Mittwoch, April 14, 2021

"Jungen dämonisieren macht sie nicht zu Engeln"

Keine neuen Meldungen heute – das erlaubt mir, die Liste der der Langartikel abzubauen, die ich mir für solche Tage angelegt habe. Heute möchte ich gleich zwei solcher Artikel gemeinsam bloggen, da sie sich um dasselbe Thema drehen.

Der erste stammt von dem Psychologen Dr. John Barry, der Experte für die geistige Gesundheit von Männern ist. Er nimmt auf die Welle von Männerfeindlichkeit Bezug, die durch Großbritannien nach der Ermordung einer jungen Frau rauschte und die verstärkt auch Jungen trifft. Wir haben in Deutschland nicht dieselbe Situation, aber oft hat man den Eindruck, es fehlt dazu nicht viel.

Weiterführende Links finden sich im Original.



Der tragische Mord an einer jungen Frau in London hat kürzlich deutlich gemacht, wie gefährlich es sein kann, nachts allein durch die Straßen Londons zu gehen. Diese Geschichte hat sich jedoch in eine moralische Panik verwandelt, wobei eine Politikerin vorschlug, dass es eine 18-Uhr-Sperrstunde für Männer geben sollte (was eine Reaktion auslöste, die sie als "frauenfeindlichen Wutanfall" bezeichnete), und eine Umfrage von UN Women behauptet, dass 97 % der Frauen in Großbritannien sexuell belästigt wurden, obwohl 20 % der befragten Frauen angaben, keine der aufgeführten Arten von Belästigung jemals erlebt zu haben.

Moralische Panik führt in der Regel zu schlechten Entscheidungsfindungen. Nach dem Mord in London forderte der Regierungsminister für Polizeiwesen mehr PSHE (Personal, Social, Health and Economic Education) in den Schulen, um Jungen zu lehren, Mädchen zu respektieren. Schulungen und Workshops in Schulen zu diesem Thema sind gut gemeint und scheinen eine gute Idee zu sein, aber die Auswirkungen auf Jungen sind ein unbekannter Faktor. Angesichts des brisanten Kontextes, in dem solche Workshops stattfinden, könnte die scheinbar unschuldige Botschaft, dass Jungen Mädchen mit mehr Respekt behandeln müssen, durchaus negative Auswirkungen auf Jungen haben. Zum Beispiel könnten einige Jungen das Gefühl bekommen, dass sie als Mann ein schlechter Mensch sind, dem man nicht trauen kann. Scham kann eine sehr destruktive Wirkung auf Männer haben und sogar zu Gewalt führen. Alternativ könnten einige Jungen das Gefühl haben, dass ihnen gesagt wird, dass sie ein schlechter Mensch sind, was zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen könnte, dass sie sich wie ein schlechter Mensch verhalten. Ich denke, es ist naiv anzunehmen, dass die Aufforderung an Jungen, Frauen mit Respekt zu behandeln, die meisten von ihnen dazu bringen wird, dies zu tun. Viele Jungen werden diese Botschaft ignorieren oder sie als störend empfinden. Letztendlich könnten diese Strategien im Klassenzimmer die Jungen von ihren Lehrern, der Schule und den Mädchen entfremden und sogar die Jungen von einem positiven Gefühl für ihr eigenes Selbst entfremden.

Ich habe letztes Jahr eine Umfrage durchgeführt, die ergab, dass etwa 85% der Befragten zustimmten, dass die Vorstellung von "toxischer Männlichkeit" einen schädlichen Einfluss auf Jungen haben kann, wenn sie den Begriff hören oder darüber lesen. Warum also halten Schulen es für eine gute Idee, Jungen Ideen auszusetzen, die sie den Wert ihrer Männlichkeit in Frage stellen lassen könnten? Wir sollten die sehr reale Möglichkeit in Betracht ziehen, dass diese Interventionen mehr schaden als nützen, vielleicht sogar das Problem schaffen, das wir zu heilen versuchen, und dann denjenigen die Schuld geben, die sie ungewollt dazu gebracht haben, Schaden anzurichten. Wenn wir Jungen immer wieder sagen, dass sie schlecht sind, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie anfangen, sich so zu verhalten.

Etwas, das oft übersehen oder sogar abgetan wird, ist, dass die Mehrheit der Jungen keine Gefahr für Frauen darstellt. Wahrscheinlich haben viele von uns in der Schule die Situation erlebt, dass ein Schüler etwas falsch macht und dann die ganze Klasse bestraft wird. Das ist natürlich unfair, aber diese PSHE-Workshops sind in der Gefahr, etwas Ähnliches zu tun. Diese Art der Bestrafung berücksichtigt nicht das Pareto-Prinzip, ein allgemeines Phänomen, das besagt, dass die Mehrheit einer Sache durch eine Minderheit einer anderen Sache verursacht wird. Dies gilt für viele Bereiche des Lebens (z. B. die Verteilung des Wohlstands, den Verbrauch von Gesundheitsleistungen, sportliche Höchstleistungen usw.), aber dieses Prinzip wird übersehen, wenn es um Verbrechen von Männern gegen Frauen geht. Ein weiteres Problem ist, dass Männer häufiger Opfer von Gewaltverbrechen werden als Frauen, aber in der moralischen Panik weicht das rationale Denken einer reflexartigen Reaktion.

Am Ende hoffe ich, dass wir als Gesellschaft nicht so zynisch geworden sind, dass wir uns nicht mehr darauf einigen können, dass die überwiegende Mehrheit der Männer will, dass Frauen und Mädchen sicher sind. Also lasst uns sorgfältig darüber nachdenken, ob die Dämonisierung von Schuljungen der beste Weg ist, um sicherzustellen, dass dies so bleibt.




Der zweite Artikel stammt von dem relativ bekannten britischen Soziologen und Publizisten Frank Furedi:



Die Hysterie, die wegen einer kleinen Minderheit von schlecht erzogenen, gewalttätigen Jungen erzeugt wird, ist zu weit gegangen. Ihnen "Geschlechtsneutralität" beizubringen und sich gegen "machohafte, heterosexuelle" Männlichkeit zu wehren, ist nicht die Antwort.

Fake News über Männer machen die Runde, und manchmal scheint es, als seien Jungen zur Zielscheibe eines regelrechten Kreuzzuges geworden, der sie zähmen soll. Seit dem Ausbruch der Angst vor einer angeblichen Vergewaltigungskultur, die britische Schulen heimsucht, wird das Mantra "Erzieht eure Söhne" von Politikern, Wahlkämpfern und Medienschaffenden ständig wiederholt.

Allen voran der Polizeiminister Kit Malthouse, der erklärte, die Schulen sollten den Jungen beibringen, wie sie Mädchen und Frauen mit Respekt zu behandeln hätten. Zahlreiche Kommentare in Zeitungen und auf Websites, mit Titeln wie: "Schulen sind der beste Ort, um Jungen beizubringen, wie man Frauen respektiert", spiegeln ein Gefühl der Dringlichkeit über das wider, was sie als nationale Krise darstellen.

Leider steht die Forderung "Erzieht eure Söhne" in engem Zusammenhang mit der verständlichen Empörung über den Mord an Sarah Everard und einem Medienfokus auf die angebliche Vergewaltigungskultur, die Schulen heimsucht. Unter diesen Umständen wird der moralische Status von Jungen in Frage gestellt und die Unterstellung, dass sie alle potenzielle Täter sind, wird häufig vermittelt.

Hin und wieder gibt es vereinzelte Warnungen vor der Dämonisierung von Jungen, und eine Mutter berichtete, dass sie entsetzt war, als ihr kleiner Sohn von der Schule nach Hause kam und sagte: "Mama, einige der Mädchen sagen, dass 70 Prozent der Männer Vergewaltiger sind."

Die Medienpersönlichkeit Davina McCall sah sich jedoch mit einem regelrechten Backlash konfrontiert, als sie es wagte zu sagen, dass alle Männer als gefährlich zu bezeichnen "schlecht für unsere Söhne, Brüder und Partner ist." Es scheint, dass einflussreiche Teile der britischen Gesellschaft die Fähigkeit verloren haben, zwischen einer kleinen Minderheit schlecht erzogener, aggressiver und gewalttätiger Jungen und dem Verhalten der großen Mehrheit der jungen Männer zu unterscheiden.

Natürlich müssen alle Kinder in den Grundsätzen zivilisierten Verhaltens und in der Notwendigkeit, andere zu respektieren, erzogen werden. Aber leider stellt die Art der Erziehung, die viele Jungen auferlegen wollen, derzeit einen eindimensionalen Versuch dar, sie zu zähmen und sie zu geschlechtsneutralem Verhalten zu sozialisieren.

Oft verwandelt sich die Befürwortung, Jungen etwas über Respekt und Einverständnis beizubringen, in einen Versuch, einige ihrer jungenhaften Einstellungen und Verhaltensweisen auszurotten. Eine Kommentatorin im "Mirror" rechtfertigt ihr Argument für die Notwendigkeit, dass Schulen Jungen über Respekt unterrichten, damit, dass dies eine große Chance für die Förderung geschlechtsneutraler Haltungen bietet. Sie beklagt, dass ihr 5-jähriger Sohn trotz aller Bemühungen "immer noch sagt, dass es Farben gibt, die nur Mädchen tragen, oder Berufe, die nur Jungen und nicht Mädchen ausüben können." Sie fügt hinzu: "Ich weiß nicht, woher er das hat und dass ich ihn darauf anspreche, aber es wäre noch besser, die Unterstützung des Bildungssystems zu haben, um das zu untermauern."

Es erfordert einen großen Sprung in der Logik, sich vorzustellen, dass die Überlegungen eines 5-Jährigen über die Farbvorlieben von Mädchen einen Marker für die Missachtung von Frauen im späteren Leben darstellen. In der Tat sollte dieser 5-Jährige dafür gelobt werden, dass er bemerkt hat, dass junge Mädchen in der realen Welt andere Farbvorlieben haben als Jungen. Aus dem Blickwinkel der aktuellen Mode, alle Jungen als Träger toxischer Männlichkeit wahrzunehmen, weichen Logik und Objektivität jedoch der Hysterie.

Manchmal hat es den Anschein, dass die Kampagne zur "Erziehung" von Jungen durch den Impuls motiviert ist, nicht nur die Männlichkeit ins Visier zu nehmen, sondern auch das, was früher als normales heterosexuelles Verhalten wahrgenommen wurde. In ihrem Aufsatz mit dem Titel "Why misogyny needs to be tackled in education from primary school" (Warum Misogynie in der Erziehung von der Grundschule an bekämpft werden muss) argumentieren zwei Akademiker für die Notwendigkeit, "geschlechtsspezifisches Verhalten" zu bekämpfen, das sie als inhärent schädlich für alle wahrnehmen.

Der Schwerpunkt ihrer Besorgnis liegt auf der Geschlechtsidentität im Allgemeinen und auf der Identität von Jungen im Besonderen. Sie stellen fest, dass "Jungen in Großbritannien ihr Männlichkeitsgefühl in direkter Beziehung zu dem dominanten 'Macho'-Ideal der Heterosexuellen aufbauen, was es bedeutet, ein Mann zu sein." Aus dieser Perspektive ist es die Aufgabe der Schulen, Jungen daran zu hindern, "dominante" und heterosexuelle Ideale anzunehmen.

Dass machohafte, übersteigerte Männlichkeit viele groteske und unattraktive Züge hat, steht außer Frage. Aber solche Formen von destruktivem Verhalten sind ebenso wenig ein inhärentes Leiden der Männlichkeit wie das Flattern der Augenlider und das ständige Kichern für weibliches Verhalten stehen. Wenn es ein Problem mit dem Verhalten in der Schule gibt, dann hat das wenig damit zu tun, dass Jungen eben Jungen sind.

Das eigentliche Problem der Gesellschaft ist, dass die Erwachsenenwelt die Fähigkeit verloren hat, junge Menschen zu sozialisieren, indem sie ihnen vorlebt, wie höfliches, sensibles und respektvolles Verhalten aussieht. Kinder lernen ihre Werte viel eher von TikTok und Instagram als von ihren Lehrern, Eltern und der Gemeinschaft der Erwachsenen.

