Donnerstag, November 14, 2019

Kopfschütteln über Olaf Scholz, Männerhass auf Twitter, feministische Attacke auf Feuerwehr – News vom 14. November 2019

1. Der Vorstoß von Olaf Scholz, reinen Männervereinen Steuervorteile entziehen zu wollen, stößt weiterhin auf scharfe Kritik:

Armin Laschet (58), Ministerpräsident von NRW und Vize-Vorsitzender der Bundes-CDU, am Dienstag: "Das ist doch absurd. Mir ist es schon ein Rätsel, wie man auf so eine Idee kommen kann." (...) Laschet weiter: "Ich habe Stunden gesessen, um mir die Motivation eines Mannes zu erklären, der eigentlich eine Volkspartei vertreten will, warum man einen solchen Frontalangriff auf das Ehrenamt im Land fährt." Gerade in NRW hätten Vereine eine wichtige Rolle und Tradition, Scholz Vorstoß passe dazu nicht. Ministerpräsident Laschet: "In Nordrhein-Westfalen gibt es Bergmannschöre, da sind nur Männer drin. Es gibt Schützenvereine mit zum Teil jahrhundertealter Tradition. Es gibt auch Frauen-Initiativen, die nur Frauen aufnehmen, weil sie ein spezielles Anliegen verfolgen. Warum man sich als Hauptziel seiner Gemeinnützigkeits- und Steuerpolitik, wo sonst wenig Vorschläge von Herrn Scholz kommen, ausgerechnet diese Gruppe vornimmt, um sie schlechter zu stellen, das erschließt sich mir nicht."

(...) Innenexperte Patrick Sensburg (48, CDU): "Was Minister Scholz gesagt hat, ist für alle ehrenamtlich Aktiven ein absoluter Schlag ins Gesicht. Es untergräbt das Ehrenamt, vom Frauenchor bis hin zu karitativen Vereinigungen wie Lions und Rotariern, in ganz Deutschland. Sie erbringen jeden Tag unendlich viele Leistungen für die Menschen in unserem Land. Wer als Minister solche Ideen hat, die wir eigentlich schon lange überwunden hatten, hat entweder fachlich keine Ahnung oder will das Ehrenamt zerlegen. Ob er als Parteivorsitzender einer Volkspartei hiernach noch der Richtige ist, muss die SPD entscheiden. Als Minister muss er seine Äußerung ganz schnell zurücknehmen."

Für CDU-Innenexperte Marc Henrichmann (43, CDU) ist der Scholz-Vorstoß "eine üble Attacke auf Vereinswesen und Ehrenamt. Ob Schützenbruderschaft, Frauenfußball-Club oder Landfrauenverband: Unsere Vereine wissen selbst am besten, wie sie sich organisieren wollen. Und natürlich sind sie gemeinnützig. Was manche basisfernen Akteure unter dem Deckmantel vermeintlicher Diskriminierung mittlerweile regeln wollen, macht mich fassungslos."

Baden-Württembergs Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl (59, CDU) zu BILD: "Schlimm muss es freilich der SPD gehen, wenn einer der Vorsitzkandidaten so etwas als drängendes Problem identifiziert. Hat das SPD-Spitzenpersonal den Blick fürs Wesentliche? Und übrigens umgekehrt: Wird einem Sportverein dann die Gemeinnützigkeit entzogen, wenn er nur ein Angebot für Mädchen und Frauen hat?"




2. Wer verstehen möchte, wie die identitätspolitische Linke mittlerweile tickt, erhält durch ein aktuelles Spektakel auf Twitter bestes Anschauungsmaterial.

Die junge Publizistin "Lena", die unter anderem für das Magazin "Bento" schreibt, und auf Twitter unter dem Namen "Lena blauer Haken" aktiv ist, wurde dort für einige Tage gesperrt – offenbar wegen Tweets wie diesem:

ich hasse männer und hoffen bei der klimakrise sterben sie nicht früher sondern müssen noch langsamer und qualvoller leiden


Nach der Sperre bildete sich auf Twitter unter dem Hashtag #freelena eine Unterstützerbewegung; auch die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali setzte sich für Lena ein. ("Es sollen ja alle sterben, Männer nur langsamer.") Einige mutmaßten, dass Lena wegen der Formulierung "Drecksnazis" gesperrt worden sei, woraufhin die eher Leichtgläubigen ihre Tweets mit nichts anderem als den Worten "drecks nazis" füllten. (Was zu keiner Sperre führte.) Hinweise auf Lenas Männerhass-Tweet wurden zügig abgetan:

Verstehe nicht was an leners tweet falsch sein soll und was du hier zu beweisen versuchst


Ebenso schön:

Wenn man sich als Mann da angesprochen fühlt dann ist man das Problem.


Auf Bento verteidigt sich Lena und prangert zugleich die Twitter-Mitarbeiter an:

Sie schrieben mir immer wieder, es verstoße gegen die Regeln der Plattform, Gewalt gegen andere aufgrund von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, geschlechtlicher Identität, religiöser Zugehörigkeit, Alter, wegen Behinderung oder Krankheit zu fördern oder eine Person deshalb anzugreifen. Ja, okay cool, sehr gute Regeln – aber ich mach' halt auch nichts davon. Im Gegenteil: Ich setze mich bewusst dafür ein, dass eben niemand diskriminiert wird. Und bevor jetzt einige Einwände kommen: Nein, weiße Cis-Männer haben kein Problem mit Diskriminierung, wirklich nicht.


Inzwischen ist Lena wieder auf Twitter aktiv, macht ihre Tweets aber nur noch für ihre Follower sichtbar.

Vielfach wurde auch darüber diskutiert, ob Lenas Tweet noch von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Der wohl beste Lösungsvorschlag kam von dem Twitter-User Stefanolix:

Ich würde die Person nicht sperren. Ich würde ihr diesen Tweet für ein Jahr zwangsweise ans Twitter-Profil heften, damit alle Interessenten gleich diese Idiotie sehen können.


Wie man beobachten konnte, würde Lena aber selbst dann noch mehr als genug Unterstützer finden. Die "Bento"-Redaktion beispielsweise steht offenbar hinter ihr.



3. In Australien wüten derzeit verheerende Waldbrände. Hierzu hat sich jetzt auch eine Feministin geäußert:

Eine Aktivistin gegen häusliche Gewalt ist unter Beschuss geraten, nachdem sie behauptet hat, dass australische Feuerwehrleute, die gegen Buschfeuer kämpfen, nach Hause zurückkehren werden, um ihren Partner zu schlagen.

Der Anspruch wurde von der Frauenrechtlerin Sherele Moody erhoben, die auf einer Pressekonferenz der Grünen Senatorin Larissa Waters sprach.

(...) "Nach einem katastrophalen Ereignis wie diesem erreicht die häusliche Gewalt ihren Höhepunkt", sagte Moody und zitierte akademische Forschungen, die nach den Buschfeuern von Victoria's Black Saturday durchgeführt wurden.

"Die Sicherheit von Frauen leidet im Allgemeinen stark, wenn die Männer von den Bränden nach Hause zurückkehren und sie häuslicher Gewalt aussetzen."

Moody legte in einem Facebook-Post nach und fuhr fort: "Was passiert, wenn Täter bei häuslicher Gewalt ihre Arbeit an der Front einer schweren Krise beenden? Sie missbrauchen Frauen in ihrem Leben - härter als je zuvor."

In einer über Nacht erfolgten Erklärung distanzierte Larissa Waters die Grünen von diesen Kommentaren.

"Die Grünen unterstützen die heutige Erklärung von Sherele Moody, dass Feuerwehrleute für die Zunahme häuslicher Gewalt in Katastrophenzeiten verantwortlich sind, absolut nicht."


Deutsche Grüne würden so etwas gegenüber einer Feministin neimals tun. Hierzulande genießt selbst Katharina Schulze mit ihren Ausfällen gegen Männer Narrenfreiheit.

Die Beobachtung, dass Menschen, die durch eine Konfrontation mit einer Katastrophe traumatisiert sind, auch mit aggressivem Verhalten reagieren können, ist sicher richtig. In einer nicht-sexistischen Gesellschaft würde man sich allerdings zuerst um das Wohlergehen der Traumatisierten kümmern, statt sie vor allem als potentielle Täter anzuprangern. Wenn die Traumatisierten überwiegend männlich sind, fallen sie allerdings in den Gender Empathy Gap.



4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu den anscheinend geleakten Dokumenten, der schwedischen Universität Lund, denen zufolge Männer keine Chance mehr auf akademische Positionen haben:

Ich kann die Echtheit der geleakten Dokumente nicht überprüfen und bin des Schwedischen nicht mächtig, halte es aber für sehr plausibel, dass die Behauptungen zutreffen, denn die Ähnlichkeit mit dem, was an deutschen Hochschulen seit Jahren im Rahmen des Professorinnenprogramms läuft, sind nicht zu übersehen.

Man vergleiche etwa den Fall des Mathematikers Matthias Aschenbrenner, in dem der SPIEGEL rundheraus von "Bewerber-Bluff" sprach. Ich habe zu diesem Thema auch einen interessanten E-Mail-Wechsel mit der Universität Koblenz-Landau, dann mit dem rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium und schließlich mit der damaligen Abgeordneten meines Wahlreises, einer gewissen Malu Dreyer, geführt. Darin wurde schließlich widerwillig eingeräumt, dass männliche Kandidaten bei derartigen Stellenanzeigen trotz bemüht geschlechtsneutraler Formulierung chancenlos sind.

Die Frage, warum ihnen nicht gleich reiner Wein eingeschenkt wird, wurde dagegen konsequent ignoriert, vermutlich, weil die Praxis rechtlich äußerst fragwürdig ist. Das scheint auch der Universität Lund klar zu sein.

Mittwoch, November 13, 2019

So schützt die CSU männliche Opfer von häuslicher Gewalt – News vom 13. November 2019

1. Bundesfrauenministerin Giffey, von vielen Journalisten erträumte Lichtgestalt und Erlöserin der SPD, mag für Männer keinen Cent übrig haben, die Schutz vor häuslicher Gewalt suchen. In Bayern hingegen finden sie Unterstützung:

Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer [CSU] teilt dazu mit: "Der Kreisverband Augsburg der Arbeiterwohlfahrt e.V. unterstützt seit über drei Jahrzehnten in der Anlaufstelle 'via – Wege aus der Gewalt' gewaltbetroffene Frauen in Augsburg. Nun wird das Angebot um eine Anlauf-, Beratungs- und Interventionsstelle für Männer, die von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind, erweitert. Die Anlaufstelle 'via' soll die telefonische und persönliche Anlaufstelle werden, bei der die Betroffenen hochprofessionelle Beratung und Unterstützung bekommen, um die schwierige Lebenssituation als Opfer von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt bewältigen zu können. Ich freue mich, dass wir dieses Angebot mit rund 108.000 Euro unterstützen können."

Die Bayerische Staatsregierung stellt im Rahmen der dritten Stufe des Drei-Stufen-Plans zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention vier Millionen Euro jährlich zur Verfügung, die schwerpunktmäßig für den Schutz und die Prävention von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt gegen Männer vorgesehen sind.

"Entscheidend ist, dass wir uns bei dem Thema Gewaltschutz und Gewaltprävention im Rahmen des beschlossenen Gesamtkonzepts breit aufstellen. Jede und jeder, der von Gewalt betroffen ist, braucht Unterstützung. Eine wichtige Zielgruppe sind Männer, die Opfer häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt geworden sind. Für sie standen bisher nur sehr begrenzt Angebote zur Verfügung", so die Ministerin.


Das Väter-Netzwerk freut sich darüber:

Angesichts des Ausmaßes des Problems hat diese Maßnahme eher Symbolcharakter. Dennoch ein Signal dafür, dass auch Partnerschaftsgewalt gegen Männer ernst genommen werden muss und hoffentlich Hilfe für einige wenige Betroffene.




2. Wir bleiben in Bayern. Zwischen dem Justizopfer Gustl Mollath und dem Freistaat hat es inzwischen eine Einigung gegeben:

Der Freistaat "zahlt ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" einen weiteren Betrag in Höhe von 600.000 Euro, wie das Landgericht München I am Dienstag mitteilte. Der Rechtsstreit sei damit beendet. Mollath ist das wohl bekannteste Justizopfer Deutschlands. Er war 2006 nach einem Prozess wegen angeblicher Gewalt gegen seine Ehefrau in die Psychiatrie eingewiesen worden - zu unrecht, wie sich Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren herausstellte. 2747 Tage - mehr als sieben Jahre - hatte er in der Psychiatrie verbracht.




3. Der US-amerikanische Student und Männerrechtler Kursat Pekgoz sieht sich nach seinem Engagement gegen Sexismus Repressionen ausgesetzt:

Kursat Pekgoz, 31, war bis vor etwa zwei Jahren noch relativ unbekannt. Er studierte Molekularbiologie und Anglistik in der Türkei und arbeitete einige Zeit als Übersetzer. Vor fünf Jahren bewarb er sich bei der University of Southern California (USC), in der Hoffnung, einen Doktortitel in Englisch zu erhalten.

Pekgoz war nach allem, was man hört, ein herausragender Kandidat.

Die USC war begeistert. Obwohl Pekgoz von der Tufts University und der Rice University Zulassungsangebote erhielt, warb die USC ihn mit einem Angebot des begehrten Provost's Fellowship an, das seinen Unterricht abdeckte und ihm ein lebenslanges Stipendium verschaffte.

"In meinen ersten Jahren schien alles in Ordnung zu sein", berichtet Pekgoz. Er forschte, präsentierte auf Konferenzen und lehrte sogar drei Jahre lang eine Klasse pro Semester.

Im Jahr 2017 aber stellte Pekgoz fest, dass seine männlichen Kommilitonen weniger Stipendienmöglichkeiten hatten als Frauen. Er war nicht um sich selbst besorgt - Pekgoz erhielt ein Vollstipendium von der USC -, sondern um andere männliche Studenten.

"Die Ungerechtigkeit ist offensichtlich", sagte er mir.

Um dies zu beheben, reichte Pekgoz 2017 eine Bundesbeschwerde gegen die USC ein und argumentierte, dass die "Women Only"-Programme der USC gegen Titel IX verstoßen, ein Bundesgesetz, das Schulen zu bestrafen droht, wenn sie Männer und Frauen nicht fair behandeln.

Frauen stellen heute die Mehrheit der Studenten, Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter. Trotz dieses Ungleichgewichts bieten viele Hochschulen massive Stipendienmöglichkeiten und exklusive Programme zur Förderung ihres Erfolgs.

Die Beschwerde war beispiellos. Das Büro für Bürgerrechte stimmte zu, dass die Bedenken berechtigt sein könnten.

Pekgoz bemerkte seinen Erfolg und reichte Beschwerden gegen andere Hochschulen ein. Einige gemeinnützige Organisationen und Anwälte folgten seinem Ansatz; 15 andere Hochschulen befinden sich nun unter föderaler Aufsicht.

Pekgoz' unorthodoxe Strategie katapultierte ihn ins Rampenlicht, sowohl auf dem Campus als auch auf nationaler Ebene. Die Medien, darunter NBC News, The Daily Wire, Refinery 29, The Chronicle of Higher Education, FOX News und USA TODAY, berichteten über seinen Aktivismus.

