Dienstag, Mai 26, 2020

Bayern: Rentner knipst Hüpfburg und wird als Sexualgefährder erfasst – News vom 26. Mai 2020

1.
"Es begann harmlos mit den Tücken der modernen Technik und endete für einen 78-jährigen Rentner mit einer erkennungsdienstlichen Behandlung, einer Speichelabgabe für eine DNA-Analyse und der polizeilich gespeicherten Einschätzung, er könne sexuelle Interessen gegenüber Kindern haben." Mit diesen Worten fasst der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri einen speziellen Fall fehlgeleiteter Strafverfolgung in seinem Tätigkeitsbericht 2019 zusammen.


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2. Der Gymnasiallehrer und maskulistische Blogger Lucas Schoppe blickt zurück:

Vor knapp zwei Wochen hat das Video Männerwelten neue Diskussionen über sexuelle Belästigungen ausgelöst. Was bleibt davon, über die Empörung hinaus?


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3. Mit dem entnervenden Gender-Kauderwelsch in der Talkshow "Anne Will" beschäftigt sich inzwischen auch die Bild-Zeitung.

Als Bonus ein Selbsttest für alle Genderama-Leser: Wie heißt es richtig?



4. Clementine Ford wird auch nach ihrer öffentlichen Erklärung, der Coronavirus töte Männer nicht schnell genug, ihre öffentlichen Zuschüsse behalten. Es dürfte auch niemand etwas anderes erwartet haben. Hätte irgendein Männerrechtler, ein Icel ein Video-Gamer oder irgendeine andere als vorwiegend männlich markierte Gruppe behauptet, Corona töte frauen nicht schnell genug, würde das noch die nächsten 50 Jahre von der Amadeo-Antonio-Stiftung bis zu einer Phalanx der Leitmedien von "taz" bis FAZ als Beleg genommen, wie abscheulich und menschenverachtend diese Gruppe wäre. Beim Feminismus gibt es kurz eine Welle der Empörung, und danach geht alles weiter wie gewohnt.



5. Bester Beleg dafür, dass in unserem "Patriarchat" verbale und körperliche Gewalt gegen Männer in keiner Weise negative Folgen nach sich zieht: Amber Heard wird jetzt als eine der Frauen gewürdigt, die einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft haben. Das geschieht in einer "Women-Make-Cinema"-Kampagne, die von der Kosmetikfirma L'Oreal und dem Canne-Filmfestival geführt wird.

In einem Instagram-Post am Montag sprach L'Oreal darüber, wie Heard "hervorhebt, dass die innere Schönheit einer Frau das ist, was wir am meisten schätzen sollten". Der Beitrag enthielt ein Foto der Schauspielerin zusammen mit einem Zitat aus einer früheren Erklärung, in der sie ihre Hoffnung teilte, dass Frauen ernst genommen werden sollten.

"Ich würde gerne sehen, dass Frauen in der Lage sind, mächtig, klug, meinungsstark und ernst genommen zu werden, auch wenn sie schön sind. Mehr noch, ich würde gerne sehen, dass Frauen an andere Maßstäbe angelegt werden als die oberflächlichen, an die wir gebunden sind", heißt es in dem Zitat.

Das Posting kam bei Netizens nicht gut an, die angesichts der jüngsten Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen Heard die Entscheidung der Marke ablehnen, Heard in die Kampagne aufzunehmen. Ein Netizen nannte es eine "ekelhafte Entscheidung" und ein anderer schrieb: "Was für eine Schande. Ich werde Ihre Produkte nie wieder kaufen".

In den meisten Kommentaren wurde der Boykott von L'Oreal-Produkten erwähnt, weil die Marke eine mutmaßliche Gewalttäterin als Sprecherin und Vorbild für Frauen auswählt.

"Sie diskreditierte misshandelte Frauen, nur um einige Millionen auf ihrem Bankkonto zu haben. Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen einer Marke wie L'Oreal Paris, die Frauen empowern soll? Ich werde Ihnen nicht folgen und nie wieder Ihre Produkte kaufen", schrieb ein User, und ein anderer fügte hinzu: "Es reicht. Ich boykottiere offiziell die Produkte von L'Oréal. Ich werde Ihre Produkte ignorieren, genauso wie Sie sich entscheiden, ihr missbräuchliches Verhalten zu übergehen".

L'Oreal hat Heard trotz Online-Petitionen immer noch nicht als Sprecherin entfernt, ebenso wie Warner Bros. immer noch nicht auf die Bitten um ihre Entfernung aus "Aquaman 2" reagiert hat. Trotz zirkulierender Berichte, die aufzeigen, dass Heard Johnny Depp während ihrer Ehe misshandelt hat, bleiben beide Parteien der Schauspielerin treu, was Netizens verärgert, die Gerechtigkeit für den Star von "Pirates of the Caribbean" suchen.




6. Schon ein paar Monate alt, aber ich hatte noch nicht darüber berichtet und finde es relevant: Eine schwedische Journalistin wurde zu einer Strafe von mehreren tausend Kronen wegen einer Beschuldigung verurteilt, die in Schweden die MeToo-Bewegung auslöste. Darüber berichtet die schwedische Tageszeitung "The Local". Dieses Urteil erging nicht, weil es sich bei den Behauptungen der Journalistin nachweislich um eine Falschbeschuldigung handelte, sondern weil sie für ihre Anschuldigungen die sozialen Medien als Gerichtshof wählte:

Das Stockholmer Bezirksgericht befand am Montag die Journalistin Cissi Wallin der schweren Verleumdung gegen Fredrik Virtanen, ebenfalls Journalist, für schuldig, nachdem sie 2017 in sozialen Medien gepostet hatte, Virtanen habe sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt - Behauptungen, die er stets bestritten hat.

(...) Das Gericht sagte (...), dass Wallin ihrer Familie und der Polizei von dem angeblichen Vorfall hätte berichten können, ohne ihn mit ihrer großen Gefolgschaft in den sozialen Medien zu teilen. Das Gericht stellte fest, dass sie die Behauptungen stattdessen in einer Reihe von Postings auf Instagram und Facebook aufgestellt hatte, die zwischen etwa 2.000 und 37.000 Likes erhielten, und sagte, dass Virtanens Möglichkeiten, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen, "begrenzt" gewesen seien

Das Gericht verurteilte Wallin zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 5.000 Kronen und verurteilte sie zur Zahlung von 90.000 Kronen (8.542 Euro) Schadenersatz an Virtanen.

"Das zeigt klar, dass wir im Internet nicht einfach schreiben können, was uns verdammt noch mal gefällt. Ich freue mich über das Urteil. Möglicherweise kann mein Leben nach den schlimmsten zwei Jahren meines Lebens und des Lebens meiner Familie nun weitergehen", schrieb Virtanen am Montagnachmittag in seinem Blog.

"Aber das Internet vergisst nicht", so Virtanen weiter. "Facebook und Instagram haben noch keine Verantwortung dafür übernommen, dass diese Verstöße immer noch an ein Massenpublikum verbreitet werden. Die amerikanischen IT-Giganten haben kein Schamgefühl", fügte er hinzu und kritisierte auch die schwedischen Medien dafür, dass sie einige der Behauptungen ebenfalls veröffentlichen.

(...) Nach schwedischem Recht war es die vorrangige Aufgabe des Gerichts, zu beurteilen, ob die Online-Beiträge gerechtfertigt waren. Hätte das Gericht sie für gerechtfertigt befunden, hätte der zweite Schritt darin bestanden, den Wahrheitsgehalt der Behauptungen zu beurteilen oder zu prüfen, ob Wallin guten Grund hatte, an ihre Richtigkeit zu glauben - hätte das Gericht dies festgestellt, wäre sie freigesprochen worden. In diesem Fall befand das Gericht jedoch, dass die Postings nicht gerechtfertigt waren, was bedeutete, dass der zweite Schritt nicht Teil des Urteils war.




7. Ich kann hier natürlich nicht jeden Fall von toxischer Weiblichkeit erwähnen, aber bei besonderer Kreativität heißt es, Ehre wem Ehre gebührt.



8. Die Post. Nachdem Spiegel-Online gestern einen Artikel über ermordete Frauen in Mexiko veröffentlichte, schickt mir einer meiner Leser den Kommentar, den er dazu im Spiegel-Online-Leserforum hinterlassen hat:

Ich verstehe diese Art von Berichterstattung nicht.

Es ist natürlich erschütternd, wie viele Morde in Mexiko passieren. Und es ist natürlich auch erschütternd, wie viele Frauen ermordert werden. Die männlichen Opfer werden jedoch völlig ausgeblendet.

Aus diesen Zahlen geht jedoch hervor, dass von den Mordopfern in April, genauso wie im Jahr 2019 insgesamt, ca. 11% Frauen waren - und somit 89% Männer.

Von den ermordeten Frauen in April seien ca. 21% durch sogenannte "Femizide" umgekommen, somit ca. 2,3% der ermordeten Menschen insgesamt. Was ist hierbei die eigentliche Nachricht?

Es kommt die Frage auf, bei dem hohen männlichen Anteil unter den Mordopfern, wie viele davon "geschlechtsspezifisch" umgekommen sind. Stattdessen wird hier nur die Minderheit der Opfer thematisiert, nämlich Frauen. Die ermordeten Männer werden nicht einmal erwähnt. Ist das Leben eines Mannes weniger wert?


Ein anderer Leser schickt mir ein Arbeitsblatt aus dem Schulunterricht und schreibt mir dazu:

Das beigefügte Arbeitsblatt zum Thema Gleichberechtigung und Gender Pay Gap gab's heute bei meinem Sohn im (Online-)Unterricht. Erschreckend. Am Anfang die rethorische Frage, ob Gleichberechtigung in Deutschland verwirklicht ist - was wohl die meisten erst einmal mit "ja" beatworten würden. Und dann Statistiken zum unbereinigten Gender Pay Gap mit der Bitte, das nochmal zu überdenken. Es erfordert nicht viel Fantasie, was ein 13-jähriger sich dann denkt. Ich habe es zumindest geschafft, meinem Sohn darzulegen, dass es durchaus andere Gründe für Einkommensunterschiede geben kann als fehlende Gleichberechtigung und dass die Statiskik alleine in keiner Weise aussagekräftig ist. Das konnte er glücklicherweise nachvollziehen - und hat die Fragen in der Hausaufgabe entsprechend beantwortet. Jetzt bin ich gespannt, ob sein Lehrer auf seine Äußerungen eingeht oder ob er sein Programm durchzieht.


Ein wenig gewürdigter Vorteil des Online-Unterrichts: Eltern bekommen direkt mit, wie ihre Kinder politisch indoktriniert werden.

Montag, Mai 25, 2020

Staatliche Zuschüsse gefährdet: Feministin bittet Männer um Verzeihung – News vom 25. Mai 2020

1. So flott sind "Antifeministen" (Menschen, die Feministinnen für bestimmte Äußerungen oder Handlungen kritisieren) mit ihrem Unmut selten durchgedrungen. Gestern berichtete Genderama noch darüber, dass Australiens einflussreiche Feministin Clementine Ford befand, der Coronavirus töte Männer nicht schnell genug. Anders als gewohnt kam es zu einer Empörung, die über die Reihen von Männerrechtlern und Feminismuskritikern hinausreichte. Und das hatte Folgen:

Die 39-Jährige veröffentlichte die empörende Erklärung am Samstag auf Twitter als Antwort auf einen Artikel über geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erziehung von Kindern während der Coronavirus-Krise.

Am Sonntag entschuldigte sich Ford mit einer langatmigen Entschuldigung, nachdem ein vom Stadtrat von Melbourne gewährter Zuschuss in Höhe von Tausenden von Dollar unter die Lupe genommen worden war.

Man bewilligte ihr den Zuschuss, um ihr beim Schreiben eines neuen Buches zu helfen, aber der Stadtrat überprüft nun sein Auswahlverfahren, berichtete Herald Sun.

Oberbürgermeisterin Sally Capp sagte, Fords Posten sei "absichtlich spaltend und unglaublich wenig hilfreich, wenn wir versuchen, unsere Gemeinschaft während des COVID-19 zusammenzuhalten. Ich fand diese Kommentare beleidigend und geschmacklos, und ich stimme mit dem Gefühl der Empörung überein, das viele Mitglieder unserer Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht haben", sagte sie.

Bürgermeisterin Capp erklärte, dass Ford den Zuschuss im Rahmen eines unabhängigen Prozesses als Teil eines Programms zur Unterstützung der lokalen Kunst- und Kultursektoren Melbournes während der COVID-19-Pandemie erhalten habe.

