Samstag, März 14, 2020

Mainzer Gender-Professor prangert an: MeToo macht männliche Opfer unsichtbar – News vom 14. März 2020

1. Den Mainzer Genderforscher und selbsterklärte Feminist Professor Stefan Hirschauer habe ich beim persönlichen Kontakt als eher schwierig erlebt, was eine Zusammenarbeit mit Männerrechtlern angeht, aber in öffentlichen Auftritten kann er mit jedem Maskulisten gleichziehen. Diesen Montag war Teilnehmer einer SWR-Radio-Talkrunde mit der Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen und der radikalen Feministin Jagoda Marinić zum Thema "Weinstein und die Folgen - Was verändert die #MeToo-Bewegung?" . Insbesondere Marinić gibt er so deutlich kontra, dass sie im Verlauf der Talkrunde immer angefressener reagiert. Man hat als Hörer den deutlichen Eindruck, dass Marinić ihre Informationen stark ausgewählt und gefiltert zu erhalten scheint, was für Feministinnen aufgrund der einseitigen Berichterstattung der Leitmedien auch sehr viel einfacher als für Männerrechtler ist: Wir bekommen immer automatisch beide Seiten zu hören.

Ein Auszug von Professor Hirschauers Einschätzungen zu MeToo ab Minute 21:

Wenn Urteile unter öffentlichem Druck zustande kommen, dann leben wir nicht mehr in einem Rechtsstaat. Und ich finde es falsch, Frau Marinić, das Scheitern einer politischen Kampagne oder den Erfolg der Kampagne daran zu messen, wie die Verurteilungsquote ist, die sie erzielt. Das geht nicht. Das können wir nicht machen.

Auf jeden Fall ist die Beschämung und die Einschüchterung von Frauen ein Problem. Dass so wenig Sexualdelikte zur Anzeige kommen, das ist ein Problem, das wir seit langem kennen. Auf der anderen Seite finden die Frauen vergleichsweise extrem viel Gehör: in einem Freundinnendiskurs, in dem seit mindestens 40 Jahren Frauen über sexuelle Gewalt gegen sie sprechen, bei sozialpädagogischen Stellen, bei Frauenhäusern, bei der Polizei oder Polizistinnen, wie Frau Friedrichsen sagt. Auch die Aufdeckung des Generationen alten Missbrauchs von Jungen in der katholischen Kirche hat erst ein ganz langes Schweigen durchbrechen müssen. Und wir wissen inzwischen alle, dass das Schweigen der Kinder noch um einiges tiefer gewesen ist als das der Frauen. Und ich kann Ihnen sagen, es gibt Studien dazu, dass das Schweigen der missbrauchten Männer noch mal tiefer ist. Die finden nämlich überhaupt kein Gehör mehr: bei keiner Polizei, bei keinem Freund, bei keinen Eltern. Man glaubt einfach gar nicht, dass das möglich ist. Sozialwissenschaftlich weiß man das längst.

Das sind Dunkelfeldstudien, die tauchen eben gar nicht vor Gericht auf, noch nicht mal in Polizeiakten, die werden nicht angezeigt, die werden noch nicht mal in einen öffentlichen Diskurs und nicht mal einen privaten Diskurs gebracht. Das ist eine Studie über 18- bis 27jährige Menschen in Europa, die hat eine Kollegin, Barbara Krahin in Berlin gemacht, in ganz Europa, 4000 Befragte. Die Frage ist einfach an die jungen Leute unter 27: Sind Sie schon einmal Opfer sexueller Aggression gewesen? Gemeint ist verbaler Druck, Drohung und Einsatz von Gewalt, sexuelle Ausnutzung von Widerstandsunfähigkeit, und das bejahen in dieser Studie 32 Prozent der jungen Frauen – das hat man über Frauen bis dahin auch angenommen –, aber erstaunlicherweise eben auch 27 Prozent der jungen Männer.

Fragt man die Leute hingegen, ob sie schon einmal solche Aggressionen ausgeübt haben, so bejahen das die Hälfte der Männer, 16 Prozent, aber nur fünf Prozent der Frauen. Was man dabei sehen kann ist die historische Verschiebung der Täterschaft. Dass MeToo ausgelöst worden ist durch so alte Fälle von Sexualdelikten ist meines Erachtens kein Zufall. Es zeigt auch, wie anfällig sexuelle Begegnungen für Missverstehen sind: also für die je nach Geschlechtszugehörigkeit selektive Wahrnehmung von Aufdringlichkeit einerseits und Verletzlichkeit andererseits. Und dabei gelingt offenbar die Registrierung eigener sexueller Übergriffe vor allem den jungen Männern, die sind nämlich so sozialisiert worden, den Frauen gelingt es aber kaum. Und zwar weil sie eben gelernt haben, sich als Opfer und nicht auch als potnetielle Täterinnen zu sehen, während es die jungen Männer eben schwer haben, bei Freunden, Polizisten etcetera überhaupt als Opfer anerkannt zu werden und dann auch in den Statistiken aufzutauchen.

Das ist jetzt das Statement eines Soziologen. Ich gucke nicht nur auf Prozesse oder auf öffentliche Kampagnen, sondern ich muss einfach schauen: Wie sind denn die Verhaltensweisen, und wie verändern sie sich historisch? Und was herauskommt, ist, die Frauen sind gar nicht mehr so eindeutig Opfer. Großartig! Und das ist etwas, das eine politische Kampagne nicht leisten kann, die so sauber zwischen Männern und Frauen als Tätern und Opfern unterscheidet.


Hirschauer ab Minute 30:

Verzeichnet hat MeToo nicht nur die Männer, vor allen Dingen hat sie das Frauenbild verzeichnet: in Bezug auf die Informiertheit, die Wehrhaftigkeit und eben die potentielle Täterschaft von Frauen. Das Männer- und Frauenbild der Kampagne stammt für meine Begriffe aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Nicht aus dem einundzwanzigsten. (…) Sie haben eine komplette Frauenbrille auf, Frau Marinić. Wo sind die männlichen Opfer? (…) Die Frage ist, ob man an einem bestimmten Punkt ein Bild von Frauen zeichnet, das nicht mehr dem Erleben von jüngeren Frauen entspricht. Und zum Erleben jüngerer Frauen gehört (...), dass sie zu Täterinnen werden können. Und das kommt natürlich in der MeToo-Kampagne so nicht vor. Dort ist nicht in irgendeiner Weise über männliche Opfer berichtet worden. Und Sie verstehen, dass das ganze Thema, und das ist soziologisch nicht uninteressant, einen anderen Touch bekommt, wenn man sexuelle Übergriffe in jedem Fall empörungswürdig findet – nicht nur wenn sie von Männern ausgeübt werden.


Die MeToo-Kampagne habe männliche Opfer nie einbeziehen können, "weil es eine feministische Kampagne ist"

Die Sendung ist in Gänze hörenswert, wenn man es schafft, das ständige Nachbeten vermeintlicher Gewissheiten von Jagoda Marinić zu überstehen, die zwar im feministischen Lager hochbeliebt, tatsächlich aber höchst "unterkomplex" sind, wie Hirschauer es diplomatisch formuliert.

Machen wir uns nichts vor: Viele jetzige Feministinnen, vor allem die Wortführerinnen, werden vermutlich nicht mehr in der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts ankommen. Das wird das Entstehen eines ganzheitlichen Blicks auf die Opfer sexueller Gewalt aber hoffentlich nur verlangsamen und nicht komplett unterbinden können.

Was an Professor Hirschauers Aussagen problematisch bleibt, ist, dass sich seine Ausführungen so anhören, als ob die höhere Täterschaft von Frauen bei sexueller Gewalt eine neue Entwicklung des 21. Jahrhunderts wäre, während die Täterinnen in Wahrheit nur sichtbarer geworden sind, weil inzwischen verstärkt Studien darüber veröffentlicht worden. Allerdings habe ich solche Studien schon in meinem 2001 erschienenen Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" vorgelegt; das wollten nur viele nicht wahrnehmen. Und vor 50 Jahren sind Männer einfach noch nicht nach ihren Erfahrungen als Opfer von sexueller Gewalt befragt worden.

Kurios ist, dass wir Männerrechtler, die vom politischen Gegner und den Leitmedien gerne als reaktionär verunglimpft werden, zu den wenigen gehören, die, um mit Hirschauer zu sprechen, im 21. Jahrhundert angekommen sind.



2. Das ZDF-Kulturmagazin "Aspekte" steckt jedenfalls tief im letzten Jahrhundert In einem gruseligen Beitrag der gestrigen von Katty Salié und Jo Schück moderierten Sendung (ab Minute 7.35) wird häusliche Gewalt durchgehend mit Männergewalt gleichgesetzt. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen die Autorin Antje Joel.und die Staatsanwältin Christina Clemm, die sich beide in ihren aktuellen Büchern anscheinend allein mit weiblichen Opfern beschäftigen.



3. Offenbar kam die Unterzeichnung des offenen Briefes einiger Rowohlt-Autoren an ihren Verlag in Sachen Woody Allen unter chaotischen Bedingungen zustande. Einer dieser Autoren, Anselm Neft, bekundete schon vor drei Tagen: "Ich würde meine Unterschrift zurückziehen, wenn das nicht zu viel Gewese um meine unbedeutende Person bedeuten wurde."



4. Viele von euch habem in den letzten Tagen geunkt, sie warteten nur noch auf die Schlagzeile "Corona-Virus: Frauen besonders betroffen", so wie bei jedem anderen Problem auf diesem Erdball auch. Diese Schlagzeile gibt es jetzt .

Die liberale Feministin Cathy Young kommentiert auf Twitter:

Schon in den 1980er Jahren gab es einen Witz, dass, wenn Gott das Ende der Welt ankündigte, die Schlagzeile der New York Times lauten würde: "Die Welt geht morgen unter; Frauen und Minderheiten werden am meisten leiden"


Der Artikel erinnert natürlich auch an Hillary Clintons bekannten Ausspruch: "Frauen waren immer die primären Opfer des Krieges. Frauen verlieren ihre Ehemänner, Väter und Söhne im Kampf."

Es wäre offenbar zuviel verlangt, dass wir wenigstens bei der Bekämpfung von Corona ohne Opferolympiade zwischen den Geschlechtern zusammenstehen.



5. "Werden in Russland Männer diskriminiert?" fragt Victoria Ryabikova in einem Beitrag für die Website "Russia Beyond". Darin verrät sie, dass auch in diesem Land die weltweit wachsende Männerrechtsbewegung entsteht:

In Russland ist es üblich, dass ein Mann in einem Restaurant für eine Frau bezahlt, seinen Platz in der U-Bahn aufgibt und im Allgemeinen viel Zeit, Geld und Mühe aufwendet, um ihre Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erlangen. Einige Männer betrachten das als Diskriminierung und beginnen, ihre Rechte geltend zu machen.

"Ich will keine Familie mehr haben. Ich will keine Kinder mehr. Meine Erfahrungen und Analysen der Ereignisse in der Umgebung haben meine Sehnsucht nach einer Familie zunichte gemacht. Die rosarote Brille ist abgefallen", sagt der 37-jährige Sergey Gerasimov, ein Logistikexperte aus Moskau.

Sergey ist Mitglied des Online-Gemeinschaftsnetzes "Männerbewegung", das vor vier Jahren populär wurde. Männer nutzen die Plattform, um die Wehrpflicht, die Unterhaltszahlungen und ihr späteres Rentenalter zu verurteilen (russische Frauen gehen mit 60, Männer mit 65 in Rente). Sie sehen all dies als Diskriminierung von Männern und nehmen an Kundgebungen teil, auf denen das Ende der Unterhaltszahlungen und der Wehrpflicht sowie die Einführung eines Gesetzes gefordert wird, das es den Kindern erlaubt, nach einer Scheidung beim Vater zu bleiben.

(...) Sergej betrachtet die Zwangseinberufung in die russische Armee als "legalisierte" Diskriminierung von Männern. Während Mädchen studieren, sich entspannen und Zukunftspläne schmieden können, werden Männer für ein Jahr "Sklaven", meint er. Außerdem glaubt er, dass Jungen, die sich (vernünftigerweise) dem Militärdienst entziehen, in den Augen der Frauen aus der Kategorie der "echten Männer" ausgeschlossen sind.

(...) Eine weitere Form der "legalisierten männerfeindlichen Diskriminierung" in Russland ist das Recht der Frau auf eine Abtreibung ohne Zustimmung oder gar Wissen des Vaters. Laut Gerasimov existiert in Russland das Konzept der Vaterschaft überhaupt nicht.

"In Russland konzentriert sich alles auf Frauen. Es gibt 'Mutterschaftskapital' [eine einmalige Zahlung für die Geburt] und Leistungen für alleinstehende Mütter. Es gibt keinen 'Vater' als solchen, sondern nur eine Person, die nach der Scheidung zur Zahlung von Unterhaltszahlungen verurteilt wird. Gleichzeitig vergiftet die Mutter das Kind gegen den Vater und zieht mit einem neuen Freund zusammen, der sich betrinkt und missbraucht. Das kommt so oft vor", erklärt Gerasimov.

Seiner Meinung nach sollte der russische Gesetzgeber das Mutterschaftskapital durch eine gemeinsame Zahlung für die Frau und den Mann ersetzen (auch Männer können in Russland Mutterschaftskapital bekommen, wenn er das Kind adoptiert hat oder die Mutter gestorben ist oder ihre elterlichen Rechte verloren hat) und die Aufteilung des Eigentums im Falle einer Scheidung aufheben.

Am 18. Juli 2019 wurde in einigen Zügen der Moskauer U-Bahn eine neue Ankündigung gemacht, in der die Menschen aufgefordert wurden, ihre Plätze an Behinderte, ältere Menschen, Fahrgäste mit Kindern und Frauen abzugeben. Zuvor hatte die Ankündigung nur schwangere Frauen erwähnt. Der Moskauer Nikita Orlow hielt dies für eine Diskriminierung und startete eine Petition, um sie zu beenden. Die Petition sammelte 2.174 Unterschriften.