Als Pekgoz berühmt wurde, erfuhr auch die USC bald von seinen Bemühungen. Es ist nicht genau festzustellen, wann seine Professoren, das Promotionskomitee und seine Kommilitonen begannen, darauf aufmerksam zu werden.

Aber er brachte ihn schnell in Schwierigkeiten.

"Ich war mit Professoren befreundet, bevor sie anfingen, mich wegen meiner Haltung zur Geschlechterpolitik zu meiden", sagte Pekgoz. Zwei Professorinnen - Hilary Schor und Margaret Russett-"haben meine Doktorarbeit sabotiert", behauptete Pekgoz.

"Hilary Schor hat ein Veto gegen meine Dissertation eingelegt, nachdem sie von meinem Titel IX-Aktivismus erfahren hatte, obwohl sie mir zuvor eine Eins gegeben und meine Texte gelobt hatte."

"Margaret Russett, eine feministische Professorin, die nach Yale ging, beendete meinen Doktorandenstatus, obwohl es ihr Druck war, der mich dazu brachte, die Aufnahmeangebote von Tufts and Rice abzulehnen", fügte er hinzu.

Keiner der beiden Professorinnen reagierte auf eine Aufforderung zur Stellungnahme.

Im Februar 2019 schickte Professorin Emily Anderson eine E-Mail an Pekgoz mit der Empfehlung einer "kontinuierlichen Immatrikulation für das Jahr 6" und stellte fest, dass "die [USC] absolut eine Studienförderung bereitstellen kann", wenn Pekgoz im Doktorandenprogramm bleiben möchte.

Aber nur einen Tag vor seinem sechsten Jahr änderte sein Dissertationskomitee den Kurs.

"Ich schreibe in meiner Rolle als Director of Graduate Studies, um Ihnen mitzuteilen, dass Sie mit sofortiger Wirkung aus dem Ph.D.-Programm in Englischer Sprache und Literatur und der University of Southern California ausgeschlossen werden", schrieb Anderson am 28. August.

Sie behauptete, Pekgoz habe es versäumt, "zufriedenstellende Fortschritte" in Richtung seiner Doktorarbeit zu machen.

Pekgoz bestreitet diese Einschätzung und kämpft darum, wieder zur USC zurückzukehren.

In einem am 27. September eingereichten Berufungsschreiben führt Pekgoz an, dass Mitarbeiter der USC ihn ausgesondert hätten, sich geweigert hätten, seinen Urlaubsantrag zu gewähren, und ihm eine "willkürliche Frist" gesetzt hätten, um sein erstes Dissertationskapitel einzureichen, wovon, wie er berichtet, kein anderer Student betroffen war.

Er argumentierte auch, dass es "keinen formalen Präzedenzfall" für die Frist gebe und dass die Bestimmung, dass das Dissertationskapitel "brauchbar" sein solle, "zu vage und willkürlich" sei. Darüber hinaus benötigen andere Studenten routinemäßig bis zu acht oder neun Jahre, um ihre Doktorarbeit zu beenden.

Pekgoz hat am 27. September Berufung eingelegt. Der Prozess ist im Gange.

"Sie waren bereit, mich mit Auszeichnungen zu ehren, bevor ich mit meinem Engagement begann, aber sie haben mich im Visier, nachdem mein Engagement öffentlich bekannt wurde", sagte Pekgoz. "Das hat eine abschreckende Wirkung auf die akademische Freiheit und den politischen Diskurs."

Dienstag, November 12, 2019

Trennungskinder: FDP will Sorgerecht umbauen – News vom 12. November 2019

1. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr hat die Haltung der Unionsfraktion zu einer Reform des Sorge- und Umgangsrechts scharf kritisiert:

"Dass Kinder nach einer Trennung lediglich bei einem Elternteil aufwachsen und das andere nur besuchen, ist nicht mehr zeitgemäß", sagt die Rechtsexpertin der FDP-Fraktion (...). Im Gegensatz zu diesem derzeit vorherrschenden Residenzmodell favorisiere sie deshalb, dass Kinder nach einer Trennung der Eltern im Wechselmodell betreut werden. Bei der geplanten Reform solle dieses als gesetzlicher Regelfall festgelegt werden, "sofern es keine einvernehmliche Regelung der Eltern gibt".

(...) Helling-Plahr betont, dass das Wechselmodell zum einen dem Kindeswohl am besten Rechnung trage. Zum andern führe es durch die partnerschaftliche Aufteilung der Erziehungsverantwortung zu "gleichen Teilhabemöglichkeiten von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt". Es lasse wesentlich flexibler ausgestalten, als das beim Residenzmodell der Fall sei. "Damit wird das Wechselmodell der heutigen Realität vielfältiger Familienkonstellationen am besten gerecht", ist die Liberale überzeugt.


Eine vom Bundesjustizministerium eingesetzte Expertenkommission hatte die Festlegung auf das Wechselmodell vermieden. Das bedauert die FDP-Abgeordnete:

Faktisch existiere mit dem Residenzmodell bereits jetzt ein Standardmodell, das "die Gesetzgebung, die Familienrechtspraxis und das Jugendhilfesystem über lange Zeit geprägt" habe. (...) Im Zuge einer umfassenden Reform müsse man sich davon lösen.


Zum Thesenpapier des Justizministeriums äußert sich auch Lucas Schoppe in einem aktuellen Beitrag: Familienpolitik vom rechten Rand. Schoppe erläutert, welche Interessensgruppen mit welcher Rhetorik einem gleichberechtigten Umgangsrecht im Wege stehen, und gelangt zu folgendem Fazit:

Die Spielart des Feminismus, die von MIA oder auch dem Juristinnenbund repräsentiert wird, hat in kurzer Zeit eine ähnliche Entwicklung durchlaufen wie zuvor wohl allein die deutschen Burschenschaften. Auch die waren einmal mit revolutionären Interessen angetreten und gehören heute weitflächig zum reaktionären Rand der Gesellschaft.

An den Inhumanitäten des Kindschaftsrechts und an der verbissenen Verteidigung dieser Inhumanitäten zeigt sich daher auch, wie fatal es ist, wenn Lobbygruppen, die allenfalls für Ränder der Gesellschaft stehen, in zentralen Institutionen fest verankert werden.

Die Politik, die hier vertreten wird, kann nur dadurch bestehen bleiben, dass die meisten Menschen über ihre Praktiken und Konsequenzen überhaupt nicht informiert sind und sich stillschweigend auf die vernünftige Annahme verlassen, Mütter und Väter wären gleichberechtigt und gleichermaßen zur Sorge für ihre Kinder verpflichtet.

Die Vorstellung hingegen, dass die Mutter-Kind-Beziehung im Mittelpunkt des "Volkes" stünde und der Vater dafür bloß funktional und ansonsten disponibel wäre, basiert auf uralten Klischees und war insbesondere zentraler Bestandteil der Geschlechterordnung im Nationalsozialismus.

Um das einmal ganz gegen meine Art ein wenig polemisch zu formulieren: Im Jahr 2019 ist es eigentlich allmählich an der Zeit, unser Familienrecht zu entnazifizieren – auch wenn Gruppen wie MIA oder der Juristinnenbund dagegen große Widerstände mobilisieren.




2. Die Pläne von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), "reinen Männervereinen" die Gemeinnützigkeit abzuerkennen und damit Steuervorteile zu versagen, hat in den Reihen der Union weitere Kritik ausgelöst:

So sieht Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU) das Vorhaben (...) als "Angriff auf das Ehrenamt, die Freiheit und das Vereinsleben". "Es kann doch nicht unser Ernst sein, dass wir einem Männergesangverein die Gemeinnützigkeit entziehen wollen" sagte Bareiß. "Wir sollten froh sein über jeden, der sich für das Gemeinwohl engagiert und sich in die Gesellschaft einbringt. Es wird Zeit, dass die Kandidatenkür der SPD ein Ende nimmt, die Ideen werden immer abstruser."

(...) NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) kritisierte in der Rheinischen Post, die Pläne griffen in traditionsreiche ehrenamtliche Strukturen ein, "vornehmlich dort, wo der gesellschaftliche Zusammenhalt besonders gut funktioniert. Ich gehe davon aus, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion das verhindert."


Juristen melden große Zweifel an, ob Scholz' Pläne umsetzbar wären:

"Ich habe erhebliche Zweifel, ob die Pläne von Bundesfinanzminister Scholz mit dem grundgesetzlichen Gleichbehandlungsgebot vereinbar sind, solange sie sich nur auf Männer beziehen", sagte der Bonner Rechtsanwalt und Steuerberater Thomas von Holt, der sich auf das Gemeinnützigkeitsrecht spezialisiert hat. Der Staatsrechter Joachim Wieland von der Universität Speyer teilt diese Einschätzung. Scholz befinde sich mit seiner Forderung zwar auf "relativ sicherem Terrain", sie entspreche dem grundgesetzlichen Gleichstellungsgebot. Aber nur unter einer Bedingung: "Dasselbe muss natürlich auch für reine Frauenvereine gelten", sagte Wieland gegenüber WELT. Davon ist in der geplanten Gesetzesänderung allerdings nicht die Rede.


Dem nordrhein-westfälischen Finanzministerium zufolge hätten Scholz' Steuerpläne auch auf reine Frauenvereine Auswirkungen:

Ob auch ein Verein wie "Terre des Femmes" dazugehört, ist unklar. Der Verein ist auch in NRW aktiv und wendet sich laut Satzung gegen "Menschenrechtsverletzungen, die an Mädchen und Frauen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht" begangen werden. Mitglied werden dürfen nur Frauen.


Erwartungsgemäß ist die Berliner "taz" angetan von Scholz' Steuerplänen, solange sie sexistisch bleiben:

Während Frauenräume historisch dadurch entstehen, um sich gegen männliche Aggression und Dominanz zu schützen, befördert der männliche Rückzugsraum tendenziell Aggression und Dominanz. Zumindest aber stehen sie für die Weigerung, toxische Männlichkeit abzubauen.




3. Der vielgelesene deutsche Blogger Fefe berichtet:

Laut angeblich geleakten internen Dokumenten der Uni Lund (Schweden) haben dort Männer keine Chance mehr auf akademische Positionen. Es gibt ganz normale Ausschreibungen, aber wenn ein Mann gewinnt, ist plötzlich das Geld klamm und die Finanzierung wird eingestellt.

(...) Nein, nicht Gender Studies. Faculty of Engineering.




4. In der "taz" wendet sich Bettina Gaus gegen den Kampfbegriff "alte weiße Männer". Der Rassismus und der Sexismus des Begriffes stören sie allerdings nicht. ("Hach, es geht doch nur um Männer. Nicht um Frauen.") Sondern die Altersdiskriminierung, die damit verbunden ist: "Können wir uns darauf verständigen, dass Alter kein Kriterium in einer politischen Debatte ist?" Bettina Gaus wurde im Jahr 1956 geboren.



5. Der neue Video-on-Demand-Service "Apple Tv Plus" ist aktuell mit den ersten vier eigenproduzierten Serien an den Start gegangen. Dort wirkten die Themen "Frauenpower" und "Gleichberechtigung" allerdings unangenehm "gewollt reingepresst", urteilt der Youtube-Kanal "Serienflash".



6. Im Islamischen Staat haben sich die Frauen inzwischen "emanzipiert" und die "toxische Männlichkeit beiseite gedrängt", wie man es in der feministischen Sprache wohl formulieren würde. Zu deutsch: Sie kämpfen jetzt auch an der Front. Ein Video davon und Informationen über die Hintergründe findet man hier.

Währenddessen bricht auch eine texanische Lehrerin Geschlechterklischees über friedliebende Frauen auf. Hiervon gibt es ebenfalls ein Video. Womöglich wird nichts mehr das Klischee der gewaltfreien Frau erschüttern als die Erfindung des Smartphones.



7. Zur Debatte über die Zwangsverpflichtung von Männern zur Freiwilligen Feuerwehr, die hier in den letzten Tagen geführt wurde, schreibt mir mein Leser Kevin Fuchs:

Einer deiner Leser hat ja geschrieben, dass bei dem reinen Männereinzug auch ein Ermessensfehler des Bürgermeisters vorliegen kann. Ja, vermutlich ist der Bürgermeister halt ein Chauvi, der Frauen den Dienst bei der Feuerwehr nicht zutraut ... ganz einfach.

Montag, November 11, 2019

CSU lehnt Scholz' Steuerpläne für Männervereine ab – News vom 11. November 2019

1. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, lehnt die CSU die Pläne von Olaf Scholz (SPD) ab, reinen Männervereinen Steuervorteile zu entziehen:

"Vereine steuerlich zu benachteiligen, weil sie sich mit ihrem Angebot nur an Frauen oder nur an Männer wenden, ist grundfalsch", sagte Generalsekretär Markus Blume am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. (...) "Ich frage mich: Hat Olaf Scholz schon mal etwas gehört von Männergesangsvereinen, dem Katholischen Frauenbund, Burschenvereinen oder Frauenselbsthilfegruppen? Es ist absurd, unsere Vereine nach Genderaspekten in Gut und Schlecht einzuteilen", betonte Blume. Wer so Politik mache, ignoriere die kulturelle Vielfalt der Vereine. "Gleichberechtigung ist ein wichtiges Anliegen, dieser Vorstoß hilft dabei nicht."


Die Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung Ulrike Guerot befindet zu diesem Thema auf Twitter:

Ich mag Männergesangvereine, halte sie für förderungswürdig und ich glaube, sie werden durch die Teilnahme von Frauen nicht besser. Ich finde, Männer haben wie Frauen das Recht, unter sich zu sein, ohne gleich eine Erosion der Gleichstellung zu fürchten.


Auf Facebook kommentiert die FDP-Politikerin Nicole Bauer:

Bundesfinanzminister Scholz möchte Männervereinen die Gemeinnützigkeit entziehen. Was ist denn das für ein Unfug? Natürlich kommt der Name "Burschenverein" oder "Männerchor" etwas überholt daher. Aber warum muss man denn alles verbieten und den Leuten madig machen? Nach dem Kasperltheater mit der Grundrente beschädigt sich die SPD noch mehr selbst. Aber das Wichtigste: wenn Männervereine verboten werden – was wird dann aus reinen Frauenvereinen? Weiblich besetzte Stiftungen für Frauenhäuser? Die Landfrauen? Oder die Soroptimistinnen, das weibliche Pendant zum Lions Club? Will hier jemand ernsthaft die Gemeinnützigkeit dieser Organisationen in Zweifel ziehen? Liebe Sozialdemokraten, macht euch nicht lächerlich. Auch wenn das Grundgesetz über dem Brauchtum steht: es bedarf einer echten Steuerreform, nicht der Gängelei einzelner Vereine.


Das Blog "Kritische Wissenschaft" merkt an:

Wer bis gestern gedacht hat, man könne den Gender-Schwachsinn nicht mehr steigern, der hat seine Rechnung ohne Olaf Scholz gemacht. Gemeinnützigkeit wird somit nicht mehr am Ergebnis gemessen, sondern (...) am Geschlechtsteil dessen, der sie angeblich bereitstellt. (...) Wenn sich also Männer in einem Verein zusammenschließen, der sich die Aufgabe gestellt hat, den Hochwasserschutz entlang der Elbe tatkräftig zu verbessern und in Eigenleistung Deiche zu erhöhen, dann ist dieser Verein nach Ansicht von Herrn Scholz nicht gemeinnützig (...).