Was Jungen brauchen, ist nicht, dass ihnen heterosexuelle Ideale ausgetrieben werden, sondern dass sie in den Normen und Werten, die zu einer guten Gesellschaft gehören, erzogen werden. Anstatt nach der technischen Schnelllösung eines Einwilligungsworkshops zu suchen, müssen sie dazu erzogen werden, zu verstehen, wie richtig und falsch und gut und böse aussehen.

Die Lösung liegt im Bereich der Moral und nicht in der Modeerscheinung der Geschlechtsneutralität.




Dienstag, April 13, 2021

Totalitäre Universitäten, strategische Grüne, islamistischer Schwulenhasser – News vom 13. April 2021

1. In dem Artikel "Jetzt formiert sich Widerstand gegen Gendern und Cancel Culture" , der nur im Anriss online steht, berichtet die "Welt am Sonntag" über die immer bedenklichere Situation an deutschen Hochschulen. Ein Auszug:

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen, eine der großen politischen Studierendenorganisationen, beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. "Wir erleben, dass Veranstaltungen gestürmt werden, weil Gastredner nicht politisch opportun erscheinen", sagt die Vorsitzende Tabea Gandelheidt WELT AM SONNTAG. "Wir hören von Studierenden, die angefeindet werden, weil sie nicht gendern." Manchen werde sogar gesagt, dass sie sich zu gewissen Themen nicht äußern dürften, weil sie männlich oder weiß seien. Das sei "eine extrem gefährliche Tendenz."

(…) Manche Themenfelder sind derart vermint, dass Dozenten und Studenten sie meiden. "Es wird zunehmend schwieriger, sachlich über Gleichberechtigung, Diskriminierung oder umstrittene Persönlichkeiten zu sprechen", berichtet der Althistoriker Sven Günther. "Es sind an Universitäten vor allem Menschen aus linken und linksliberalen Blasen, die diese Denkvorschriften, oft lautstark und einflussreich, vorgeben", sagt Günther, der an der Uni Kassel lehrt. Das sei "fatal für Lehre und Forschung", denn sie könne man mit einer "Vorabschere im Kopf und Denkverboten" nicht vorantreiben.


Der Verein Deutsche Sprache (VDS) schließlich berichtet, auch von Studentinnen immer wieder Hinweise zu erhalten, dass ihnen Punktabzug drohe, wenn sie ihre Arbeiten nach den Regeln der geltenden Rechtschreibung, also nicht gegendert, verfassten: "Die fühlen sich in ihrem Sprachgefühl verletzt und sehen das Recht der freien Wortwahl gefährdet."

Interessant, dass es den Rädelsführern dieser Agenda gerade in diesem Punkt völlig uninteressant ist, ob sich Frauen "verletzt fühlen" oder nicht.



2. Die Frankfurter Allgemeine berichtet von der Debatte über die beste Wahlkampfstrategie der Grünen:

In der Bundestagsfraktion gibt es Grüne, die davor warnen, die eigene Agenda nach den Forderungen linker Identitätspolitik auszurichten. "Damit machen wir vielleicht die feministische Buchhändlerin in Kreuzberg glücklich, aber verlieren in der Mitte der Gesellschaft", sagt ein Abgeordneter, der schon länger dabei ist. Dieser Diskurs habe mit der Lebensrealität der allermeisten Menschen in diesem Land nichts zu tun. (...) So werde es nicht gelingen, neue Milieus außerhalb der urgrünen Klientel zu erschließen. "Uns geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt, wir suchen nicht, was Menschen trennt, sondern was sie eint", sagt eine Abgeordnete.

Manche in der Fraktion stören sich daran, dass die Fachleute, die zu migrationspolitischen Debatten eingeladen werden, fast ausnahmslos auf der identitätspolitischen Linie lägen. Der Linken-Politiker Fabio de Masi habe ihm aus dem Herzen gesprochen, sagt ein Grüner aus Hamburg. In einem Brief an seine Partei, in dem er seinen Rückzug aus dem Bundestag erklärt, beklagte de Masi, dass nur noch "über Moral und Haltung" debattiert werde. Das habe "nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist Ausdruck eines elitären Wahrheitsanspruchs, wie ihn die Kirche im Mittelalter bediente. Vor allem verstärkt dies aber Spaltungen in der Gesellschaft, wovon rechte Demagogen weltweit profitieren."




3. Das ZDF berichtet:

Am Oberlandesgericht Dresden hat der Prozess wegen des tödlichen Angriffs auf ein schwules Paar im Oktober 2020 begonnen. Angeklagt ist ein 21-jähriger vorbestrafter Syrer, der von den Behörden bereits 2017 als islamistischer Gefährder eingestuft worden war. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mord, versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung vor. Bei der Messerattacke in der Dresdner Altstadt war ein 55-jähriger Mann aus Krefeld tödlich verletzt worden. Sein 53-jähriger Partner erlitt schwere Verletzungen.


Hier findet man den vollständigen Beitrag.



4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Arne,

Judith Sevinc Basad ist schon kurz vor Erscheinen ihres neuesten Buchs auch auf SWR1 interviewt worden. Ich finde es hörenswert, auch wenn ihr Gesprächspartner mit dem Thema zuweilen etwas überfordert zu sein scheint. Als im Verlauf die Sprache beispielsweise auf Vergewaltigungen kommt, muß er natürlich pflichtschuldigst betonen, daß natürlich 99% aller Vergewaltigungen durch Männer begangen werden. So gibt es noch ein paar andere Stellen. Ich mag diese Sendereihe sehr, leider hat sie bei solchen Themen immer diese typische links-feministisch-genderideologische Schlagseite, wie ich das mittlerweile vom ÖRR leider gewohnt bin.




Montag, April 12, 2021

Audi wegen "Gender-Unfug" verklagt – News vom 12. April 2021

1.
Der Verein Deutsche Sprache (VDS) unterstützt einen Mitarbeiter der Volkswagen AG bei seinem Kampf gegen das Gendern. Die VW-Tochter Audi hatte kürzlich mitgeteilt, in ihrer internen und externen Kommunikation gendern zu wollen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand traut, sich dieser sprachlichen Umweltverschmutzung entgegenzustellen", sagt Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS. Der VDS sichert daher dem betroffenen Mitarbeiter Rechtsschutz zu.

Vertreten durch die bekannten Rechtsanwälte Burkhard Benecken (Marl) und Dirk Giesen (Düsseldorf) hat der VW-Mitarbeiter eine Unterlassungsverfügung an den Vorstand der Audi AG in Ingolstadt geschickt. Auf Anfrage unseres Vereins erklärten die Anwälte Benecken & Giesen: "Unser Mandant fühlt sich durch das Gendern massiv gegängelt. Er ist entsetzt, dass die Audi AG von oben herab geradezu diktatorisch eine Sprache ihren Mitarbeitern verordnen will, die der Prüfung durch die amtliche Rechtschreibung nicht im Ansatz standhält". Obwohl der Mandant nicht Mitarbeiter der Audi AG selbst ist, sei er nach Ansicht der Juristen gleichwohl abmahnbefugt: "Unser Mandant ist in verschiedenen VW-Gremien tätig, die mit Mitarbeitern der Audi AG in ständigem Kontakt & Austausch stehen. Er ist daher von diesem Gender-Unfug direkt betroffen und hat daher das erforderliche Rechtsschutzinteresse", sagen Benecken & Giesen. Und wenn die Audi AG die Unterlassungserklärung nicht abgeben sollte? "Dann gibt es postwendend einen Antrag im einstweiligen Rechtsschutzverfahren zum Landgericht Ingolstadt", so die Anwälte.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2.
Eine laut Staatsanwaltschaft erfundene Vergewaltigung eines muslimischen Mädchens in einer katholischen Kita in Koblenz hat vor etwa einem halben Jahr hohe Wellen geschlagen. Wegen der folgenden Anfeindungen sind 137 Ermittlungsverfahren eingeleitet und bereits einige Geldstrafen verhängt worden, wie der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Der fälschlich angefeindete Erzieher ist unterdessen nach eigenen Angaben berufsunfähig geworden und mit einer Depression in einer psychiatrischen Tagesklinik gelandet.


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3. Unter der Schlagzeile "Immer Ärger mit den Männern" erörtert Elmar Krekeler die aktuelle Ausrichtung der ARD-Sendereihe "Tatort":

Die Männer sind nämlich in einer ernsthaften Krise. Kompetent, funktionstüchtig ist kaum einer der Kerle. Gefährlich und brüchig, das zieht sich, was kein Zufall sein kann, durchs ganze "Tatort"-Halbjahr, sind die meisten. Man möchte geradezu einen Impfstoff gegen verwirrte Männlichkeit entwickeln.




4. "Schon immer war ich Feministin", schreibt die Schriftstellerin Ruth Schweikert in der "NZZ am Sonntag", doch "jetzt graut mir manchmal vor dem Geschlechterkampf". Warum nur nach all den Jahrzehnten? Darum:

Es mag damit zusammenhängen, dass meine Söhne mir ebenfalls Statistiken präsentieren, wie etwa die um etwa fünf Jahre geringere Lebenserwartung von Männern, die höhere Suizidrate, die geringere Maturitätsquote und nicht zuletzt die Ungleichheit in Bezug auf den Militärdienst.

Es ist die Verhärtung der Fronten, die mich irritiert und besorgt. Ebenso wie andere identitätsmarkierende und -stiftende Merkmale und Eigenschaften erlebt auch die Geschlechtszugehörigkeit eine eigentümliche Renaissance. Wo spätestens in den nuller Jahren Identitäts-, Geschlechter- und Zugehörigkeitskategorien fluider, diffuser und damit auch freier und offener schienen, kehren nun alte Gespenster mit Vehemenz zurück. (...) Ich fürchte, es kehren alte Gespenster zurück, ein zugespitzter Geschlechterkampf, den ich niemandem wünsche, weder Männern noch Frauen.


Das ist niedlich. Der Geschlechterkampf war für diese Feministin ein halbes Jahrhundert lang unproblematisch, solange nur Frauen ihre Ansprüche gestellt und Männer sie erfüllt haben. Sobald aber die Männerrechtler trotz einer radikalen Tabuisierung in den Leitmedien eine immer breitere Wirkung entfalten, ist Geschlechterkampf plötzlich furchtbar traurig.



5. Es erstreckt sich über eine Dreiviertelstunde, ist aber sehr hörenswert: Tamara Wernli hat Judith Sevinç Basad dazu interviewt, wie das "woke" Lager unsere Gesellschaft immer totalitärer werden lässt.

Thema ist beispielsweise, wie sich inzwischen mit dem Deutschlandfunk (DLF) sogar ein großer öffentlich-rechtlicher Kanal über das Sterben "alter weißer Männer" freut. Basad: "Es schockiert mich mega, dass solche im Kern rassistischen und menschenverachtenden Inhalte einfach so als progressiv bejubelt werden und in namhaften Radiosendern wie dem Deutschlandfunk einfach rausgehauen werden, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. (…) Ich glaube, dass gerade dieser Aspekt dass sich kein Widerstand regt, sondern dass es sich eben richtig anfühlt, gegen alte weiße Männer zu hetzen, gegen Weiße zu hetzen und ihnen sogar den Tod zu wünschen im DLF, dass sowas eben auch gefährlich sein kann." Eine besondere Gefahr sieht Basad darin, dass solche Ideologien von Menschen, die im Bildungsbereich tätig sind, ernsthaft als "Wissenschaft" wahrgenommen und wiedergegeben werden. "Es gibt überhaupt keinen Widerstand, und wenn es Widerstand gibt, werden Kritiker sofort als 'rechts' diffamiert."

Basads Buch "Schäm dich!" ist inzwischen unter den 100 meistverkauften Titeln bei Amazon.