"Niemand hat jemals seinen Sitz für mich aufgegeben, außer vielleicht in der Kindheit, obwohl auch ich müde werde. Ist das fair?", sagt Alexander, ein 29-jähriger Produktanalyst, der an der neuen Ankündigung Anstoß nahm.


Wie überall sonst, wo eine Männerbewegung entsteht, zitiert natürlich auch dieser Artikel sofort Vertreter des antimaskulistischen Gegenschlags: Einer findet, die Disrkiminierung von Männern bedeute nur, dass Männer jetzt ihre Privilegien verlören, ein anderer, dass nur lebensuntüchtige Kerle, die nicht mit Frauen umgehen können, über Diskriminierung klagen. Und auch in Russland steht die feministische Soziologin, die das Aufkommen von Männerdiskriminierung als Thema unterbinden möchte, sofort bereit:

Auch die Soziologin Irina Kosterina ist sich sicher, dass es in Russland keine männerfeindliche Diskriminierung gibt, denn Frauen haben die Möglichkeiten der Männer nie bewusst eingeschränkt.

"Logischerweise müssten sich 'böse' Frauen zusammenschließen und sich bewusst dazu entschließen, Männer zu unterdrücken, indem sie sie zum Beispiel in die Armee schicken. Dieselben bösen Frauen könnten auch sagen: 'Machen wir es so, dass der einzige Zweck eines Mannes im Leben darin besteht, Vater und Ehemann zu sein, sonst ist er ein Versager, und wir werden ihn verachten. Aber nein, es sind nicht die Frauen, die die Jungen in die Armee schicken - es ist der Staat, und der wird hauptsächlich von Männern kontrolliert", sagt sie in einem Interview mit The Village.

Nach den Worten von Kosterina befindet sich Russland jetzt im Stadium des "Neopatriarchats" - Frauen haben Macht und Rechte, sind aber in einigen Aspekten noch immer eingeschränkt.

"Der weibliche Widerstand gegen das Patriarchat wird von einigen Forschern als 'Frauen-Empowerment' bezeichnet. Das ist dann der Fall, wenn Frauen manipulative Taktiken anwenden, um ihre Ziele zu erreichen, weil sie ihre Macht nicht so offen ausüben können wie Männer. Aber solche Manipulationen kann man nicht als Sexismus bezeichnen", meint die Soziologin.


Offenkundig hat Russland denselben mühsamen Kampf vor sich, Bewusstsein für die Benachteiligungen von Männern zu schaffen, wie die westliche Welt seit zwanzig Jahren.

Mittwoch, Juni 11, 2008

"Was vom Manne übrig blieb" (Rezension)

Walter Hollstein gilt seit Jahrzehnten als einer der bekanntesten und anerkanntesten Männerforscher des deutschsprachigen Raums. Er lehrt als Professor für politische Soziologie in Berlin, ist Gutachter des Europarates für Geschlechterfragen und Träger des Deutschen Sachbuchpreises. Mit "Was vom Manne übrig blieb" liegt nun ein Höhepunkt seines Schaffens vor – und zugleich eines der inhaltlich wohl wertvollsten Bücher des bisherigen Jahres. Es enthält nur ein kleines Manko, das ihm letztlich meine Höchstwertung verwehrt. Aber ich würde viel lieber zunächst über das Positive sprechen; es gibt Tonnen davon.

Auf den Punkt gebracht: Ich habe seit Jahren nicht mehr eine so gute Darstellung über die Situation des Mannes in unserer Gesellschaft gelesen. Hollstein legt den Schwerpunkt auf die politisch-soziale Analyse der Gegenwart, in angenehmen Dosierungen sind auch einige Exkurse über kulturgeschichtliche und psychologische Hintergründe beigemischt. Das, was Hollstein in bemerkenswert deutlichen Worten zur Sprache bringt, ist dabei so brisant, dass sein Buch, lebten wir in einer gerechten Welt, die ersten Ränge der Bestsellerlisten einnehmen müsste.

Zugestanden: Viele der vielfältigen Schlechterstellungen von Männern, die Hollstein anspricht, sind zumindest in der Männerszene im Internet bereits bekannt: etwa die sexistische Wehrpflicht, die Entrechtung der Väter und die massive Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen oder dass Frauen bei denselben Delikten, für die Männer bestraft werden, häufig straffrei ausgehen. Aber Hollstein breitet auch vieles aus, was einem selbst als kundigem Leser in diesem Bereich zumindest noch nicht dermaßen klar war. Drei beispielhafte Schlaglichter:

- "Wurde die höhere Arbeitslosigkeit von Frauen als gesamtgesellschaftlicher Skandal bezeichnet", schreibt Hollstein, "wird nun die höhere Arbeitslosigkeit von Männern als Selbstverständlichkeit hingenommen." Die Folge: "Eine ganze Palette von Internetangeboten führen Frauen an die sogenannten Männerberufe heran, dagegen gibt es keine Internet-Seiten für jene Männer, die sich für die sogenannten Frauenberufe interessieren. (...) Unzählige Informationsbroschüren und Handbücher informieren Frauen und Mädchen über alle relevanten Bereiche des Lebens wie Gesundheit, Berufs- und Lebensplanung, Finanzen, Versicherungen, Finanzierung der Ausbildung etc.; für Jungen und Männer gibt es kein vergleichbares Angebot."

- Männern stehen im Vergleich zu Frauen "nur ein unzureichendes Angebot an Hilfs- und Betreuungsmöglichkeiten im Alter zur Verfügung, wie der Alters- und Familienforscher Francois Höpflinger belegt hat. Frauen werden in den Alters- und Pflegeheimen mit spezifisch weiblichen Beschäftigungs- und Unterhaltungsprogrammen versorgt, Männer nicht"

- Anerkannten Experten zufolge "werden in Deutschland jährlich bis zu 1,4 Millionen Jungen von ihren Müttern und anderen weiblichen Familienmitgliedern sexuell missbraucht. Während für missbrauchte Mädchen ein breites Netz- von Hilfe und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung gestellt worden ist, gibt es für Jungen nur sechs Beratungsstellen im ganzen Land." Ursula Enders von der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch "Zartbitter" geht davon aus, "dass maximal fünf Prozent der Jungen, die von Frauen ausgebeutet werden, als Opfer erkannt werden."

Nicht wenige dieser Benachteiligungen von Männern führt Hollstein auf de gesellschaftlichen Dutrchmarsch eines massiv einseitigen Feminismus zurück. Das gilt beispielsweise für das Erziehungswesen. Wenn mittlerweile selbst das Bundesfrauenministerium in einer unter der Hand veröffentlichten Studie feststellen muss, dass Mädchen für gleiche Leistungen bessere Noten bekommen als Jungen, dann erinnert Hollstein daran, dass "der ideologische Feminismus klar die Gebrauchsanweisung" formuliert hatte, "dass Jungen benachteiligt werden müssen, damit Mädchen aufholen können." Als Beleg zitiert Hollstein zunächst eine Autorin von Alice Schwarzers Zeitschrift "Emma": "Wenn wir wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen. Auch wenn es weh tut." Dazu führt Hollstein aus: "In der Realität bleib es nicht bei solchen Slogans, sondern sie wurden auch in der Schul-, Erziehungs- und Gleichstellungspolitik in gesellschaftliche Praxis umgesetzt. Frauen- und Gleichstellungsministerinnen wie zum Beispiel Ilse Ridder-Melchers in Nordrhein-Westfalen bekannten sich immer wieder zu solchen Maximen, die Jungen bewusst diskriminierten, um Mädchen ebenso bewusst zu fördern." Der Effekt ist bekannt: Jungen besuchen inzwischen weit überwiegend niedrigere Schulzweige, erhalten schlechtere Noten, machen weniger gute Abschlüsse, neigen immer häufiger auch zur Gewalt. Selbst das ideologische Ziel der Feministinnen beginnt unter diesem Debakel zu leiden: So belegt die Shellstudie von 2006, dass mehr als 70 Prozent der deutschen Schüler sich ausdrücklich keine emanzipierte Partnerin wünschen.

Wer kann es ihnen verdenken, wenn der blinde Irrwitz mittlerweile so institutionalisiert ist, wie Hollstein an einem einfachen Beispiel der misslungenen Umerziehung von Männern deutlich macht: "2007 gibt das deutsche Bundesfrauen- und Familienministerium 'Porträts von Männern im Aufbruch' heraus, Verfasserinnen sind zwei Frauen, von denen zumindest eine sich als Feministin versteht. Das ist alles ganz selbstverständlich, doch was wäre, wenn das (Ministerium) ein Buch über die Veränderung von Frauen herausgäbe, das von zwei Männern verfasst wird, die Mitglieder der 'Männerpartei' sind. Der Aufschrei im Lande wäre gewaltig; das Umgekehrte hingegen wird als normal akzeptiert."

Dass vieles an dieser Schieflage unseren Medien zu verschulden ist, ist natürlich auch Hollstein klar: "Pädagogen, Bischöfe oder Moderatorinnen, die ein anderes Bild zeichnen als das gegenwärtig opportune, werden flugs und unbesehen als 'Neonazis' oder 'Hassprediger' verunglimpft, statt dass erst einmal gepräft wird, wo da unter Umständen auch ein wahrer Kern sein könnte." Hier kann man sich die Vorhersage nicht ganz verkneifen, dass eben jene Einäugigkeit unserer Journalisten auch Hollsteins Buch zum Verhängnis werden dürfte: Die deutschen Medien käuen zehnmal lieber den Hype um die "Alphamädchen" wieder oder schreiben den tausendsten Artikel über Charlotte Roches Analfeminismus als sich mit den Belangen und Argumenten auch der männlichen Bevölkerung auseinanderzusetzen. Insofern ist es wohl kein Zufall, dass männerpolitische Bücher entweder bei Verlagen erscheinen, die offenbar gerade mit der Insolvenz zu kämpfen haben (Aufbau) oder noch junge Start-Ups darstellen (Lichtschlag). Bei den Branchenführern hat eine seriöse Behandlung des Männerthemas keine Chance.

Es ist aber mehr als Desinteresse, dem Männerpolitik zum Opfer fällt. Oft genug ist es blanker Hass auf das "Tätergeschlecht". So überrascht es nicht, dass auch in Hollsteins Buch mit fast vierzig Seiten das Kapitel über die "Begründung und Ausbreitung von Männerhass" (Misandrie) den größten Teil ausmacht. Während belegt ist, dass bereits um 1800 der Mann bereits als gewalttätig, unmoralisch und triebgesteuert dargestellt wurde, habe in unserem Jahrhundert insbesondere der Mainstream-Feminismus "seit den späten sechziger und frühen siebziger Jahren ein Gebäude systematischer Abwertung von Männlichkeit aufgerichtet. Mit den Stilmitteln der Wiederholung, Popularisierung und Indoktrination entstand über die Jahre ein Artefakt der Deformation, der sukzessive in die öffentliche und mediale Darstellung Eingang fand." Zwar hätten sich einzelne kritische Feministinnen "immer wieder gegen diese pauschale Verurteilung der männlichen Population gewehrt. Sie konnten dabei allerdings nicht verhindern, dass sich die radikalfeministische Darstellung von Männlichkeit in den achtziger und neunziger Jahren habitualisiert hat, wie es die Soziologie nennt: Sie wurde gewohnheitsmäßig und eine feste Größe im gesellschaftlichen Diskurs." Während etwa vor Jahrzehnten Valerie Solanas "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" in radikalen Frauengruppen mit Begeisterung gelesen worden sei, titele in der jüngeren Vergangenheit der SPIEGEL "Eine Krankheit namens Mann" und auf Spiegel-Online heißt es, Männer würden aus Sicht der Evolution viel zu alt. "Konsequent zuende gedacht", merkt Hollstein an, "müssten solche Überlegungen in ein Euthanasieprogramm für Männer führen."

Als weiteres Beispiel nennt Hollstein Marilyn Frenchs bekanntestes Werk "Frauen", ein feministisches Kultbuch, das in den USA eine Millionenauflage erreichte. Darin finden sich Passagen wie diese: "Meine Gefühle den Männern gegenüber sind das Ergebnis meiner Erfahrung. Ich empfinde wenig Sympathie für sie. Wie ein Jude, der gerade aus Dachau entlassen worden ist, sehe ich, wie der junge hübsche Nazisoldat sich windend, mit einer Kugel im Bauch, zu Boden fällt, und ich sehe nur kurz hin und gehe weiter. Ich brauche nicht einmal mit den Schultern zu zucken: Es berührt mich nicht." Hollstein bezeichnet diesen Text treffend als "Männerhass pur". Das Buch gilt indes noch 2008 laut Leserinnen-Kommentaren bei Amazon als "absolutes Muss" und "Pflichtlektüre". Und auch die deutsche Frauenpresse der Gegenwart zwischen "Brigitte" und "Petra" kommt bei Hollstein nicht gut weg. "Der Mann erscheint coram publico heute als verachtenswerte, eher eklige und auf jeden Fall defizitäre Kreatur." Wie gewohnheitsmäßig diese Entwertung geworden sei, zeigten insbesondere die berühmten kleinen Dinge: Etwa wenn die Gruppe "Cosmos Direct" für eine Lebensversicherung wirbt, indem ein kleines Mädchen in TV-Spots "Du, Mama, wenn Papa tot ist, kaufe ich mir erst mal einen Ponyhof" äußert, woraufhin die Mutter erwidert "Moment. Wenn Papa weg ist, kaufe ich mir erst mal 'ne Finca auf Mallorca." (Das ganze Gespräch geschieht in Gegenwart des dem gegenüber als völlig hilflos dargestellten Vaters.) Ein kaum weniger frappantes Beispiel ist es, wenn der RBB in den Abendnachrichten über den Schießbefehl an der deutsch-deutschen Grenze empört berichtet, dass "sogar auf Frauen und Kinder" geschossen werden sollte. (Nur auf Männer zu schießen erschien offenbar als halb so schlimm.)

