten Noten

1.
Die Notenvergabe lässt sich nur zum Teil mit der Leistung der Schülerinnen und Schüler erklären: Das zeigt eine neue Studie der Universitäten Bern und Zürich. Demnach beeinflussen auch Geschlecht, Körpergewicht, ethnische Zugehörigkeit und sozioökonomischer Status die Benotung auf Sekundarstufe.

(…) In der Studie liessen sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Notengebung in allen Fächern ausser Chemie feststellen. Mädchen hatten einen Vorteil in Deutsch, Mathematik und Biologie, während die Jungen in Physik besser abschnitten.

(…) Die Verzerrungen verstärkten sich, wenn Schülerinnen und Schüler mehrere der benachteiligenden Merkmale auf sich vereinten. So erhielt etwa ein Junge mit einem hohen BMI aus einer weniger gut situierten Minderheiten-Familie im Durchschnitt schlechtere Noten als ein Mädchen mit niedrigem BMI aus einer privilegierteren Familie ohne Migrationshintergrund.

In der Studie habe sich gezeigt, dass sich die Verzerrung in Sprachnoten viel deutlicher abzeichne als etwa im Fach Mathematik. Je klarer die Kriterien der Bewertungen seien, desto weniger Raum bleibe für Verzerrungen, erklärt Nennstiel. "Sobald es kein klares Wahr und Falsch gibt, sind die Verzerrungen potenziell grösser."

Die Ergebnisse der Studie würden zwar keine Rückschlüsse auf die Gründe für die Verzerrungen zulassen. "Experimentelle Studien deuten aber darauf hin, dass implizite Vorurteile häufig der Grund sein könnten", so [Studienleiter Richard] Nennstiel.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Watson.ch berichtet, warum Eltern nach Zypern reisen, die statt einem Sohn lieber eine Tochter bekommen möchten:

In der Schweiz und in der EU ist die vorgeburtliche Geschlechtsselektion mittels In-Vitro-Fertilisation (IVF) nicht erlaubt. Einzige Ausnahme: Wenn eine schwere Krankheit vererbt werden könnte, die geschlechtsgebunden ist. Anders in gewissen Bundesstaaten der USA oder in Nordzypern. Dort müssen keine medizinischen Gründe geltend gemacht werden. Die werdenden Eltern können, wenn sie wollen, das Geschlecht bei einer künstlichen Befruchtung bestimmen.

Wie viele es sind, die diesen Schritt machen, ist unbekannt. Doch Nathalie Wiederkehr weiss: "Das Interesse daran ist riesig. Aufgrund der Nähe reisen Schweizer Paare besonders nach Nordzypern, da es für den Geschlechtswunsch die preiswerteste Option mit erstklassigen Kliniken ist." Die Bernerin berät Paare oder alleinstehende Frauen, die eine dortige Kinderwunschklinik in Betracht ziehen. Nordzypern sei weltweit für diese Behandlung bekannt, selbst aus Australien würden Paare anreisen, sagt Wiederkehr.

(…) Während Eltern aus dem deutschsprachigen Raum sich vor allem eine Tochter wünschen, möchten jene aus dem Balkan oder der Türkei Jungs. Das Wunschgeschlecht lassen sich die werdenden Eltern einiges kosten. Mit rund 10.000 Euro müsse man rechnen.




3. In der "Welt" geben Experten Scheidungseltern Ratschläge.

Eine Leserfrage:

"Meine frühere Freundin und ich leben seit mehr als fünf Jahren getrennt, aber die Phase, in der alles zu Ende ging, begleitet mich bis heute. Unser Sohn, den wir überraschend, aber mit viel Vorfreude bekamen, wächst bei meiner Ex auf, ich sehe ihn leider nur dreimal im Jahr. Meine Ex ist wahnsinnig schwierig im Umgang geworden: Nicht nur reagiert sie auf alle meine Nachrichten recht einsilbig, auch findet sie fast immer eine Ausrede, warum ich den Kleinen nicht sehen kann. Sie hat bedauerlicherweise auch das alleinige Sorgerecht. Es war wohl ein Fehler, dem zuzustimmen, aber ich dachte, dass es so mehr Sinn ergibt, weil ich für den Job einmal quer durch Deutschland ziehen und meinen Sohn auch nicht ständig aus seinem Umfeld reißen möchte. Ein inniges Vater-Sohn-Verhältnis wünsche ich mir aber sehr. Wie schaffe ich es, ihn häufiger zu sehen?"


Die Antwort der Experten:

Geiling und Jahns: Zunächst einmal: Sorgerecht und Umgangsrecht haben nichts miteinander zu tun. Das bedeutet, auch ein Elternteil ohne Sorgerecht hat selbstverständlich das Recht, sein Kind regelmäßig zu sehen, und ein Kind wiederum hat das Recht, diesen Elternteil zu treffen. Dass getrennt lebende Eltern sich nicht über die Dauer und Art der Umgänge einig werden, kommt leider sehr häufig vor. Helfen wiederholt gestellte einzelne Anfragen an die Mutter des Kindes nicht weiter, könnten Sie, Oliver, versuchen, auf einen festen Umgangsplan hinzuarbeiten. Möglicherweise kann ein Mediator helfen.

Ein Umgangsplan schreibt die Termine und Zeiten der Umgänge auf eine bestimmte Zeit im Voraus fest, oft für die Dauer eines Jahres. Sofern ein solcher Plan außergerichtlich geschlossen werden kann, ist er im rechtlichen Sinn zwar nicht verbindlich. Trotzdem kann er in vielen Fällen helfen, die Situation zu entschärfen. Nicht zuletzt, weil beide Parteien das Gefühl haben, bei der Ausgestaltung beteiligt gewesen zu sein und somit eine gewisse Kontrolle zu haben. Stellt sich der hauptbetreuende Elternteil tatsächlich langfristig stur, wäre es in einem weiteren Schritt möglich, den Umgang bei Gericht einzuklagen.


Behrmann: Ihr Bedürfnis, Ihren Sohn häufiger zu sehen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Eine gute Vater-Sohn-Bindung kann sich mit drei Treffen im Jahr keinesfalls ausbilden. Sie bleiben immer fremd für ihn, und ein Umgang mit derart langen Auszeiten birgt eher Schwierigkeiten als Nähe und Bindung. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, und es scheint, als hätten sich die Fronten eher verhärtet als entspannt. Möglicherweise ist der Prozess einer Eltern-Kind-Entfremdung schon in vollem Gange.