"Ich habe den Geschäftsführer gebeten, das Auswahlverfahren für diese Zuschüsse zu überprüfen", sagte sie.

Stunden später entschuldigte sich Ford für ihre Kommentare und sagte, sie sei "groß genug", um zuzugeben, dass sie "etwas falsch eingeschätzt" habe.

"Ich stehe immer noch zu 100 Prozent hinter meiner Wut darüber, dass Männer die unbezahlte Arbeit von Frauen ausbeuten (was durch die globale Pandemie noch verschlimmert wird), aber ich habe meine Leichtfertigkeit bei der Diskussion darüber überdacht", schrieb sie.

"Ungeachtet dessen, was die Leute über mich denken wollen, möchte ich weder Schaden und Trauer für irgendjemanden noch die sehr realen Auswirkungen einer Krise wie dieser herunterspielen. Ein leichtfertiger (und ja, schlecht beurteilter) Tweet ändert nichts an dieser Realität, und er sollte den Fokus nicht von ihr ablenken. Wenn wir von Privilegien profitieren, sollten wir auch robust genug sein, um Kritik an den Systemen, die uns privilegieren, zu akzeptieren und daran zu arbeiten, sie zu verändern."


Diese Bitte um Verzeihung klingt allerdings etwas halbherzig und erinnert an die Taktik, die hierzulande viele der AfD vorwerfen: Menschenverachtende Statements raushauen, sich nach der unweigerlich einsetzenden Kritik dafür entschuldigen und ein Stück zurückrudern, danach im selben Stil weitermachen. Auch Clementine Ford ist für feindselige Äußerungen bekannt, und das scheint ihr den Weg zur Bezuschussung aus öffentlichen Geldern sowie der Ansammlung einer großen Zahl von Followern auf Twitter nicht zu verbauen.

Dementsprechend nehmen ihr viele ihre plötzliche Reue über ihre Attacken auf männliche "Knallköpfe" nicht ab:

"He, nicht so schnell Mädchen. Es war nicht leichtfertig, es war aufmerksamkeitsheischend und banal. Und es hat ernsthaften Schaden angerichtet', twitterte ein User.

"Diese Frau gibt ihre Fehler nicht so leicht zu... offensichtlich hat sie einen Klaps auf die Finger bekommen", sagte ein anderer.

"Es ist erstaunlich, wie hoch Sie gesprungen sind, als Sie wussten, dass der 20.000-Dollar-Zuschuss in Gefahr war. Erbärmlich', kommentierte eine Frau.

'Ist das ein Versuch einer Entschuldigung? Nicht einmal das kriegen Sie hin!', schrieb jemand anderes.


In bestimmten politischen Kreisen allzu leichtfertig hingenommener Hass auf Männer bleibt ein Problem. Wäre er diesmal ohne die Notwendigkeit, während der Pandemie ein Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten, überhaupt von höherer Stelle ernstgenommen worden? Nur durch das bisherige Desinteresse konnte überhaupt eine Gesprächskultur entstehen, in der Frauen wie Clementine Ford Männern leichtherzig massenhaften Tod zu wünschen und Proteste dagegen zunächst als "Mimimi" abzutun. Und während prominente Feministinnen gerne ihren Unmut darüber bekunden, dass Feminismus inzwischen vielfach mit Männerhass gleichgesetzt wird, habe ich noch nie erlebt, dass eine wirklich einflussreiche Feministin unterirdische Attacken der Clementine Fords und Sibel Schicks dieser Welt verdammt und sich von diesen Frauen distanziert hat.



2.
Nach einer anstrengenden Lebensphase ist eine Kur manchmal die letzte Rettung vor dem Burnout. Zwei Väter berichten von ihren Erfahrungen.


Und zwar im Tagesspiegel.



3. Das Männerbüro Karlsruhe weist auf ein neues Onlineangebot für Männer hin: Mann was geht. Schwerpunkt sind dort gesundheitliche Fragen.

Sonntag, Mai 24, 2020

Führende Feministin: "Coronavirus tötet Männer nicht schnell genug" – News vom 24. Mai 2020

1. Clementine Ford, die neben Germaine Greer bekannteste Feministin Australiens, erklärte gestern auf Twitter, der Coronavirus töte Männer nicht schnell genug. Die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet über die dadurch ausgelöste Kontroverse:

Die 39-jährige Schriftstellerin teilte am Samstag ihre umstrittene Meinung mit ihren 133.000 Twitter-Follower als Reaktion auf einen Artikel über geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erziehung von Kindern.

(...) Fords Beitrag wurde von Leuten kritisiert, die ihr vorwarfen, sie "mache den Feminismus zur Waffe", habe "Vaterkomplexe'"und sei "toxisch".

Der ehemalige Senator Derryn Hinch beschrieb ihre Ansichten als "abstoßend": "Manchmal sind Ihre Twitter-Ansichten wirklich abstoßend. Wenn dies eine ernsthafte Bemerkung ist, tun Sie mir leid. Was für eine Art, voller Hass durchs Leben zu gehen", antwortete er.

Andere schlugen vor, dass ihr Beitrag - von dem sie behauptete, er sei ein Scherz - den Weg für ebenso verheerende Kommentare ebnete.

"Clementine, ist das ein ähnlicher Witz wie: ''Ehrlich, der Coronavirus tötet Schwarze nicht schnell genug'' oder ''Ehrlich, der Coronavirus tötet Behinderte nicht schnell genug'' oder ''Ehrlich, der Coronavirus tötet Mitarbeiter des Gesundheitswesens nicht schnell genug''"?

Ford argumentierte, die Gegenreaktion habe exakt bewiesen, "wie zerbrechlich Männer sind".

"Dieselben Männer bestehen die ganze Zeit darauf, dass Frauen über Witze über Gewalt gegen uns lachen, weil sie 'schwarzen Humor' zeigen und 'Spannungen abbauen'. Männer sind erbärmlich", schrieb sie.

"Männer lieben es, über Schneeflocken und getriggerte Feministinnen zu kreischen und dass Frauen keinen Witz mehr vertragen könnten, und sie bröckeln beim ersten Anzeichen eines hyperbolischen Tweets, der sie nicht als Götter in den Mittelpunkt des Universums stellt. Knallköpfe, alle von ihnen."


Man könnte natürlich auch argumentieren, dass dasselbe politische Lager, das überall nach einer Möglichkeit sucht, gekränkt oder beleidigt zu sein, derweil massenhaft tote Männer herbeisehnt.

Fords Rhetorik verfängt indes regelmäßig bei Männern, die sich zwar nach außen hin links positionieren, im Inneren aber über ein sehr konservatives Geschlechterbild verfügen. Um zu beweisen, dass sie "echte Kerle" und keine "Jammermaskus" sind, ersparen sie feministischem Hass jegliche Kritik.

Frauen sind da mitunter deutlicher. So kommentiert im australischen Politik-Magazin Spectator Corrine Barraclough Fords Ausfälle folgendermaßen:

Das Problem des modernen Feminismus besteht darin, dass er nur noch mehr und mehr über immer weniger schreien kann. 

Und genau hier endet das.

Männer tot zu wünschen, hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun. (…) Tragischerweise tötet der Coronavirus mehr Männer als Frauen - und wenn das umgekehrt wäre, würden wir eine Zillion linker Stimmen hören, die erklären, diese Ungleichheit sei ein Ergebnis des strukturellen Sexismus.

Gleichberechtigung ist nicht hassenswert.

Gleichberechtigung ist nicht giftig.

Gleichberechtigung ist nicht männerfeindlich.

Stimmen der Gleichberechtigung speien keinen Narzissmus.

(…) Letzte Woche hat Ford ein Video gepostet, in dem sie über die männlichen Todesfälle am Arbeitsplatz lachte; 95 Prozent der Todesfälle am Arbeitsplatz sind Männer.

Und das ist lustig?

Verdient diese Rhetorik staatliche Finanzierung?




2. Kommenden Mittwoch, am 27.05.2020, läuft im WDR-Fernsehen um 22:15 Uhr die Dokumentation "Kampf ums Kind - Trennung und ihre Folgen" im Rahmen der Reihe "Die Story". Die Dokumentation wurde in enger fachlicher Zusammenarbeit mit Vertretern des Väteraufbruchs für Kinder erstellt. Der ursprünglich im Juni geplante Sendetermin verschob sich nun kurzfristig auf kommenden Mittwoch. Die Dokumentation wird danach auch in der Mediathek verfügbar sein. Weitere Infos findet man hier.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

hier ein Artikel der feministischen Selbstbeweihräucherung in der Frankfurter Rundschau: " Warum die Corona-Krise die Stunde der Frauen einläuten kann". Der lustigste Satz darin:

"Coronavirus: Wenn die Care-Arbeit zu größeren Teilen an Männern hängen bliebe, würde hier schnell für Lösungen gesorgt"

Genau, deshalb verdienen Männer in der Unterschicht auch so ausgesprochen gut und können ihre Berufe so wunderbar mit der Familie vereinbaren Schlachthöfe, Spargelstecher, Angestellte von Subunternehmen, Schwarzangestellte auf dem Bau. Da schießen die Löhne ja quasi durch die Decke aufgrund des Geschlechts.

Tatsächlich wird es auch in der Krise Müttern leichter gemacht die Kinder zu betreuen als Vätern. Bekannte arbeiten beide unter dem selben Tarifvertrag bei verschiedenen Firmen. Die Mutter bekommt bei ihrer Firma immer frei, wenn sie das Kind betreuen muss. Beim Vater (dort arbeiten überwiegend Männer) ist das nicht so. Er bekam gesagt, er soll schauen, wie er das packt, oder notfalls unbezahlten Urlaub nehmen. Nur zur Info am Rande: Sie hat einen Chef, er hat eine Chefin.


Samstag, Mai 23, 2020

Neue Zürcher Zeitung: "Warum Scheidungsväter fast immer den Kürzeren ziehen" – News vom 23. Mai 2020

1.
Martin Schneider hat seine beiden Kinder seit sechs Jahren nicht mehr gesehen. Seine Erfahrungen zeigen, warum Väter in Streitfällen fast immer den Kürzeren ziehen.


Hier geht es weiter.



2. Die Glaubwürdigkeit von Tara Reade, die Joe Biden einen sexuellen Übergriff vorwarf, liegt mittlerweile in Trümmern: nicht nur in Bezug auf diese Anschuldigung, sondern generell. Reades Anwältin hat inzwischen ihr Mandat niedergelegt. Andere Rechtsanwälte wollen die Fälle neu aufrollen, in denen Reade als Expertin für häusliche Gewalt ausgesagt hatte – anscheinend ohne die Ausbildung zu besitzen, die sie unter Eid angegeben hatte.

Das alles ist gut für Biden, aber schlecht für MeToo und deren Kampfschrei "Believe All Women". Prompt behaupten die ersten Feministinnen, von ALLEN Frauen sei sowieso nie die Rede gewesen. Gegen diese Geschichtsklitterung legt das Blog "Die Demokratie in den Zeiten des Feminismus" Einspruch ein.



3. Mal wieder ein Experiment mit versteckter Kamera: In den USA bestrafen einige Eltern ihre Kinder, indem sie sie einer öffentlichen Demütigung aussetzen. Die Kiddies müssen dann an einem belebten Ort eine Papptafel vor sich her tragen, auf der ihre Missetat steht (also zum Beispiel "Ich habe gestohlen"). Die Fernsehreihe What Would You Do? hat heimlich beobachtet, wie Passanten auf gestelltee Fälle reagieren. Besonders auffällig ist hier der Unterschied, je nachdem ob das bestrafte Kind weiblich oder männlich ist. Bei Mädchen legen die Hälfte der Passanten Einspruch gegen die öffentliche Demütigung ein, bei Jungen so gut wie niemand.

Immerhin gibt es in der Kommentarspalte unter dem Video ausreichend Menschen, die sich über diesen Sexismus empören. Und sie haben natürlich Recht: Wenn junge Männer in unserer Gesellschaft verhaltensauffälliger sind als junge Frauen, liegt das nicht an "toxischer Männlichkeit", sondern an genau solcher unterschiedlich erbarmungsloser Behandlung von Kindheit an.



