Mittwoch, September 18, 2019

Professor gesteht: "Ich habe mir die Grundlagen der Genderstudien nur ausgedacht" – News vom 18. September 2019

1. Im Magazin "Quillette" schildert der kanadische Kultur- und Politik-Historiker Professor Christopher Dummitt, wie er sich vor Jahrzehnten Phantasien ausdachte, die inzwischen die Grundlagen des Bereichs "Genderstudien" bilden:

Wenn ich vor 20 Jahren gewusst hätte, dass meine Seite in den ideologischen Kriegen um soziales und biologisches Geschlecht so entschieden gewinnen würde, wäre ich ekstatisch gewesen. Damals verbrachte ich viele Abende in der Kneipe oder auf Dinnerparties, um mit anderen Studenten über Geschlecht und Identität zu diskutieren; oder mit wirklich jedem, der mir zuhören würde - meiner Schwiegermutter, meinen Verwandten oder einfach einer zufälligen Person, die das Pech hatte, in meiner Gegenwart zu sein. Ich bestand darauf, dass es so etwas wie ein biologisches Geschlecht nicht gibt. Und ich wusste es. Ich wusste es einfach. Weil ich ein Genderhistoriker war.

Dies war in den 90er Jahren das große Ding in den Instituten für Geschichtswissenschaft in Nordamerika. Die Geschlechtergeschichte - und dann die Geschlechterforschung, allgemeiner gesagt, über die gesamten Fachbereich hinweg - war Teil einer breiteren Gruppe von identitätsbasierten Subdisziplinen, die die freien Künste übernahmen. Die Geschichtsabteilungen auf dem gesamten Kontinent wurden verändert. Als die American Historical Association 2007 und dann wieder 2015 die Trends in den wichtigsten Spezialgebieten untersuchte, war das größte Feld die Frauen- und Geschlechtergeschichte. Das war gleich da oben mit der Sozialgeschichte, der Kulturgeschichte, der Geschichte der "Rasse" und der Sexualität. Jedes dieser Felder teilte die gleiche Weltanschauung wie ich - dass fast jede Identität eine soziale Konstruktion war. Und bei dieser Identität ging es nur um Macht.

Damals waren einige Leute anderer Meinung als ich. Fast niemand, der an einer Universität nicht solchen Theorien ausgesetzt war, konnte sich dazu durchringen zu glauben, dass das biologische Geschlecht ein rein soziales Konstrukt sei, weil solche Überzeugungen gegen den gesunden Menschenverstand verstießen. Das ist es, was es so verblüffend macht, dass der kulturelle Wandel in dieser Frage so schnell stattgefunden hat. Vernünftige Menschen mögen bereitwillig zugeben, dass etwas - und vielleicht sogar ein großer Teil geschlechtsspezifischer Identität - sozial konstruiert ist, aber bedeutete das wirklich, dass das biologische Geschlecht überhaupt keine Rolle spielt? Basierte das Geschlecht ausschließlich auf Kultur? Ja, ich würde darauf bestehen. Und dann würde ich noch mehr darauf bestehen. Nichts ist so selbstsicher wie ein Doktorand, der mit wenig Lebenserfahrung und einer großen Idee ausgestattet ist.

Und jetzt ist meine große Idee überall. Sie zeigt sich vor allem in den Diskussionen über die Rechte von trans Personen und die Politik gegenüber trans Athleten im Sport. Sie wird in Gesetze geschrieben, die im Wesentlichen die Auswirkungen für jeden bedrohen, der meint, dass das Geschlecht eine biologische Realität sein könnte. Eine solche Aussage ist für viele Aktivisten gleichbedeutend mit Hate Speech: Hassrede. Wenn Sie die Position vieler meiner Diskussionsgegner in den 90er Jahren vertreten, nämlich dass das soziale Geschlecht zumindest teilweise auf dem biologoschen Geschlecht beruht und dass es wirklich zwei Geschlechter (männlich und weiblich) gibt, wie Biologen seit Beginn ihrer Wissenschaft wissen, werden Überprogressive behaupten, dass Sie die Identität einer trans Person verweigern, d.h. ontologischen Schaden für einen anderen Menschen anstreben.

(...) Das Problem ist: Ich lag falsch. Oder, um genauer zu sein, ich habe die Dinge teilweise richtig gemacht. Aber den ganzen Rest habe ich es im Grunde genommen nur erfunden.

Zu meiner Verteidigung, sei gesagt: Ich war damit nicht allein. Jeder hat sich das ausgedacht (und denkt es sich heute noch aus). So funktioniert das Feld der Genderstudien. Aber das ist keine gute Verteidigung. Ich hätte es besser wissen sollen. Wenn ich mich rückwirkend psychoanalysieren würde, würde ich sagen, dass ich es wirklich besser wusste. Und deshalb war ich so wütend und selbstbewusst, was die Dinge angeht, die ich glaubte zu wissen. Es ging darum, die Tatsache zu verbergen, dass ich auf einer sehr grundlegenden Ebene keine Beweise für einen Teil dessen hatte, was ich sagte. Also hielt ich mich mit Leidenschaft an die Argumente und verurteilte alternative Standpunkte. Intellektuell gesehen war es nicht schön. Und das macht es so enttäuschend zu sehen, dass die Standpunkte, für die ich früher so leidenschaftlich und grundlos argumentiert habe, jetzt von so vielen in der Gesellschaft akzeptiert werden.

Meine Methodik funktionierte so: Zunächst würde ich darauf hinweisen, dass ich als Historiker wusste, dass es eine große kulturelle und historische Variabilität gibt. Geschlecht war nicht immer in gleicher Weise zu jeder Zeit und an jedem Ort definiert. Es war (...) "eine sich historisch verändernde Reihe von Konzepten und Beziehungen, die den Unterschieden zwischen Männern und Frauen einen Sinn geben". Wie kannst du sagen, dass das Wesen eines Mannes oder einer Frau in der Biologie verwurzelt ist, wenn wir Beweise für Veränderungen im Laufe der Zeit haben? Außerdem habe ich darauf bestanden, dass es "keine ahistorischen Grundlagen für sexuelle Unterschiede gibt, die auf biologischen oder anderen soliden Grundlagen beruhen, die existieren, bevor sie kulturell verstanden werden".

Und ich hatte meine Lieblingsbeispiele, die ich schließlich in prägnante Anekdoten verwandelte, die ich in Vorträgen oder Gesprächen verwenden konnte - über Ludwig XIV. und seine typische Pose, die damals im 16. Jahrhundert als die Höhe der Männlichkeit angesehen worden wäre, aber für heutige Verhältnisse eher feminin aussieht. Oder ich würde über die Farben Blau und Pink sprechen und Zitate aus den 1920er Jahren herausziehen, denen zufolge kleine Jungs Pink tragen sollten, weil es feurig und erdig war, und Mädchen Blau, weil es luftig und ätherisch war. Und diese Beispiele würden ein Lachen ernten und meinen Standpunkt darlegen. Was wir als die absolut sichere Wahrheit des Geschlechts betrachteten, hatte sich mit der Zeit tatsächlich verändert. Das Geschlecht war nicht binär: Es war variabel und vielleicht unendlich.

Zweitens würde ich argumentieren, dass es bei jeder Begegnung mit jemandem, der sagt, dass etwas männlich oder etwas weiblich ist, nie nur um das Geschlecht ging. Es ging immer auch um Macht. Und Macht war und bleibt eine Art Zauberwort in der Wissenschaft - vor allem für einen Absolventen, der Michel Foucault in der ersten Lesung besuchte. Erinnern wir uns, dass wir damals inmitten endloser Diskussionen über "Handlungsmacht" waren (wer besaß sie? wer nicht? wann? wo?). Wenn also jemand leugnete, dass biologisches und soziales Geschlecht variabel sind, wenn er vorschlug, dass es wirklich etwas Zeitloses oder Biologisches am Geschlecht gibt, dann entschied er sich in Wirklichkeit für die Macht. Er rechtfertigte die Unterdrückung. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Und dann, drittens, suchte ich nach einer Erklärung im historischen Kontext, die in einem bestimmten geschichtlichen Moment zeigte, warum Menschen in der Vergangenheit über etwas entweder als männlich oder weiblich gesprochen haben. Die Geschichte ist ein großer Ort. Und so gab es immer etwas zu finden. Ich habe über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, so dass man immer sagen konnte, dass die Menschen um eine Rückkehr zur Normalität nach dem Krieg besorgt waren. Frauen hatten beim Militär gedient und in "Männer"-Jobs gearbeitet. Bei der Fokussierung auf Geschlechterdifferenzen ging es also darum, Frauen nach ihrer Arbeit während des Krieges wieder ins Haus zu holen. Es ging um Kontrolle und Unterdrückung.

Und natürlich waren die Menschen über diese Entwicklungen in den späten 1940er Jahren besorgt. Ich könnte die Forschung anderer in diesem Bereich zitieren und damit wirklich zeigen, dachte ich, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt sei, und es auf diese Weise konstruiert wurde, um Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an ihren Platz zu verweisen.

Sie könnten sich andere kontextuelle Details aussuchen. Und in der Tat, meiner Meinung nach, habe ich genau das getan. Ich war fasziniert von der Lektüre über die Modernisierung des Lebens in der Mitte des Jahrhunderts, und so wies ich auf all die Möglichkeiten hin, wie die Menschen in den Nachkriegsjahren das Reden über die Moderne mit dem Reden über Männlichkeit verbanden. Es war, als wissenschaftliche Arbeit, ziemlich elegant gemacht, wenn ich das so sagen darf. Das Problem war: Es war auch, teilweise, intellektuell bankrott.

Hier lag ich nicht falsch: Die Archivforschung, glaube ich, war solide. Ich ging zurück zu den Dokumenten aus dieser Zeit und konnte so die Art und Weise wiederherstellen, wie die Leute darüber sprachen und schrieben, dass sie ein Mann seien. Ich habe die Zeit wirklich kennengelernt. Dies ist der wunderbare voyeuristische Teil des Historikerdaseins.

(...) Aber die größte Frage von allen - die Wichtigste - ist die letzte: "Warum?" Warum ist ein bestimmtes Ereignis so abgelaufen, wie es stattgefunden hat? In meinem Fall bedeutete das: Warum haben die Kanadier der Nachkriegszeit so über Männer und Frauen gesprochen wie sie es getan haben?

(...) Die Menschen sprachen über Männer in der von mir beschriebenen besonderen Weise, argumentierte ich, weil Geschlecht eine soziale Konstruktion war, deren Umrisse auf Macht und Unterdrückung zurückzuführen waren: Kanadier nutzten geschlechtsspezifisches Denken, um einige Männer zu bevorzugen und Frauen zu benachteiligen, um Männlichkeit als besser als Weiblichkeit zu strukturieren.

(...) Natürlich wäre es möglich, sich das gleiche Material anzusehen und völlig plausible alternative Erklärungen abzugeben. Hätten die Kanadier der Nachkriegszeit die Idee, dass Männer Risiken eingehen, sozial konstruieren können? Ja, das ist plausibel. Aber es ist auch plausibel, dass sie so über Männer gesprochen haben, weil Männer ... im Durchschnitt einfach mehr Risiken eingegangen sind. Männer könnten einfach so gestrickt sein. Meine Nachforschungen haben weder in die eine, noch die andere Richtung gedeutet. Ich nahm einfach an, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt sei und ging auf dieser Grundlage vor.

(....) Ich habe mich nie - zumindest nicht ernsthaft - mit jemandem auseinandergesetzt, der etwas anderes behauptet hat. Und niemand hat zu irgendeinem Zeitpunkt meines Graduiertenstudiums oder im Peer Review jemals einen anderen Vorschlag gemacht - außer in Gesprächen, meist außerhalb der Wissenschaft. Und so war ich nie gezwungen, mich mit alternativen, biologisch orientierten Erklärungen auseinanderzusetzen, die mindestens so plausibel waren wie die Hypothese, die ich mit der Aura von Gewissheit herausgeputzt hatte. Steven Pinkers Kritik am Sozialkonstruktionismus, "Das unbeschriebene Blatt: Die moderne Leugnung der menschlichen Natur", wurde 2002 veröffentlicht, bevor ich meine Doktorarbeit beendete und bevor ich mein Buch veröffentlichte. Doch ich hatte noch nicht einmal davon gehört, und niemand schlug jemals vor, dass ich mich mit seinen Argumenten und Beweisen befassen müsse. Das allein sollte Ihnen viel über das Silo sagen, das wir alle bewohnt haben.