Wenn das Ministerium für [Familie, Jugend, Senioren und Frauen] Steuergelder en masse in einem “Frauencafé” begräbt, das vom Deutschen Frauenrat geführt wird, der sich schon einmal vorsorglich im Paragraphen 3 seiner Satzung als “Gemeinnütziger Verein” definiert, wenn dieses Frauencafé ein Angebot darstellt, das ausschließlich von Frauen genutzt wird, von dem ausschließlich Frauen profitieren, dann hat Herr Scholz wohl kein Problem mit der Gemeinnützigkeit?


Das maskulistische Blog Uepsilonniks zitiert eine besorgte Wortmeldung in dieser Debatte:

Das Problem ist nicht die Existenz von Männervereinen, sondern die Etablierung eines Vorwurfs und einer soliden Doppelmoral.

Die dahinter stehende Ideologie ist natürlich, allen Vereinigungen von Männern einen bündischen, egoistischen Charakter und aus der Abwesenheit von Frauen eine Diskriminierung dieser zu unterstellen.

Angenommen, wir hätten eine maskulistisch orientierte Organisation, dann ließe sich dieser schnellstens die Gemeinnützigkeit entziehen. Auch wenn wir eine reine Interessenvertretung für Männer und Jungen sein wollten, wird damit festgelegt, es läge nicht im öffentlichen Interesse, sich für Männer und Jungen zu engagieren.




2. Die Zahl der Obdachlosen ist wieder gestiegen. Als Hauptgründe werden das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum genannt, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut.



3. "Island gilt als vorbildlich, was Gleichberechtigung angeht", befand Anfang dieses Jahres Spiegel-Online. Der "Stern" berichtete, das Land liege auf Platz Eins des Gender Gap Reports. Und der Deutschlandfunk nennt das Land ein feministisches Paradies. Allerdings entsteht hier wie so oft ein schiefes Bild. Island ist beispielsweise auch in anderer Hinsicht führend:

Die Zahl der Frauen an Hochschulen hat auf der ganzen Welt die Zahl der Männer entscheidend überholt. Dazu gehören fast alle 36 Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und 39 von 47 Ländern der UN-Wirtschaftskommission für Europa, die sich auf Mittel- und Westasien erstreckt. Und nirgendwo ist die Kluft so schief wie in Island, wo es auf dem College heute zwei Frauen pro Mann gibt - das größte Ungleichgewicht in der OECD.

(...) Es ist nicht nur so, dass sich mehr Frauen für das College entscheiden. Es ist so, dass weniger Männer es tun, was sich unter anderem auf ihre Chancen und ihr Lebenseinkommen auswirkt.

"Es ist ein verrückter Zyklus", sagte Adrian Huerta, ein Assistant Professor of Education an der University of Southern California, der sich mit dem geschlechtsbezogenen Zugang zum College beschäftigt. "Wir wissen, dass, wenn man über eine Hochschulausbildung verfügt, sich das auf die Gesundheit positiv auswirkt. Man wird eher länger leben. Diese Ausbildung ist wichtig für die Beschäftigungsstabilität und das bürgerschaftliche Engagement. Man ist seltener auf Sozialdienste angewiesen."

(...) Aber auch in Island hat die schrumpfende Zahl der Männer in der Hochschulbildung bisher kaum Aufmerksamkeit erregt, sagte Eyjólfur Guðmundsson, Rektor der Universität Akureyri im Norden Islands, von deren 2.389 Studenten 77 Prozent Frauen sind.

"Wir wachen gerade erst auf und verstehen, dass dies ein Problem ist", sagte Guðmundsson, der sich offen zu diesem Thema äußerte. "Die Welt wacht auf."

Doch einige Leute fragen ihn immer noch, warum sie besorgt sein sollten, berichtet Guðmundsson.

Er antwortet ihnen: "Es ist aus genau demselben Grund besorgniserregend, weshalb wir vor 30 Jahren besorgt waren, dass Frauen nicht fair in der Hochschulbildung vertreten waren, oder in den Vereinigten Staaten Menschen mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund", die nicht aufs College gingen.

"Wenn Sie ein junger Mann sind, der in der Lage ist, einen Job mit einem anständigen Gehalt zu bekommen [statt aufs College zu gehen], bedeutet das körperliche Arbeit. Was wirst du tun, wenn du 50 bist? Was sind dann deine Chancen? Das könnte für eine Gesellschaft ein Problem größeren Ausmaßes darstellen."

(...) "Es ist kein Thema, das ganz oben auf der Tagesordnung steht. Es wird nicht in den Medien diskutiert", sagte Steinunn Gestsdóttir, Vizerektorin an der University of Iceland. "Aber die Politik ist besorgt über diese Entwicklung."




4. Die Post. Mehrere Leser haben auf den von Genderama verlinkten N-tv-Beitrag über den Zwangseinzug zur Freiwilligen Feuerwehr sowie auf den Leserbrief reagiert, den ich gestern dazu veröffentlicht habe. Einer dieser Leser schreibt mir:

Die Gesetze in Schleswig-Holstein zur "Pflichtfeuerwehr" schließen Männer wie Frauen ein, das Reporting zum Thema geht am eigentlichen Punkt vorbei:

"Die Gemeinde hat eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen, wenn der abwehrende Brandschutz und die Technische Hilfe aufgrund fehlender freiwillig dienstleistender Personen nicht ausreichend erfüllt werden können. [...] Alle Bürgerinnen und Bürger vom vollendeten 18. bis vollendeten 50. Lebensjahr sind verpflichtet, Dienst in der Pflichtfeuerwehr als ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinde zu übernehmen und auszuüben [...]"

Die Frage ist also vielmehr, warum nur Männer zur Pflichtfeuerwehr einberufen wurden. Das ist ganz besonders sexistisch, da die Feministen ja die Hälfte von allem wollen.


Jemand anderes schreibt mir:

Wie kommt Dein Leser auf das schmale Brett, dass nur Männer zur "Freiwilligen Feuerwehr" herangezogen werden dürfen? Wenn es bei ihm so ist, dann sollte er mal das Bundesland und die entsprechenden Paragraphen nennen.

In Rheinland-Pfalz beispielsweise gilt das Landesgesetz über den Brandschutz, die allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (Brand- und Katastrophenschutzgesetz - LBKG -) vom 2. November 1981. Darin ist in §12 geregelt, dass jeder Einwohner von 18 bis 60 herangezogen werden darf und dass es auch Ausnahmen gibt. Und man muss geeignet sein.

In §13 ist geregelt, dass der Arbeitgeber in der Zeit der Übungen und Einsätze den Lohn weiterzahlen muss, als wäre der Arbeitnehmer da. Der Arbeitgeber bekommt dieses Geld erstattet. Es ist auch sonstiger Kostenersatz geregelt. Dazu muss es in jeder Gemeinde eine Hauptsatzung geben.

Unter dem Link Rechtliches gibt es eine Art Suchmaschine für alle Gesetze in Deutschland. Einfach nach "Brandschutzgesetz" suchen, und schon kommen alle relevanten Gesetze der Bundesländer. Es scheint nicht für alle Bundesländer entsprechende Gesetze zu geben oder diese sind nicht so leicht zu finden (sonst wären sie auf der Ergebnissseite).

Nicht alles glauben, was andere Leute so schreiben. Dein Leser hatte beim Schreiben schon fast etwas Schaum vor dem Mund.


Ein dritter Leser schreibt mir in Erwiderung auf denselben Leserbrief:

Lieber Herr Hoffmann,

ich möchte einen rechtlichen Kurzeinblick zum Thema der Feuerwehrdienstpflicht liefern, weil ich die Befürchtung habe, dass das derzeit unberechtigte Wut provoziert:

Grundsätzlich ist die Einrichtung von Feuerwehren Sache des Staates – wir wollen ja auch alle, dass der Staat Gefahren abwehrt. Primäres Handlungswerkzeug des Staates ist das Gesetz, Gefahrenabwehr ist Ländersache und dementsprechend findet man die Regelungen zur Feuerwehr auch in den landesrechtlichen Gesetzen zum Brandschutz, z.B. das Brandschutzgesetz von Schleswig-Holstein.

Das Bundesland bedient sich folgender Mittel: Berufsfeuerwehr, freiwillige Feuerwehr, Pflichtfeuerwehr. Die Regelungen zur Pflichtfeuerwehr sind selbstverständlich wegen des Zwangs besonders heikel und müssen grundsätzlich gerechtfertigt werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat sich in zwei wesentlichen Entscheidungen bereits zum Thema Pflichtfeuerwehr geäußert:

Einmal in BVerfG, Beschluss vom 17.10.1961, 1 BvL 5/61: Die Dienstpflicht an sich, also insbesondere ohne die Betrachtung des Geschlechts, ist durch Art. 12 Abs. 2 Satz 1 GG gerechtfertigt. Das ist tatsächlich eine Norm, die man mal lesen sollte, weil der Inhalt typischerweise unbekannt ist. Die Beschränkung auf lediglich Männer – das war damals tatsächlich so – wurde allerdings gehalten.

Dann nochmal in BVerfG, Beschluss vom 24.1.1995, 1 BvL 18/93: In dem Fall ging es um eine Sonderabgabe. Diejenigen, die zwar grundsätzlich verpflichtet werden konnten, es aber nicht wurden, sollten zahlen. Da die Dienstpflicht nur Männer traf, mussten folglich auch nur Männer zahlen.

Ich zitiere mal aus den Gründen, weil es sehr deutlich ist: "Die Vorschriften des baden-württembergischen und bayerischen Landesrechts über die Erhebung einer auf Männer beschränkten Feuerwehrabgabe sind verfassungswidrig. Sie verstoßen gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. III GG ...". Seitdem steht in den Gesetzen der Länder auch – wie z.B. auch in § 16 Abs. 3 Brandschutzgesetz Schleswig-Holstein –, dass Bürgerinnen und Bürger verpflichtet werden können. Es gibt also keine Diskriminierung von Männern (mehr) durch das Gesetz. Der Bürgermeister kann also auch Frauen verpflichten.

Wen die Rechtsprechunsänderung wundert: Zwischen 61 und 95 ist auch viel passiert und als Trivia sei gesagt, dass 57 noch die Strafbarkeit von homosexuellen Handlungen gehalten wurde.

Soweit zum Gesetz. Jetzt muss man wissen, dass im öffentlichen Recht Fehler auf verschiedenen Ebenen möglich sind. Der Gesetzgeber — hier der Landtag — gibt der Exekutive — hier dem Bürgermeister — einen entsprechenden Handlungsspielraum. Wann, wo, wie und warum die Exekutive tätig wird, ist wieder eine andere Geschichte. Dem Bürgermeister können ganz eigene Fehler unterlaufen. Der Verpflichtungsbescheid des Bürgermeisters kann also trotz verfassungskonformer Grundlage rechtswidrig sein, weil z.B. ein Ermessensfehler im Verpflichtungsbescheid vergraben ist. Nur als triviales Beispiel: Der Bürgermeister verpflichtet seine 13 Nachbarn, die er nicht leiden kann, weil er sie nicht leiden kann. Wenn der Bürgermeister tatsächlich nur Männer verpflichtet hat, weil sie Männer sind, wäre das vermutlich ermessensfehlerhaft. Aber: Das wissen wir nicht. Es kann auch sein, dass in der Gemeinde des Bürgermeisters nur adipöse Frauen wohnen, die unter Stress keine zehn Stufen schaffen, ohne selbst zum Notfall zu werden. Das finden die betroffenen Männer aber nur dann raus, wenn sie gegen die Bescheide vorgehen, damit ein Gericht schließlich auf Ermessensfehler prüft. Das würde ich an deren Stelle jedenfalls machen. Im schlimmsten Fall könnte man der Sache möglicherweise (!) entgehen, indem man umzieht. So wie ich das sehe, erhält das Gesetz keine ausdrückliche Regelung, wie man damit umgeht.

Ich denke, den rechtlichen Rahmen da ordentlich zu betrachten und nicht vorschnell falsche Schlüsse zu ziehen, ist da wirklich essentiell. Jedenfalls denke ich, dass man da offen sein muss, also für Alternativerklärungen. Ich denke, man kann nicht über die Gleichstellungsbeauftragt_=?*innen schimpfen, wenn sie bei tatsächlicher Differenz sofort Diskriminierung schreien, ohne andere Erklärungen zu berücksichtigen — z.B. den freien Willen der Beteiligten —, und dann hier auch sofort auf Männerdiskriminierung abstellen. Da macht man ja denselben Fehler, den man der anderen Seite vorwirft. Gemessen an der physischen Überlegenheit des durchschnittlichen Mannes ist es denke ich sogar wahrscheinlich, dass bei einer Dienstverpflichtung, bei dem die Physis gerade wesentlich ist, dann auch überdurchschnittlich Männer Ziele von Bescheiden werden. Es wurde ja, z.B. in New York, auch über Quoten bei Feuerwehren gesprochen und da wendet sich "unser Lager" ja gerade mit dem Argument dagegen, dass es da auch um die Physis geht, also dass die Überzahl von Männern eben nicht durch Diskriminierung verursacht wird. Dann muss man sich aber auch konsequenterweise damit abfinden, dass — sofern der Staat das macht — bei einer gewissen Mindestanforderung an die Physis mehr Frauen "durchfallen" und als Folge mehr Männer verpflichtet werden. Dass es nur Männer sind, ist aber dann doch so auffällig, dass das jedenfalls nicht ungeprüft untergehen sollte.


Das Praktische an der großen und breit gestreuten Leserschaft von Genderama ist, dass man, sobald man etwas Fragwürdiges zu irgendeinem Thema veröffentlicht (und seien es Nischenthemen wie kürzlich Derrida und jetzt eben das Feuerwehrgesetz), sich sofort einer oder mehrere Leser melden, die sich darin auskennen und mit viel Sachkompetenz dazu beitragen können. Wie immer herzlichen Dank dafür!

Sonntag, November 10, 2019

Olaf Scholz (SPD) will reinen Männervereinen Steuervorteile entziehen – News vom 10. November 2019

1.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz will, dass reine Männer-Vereine nicht den Status einer gemeinnützigen Organisation und die damit verbundenen Vorteile genießen. "Wir ändern gerade das Gemeinnützigkeitsrecht", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag".

"Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, sind aus meiner Sicht nicht gemeinnützig. Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen.“ Es gebe "deutschlandweit Hunderte Vereine wie Schützengilden oder Sportclubs, die ausschließlich Männer zulassen", führte Scholz aus.