4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ich weiß nicht, ob Sie schon über die "Beschäftigten" (also alles Männer) in den Schlachthöfen berichtet haben – ein "schönes" Beispiel für männliche Privilegien. Hat eigentlich die "Zeit" (warum tun Sie sich das Teil an?) schon festgestellt, wie schlecht es Männer in der Corona-Krise (und eigentlich nicht nur dann; die Zustände z.B. in den Schlachthöfen werden ja jetzt nur überdeutlich) geht? Okay, das war eine rhetorische Frage.


Darauf würde ich trotzdem gerne etwas ausführlicher antworten. "Die Zeit" macht zumindest nicht ALLES falsch. So hatte dort Merlind Theile vor etwas über einer Woche von den eigentlich unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie berichtet (der Artikel steht neuerdings hinter einer Bezahlschranke, war aber noch vor wenigen Tagen frei zugänglich). Theile war zu diesem Thema auch Talk-Gast bei Markus Lanz, der schon in der Anmoderation der Sendung deutlich machte, wie verheerend die Zustände in diesem Bereich sind. Nicht nur ein linkes Blog wie Genderama sollte schon begrüßen, wenn hier endlich mal wieder über die skrupellose Ausbeutung von Arbeitern gesprochen wird.

Etwas problematisch an dem Artikel ist, dass er (ich habe den Wortlaut nicht mehr im Kopf) von weiblichen und männlichen Arbeitern spricht. Das stimmt zwar grundsätzlich: Es ist inzwischen auch eine Minderheit von Frauen in Schlachterbeibetrieben tätig. Deshalb hat Genderama als männerpolitisches Blog dieses Problem bislang nur in wenigen Beiträgen gestreift und nicht zum Schwerpunktthema gemacht. (Bei den Themen "Kindersoldaten" und "Übergriffe auf sexuelle Minderheiten" ist es ähnlich.) Aber die allermeisten Arbeiter in der Fleischindustrie sind schon wegen der nötigen körperlichen Voraussetzungen in der Tat männlich.

Wir haben hier also mal wieder eine merkwürdige Doppelmoral in der Berichterstattung:

Die mitunter schwere Vereinbarkeit von Home Office und Kindererziehung wird als Benachteiligung von Frauen verkauft, schließlich SIND nach Schätzungen von Journalistinnen die meisten Betroffenen Frauen.

Die furchtbaren Arbeitsbedingungen im Fleischereihandwerk wird aber nicht als Benachteiligung von Männern dargestellt, schließlich SIND in dieser Branche Vertreter beider Geschlechter tätig.

Also kurz: die übliche Doppelmoral, um die "besonders betroffenen" Frauen als das Geschlecht darstellen zu können, das unser Mitgefühl verdient hat.

Freitag, Mai 22, 2020

Geniales Video: Friedrich Küppersbusch antwortet auf "Männerwelten" und Margarete Stokowski – News vom 22. Mai 2020

1. Der Youtube-Kanal "probono TV" versteht sich laut seiner Kanalinfo als

Journalismus im Netz. Ohne Sender, ohne Werbekunden, ohne Multichannel Network, ohne finstere Mächte – doch mit solider Recherche. Die Macher sind Journalisten. Sie ergänzen Haltung um Informationen, eine Meinung um eine ergebnisoffene Recherche! Wir erkunden die Feldwege etwas abseits von den medialen Hauptverkehrsstraßen.


Man darf also auf Beiträge hoffen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen durch das Raster dessen fallen würden, welche Meinung man haben darf und welche nicht. Aktuelles Beispiel ist ein sechsminütiges Video des für seinen trocken-süffisanten Tonfall bekannten Journalisten und WDR-Moderators Friedrich Küppersbusch, das in der Kanalübersicht mit dem Titel "Gründe für mehr Maskulinismus" beworben wird.

Hier kann man sich das Video anschauen, mit dem sich Küppersbusch quer zum braven Beifall der Leitmedien zur Joko-und-Klaas-Inszenierung "Männerwelten" stellt. Dabei antwortet er auch auf Margarete Stokowskis auf Spiegel Online veröffentlichte Forderung, jetzt sollten sich Männer gefälligst endlich "bekennen, auch schon mal übergriffig gewesen zu sein, und Besserung geloben".

Küppersbusch stellt fest:

Männer sollten sogar schon selber vorkommen dürfen, wenn über sie geredet wird, dann aber bitte das sagen, was Frau hören möchte.


Damit ist die in den Leitmedien vorherrschende Meinung hervorragend getroffen – aber Küppersbusch läuft sich damit erst warm. Die verschiedenen Punkte, die er in seinem kurzen Video gekonnt abhandelt und die von Genitalverstümmelung bis zu häsulicher Gewalt rangieren, zeigen, dass die Aufklärung, die wir Maskulisten beharrlich betreiben, inzwischen auch von öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten wahrgenommen und verstanden wird. Ob wir damit irgendwann auch nur annähernd so häufig im deutschen Fernsehen vorkommen dürfen wie jenes Lager, dem es allein um die Anliegen von Frauen geht? Oder gibt es geschlechterpolitisch nicht genehme Debatten nur noch auf Youtube?

Zwei erwähnenswerte feministische Repliken auf die "Männerwelten"-Inszenierung sind ein durchaus hörenswerter feministischer Podcast sowie diese kritische Einschätzung einer Bloggerin.



2. Weil ihn eine Passagierin während eines Flugs sexuell belästigte, hat ein Football-Spieler die US-Fluggesellschaft United Airlines verklagt. Das Personal an Bord soll nur zögerlich und zu spät eingegriffen haben. "Die Welt" berichtet über den Vorfall. Aber wo bleiben die Frauen, die "bekennen, auch schon mal übergriffig gewesen zu sein, und Besserung geloben"?



3. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt fordert besseren Kündigungsschutz für Frauen während der Corona-Krise:

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey sollte jeder Frau im Land einen Brief schreiben und sie über ihre Rechte informieren: Wie funktioniert das mit dem Lohnersatz, wie sieht es mit dem Kündigungsschutz aus, wer kann Notbetreuung in Anspruch nehmen, wo kann ich mich beraten lassen?


Ohne einen solchen Brief von der Ministerin wissen Frauen das ja nicht. Die sind nicht so wie Männer, die das alles selbst herausfinden können.



4. "Der moderne Vater ist besser als sein Ruf" bekundet n-tv.



5.
Studien zeigen, wie wichtig Väter für die Erziehung ihrer Kinder sind. Doch überraschend oft sind es die Mütter, die sie daran hindern. Experten fordern: Lasst die Väter ran!


Hier geht es weiter, bevor der Artikel hinter einer Bezahlschranke verschwindet. Ich beginne ein gewisses Muster zu erkennen, für welche Artikel Spiegel-Online Geld verlangt und welche er für lau raushaut.



6. "Die Zeit" beschäftigt sich mit sogenannten "Man Caves". Bei diesen "Männerhöhlen" (wir Kerle sind ja bekanntlich immer noch Steinzeitmenschen) handelt es sich um Räume, die z.B. durch Modelleisenbahn, Billardtisch, modernste Technik oder auch eine rustikale Einrichtung nach männlichen Bedürfnissen ausgerichtet sind – oft der einzige Ort im Haus, wo das möglich ist. "Wieso glauben Männer, einen Rückzugsraum zu brauchen?" fragt Die Zeit. "Womöglich, weil sie das Patriarchat schwinden sehen." Anders als die feministischen Einrichtungen, zu denen nur Frauen Zutritt erhalten, stehen die Männerräume selbstverständlich "unter Sexismusverdacht".

Einerseits wäre man bei diesem Artikel für eine Bezahlschranke dankbar gewesen. Andererseits findet man inmitten all der ideologiedurchtränkten Rhetorik aussagekräftige Einblicke, wie es den patriarchalen Unterdrückern tatsächlich geht:

Einmal stand der Soziologe in einer Männerhöhle voll mit Puzzles. Als er nachhakte, ob er bereits in der Man Cave sei, antwortete der Eigentümer: "Machen Sie Witze? Natürlich! Meine Frau würde mich niemals so viele Puzzles rumliegen lassen." (…) "Welche Freunde genau werden kommen?", frage [der porträtierte Soziologe] danach für gewöhnlich. Stück für Stück komme dann heraus, dass diese Männer überhaupt keine Freunde haben. Weil sie sich entweder auf ihre Arbeit konzentrieren und deshalb keine Zeit haben. Weil sie sich um ihre Familie kümmern. Weil die alten Freunde aus der Schul- oder Unizeit irgendwann weggezogen sind und die Männer diese Lücke nie wieder schließen konnten.


Ich wollte mal schauen, ob es zu dem Artikel wie üblich die viel gelungeneren Leserkommentare gab, aber nachdem gleich auf den ersten Seiten die Kommentare von fünf Lesern so lauteten:

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert.


hatte ich keine Lust mehr.



7. Aber immerhin haut "Die Zeit" zum Vatertag dann doch noch einen väterfreundlichen Artikel raus:

Mirko Schneider hat zwei Töchter. Trotz seines Umgangsrechts verhindert seine Ex-Frau, dass er die Kinder sieht. Die Chronologie einer Entfremdung.


Bezahlschranke, natürlich.

Immerhin erklärt der Autor des Beitrags nachvollziehbar auf Twitter:

Diese Geschichte gibt es nur exklusiv für Abonnenten, weil lange Recherchen auch etwas kosten dürfen.


Findet man deshalb so gut wie nie Artikel von Margarete Stokowski und anderen Feministinnen dieser Coleur hinter einer Bezahlschranke? Achtet mal darauf. :-)



8. Kaum hab ich das geschrieben, trudelt schon der nächste "Zeit"-Artikel hier rein. Er beschäftigt,sich mit Frauen in der Corona-Krise. Jetzt ratet einfach mal mit:

a) Was ist wohl die Hauptaussage des Artikels?

b) Gibt es eine Bezahlschranke?

Jepp, beide Male richtig geraten. Diese Vorhersagbarkeit ist fast schon wieder lustig. Man braucht "Die Zeit" gar nicht mehr zu lesen, man braucht sich nur ein Thema zurufen zu lassen und weiß, was in dem Beitrag steht. Das Bild, dass diese gedankliche Eintönigkeit über das einstige Vorzeigeblatt liberaler Intellektueller abgibt, ist allerdings eher

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert.




9. Hilfe, es hört nicht mehr auf: "Gleichberechtigung muss wehtun." (Müsst ihr nicht alles lesen; ihr wisst ja eh, was drin steht.)



10. Der Humanistische Pressedienst veröffentlichte dieser Tage einen Artikel, dessen Autorin über "Incels" herzieht (Männer ohne sexuelle und Beziehungserfahrung) und ebenfalls zigfach bekannte Verurteilungen wiedrkäut. Der Männerrechtler "Crumar" zerpflückt den Beitrag: "Nur die realitätsferne Reduktion auf eine 'weltumspannende Gemeinschaft von Männern' macht eine Dämonisierung und den Entzug von Empathie möglich."



11. Auf dem Live-Streaming-Videoportal Twitch, das vor allem für Videospiele genutzt wird, ist eine hitzige Diskussion um dessen neuen Sicherheitsbeirat entstanden. Dazu gehört jetzt auch die Transgender-Streamerin Stephanie "FerociuslySteph" Loehr. Sie glaubt, dass Angehörige von Minderheiten (wie etwa Frauen) in Spielen den Voice-Chat häufig nicht nutzen, weil sie schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, an ihrer Stimme als Mitglieder einer Minderheit erkannt und daraufhin seltsam behandelt zu werden. Die Stimmen von Teilnehmern, die den Voice-Chat als unproblematisch empfanden, klängen hingegen nach "weißen Cis-Männern". Loehr behauptete: "Eine Menge Spieler sind in Wirklichkeit Anhänger der Idee einer weißen Vorherrschaft."

Davon fühlt sich der in der Community bekannte World-of-Warcraft-Streamer Asmongold diskriminiert. Er argumentiert: Wäre diese Äußerung über irgendeine andere Gruppe getätigt worden, über Schwarze oder trans Personen, wäre die Sprecherin von Twitch gebannt worden. Aber wenn es gegen weiße Männer gehe, unterstütze Twitch die Aussage sogar. "Ich dachte, das wäre Amerika", ärgert sich Asmongold, "und Leute werden danach bewertet, was sie tun, und nicht danach, wie sie aussehen."

