Donnerstag, August 11, 2022

Gendersprache: FAZ kritisiert "öffentlich-rechtliche Umerziehung" – News vom 11. August 2022

1. In einem aktuellen Artikel für die Frankfurter Allgemeine setzt sich Heike Schmoll mit der Begeisterung von ARD und ZDF für das Genderdeutsch auseinander:

Ganz gleich, welchen öffentlich-rechtlichen Radio- oder Fernsehsender man einschaltet: Sprecher, Moderatoren, Gäste oder Redakteure gendern. Im Hörfunk und Fernsehen am häufigsten mit einer Kunstpause vor dem -innen. Manchmal auch mit einem deutlich betonten I bei -innen. Der Kritik von Sprachforschern an dieser Selbstherrlichkeit haben sich inzwischen mehr als 170 Wissenschaftler angeschlossen. Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das Fernsehen eine sprachliche Vorbildfunktion hätten und sich deshalb an geltenden Sprachnormen orientieren sollten. Mit dem Kulturgut Sprache sollten sie deshalb regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umgehen. Das Gendern widerspricht klar dem Neutralitätsgebot.

(…) Das ist nicht nur zutiefst undemokratisch, sondern widerspricht auch dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien. Deren Aufgabe ist laut Medienstaatsvertrag, die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, der Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen". Doch das scheint die Sender wenig zu kümmern. Sprachliche Marotten einiger Redakteure wurden so zur allgemeingültigen Sprachnorm.

(…) In den Redaktionen ist ein enormer Gruppendruck entstanden. Wer nicht gendert, wird von Kollegen angesprochen und muss sich rechtfertigen. Dabei werden die Genderformen mit Kunstpause, Doppelpunkt oder Asterisk von mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten abgelehnt. Eine kleine Minderheit nutzt jedoch den Einfluss der durch Zwangsrundfunkgebühren jedes Bürgers finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsender, um ihre Sprachauffassung durchzusetzen.

Die Sprachgemeinschaft erziehen zu wollen ist eine Anmaßung der öffentlich-rechtlichen Sender, die von niemandem toleriert werden muss. Mit rationalen Argumenten werden sich die Sender allerdings nicht davon abbringen lassen. Hundertfach haben Sprachforscher auf die wissenschaftlich unzulässige Vermengung der Kategorien des grammatischen Genus und des biologischen Geschlechts (Sexus) hingewiesen – ohne Erfolg. (…) Durch ihr Gendern stärken die Sender die Aversion der Mehrheit, sich minderheitskonformen Sprachideologien anzuschließen.

Vermutlich wird sich das Gendern in einigen Segmenten einbürgern – an Universitäten und Hochschulen, obwohl auch die eigentlich verpflichtet sind, die amtliche sprachliche Norm zu befolgen. Aber bisher hat die Sprachgeschichte gelehrt, dass die Sprachgemeinschaft dem Ökonomieprinzip folgt. Das bedeutet, dass die meisten Sprecher sich umständlicheren Formulierungen nicht anschließen werden, sondern die bequemste und verständlichste sprachliche Ausdrucksweise wählen. So wird es auch beim Gendern sein.




2. Die Affäre um die zurückgetretene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger kommentiert Silke Burmester in der "taz" unter der fassungslosen Überschrift "So beschissen wie Männer?" In dem Artikel heißt es:

Hat Schlesinger eine Ahnung, wie dumm wir Kämpfe­r*innen jetzt dastehen, wie dünn unsere Argumente werden, wenn wir die Notwendigkeit von Frauen in Führung mit einem anderen Führungsstil und einem anderen Blick für und auf die Gesellschaft begründen?


Ja, wenn euer Feminismus darin besteht, Frauen für bessere Menschen zu halten, steht ihr tatsächlich dumm da. Das wäre aber auch ganz ohne das Mitwirken von Patricia Schlesinger der Fall gewesen.

Wie so oft sind die meisten Kommentare vernünftiger als der Artikel.



3. "Es ist an der Zeit, Männer ohne Papiere vor Missbrauch durch ihre Ehefrauen zu schützen" fordert die auf Einwanderung spezialisierte Rechtsanwältin Hillary Walsh im US-amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek:

Wenn die meisten Amerikaner an häusliche Gewalt denken, stellen sie sich eine Frau vor, die der Gnade eines gewalttätigen Mannes ausgeliefert ist, aber die Wahrheit über häusliche Gewalt gegen Männer wird endlich anerkannt. Jüngste Studien zeigen, dass die Dunkelziffer der männlichen Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen sehr hoch ist. Etwa einer von zehn Männern gab an, dass er schon einmal Opfer einer Form von Partnergewalt wurde, einschließlich Stalking, körperlicher Gewalt und sexueller Übergriffe.

Hier in den Vereinigten Staaten ist eine Bevölkerungsgruppe besonders und überraschend gefährdet - die Männer ohne Papiere.

Tatsächlich werden täglich Tausende von Männern ohne Papiere von ihren amerikanischen Ehepartnern bedroht und kontrolliert. Ob sie in diesem Land bleiben können, hängt davon ab, dass ihre amerikanischen Ehepartner eine Petition für sie stellen.

Nach dem US-Einwanderungsrecht ist eine Person ohne Papiere darauf angewiesen, dass ihr amerikanischer Ehepartner oder ihr erwachsenes Kind das Einwanderungsverfahren einleitet. (Ein amerikanisches Geschwisterkind oder ein rechtmäßiger ständiger Einwohner kann ebenfalls einen Antrag stellen, aber das ist selten.) Wenn Ihr Ehepartner sich weigert, eine Petition für Sie einzureichen? Sie werden keine Papiere erhalten. Und wenn ein Ehestreit aus dem Ruder läuft? Sie könnte die Einwanderungs- und Zollbehörde anrufen und Sie abschieben lassen.

In meiner Arbeit als Einwanderungsanwältin bin ich täglich mit den Folgen dieser verworrenen Vereinbarung konfrontiert. Ich habe Ehepartner erlebt, die von ihren eigenen Partnern zu Sexsklaven gemacht wurden. Ich habe gesehen, wie Frauen den Vater ihrer eigenen Kinder durch die Einwanderungsbehörde verfolgen ließen. Ich habe sogar gesehen, wie Frauen den Verdienst ihres Mannes aus den Jobs einforderten, die er angenommen hatte. Diese Männer händigen das Geld aus, in der Hoffnung, dass sie eines Tages in Freiheit leben können, wenn ihre Frauen endlich einen Antrag für sie stellen.

Das sind keine Einzelfälle. Nach meiner Erfahrung aus erster Hand: Sieben von zehn meiner männlichen Kunden haben unter extremer Grausamkeit ihrer amerikanischen Ehefrauen gelitten.

Auch dieses Problem ist nicht neu. Als der Kongress in den 1990er Jahren das Gesetz gegen Gewalt an Frauen (Violence Against Women Act) verabschiedete, unternahm er Schritte, um die Misshandlung von Einwandererfrauen einzudämmen. Im Jahr 2000 weitete der Kongress den Schutz des Gesetzes auf männliche Opfer häuslicher Gewalt aus. Doch trotz dieser Abhilfemaßnahmen besteht das Problem fort, weil sich das Antragsverfahren nie geändert hat.

Einer meiner Kunden vertraute den US-Einwanderungsbehörden an: "Ich versuche mein Bestes, sie nie zu verärgern ... denn wenn wir uns streiten, droht sie damit, mich abschieben zu lassen, und sagt mir, dass ich unsere Kinder nie wieder sehen werde. Sie sagt, dass ich, weil ich keine Papiere habe, vor Gericht nie gegen sie gewinnen werde und kein Recht habe, unsere Kinder zu sehen, und ich kann mir ein Leben ohne meine Kinder nicht vorstellen."

In einer anderen erschütternden Situation, als die Ehe meines Klienten ohne Papiere mit seiner amerikanischen Frau in die Brüche ging, zwang sie seine Kinder ohne Papiere (ihre Stiefkinder), sich zwischen ihr und ihrem "illegalen" Vater zu entscheiden. Sie entschieden sich für die Mutter, die versprach, einen Antrag für sie zu stellen. Sie warf meinen Mandanten aus dem Familienhaus, das er gekauft hatte. Da er keinen Platz mehr hatte, lebte er fortan in seinem Auto. Jahre später, als er bei einem Arbeitsunfall fast ums Leben kam, rief er seine inzwischen erwachsenen Kinder an, um vom Krankenhaus nach Hause gefahren zu werden. Sie sagten ihm, er solle einen Uber anrufen.

(…) Wenn wir das Recht auf Selbstbeantragung zulassen würden - d. h. wenn der Einwanderer auf der Grundlage seiner Ehe mit einer Amerikanerin selbst eine Petition einreicht -, würde die Zahl der betrügerischen Eheschließungen nicht zunehmen. Unsere Regierung verfügt bereits über ein System zur Überprüfung der Echtheit einer Ehe, das völlig unabhängig von der Beteiligung des amerikanischen Ehepartners funktioniert.

Die Zulassung von Selbstanträgen wird auch nicht dazu führen, dass Einwanderer zu einer Belastung für die Gesellschaft werden. Tatsächlich sorgt das derzeitige System dafür, dass mehr Einwanderer unter der Armutsgrenze leben und Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen. Wenn ein Mann keine Petition für sich selbst einreichen kann und undokumentiert bleibt, verhindern die meisten staatlichen Gesetze, dass er einen Führerschein und eine Kfz-Versicherung erhält. Bundesgesetze verhindern, dass er eine Sozialversicherungsnummer erhält und legal arbeiten darf. Ein Leben unter der Armutsgrenze lädt zur Kriminalität ein, macht die Bedingungen für den Menschenhandel günstig und verschärft die Armutsprobleme, zu deren Bekämpfung der Kongress das T- und das U-Visum geschaffen hat, die beide darauf abzielen, Opfern von Straftaten den Weg zu einer US-Green Card zu ebnen.

Wie auch immer man zur Einwanderung stehen mag, der kodifizierte Missbrauch muss verschwinden. Heute leben hier Millionen von Einwanderern ohne Papiere. Zehntausende sind mit Amerikanerinnen verheiratet, die sie misshandeln. Und unsere Einwanderungsgesetze halten diese Misshandlungen aufrecht.