Wie der umfassende Männerhass in unserer Gesellschaft erzeugt wird, verdeutlicht Hollstein an einer feministischen Studie über "geschlechtsspezifische Gewalt", der zufolge in den USA jährlich fast vier Millionen Frauen zu Tode geprügelt würden. ("Danach dürfte es eigentlich schon kaum noch Frauen in den USA geben" kommentiert Hollstein trocken.) Mit derartigen "falschen Behauptungen, Projektionen und Verzerrungen" werde jedoch ein "Horrorszenario entworfen, um den weiblichen Opferstatus ebenso zu zementieren wie den männlichen Täterstatus". Hierzu zitiert Hollstein Elisabeth Badinter: "Diese systematische Viktimisierung hat natürlich auch ihre Vorteile. Zunächst einmal fühlt man sich sofort auf der richtigen Seite der Barrikade. Nicht nur, weil das Opfer immer recht hat, sondern auch, weil es im selben Maße Mitleid erweckt, wie der Täter gnadenlosen Hass auf sich zieht."

Tatsächlich allerdings ergibt die aktuelle Forschung (Hollstein nennt hier das Buch "Tatort Familie. Häusliche Gewalt im gesellschaftlichen Kontext" von Siegfried Lamnek und Ralf Ottermann), "dass der prozentuale Anteil der Ehefrauen, die physische Gewalt ausüben, größer ist als der der Männer, obwohl Männer etwas häufiger schwere Verletzungen verursachen." Dabei werde allerdings die Häufigkeit der häuslichen Gewalt ohnehin kontinuierlich in den Medien auf unseriöseste Weise hochgesteigert: "Nach der neuesten Studie im deutschsprachigen Raum von Luedtke und Lamnek ergibt sich, dass sich in knapp sechs Prozent der Familien die Gewalt gegen den Partner richtet. Entsprechend solchen Befunden relativieren sich 'geschlechterpolitische' Zahlen, nach denen angeblich jede dritte Beziehung in Deutschland gewaltbelastet sein soll, wie das (Bundesfrauenministerium) 2003 behauptet und 2007 in der Version wiederholt, dass jede dritte Frau in Deutschland misshandelt worden sei."

Vor diesem Hintergrund findet Hollstein auch klare Worte, wenn Alice Schwarzer in einen wahren Freudenrausch gerät, nachdem Lorena Bobbit ihrem schlafenden Mann das Glied abgetrennt hatte ("Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. (...) Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersiliehacken.") Das, merkt Hollstein an, sei "nicht nur als ein öffentlicher Aufruf zu Mord und Totschlag, sondern auch als Aufruf zur Gründung einer terroristischen Vereinigung zu werten. Würde zum Beispiel irgendein Islamist in diesem Stile Gewalt gegen die 'ungläubigen' Christen fordern, wäre die Bundesanwaltschaft schon am gleichen Tag auf dem Plan." Alice Schwarzer hingegen erhält zweimal das Bundesverdienstkreuz vom verhassten Patriarchat, von dem sie sich als Frau, wie sie noch 2008 in ihrer Börne-Preis-Rede kundtat, behandelt fühlte wie damals die Juden. Männer wie Frauen erhoben sich nach diesen Äußerungen zum Applaus.

Während es im Ausland selbstkritische Autorinnen wie Elisabeth Badinter und Christina Hoff Sommers gebe (warum wird eigentlich Wendy McElroy nicht erwähnt?), die ausführlich und einfühlsam auch die Verlustseiten von Männlichkeit ansprechen, "halte "im deutschsprachigen Raum der Mainstreamfeminismus geradezu obsessiv an seinem einseitigen Täterbild von Männlichkeit fest." Hier möchte man minimal Einspruch einlegen: Der Mainstreamfeminismus (z. B. Gruppen wie NOW in den USA) verbeißt sich auch im Ausland in männerfeindliche Klischees, während auch in Deutschland kritische Feministinnen wie Katharina Rutschky und Astrid von Friesen ihr Denken auf ein höheres Niveau geführt haben. Dem unbenommen ist Hollstein zuzustimmen, wenn er das Fazit zieht: "Entsprechend der Gesetzlichkeit, dass sich in der Mediengesellschaft die platten Formen eher duchsetzen und einprägen als die differenzierten Überlegungen, hat der ideologische Feminismus obsiegt. (...) Der zur 'Wahrheit' gewordene Mythos wird von einer feministischen Lobby in der Politik, in den Medien und in Frauen- und Gleichstellungsbüros sorgsam gepflegt; Widerstand wird diffamiert und mit Etiketten von 'Frauenfeindlichkeit' versehen. Dieser Vorwurf ist inzwischen ebenso sehr ein sozialer Todesstoß wie der Ordnungsruf des 'Antisemitismus', wenn die israelische Politik kritisiert wird." Und an einer anderen Stelle ergänzt Hollstein: "Es ist im Grunde das stalinistische Prinzip der Installierung von Totschlagbegriffen. Widerspruch ist gleichbedeutend mit 'Frauenfeindschaft'. Auch das ist Misandrie."

Verständlicherweise gibt Hollstein seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass die Debatte über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen hierzulande ausgerechnet von der lesbischen Fraktion (Alice Schwarzer, Anita Heiliger und Co.) angeführt worden sei, was besonders deutlich wurde, als Schwarzers Zeitschrift "Emma" 1987 ihre Leserinnen auffforderte: "Boykottiert alle Männer!" Das bedeute für die Sexualität, dass der Plastkdildo den Penis ersetzen soll: "Männer sind kein Schicksal ... Immer mehr Frauen und Frauen benutzen sie nicht." Und noch 2007 enthalte Schwarzers biographische Rückschau "Die Antwort" die gleichen Stereotypen und Diffamierungen gegen Männer, die die Autorin schon in ihrem ersten Buch über den angeblich 'Kleinen Unterschied' verteilt habe.

Inzwischen zeigt der grasierende Männerhass kaum übersehbare Folgen: "Für die Schweiz schildert Marianne Fehr eine inzwischen 'phobisch gewordene Grundatmosphäre' der Verdächtigungen gegenüber Männern, was sexuelle Übergriffe, Belästigungen oder Pädophilie betrifft. Obwohl sich fast alle Beschuldigungen als falsch oder bewusst instrumentalisiert erweisen, sind nun Misstrauen und Verunsicherung groß." Aber auch in Deutschland und Österreich berichten Väter-Organisation "von einer ganzen Kaskade solcher Fälle, in denen – vorzugsweise – Väter des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, um ihnen das Besuchfsrecht zu verweigern. In nahezu allen Fällen erweist sich dieser Vorwurf als erfunden, ohne dass die betreffenden Mütter dafür von der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden."

Bei der Frage, wie die Geschlechterdebatte dermaßen ins Ungleichgewicht geraten konnte, widmet sich Hollstein eingehend auch jenen Männern, die im Internet inzwischen spöttisch als "lila Pudel" und "Fifis" bezeichnet werden: jene Kinder der 68er-Bewegung, die, wie Hollstein zutreffend darlegt, mit wahrer Begeisterung "das eigene Geschlecht niedermachen, ankreiden oder geißeln und dabei in vorauseilendem Gehorsam zum Teil noch den Männerhass von Feministinnen zu übertreffen suchen". Gedankt wird ihnen ihre Unterwerfung weiblicherseits nicht, wie Hollstein an dem Beispiel Claudio Hofmanns illustriert, der für seinen anbiedernden Text "Über das Unglück kein Feminist zu sein" keine Lorbeeren erntete, sondern, als er bei Männer-raus-Sprechchören teilnahm, von Frauen scharf angefahren wurde: "Das ist ja wohl das Letzte! Klemmt euer scheiß-Verständnis mitsamt eurem Schwanz zwischen eure Beine und verpisst euch!" Die so undankbar behandelten Männer sind aber weit mehr als harmlose Witzfiguren, über die man sich lustig machen könnte. Sie haben zu dem besonders heiklen Problem geführt, komplett den akademischen Bereich zu verbauen, der ansonsten eine Grundlage hätte darstellen können, um auch die Situation von Männern tiefgründig zu erforschen.

Leider nämlich habe sich die Männerforschung "quasi vollumfänglich an den Erkenntnissen der Frauenforschung orientiert und sich überdies explizit als feministisch oder profeministisch verstanden". Als Beispiel führt Hollstein den in der Tat unsäglichen Männerforscher Michael S. Kimmel an, der "männliches Leben im Wesentlichen reduziert auf Machterwerb, Gewalt, Krieg, die Unterdrückung von Mädchen und Frauen, sexistische Witze, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Pornographie und Konkurrenz. Die Analyse orientiert sich nicht an den männlichen Wirklichkeiten und Bedürfnissen, sondern an feministischen Kategorien." Das wird von Hollstein zu Recht hinterfragt: Es sei "zum Beispiel sicher lobens- und ehrenwert, dass sich profeministische Männer mit dem Protest von Feministinnen gegen die Klitoris-Beschneidungen von Mädchen in Afrika solidarisieren; doch ist es zumindest merkwürdig und eigentlich auch auf eine bestimmte Weise pervers, dass sie die Beschneidung von Jungen (...) nicht zur Kenntnis nehmen", welche die diesbezügliche Forschung als sexuelle Gewalterfahrung mit nachgerade traumatischen Folgen erkannt hat. "Diese Problematik wird von der profeministischen Männerforschung aber gänzlich ignoriert." Insgesamt sei von diesem Zweig "leider nichts zu erwarten; sie ist erheblich mehr um die Situation der Frauen bemüht als um jene der eigenen Geschlechtsgenossen, deren Bedürftigkeit sie einfach leugnet." Hollstein veranschaulicht das an dem im akademischen Bereich bekanntesten Männerforscher der zeitgenössischen Welt, Robert W. Connell, der so originelle Konzepte anbot wie Lehrpläne für Jungen, die sich nach den Interessen der Mädchen richten und der gegenüber dem Männerforscher Warren Farrell geradezu beleidigend wurde, "weil sich Farrell als einstiger Anhänger des Feminismus nun den Belangen von Männern zugewandt habe." Im Jahr 2007 mutierte Connell offiziell zur Frau und nennt sich fortan Raewyn. (Nein, der letzte Satz war kein Scherz, auch wenn er sehr nach Monty Python klingt. Es ist Realsatire.)

Sobald sich jemand kritisch mit dem Feminismus beschäftigt, wird geradezu reflexartig der Vorwurf erhoben, er wolle wohl wieder zurück zu den Geschlechterrollen der fünfziger Jahre. So wie bei vielen Männerrechtlern muss man sich hier auch bei Hollstein allerdings keine Sorgen machen. Ihm ist vollkommen klar, wie sehr gerade das traditionelle Männerbild dazu beigetragen hat, Männer kaputt und krank zu machen. Unter anderem weist er auf eine empirische Untersuchung hin, in der sich fast drei Viertel der untersuchten Präsidenten, Direktoren, Firmenchefs und Topmanager als depressiv heraussstellten. Fatal sei in diesem Zusammenhang jedoch, dass viele Frauen für sich zwar ein verändertes, modernes Frauenbild verträten, gleichzeitig aber auf einem traditionellen Männerbild verharrten. Das gilt bis hin zu Alice Schwarzers Idol, der französischen Feministin Simone de Beauvoir, die für den amerikanischen Macho Nelson Algren schwärmte und mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung einging. "Der erfolglose oder arbeitslose Mann ist eben 'kein richtiger Mann'" bringt Hollstein dieses Denken auf den Punkt. Dasselbe gilt für die immerhin fünf Prozent der 40jährigen Männer, die noch zu Hause wohnen (müssen). Etlichen Mänern ist wohl schon die Galle hochbekommen, wenn sie Politikerinnen wie Übermutter von der Leyen den Zeigefinger heben sehen und sie spöttisch tadeln hören, Männer müssten noch viel an sich arbeiten, um mit den Frauen Schritt zu halten und längst überholte, schädliche Verhaltensweisen abzulegen, wenn diese Männer zugleich vielfach erlebt haben dass Frauen weit überwiegend mit denjenigen Männern in die Laken springen, die sich dem alten Männerbild gemäß immer noch mit Wonne selbst zerstören und zugrunde richten.

Hollstein spricht auch über Chancen und Wege, das derzeitige Dilemma zu überwinden. Lobend erwähnt er, dass man sich in den skandinavischen Staaten bei der Umsetzung der neuen Frauenpolitik vernünftigerweise zugleich auch um Männerbelange kümmerte. Auch in Deutschland hatten sich einige Einzelstimmen entsprechend geäußert – so etwa die Frankfurter Stadträtin für Frauen, Sylvia Schenk, die schon in den frühen neunziger Jahren einen Perspektivenwechsel gefordert und verlangt hatte, auch die Diskriminierungen gegen Männer zu sehen: "Ein Mehr an Chancen für Frauen muss einhergehen mit einem Mehr an Chancen für Männer." Die öffentliche Wahrnehmung hingegen, hier macht sich Hollstein keine Illusionen, sei durch den Einfluss der Frauenbewegung insgesamt bis heute selektiv darauf eingestellt, weder das Problemverhalten von Frauen noch die Benachteiligungen von Männern zu benennen. Wenn sich Männer verändern sollen, dann nur, damit sie für Frauen noch komfortabler sind. Allerdings liege es auch an den Männern selbst, ob sie die Situation zu ihren Gunsten verändern: "Die allgemein menschliche Erfahrung, dass es einem besser geht, wenn man Ärger und Frust nicht herunterschluckt, sondern artikuliert, gilt mit Sicherheit nicht nur für Frauen. Männer sollten aufhören, aus ihrer Seele eine Mördergrube zu machen. Sie haben nichts mehr zu verlieren, sondern nur noch zu gewinnen."