Donnerstag, Mai 21, 2020

Frankfurter Allgemeine: Ist die Galionsfigur von "MeToo" nur ein Märchenerzähler? – News vom 21. Mai 2020

1.
Mächtige Männer aus der Welt von Hollywood, des Fernsehens und der Politik, die junge Frauen als Beute betrachteten, habe er enttarnt und dafür einen Pulitzer-Preis bekommen. All das habe Ronan Farrow mit seinen Enthüllungen erreicht, schreibt der Medienkritiker Ben Smith in der "New York Times". Die Frage sei nur: Wie? Die Antwort findet sich schon im Titel der Kolumne, die in den Vereinigten Staaten gerade die Gemüter erregt. Gekleidet ist der Befund in eine Frage: "Ist Ronan Farrow zu gut, um wahr zu sein?" Ben Smith, der seit Anfang des Jahres bei der „New York Times“ arbeitet und vorher Chefredakteur von "Buzzfeed" war, kommt zu diesem Schluss, indem er die Geschichten, mit denen Ronan Farrow berühmt und zu einem der Initialzünder der „MeToo“-Bewegung wurde, an einigen Stellen aufbohrt.


Hier geht es weiter.



2. Der Nachrichtendienst des Deutschen Bundestages meldet zum Umgangsrecht angesichts von COVID-19

Auch angesichts der Coronavirus-Pandemie gelte, dass Kinder selbstverständlich Kontakt zu beiden Eltern behalten sollen. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/19046) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion zum Umgangsrecht angesichts von COVID-19 (19/18569). Erkenntnisse über diesbezügliche Probleme lägen der Bundesregierung nicht vor. Die Empfehlung, soziale Kontakte möglichst zu vermeiden, beziehe sich nicht auf die Kernfamilie, auch wenn die Eltern nach einer Trennung in zwei getrennten Haushalten leben, heißt es in der Antwort. Die bisherigen Vereinbarungen, Regelungen oder gerichtlichen Entscheidungen zum Umgang gälten weiterhin. Bei der Frage, wie man die persönliche Begegnung zwischen Eltern und Kind in Zeiten der Coronavirus-Pandemie am besten organisiert, sollten die Eltern sich, wie sonst auch, immer am Kindeswohl orientieren und beachten, dass grundsätzlich eine gute emotionale Bindung und der Kontakt zu beiden Eltern dem Kindeswohl dient.




3. Die katholische Website kath.net benennt zutreffend Benachteiligungen, die Jungen und Männer in den verschiedensten Bereichen (Gesundheit und Lebenserwartung, Arbeitsunfälle, Bildung, Gewalt und Verbrechen) treffen, betont aber, dass dies lediglich eine "sarkastische" Wortmeldung sei: Die Nachteile seienh evolutionsbedingt, und die Ideologie habe sich der Realität anzupassen, nicht umgekehrt.



4. Österreichs Verein "Väter ohne Rechte" richtet eine Beschwerde an den ORF, fordert mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung und lädt zur Unterstützung dieser Beschwerde ein.

Mittwoch, Mai 20, 2020

Spiegel Online: "Wären jetzt nicht mal die Männer dran?" – News vom 20. Mai 2020

1. Ein aktueller Artikel auf Spiegel-Onlne zu der Inszenierung "Männerwelten" des Komiker-Duos Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf beginnt so:

In der Sendezeit von Joko und Klaas wurde Gewalt gegen Frauen thematisiert. Dafür gab es viel Applaus. Aber wieder sprachen nur Frauen über ihre Erfahrungen. Wären jetzt nicht mal die Männer dran?


Ui, mögen jetzt vielleicht einige denken: Spiegel Online bricht mit dem bisherigen Redaktionstabu und beschäftigt sich mit männlichen Opfern sexueller Übergriffe? Kann das denn wahr schein?

Solche Hoffnungen werden schnell zerstört, wenn ich erwähne, dass der Artikel von Margarete Stokowski stammt?

Stokowskis Veröffentlichungen sind für ein nach Geschlecht geordnetes Schwarz-Weiß-Denken bekannt, das von unseren Leitmedien ja auch üppig honoriert wird. Dementsprechend möchte sie mit ihrem aktuellen Artikel natürlich nicht erzielen, dass zur Hauptsendezeit ein viertelstündiger Beitrag männlichen Opfern gewidmet wird. Stokowski möchte stattdessen eine Selbstbezichtigung männlicher Täter. Die sollten sich endlich "bekennen, auch schon mal übergriffig gewesen zu sein, und Besserung geloben".

Wie man sich als Frau mit der "Männerwelten"-Inszenierung weniger klischeebehaftet auseinandersetzen kann, zeigt die Bloggerin "Anne Nühm".



2. Wie der Bayrische Rundfunk berichtet, braucht die Nürnberger Caritas mehr Wohnungen für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden. Der Wohlfahrtsverband bietet in Nürnberg neben der regulären Beratung seit drei Monaten auch eine Schutzwohnung für bis zu drei Männer und deren Kinder an. Caritas-Direktor Michael Schwarz zufolge habe man schon Männer abweisen müssen. Das ist umso bemerkenswerter, als häusliche Gewalt gegen Männer Caritas-Projektleiterin Petra Zöttlein sowohl in der Gesellschaft als auch für die Betroffenen immer noch ein Tabu darstellt. Deshalb sei die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, für die Betroffenen größer.



3. Im britischen Derbyshire wurden vier verschiedene Frauen hintereinander wegen häuslicher Gewalt verurteilt. Die dortige Tageszeitung berichtet darüber und zeigt die Täterinnen. Wenn das hierzulande auch passieren würde, hätten es Frauen wie Margarete Stokowski schwerer.



4. Eine Britin, die von einem 13jährigen Jungen schwanger wurde und ihn daraufhin der Vergewaltigung beschuldigte, wurde jetzt auch zu einer Haftstrafe verurteilt. Mit einer Ausstellung "Frauenwelten" ist weiterhin nicht zu rechnen.



5. Die Universität Lancashire hat eine Befragung online gestellt, die sich an männliche Opfer häuslicher Gewalt richtet. Obwohl es immer mehr Belege dafür gäbe, dass Frauen ähnlich häufig Partnergewalt verüben wie Männer, existierten bislang nur wenige Studien, die die Erfahrungen männlicher Opfer untersuchen. Ziel dieser Umfrage sei es, die Erfahrungen von männlichen Opfern mit Partnergewalt auszuwerten.



6. Die Grünen fordern, das Kurzarbeitergeld für Frauen zu erhöhen, weil Frauen durch diese Leistungen besonders "schlechtergestellt" werden bzw. ihnen eine "Katastrophe" droht. Das Blog Die Demokratie in Zeiten des Feminismus hat sich genauer angeschaut, wie berechtigt die Forderungen der Grünen sind.



7. Der "Sexismusbeauftragte" erklärt, warum die Kampagne #stattblumen der SPD-Frauen billigen Populismus darstellt.



8. Die Post. Gestern hatte ich einen Leserbrief veröffentlicht, der sich kritisch mit der These auseinandersetzte, dass von Frauen regierte Länder besser durch die Corona-Krise kämen. Heute antwortet ein anderer Leser:

Ohne den Feministinnen nach dem Mund reden zu wollen, aber entgegen dem zuletzt von Dir veröffentlichten Leserbrief scheint mir die Rede von den weiblichen Regierungschefinnen, die die Krise gut meistern, nicht vollständig ungerechtfertigt. Zunächst einmal wurde im Leserbrief die Regierungschefin des weltweit am meisten für seine Corona-Bekämpfung gelobten Landes - Tsai Ing-wen in Taiwan - schlicht vergessen.

Richtig ist hingegen, dass die meisten der gelobten Regierungschefinnen in Wahrheit eher durchschnittlich sind - inklusive Angela Merkel und der nordischen Regierungschefinnen - und manche sogar unterdurchschnittlich - auch die vom Guardian zu Unrecht gelobte Silveria Jacobs in Sint Marteen.

Teilweise nachvollziehbar ist allerdings das Argument des Guardian, dass es zwar auch viele gute männliche Regierungschefs gegeben habe, aber zumindest keine absolut schlechten weiblichen. Hier muss man gewisse Frauen von der Analyse ausnehmen - San Marino und die Schweiz haben gemischte Doppel-/Mehrfachspitzen. Und die belgische Ministerpräsidentin Sophie Wilmès war bis im März mangels Regierungsbildungsfähigkeit nur Leiterin einer Notfallregierung und somit teilweise handlungsunfähig.

Darüber hinaus sind aber eine Handvoll der von männlichen Regierungschefs geleiteten Länder besonders schlecht durch die Krise gekommen - Spanien, Italien, Grossbritannien, Irland, Frankreich, Schweden, die Niederlande und die USA. Diese Länder ziehen gewissermassen die männliche Erfolgsbilanz massiv nach unten.

Nun ist es natürlich so, dass bei der Suche nach den Gründen viel mit Geschlechterstereotypen gespielt wird - z.B. wird es Merkel positiv als Ehrlichkeit ausgelegt, wenn sie von einer Corona-Infizierung von 70% der Bevölkerung redet; wenn hingegen Johnson davon redet, dass viele sterben werden, wird es von den gleichen Journalisten als macho-hafte Abwertung menschlichen Lebens gedeutet. Und es spielen sicher auch individuelle Stereotypien mit, da einige dieser Regierungschefs (z.B. Trump, Johnson, Macron) schon vor der Krise international als selbstherrlich wahrgenommen worden sind.

Trotzdem sind letztendlich keiner der Frauen die gravierenden Fehler unterlaufen, zuerst eine Herdenimmunitätsstrategie zu propagieren (UK, Niederlande), keine tiefgreifenden Massnahmen zu veranlassen (Schweden) oder unkoordinierten Unsinn zu verbreiten (USA). Daher ist die Statistik, dass weiblich geführte Länder durchschnittlich bisher besser durch die Krise gekommen sind, nicht inkorrekt. Ob es so bleibt, wird man sehen.


Dienstag, Mai 19, 2020

Grüne wollen Corona-Hilfe an feministische Firmenpolitik koppeln – News vom 19. Mai 2020

1.
"Wir brauchen einen Geschlechtergerechtigkeits-Check", sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Blick auf die Corona-Hilfsmaßnahmen der Regierung. Im Gegenzug für Hilfszahlungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau müsse etwa von den Unternehmen verlangt werden, dass sie mehr Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit zeigten. "Man kann bei Fortschritten einen Teil der Rückzahlungen erlassen", sagte Göring-Eckardt.


Spiegel-Online berichtet.



2.
Sally Lisa Starken, Mitglied im Bundesvorstand der Frauen der SPD und dort stellvertretende Vorsitzende, ist letztes Jahr nicht ins Europaparlament gekommen und versucht jetzt anscheinend über einen gelungenen Hashtag (…) etwas mehr Bekanntheit zu bekommen. Dazu haben sie einen Appell ausgearbeitet und diesen mit dem Hashtag #Stattblumen ins Rennen geschickt.


Christian Schmidt berichtet und kommentiert.



3. Soziologen haben herausgefunden, dass ein größeres Engagement der Väter mit weniger schulischen Problemen des Nachwuchses zusammenhängt – eine Erkenntnis, die für alle sozioökonomischen Gruppen gilt. So wird die höhere Beteiligung des Vaters mit einer um 23% geringeren Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine Klasse wiederholen muss, in Verbindung gebracht.



4. Wer feministische Geschlechterpolitik vertritt, ist trotzdem gut beraten, sich nicht als Feminist(in) zu outen. Dazu ist diese Bezeichnung bereits zu verbrannt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Dissertation:

Die explizite Verbindung mit dem feministischen Etikett beim Wahlkampf benachteiligt somit feministische Kandidatinnen erheblich und ist wahrscheinlich riskanter und kostspieliger als die Ankündigung einer geschlechtergerechten politischen Agenda. Das Etikett spricht eine eher kleine Untergruppe der Geschlechter an, nämlich Feministinnen, aber es entfremdet eine größere und vielfältigere Gruppe, die nicht-feministischen Wählerinnen und Wähler. Es ist die widerwillige Reaktion auf die Bezeichnung und nicht die Ablehnung der Substanz ihrer Politik, die viele Frauen von den Kandidatinnen ihrer eigenen Geschlechtergruppe wegtreibt.


Das ist umso bemerkenswerter, als Feminismus im Gegensatz zu Maskulismus in vielen Leitmedien als das Nonplusultra angepriesen wird.