Hier geht es weiter. Dabei ist von reinen Frauenvereinen nicht die Rede. Der Bundesfinanzhof war hier vor zwei Jahren weniger sexistisch als der SPD-Minister:

Mit der Gemeinnützigkeit von Männer-Vereinen hatte sich zuvor schon der Bundesfinanzhof befasst. In einem Fall aus dem Jahr 2017 ging es um eine Freimaurerloge, die Frauen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen hatte. Damals wurde der Verein als "nicht gemeinnützig" eingestuft. (...) Schon in den Ausführungen zu dieser Entscheidung hieß es, die Argumentation könne sich auch auf andere Körperschaften wie etwa Gesangsvereine, Schützenbruderschaften, Studentenverbindungen oder auch Frauenchöre auswirken, falls diese "Männer oder Frauen ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließen".


Dass Scholz "Körperschaften, die Männer oder Frauen ausschließen" auf "Männervereine" reduziert passt leider nur allzu gut zur bisherigen Rhetorik der SPD, sobald es um das Geschlechterthema geht.



2. "Straftat Vergewaltigung Warum werden so wenige Täter verurteilt?" fragt das feministische Magazin, das die "Tagesschau" inzwischen zu werden droht. Die Autoren des Beitrags, Sebastian Kemnitzer und Lisabell Shewafera, beziehen sich ihrerseits auf die ARD-Sendung "Report München" des Bayrischen Rundfunks (BR) sowie den umstrittenen Kriminologen Christian Pfeiffer:

"Von Hundert Frauen, die vergewaltigt werden, erlebt nur etwa eine einzige eine Verurteilung", hat er herausgefunden. "Das liegt daran, dass 85 Prozent der Frauen keine Anzeige machen, und dann gibt es folglich auch keine Verurteilungen. Und von den 15 Prozent die übrig bleiben, werden letztendlich nur 7,5 Prozent der Täter verurteilt. Das ist indiskutabel."


Der Professor für Strafrecht Holm Putzke kommentiert den "Tagesschau"-Beitrag auf Facebook

Ich habe selten so einen dahingerotzten Schwachsinn gelesen. Das beginnt schon bei der Überschrift: "Warum werden so wenige Täter verurteilt?" Wenn jemand nicht verurteilt wird, ist seine Täterschaft in der Regel gerade nicht erwiesen. Und es geht munter weiter: "Der Schock ist oft groß für die Frauen: Verfahren eingestellt oder Freispruch für den Täter. Dabei haben sie den Mut gefunden und ihren Vergewaltiger angezeigt." Wenn ein Verfahren eingestellt oder der Angeklagte freigesprochen wird, dann wurde eben kein "Vergewaltiger" angezeigt, sondern allenfalls aus Ex-ant-Sicht ein mutmaßlicher, der ex post eben keiner war. Freisprüche liegen in der Regel auch nicht an "Aussage-gegen-Aussage"-Konstellationen, denn dies steht einem Schuldspruch keineswegs entgegen. Meist ist die Aussage der Anzeigeperson lückenhaft, widersprüchlich oder wird beim Kerngeschehen als unwahr entlarvt. Dann aber sollte ein Freispruch in einem Rechtsstaat geradezu selbstverständlich sein. Nicht aber für Sebastian Kemnitzer und Lisabell Shewafera vom Bayerischen Rundfunk. Was sie abgeliefert haben, ist unqualifizierter Gossenjournalismus. Der BR sollte Kemnitzer und Shewafera vor die Tür setzen.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin strikt dafür, Vergewaltiger zu verurteilen sowie tat- und schuldangemessen zu bestrafen. Ob jemand aber ein Vergewaltiger ist, weiß man nun einmal erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung. Bis dahin gilt jeder als unschuldig und nach einem Freispruch muss sich auch niemand als Täter bezeichnen lassen - schon gar nicht von zwei BR-Journalisten.


In einem Kommentar unter Putzkes Beitrag heißt es:

Dieser Artikel ist wirklich mit so vielen unsinnigen Aussagen gespickt, dass einem schlecht wird. Schade - aber zu erwarten - dass sich die übermäßig zitierte Allzweckwaffe Kriminologe "Pfeiffer" zu solchen Aussagen hinreißen lässt. Pfeiffer weiß ohnehin alles, dass Computerspiele kriminell machen, warum unser Schulsystem kriminell macht, wie Amokläufe verhindert werden, er ist Profiler, Bildungsexperte und überhaupt allwissend, schließlich hat er Niedersachsen mit Fördermitteln umfassend erforscht. Dass er sich aber nunmehr auch zu solch gefährlichen Aussagen hinreißen lässt, man müsse den vermuteten "80 Prozent der Frauen gerecht werden" die seinem Allwissen nach zu Recht eine Anzeige erstatten, ist eine Kapitualition vor jeglicher halbwegs differenzierten empirísch belegten Aussage. Und um es ebenso wie Holm klarzustellen, ich bin durchaus dafür, dass rechstkräftig verurteilte Vergewaltiger hart (bzw. sogar härter) bestraft werden als dies bisher der Fall ist, nur habe ich leider zwischenzeitlich bei der Begleitung von Strafverfahren auch erleben müssen, dass, ganz anders als in dem Arikel dargestellt, (...) der Vorwurf eines Sexualdelikts auch bei Richtern und Strafverfolgern zu einer Vorverurteilung führen kann, die mit rechtsstaatlicher Verfahrensführung nichts mehr zu tun hat. Artikel wie dieser oben befeuern diese gefährliche Tendenz.




3. In Klagenfurt wurde das Theaterstück "Wütende weiße Männer" uraufgeführt.



4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir als Reaktion auf diese Genderama-Meldung von gestern:

Das Thema "freiwillige Feuerwehr" finde ich interessant. Dass es tatsächlich möglich ist, zur "freiwillige Feuerwehr" zwangsverpflichtet zu werden, war mir nicht bekannt. Ich habe mal nachgeguckt. Dieser Dienst wird nicht vergütet. Lediglich Führungskräfte erhalten eine kleine pauschale Aufwandsentschädigung. Mit klein meine ich "10 Euro pro Einsatz". Man kann offenbar gleich zu 12 Jahren (!!!) zwangsverpflichtet werden. 12 Jahre lang entgeltlos und gegen den Willen verpflichtet. In einer Demokratie! Wow!

Dürfen auch Frauen in dieser Weise herangezogen werden? Wenn nein, warum nicht? Wäre das nicht DIE Gelegenheit für bessere Quoten in einem "männerdominierten Beruf" zu sorgen? Was ist mit freier Berufswahl? Was passiert, wenn man dieser Pflicht nicht nachkommt und einfach sein altes Leben weiterlebt? Womit können Staat und Verwaltung "drohen", wenn ein zwangsverpflichteter Feuerwehrmann nicht mitspielt? Entlassung und Lohnkürzung werden es wohl nicht sein. Was passiert wenn ich als Betroffener umziehen würde? Erlischt meine Pflicht oder muss ich an meinem Wohnort zur freiwilligen Feuerwehr? Darf ich dann noch umziehen? Ginge auswandern?

Was hält diese Städte und Gemeinden davon ab, eine Berufsfeuerwehr einzurichten? Warum zieht man (in diesem Beispiel) allem Anschein nur nach berufstätige Männer heran? Könnte man hier nicht ausgewählte, geeignete Hartz-IV-Empfänger (m/w) ansprechen und ihnen zusätzlich zum Hartz-IV einen Verdienst und eine ehrbare Aufgabe anbieten?

Mich ärgert das maßlos. Das ist ein schönes Beispiel dafür wie Staat und Verwaltung bei Bedarf beliebig auf das Leben und die Freiheit von Männern zugreift. Als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Und dieses Gebaren kommt in der feministischen Rhetorik nie vor und kam auch nie vor. Weder konnte ich jemals eine Forderung von Frauenquoten bei den kämpfenden Einheiten der Bundeswehr vernehmen, noch eine Würdigung oder Respektsbekundung ggü. den dienenden männlichen Soldaten. Respektsbekundung dafür, dass sie sich freiwillig für einen eher schlecht bezahlten und gefährlichen Job gemeldet haben.

Und warum eigentlich werden nur Männer herangezogen, die Grundwehrdienst geleistet haben? Ich hätte jetzt erwartet, dass gerade DIE NICHT herangezogen werden dürfen. Die haben doch bereits ihren Dienst geleistet!

Und das nächste Mal, wenn eine Feministinnen damit argumentiert, dass die geschlechtsbezogene Wehrgerechtigkeit ja mit dem Aussetzen der Wehrpflicht gegeben sei, werde ich auf diese und ähnliche Gesetze (hier: Brandschutzgesetz) verweisen, für die die prinzipielle Wehreignung offenbar Voraussetzung dafür ist, Männer zu diesen Diensten zu verpflichten. Diese "Nebeneffekte der Wehrpflicht" sind offensichtlich nämlich nicht ausgesetzt.

Samstag, November 09, 2019

Hier verdienen Frauen 124.000 Euro mehr als Männer – News vom 9. November 2019

1. "Die Welt" berichtet:

Laut einer aktuellen Erhebung des Beratungsunternehmens EY verdienten weibliche Vorstandsmitglieder bei einem Unternehmen des Aktienindex Dax im vergangenen Jahr im Durchschnitt 124.000 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen. So kam ein weibliches Dax-30-Vorstandsmitglied auf eine Gesamtvergütung in Höhe von 3,039 Millionen Euro, die Männer mussten sich im Durchschnitt mit 2,915 Millionen Euro zufrieden geben.

Von einer Diskriminierung der Frauen beim Gehalt kann auf den Chefetagen der größten Aktiengesellschaften des Landes also keine Rede sein – wenn schon, dann haben Männer Grund, sich zu beschweren. Zumal die Schere weiter auseinandergeht.

(...) "Der Gender-Pay-Gap in diesem Segment ist nachhaltig geschlossen", sagt EY-Vergütungsexperte Jens Massmann. Die unterschiedliche Entwicklung lässt sich ganz nach Wirtschaftslehrbuch mit dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage erklären. Weil Unternehmen verstärkt Frauen für das oberste Führungsgremium suchen, können diese die Preise bestimmen.


Wir lernen: Wenn Männer mehr verdienen als Frauen, ist das Diskriminierung. Wenn Fraen mehr verdienen als Männer, ist "der Gender-Pay-Gap geschlossen".



2.
Feuerwehrleute sind vielerorts Mangelware. So zum Beispiel auch im schleswig-holsteinischen Grömitz. Dort werden jetzt 14 Männer zum Lösch-Dienst verpflichtet. Ein Modell, das auch schon andere Gemeinden anwenden. Einige Betroffene sind nicht begeistert, doch rechtlich ist das völlig legitim.


N-tv berichtet unter der Schlagzeile "Männer müssen unfreiwillig zur Freiwilligen Feuerwehr".



3. Unter der Überschrift "Fürchtet euch, Männer!" fordert die "taz" eine Frauenquote im Journalismus. In der Kommentarspalte unter dem Artikel zeigt sich, dass selbst die "taz"-Leser diesen Quatsch nicht mehr ernst nehmen können.

Freitag, November 08, 2019

UNESCO-Direktorin will "Siri" und "Alexa" entgendern – News vom 8. November 2019

1. Saniye Gülser Corat, Direktorin für geschlechtliche Gleichstellung der Unesco, fordert eine Entgenderung der Sprachassistenten Siri und Alexa. Die bisherige Form propagiere Geschlechterklischees. Beispielsweise antworte die Künstliche Intelligenz Siri auf die Frage "Wie schwer bist du?" mit "So leicht wie eine Wolke", und würde so das körperliche Idealbild verbreiten, dass Frauen schlank zu sein haben.



2. Auf eine Initiative zweier SPD-Politikerinnen wurde die Steuer für Tampons und Damenbinden gesenkt, um eine vermeintliche Diskriminierung von Frauen zu beenden. Der Sozialwissenschaftler "Jonas" erläutert und kommentiert die Hintergründe auf Geschlechterallerlei.



3. Die Schauspielerin Emma Watson hat beschlossen, Single zu bleiben, bezeichnet sich als "selbst-verpartnert" und wird dafür gefeiert. Watson und andere prominente Frauen gelten inzwischen als Vorbilder eines "Single Positivity Movements", die Partnerschaft mutig neu definieren. Bleiben andere Frauen Single, wird in den Leitmedien so getan, als seien sie Opfer eines Mangels an zufriedenstellenden Männern.

Auffällig ist hier die unterschiedliche Behandlung je nach Geschlechtszugehörigkeit: Bleiben nämlich Männer partnerlos, werden sie von denselben Medien entweder als Frauenhasser karikiert (die sogenannten Men Going Their Own Way) oder als Loser: Die sogenannten "Incels" treffen sogar beide Herabsetzungen zugleich.

Warum unsere Medien auch bei diesem Thema sexistisch sind, erörtert der Youtube-Kanal ShortFatOtaku.



4. Der australische Sender ABC wird die Talkshow, in der sich Feministinnen in Gewaltphantasien und –forderungen hinein steigerten, einer Untersuchung unterziehen. Der Kommunikationsminister Australiens, Paul Fletcher, unterstützt diese Maßnahme.



5. "Toxische Weiblichkeit" sollte hier eigentlich nicht zum Dauerthema werden, aber die Nachrichtenlage ist nun mal so: Nach dem Überfall auf eine Immobilienmanagerin in Leipzig sucht die Polizei eine Frau in der militanten Linken. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir:

Seit Langem wissen Sachsens Extremismus-Fahnder, dass in Leipzigs militanter Linken immer mehr Frauen mitmischen. In einem den Behörden bekannten Kampfsportklub sollen sie eine eigene Trainingsgruppe haben.




6. Der Smoothie-Hersteller True Fruits, dem unter anderem Margarete Stokowski und Charlotte Roche (meines Erachtens zu Unrecht) Sexismus und Rassismus vorwerfen, wurde von der Digitalkonferenz OMX ausgeladen. Deren Organisator Oliver Hauser berichtet:

"In der vergangenen Woche mussten wir allerdings erleben, dass ein sachlicher und kritischer Austausch zu diesem polarisierenden Marketingthema einen für uns nicht akzeptablen Preis hat: Wir sehen uns mit Anfeindungen, Aufrufen zum Boykott unserer Veranstaltung bis hin zu Demonstrationen und Aktionismus konfrontiert, die den reibungslosen Ablauf unserer Konferenz und allem voran die Sicherheit unserer Gäste und Vortragenden gefährden."




7. Bevor wir zur Post kommen, möchte ich heute einen Beitrag aus den Kommentarspalten fischen. Nachdem Genderama gestern zwei Männerrechtler zu Wort hat kommen lassen, die mit dem Verlauf und der Öffentlichkeitsarbeit des letzten Genderkongresses in Nürnberg unzufrieden waren, möchte ich heute eine Erwiderung aus der Kommentarspalte von "Geschlechterallerlei" zitieren:

Für mich als Teilnehmer (...) sind Kritikpunkte, die aufgrund Unkenntnis entstehen, nicht nachvollziehbar und dadurch unfair dem Veranstalter gegenüber. Die Meistersingerhalle war trotz hoher Kosten, die die Zuwendungen der Teilnehmer nicht im Ansatz gedeckt hätten, gebucht. Jedoch wurde die Reservierung (vermutlich der gesellschaftspolitischen Ausrichtung der Chefin geschuldet), gecancelt. Bereits zu den beiden Kongressen zuvor schlug dem Interesse an gerechtem und fairen Austausch ein massiver Hass und intrigenhaftes Verhalten bis in höchste örtliche politische Ebenen hinein. Daher wurde er dieses mal nicht extern beworben, sondern nur in den Interessensvervänden. Fehlende Vortragende wurden krankheitsbedingt entschuldigt.