An dieser Stelle kommen wir zu dem einzigen Manko, dieses in jeder anderen Hinsicht grandiosen Buches. Hollstein verbleibt mir allzusehr bei einer Auflistung nach dem Motto "Alles ist schlimm". Die akademische Männerforschung ist vom Feminismus geblendet (stimmt). Der Rückzug in therapeutische Männergruppen ende allzu oft bei selbstmitleidigem Narzissmus, der alles beim Alten lässt (stimmt auch). Und die von diversen Buchverlagen gestützte Rückkehr zu John Wayne und mehr Machtotum gehe an jeder Reflexion vorbei und ende im Extremfall im Rechtsextremismus (stimmt ebenfalls). Darauf, dass sich in Deutschland schon seit Jahren eine politisch sehr aktive Männerrechtsbewegung entwickelt hat, die im Internet ebenso prominent auftritt wie mit diversen Buchpublikationen (Michail A. Xenos "Medusa schenkt man keine Rosen" (2007), meine eigenen Bücher "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) und "Männerbeben" (2007)) geht Hollstein unangemessen kurz ein – oder gar abwertend. Zu den Forderungen der "Männerpartei" etwa formuliert er: "In dieser Reaktion auf einen einseitigen und männerfeindlichen Feminismus wiederholt sich spiegelverkehrt eine maskulinistische Einseitigkeit, die dann auch nur folgerichtig in Frauenfeindlichkeit mündet." Was an den von Hollstein zitierten Forderungen der Männerpartei (unter anderem gleiche Rechte für Väter wie Mütter, die Gewichtung von Kindesentzug als Straftat, die inzwischen durchgesetzte stärkere zeitliche Begrenzung von Unterhaltszahlungen, kein Verbot von Vaterschaftstests, mehr Geld für Kinder und Bildung) "frauenfeindlich" sein sollen, erklärt Hollstein nicht. Stattdessen greift er zu einem Wort, das er zuvor richtig als Totschlagbegriff erkannt hatte.

Zugestanden: Wohl nicht einmal die Mitglieder der Männerpartei selbst dürften bestreiten, dass deren Rhetorik mitunter recht polternd daherkommt. Hierbei ist allerdings bezeichnend, dass Hollstein die hierzulande wohl führende und wichtigste Männerrechtsgruppe MANNdat e.V., die auf dieses polternde Auftreten verzichtet, sondern wesentlich sachlicher und gemäßigter daherkommt, gar nicht richtig wahrnimmt. Er erwähnt an zwei Stellen lediglich Kommentare, die "das Internetforum manndat.de" enthielt. In Wahrheit ist MANNdat viel mehr als das lediglich seiner Website angeschlossene Diskussionsforum, nämlich eine männerpolitisch hochaktive Gruppe. Wenn Hollstein Männern schon den Tipp gibt, dass sie für ihre Bedürfnisse eintreten sollten, dann hätte er ihnen ruhig auch den Weg dorthin weisen können, wo sie politisch etwas erreichen können. Hier und da einen kritischen Leserbrief zu schreiben, wird die Dinge wohl kaum zum Besseren wenden.

Dabei erkennt Hollstein durchaus, dass Veränderungen nur durch massiven politischen Druck möglich sind, etwa wenn er feststellen muss: "Innovativen Projekten, die ehrenamtlich betrieben werden, wie das 'Männerhaus' in Berlin für Männer in akuten Krisensituationen, wird eine Unterstützung von der 'Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen' versagt. Auch in solchen Konstellationen fehlt berechtigten männlichen Anliegen eine Lobby, die hilft und die Politik drängt." Die Lösung kann wohl kaum darin liegen, über die Jahrzehnte hinweg nur immer wieder neue Bücher zu verfassen, die zwar inhaltlich sehr stark sind, wegen der einseitigen Berichterstattung unserer feministischen Medien aber nur ein paar hundert Leser erreichen, während die Situation immer schlimmer wird. Hollsteins eigene Titel waren vor wenigen Jahren noch wesentlich mehr wischi-waschi formuliert, und wenn er sich jetzt dazu durchgerungen hat, endlich Klartext zu schreiben, liegt das wohl nicht zuletzt an den jüngsten Entwicklungen.

So trifft er ins Schwarze, wenn er schreibt: "Eine einseitige Frauenpolitik wird sich in nicht allzu entfernter Zukunft politisch dafür verantworten müssen, dass sie die Probleme von Jungen und Männern seit zwei Jahrzehnten willentlich ignoriert und damit einen sozialen Zündstoff provoziert, der jetzt schon die Grundfesten der demokratischen Ordnung unterminiert." Dazu ist aber offenbar politischer Druck aus der Bevölkerung nötig, wie in Hollsteins Fazit deutlich wird: "Für Jungen und Männer braucht es eine angepasste Jungen- und Männerpolitik. Die Vereinten Nationen (UNO) haben 2004 Richtlinien dafür verabschiedet. Die Europäische Union (EU) hat 2006 in Helsinki nachgedoppelt und Richtlinien für eine europäische Jungen- und Männerforderung formuliert." Die Reaktion in Deutschland? "Weder die Empfehlungen der UNO noch jene der EU werden zur Kenntnis genommen, geschweige denn umgesetzt. Das ist ein politischer Skandal, und da sind auch die Männer zu einem Anteil selber schuld, wenn sie nicht politisch einfordern, was schon längst hätte verwirklicht werden müssen. Das gilt vor allem auch für das Instrmentarium des 'Gender Mainstreaming', das im deutschsprachigen Raum nur für frauenpolitische Maßnahmen genutzt wird." Und Hollstein bringt es noch mehr auf den Punkt: "Es geht offenbar nicht gütlich."

Das Unglückliche an solchen ausufernden Buchbesprechungen wie dieser ist wohl, dass manch ein Leser denken wird: Jetzt habe ich diese lange Rezension gelesen, jetzt brauche ich mir das Buch gar nicht mehr zu kaufen. Selten wäre das so falsch wie hier. Walter Hollstein verdichtet auf engstem Raum eine Unzahl von Informationen, von denen ich hier trotz aller Ausführlichkeit nur einen Bruchteil zusammenstellen konnte. Ich empfehle die Lektüre des vollständigen Werkes mit großem Nachdruck.

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Montag, November 14, 2022

Kindschaftsrechtsreform als "antifeministisch" attackiert (und andere News)

1. In Österreich wird eine Reform des Kindschaftsrechts scharf angegangen:

Die Kindschaftsrecht-Reform sei "antifeministisch", werde intransparent abgehandelt und binde Frauenorganisationen nicht genug ein, klagte Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings. Laut ihr liegt bereits seit Sommer 2022 ein entsprechender Entwurf vor, der etwa ein automatische gemeinsame Obsorge und die Doppelresidenz vorsieht.

"Wir verwehren uns nicht gegen eine Reform, die aus familienrechtlicher Sicht mehr als notwendig ist, wir verwehren uns gegen die Vorhaben dieser Reform, wo feministische Ansätze mehr als dürftig sind", sagte Frieben. Größter Kritikpunkt war eine mögliche Automatisierung von Doppelresidenz und geteilter Obsorge bei getrennt lebenden Eltern. Dadurch würden sich Unterhaltszahlungen "massiv" verringern, was "aufgrund der aktuellen Einkommen von Frauen auch hier den Weg in die Frauen- und Kinderarmut bedeutet".

(…) Aus dem Justizministerium heißt es dazu, dass der Entwurf derzeit erarbeitet werde. Wie bisher werde es auch in Zukunft Gespräche mit Stakeholdern und Frauenorganisationen geben. Ziel sei eine "feministische Reform" mit Fokus auf Frauen- und Kinderrechte sowie Gewaltschutz.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2.
Thomas Prantner und die Mutter seiner Kinder sind getrennt. Sie lebt wie er in Hamburg – nicht weit entfernt von seiner Wohnung – mit seinem Sohn (13) und seiner Tochter (11) sowie einem weiteren, jüngeren Kind. Seit vier Jahren hat er die beiden nicht gesehen, obwohl die Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben. Vielen Vätern und Müttern in Deutschland geht es ähnlich wie ihm. Sie müssen wie Prantner gerichtlich vorgehen, weil der andere Elternteil nicht kooperiert. Gutachten werden erstellt, Jugendämter schalten sich ein, Anwälte streiten. Der 53-Jährige versucht trotzdem immer wieder, den Kontakt zu den Kindern herzustellen. Da ihm dies bisher nicht gelungen ist, schrieb er ein Buch mit dem Titel: „Briefe für meine Kinder“, er hofft, dass sie es irgendwann selbst lesen werden. Der Unternehmer wagt sich nun an die Öffentlichkeit, um auf gewollte Entfremdung von Kindern durch Elternteile aufmerksam zu machen.


Das Hamburger Abendblatt hat Prantner zu seiner Situation interviewt.



3. Die britische Presse berichtet über einen Fall der Falschbeschuldigung bei sexueller Gewalt, der zur Beantwortung der Frage beiträgt, warum manche Frauen so etwas tun:

Eine untreue Ehefrau, die ihren Mann zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigte, nachdem er sich geweigert hatte, die Hausarbeit zu erledigen, wurde von einer Gefängnisstrafe verschont.

Sharon Taylor, 61, schwor, ihren Mann David nach dem Scheitern ihrer 21-jährigen Ehe zu "zerstören".

Er zog im vergangenen Jahr aus ihrem Doppelhaus in Malvern, Worcestershire, aus, nachdem sie zugegeben hatte, eine Affäre zu haben.

Einem Gericht zufolge bombardierte Taylor ihren entfremdeten Ehemann daraufhin mit beleidigenden Nachrichten, in denen sie ihn aufforderte, weiterhin den Haushalt zu führen.

(…) Sie verfolgte ihren Mann weiter und drohte, ihn bei der Polizei wegen Vergewaltigung anzuzeigen, wenn er seinen Job nicht kündigte.

Taylor, eine ehemalige Unabhängige Kandidatin, die in den Stadtrat von Malvern gewählt wurde, begann letztes Jahr mit ihrer abscheulichen Kampagne gegen ihren Ehemann.

(...) Sie besuchte auch das Postamt, in dem Herr Taylor arbeitete, und sagte einem Manager, sie sei besorgt über weibliche Mitarbeiter. Sie behauptete fälschlicherweise, Mr. Taylor habe sie viele Jahre lang vergewaltigt. Nachdem der Manager ihr gesagt hatte, sie solle dies der Polizei melden, antwortete Taylor, sie würde es nicht tun, da "es meiner politischen Karriere schaden würde".

(…) Richard Hull, der die Angeklagte verteidigte, sagte, dass sie einen psychischen Zusammenbruch erlitten habe und nur schwer akzeptieren konnte, dass die Ehe vorbei war.

(…) Als sie am Montag vor dem Worcester Crown Court erschien, wurde sie der Stalking- und Erpressungsvorwürfe für schuldig befunden. Taylor aus der Meadow Road, Malvern, weinte auf der Anklagebank, als sie zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt wurde, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.




4. "Nein, Andrew Tate ist kein Märtyrer für Männerrechte" erklärt das Blog "Woke Father" zu dem unstrittenen Internet-Star, der auch in deutschsprachigen Artikeln in Verbindung mit Aktivisten für die Anliegen von Jungen und Männern gebracht wurde (Genderama berichtete):

Das Internet, einschließlich Teile der "Manosphäre", war kürzlich in Aufruhr über die Entscheidungen von Twitter, Tiktok und Meta, den Influencer Andrew Tate von ihren Plattformen zu verbannen. Ursprünglich ein professioneller Kickboxer, wurde Tate nach einem kurzen Aufenthalt in der 17. Staffel von Big Brother auf Channel 5 berühmt, wonach er wegen homophober, rassistischer und frauenfeindlicher Äußerungen rausgeschmissen wurde. Anschließend gründete er die "Hustler’s University", eine Online-Schule, die sich im Wesentlichen darauf spezialisiert hat, wie man Frauen abschleppt.

Tate ermutigte Studenten seiner "Universität", Videos in sozialen Medien zu teilen, und erzielte insgesamt über 10 Milliarden Aufrufe. Viele von ihnen brachten Andrew Tate aufgrund ihrer kontroversen Positionen an die Spitze der Diskussion in den sozialen Medien, beispielsweise dass die Frauen, die Harvey Weinstein des sexuellen Missbrauchs beschuldigten, gleichermaßen schuldhaft waren. Darüber hinaus kritisierte Tate die Gesetze wegen sexueller Übergriffe und zog nach Rumänien, weil er sagte, es sei dort einfacher, sich von einem Vergewaltigungsvorwurf freizusprechen.

(…) Nach den zahlreichen Social-Media-Verboten begann eine Reihe von Kommentatoren, Tate als eine Art Märtyrer für die Rechte der Männer und ein weiteres Opfer von Gynozentrismus und feministischer Zensur zu feiern. Dies könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Tate vertrat keine ernsthaften oder wichtigen Themen im Zusammenhang mit der Männerrechtsbewegung. Und abgesehen davon, dass er der "Manosphäre" einen schlechten Ruf gibt, beutet er tatsächlich Männer aus und hat Aussagen gemacht, die gegen egalitäre Werte verstoßen.

(…) Das Problem für die Männerrechte in diesem Zusammenhang ist, dass es Kommentatoren, die bereits überall im Internet zu finden sind, erlaubt, Frauenfeindlichkeit nicht nur mit der Männerbewegung und der "Manosphäre", sondern sogar mit Männlichkeit im Allgemeinen zu verbinden.

Das ist natürlich Unsinn. Ja, Andrew Tate ist ein Mann und die meisten seiner Fans sind Männer, aber das macht ihn nicht zu einem Repräsentanten der Männer oder der Männlichkeit, genauso wenig wie Taylor Swift eine Repräsentantin der Frauen und der Weiblichkeit ist. Ich habe nie gesehen, dass Andrew Tate sich über Beschneidung, die Jungenkrise oder die Wehrpflicht geäußert hat, und doch versuchen Feministinnen unermüdlich, ihn mit Männerrechten in Verbindung zu bringen, in einem ziemlich durchsichtigen Versuch, die gesamte Bewegung zu diskreditieren.

Wenn Sie jedoch jemand sind, der sich für Männerrechte einsetzt, und gleichzeitig Tate als Märtyrer für Ihre Sache hochhalten, geben Sie ihnen nur Munition in die Hand.

(…) Offenbar basiert seine gesamte Philosophie darauf, was man tun sollte, um für Frauen attraktiv zu sein. Man sollte sogar Frauen zuliebe die Dinge aufgeben, die man mag, und wenn man sich dieser frauenfreundlichen Version von Männlichkeit nicht anpasst, ist man ein "Verlierer".

In ähnlicher Weise ist Andrew Tate oft offen homophob. Er impliziert, dass schwule Männer minderwertig sind und benutzt Sexualität als Beleidigung. Das geht wirklich Hand in Hand. Für Tate hängt deine "Männlichkeit" von deiner Fähigkeit ab, eine Frau sexuell zu befriedigen.