Mittwoch, August 10, 2022

"Edition F" meldet Insolvenz an – News vom 10. August 2022

1. Ein weiteres feministisches Magazin, "Edition F", verabschiedet sich. Liegt es daran, dass ein solches Magazin kein Alleinstellungsmerkmal mehr auf einem Markt hat, in dem sich zig Medien so feministisch wie möglich zu inszenieren versuchen? Oder daran, dass der Feminismus inzwischen eher ein "Push"- als ein "Pull"-Produkt darstellt, also etwas, das potentiellen Kunden aufgedrängt wird, statt dass danach in ausreichender Zahl genuine Nachfrage besteht? Welche relevanten feministischen Magazine gibt es eigentlich noch, die nicht staatlich subventioniert werden? Spontan fällt mir da nur noch "Missy" ein.



2. Die Londoner Polizei unterzog über 600 Minderjährige Leibesvisitationen. Mehr als 95 Prozent der Betroffenen waren männlich und 58 Prozent von ihnen hatten eine schwarze Hautfarbe. Die englische Kinderschutzbeauftragte zeigte sich "extrem beunruhigt" über den überproportional hohen Anteil schwarzer Betroffener. Niemanden von den Verantwortlichen stört der hohe Anteil der Jungen.



3. Aus den Marvel-Superhelden-Studios geht dieses Jahr die neue Serie "She-Hulk" an den Start. Die Trailer dazu zogen einige Kritik wegen ihrer aus Sicht vieler Fans schlechter CGI auf sich. Darauf gibt die Regisseurin von She-Hulk eine überraschende Antwort:

Die Regisseurin von "She-Hulk: Attorney at Law", Kat Coiro, hat behauptet, dass die weit verbreitete Kritik an den CGI-Figuren der Disney-Plus-Serie nichts mit deren Qualität zu tun hat, sondern vielmehr mit "dem Glauben unserer Kultur an den Besitz von Frauenkörpern", was als eine der verblüffendsten Verteidigungen eines Marvel-Produkts in die Geschichte eingehen dürfte.

"Ich denke, ein großer Teil der Kritik kommt von dem Gefühl, die CGI-Frau zerreißen zu können", so Coiro. (…) "Wir sind so sehr auf Frauenkörper fixiert, sei es in ästhetischer oder politischer Hinsicht oder in Bezug auf Rechte oder Autonomie, und ich denke, dass das, was wir in dieser Show machen, mit all diesen Konzepten zu tun hat."


Zu She-Hulk (Jennifer Walters) als Hauptfigur führt Coiro weiter aus:

"Wir haben viel darüber gesprochen, dass Frauen das Bedürfnis haben, höflich zu sein. Wenn dich ein Mann in einer Bar anspricht, ist es offensichtlich, was er will, aber du willst ihn nicht beleidigen, weil du Angst hast, unhöflich zu sein. Jennifer Walters hat diesen neuen Teil von sich, der sich nicht mäßigen muss und sich nicht mit Dingen abfinden muss, mit denen sie sich nicht abfinden will. Jennifer Walters muss sich diesen Scheiß nicht gefallen lassen."


Eine Frau in einer Bar anzusprechen ist jetzt also auch schon unerhört?

Ein anderes Werk über eine Superheldin, der geplante Kinofilm "Batgirl", wurde vergangene Woche von Warner Brothers trotz der Kosten von 90 Millionen Dollar zurückgezogen, weil er bei Testvorführungen als derart "grauenhaft" durchgefallen war, dass selbst eine Überarbeitung nicht mal eine Veröffentlichung des Films als Video hätte retten können. Da kaum jemand den Film gesehen hat, lässt sich nicht sicher sagen, warum er derart missraten war. Allerdings spekulieren einige, er sei allzu "woke" geworden – so etwa die Daily Mail. Ähnlich sieht es der britische Express:

Der Film hatte alles, was in dieser modernen Welt wichtig ist - eine feministische Autorin, eine Transgender-Figur und eine Superheldin -, aber jetzt wurde er auf dem Boden des Schneideraums abgelegt. Niemand weiß mit Sicherheit, warum er zurückgezogen wurde. Superhelden sind schließlich das Äquivalent zu gesponnenem Gold. Filmemacher sind jedoch brutal, wenn es um Geld geht. Warners Bros. war offensichtlich der Meinung, dass der Film sein Budget (…) nicht wieder einspielen würde, denn, so vermuten wir, die Geschmäcker haben sich geändert. "Woke" scheint kein sicherer Gewinner an den Kinokassen mehr zu sein. (…) Kritiker in den USA sagen, Batgirl hätte einfach seine "progressiven Werte" über alles gestellt, nicht zuletzt über die Erzählung, die man erwartet hatte. Ich fürchte, das ist jetzt gang und gäbe, in Fernsehen und Film.




Dienstag, August 09, 2022

Bettina Arndt: Warum Männer sich umbringen

In einem ihrer neueren Texte beschäftigt sich die australische Männerrechtlerin Bettina Arndt mit den Gründen, weshalb sich Männer das Leben nehmen. Sie spricht dabei über die Situation in Australien, aber so manches davon ist durchaus übertragbar.



Vor über zwanzig Jahren nahm sich der Parlamentsabgeordnete Greg Wilton das Leben. Die Tragödie war der Höhepunkt einer Reihe von Ereignissen, die deutlich machen, wie schlecht wir mit gefährdeten Männern umgehen. Drei Wochen zuvor war Wilton "in einem verstörten Zustand" mit seinen Kindern in einem Auto im Nationalpark aufgefunden worden, wobei er offenbar einen Schlauch am Auspuff befestigt hatte. Es wurde weithin als versuchter Mord in Verbindung mit Selbstmord gemeldet.

Er verbrachte einige Zeit in psychiatrischer Behandlung, aber da seine Laborkollegen versuchten, ihn aus dem Parlament zu drängen, und die Presse ihn unerbittlich verfolgte, dauerte es nicht lange, bis er es erneut versuchte. Diesmal hatte er Erfolg. Am 14. Juni 2000 wurde der 44-Jährige tot in seinem Auto aufgefunden, mit angeschlossenem Auspuffschlauch.

Einige Jahre zuvor hatte Wilton vor dem Parlament eine Rede gehalten, in der er darauf hinwies, dass die Gruppe, die in diesem Land am ehesten Selbstmord begeht, Männer wie er sind - erwachsene Männer, die mit einer ehelichen Trennung zu kämpfen haben. Er verwies auf umfangreiche Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre, die zeigten, dass "Männer sich selbst umbringen, weil sie nicht in der Lage sind, Lebensereignisse wie Beziehungsabbrüche, wie ich sie selbst erlebt habe, zu bewältigen."

In den zwei Jahrzehnten seither haben sich diese Forschungsergebnisse gehäuft. Die Argumente dafür, dass Männer, die mit dem Scheitern einer Beziehung konfrontiert sind, ein Hauptziel der australischen Selbstmordpräventionspolitik sein sollten, sind inzwischen überwältigend.

Unsere Gesundheitsbürokraten werden das auf keinen Fall zulassen. Im Haushalt vom März 2022 wurden 2,1 Milliarden Dollar für Dienste für Frauen und Mädchen bereitgestellt und nur eine Million Dollar für die "Verbesserung der langfristigen Gesundheitsergebnisse" für Männer und Jungen. Ist das nicht außergewöhnlich? Irgendwie wird davon ausgegangen, dass Frauen 2000 Mal mehr Investitionen in ihre Gesundheit verdienen als Männer, obwohl ihre robustere Gesundheit zu einer um vier Jahre höheren Lebenserwartung führt.

Welch ein Tribut an die gewaltigen Anstrengungen unserer feministischen Gesundheitsbürokratie, die jahrzehntelang den riesigen Elefanten in ihrem Zimmer eisern ignoriert hat - nämlich die ständig steigende männliche Selbstmordrate, die so viele junge erwachsene Männer auslöscht.

Selbstmord ist die häufigste Todesursache bei Menschen zwischen 25 und 44 Jahren. Die Verletzlichkeit der Männer ist der Kern des Problems. Sehen Sie sich diese Statistiken an:

- 3 von 4 der durch Selbstmord getöteten Menschen sind Männer.

- 7 der 9 Menschen, die sich täglich umbringen, sind Männer.

- Es gab schon immer mehr männliche als weibliche Selbstmordopfer.

- In den letzten zehn Jahren ist das Risiko für Männer noch größer geworden.

- Die Selbstmordrate bei Männern ist doppelt so hoch wie die jährliche Zahl an Toten im Straßenverkehr.

Die Selbsttötung von Männern ist ein enorm wichtiges Gesundheitsproblem - und doch gibt es einen sehr guten Grund, warum unsere Politiker und feministischen Bürokraten dieses Problem nicht angehen wollen. Wie Greg Wilton dargelegt hat, häufen sich die Beweise dafür, dass ein Hauptgrund für die Gefährdung vieler dieser jungen Männer darin besteht, dass sie Opfer von Familientrennungen sind.

Das sich daraus ergebende Minenfeld, auf das diese Männer treffen, die häufig Väter sind, erweist sich oft als unerträglich. Die meisten sehen sich mit einer Kombination aus stressigen Rechtsstreitigkeiten, falschen Anschuldigungen, lähmenden Unterhaltszahlungen für Kinder, finanziellem Ruin und vor allem dem Verlust ihrer Kinder konfrontiert.

Marty Grant hätte ein solches Opfer sein können. Er hatte alles geplant. Der zähe junge Landwirt aus dem westaustralischen Weizengürtel hatte den Draht um seinen Hals gelegt. Das andere Ende war an einem Baum festgebunden und das Auto bereit, sich in Bewegung zu setzen. Doch er stoppte sich selbst. "Mir wurde klar, dass ich das meiner Familie und meinen Freunden nicht antun konnte." Marty stieg aus, fuhr nach Hause, packte eine Tasche und machte sich auf den Weg, um Hilfe bei der örtlichen Krankenschwester zu suchen.

Über Marty habe ich vor vielen Jahren in einem Artikel über Selbstmord im Busch für die australische Frauenzeitschrift Women's Weekly geschrieben, in dem ich über all den Stress berichtete, den diese Farmer durchmachten, darunter lähmende Dürre, fallende Rohstoffpreise und Nachfolgeprobleme. Es bedurfte jedoch einiger Überredungskunst, um die Herausgeber des Magazins davon zu überzeugen, dass ich mich mit dem wichtigsten Thema der Selbstmordforschung befassen durfte, das zu dieser Zeit aufkam - dem Zusammenbruch der Familie. Es war der Verlust seiner Liebsten, der Marty in den Abgrund stürzte. Seine Partnerin verließ ihn, weil sie keine Bäuerin mehr sein wollte, und der Sohn aus einer früheren Beziehung - ein Kind, für das Marty ein Jahrzehnt lang als Alleinerziehender gesorgt hatte - zog zu seiner Mutter. Martys Familie verschwand.