Sonntag, April 11, 2021

Judith Sevinç Basad, Jan Fleischhauer, Jordan Peterson – News vom 11. April 2021

1. Die "Welt" hat die Autorin Judith Sevinç Basad, die vor kurzem das Buch "Schäm dich! Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist" herausgegeben hat, zur Identitätspolitik interviewt (nur im Anriss online). In dem Gespräch erklärt Basad unter anderem:

"Ich frage mich oft: Wie kann das sein, dass eine linke Bewegung, die eigentlich für Diversität und Meinungsfreiheit steht, ihre Kritiker so krass fertig macht? Diese Leute denken, wenn man einen Teil ihrer Bewegung kritisiert, kritisiert man gleich den ganzen Gedanken dahinter (…). Den meisten Migranten helfen die Gendersternchen genauso wenig wie die Scham der Weißen, die irgendwelche privilegierten Rich Kids im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Schau stellen. Man sollte sich viel eher fragen: Wo liegen die wahren Probleme? Warum werden zum Beispiel gut integrierte Flüchtlinge mit Ausbildungsvertrag immer noch einfach so über Nacht abgeschoben? Aber mit einem Milieu, das nichts mit Foucault und Bourdieu anfangen kann, will sich die Anti-Rassismus-Bewegung nicht wirklich auseinandersetzen. Realpolitik ist ihnen viel zu anstrengend. Leichter ist es, mit dem Finger auf den alten, weißen Mann zu zeigen und dafür viele Likes auf Twitter und Facebook abzuräumen. Es gibt also eine Diskrepanz zwischen realen Problemen und dem abgedrehten Diskurs, den wir momentan führen, der immer mehr ins Rassistische und Reaktionäre abdriftet.

(....) Ich denke schon, dass Menschen mit Migrationshintergrund, Akzent oder arabischem Aussehen mehr Ablehnung im Alltag erfahren als Weiße. Trotzdem wird häufig ein institutionalisierter Rassismus gegen Weiße betrieben. Einerseits sagt man, es gebe keinen Rassismus gegen Weiße, und gleichzeitig spricht man ihnen qua Hautfarbe die Vernunft ab. Das ist doch absurd. Auch wenn vermeintlich progressive Journalisten fordern, dass man Weißen die Jobs wegnehmen soll, man sie nicht auf Podien einladen oder durch Migrantenquoten benachteiligen sollte, ist das lupenreiner Rassismus. Dass diese Abneigung gegenüber Weißen oder Männern auch von etablierten Medienhäusern und anerkannten Politikern als selbstverständlich angesehen wird, macht mir Sorgen.

(...) Keiner Frau ist damit geholfen, wenn sie immer wieder auf ihr Geschlecht und ihre Opferrolle reduziert wird. Es gibt Hunderttausende von Studien, die immer wieder dasselbe belegen: Frauen legen weniger Wert auf eine gute Bezahlung, sondern eher darauf, dass der Beruf mit der Familie vereinbar ist. All diesen Frauen zu unterstellen, dass sie das nicht freiwillig wollen, sondern von einer patriarchalischen Struktur fremdgesteuert sind, ist unglaublich paternalistisch und arrogant. Wer so etwas sagt, erhebt sich über alle anderen Frauen."




2. Jan Fleischhauer berichtet, warum es zunehmend unmöglich geworden ist, Vertreter unterschiedlicher Meinungen zu einem konstruktiven Gespräch zusammenzubringen:

Ich will von einer Niederlage berichten. Ich bin gescheitert. Ich wünschte, ich müsste mir das nicht eingestehen, aber es ist die Wahrheit.

Ich habe vor zwei Monaten mit einem neuen Podcast begonnen. Er heißt "Die falschen Fragen". Zwei Menschen aus verschiedenen Welten, einer davon bin ich, reden eine halbe Stunde miteinander und schauen, was dabei herauskommt. Das ist die Idee.

Es klingt simpel, doch es ist ein ziemlich revolutionäres Konzept. Wir hören viel darüber, wie wichtig der Austausch mit Leuten sei, die nicht so denken wie man selbst, dass es an Vielfalt in den Medien mangele. Aber ich kenne kein Format, bei dem regelmäßig zwei Personen aufeinandertreffen, die nicht nur politisch, sondern auch lebensweltlich wirklich auseinanderliegen. Ich verstehe das in gewisser Weise: Schon die falschen Fragen können einen heute in Schwierigkeiten bringen, von den falschen Antworten ganz zu schweigen.

Wer würde sich als Partner eignen? Meine Produzentin schlug mir die Moderatorin Esra Karakaya vor. Großartige Idee, dachte ich. Wenn man eine Casting-Agentur beauftragt hätte, wäre man nicht weit entfernt von dieser Kombination gelandet. Hier: der Focus-Kolumnist, Besitzer einer Doppelhaushälfte in München-Pullach, Vater von vier Kindern, die idealtypische Personifizierung des alten, weißen Mannes. Dort: die junge Feministin aus der Generation Y, Muslima, Smart-Fahrerin und Mieterin einer Singlewohnung in Berlin-Wedding.

Es war, wie gesagt, ein Experiment. Würden uns die Hörer folgen? Die meisten Menschen suchen die Bestätigung ihrer Weltsicht, nicht die Irritation derselben. Aber das Konzept schien aufzugehen. Nach zwei Folgen hatten wir bereits über 4000 Abonnenten, nicht schlecht für ein neues, noch unbekanntes Format. Wir hatten verabredet, dass wir bis Sommer durchhalten wollten. Dann würde man weitersehen.

Anfang März erreichte mich eine Mail. Sie wisse nicht, ob sie weitermachen könne, schrieb Esra. Dass es Schwierigkeiten geben würde, hatte sich bereits auf Instagram angekündigt. "Mein Kopf sagt, NEIN Esra. Nein, Nein, Nein!!", schrieb dort einer ihrer Follower. "Fleischhauer? Ist das dein Ernst, Esra?", ein anderer. Ein dritter fluchte: "Alleine, dass der ‚Focus‘ dich an Bord genommen hat, sollte jedem zeigen, dass du entweder ein Projekt bist oder eine Marionette."

Eine Bekannte, mit der ich sprach, bestätigte den Eindruck: Die Community sei außer sich. Es werde mit Konsequenzen gedroht, was immer das auch heiße. Es folgte ein Telefonat, dann noch eins. Esra wird das Podcastprojekt aus Zeitmangel beenden.


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3. Eine andere bekannte Persönlichkeit, die bei einigen die Sicherungen komplett rausknallen lässt und an eine Sachdebatte über einzelne Thesen und Themen persönliche Anfeindungen setzt, ist der Psychologieprofessor und Buchautor Jordan Peterson. Auch bei seinen Gegnern kam es jetzt zu einer bizarren Eskalation, worüber zahlreiche Medien berichten, unter anderem die kanadische National Post:

Der kanadische Autor Jordan Peterson scheint die Inspiration für den Bösewicht in der neuesten Ausgabe von Captain America zu sein, was der bekannte Akademiker ein "surreales Ereignis" nennt.

"Menschen, die durch solche Verleumdungen in negativer Weise auf mich neugierig gemacht werden und dann etwas lesen, das ich geschrieben habe ... kommen fast immer zu dem Schluss, dass die Kluft zwischen dem, was mir vorgeworfen wird, und dem, was ich tatsächlich tue, so absurd groß ist, dass sich die Verleumder am Ende selbst diskreditieren", sagte Peterson in einer E-Mail an die National Post.

Der Peterson nahestehende Charakter, um den es geht, ist Red Skull, ein Bösewicht, der seit 1941 Teil des Captain-America-Universums ist. Ursprünglich als Agent von Adolf Hitler dargestellt, erscheint Red Skull in der neuesten Ausgabe von Captain America als eine Internet-Berühmtheit, die junge Männer über Online-Videos zum Inlandsterrorismus inspiriert.

Ein Bild zeigt Red Skull, wie er seine "zehn Regeln für das Leben" anpreist, eine offensichtliche Anspielung auf Petersons Bestseller "12 Regeln für das Leben" von 2018. Der Bösewicht, dessen Kopf buchstäblich ein roter Totenschädel ist, ist zu sehen, wie er die Themen "Chaos und Ordnung" erläutert, die Themen von Petersons Bücher gewesen sind. Der Professor sagte der National Post, dass damit "die Wahrscheinlichkeit, dass dies nur ein Zufall ist, gegen Null geht."

Peterson, Professor für Psychologie an der Universität von Toronto, wurde erstmals 2016 durch eine Reihe von YouTube-Vorträgen bekannt, in denen er sich gegen Identitätspolitik aussprach, insbesondere gegen einen Vorstoß der Bundesregierung, die Diskriminierung von "Geschlechtsidentität" zu kriminalisieren - was nach Petersons Ansicht die Verwendung geschlechtsneutraler Pronomen wie "ze" oder "zir" erzwingen würde.

Seitdem ist Peterson zu einer Art Selbsthilfe-Guru geworden, der für persönliche Verantwortung eintritt und sich gegen zunehmend trendige Konzepte wie unbewusste Voreingenommenheit oder das geschlechtsspezifische Lohngefälle wendet. "Haben Sie etwas Demut. Räumen Sie Ihr Schlafzimmer auf. Kümmern Sie sich um Ihre Familie. Folgen Sie Ihrem Gewissen", schreibt er in seinem neuesten Buch "Beyond Order".

Im neuesten "Captain America", der am 31. März erstmals veröffentlicht wurde, wird Red Skull gezeigt, wie er missratene junge Männer in Armeen kryptofaschistischer Straßenbanden rekrutiert. "Es ist für alle das Gleiche. Junge Männer. Schwach. Auf der Suche nach einem Ziel ... er sagt ihnen, was sie schon immer hören wollten. Dass sie insgeheim großartig sind", beschreibt Captain America die Taktik von Red Skull.

Die Ausgabe ist Teil einer Serie von Captain America, die von Ta-Nehisi Coates, einem Bestsellerautor und ehemaligen Autor für das Magazin "The Atlantic", verfasst wurde. In einem der auflagenstärksten Artikel von Coates aus dem Jahr 2014 wurde er zu einem prominenten Befürworter afroamerikanischer Reparationen.

Peterson wurde sich der Parallelen zwischen ihm und dem neuen Red Skull erstmals in einem Tweet eines Unterstützers bewusst, auf den er am 5. April mit einem getwitterten "Was zur Hölle?" reagierte. Obwohl die Referenz diese Woche im Internet kursierte, wurde von den Autoren der Ausgabe keine direkte Verbindung bestätigt.

"Ich habe keine Bestätigung oder einen Kommentar von Marvel oder Coates erhalten. Das erwarte ich auch nicht", sagte Peterson gegenüber der National Post. "Sie können sagen oder andeuten, was immer sie wollen. Ich glaube fest daran, dass die Öffentlichkeit klug genug ist, die Spreu vom Weizen zu trennen."

Er fügte hinzu, die Karikatur sei bezeichnend für Verleumder, die "das Problem des Bösen bequemerweise irgendwo anders verorten als in ihren eigenen Herzen und Seelen."

Am Mittwoch schien Peterson die von ihm erstellte Karikatur zu umarmen, indem er verschiedene von Fans erstellte Bilder von Red Skulls Gesicht retweetete, die mit den harmloseren Zitaten des Akademikers kontrastiert wurden, wie z. B. "Reinige dein Zimmer" und "Lüge niemals über etwas". Zusammen mit seiner Tochter Mikhaila sagte Peterson, er beabsichtige, die Red-Skull-Bilder in einem noch nicht spezifizierten wohltätigen Projekt zu verwenden und "festzustellen, ob das ganze surreale Ereignis in etwas Gutes umgewandelt werden kann, anstatt in etwas Hinterhältiges und Bösartiges."


Auf Youtube äußert sich Jordan Petersons Tochter Mikhaila selbst zu der Kontroverse.

Die Reaktionen darauf, Peterson als Red Skull darzustellen, sind gemischt. Während sich vor allem linksliberale Medien darüber amüsieren, habe ich auf einer Website, die diese Ausgabe diskutiert von Marvel-Lesern fast durchgehend genervte Reaktionen gefunden: Sie empfinden es als billige Stimmungsmache und dass Coates Captain America missbrauche, um Personen anzugreifen, die er ablehnt, statt statt gelungenem Entertainment zu liefern.

Ich habe wenig Zweifel daran, dass auch mich irgendjemand als bizarren Supernazi darstellen würde, wenn ich im amerikanischen Sprachraum veröffentlichen würde. Mit dem Gewinn ihrer kulturellen Hegemonie scheinen einige Linke jedes Interesse daran verloren zu haben, überhaupt noch anders zu diskutieren als mit Herablassung und Verachtung gegenüber Menschen, die bei bestimmten Fragen anders denken. Wie auch Jan Fleischhauer erfahren musste, treten an die Stelle eines Gesprächs auf Sachebene ("diese Punkte sehe ich anders, weil …") längst schon persönliche Diffamierungen und die Lust am Niedermachen von Personen, die zu Zielscheiben erklärt worden sind.



