Sonntag, Dezember 08, 2019

Psychologe: "Der Typ Schoßhund ist unter Männern heute am meisten verbreitet" – News vom 8. Dezember 2019

1. Der Schweizer "Tagesspiegel" hat den Psychologen Stephan Grünewald zur Rolle des Mannes in der Gegenwart interviewt. Grünewald legt folgendes dar

Der neue Mann ist sensibel, selbstreflektiert, er akzeptiert seine weichen Seiten und ist ehrlich bemüht, im Alltag eine Gleichberechtigung hinzubekommen. (...) Aber im Zuge dieser Entwicklung sind wir in die Situation geraten, dass es zwei unterschiedliche Regieanweisungen gibt: Immer noch das Bild des durchsetzungsstarken Mannes aus der Vergangenheit und gleichzeitig das neue, postmoderne Bild des soften Frauenverstehers. Das führt bei den Männern heute immer wieder zu Inszenierungskrisen. Sie wissen nicht mehr genau, wie sie sein sollen, so wie der eigene Vater oder Grossvater: selbstbestimmt, herrisch, richtungsgebend. Oder eher zurückhaltend, bedächtig.

(...) Das fängt schon beim Restaurantbesuch an. Man lernt eine Frau kennen, es ist das erste Date, also geht man in ein Restaurant. Erste Hürde für den Mann: Bestimme ich selber das Restaurant, oder frage ich die Partnerin, welches Restaurant sie bevorzugt? Wenn man dann am Tisch sitzt, die nächste Hürde: Gestalte ich das Gespräch? Ich bin sicher, mein Vater hätte in blühenden Farben seinen bisherigen Werdegang offengelegt und seine Zukunftspläne entfaltet. Der heutige Mann überlegt, ob es nicht besser wäre, nichts zu sagen, interessiert zu schweigen und die Frau zu Wort kommen zu lassen. (...) Früher war klar, dass der Mann zahlt. Ende der Neunzigerjahre, Anfang der Nullerjahre gab es Männer, die sagten: Das ist gegen die Emanzipation, vielleicht lasse ich besser die Frau bezahlen, ich habe ja jetzt auch zwei Stunden zugehört. Manche sagten: Wir teilen die Zeche. Heute versucht ein Teil der Männer, diese Inszenierungskrise zu beheben, indem sie sich in vorauseilender Manier an dem orientieren, was sie glauben, was die Partnerin von ihnen erwartet.

Sie wollen sich nicht angreifbar machen. Und sie wollen sich nicht schuldig machen. In dem Moment, in dem sie das Gefühl haben, ich will eigentlich etwas ganz anderes als meine Partnerin, fühlen sich manche Männer direkt schuldig, weil sie das Gefühl haben, das ist verkehrt, das darf nicht sein. In dem Masse, in dem die Männer sich aber an der Partnerin orientieren und eine brave Folgsamkeit an den Tag legen, bedienen sie sich einer infantilen Strategie.

Sie machen auf Liebkind, um keinen Disput, keinen Konflikt, keine Zurückweisung zu riskieren. Wir hatten am Institut eine Gruppendiskussion, bei der ein Schreiner, Mitte 40, breite Schultern, riesige Pranken, auf die Frage des Psychologen, wie der Mann von heute sein soll, die Antwort gab: "Der Mann sollte die beste Freundin seiner Frau sein." Das war äusserlich ein kerniger, harter Mann. Aber er wich Auseinandersetzungen mit seiner Frau aus.


