Sonntag, August 02, 2020

Grüner Ministerpräsident gegen Tugendterror und Gendersprache – News vom 2. August 2020

1.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will sich den Mund nicht von "Sprachpolizisten" verbieten lassen. Auch wenn viele Behörden, Hochschulen und Organisationen längst verbindliche Leitfäden für geschlechtergerechte Sprache entwickelt haben: Den Trend zu sprachlicher und politischer Korrektheit beobachtet der Regierungschef mit großer Skepsis - und er warnt vor einem "Tugendterror" im Umgang mit der Geschichte.

"Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir in unserer Sprache niemanden verletzen, und Sprache formt unser Denken ein Stück weit", sagte Kretschmann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. "Aber jeder soll noch so reden können, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Von diesem ganzen überspannten Sprachgehabe halte ich nichts."


Hier geht es weiter.



2. Die Studie, über die ich vor einigen Tagen ausführlich hier unter Punkt 4 berichtet habe, hat es gestern auf die Titelseite der Süddeutschen Zeitung geschafft. Der Artikel steht auch online:

Über Männer darf im Prinzip alles gesagt werden, nur nichts Gutes. Jedoch schlägt es selbst den hartgesottenen Vertretern dieses Geschlechts irgendwann auf das Gemüt, wenn sie dauerhaft als toxische sowie anderweitig verderbte Kreaturen bezeichnet werden, die für alles Übel der Welt verantwortlich seien. Daher hier ein kleiner Seelenstreichler für gekränkte Kerle: Wissenschaftler haben festgestellt, dass Männer im Durchschnitt besser malen können als Frauen und auch noch seltener lügen. So schlimm sind diese Typen also gar nicht, oder? Aber ach, die Wirkung solcher Nachrichten verpufft sofort.


Hier geht es weiter. Zwar würde die "Süddeutsche" für einen Artikel über Frauenfeindlichkeit nicht denselben süffisant-ironischen Tonfall wählen, aber heutzutage freut man sich ja schon, wenn über solche Forschungserkenntnisse überhaupt berichtet wird.



3. Auf n-tv beschäftigt sich Sarah Bonfke mit der Sehnsucht, Vater zu werden:

Wenn von unerfülltem Kinderwunsch die Rede ist, geht es meist um Frauen, die gern ein Kind hätten. Doch was ist mit Männern, die dieser Wunsch umtreibt - und warum kommt dieses Thema in der Öffentlichkeit bislang kaum vor?


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4. Anlässlich des aktuellen Skandals um die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich das Blog Die Demokratie in den Zeiten des Feminismus genauer angeschaut, wie stark Ideologen auf diese Institution seit einiger Zeit Einfluss nehmen.



5. Hin zu einer maskulistischen Filmkritik: Das Blog Uepsilonniks bespricht den "Club der toten Dichter".



6. Die Tageszeitung "USA Today" stellt den mutmaßlichen Mörder Marc Angeluccis und seine Kontakte zur Männerbewegung ausführlicher vor.



7. Das auf das akademische Spektrum fokussierte Online-Magazin "The College Fix" berichtet über einen aktuellen Fall von Cancel Culture in den USA: Diesmal trifft sie einen Evolutionsbiologen, der aus dem akademischen Betrieb gemobbt wurde, weil er die These vertritt, dass Männer und Frauen keine sozialen Konstrukte, sondern biologische Tatsachen sind. Seitdem wird er als "transphob" und "rassistisch" angefeindet.

Eine Übersicht vieler Opfer der "Cancel Culture" und ihrer Vergehen findet man hier.

Samstag, August 01, 2020

Ein Vater mit Asperger lernt seine Familie verstehen – News vom 1. August 2020

Wie eigentlich immer im Hochsommer herrscht an echten geschlechterpolitischen Nachrichten im Sinne von "es ist etwas Spannendes passiert" momentan Mangelware. (Natürlich ist rein subjektiv, was ich als spannend empfinde, aber es ist eine Grundregel von Genderama, dass ich hier keine Dinge blogge, die mich selber langweilen.)

Ersatzweise zu solchen Nachrichten hier also einfach ein paar aktuelle Fundstücke von Beiträgen, die mir erwähnenswert erscheinen:

Auf der Schweizer Website "Wir Eltern" findet man mehrere solche Beiträge, unter anderem "Ein Vater mit Asperger lernt seine Familie verstehen" und "Die Tücken des Papaseins". Der Artikel über Autismus bietet mal eine andere als die übliche Genderma-Perspektive mit dem Schwerpunkt auf politischer Benachteiligung, während der zweite Artikel zeigt, wie schwierig es auch für Männer ist, Rollenbilder aufzubrechen.