Tate ermächtigt Männer nicht. Er beschämt sie, wenn sie nicht einmal einer bestimmten Geschlechterrolle entsprechen, sondern einem noch engeren Lebensstil. Er hat kein Problem damit, Männer wegen ihrer persönlichen Entscheidungen und Vorlieben zu beleidigen und herabzusetzen, vor allem, wenn diese Entscheidungen nicht von Frauen gebilligt werden und letztlich für Frauen bestimmt sind. In dieser Hinsicht ist er zutiefst misandristisch und gynozentrisch, weit entfernt von einer Stimme für die Rechte der Männer. Ein Aktivist für Männerrechte würde sich dafür einsetzen, Männer zu stärken und sie von traditionellen Geschlechterrollen zu befreien, bei denen es darum geht, für Frauen und andere zu "sorgen" oder ihre Gesundheit oder ihr Leben zu opfern.

Tate hat im Laufe der Jahre mehrere Einnahmequellen gehabt. Vor allem gründete er die Hustler's University. Die Fassade dieses Unternehmens besteht darin, Männern beizubringen, wie sie sich "verbessern" können, allerdings nur im Zusammenhang mit dem Beeindrucken von Frauen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Hustler's University jedoch um ein Schneeballsystem. Die Mitglieder werden dazu angehalten, neue Mitglieder zu werben, wofür sie eine Provision erhalten.

Die Hustler's University ist nicht der einzige Betrug von Tate. Er hat sogar zugegeben, dass eine von ihm betriebene Camgirl-Website eine solche war. Er ließ die Camgirls gezielt Männer mit rührseligen Geschichten über ihr Leben versorgen, um diese Männer dazu zu bringen, ihnen große Geldsummen zu geben, von denen die meisten an Tate gingen.

Es klingt nicht so, als sei Tate ein Verfechter von Männern und Jungen. Es klingt eher so, als würde er mit ihren Unsicherheiten und ihrem Wunsch nach Liebe und Gesellschaft spielen. Tate könnte die soziale Struktur bekämpfen, die dazu führt, dass Männer sich so einsam und entfremdet fühlen, aber anscheinend beutet er stattdessen lieber Männer für seinen eigenen persönlichen Vorteil aus.

Bevor Sie sich auf meinen Artikel stürzen: Ich verrstehe ieinen Teil der Empörung über das Massenverbot von Andrew Tate. Es ist frustrierend zu sehen, wie er wegen "Frauenfeindlichkeit" gesperrt wird, während auf Twitter und anderen Social-Media-Seiten weitaus schlimmere Formen der Männerfeindlichkeit ein Freibrief gegeben wird. Erst neulich stieß ich auf einen Beitrag auf Instagram, in dem verallgemeinert wurde, was "westliche Männer wollen", also im Grunde das Gegenstück zu Tates Rhetorik. Und vergessen wir nicht, dass radikale Feministinnen täglich ungestraft #killallmen tweeten. Im umgekehrten Fall würde das Verbot wegen "Förderung von Gewalt gegen eine Gruppe" sofort verhängt werden.

Wenn Sie die Verbote aus diesen Gründen oder mit anderen Argumenten der freien Meinungsäußerung kritisieren wollen, kann ich das unterstützen. Das ändert jedoch nichts an den oben genannten Fakten. Tate ist kein Märtyrer für die Rechte der Männer. Vielmehr ist er ein Männerfeind, der während seiner gesamten Karriere Männer ausgebeutet hat. Jeder, der sich online für die Rechte von Männern einsetzt, sollte ihn nicht mit dieser Bewegung in Verbindung bringen.




Donnerstag, Dezember 09, 2021

Uni-Gutachten: Punktabzug für Gender-Muffel zulässig – News vom 9. Dezember 2021

1. Die Hessenschau berichtet:

Darf ein*e Dozent*in darauf bestehen, dass in Klausuren und Hausarbeiten in der Uni (so wie zu Beginn dieses Texts) gegendert wird? Darüber war im Sommer eine Diskussion in den Medien entbrannt. Ausgelöst hatte sie der Lehramtsstudent Lukas Honemann, seines Zeichens Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studierender in Kassel sowie Geschäftsführer der örtlichen CDU-Kreistagsfraktion. Er habe im ersten Semester eine schlechtere Bewertung bekommen, weil er die gendersensible Sprache nicht anwendete, beschwerte sich Honemann öffentlich.

Die Universität Kassel gab daraufhin ein Rechtsgutachten in Auftrag, das nun vorliegt. Der Staats- und Verwaltungsrechtler Michael Sachs kommt darin zu dem Schluss, dass geschlechtergerechte Sprache in bestimmten Prüfungen verlangt werden darf, wie die Universität am Mittwoch mitteilte.


In einem Kommentar auf Twitter heißt es hierzu:

"Es wird doch niemand zum Gendern gezwungen!" können wir dann ja endgültig abhaken. Eine Minderheit setzt ihr Privatprojekt durch.

Nicht, dass ich überrascht wäre, dass ein von der Uni Kassel in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Schluss kommt, dass die Uni Kassel Recht hat ...




2. Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, gilt in der Hauptstadt die 3G-Regel auch auf den Bahnsteigen, wovon auch Obdachlose betroffen sind, die dort oft vor dem frostigen Winter Zuflucht suchen:

Aufgrund des Zwecks der sei es "nicht möglich, eine Ausnahme für obdachlose Personen zu schaffen", heißt es in der Antwort der Sozialverwaltung an die Berliner Zeitung. "Aus Gründen des Infektionsschutzes ist eine Ausnahmeregelung nicht erwünscht." Man wisse jedoch, wie problematisch diese Situation für obdachlose Menschen sei. "Daher unternehmen wir viele Anstrengungen, Obdachlosen eine Impfung und weitere Tests zu ermöglichen", so die Sozialverwaltung. Dies bedeutet offenbar: Berlin will Obdachlosen helfen, die Corona-Regeln einzuhalten, aber mit Nachsicht können sie nicht rechnen.


Für "Die Welt" kommentiert Frederik Schindler:

Die extrem prekäre Lebenssituation von Obdachlosen wird dadurch weiter verschärft. Die Corona-Krise hatte Menschen ohne Wohnung ohnehin schwer getroffen: In mehreren Bundesländern gab es zwischenzeitlich einen Aufnahmestopp für stationäre Einrichtungen, Beratungsstellen mussten ihr Angebot zurückfahren, Kontakt- und Abstandsgebote waren mit den Lebensumständen schwer vereinbar.

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, werden aktuell in vielen Notunterkünften, Suppenküchen und Einrichtungen der Kältehilfe die Corona-Schnelltests knapp. Ohne Tests können die wohnungslosen Menschen dort nicht aufgenommen werden.

Ausgerechnet in dieser Situation wird ungeimpften und ungetesteten Obdachlosen auch noch der Zugang zu Bahnsteigen verwehrt, auch in U-Bahnhöfen. Unsozialer geht es nicht. Der Berliner Senat wertet eine mögliche Infektionsgefahr offenbar höher als den Schutz vor Kälte und Gewalt.

Das Leben auf der Straße ist bekanntlich gefährlich: Laut einer Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) wurden im vergangenen Jahr mindestens 25 Menschen ohne Wohnung in Deutschland getötet, davon 17 durch ebenfalls wohnungslose Täter. Mindestens 23 Obdachlose sind im Winter 2020/21 in diesem Land erfroren.

Natürlich ist der beste Schutz vor Kälte und Gewalt immer noch die eigene Wohnung. Es müsste viel mehr dafür getan werden, dass Obdachlose die Chance erhalten, wieder in eine eigene Wohnung zu ziehen. Es braucht dringend einen anderen Blickwinkel, den die BAGW schon lange fordert: Wohnungslose sind im Wesentlichen keine Gefahrenquelle, sondern selbst besonderen Gefahren ausgesetzt.




3. Neues aus der Schweiz:

Wer für ein Kind das Sorgerecht hat, soll künftig im Einwohnerregister stehen. Dafür hat sich der Nationalrat am Montag ausgesprochen. Er will den Bundesrat beauftragen, dafür rechtliche Grundlagen zu schaffen.


Bislang können die Schweizer Behörden nicht prüfen, welcher Elternteil das Sorgerecht hat



4. Ein halbstündiges Video auf Youtube beschäftigt sich mit der Frage "Wie ist das häusliche Gewalt als Mann zu erleben?"



5. Die Schauspielerin Rose McGowan hat ihren MeToo-Prozess gegen Harvey Weinstein verloren.



6. Wie Jessica Goldstein im US-amerikanischen Monatsmagazin Washingtonian berichtet, zahlen immer mehr Frauen Unterhalt für ihren Ex-Mann – und ihr Unmut darüber wächst. Der Artikel ist deutlich zu lang für eine Übersetzung, hier deshalb nur ein Auszug:

Die gängige Meinung zu Unterhaltszahlungen für Kinder und Alimente ist, dass die Ehemänner diese auf Gedeih und Verderb an ihre Ex-Frauen zahlen. Aber es gibt eine wachsende Gruppe von Frauen in Washington, die aus ihren Ehen als Zahlerinnen und nicht als Empfängerinnen dieser Art von finanzieller Wiedergutmachung hervorgehen. (…) Und obwohl niemand von der Aussicht begeistert ist, einem Ex Schecks auszustellen, berichten Scheidungsanwälte in der Region, dass ein zunehmender Anteil dieser Zahlerinnen auf die Aussicht auf Unterhaltszahlungen mit purer, heißer Wut reagiert.

"Was ich bemerkenswert finde, ist die Wut der Frauen", sagt Heather Hostetter, eine bekannte Scheidungsanwältin in Bethesda, die Fälle in Maryland und DC bearbeitet. "Ich erlebe das bei Männern, die mit der Tatsache konfrontiert werden, dass sie Unterhalt zahlen müssen, nicht so oft. Und ein Teil der Wut bezieht sich auf die Frage: 'Wofür genau zahle ich eigentlich? "

(...) Eine Ex, mit der ich sprach, erzählte mir, dass sie und ihr Mann sich vor vier Jahren trennten, "er räumte das Haus aus, als er ging. Er nahm den Fernseher, das Porzellan, mein Besteck mit. All die Dinge, von denen man erwarten würde, dass ein Mann sagt: 'Das will ich nicht, du kannst es haben.' "Sie zahlt Unterhalt für die Kinder und kommt für die wichtigsten Ausgaben auf - Schulgeld, Ferienlager, Versicherungen. "Es ist eine harte Realität", wie sie sagt. "Ich schaue oft in den Spiegel und frage mich, ob sich diese ganze Feminismus-Sache für mich als Bumerang herausstellt."

(...) Jetzt, wo sie geschieden sind, sagt [Tara], teilen sie und ihr Ex sich das Sorgerecht. Das Gericht hat angeordnet, dass sie Tausende von Unterhaltszahlungen leisten muss. (Sie sagt, sie verdiene dreimal so viel wie er.) Obwohl sie nicht begeistert war, diese Schecks ausstellen zu müssen, konnte sie bei ihren "Weinabenden" mit geschiedenen Freunden, bei denen sie darüber scherzen, was sie in die Memo-Zeile der Unterhaltsschecks schreiben, etwas dunkle Komik finden. Ein Freund macht hinterhältige Akronyme - "YAAA" für "Du bist ein Arschloch", "YFD" für "Du verdammter Arsch" -, während andere einen etwas subtileren und beliebteren Ansatz bevorzugen: die Nummerierung der Schecks. "C.S. 1", "C.S. 2" und so weiter.


Natürlich würde jedem Mann, der wegen seiner Unterhaltszahlungen an seine Ex fast ausflippt vor Wut, "toxische Männlichkeit" diagnostiziert. Dass in unserer Gesellschaft hart verdientes Geld von Männern an Frauen zu fließen hat, scheint für so viele Menschen förmlich ein Naturgesetz zu sein, dass sie es nicht emotional verarbeiten können, wenn es umgekehrt läuft.

Da in dem Artikel selbstverständlich allein Frauen zu Wort kommen, sind auch bei umgekehrter Rollenverteilung ebenso selbstverständlich immer noch die Männer an allem Schuld, die faulen Säcke und Versager. Die zweite Überschrift des Beitrags sagt bereits alles: "Es ist nicht so einfach wie: Nur weil Männer Unterhalt zahlen müssen, sollte das für Frauen auch gelten."

Die Männerfeindlichkeit und das Messen mit zweierlei Maß aus unseren Leitmedien zu tilgen bleibt eine Jahrhundertaufgabe.



7. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk (außer einem von meinen eigenen Büchern) sucht: Jan Feddersens und Philipp Gesslers Neuerscheinung "Kampf der Identitäten" ist eine mehr als gelungene Abrechnung mit der "woken" Identitätspolitik aus linker Perspektive, wobei ähnlich wie auf Genderama auch mal Argumente von liberaler und konservativer Seite in die Analyse einfließen. Allein die Verwendung des Gendersternchens, das den Lesefluss allerdings nur passagenweise ernsthaft stört, dürfte dem einen oder anderen Genderama-Leser missfallen.



8. Die Post. Vorgestern verlinkte Genderama diesen Artikel, in dem es heißt: "In Israel stehen die Frauen zusammen mit den Männern an vorderster Front im Einsatz."

Ein Leser schreibt mir dazu:

Das ist falsch, es gibt nur wenige Frauen, die in Kampfeinheiten Dienst tun. Wenn Du Dir die Mühe machst, Martin von Crefelds Buch "Das bevorzugte Geschlecht" zu lesen - da überhaupt ran zu kommen könnte das grössere Problem sein - kannst Du sehen, dass die Frauen in Israel genauso bevorzugt/ geschont werden wie woanders, auf vielfältige Weise.