5. Tickets für den durch die Corona-Pandemie angestoßenen Twogether-Online-Event "14 innovative Impulsreferate wie Mann und Frau auf Augenhöhe gut durch die Krise kommen" können jetzt hier bestellt werden. Der Reinerlös aus dem Event wird an die Hilfs-Organisationen "die möwe" und die "Rote Nasen Clowns" gespendet. Das Ticket berechtigt zum Sehen & Downloaden) aller Videos, die im Zuge des online-Events "TWOGETHER MEN4WOMEN, WOMEN4MEN" am 15. Mai bei Interviews mit den Speakern (Matthias Horx, John Aigner und andere) mitaufgezeichnet wurden. Hier erfährt man noch etwas mehr über dieses Projekt, Frauen und Männer ins Gespräch miteinander zu bringen, statt sie aufeinander zu hetzen. Der Twogether-Live-Event ist weiterhin für den 9. und 10. Oktober 2020 angesetzt.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Hallo Arne! Hier und dort wird behauptet, Frauen führten ihre Länder besser bei der Bewältigung der Corona-Krise.

Schau dir diese Listen an, die kontinuierlich auf den neuesten Stand gebracht werden. Momentan heißt es, 42 Länder hätten die Lage gut im Griff. Ich habe die Premierminister durchgeschaut. Nur in drei dieser "guten" Länder gibt es eine Prämierministerin (Barbados, Island, Neuseeland), die anderen werden durch Männer regiert.. In San Marino regieren Mann und Frau zusammen. Frauen machen es besser? Widerlegt.

Ich möchte betonen, dass der Vergleich zwischen Männern und Frauen sowieso blödsinnig ist. Es sind sehr viele andere Aspekte die wichtiger sind. Erstens werden die "Statistiken" sehr unterschiedlich je nach Land geführt. In einigen Ländern wird viel getestet, in anderen weniger. Ob jemand als "Coronatoter" in die Statistik kommt, ist höchst unterschiedlich von Land zu Land. Und dann gibt es noch die kulturellen Unterschiede sowie die ökonomischen Aspekte. Diese Vergleiche sind unsinnig, geben aber auch keinen Anlass zu der Vermutung, Frauen täten es besser.

Sonntag, Mai 17, 2020

Süddeutsche Zeitung berichtet über Männerhäuser – News vom 17. Mai 2020

1.
In Nürnberg gibt es eine Schutzstelle für Männer, die Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt geworden sind. Was einer ihrer Bewohner erlebt hat und warum die Leiterin der Einrichtung gegen Vorurteile kämpfen muss.


Hier geht es weiter mit einem überraschend seriösen Artikel der Süddeutschen Zeitung zu diesem Thema.



2. MANNdat macht aufmerksam auf eine aktuell laufende Umfrage zu Gewalt gegen Männer im Rahmen einer Bachelorarbeit.



3. Das Y-Kollektiv, das zum Online-Medienangebot "Funk" gehört, berichtet in einem viertelstündigen Video über die neuesten Entwicklungen bei Fragen der männlichen Verhütung.



4. Der Australische Financial Review, die führende Wirtschaftszeitung in Australien, widmet sich der hohen Selbstmordrate von Männern. Obwohl der gelungene Artikel natürlich mit australischen Statistiken beginnt, wird schnell deutlich, dass die von ihm behandelte Problematik international und damit auch für Deutschland gilt:

Soziale Isolation, Arbeitslosigkeit und die Zerstörung von Karrieren und Unternehmen infolge der Coronavirus-Restriktionen sind bereits für einen Anstieg der Selbstmordrate verantwortlich, so die in diesem Bereich tätigen Hilfsorganisationen. Weitere 750 bis 1500 Selbstmorde werden erwartet, wenn die Arbeitslosigkeit das prognostizierte Niveau erreicht.

Die meisten davon werden Männer sein. Von den 3046 Australiern, die sich 2018 das Leben nahmen, waren 2320 männlich. Die Selbstmordrate der Männer liegt bei 18,7 pro 100.000 Menschen, verglichen mit 5,8 bei den Frauen. Darüber hinaus ist der Trend steigend. In den 10 Jahren von 2009 bis 2018 stieg die Zahl der Männer und Jungen, die durch Selbstmord starben, um 30 Prozent. Die Gesamtrate stieg von 10,8 auf 12,2, und jetzt nehmen sich im Durchschnitt täglich acht Australier das Leben, sechs Männer und zwei Frauen.

Und obwohl die insgesamt höchste Rate bei Männern im Alter von 85 Jahren oder darüber liegt (32,9 pro 100.000), liegt die nächsthöhere Rate bei Männern mittleren Alters (45-59) bei 27,8. Hier ist auch der stärkste Anstieg zu verzeichnen.

Vergleichen Sie dies mit der Mordrate, die bei weniger als 1,0 pro 100.000 liegt und seit Jahrzehnten rückläufig ist, oder mit den 1135 Todesfällen durch Verkehrsunfälle (5,6 pro 100.000 Personen), die ebenfalls rückläufig ist. Selbstmord durch Männer ist eine nationale Tragödie, bei der mehr Männer sterben als Frauen zusammen an Brust- und Gebärmutterhalskrebs.

Als Liberaler glaube ich, dass wir das Recht haben, zu entscheiden, wann wir unser eigenes Leben beenden, mit oder ohne Hilfe. Angesichts der Aussichten auf Lebensqualität ist es vielleicht verständlich, dass die Selbstmordrate unter den über 85-Jährigen so hoch ist; diese Option behalte ich mir vor. Und doch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männer in dieser Altersgruppe sich umbringen, siebenmal so hoch wie Frauen im gleichen Alter.

Auf der anderen Seite verzichten Männer, die sich dafür entscheiden, im mittleren Alter zu sterben, auf viele Jahre aktiven Lebens. Jeder von ihnen ist jemandes Sohn, Bruder, Ehemann, Partner, Vater oder Grossvater. So berechtigt sie auch sind, ihr Leben zu beenden, so herzzerreißend ist doch jede Entscheidung, dies zu tun.

Australien ist in dieser Hinsicht nicht einzigartig. Die Selbstmordrate in Amerika lag 2018 bei 14,2 pro 100.000 Menschen, Tendenz steigend. Männer machen dort ebenfalls fast drei Viertel aus, wobei die Altersgruppe der 45-64-Jährigen nach den über 85-Jährigen am höchsten ist. Mehr als drei Viertel der Todesfälle durch Schusswaffen in den USA, über die wir so viel hören, sind Selbstmorde.

Nichts davon ist neu. Es gibt in der Tat mehrere Regierungsinitiativen, die sich damit befassen wollen. Suicide Prevention Australia gibt es seit 25 Jahren, und im Haushalt 2019 wurden 461 Millionen Dollar für die psychische Gesundheit junger Menschen und die Suizidprävention bereitgestellt. Seit Juli letzten Jahres haben wir sogar einen Nationalen Berater für Suizidprävention, der direkt dem Premierminister untersteht, um "einen regierungsweiten Ansatz für Aktivitäten zur Suizidprävention voranzutreiben".

Das Problem ist, dass niemand die Ursachen wirklich versteht, was die Lösung schwierig macht. Alles, was wir mit Zuversicht sagen können, ist, dass die gegenwärtigen Maßnahmen nicht funktionieren, egal wie oft sie in Erwartung eines anderen Ergebnisses versucht werden.

Selbstmord wird immer noch so behandelt, als ob Männer und Frauen sich nicht unterscheiden würden, während Vorannahmen über psychische Erkrankungen nach wie vor allgegenwärtig sind, beides im Widerspruch zu den Beweisen. Bei der Ankündigung des Nationalen Suizidpräventionsberaters nannte der Premierminister "Veteranen, australische Ureinwohner und junge Menschen" als am stärksten gefährdet, ohne ein Wort über Kerle mittleren Alters zu verlieren, und sagte, dass etwa 80 Prozent der Menschen, die sich das Leben nahmen, psychische Probleme hätten. Das stimmt nicht.

Fairerweise muss man sagen, dass er später eingeräumt hat, dass "der Zusammenbruch von Familien und Beziehungen eine der Hauptursachen für Selbstmord ist", und Suicide Prevention Australia spricht nun weniger über psychische Gesundheit. Dennoch hat die Organisation im vergangenen Jahr sechs Forschungsstipendien vergeben, die alle an weibliche Forscher gingen, von denen sich keines mit dem Suizid von Männern befasste. Und was die ultimative Beleidigung ist: Der Way-Back-Service, der Movember finanziert und in Partnerschaft mit Beyond Blue eingeführt hat, hilft mehr Frauen (60 Prozent) als Männern.

Währenddessen welken Organisationen, die Männer in Phasen unterstützen, von denen angenommen wird, dass sie zum Selbstmord prädisponieren, wie z.B. dem Zerbrechen von Beziehungen, dem Verlust von Kindern, falschen Gewaltvorwürfen, Arbeitslosigkeit und dem Verlust von Heim und Vermögen, wegen mangelnder Unterstützung dahin. Und es hilft sicher nicht, dass Männer wegen toxischer Männlichkeit, häuslicher Gewalt, dem Patriarchat, dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle und sexistischer Diskriminierung dämonisiert werden.

Dies ist ein Thema, zu dem ruhige Australier ihre Stimme erheben müssen. Es ist ein Problem, es ist außer Kontrolle geraten, und es wird sich in den nächsten Jahren noch verschlimmern.

Samstag, Mai 16, 2020

"Shitstorm" gegen Mütter, Abwertung weiblichen Begehrens, männliche Opfer von Rachepornos – News vom 16. Mai 2020

1. Die "taz"-Feministin Patricia Hecht ist traurig: Mütter, die sich während des Lockdowns selbst um ihre Kinder kümern mussten, statt sie wie sonst in fremde Hände zu geben, stellten das dem Staat (also uns allen) symbolisch in Rechnung: 8000 Euro hätten sie von uns gerne. Dafür kassierten sie auf Twitter zustimmende, aber auch sehr viele kritische Reaktionen, etwa "Ich glaube, wenn man Kinder bekommt, gehört es zum Lebensrisiko, dass man sich um sie kümmern muss." Aus Sicht der "taz" ist diese kontroverse Debatte ein gemeiner Shitstorm, "grotesk, höhnisch, verächtlich, hasserfüllt": also in dem Stil, in dem die "taz" gerne über Männer schreibt. Diesen Shitstorm kann man hier besichtigen.

In den Kommentaren unter Patricia Hechts Artikel bekommt sie übrigens auch nicht nur Recht:

"Übrigens wird die Zusatzarbeit der Männer vernachlässigt = Handwerker, Möbelpacker, Kindergärtner, Trainer, Politiker und Profisport-Finanzierer natürlich alles kostenlos und freiwillig."


"Also 4000 € pro Monat? Brutto oder Netto? Auf jeden Fall mehr, als der abgehetzte, höchstwahrscheinlich männliche Packetzusteller, der die eigenen und die familiären Konsuminteressen und Begehrlichkeiten zu erfüllen hat, bekommt. Da dieser aber Teil des Patriarchats ist, wird er schon wissen, wie er Frauen ausbeutet. Dieser wird auch sicher nie in Altersarmut landen können. Diese Art bemühter Geschlechterkampf ist so ermüdend und beschämend."




2.
Ein amerikanischer Bestseller über weibliches Begehren wird vom deutschen Feuilleton als "Scheissbuch" verrissen. In Zeiten von #MeToo heisst Hingabe offenbar korrektes Lieben.


Birgit Schmid berichtet für die "Neue Zürcher Zeitung".



3. Neunzig Prozent der männlichen Opfer von Rachepornos werden auch erpresst, aber die Polizei kümmert sich nicht darum. Das berichtet das Magazin "Insider":

Vor allem männliche Opfer erhalten keine Hilfe – nur weil sie Männer sind. Martin hat seinen Fall der Polizei in drei verschiedenen Bundesstaaten - Arizona, North Carolina und Kalifornien - gemeldet, und keiner hat Ermittlungen in seinem Fall eingeleitet. Die Polizei in diesen drei Gerichtsbarkeiten reagierte auch nicht auf die Bitte um Stellungnahme von Insider.

"Es schien, als ob jede Entschuldigung dafür gegeben wurde, mir nicht zu helfen: 'Oh, du warst nicht nackt genug, es gibt im Internet überall nackte Männer, die nackter waren als du'", sagte Martin über die Reaktionen der Polizei.

Natalie Quinn-Walker, Dozentin an der Arden-Universität, sagte Insider: "Bei meinen Nachforschungen habe ich festgestellt, dass den meisten männlichen Opfern nicht geglaubt wird oder sie nicht ausreichend unterstützt werden, wenn sie ihre Geschichten über den Missbrauch gegenüber Angehörigen des Gesundheitswesens oder unterstützenden Diensten erzählen."