Die Gegendemo begann gegen 12 Uhr. Gegen 13 Uhr war die Lokation von Polizei umstellt, zwei Gruppen a 6 Einsatzkräften riegelten den Weg zwischen Bratwurst Röslein und Hauptmarkt ab. Das haben die Teilnehmer ebensowenig mitbekommen wie die Tatsache, dass der Wirt herbei eilte und sich aufgrund der Nazivorwürfe seitens der Demonstranten sowie in Angesicht des Polizeiaufgebotes überlegte, die Veranstaltung zubeenden, was die weit angereisten Teilnehmer sicher nicht gut gefunden hätten. Mich beeindruckt, dass der Veranstalter mit viel persönlichem Engagement trotz des massiven, ungerechtfertigten, feministischen Widerstandes und der hohen Kosten bereits zum dritten Mal solch erfolgreiche Veranstaltung mit hochqualifizierten Vortragenden und Teilnehmern durchgeführt hat. Euch allen gebührt mein Dank, um in der Gerechtigkeit voranzukommen.


Ein anderer Leser schreibt mir zu der Kritik an dem Kongress:

Ich habe das insgesamt etwas anders erlebt. Zunächst mal habe ich im Nachhinein gesehen, dass meine Einladung und Mitteilung der korrekten Adresse irgendwie in meinem Email-Programm verschollen gegangen ist. Dann wurden wir auf dem Weg zum richtigen Veranstaltungsort darüber aufgeklärt, dass es eine Facebook-Gruppe gegeben hat, bei der dazu aufgerufen wurde, die Veranstaltung zu verhindern – zur Not mit Gewalt. Später habe ich erfahren, dass auch die regionalen Frauenbeauftragten versucht hatten, den Kongress zu verhindern und somit Mitverantwortung dafür tragen, dass etwa 50 Gegner des offenen Diskurses auf dem Hauptmarkt ihre Plakate hochgehalten haben. Du kennst die Äußerungen dieser gewaltbereiten Meute und den Realitätsgehalt derartiger Drohungen, wie sich aus deinem Bericht von früheren Veranstaltungen dieser Art entnehmen lässt. Die Tatsache, dass diesmal nicht gestört wurde, liegt exakt an dem klugen Umgang der Veranstalter mit dieser Bedrohung. Die Radikalen wussten einfach nicht, wo wir waren Schon mal ein schöner Erfolg des Kongresses.

Richtig ist, dass leider nicht viel mehr als 50 Menschen im Raum waren. Richtig ist auch, dass keine Politiker Grußworte gehalten haben und am Ende die Filme nicht gezeigt wurden, was ich selbst auch schade fand. Dennoch waren viele interessante Vorträge dabei, über das komplette Spektrum der Themen der Männerbewegung.

Zur Pressemitteilung: Nun ja, es waren keine 300 Menschen da, und die Protestierer waren wahrscheinlich genauso rechtsradikal wie die Teilnehmer an der Veranstaltung. Die Pressemitteilung soll ein etwas misslungener Versuch von Satire sein.




8. Themawechsel. Ebenfalls aus den Kommentarspalten gefischt, diesmal von Lucas Schoppe, habe ich ein paar Worte Billy Coens zum "Joker"-Film. Coens Ansicht nach sind die Verrisse des Films in verschiedenen Leitmedien als "nichtssagend" und "langweilig"

Symptome der kognitiven Sackgasse, in die sich große Teile der Medienschaffenden, der Politik und der institutionell Privilegierten manövriert haben. Da scheint ein Film recht deutlich gesellschaftskritisch zu sein, äußert aber nicht die Gesellschaftskritik, wie man sie linksidentitär hören will, er prangert also nicht möglichst plakativ die Unterdrückung von Frauen, Nichtweißen, Transpersonen, etc. an, sondern erdreistet sich doch glatt, den Protagonisten weiß und männlich zu machen, und lässt ihn Dinge erleben, die ihm das Mitgefühl des Publikums zufließen lassen. Das geht ja mal gar nicht, eine vielfach privilegierte Person so rumopfern zu lassen. Dass viele der Probleme, die er hat, auch mit der gesellschaftlichen Schicht, der er angehört, zu tun haben, so etwas zu erkennen, sind, wie die vollkommen miserable "Kritik" der Frau Gaschke erkennen lässt, selbst Sozialdemokraten nicht mehr im Stande. Wer sich längst jegliche Empathie für Menschen nur aufgrund ihres männlichen Geschlechts und ihrer weißen Hautfarbe hat aberziehen lassen, der ist natürlich völlig gelangweilt von einer Geschichte, in der mal nicht die geliebten, plumpen, linksidentitär holzschnittartigen Opfernarrative rauf- und runtergebetet werden.

Darüber hinaus grenzt es für viele Medienschaffende wohl auch an eine narzisstische Kränkung, wenn sie sich in einer gesellschaftskritischen Geschichte, die unter anderem auch soziale Schichten thematisiert, logischerweise auf der Seite der Privilegierten, der Reichen und der Spötter wiederfinden, wo sie sich doch selbst so gerne als die großen, gerechten Streiter für die "Marginalisierten" sehen. Da wird ihnen in einem Film gezeigt, wie Lebenswirklichkeiten vieler Menschen, völlig unabhängig von deren Rasse, Geschlecht oder sexuellen Orientierung, aussehen und wie Vertreter der oberen Schichten, denen sie zugeordnet werden, nichts als bestenfalls Desinteresse wenn nicht gar einfach nur Verachtung übrig haben. Und wie reagieren sie auf solch einen Film? Mit Desinteresse oder gar Verachtung. Sie bestätigen also im Prinzip den Film in seiner Aussage während sie vorgeben, ihn zu kritisieren. Und um das zu tun, gibt es halt für viele nur noch einen Modus Operandi: Man konstruiert wild irgendwelchen angeblichen Rassismus, Sexismus, Xenophobie und was die Mottenkiste linksidentitärer Buzzwords noch so hergibt, welcher angeblich "IM SUBTEXT" des Filmes mitschwingen würde. Dabei versuchen sie damit nur das Unwohlsein zu rationalisieren, welches der Film bei ihnen auslöst, weil es ihnen selbst nicht mehr möglich ist, mit einem Charakter mitzufühlen, der weiß, männlich und heterosexuell ist. Sie projizieren also ihre eigenen Persönlichkeitsmängel hemmungslos diametral auf den Film. Ein Film, der die Geschichte eines "abgehängten", weißen Mannes erzählt, ist rassistisch gegen Schwarze, weil er diese, wie man sich dann wild zusammenkonstruiert, angeblich marginalisiert.

Donnerstag, November 07, 2019

CDU will nicht über Frauenquote abstimmen lassen – News vom 7. November 2019

1. Die CDU scheint zu wittern, dass der Widerstand gegen eine Frauenquote deutlich größer ist, als viele Feministinnen erhoffen, und möchte nicht mehr, wie ursprünglich geplant, auf ihrem nächsten Parteitag die Delegierten über die Einführung einer solchen Quote abstimmen lassen:

Die Antragskommission für den Parteitag plädiere dafür, den Antrag der Frauenunion auf Einführung einer verbindlichen Frauenquote in Parteigremien zunächst in eine Parteikommission zu überweisen, die sich mit der Neufassung der Parteisatzung beschäftigen soll, erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus CDU-Kreisen. Die Frauen-Union stimmte dem Vorgehen zu: "Das Ziel muss klar sein: Wir brauchen mehr Frauen in der CDU, in Ämtern und Mandaten", sagte deren Vorsitzende, Annette Widmann-Mauz dem RND. "Das muss die Kommission mit konkreten und verbindlichen Maßnahmen und Satzungsregelungen bis zum nächsten Parteitag leisten. Das ist für uns die Nagelprobe."

Der Frauenunions-Antrag, der außerdem die Einführung eines sogenannten Reißverschlussverfahrens bei der Aufstellung von Wahllisten vorsieht, gilt in der CDU als hochumstritten. Seine Annahme gilt als äußerst unsicher. Bei der CSU war eine auch von Parteichef Markus Söder befürwortete deutliche Verschärfung der Frauenquote auf einem Parteitag Mitte Oktober gescheitert.




2. Auch Ursula von der Leyen hat Probleme, in der EU-Kommission eine 50:50-Frauenquote durchzusetzen.



3. Was braucht es, damit Väter eine gute Beziehung zu ­ihren Kindern aufbauen können? Neue Mütter sagt die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm im Gespräch mit der Schweizer Illustrierten und erklärt, was das konkret heisst und wie es sich umsetzen lässt.



4.
Neue Forschungen, die in dem Fachjournal "Addictive Behavior Reports" veröffentlicht wurden, werfen ein neues Licht auf den Perfektionismus und wie Elternschaft zum Risiko für alkoholbedingte Probleme beiträgt. Die Studie ergab, dass autoritäre Erziehung durch Mütter - aber nicht durch Väter - mit negativen Aspekten des Perfektionismus verbunden ist, die indirekt den Alkoholkonsum beeinflussen können.


Hier erfährt man mehr.



5. Fast schon wieder lustig – "Die Zeit" ist immer noch mit Lobpreisungen auf Ministerin Giffey beschäftigt:

Franziska Giffey, die Frau, die fast schon Geschichte war, ist jetzt die Zukunft der SPD, ihr Heilsversprechen. (...) Wenn Giffey antrete (...) sei es egal, wer ihr Mitläufer sei. Sie werde gewinnen. Und in der Tat: Giffey besitzt, was allen anderen (...) fehlt: Ausstrahlung, Herzenswärme und, aus ihrer Zeit in Neukölln, reichlich Nahkampferfahrung im Umgang mit der eigenen Kernklientel. Wer sie bei ihren Touren durch das Land begleitet, kann das beobachten: Egal, wo Giffey hinkommt, egal, mit wem sie sich an den Tisch setzt – innerhalb von zehn Sekunden hat sie ein Gespräch am Wickel, bei dem sich alle wohlfühlen.


Halleluja. Gut, dass unsere Qualitätsjournalisten die kritische Distanz zu den Regierenden, über die sie berichten, niemals verlieren.



6. Lucas Schoppe legt eine gelungene Rezension des Kinoerfolgs "Joker" vor.



7. Ich lese gerade mit großem Gewinn Peter Boghossians und James Lindsays im September erschienenen Ratgeber "How to Have Impossible Conservations". Das Buch erklärt, wie man sich am besten mit Leuten unterhält, die politisch völlig konträre Auffassngen haben, und wie man diesen Menschen die eigene Sichtweise am besten vermitteln kann. Da ich vom AfD-Wähler über den Weltuntergangs-Öko bis zur Radikalfeministin immer wieder mit solchen Menschen zu tun habe, ist deses Buch überaus hilfreich. In der Geschlechterdebatte wurden Boghossian und Lindsay besonders bekannt durch die Verlade, mit der sie Zeitschriften der Gender- und anderer "Klagestudien" ("Grievance-Studies") vorführten, indem sie ihnen Artikel mit absurden und oft menschenfeindlichen Inhalten andrehten, woraufhin diese Beiträge von "Gender-Wissenschaftlern" gepriesen und veröffentlicht wurden. Jetzt berichtet Peter Boghossian im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), welche Folgen diese Aktion hatte. Ein Auszug:

NZZ: Herr Boghossian, Sie sind Philosoph. In den letzten Jahren sind öffentliche Debatten immer mehr von identitätspolitischen Belangen überlagert worden: Wer etwas sagt, ist wichtiger als das, was jemand sagt. Triviale Informationen zu Geschlecht, Herkunft, Nationalität oder Religion werden wie ein Gütesiegel gehandelt. Auch in Ihrem Fach hat dieser Trend Einzug gehalten. Wann wurde das Unbehagen so gross, dass Sie sich entschieden, etwas dagegen zu unternehmen?

Peter Boghossian: Das war im Jahre 2014. Es ist nichts Neues, wenn ich Ihnen sage: Menschen blicken für gewöhnlich durch ihre epistemische Landschaft, um die Urteile, die sie ohnehin schon haben, zu rechtfertigen. Die entsprechende Einsicht des Wissenschaftsjournalisten und Skeptikers Michael Shermer lautet: Je schlauer du bist, desto besser bist du auch im Rationalisieren einer schlechten Idee. Die klügsten Leute rationalisieren die Dogmen der gerade herrschende Orthodoxie, in diesem Fall Vorstellungen von Rasse und Gender. Das passiert nun eben längst auch in philosophischen Seminaren, die zu Sprachrohren für diese Trends geworden sind.

(...) NZZ: Das klingt beinahe so, als sähen Sie die Geisteswissenschaften ideologisch belagert.

Peter Boghossian: Das sind sie, ganz offiziell. Die neue Orthodoxie ist heute an amerikanischen Unis wirklich genau das: eine Orthodoxie, auch wenn sie wissenschaftlicher Evidenz entbehrt. Aber Letztere ist auch gar nicht nötig. Denn wer diese Orthodoxie nicht teilt, gilt als Häretiker. Die Deutungshoheit liegt vor allem bei jüngeren Fächern, die den Zusatz "studies" führen. Sie verfügen an den Universitäten über den nötigen organisatorischen und institutionellen Rückhalt. (...) Da wir aus der Bewegung der neuen Atheisten gekommen waren, begriffen wir: So wie Christen die Bibel und Muslime den Koran haben, so haben eben Anhänger der Gender-Studies ihr eigenes Glaubensbekenntnis. Wir wollten also deren Wissensbasis delegitimieren und zeigen: "Seht: Das ist nicht, was ihr meint, das es ist." (...) Dann hat uns das "Wall Street Journal" auffliegen lassen. Es sah, was die Redaktionen jener Journale nicht sehen konnten – dass dieses Gedankengut schlichtweg Blödsinn war.

(...) NZZ: Haben Sie auch positive Rückmeldung von den kritisierten Kollegen erhalten?

Peter Boghossian: Nein. Kein einziger ist vorgetreten, um zu sagen: "2017 habt ihr versagt, ich habe euch gesagt, was ihr tun müsst – und das habt ihr getan. Tut mir leid, ich war im Unrecht, und ihr seid im Recht, ich hab’s nun begriffen, danke." Vielmehr ignorieren mich meine Fachkollegen genauso wie die Vertreter der Grievance-Studies-Disziplinen. Ich spräche sehr gern mit ihnen darüber, sie wollen diese Unterredung oder Debatte aber nicht. Wir haben sie oft zu öffentlichen Diskussionen eingeladen. Ein neueres Beispiel: Wir haben an der Portland State University eine Veranstaltung mit James Damore organisiert, dem Google-Ingenieur, der das "Google Memo" programmiert hatte, und dafür das Women’s Studies Department eingeladen – niemand kam.


Auch hierzulande trifft man in den seltensten Fällen eine Feministin auf männerpolitischen Diskussionsveranstaltungen beispielsweise über die "Jungenkrise". Und was Männerrechtler zu hören bekommen, gleicht dem, was Boghossian im folgenden schildert:

NZZ: Sie wurden für Ihre Aktionen auch harsch kritisiert. Wie gingen und gehen Sie damit um?