Sonntag, Juni 02, 2013

Mainz: Bolschewistische Hippie-Frauen kämpfen gegen den Feminismus

Nachdem ich gestern den Vormittag mit Bloggen verbracht hatte, wollte ich nachmittags endlich mal eine Pause von der Geschlechterdebatte machen und mich wieder um berufliche Angelegenheiten kümmern. Dazu besuchte ich die Mainzer Minipressen-Messe, eine Ausstellung von Kleinverlagen, die sich die horrenden Standgebühren auf der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse ersparen möchten. Gerade will ich das Mainzer Rathaus betreten, wo die Messe stattfindet, da werde ich am Eingang von einem unübersehbaren Plakat empfangen, das das Buch Rückblick auf den Feminismus. Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen von Kerstin Steinbach bewirbt. Ich erinnere mich daran, dass für dieses Buch bereits auf der Leipziger Buchmesse so massiv Reklame gemacht worden war, dass die "taz" nicht umhin kam, darüber einen empörten Artikel zu veröffentlichen (wozu ich im März kurz gebloggt hatte). Ich unterdrücke einen Fluch: Diese verdammte Feminismuskritik begegnet einem inzwischen offenbar, wo man steht und geht! Zusatzinfo auf dem Plakat: Eine Lesung der Autorin fing exakt zu dem Zeitpunkt an, als ich das Rathaus betreten wollte. Da bleibt einem ja fast nichts anderes übrig ... Seufzend gebe ich mich geschlagen: Zurück zur Geschlechterdebatte.

Ein paar Minuten später lerne ich Kerstin Steinbach kennen. Ich stoße auf eine Frau mittleren Alters, die eine farbenfrohe Jacke trägt, darüber einige bunte Tüchter, dazu ebenfalls bunten Schmuck. Bin ich bei den Hippies gelandet? Diesen Eindruck verstärkt Steinbachs Vortrag, in dem sie vor allem die puritanische Sexualpolitik des Feminismus geißelt, wie das vor ihr schon andere Autorinnen getan haben.

Zur Einstimmung zeigt uns Steinbach einige Titelbilder der Zeitschrift STERN sowie entsprechende Werbeanzeigen aus den siebziger Jahren, die alle selbstbewusste nackte Frauen zeigen. (Falls Sie diese Fotos auch gerne sehen würden: Steinbach hat sie in einem anderen Buch zusammengestellt: Es gab einmal eine bessere Zeit ...) Gegen den STERN führte Alice Schwarzer Ende der siebziger Jahre wegen solcher Fotos einen vielbeachteten Prozess, in dem sie solche Frauen unter anderem als "läufige Hündinnen" bezeichnet haben soll. Diesen Prozess verlor Schwarzer zwar auf dem juristischen Feld, setzte ihre Ideologie aber mit desse Hilfe im Presse- und Werberat durch: Der STERN verzichtete aufgrund dieses Drucks auf solche Fotos, damit auch auf viele Leser, versuchte, diese Leser Anfang der achtziger Jahre durch die Entdeckung angeblicher Hitler-Tagebücher wiederzuerlangen, brach mit der Auflage endgültig ein und erholte sich so richtig nie wieder davon. Feministisch korrekt ist das Blatt hingegen noch immer.

Steinbach legt einige weitere Beispiele für die Sexualfeindlichkeit des Feminismus dar. So erwähnt sie die von Dworkin, McKinnon und Schwarzer geführte PorNO-Kampagne, die zu "Bilderverboten wie im Mittelalter" geführt habe. Ein geradezu "islamoides Sexualstrafrecht" habe der Feminismus darüber hinaus mit seinen ausufernden Definitionen von Vergewaltigung geschaffen, begleitet von der Agitation etwa Susan Brownmillers, der zufolge Vergewaltigung einen Akt darstelle, mit dem alle Männer alle Frauen unterdrückten. (Ich habe mich mit dieser Geschlechterhasspropaganda in Sind Frauen bessere Menschen? ausführlich auseinandergesetzt.) Um zu illustrieren, wie weit es feministische Vorverurteilungen gebracht haben, erwähnt Steinbach die Fälle Assange und Kachelmann sowie generell skurrile feministische Definitionen, was mittlerweile alles als Vergewaltigung gelte solle. Schließlich zitiert sie auch noch einmal Alice Schwarzer mit der kühnen These, dass Frauen nur einen klitoralen und keinen vaginalen Orgasmus erleben könnten, weshalb penetrativer Sex generell abzulehnen sei. (Später werde ich erfahren, dass Steinbach hauptberuflich Gynäkologin ist.) Und auch das bekannte Zitat Alice Schwarzers zum Abschneiden des Penis John Bobbit durch seine Frau Lorena gibt Steinbach zum Besten – Sie wissen schon: "Sie hat ihren Mann entwaffnet. (...) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr ..." undsoweiter undosofort. Ich stelle fest, dass ich den Dreck inzwischen fast besser mitbeten kann als das Vaterunser, dass einen Leute aus dem Publikum aber etwas irritiert anschauen, wenn man das tut.

Nun könnte man auf den naheliegenden Gedanken kommen, dass Schwarzer und andere Feministinnen die männliche Sexualität deshalb kontinuierlich verteufeln, weil sie selbst der lesbischen Fraktion angehören und mehr Frauen ins eigene Lager hinüberziehen wollen. Diese Lesart der radikalfeministischen Agitation hat sich ja auch bei vielen durchgesetzt. Steinbachs Ansatz ist das allerdings nicht: Sie argumentiert, dass der Schwarzer-Feminismus eine Abrissbirne für die freie Sexualität der siebziger Jahre insgesamt darstellte. (Überschätzt sie damit Schwarzers Einfluss nicht ein wenig? Gab es dafür nicht vielleicht auch andere Gründe; war da zum Beispiel nicht was mit AIDS ..? Und ist die sexuelle Befreiung tatsächlich massiv gescheitert, so dass man heute nirgends mehr erotische Bilder zu sehen bekommt?) Der reaktionäre Schwarzer-Feminismus habe zu einer Stärkung der klassischen Familie geführt, mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen: Beispielsweise, dass sich heute beide Ehepartner dem Kapitalismus unterordnen müssen statt wie noch in den siebziger Jahren nur einer von beiden.

Wie Sie vermutlich schon gemerkt haben, konnte ich Steinbachs Thesen nur bis zu einem bestimmten Punkt folgen, wobei ich ihr zugute halte, dass sie sie in ihrem Buch überzeugender dargelegt haben mag als in ihrer kurzen Lesung daraus. Der Feminismus als Ideologie, die das klassische Familienmodell stützt, ist in meinen Augen eine gewagte These. Wurden in den letzten Jahren nicht gerade Kritiker des Feminismus als "Familienfundamentalisten" beschimpft? Warum habe ich diesen Gesterkamp eigentlich nicht auf meiner Schnellwahltaste, der hätte dazu bestimmt einiges zu sagen gehabt? Also gut, dann gebe ich in der Diskussion nach der Lesung eben selbst zu bedenken, dass Feministinnen gegen die Rolle der Frau als Mutter immer wieder Front bezogen und gegen Autorinnen mit abweichender Meinung wie etwa Eva Herman eine regelrechte Vernichtungskampagne geführt haben. Steinbach kontert mit einem weiteren Zitat Schwarzers, die vor ein paar Jahren in einem Interview behauptet habe, dass die angebliche Feindseligkeit des Feminismus gegen die Mutterschaft nur ein Missverständnis sei und der Feminismus in Wahrheit bei vielen Frauen erst ein "Bewusstsein für Mutterschaft" geweckt habe. Schwarzer habe die Linke und ihre Haltung zur sexuellen Freiheit in den siebziger Jahren nur ausgenutzt, weil dies damals ebe dem Zeitgeist entsprach, sei im Innersten aber stockreaktionär. In diesem Punkt sind Kerstin Steinbach und ich uns immerhin vollkommen einig.

Steinbach weist darauf hin, dass es längst schon einen feministischen Mutterkult gebe, gleichzeitig Frauen von Feministinnen aber mit Parolen wie "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" in die Produktion gedrängt würden. Keine einzige Feministin stelle sich ernsthaft einer Politik in den Weg, die Familien von kinderlosen Singles mit Unsummen fördern lasse, was in der Regel durch Steuererleichterungen für Familien geschehe, damit aber höhere Steuern für Singles bedeute: "Paare mit Kindern bezahlen mir nicht meine Flugreisen, umgekehrt soll das wie selbstverständlich der Fall sein." Steinbach plädiert dagegen für das Verursacherprinzip: Wer Kinder wolle, solle dafür auch die nötigen Kosten alleine tragen. Auch die Verknechtung von Scheidungsvätern durch unerträglich hohe Unterhaltszahlungen stelle eine Repression dar, mit der Männer dafür bestraft werden sollen, dass sie die heilige Familie nicht länger aufrecht erhielten.

Ich frage Kerstin Steinbach, wie sie sich ihren weiteren Kampf gegen den Feminismus vorstelle, da er – auch hier sind wir uns einig – in Politik und Medien zur Hegemonialmacht geworden ist. Steinbach erwidert, dass man sich da nur an Lenins Maxime orientieren und "unermüdlich aufklären" müsse. (Eben das stellt ja auch das Motto von Genderama dar. Vielleicht sollte ich statt dem Mark-Twain-Zitat den Ausspruch von Lenin in den Kopf dieses Blogs nehmen? Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Leser dann urteilen könnte "Jetzt übertreibt er's aber wirklich ...") Steinbach erwähnt, dass sie Mitglied im bolschewistischen Bund gegen Anpassung sei, wozu auch der Ahriman-Verlag gehöre, in dem ihr feminismuskritisches Buch erscheint. Leider sei es nicht möglich, mit Feministinnen eine konstruktive Diskussion oder auch nur eine kontroverse Debatte zu führen, was sie anhand zweier Frauen illustriert, die Steinbachs Lesung zuvor verlassen hatten: die eine grimmig schweigend, die andere laut schimpfend. Bei dieser Gelegenheit erwähne ich die feministische Randale gegen Monika Ebeling an der Mainzer Uni und warne Kerstin Steinbach, dass sie, sobald sie der feministische Radar als ernste Bedrohung wahrnehme, vermutlich mit sehr harten Bandagen angegangen werde.

Kerstin Steinbach teilt mir mit, dass dies keineswegs etwas Neues für sie ist: Sie sei bereits nach einer ihrer Lesungen von Mitgliedern der sogenannten "Antifa" als angebliche Unterstützerin faschistischen Gedankenguts angezeigt worden, was sie nur abwenden konnte, weil sie ihre Lesung und das, was sie tatsächlich gesagt habe, aufgezeichnet hatte. Andernfalls hätten zehn "Antifa"-Mitglieder mit falschen Zeugenaussagen Steinbachs kollektive Verleumdung erfolgreich durchgesetzt und sie als Autorin damit unmöglich gemacht. Inzwischen übernähmen Menschen, die sich als Linke ausgeben, freiwillig und kostenlos die Aufgabe staatlicher Kontroll- und Repressionsorgane. Ich zeige mein Entsetzen darüber, dass es tatsächlich Charakterkrüppel geben soll, die Linke als "rechts" diffamieren, frage aber auch, ob es in Ordnung ist, wenn ich über unser Gespräch am nächsten Tag bloggen werde, was solche Verleumdungen unter Umständen weitertransportieren könnte, statt sie zu unterbinden. Kerstin Steinbach erwidert, dass sie dieselbe Maxime verfolgt wie ich selbst, nämlich derartige Schweinereien immer wieder öffentlich zu machen. Ich könne bloggen, was ich wolle, solange ich zuvor ihre tatsächliche Position deutlich gemacht habe; sie selbst berichte über diesen Vorfall sowohl in ihrem feminismuskritischen Buch als auch auf einer eigenen Website.

Statt die Diskussion nach der Lesung nur auf meinen eigenen Wortwechsel mit Kerstin Steinbach zu reduzieren, sollte ich aber vielleicht auch die anderen Diskussionsteilnehmer kurz skizzieren. Unter ihnen befindet sich eine Frankfurter Steuerberaterin mit sozialistischem Hintergrund, die Steinbach in so ziemlich allem Recht gibt. Ein männliches Attac-Mitglied, das zugleich "entsorgter Vater" ist und dadurch weiß, wie mit Männern in dieser Republik mittlerweile umgesprungen wird. Eine ältere Frau und ehemalige "Emma"-Leserin, die Schwarzers Zeitschrift den Rücken kehrte, weil sie den ständigen Männerhass darin auf Dauer genauso wenig ertragen konnte wie dass sich der Feminismus kontinuierlich die Verdienste für Errungenschaften zuschrieb, die schon vorher durchgesetzt worden waren. Und ein überzeugter Pazifist von der Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz, der an Steinbachs These Anstoß nimmt, die juristische Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann sei längst durchgesetzt: Tatsächlich könne nur er als Mann, obwohl der Kriegsdienst derzeit ausgesetzt sei, bei Bedarf entweder an die Front oder in den Knast gebracht werden, worüber sich Frauen ihr ganzes Leben lang keine Sorgen zu machen bräuchten. Dies habe er unlängst auch einer Feministin verdeutlicht, die behauptet hatte, Frauen hätten in unserer Gesellschaft das schlechtere Los gezogen.

Von niemandem von uns gibt es Widerspruch zu Steinbachs Statements, dass unter Frauen derzeit "ein Pott nach dem anderen geschoben wird", was die Botschaft, dass sie Männern in allem ebenbürtig seien, auf bizarre Weise konterkariere. "Wenn ich parasitär veranlagt wäre", formuliert Steinbach, "und mir hätte aussuchen können, als welches Geschlecht ich auf die Welt komme, dann fiele mir die Entscheidung nicht schwer." Auch zu diesem Satz gibt es keinen Widerspruch. Der Unmut über den herrschenden Feminismus ist in der Tat längst im linken Lager angekommen, und er wird nur dadurch unterdrückt, dass andere "Linke" sich wie Revolutionswächter aufführen und in einer perfiden Hemmungslosigkeit mit den größtmöglichen Kanonen auf jeden ballern, der nicht mehr brav in Reih und Glied marschieren will. Man darf sich wirklich fragen, wie lange diese Repression noch funktionieren wird. Ich stelle es mir zwar sehr schwierig vor, beispielsweise Birgit Kelle und Kerstin Steinbach an einen Tisch zu bekommen, aber dem unbenommen gibt es in sämtlichen politischen Fraktionen Menschen, die es kaum noch ertragen, dass Geschlechterpolitik einseitig zu Lasten von Männern geht, seitdem es Geschlechterpolitik gibt. Allein unsere Medienmacher stärken mit einseitiger Berichterstattung die Repression.