Dies war die Art von Geschichte, die in einer damals veröffentlichten Studie des australischen Instituts für Suizidforschung und -prävention an der Griffith University hervorgehoben wurde.

Den Forschern Dr. Chris Cantor und Pierre Baume zufolge sind Männer in der Zeit unmittelbar nach einer Trennung am stärksten gefährdet - wobei die Trennung von den Kindern ein Hauptgrund für ihre Verzweiflung ist.

Das ist ein Warnsignal, das nach einer Intervention zur Selbstmordprävention schreit. Denken Sie nur daran, was normalerweise passiert, wenn wir einen dieser Auslöser entdecken. Zum Beispiel Mütter, die aufgrund einer postpartalen Depression selbstmordgefährdet sind. Als das bekannt wurde, machten sich Selbsthilfegruppen an die Arbeit, staatliche Mittel flossen, und jetzt gibt es überall Präventionsprogramme.

Derzeit nimmt die Bundesregierung magersüchtige Mädchen ins Visier. Bei der letzten Finanzierung von Selbstmordprogrammen wurden 20 Millionen Dollar für die Behandlung von Essstörungen versprochen. Und dann ist da noch der Selbstmord von Aborigines. Dafür sind 79 Millionen Dollar im Haushalt vorgesehen.

Doch in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Regierung keinerlei Mittel bereitgestellt, um die Arbeit von Cantor und Baume über gefährdete geschiedene Männer fortzusetzen, obwohl neuere Forschungen der Griffith University zeigen, dass Beziehungsprobleme nach wie vor das wichtigste auslösende Lebensereignis sind und für 42,5 % der Selbstmorde verantwortlich sind. In den Daten des australischen Statistikamtes werden Beziehungsprobleme als die wichtigsten psychologischen Risikofaktoren für Selbstmord nach Selbstverletzungen aufgeführt, die eher ein Symptom der Notlage als ein Auslöser sind.

Doch dieses zentrale Thema wird in der öffentlichen Darstellung nie erwähnt. Stattdessen werden uns sorgfältig konstruierte Ablenkungsmanöver präsentiert. Erinnern Sie sich an die aufwändige ABC-Fernsehsendung "Man Up" aus dem Jahr 2016, in der in drei Folgen behauptet wurde, wir müssten suizidgefährdeten Männern beibringen, ihre Gefühle zu zeigen. Stundenlanges Fernsehen über Männer, die lernen müssen, zu weinen, aber kein Wort darüber, worüber sie weinen.

Dann wurde eine Expertin für psychische Gesundheit, Christine Morgan, zur nationalen Beauftragten für Suizidprävention ernannt, und anschließend wurden 5,6 Millionen Dollar aus Mitteln für psychische Gesundheit bereitgestellt, um Männer zu ermutigen, Hilfe zu suchen. Ist das nicht ein tolles neues Ablenkungsmanöver, um Männer zu ermutigen, ihre toxische Männlichkeit abzulegen und ihre weiche Seite zu zeigen?

Tatsache ist jedoch, dass viele suizidgefährdete Männer zwar psychische Probleme haben, unsere Behörden aber das Schlüsselereignis, das sie in den Abgrund stürzen könnte, geflissentlich ignorieren. Daten aus dem Selbstmordregister von Queensland zeigen, dass 42 % der Männer, die durch Selbstmord sterben, eine psychische Diagnose haben, aber 98 % haben in letzter Zeit ein Ereignis wie das Scheitern einer Beziehung erlebt.

Angesichts der anhaltenden Selbstmordkrise bei Männern ist es ein absoluter Skandal, dass unsere Selbstmordpolitik immer noch stolz darauf ist, "geschlechtsneutral" zu sein, wobei bis zu 4 von 5 Begünstigten weiblich sind, wie eine Analyse des Australian Men's Health Forum zeigt.

Doch endlich gibt es kleine grüne Triebe inmitten der anhaltenden Düsternis. Im Januar dieses Jahres verkündete Suicide Prevention Australia, der Dachverband der Organisationen zur Suizidprävention, dass es an der Zeit sei, über die Suizidprävention bei Männern zu sprechen".

"Von den 3.000 Menschen, die jedes Jahr auf tragische Weise durch Selbstmord sterben, sind über 75 % Männer. Sie sind unsere Ehemänner und Väter, unsere Brüder und Onkel, unsere Kollegen und Freunde", schrieb Geschäftsführerin Nieves Murray und kündigte an, dass sie auf eine "ehrgeizige Strategie zur Verhinderung von Selbstmord bei Männern" drängen, die sich "an den Erkenntnissen" orientieren und "die zugrundeliegenden Probleme angehen, die Männer in die Krise führen könnten", und erwähnte sogar die Unterstützung für Männer in Familiengerichten.

Die Morrison-Regierung kündigte im November letzten Jahres an, dass ein Teil der Mittel für die Suizidprävention auf Risikogruppen, darunter auch Männer, ausgerichtet werden sollte, schaffte es aber nicht mehr, dies vor der Wahl auf den Weg zu bringen. Zweifelsohne haben die Gesundheitsbürokraten kein Interesse daran, diese Maßnahme zu beschleunigen, und es ist schwer vorstellbar, dass dies geschehen würde, wenn eine links-grüne Regierung an die Macht käme.

Schauen Sie sich an, was passiert ist, nachdem Pauline Hanson den Mut hatte, über falsche Anschuldigungen und Voreingenommenheit gegenüber Männern zu sprechen, als sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der jüngsten parlamentarischen Untersuchung zum Familienrecht ernannt wurde. Sie wurde in den Medien zerrissen, und die Mitglieder des Labor/Green-Ausschusses machten jede Hoffnung zunichte, diese Probleme anzugehen, obwohl Hunderte von Eingaben dokumentierten, wie Männer übergangen werden.

Die Bekämpfung des männlichen Selbstmordes bedeutet, die Art und Weise aufzuzeigen, wie das Familienrechtssystem heute als Waffe gegen Männer eingesetzt wird. Dies wird auf den massiven Widerstand der feministischen Meute stoßen, die unsere Medien kontrolliert und so geschickt ist, Politiker zur Untätigkeit zu zwingen. Aber zu viele Menschen wissen jetzt, was so viele Männer dazu bringt, sich das Leben zu nehmen, und machen sich Gedanken darüber. Die Zeit ist reif für eine mächtige Kampagne, um die öffentliche Meinung aufzurütteln und echte Veränderungen zu fordern.




Montag, August 08, 2022

Gregor Gysi gegen Gendern: "Bin nicht bereit, in jedem Satz viermal 'Ugh' zu machen" – News vom 8. August 2022

1. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" äußert sich Gregor Gysi auch zur Gendersprache:

Gysi: Ich bin für einen hohen Grad an politischer Liberalität. Die Linke muss begreifen, dass Toleranz ein ungeheuer wichtiger Wert ist. Das Unangenehme an Linken ist, dass sie manchmal intolerant sind und sich für die besseren Menschen halten – weil sie Armut bekämpfen. Das stimmt aber nur ein bisschen.

WELT AM SONNTAG: Ist das das zentrale Problem junger Linker?

Gysi: Die sind nicht alle gleich. Es gibt Junge, die mir zustimmen, dass man sich auf einige zentrale Inhalte fokussieren muss. Aber es gibt auch die, für die Doppelpunkt und Sternchen das zentrale Thema ihres Gefühlslebens sind. Das ist für mich nicht nachvollziehbar, aber es ist so.

WELT AM SONNTAG: Für diese Feststellung wurden Sie auf dem Parteitag kritisiert.

Gysi: Ja, aber ich bleibe dabei: Man muss die Zustände ändern und nicht die Schreibweise. Ich bin nicht bereit, in meinem hohen Alter noch in jedem Satz viermal "Ugh" zu machen. (ahmt Sprechpause bei Binnen-I nach). Man kann sich damit beschäftigen – aber nicht als Partei in der Existenzkrise.




2. Einem Gutachten des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier zufolge ist staatlich verordnetes Gendern verfassungsrechtlich unzulässig, da es einen unverhältnismäßigen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht darstellen würde.

Weder aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz nach Artikel 3 des Grundgesetzes noch aus dem Schutz der geschlechtlichen Identität als Ausfluß des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ergibt sich eine absolute verfassungsrechtliche Verpflichtung zu geschlechtergerechter Rechts- und Amtssprache.

(…) In Auftrag gegeben hat das Gutachten die in Düsseldorf ansässige Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache. Es widmet sich grundsätzlich der Frage, ob Gendern eine verfassungsrechtliche Verpflichtung sei. (...) Wie bereits aus dem Urteil zur Rechtschreibreform hervorgeht, enthalte das Grundgesetz kein grundsätzliches Verbot, die Sprache zum Gegenstand staatlicher Regelung zu machen. Dennoch billige das Bundesverfassungsgericht dem Staat "keine unbegrenzte Regelungsbefugnis" zu: "Begrenzungen ergeben sich aus der Eigenart der Sprache für Art und Ausmaß einer Regelung." Von Relevanz seien besonders Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten.

Zu beachten sei hier die Feststellung des Rates für deutsche Rechtschreibung, daß die Nutzung von Gendersternen und anderen typographischen Zeichen innerhalb von Wörtern die Verständlichkeit, Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten beeinträchtigt. Papier: "Das Verständlichkeitsgebot im Hinblick auf die Amts- und Rechtssprache genießt als Ausfluss des Rechtsstaatsprinzips Verfassungsrang und kann einem Gebot geschlechtergerechter Sprache entgegenstehen."

Darüber hinaus wäre eine staatliche Regelung, welche die Privatpersonen zu einer geschlechtergerechten Sprache verpflichtete, unverhältnismäßig und verfassungsrechtlich unzulässig. Auch eine Rechtschreibreform, welche die Schüler zu Genderschreibweisen zwingt, wäre verfassungsrechtlich unangemessen und somit unzulässig, da sie nicht den allgemein üblichen Sprachgebrauch nachzeichnete.




3. In Folge 7 seines Podcasts "Unter Freunden" interviewt Bernhard Lassahn den Historiker Gunnar Kunz. Ab Minute 26 geht es die restliche halbe Stunde lang um den Gender-Empathy-Gap und Feminismuskritik.



Freitag, August 05, 2022

Warum schweigen die Männer? – News vom 5. August 2022

1. Das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today beschäftigt sich in einem aktuellen Beitrag mit dem Schweigen der Männer in heterosexuellen Partnerschaften. Vieles daraus lässt sich auf die Geschlechterpolitik übertragen: Warum zum Beispiel ist die Zahl derjenigen Männer, die sich für ihre Rechte einsetzen, noch immer verhältnismäßig klein? Und warum versucht ein Bundesforum Männer, Konflikte mit Feministinnen so weit wie irgend möglich zu vermeiden, und schaut auf uns Männerrechtler, als hätten wir nicht mehr alle Tassen im Schrank?