Die einzige wirkliche Kritik, die ich erhielt, waren Ermahnungen, das Paradigma zu stärken oder für andere Identitäten zu kämpfen und gegen andere Formen der Unterdrückung vorzugehen. (Die Idee, dass es auf der Grundlage dieser intersektionellen Identitäten Unterdrückung gibt, wurde einfach angenommen, nicht demonstriert oder bewiesen.) Also wurde ich vielleicht gefragt, warum ich nicht mehr über soziale Klassen gesprochen habe. Oder warum ich so viel Zeit damit verbracht habe, über Männer und nicht über Frauen zu reden? Auch wenn ich die Männlichkeit dekonstruierte und zeigte, dass es sich um ein soziales Konstrukt handelte, musste ich doch auch auf die Frauen achten. Oder wie sieht es mit der Sexualität aus? Habe ich nicht mehr Hinweise auf Männer gesehen, die nicht heterosexuell waren, und sollte ich auch nicht darauf achten, wie Männlichkeit im Zusammenhang mit Sexualität konstruiert war? Sie können solche Kritiken auf vielfältige Weise erweitern. Aber der Punkt ist, dass alle von ihnen innerhalb des Paradigmas operierten, das ich bereits angenommen hatte.

(...) Einige der ersten Zweifel, die ich an meiner Graduiertenausbildung zu haben begann, begannen sich zu diesem Zeitpunkt einzuschleichen. Wie lange könnte dieser Beruf noch wachsen, indem er einfach immer mehr Arten von Unterdrückung hinzufügt? Sicherlich wäre die Geschichte irgendwann vollständig umfassend. Tatsächlich war ich mir ziemlich sicher, dass das bereits der Fall war. 2009 veröffentlichte ich ein Buch mit einem Essay mit dem Titel "After Inclusiveness", in dem ich diesen Punkt hervorhob. Glücklicherweise war ich an meiner Hochschule bereits fest angestellt, als das Buch herauskam. Viele in der Branche gaben privat zu, dass ich Recht hatte, aber fast niemand würde das in einem gedruckten Text sagen.

(...) Das Problem war und ist, dass ich mir das alles ausgedacht habe. Das waren begründete Vermutungen, die ich anbot. Es waren Hypothesen. Vielleicht hatte ich Recht. Aber weder ich noch sonst jemand dachte jemals daran, das, was ich geschrieben habe, zu hinterfragen.

Einige grundlegende Fragen stellen sich. Gab es wirklich sehr unterschiedliche und variable Erwartungen an die beiden Geschlechter je nach Zeit und Ort? Das ist nichts, was mit den prägnanten Anekdoten beantwortet werden kann, die ich früher lieferte, und die die Leute auch heute noch austeilen. Es sollte systematisch und vergleichend untersucht werden. In meiner damaligen Lesart muss ich nun zugeben, dass ich eine geringe Variabilität mit einer gewissen zentralen Konsistenz sah. Die Vorstellungen von Männern als Versorger, Risikoträgern und Personen mit besonderer Verantwortung für Schutz und Kriegsführung scheinen in der Geschichte und den Kulturen ziemlich einheitlich zu sein. Ja, es gibt Unterschiede im Laufe des Lebenszyklus und einige kulturelle und historische Besonderheiten. Aber wenn Sie Ihre Forschung nicht begonnen haben, in der Annahme, dass die kleinen Unterschiede sehr wichtig sein müssen, ist es nicht klar, dass Sie dies aus den Beweisen schließen würden.

Und ging es wirklich immer um Macht? Vielleicht. Und vielleicht auch nicht. Um zu beweisen, dass es um Macht ging, habe ich andere Gelehrte zitiert, die sagten, es sei so. Es half, wenn ihre Namen französisch waren und sie Philosophen waren. Auch die Arbeit des australischen Soziologen R. W. Connell half. Er hatte argumentiert, dass es bei der Männlichkeit in erster Linie um Macht geht - um die Behauptung der männlichen Dominanz über Frauen und andere Männer. In Wirklichkeit hat seine Arbeit das nicht bewiesen; sie wurde nur plausibel aus kleinen Fallstudien extrapoliert, genau wie ich es getan hatte. Also habe ich Connell zitiert. Und andere zitierten mich. Und so "beweist" man, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist und alles um Macht geht. Oder irgendwas anderes.

Meine fehlerhafte Argumentation und andere akademische Texte, die dasselbe fehlerhafte Denken aufweisen, werden jetzt von Aktivisten und Regierungen aufgegriffen, um einen neuen moralischen Verhaltenskodex zu erlassen. Es war eine Sache, als ich mit anderen Studenten einen trinken gegangen bin und wir uns in der unwichtigen Welt unseres eigenen Egos mit solchen Dingen auseinandersetzten. Aber jetzt geht es um viel mehr. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das Studium besser geworden ist - die Regeln für Evidenz und Peer Review sind anspruchsvoller geworden. Aber die Realität ist, dass die gegenwärtige fast vollständige Akzeptanz des Sozialkonstruktivismus in bestimmten Kreisen eher das Ergebnis des demographischen Wandels innerhalb des akademischen Sektors zu sein scheint, wobei bestimmte Standpunkte noch stärker dominieren als in meiner Blütezeit.

Dieses Geständnis sollte nicht so interpretiert werden, dass das Geschlecht in vielen Fällen nicht sozial konstruiert ist. Aber die Kritiker der Sozialkonstruktionisten haben Recht, wenn sie ihre Augenbrauen angesichts der so genannten Beweis der angeblichen Experten heben. Meine eigene fehlerhafte Argumentation wurde nie herausgearbeitet - und in der Tat durch den Prozess des Peer Reviews lediglich ideologisch stärker beeinflusst. Solange wir keine ernsthaft kritische und ideologisch divergierende Wissenschaft über biologisches und soziales Geschlecht haben, kann Peer Review kaum mehr als eine Form des ideologisch bedingten gruppeninternen Screenings sein – und dann sollten wir in der Tat sehr skeptisch sein, was viel von dem betrifft, was als "Expertenwissen" über die soziale Konstruktion des Geschlechtes gilt.




2. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu der gestern hier veröffentlichten Lesermail zum Vorschlag der CDU zum Gender-Wahlrecht:

Die Sichtweise des Lesers dürfte auf einem Mißverständnis beruhen. Die schon länger virulente Idee ist, je zwei der bestehenden Wahlkreise zusammenzulegen und in jedem der so gebildeten Großwahlkreise einen Direktkandidaten und eine Direktkandidatin zu wählen. Auf diese Weise läßt sich erreichen, daß auch die Direktmandate "geschlechtergerecht" vergeben werden, was ja zunächst an der Unabhängigkeit der Abstimmungen in den einzelnen Wahlkreisen scheitert. Das wird überdies als ein Zuwachs an Demokratie verkauft, weil damit jeder Wähler, Wählerin oder Wählix (oder wie man das "geschlechtergerecht" zu benennen hat) sogar an zwei Direktmandaten, und nicht nur wie bislang einem, mitwählen darf.


Ein anderer Leser schreibt mir:

Ich lese regelmäßig Genderama. Nun habe ich deine Post "Die Leiden der jungen Männer" gelesen. Deine Auszüge habe ich einer Mutter von drei Kindern gesandt. Die Mutter als auch die Kinder sind Gewaltopfer des Mannes und Vaters und profeministisch und engagiert in Beziehungsgewalt. Nach einigen offenen und kontroversen Gesprächen mit dieser Mutter haben wir ein gemeinsames Ziel gefunden, dass wir als Eltern nicht zwischen Geschlechtern, sondern zwischen guten und schlechten Eltern trennen müssen, vor allem für die Kinder.

Ich denke, dass dich ihre Antwort interessiert.

Sie hat zwei ihrer Kinder, ein Junge und ein Mädchen 13 und 18, gefragt, wie sie die Schule erlebt haben. Die Antwort ihrer eigenen Kinder hat sie bestürzt. Beide Kinder sagen das Gleiche, dass Mädchen bevorzugt und milder behandelt werden und Jungs von vorneherein Gewaltpotenzial unterstellt wird. Die Mutter ist Elternbeirat und wird dies an den Elternabenden ansprechen.

Vielen Dank für deine Arbeit.

Dienstag, September 17, 2019

Warum die große Koalition die Unterhaltsreform verschleppt – News vom 17. September 2019

1.
Nach einer Trennung muss ein Elternteil oft viel Unterhalt zahlen – auch wenn das Kind viel Zeit mit ihm verbringt. Die große Koalition will das ändern, doch passiert ist kaum etwas. Die FDP sieht "nur Ankündigungen, Vertröstungen und hohle Phrasen".


Hier geht es weiter.



2. Unter der Überschrift "Frauen dominieren in Brandenburgs Führungsetagen" berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg:

Beim Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und den Landesbehörden schneidet Brandenburg gut ab. Das geht aus dem Landesgleichstellungsbericht hervor, den das Frauenministerium auch als Broschüre veröffentlicht hat. Demnach sind 60 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen - das ist der vierthöchste Wert im Ländervergleich. (...) Frauenministerin Susanna Karawanskij (Linke) erklärte dazu am Sonntag, Gleichstellung müsse ernst genommen werden. Noch sei sie nicht selbstverständlich. Nach der Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes im Jahr 2013 setzten bislang über 70 Prozent der öffentlichen Dienststellen Gleichstellungspläne mit konkreten Maßnahmen um. "Diese Zahl wollen wir weiter steigern."




3. Bei den "Salonkolumnisten" beschäftigt sich Dr. Christian Honey mit "Akademischer Esoterik", wie sie sich beispielsweise im Bereich der sogenannten "Genderstudien" findet. Ein Auszug aus dem insgesamt lesenswerten Artikel:

Dass gelebte Erfahrung nicht nur unter Esoterikern als hinreichender Beleg für die eigenen Thesen und Forderungen gilt, zeigt ein Blick in die Literatur der sozialaktivistischen "Studies"-Fächer, etwa der Gender-, Women’s, Cultural Studies. (...) Dabei ähnelt die Denk- und Arbeitsweise der Beschwerde-Fächer oft der der Esoteriker. In beiden Welten existieren Kräfte, die sich zwar der Messung entziehen, trotzdem aber eine starke Wirkung entfalten. Homöopathen etwa erklären die Wirkung ihrer Globuli mit einem vermeintlichen "Wassergedächtnis"; die Information des Wirkstoffs wird durch Verdünnen und Schütteln (irgendwie) an den Trägerstoff übertragen und dabei sogar verstärkt (potenziert). Experimentell konnte dieser Effekt noch nie belegt werden. Aber die Patienten berichten von "guten Erfahrungen". In den Beschwerde-Fächern gibt es analog dazu das Konzept der Mikroaggression. Es beschreibt als übergriffig wahrgenommene Äußerungen oder Verhaltensweisen. Gehört ein Sprecher einer "dominanten" Gruppe an (z.B. weiß, männlich, alt) und sagt etwas, das ein Mitglied einer "marginalisierten" Gruppe (z.B. nicht-weiß, weiblich, jung) als beleidigend erlebt, ist die Aussage per Definition übergriffig. (...) Je weniger gemeinte Beleidigung in einer Aussage enthalten ist, desto beleidigender wird sie — eine Art von Potenzierung durch Verdünnung.

Eine weitere Parallele liegt in der gleichartigen Reaktion von Beschwerde-Akademikern und Esoterikern auf den Hinweis, dass sich ihre Aussagen womöglich nicht durch systematische Beobachtung und statistische Analyse belegen lassen. Oft werden dann dominierende Mächte und ihre Privilegien angeführt. Diese wollten verhindern, dass die "Wahrheit" herauskommt und politisch umgesetzt wird. Bei der Homöoapthie sind das die Mächte die Schulmedizin und die Pharmaindustrie, im Genderseminar "der alte weiße Mann" und sein "Patriarchat". Mittlerweile haben sich Esoteriker und Beschwerde-Theoretiker eine große Zahl scheinbar wissenschaftlicher Journale geschaffen, die gelebte Erfahrung und politische Forderungen als Forschungsergebnisse verkaufen. Wenn Journalisten solche Ergebnisse dann noch unhinterfragt als "Forschung" berichten, verschwimmt ein entscheidender Unterschied: der zwischen Wissenschaft und politischem Aktivismus.




4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Der Vorschlag der CDU zum Gender-Wahlrecht hat was für sich. Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen pro Wahlkreis je ein Mann und eine Frau aufgestellt werden und der Wähler entscheidet sich für einen. Das dürfte am Geschlechter Quotienten im Parlament so gut wie nichts ändern Die Leute werden denjenigen wählen, der mehr Zeit und Biss hat und nicht angibt, dass er 18 Uhr zu Hause sein muss.

Die Vorschläge der anderen Parteien greifen da schon tiefer ein, oder? Zum Beispiel dass Landeslisten abwechselnd besetzt werden sollen, wie bei den Grünen, also Position 1 = Frau, Position 2 = Mann, Position 3 = wieder Frau.

Montag, September 16, 2019

Tages-Anzeiger: "Die Leiden der jungen Männer" – News vom 16. September 2019

1. Mehrere Leser haben mich heute Morgen begeistert auf einen Beitrag im Schweizer "Tages-Anzeiger" über die Diskriminierung junger Männer im Bildungssystem aufmerksam gemacht. "Der Artikel könnte von Ihnen stammen", schreibt mir einer von ihnen. "Aber er kommt – man staune! – aus der Feder von Michelle Binswanger." (Binswanger schreibt häufig feministische Artikel.) Der Artikel steht im Ranking der meistgelesenen "Tages-Anzeiger"-Beiträge gerade an erster Stelle. Er ist allerdings nur für Abonnenten des Blattes freigeschaltet. Einige Auszüge:

Zwei Gymnasiasten sitzen an einem der Tische, beide im Maturjahr, und beide haben eine klare Meinung. Die Frage war: Wird man heute in der Schule als junger Mann gegenüber den Mädchen benachteiligt? Die Antwort: Ja, definitiv. "Feminismus hiess einmal Gleichstellung. Jetzt wollen die Frauen einfach so viel für sich herausholen, wie es nur geht", sagen sie.