4. Warum sind viele Heldinnen aktueller Kinofilme wie "Ghostbusters", "Captain Marvel" und "Star Wars" problematisch für weibliche und männliche Zuschauer zugleich? Das erläutert die Youtuberin Manisha in ihrem Video "Everything wrong with Woke Culture (and the impact on feminism)", wo sie schließlich zu dem Fazit gelangt: "Das ist toxische Weiblichkeit." Das Video erstreckt sich über eine Viertelstunde auf Englisch, ist aber sehenswert für jeden mit Interesse am Thema.



Samstag, April 10, 2021

Thüringen: Wachsender Bedarf an Männerschutzwohnungen – News vom 10. April 2021

1.
Das Land Thüringen steht der Forderung nach Schutzwohnungen für männliche Opfer von häuslicher Gewalt offen gegenüber. "Ich denke, dass es Schutzunterkünfte für Männer perspektivisch auch in Thüringen geben muss", sagte die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Gabi Ohler der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings brauche es dafür einen Vorlauf. Derzeit werde vom Männerschutzprojekt A4 ein Konzept erarbeitet, in dem unter anderem der Beratungs- und Betreuungsbedarf definiert werde.

Die Analyse solle bis Jahresende vorliegen. "Danach müssen wir über die Finanzierung reden und eine Kommune finden, die das macht", sagte Ohler. In Thüringen fallen derzeit Schutzunterkünfte etwa für Frauen oder für Obdachlose in kommunale Zuständigkeit. Das Männerschutzprojekt A4 in Jena sieht eine steigende Nachfrage nach Schutzunterkünften für Männer, die Opfer von Gewalt in der Beziehung oder Familie geworden sind.


Hier geht es weiter.



2. Das habe ich bisher hier auf Genderama nicht gemacht, aber nachdem sogar die Amadeu-Antiono-Stiftung letzte Woche die Frage aufwarf, wie Frauen meine Erotik-Ratgeber bewerten: Gerade ist wieder eine aktuelle Rezension hier eingetrudelt.



3. Die Antifa lädt ein zum Zoom-Vortrag "Antifeminismus in der Männerrechtsszene" am 14. April.



4. In Großbritannien werden Jungen öffentlich angegriffen, die Schulen besuchen, die in den "sozialen Medien" als Hort der "rape culture" etikettiert werden. Die Daily Mail berichtet:

Jungen an Privatschulen, die in den Skandal um sexuellen Missbrauch verwickelt sind, müssen ihre Uniform wechseln, um Angriffen auf der Straße und Beschimpfungen zu entgehen. Männliche Schüler fürchten sich derzeit auch davor, den Namen ihrer Schule in den Lebenslauf aufzunehmen, weil sie von potenziellen Arbeitgebern wegen der negativen Assoziationen abgewiesen werden könnten.

Andere - im Alter von nur 13 Jahren - wurden von Mitgliedern der Öffentlichkeit beschimpft und auf der Straße als Vergewaltiger gebrandmarkt, was einige dazu veranlasste, auf dem Weg zur und von der Schule die Uniform zu wechseln.

Dies geschah, nachdem Tausende von Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung auf der Kampagnen-Website "Everyone's Invited" veröffentlicht wurden, wobei einige Anschuldigungen berühmte Einrichtungen wie Eton, Highgate School und Dulwich College nannten.

Doch Eltern unschuldiger Kinder befürchten eine Gegenreaktion. Eine sagte: "Mein Sohn wird wegen dieser Sache unfair behandelt. Er wird jetzt mit diesen Anschuldigungen in Verbindung gebracht und hat Angst um seine Zukunft." Eine andere Frau tweetete: "Jungen werden aufgrund von Anschuldigungen angegriffen und verprügelt. Der Prozess durch soziale Medien ist gefährlich und potenziell sehr schädlich."

Ein Junge an einer unabhängigen Londoner Schule berichtet: "Viele von uns sind besorgt, dass unsere Verbindung mit der Schule unseren Jobaussichten schaden wird. Die Leute werden uns nur ansehen und einen Vergewaltiger sehen."

Eine 46-jährige Mutter von Jungen im Alter von 12 und 17 Jahren sagt: 'Das macht mir Angst. Was ist, wenn es ein Fall von zwei verschiedenen Perspektiven eines Ereignisses ist? Was ist, wenn die Anschuldigungen falsch oder übertrieben sind? Wie kann ein junger Mann seinen Ruf wiederherstellen? Ich weiß von Jungen, die von ihren Freunden, die sie seit der Grundschule haben, 'gecancelt' werden, weil nach den Vorwürfen niemand mehr mit ihnen zu tun haben will. Sie werden als Vergewaltiger gebrandmarkt, ohne dass sie die Möglichkeit haben, ihre Sichtweise mitzuteilen - das ist offen gesagt erschreckend.'

"Es ist wirklich beunruhigend", fügte eine andere Mutter hinzu. "Es wird sehr wenig über falsche Anschuldigungen und den Schutz des angeblichen Täters gesprochen."

Ein Teenager, der bei seiner Ankunft in der Oberschule angeblich von Mädchen angeschrien wurde, nachdem eine Geschichte in Umlauf gebracht worden war, ist seitdem nicht mehr zurückgekehrt. Keiner seiner Freunde hat Kontakt zu ihm aufgenommen, weil er befürchtet, dass sie "gecancelt" werden, wenn sie aus der Reihe tanzen.

Ein Junge war gezwungen, intime Textnachrichten mit seinen Eltern zu teilen, um zu beweisen, dass eine Begegnung einvernehmlich gewesen war, nachdem ein Mädchen, mit dem er in einer Beziehung gewesen war, eine ganz andere Version der Geschichte erzählt hatte.

Bis gestern Abend wurden fast 14.000 Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung auf Everyone's Invited erhoben.


Hier wäre eigentlich dringend ein Gespräch notwendig, bei der sich Männerrechtler und andere Fürsprecher solcher Jungen mit Feministinnen und anderen Fürsprechern der Mädchen zusammensetzen und überlegen, ob es eine konstruktive Lösung bei solchen Konflikten geben kann, die nicht in regelrechte "Hexenjagden" ausartet. Gleichzeitig wird klar, dass es solche Gespräche nicht geben kann, weil kontinuierlich die eine Seite als "böse" und "diskussionsunwürdig" geframet wird.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Arne,

ich hatte den Artikel in der Süddeutschen Zeitung auch schon vorher gelesen und war verwundert über dessen stereotypen Darstellung darüber, wann Menschen als glücklich oder unglücklich zu betrachten sind. Da wird wie selbstverständlich die Partnerschaft und das Zeugen von Kindern als das Lebensziel dargestellt. Was meines Erachtens schon ein Grundproblem dieser von einem Feminismus geprägten Haltung ist, der normalerweise stereotypisches Verhalten als negativ brandmarkt, aber dabei vor allem die Rolle der Frau abwertet.

Aber das Hauptproblem des Artikels ist diese Selbstverständlichkeit, mit der eine Partnerschaft als etwas Positives betrachtet wird. Thesen wie "... bleiben männliche Gutverdiener auf dem Partnermarkt die großen Gewinner" oder noch dämlicher "... (a)m unteren Ende der sozialen Leiter bleibt Männern deutlich weniger Hoffnung auf die Liebe, sie frieren alleine im Schatten der solventen Prinzen über ihnen". Solche Sätze zeugen von einem Weltbild, dass unsereins nur aus "Sissy" Romanen kennt und völlig außer Betracht lässt, dass es Menschen gibt, die ihre Lebensplanung nicht darauf aufbauen verpartnert zu sein und sich zu reproduzieren.

Für diese Lebensplanung gibt viele Gründe auch negative, aber eben auch rationale und positive, sei es das man allein zufriedener ist oder weil man mit den Ansprüchen des anderen Geschlechts nicht zurecht kommt. Aber wer die Welt so rudimentär und vor allem Stereotyp einteilt, zeigt damit eine zutiefst klischeebehaftete bürgerliche Einstellung, die weit von dem entfernt ist wie andere Bildungsschichten ihr Leben planen oder leben möchte. Was z.B. auch daran liegen könnte, dass die Verdienstmöglichkeiten für Nichtakademiker heute schon begrenzt sind und unter Umständen nicht den Vorstellungen, wie Kinder versorgt sein sollen, übereinstimmen.

In diesem Kontext finde ich auch diese Statistik bemerkenswert. Wenn Männer und Frauen alleine leben, beträgt der durchschnittliche Verdienst bei Männern 1703€ und bei Frauen 1691€. Es zeigt sich also, dass Männer und Frauen, wenn ihre Lebensplanung nicht von diesem Klischee geprägt wird, durchaus ein sehr ähnliches Auskommen haben und sich selbst bei den Ausgaben ähnlich verhalten (abgesehen von Gaststättenbesuch und dem Schuhekauf).

Dieser Artikel stellt einmal mehr die sehr beengte Lebenswelt des bürgerlichen, akademisch geprägten Journalisten dar und wie weit diese sich von der bunten Lebenswirklichkeit entfernt haben.


Mein Leser hat Recht: Tatsächlich zeigt die psychologische Forschung, dass das Leben als Single in mancherlei Hinsicht erfüllender sein kann. Hier nur einmal zwei Artikel zu diesem Thema. In die Leitmedien geht diese Forschung kaum ein, weil es dort einen starken Glauben daran gibt, dass Männer erst durch die Partnerschaft mit einer Frau "zivilisiert" werden müssen. Reine oder fast reine Männer-Communitys (Nerds, Burschenschaften, Pick-up-Artists, Incels, Men Going Their Own Way, Männerrechtler etc.) werden in unseren Medien weit überwiegend negativ dargestellt. Und so wie man vor Jahrzehnten glaubte, dass jede Frau ja doch nichts sehnlicher sucht/nichts dringender braucht als einen Ehemann, um glücklich zu seinunterstellt das so mancher Artikel heute den Männern.



Freitag, April 09, 2021

Interview mit einem Studenten: Wenn die Genderdebatte Punkte kostet – News vom 9. April 2021

1. Wie Genderama berichtete, wurden an der Universität Kassel Studenten dafür bestraft, dass sie wissenschaftliche Arbeiten sprachlich nicht nach den Regeln der Gender-Ideologie verfasst haben. Die Frankfurter Allgemeine hat einen Betroffenen interviewt: Lukas Honemann, der im sechsten Semester Germanistik, Geschichte, Politik und Wirtschaft studiert. Ein Auszug aus dem Gespräch:

FAZ: Ihnen sollen in einer Studienleistung Punkte abgezogen worden sein, weil Sie das generische Maskulinum verwendet haben. Stimmt das?

Lukas Honemann: Ich musste im Wintersemester 2018/19 im ersten Modul des bildungs- und gesellschaftswissenschaftlichen Kernstudiums ein Portfolio abgeben, das drei Aufgaben umfasste, die wissenschaftlichen Charakter hatten. Ich habe meine erste Aufgabe eingereicht und Punktabzug dafür erhalten, dass ich das generische Maskulinum verwendet habe. Bei den folgenden Aufgaben habe ich mich dem Ganzen gebeugt und gegendert, um diesem Punktabzug zu entgehen.

(…) FAZ: Gab es eine Begründung für den Punktabzug bei der ersten Abgabe?

Lukas Honemann: Der Modulkurs liegt schon etwas zurück, aber ich meine, dass mir begründet wurde, das sei an der Universität Kassel Konsens und der akademische Stand, deswegen solle gegendert werden.

FAZ: Auf der Website der Uni Kassel heißt es, Lehrbeauftragten stehe es frei, die Verwendung gendergerechter Sprache als Bewertungskriterium anzuführen. Das solle aber frühzeitig angekündigt und transparent gemacht werden. War das bei Ihnen der Fall?