The preacher asked her

And she said I do

The preacher asked me

And she said yes, he does too

And the preacher said

I pronounce you 99 to life

Son she's no lady she's your wife

— Lyle Lovett, "She’s No Lady"

Dieser Text von Lyle Lovett ist einer von vielen Witzen, in denen Frauen als dominierend und kontrollierend dargestellt werden und Männer als nachgiebig und ängstlich, wenn es darum geht, zu sagen, was sie wollen. Die Psychologin Dana Jack ist bekannt für ihre Arbeit über den patriarchalen Druck auf Frauen, in intimen Beziehungen zu schweigen, und die daraus resultierenden emotionalen, physiologischen und soziokulturellen Kosten. Jack stimmt der These zu, dass auch Männer damit zu kämpfen haben, in intimen Beziehungen nicht zu schweigen, auch wenn die Ursachen und Kosten unterschiedlich sind. Meine klinische Erfahrung bestätigt, dass Männer sich eher dabei zurückhalten, sich über ihr Innenleben zu öffnen, als ihre Partnerinnen. In den meisten Therapien mit heterosexuellen Paaren ist es die Frau, die die Führung übernimmt und sich emotional mehr öffnet. Wenn die Therapie gut verläuft, folgt der Mann ihrem Beispiel und passt sich ihrer Verletzlichkeit an.

Zwei wesentliche Probleme hindern Männer daran, in intimen Beziehungen mit Frauen zu sprechen.

Der erste ist die Scham. Männer zögern besonders stark, über ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche in Beziehungen mit Frauen zu sprechen, weil sie dazu erzogen wurden, emotional selbständig zu sein und sich zu schämen, wenn sie etwas von jemandem brauchen.

Das zweite Problem für Männer ist die Angst vor Konflikten und letztlich die Angst vor dem Verlassenwerden. Männer zögern, ihre Bedürfnisse in einer Beziehung anzusprechen, weil sie befürchten, dass sich die Situation dadurch verschlimmert, vielleicht sogar sehr.

Die Angst der Männer vor dem Verlassenwerden in einer Beziehung zeigt sich vielleicht am deutlichsten darin, dass Männer alles tun, um Konflikte in ihren Beziehungen zu vermeiden. Männer beobachten den emotionalen Zustand ihrer Partnerin ständig und sorgfältig und halten Ausschau nach Anzeichen für mögliche Konflikte, Kritik oder Missbilligung. Jedes Anzeichen von Unzufriedenheit oder Missbilligung wird von Männern oft als mangelnde Anerkennung oder Versagen interpretiert. Sie gehen sofort davon aus, dass sie etwas falsch gemacht haben, dass sie "in Ungnade gefallen" sind und nicht eher zurückkehren werden, bis sie herausgefunden haben, was sie falsch gemacht haben, und es korrigieren. Die Zusicherung ihrer Frauen, dass sie nicht "in Schwierigkeiten" sind, reicht selten aus, damit Männer das Gefühl haben, vom Haken gelassen zu werden.

Männer sind oft bereit, sich bis zu einem gewissen Grad zu verbiegen, um zu vermeiden, dass Frauen wütend auf sie sind. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Männer in ihren intimen Beziehungen so konfliktscheu werden, dass das Beschwichtigen ihrer Partnerinnen zu ihrer Daseinsberechtigung, zum Wichtigsten in ihrer Beziehung wird. Das Mantra "Wenn Mama nicht glücklich ist, ist niemand glücklich" aus ihrer Kindheit wird durch "Glückliche Frau, glückliches Leben" ersetzt. Männer können durch die Wut oder Missbilligung ihrer Partnerin so verunsichert werden, dass alles andere unwichtig wird, bis das Problem gelöst ist. Alles, was sie jetzt wollen, ist, dass sie aufhört, wütend auf sie zu sein.

Mit der Zeit können Männer so viel Angst vor Konflikten in ihren Beziehungen haben, dass sie es einfach nicht mehr versuchen. Wenn Männer mit mir über die Aspekte ihrer Ehen sprechen, in denen sie unglücklich sind, frage ich sie, ob sie jemals mit ihrer Partnerin über die Probleme gesprochen haben, von denen sie mir erzählen. In der Regel sehen sie mich an, als ob ich verrückt wäre. Wie könnte ich nicht verstehen, dass ein Gespräch mit dem Partner alles nur noch schlimmer machen würde?


Ich selbst habe mich bei meinem politischen Verhältnis zu Frauen immer an dem orientiert, was Mithu Sanyal und Monika Ebeling in unserem Buch "Gleichberechtigung beginnt zu zweit" sagen: "Widerspruch ist gut. So kommen wir weiter!" befindet Mithu Sanyal, und Monika Ebeling teilt Männern mit: "Macht euer eigenes Ding! Es wird schon Schnittmengen geben – und da, wo keine sind, ist es auch okay. Das können wir Frauen schon aushalten."

Natürlich gibt es andererseits im raidkal feministischen Lager Frauen, die empört zu schnauben beginnen, wenn Männer "ihr eigenes Ding" machen und sogar noch widersprechen.

Hier muss Mann sich eben entscheiden, an welchen Frauen man sich orientiert.



2. Das Magazin Psychologie heute hinterfragt den inflationären Gebrauch des Begriffs "toxisch":

Der Begriff "toxisch" ist spätestens seit Ende der 90er Jahre in die Popkultur eingezogen: toxische Junggesellen, toxische Männlichkeit, toxische Positivität. (…) Eine Recherche auf "Google Trends" zeigt, dass die Suchanfragen im Internet dazu seit einigen Jahren mit nahezu ungebremster Kraft explodieren, ebenso gibt es eine Inflation entsprechender Berichte, Fragebögen und Selbsttests in den Medien. Gleichzeitig fällt auf, dass die Begrifflichkeit in der akademischen Debatte keine Rolle spielt. (…) Andererseits birgt der allzu leichtfertige Umgang mit dem Begriff des "Toxischen" vielfältige Risiken und Nebenwirkungen. Vordergründig geben Selbsttests Sicherheit. In Wahrheit hat die gegenwärtige Verwendung des Begriffs des "Toxischen" auch das Potenzial, für mehr Verunsicherung, eingeengte Sichtweisen und einseitige Schuldzuweisungen zu sorgen.




3. In Schleswig-Holstein wurde eine Firma wegen Männerdiskriminierung verurteilt. Das Gericht befand eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern für angemessen.



Donnerstag, August 04, 2022

Geschlechterklischees zertrümmert: Die Wahrheit über Incels, Frauenhass und Männerverhalten nach Trennungen - News vom 4. August 2022

Eine ganze Reihe aktueller Beiträge zeigen, dass der aktuelle Forschungsstand (von mir in der Überschrift zu "die Wahrheit" verkürzt) bei mehreren Themen der Geschlechterdebatte wenig mit den populären Vorurteilen zu tun hat, wie sie in den Medien verbreitet werden.



1. Der britische Youtube-Kanal Triggernometry hat ein einstündiges Interview mit dem Londoner Evolutionspsychologen William Costello geführt, der seine Dissertation über Incels verfasste. Wenig überraschend stellte er dabei fest, dass das in Leitmedien propagierte Bild von Incels als hochaggressive Rechtsradikale wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Einige zentrale Erkenntnisse aus dem Gespräch:

* 39 Prozent der Incels verorten sich im rechten Spektrum, 17 Prozent in der Mitte und 45 Prozent im linken Lager.

* Weniger als etwa zehn Prozent der Incels machen durch feindselige Online-Kommentare auf sich aufmerksam, körperliche Gewalt geht lediglich von seltenen Einzelfällen aus. Dass diese Einzelfälle von Journalisten immer wieder hochgekocht werden [oft um damit Männerrechtler und andere Mitglieder der "Manosphere" zu treffen - A.H.], ist fragwürdig, denn das zeigt psychisch instabilen Personen, dass sie große Beachtung finden, sobald sie Gewalttaten begehen.

* Sehr viele Incels sind Zuwanderer und kritisieren "Rassismus in der Datingkultur". Schon deshalb hat der Glauben an eine Vorherrschaft der Weißen in der Incel-Community keinen guten Nährboden.

* Auch Klassismus spielt für viele Incels eine Rolle: Bis zu ihren Dreißigern verdienen Frauen inzwischen im Schnitt mehr als Männer, sind aber noch immer vor allem an besserverdienenden Männern als Partner interessiert.

* Viele Incels teilen ihre Selbstwahrnehmung als ewige Opfer bei gleichzeitiger moralischer Überlegenheit mit anderen gesellschaftlichen Lagern.

Alles in allem sind die Überschneidungen zwischen Incels und den sogenannten "Social Justice Warriors" groß.

Bei Interesse am Thema empfehle ich, sich das gesamte Gespräch anzuhören. Auch andere spannende Themen werden angeschnitten: etwa dass das Internet mittlerweile einen "männerfeindlichen Ort" darstellt und dass laut einer Studie von Morgan Stanley im Jahr 2030 die meisten Frauen in ihren Mittvierzigern single und kinderlos sein werden.



2. Der britische Mobilfunkanbieter EE verbreitet in einer großangelegten Werbekampagne die Behauptung, sexistischer Hass beginne und ende allein mit Männern. Das Magazin des Zentrums für Männerpsychologie widerspricht mit Nachdruck (Links zu den Quellen für die einzelnen Fakten im Original):

Die EE-Kampagne scheint den Eindruck zu erwecken, dass nur Männer Sexismus begehen und dass nur Frauen ihn erleiden, aber das ist einfach nicht der Fall. Als Reaktion auf die EE-Kampagne haben viele Menschen eine Studie aus dem Jahr 2016 zitiert, die zeigt, dass die Hälfte der frauenfeindlichen Tweets von Frauen stammen. Ebenfalls 2016 stellte Digital Awareness UK fest, dass "jüngste Studien zeigen, dass Mädchen doppelt so häufig Opfer von Cybermobbing werden wie Jungen - aber auch doppelt so häufig selbst zu den Mobbern gehören". Der tragische Selbstmord der 15-jährigen Phoebe Prince in den USA im Jahr 2010 wurde mit einer dreimonatigen Kampagne des emotionalen und physischen Mobbings durch neun Gleichaltrige, darunter sieben Mädchen, in Verbindung gebracht. Im Vereinigten Königreich gab das Model Sasha Attwood 2021 bekannt, dass sie während der Euro 2020 täglich 200 Morddrohungen erhielt, "viele davon von Mädchen im Teenageralter". Das Workplace Bullying Institute hat herausgefunden, dass es sehr häufig vorkommt, dass Frauen andere Frauen schikanieren.