Sie schreiben, dass Ihre Ex-Frau eine neue Beziehung führt; möglicherweise versucht sie, mit Ihrem Sohn und dem neuen Partner eine neue Familie aufzubauen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solange sie den regelmäßigen Umgang mit Ihnen und Ihrem Sohn ermöglicht. Ihr Sohn befindet sich in einem grausigen Loyalitätskonflikt, von dem er aufgrund seines jungen Alters noch nichts mitbekommt. Er glaubt, was seine Mutter ihm erzählt. Da schon viel Zeit vergangen ist, rate ich Ihnen, sich dringend Hilfestellungen zu suchen, um den Kontakt zu Ihrer Ex-Frau aufzubauen. Geben Sie nicht auf – und bleiben Sie standhaft.




Montag, Juli 08, 2024

Feministischer Fehlschluss: Fördern führende Frauen in Firmen finanziellen Fortschritt? Fon wegen!

1. Seit knapp einem Jahrzehnt geistert durch Debatten über das Geschlechterverhältnis in Firmenmanagements die Behauptung, dass Frauen in Spitzenpositionen Unternehmern mehr Gewinn verschafften, da gemischtgeschlechtlich besetzte Teams produktiver seien. Das hätten die Unternehmensberater von McKinsey herausgefunden. Tatsächlich verkündet man dort diese Botschaft noch heute. Bis heute beziehen sich auch viele, die Frauenförderung und eine Frauenquote durchsetzen wollen, auf diese vermeintliche Erkenntnis. Die Erklärung für die angeblich bessere wirtschaftliche Performance lautet: Je mehr Menschen in einem Team unterschiedlich denken, desto kreativer kann es sein und desto geringer ist das Risiko, dass dort schädliches Gruppendenken entsteht.

Aber stimmt die von McKinsey verbreitete Behauptung wirklich? Das hat sich jetzt das Wall Street Journal näher angeschaut. Dabei wird schnell klar, dass dieser Mythos eigentlich in mein "Lexikon der feministischen Irrtümer" gehört.

Als die Unternehmensberatungsfirma McKinsey 2015 verkündete, dass sie einen Zusammenhang zwischen Gewinnen und der ethnischen und geschlechtsspezifischen Vielfalt in Führungspositionen gefunden hatte, war das ein Durchbruch. Die Studie wurde von Anlegern, Lobbyisten und Aufsichtsbehörden genutzt, um mehr Frauen und Minderheiten in Vorständen zu fordern und Investitionen in Unternehmen zu rechtfertigen, die sie ernannten.

Leider zeigt die Studie nicht das, was alle dachten, dass sie zeigt.

(…) Seit 2015 wurde der Ansatz im Feuer des Marktes getestet und ist gescheitert. Wissenschaftler haben versucht, die Ergebnisse von McKinsey zu wiederholen, und sind dabei gescheitert. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass es in der Tat keinen Zusammenhang zwischen Rentabilität und Vielfalt in den Führungsetagen gibt. Und die Methodik der frühen Studien von McKinsey, die dazu beitrugen, den weit verbreiteten Glauben zu schaffen, dass Vielfalt gut für den Gewinn ist, wird mittlerweile in Frage gestellt.

McKinsey hat versucht, einen der offensichtlichsten Fehler zu beheben. Ursprünglich verknüpfte es die Gewinne über mehrere Jahre mit der Vielfalt am Ende des Zeitraums, was bedeutet, dass es höchstens nachweisen konnte, dass die Rentabilität zu mehr Vielfalt führte und nicht umgekehrt. In der jüngsten Studie heißt es, man habe die Tests nun mit der Vielfalt zu Beginn des Zeitraums durchgeführt und immer noch eine Korrelation festgestellt.

"Angesichts einer kürzlich veröffentlichten Studie, in der unsere Methoden kritisiert wurden, haben wir unsere Forschungsergebnisse überprüft und bleiben weiterhin dabei, dass vielfältige Führungsteams mit einer höheren Wahrscheinlichkeit finanzieller Outperformance verbunden sind", sagte McKinsey. "Wir haben auch klar und deutlich gesagt, dass unsere Forschung Korrelation und nicht Kausalität feststellt und dass diese beiden Dinge nicht dasselbe sind."

Das Problem ist, dass McKinsey sich so verhält, als ob die Studien einen kausalen Zusammenhang zeigen, und ständig von den Vorteilen der Vielfalt für das Unternehmen spricht.

Selbst die Korrelation ist zweifelhaft. Wissenschaftler können die Studie von McKinsey nicht genau wiederholen, da die Namen der verwendeten Unternehmen geheim gehalten werden. Ein in diesem Jahr veröffentlichtes Papier kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Methodik von McKinsey bei einer Reihe von Rentabilitätskennzahlen für die S&P-500-Unternehmen keine Vorteile aus der Vielfalt ergibt. Es ist nicht so, dass ein Mangel an Vielfalt gut für die Gewinne wäre, sondern es gibt einfach keinen Zusammenhang.

Dies sollte nicht überraschen. Wenn Unternehmen ihre Gewinne so einfach steigern könnten, wie McKinsey behauptet - die am stärksten diversifizierten Firmen hatten eine um 39 Prozentpunkte höhere Chance auf überdurchschnittliche Gewinnmargen als die am wenigsten diversifizierten -, dann hätten sich die Unternehmen sicherlich beeilt, mehr Frauen und ethnische Minderheiten zu fördern.

"Es schien unplausibel, weil die Unternehmen darauf aufgesprungen wären und die Vorteile wegkonkurriert hätten", sagte John Hand, ein Professor für Rechnungswesen an der University of North Carolina in Chapel Hill. Zusammen mit Jeremiah Green von der Texas A&M University fand er keine statistisch signifikanten Ergebnisse, als er die Studie von McKinsey für den S&P 500 wiederholte. McKinsey hält die Namen der Unternehmen in seiner Studie, die 2015 186 Unternehmen aus den USA und Kanada umfasste, geheim, sodass sie nicht unabhängig überprüft werden kann.