Lukas Honemann: Es kann sein, dass das bei mir selber etwas untergegangen ist und ich das damals nicht mitbekommen habe. Ich weiß aber, dass das mittlerweile in der gleichen Vorlesung groß angekündigt wird. Hier wird gedroht, dass der Verzicht auf genderneutrale Sprache ein Grund sein kann durchzufallen. Bei vielen Dozenten, die selbst gendern, wird das aber auch einfach vorausgesetzt und gilt als Konsens.

(…) FAZ: Der Verein Deutsche Sprache, der den Punktabzug kritisiert, wird in einem Medienbericht damit zitiert, einen Prozess bis zum Bundesverfassungsgericht finanzieren zu wollen, sollte gegen den Punktabzug geklagt werden. Haben Sie das vor?

Lukas Honemann: Auch da bin ich mir nicht sicher, aber ich gehe eher von "Nein" aus, weil die Leistung schon länger zurückliegt und nicht in meine Staatsexamen eingeht. Dementsprechend habe ich keinen schwerwiegenden Nachteil erfahren. Ich weiß nicht, wie sich das in der Zukunft weiterentwickelt, aber ich gehe momentan eher von "Nein" aus als von "Ja".

FAZ: In einem Zeitungsartikel, in dem Sie zitiert wurden, sagten Sie, das Gendern dürfe kein politischer Akt sein. Was meinen Sie damit?

Lukas Honemann: Je nachdem, welchen Politikbegriff man verwendet, kann nahezu alles als politischer Akt gewertet werden. Weil das Gendern politisch umstritten ist und es eine Diskussion darum gibt, ist es noch nicht allgemeiner Konsens. So lange verhandelt wird, ist es, würde ich sagen, ein politischer Akt, sich bei der Bewertung auf die eine oder die andere Seite zu stellen. Das Interessante ist, dass gerade an der Uni Kassel, die ja eher dem linken Spektrum zuzurechnen ist, viel über Enthierarchisierung und die Demontage von Autorität gesprochen wird. Interessant ist hierbei, dass das von "linken Kräften" propagierte Gendersternchen eben über Autorität an die Studenten herangetragen wird. Das finde ich problematisch.

FAZ: Und wie kommt das Gendern als Bewertungskriterium bei den Studierenden an?

Lukas Honemann: Die Universität ist ja ein Stückweit ein Querschnitt der Bevölkerung. Da ist es zum Beispiel so, dass das Gendern in manchen Kreisen abgelehnt wird. Aber aufgrund der Notenvergabe, die dahintersteht, wird sich natürlich niemand dazu durchringen, das nicht zu tun. Gleichzeitig gibt es auf der anderen Seite eher links ausgerichtete Studenten, die das Ganze umsetzen, begrüßen und auch einfordern. Die Studentenschaft ist bei diesem Thema, wie auch die Gesamtgesellschaft, zerstritten. Hier möchte ich noch anführen, dass derzeit ein offener Brief an der Uni Kassel herumgeht, in dem sich Leute gegen das Gendern und die Benotung des Genderns aussprechen. Ich selber habe diesen Brief nicht unterzeichnet, weil ich nicht möchte, dass der Anschein entsteht, ich hätte ihn ins Leben gerufen. Aber ich begrüße es, dass sich in der Studentenschaft etwas regt.

FAZ: Inwieweit wird das Thema "Gendern" im Studierendenparlament thematisiert?

Lukas Honemann: Es wird nicht thematisiert. Es ist da gar kein Thema.

(…) FAZ: Schränkt die Angst, schlechtere Noten zu bekommen, also die Debattenkultur zum Thema Gendern ein?

Lukas Honemann: Ja. Diese Genderdebatte ist relativ symptomatisch für die linke Diskussionskultur. Ich würde hier von einer moralischen Problematik sprechen. Im Namen des Progressivseins wird relativ schnell jede pragmatische Position verdrängt. Es wird eben gesagt, das Gendern sei im Sinne der Antidiskriminierung. Ich glaube, das ist das Kernproblem, das dahintersteht, dass davon ausgegangen wird, man liege moralisch richtig, weil es im Sinne der Gleichberechtigung und im Sinne der Antidiskriminierung ist. Deswegen gibt es da eigentlich auch kaum Diskussion. Ich habe jetzt schon Furcht, dass Interviews, die ich gebe, innerhalb der Universität negativ auf mich zurückfallen können.




2. Der SWR widmet sich am 12. April dem Thema "Hinter der Wohnungstür - Männer, die als Kind Gewalt erfahren haben".

In der Familie findet Gewalt gegen Kinder hinter verschlossenen Türen statt. Immer noch werden Kinder in Deutschland von ihren Eltern verprügelt. Vor allem Jungs.

Was macht das mit ihnen? Und wo können Männer, die unter der Gewalt in ihrer Kindheit leiden, Hilfe bekommen?

Zwei Betroffene erzählen ihre Geschichte und wie sie es geschafft haben, ihre Traumata zu überwinden. Sie haben Unterstützung bekommen: in Selbsthilfegruppen, durch die Männerberatung, vom Weißen Ring oder vom Opferdienst der Polizei.


Das Manuskript zur Sendung steht heute schon online.



3. Meine Regionalzeitung, der Wiesbadener Kurier, berichtet heute Morgen in einem Artikel, der leider nur im Anriss online steht, dass das Verwaltungsgericht Mainz über die jüngsten Personalratswahlen beim ZDF entscheiden muss. Dort war erstmals eine Liste namens "Unabhängige Frauen" angetreten, die gleich im ersten Anlauf vier von 21 Sitzen im Gremium errang und sich mit anderen Listen, darunter der von Verdi, zusammentat, um die eigentlich in der Abstimmung stärkste Kraft, die Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden zu übertrumpfen. Das will diese Vereinigung nicht hinnehmen und legt dar, dass es sich bei der Frauenliste um eine "Verdi-Tarnliste" handele, womit es sich um eine "sittenwidrige Wahlbeeinflussung" handele.

Sie argumentiert auch, es sei rechtswidrig, überhaupt eine Liste mit ausschließlich Frauen zu einer Personalratswahl zuzulassen. Auf Anfrage dieser Zeitung schließt Professor Markus Ogorek, Direktor des Instituts für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre der Uni Köln, einen "relevanten Verfahrensfehler" zumindest nicht aus. Das rheinland-pfälzische Regionalvertretungsgesetz sehe vor, "dass in den Wahlvorschlägen die Geschlechter entsprechend ihrem Zahlenverhältnis in der jeweiligen Dienststelle vertreten sein sollen." Im ZDF arbeiten annähernd genauso viele Frauen und Männer. Eine Frauenliste unterlaufe "gezielt" diesen "vom Gesetzgeber gewollten Geschlechterproporz", sofern es "Männern generell und in jeder Hinsicht unmöglich" sei, "auf besagter Liste zu kandidieren".




Donnerstag, April 08, 2021

Süddeutsche Zeitung: Frauen suchen immer noch nach dem Prinzen – News vom 8. April 2021

1. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, bleibt auch im Jahr 2021 der Wunschpartner vieler Frauen ein wohlhabender Mann von hohem Status. Umgekehrt gilt das nicht.

Der Traum vom Prinzen ist ungebrochen, das alte Beuteschema noch immer brandaktuell, das zeigen Daten aus den USA. (…) Ein großzügig gefülltes Bankkonto kann die Abwesenheit einer juwelenbesetzten Krone kompensieren. Wie Rosemary Hopcroft von der University of North Carolina im Fachjournal Evolution and Human Behaviour berichtet, bleiben männliche Gutverdiener auf dem Partnermarkt die großen Gewinner.

Die Analyse der Daten von mehr als 55 000 US-Amerikanern zeigte, dass wohlhabende Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit heiraten und Kinder bekommen, sich seltener scheiden lassen und wenn doch, nach einer Scheidung rascher wieder eine neue Ehe eingehen als Geringverdiener. Am unteren Ende der sozialen Leiter bleibt Männern deutlich weniger Hoffnung auf die Liebe, sie frieren alleine im Schatten der solventen Prinzen über ihnen. Für Frauen zeigen die Daten einen gegenteiligen Zusammenhang. Ein höheres Einkommen stand in keinem Zusammenhang mit der Chance zu heiraten.

(…) "Gutes Einkommen und ein hoher Status haben für Frauen in der Partnersuche nach wie vor eine höhere Priorität als für Männer", fasst die Soziologin Hopcroft zusammen. Erst kürzlich legte ein internationales Forscherteam um Kathryn Walter von der University of California, Santa Barbara, eine Studie vor, die diesen unromantischen Zusammenhang belegte. Befragungen in 45 Ländern ergaben ein klares Bild: Frauen wünschen sich als langfristige Partner Männer von hohem Status mit guten finanziellen Aussichten; Männer verzehren sich hingegen nach Frauen, die mit Jugend und Schönheit gesegnet sind. Quer durch die Welt und auch in den progressiven Gesellschaften des Westens bleiben Partnerpräferenzen also konstant.

Verschärft wird die Situation in vielen Industriestaaten dadurch, dass Frauen dort die Männer in Sachen Bildungsabschlüsse überflügelt haben und selbst oft sehr gut verdienen. Als Nebeneffekt reduziert dies ihre Auswahl potenzieller Partner: Ihrem Beuteschema bleiben Frauen wohl treu, statt sich auf Partnersuche sozial abwärts zu orientieren.


Die Folge dieser Ausrichtungen ist klar: Ein Mann ist top-motiviert, auf der Karriereleiter hoch aufzusteigen, wenn er nicht einsam bleiben möchte. Für eine Frau besteht diese Motivation nicht.

Die Konsequenz daraus ist auch klar: In den enorm belastenden, aber auch mit einem hohen Status verbundenen Jobs findet man bei weitem mehr Männer als Frauen. Es ist nicht nötig, zur Erklärung irgendwelche zusätzliche Theorien wie "patriarchale Unterdrückung durch frauenhassende Kerle" hinzuzuziehen.

Allerdings sollte man diesen einfachen Zusammenhang nicht in einem Interview für die Frankfurter Allgemeine darlegen, von dem man noch nicht weiß, dass es ein Hit Piece werden soll. Wenn doch, steht in dem Artikel nämlich folgendes:

"Und auch wenn Hoffmann immer wieder betont, dass er für Männer und nicht gegen Frauen kämpfe, ist das weibliche Geschlecht in seinen Argumentationen ständig an allem schuld – selbst an der eigenen Benachteiligung. Männer würden sich ja auch deswegen mit 70-Stunden-Wochen an die Spitze ‘durchschuften’, um in das Beuteschema attraktiver Frauen zu fallen. ‘Bei Frauen ist es dagegen kein Statussymbol, beruflich erfolgreich zu sein. Deswegen arbeiten sie auch keine 60 Stunden in der Woche’, sagt er."


Das Problem mit unseren Leitmedien bleibt: Um als Frauenfeind mit wirren Theorien dargestellt zu werden, braucht man heutzutage nicht mehr zu tun, als den wissenschaftlichen Forschungsstand zu referieren. Ob man dabei Recht hat, ist vollkommen irrelevant.

Und dass Frauen hier diskriminiert werden gilt ohnehin als gesetzt. Schließlich schreiben das sämtliche relevanten Kollegen, da kann man nicht einfach das ernst nehmen, was jemand dazu schreibt, der sich 20 Jahre lang mit diesem Thema beschäftigt hat.



2. Bei den Grünen läuft alles auf Annalena Baerbock als Kanzlerinnenkandidatin zu:

Hinzu komme, dass es innerhalb der grünen Partei nur sehr schwer zu vermitteln wäre, wenn von zwei allseits als geeignet angesehenen Kandidaten der Mann den Vorzug vor der Frau bekäme. Bei den in der Feminismus-Bewegung der 80er-Jahre wurzelnden Grünen haben die Frauen bei Kandidatenaufstellungen traditionell das erste Zugriffsrecht auf den Listenplatz eins. Eine Nominierung Habecks, so befürchten Parteistrategen, könne die in den vergangenen Monaten und Jahren so sorgsam gepflegte Geschlossenheit der Partei gefährden.




3. Im Irak wurden junge Schwule als "Gefahr für die Sicherheit" festgenommen.



4. Eine erfreuliche Nachricht: Volvo möchte weltweit 24 Wochen bezahlte Elternzeit als Norm für alle etablieren: also auch für frischgebackene Väter.