Da die Polizei nicht daran interessiert war, das Gesetz durchzusetzen, suchte Martin - der aus dieser Erfahrung eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelte - stattdessen Hilfe bei Beratern und Sozialdiensten.

Doch niemand war bereit zu helfen.

"In North Carolina ging ich zu einer Beraterin, die bereit war, mich zu sehen. Aber als ich anfing, nach Beratungs-, Bildungs- und Selbsthilfegruppen zu fragen, kam sie zurück und sagte: 'Es tut mir leid, aber dieser Dienst ist wirklich nur für Frauen. Wir können uns deshalb nicht wirklich um sie kümmern."

"Es bleibt immer noch die Tatsache, dass ich wegen meines Geschlechts keine Hilfe oder Unterstützung erhalte. Das gilt für das gesamte Spektrum meiner Erfahrung, das ich beweisen kann. Das kann ich ohne jeden Zweifel sagen", fügte Martin hinzu.

Martin ist nicht der Einzige.

Brad aus Los Angeles, Kalifornien, sagte Insider, dass es mehrere Wochen dauerte, bis er sich entschied, seinen Fall bei der Polizei anzuzeigen. Brads Ex-Partnerin hat zwei Nacktfotos von ihm auf Twitter und Facebook veröffentlicht und sich geweigert, sie zu entfernen. Als er sie schließlich der Polizei meldete, war er fassungslos darüber, wie schlecht der Fall gehandhabt wurde.

"Es war schon sehr schwierig für mich, der Polizei meine Bilder zu melden. Aber als ich endlich den Mut hatte, es zu melden, wurde ich ausgelacht. Mir wurde ins Gesicht gelacht. Es war, als ob meine schreckliche Erfahrung für sie nur eine Art Witz wäre, weil ich ein Mann war", sagte er.

Oft wird die Erfahrung männlicher Opfer so behandelt, als sei sie ein Witz. Aber warum?

Matthew Hall, ein Professor und Autor des Buches "Rachepornos: Geschlecht, Sexualitäten und Motivationen", sagte Insider: "Im breiteren gesellschaftlichen Kontext werden Männer oft als das stärkere Geschlecht angesehen. Das gilt auch für männliche Opfer, denn wir fragen uns: Wie kann eine Frau ihm das angetan haben? "Wenn es zum Beispiel bei der Polizei angezeigt wird, wird es nicht so ernst genommen. Es wird nicht auf die gleiche Weise wie bei weiblichen Fällen gehandhabt".

Von der Ex-Freundin eines anderen Opfers, mit dem Insider sprach - der Betroffende will nicht namentlich genannt werden – wurden mehrere Nacktbilder auf Facebook gepostet, nachdem sie herausgefunden hatte, dass er eine neue Partnerin hatte. Die eindeutigen Bilder, die schließlich herunter genommen wurden, zogen Hunderte von Kommentaren auf sich.

Doch anstatt das illegale Verhalten stillschweigend zu dulden, machten sich die Leute lieber über die Bilder lustig. "Ich war wirklich verärgert darüber, dass sie in keiner Weise, in keiner Form ernst genommen wurden. Für alle war es einfach wie ein Witz", sagte er.

"Viele der Kommentare waren sehr fröhlich und komisch. Als ob an diesem Teil des männlichen Körpers etwas komisch wäre. Ich war völlig schockiert und peinlich berührt. Ich habe Familie und Freunde auf Facebook. Ich kann Ihnen nicht einmal ansatzweise sagen, wie schrecklich dieses Gefühl ist."

Ein Teil des Problems, dass Männer nicht die Hilfe erhalten, die sie brauchen, besteht darin, dass viele von ihnen sich gar nicht erst melden wollen.

Laut einer Studie der Racheporno-Hotline melden 81% der männlichen Erpressungsopfer ihren Fall nicht bei der Polizei.

"Es ist viel schwieriger für Männer, sich zu outen und zu behaupten, dass sie missbraucht wurden, sei es im häuslichen Bereich oder durch bildbasierten sexuellen Missbrauch wie Racheporno", sagte Hall.

Quinn-Walker stimmte zu: "Bei männlichen Opfern kann es für sie schwierig sein, ihren Fall der Polizei zu melden, weil viele von ihnen zu viel Angst haben, sich zu melden, da sie das Risiko fürchten, nicht geglaubt oder nicht unterstützt zu werden.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass sie einfach ihrer Beziehung zu ihrem Täter entkommen können, während in Wirklichkeit viele von ihnen aus verschiedenen Gründen wie Verstrickung, Kinder, Stigmatisierung und Angst davor, wie die Gesellschaft reagieren wird, in ihren toxischen Beziehungen verhaftet bleiben", fügte sie hinzu.


Die Opfer müssen sich sogar davor schützen, von den Widerlingen unserer Gesellschaft als "Antifeministen" verunglimpft zu werden, wie es ja auch uns Männerrechtlern regelmäßig passiert. So stellt Martin ausdrücklich klar:

"Ich versuche, mich nicht auf einen Kampf der Geschlechter einzulassen, weil ich weiß, dass das nicht der richtige Weg ist, an meine Erfahrung heranzugehen. Ich weiß nur, dass mir nicht geholfen wird. Das kann ich wohl sagen, und das ist nicht frauenfeindlich oder antifeministisch. Ich glaube, dass ich das sagen kann, ohne mit dem Finger auf Frauen zu zeigen.

Nach 18 Monaten des Versuchs, Hilfe zu bekommen, hat Martin noch nicht aufgegeben. Er praktiziert Meditation, übt viel und hat seine Ex-Partnerin auf allen technischen Geräten blockiert. "Ich habe versucht, allein damit fertig zu werden", sagte er. "Ich weiss nicht, ob es mir besser oder schlechter geht. Ich weiß nicht, ob ich es richtig mache. Aber was kann ich sonst tun?"


Freitag, Mai 15, 2020

Darum sacken die Grünen in den Umfragen ab – News vom 15. Mai 2020

1. "Zwei Fragen einer Abgeordneten verdeutlichen den Grünen-Absturz" schlagzeilt der "Merkur". In dem Artikel geht es um die Fragestunde zur Corona-Pandemie, der sich Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag stellte:

Eine Fragestellerin der Grünen verdeutlichte besonders, warum ihre Partei in den vergangenen Wochen in den Umfragen so abrauschte. Die Abgeordnete Ulle Schauws ergriff also das Wort, frauen- und queerpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie stellte eine Frage in Bezug auf die Corona-Krise, die jedoch nichts mit den Millionen Kurzarbeitern, dem Brachliegen des Tourismus-Sektors, den Eingriffen in die Freiheitsrechte oder den Strategien zur Eindämmung einer zweiten Virus-Welle zu tun hatte. Sie brachte die Kanzlerin nicht in Bedrängnis und Erklärungsnot - ganz im Gegenteil.

Die 54-Jährige wollte wissen: "Sind Sie mit dem Anteil der Frauen in den politischen Entscheidungspositionen, die aktuell mit der Bekämpfung der Corona-Krise befasst sind, zufrieden? Glauben Sie, dass so die Perspektive von Frauen ausreichend berücksichtigt wird, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Sie die Ministerin für Frauen und Familie nicht als ständiges Mitglied in ihr Corona-Kabinett berufen haben?"

Mit dem zweiten Teil der Frage sprach Schauws die Nichtberufung von Franziska Giffey in das sogenannte kleine Corona-Kabinett an, in das Merkel die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Finanzminister Olaf Scholz, Innenminister Horst Seehofer, Außenminister Heiko Maas, Gesundheitsminister Jens Spahn sowie den Chef des Bundeskanzleramtes, Helge Braun, aufgenommen hatte. Mit ihr somit zwei Frauen und vier Männer.

Neben diesem Kern-Kabinett tagt jedoch auch einmal wöchentlich ein großes Corona-Kabinett, bei dem alle betroffenen Fachminister teilnehmen - auch Giffey sitzt da mit am Tisch. Genau darauf wies Merkel in ihrer Antwort hin. "Insofern sehe ich da überhaupt keinen Nachholbedarf", erklärte sie, zumal Franziska Giffey wisse, wie sie sich Gehör verschaffe. Die SPD-Ministerin mache stets "deutlich, was sie will".

Auch für den ersten Teil der Frage zeigte Merkel wenig Verständnis. "Ich muss Ihnen sagen, dass ich mich freue, dass es ziemlich viele Professorinnen und Wissenschaftlerinnen im virologischen Bereich, im Bereich des öffentlichen Gesundheitsdienstes und in den ethischen Bereichen gibt. Ich habe da viele jetzt auch kennengelernt im Zusammenhang mit Beratungen." Gerade was den Gesundheitsbereich angehe, gebe es "tendenziell mehr Frauen in den Gremien" als etwa in der Wirtschaft.




2. Der Verein ProQuote beklagt eine Überrepräsentation von männlichen Experten in der Corona-Berichterstattung. Das zeige, dass Deutschland mit der Geschlechtergerechtigkeit noch lange nicht so weit sei, wie erhofft, erklärte die Vorsitzende Edith Heitkämper. Nötig seien mehr Virologinnen, Infektiologinnen, Epidemiologinnen oder Intensivmedizinerinnen, welche die Pandemie einordneten und erklärten.



3. "Generation Woke verkommt zur Lachnummer" während der Corona-Pandemie schlagzeilt die Neue Zürcher Zeitung, dem Virus sei es nämlich egal, zu welchem Geschlechtsidentität man sich bekenne.

Es häufen sich gar Fälle von Ärger und Abwehrhaltung, wenn die Woke-Fraktion sich in Corona-Zeiten bemerkbar machen will. (…) Zwar konnte sich die thesenjournalistische Annahme, dass Frauen aufgrund von mehr Heimarbeit und häuslicher Gewalt vom Virus generell stärker betroffen seien, nicht durchsetzen (zu lesen unter anderem in der «New York Times»). Der Sexismus-Vorwurf verblasste ob der beinahe doppelt so hohen Mortalitätsrate bei Männern. Über die überdurchschnittliche Verbreitung von Covid-19 in überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Bezirken dagegen wird sehr wohl gesprochen. (…) Anliegen sozialer Gerechtigkeit sind also mitnichten verschwunden. Nur verdrängt in der Krise der sachliche Diskurs den sonst oft schrillen Empörungston von Wokeness-Aktivisten. Das mag auch daran liegen, dass die amerikanischen Universitäten derzeit geschlossen sind.




4. Auf Twitter geht der Hashtag "Männerwelten" viral, nachdem das Komikerduo oko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf einen viertelstündigen Beitrag mit diesem Titel im Fernsehen zeigte, der Männer und Frauen in eine Täter- und eine Opfergruppe aufteilte. Dies führt zu einer Flut von begeisterten Artikeln in den Leitmedien sowie auf Plattformen wie Volksverpetzer und Mimikama sowie feministischen Websites; auch von Heiko Maas, Anne Will und Luisa Neubauer wird diese Begeisterung geteilt.

Pro7 schlägt inzwischen vor, das sexistische Video solle bei Sky vor der Bundesliga laufen. Wenn es Kritik gibt, dann nur derart, dass das Video nicht drastisch genug sei. So fragt die #Aufschrei-Feministin Anne Wizorek: "Wo ist dieser Aufruf an übergriffige Männer oder Männer überhaupt, sich zu reflektieren. Wo habe ich mich selber schon so verhalten und wo war das scheiße und wie gehe ich damit um?"

Die Wirklichkeit sieht anders aus als die öffentliche Inszenierung: Beispielsweise zeigte eine Ende 2013 veröffentlichte repräsentative Studie der Universität Lausanne, dass Frauen und Männer am Arbeitsplatz ähnlich oft sexuell belästigt werden und dass Frauen in fast der Hälfte der Fälle zu den Tätern gehören. 66 Prozent der befragten Frauen und 71 Prozent der befragten Männer räumten ein, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal ein Verhalten gezeigt zu haben, das vom Gegenüber als belästigend hätte empfunden werden können. Wer aber über weibliche Täter und männliche Opfer spricht, erzeugt damit keine Welle der Begeisterung. Eine Aufforderung an Frauen, ihr Verhalten zu reflektieren, gibt es nicht.