Peter Boghossian: Kritik ist das falsche Wort. Angriffe auf die Reputation, personalisierte Hetze, Rufmord, Beschuldigungen wie die, wir seien alle "weiss", wir seien "Nazis" – wir bekamen die ganze Palette ab. Wahnsinn. Und absolut unzutreffend.

NZZ: Sie klingen besorgt.

Peter Boghossian: Ich bin besorgt, sehr sogar. Denn die Personen, die weiter daran arbeiten, diese antiliberalen, antiaufklärerischen Werte zu etablieren, diese zu institutionalisieren und damit Inklusions-, Diversity- und Equity-Büros mit heterodoxen Ansichten gegen Fakultätsangehörige zu bewaffnen – diese Leute denken, dass alles wunderbar nach Plan läuft! Die ganze Universität ist eine ideologische Mühle, in der Studierende mit diesen Glaubenssätzen indoktriniert werden, während zugleich immer mehr konservative Stimmen ausgesondert werden. Als sie die Konservativen holten, habe ich nichts gesagt. Als sie die Moderaten holten, habe ich nichts gesagt. Und als sie dann die Linksliberalen holten, bemerkte ich, dass ich ein Problem habe.

NZZ: Was macht man mit einem Universitätssystem, das aufgrund stark ansteigender Irrationalität sein eigenes Fundament unterminiert – nämlich den freien Austausch von Gedanken und Ideen und die freie Forschung?

Peter Boghossian: Vielleicht wird es irgendwann eine Alternative zum Universitätssystem geben – ich weiss es nicht. Für Deutschland oder Europa kann ich nicht sprechen, aber die Konservativen hier vertrauen dem Universitätssystem nicht mehr. Und das ist verkehrt und muss von uns geändert werden. Konservative Stimmen müssen in die Akademie zurückkehren. Weltanschauliche Vielfalt muss als Primärwert gesetzt werden. Wir können nicht zulassen, dass der Mangel an öffentlichem Vertrauen unsere Institutionen erodieren lässt.


Das sind alles gute Gründe auch für Linksliberale wie mich, konservative Stimmen an den Universitäten zu erhalten.

NZZ: Die irrationale Komponente dieser Postulate scheint evident. Wäre "Obsession" womöglich die angemessene Bezeichnung für das Verhalten mancher Grievance-Studies-Anhänger?

Peter Boghossian: Wer nicht mehrfach benachteiligt ist, hat kein Recht zu sprechen, und Diskriminierung verleiht einem in diesen Kreisen einen eigenen Status. Fragt man die Anhänger der Intersektionalität, auf welchen rationalen Argumenten ihre Autorität gründe, sind sie wegen der Frage beleidigt und weisen auf Identitätsmarker hin: "Du bist ein weisser Mann, natürlich fragst du mich das. Aber du hast kein Recht dazu." Das ist eine Form von Verlogenheit und entspricht der Art, wie Fundamentalisten reagieren würden – also jene Leute, deren kognitiver Apparat von einer Idee überschrieben worden ist, die keine Reflexion mehr duldet. Das moralische Denken hat das rationale abgelöst.

(...) NZZ: In Ihrem neuen Buch "How to Have Impossible Conversations" gehen Sie mit James Lindsay der Möglichkeit nach, eingefahrenes Denken mit den Mitteln der Konversation zu verändern. Es ist ein origineller Versuch, dogmatische Prämissen aufzulösen. Gleichwohl scheint mir, es sei pessimistisch grundiert – Sie machen beispielsweise keine Vorschläge für akademische Reformen.

Peter Boghossian: Sie haben Recht. Nach einer Untersuchung gemäss Title IX – einem amerikanischen Antidiskriminierungsgesetz – beschloss meine Universität, dass ich meine Meinung bezüglich sogenannter geschützter Gruppen nicht kundtun dürfe. Ich bin also mit institutionellen Restriktionen konfrontiert, was ich sagen kann und was nicht.

NZZ: Was ist Ihre Prognose für die weitere Entwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften in den USA?

Peter Boghossian: Ich bin pessimistisch. Ich bin nur in dem Sinne optimistisch, als ich glaube, dass sich diese Ideologie irgendwann selbst auffressen wird. Dann dürften alle behaupten: "Ich war’s nicht! Ich war daran nicht beteiligt!" Aber das wird noch dauern. Das Problem mit den Universitäten ist, dass es bösartige Ideologen auf unkündbaren Stellen gibt. Das ist eine der Weichen, die diese Weltanschauung stützt. Diese Leute unterrichten Ideen, die spalten.

NZZ: Wenn es um reale Probleme geht, ist dieses Milieu auffallend still – siehe das Schweigen zu Greueltaten und Menschenrechtsverletzungen, insbesondere im Nahen Osten.

Peter Boghossian: Erinnern Sie sich, wie der IS jesidische Frauen wortwörtlich versklavt hat? Es gab einen wirklichen Sklavenmarkt für sie – wir wissen das aus erster Hand von Zeuginnen, die überlebt haben, und von Videos, die herausgeschmuggelt wurden. Haben Sie irgendwelche Campus-Demonstrationen dagegen gesehen?

NZZ: Auch von Judith Butler, der Vordenkerin der "Zwangsheterosexualität" und des "gefährdeten Lebens", war nichts zu vernehmen.

Peter Boghossian: Und diese Leute sagen, sie seien Aktivisten! Dies ist ein ungeheuerliches moralisches Versagen. Wir sind mit realer, tatsächlicher Sklaverei konfrontiert – und im Gender-Studies-Lager und unter dessen Aktivistinnen herrscht Grabesstille.


So wie im Gender-Studies-Lager auch Grabesstille bei massiven Menschenrechtsverletzungen mit männlichen Opfern herrscht.



8. Wozu es führt wenn abweichende Stimmen aus einer Debatte verbannt werden, zeigt gerade der australische Sender Sky News. Er problematisiert eine vom australischen Sender ABC ausgestrahlte Talkshow, bei der die Diskussionsteilnehmer ausschließlich Feministinnen waren. Vier dieser Feministinnen steigerten sich so sehr in ihre Weltsicht hinein, dass sie im Laufe der Sendung die Anwendung von Gewalt propagierten, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Von der Leiterin der Diskussion gab es kein Wort der Kritik.

Ich war selbst ein bisschen sprachlos, als ich den Ausschnitt gesehen habe. Dass sich eine rein feministisch besetzte Talkrunde derart in "toxische Weiblichkeit" hineinsteigert, habe ich nicht einmal bei Anne Will erlebt.

Besonders problematisch ist, dass es sich bei ABC ähnlich wie bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland um einen Staatssender handelt, der gesetzlich verpflichtet ist, sämtliche Lager der Bevölkerung zu Wort kommen zu lassen und nicht nur eine. Aber wir wissen ja alle, wie die Situation in Wirklichkeit aussieht.

Auch Zeitungen wie der feministische Guardian und die konservative Daily Mail berichten über die Forderungen nach Gewalt. (Der bürgerlich-liberale Spectator verzweifelte nicht an den Gewaltphantasien, sondern an dem identitätspolitischen Diskussionsniveau des Talks.) Gegen die Moderatorin der Sendung gab es inzwischen auch Rücktrittsforderungen.

Ironischerweise hätte man das Entgleisen der Sendung vermutlich unterbinden können, wenn man das beherzigt hätte, was Feministinnen sonst gerne als Schlagwort im Munde führen: Diversity. Wenn beispielsweise ein oder zwei Männerrechtler in der Talkrunde gesessen hätten, hätten diese einen mäßigenden Einfluss ausüben können, statt dass sich die Teilnehmerinnen dermaßen gegenseitig aufschaukelten. So wie der Talk stattdessen stattfand, wurde dem Fernsehzuschauer lediglich ein Einblick präsentiert, wie es offenbar aussieht, wenn Feministinnen beim Gespräch unter sich sind.

Eine mäßigende Wirkung auf diese Feministinnen hätte es womöglich auch gehabt, wenn im Genderlager über männliche Opfer und weibliche Täter stärker wahrgenommen würden. Die einseitige Behandlung des Themas Gewalt führt offenbar dazu, dass sich manche Frauen als hilflose Opfer eines Tätergeschlechts fühlen und zu dem Schluss gelangen, dass gewaltsame "Gegenwehr" notwendig wäre. Die aktuell ausgestrahlten Gewaltphantasien sind dabei nur der vorläufige Endpunkt einer Gesprächskultur, aus der maskulistische Stimmen eliminiert worden sind.



9. Die Post. Einer meiner Leser ist nach den bisherigen Erfahrungen, die Deutschlands Männer mit Frauenministerin Giffey gemacht haben, skeptisch, ob ich ihr in meinem Genderama-Beitrag über einen progressiveren Ansatz des Bundesforums Männer als bisher nicht unverdiente Vorschusslorbeeren habe zukommen lassen. Statt selbst etwas dazu zu schreiben, verweist mein Leser auf eine vor kurzem veröffentlichte Pressemitteilung der "IG Jungen, Männer, Väter", in der es heißt:

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (Selbstbezeichnung) feiert den Start ihres Investitionsprogramms mit der Bewilligung von 120 Millionen € für den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern für 4 Jahre. Männerverbände kritisieren den einseitigen Fokus auf das weibliche Geschlecht und fordern eine Öffnung des Blickes auf weibliche und männliche Opfer, da jede Form von Gewalt gegen Frauen, Männer und Kinder inakzeptabel sei.

Die in der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) zusammengeschlossenen Verbände nehmen Ministerin Giffeys Ziel zur Kenntnis, "Hilfseinrichtungen besser zugänglich zu machen, insbesondere für Zielgruppen, die es bislang schwer haben, Schutz und Hilfe zu bekommen" und fragen nach den Angeboten des Ministeriums für männliche Opfer von häuslicher Gewalt.

Häusliche Gewalt kenne keine Geschlechtergrenzen, so die IG-JMV. In den nordischen Ländern existieren seit Jahrzehnten Angebote für betroffene Frauen und Männer. Die Unterscheidung nach Geschlecht, wie im SPD-geführten Ministerium praktiziert, bewirkt in diesen Ländern Kopfschütteln ob der verkürzten und einseitigen Sichtweise in Deutschland.

Aus diesen Gründen kritisiert Gerd Riedmeier, Sprecher der IG-JMV: "Die von Frau Giffey zu verantwortende einseitige Kampagne forciert in schädlicher Weise die bereits bestehende Polarisierung zwischen den Geschlechtern." Gewalt von Frauen gegen Männer (und Kinder) werde bagatellisiert, im umgekehrten Falle stark emotionalisiert. Für Männer als Opfer gebe es aus ihrem Haus weder Empathie noch Hilfen.


Mein Leser fragt nun sinngemäß: Gibt es tatsächlich realistische Aussichten, dass sich ausgerechnet Giffey mit ihrem bisherigen Werdegang um 180 Grad dreht und einen vergleichbaren Gewaltschutz für männliche Opfer wie für Frauen in die Wege leitet? Oder wird es nicht viel wahrscheinlicher bei ein paar netten Worten für männliche Opfer bleiben?

Ob es im Bundesforum Männer tatsächlich einen Aufbruch zu einem stärkeren Einsatz für Männeranliegen und freundlicheren Dialog mit der Basis gibt oder ob ich in meinem Gemderama-Beitrag zu optimistisch war, ist seit gestern auch Diskussionsthema bei Christian Schmidt.



10. Mehr Post. Ein weiterer Leser schreibt mir zu meinem Verriss des FAZ-Interviews mit Christian Pfeiffer:

Als jemand, der zu der Generation gehört, die mit Computerspielen aufgewachsen ist, kann ich sagen: Für meine Generation ist der Ruf vom Kriminologen Christian Pfeiffer "als sachkundiger und unvoreingenommener Forscher" schon längst stark beschädigt. Als in Deutschland die Killerspiel-Debatte tobte, gehörte er nämlich zu den eifrigsten Verfechtern einer angeblichen Kausalität zwischen dem Konsum diverser Computerspiele und dem Ausüben von Amokläufen. Damals wurde ihm auch schon vorgeworfen, dass seine Sicht der Dinge oberflächlich ist und er auch entsprechend argumentieren würde. (Die Forschung ist sich heute auch einig, dass die damalige Debatte deutlich übertrieben war).

Da Pfeiffer von seiner damaligen Position nach wie vor nicht vollständig abgerückt ist (etwas gemildert hat er sie), warte ich eigentlich nur darauf, dass er diese beiden Themen verknüpft.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf aufmerksam machen, dass mir die Entwicklung der Gamerszene Sorgen bereitet. Bei solchen Themen wie Sexismus, politischer Korrektheit etc. ist mir nämlich eines aufgefallen: Auch wenn eine Seite bei solchen Debatten sicherlich oft überrepräsentiert ist, gibt es letztlich in Medien und Politik immer jemanden, der dazu kontra bezieht. Einzige Ausnahme: Der Bereich Gaming. Dort taucht in medialen Diskursen ausschließlich die Seite auf, die in Computerspielen ständig Sexismus erkennt und in darauf kritischen Reaktionen aus der Gamerszene ebenfalls (und in Letzterem ausschließlich). Ich mache mir Sorgen, was das für Entwicklungen auslösen wird. Die Gamerszene wird dadurch zu einem politisch isolierten Klientel und genau dadurch besonders anfällig für Radikalisierungen. Und diejenigen, die jetzt ständig auf die Gamerszene einprügeln, werden darin wahrscheinlich nur die Bestätigung ihrer Thesen erkennen und nicht etwas, das sie selbst provoziert haben.


Ja. Wenn sich die Männerszene als Folge des ständigen Bashings und der Ausgrenzungen radikalisiert hätte, wäre vermutlich dasselbe passiert, und diejenigen, die diesen Prozess angeschoben hätten, hätten getönt: "Seht ihr, wir hatten Recht." Glücklicherweise kam es nicht dazu.



11. Noch mehr Post. Schließlich schreibt mir ein Leser zu dem auf Genderama verlinkten Bericht der Veranstalter des Genderkongresses sowie dem kritischen Fazit der Väterbewegung Köln, wie er den Kongress erlebt hat:

Ich habe etwas überlegt, ob ich etwas zum Genderkongress schreiben soll, dann aber eigentlich entschieden, es bei der schlechten Erfahrung vom Wochenende zu lassen, weil die grundsätzliche Idee eines Genderkongresses in dieser Form ja zu begrüßen ist. Als ich aber die kritische Einordnung aus Köln las und dass keine der Filme ausgestrahlt wurde (ich war zu diesem Zeitpunkt längst gegangen), habe ich meine Meinung geändert. Hier also meine Erfahrung zum Genderkongress.