Das ist wichtig, denn die McKinsey-Studie war sehr einflussreich. Die McKinsey-Studie steht an erster Stelle in den Referenzen von BlackRock, die in ihren Richtlinien für die Stimmrechtsvertretung ein Diversitätsziel von 30 % für den Vorstand unterstützen. Eine Kommissarin der US-Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission, SEC) führte sie im Jahr 2020 an, um zu begründen, warum sie die Offenlegung von Diversitätskennzahlen durch Unternehmen unterstützt. Nasdaq führte sie als Beweis an, als die Börse bei der SEC eine Vorschrift beantragte, die von ihr gelisteten Unternehmen eine Mindestvielfalt in den Vorständen vorschreibt oder erklärt, warum dies nicht der Fall ist. Sie wurde von Dutzenden von Kampagnengruppen zitiert, die auf Regeln zur Unterstützung der Berücksichtigung sozialer Fragen durch Pensionsfonds und andere drängen.

McKinsey hatte nicht nur Einfluss auf die Politik, die ohnehin moralische und gesellschaftliche Fragen ebenso berücksichtigen sollte wie rein finanzielle. BlackRock und Refinitiv, die jetzt zur London Stock Exchange Group gehören, führten die Studie als Beweis für die finanziellen Vorteile von Vielfalt an, als sie einen börsengehandelten Fonds auflegten, der einen Index für Vielfalt abbildete. Dieser Index ist seit seiner Auflegung im Jahr 2018 stark zurückgefallen und erzielte eine Rendite von etwa 55 % gegenüber mehr als 70 % für den globalen Index ohne Diversitätsbedingungen.

Dabei scheint es weniger um die Vielfalt zu gehen als um die Wahl, wie man in sie investiert. Der börsengehandelte Fonds ist gleichgewichtet, was ihn zurückgehalten hat, da große Aktien den Rest des Marktes geschlagen haben. Aufgrund der Diversitätsanforderungen enthielt er viel mehr Banken und Versicherer und weniger Technologie als der Markt insgesamt.

Ein ähnlicher Fonds wurde zuvor von State Street Global Advisors mit dem Kürzel SHE aufgelegt. Er wurde durch die Statue des "Fearless Girl" beworben - die kurzzeitig gegenüber dem bronzenen Bullen der Wall Street und jetzt gegenüber der New Yorker Börse aufgestellt wurde - und durch Untersuchungen von MSCI unterstützt, die eine um 36 % höhere Eigenkapitalrendite für Unternehmen mit mindestens drei Frauen im Vorstand oder einer "starken weiblichen Führung" angaben.

Bei näherem Nachdenken würde man meinen, dass diese Zahl viel zu hoch ist, um durch die Anwesenheit einer Handvoll Frauen erklärt zu werden, und die anschließende starke Underperformance zeigt, dass Skepsis die richtige Reaktion war. Seit seiner Auflegung im Jahr 2016 ist die Rendite des Fonds um mehr als 70 Prozentpunkte hinter der Rendite der 1.000 größten Unternehmen zurückgeblieben, aus denen der Fonds ausgewählt wurde, bevor er vor zwei Jahren zu einem MSCI-Index wechselte. Er ist von einem Höchststand von 400 Mio. US-Dollar auf 245 Mio. US-Dollar geschrumpft.

(…) Hautfarbe und Geschlecht sind ohnehin kein perfektes Abbild der Vielfalt des Denkens. Ein schwarzer Harvard-Business-School-Absolvent mit privater Ausbildung würde wahrscheinlich genauso über die Wirtschaft denken wie ein Weißer. Eine weibliche Spitzenanwältin aus New York hat vielleicht eine ähnliche Lebenserfahrung - oder einen ähnlichen Mangel daran - wie ein männlicher Anwalt. McKinseys Vorschläge zur Förderung der Gedankenvielfalt erstrecken sich beispielsweise nicht auf die Ernennung von Arbeitnehmervertretern in den Vorstand, auch wenn deren Ideen durchaus von denen der Unternehmensleitung abweichen könnten.

Und schließlich: Korrelation ist nicht Kausalität! McKinsey sagt in seiner Studie wiederholt, dass es nur eine Korrelation gefunden hat. Die Azteken verwechselten Korrelation mit Kausalität - mit tragischen Folgen: Sie schnitten alle 52 Jahre das Herz eines Opfers heraus, um das Feuer neu zu entfachen und so das Überleben der Welt zu sichern. Es bestand eine starke Korrelation zwischen dem Menschenopfer und dem Nichtuntergang der Welt, aber keine Kausalität.

Investoren riskieren nicht, dass ihnen lebenswichtige Organe entfernt werden, aber sie sollten den Studien, auf die sie sich verlassen, trotzdem mehr Aufmerksamkeit schenken.




2. Spiegel-Online hat sich angeschaut, wo Annalena Baerbocks feministische Außenpolitik an ihre Grenzen stößt. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen erweist sich als leichter gesagt als getan.

Zudem gibt es offenbar ein Problem: 2023 schnitten beim hausinternen "Vorgesetztenfeedback" mehr Leiterinnen von Auslandsvertretungen schlechter ab als ihre männlichen Kollegen.

Dieses Feedback wird im ersten Quartal jedes Jahres durchgeführt. Dabei sollen die rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als tausend Führungskräfte des Auswärtigen Amts anhand eines schriftlichen Fragebogens bewerten. Zu den Bewerteten zählen Referatsleiterinnen, Leiter von Visastellen, Botschafterinnen oder beamtete Staatssekretäre in der Zentrale.

Auf einer Skala von 1 ("Trifft zu") bis 6 ("Trifft nicht zu") beantworten die Mitarbeiter Fragen zum Führungsverhalten ihrer Chefinnen und Chefs, zum Beispiel: "Gibt Weisungen klar und eindeutig" oder "Leitet Besprechungen effizient und ergebnisorientiert". Ab einer Durchschnittsbewertung von 3,0 oder schlechter muss die Führungskraft mit ihren Mitarbeitern eine "Veränderungsabsprache" vereinbaren, sich also schriftlich verpflichten, wo er oder sie sich bessern wird.

Im Normalfall erfährt niemand außer den Mitarbeitern und der Führungskraft das Ergebnis. Nur wenn ein Vorgesetzter eine Durchschnittsnote von 3,2 oder schlechter bekommt, wird seine Befragung "deanonymisiert". Die schlechte Bewertung geht dann an ein Steuerungsgremium. Es berät, wie der Konflikt zwischen dem Vorgesetzten und den Mitarbeitern gelöst werden kann.