Andere Untersuchungen zeigen, dass das Klischee "Männer sind Täter und Frauen sind Opfer" nicht der Realität des Online-Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung entspricht. In Schweden wurde in einer Studie festgestellt, dass Männer in höherem Maße Cybermobbing ausgesetzt sind als Frauen. Studien in den USA, Norwegen und Australien haben ergeben, dass Männer eher Opfer von Online-Belästigung werden als Frauen.

Obwohl es schwierig sein kann, das Geschlecht der Täter von Cybermobbing zu bestimmen, gibt es Hinweise darauf, dass beide Geschlechter eher Cybermobbing durch das andere Geschlecht erfahren. Neben abwertenden Begriffen wie "Mansplaining" und "Manspreading" ist der Satz "Kill All Men" auf Twitter und TikTok nach wie vor weitaus häufiger zu finden als "Kill All Women".

(...) Es ist erwähnenswert, dass die Advertising Standards Authority (ASA, 2022) feststellt, dass Anzeigen "keine geschlechtsspezifischen Stereotypen enthalten dürfen, die wahrscheinlich Schaden anrichten oder eine ernsthafte oder weit verbreitete Beleidigung darstellen". Es ist schwer zu erkennen, wie die EE-Werbung nicht mit dem Stereotyp der "Frau als Opfer" und des "Mannes als Täter" spielt, wenn es heißt: "Sexistischer Hass beginnt mit Männern, also wird er mit Männern enden."

Es scheint unwahrscheinlich, dass die Botschaft von EE dem Online-Sexismus ein Ende setzt, aber da sie mit der modischen negativen Sicht auf Männer übereinstimmt, werden viele Menschen nichts gegen die Darstellung von Männern einwenden. In einer egalitäreren Welt würden Unternehmen wie EE einen Schritt zurücktreten und darüber nachdenken, wie sie tatsächlich dazu beitragen könnten, sexistisches Mobbing zu verringern, anstatt das Misstrauen zwischen Männern und Frauen zu schüren.




3. Eine aktuelle Studie widerlegt Klischees über das vermeintliche Verhalten von Männern nach einer Trennung:

Laut John Oliffe, Professor für Krankenpflege und kanadischer Lehrstuhlinhaber für die Förderung der Gesundheit von Männern, erhöht das Scheitern einer intimen Partnerbeziehung das Risiko von Angstzuständen, Depressionen und Selbstmord bei Männern. Diese Auswirkungen sind hinlänglich bekannt, doch ist wenig darüber bekannt, wie Männer Hilfe suchen und wie sie mit einer Trennung umgehen.

Oliffe, Hauptautor einer neuen Studie über die Bewältigung von Trennungen durch Männer, sagt, dass Männer trotz gesellschaftlicher Stereotypen sehr kreativ sind, wenn es darum geht, Unterstützung für ihre psychische Gesundheit zu suchen: "Lange Zeit war das Klischee, dass Männer nicht zum Arzt gehen, meiner Meinung nach nicht hilfreich. Und abgesehen davon, dass es nicht hilfreich ist, ist es empirisch nicht wahr."

Die Studie zeigt, dass Männer drei Hauptkategorien der Unterstützung nutzen: einsame Arbeit wie das Lesen von Selbsthilfebüchern und das Anzapfen bestehender Kontakte, das Knüpfen neuer Kontakte und die Inanspruchnahme professioneller psychologischer Betreuung.

"Diese beiden Dinge haben wir nicht immer klassifiziert und wir zählen sie sicherlich nicht in den offiziellen Statistiken über die Gesundheitssuche von Männern. Ich dachte also, dass es sich um eine Lücke handelt, und wir sollten den Wert sozialer Kontakte nicht unterschätzen."

Für Oliffe kann diese Studie dazu beitragen, die Gesellschaft von der Ansicht abzubringen, dass Männer Gewalt oder Drogenmissbrauch anwenden, um mit einer Trennung fertig zu werden. Hinter diesen Verhaltensweisen können depressive Emotionen stecken, sagt er.

Der nächste Schritt in seiner Forschung ist eine laufende Studie, für die derzeit noch Teilnehmer gesucht werden, und in der Männer aufgefordert werden, über die Art und Weise zu berichten, wie sie intime Partnerbeziehungen aufbauen. Diese Studie wird auf der vorherigen aufbauen, indem sie untersucht, wie Männer Beziehungen aufrechterhalten, und Erkenntnisse liefert, die anderen helfen könnten.

"Ich glaube, was uns fehlt, ist eine Vorlage für gute Männer in guten Beziehungen, die aus diesen Partnerschaften einen echten Nutzen gezogen haben", so Oliffe. "Ich glaube, dass es für viele Männer sehr, sehr hilfreich sein kann, wenn sie diese Werte artikulieren können."




4. Der Blick auf die Situation von Jungen und Männern in fernen Ländern geht diesmal nach Nigeria:

Die Nationale Agentur für das Verbot des Menschenhandels (NAPTIP) rät Männer und Jungen, sich vor Personen in Acht zu nehmen, die versuchen, sie mit Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Ländern zu locken, worauf die Jungen und Männer stattdessen Opfer sexueller Ausbeutung werden.

In einem Interview mit Radio Nigeria in Awka anlässlich des diesjährigen Welttages gegen den Menschenhandel erklärte die Leiterin der Agentur für den Bundesstaat Anambra, Frau Ibadin Judith-Chukwu, dass Menschenhändler es auf Männer und Jungen abgesehen haben, um sie in asiatischen Ländern sexuell auszubeuten, und dass das Verbrechen eskaliere.

Sie erklärte, dass die "Raffinesse" des Menschenhandels als direkte Folge des technischen Fortschritts zunehme.

Sie sagte: "Männer und Jungen aus Anambra werden in die asiatischen Länder verschleppt. Sie werden in Bordellen gehalten, und ältere Frauen kommen und nehmen sie mit nach Hause, um ihr sexuelles Verlangen zu befriedigen, wonach sie sie wieder in die Bordelle zurückbringen. Leider geht der Erlös an die Betreiber der Bordelle".

"Erinnern Sie sich: Bevor sie Nigeria verließen, wurden ihnen über Reisebüros Jobs versprochen. Aber wenn sie dort ankommen, werden ihre Pässe beschlagnahmt und sie sind schutzlos. Sie versetzen ihr Essen und ihr Wasser mit Drogen, damit sie so viele Frauen wie möglich bedienen können. Nach den Informationen, die wir erhalten haben, sterben viele von ihnen dabei", bedauerte sie.




Mittwoch, August 03, 2022

Barbara Schöneberger & Co: Immer mehr Menschen von Feminismus und Gender genervt - News vom 3. August 2022

1. Die Moderatorin Barbara Schöneberger geht auf Distanz zum Feminismus:

"Ich bin wirklich für die großen Kriegsschauplätze der Gleichberechtigung, wie gleicher Bezahlung, Hortplätzte, Ganztagesschulen, dass die Frauen, die Frauen die gerne arbeiten wollen oder, und das sind 80 Prozent, die arbeiten müssen, das alles abgedeckt haben", erklärt die Blondine in ihrem eigenen Podcast "Waffeln einer Frau". Doch dann kommt das große "Aber": "Ich finde jetzt manchmal, da geht es schon los: wir sollen Menstruationsurlaub nehmen, ich soll mir vom Staat meine Tampons bezahlen lassen."

(…) Auch die Frauenquote in der Arbeitswelt stört die laute Blondine. "Es wird so getan, als könnte jede Frau an die Spitze eines Unternehmens kommen", kritisiert Schöneberger. "Ich glaube, es wird nicht aus jeder Frau eine Führungsposition", teilt sie ihre deutliche Meinung mit, dann fügt sie noch an: "Bei Männern ist das übrigens genauso."




2. Der Schauspieler Til Schweiger steht für eine Fortsetzung von "Manta Manta" vor der Kamera:

Er sagt auf die Frage, ob das Drehbuch der Kultfilmfortsetzung "der heutigen Zeit angepasst", also "politisch korrekt und durchgegendert" sei: "Hört mir auf mit dem Gender-Wahnsinn! 'Manta, Manta 2' ist nicht angetreten, um dem Gender-Wahnsinn den roten Teppich auszurollen." Näher geht der 58-Jährige nicht auf das Thema ein.




3. Der preisgekrönte Musikproduzent Phil Rötgens hat sich zum Erfolg des aktuellen Sommerhits "Layla" geäußert, dessen Spielen mehrfach wegen angeblichem Sexismus unterbunden worden war:

Letztlich sieht der Kölner Produzent das Problem in der Sexismus- und Genderdebatte. "Ich war diese Woche selbst auf der Playa de Palma. Mein Eindruck war, dass überwiegend Frauen den ‚Layla‘-Song stärker mitgesungen haben. Die hat das überhaupt nicht interessiert."

Im Endeffekt habe das Verbot etwas bewirkt in der Gesellschaft. "Ich glaube, es gibt unter den jungen Leuten so etwas wie eine Gegenbewegung, die sich in dieser Diskussion, zum Beispiel beim Gendern, einfach nicht wiederfinden." Für ihn steht fest: "Diejenigen, die das Verbot ausgesprochen haben, merken wahrscheinlich, dass es ein Eigentor war."




4. "Gendern ist für Wichtigtuer" befindet Deutschlands führender Sprach- und Stil-Experte Wolf Schneider.



5. Einer meiner Leser hat mich auf ein siebzehnminütiges Youtube-Video hingewiesen, das ein soziales Experiment zum Thema "weibliche Golddigger" schildert: Der junge Mann, der das Experiment durchführte postete in einem feministischen Forum unter der Vorgabe, er sei eine Frau, die von einem Date sehr entttäuscht sei, weil der Mann, mit dem sie sich verabredete nicht über seinen Beruf sprechen wollte: "Es stellte sich heraus, dass er einer dieser parnaoiden Männerrechtler ist, die glauben, dass Frauen Männer nur wegen des Geldes daten." Daraufhin wurden die Kommentare zu diesem Posting ausgewertet. Wenig überraschend: Die allermeisten Kommentare gegenüber diesem Mann waren vernichtend. Eine Frau, die die männliche Perspektive ins Feld führte, wurde so lange unter schweren Beschuss genommen, bis ihre Wortmeldung vom Moderationsteam des Forums entfernt wurde. Die vernünftigsten Kommentare ernteten am meisten Ablehnung durch Downvoting.