Es begann leider schon frustrierend. Ein Rahmenprogramm war groß auf der Website angekündigt, Treffpunkt Freitag 17 Uhr am Laufer Tor. Leider war dort niemand, meine Email an Rainer Winter bezüglich dessen blieb bis heute unbeantwortet. Dieser hatte nach meiner Anmeldung kurz angefragt, ob ich Mitglied in einem Väterverein bin. Also einen Tag zu früh angereist für nichts, naja schön. Am Samstagmorgen mussten wir dann feststellen (neben mir noch zwei weitere Leute), dass die angegebene Adresse online nicht stimmt. Kurz vor 11 kam dann aber ein Mensch, der uns den tatsächlichen Veranstaltungsort mitteilte. Dies ist natürlich ob möglicher Proteste zumindest teilweise verständlich, wobei man an zahlende Mitglieder natürlich schon den richtigen Veranstaltungsort kommunizieren könnte, oder im Vorfeld dies auf irgendeine Art prüft. Bei Ankunft wurde dann nach Eintrittskarte gefragt, die ich persönlich nie erhalten hatte. Nach etwa zehn Minuten kam dann erneut eine Person auf mich zu und fragte, ob ich überhaupt bezahlt hätte. Organisationstechnisch ziemlich chaotisch. Der Veranstaltungsort war ebenfalls viel zu klein, selbst für die 50 Leute die tatsächlich da waren (mehr zu den Falschbehautpungen in der Zusammenfassung des Genderkongress später).

Die Präsentationen selbst und das breite Spektrum an Themen war schön, allerdings auch hier war organisatorisch eigentlich nichts klar. Das Programm, das online stand, wurde komplett umgearbeitet, und man wusste nicht, was eigentlich als nächstes kommt. Pausen gab es keine, das Programm wurde durchgepeitscht und gleichzeitig überhaupt nie wirklich auf die Zeit geachtet. Das hat dann dazu geführt, dass es komplett unterschiedliche Vortragslängen gab und Diskussionen eigentlich auch immer spotan entstanden (eigentlich ja gut), und diese dann willkürlich aufgrund von Zeitknappheit unterbrochen wurden.

Was aber wirklich überhaupt nicht angeht, ist die Pressemitteilung, die von Unwahrheiten nur so strotzt. 300 Gäste? Nein, ungefähr 50. Politische Vertreter? Keine. Von einem Protest habe ich persönlich nichts mitbekommen, die Details in der Pressemitteilung sind also mindestens übertrieben. Im Gegenteil, es ging sogar ein Flyer rum, in dem die Protestierenden darum baten, diesen durch die Veranstaltung gehen zu lassen. Vielleicht habe ich den Protest verpasst, aber gestört wurde die Veranstaltung nicht. Warum man Bilder von vergangenen Veranstaltungen verwendet, verstehe ich persönlich auch nicht. Veranstalter, die es für nötig erachten, die Wahrheit so zu verdrehen, mit denen möchte ich persönlich nichts zu tun haben. In der Pressemitteilung sind viele weitere Fehler (die Anarchistische Gruppe Nürnberg ist sicherlich nicht rechts), aber ehrlich gesagt habe ich gar keine Lust, das alles im Detail auseinanderzunehemen.

Als der wohl einzige Millenial in der Runde (vielleicht habe ich irgendwo einen weiteren jungen Menschen übersehen), muss ich sagen, dass das alles wirklich schockierend auf mich wirkt. Denn die Themen, die angesprochen wurden, sind ja alle berechtigte Themen, die in den Mainstream-Medien einfach nicht vorkommen. So ist es dann nicht wirklich überraschend, dass eine Veranstaltung mit einer derartigen Organisation insgesamt auf mich wirkte, als wäre sie eigentlich schon tot. Keine wirkliche Energie, dahinplätschernde Powerpoint-Präsentation, und nichts so wie angekündigt (Workshops konnten auch nicht stattfinden, da stimmt die Kölner Mini-Zusammenfassung ebenfalls).

Fazit: In dieser Form ist die Veranstaltung hoffnungslos verloren und passt mehr in der 1990er-Jahre.


Einen ausführlichen Bericht vom Genderkongress, hat der Männerrechtler, Soziologe und Wissenschaftsautor Ingbert Jüdt unter seinem Online-Pseudonym "djadmoros" gestern Abend auf Geschlechterallerlei veröffentlicht. Djadmoros ist über die Öffentlichkeitsarbeit nach dem Kongress ebenfalls verärgert:

Wäre die Veranstaltung als szene-internes Networking- und Strategietreffen konzipiert gewesen, hätte ich sie angesichts der qualitativ anspruchsvollen Vorträge klar als Erfolg bewertet. Aber der Anspruch des Kongresses war ganz offensichtlich ein anderer. Mit anderen Worten – und hier greife ich jetzt bewusst selbst in die Kiste der Polemik – die Pressemitteilung macht unkenntlich, dass die Veranstaltung von einem messehallefüllenden, gut besuchten Kongress zu einem Hinterzimmertreffen in einer Würstl-Wirtschaft zusammengeschrumpft ist! Das ist nicht nur das Gegenteil von (selbst)kritischer Nachlese, das hat einen Geschmack von Vertuschung! Dazu passt auch, dass per Überschrift und Überdramatisierung das Hauptaugenmerk auf die Gegendemonstration gerichtet wird.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Veranstalter auf diese Weise – so hat es wenigstens den Anschein – der berechtigten und in meinen Augen auch gar nicht ehrenrührigen Frage aus dem Weg gehen wollen, ob sich das Format des Gender-Kongresses als Versuch, die Männerrechtsszene und den gesellschaftlichen Mainstream zusammenzuführen, nicht womöglich erschöpft hat – aus welchen noch ausfindig zu machenden Gründen auch immer!

Zu meiner Motivation, feministische Ideologie zu kritisieren, gehört die Überzeugung, dass vom Feminismus zu lernen bedeutet, zu lernen, sich täglich in die Tasche zu lügen und wie in einer totalitären Kultur eine unaufrichtige und von Verleugnung geprägte Einstellung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit einzuüben. Darum ist es für mich unerträglich, wenn mir jetzt von männerrechtlicher Seite dasselbe zugemutet wird.


Eine Angabe in Djadmoros Beitrag kann ich präzisieren: Ich selbst hatte meine Teilnahme an diesem Genderkongress am 3. September per Mail abgesagt.

Unter Djadmoros Beitrag kann darüber diskutiert werden.

Dienstag, November 05, 2019

Bundesforum Männer schwenkt auf Maskulisten-Kurs – News vom 5. November 2019

1. Seit über zwanzig Jahre berichte ich in mittlerweile zahllosen maskulistischen Büchern, Artikeln und Blogbeiträgen, dass auch Männer weit häufiger als allgemein geglaubt Opfer häuslicher Gewalt werden und dass auch diese Opfer Hilfe benötigen. Vom staatlichen Bundesforum Männer habe ich dabei bislang nie Unterstützung, sondern allenfalls mal einen Tritt gegens Schienbein erhalten. Jetzt aber überraschen mehrere Wortmeldungen des Bundesforums in den sozialen Medien. So teilt das Bundesforum auf Facebook folgendes Statement von Frauenministerin Giffey:

Heute habe ich den neuen Vorstandsvorsitzenden des Bundesforums Männer, Thomas Altgeld, gemeinsam mit meiner Chefin der Abteilung Gleichstellung Daniela Behrens getroffen. Wir haben unter anderem über die Themen Vereinbarkeit, Partnerschaft und Gewalt gesprochen. Unter http://www.xn--mnnerberatungsnetz-ltb.de/ zeigt das Bundesforum, wo in Deutschland speziell Jungen, Männer und Väter Beratung, Unterstützung und Hilfen bekommen können. Mein Ziel ist es, Jungen, Männern und Vätern eine Stimme in der Gleichstellungspolitik zu geben. Insbesondere beim Thema Gewalt sollen die Unterstützungsangebote für Männer gestärkt werden. Daher plant mein Ministerium, Weiterbildungsangebote für männerfokussierte Beraterinnen und Berater auszubauen und eine Vernetzungsstelle zum Thema Männergewaltschutz zu starten.


Wow. Hat es tatsächlich nicht mehr als einen neuen Vorsitzenden des Bundesforums und einen Absturz der SPD auf um die zehn Prozent gebraucht, damit Giffey merkt, dass man auch für die männliche Hälfte der Bevölkerung mal etwas tun könnte?

Der ehemalige Vorsitzende des Bundesforums, Martin Roswski, war für viele Männer eher problematisch, wie etwa in diesem Interview mit Gerd Riedmeier deutlich wird. Rosowski ging so weit, nicht mit den Vereinen und NGOs der Basis wie MANNdat und Agens einen Schulterschluss zu suchen, sondern lieber mit der Radikalfeministin Alice Schwarzer, in deren Magazin "Emma". er gegen Gruppen wie MANNdat ätzte. Einer der im deutschsprachigen Raum führenden Männerexperten, Professor Walter Hollstein, sprach wegen solcher Positionierungen in einem Genderama-Gastbeitrag von einer "Mogelpackung Männerpolitik". Selbst der "Spiegel" hatte sich zu Rosowskis Führung des Bundesforums mit den Worten geäußert: "Wenn das die Männerlobby ist, dann können auch weiterhin gleich die Frauen Männerpolitik machen. Oder man lässt die Männerpolitik am besten ganz bleiben."

Es wäre insofern nicht nur erfreulich, sondern lange überfällig, wenn die Aktivitäten, die ich derzeit beim Bundesforum wahrnehme, keine Eintagsfliegen bleiben und der neue Vorsitzende Thomas Altgeld statt auf Denunziationen der Männerbasis auf ein freundschaftlicheres Miteinander setzt.

In die richtige Richtung scheint es derzeit ja immerhin zu gehen: Wie Altgeld dieser Tage auf Twitter mitteilte, soll es beispielsweise endlich eine repräsentative Studie über die Gewaltbetroffenheit von Männern geben. In den Jahren 2004/2005 hatte das Bundesfrauenministerium schon einmal eine solche Studie erstellt, die wenig überraschend ergab, dass Männer ähnlich häufig wie Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden. Das Ministerium rettete seine einseitige Fürsorge allein für weibliche Opfer mit der Argumentation, man habe für die Männerstudie ja viel weniger Männer befragt als Frauen für die Frauenstudie, weshalb die Männerstudie nicht repräsentativ sei und es keinen Handlungsbedarf gebe: So wurde mit den Ergebnissen der Frauenstudie auch in den Leitmedien viel Aufmerksamkeit für weibliche Opfer geschaffen und Millionen an staatlichen Hilfsgeldern aufgetan, während die männlichen Gewaltopfer weiterhin leer ausgingen. Eine repräsentative Studie könnte dazu beitragen, diesen Sexismus zu beenden.

Dabei bleibt häusliche Gewalt nicht das einzige Problemfeld, das vom Bundesforum inzwischen angegangen wird. So kündigt das Bundesforum in Zusammenarbeit mit Dr. Matthias Stiehler, den ich sehr schätze (Stiehler ist Vorstand der Stiftung Männergesundheit), eine Kampagne zum Tag der ungleichen Lebenserwartung an. Deren griffiger Slogan lautet: "Am 10. Dezember stirbt die Hälfte unserer Bevölkerung!"

Auch hiermit hat das Bundesforum eine Idee der Männerrechtsbewegung übernommen. Auf den "Equal Death Day" etwa wies MANNdat bereits im November 2016 hin. Hier ist mir fast schon ein bisschen egal, dass das Bundesforum bei uns abgekupfert hat, ohne uns als Vorreiter angemessen zu würdigen: Am wichtigsten erscheint mir, dass es bei solchen Fragen überhaupt endlich in die Puschen kommt. (Mehr zum "Tag der ungleichen Lebenserwartung" erfährt man hier.)

Sogar Scherze über die superfeministischen Grünen kann man inzwischen aus den Reihen des Bundesforums hören. So twittert Markus Witt, als Mitglied des Bundesvorstandes des Väteraufbruchs ebenfalls Mitglied im Bundesforum, zu einer besonders schillernden Sprechblase der Grünen:

Bei den Grünen muss alles queer und feministisch sein, sonst beachtet es innerhalb der Partei niemand und lehnt es mangels Grundvoraussetzungen schon einmal ab. Ob es Sinn macht oder nicht. Ich warte jetzt noch auf den queerfeministischen Maskulismus, das hätte was.


Im Mai habe ich ein Buch über eine denkbare Kooperation von Feministinnen und Maskulisten veröffentlicht, aktuell öffnet sich das Bundesforum Männer maskulistischer Forschheit – wenn das so weitergeht, ist am Ende auch der "querfeministische Maskulismus" nur noch eine Frage der Zeit ...

Etwas unbefriedigend ist allerdings noch immer die gegenwärtige "Arbeitsteilung": Da sind zum einen wir von Ideologen als "rechte Frauenhasser" verleumdete Wegbereiter dieser antisexistischen Politik. Wir müssen in unserem Privatleben und auf eigene Kosten unser Bestes geben, um diese Politik voranzutreiben. Auf der anderen Seite steht ein staatlich finanziertes Bundesforum, das mittlerweile in unserer Spur fährt und unsere Vorleistungen sukzessive übernimmt. So befriedigend es ist, wenn unsere Forderungen allmählich in Regierungspolitik münden, wird über diese unangemessene Rollenteilung noch zu sprechen sein.

Wie immer bin ich auch bei diesem Thema gerne an Leserzuschriften interessiert. Hat jemand von euch Erfahrungen mit der aktuellen Ausrichtung des Bundesforums gemacht? Bleibt es bei wechselseitigem Beharke mit den Vereinen der Basis, oder kommt es endlich zu einer konstruktiven Kooperation?



2. Die Ausrichter des Deutschen Genderkongresses berichten auf ihrer Website über den Verlauf der diesjährigen Veranstaltung und die obligatorischen feministischen Proteste dagegen. Ein kritisches Fazit zum diesjährigen Genderkongress zieht hingegen die Väterbewegung Köln.



3. Die "IG Jungen, Männer, Väter" äußert sich in einer aktuellen Pressemitteilung sehr kritisch zu dem von Bundesjustizministerin Lambrecht am 29. November veröffentlichten Thesenpapier mit Vorschlägen zur Neuregelung des veralteten deutschen Familienrechts. Ein Auszug:

Väterverbände kritisieren das Papier als unzulänglich. "Darin kommen vor allem die Interessen der Justiz und der gerichtsnahen Professionen zum Ausdruck" kritisiert Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) und ergänzt: "Der Ansatz soll wohl mehr der Justiz dienen als heutigen Trennungsfamilien."

(...) Das Papier wendet sich gegen verpflichtende Mediation vor Beginn des Familienverfahrens zur Regelung der Betreuung, wie in Australien oder in den USA bewährt. Anstelle dessen solle das Prinzip der Strittigkeit erhalten bleiben. Das verwundert nicht, kritisiert Riedmeier, war der zuständige Arbeitskreis doch vor allem mit Vertretern aus der Richter- und Anwaltschaft besetzt. Vertreter von Väterverbänden fehlten.

Die Unterhaltsfrage und eine faire Aufteilung der finanziellen Lasten nach Betreuungsanteil werden überhaupt nicht angesprochen. Die Ministerinnen Lamrecht (Justiz) und Giffey (Familie) möchten am Zwang für Väter festhalten, durch Mehrarbeit und Überstunden bei gleichzeitiger Zuweisung eines "fiktiven Einkommens" den Unterhalt für die Kinder zu sichern. Dass dieser Zwang einer gleichberechtigten Betreuung der Kinder im Wege steht, ist ihnen bekannt.