2023 wurden nach einer internen Zählung des Auswärtigen Amts insgesamt zwölf Frauen und elf Männer deanonymisiert. Da aber nur 35 Prozent der Führungspositionen im höheren und gehobenen Dienst von Frauen ausgeübt wurden, wurde demnach überdurchschnittlich vielen Frauen ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Noch problematischer sieht es aus, wenn man nur die Leiterinnen von Auslandsvertretungen betrachtet. So war 2023 nach SPIEGEL-Informationen nur ein Mann unter den sieben Durchgefallenen – bei einem ohnehin niedrigeren Frauenanteil von 30 Prozent.


Sechs von sieben Durchgefallenen waren also weiblich. Sieht so aus, als hätte auch diese Erkenntnis in mein "Lexikon der feministischen Irrtümer" gepasst – und zwar in den Eintrag "Frauen sind die besseren Chefs".



3. In Baden-Württemberg hat eine Frau ihr Neugeborenes aus dem Fenster geworfen, weil sie glaubte, dass ein Kind ihre Karriere als Führungskraft bei Porsche behindern würde. Das Landgericht Heilbronn verurteilte sie wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft.



4. In den nächsten beiden Tagen fällt Genderama unabhängig von der Nachrichtenlage aus. Morgen muss/will ich meinen Vater (88) zu einem Facharzt begleiten; übermorgen habe ich einen Zahnarzttermin und komme vorher vermutlich nicht zum Bloggen.



Freitag, Juli 05, 2024

Schweiz: Jetzt können auch Männer vergewaltigt werden

1. Die Schweiz hat das Sexualstrafrecht reformiert. Eine der Änderungen betrifft männliche Opfer sexueller Gewalt:

Im alten Strafrecht galt nur die Penetration "von Personen weiblichen Geschlechts" als Vergewaltigung. Alle anderen Handlungen fielen unter den Straftatbestand der sexuellen Nötigung. Das führte immer wieder zu Kritik. Denn bei der Strafhöhe gab es einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Tatbeständen: Vergewaltigung wurde mit mindestens einem Jahr bestraft, während bei der Nötigung keine Minimalstrafe festgelegt war.


In Deutschland ist die Vergewaltigung eines Mannes nach juristischer Definition seit 1997 möglich. "Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung ...", begann zuvor der zuständige Paragraph 177 im Strafgesetzbuch. Heute wird dort geschlechtsneutral von einer "Person" gesprochen.



2. Eine britische Lehrerin, die mit zwei Schülern Sex hatte, wurde jetzt zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.



3.
Die Berliner SPD will bestimmte Bürgerämter in "Bürger*innen-Amt" umbenennen und hat weitere Gleichberechtigungs-Ideen. Das mag für eine kleine Klientel wichtig sein, ignoriert aber die Lebensrealität der übergroßen Mehrheit. Doch die Genossen scheinen das einfach nicht zu kapieren. Oder sie ignorieren es auf dem Weg in weitere Wahlniederlagen.


Hier geht es weiter mit dem Kommentar von Hugo Müller.Vogg.



4. Die Frankfurter Allgemeine fragt, ob man in der Bundeswehr jetzt weibliche Dienstgrade wie "Oberstleutnantin" und "Hauptfrau" brauche.



5. Bundesfrauenministerin Lisa Paus verweigert eine Debatte über Trennungfamilien beklagt das Forum Soziale Inklusion (FSI) in einem Beitrag für den Trierer "Volksfreund".

Die Defizite in der Politik sind möglicherweise durch die enge Verbindung der Ministerin zu bestimmten Lobbyorganisationen zu erklären: Bundesministerin Paus ist langjähriges Mitglied im Verband alleinerziehender Mütter (VAMV), der sich laut Lobbyregister ausschließlich für die Belange der Meldehaushalte einsetzt. Der Erhalt beider Eltern für Trennungskinder spielt in dieser Organisation eine eher untergeordnete Rolle. Bndesministerin Paus erhöhte die staatlichen Förderungen für diesen Verband für 2024 auf 494.000 Euro jährlich.

"Es stellt sich die Frage, warum gerade das Bundesfamilienministerium gegen das Grundrecht der Kinder auf Beziehung zu beiden Eltern arbeitet und damit eine im Grunde verfassungswidrige Politik betreibt", kritisiert FSI. Mit dem weitestgehenden Festhalten am Modell "Einer betreut, der andere bezahlt" möchte die Ampel-Koalition in der geplanten Reform des Unterhaltsrechts veraltete Vorstellungen auf Jahre festschreiben. Dabei werden die Bedürfnisse der Kinder vergessen.




Donnerstag, Juli 04, 2024

Gleichberechtigung auch im Krieg gefordert: "Frauen an die Front!"

1.
Reicht Freiwilligkeit aus, um die Personalnot bei der Bundeswehr zu lindern? Nein, sagt Generalinspekteur Breuer. Ein neues Wehrdienstmodell müsse auch verpflichtende Anteile haben - und auf Gleichberechtigung setzen.


Viele Medien berichten heute darüber, unter anderem die Tagesschau.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, würde bei einer Reaktivierung der Wehrpflicht auch Frauen miteinbeziehen. "Wir haben im Moment eine ausgesetzte Wehrpflicht, die laut Grundgesetz allein auf die männliche Bevölkerung zielt. Hier sollte man Gleichberechtigung herstellen. Aber dazu brauchen wir erst eine entsprechende politische und gesellschaftliche Diskussion", sagte Breuer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deutschland müsse kriegstüchtig sein.


Unter der Schlagzeile "Frauen an die Front" wqiderspricht die Kampfpilotin Nicola Winter der CDU-Politikerin Kristina Schröder, die dafür plädiert hat, dass für Frauen keine Wehrpflicht bestehen sollte. Nicola Winters Artikel ist in Gänze lesenswert.

In einem Streitgespräch über die Wehrpflicht sind sich die Politiker Roderich Kiesewetter (CDU) und Alexander Müller (FDP) einig, dass diese Pflicht auch für frauen gelten sollte. Differenzen bestehen bei der Frage, ob dieser Schritt noch in der aktuellen Legislaturperiode möglich ist.