Mittwoch, April 07, 2021

Arabischer Single spricht über Alltagsrassismus deutscher Frauen – News vom 7. April 2021

1. Im Magazin "jetzt" spricht ein Geflüchteter aus Syrien über seine Erfahrungen bei der Suche nach einer Partnerin:

„Ich finde in Deutschland einfach keine Freundin. Dabei bin ich ein geselliger Mensch. Ich habe Tanzkurse besucht und bin vor der Corona-Pandemie gerne in Clubs zum Salsa tanzen gegangen. Beim Tanzen habe ich immer wieder Signale von Frauen bekommen, die interessiert an mir waren. Ich habe an ihren Blicken gesehen, dass sie mich kennenlernen wollen. Das könnte daran liegen, dass ich ein bisschen aussehe wie ein Latino. Wenn ich dann aber erzählt habe, woher ich wirklich komme, war das Gespräch in der Regel schnell wieder vorbei. An einem Araber haben die meisten Frauen in Deutschland meiner Erfahrung nach kein Interesse."


Hier findet man den vollständigen Beitrag.



2. Die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit den Fallstricken der Gendersprache:

Die FU macht Naziopfer zu "J_üdinnen". Geschlechtergerechtigkeit muss erreicht werden, nicht ideologisiert. Aber bei Opfern der NS-Gewaltherrschaft zu gendern, ist geradezu zynisch.

(…) Es darf nie zur Normalität werden, dass Menschen, nachdem sie als Opfer des grauenvollsten Verbrechens der Geschichte in grösstmöglicher Weise geschändet worden sind, ohne ihr Wissen und Wollen abermals zum Teil einer Ideologie gemacht werden. Die in der Ihnestrasse 22 verscharrten Opfer mörderischer Rassisten haben eine würdige Bestattung und ein angemessenes Gedenken verdient. Wer diese Opfer aber instrumentalisiert, um sich selbst als Zelebrator*in der Gerechtigkeit zu präsentieren, schändet sie ein weiteres Mal.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



3. Harvey Weinstein will den Vergewaltigungsprozess gegen ihn neu aufrollen lassen. Seinen Anwälten zufolge sei ihm ein faires Verfahren verweigert worden.



4. Wie ich gestern über Twitter informiert wurde, hat sich die dänische Ärztekammer im November 2020 die Beschneidung von Jungen, wie sie bislang geschieht, für ethisch inakzeptabel erklärt:

Die dänische Ärztekammer ist der Meinung, dass die Beschneidung von Jungen ohne medizinische Indikation ethisch inakzeptabel ist, wenn der Eingriff ohne die informierte Zustimmung der Person, die den Eingriff vornimmt, durchgeführt wird. Die Beschneidung sollte daher nicht durchgeführt werden, bevor der Junge die Kompetenz erworben hat, den Eingriff selbst zu wählen.

Jeder chirurgische Eingriff birgt das Risiko von Komplikationen, und daher sollten chirurgische Eingriffe generell auf Situationen beschränkt werden, in denen sie wahrscheinlich einen Nutzen für die Gesundheit des Patienten haben. Die Ärztekammer glaubt nicht, dass es Beweise dafür gibt, dass die Beschneidung für die Gesundheit von Jungen vorteilhaft ist.

Die Beschneidung ist mit Schmerzen und Unbehagen für das beschnittene Kind verbunden. Die Ärztekammer ist der Meinung, dass medizinische Eingriffe, die für Minderjährige mit Schmerzen oder Unannehmlichkeiten verbunden sind, auf Situationen beschränkt werden sollten, in denen der Eingriff einen klaren gesundheitlichen Nutzen für die Person hat. Die Ärztekammer ist nicht der Meinung, dass ein solcher Nutzen nachgewiesen wurde.

Die Beschneidung von Jungen ist ein chirurgischer Eingriff, der die Anatomie des Jungen dauerhaft verändert. Es reduziert die Fähigkeit des Kindes, seinen eigenen Körper zu kontrollieren und seine kulturelle und religiöse Zugehörigkeit zu beeinflussen. Die dänische Ärztekammer ist daher der Meinung, dass es am ehesten mit dem Selbstbestimmungsrecht des Individuums übereinstimmt, dass die Entscheidung über die Beschneidung dem Individuum überlassen wird, sobald es die Volljährigkeit erreicht hat.


Hierzulande haben Politiker aller Parteien die Beschneidung von Jungen nach einem Urteil des Kölner Landgerichts, das Körperverletzung erkannte, durch ein Sondergesetz legitimiert. Bundeskanzlerin Merkel hatte erklärt, Deutschland mache sich zur "Komikernation", wenn man diese Körperverletzung untersage. Deutsche Leitmedien hatten weitgehend Beifall gespendet.



5. Unter dem gestern auf Genderama verlinkten neuen Artikel von Lucas Schoppe gibt es einen erwähnenswerten Meinungsaustausch. Lucas Schoppe selbst schreibt in einer Erklärung darüber, warum es längere Zeit keine neuen Beiträge von ihm gegeben hatte:

Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass es ohnehin keinen Sinn hat, gegen die weit überlegenen Ressourcen von SPIEGEL, Heinrich-Böll-Stiftung, Ministerien oder anderen Massenmedien anzuschreiben. Aber das finde ich nicht so wild: Es ist ein Unterschied, ob davon abweichende Perspektiven überhaupt zugänglich sind, auch wenn sie nicht mit denselben Ressourcen verbreitet werden können – oder ob es sie gar nicht mehr gibt.

Was daran aber deutlich wird, ist, wie wichtig es ist, wenn auch für eine inklusive Geschlechterpolitik Ressourcen zur Verfügung stehen.

Wer Väter aus der Beziehung zu ihren Kindern heraushalten möchte, findet über den Alleinerziehendenverband und andere Organisationen gute Möglichkeiten vor, die eigene Position zu verbreiten – und das womöglich gar auf einer eigens dafür geschaffenen beruflichen Position. Wer auf die Bedeutung beider Eltern für Kinder hinweisen möchte, muss das hingegen in seiner Freizeit, auf eigene Kosten und mit weit unterlegenen Bordmitteln tun.

Eben deshalb wären die 400.000 Euro für das Forum Soziale Inklusion auch wichtig, auch wenn sie im Vergleich zu dem Geld, dass allein der VAMV bekommt, sehr wenig sind. Aber hier hätten Akteure, die Interessen von Männern und Jungen vertreten und mit denen von Frauen und Mädchen vermitteln möchten, zum ersten Mal so etwas wie eine kleine Fighting Chance.

Eben deshalb wird die Auszahlung wohl auch so bekämpft und verschleppt. Und nicht deshalb, weil das Forum Soziale Inklusion eine Bande von Frauenfeinden wäre – daran glauben die Leute, die so reden, Gesterkamp, Kemper etc., vermutlich selbst nicht.

Bei den Ressourcen, die eingesetzt werden könnten, wüsste ich dann auch gern bei Gelegenheit mal, warum für einen Text wie die Spiegel-Titelgeschichte eigentlich vier Leute nötig waren. Sämtliche Informationen sind allen, die sich mit den Themen beschäftigen, längst bekannt – und falls nicht, sind sie an einem Nachmittag bequem zu ergoogeln. Wenn noch dazu, wie hier, das Gegenchecken von Informationen entfällt, könnte ein Mensch, der nichts anderes zu tun hat, solch einen Text wie die Spiegel-Titelgeschichte eigentlich bequem an einem Wochenende allein schreiben.

Lediglich die Umfrage im Bundestag ist eine neue Information, und diese Umfrage ist unter diesen Bedingungen ein Misserfolg. Zum Vergleich: Ich habe mal an einer großen Schule eine Evaluation eines Unterrichtsmodells gemacht und dazu ziemlich umfangreiche Fragebögen an die Lehrkräfte ausgegeben. Die Rücklaufquote war schließlich bei 100%. Das ist durchaus möglich, wenn das Sample auf einen begrenzten Raum (wie eine Schule oder ein Parlament) beschränkt ist, in dem problemlos wiederholt nachgefragt werden kann – und wenn das Thema für die Beteiligten wirklich wichtig ist.

Beim Spiegel kam sogar noch etwas hinzu: Alle konnten davon ausgehen, dass ihre Anliegen – wenn sie die denn haben – in einer der größten und wichtigsten Publikationen des Landes verbreitet und unterstützt werden.

Angesichts dieser Voraussetzungen finde ich die Rückläuferquote so schwach, dass im Text zumindest irgendeine Erklärung dafür formuliert werden sollte. Sie ist z.B. so schwach, dass es als Erklärung nicht ausreicht, auf die erwartbar mangelnde Beteiligung der AfD zu verweisen. Der Schluss ist nicht von der Hand zu weisen, dass womöglich für viele Frauen im Bundestag das Problem nicht so groß ist, wie es im Spiegel dargestellt wird.

Unter den gegebenen Bedingungen jedenfalls ist eine demokratische Öffentlichkeit eine Frage von Ressourcen. Schlimmer noch: Diejenigen, die überlegene Ressourcen haben, nutzen die nicht nur für die Präsentation ihrer eigenen Positionen – sondern sie stigmatisieren auch die Positionen derjenigen, die weniger Ressourcen haben. Was dann wiederum die ungleich verteilten Ressourcen legitimiert.

Es wäre sehr wichtig, wenn diese Erstarrung zumindest ein wenig gelöst werden könnte. Aber es wird auch verständlich, warum es Akteure gibt, die viel tun, um eben das zu verhindern.


Der Leser "motu" kommentiert:

Na ja, vielleicht ändert sich doch mal was? Ein Beispiel dazu: In meiner Heimatgemeinde existiert nicht nur ein Frauenhaus, sondern seit einiger Zeit auch ein Männerhaus. An Nachfrage mangelt es nicht, im Gegenteil, man verwaltet den Mangel. Frauengewalt existiert eben auch, manchmal aber ist die Erscheinungsform weniger körperlich.

Das ganze ist so revolutionär wie die Frauenhäuser vor mehreren Jahrzehnten, anfänglich genauso belächelt.

Dass das Problem Gewalt in der Partnerschaft universell ist, wird sich auf Dauer nicht mehr wegdiskutieren lassen, die Verbreitung dieser Erkenntnis wird aber noch dauern.


Der Leser und Blogger "mitm" ist skeptischer:

Ich hatte mich über die Jahreswende ausführlicher mit der Rolle und Macht der Medien in unserer Demokratie befasst und bin dabei immer depressiver geworden, was unsere Demokratie bzw. die Illusion von einer Herrschaft des Volks betrifft: Die Medien sind nicht die 4. Macht im Staat, sondern die erste. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer hat vollkommen recht mit seiner These, dass sich Politiker den Funktionslogiken (und Türhütern) der Massenmedien unterwerfen müssen. Reporter in reichweitenstarken Medien, namentlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, werden zu Schiedsrichtern über Personen und Programme oder selber zu politischen Aktivisten, die praktischerweise auch gleich die öffentliche Beurteilung ihrer eigenen Vorschläge vorgeben dürfen.

Der Feminismus hat es geschafft, diese mediale Machtelite komplett zu unterwandern. Man kann die dadurch herrschende Ideologie und ihren Hass auf Männer nicht mehr argumentativ bekämpfen, dazu bräuchte man einen fairen Debattenraum. Den werden wir so schnell nicht bekommen. Die etablierten Journaktivisten nutzen ihren Einfluss, um missliebige Meinungskonkurrenz auszuschalten und die eigene Hegemonie abzusichern.


"Martin" schließlich merkt an:

Beim medial zelebrierten "Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit" ist ein wichtiger, aber oft unbemerkter Faktor, dass hier popkulturell verbreitete Muster wiederholt werden. Vielleicht finden diese eben eine solche Resonanz, weil wir sie aus unzähligen Filmen kennen und sie unseren Sehgewohnheiten entsprechen. Besonders deutlich in "Der Herr der Ringe", wo Mordor ja wirklich ein dunkles Reich des Bösen ist, beherrscht vom bösen Sauron. Die guten, angeführt von Gandalf, auf einem weißen Ross stoßen ja wirklich aus dem strahlenden Licht in den gerechten Kampf. Mir scheint, das solche medialen Spektakel eine tiefe Sehnsucht nach einem Bösen nähren, das man bekämpfen kann, aber das sich doch kaum unterkriegen lässt. Das perpetuiert sich allsonntäglich im "Tatort", wenn hier auch meist schon komplexer, weil die Ermittler, die sich mit dem Mörder ein Duell liefern, oft einen Teil des Bösen in sich tragen.