Auf der Plattform Anchor berichtet Melanie in einem 24minütigen Podcast, wie es ist, wenn einen die Mutter von seinem Vater entfremdet und was sie sich von der Gesellschaft für betroffene Kinder in einer solchen Situation wünscht. Gruselig, bedrückend und gerade deshalb hörenswert.

Und schließlich beschäftigt sich eine aktuelle Studie damit, welche Rolle eine spezielle Form von Narzissmus bei Frauengewalt spielt:

Neue Forschungen haben wichtige Unterschiede in der Art und Weise aufgedeckt, wie sich Narzissmus bei Frauen und Männern darstellt und wie diese Unterschiede mit intimer Partnergewalt zusammenhängen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine weniger anerkannte Manifestation von Narzissmus - bekannt als verletzlicher Narzissmus - mit dem Verüben von physischem, sexuellem und psychischem Missbrauch durch Frauen in Verbindung gebracht wird.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Personality and Individual Differences" veröffentlicht.

"Wir waren an diesem Thema interessiert, weil der Narzissmus bei Frauen aufgrund einer übermäßigen Konzentration auf grandiose Merkmale des Narzissmus, die in der Literatur für Männer kennzeichnend sind, kaum verstanden wird", sagte Ava Valashjardi, Dozentin für forensische Psychologie an der City University of London und Hauptautorin der neuen Studie.

"Grandiose Merkmale des Narzissmus ähneln stereotyp männlichem Auftreten, darunter ein überhöhtes Selbstwertgefühl, körperliche Ausdrucksformen von Aggression, eine Anspruchshaltung, exzessives Machtbedürfnis und ein autoritärer Charakterstil".

"Obwohl Frauen seltener stereotyp männliche Merkmale des Narzissmus aufweisen, tendieren sie jedoch dazu, sich auf verletzliche Merkmale des Narzissmus auszurichten. Anfällige Merkmale ähneln eher weiblichem Auftreten, einschließlich offensichtlicher Schüchternheit, Neurotizismus, Scham, Überempfindlichkeit und geringem Selbstwertgefühl", erklärte Valashjardi.

"Negative Ausprägungen des Narzissmus, wie Ausbeutung, Anspruchshaltung und mangelndes Einfühlungsvermögen, spielen bei der Gewalttätigkeit von Partnern eine herausragende Rolle", erklärte Valashjardi. "Der Großteil der Forschung hat jedoch überwiegend grandiosen Narzissmus mit der männlichen Täterschaft bei partnerschaftlichem Gewaltverhalten in Verbindung gebracht. Ziel unserer Studie war es daher, das theoretische Wissen über narzisstische Frauen als Täterinnen intimer Partnergewalt zu erweitern".

(…) Sie stellten fest, dass Frauen auf der Skala des verletzlichen Narzissmus signifikant höhere Werte aufwiesen als männliche Teilnehmer.

Valashjardi und ihre Kollegen fanden auch heraus, dass grandioser Narzissmus voraussagt, dass Männer emotionalen Missbrauch begehen, während verletzlicher Narzissmus voraussagt, dass Männer körperlichen/sexuellen Missbrauch begehen. Unter den weiblichen Teilnehmern sagte jedoch nur der verletzliche Narzissmus die Täterschaft sowohl physischen/sexuellen als auch emotionalen Missbrauchs durch eine Partnerin voraus.

Mit anderen Worten: Frauen, die Aussagen wie "Wenn andere mich nicht wahrnehmen, fange ich an, mich wertlos zu fühlen" zustimmten, berichteten eher über Verhaltensweisen wie das Stoßen oder Schlagen ihres Partners, die Zerstörung von etwas, das ihrem Partner gehört, oder die verbale Verunglimpfung ihres Partners.

"Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede haben Auswirkungen darauf, wie Narzissmus in der Forschungsliteratur traditionell konzeptualisiert und bewertet wird", berichtet Valashjardi. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Narzissmus bei Frauen auf verstecktere und subtilere Weise ausdrückt (z.B. Abwertung, Verstecken hinter dem Selbst), die bei der Ausbeutung von Intimpartnern nicht als stereotyp 'narzisstisch' erkannt werden kann".


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