Nach unserer Diskussion besuche ich den Messestand des Ahriman-Verlags. Er ist weitgehend von Frauen besetzt, von denen eine bei Steinbachs Lesung immer wieder zustimmend genickt hatte. Dort kaufe ich eine Ausgabe der Zeitschrift "Ketzerbriefe" – nicht zuletzt wegen des ansprechenden Covers.

Mittwoch, Oktober 11, 2017

SPD triumphiert: Männer von Wahlrecht weiterhin ausgeschlossen – News vom 11. Oktober 2017

1. Die Einführung eines Wahlrechts für Männer steht in Mecklenburg-Vorpommern noch immer in den Sternen, wenn es um das Amt des Gleichstellungsbeauftragten geht. Männer dürfen weiterhin weder für dieses Amt kandidieren, noch eine Gleichstellungsbeauftragte wählen. Das sei verfassungskonform, entschied jetzt das Landesverfassungsgerichts in Greifswald und wies damit die Beschwerde eines Mitarbeiter des Landesbürgerbeauftragten ab.

Der Focus berichtet:

Dem 50-Jährigen war die Enttäuschung anzusehen. "Ich werde weiter von einer Gleichstellungsbeauftragten vertreten, die ich nicht wählen darf." Nach Ansicht der Richter ist die Wahlrechtsbeschränkung verhältnismäßig, um Frauen die verfassungsrechtlich garantierte Chancengleichheit zu gewährleisten. Frauen seien noch immer strukturell benachteiligt, was sich unter anderem in der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen zeige, sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Thiele. Das Gleichstellungsgesetz sei in erster Linie noch immer auf die Frauenförderung ausgerichtet.

Das Gericht forderte allerdings den Gesetzgeber auf, die Entwicklung in den kommenden fünf Jahren sorgfältig zu beobachten. Die Entscheidung des siebenköpfigen Gremiums fiel mit einer Gegenstimme. Leichte Anzeichen, dass sich was dreht in Deutschland?

Die Sozialforscherin Ute Klammer von der Uni Duisburg-Essen hätte sich eine andere Entscheidung gewünscht. Dass lediglich Frauen kandidieren und wählen dürften, entspreche nicht mehr den gesellschaftlichen Gegebenheiten, sagte die Wissenschaftlerin.

Klammer war Leiterin der Sachverständigenkommission zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung und wirkte auch beim zweiten Gleichstellungsbericht mit. "Ich sehe die Gefahr, dass die Gleichstellung als reines Frauenthema behandelt wird. Die Frage der Gleichstellung ist ein Thema aller Geschlechter."

(...) Kläger Leist sieht sich nicht als Vorkämpfer einer neuen, emanzipatorischen Männerbewegung. Er habe für seine eigenen Interessen gekämpft. Schon in der Verhandlung berichtete der Vater von zwei Kindern von seiner Situation. Seit zwölf Jahren in Teilzeit, um mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können. Diskriminierung am Arbeitsplatz habe er selbst erlebt. Als er in Teilzeit gegangen sei, habe ihn sein damaliger Arbeitgeber – der Landesrechnungshof – deutlich gemacht, dass es nun mit der Karriere für ihn vorbei sei.

(...) Die Richter machten in ihrem Urteil jedoch deutlich, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur ein Teilbereich der Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten sei. Ein Blick in die Statistiken zeigt, dass Frauen in Deutschland noch immer strukturell benachteiligt sind: Der Gender Pay Gap – der die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau statistisch beschreibt – liegt in Deutschland bei 21 Prozent.


(Korrekt wäre natürlich: Er liegt bei zwei Prozent – wenn man sich überhaupt auf die bizarre Logik einlassen will, dass Nachteile für eine Gruppe erst beseitigt werden dürfen, wenn eine andere Gruppe von sämlichen Nachteilen befreit ist.)

Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns ist Manuela Schwesig (SPD). Erwartungsgemäß knallen bei den Sozialdemokraten die Sektkorken nach diesem Urteil:

"Heute ist ein guter Tag für die Frauenförderung in unserem Land. Wir sehen uns durch das Urteil vollumfänglich bestätigt", sagte Ministerin Stefanie Drese (SPD). Frauen seien immer noch strukturellen und faktischen Nachteilen ausgesetzt. Sie seien im Berufsleben unterrepräsentiert in Führungspositionen, leisteten vorrangig Pflege- und Familienaufgaben und würden entsprechend häufiger in Teilzeittätigkeiten gedrängt.


Für populistische Behauptungen wie dass Frauen zur Teilzeitarbeit "gedrängt" würden, statt sich aus freien Stücken dafür zu entscheiden, fehlt bis heute jeder Beleg. Die widerwärtige Logik der Sozialdemokratinnen lautet: Männer haben erst dann einen Ansprechpartner für ihre geschlechtsspezifischen Probleme verdient, wenn der berufliche Werdegang von Frauen und Männern statistisch übereinstimmt.

In Mecklenburg-Vorpommern lag die AfD bei der letzten Landtagswahl übrigens bei 20, 8 Prozent. Hm, woran könnte es liegen, dass sich viele Bürger von den etablierten Parteien nicht mehr ausreichend vertreten fühlen?

Andererseits muss man sagen, dass sich die allermeisten deutschen Männer diese sozialdemokratische Arroganz der Macht auch gefallen lassen. Wenn sich selbst der Kläger in diesem Fall nicht im Rahmen einer emanzipatorischen Männerrechtsbewegung engagieren möchte, ist offenkundig, warum das feministische Machtmonopol und sein eklatanter Missbrauch so leicht nicht zu stoppen sind.

Bedauern über das Gerichtsurteil äußerte die Linksfraktion. Deren gleichstellungspolitischer Sprecher Peter Ritter befand, der Ausschluss der Männer vom aktiven und passiven Wahlrecht im Gleichstellungsgesetz trage nicht dazu bei, dass Gleichstellung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen und somit von Frauen und Männern gleichermaßen gelebt werden müsse.

In der "Zeit" lässt Vanessa Vu die Benachteiligung von Männern durch die Verfassungsrechtlerin Anna Katharina Mangold rechtfertigen: "Das Grundgesetz, lässt dem Gesetzgeber viel Spielraum für die Gleichstellung der Geschlechter." Kritiker, die die Entscheidung als diskriminierend betrachten, unterlägen einem Irrtum.

Überflüssig zu erwähnen, dass der Pöbel in den Kommentaren unter dem Artikel die Sachlage mal wieder völlig anders sieht als die herrschende Elite. Ein Kommentator weist sogar frech darauf hin, dass die interviewte Verfassungsrechtlerin alles andere als ideologisch neutral sei, und verweist auf ihren Twitter-Account, in em sie sich deutlich feministisch positioniert. Diese ideologische Verankerung verschweigt Vanessa Vu ihren Lesern. Man darf wohl auch davon ausgehen, dass Mangold genau wegen ihrer ideologischen Positionierung als Interviewpartnerin ausgewählt wurde.

Das "Zeit"-Interview wird hier kritisch kommentiert, das Gerichtsurteil selbst im Blog "Männerrechte". Eine sehr ausführliche Analyse des Urteils findet man bei Hadmut Danisch, der zum Fazit der Rechtsbeugung gelangt.



2. "Armutsfalle Unterhalt – Wie gerecht ist unser System?" ist eine neue Artikelreihe bei Xing: "Finanzielle Verpflichtungen treiben so manches Elternteil in die Existenznot. Betroffene fordern ein faireres Handeln des Staates." Den ersten Beitrag dieser Reihe liefert René Harder, Professor für Schauspiel und fünffacher Vater: "Die Unterhaltszahlungen treiben mich in die Armut."



3. Die Synthie-Pop-Band "Hurts" thematisiert das Schweigen vieler Männer, wenn sie von Krisen belastet sind:

Frontman Theo Hutchcraft continued: "It’s just speaking out, you know. It shouldn’t be taboo. Particularly for men, it’s difficult. Where we come from in the North of England it’s a particular problem culturally. It’s an old idea of stoicism and a masculine identity that is harmful. It’s very harmful to a lot of young men. Discussing things are looked down upon and things become suppressed. Changing those attitudes is a big thing within society and needs to happen. The more commonplace it becomes and the more people who speak about it in general life, it loses any stigma because it becomes normal."




4. Das feministische Magazin "Vice" wählt als Schlagzeile eine Überzeugung, die man wohl ohnehin teilen muss, wenn man für dieses Magazin arbeitet: "It's Confirmed: Women are Higher Beings". Wie der Artikel darunter verrät, ist diese Schlagzeile nicht ironisch, sondern vollkommen ernst gemeint: Einer aktuellen Studie zufolge sei nämlich das männliche Gehirn auf Egoismus und das weibliche Gehirn auf Menschenfreundlichkeit ausgerichtet. Ob wir wohl innerhalb der nächsten 50 Jahren einen feministischen Mainstream bekommen werden, der nicht narzisstisch ist und auf die Abwertung von Männern verzichtet?



5. Eine Londoner Lehrerin wurde für sexuellen Missbrauch eines ihrer Schüler zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. "Ich nehme an, dass er zugestimmt hat", erklärte der zuständige Richter. "Welcher 15-jährige Schüler würde ein so attraktives Angebot ablehnen?"

Nennt mich überkritisch, aber irgendwie bezweifle ich, dass ein Richter bei einem männlichen Täter ähnliche Worte finden würde.

Donnerstag, Februar 20, 2020

Warum es eine Männerrechtsbewegung gibt

Heute ist die Nachrichtenlage mau; ich will Genderama aber auch nicht ausfallen lassen. Deshalb hier ausnahmsweise mal statt aktuellen Meldungen ein älteres Fundstück aus dem Internet.

Quora ist eine amerikanische Website, deren Nutzer Antworten auf die Fragen anderer Nutzer geben. Eine vor mehreren Jahren gestellte Frage lautete "Was war das Demütigendste, das eine Frau einem Mann je angetan hat?" Darauf gab es mehr als hundert Antworten. Die Top-Antwort ist sehr ausführlich und wurde über elftausend Mal hochgevotet. Ich habe sie für Genderama übersetzt und dokumentiere sie hier trotz der einen oder anderen schiefen Formulierung ohne Kürzungen und eigene Kommentare.



Gegen Ende meiner Beziehung mit einer meiner jetzigen Ex-Freundinnen waren wir in einen ziemlich heftigen Streit geraten. Irgendwann während der Debatte hatte sie die Nase voll und holte meine Autoschlüssel, um mein Auto zu nehmen und drei Stunden zu ihren Eltern zu fahren. Ich sagte ihr, dass ich meine Wohnung verlassen würde, wenn sie wollte, aber obwohl sie wirklich wütend war, wollte ich ihr die Schlüssel zu meinem Auto nicht geben.

Erstens war sie nicht versichert. Zweitens regnete es draußen in Strömen, und sie war in einem enorm aufgebrachten Zustand. Schließlich sagte ich ihr, dass sie, sobald sie sich abgekühlt hätte, mein Auto nehmen könnte, wenn sie wollte. Noch einmal bot ich ihr an zu gehen, wenn sie das brauchte.

Sie schnappte sich meine Schlüssel und ging zur Tür. Ich sagte ihr (ohne den Eingang zu blockieren oder irgendetwas anderes zu tun): "Schau mal. Ich werde gehen, aber du kannst nicht mein Auto nehmen. Du fragst nicht einmal danach und wir haben kein Vertrauen mehr zueinander", und sie ging zur Tür hinaus. Von der Türschwelle aus sagte ich ihr: "Ich werde die Polizei rufen, wenn du mein Auto stiehlst. Du bist nicht versichert, und du hast nicht meine Erlaubnis, mein Auto zu stehlen. Ich fahre dich, wohin du willst oder lasse dich abholen, aber du kannst mein Auto nicht mitnehmen." Diese Ex hatte wirklich schlimme Wutprobleme, wie ich gleich beschreiben werde.

Sie stürmt also zurück in die Wohnung und schließt die Tür. Dann beginnt sie, ihren Ärmel hochzuziehen und zeigt mir einen riesigen grünen Bluterguss auf ihrem Arm. Ich machte mir sofort Sorgen um sie und fragte, woher sie ihn hat. Sie sagte mir: "Ich habe mich neulich geärgert und mir das selbst angetan. Aber wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe, werde ich den Bullen sagen, dass du das getan hast", und sie zeigte auf ihren Bluterguss.

Ich war wie erstarrt, aber mein Gehirn lief auf Hochtouren. Meine Mutter hatte mich als Teenager gewarnt, dass ein solcher Tag kommen könnte, ähnlich wie ein Elternteil ein Kind vor Triebtätern warnt. Mein Herz raste, und ich fühlte mich völlig verängstigt, stellte mir die Polizei vor, wie sie mich in Handschellen ins Gefängnis brachte.

Ich fragte sie: "Du würdest die Polizei anlügen und sagen, ich hätte dich geschlagen?!" und sie sagte: "Ja! Wenn du die Polizei auf mich hetzt, weil ich dein Auto genommen habe." Später, als sie und ich uns schließlich trennten, war sie wütend. Sie warf meine Sachen herum, schrie und drehte völlig durch. Ich rief meine Mutter an und erzählte ihr, was los war, und vom Telefon aus konnte sie hören, wie meine Ex sich die Lunge aus dem Leib brüllte. Ich hatte meiner Mutter einige Tage zuvor anvertraut, was mit meiner Ex vorher passiert war, und so sagte meine Mutter mir dringend: "Wenn du nicht die Polizei rufst, werde ich es tun." Ich sagte zu meiner Mutter: "Warum?! Es ist in Ordnung! Sie wird sich beruhigen, und wenn sie ihre Sachen rausholt, wird es vorbei sein." Meine Mutter antwortete: "Dieser Frau geht es nicht gut. Und wenn sie als ERSTE die Polizei anruft und eine Geschichte erfindet, wie sie beim letzten Mal gedroht hat, dann kriegst du Ärger."