6. Auf den Aufruf der Sprachwissenschaftler, auf den Genderama vorgestern hinwies, berichteten inzwischen auch die Frankfurter Allgemeine, RP-Online, Deutschlandfunk Kultur, Focus, die Oldenburger Onlinezeitung, der Merkurist, das Medienmagazin Pro, die Märkische Allgemeine, Nordbayern, die Tagesstimme, die Internetzeitung Mainz&, das Theoblog und die Finanznachrichten. Was auffällt, ist das fast flächendeckende Nicht-Berichten im linken Spektrum.



Dienstag, August 02, 2022

Mutter berichtet: Was geschah, als mein 13jähriger Sohn als Vergewaltiger gebrandmarkt wurde

In der britischen Tageszeitung Daily Mail findet man aktuell den erschütternden Bericht einer Mutter über die Situation ihres Sohnes. Er ist recht lang, beleuchtet aber sehr gut die Problemlage, in der sich inzwischen offenbar viele Jungen und junge Männer befinden:



Als ich ein Teenager war, war die Disco am Samstagabend ein wöchentliches Ritual. Der Höhepunkt war, wenn am Ende des Abends die langsamen Tanzmelodien gespielt wurden.

Man hoffte, dass der Junge, den man mochte, einen zu der klagenden Melodie von "Careless Whisper" zum Tanzen aufforderte. Noch besser wäre es, wenn man die Chance bekäme, sich in die kalte Nachtluft hinauszuschleichen und das zu erreichen, was die Amerikaner "second base" nennen würden - einen leidenschaftlichen Kuss.

Ich schätze diese Erinnerungen an jugendliche Leidenschaft. Der Weg der wahren Liebe verlief nicht immer reibungslos, aber das Navigieren durch die unruhigen Gewässer der jungen Romantik lehrte mich so viel über Jungs, Beziehungen und darüber, was ich mochte und was nicht. Leider habe ich auf die harte Tour gelernt, dass diese Art von unbeholfener Jugendschwärmerei der Vergangenheit angehört.

Denn während die MeToo-Bewegung und "Everyone's Invited" - eine Website, die Schlagzeilen gemacht hat, weil sie die "Vergewaltigungskultur" in Schulen und Universitäten durch anonyme Aussagen, in der Regel von Mädchen, aufgedeckt hat - zweifellos dazu beigetragen haben, beunruhigendes übergriffiges männliches Verhalten zu entlarven, haben sie auch dazu beigetragen, eine Generation junger Frauen und Mädchen heranzuziehen, die alle Jungen als Täter betrachten.

Heutzutage scheinen viele junge Frauen darauf vorbereitet zu sein, jeden winzigen Fehltritt ihrer männlichen Altersgenossen als sexuellen Übergriff zu betrachten - von einem unbedachten Kuss bis hin zu einem Versuch, Händchen zu halten. Alles, was ihnen auch nur ein bisschen Unbehagen bereitet, wird - oft erst lange nach der Tat - als Übergriff gewertet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der betreffende Junge genauso ahnungslos ist wie sie selbst, was die Feinheiten von Beziehungen angeht oder wie man neue, aufkeimende sexuelle Gefühle ausdrücken kann.

Ich habe Söhne - ich traue mich nicht zu sagen, wie viele es sind, falls es zur Identifizierung meiner Familie beiträgt - und während ihres jungen Lebens wurde ihnen von ihren jungen Freundinnen regelmäßig gesagt, dass sie "Männer hassen" und dass "alle Männer Vergewaltiger sind". Die Stimmung unter jungen Frauen ist so aufgeheizt, dass heute schon etwas so Unschuldiges wie ein Tippen eines Mannes auf die Schulter als Übergriff gewertet werden kann.

Um es klar zu sagen: Ich verabscheue die Tatsache, dass Gewalt gegen Frauen immer noch ein solches Problem in unserer Gesellschaft ist. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich von der neuesten jungen Frau lese, die auf unseren Straßen überfallen, vergewaltigt und sogar ermordet wurde. Ich habe meinen Söhnen immer beigebracht, Frauen zu respektieren und dafür zu sorgen, dass ihre Freundinnen sicher nach Hause kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mädchen das Recht haben, schlechtes Verhalten anzuprangern und dass ihnen zugehört wird.

Ich bedaure jedoch, dass dadurch eine neue, erschreckende Doppelmoral entstanden ist. Wenn Mädchen Fehler machen und sich schlecht benehmen, wird das als verzeihlicher Übergangsritus angesehen. Aber wenn unerfahrene Jungen das Gleiche tun, werden sie oft mit giftigen Anschuldigungen konfrontiert, die buchstäblich Leben zerstören können.

Ich muss es wissen. Mein Sohn ist ein solcher unerfahrener Junge, und deshalb war unser Leben in den letzten drei Jahren die Hölle auf Erden.

Im Jahr 2019 war mein Sohn 13 Jahre alt und begann gerade, sich für Mädchen zu interessieren. Er ließ sich auf Flirts mit einigen Mädchen ein, und eines schickte ihm per Telefon ein Oben-ohne-Foto (das ist eine schockierend häufige Praxis unter jungen Teenagern). Mit einem anderen Mädchen gab es freche SMS und gegenseitige Berührungen.

Ich mag dieses Verhalten vielleicht nicht gutheißen, weiß aber auch, dass dies für die meisten Teenager im 21. Jahrhundert üblich ist. Bemerkenswert ist auch, dass die Beteiligten im gleichen Alter waren, dass von Sex keine Rede sein konnte und dass das gesamte Verhalten auf Gegenseitigkeit beruhte und - soweit mein Sohn wusste - einvernehmlich war.

Als die Mutter eines der Mädchen das Handy ihrer Tochter beschlagnahmte und die Nachrichten fand, wurde die Schule auf all dies aufmerksam und der krasse Unterschied zwischen der Behandlung von Mädchen und Jungen wurde deutlich - zum Nachteil meines Sohnes.

Die Mädchen, die sich ebenfalls schuldig gemacht hatten, da das Versenden von Nacktfotos sowohl eine Straftat als auch einen Verstoß gegen die Schulordnung darstellt, wurden diskret behandelt. Ein ruhiges Gespräch mit ihnen und ihren Eltern, und damit war die Sache erledigt.

Mein Sohn hingegen, der noch nie in Schwierigkeiten geraten war, wurde für zwei Tage suspendiert - die letzte Stufe vor dem Schulverweis. Die Schule begründete dies damit, dass die anderen Schüler dies als "Gerechtigkeit" empfinden würden.

Ich werde mir nie verzeihen, dass ich mich nicht gegen die Entscheidung der Schule, ihn zu suspendieren, gewehrt habe. Ich war naiv - ich hatte noch nie einen Anruf wegen schlechten Benehmens erhalten, eine Suspendierung lag also jenseits all meiner Erfahrungen.

Ich glaubte, die Schule wisse es am besten. Das tat sie aber nicht. Eine solch öffentliche und harte Bestrafung überzeugte seine Mitschüler davon, dass es "keinen Rauch ohne Feuer" gab.

Was folgte, war eine gnadenlose Kampagne der Einschüchterung und des Mobbings. Mein Sohn wurde als "Vergewaltiger" und "Schwachkopf" beschimpft und ihm wurde gesagt, er solle kastriert werden. Er wurde täglich dazu aufgefordert, sich umzubringen. Auf dem Spielplatz wurde er von einem Mob angegriffen, und ein Junge drohte, ihn abzustechen. Wir machten die Schule auf all diese Vorfälle aufmerksam, aber sie reagierte nicht - zu groß war die Angst, einen Jungen zu verteidigen, der nun den Ruf eines Sexualstraftäters hatte.

Kurz darauf kam der kleine Sohn einer Freundin nach Hause und erzählte ihr, er habe gehört, dass mein Sohn drei Mädchen in der Schule in einen Schrank gesperrt und vergewaltigt habe, was mich zutiefst erschütterte. Doch kein einziger so genannter Freund setzte sich für meinen unschuldigen Jungen ein, da niemand beschuldigt werden wollte, mit einem "Vergewaltiger" zu verkehren.

Ich hatte das Gefühl, in einem Horrorfilm gefangen zu sein. Ich hatte Sexismus in meinem Haus nie geduldet, aber ich stellte meine eigenen mütterlichen Fähigkeiten in Frage. Hatte ich ihr nicht eingehämmert, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit Mädchen ist?

Ich schämte mich zu sehr und hatte Angst, mit Freunden und Verwandten zu sprechen, weil ich befürchtete, dass sie meinen Sohn genauso verurteilen würden wie seine Schule. Mein Mann war ebenso bestürzt. Er war ein freundlicher und sanfter Mann und hatte seine Söhne mit den gleichen Werten erzogen.

Wir sprachen mit meinem Jungen darüber, was passiert war, aber er war genauso verwirrt wie wir. Er sagte, das Mädchen habe für ihn geschwärmt, und er hatte den Eindruck, dass sie mindestens so sehr wie er an ihren unschuldigen Experimenten interessiert war.

Bald wurde mein Sohn immer isolierter und zurückgezogener, seine Freunde distanzierten sich, und wir standen allein da, verlegen und beschämt, und versuchten, die Scherben aufzusammeln. Kurz vor dem Ausbruch der Pandemie erreichten die Dinge einen neuen dramatischen Tiefpunkt. Ich fand meinen wunderbaren Jungen, inzwischen 14 Jahre alt, zusammengerollt auf dem Boden und schluchzend. Er wiegte sich hin und her vor Schmerzen - nicht körperlicher, sondern emotionaler Natur.

Ein ganzes Jahr, in dem er unerbittlich schikaniert wurde, hatte sein seelisches Wohlbefinden zerstört. Nichts, was er sagte oder tat, änderte etwas daran, dass er in den Augen seiner gesamten Schule ein "Vergewaltiger" war.

Wir brachten ihn zu einer Psychiaterin, die bei ihm schwere Angstzustände und Depressionen diagnostizierte und ihm sofort Antidepressiva und Medikamente gegen Angstzustände verschrieb. Sie empfahl auch eine Therapie, aber dann wurden wir im Lockdown eingeschlossen und das ganze System brach zusammen.

Ich habe vieles aus dieser Zeit verdrängt, in der wir von einer psychischen Krise in die nächste gerieten und ein System um Hilfe anflehten, das durch den Lockdown lahmgelegt war. Meinem Sohn ging es so schlecht, dass wir Angst hatten, er würde sich das Leben nehmen.