2. Der Väterrechtler Markus Witt liefert einen Einblick in eine unappetitliche Szene:

Am 21.06.2024 war ich bei der Veranstaltung "Achtung, unsicheres Terrain – Familienrecht in Deutschland. Wie es wurde, was es nun ist". Eingeladen hatte die Abgeordnete der Berliner SPD-Fraktion Mirjam Golm. Soviel schon einmal vorweg: Es war ein Besuch im gewalttätigen Paralleluniversum, in der Realität und Fakten eine völlig andere Bedeutung hatten. Dort wird Frauen in an Sekten erinnernder Manier versucht einzureden, dass in einer nicht mit der Realität übereinstimmenden Weise überall eine gewalttätige Bedrohung von Vätern ausgehen würde.


Hier geht es weiter.



3. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet von einer feministischen Hetzkampagne gegen ein Buch über Männlichkeit:

Im Zuge der Kampagne gegen "Oh Boy" wird die Privatadresse der Eltern von Mitherausgeber Donat Blum publiziert und nicht nur gegen das Buch, sondern auch wiederholt gegen Einzelpersonen Stimmung gemacht.

Gleichzeitig treten weitere anonyme Profile auf, die "Oh Boy" ins Visier nehmen und sich gegenseitig mit Teilen und Liken verstärken. Die Reichweite wächst – und bringt den Kanon-Verlag dazu, endlich öffentlich auf den Vorwurf zu reagieren.

Das Verlags-Statement zeigt vor allem eines: Anstelle einer kritischen Debatte beginnt nun die "Rette sich, wer kann"-Phase: Die Autoren distanzieren sich von ihrer Anthologie, Veranstalter springen ab, geplante Interviews mit den Herausgebern verschwinden in der Schublade. Innerhalb weniger Tage zieht der Verlag das Buch zurück.

(…) "Ich fühlte mich eindeutig unter Druck gesetzt", sagt Mithu Sanyal, die einzige Frau in der Autorenschaft. "Wer sich neutral oder sogar kritisch äusserte, wurde als Mittäter hingestellt. Mir hat diese Entwicklung in dem Moment Angst gemacht", sagt der Comicautor Joris Bas Backer. (…) Mindestens einer Person wurde mit der Zerstörung der Karriere gedroht.

(…) Unter dem rasant wachsenden Druck entscheidet eine Mehrheit der Autoren sich dazu, am 18. August ein gemeinsames Statement zu publizieren, in dem sie sich von "Oh Boy" distanzieren. Wer das Statement nicht unterschrieben hat, wird am Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB) an den Pranger gestellt: Vor grossem Publikum und mit Live-Übertragung im Internet verlesen Unterstützerinnen des Opfers eine schwarze Liste mit Autorennamen. Unter ihnen auch Mithu Sanyal. "Ich verstehe das Gefühl von Dringlichkeit, wenn man seine Grenzen verteidigen möchte. Aber Opfer zu sein, bedeutet nicht, dass man dafür selbst Grenzen überschreiten darf", sagt sie. "Die Welt" bezeichnet die Veranstaltung später als "neostalinistisches Tribunal".


Auch hier empfehle ich bei Interesse am Thema die Lektüre des kompletten Artikels, schon damit der Anlass für diese Kampagne deutlich wird. Der Leser, durch dessen Forenbeitrag ich auf den Artikel aufmerksam wurde, wünscht sich sogar einen Komplettbeitrag dazu auf Genderama; allerdings kann ich bei Medien wie der NZZ, die in Deutschland auflagenstark vertrieben werden, schlecht komplette Artikel zitieren.



4. Die in Haifa ansässige Rechtsanwältin und Journalistin Diana Butto hat mit weiteren Männern gesprochen, die in Israels Lager Sde Teiman gefangen gehalten worden waren. Da Genderama mit Bezug auf die BBC, CNN, die New York Times und so weiter schon mehrfach darüber berichtete, auch aus diesem Artikel nur ein Auszug:

Abu Hamza erzählte mir von monatelanger Folter, davon, dass ihm die Augen verbunden wurden und er tagelang mit gefalteten Knien und mit dem Kopf auf dem Boden lag; davon, dass er gezwungen wurde, Urin und Salzwasser zu trinken, wann immer er Wasser verlangte; davon, dass ihm das Essen verweigert wurde, um ihn dann zu zwingen, Essen mit Maden zu essen (er verlor 30 kg) während seiner dreimonatigen Entführung; dass er nur einmal alle 50 Tage duschen durfte, dass er drei Monate lang dieselbe Kleidung tragen musste, dass er mehrmals mit einem Schlagstock bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen wurde und dass israelische Soldaten ihm die Hände brachen und ihn dann auf allen Vieren kriechen ließen.

"Sie haben es genossen", sagte er. "Ich konnte sie lachen und johlen hören, während sie uns schlugen." Er konnte hören, wie meine Stimme brach, als ich versuchte, meine Tränen zurückzuhalten, während ich mit ihm sprach. "Es ist in Ordnung", sagte er mir. "Ich hatte Glück. Ich bin rausgekommen. Andere wurden dort getötet."




5. Das Wall Street Journal beschäftigt sich mit dem Schlamassel, in das sich die US-Demokraten unter Joe Biden unter anderem durch ihre Identitätspolitik gebracht haben: Jetzt, da Biden erkennbar schwächelt, rächt es sich, dass er als Vize eine Person wohl vor allem deshalb installierte, um bestimmte Quoten zu erfüllen. (Das Wall Street Journal ist nicht das einzige Medium mit dieser Kritik; ich habe es ausgewählt, weil es am renommiertesten ist.)

Das Problem ist, dass die Demokraten nun mit einem wahrscheinlichen Kandidaten dastehen, der sich in einem offensichtlichen geistigen Niedergang befindet, und mit Kamala Harris eine Vizepräsidentin, die noch unbeliebter ist als Biden.

(…) Der Weg aus diesem Albtraum könnte einfacher sein, wenn es nicht ein weiteres Problem gäbe, das die Presse nicht erkennen wollte: Kamala Harris war nicht im Entferntesten für das Amt des Vizepräsidenten qualifiziert, als Biden sie für dieses Amt auserkor. Er hatte versprochen, eine Frau zur Vizepräsidentin zu ernennen, und Biden wählte Harris, weil sie eine farbige Frau war, nicht wegen ihrer Qualifikationen.