Auf der politishen Ebene sehen wir dieses Verhalten heute zum Beispiel bei den Grünen und beim "Bundesforum Männer" zumindest unter Martin Rosowski und Dag Schölper. Das veranschaulicht ein im Juni letzten Jahres veröffentlichter Spiegel-Artikel, in dem es hieß:

Als in den vergangenen Monaten die #MeToo-Debatte losging, als das ganze Land über das Verhältnis von Männern und Frauen debattierte, hätte man sich als Mann durchaus einen Repräsentanten gewünscht. Jemanden, der in den Talkshows sitzt und auf kluge Weise für die Männer streitet – für die anständigen jedenfalls. Dag Schölper aber saß in keiner Talkshow. Er gab kein einziges Interview. Er stellte keine Forderung und äußerte keine Meinung. Auf der Homepage des Bundesforums Männer findet sich kein Hinweis darauf, dass es die Debatte überhaupt gibt. Wie kann das sein? "Wir haben natürlich überlegt, ob wir uns zu der Debatte äußern oder uns eher zurückhalten", sagt Schölper. "Unsere Rolle war dann die des solidarischen Zaungastes."


Vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, dass sich die Männer des Bundesforums mit den Aktiven der Männerrechtsbewegung immer wieder schwer tun – was beispielsweise zu der skurrilen Situation führten, dass sich Martin Rosowski als der Chef des Bundesforums Männer in Alice Schwarzers "Emma" über uns ausweinte. Dabei wird braves Sich-Anpassen von weiblicher Seite nicht einmal goutiert, wie der weitere Verlauf des Interviews zeigt:

Tages-Anzeiger: Wie toll finden Frauen denn diese brave Folgsamkeit?

Stephan Grünewald: Wenn wir Männerstudien machen, werden die Interviews zum Teil von Psychologinnen gemacht. Wenn sie an einen Mann geraten, der immer alles lieb und nett macht, nervt das die Frauen nach einer halben Stunde. Diese Männer sind wie ein Pudding, den man an die Wand nagelt und der dann so runterglibbert. Man hat das Gefühl, sie sind gar nicht konturiert. Männer, die so lieb und folgsam sind, merken selber, dass sie an Authentizität verlieren. Und irgendwann verliert die Partnerin das Interesse.

Tages-Anzeiger: Der Frauenversteher wird also gar nicht geliebt?

Stephan Grünewald: Frauen wollen natürlich auch nicht den herrischen Despoten. Sie wollen jemanden, mit dem man sich auf Augenhöhe auseinandersetzen kann. Aber wenn da so eine bereitwillige Nachgiebigkeit ist und sich der Mann einer infantilen Strategie bedient, wird er auch irgendwann wie ein Kind behandelt.


Grünewald führt weiter aus:

Laut unseren Studien ist das der Typus, der heute am meisten verbreitet ist. 27 Prozent der Männer kann man zu dieser Kategorie zählen. Das heisst, jeder vierte Mann gehört heute zum Typus Schosshund.


Wie Grünewald erklärt, führt natürlich auch die Rolle des herrischen, despotischen, rücksichtslosen Mannes nicht weiter. Der Typ "Schoßhund" aber lebe seine Aggressivität oft nur in anderen Kontexten aus: Darüber hinaus begünstige er lediglich ein neues Machtgefälle zwischen den Geschlechtern:

Letztes Jahr haben wir eine Frauenstudie gemacht, bei der wir den Alltag der jungen Frauen angeschaut haben. Da war klar, dass für Frauen um die 20 die Familie an erster Stelle kommt, an zweiter Stelle die eigenen beruflichen Entwicklungsvorstellungen und erst an dritter Stelle der Freund oder Partner. Er muss sich also quasi in die Familien- und Karrierevorstellungen integrieren, sonst läuft er Gefahr, abserviert zu werden.


Als Lösung für dieses Dilemma zeigt Grünewald "den Mut zum Streit":

Wir brauchen den im positiven Sinn streitbaren Mann, der aber auch bereit ist, den eigenen Standpunkt immer wieder zu hinterfragen und eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe zu führen. Streit ist immer wertschätzend, wenn er zivilisiert ist. Wenn ich die Perspektive des anderen mitbekomme, ist das eine Form der Erkenntnis. Sie schafft die Voraussetzung für einen Kompromiss, der für alle tragfähig ist. Das ist die Chance, aber auch die Herausforderung der heutigen Zeit.