Beide Buben betonen, dass sie für Gleichstellung sind, beide haben Schwestern und Mütter, die arbeiten. Sie wurden erzogen, dass man Frauen ehren und wertschätzen soll. Umgekehrt scheine dies aber nicht der Fall zu sein. Zumindest nicht in der Schule. "Wir werden damit bombardiert, dass man sich als Mann schuldig fühlen muss", sagen sie. Der Druck komme von Lehrerinnen und Mitschülerinnen. "Dauernd wird man in ein schlechtes Licht gerückt." Und besonders die feministisch orientierten Lehrerinnen würden die Buben strenger bewerten.

(...) "Man spricht immer von Mansplaining", sagt Grolimund, "aber in der Erziehung betreiben auch sehr viele Frauen Womansplaining." Frauen, die ihren Männern nicht zugestehen können, dass sie es anders machen, aber nicht unbedingt schlechter. Dieses Womansplaining kennen auch die beiden Gymnasiasten. Und sie haben genug davon. "Echt, wir haben keinen Bock mehr, wenn wir so behandelt werden."


Tatsächlich fühlen sich viele junge Männer überfordert – und lehnen zunehmend ab, was sie als "radikalen Feminismus" wahrnehmen. Wenn man sie fragt, erzählen sie von Lehrerinnen, die es sich nach schlechten Erfahrungen mit Männern zur Aufgabe gemacht hätten, ihren Schülern solches Verhalten auszutreiben. Von einem Artikel über Alkoholsucht, den sie lesen mussten und aus dem im Unterricht ein männliches Vergewaltigersyndrom hergeleitet wurde. Als wäre jeder Mann ein Vergewaltiger. "Wenn ein Lehrer einen Witz über Feminismus macht, rennen die Mädchen sofort zum Rektor, weil das sexistisch sei. Aber bei solchen Aussagen über Männer wehrt sich niemand."


Gerade in den sprachlich orientierten Fächern gehe es immer wieder um die gesellschaftliche Stellung der Frau. "Es ist, als wäre Sexismus ein eigenes Schulfach geworden." Männliche Lehrpersonen könnten immerhin ein bisschen nachvollziehen, wie es ihnen als jungen Männern gehe, und hätten mehr Verständnis. Wobei die Mädchen auch dort den Vorteil hätten, sich besser "einschleimen" zu können.


Ein Lehrer unter meinen Lesern merkt zu dem Artikel an:

Ich kann dies mit eigenen Erfahrungen aus deutschen Schulen bestätigen. Die neue Lehrerinnenschaft der letzten fünf bis zehn Jahre hat definitiv ein Problem mit Jungs (nicht alle, aber es sind nicht wenige).


Der Feminismus scheint ein ernsthaftes Image-Problem zu haben. Während Blätter wie "Zeit", "Süddeutsche" und "taz" ständig "Feminismus yay!" schreiben und Feministinnen von Geistesverwandten ulkige Preise verliehen bekommen, stehen diese Jubelrufe in starkem Kontrast mit dem Alltagserleben vieler Jungen und Männer, die noch dazu den Eindruck haben dürften, dass über diese Probleme in den Leitmedien kaum eine offene Debatte erlaubt ist.



2. Spiegel-Online bleibt dran am Thema "Feministinnen in der CDU und ihre Forderung nach einem Gender-Wahlrecht". In einem aktuellen Beitrag heißt es:

Auf den Kandidatenlisten für Parlamentswahlen sollen künftig zur Hälfte Frauen und Männer vertreten sein. Das haben die Mitglieder der Frauen Union auf ihrem 33. Bundesdelegiertentag in Leipzig einstimmig beschlossen. (...) Am Samstag hatte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sich bei der Veranstaltung bereits für einen höheren Anteil von Frauen in politischen Ämtern ausgesprochen.


Sogar wenn man dem Feminismus selbst weder aufgeschlossen noch ablehnend gegenüber steht, wird der ideologische Einheitsbrei in den Parteien allmählich etwas schwierig für die Demokratie. Lediglich acht Prozent der Deutschen positionieren sich selbst im feministischen Lager, ermittelte eine Umfrage des Instituts Yougov im Jahr 2018. Gleichzeitig hat jemand, der dem Feminismus nicht nur gleichgültig oder zwiegespalten gegenüber steht, sondern der ihn wirklich nicht mag, inzwischen große Probleme, eine einflussreiche Partei zu wählen, die nicht stark feministisch ausgerichtet ist. Insofern können Feministinnen einerseits triumphieren, weil sie die Leitmedien, die politischen Parteien und den akademischen Sektor gut im Griff haben. Andererseits: Das alles im Griff zu haben und nur acht Prozent der Bevölkerung ins eigene Lager ziehen zu können, sollte einem schon sehr zu denken geben.

Sonntag, September 15, 2019

"Die Feministinnen-Union": CDU-Frauen fordern Gender-Wahlrecht – News vom 15. September 2019

1. Wie Spiegel Online berichtet, wollen sich Frauen der CDU bei ihrem Bundestreffen für quotierte Wahllisten einsetzen. In der Union gäbe es ohnehin immer mehr Frauenrechtlerinnen. In dem Artikel heißt es:

Mehr Frauen als Mittel gegen die AfD? Zumindest haben in Sachsen laut Wahlanalysen deutlich mehr Frauen als Männer die CDU gewählt - mit mehr Politikerinnen ließen sich vielleicht noch mehr Wählerinnen gewinnen.


Einer meiner Leser schreibt mir hierzu:

Ist das nun Frauenlogik? Die großen Volksparteien verschrecken mit ihrer Politik immer mehr Männer. Um diesen Trend aufzuhalten, soll die Politik noch feministischer werden, damit Frauen als Wähler gewonnen werden? Dass damit noch mehr Männer verloren gehen, scheint egal zu sein. Sollte die CDU tatsächlich diesen Weg gehen, wird sie der SPD wohl in die Bedeutungslosigkeit folgen.


Ohnehin droht die feministische Wunschvorstellung an der Realität zu scheitern, berichtet Spiegel-Online:

Bereits 1996 hatte die Frauen-Union ein Quorum in der Partei erstritten: Demnach müssen ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt werden. Auf höchster Ebene hat das teilweise funktioniert. In der Kommunalpolitik war das nicht so einfach. Es gab zu wenige Kandidatinnen.




2. Am Mittwoch, dem 18. September 2019, spricht um 18:30 Uhr im Erfurter Restaurant Classico Katja Suding (Stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, familienpolitische Sprecherin der FDP) über das von der FDP geforderte Wechselmodell (gemeinsame Kinderbetreuung als Regelfall). Gastgeber sind der Internationale Vatertag Deutschland und die Aktion Kinderschuhe.Sorgerecht. Weitere Informationen findet man auf Facebook.

Währenddessen haben sich die grünen Frauen gegen das Wechselmodell ausgesprochen.



3. Obwohl Frauen in den Ingenieurswissenschaften nach wie vor deutlich in der Minderheit sind, machen immer mehr Frauenstudiengänge dicht.

Samstag, September 14, 2019

Wie wir Männer vom Selbstmord abhalten können – News vom 14. September 2019

1. Auf der Website "Male Psychology" beschäftigt sich der klinische Psychologe Martin Seager mit der Frage, wie man die hohe Rate an Selbsttötungen unter Männern eindämmen kann. Der Text ist eine Zusammenfassung eines Kapitels, das Seager im "Palgrave Handbook of Male Psychology and Mental Health" veröffentlicht hat. (Ich habe es noch nicht gelesen, aber schon bestellt.) Er spiegelt zugleich die Grundgedanken der Männerrechtsbewegung (Maskulismus) und erklärt, warum es diese Bewegung so schwer hat, anerkannt zu werden und Erfolge zu erkämpfen.

Viele Bücher über Selbstmord betrachten das männliche Geschlecht überhaupt nicht als Thema, was bedeutet, dass die männliche Geschlechtererfahrung meist unsichtbar ist. Diese große Diskrepanz zwischen dem Ausmaß des männlichen Selbstmords und unserem Mangel an Neugierde über das männliche Leben hinter den Statistiken ist der größte Hinweis auf die Ursachen des männlichen Selbstmords: die geschlechtsspezifische Empathielücke.

(...) Wegen des Archetyps des "männlichen Beschützers" sind wir alle implizit toleranter gegenüber männlichem Tod und Leiden aus dem einfachen Grund, weil wir erwarten, dass das männliche Geschlecht Schutz bietet und ihn nicht erhält. Die Statistiken über Todesfälle und Schutzverhalten auf der ganzen Welt belegen dies. Sogar die Überlebensfstatistiken der Titanic, wo die meisten Frauen überlebten und die meisten Männer starben, zeigen, dass Männer versuchten, Frauen und Kinder zu schützen, indem sie sie in die Rettungsboote brachten.

Männlicher Selbstmord ist ganz klar mit Scham über Schwäche und Misserfolg verbunden, aber diese Scham spiegelt einen gesellschaftlichen Mangel an Empathie für die männliche Erfahrung wider - deshalb schätzen Männer ihre eigene Verletzlichkeit nicht oder suchen keine Hilfe, weil sie nicht erwarten, Hilfe zu erhalten. Das spiegelt sich in einem Mangel an Dienstleistungen für männliche Opfer und dem Widerstand wider, Männer als Gruppe mit eigenen Bedürfnissen zu sehen.

Die derzeit populären sozial-konstruktionistischen Erzählungen rund um das Thema Geschlecht gehen jedoch davon aus, dass das männliche Geschlechterverhalten eine Reihe von Stereotypen ist, die einfach neu erlernt und umgeformt werden können. Daher werden - fälschlicherweise - Anstrengungen unternommen, um Jungen und Männer zu erziehen, ihre Einstellungen und ihr Verhalten zu ändern. Die Männlichkeit selbst wird als schädlich empfunden, und den Männern wird vorgeworfen, dass sie keine Hilfe suchen und letztlich sogar für ihre eigene Selbsttötungen. Paradoxerweise verstärkt dies natürlich nur den Archetypus, dass Männer dafür verantwortlich sind, alle Probleme zu lösen, einschließlich ihrer eigenen.

Die Scham, die Männer bei der Suche nach Hilfe empfinden, ist in der gesamten Gesellschaft verbreitet. Männern zu sagen, dass sie sich öffnen und Hilfe suchen sollen, zeugt von Doppelmoral, wenn die Handlungen und Einstellungen der Gesellschaft nicht mitfühlend sind und sie die Scham nur verstärken. Das verwirrt und lähmt Männer nur noch mehr.

In meinem Kapitel über den männlichen Selbstmord mache ich deutlich, dass der Versuch, einen Archetyp so zu ändern, als wäre er ein Stereotyp, nicht nur falsch, sondern auch schädlich und kontraproduktiv ist. Ich argumentiere jedoch, dass es möglich ist, das, was der männliche Archetyp in einem modernen sozialen Kontext bedeutet, neu zu definieren und anzuwenden:

* Wir können die männliche Stärke so neu definieren, dass sie auch das Suchen nach Hilfe beinhaltet, denn Hilfe zu suchen bedeutet, Probleme anzugehen, Kontrolle zu übernehmen und Maßnahmen zu ergreifen. Dies sind archetypisch männliche Attribute. Wenn wir den Männern sagen, dass sie, indem sie Hilfe suchen, ihre Familien schützen, spielt es in den Archetypus hinein, nicht gegen ihn.

* Einer Gruppe zu helfen, kann auch nur funktionieren, wenn der Ansatz einfühlsam ist, aber bei den Männern haben wir ständig versucht, sie zu verändern oder zu erziehen, anstatt sie so zu akzeptieren, wie sie sind, oder in ihre Welt hinein zu finden. Das bedeutet, dass wir die männlichen Unterschiede in der Art und Weise der Kommunikation, der Beziehung und des Umgangs mit Emotionen nicht respektiert haben. Wir haben versucht, Männer in ein "beratendes" Modell dessen einzubinden, was sie unserer Meinung nach sein sollten, und das ironischerweise näher am weiblichen Archetyp liegt.

* Die Beweise sind jedoch eindeutig: Wo Hilfsdienste Männern zuhören und Hilfe in einer Weise anbieten, die den männlichen Archetypen ehrt, funktionieren die Dinge viel besser. Dies kann durch männliche Räume, gemeinsame Aktivitäten, Schulter an Schulter erreicht werden.

Männer reden, wenn die Leute männerfreundlich zuhören. Wenn wir unsere Sprache, wenn es um Selbsttötungen geht, von "Öffnet euch, ihr sturen Männer" zu "Öffnen wir uns alle den Männern" ändern können, werden wir viel weiter kommen und viel mehr Leben retten.