Es wurde zur Routine, dass er Zusammenbrüche hatte, die seine Geschwister in Angst und Schrecken versetzten; dass er aus dem Haus ging und wir ihn telefonisch anflehen mussten, zurückzukommen.

Während dieser ganzen Zeit waren wir von Familie und Freunden abgeschottet und schämten uns zu sehr, um mitzuteilen, warum unsere Familie auseinandergerissen wurde.

Aber wenn wir dachten, dass die Dinge besser werden würden, wenn die Schulen wieder geöffnet werden, haben wir uns getäuscht. Ende 2021 beschloss eines der Mädchen, die Polizei anzurufen und meinen Sohn der sexuellen Nötigung zu beschuldigen. Ich habe keine Ahnung, warum, aber mein Sohn erfuhr von einem Bekannten, dass sie sich "gelangweilt" hatte. Die Polizei wurde zu seiner Schule gerufen und er wurde in Abwesenheit seiner Eltern befragt. Niemand dachte daran, uns zu alarmieren, damit wir bei unserem Sohn sein konnten.

Ich war zu dieser Zeit geschäftlich unterwegs und erhielt einen Anruf von meinem Mann, dessen Stimme seine Angst verriet, kurz bevor ich das Flugzeug nach Hause bestieg. Der Flug schien endlos zu sein, denn in meinem Kopf spielten sich immer mehr Schreckensszenarien ab.

Als ich landete, war ich davon überzeugt, dass die Zukunft meines aufgeweckten und liebenswürdigen Sohnes durch einen kindlichen Fauxpas für immer verdorben sein würde.

Zum Glück war die Polizei viel einfühlsamer als die Schule. Der Beamte, der den Fall untersuchte, sagte uns, dass zu Recht jede Anschuldigung ernst genommen werde. Allerdings teilte er auch mit, dass die Polizei in den letzten Jahren mit ähnlichen Anrufen von Teenagermädchen überschwemmt wurde, die durch die MeToo-Bewegung in Aufruhr geraten waren.

Während der Ermittlungen sprachen wir mit mehreren Strafverteidigern, um uns auf den Fall vorzubereiten, dass wir ihre Dienste in Anspruch nehmen könnten. Alle erzählten uns die gleiche Geschichte über den exponentiellen Anstieg der Anschuldigungen gegen junge Schüler in den letzten Jahren.

Wir waren nicht allein.

Als ich schließlich begann, mit Freunden und Familienangehörigen zu sprechen, gaben zwei meiner Freundinnen zu, dass ihre Söhne in ähnliche Situationen geraten waren. Einer wurde von allen seinen Freunden geächtet und musste aus der Gegend wegziehen, nachdem eine Ex ihn der Vergewaltigung beschuldigt hatte, nachdem er eine neue Beziehung begonnen hatte.

Ein anderer wurde aus demselben Grund auf einer Website mit der Beschimpfung als Vergewaltiger abgebildet. Beide Jungen waren junge Teenager. Anstatt mich zu trösten, fühlte ich mich hoffnungslos, als ich erfuhr, dass das, was mein Sohn erlebte, weit verbreitet war.

Wir standen auf der Verliererseite eines Kulturkriegs, und jeder Versuch, uns oder unsere Söhne zu verteidigen, hätte uns nur noch mehr Verleumdung eingebracht. Alle Eltern wissen, dass es eines der schlimmsten Gefühle ist, machtlos zu sein, um sein Kind zu schützen.

Nach zwei quälenden Wochen voller zermürbender Gespräche mit Anwälten erhielten wir schließlich den Anruf, auf den wir gewartet hatten. Die Polizei hatte die Klage abgewiesen, da es keine Beweise dafür gab, dass der Kontakt nicht einvernehmlich gewesen war.

Unsere Freude war jedoch nur von kurzer Dauer.

Nur einen Monat später beschuldigte ihn ein Mädchen, mit dem mein Sohn seit der 7. Klasse befreundet war, der sexuellen Nötigung, nachdem er sie am Rücken berührt hatte, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Wieder reagierten seine Lehrer aggressiv, indem sie ihn aus dem Unterricht holten und damit seinen Ruf als sexuelles Raubtier zementierten und jede noch so kleine Chance auf ein normales Leben in der Schule zerstörten.

Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die Lehrer auf einen Rat der Regierung reagierten, der im September letzten Jahres im Anschluss an eine "Schnellüberprüfung von sexuellem Missbrauch in Schulen und Colleges" durch die Aufsichtsbehörde Ofsted im Zuge der Einführung von "Everyone's Invited" veröffentlicht wurde.

Darin wird jeder, der eines sexuellen Vergehens beschuldigt wird, als "Täter" bezeichnet und den Schulen empfohlen, ihn aus allen Klassen oder Räumen zu entfernen, die er mit dem "Opfer" teilt.

Als mein Sohn kurz vor seinem Abitur stand, versuchten wir, ihn wieder in die Schule zu schicken, aber der Schulleiter teilte uns mit, dass einige Mädchen mit einem Protest gedroht hätten, falls er nicht ausgeschlossen würde. Der Schulleiter hat einfach dem Druck nachgegeben.

Ich verstehe zwar die Angst der Mädchen - aufgrund von Gerüchten und Vermutungen glaubten sie wirklich, dass er ein Vergewaltiger sei, und hatten natürlich Angst, mit ihm in einer Schule zu sein -, aber wo waren die Erwachsenen in dieser Situation?

Wo war die ausgewogene, rationale Reaktion, die auf Beweisen und nicht auf Gerüchten beruhte? Wir kamen uns vor wie in den Hexenprozessen von Salem.

In den nächsten Monaten musste unser Junge einen Flickenteppich von Erziehungsmaßnahmen über sich ergehen lassen, zum Teil in einer anderen Schule, in der die Fenster verdunkelt waren, so dass er sich wie ein Gefangener fühlte; zum Teil wurde er zu Zeiten in die Schule geschleust, zu denen die anderen Schüler ihn nicht sehen konnten.

Es kam uns so vor, als wäre unser Sohn wie Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer", ein hochgefährlicher Krimineller, der jeden Moment angreifen könnte. In Wirklichkeit ist er ein verletzlicher junger Mann, der als Folge dieses Umgangs mit ihm unter schweren psychischen Problemen leidet.

Ein Erwachsener, der mit all dem konfrontiert worden wäre, wäre daran zerbrochen. Doch mein Sohn hat mich mit seinem Mut verblüfft, und obwohl es ihn zutiefst verletzte, diese grausame Strafe so lange ertragen zu müssen, war er fest entschlossen, sich von seinen Anklägern nicht von seiner Ausbildung abbringen zu lassen.

Wir hatten auch das große Glück, dass die Aufsichtspersonen, die ihn auf Schritt und Tritt beobachteten, bald Mitleid mit seiner Notlage hatten. Jeder sagte uns, was für ein wunderbarer und höflicher junger Mann er war und wie sehr sie seine Gesellschaft genossen.

Das war ein schwacher Trost in einer trostlosen Situation. Es gab mir auch die Gewissheit, dass ich nicht verrückt wurde oder eine verblendete Mutter war, die ihren Jungen nicht so sehen konnte, wie er wirklich war.

Mein Sohn hat in diesem Sommer seine Prüfungen in Isolation abgelegt und freut sich nun auf einen Neuanfang an einer neuen Schule, wo wir beten, dass niemand seine Vergangenheit aufdecken wird.

Dennoch tragen wir alle die Narben dessen, was geschehen ist. Ich habe Angst, dass der böswillige Klatsch und Tratsch ihn verfolgen wird. Er hat inzwischen eine Heidenangst vor Mädchen. Er sagt mir oft, er glaube nicht, dass er jemals eine Freundin haben werde, und ich frage mich, ob er jemals den Mut haben wird, die Liebe zu finden. Selbst wenn er es tut, haben wir doch alle Angst vor den Konsequenzen, wenn es wieder schief geht.

Natürlich sollte sich jedes Mädchen über körperliche Berührungen beschweren können, die ihr unangenehm sind, aber ich frage mich, warum man von einem 13-jährigen Jungen erwartet, dass er alle Nuancen von Beziehungen versteht, die erwachsene Männer oft verwirren.

Vielleicht hat mein Sohn Fehler gemacht, durch die sich das Mädchen, das die Polizei gerufen hat, unwohl fühlte, und wenn das der Fall ist, tut es mir aufrichtig leid für sie. Aber ist es die beste Reaktion, sein Leben zu zerstören, indem man ihn als Vergewaltiger abstempelt und ihn von der Schule schikaniert, oder ihn zu unterstützen und zu erziehen, damit er nicht noch einmal dieselben Fehler macht?

Wenn wir alle für unreife Fehler, die wir im zarten Alter von 13 Jahren begangen haben, zur Rechenschaft gezogen würden, wären nur sehr wenige von uns ohne Schuld.




Montag, August 01, 2022

"Sozialer Unfriede": Über hundert Sprachwissenschaftler üben scharfe Kritik am Gendern bei ARD und ZDF – News vom 1. August 2022

1. "Die Welt" berichtet:

In Sachen Gendersprache wird es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusehends ungemütlich. Erst im Dezember kritisierten Gremienmitglieder des ZDF-Fernsehrats die Gendersprechpause scharf und forderten von der Intendanz "eine Leitungsentscheidung" zum Thema. Bei einem immer größeren Teil der Gebührenzahler sorgt die Sprachpraxis für Unmut.

Der Bayerische Rundfunk stand vergangene Woche massiv in der Kritik, weil ein Video vom "Diversity Tag" der ARD bei vielen Zuschauern den Eindruck hinterließ, beim Sender arbeite man an der sprachlichen Umerziehung der Bevölkerung.

Und nun sehen sich ARD und ZDF mit Kritik aus der Fachwelt konfrontiert: Rund 70 Sprachwissenschaftler und Philologen fordern in einem aktuellen Aufruf ein Ende des Genderns im ÖRR. Darunter: Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung, der Gesellschaft für deutsche Sprache, des PEN Deutschland, des Leibniz-Zentrums Allgemeine Sprachwissenschaft sowie eine ganze Reihe linguistische Schwergewichte.

(…) Der Germanist und Buchautor Fabian Payr ("Von Menschen und Mensch*innen", Springer-Verlag) ist Initiator des Aufrufs. "Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend", sagt er WELT. "Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch." Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.

(…) Scharfe Kritik üben die Sprachexperten auch an der Berichterstattung der Sender zum Thema Gendersprache. Die Beiträge seien unausgewogen, vielfach tendenziös und würden "im Wesentlichen der Legitimation der eigenen Genderpraxis" dienen, urteilen sie.