Harris war als Präsidentschaftskandidatin gescheitert, nachdem sie ihren eigenen Gesundheitsplan in einer Vorwahldebatte nicht verteidigen konnte. In den Senat war sie aufgrund von Klientelismus aufgestiegen. Dennoch wurde sie von den Demokraten und der Presse als die erste farbige Frau auf einem nationalen Ticket gefeiert, als ob dies wichtiger wäre als jemand, der den Job machen kann. Kritik an ihrem Versagen bei der Einwanderung oder an ihren häufigen Wortsalaten wurde als rassistisch oder sexistisch bezeichnet.


Das Talent der Linken, sich ideologisch bedingt immer wieder selbst ins Knie zu schießen, bleibt bemerkenswert.



Mittwoch, Juli 03, 2024

taz beklagt Gewalt gegen Männer als "Tabuthema"

1.
Männer begehen mehr Straftaten als Frauen – das ist allgemein bekannt. Worüber weniger gesprochen wird: Männer werden auch häufiger selbst zum Opfer. 2023 waren laut Polizeilicher Kriminalstatistik bundesweit fast 60 Prozent der Opfer aller Straftaten männlich. Bei schweren Gewaltdelikten liegt der Anteil noch höher: Mehr als zwei Drittel der Straftaten gegen das Leben richteten sich im vergangenen Jahr gegen Männer, bei Raubdelikten waren sogar 76,2 Prozent der Betroffenen männlich.

Julia Scheunemann, Ellen Technau und Veronika Wisniewski sind Studentinnnen an der Hochschule Bremerhaven. Als sie in ihrem Studiengang Digitale Medien eine soziale Kampagne planen sollten, fiel ihnen Gewalt gegen Männer als ein „Tabuthema“ auf, wie sie es selbst bezeichnen.

"Wir haben anfangs in verschiedene Richtungen recherchiert und waren wirklich erstaunt darüber, wie wenige Angebote es für männliche Gewaltbetroffene gibt. Sowohl die Informationslage als auch die Hilfsinfrastruktur sind in diesem Bereich sehr schlecht", sagt Wisnieswski. "Gerade weil Gewalt gegen Männer so ein blinder Fleck ist, trauen sich viele Männer nicht, sich Hilfe zu holen", fügt ihre Kommilitonin Scheunemann hinzu.


Hier geht es weiter.

Die Männerrechtsbewegung macht seit Jahrzenten auf diese Schieflage aufmerksam. Indem die "taz" diese Bewegung entweder ignorierte oder anfeindete, hat sie ganz erheblich dazu beigetragen, dass sie ein Tabuthema bleibt. Aber vermutlich habe wir für Chancen auf eine faire Berichterstattung in der "taz" schlicht das falsche Geschlecht. Drei Studentinnen haben es leichter.



2. Der Tagesspiegel erklärt, welche Folgen für Scheidungskinder der Verlust des Vaters haben kann:

In Deutschland verliert Studien zufolge etwa ein Drittel der Trennungskinder den Kontakt zum Vater. "Das Resultat einer geschwächten Eltern-Kind-Bindung kann sein, dass viele sich die Anerkennung woanders suchen", sagt Hummel. Studien zu weiblichen Trennungskindern der Psychologin Judith Wallerstein haben etwa gezeigt, dass diese als Erwachsene dazu neigten, entweder sehr abhängige Liebesverhältnisse einzugehen, in denen sie spürten, wie sehr ihr Gegenüber sie braucht. Oder sie führten eher lose Beziehungen, in die sie weniger Gefühle investierten. Den Vaterverlust gleichen einige Frauen auch durch eine verfrühte Sexualität aus.




3. Auf Spiegel-Online berichtet unter der Überschrift "Manchmal fühle ich mich wie ein Spion" Leon Scherfig, wie er mit seiner Tochter "viele Orte erkundet, in denen das Primat der Weiblichkeit herrscht", und erklärt, warum er mehr Männern diese Erfahrung wünscht.



4. Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich damit, wie Annalena Baerbocks "feministische Außenpolitik" scheitert und mitunter mit dem Tod von Kindern endet: "Ist das Konzept der feministischen Außenpolitik also vor allem viel Schein und wenig Sein? Worthülsen, die in ihrer praktischen Umsetzung an ihre Grenzen stoßen?" Routiniert spekuliert das Blatt, wer für dieses Scheitern verantwortlich sein könnte: "Vielleicht weil eine neue feministische Außenpolitik in einem mehrheitlich von Männern besetzten Ministerium nicht so einfach durchzusetzen ist." Der Artikel ist trotz dieser aus der Luft gegriffenen Unterstellung lesenswert.



5. In der Schweizer Zeitung "20 Minuten" erklärt der forensische Psychiater Thomas Knecht, wie es zu Falschbeschuldigungen sexueller Gewalt kommen kann:

Es kommt vor, dass vor allem bei Frauen eine Enttäuschung nach einem sexuellen Kontakt eintritt und dann retrospektiv eine Bewertung erfolgt, die es so im Moment des sexuellen Kontakts nicht gab. Gemäss Studien herrschen bei Frauen oft ambivalente Gefühle vor, insbesondere bei kurzfristigen sexuellen Beziehungen. Das Pendel kann nach der sexuellen Erfahrung auf die andere Seite, die der negativen Gefühle, umschwingen. Wenn das retrospektiv negativ Bewertete noch durch Freunde oder das Umfeld bestärkt wird, können sich die Erinnerungen schnell so umformen und ein Erinnerungsbild entstehen, das die Situation nicht realitätsgemäss wiedergibt. Meinungen und Empfindungen sind ein subjektives Gefühl und nicht in Stein gemeisselt.


Gefragt nach dem von Feministinnen geforderten Nur-ja-heißt-ja-Konzept bei sexuellen Kontakten urteilt Knecht:

In einem solchen Modell braucht es eine absolute Willensbekundung. Eine rechtsgenügliche Willensbekundung zu allen sexuellen Handlungen entspricht allerdings in vielen Fällen nicht der sexuellen Realität, insbesondere beim Spontansex. Auch kann sich ja ein einmal verbal gegebenes Einverständnis ändern, und das unter Umständen auch nonverbal geäussert werden. Als Mann muss man dann oft im treuen Glauben sein, denn eine absolute Zustimmung wird man nicht zu jedem Schritt eines sexuellen Verkehrs einholen können, das wäre wohl ein ziemlicher Lustkiller. Eine Partnerin bezüglich der Stabilität ihrer Meinungsbildung richtig einzuschätzen, erfordert geradezu eine psychologische Analyse. Das ist schon ein sehr hoher Anspruch, vielleicht sogar ein zu hoher.