Ich habe dem wenig hinzuzufügen, weil genau das seit Jahrzehnten meine Linie ist: Wir benötigen keine unreifen Konflikte, bei denen jeweils das andere Geschlecht herabgesetzt wird, sondern reife Konflikte, bei denen Mitglieder beider Geschlechter klar benennen, was sie überhaupt möchten und dann miteinander debattieren, wie eine Lösung aussehen kann, mit der beide gut leben können.

Problematisch wird das allerdings durch jene Feministinnen, die in Politik, Medien und dem akademsichen Sektor inzwischen an den Hebeln der Macht sitzen und die schlicht auf Diskursverweigerung setzen, wenn Männer(rechtler) eigene Wünsche äußern. Eine Debatte mit diesen Männern findet ja an keiner Stelle statt: in keiner Zeitung, keiner Talkshow, keiner politischen Stiftung, keinem Gender-Studien-Seminar. Sie werden dort überall genauso "abserviert", wie Grünewald das für den privaten Bereich schildert. So ziehen viele Feministinnen derzeit immer mehr Männer vom passiv-aggressiven Typus heran, die es ihnen wiederum leicht machen, ihre Diskursverweigerung aufrecht zu erhalten. Solange genug "Schoßhünde" als Gesprächspartner existieren, kann man selbstbewusst fordernden Männern leicht aus dem Weg gehen. Der einzelne Mann kann in dieser Situation nur achtgeben, dass seine eigene Psyche darunter nicht leidet und er selbst zum "Schoßhund" mutiert.

Diese Diskursverweigerung ist heute Thema bei Christian Schmidt.



2. Die Post. Eine Leserin schreibt mir zu dieser Meldung:

Kurze Anmerkung zu der heute von dir angeführten Nachricht aus dem "Offenbacher Kreistag" (Kreistag des Landkreises Offenbach, die namensgebende Stadt Offenbach selbst ist kreisfrei, aber das verwirrt viele).

Ich nenne den Antrag der Fraktion ALO (bestehend aus zwei Mitgliedern, die zuvor Teil der dortigen AfD-Fraktion waren und weiterhin AfD-Parteimitglieder sind, wird ja bei der FAZ auch erwähnt) mal einen "Schaufensterantrag". Noch dazu einen kopierten: Es ist nämlich nicht unüblich, gleichlautende Anträge übers gesamte Land in allen möglichen Gremien einzubringen, und bei diesem Copy/Paste wird lustigerweise manchmal nicht mal korrekt umformuliert oder Rücksicht auf tatsächliche Zuständigkeiten der jeweiligen Gebietskörperschaft genommen.

Dieser ist also auch so einer. Er fordert die Kreisverwaltung auf, von allen "Gender-Sprache"-Regelungen, die in der Verwaltung gelten, Abstand zu nehmen. Lustigerweise gibt es dort keine. Der Kreis Offenbach hat nicht, wie das ja ein paar Städte gemacht haben, Regelungen zum sprachlichen Umgang hinsichtlich "Gender" für seine Mitarbeiter getroffen. Der Antrag zielt also auf die Abschaffung von etwas, das gar nicht existiert. Hilfsweise will man das ganze natürlich noch als "Resolution" verstanden wissen. Der Begriff ist - für meinen persönlichen Geschmack - etwas hoch aufgehängt für eine Vertretungskörperschaft, die nicht mal gesetzgebende Kompetenz hat sondern Teil der Exekutive ist.

Solche Anträge dienen rein der Profilierung und Provokation und werden regelmäßig von den übrigen Fraktionen nicht unterstützt. Nicht nur die AfD bedient sich übrigens dieser Mittel, aber sie sind schon vorne mit dabei. Die Tagesordnung der besagten Kreistagssitzung hat noch ein paar solcher Anträge zu bieten: "Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe" - der Kreis Offenbach liegt mitten im Rhein-Main-Gebiet, es gibt da vielleicht noch 'ne Handvoll "Landwirte", meist im Nebenerwerb – der Antrag ist natürlich getriggert von den Bauernprotesten.