Deutlich hat man die Sehnsucht nach dem Bösen ja auch in der oft fantastisch dämonisierten und enthumanisierten Darstellung von Trump und Putin, die wie Sauron im Repertoire der Mainstream-Medien als Masken den absoluten Bösen herhalten müssen. Alle möglichen Missstände, Probleme und Konflikte lassen sich an solchen Personifikationen des Bösen festmachen und externalisieren. Viele Leitmedien leiden ja momentan unter einbrechender Nachfrage, weil mit Trump ein Oberbösewicht von der Bühne getreten ist. Ich habe den Eindruck, dass damit eine Art Mangel am Bösen entstanden ist, für den nun Ersatz benötigt wird.

Ich glaube, dieses Verlangen nach einem greifbaren Feind macht es erst möglich, dass eine relativ kleine Organisation wie das Forum Soziale Inklusion so einen Hass von so vielen größeren und kleineren medialen Akteuren auf sich ziehen kann (meine Twitter-Timeline war voll davon). Die meisten Medienkonsumenten hätten von dieser Organisation ja sonst kaum etwas mitbekommen. Dazu kommt noch ein Sehnsucht nach dem Duell, wo zwei in etwa gleich starke Gegner miteinander ringen wie Frodo und Sauron. Das Forum Soziale Inklusion erscheint so als Agent finsterer Mächte, die endlich einmal eine erkennbare Gestalt annehmen und bekämpft werden können.




Dienstag, April 06, 2021

Erste Frau an Spitze von Dax-Konzern ist gegen die Quote – News vom 6. April 2021

1. Belén Garijo wird im Mai Vorstandschefin des Chemie- und Pharmakonzerns Merck und damit die erste Frau, die allein ein Dax-Unternehmen führt. Von gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquoten in der Wirtschaft hält sie nichts:

"Ich bin gegen jede Art von Diskriminierung, und das schließt positive Diskriminierung mit ein", sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. (…) "Ich glaube nicht, dass ich etwas getan habe, um eine Übermacht von deutschen Männern zu brechen", sagte Garijo dem Blatt. "Was ich mein ganzes Leben lang getan habe, war, hart zu arbeiten und Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich geboten haben."


Seltsam: Genau das höre ich immer wieder von Frauen, die beruflich erfolgreich sind.



2. In einem Beitrag darüber, wie Herkunft die Jobchancen beeinflusst, kommt das Statistiker-Blog auch auf die unterschiedlichen Chancen von Frauen und Männern bei der Bewerbung um eine Stelle zu sprechen:

Heißen Sie also Julia, Margarete oder Sophie, dann haben Sie gewonnen und liegen noch vor Elena, Adorata oder Donatella, sprich Frauen aus anderen europäischen Ländern. Es folgen deutsche Männer, wobei die Studie den Geschlechtereffekt nicht nach Herkunft aufgliedert. Aber der negative Effekt des männlichen Geschlechts überwiegt den einer Herkunft aus einem anderen europäischen Land. Er ist allerdings etwas schwächer als der Malus den es bedeutet, vermeintlich aus Asien zu stammen.




3. Lucas Schoppe untersucht in einem aktuellen, sehr lesenswerten Beitrag, "wie man sich eine Hassmaschine bastelt":

Am Ende des vergangenen Jahres berichteten Spiegel, taz und Neues Deutschland empört über einen Beschluss des deutschen Bundestags: Aus den Mitteln des Familienministeriums wurden für Forum Soziale Inklusion 400.000 Euro bereitgestellt.

Das FSI setzt sich dafür ein, in der Geschlechterpolitik auch auf Nöte von Männern und Jungen zu achten und Anliegen von Männern und Frauen im Zusammenhang miteinander zu betrachten, nicht als Gegensätze. Familien, auch Trennungsfamilien, seien beispielsweise als gemeinsames System zu verstehen. Beim Nullsummenspiel zwischen Vätern und Müttern hingegen, bei dem eine Seite nur gewinnen kann, wenn die andere verliert – verlieren in jedem Fall die Kinder.

Spiegel, taz und Neues Deutschland stellen das Forum Soziale Inklusion deshalb als "antifeministisch" hin. Dass sie damit kein soderlich günstiges Bild vom Feminismus zeichnen, entgeht ihnen allerdings. Für die grüne "Heinrich Böll Stiftung", die jährlich mit etwa 70 Millionen Euro aus Steuermitteln finanziert wird, unterstellt Thomas Gesterkamp dem Forum schlankweg Betrugsabsichten:

"Systematische Täuschung und das Provozieren von Verwechselungen gehören zum maskulinistischen Kalkül."

Obwohl die Anschuldigung erheblich ist, liefert Gesterkamp dafür keine Belege. Er kennt das Forum Soziale Inklusion nicht näher und hat niemals ein Gespräch mit dessen Verantwortlichen geführt. Der Vorwurf der "Täuschung" basiert daher bloß darauf, dass die Positionen des Vereins mit seinen Vormeinungen nicht übereinstimmen. Die grüne Stiftung agiert hier ganz wie ein kürzlich abgewählter amerikanischer Präsident, der lauthals "Täuschung" und "Betrug" beklagt, wenn die Welt anders ist, als er sie sich vorgestellt hat.

Das Familienministerium hat derweil bis heute das Geld für das Forum Soziale Inklusion nicht ausgezahlt. Aktiv wurde es lediglich, als es wenige Tage nach der Bundestagsentscheidung noch schnell noch seine Förderrichtlinien änderte. Auf Informationsersuchen des FSI antwortet es bis heute ausweichend.

So hintertreibt ein Ministerium eine demokratische Entscheidung des gewählten Parlaments mit dem bewährten Mittel der administrativen Verschleppung. Anstatt wiederum ihre Aufgabe als Opposition zu erfüllen und die Rechte des Parlaments gegenüber der Regierung zu behaupten, orchestrieren die Grünen dieses Regierungshandeln auch noch, ihrerseits mit öffentlichen Mitteln. Anstatt schließlich dieses undemokratische Agieren von Regierung und Opposition zu analysieren, übernehmen Medien die grüne Darstellung ungeprüft. All dies auf Kosten einer kleinen NGO.


Hier geht es weiter.



4. Wolfgang Thierse rudert nach der überbordenden Krtik gegen ihn in Sachen Identitätspolitik zurück:

Im Interview mit dem "Tagesspiegel" sagte der SPD-Politiker zum Thema Gendern: "Ich wünsche mir, dass man dem 'gemeinen Volk' ein bisschen Zeit lässt." Viele Befürchtungen diskriminierter Gruppen in Deutschland seien zutreffend. "Ich habe nicht gesagt, dass die Gesellschaft schon friedlich wäre", sagte Thierse der Zeitung. Aber: "Wer in einer Demokratie etwas für Minderheiten erreichen will, muss dafür Mehrheiten gewinnen." Das gehe laut Thierse nur unter einer Voraussetzung: "Ich wünsche mir aufmerksame Lernbereitschaft bei Mehrheiten und unaggressive Erklärbereitschaft bei Minderheiten."


Der Mehrheit des "gemeinen Volkes" muss also von der Elite nur geduldiger erklärt werden, warum diese Elite selbstverständlich richtig liegt.



5. Die geschlechterpolitische NGO Manndat äußert sich zu den Diffamierungen durch die Amadeu-Antonio-Stiftung, deren Schirmherr Wolfgang Thierse ist.



6. In mehr als 150 Massakern, die im Rahmen des Tigray-Konflikts in Ostafrika begangen wurden, sind fast 2000 Menschen umgebracht worden. Wie der britische Guardian berichtet, sind die Opfer zu über 90 Prozent männlich. In einem weiteren Artikel über die Greuel berichtet ein Augenzeuge, dass alle Jungen ab dem Alter von vier Jahren umgebracht werden sollten.



7. Einer Schlagzeile des Schweizer SRF zufolge haben die Vereinten Nationen Gewalt an Frauen und Kindern in Burma einstimmig verurteilt. Tatsächlich prangerten die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrat den "Tod von hunderten Zivilisten, unter ihnen Frauen und Kinder" an. Die Ermordung von Männern wurde also immerhin implizit mit verurteilt, obwohl sie natürlich keine hervorgehobene Erwähnung wert scheint. Nicht nur bei Bewerbungen auf eine Stelle, auch bei Toten gibt es eine klare geschlechtsabhängige Rangfolge im vermeintlichen Patriarchat.



Freitag, April 02, 2021

Flüchtlingsrat warnt: "Wir ignorieren die Verletzbarkeit von Männern und Jungen"

Die Männerrechtsbewegung (Maskulismus) ist eine Bürger- und Menschenrechtsbewegung. Wer meine Website und meine Bücher kennt, weiß, dass Menschenrechte auch für mich persönlich ein wichtiges Anliegen sind. Leider kommt dieses Thema ausgerechnet auf Genderama oft zu kurz, weil dieses Blog eine Presse- beziehungsweise Medienschau ist und es in unseren Leitmedien kaum Artikel über Männer als Opfer von Menschenrechtsverletzungen gibt, auf die ich mich beziehen kann.

Ich habe deshalb beschlossen, die Übersetzung eines aktuellen maskulistischen Appells des Norwegischen Flüchtlingsrats hervorzuheben und ihr mehr Gewicht zu verleihen, indem ich sie über das Osterwochenende hier stehen lasse. Ich rechne an den Feiertagen ohnehin nicht mit einer Lawine geschlechterpolitischer Meldungen. Allerdings bin ich immer noch auf Wacht und wenn es entgegen meinen Erwartungen in dieser Zeit erwähnenswerte Nachrichten gibt, werde ich sie nach Ostern hier zusammenstellen.



Weiter geht es mit dem Appell des Norwegischen Flüchtlingsrat, sich auch dem bislang übergangene Leiden männlicher Personen in der Zukunft stärker zu widmen.



Die lückenhafte Aufmerksamkeit, die heranwachsenden Jungen und Männern zuteil wird, hat es nicht erlaubt, die geschlechtsspezifischen Auswirkungen zu verstehen, die eine Krise auf sie hat. Wir müssen unsere Vorstellung davon, wer die Betroffenen sein sollten, erweitern, schreibt Delphine Brun, leitende GenCap-Beraterin im Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Kamerun.

Jedes Jahr beleuchten Anlässe wie der Internationale Frauentag zu Recht die strukturellen geschlechtsspezifischen Diskriminierungen, die Mädchen und Frauen erleiden und die sich in Krisenzeiten noch verschärfen.

In den Regionen im Nord- und Südwesten Kameruns, wo die sozio-politische Krise, die nun in ihr fünftes Jahr geht, zur Vertreibung von über 700.000 Menschen geführt hat, kämpfen Frauen und Mädchen darum, über die Runden zu kommen, sind mit Gewalt konfrontiert und haben oft keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung. Mit der Tötung oder Vertreibung ihrer Ehemänner müssen sie sich oft in einer entmutigenden neuen Realität zurechtfinden, in der alle Verantwortung auf ihren Schultern liegt.




[Zugegeben, diese Passage ist noch unglücklich formuliert und erinnert an Hillary Clintons berüchtigtes Bonmot, dem zufolge Frauen "die ersten Opfer von Kriegen" seien, weil ihre Männer dabei umgebracht werden. Der Norwegische Flüchtlingsrat bemüht sich erkennbar, auch die Menschen zu erreichen, die bislang nur weibliche Opfer als aufmerksamkeitswürdig betrachten. – A.H.]



Während es unbestritten notwendig ist, dass die humanitäre Hilfe sich mit den Risiken für Frauen und Mädchen befasst, hat die lückenhafte Aufmerksamkeit, die heranwachsenden Jungen und Männern geschenkt wurde, kein Verständnis für die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Krise auf sie ermöglicht.



Wie ist es, ein junger Mann zu sein, der von einer Krise betroffen ist?