Dienstag, Juli 02, 2024

Eine Wehrpflicht nur für Männer? Das "verrät ein gewisses Potenzial an Menschenverachtung"

1. In der Berliner Zeitung beschäftigt sich Ralf Sonnenberg mit dem Thema Wehrpflicht. Ein Auszug:

Das Bundesverwaltungsgericht, so [Kathrin] Groh, fand 2006 "zumindest tragfähige, weil gewichtige Gründe für die Rechtfertigung dieser Ungleichbehandlung: Da Frauen typischerweise im familiären Bereich stärkeren Belastungen ausgesetzt werden als Männer, ist auch ihre völlige Herausnahme aus jeglichen Dienstverpflichtungen in Friedenszeiten gerechtfertigt. Dieser binäre Blick des Grundgesetzes auf die Wehrpflicht verstößt nicht gegen die Menschenwürde und produziert auch bereits deswegen kein verfassungswidriges Verfassungsrecht."

(…) Doch halten die Urteile der Richterinnen und Richter aus den Nullerjahren einer kritischen Befragung statt? Passen sie noch in die Gegenwart?

Mittlerweile leben ungefähr 41 Prozent der Deutschen in Singlehaushalten, für die das Argument einer ungleichen Lastenverteilung mangels einer Partnerschaft gar nicht zutrifft. Die Gerichte gingen in ihren Urteilen von einem traditionellen Familienbild aus, das schon damals nicht mehr die Realität großer Teile der Gesellschaft widerspiegelte.

Probleme wirft aber auch diese Begründung auf: "Da Frauen typischerweise im familiären Bereich stärkeren Belastungen ausgesetzt werden als Männer, ist auch ihre völlige Herausnahme aus jeglichen Dienstverpflichtungen in Friedenszeiten gerechtfertigt."

Die Vielfalt und Wandelbarkeit der zwischen den Geschlechtern gelebten intimen Beziehungen wird damit auf ein Bild heruntergebrochen, das eine in der Gegenwart noch vorhandene strukturelle Benachteiligung betont. Frauen werden damit weniger als handelnde, ihre Beziehungen mitgestaltende Subjekte denn als Leidtragende von seit jeher bestehenden, kaum variablen Verhältnissen wahrgenommen.

(…) Das dahinterstehende Rechtsverständnis verletzt nun aber die Menschenwürde. Denn es orientiert sich an biologischen Zugehörigkeiten statt am Individuum, was dem Grundgedanken der liberalen Demokratie zuwiderläuft. Dem Denken in Geschlechtskategorien korrespondiert das Denken in „Klassen“, wie es uns aus sozialistischen Gesellschaften geläufig war. Zur Erinnerung: Mit der Begründung, dass Kinder aus Arbeiter- und Bauernfamilien qua Herkunft strukturell benachteiligt seien, haben die Machthaber in dem 40-jährigen Bestehen der DDR vielen jungen Männern und Frauen, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft als privilegiert und politisch unzuverlässig galten, das Abitur, das Studium und damit die freie Berufswahl verweigert.

Für eine Verfassungsänderung spricht vor allem: Die Wiederaufnahme der nur für Männer geltenden Wehrpflicht wäre eine für den Einzelnen derart schwerwiegende und weitreichende Diskriminierung, dass sie auch nicht durch den Verweis auf in der Gegenwart vielfach noch zwischen den Geschlechtern bestehende Asymmetrien wie den Gender-Care-Gap, den Gender-Pay-Gap oder den Gender-Pension-Gap gerechtfertigt werden könnte.

Denn die auszubildenden Rekruten verlieren nicht nur mehrere Monate an das Militär, sondern sie riskieren im Ernstfall Leib und Leben samt der Gefahr, neben körperlichen Verstümmelungen auch seelische Beeinträchtigungen in Gestalt posttraumatischer Belastungsstörungen davonzutragen. Die häufig noch ungleiche Lastenverteilung in Erziehung und Haushalt, durch welche Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn und später auch in ihren Pensionsansprüchen Nachteile erleiden können, mit einer Zwangssituation wie der des Wehrpflichtigen auf eine Stufe zu stellen, ist daher nicht nur unsachgemäß, sondern sie verrät neben dem fahrlässigen Umgang mit Argumenten auch ein gewisses Potenzial an Menschenverachtung.

Laut Statistik sind Männer, deren Lebenserwartung im Durchschnitt fünf Jahre kürzer ist als die von Frauen, sehr viel häufiger als diese in Berufen tätig, die Gefahren für Leib und Leben beinhalten: Sie riskieren ihre Unversehrtheit als Feuerwehrmann, Polizist, Seenotretter, Notarzt im Ausland oder als Einsatzkraft in der Bergwelt. Trägt dieser gewohnte Anblick vielleicht zu der Auffassung bei, es sei nur folgerichtig, wenn Männer auch an der Front ihr Leben für die Gesellschaft aufs Spiel setzen?


Wenn man mal von dem offenbar unbeirrbaren Glauben an Dinge wie einen Gender-Pay-Gap absieht, der wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat, hätte dieser Artikel auch von einem Männerrechtler stammen können.



2. "Die Zeit" porträtiert zwei ukrainische Männer, die vor dem Wehrdienst geflohen sind. Bei Interesse am Thema ist der Artikel in Gänze lesenswert. Unter anderem erfährt man darin einen sonst wenig genannten Grund, warum der CDU-Politiker ukrainische Männer unbedingt an die Front zurückschicken will: "Im Falle eines militärischen Angriffs auf Deutschland, ermittelte damals das Institut YouGov, wäre nur jeder zehnte Befragte bereit, sein Land zu verteidigen. Jeder vierte dagegen würde fliehen." Was die ukrainischen Männer tun, habe insofern auch eine "Signalwirkung".



3. Die israelische Tageszeitung Haáretz porträtiert ebenfalls Männer, die den Kriegsdienst verweigert haben.

Ende letzten Monats unterzeichnete Vardi zusammen mit 41 anderen Reservisten, die seit dem 7. Oktober im Militärdienst sind, das erste Verweigerungsschreiben, das von Reservisten seit Beginn des Krieges im Gazastreifen veröffentlicht wurde.