Oder zu Original Play oder Lebensmittelüberwachung oder Schwimmen-Lernen - hab es nicht im Einzelnen überprüft, aber die Anträge lassen sich sicher gleichlautend in ganz Hessen mehrfach finden.

Traurig ist natürlich, dass eine scheinbare selige Einigkeit der "großen Mehrheit" der Bevölkerung, äh ihrer Volksvertreter, der AfD eine solche Bühne bietet und sie zu den einzigen macht, die sich gegen diese Strömung stellen. Und traurig ist, dass diese so vehement und sinnfrei verteidigte "gerechte Sprache" von der Mehrheit der Menschen, zumindest in meinem persönlichen und beruflichen Umfeld, überhaupt nicht beachtet wird und niemand das für Ernst nimmt. Das tun bestimmt auch - so ganz privat - die Redner der übrigen Fraktionen nicht, die da im Kreistag die gendergerechte Sprache so schön verteidigt haben. Aber sie "müssen" es sagen, weil man ja gegen die AfD sein "muss". Damit macht die AfD die pseudo-gerechte Front mit jedem Angriff stärker und zerstört die letzten Reste einer Basis, auf der man vielleicht das Thema argumentativ hätte austragen können.

Und dann bin ich, wenn ich meine Meinung äußere, auf einmal in der Postion mich nach rechts abgrenzen zu müssen. Ich. Nach rechts. Für mich echt unfassbar ...

Gut, ich als Frau muss mich sowieso dauernd erklären und werde falsch verstanden, wenn es um solche Themen geht. Als Frau nicht feministisch zu sein ist für die Leute mittlerweile echt Gehirnakrobatik.

Komme aus der Nähe des Landkreises und kenne die kommunalpolitischen Verhältnisse vor Ort, daher hatte ich das Gefühl, das noch ergänzen zu wollen.

Danke für deine Arbeit und viele Grüße!


Mehr Post. Ein weiterer Leser schreibt mir:

Beim Genderama-Eintrag Nr. 4 von gestern ist der zitierten israelischen Oppositionszeitung "Haaretz" ein Schnitzer unterlaufen, den man korrigieren sollte, damit das nicht rhetorisch unfair als Angriff auf die Frauengesundheit umgemünzt werden kann:

Das Smegma ist nicht mit dem Präejakulat ("Lusttropfen") gleichzusetzen.

Das Präejakulat ist ein Sekret der Bulbourethraldrüse (auch Cowpersche Drüsen). In der tat dient der "Lusttropfen" als Gleitmittel beim Geschlechtsverkehr, aber auch zu der Reinigung der Harnröhre vor einem zu erwartenden Samenerguss, wobei der pH-Wert der Harnröhre zunimmt und das saure Milieu in ein alkalisches umgewandelt wird.

Smegma dagegen besteht aus dem Talg der Vorhautdrüsen, gemischt mit Rückständen abgestorbener Zellen und Bakterien. Smegma sammelt sich unter der männlichen Vorhaut wie zwischen den Schamlippen und der Klitoris. Smegma ist eine Quelle für unangenehmen Geruch wie Krankheiten und sollte durch Waschen entfernt werden. Übertreibungen sind hiere aber unnötig; die tägliche normale Wäsche reicht völlig.

Ich denke, der Schnitzer in der Zeitung wird eher ein Konzentrationsfehler sein.

Samstag, Dezember 07, 2019

Bundesrichter Thomas Fischer: "Dieses Argument steht mit beiden Beinen im rassistischen Sumpf" – News vom 7. Dezember 2019

1. In der aktuellen "Zeit" haben Elisabeth Raether und Michael Schlegel ein Dossier veröffentlicht, in dem sie 116 Fälle schildern, bei denen eine Frau von ihrem männlichen Partner oder Ex-Partner brutal ermordet wurde. Es erstaunt, dass diese Form von Journalismus in einem politisch-publizistischen Lager stattfindet, das sich sehr empört, wenn etwa die "Bild"-Zeitung ähnlich reißerisch über Fälle berichtet, bei denen Zuwanderer als Gewalttäter in Erscheinung getreten sind. (Wobei die "Bild" auf eine Darstellung a la "116 Fälle von Ausländergewalt" meines Wissens bislang verzichtet hat.) Erfreulicherweise verschafft uns der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer auf Spiegel-Online ein Gegengift zu der mehr als fragwürdigen Berichterstattung der "Zeit".