Also rief ich die Polizei. Als die beiden Polizisten ankamen, ging einer von ihnen zu ihr und der andere zu mir. Ich sagte ihm, dass ich die Polizisten im Wesentlichen in der Hoffnung angerufen hatte, dass sie vielleicht helfen könnten, meine Freundin zu beruhigen und mir auch ein wenig Sicherheit zu geben – dass ich hier versuchte, die Dinge zivilisiert zu regeln.

Wissen Sie, was passiert ist? Das Folgende ist im Wesentlichen das Gespräch, das ich außerhalb der Wohnung mit dem Beamten führte, der mich befragt hatte:

Der Polizist: "Haben Sie einen Ort, wo Sie hingehen können?"

Ich: "Eigentlich nicht. Wie Sie vielleicht an meinen Augen erkennen können, habe ich eine Virusinfektion. Der Augenarzt, bei dem ich gestern war, sagte mir, ich solle wegen meiner Sehkraft nicht fahren."

(Das stimmte. Ich hatte eine Virusinfektion, die über eine Woche andauerte und meine Augen anschwellen ließ, aufblähte und Schleim absonderte. Lecker.)

Der Beamte: "Wie wäre es mit einem Freund, der Sie abholen kann?"

Ich: "Alle meine Freunde sind gerade bei der Arbeit. Warten Sie, werfen Sie mich raus? Aber ich habe Sie angerufen? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Der Beamte: "Sehen Sie. Verlassen Sie einfach die Wohnung und lassen Sie sie ihre Sachen packen. Sie sagte, sie wird in ein paar Stunden abgeholt und dann ist sie weg."

Ich: "Ich habe gerade buchstäblich eine Virusinfektion in meinen Augen. Ich kann kaum sehen, und der Arzt sagte, ich könne nicht fahren, bis die Infektion verschwindet. Warum muss ich MEINE Wohnung verlassen?"

Der Beamte: "Oh, ich sage nicht, dass Sie gehen müssen. Ich sage nur, dass, wenn wir einen weiteren Anruf von einem von Ihnen oder den Nachbarn erhalten, weil Ihre Freundin schreit, und ich wieder hier auftauchen muss, Sie wahrscheinlich derjenige sein werden, der die Nacht im Gefängnis verbringt. Ich sage nur: So ist es nun mal."

Ich musste eine Freundin, die 30 Minuten entfernt war, bitten, ihre Arbeitszeit zu unterbrechen, um mir als Dritte zu helfen (also musste ich jetzt Außenstehende miteinbeziehen), während ich einige meiner wichtigsten Dinge aus der Wohnung holte, bevor ich für den Tag wegging. Außerdem musste ich meiner Partnerin meine Wohnung unbeaufsichtigt überlassen.

Als ich an diesem Abend zurückkam, war meine Wohnung verwüstet. Meine Partnerin zerbrach den Computer, den ich gebaut hatte, machte noch mehr von meinem Zeug kaputt, stahl meine Sachen im Wert von 200 Dollar, nahm dann auch die Lebensmittel im Wert von 300 Dollar mit, die wir am Tag zuvor gerade bei Costco gekauft hatten, und ließ mich ebenfalls ohne Geld zurück, um die Miete, die Nebenkosten oder das zu bezahlen, was sie auf ihrer Hälfte der Kreditkartenrechnung schuldete.

Und was noch schlimmer war, sie nahm BEIDE Katzen, die wir zusammen adoptiert hatten, und ich war derjenige, der jeden Morgen um 6:10 Uhr aufwachte, um zu füttern und zu dressnieren (ich habe unseren Katzen beigebracht, aus getrennten Schüsseln zu fressen; keine leichte Aufgabe).

Ich habe mehrere Anwälte angerufen und sogar für eine Beratung bezahlt, aber jeder sagte mir das Gleiche: Gehen Sie zum Gericht für Kleinbeträge, wahrscheinlich werden Sie nur das Geld bekommen, das sie für die Rechnungen schuldet, aber ich würde die Katzen definitiv nicht zurückbekommen, denn im besten Fall wird der Richter sie aufteilen und/oder einer von Ihnen zahlt dem anderen die Adoptionsgebühren; "sie wird die Katzen höchstwahrscheinlich behalten, es sei denn, Sie sind bereit, viel Geld für die Gerichtsgebühren auszugeben", sagten sie. Schlimmer noch, ich würde sie wahrscheinlich gar nicht bekommen, weil ein Richter ihrem Wort mehr Glauben schenken würde als meinem, weil sie eine Frau ist, und deshalb müsste sie nur sagen, dass ich sie ihr überlassen habe. Und wenn ich dann die Bullen erwähne, stünde ich noch dümmer da.

In meinem Leben habe ich Frauen immer besser behandelt als Männer; ich habe ihnen die Tür geöffnet, Kaffee und Essen bezahlt, auch wenn sie nur Freunde sind, und ich werde mich bemühen, wenn es spät in der Nacht ist, auf die andere Straßenseite zu gehen, damit sie keine Angst haben. Ich verstehe inzwischen, dass eine solche Sonderbehandlung wahrscheinlich als beleidigend angesehen wird, weil ich sie "wie eine zerbrechliche Frau behandle", aber meine Absichten waren nie etwas anderes als gut. Ich wurde von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen, ich habe beobachtet, wie toll meine Mutter als Frau reingehaun hat, und so bin ich einfach mit etwas mehr Bewunderung und Respekt für Frauen als für Männer aufgewachsen.

Aber dann kam dieser Tag, an dem die Polizei, die ich angerufen habe, mir mit Gefängnis droht, wenn ich mein eigenes Haus nicht verlasse, weil ich ein Mann bin und sie eine Frau ist und sie mehr wert ist als ich. Der Tag, an dem ich nur noch daran denken kann, ob sie den Ärmel hochziehen und der Polizei eine Geschichte erzählen wird, dass ich sie verletzt hätte. Der Tag, an dem ich begreife, dass das Wort einer Frau in den Augen der Gesellschaft, der Medien und des Gesetzes mehr wert ist. Ich fühlte mich gedemütigt.

Ich dachte an all die Zeiten, als ich als Teenager den Feminismus verbreitete und förderte, bevor er in Mode kam. Als ich für Mittag- und Abendessen bezahlte, wenn ich mit meinen weiblichen Freunden ausging, nur weil sie Frauen waren. Als ich früher glaubte, Männer seien Schweine und Arschlöcher, weil andere Frauen immer darüber getratscht haben, und ich angenommen hatte, dass es wahr sein muss. Und hier war ich, am Rande eines normalen Lebens und eines Lebens, in dem ich fast ins Gefängnis ging, weil die Worte einer Frau mehr wert waren als meine.

Dann wurde es noch schlimmer. Sie hatte eine Menge Drama verursacht, wo wir beide arbeiteten, und gekündign. Ihr Chef hatte davon gehört, was passiert war, und ich wurde am nächsten Tag wegen "schlechter Leistung" entlassen; obwohl mein Vertrag dreimal verlängert wurde, ich als Praktikant Weihnachtsgeld bekam (als andere Mitarbeiter keins bekamen) und eine jährliche Lohnerhöhung von 2.100 Dollar bekam, um die ich nicht einmal gebeten hatte. Aufgrund der engen Verbindungen zu den Menschen dort erfuhr ich später, dass ich entlassen wurde, weil sie ein zu hohes Risiko darstellte. Das Management und/oder die Personalabteilung waren besorgt, dass sie zurückkommen würde, um ihnen einen Skandal wegen sexueller Belästigung anzuhängen (weil sie so unberechenbar/emotional war), und da ich Praktikant war, war ich das Risiko logischerweise nicht wert (was ich verstehe, so sehr es mich auch verbittert hat).

Bis zum heutigen Tag fühle ich mich immer noch gedemütigt. Ich bin zu paranoid, um mit einer Frau allein in einem Raum zu sein. Ich werde es trotzdem tun, aber ich werde immer daran denken, dass sie mich zumindest für die Nacht ins Gefängnis schicken könnte, einfach nur weil sie es wollte.

Gestern hat ein Freund auf Facebook ein Video von Frauen gepostet, die über die Vorurteile gegenüber Frauen bei Talentwettbewerben schimpfen. Ich fühlte mich gedemütigt, weil ich darüber nachdachte, was mir passiert ist und dass niemand für Männer eintritt. Überhaupt nicht. Niemals. Wohin ich mich auch wende, auf Facebook, in den Nachrichten, im Radio, in Gesprächen unter Freunden, im Kino, auf jeder Website: Frauen leiden und Männer sind typischerweise die Ursache dafür.

Ich war eine Autorität für feministische Themen, daher weiß ich nur zu gut, mit welchen Problemen Frauen tatsächlich konfrontiert sind. Aber es erniedrigt mich als Mensch, dass ich jedes Mal, wenn ich versuche, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass auch Männer mit Vorurteilen konfrontiert sind, in der Luft zerrissen werde. Von Frauen und Männern gleichermaßen.

Die Dinge, über die sich Feministinnen aufregen, wie z.B. ungleiche Bezahlung, sexistisches Casting, Hinterherpfeifen von Männern, Männer, die sie anstarren, wenn sie freizügige Kleidung tragen, rape culture, gezwungen zu werden, eine Hausfrau zu sein, Spielzeug für Mädchen, das sexistisch ist, Filme, die sexistisch gegenüber Frauen sind, Menschen, die das öffentliche Stillen nicht akzeptieren (Ich nenne das Schwachsinn. Meine Mutter hat in der Öffentlichkeit gestillt und nichts als Komplimente von Fremden bekommen, weil sie das Stillen anstelle von Milchnahrung übernommen hat), und so weiter. Einige dieser Behauptungen können wahr sein oder auch nicht.

Aber wenn man populäre Anliegen von Frauen mit populären Anliegen von Männern vergleicht, unterscheidet sich eines sehr stark: das Gesetz. Seit dem Vorfall mit meiner Ex hat es mich in eine Spirale des Grolls und der Gefühllosigkeit (nicht gegenüber der Frau, sondern gegenüber der Gesellschaft) hinunter gestoßen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mir die Fakten anzuschauen, und die Fakten sind einfach, dass das Gesetz am häufigsten zu Gunsten der Frau ausfälltt. Scheidung, Kindesunterhalt, Trennung von den eigenen Kindern, Unterhaltszahlungen/Ehegattenunterhalt, Körperverletzung, sexuelle Übergriffe und so weiter und so fort. Und beten Sie zu den Göttern jeder Religion, dass Sie kein afroamerikanischer Mann sind, denn es wird noch schlimmer für Sie, wenn Sie das sind. Ich schließe diesen Teil mit einem Zitat von einer Website für Familien, die auf der Sensibilisierung für häusliche Gewalt aufgebaut ist: "Ein Teil der Gründe für die Ungleichheit der gemeldeten Opfer könnte auch darin bestehen, dass Männer, die die Polizei anrufen, um häusliche Gewalt gegen sie anzuzeigen, befürchten, dass sie am Ende diejenigen sein werden, die verhaftet werden." Hm, dazu könnte ich einiges sagen.

Es fällt mir schwer, das alles zu schreiben, weil ich es gewohnt bin, in einer Welt zu leben, in der jeder Versuch zu zeigen, dass auch Männer Opfer sein können, in der Regel damit endet, dass mich jeder um mich herum beschimpft: nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Aber ich hoffe, dass alle jungen Männer, insbesondere die Jungen, die dies lesen, wissen, dass jeglicher Groll, der sich im Inneren gegenüber Frauen aufbaut, nicht in Ordnung ist. Ich verstehe, dass es ermüdend ist, von nichts anderem zu hören als der Schikanierung von Frauen aur allen Kanälen. Ich verstehe, dass es schmerzt, wenn man als Mann seinen Problemen gegenübersteht, aber der eigene Schmerz ignoriert wird. Es ist demütigend, wenn man eines Tages die Tatsache erkennt, dass wir als Gesellschaft die Männer dazu erziehen, "Frauen und Kinder an die erste Stelle zu setzen", auch wenn das bedeutet, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen müssen. Doch kein einziger Mann und keine einzige Frau wird Ihnen jemals die Höflichkeit erweisen, Ihren Schmerz zu erkennen, wenn Sie versuchen, ihnen gegenüber auszudrücken, dass auch Männer mit geschlechtsspezifischen Problemen konfrontiert sind. Dass man als Mann zum Beispiel "schwach" ist, wenn man weint. Es ist auch erniedrigend, wenn Sie von Ihren Altersgenossen zum Schweigen gebracht werden, weil sie erwähnen, dass Sie es sexistisch finden, dass es niemanden zu interessieren scheint, dass Männer kein Mitspracherecht dabei haben, ob sie beschnitten werden oder nicht.

Die Männer, die leiden, sollten wissen: Es ist nicht die Schuld der Frauen. Es ist die Schuld unserer Gesellschaft. Beide Geschlechter beteiligen sich daran, die Vorurteile gegen Männer zu ignorieren. Sie sind kein Monster, nur weil Sie ein Mann sind, und du bist nicht weniger wert, nur weil du ein Junge bist. So wie die Medien die Eltern loben, wenn sie ihren Mädchen beibringen, dass es in Ordnung ist, Fußball zu lieben, so ist es für dich völlig in Ordnung, Tanzen zu lieben. Mädchen können Rock mögen, also können Sie definitiv Pop mögen (meine Lieblingsmusikerin, Lights, ist eine Synthie-Pop-Kanadierin mit einer starken weiblichen Fangemeinde). Und Sie sind nicht verpflichtet, für ihr Essen zu bezahlen, nur weil sie eine Frau ist. Bezahlen Sie ihr Essen, wenn Sie derjenige waren, der das Date initiiert hat (es ist eine respektvolle Geste).

Ganz gleich, wer Sie erniedrigt, versuchen Sie Ihr Bestes, um sich davon nicht verbittern und verärgern zu lassen. Seien Sie positiv und versuchen Sie, Veränderungen herbeizuführen. Die Suche nach jemandem, dem Sie die Schuld zuschieben können, wird nichts erreichen. Genauso wichtig ist es, nicht in Selbstmitleid zu schwelgen, denn es gibt viele andere Gruppen allein in diesem Land, die es viel schlimmer haben, einfach wegen ihrer Hautfarbe oder dem fehlenden Geld in ihren Taschen.

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