2.
Sternchen, Unterstrich, Binnen-I - während die einen die weibliche Form als störend beim Lesen empfinden, pochen andere auf Gender-Gerechtigkeit. Der Magistrat Salzburg schlägt sich fortan auf die Seite der ersten Gruppe und verzichtet in internen Dienstanordnungen auf das „*innen“. Doch das schmeckt nicht jedem.


Die "Kronen-Zeitung" berichtet.



3. "Treffen Sie die Akademiker, die aus Ihrem Job gejagt werden, weil sie das Falsche denken" betitelt der britische Daily Telegraph einen Artikel von Margarette Driscoll. Der Beitrag dreht sich nicht wirklich um das Genderama-Thema "Männerrechte", aber hin und wieder behandelt dieses Blog ja auch die Genderdebatte in einem größeren Zusammenhang – vor allem wenn es um Probleme dabei geht, dass diese Debatte offen und angstfrei geführt wird:

Als Kathleen Stock letzten Sommer bei einem Blogbeitrag über den Gender Recognition Act auf "senden" klickte, wusste sie, dass sie einen Zünder drückte. Die Regierung beriet sich darüber, ob der rechtliche Wechsel des Geschlechts eine Frage des Gefühls - der Selbstidentifikation - sein sollte, anstatt einer vollzogenen Operation, und die Emotionen gingen bereits hoch. Wütende Anschuldigungen der Transphobie wurden gegen diejenigen erhoben, die wie Stock diese Idee in Frage stellten oder ablehnten, dass Männer, die sich wie Frauen fühlten, sich einfach als weiblich erklären und alle daraus resultierenden Privilegien in Anspruch nehmen können: Zugang zu Umkleideräumen für Frauen oder die Erlaubnis, auf Auswahllisten oder Sportmannschaften für Frauen zu erscheinen. Eine hochkarätige Professorin für Philosophie an der University of Sussex, die in diese Debatte einstieg, musste deren Hitzigkeit unweigerlich erhöhen.

Der Kampf kam bald auf sie zu: Studenten, die ein Plakat mit der Aufschrift "Transphobia now in STOCK at Sussex" schwenkten, eine Verurteilung durch die Studentengewerkschaft, die sich weigerte, "Hass" auf dem Campus zu tolerieren, Versuche, sie feuern zu lassen und ein Strom von Beschimpfungen online. Was sie nicht erwartete, war, eine tiefgreifende Furche der Angst und Einschüchterung aufzudecken, die sich über die Universitäten im ganzen Land verbreitete und die, wie sie sagt, jetzt die akademische Debatte unterdrückt.

Sobald sie ihre eigene Meinung veröffentlichte - die die Gültigkeit, sich einfach für die eigene Geschlechtszugehörigkeit zu entscheiden, in Frage stellte -, begann sie, von Kollegen kontaktiert zu werden, die ihr sagten, dass sie zustimmten, es aber nicht wagten, dies öffentlich zu sagen, weil sie Angst hatten, ihre Karriere zu ruinieren. Die meisten waren Frauen, einige mit Kindern und die meisten mit Zeitverträgen, die sie sich nicht leisten konnten zu verlieren.

"Es ist schockierend", sagt Professorin Stock. "Es ist heimtückisch. Es geht um Gespräche auf dem Flur, dass sie von Ihrem Abteilungsleiter einberufen werden, weil Sie die Universität gefährden, oder stillschweigend aus einem Gremium von Studienberatern gestrichen zu werden."

(...) Das Dossier, das Stock von anderen Wissenschaftlern zusammengestellt hat, die sich an sie wenden, liest sich ernüchternd. Einige von ihnen wurden angegriffen, weil sie in Frage stellten, dass sie geschlechtsneutrale Pronomen wie "ey" und "zie" verwenden mussten, wenn sie sich auf Studenten bezogen. Andere hatten keine Ahnung, welche roten Linien sie angeblich überschritten hatten. "Ich war in dieser Angelegenheit sehr ruhig, weil ich Angst habe, mich zu äußern, also war ich etwas verwirrt, ob alles, was ich retweetet hatte, möglicherweise als transphob interpretiert werden könnte."

Immer wieder sagen Wissenschaftler, die unter Verdacht stehen, dass es ihnen verboten ist, ihren Fall mit jemandem außer der engen Familie zu besprechen. Eine Dozentin, die wochenlang darauf wartete, herauszufinden, was die Beschwerde gegen sie beinhaltete, entdeckte, dass sie von einem Studenten stammte, mit dem sie nie wissentlich gesprochen, geschweige denn ihn unterrichtet hatte. Es beschuldigte sie, "genderkritisches Material" zu retweeten, was bedeutet, dass sie trans Studenten missgendern oder bei deren Bewertung voreingenommen sein könnte: "Während dieser Untersuchung habe ich einen wissenschaftlichen Aufsatz über die staatliche Zensur und die daraus resultierende Selbstzensur einer Schriftstellerin im Jahr 1824 geschrieben; ich bin erschüttert von den Parallelen fast 200 Jahre später."

Die jüngste Korrespondentin von Stock war von einer Frauenstudienabteilung "freigestellt" worden, weil sie über Menstruation unterrichten wollte: "Man kann in manchen Abteilungen der Geschlechterforschung nicht mehr über den weiblichen Körper sprechen, weil man das 'vaginales Privileg' nennt. Es ist einfach lächerlich."

All dies mag surreal erscheinen, aber es fügt sich in eine erstickende akademische Debatte ein. Es geht nicht darum, ob die eine oder andere Seite Recht hat, sondern dass lärmender politischer Aktivismus und Shitstorms auf Twitter (...) begründete Debatten übertönen und potenziell unbeliebte Forschung verhindern.

Deshalb hat sich Stock entschieden, sich hier einzubringen: "Ich dachte nur, dass ich das Thema anschieben muss, ich muss die Erste sein, die sagt: 'Komm schon, wir müssen darüber reden können'."

Wichtige Fragen werden durch die Behauptung aufgeworfen, dass ein innerer "Sinn" für Geschlechtsidentität genauso wichtig ist wie das biologische Geschlecht, glaubt sie, einschließlich der Frage, wie man die schnell wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen verstehen kann, die zur Geschlechterberatung gehen, ob trans Frauen ein moralisches Recht haben sollten, als Frauen auf dem Sportplatz zu konkurrieren, und ob persönliche Daten die Geschlechtsidentität und nicht (das biologische) Geschlecht bei der Geburt erfassen sollten.

"Diese Fragen sind zutiefst philosophisch", sagt sie. "Es geht um Identität und Natur, Politik und Ethik und den Ausgleich konkurrierender Interessen."

Universitäten sind in der Regel die Orte, an denen solche Fragen diskutiert werden, bevor sie von politischen Entscheidungsträgern bearbeitet werden. Dieser Prozess kommt zum Stillstand, meint sie, weil die Universitäten als Unternehmen auftreten müssen und es einen Verdrängungswettbewerb gibt, um Studenten und die von ihnen gezahlten Gebühren zu gewinnen. Ein Pluspunkt ist es, Diversity Champion zu werden, indem man die Mitarbeiter durch geschlechtsspezifische Sensibilisierungskurse führt: "Die Universitäten lieben es, weil es sie wirklich 'inklusiv' aussehen lässt, was überall ein Schlagwort ist".

Nur für das Protokoll, sagt sie: "Ich bin nicht dagegen, dass es trans Frauen gibt oder ein Geschlechts-Anerkennungs-Gesetz. Ich bin nur dagegen, dass Geschlecht auf Selbstidentität basiert und wie Sie sich fühlen. Es sollte eine sinnvolle Entscheidungsfindung geben. Sie sollten eine Diagnose haben, und Sie sollten Engagement zeigen und es sollte eine Geschlechterdysphorie vorliegen. Es sollte ein therapeutischer letzter Ausweg sein und nicht das, was ein Vierjähriger tut, wenn er Rosa mag.

In einigen Universitätscampus haben wir Poster in Frauentoiletten, die besagen, dass, wenn jemand in die Waschräume kommt, der ein Geschlecht besitzt, das man nicht erwartet, oder der aussieht, als würde er die falschen Toiletten benutzen, man ihm vertrauen sollte, nicht sich selbst. Die Norm, die wir haben, wird erodiert, so dass wir niemanden zur Rede stellen können, der in ein Badezimmer, ein Wohnheim oder eine Umkleide geht."

Gleichzeitig dringen Ideen zur Geschlechterfluidität in den Mainstream ein. Erst letzte Woche behauptete ein BBC-Film mit Kindern im Alter von 9-12 Jahren, dass es mehr als 100 "geschlechtsspezifische Identitäten" geben könnte. (...) Aus Sicht von Stock ist dies wenig sinnvoll. "Zu sagen, dass es mehr als 100 Geschlechter gibt, ist verwirrend. Wenn das nur in einem Elfenbeinturm vor sich ginge, würde es keine Rolle spielen, aber es wird in Schulen verbreitet, und Kinder können es unmöglich anders verstehen, als in sehr vereinfachten Begriffen: Ein Mädchen, das gerne mit Autos spielt und andere Mädchen mag, kann durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Lehrerin ihr sagt, dass sie in Wirklichkeit ein Junge ist, was schwerwiegende Folgen haben kann."

Die Zahl der jungen Menschen, die ihr Geschlecht in Frage stellen, steigt: Der "Tavistock and Portman NHS Foundation Trust" erhielt in den Jahren 2017-18 volle 2.519 Überweisungen an seinen Dienst zur Entwicklung der Geschlechtsidentität. "Es gab einen Anstieg bei jungen Teenagerinnen, die sich in einer Übergangsphase befinden", sagt Stock. "Wenn sie 25 sind, fühlen sie sich vielleicht wieder anders, aber bis dahin haben sie körperliche Spuren an ihrem Körper, die durch die Medikamente verursacht wurden, und sie können sehr wohl unfruchtbar sein. Die Ärzte überwachen sie nicht, es gibt keine psychologischen Programme für sie, sie sind irgendwie in der Schwebe ... Es gibt eine wachsende Zahl von ihnen in den sozialen Medien und sie sind oft sehr intelligente, artikulierte, sensible Menschen, die in der Lage sind, ihre eigene Situation zu analysieren. Ich hoffe nur, dass sich Akademiker sozial, psychologisch und medizinisch mit diesem Phänomen beschäftigen werden, denn es wird immer wichtiger werden. Es entsteht ein Mangel an Verständnis für die Auswirkungen von Pubertätsblockern auf junge Körper. Über nichts davon kann man sprechen, denn das wäre 'transphob'. Du kannst ein Kind nicht dazu befragen, denn das wäre eine Konversionstherapie. Wir müssen über all das reden."

Sie hat Recht - aber wer wird im aktuellen Klima den Mut haben, sich zu äußern?

Freitag, September 13, 2019

Feministisches Wahlrecht soll "klagefest" werden – News vom 13. September 2019

1. Der Deutsche Juristinnenbund plant eine Strategie, mit der Frauenquoten auf Wahllisten vor den Verfassungsgerichten durchgesetzt werden sollen. Die Kommentare sind auch bei der "taz" inzwischen besser als der Artikel selbst.



2. Bundesrichter Thomas Fischer ruft "Haltet ein!", was den Kinderpronographie-Vorwurf gegen einen bekannten deutschen Fußballer angeht. Teil des Artikels ist auch die bereits auf Genderama angesprochene befremdliche Pantomime Sandra Maischerbergers im Gespräch mit Wolfgang Kubicki (FDP), als es um die Falschbeschuldigungen gegen Jörg Kachelmann ging:

Die Moderatorin demonstrierte also in treuherziger Offenheit exakt das, was Kubicki beschrieben und als "Unverschämtheit" charakterisiert hatte: Wenn es um Sexualdelikte geht, führt selbst ein rechtskräftiger Freispruch nicht zur Rehabilitierung des Beschuldigten. Er wird vielmehr unter der Rubrik "kann sein, kann auch nicht sein" abgelegt. Der Verdacht bleibt verfügbar und wird noch jahrelang zu beliebigen Zwecken und Zeiten als biografische "Info" wiederbelebt, als "umstritten" oder "letztlich nicht bewiesen" bezeichnet oder, wie im Fall Kachelmann, als sogenannte Meinung weiterverbreitet.


Bundesrichter Fischer hat auch zum journalistischen Umgang mit der Unschuldsvermutung und mit Kinderpornographie einiges zu sagen.



3.
Bei den US-Streitkräften sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens 100.000 Männer pro Jahr Opfer sexueller Übergriffe geworden. Wie die New York Times unter Berufung auf Zahlen des US-Verteidigungsministeriums berichtete, waren allein 2018 etwa 7.500 Männer von sexueller Belästigung, versuchter Nötigung bis hin zu Vergewaltigung betroffen. (...) Mehr als die Hälfte der Übergriffe ging nach Angaben des Verteidigungsministeriums von Männern aus. In 13 Prozent der Fälle handelte es sich um Männer und Frauen als Täter. 30 Prozent der betroffenen Männer gaben an, die Täter seien weiblich gewesen.


"Die Zeit" berichtet.