Nachdem Fischer einen verquasten Absatz Elisabeth Raethers in einem früheren männerfeindlichen "Zeit"-Artikel auseinandergenommen hat, stellt er klar:

Richtig ist, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik die Anzahl von Taten unter dem Gesichtspunkt "Partnerschaftsgewalt" erfasst (zuletzt: Bundeskriminalamt, "Partnerschaftsgewalt", Berichtsjahr 2018). Für das Jahr 2018 sind insgesamt 144 Fälle von Tötungsdelikten in "Partnerschaften" registriert: Opfer waren in 77 Prozent der Fälle Frauen, in 23 Prozent der Fälle Männer.

(...) Die [Polizeiliche Kriminalstatistik] beschreibt bekanntlich einen Teil des sog. "Hellfelds". Das "Dunkelfeld" ist nicht erfasst. Es dürfte im hier betroffenen Tatbereich hoch sein (wobei die vielfach berichtete Erkenntnis, "jede dritte Frau" sei Opfer, wenig erhellend ist). Vor allem im Bereich der einfachen Körperverletzung ist die Anzeigenbereitschaft allgemein gering. Sie ist aber auch geschlechtsspezifisch und sozial sehr unterschiedlich: Die Bereitschaft von Frauen, Körperverletzungen durch Partner anzuzeigen oder sonst zu skandalisieren (Beratungsstellen Frauenhäuser, Ärzte, Scheidungsverfahren), ist stark gestiegen und dürfte deutlich höher sein als die Anzeigeneigung von männlichen Opfern. Das gilt in allen Altersstufen, insbesondere auch in höherem Alter, wenn Männer ihren Partnerinnen nicht mehr körperlich über-, sondern oft unterlegen sind: Wenige gebrechliche alte Männer dürften Strafanzeige stellen, weil sie von Lebenspartnerinnen geschlagen, geschubst oder eingesperrt werden.

Unterschiedlich ist auch die Bereitschaft, Anzeigen ernst zu nehmen. Wenn ein erwachsener Mann ins Polizeirevier geht und anzeigt, seine Freundin habe ihn geohrfeigt, dürfte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass er nicht ernst genommen wird. Die Gründe sind vielfältig und können hier dahinstehen.

Das ändert natürlich weder etwas daran, dass 80 Prozent der registrierten Gewaltopfer Frauen und 80 Prozent der registrierten Tatverdächtigen Männer sind. (Am Rande sei bemerkt, dass Frauen auch von Frauen und Männer auch von Männern misshandelt werden.) Umso befremdlicher ist es, dass in der Berichterstattung, noch mehr in der Kommentierung auch diesmal wieder die Zahl der Opfer durchweg um 20 Prozent gekürzt wurde. Anders gesagt: Die männlichen Opfer (26.000 Personen im HELLFELD!) kommen im Empörungs-Rauschen so gut wie nicht vor - als seien 26.000 mehr oder weniger schwer Verletzte und 25 Tote gar nicht der (kriminalpolitischen) Rede wert. Auch im "Zeit"-Stück werden sie gar nicht erst erwähnt. Dies zu kritisieren zielt nicht auf wohlfeiles "Mitleid mit Männern". Interessant sind vielmehr die Argumente, mit denen schon die Möglichkeit von Mitleid (opferdeutsch: Empathie) regelmäßig abgewehrt wird.