Das Blog Die Demokratie in den Zeiten des Feminismus kommentiert die Inszenierung und ihre fatale Wirkung:

Der Film ist düsteren Farben gehalten, musikalisch passend untermalt und spielt in einer Art Katakombe, in der sich eine Ausstellung entsetzlicher Dinge befindet. Moderiert wird der Rundgang durch diese Ausstellung des Horrors von der bekannten Feministin Sophie Passmann. Sie (bzw. das Drehbuch) verwendet die ersten 10 - 15% der Sendezeit für inständige, mehrfach wiederholte Triggerwarnungen, das nun kommende sei entsetzlich, könne verstörend wirken, müsse aber gesagt werden, es betreffe den Alltag von Frauen.

Bevor es also zur Sache geht, wird dem Zuschauer ganz genau erklärt, was er von dem zu halten hat, was er gleich zu sehen bekommt. Es folgen nun mehrere Stationen, in denen prominente Kolleginnen von Passmann erzählen, welche Mengen an Dickpics ihnen ungefragt zugeschickt wurden (inzwischen ein Straftatbestand), welche Haßkommentare und unverschämten Dialoge man auf sozialen Netzwerken man erlebt hat usw. Der Film endet mit einer Ausstellung von Kleidern, die bestimmte nicht benannte Frauen bei ihrer Vergewaltigung getragen haben.

Es handelt sich durchgängig um Einzelbeispiele. Über die empirische Relevanz dieser Fälle - so verabscheuenswürdig oder kriminell sie auch sein mögen - wird nichts gesagt außer zwei unbelegten statistischen Behauptungen im Nachspann, u.a. daß es nur bei 10 % aller Vergewaltigungen zu einer Anklage kommt (ein innerer Widerspruch, denn eine Vergewaltigung steht erst nach einem Gerichtsurteil fest). Würde man eine ähnliche Serie von real geschehenen Straftaten von Zuwanderern mit dramatischer Musikuntermalung präsentieren, ohne deren empirische Relevanz zu klären, wäre die Hölle los wegen Hetze gegen Ausländer.

Betroffene sind ausschließlich Frauen. Implizit wird vermittelt, daß nur Frauen Opfer von sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen sein können. Das entspricht nicht ganz der Realität.

Der Film gibt sich noch nicht einmal entfernt den Anschein, über das Thema sexuelle Belästigung umfassend berichten zu wollen. An dem Film ist alles darauf ausgerichtet, Emotionen zu wecken und Mitleid mit Frauen zu erzeugen. Hierzu werden alle möglichen visuellen und dramaturgischen Mittel eingesetzt.

Als Titel wäre daher "Frauenwelten" korrekter gewesen. Der Film zeigt so gut wie nichts über die Welt, in der Männer leben. Schon gar nicht belegt er den suggerierten Eindruck, daß die Vorfälle, die in dem Film dargestellt werden, auch nur entfernt typisch sind für die Welt, in der Männer leben. Stattdessen zeigt er die Welt, in der Frauen leben bzw. die Frauen wahrnehmen (sollen). Er fokussiert dabei stark auf eine spezielle Sorte von Frau: medial präsent, Alter ca. 20 - 40, und feministisch aktiv, irgendwo in der Medienbranche tätig.

Berichten zufolge sahen rund 2,04 Millionen Zuschauer die Sendung im Fernsehen, entsprechend einem Marktanteil von 6,3 Prozent. Auf Youtube wurde der Film innerhalb eines Tages ca. 2 Mio. mal abgerufen. Unter den Kommentaren stehen vielen Männern die Tränen in den Augen, wie verbrecherisch Ihre Artgenossen doch sind.

Auf Twitter trendete der Hashtag #maennerwelten, er wurde mehrere 10.000 benutzt.




5. Nur langsam, aber immerhin geht es allerdings auch mit der von Männerrechtlern angestoßenen Aufklärung voran, auch wenn wir von Sendern wie Pro7 keine Viertelstunde im Hauptabendprogramm zur freien eigenen Gestaltung erhalten: So hat inzwischen immerhin sogar der "Stern" entdeckt, dass es auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt und lässt einen Betroffenen seine Geschichte erzählen. Weiter heißt es in dem Artikel:

Nach einer Auswertung des Bundeskriminalamts von 2018 sind knapp 20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt Männer. In den vergangenen Jahren habe der Anteil der männlichen Opfer von Partnerschaftsgewalt nahezu kontinuierlich zugenommen, heißt es darin. Und das sind nur die bekannten Fälle: Dem Opferhilfeverein Weißer Ring zufolge liegt die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt bei mindestens 80 Prozent, bei den betroffenen Männern sei diese besonders hoch.

"Männlichkeit hat immer etwas mit Stärke zu tun", erläutert Becker diese Situation. "Männer sind die Beschützer, die Ernährer der Familie, die Deuter der Welt. Ein Mann, der Hilfe braucht – ein schwieriges Thema in unserer Gesellschaft." Und wenn Männer dann ihre Frau anzeigten, erlebten sie, dass man sie nicht ernst nehme. Immer wieder hört Becker von Männern, denen vorgeschlagen werde, eine Nacht bei einem Freund zu schlafen und den Streit am nächsten Tag zu klären. Das Ganze sei doch bestimmt nicht so schlimm, sei der Tenor.

Ähnliches berichtet Andreas Schmiedel vom Münchner Informationszentrum für Männer. Wenn Polizisten in eine Wohnung kämen, wo es Spuren von partnerschaftlicher Gewalt gebe, werde wie bei dem 40-Jährigen in Nürnberg immer erst der Mann verdächtigt. Das erhöhe natürlich die Hemmungen der Männer, sich zu öffnen. Dazu komme, dass die Gewalt von Frauen weniger offensichtlich sei. "Die Partnerin terrorisiert systematisch den Mann und macht ihn fertig." Oft vergingen viele Jahre, bis Männer versuchten, aus einer gewalttätigen Beziehung auszubrechen.

(…) Bei Deutschlands erstem Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Männer ist die Resonanz nach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Gleichstellung hoch. Nordrhein-Westfalen und Bayern haben die kostenlose Hotline Ende April freigeschaltet. Seitdem meldeten sich täglich vier bis neun Anrufer, die unter häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen, aber auch Konflikten in der Nachbarschaft litten, hieß es aus dem Ministerium.


Dass ein Leitmedium endlich auch in dieser Form über häusliche Gewalt berichtet, ist allein dem Graswurzelengagement einer Gruppe von Leuten zu verdanken, die gerne als schmuddelkinder der Geschlechterdebatte dargestellt werden: den Maskulisten.



6.
Die Coronakrise zerstöre Frauenkarrieren, heißt es. Dass ich davon bislang nichts spüre, verdanke ich meinem Mann. Es ist Zeit, das häusliche Engagement vieler Väter mehr zu würdigen.


Hier geht es weiter, bevor auch dieser Spiegel-Online-Artikel leider hinter einer Bezahlschranke verschwindet.



7. Unter der Schlagzeile "Ausbeutung und Elend sind der wirkliche Preis für billiges Supermarktfleisch" veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Nordrhein-Westfalens Gewerkschaftschef Mohamed Boudih über die prekären Arbeitsverhältnisse. Eine Lobby für die Betroffenen aufzubauen ist schwer:

Auch für uns ist es schwer, an die Arbeiter ranzukommen. Viele haben Angst um ihren Job, ihre Unterkunft. Die Familien in Bulgarien und Rumänien warten schließlich auf das Geld. Viele Beschäftigte sprechen kaum oder sehr schlecht Deutsch. Das alles macht es nicht einfach, sich gewerkschaftlich zu organisieren.




8. Wie Genderama berichtete, hat die US-Erziehungsminsterin Betsy DeVos letzte Woche dafür gesorgt, dass Männer an Universitäten, wenn sie eines sexuellen Übergriffs beschuldigt werden, wieder faire Prozesse erhalten. Als Reaktion darauf hat die American Civil Liberties Union (ACLU) Betsy DeVos jetzt verklagt. Ihrer Auffassung nach fügt die Rücknahme der von Barack Obama und Joe Biden erlassenen Edikte den Opfern sexueller Gewalt "erheblichen Schaden" zu, womit deren Bürgerrechte "dramatisch untergraben" würden. Wie man sich vorstellen kann, sind die Kommentare unter dem verlinkten Artikel vor allem kritisch, stand die ACLU doch lange Zeit für Werte wie die Unschuldsvermutung und hätte die neuen Regeln insofern eigentlich begrüßen müssen.

Donnerstag, Mai 14, 2020

Identitätspolitik gegen Corona immun – News vom 14. Mai 2020

1. Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, von der "taz" vergangenes Jahr als mögliche nächste Bundeskanzlerin ins Spiel gebracht, sieht nur Mütter, die sich während der Pandemie um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Das führt sie zu der Behauptung: "Coronakrise wirft Frauen in die 1950er Jahre zurück". Baerbock fordert nun die Kopplung von Coronahilfen an Klimaziele und mehr Frauenquoten in der Wirtschaft.

Die fünfziger Jahre also: Damit liegt Berbock im Vergleich mit Jutta Allmendinger und Anne Will, die Frauen nur bis zum Jahr 1990 zurückgeworfen sehen, um stolze vier Jahrzehnte in Führung. Erhalte ich ein noch höheres Gebot? Sibel Schick, Simone Schmollack … höre ich 1910 irgendwo? Das neunzehnte Jahrhundert? Noch kann überboten werden.



2. Covid-19 hat die Identitätspolitik nur verschlimmert, befindet das linke Magazin "Areo":

Dies ist die "frohe Botschaft", von der uns Dan Hannan vom Washingtoner Examiner versichert, dass wir alle sie in einer Welt nach dem 19. November erwarten können: das Aufgeben der Identitätspolitik. Hannan ist mit seiner Hoffnungshaltung nicht allein (Bari Weiss hegt eine ähnliche Auffassung in der New York Times), und vielen Menschen muss seine Vorhersage zutreffend erscheinen. Krisenzeiten haben eine Art, die Menschen ernüchtert zu stimmen und sie dazu zu zwingen, Bilanz zu ziehen über das, was wirklich zählt. In ein neues Licht gerückt, wirken alte Zankereien kleinlich und, wie Hannan sagt, egozentrisch.

Aber die Identitätspolitiker sind diese "seltene Person", die Hannan beschreibt, und ihre Ansichten werden immer populärer. Die treffendere Sichtweise ähnelt daher wahrscheinlich eher Michel Houellebecqs jüngster Vorhersage: "Wir werden nach dem Lockdown nicht in einer neuen Welt aufwachen. Es wird die gleiche sein, nur ein bisschen schlimmer."

Während der Rest des Landes unter der Last der Seuche wirtschaftlich klug wird, ist der Beruf des Kämpfers für soziale Gerechtigkeit unempfindlich gegenüber den Marktkräften. Das macht nur Sinn, wenn man die identitätspolitische Bewegung nicht als ein Phänomen versteht, das in einem Vakuum existiert, sondern im Hinblick auf ihre kohärente Grundideologie.

(...) Covid-19 ist ein günstiger Zeitpunkt für zeitgenössische Kritische Theoretiker, deren Vorgehensweise darin besteht, bestehende Normen, Narrative und Institutionen, die von der dominanten Kultur - d.h. der Kultur des weißen, heteronormativen, cis-geschlechtlichen Patriarchats - formuliert wurden, zu problematisieren und ihre Hegemonie in Frage zu stellen. Eine Störung des Status quo bietet die Chance, diese Institutionen zu kritisieren, ihre Unzulänglichkeiten aufzudecken und die daraus resultierenden Disparitäten hervorzuheben. Es ist die feste Überzeugung der Theoretiker, dass die Ungleichheiten, die jetzt aufgrund der Pandemie auftauchen, die ganze Zeit schon da waren und den grundsätzlich unterdrückerischen Charakter der westlichen Gesellschaft demonstrieren - und dass diese Offenbarung die utopischen Vorstellungen, das kritische Bewusstsein der Unterdrückten wecken und zu ihrer Befreiung führen wird. Seit sich der Corona-Ausbruch Anfang März in den westlichen Ländern ausbreitete, verfolgen die Krieger der Kritischen Sozialen Gerechtigkeit diese Strategie in drei Bereichen: Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Familie.


Auf Genderama interessiert uns natürlich vor allem das Geschlechterthema:

Am 4. März enthielt der britische "Independent" eine Stellungnahme von Ian Hamilton, Dozent für psychische Gesundheit an der Universität York. Die Schlagzeile klagte: "Ein Impfstoff wird Schutz vor dem Coronavirus bieten - aber wir können nicht gegen Sexismus impfen".