(…) Für Vardi kam der Wendepunkt, als Israel sich für eine Bodenoperation in Rafah entschied, anstatt ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln und zur Beendigung des Krieges zu unterzeichnen. "In dem Moment, in dem die Operation in Rafah begann, fühlte ich, dass es jenseits dessen war, was ich ethisch für richtig halten, dahinter stehen und rechtfertigen konnte."


Für einen anderen Soldaten kam der Wendepunkt, als die israelische Armee eines der Häuser der Zivilbevölkerung niederbrannte:

Über die Frage, wie er mit den zu erwartenden Sanktionen bei einer Dienstverweigerung umgehen würde, hat er sich keine Gedanken gemacht. "Als ich glaubte, in der Armee sein zu müssen, war ich dort und bin Risiken eingegangen", erklärt er. "Hier riskiere ich also nicht mein Leben, sondern eher meinen sozialen Status, und dieses Risiko ist es wert, um Menschenleben zu schonen und das zu tun, woran ich glaube."


Ein dritter Soldat berichtet:

Vom Hauptquartier der Brigade aus verfolgte er in Echtzeit die Filme von Drohnen, die auch die Bombardierungen der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen dokumentierten. "Es ist weit weg von dir und man hat das Gefühl, dass es nicht real ist", sagt er. "Man sieht, wie sie Fahrzeuge, Gebäude und Menschen abschießen. Und jedes Mal, wenn ein Gebäude fällt, sagen alle: 'Wow!' Viele Menschen, auch ich, haben die Erfahrung gemacht: 'Wow, das ist verrückt', und andere sagen: 'Wir zeigen es ihnen, wir machen sie fertig, wir rächen uns.' Das sind die Schwingungen, die man im Kriegsraum hört."

Er sagt, es habe ein oder zwei Wochen gedauert, bis er begriffen habe, dass "jedes Mal, wenn man es sieht, es ein Gebäude ist, das einstürzt. Wenn Menschen darin waren, dann sind sie tot. Und selbst wenn keine Menschen darin waren, ist alles, was dort war - Fernseher, Erinnerungen, Bilder, Kleidung - weg. Es sind Hochhäuser. In der Einsatzzentrale weiß man, wie hoch die Evakuierungsstufe ist."

Er merkt an: "Sie sagen zum Beispiel immer, dass 50 Prozent des Gebiets evakuiert wurden. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich hörte '50 Prozent wurden aus dem Norden evakuiert'. Am selben Tag sah ich, wie ein Gebäude in dem Gebiet einstürzte, und ich dachte mir: '50 Prozent wurden aus dem Gebiet evakuiert, aber 50 Prozent sind immer noch dort.' Gleichzeitig gibt es auch im südlichen Gazastreifen Bombenangriffe, und wir wissen, dass niemand von dort evakuiert wurde. Im Gegenteil, alle sind dorthin geflohen."

(…) Ofer Ziv sagt, er sei verwirrt gewesen, als er die Bombardierungen der Luftwaffe vom Hauptquartier aus beobachtete. "Am Anfang ist es sehr schwer zu sagen, was gerechtfertigt ist und was nicht", sagt er. "Aus der Ferne ist es einfach zu sagen: 'So ist das im Krieg, Menschen werden getötet.' Aber im Krieg werden nicht 30.000 Menschen getötet, von denen die meisten unter den Trümmern begraben werden, wenn sie aus der Luft bombardiert werden. Man hat das Gefühl, dass wahllos geschossen wird."

(…) A., ein 26-jähriger Reservist des militärischen Nachrichtendienstes, der den Brief ebenfalls unterzeichnet hat und nicht namentlich genannt werden möchte, beschreibt ähnliche Gefühle. Er meldete sich Anfang Oktober freiwillig zum Reservedienst und diente etwa zweieinhalb Monate lang. Da er für die Suche nach Attentatszielen zuständig war, nahm er an tödlichen Aktivitäten teil. Mit der Zeit wurde ihm klar, dass er sich an Handlungen beteiligte, die sein Gewissen verletzten.

"Am Anfang gab es ein Gefühl der Mobilisierung", sagt er. "Sie geben dir eine Liste mit fünf oder sechs Personen, die wichtig genug sind, und wenn wir sie erwischen, schaden wir den Fähigkeiten der Hamas. Man kann über diese Strategie streiten, aber so ist sie nun einmal. Langsam aber sicher merkt man, dass man nicht in der Lage ist, eine bestimmte wichtige Person zu treffen, und beginnt, nach anderen Zielen zu suchen, von denen noch nie jemand etwas gehört hat, und plötzlich sagt man sich, dass sie auch wichtig sind."

Er sagt: "Sie rechtfertigen es mit hundert Gründen - 'Vielleicht schreckt sie das ab, vielleicht dies, vielleicht das' - und fangen an, diese Person zu jagen, als wäre sie das wichtigste Ziel der Welt, und am Ende, wenn man sie in die Luft jagt, sagt man: 'Wir haben kein Problem damit, dass er jetzt mit der ganzen Familie im Haus ist', obwohl es keinen Hinweis darauf gibt, dass die Tötung dieser Person wirklich eine militärische Begründung hat. Ich hatte das Gefühl, dass das, was ich tue, nutzlos ist. Wir jagen nur Köpfen hinterher, um irgendeine Art von Erfolg zu demonstrieren, ohne jegliche Strategie und Richtung."

(…) Etwa einen Monat nach dem 7. Oktober, sagt A., war diese Politik sehr freizügig. Das Haus wurde bombardiert. Nach dem Angriff stellte sich heraus, dass die Zielperson draußen war und überlebte, aber zwei Frauen, die sich dort aufhielten, wurden getötet und mehrere andere Personen verletzt. "Man hat das Gefühl, dass man etwas tut, ohne dass es militärisch begründet ist, mit dem Risiko, Menschen, die zweifellos unschuldig sind, sehr schweren Schaden zuzufügen, nur weil man eine Leistung demonstrieren muss. (…) Was dort gemacht wird, ist ein Verbrechen, auch weil es sinnlos ist, und es schadet meiner persönlichen Zukunft als Bürger dieses Landes."


Diese Männer, die sich der scheinbaren Logik des Tötens widersetzen, haben meinen höchsten Respekt.



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