Eine gern benutzte Einwendung lautet: Was sind 25 tote Männer im Angesicht von 120 toten Frauen? Solche Aufrechnung wird in anderen Fällen zu Recht als opferverachtende "Relativierung" gegeißelt. Noch verdrehter ist dies: Die meisten Täter seien ja schließlich AUCH Männer. Um sich die Infamie dieses Arguments klarzumachen, muss man nur probeweise statt "Frauen" den Begriff "Deutsche" einsetzen und statt "Männer" den Begriff "Ausländer". Es lautet dann: Durch Gewalttaten Verletzte aus fremden Ethnien sollen sich so lange nicht beklagen, wie Angehörige fremder Ethnien hierzulande überproportional viele Gewalttaten begehen. Dieses Argument steht mit beiden Beinen im rassistischen Sumpf. Es lastet dem EINZELNEN Opfer seine Zugehörigkeit zu einer biologischen oder ethnischen "Täterklasse" an. Es wird nicht besser, wenn man die Ethnie gleich ganz durch die Biologie ersetzt.

(...) Mit einem schönen Versprechen endete das besinnliche Stück: "Kommende Ausgabe dokumentieren wir alle Fälle der von Männern im Jahr 2018 getöteten Frauen." Unsere Vorfreude war groß. Leider jedoch enthüllt auch diese Dokumentation keine Tatzusammenhänge und Motive. Zum dritten Advent folgt, wenn wir Glück haben, die Dokumentation aller Fälle der getöteten Männer, und dann als finale Überraschung eine Analyse aller Fälle von Kindstötung.


Während sich die "Zeit" inzwischen auf dem Niveau einer reißerischen Boulevard-Zeitung verliert, gibt es kluge Analysen wie die von Thomas Fischer fast nur noch von Menschen außerhalb des journalistischen Berufsstandes. Was Bundesrichter Fischer hier darlegt, greift Argumentationen auf, die von Aktivisten der Männerrechtsbewegung seit Jahren vorgebracht werden.

Gestern kommentierte jemand zu der gängigen feministischen Berichterstattung über häusliche Gewalt, die männliche Opfer ausblendet, dass eine solche Feministin beim Blick auf die Opfer "zwischen Adel und Pöbel unterscheidet". Skandalös erscheint es ihr, wenn Angehörige des Adels getötet werden. Werden Mitglieder des Pöbels umgebracht, sind sie nicht der Rede wert – und schon gar keiner aufwändigen Recherche der "Zeit"



2. Ein Streitgespräch über Feminismus hat Wolfgang Kubicki (FDP) mit Katharina Schulze (Grüne) sowie der Moderatorin dieses Gesprächs Melanie Stein ("Stern") geführt. Wer konnte seine Position überzeugender präsentieren: Kubicki oder die beiden Damen? Das verraten die Kommentare unter einem vierzigminütigen Video des Gesprächs auf Youtube.



3. Der Offenbacher Kreistag lehnt mit großer Mehrheit einen Antrag der Alternativen Liste Offenbach-Land gegen "gendergerechtes Deutsch" mit Schreibweisen wie "Lehrer*innen" ab. Gegen die Forderung einer Rückkehr "zur Sprache Goethes und Schillers" argumentierten CDU und FDP für Gleichberechtigung und den Sprachwandel. Nur die Alternative Liste Offenbach-Land selbst stimmte für ihren Antrag; AfD und FL-NEV enthielten sich.



4.
Zehntausende von Teenagern und Männern aus der ehemaligen Sowjetunion wurden ab den 90er Jahren in israelische Operationssäle getrieben, um sich beschneiden zu lassen. Jahre später erinnern sie sich an die daraus resultierenden Traumata und Schmerzen sowie an die Schäden, die in ihrem Sexualleben entstanden sind.


Die israelische Oppositionszeitung "Haaretz" berichtet in einem mehr als ausführlichen Artikel. Ein Auszug:

Beeinträchtigt die Beschneidung grundsätzlich das sexuelle Vergnügen? Eine Reihe von Studien haben versucht, diese Frage mit kreativen Methoden zu beantworten. Aber in Israel gibt es eine besondere Situation, die es ermöglicht, das Thema direkt anzugehen: Viele Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion wurden hier nach Beginn ihrer sexuellen Aktivität beschnitten, so dass sie eine Vergleichsbasis haben.