Hamiltons Argument ist einfach: Da Frauen angeblich anders auf Impfstoffe reagieren als Männer, müssen zwei Coronavirus-Impfstoffe entwickelt werden, damit Frauen nicht suboptimal behandelt werden. Im besten Fall sind wir immer noch etwa 14-18 Monate von einem brauchbaren Impfstoff jeglicher Art entfernt, aber Hamilton fordert, dass zwei geschlechtsspezifische Behandlungen gleichzeitig entwickelt werden, damit unsere Antwort auf Covid-19 nicht durch eine "männliche Linse" beeinflusst wird.

Aufgrund der männlichen Voreingenommenheit in der medizinischen Forschung, argumentiert Hamilton - "Die Wissenschaft, so scheint es, ist institutionell sexistisch" - wissen wir mehr über die Gesundheit von Männern, und deshalb wäre die Behandlung auf den männlichen Körper ausgerichtet, zum Nachteil der Frauen. Zweitens, und das ist noch wichtiger, hänge die Integrität der westlichen Strategie gegen diese Seuche davon ab, ob sie den Sexismus (d.h. "das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern") in den Wissenschaften aufrechterhält. Die Lösung? Das Vertrauen in das männliche Monopol in Forschung und Wissenschaft zu brechen, um das Patriarchat und den systemischen Sexismus - den wahren "sozialen Virus" - zu zerschlagen.

Man könnte annehmen, dass die wissenschaftlichen Disziplinen gegenüber einem geschlechtsspezifischen Perspektivismus unempfindlich sind. Das wäre ein Irrtum. Die Vorliebe der Kritischen Sozialen Gerechtigkeit zu einer von "gelebter Erfahrung" geprägten Standpunkt-Epistemologie bedeutet, dass "es keine Rolle spielt, wie intelligent oder bewusst ein hochrangiger Mann in einer solchen Position ist, er kann niemals die Gesundheit einer Frau oder die Erfahrung einer gesundheitlichen Intervention vollständig verstehen". Hamilton und andere seiner Überzeugung glauben aufrichtig, dass Sexismus die Wissenschaft erstickt hat. Sie würden um des systemischen Sexismus und der geschlechtsspezifischen Normen willen bereitwillig die Entwicklung von Impfstoffen verzögern.

Hamiltons Artikel zeigt, dass für die Ideologen der Kritischen Sozialen Gerechtigkeit, für die die Welt ein Nullsummenkampf zwischen Unterdrückern und Unterdrückten ist, Covid-19 nichts anderes als eine Gelegenheit ist, über die eigentlich notwendige Arbeit zu sprechen: die Dekonstruktion der weißen, männlichen Hegemonie.


Und wie sieht es beim Thema Familie aus?

Auch die traditionelle Kernfamilie ist von Kriegern der Kritischen sozialen Gerechtigkeit angegriffen worden. (…) Schutz vor Ort, Quarantänebestimmungen und soziale Distanzierung basieren alle auf einer weißen, kapitalistischen, patriarchalischen Vision von Familienstruktur und -besitz, heißt es. Da nicht jeder über angemessene Unterkünfte, Ressourcen oder familiäre Stabilität verfügt, um dieser Politik bequem nachkommen zu können, so die Argumentation, dienen die Erlasse der Gouverneure der Bundesstaaten und die Richtlinien des Center for Disease Control dazu, die Unterdrückung durch solche Normen und Strukturen überhaupt erst aufzudecken.

Laut Sophie Lewis lehrt uns das Coronavirus, dass es an der Zeit ist, sowohl die Familie als auch die Privathaushalte abzuschaffen, die "grundsätzlich unsichere Räume" sind. Vor allem von Queer und "feminisierten Menschen" kann nicht erwartet werden, dass sie sich auf das "kapitalistische Heim" beschränken. Lewis zitiert die "feministische Theoretikerin und Mutter" Madeline Lane-McKinley wie folgt:

"Die Haushalte sind die Schnellkochtöpfe des Kapitalismus. In dieser Krise wird es einen Anstieg beim Putzen, Kochen und Kümmern um den Haushalt geben, aber auch bei Kindesmissbrauch, Belästigung, Vergewaltigung des Intimpartners, psychologischer Folter und vielem mehr. Weit entfernt von einer Zeit, in der man sich mit der Ideologie der 'Familienwerte' abfinden sollte, ist die Pandemie eine akut wichtige Zeit für die Versorgung, Evakuierung und allgemeine Befähigung von Überlebenden und Flüchtlingen aus dem nuklearen Haushalt ... die private Familie qua Modus der sozialen Reproduktion ist, offen gesagt, immer noch scheiße."

(...) Angesichts dessen, was wir bisher gesehen haben, scheinen die Ereignisse wahrscheinlich Houellebecqs Vorhersage zu rechtfertigen, nicht die von Hannan. Kritische Kämpfer für soziale Gerechtigkeit sind sowohl unermüdlich als auch opportunistisch - und das verheißt nichts Gutes für den Rest von uns.




3.
Müssen die Parteien in Thüringen auf ihren Wahllisten gleich viele Männer und Frauen aufstellen oder hat ein Antrag der AfD gegen das neue Paritätsgesetz Erfolg? Der VerfGH des Landes hat verhandelt und will ein Grundsatzurteil verkünden.


Die Legal Tribune berichtet.



4. Eine neue deutsche Studie weist daraufhin, dass entgegengesetzt bisheriger Annahmen, über die Genderama berichtet hatte, vor allem Männer mit einem niedrigen Testosterongehalt an Covid-19 sterben.



5. Feedback. Mein Leser Joachim Bell schreibt mir zu dem Artikel "Das tödliche Coronavirus hat bewiesen, dass Frauen das stärkere Geschlecht sind" auf Facebook:

Der zitierte, keineswegs untypische "Mirror"-Artikel lässt in der Folge für Frauen nur noch zwei mögliche Rollenbilder zu: Entweder sind sie die notorischen Opfer (von Männern natürlich) oder sie sind - zur allgemeinen Überraschung - das wirkliche starke Geschlecht. Dazwischen: nichts! Wären solche Diskurse nicht so folgenreich, müsste man es als alberne feministische Folklore abtun. Da es aber eine argumentative Spielart ist, die uns andauernd begegnet, trägt es am Ende zur Diskreditierung jeglichen Feminismus bei. Leider ohne dass sich die seriöseren Feministinnen endlich mal dagegen zur Wehr setzten; und sei es, weil es ihre eigenen Ziele so massiv schädigt.


Ein anderer Leser hat mir das größtenteils hinter einer Bezahlschranke versteckte Spiegel-Online-Interview mit Verena Kolbe im Volltext zugänglich gemacht. Vielen Dank dafür! Kolbe betreut die Gewaltopferambulanz der Universität Rostock und fordert, auch Männer als Opfer ernst zu nehmen – zumal sie "in der Gewaltopferambulanz in Rostock einen erheblichen Anstieg von Gewaltfällen gegen Männer erlebt" habe: "Was Sie dort an Verletzungen sehen, ist schon erschreckend. Das steht dem in nichts nach, was den Frauen widerfährt." Wenn man "Polizeistatistiken und entsprechende internationale Studien" betrachte, steige "in der ganzen westlichen Welt offenbar die Bereitschaft von Frauen, gegen ihre Männer gewalttätig zu werden."

Ich persönlich halte das weniger für eine wachsende Gewaltbereitschaft von Frauen gegenüber ihrem Partner, für die ich keinen überzeugenden Grund sehe, sondern vielmehr für ein Aufweichen der Dunkelziffer, nachdem es dem Maskulismus in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, immer mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, wie verbreitet dieses Schicksal ist. Deswegen fühlen sich Männer weniger als Freaks, wenn sie Opfer durch Gewalt ihrer Partnerin werden, und sie wagen es eher, sich Dritten gegenüber damit zu outen.

Natürlich trifft diese Dunkelziffer grundsätzlich erst einmal beide Geschlechter, aber sie ist bei Männern stärker, weil für sie eine solche Opfererfahrung noch schambesetzter ist. Kriminologen wie Professor Bock von der Universität Mainz haben darauf auch bereits vor zwanzig Jahren hingewiesen – leider vergeblich. Also muss Verena Kolbe diesen Sachverhalt im Interview noch einmal ausführen, als ob er eine neue Erkenntnis wäre:

Die Bereitschaft von Opfern häuslicher Gewalt, eine Anzeige zu erstatten, ist generell gering. Wir haben viele Frauen, die kommen fünfmal zu uns, lassen ihre Verletzungen dokumentieren und unternehmen weiter erst einmal nichts. Und erst beim sechsten Mal ringen sie sich dann durch und sagen: Jetzt erstatte ich eine Anzeige. Die Zahl von Männern, die ihre Partnerin nach einer Gewalttat anzeigen, liegt zumindest bei uns in Rostock bei nahezu null. Ich kann das sogar nachvollziehen. (…) Bei Männern ist das immer gleich assoziiert mit: Na ja, das Weichei kann sich nicht durchsetzen, der ist kein richtiger Mann. Die Männer haben mitunter einen immensen Leidensdruck, vielleicht sogar schlimmer als betroffene Frauen.


Spiegel-Online muss jetzt natürlich nachfragen, ob die Medizinerin nicht Gewalt gegen Frauen verharmlose, wenn sie das Leiden männlicher Opfer schildere – die alte Leier, wegen der auch wir Maskulisten als "frauenfeindlich" karikiert werden. Und so wie auch wir Männerrechtler vor einer "Opferolympiade" warnen, erklärt auch Verena Kolbe:

Es gibt keinen Grund, beide Themen gegeneinander auszuspielen. Sie verdienen gleichermaßen, ernst genommen zu werden. Genau das wird den betroffenen Männern aber häufig verwehrt. Bei Mitarbeitern von Jugendämtern und selbst bei Anwälten ernten die Betroffenen oft nur großes Schulterzucken, weil keiner weiß, wie er mit diesem Thema umgehen soll, oder weil den Männern schlicht nicht geglaubt wird. In den Köpfen ist der Gedanke stark verwurzelt: Es kann doch nicht sein, dass auch Männer Opfer werden. Umso wichtiger ist uns, jeden Fall von Gewalt gerichtsfest zu dokumentieren, unabhängig vom Geschlecht.


Verena Dobler schildert nun die üblichen Verletzungen der männlichen Opfer: "am häufigsten die Folgen von stumpfer Gewalteinwirkung: Hämatome, Schürfungen und Hauteinblutungen". Das gehe bis zur Verbrühungen mittels eines Wasserkochers. Manchmal stoße man bei der Untersuche an der Körperrückfläche auf Verletzungen, die die betroffenen Männer selbst noch gar nicht bemerkt haben, weshalb sie oft überrascht reagierten. Spiegel-Online fragt skeptisch nach, ob man ausschließen könne, dass sich die Männer ihre Verletzungen selbst zugefügt hätten (bei den Kerlen weiß man ja nie), worauf Verena Kolbe erklärt, wie man die Unterschiede erkennen kann. Darüber hinaus berichtet sie:

Unser bizarrster Fall war eine junge Frau mit "Hämatomen", die sie sich mit Lidschatten aufgeschminkt hatte. Bei der Polizei ist sie zunächst sogar damit durchgekommen, ehe jemand von den zuständigen Beamten auf die Idee kam, das von einem Rechtsmediziner angucken zu lassen. Dann hat es ein Feuchttuch lang gedauert, um diesen Fall aufzuklären.


Schließlich versucht es Spiegel-Online mit der sattsam bekannten letzten Ausflucht, dass sich die Täterin vielleicht nur gegen den Mann "gewehrt" habe. Auch hier entgegnet Verna Kolbe das, was ich seit Jahrzehnten erkläre:

Das wird wohl mitunter der Fall sein. Und gelegentlich gibt es sicher auch Gewalttaten gegen Frauen, bei denen sich der Mann vor allem wehrt. Denn auch das ist aus der internationalen Literatur bekannt: Viele Opfer waren auch schon mal Täter - und umgekehrt.


Eigentlich wird inzwischen nur noch das bestätigt, was wir seit Jahrzehnten schon über häusliche Gewalt wissen. Wer Männern helfen würde, würde damit letztlich auch Frauen helfen und umgekehrt. (Zu diesem Thema habe ich hier ein ganzes Kapitel veröffentlicht.) Almählich wäre es schon an der Zeit, die vorliegende Forschung ebenso wie die Männerechtsaktivisten ernst zu nehmen, statt mit immer absurderen Verrenkungen der Wirklichkeit aus dem Weg gehen zu wollen.

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