(…) Der Sprachwissenschaftler Martin Neef zählt zu den Unterzeichner des Linguistenaufrufs und ist Kritiker der viel zitierten Studien. Über den ÖRR ärgere er sich massiv, sagt Neef zu WELT. "Gendern heißt für viele, ein Zeichen zu setzen. Dabei wird nur selten wirklich über Sprache nachgedacht." Personenbezeichnungen mit der Endung "-in" oder "-innen" meinen sprachstrukturell nur Frauen – egal, ob ein Sternchen davorstehe oder nicht, erläutert Neef. "Mit solchen Wortformen werden weder Männer noch Diverse angesprochen", so der Sprachwissenschaftler.

Für Neef steht fest: "Das Deutsche hat mit dem generischen Maskulinum eine gewachsene geschlechtsneutrale Form, die von Zuschauern und Zuhörern genutzt wird. Dazu sollten die Öffentlich-Rechtlichen wieder zurückkehren."


In der Erklärung, die von über hundert Sprachwissenschaftlern beiderlei Geschlechts unterzeichnet worden ist (ich selbst bin Nr. 87 auf der Liste), heißt es unter anderem:

Seit 2020 hat die Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) in erheblichem Maße zugenommen. Ausgangspunkt dieser Sprachpraxis ist die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen. Wir fordern eine kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage.

Die Sprachverwendung des ÖRR ist Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern. Daraus erwächst für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch – der ÖRR sollte den Wunsch der Mehrheit respektieren.

(…) Als Sprachwissenschaftler und Philologen kritisieren wir ferner, dass an Stelle von sprachsystematischen und sprachlogischen Betrachtungsweisen zunehmend psycholinguistische Studien herangezogen werden, um Veränderungen des Sprachgebrauchs zu legitimieren. Diese Studien liefern keinen belastbaren Beleg dafür, dass generische Maskulina mental vorrangig "Bilder von Männern" erzeugen. Vielmehr zeigt sich, dass die Kontextbindung, die zur Unterscheidung eines generischen von einem spezifischen Maskulinum entscheidend ist, in solchen Studien in wissenschaftlich unzulässiger Weise ausgeblendet wird. Es kann mithin aufgrund fehlerhafter Studiendesigns nicht als empirisch gesichert gelten, dass generische Maskulina (Genus) vorrangig im Sinne von "männlich" (Sexus) gelesen werden (Zifonun 2018, Payr 2022, Kurfer 2022). Die pauschalisierende Bewertung des generischen Maskulinums als grundsätzlich diskriminierende Sprachform ist auf wissenschaftlicher Basis nicht begründbar.

Auch andere zentrale Thesen der "gendergerechten Sprache" halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand, etwa die abwegige Behauptung von der angeblichen "Unsichtbarkeit" der Frau in der deutschen Sprache (Pusch: "Das Deutsche als Männersprache") oder die These, mit einem Eingriff in sprachliche Strukturen könnten gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden (sprachidealistische Position).

Wir weisen auch darauf hin, dass Gendern zu einer ausgeprägten Sexualisierung der Sprache, also zu einer permanenten Betonung von Geschlechterdifferenzen führt. Daher wird das wichtige Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konterkariert und Gendern von einigen Debattenteilnehmern auch als sexistisch bezeichnet. (Pollatschek 2020). Im Hinblick auf das angestrebte Ziel – Geschlechtergerechtigkeit – ist Gendern also dysfunktional.

Der Rat für Deutsche Rechtschreibung hat im März 2021 explizit darauf hingewiesen, dass Gender-Sonderzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt oder Unterstrich nicht dem amtlichen Regelwerk entsprechen, da diese Formen Verständlichkeit sowie Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten beeinträchtigen. Diese Missachtung der gültigen amtlichen Rechtschreibregeln ist nicht mit dem im Medienstaatsvertrag formulierten Bildungsauftrag der Sender vereinbar. Statt ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, praktizieren und propagieren die Sender in ihrer Schriftnutzung (vor allem in den Online-Formaten) orthografische Freizügigkeit jenseits der verbindlichen Regeln. Auch die gesprochene Realisierung des Gendersterns – mit Glottisschlag – entspricht nicht der geltenden Aussprachenorm.

Wir fordern die Abkehr von einem Sprachgebrauch, der stark ideologisch motiviert ist und überdies – so zeigen es alle aktuellen Umfragen – von der Mehrheit der Bevölkerung (ca. 75-80 %) eindeutig abgelehnt wird (…). Es ist bedenklich, wenn immer mehr Journalisten in Unkenntnis der sprachwissenschaftlichen Fakten den Jargon einer lautstarken Minorität von Sprachaktivisten in der Öffentlichkeit verbreiten und sich hierbei fälschlicherweise auf "Sprachwandel" berufen.

Nicht zuletzt sorgt die vielfach mit moralisierendem Gestus verbundene Verbreitung der Gendersprache durch die Medien für erheblichen sozialen Unfrieden und das in Zeiten, in denen ohnehin zahlreiche gesellschaftliche Spaltungstendenzen zu beobachten sind. Auch diesen gefährlichen Partikularisierungs- und Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft leistet Gendern Vorschub.

Der forcierte Gebrauch gegenderter Formen befindet sich nicht im Einklang mit dem Prinzip der politischen Unparteilichkeit, zu der alle Sender gemäß Medienstaatsvertrag verpflichtet sind. So stammt das Projekt der "gendergerechten Sprache" ursprünglich aus der feministischen Linguistik und wird heutzutage vorrangig von identitätspolitisch orientierten universitären Gruppierungen rund um die Social-Justice-Studies vorangetrieben (Ackermann 2022, S. 143). Gendersprache ist ein akademischer Soziolekt, der die Diskursvorherrschaft anstrebt. Zu dieser ideologisch begründeten Sprachform muss der ÖRR kritische Distanz wahren.

Die Berichterstattung des ÖRR über den Themenbereich Gendersprache ist unausgewogen, vielfach tendenziös und dient im Wesentlichen der Legitimation der eigenen Genderpraxis:

* Befürworter erhalten einen deutlich größeren Redeanteil

* Werden "Experten" konsultiert, so stammen diese vorrangig aus dem Lager der Befürworter.

* Moderatoren bekennen sich zum Gendern

In den Medien des ÖRR überwiegt eine positive Darstellung des Genderns. Kritiker werden nicht selten als reaktionär, unflexibel und frauenfeindlich geschildert.


Beispiele dafür nennt eine weitere Seite, wo es etwa heißt:

Als nur ein Beispiel für tendentiöse Berichterstattung möchten wir hier hier die Sendung “Leschs Kosmos” vom 5.10.2021 (…) herauspicken, die mit dem Gestus von Wissenschaftlichkeit klar eine Pro-Gendern-Position bezieht. Zur Gendersprache gibt es sehr unterschiedliche wissenschaftliche Einschätzungen, Harald Lesch referiert lediglich die Argumente der einer Seite und suggeriert damit einen wissenschaftlichen Konsens, den es in dieser Sache nicht gibt. Sowohl aus journalistischer Sicht als auch aus wissenschaftlicher ist dieser Beitrag mangelhaft.


Ich bin gespannt, ob die Öffentlich-Rechtlichen über diese Kritik der Wissenschaft berichten werden. Vorfälle, die ihnen ideologisch zupass kommen, etwa die abgewiesene Klage eines VW-Mitarbeiters gegen Gendern bei Audi, landen schließlich sogar in der Tagesschau.

Bislang finde ich Berichterstattung über die Kritik der Sprachwissenschaftler in "Welt", "Bild", "Focus", der "Berliner Zeitung", der "Jungen Freiheit", der "Frankfurter Allgemeinen", bei "idea" und bei "Tichys Einblick". Die Presse des linken Lagers hingegen scheint sich nur für für genderfreudige Sprachwissenschaftler wie Anatol Stefanowitsch zu interessieren. Eine Ausnahme ist der "Tagesspiegel", der ebenfalls berichtet.



2. "Die Welt" kommentiert die abgewiesenen Klage eines VW-Mitarbeiters gegen das Gendern bei Audi so:

Wer sich als Kunde oder Angestellter durch Gendersprache belästigt fühlt, dem steht es frei, sich darüber bei seinem Unternehmen zu beschweren – oder gleich zur Konkurrenz zu wechseln.

Doch genau an dieser Handlungsbereitschaft fehlt es. Die Deutschen lehnen den Umbau ihrer Sprache zwar mit deutlicher Mehrheit ab, auch in der jungen Generation – und allen Anstrengungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Trotz, wie eine Podiumsdiskussion mit Schülern erst kürzlich eindrucksvoll belegte.

Aber: Sie tun nichts dagegen. Wenn gefühlt nur ein Prozent aller Gender-Befürworter und null Prozent aller Gender-Gegner ihre wirtschaftlichen Entscheidungen vom Sprachgebrauch abhängig machen, dann liegt die betriebswirtschaftlich sinnvolle Entscheidung für Unternehmen auf der Hand.

Der richtige Weg, um sich gegen den von einer lautstarken Minderheit betriebenen Sprachumbau zu wehren, führt deshalb nicht über die Gerichte – sondern über Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten, Briefe an Redaktionen und Unternehmen, Elternabende und soziale Medien.




3. Die Sendung des Bayrischen Rundfunks, die Zuschauer offenbar zum Gendern motivieren sollte, wird inzwischen auch von der bayrischen Staatsregierung kritisiert:

"Gebührenfinanziertes Zwangsgendern" nennt Florian Herrmann (CSU), der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Minister für Medien, das BR-Format deshalb. "Es ist nicht Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Kampagnen für Mindermeinungen zu führen", sagt er. Herrmann irritiere, dass der BR veranlasst, Gender-Sprache von oben vorzugeben, bis sie "unten ankommt". Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich zuletzt in einem Interview kritisch gegenüber dem Thema Gendern geäußert. Der Rundfunkrat, sagt er, müsse den Vorgang in der nächsten Sitzung zwingend aufklären.

Der BR wehrt sich: "Die Behauptung, es handle sich um eine Gender-Sendung, mit der Schüler überzeugt werden sollten, ist schlichtweg falsch", sagt BR-Sprecher Markus Huber. Ziel sei ein Meinungsaustausch über Gender-Sprache gewesen. Das sagt auch Claudia Stamm im Gespräch mit unserer Zeitung. "Keineswegs wollte ich damit ausdrücken, dass wir so lange reden müssen, bis alle einer Meinung sind." Außerdem, sagt sie, gendere sie im Alltag kaum.




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