(...) Skandalös sei auch der Umstand, dass das SPD-geführte Ministerium nach 3 ½ Jahren Arbeitskreise lediglich ein "Thesenpapier" präsentiert, mehr nicht. Es reichte nicht einmal zu einem Gesetzesvorentwurf. Der Schluss liegt nahe, es solle vor allem auf Zeit gespielt werden und im Grunde so wenig wie möglich an der Diskriminierung getrennt erziehender Väter geändert werden.




4. Es ist ja schön, wenn die Wiener Verkehrsbetriebe darauf aufmerksam machen, dass ein einzelner Fahrgast sich nicht auf mehreren Sitzplätzen breitmachen sollte. Noch schöner wäre es, wenn man das ohne einen sexistischen Kampfbegriff wie "Manspreading" geschafft hätte. Dann wäre dieser Hinweis auch weniger leicht von der FPÖ zu instrumentalisieren gewesen, die das Feindbild "Mann" nur zu "männlicher Zuwanderer" zu erweitern brauchte.



5. Die "toxische Weiblichkeit" bleibt ein Problem: In Dortmund steht eine Frau vor Gericht, weil sie für 100 Euro ein Mädchen "gekauft" und zur Prostitution gezwungen haben soll.



6. Wie der Mainzer "Merkurist" berichtet, wird die Frauenbücherei der Johannes-Gutenberg-Universität, mit der auch ich schon unschöne Erfahrungen gemacht habe, wegen sexistischer Diskriminierung scharf kritisiert: In einer Stellenausschreibung der Bibliothek waren "Cis-Männer" als Bewerber ausgeschlossen worden. (Als ich noch in Mainz studiert habe, durfte die Frauenbücherei von männlichen Studenten zwar mitfinanziert, aber nicht betreten werden, das scheint sich nicht geändert zu haben.)

Weil der "Merkurist" nun mal der "Merkurist" ist, bezeichnet er in eifriger Solidarität mit der Frauenbibliothek die Kritik an der von ihr begangenen Diskriminierung als "Hassmails", kann in seinem Artikel aber keinerlei Beschimpfungen und Herabsetzungen zitieren. Das für die Frauenbibliothek verantwortliche "autonomeAlleFrauenreferat AStA Uni Mainz" versucht die Diskriminierung von Männern in einer Stellungnahme auf Facebook zu rechtfertigen, der eine eigene Triggerwarnung vorgeschaltet ist. Man sehe sich durch die "hasserfüllte Reaktion" bestärkt darin, an der ausgeübten Diskriminierung festzuhalten.



7.
Deutschland diskutiert wieder über Meinungsfreiheit. So regelmäßig wie es das Thema an die Oberfläche der Feuilletons und Talkshows schafft, so häufig wird auch am eigentlichen Problem vorbei geredet. Nicht die Meinungsfreiheit ist bedroht, sondern unsere Diskussionskultur. Der Austausch von Argumenten ist immer weniger gefragt. Stattdessen geht es vor allem darum, welchem Lager man sich zuordnet — beziehungsweise zugeordnet wird. Deutschland entwickelt sich zunehmend in ein Archipel mehr oder weniger abgeschotteter Meinungsinseln. Nuancen und Meinungsaustausch sind in Zeiten von Polarisierung, markigen Slogans, zugespitzten Tweets und Schlagzeilen nicht mehr gefragt. Es gilt besonders deutlich "Haltung" zu zeigen und jede Öffnung gegenüber dem politischen Gegner wird als Schwäche ausgelegt. Dabei wäre ein offener und tiefgehender Austausch von Argumenten vielleicht gerade das, was die weitere Verinselung des Landes stoppen könnte.


Hier geht es weiter. Was die Männerrechtsbewegung angeht, nehme ich solche Tendenzen allerdings kaum wahr. Beispielsweise hätte man sich auch vorstellen können, dass es für meine Zusammenarbeit mit Feministinnen für einen wissenschaftlichen Sammelband scharfe und starke Kritik aus einer fundamentalistischen Ecke gegeben hätte, stattdessen wurde dieses Projekt wohlwollend beurteilt. Ob es tatsächlich zu einem Aufbrechen der "Meinungsinseln" in der Geschlechterdebatte führen wird, bleibt allerdings dahingestellt: Reaktionen seitens der Feministinnen und Journalisten, die ich mit Leseexemplaren bestückt hatte, gab es so gut wie keine. So mancher scheint die eigene Meinungsinsel sehr lieb gewonnen zu haben.



8. Der renommierte britische Männerrechtler und Publizist Glen Poole berichtet über neue Erkenntnisse der Movember-Stiftung:

41% der Männer haben bedauert, dass sie sich jemandem mit ihren Problemen "geöffnet" haben, wie aus einem neuen globalen Bericht hervorgeht, der von Movember in Auftrag gegeben wurde.

Mehr als drei Viertel der Männer (77%) sind der Meinung, dass das Reden ein wirksames Mittel zur Lösung von Problemen ist, und 76% glauben, dass ein offenes Reden positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.

Doch zwei von fünf haben eine negative Erfahrung gemacht, wenn sie mit anderen über die Themen sprechen, mit denen sie sich befassen, und mehr als die Hälfte (53%) sagen, dass diese negative Erfahrung sie daran hindern würde, in Zukunft darüber zu sprechen.

Die drei Hauptgründe, warum Männer es bedauerten, ihre Probleme anderen mitzuteilen, waren, dass die Person, mit der sie sprach, sie nicht ernst nahm, sie nicht respektierte und sich nicht um ihr Problem zu kümmern schien.

In Fällen, in denen Männer es bereut haben, offen mit ihren Probleme zu sein, lag dies in der Regel daran, dass die Person, mit der sie gesprochen haben, sie nicht zu respektieren oder sich um ihr Problem zu kümmern schien (45% der Fälle). Ebenso sagen 30% der Männer, die das Reden bereut haben, dass die Person, mit der sie gesprochen haben, sie nicht ernst genommen hat.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, man müsse stärker als bisher zur Kenntns nehmen, dass es für Männer schwieriger sein kann, offen mit anderen zu sprechen, als es zunächst den Anschein hat. Wenn man Männer ermutige, "mehr zu reden", müsse diese Komplexität berücksichtigt werden – einschließlich des Kontextes, in dem Männer eher bereit sind, sich zu öffnen.




9. Einer meiner Leser hat mich auf ein interessantes Gerichtsurteil aufmerksam gemacht:

Wird einem Vater und seinem minderjährigen Kind auf Betreiben der Kindesmutter durch die Bundespolizei die Urlaubsreise nach Thailand untersagt, obwohl eine Gefährdung des Kindeswohls und des Sorgerechts der Kindesmutter nicht vorliegt, steht dem Vater gegen den Staat ein Schadens­ersatz­anspruch zu. Dies hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden.


Hier erfährt man mehr.



10. Ein anderer Leser weist mich auf ein Interview hin, in dem sich der Kriminologe Christian Pfeiffer massivem Sexismus hingibt, um in der Frankfurter Allgemeinen Reklame für sein neues Buch zu machen. Mein Leser schreibt hierzu:

Schon die Überschrift und der Einstieg ins Interview macht deutlich, dass wieder mal alle Männer dieser Welt ihren Täterstatus bekommen und Frauen instabile Opfer sind. Pfeiffer schildert auch ein Beispiel, wie er für sich die Rolle des Richters und des Polizisten einnimmt, indem er zwei Studenten aus der Uni schmeißt. Das ganze spielt in den USA, wo es ja üblich ist, ohne Rechtssprechung Studenten als Täter zu definieren und dann der Uni zu verweisen. Vor ein paar Tagen hattest du ja einen schönen Link zum "Matratzenmädel" und was aus ihr wurde. Vielleicht sollte Pfeiffer den Link mal zugeschickt bekommen.


Mein Leser weist auf folgende Passage aus Pfeiffers Ausführungen hin:

In den Zeiten der Stammhalter wurden die Mädchen weniger geliebt und mehr geschlagen. Das war vor vierzig Jahren noch so. Jetzt sind wir beim Umgekehrten: Die Jungen werden weniger geliebt und mehr geschlagen. Die Krise der Jungen ist augenfällig. Wir haben noch nie einen so großen Leistungsabstand zwischen Jungen und Mädchen gehabt, schulisch und auch an Universitäten. Und das hat ganz stark mit einem Defizit der Väter zu tun. Mehr als die Hälfte der Jungen haben keine starke Beziehung zum Vater. Weil er sich aus dem Staub gemacht hat, oder weil er nur körperlich anwesend ist – weil er einfach seine Rolle nicht ausfüllt. Das ist ein Hauptfaktor für die Krise der Jungen.


Nun gibt es seit mittlerweile über 20 Jahren einen Diskurs über ausgregrenzte ("entsorgte") Väter, deren Kontakt zu ihrem Nachwuchs von der Ex-Partnerin blockiert und sabotiert wird. Aufgrnd dieses weit verbreiteten Problems fordert die Väterbewegung seit Jahren das Wechselmodell: gemeinsamer Kindesumgang für beide Elternteile nach der Trennung. Pfeiffer scheint in seinem Elfenbeinturm nichts von all dem mitbekommen zu haben. In seinem Weltbild hat sich der Vater "aus dem Staub gemacht".

Nun hat Pfeiffer immerhin erkannt, dass die Jungenkrise (neben anderen Gründen wie z.B. Diskriminierung, die Pfeiffer verschweigt) dem Fehlen von Vätern zu verschulden ist. Führt ihn dies zu der logischen Folgerung, dass es mehr Väter, mehr Männlichkeit brächte, um diese Krise zu bewältigen? Pustekuchen. Einmal in die sexistische Bahn geraten, verrennt sich Pfeiffer dort im Laufe des Interviews immer mehr:

Pfeiffer: Die Dominanz der Männer ist eine Hauptquelle all der Probleme, die uns Angst machen: Überbevölkerung, Terrorismus, Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe. Das wird zu wenig beachtet. Wir sind zwar auf guten Wegen in Deutschland, aber längst nicht angekommen. Der Anteil der Frauen im Bundestag ist gesunken. Das geht gar nicht!

FAZ: Feministinnen nennen die Dominanz der Männer das Patriarchat.

Pfeiffer: So ist es, das tun sie mit völligem Recht. Das Patriarchat besteht bei uns immer noch. Es ist schwächer geworden. Aber das Ziel einer echten Gleichrangigkeit ist nicht erreicht. Und die müssen wir nicht nur wegen der Gerechtigkeit, Artikel 3 im Grundgesetz, erreichen, sondern um zu überleben. Es ist zu gefährlich geworden, den Männern das Heft in der Hand zu lassen, weil sie zu viel Schaden anrichten. Wer produziert denn Kriege? Machokulturen wie Taliban und IS. Die haben uns früher nur genervt, jetzt sind sie lebensgefährlich.

FAZ: Feminismus als Überlebensstrategie.

Pfeiffer: Genau. Diese Männer gibt es ja auch in Europa. Und wenn so Typen wie Bolsonaro oder Trump, die die Klimakrise für eine Erfindung der Wissenschaft halten, in die Überzahl kommen, dann Gnade uns Gott. (...) Aber die Tatsache, dass wir mit Fridays for Future – zu siebzig Prozent sind das übrigens Frauen – eine sehr politische Jugend haben, stimmt mich optimistisch.


Jenseits der feministischen Ideologie sind Frauen natürlich nicht die besseren Menschen, als die Pfeiffer sie sich so sehr erträumt. Beispielsweise zeigte sich in einer historischen Übersicht vom Ende des fünfzehnten bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, dass Königinnen eher dazu neigten, einem anderen Land den Krieg zu erklären, als ihre männlichen Gegenstücke.

"Die Menschen haben den vorgefassten Glauben, dass Staaten, die von Frauen geführt werden, weniger Konflikte haben", erklärte Oeindrila Dube, Assistenzprofessorin für Politik und Wirtschaft an der New York University, nachdem sie ihre Studie bei der Jahrestagung 2015 der American Political Science Association vorgestellt hatte. Aber historisch gesehen stimme das einfach nicht. Nicht nur führten Königinnen mehr Kriege als Könige, sie begannen sie auch eher. Die Vorstellung, dass es weniger globale Konflikte gäbe, wenn mehr Frauen an der Macht wären, ist ein Irrtum.

Und was Pfeiffers Optimismus mit Blick auf die vielen Frauen von Fridays for Future angeht, genügt ein aktuelles Statement des Klimaforschers Hans von Storch:

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, eine Repräsentantin der "Fridays for Future"-Bewegung in Aktion zu erleben. Ich war sehr enttäuscht, denn es war eine einfache Ansammlung von Worthülsen, aber nichts Konstruktives darin. Das ist so, als ob ein Kind ein Eis von seinen Eltern fordert, sie nicht wissen, wo sie es herholen sollen, das Kind auch selbst keine Idee hat, aber den Eltern droht, es habe sie sonst nicht mehr lieb. Das ist das Verhalten eines unreifen Teenagers.


Die tatsächliche Hoffnung legt Hans von Storch in jene Sparte, in der sich, um Pfeiffers Rhetorik zu übernehmen, weit überwiegend Männer finden:

Die beste Anstrengung, die eine deutsche Familie zum Schutz des Klimas machen kann, ist es, ihre Kinder zu überreden, Ingenieure zu werden. Diese Ressource – etwa technischen Verstand – müssen wir stärken. Wir müssen Methoden und Techniken entwickeln. Das kostet Zeit und Geld. Wir könnten zum Beispiel massiv in attraktive Verfahren zum elektrischen Kühlen und Heizen investieren. Oder in die Elektrifizierung der Prozesswärme in der chemischen Industrie. Dazu kann dann Elektrizität aus Wind und Sonne genutzt werden.


Ein wichtiger Lösungsansatz auch beim Klimaproblem ist eine Verbesserung des Bildungssystems in Deutschland. Wer hier beispielsweise etwas gegen die "Jungenkrise" unternehmen würde und dadurch hilft, dass immer mehr Schüler zu schlauen Technikern und Ingenieuren werden, statt auf der Strecke zu bleiben, tut mehr als jemand, der sich in seiner eigenen Politischen Korrektheit sonnt, indem er Männer als Monster und Frauen als Erlöser phantasiert.

Das Interview enthält weitere Passagen, die mehr von radikalfeministischer Ideologie als von Sachkenntnis geprägt sind: etwa wenn Pfeiffer suggeriert, dass häusliche Gewalt von Männern aus Kontrollsucht und von Frauen aus Selbstverteidigung verübt wird. Es gibt inzwischen ganze Regale an Büchern, die erklären, wie absurd diese Aufteilung Frau/gut vs. Mann/böse auch bei häuslicher Gewalt ist – Regale an Literatur, die Pfeiffer ebenfalls nicht zu kennen scheint.

Alles in allem handelt es sich hier um ein gruseliges Interview, das weltanschaulich oft auf dem Stand der siebziger Jahre bleibt und mit dem Pfeiffer sein Bestes gibt, um den identitätspolitischen Sektor zu bedienen. Seinem Ruf als sachkundiger und unvoreingenommener Forscher dürfte er damit eher geschadet haben.

kostenloser Counter