Heranwachsende Jungen und Männer sind spezifischen Bedrohungen und Umständen ausgesetzt, die sie verwundbar machen. Die Analyse von Schutzvorfällen in der Südwest-Region zeigt, dass Mädchen und Frauen zwar einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind. Aber mehr als neun von zehn Personen, die willkürlichen Verhaftungen, Schlägen, illegaler Inhaftierung, Folter, Entführung, außergerichtlichen Hinrichtungen und Verschwindenlassen ausgesetzt sind, sind Männer.

Ein Mann oder ein Junge zu sein bedeutet auch, gezielten bewaffneten Angriffen stärker ausgesetzt zu sein, mit einem größeren Risiko, verletzt oder getötet zu werden, was direkt mit dem Konflikt zusammenhängt. Diese besondere Gefährdung erklärt sich aus den spezifischen Formen der Diskriminierung, Belästigung und Gewalt, denen sie ausgesetzt sind, sowohl von Seiten der Militärbehörden als auch von Seiten der nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen. Da es Männer sind, von denen erwartet wird, dass sie kämpfen, sind sie es auch, die von beiden Parteien als Bedrohung wahrgenommen werden.

"Als sich die Krise in einen bewaffneten Konflikt verwandelte, war die Jugend eine Zielscheibe für die Separatisten, die wollten, dass wir uns der Gruppe anschließen. Gleichzeitig konnten sich die Militärs nicht vorstellen, dass ein junger Mann neutral sein könnte. Frauen und Mädchen waren diesem Verdacht nicht ausgesetzt, da sie nicht als Kämpfer angesehen wurden. Alle jungen Männer mussten fliehen", erklärt Firmin, ein 24-jähriger Mann, der in Yaoundé Zuflucht suchte.

Da sie oft als Hauptverdächtige beschuldigt werden, wenn eine Partei angegriffen und verletzt wird, ist jeder Versuch, eine neutrale Haltung einzunehmen, zum Scheitern verurteilt: Keine Informationen zu geben, wird als Zeichen der Mittäterschaft gedeutet. Sie zu offenbaren, mit den damit verbundenen Risiken von Vergeltungsmaßnahmen, verringert die Unsicherheit in keiner Weise: "Es gibt keine sichere Position, die man einnehmen kann", ergänzt Firmin.

Verschärft wird diese vorherrschende Atmosphäre der Unsicherheit durch die Tatsache, dass viele Menschen keine Identitätsdokumente haben, weil diese Dokumente verloren, eingezogen oder zerstört wurden. Während es Frauen und Mädchen in der Regel gelingt, sich zu bewegen und Kontrollpunkte zu passieren, ohne die richtigen Dokumente bei sich zu haben, sind Männer und Jungen einem enormen Risiko ausgesetzt, verhaftet zu werden.

Gefangen in einer Spirale der Angst, hat die männliche Bevölkerung, die nicht geflohen ist, ihr wirtschaftliches und soziales Leben oft auf das absolute Minimum reduziert, schränkt sich in ihrer Bewegungsfreiheit ein und meidet Zusammenkünfte. Jungen und Männer müssen zu jeder Zeit auf der Hut sein. Sie können nicht mehr frei sprechen, weil sie befürchten, von Spionen des Militärs oder separatistischer Gruppen denunziert zu werden, was zu Entführungen führen könnte. Sich fortzubewegen, um das notwendige Einkommen zu erzielen, das es ihnen erlaubt, die gesellschaftlich erwartete Rolle des Versorgers für die Familie zu spielen, ist oft unmöglich gemacht worden.

Für die jüngeren Männer und Jungen gehen der Verlust der Arbeit und die zunehmende Armut oft mit Angriffen auf die Bildung einher, was ihre Isolation und Perspektivlosigkeit weiter verstärkt.

Wenn Verwundbarkeit sowohl durch die äußeren Bedrohungen, die ein bestimmtes Umfeld charakterisieren, als auch durch die Bewältigungskapazitäten derjenigen, die dieses Umfeld erleben, definiert wird, können heranwachsende Jungen und Männer eindeutig als eine verwundbare Gruppe bezeichnet werden.



"Du bist nicht Manns genug, um für deine Familie zu sorgen"

Da keine unmittelbare Lösung für die anhaltende Krise absehbar ist, fühlen sich heranwachsende Jungen und Männer der Kontrolle über ihr Leben und ihre Zukunft beraubt: Fehlende Papiere, eingeschränkte Mobilität, Stigmatisierung, gezielte Gewalt, fehlende Arbeit und Einkommen tragen zu einem Gefühl der Hilflosigkeit bei, einem hohen Maß an Angst, Stress, Frustration und Wut und letztlich zu einem Verlust des Selbstwertgefühls. Emotionen können aufgrund der vorherrschenden Ansicht, dass ein echter Mann zu sein bedeutet, hart zu sein und keine Angst oder Traurigkeit zu zeigen, im Inneren verschlossen bleiben.



Anpassung an eine feindliche Realität: Verschiebungen in den Geschlechterrollen und -beziehungen

Männer wenden unterschiedliche Strategien an, um mit der Situation fertig zu werden. Während viele in andere Regionen geflohen sind, entscheiden sich einige, sich den nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen anzuschließen, auch wenn sie sich nicht zu deren Sache bekennen, um Geld zu bekommen und ihre Familien unter den Schutz der Gruppe zu stellen.

Andere, die zuvor als Cash-Crop-Farmer gearbeitet haben, entscheiden sich für Tätigkeiten, die vor der Krise die Domäne der Frauen waren, wie z.B. den Anbau von Nahrungsmitteln.

Aus Angst, entführt zu werden, bleiben viele Jungen und Männer, vor allem die jüngeren, zu Hause und geben sich der Unbeweglichkeit hin. Um ihrer Frau mehr Zeit für die Arbeit außerhalb des Hauses zu geben, übernehmen einige von ihnen zunehmend eine pflegende und häusliche Rolle und engagieren sich in diesen gesellschaftlich abgewerteten und oft unsichtbaren Aufgaben, die bisher die Domäne von Mädchen und Frauen waren.

Weil "Frauen dorthin gehen können, wo früher die Männer hingingen", schicken sie auch ihre Ehefrauen, um humanitäre Hilfe zu erhalten.

Aufgrund des demographischen Ungleichgewichts, das der Konflikt geschaffen hat, mit vielen toten, versteckten oder ins Exil gezwungenen Männern, spielen Frauen ihrerseits die Rolle des Haushaltsvorstands und Versorgers der Familie. Sie haben eine Reihe von wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten übernommen, die früher von Männern ausgeübt wurden, was zu einer hohen Arbeitsbelastung führte. Einige haben sich auf riskante Aktivitäten eingelassen, wie das Überqueren von Grenzen als Spione oder um Schmuggelware zu kaufen. Sie sind nun diejenigen, die die Gräber ausheben und die Leichen begraben.

Positiv ist, dass der Konflikt den Frauen auch einen Raum eröffnet hat, in dem sie eine größere Rolle in der Öffentlichkeit spielen, für den Frieden mobilisieren und mehr Mitspracherecht bei Entscheidungen in der Gemeinschaft haben. Aber diese gestiegenen wirtschaftlichen und sozialen Rollen sind nicht immer gleichbedeutend mit echtem Empowerment.



Erweiterung unseres Blicks auf die Personen, um die wir uns kümmern sollten

Die Untersuchung der Zusammenhänge und Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen in krisenbetroffenen Gemeinschaften zwingt uns zu der Erkenntnis, dass die Nichtbeachtung der Verletzlichkeit und der Bedürfnisse von heranwachsenden Jungen und Männern direkte oder indirekte negative Auswirkungen auf andere Gruppen hat. Wenn Männer verhaftet, getötet oder ins Exil gezwungen werden, werden auch Frauen zu Opfern, da sie mehr Last und Verantwortung tragen und mehr Tätigkeiten an vorderster Front ausüben müssen, die ihre eigene Sicherheit gefährden.




[Auch diese Formulierung ist unglücklich: Man hat hier ein wenig den Eindruck, man müsse argumentativ begründen, dass das Leiden von Männern und Jungen Relevanz hat, indem man erklärt, dass es sich auf das Wohlergehen von Frauen auswirkt. Selbst in einen solchen insgesamt aufrüttelnden Beitrag wirkt also der Gender Empathy Gap hinein. – A.H.]



Ebenso beeinträchtigen Perspektivlosigkeit und die Unfähigkeit, den dominanten und doch unerreichbaren Männlichkeitsmodellen zu entsprechen, das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl der männlichen Bevölkerung. Sie erzeugt Frustration, Wut und Müßiggang, was oft zu Süchten und psychischen Erkrankungen führt, die wiederum Schutzrisiken für die breitere Gemeinschaft schaffen oder verschlimmern können. Es gibt Belege dafür, dass die Notlage der Männer die Spannungen erhöht, die zu einem deutlichen Anstieg der häuslichen Gewalt führen.

Wenn man die verheerenden Auswirkungen der Krise auf Jungen und Männer in Bezug auf Schutz, sozioökonomisches Wohlergehen und Identität nicht angemessen anerkennt, ist es nicht möglich, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und wie sich dies auf die breitere Gemeinschaft auswirkt.

Die geschlechtsspezifische Dimension von Konflikten, einschließlich eines Verständnisses dafür, wie das Leben von Männern, Frauen, Mädchen und Jungen interagiert und wie sich ihre Bedürfnisse und Realitäten gegenseitig beeinflussen, muss analysiert werden, um Antworten zu entwickeln, die wirklich evidenzbasiert, inklusiv und bedarfsgerecht sind.




Donnerstag, April 01, 2021

Grüne: Aufruf gegen Cancel Culture – News vom 1. April 2021

1. Es klingt ein bisschen wie ein Aprilscherz und ein bisschen auch nach "Mann beißt Hund": Ausgerechnet 30 Grüne wenden sich gegen linke Identitätspolitik und die Cancel Culture – die in der "taz", die Männerrechtlern bekanntlich immer eine Stimme gibt, nur "vermeintliche" Cancel Culture heißen darf. Der einzig wirklich bekannte Grüne in dieser Liste ist indes der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der in seiner Partei nicht zuletzt wegen seiner Begeisterung für die (Meinungs-)Freiheit als Enbfant Terrible und Störfaktor gilt.

Dass der verlinkte "taz"-Artikel kritisch bis abfällig mit einer Forderung umgeht, "Kunstfreiheit und eine offene Debattenkultur, auch an unseren Universitäten und in unseren Kultureinrichtungen" zu errichten, war zu erwarten. Es bleibt ein Akt der Rebellion, wenn es im grünen Lager plötzlich heißt: "Wir wollen keine selbsternannte Avantgarde, die allen vorschreibt, was übersetzt, gemalt oder geschrieben werden darf. Nicht, wer etwas sagt, sondern was gesagt wird, muss der Maßstab in unseren Auseinandersetzungen sein."



2.
Darf das Jobcenter erfahren, wer der Kindsvater ist? Ja, wenn es um den Bezug von Sozialleistungen geht, befand ein Gericht. Dann muss die Mutter ihn nennen, auch wenn es andere Absprachen gab. In diesem Fall zu einer privaten Samenspende.


N-tv berichtet.

Der Leser, der mich auf diesen Artikel aufmerksam machte, schreibt mir dazu:

Der Fall hat meiner Meinung nach zwei Aspekte:

- einerseits die Dreistigkeit (egal ob der Mutter oder beider Eltern), der Allgemeinheit die Kosten für den Nachwuchs aufs Auge zu drücken

- andererseits als Warnung für Väter, dass sie mit "Vereinbarungen" - wenig überraschend - spätestens beim Jobcenter ein Problem kriegen werden.




3. Mehr Post. Ein anderer meiner Leser schreibt mir:

Hallo Arne,

bezüglich der Entscheidung zu dem AstraZeneca Impfstoff habe ich den Eindruck, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen soll, dass Frauen diskriminiert werden, selbst wenn das Menschenleben kostet.

29 von 31 Fällen bei denen Thrombosen auftraten waren Frauen. Das bedeutet, dass bei Männern nicht mehr Thrombosen auftraten als ohne Impfung. Trotzdem werden jetzt auch Männer unter 60 nicht mehr damit geimpft. Gleichbehandlung um jeden Preis? Mich wundert, dass das noch keinem aufgefallen ist.




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