4. Frauenmagazine sind heutzutage "progressiver" denn je – und gehen pleite, beklagt der feministische "Guardian".



5. In der australischen Ausgabe des Politik-Magazins "Spectator" spricht der Paartherapeut Rob Tiller über den "Krieg der Psychologie gegen Männer". Anlass des Artikels ist, dass die einflussreiche Amerikanische Psychologenvereinigung unter feministischem Einfluss traditionelle Männlichkeit als geprägt von "Stoizismus, Wettbewerbsfähigkeit, Dominanz und Aggression" definiert hat, was schädlich sei. Tiller wendet ein, was er schon auf der Internationalen Männerkonferenz 2019 dem Publikum mitgeteilt habe:

Aus der Sicht eines erfahrenen Paarberaters, erklärte ich dem Publikum der Konferenz, dass jede Fliege, die die Sitzung eines Paares beobachten würde, bemerken würde, dass all diese Merkmale, in beiden Geschlechtern vorliegen. Natürlich können auch Frauen stoisch, kompetitiv, dominant und aggressiv sein.

Diese adaptiven Verhaltenspotenziale sind bei einer Vielzahl von sozialen Säugetieren biologisch fest verdrahtet und können in menschlichen Beziehungen entweder konstruktiv oder destruktiv ausgelebt werden. Ich fügte hinzu: "Damit die Paarberatung funktioniert, müssen individuelle kontraproduktive Verhaltensweisen bei beiden Partnern angesprochen werden".




6. "Wie kann die BBC es wagen, Kindern beizubringen, dass es 100 Geschlechter gibt", fragt Celia Walden im "Telegraph" anlässlich einer entsprechenden Sendung:

Selbst in der Des-Kaisers-neue-Kleider-Gender-Erzählung ist 100 grenzwertig. Selbst das politisch korrekte Facebook listet derzeit 71 komplexe und sich urkomisch wiederholende Optionen für diejenigen auf, die sich von den oh-so-reduzierenden "männlichen" und "weiblichen" Variante bedroht fühlen.

Und trotz vier Jahren an der medizinischen Fakultät (wo man hofft, dass die Grundlagen abgedeckt sind) wird Ihr Hausarzt vor Ort "nur" sechs Geschlechter anerkennen: männlich, weiblich, geschlechtsneutral, nicht-binär, genderfluid und genderqueer.


Öhm. Ich beschäftige mich mehr oder weniger hauptberuflich mit diesem Thema, und auch ich hätte Schwierigkeiten, die Unterschiede und Grenzverläufe zwischen "geschlechtsneutral, nicht-binär, genderfluid und genderqueer" zu erklären. Googlen hilft auch nicht wirklich weiter, sondern führt einen nur zu noch hipperen Begriffen wie "Maverique" (mit cooler eigener Flagge), "Neutrois", "Ilyagender" und "Foggender" ("Gender, das nahe an einem Gender dran ist, aber nicht genau festgelegt werden kann aufgrund von Brainfog"). Ich mache ja jeden Quatsch gerne mit, frage mich aber auch, ob dieser Ansatz Kindern bei ihrer Entwicklung wirklich hilft.

Donnerstag, September 12, 2019

"Paukenschlag" im Fall Neymar: Verleumdung, Erpressung, Prozessbetrug – News vom 12. September 2019

1.
Wochenlang war der brasilianische Fußballstar Neymar wegen einer angeblichen Vergewaltigung in den Schlagzeilen: Das Model Najila Trindade hatte schwere Vorwürfe gegen den 27-Jährigen erhoben. Der Stürmer hatte die Anschuldigungen stets bestritten, die Polizei stellte die Ermittlungen schließlich ein, weil es nicht genügend Beweise für Trindades Behauptungen gegeben habe. Jetzt der Paukenschlag: Wie das Amt für öffentliche Sicherheit in Sao Paulo mitteilte, will die Polizei das Model wegen Verleumdung, Erpressung und Prozessbetrugs anklagen. Die Ermittlungsergebnisse seien der Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Gericht zur weiteren Prüfung übergeben worden, so die Behörde.


Hier geht es weiter.

Noch vor drei Monaten hatte die "taz" beklagt, dass Neymar trotz des Vorwurfs der Vergewaltigung "erschreckend unangreifbar" bleibe.



2. Einer Umfrage des Bundesfrauenministeriums zufolge wünschen sich die Deutschen mehr engagierte Väter.



3. Väter in der Schweiz bekommen zukünftig zwei Wochen Ferien nach der Geburt ihres Kindes.



4. Ein Studium lohne sich für Männer finanziell mehr als für Frauen, behauptet die Süddeutsche Zeitung mit Bezug auf eine aktuelle Studie. Christian Schmidt erklärt, welche Gedanken sich die selbsternannten "Qualitätsjournalisten" bei ihrer Interpretation der Forschungsergebnisse nicht gemacht haben.



5. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einer Studie des Reuters Institute zufolge Probleme, jüngere und schlechter gebildete Menschen mit digitalen Nachrichtenangeboten zu erreichen. Darüber hinaus

bedienen die deutschen Sender ein Publikum, das sich nach eigener Einschätzung mehrheitlich politisch links von der Mitte verortet. Die politische Mitte wird nur minimal gestreift.


Trotz einiger Recherche konnte ich den Hinweis auf diese ideologische Einseitigkeit der Öffentlich-Rechtlichen außer in einem Artikel der "Welt" fast nur in dezidiert rechten Medien finden. Vor allem in den von mir gesichteten Zeitungen wurde diese Erkenntnis unter den Tisch fallen gelassen. Ein Diagramm aus der Studie, das zeigt, dass die Öffentlich-Rechtlichen selbst die politische Mitte gerade mal touchieren, präsentiert immerhin Michael Kleins Blog Kritische Wissenschaft.

Auch wenn man so wie ich selbst politisch links steht ist eine derart krasse Einseitigkeit des von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks aberwitzig. Auch viele von uns Linken möchten bei einer Debatte gerne beide Seiten hören statt eine redaktionell vorbereiteten Einheitsmeinung präsentiert zu bekommen. Dass beispielsweise die Männerrechtsbewegung mit ihren Anliegen in der Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen seit Jahrzehnten konsequent übergangen wird, dürfte ebenfalls der Tatsache zu verschulden sein, dass die Redakteure Feminismus für "links" und jede Abweichung davon für "rechts" halten, weshalb darüber entweder gar nicht oder nur abwertend berichtet werden darf.

Mittwoch, September 11, 2019

Neu im Spielwarenladen: Feministisches Monopoly – News vom 11. September 2019

1. Der Nachrichtensender CNN berichtet über das Neuste auf dem Spielemarkt:

Eines der bekanntesten Brettspiele Amerikas bekommt ein Upgrade. Hasbro stellt ein neues Spiel vor, das die Ermächtigung der Frauen feiert – "Ms. Monopoly", wobei zum ersten Mal in der Geschichte von Monopoly ein neues Maskottchen auf dem Cover des Spiels zu sehen sein wird. Der besondere Kniff? Bei "Ms. Monopoly" erhalten Spielerinnen mehr Geld.


Der Grundgedanke mancher feministischer Strömungen ist den Machern also klar geworden.

Im Gegensatz zum klassischen Spiel sammeln Frauen 240 Monopoly-Bucks, wenn sie "go" passieren, während männliche Spieler die üblichen 200 sammeln. Die Idee ist, ein Spiel zu schaffen, in dem Frauen mehr verdienen als Männer – laut Hasbro das erste Spiel, wo dies der Fall ist. (...) "Aber keine Sorge, wenn Männer ihre Karten richtig spielen, können sie auch mehr Geld verdienen."


Und wenn die Männer trotz aller Frauenförderung gewinnen, nennt man es "Patriarchat"?

Anstatt Grundtücke zu kaufen, können die Spieler hier in Erfindungen investieren, die von Frauen gemacht wurden - Dinge wie Wi-Fi und Schokoladenplätzchen.


Das feministische Monopoly scheint mehr satirisch gemeint zu sein, wenn man sich die Spiele anschaut, in deren Reihe es sich einfügt:

Die Ankündigung von "Ms. Monopoly" erfolgt einige Wochen, nachdem das Unternehmen Kritik an "Monopoly Socialism" erhalten hat - ein augenzwinkerndes Spiel, das die Debatte über seinen leichtfertigen Umgang mit dem Sozialismus entfachte. Hasbro präsentierte 2018 auch "Monopoly für Millennials" und machte sich über stereotype Millenniums-Trends wie Avocadotoast und Veganismus lustig.


Bei beiden Spielen wäre ich augenblicklich dabei.

Auf Twitter erhält die feministische Monopoly-Variante kreative Verbesserungsvorschläge wie beispielsweise diesen von einer jungen Dame namens Michelle Malkin:

Statt einer Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte können Frauen eine Steckt-sie-ins-Gefängnis-Karte mit falschen #MeToo Behauptungen gegen Männer spielen und danach durch Multi-Millionen-Dollar-Zivilprozesse und -Buchgeschäfte profitieren.


Einige kritisieren auch, dass das feministische Monopoly Mädchen die Botschaft vermittle: "Du kannst im Leben nur gewinnen, wenn du von Anfang an einen unfairen Vorteil genießt, und deshalb wird dich jeder dafür hassen."



2. Die Frankfurter Allgemeine preist in einem aktuellen Artikel die Männer, die als mutige Unternehmensgründer die Frauen in diesem Bereich weit hinter sich lassen und durch ihren Einfallsreichtum und ihre Kühnheit zahllose Arbeitsplätze für beide Geschlechter schaffen. Dass nur 4 Prozent der seit dem Jahr 2008 aus der Taufe gehobenen Start-ups von Frauen gegründet wurden, sei armselig und zeige bedauerliche Mängel beim weiblichen Geschlecht. Schlimmer noch: Versuchen sich Frauen doch einmal mit der Unternehmensgründung, wirken sie auf Investoren oft wenig vertrauenswürdig und außerdem naiv.

Nein, ich mache natürlich nur Spaß, Journanlisten unserer Leitmedien können nicht einmal mehr so DENKEN: Tatsächlich werden Gründerinnen natürlich "abgehängt", dadurch entgehe der Wirtschaft anormes Potential, es werde bei diesem Tempo bis zum Jahr 2139 dauern, bis endlich Gleichstellung zwischen den Geschlechtern herrsche, Deutschland hinke in Sachen Diversität hinterher, obwohl Frauen natürlich auch als Existenzgründer Männern überlegen sind und so weiter und so fort, die übliche Litanei. Die "Frankfurter Allgemeine" und Alice Schwarzers "Emma" sind hier kaum noch zu unterscheiden. Überraschend ist allenfalls, dass weder eine Quotierung bei Unternehmensgründungen, noch eine Bestrafung der männlichen Firmengründer gefordert wird.



3. Eine weitere geschlechtsbezogene Neid-Debatte findet in der Schweiz statt: In Abteilen der ersten Klasse sitzen vor allem arrogante, alte Männer, behauptet die Ex-Juso-Chefin Tamara Funiciello, die deshalb die erste Klasse komplett abschaffen möchte.



4. "Ältere Männer versauen die Diskussionskultur im Internet", findet Jakob Augstein, weil sie immer nur schimpfen würden, statt so freundlich zu sein wie beispielsweise die jungen Frauen von Fridays for Future. Früher sei die Diskussionskultur besser gewesen – obwohl die alten weißen Männer damals an den Schaltstellen in den Medien saßen.

Haben ältere Männer heute vielleicht einen Grund für ihren Unmut? Leider formuliert Augstein das nicht geschlechtsbezogen, sondern nur vage und allgemein:

Die Probleme sind da draußen - und die spiegeln sich nur bei uns. Wir bilden nur ab, was bei euch los ist. Das ist ein sehr wichtiger Gedanke. Wenn sich die Debatte im Netz verschärft, deutet das auf eine verschärfte soziale Situation in der Gesellschaft.


Leider gelingt es Augstein, sich innerhalb weniger Absätze selbst zu widersprechen. Zuerst heißt es bei ihm:

Leute aus anderen Generationen können mit diesen Dynamiken nämlich nicht umgehen. Wenn Sie nicht digital sozialisiert sind, fliegt Ihnen das Netz einfach um die Ohren. Dann halten Sie dessen Kraft nicht aus, haben nicht die Selbstdisziplin und Achtsamkeit, die es braucht.


Kurz darauf erklärt Augstein zu den ""Rechten", die er als "alt" identifiziert:

Die so genannten Rechten nutzen das Netz für ihre rechte "Revolution" viel, viel besser als liberale, demokratische und linke Kräfte. Ich denke, es hängt damit zusammen, dass sich das Netz als Werkzeug zunächst besser als Knüppel denn als Feder eignet. (...) Die Rechten haben innerhalb weniger Jahre das politische Feld komplett umgepflügt. Sie haben Diskurselemente in die Debatte eingepflanzt, die zuvor völlig unvorstellbar waren. Es ist ihnen gelungen, die politische und sozio-kulturelle Landschaft in kurzer Zeit total zu verändern. Wenn das keine Revolution ist.


Immerhin macht sich Augstein keine Illusionen, dass die Grünen politisch irgendwo "links" stünden.

Zur Rettung der Diskussionskultur im Internet fordert Augstein "Selbstertüchtigung und Selbsterziehung des Einzelnen". Aber warum sollten alte rechte Männer das tun, wenn sie Augsteins Logik nach mit ihrem Verhalten durchaus erfolgreich sind? Noch mal genauer darüber nachzudenken, welche Thesen man eigentlich vertritt und wie man sie miteinander in Übereinkunft bringen könnte, hätte Augstein nicht geschadet. Andererseits: Reicht ja für eine Dokumentation auf 3sat. Auch wenn die nur die eigenen Anhänger überzeugt.



5. Auf "Geschlechterallerlei" beschäftigt sich Jonas mit der zweifelhaften feministischen Rhetorik von Annette Widmann-Mauz, Vorsitzende der Frauenunion (CDU). Fazit der Analyse.

Undemokratische bzw. zweifelhaft demokratische Staaten und massenhafte Männervernichtung gelten der Frauenunion unter Widmann-Mauz als Vorzeigebeispiele für "Gleichberechtigung".




6. Im Herbst letzten Jahres überboten sich viele Leitmedien in Empörung darüber, dass der US-Politiker Brett Kavanaugh nach einer quälenden Anhörung zum Richter des Obersten Gerichtshofes ernannt wurde, obwohl Christine Blasey Ford plötzlich behauptete, Kavanaugh sei ihr gegenüber als Teenager sexuell übergriffig gewesen. Inzwischen berichtet das renomierte Nachrichtenmagazin Newsweek über neue Enthüllungen, was die Anschuldigungen gegen Kavanaugh angeht:

Ein Video, das in den sozialen Medien zirkuliert, zeigt Christine Blasey Fords Rechtsanwältin [Debra Katz], wie sie den Teilnehmern einer feministischen Konferenz erklärt, dass die Aussage ihrer Klientin gegen den jetzigen Obersten Bundesrichter Brett Kavanaugh ein politisch motivierter Schachzug war, um "Roe v. Wade", [ein Präzedenzurteil zur Durchsetzung des Abtreibungsrechts,] zu schützen.

Konservative wettern gegen Kommentare, die die Anwältin Debra Katz im April in ihrer Grundsatzrede auf der Feministischen Rechtstheoriekonferenz der Universität Baltimore über Kavanaughs umstrittenen Bestätigungsprozess geäußert hat. (...) Anlässlich des Themas "Angewandter Feminismus und #MeToo" sagte Katz zu den Teilnehmern: "Nach diesen Anhörungen glaube ich, dass Christines Aussage mehr Gutes bewirkt hat als frauenfeindliche Republikaner an Schaden angerichtet haben, indem sie Kavanaugh als Bundesrichter zugelassen haben."

Die selbsternannte "Aktivistin für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit" fuhr fort: "Wir werden einen konservativen [Bundesrichter] haben ... Wahlen haben nun mal Konsequenzen. Aber er wird immer ein Sternchen neben seinem Namen stehen haben. Wenn er sich Roe v. Wade vornimmt, werden wir wissen, wer er ist, wir kennen seinen Charakter, und wir wissen, was ihn motiviert, und das ist wichtig; es ist wichtig, dass wir es wissen, und das ist Teil dessen, was Christine motiviert hat."

(...) Ein Reporter des "American Lawyer Magazine", Ryan Lovelace, hat letzte Woche ein Buch mit dem Titel "Search and Destroy: Inside the Campaign against Brett Kavanaugh" veröffentlicht, in dem er Katz als parteiische, politisch motivierte Feministin darstellt, die Ford ermutigte, Kavanaugh zu verleumden.

Kavanaugh wurde mit 50 zu 48 Stimmen von Senatoren am 6. Oktober bestätigt. Lovelaces Buch behauptet, dass Katz wütend auf die weißen Männer war, die für den Bestätigungsprozess des Senats verantwortlich waren, und dass sie mit ihnen aus ideologischen Gründen ein Hühnchen zu rupfen hatte, als sie versuchte, einen Konservativen vom Obersten Bundesgericht fernzuhalten.

Mit den Worten von Lovelace: "Fords Publikum war nicht der Senat, wie Katz zuvor angedeutet hatte, sondern das amerikanische Volk. Wenn die Bürger überzeugt werden konnten, dass Richter Kavanaugh ein Triebtäter war, dann würden sie ein zukünftiges Urteil dieses Gerichts vielleicht nicht akzeptieren, wenn es das Abtreibungsrecht wieder einschränkte, das durch "Roe v. Wade" herbeigeführt worden war. Hätte der Senat die wirkliche Motivation von Ford verstanden, wie sie von Katz beschrieben wurde, hätte er den Druck, den die 'organisierten Kräfte' ausübten, besser einschätzen können."

Dienstag, September 10, 2019

"Führerscheinentzug bei Unterhaltsschulden? Eine populistische Luftnummer der SPD" – News vom 10. September 2019

1.
Auf den ersten Blick klingt die Forderung der kommissarischen SPD-Chefin Manuela Schwesig ja richtig: Wer seinen Kindern keinen Unterhalt zahlt, muss vom Staat an die Kandare genommen werden – zur Not auch mit unkonventionellen Mitteln wie einem Führerscheinentzug. Doch je mehr man ins Thema eintaucht, desto mehr verliert Schwesigs Vorstoß an Substanz und würde schlussendlich vor allem Geringverdiener treffen, denen man mit einem Führerscheinentzug die ökonomische Grundlage entziehen würde, was ganz sicher auch nicht im Interesse der Kinder ist. Populismus ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der politischen Ränder.


Weiter geht es mit dem gelungenen Beitrag von Jens Berger auf den Nachdenkseiten.



2. Spiegel-Online bietet Annette Widmann-Mauz, Chefin der CDU-Frauen-Union ein Forum für ihre Forderung nach einem feministischen Wahlrecht, um mehr Frauen in die Parlamente zu spülen.



3. Der Pestarzt beschäftigt sich mit gewohnter Wortgewalt über die "moralinsauren Moralisten", die aktuell beispielsweise gegen True Fruits wettern. Ich zitiere mal etwas länger:

Ich dachte vor ein paar Jahren mal, die Welt könne nicht bekloppter werden, doch das war ein Irrtum. Ein Trugschluss. Ich habe das nicht zu Ende gedacht und angenommen, die menschliche Blödheit sei auf einen bestimmten unverrückbaren Sockel limitiert und könne nicht ins Unendliche gesteigert werden, aber das stimmt nicht. Sie werden von Jahr zu Jahr blöder. Lauter. Kreischender. Und verrückter.

Was da mit erhobenem Zeigefinger dasteht und krakeelt, ist nicht weniger als der neue Klerus. Viktorianisch. Prüde. Bitterernst. Sie haben die alten, lahmenden Presseorgane in ihrem Bataillon, die öffentlich-rechtlichen Anstalten, aus dem Gebührenaufkommen querfinanzierte YouTube-Kanäle, lassen ihre Kritiker blocken und haben sich, damit das einfacher geht, dafür sogar ein Gesetz zimmern lassen. Und bis zum Zäpfchen privilegierte Premiumautorinnen mit Fangirls im Kometenschweif rennen medienwirksam in den Supermarkt und räumen Regale um, auf dass ich mein ejakulatartiges sexistisches Fruchtpüree nicht mehr finde und doch bitte auf das turbokapitalistische Konkurrenzprodukt von Coca Cola umsteige, was quer durch die etablierten Portale fürsorglich beklatscht wird.

(...) Was seid ihr doof. Unendlich doof. Ihr erreicht mit diesem ständigen penetrierenden dauerempörten unendlich abgehobenen Geblöke genau das Gegenteil: Euch eigentlich grundsätzlich mal zugeneigte Leute wenden sich ab, wählen eure Parteien nicht mehr, lachen beim Bier über euren verkopften Scheiß, feixende Trolle stressen euch in die Schnappatmung und die vollkommen Frustrierten wählen seit Neuestem sogar rechts, weil das offenbar das ist, mit dem man euch am allermeisten ärgern kann und ihr merkt das alles nicht, sondern twittert munter weiter eure Moralinsäure in die Welt als gingen die Zehnerjahre, in denen ihr die uneingeschränkte Lufthoheit über alle Ressourcen hattet, nicht bereits in ein paar Monaten schon zuende.

(...) Was ihr auch nicht merkt, weil ihr die alle geblockt habt: Unter eurem Radar hat Rechts dazugelernt. Massiv. Erfolgreich. Professionell. Und seit neuestem reichweitenstark. In kürzester Zeit. Kommt jetzt young, fresh, urban, hip daher. Ist frech. Naseweis. Bärtig. Trägt Hoodie. Und verarscht euch. Macht sich lustig. Über die Bräsigkeit. Das Superkorrekte. Klerikale. Glückwunsch. Alles falsch gemacht. Da habt ihr sie. Das ist jetzt eure Opposition. Der Protest gegen euch. Da nutzt auch euer Löschen nix. Die laden das einfach neu hoch, vernetzen sich über Telegram, vk, dtube, reddit, alles Orte, an die ihr nicht rankommt, während ihr immer noch emsig Löschanträge bei YouTube stellt, als würde das Löschen irgendwas bringen, außer sie zu Zensurmärtyrern zu machen, was ihnen jedes Mal noch eine Schippe mehr Anhänger sichert, die inzwischen nicht mal halb so alt sind wie ihr und Oberlehrer samt Bräsigkeit schon seit der Schulzeit nicht leiden können.

Und sonst? Ideen? Neues? Nein, ihr seid wie immer. Eure Kanäle sind fad, eure Stellungnahmen in eurem Verwaltungsgenderdeutsch ein Elend und eure immergleichen hysterischen Choreographien abstoßend routiniert, alles nur wohlfeile Empörungsrituale, für die sich außerhalb eurer Blase niemand mehr interessiert. Ihr schmeckt säuerlich. Vergoren. Giftig oft. Ihr seid nicht hip. Nicht frech. Und schon gar nicht mehr jung. Ihr seid lame. Spießig. Öde. Ihr seid der Klerus auf dem goldenen Balkon, der jede kleine Frechheit übel nimmt, weil Frechheit gegen die Linie verstößt. Wie konnte es passieren, dass sich die Dinge so umkehren? Wann ist euch das entglitten? Und warum verkauft sich Rechts jetzt als der hippe Protest gegen euch, die ihr in den Clubsesseln der Schaltstellen sitzt? Und warum fällt ihnen das so leicht? Und euch nichts dagegen ein?


Ja, das ist doch wirklich hübsch auf den Punkt gebracht.

Bei dieser Gelegenheit: Lieber "Pestarzt", ein Verleger, mit dem ich in Kontakt stehe und der Genderama liest, interessiert sich – auch außerhalb des Geschlechterthmas – für deine Texte und würde gerne mit dir in Kontakt treten. Wir finden auf deiner Seite aber keine Kontaktmöglichkeit. Wenn du magst, kannst du mich anmailen unter Cagliostro3@hotmail.com.



4. Spektrum der Wissenschaft berichtet sehr ausführlich über Menschen, die auch im Erwachsenenalter noch unfreiwillig Jungfrau sind. Auch hiervon ein Auszug:

Christoph Joseph Ahlers behandelt in seiner Praxis für Paarberatung und Sexualtherapie in Berlin auch Menschen, die unter ihrer Kontaktlosigkeit leiden. »Es sind überwiegend Männer – das Geschlechterverhältnis beträgt etwa eins zu zehn«, schätzt Ahlers. Viele seiner Patienten hätten problematische Vorstellungen von Sexualität. Sie missverstehen Pornos als idealtypische Form und denken: So geht Sex – man muss einen großen Penis haben und immer bereit sein. Solche Denkmuster als Fiktion zu entlarven, ist für Ahlers bereits ein erster Therapieerfolg. Dann erarbeitet er mit seinen Klienten eine andere, weniger angstbesetzte Vorstellung von Sexualität. "Sex ist die intimste Form von Kommunikation. Es geht um das Bedürfnis, angenommen und gemocht zu werden und das über Hautkontakt körperlich zu spüren. Das ist der Grund, warum wir überhaupt Paare bilden. Bloße sexuelle Erregung oder Fortpflanzung geht ja auch ohne Partner", erklärt Ahlers. Wenn sie das begriffen, würden die Betroffenen oft zu weinen anfangen. Es sei für sie eine Erleichterung zu verstehen, dass man es beim Sex nicht draufhaben muss, um gemocht zu werden.


Das ist doch mal ein schöner Ansatz. Häufig krankt Pornographiekritik ja daran, dass die Gegner dieses Genres, beispielsweise Alice Schwarzer, Männern abwertender und verachtungsvoller als der misslungenste Porno begegnen.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Guten Tag Herr Hoffmann,

nach vielen Jahren mal wieder eine Mail von mir an Sie. Zunächst Danke, dass Sie weiter an den Themen dran bleiben. Lese den Blog fast täglich.

Ich engagiere mich seit ein paar Jahren in der ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei ) in Hamburg und wir sind im Vorstand dabei, das Wahlprogramm in Hamburg zu entwickeln. Es gibt ein paar Leute bei uns, denen die extrem einseitige Geschlechterpolitik, besonders von den Grünen, doch sehr auf der Zeiger geht, und wir möchten im November gern eine Veranstaltung/Debatte zum Thema ansetzen, so in die Richtung:

"Männerquote an Grundschulen?" Brauchen wir eine andere nachhaltigere Geschlechterpolitik in Deutschland und Hamburg?

Frage: Kennen Sie Personen, die sich mit der geschlechter-, und männerpolitischen Situation in Hamburg etwas auskennen, dass wir hier auch mit konkreten Zahlen aus der Stadt arbeiten können. Wir haben aktuell 300 Aufsteller in der Stadt verteilt, würden dieses Thema damit auch in die Öffentlichkeit tragen und damit gern auch die anderen Parteien auf Dinge stoßen, die sonst runter fallen. Wir haben das schon bei einigen Themen erlebt, dass wir auch als kleine Truppe etwas bewegen können. Vielleicht können Sie das auch auf dem Blog kurz erwähnen, dass wir hier Kontakte / Experten suchen, die sich in den Fragen vor Ort etwas auskennen und uns beraten können.


Der Verfasser dieser Mail, Benjamin Krohn, ist unter krohn.benjamin@googlemail.com zu erreichen. MANNdat und die "IG Jungen, Männer, Väter", an die man natürlich als erstes denkt, wenn es um Männeranliegen geht, habe ich über diese Anfrage bereits informiert.

In Österreich fordert inzwischen übrigens die Partei "JETZT – Liste Pilz", die von dem Grünen-Aussteiger Peter Pilz mitbegründet wurde, eine linke Männerpolitik im Sinne von Genderama. Auf der Website hierzu heißt es:

Wir bei JETZT (...) haben uns bewusst entschieden, der heutigen Realität der Frauenpolitik als zweite Säule eine fortschrittliche Männerpolitik zur Seite zu stellen. Dieser Schritt ist notwendig, weil eine nachhaltig angelegte Politik der Geschlechtergerechtigkeit für Frauen & Männer und LGBTIQ ohne dieses fehlende zweite Standbein nicht möglich ist!

Wenn Männer in diesem Land auf ihre drängenden Fragen keine Antworten vonseiten einer fortschrittlich orientierten Politik erhalten, werden sie sich mehr und mehr ins politisch rechte Lager oder ganz allgemein aus der demokratischen Diskussion verabschieden. Dort aber verlieren wir sie. DAS ist nicht, was WIR JETZT wollen!


Auch hier stehe ich natürlich mit den Protagonisten in Verbindung. Ich bin gespannt, ob durch das Engagement dieser Kleinparteien die weitgehende Tabuisierung von Männerpolitik aufweichen wird.

Montag, September 09, 2019

Feministinnen retten Hennen vor Vergewaltigung – News vom 9. September 2019

1. In Spanien hat eine Gruppe "antispezieistischer, transfeministischer, veganer Aktivisten" ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie sie auf einem Bauernhof Hennen von Hähnen trennen, "um sie vor Vergewaltigung zu schützen". Außerdem zerstörten die Aktivisten die Eier der Tiere, da diese "den Hühnern gehören" würden. In einem weiteren Video stellten die Aktivisten klar, dass das Essen von Tieren "faschistisch" sei. Die entsprechenden Videos erzielten hunderttausende Zugriffe, aber ... nicht durchgehend zustimmende Reaktionen.



2. Eine der wenigen Gemeinsamkeiten der Aufschrei-Feministin Anne Wizorek und mir besteht darin, dass wir beide die Pretenders zu unseren Lieblingsbands zählen. Deren Frontfrau Chrissie Hynde, eine der stärksten Frauen in der Geschichte des Rock, hat sich jetzt zum Stand des Feminismus geäußert:

Diese ganze Gender-Zeug nervt in letzter Zeit wie Hölle. Alles, was du liest, sagt "weiblich", "Frauen", es geht "mäh-mäh-mäh-mäh-mäh-mäh-mäh-mäh". Es wird langweilig. Ich habe mich in meinem Gebiet nie diskriminiert gefühlt, also ist es für mich schwer ... Ich weiß einfach nicht, was ich dazu sagen soll. Ich leite eine Band, und in meiner Band sind alle traditionellerweise Jungs, und zwar aus keinem anderen Grund, als dass für mich Leute vorgesprochen haben, aber keine Frauen darunter waren, nicht weil ich jemals gesagt habe, dass ich einen männlichen Bassisten suche. Mein Kopf funktioniert nicht so. Es ist seltsam für mich. Ich bin das Postermädchen für Feminismus - für Mädchen im Rock, für Gitarristinnen, Mädchen, die einer Band vorstehen. Ich bin das und doch habe ich keinen Standpunkt dazu, weil mich nichts dabei stört, ich mache einfach mein Ding. Das war für mich die ganze Prämisse der Rock'n'Roll-Ethik - mach einfach dein Ding, sei du selbst.


Schlimm, dieser Antifeminismus überall ...

Zu der Frage, wie es um die Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft steht, erklärt Chrissie Hynde, dass Menschen sich inzwischen zu bestimmten Fragen nicht mehr zu äußern trauen, weil sie Angst haben, dass ihre Worte zu etwas anderem verdreht werden:

Menschen, die sich nicht unverblümt äußern, aber über interessante Dinge reden könnten, sagen inzwischen: "Sag lieber nichts." Ich habe das von jedem gehört, den ich in diesem Geschäft getroffen habe. Das Gespräch endet immer bei: "Am besten, man sagt gar nichts mehr." Weil es sich nicht lohnt. Nehmen wir an, du machst einen Film und musst ihn promoten - also gehst du raus und sagst etwas, das falsch verstanden wird: "Oh, ich glaube, Woody Allen hat einige tolle Filme gemacht" - so etwas Unschuldiges. Man könnte damit das ganze Projekt für den gesamten Film sabotieren. Also haben die Leute inzwischen das Gefühl, dass sie einfach besser nichts mehr sagen.




3. In der Berliner Zeitung erläutert Harald Martenstein, warum er Geschlechterpolitik für ein Projekt der Eliten hält. Ein Auszug:

Frauen werden in Deutschland nie wirklich und völlig gleichberechtigt sein. Niemals. Warum? Weil inzwischen eine gewaltige Bürokratie entstanden ist, deren Mitgliederinnen ihr Geld mit dem Aufspüren und Anprangern auch kleinster und auch vermeintlicher Benachteiligungen verdient. Es gibt tausende Gleichstellungsbeauftragte und mindestens 200 Genderprofessuren. Dass eine Bürokratie ihre Aufgabe für erledigt erklärt und sich selbst arbeitslos macht, kommt selten vor. Stellt 2000 Männerbeauftragte ein, deren Job es ist, Männerdiskriminierung aufzuspüren, und ihr werdet euch wundern, wie diskriminiert diese Geschöpfe in den Augen ihrer Anwälte sind.


Und das Irre: Sie haben sogar exzellente Belege dafür.



4. "Fast 30 Obdachlose jetzt mit eigenen vier Wänden" meldet die Märkische Zeitung. Dass diese 30 Obdachlosen allesamt Frauen sind, ist klar, oder?



5. Der SWR berichtet:

71 Professorinnen der Universität Mainz haben einen offenen Brief an den rheinland-pfälzischen Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) geschrieben, der dem SWR vorliegt. Die Wissenschaftlerinnen sind der Ansicht, mit den geplanten Gesetzesänderungen würden die Frauen nicht gestärkt, sondern vielmehr benachteiligt.

Konkret geht es unter anderem um den Plan, dass in den Gremien der rheinland-pfälzischen Hochschulen künftig genauso viele Frauen wie Männer sitzen sollen. Das klinge zwar im ersten Moment nicht schlecht, so die Professorinnen. In Forschungsbereichen, in denen es deutlich weniger Frauen als Männer gibt, bedeute das für die Wissenschaftlerinnen aber, dass sie durchschnittlich in dreimal so vielen Gremien tätig sein müssten, wie ihre männlichen Kollegen. Diese Zeit fehle dann zum Forschen. Für eine wissenschaftliche Karriere seien Forschungsergebnisse aber entscheidend – und nicht die Arbeit in Gremien.

Außerdem halten die Unterzeichnerinnen es für diskriminierend und kontraproduktiv, dass nach den Plänen des Ministeriums in Zukunft Fragen der Gleichstellung explizit von einer Gleichstellungsbeauftragten und einer Stellvertreterin geregelt werden sollen.


Bei Christian Schmidt wird heute über dieses Thema diskutiert.



6. In der Schweiz wird die Initiative für vier Wochen Vaterschaftsurlaub wahrscheinlich nicht zur Abstimmung kommen. Die Neue Zürcher Zeitung und die Basler Zeitung berichten über die Hintergründe.



7. Inzwischen berichtet auch der STERN über den Unwillen vieler Amerikanerinnen, "ökonomisch unattraktive" Männer zu heiraten.

Die New York Post hat es derweil geschafft, mit ihrer Schlagzeile selbst diese Erkenntnis in das Schema von männlichen Tätern und weiblichen Opfern zu pressen: "Broke Men Are Hurting Womens Marriage Projects" (soviel wie "Pleite-Männer schaden den Heiratsaussichten von Frauen").

Diese Manie, alles so zu drehen, dass IMMER die Frauen am meisten leiden – sogar wenn sie aus Hochmut, einen Kerl, der eher mittelmäßig verdient, nicht als Partner akzeptieren – ist derart bizarr geworden, dass ich es schon fast wieder lustig finde. Man fragt sich allerdings schon, wie lange es wohl noch dauert, bis unsere "Qualitätsmedien" dieses Band dermaßen überdehnt haben, dass es selbst in den Redaktionsstuben zerreißt.

In den sozialen Medien immerhin ist es schon so weit. So hat das Blog "Fliegende Bretter" die aktuellen Erkenntnisse aufgegriffen:

Hui, provokantes Eingangsstatement: Was haben Rechte und Feministinnen gemeinsam? Sie wissen immer sofort, wer schuld ist an ihrem Elend. Der Missstand, für den nicht Ausländer und/oder die Regierung Merkel bzw. die Männer verantwortlich sind, muss erst noch gebacken werden. Glauben Sie nicht? Zu heftig? Nun ja.


Hier geht es weiter.



8. Tamara Wernli hat für Youtube die Chefin von True Fruits zu den Sexismus-Vorwürfen gegen ihre Firma interviewt. Überraschend, informativ und charmant: Sehenswert.

Das Schweizer Handelsunternehmen Globus hat True Fruits inzwischen übrigens aus dem Sortiment genommen.



9. Das Blog "Friendly Atheist" berichtet über einen aktuellen Fall von Beschneidung:

Im Jahr 2017 brachten Martina Obi-Uzom und ihr Mann ihren elf Monate alten Sohn zur Beschneidung.

Außer, dass sie nicht seine Mutter war; sie war seine Babysitterin. Seine 70-jährige Babysitterin.

Und der Typ war nicht sein Vater, sondern ein Typ, den sie rekrutierte.

Und sie hatten nicht die Erlaubnis der Eltern des Jungen. Sie sind einfach mit ihm durchgebrannt, als die Eltern nicht in der Stadt waren.

Also ... lasst es uns noch einmal versuchen: Im Jahr 2017 entführte Martina Obi-Uzom ein Kind und ließ gegen seinen Willen und die Wünsche seiner Familie ein Stück seines Penis abschneiden. Dafür und trotz der Tatsache, dass sie von einer Jury verurteilt wurde, erließ ihr ein Richter eine Haftstrafe, sondern verurtelte sie zu einer Geldstrafe von etwas mehr als 1.500 Pfund.


Hier geht es weiter.

Samstag, September 07, 2019

Wie die etablierten Parteien der AfD fleißig Wähler zutreiben – News vom 7. September 2019

1.
Die Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen drücken nicht nur Ressentiments aus, sondern wurden auch ihrerseits mit Ressentiments beantwortet: mit den üblichen Vorbehalten von Westdeutschen gegenüber Ostdeutschen, aber auch mit Ressentiments gegen Männer, die zu einem größeren Anteil als Frauen die AfD wählten.

Wer aber tatsächlich ein Interesse daran hat, weitere politische Erfolge der AfD zu verhindern, muss etwas ganz anderes tun, als auf solche Ressentiments zu setzen.


Hier geht es weiter mit dem Artikel von Lucas Schoppe.



2. Aufschrei der Woche: Siri weicht Fragen zum Feminismus aus. (Siehe ergänzend auch hier.)



3. Einer neuen Studie der US-amerikanischen Universität Cornell zufolge kommt es in den Vereinigten Staaten zu immer weniger Heiraten – weil es "zu wenige ökonomisch attraktive Männer auf dem Markt" gibt:

Der Studie zufolge wünschen sich Frauen Männer mit einem durchschnittlichen Verdienstpotenzial, das etwa 58% höher liegtt als das der unverheirateten Männer, die sich auf dem Partnermarkt finden.

Darüber hinaus gelten als ideale Ehemänner solche Männer, die zu 30 % wahrscheinlicher einen Job und zu 19% wahrscheinlicher einen Hochschulabschluss haben als die Männer, die Frauen derzeit zur Verfügung stehen.


In einer Pressemitteilung, die die Studie begleitet, heißt es:

"Die Ehe basiert immer noch auf Liebe, aber sie ist grundsätzlich auch eine wirtschaftliche Transaktion. Viele junge Männer haben heute wenig zu bieten, zumal das Bildungsniveau junger Frauen im Durchschnitt heute das ihrer männlichen Verehrer übersteigt."


Schlimm, wie wir Männer schon wieder vor Frauen versagen.

Ich freue mich schon auf die nächste Welle der feministischen Bewegung - dann mit dem Motto: "Macht endlich Karriere, ihr Loser!"



4. In einem sehr ausführlichen Beitrag beschäftigt sich das linksliberale Magazin "Vox" mit radikalen Feministinnen, die nicht nur Männer hassen (in unserer Gesellschaft legitim), sondern auch Transsexuelle (nicht legitim). Der Beitrag zeigt – so wie viele andere zuvor - , wie unsinnig es ist, Feministinnen grundsätzlich als politisch links wahrzunehmen. Bei näherer Betrachtung erweist sich das als ebenso bekloppt wie die automatische Wahrnehmung von Maskulisten als rechts. Einige Schlaglichter aus dem für eine Übersetzung allzu langen Artikel:

- Wenn es um den Kampf gegen trans Personen geht, verbünden sich radikale Feministinnen mit rechtskonservativen Gruppen beispielsweise aus dem Lager Donald Trumps – auch wenn dieselben Gruppen beispielsweise das Abtreibungsrecht einschränken wollen.

- Ein zentrales Anliegen dieser feministischen Gruppen ist, dass Trans-Frauen keinen Zugang zu Unterkünften für obdachlose Frauen erhalten.

- In Großbritannien ist der transfeindliche Feminismus der Mainstream der feministischen Bewegung und wird von den Medien Rupert Murdochs sowie der Times of London unterstützt. Jeder auch noch so vagen Ablehnung dieses Gepolters gegen Transsexuelle wird mit dem öffentlichen Vorwurf begegnet, man wolle "Frauen zum Schweigen bringen". Die australische radikale Feministin Sheila Jeffreys sprach im März 2018 vor dem britischen Parlament und erklärte, dass trans Frauen "Parasiten" seien.

- Der transfeindliche Feminismus argumentiert, dass jeder, der mit einer Vagina geboren wurde, zum unterdrückten Geschlecht gehört, während jeder, der mit einem Penis geboren wurde, ein Unterdrücker ist. Diese natürliche Ordnung könne man nicht einfach wechseln, indem man sein Geschlecht wechselt, denn das führe "zur Auslöschung von weiblichen Menschen als Klasse. Wenn jeder eine Frau sein kann, dann ist niemand eine Frau, und sexuelle Schutzmaßnahmen im Gesetz haben keine Bedeutung." Transfeindliche Feministinnen beschuldigen das Patriarchat, trans Männer zu täuschen, so dass diese glauben, ihrer Rolle als Unterdrücker entkommen zu können.

- Transfeindliche Feministinnen glauben, dass die Existenz der Penisse von trans Frauen in einem für Frauen vorgesehenen Raum automatisch die Gefahr einer Vergewaltigung bedeutet.

Kurz gesagt: Der transfeindliche Feminismus treibt den Männerhass, der ohnehin in den Köpfen vieler radikaler Feministinnen spukt, auf die Spitze, wobei er sich gegen eine ohnehin schon oft ausgegrenzte sexuelle Minderheit richtet.

Freitag, September 06, 2019

Kinderporno-Ermittlungen gegen Fußballer: Kubicki kritisiert "Bild"-Zeitung – News vom 6. September 2019

1. TV-Szene der Woche: Wolfgang Kubicki (FDP) erklärt in der Talkshow von Sandra Maischberger, warum er es hochproblematisch findet, wie die "Bild"-Zeitung auf ihrer Titelseite berichtete, dass gegen einen bekannten Fußballer wegen des Verdachts auf Kinderpornographie ermittelt wird: Auch wenn sich der Verdacht als komplett unzutreffend erweise, werde der Betroffene den Makel in seinem ganzen Leben nicht mehr los, der durch eine derartige Berichterstattung verbunden sei. Das verdeutlichte Kubicki am Beispiel Kachelmanns, der ja ebenfalls unschuldig von den Medien hingerichtet worden war – worauf Sandra Maischberger hier ab Minute 38) demonstrativ die Augen zur Studiodecke verdreht und die Arme hebt, als wolle sie sagen: "Das weiß nun wirklich keiner so genau." Tatsächlich hatte das Oberlandesgericht Frankfurt im September 2016 die Falschbeschuldigerin Claudia Dinkel zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie, so zitierte die Süddeutsche Zeitung die Urteilsbegründung, Kachelmann "vorsätzlich, wahrheitswidrig der Vergewaltigung bezichtigte".

Nun ist Sandra Maischberger ganz besonders eng mit Alice Schwarzer verbunden und insofern vielleicht nicht typisch für alle Journalisten. Trotzdem zeigt sie mit ihrer Reaktion, wie Recht Kubicki hat: Selbst nachdem du wegen eines Vorwurfs sexueller Gewalt freigesprochen wurdest und man in einem zweiten Verfahren die Täterin verurteilt hat, wird es für manche Leute immer heißen: "Ob da nicht doch etwas dran war ...?" Schlimm ist es, wenn Leute, die so denken, zu Deutschlands einflussreichsten Journalistinnen gehören.

Lesenswert zum selben Thema ist der Beitrag "Bild" und die Kinderporno-Ermittlungen.



2. Väterverbände kritisieren die Untätigkeit von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) bei der Durchsetzung gleichberechtigter Elternschaft.



3. Christian Schmidt kommentiert die Pläne der Bundesregierung, das Gesetz zur Frauenquote zu verschärfen.

Donnerstag, September 05, 2019

Apotheken-Umschau?? Unsere Top-Meldung heute ist die APOTHEKEN-UMSCHAU??? – News vom 5. September 2019

1. Alle, von der SPD bis zur IG Metall oder der "Zeit", wollen immer jünger und weiblicher werden. Nur die Apotheken Umschau will jünger und männlicher werden:

Künftig soll es in der Rubrik "Männersache" um Gesundheitsthemen gehen, die vor allem die Männer betreffen. So wird beispielsweise – illustriert mit einem Comic grummelig dreinschauender Spermien, die erst "Upps" sagen und dann "Hurra!" – das Thema "Müde Spermien" behandelt.

"Wir haben die Männer bislang vielleicht ein bisschen wenig beachtet", sagte Haltmeier. Das solle sich künftig ändern. "Wir werden die Themen gendergerecht aufarbeiten." Die sogenannten Männerthemen sollen "kantiger" und "nicht so bierernst" präsentiert werden.




2. Die Bundesregierung will ihr Gesetz zur Frauenquote verschärfen.



3. Klara Gleywitz aus Brandenburg kandidiert mit Olaf Scholz um den SPD-Vorsitz. Im Interview mit der "Zeit" positioniert sie sich als Feministin:

Ich habe in Brandenburg das erste Gesetz auf den Weg gebracht, nach dem künftig Frauen und Männer zu gleichen Teilen im Landtag vertreten sein müssen. Feminismus umfasst für mich viele Themen: Er will Diskriminierungen abbauen, da sind wir schon weit vorangekommen in den vergangenen Jahren. (...) Ein interessanter Unterschied ist: in Ostdeutschland gibt es nicht diese Sensibilität für Sprache, hier kann es Ihnen passieren, dass Frauen sich heute noch vorstellen mit dem Hinweis: Ich bin Lehrer, ich bin Ingenieur – und gar nichts dabei finden. Aber von westdeutschen Frauen haben wir gelernt, dass eine bewusste Sprache wichtig ist, um auch etwas in Köpfen zu verändern.




4. In Gedenken an engagierte und mutige Frauen, die dauerhaft im Gedächtnis der Stadt bleiben sollen, wird Hamburg drei Verkehrsflächen umbenennen und ihnen die Namen dieser Frauen geben, die für ihre historischen Verdienste bislang zu wenig gewürdigt wurden:

Auf St. Pauli soll zukünftig der Name von Betty Heine (1771-1859) die einmündende Wegfläche von der Talstraße in die Hein-Hoyer-Straße zieren. Die Mutter des Dichters Heinrich Heine sei dem Gedanken der Aufklärung verpflichtet gewesen, erklärte die Kulturbehörde. Die Hochzeit mit ihrem Mann Salomon habe sie gegen den Willen der jüdischen Gemeinde durchgesetzt.

Die Fläche am Endstück der Leo-Leistikow-Allee im Stadtteil Uhlenhorst soll bald den Namen Emily-Ruete-Platz bekommen. Die Lehrerin und Buchautorin (1844-1924) war als Prinzessin von Oman und Sansibar aufgewachsen. Sie floh nach Angaben der Kulturbehörde nach Deutschland, um den Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete zu heiraten. Ihr Erstlingswerk sei die erste Autobiographie einer Araberin in der Literaturgeschichte gewesen.


Das macht nachdenklich: Wie sich die Weltgeschichte wohl ohne diese großen Leistungen entwickelt hätte?



5. Der Daily Telegraph berichtet:

Ein Bezirksrat in Ostfrankreich wurde mit einer Geldstrafe von 90.000 € belegt, weil er zu viele Frauen in sein Führungsteam berufen hat, was gegen die Gesetze zur Gleichstellung der Geschlechter im öffentlichen Sektor verstößt.

Öffentliche Einrichtungen werden in der Regel wegen Nichteinhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen 40-prozentigen Quote von Frauen in Spitzenpositionen nach einem Paritätsgesetz von 2012 bestraft. Dies ist das erste Mal, dass ein staatliches Organ dafür bestraft wird, dass es mehr als 60 Prozent Frauen in Führungspositionen berufen hat. Nur wenigen Arbeitgebern war bekannt, dass die Höchstgrenze sowohl für Frauen als auch für Männer gelten könnte.

Jean-François Debat, der Vorsitzende des Rates von Bourg-en-Bresse, sieht keinen Anlass, sich zu entschuldigen. "Ich finde es komisch, aus diesem Grund bestraft zu werden", sagte er. "Ich halte mich nicht nur an unsere Vereinbarungen, sondern bin auch stolz darauf, so viele Frauen in unseren Führungsteams zu haben."

Nach Angaben der örtlichen Präfektur hat der Bezirksrat vier Frauen für jeden Mann in einem höheren Amt ernannt.

Debat plant, an die Regierung zu appellieren, die Geldbuße aufzuheben. "Unser Rat verdient es, dass man ihm applaudiert und nicht, dass man ihn bestraft."




6. Die Post und anderes Feedback. Einer meiner Leser hat mich auf dieses halbstündige Interview hingewiesen, in dem die Kriminalpsychologin Lydia Benecke erklärt, warum weibliche Psychopathinnen oft unsichtbar bleiben, was Sexisten dabei hilft zu propagieren, dass "das Böse" auf Männer begrenzt sei. Wer keine volle halbe Stunde Zeit hat: Die letzten drei Minuten des Interviews, speziell zum Thema "sexueller Missbrauch", sind aussagestark genug. Offenkundig haben wir Maskulisten noch viel Arbeit vor uns.

Herzlichen Dank bei dieser Gelegenheit an den Leser, der mir zum Fünfzigsten Benneckes Buch "Psychopathinnen" geschenkt hat. Ich habe es inzwischen mit Interesse gelesen. Dasselbe gilt (neben anderen Büchern ohne Gender-Zusammenhang) auch für das Buch "Die Teufelin steckt im Detail", in dem auch MANNdat, Michael Kleins Blog "Kritische Wissenschaft" und Genderama erwähnt werden – übrigens durchgehend neutral statt abwertend. Wir werden inzwischen also auch von Wissenschaftlern wahrgenommen; die feministische und Genderszene grenzt uns lediglich aus, um einer offenen Debatte zu entgehen, bei der sie nicht gewinnen kann.

Und schließlich hat mein Leser Peter Müller die erste Rezension meines Buches "Feindbild weiße Männer" verfasst:

Seit den 1970er Jahren hat die Linke wie die Rechte vor allem auf Identitätspolitik aufgesattelt. Erst seit Kurzem wird linke Identitätspolitik auch von linken und liberalen Protagonisten selbst kritisiert. Dabei wird offensichtlich, dass linke wie rechte Identitätspolitik partikularistisch ist und nicht durch universale Normen und Werte, die demzufolge für alle Menschen Geltung beanspruchen, geleitet wird. Das führt dazu, dass antirassistische und antisexistische Politik in ihr Gegenteil umschlagen kann und selbst Rassismus und Sexismus produziert. Das Buch zeigt am Feindbild des "weissen Mannes" minutiös auf, wie gewisse Spielarten der linken Identitätspolitik zur Gegenaufklärung verkommen. Ein wichtiges Buch, das ich gerne weiterempfehlen kann!

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