In den letzten Monaten habe ich mit 50 Einwanderern gesprochen, die erst als Jugendliche oder Erwachsene beschnitten wurden, und von den Folgen dieses Verfahrens gehört. Siebzig Prozent von ihnen berichteten, dass ihr Genuss von sexuellen Beziehungen und Selbstbefriedigung beeinträchtigt wurde. Bei der Bewertung des Grades der Verringerung ihres Vergnügens sagten 22 Prozent, dass es einen signifikanten Rückgang gegeben hatte, 10 Prozent sagten, dass er von mittlerem Ausmaß war, und 38 Prozent charakterisierten ihn als nur einen geringfügigen Rückgang.

(...) Forscher in Dänemark haben 2011 untersucht, ob Frauen in sexuellen Beziehungen mit beschnittenen Männern anders reagieren. Die Antwort war kristallklar: Weibliche Partner von beschnittenen Männern berichteten über mehr Schwierigkeiten beim Erreichen des Orgasmus und über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Antibeschneidungsaktivisten ("Intaktivisten", wie sie sich selbst nennen) glauben, dass diese Schlussfolgerung selbstverständlich ist, denn das dicke Sekret, genannt Smegma, das sich unter der Vorhaut ansammelt, erleichtert das Eindringen. Da bei beschnittenen Männern die Eichel breiter ist als der Schaft des Penis, sammelt sie bei jedem Zurückziehen des Penis einen Teil der Gleitmittel des weiblichen Partners. Je länger der Geschlechtsverkehr dauert, desto größer ist die unangenehme Reibung für die Frau.

(...) Viele derjenigen, die für diesen Artikel befragt wurden, sprachen von einem allmählichen Verlust ihrer Sensibilität. In einigen Fällen verursachte die Operation schwere, ja sogar kritische Schäden, sowohl am Sexualleben des Einzelnen als auch an seiner Fähigkeit, eine dauerhafte Beziehung aufzubauen. In anderen Fällen konvergierten die negativen Folgen der Beschneidung zu Enttäuschung und Frustration über die Erfahrungen bei der Integration in die israelische Gesellschaft.


(Nachtrag vom 8. Dezember: Siehe zu einem Faktenfehler in diesem Artikel hier den zweiten Leserbrief.)

Freitag, Dezember 06, 2019

Experte: Wie sich Väter auf eine Trennung vorbereiten können – News vom 6. Dezember 2019

1. Die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" hat Markus Gygli, Präsident des Dachverbands Schweizer Männer- und Väterorganisationen, dazu interviewt, wie sich Väter auf eine Trennung vorbereiten können. Dabei kommt auch die Benachteiligung von Vätern zur Sprache.



2. Das insbesondere von der SPD-Politikerin Manuela Schwesig durchgesetzte "Lohngleichheitsgesetz", das auf der Fehlannahme beruht, Frauen würden für dieselbe Leistung deutlich schlechter bezahlt als Männer, erweist sich weiterhin als Flop:

Das ist das Ergebnis einer noch unveröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). (...) "Zusammenfassend erweist sich das Entgelttransparenzgesetz und insbesondere der individuelle Auskunftsanspruch in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten gegenwärtig als ein bürokratischer Akt ohne erkennbaren Mehrwert", heißt es in der Studie. Es sei nicht nachweisbar, dass der Auskunftsanspruch über die Gehälter von männlichen Kollegen in vergleichbaren Jobs dazu führe, dass Frauen höhere Gehälter durchsetzen könnten. Ohnehin hätten einer repräsentativen Befragung der Beschäftigten von größeren Unternehmen zufolge bisher erst vier Prozent den Auskunftsanspruch genutzt.


Noch dazu hatten bereits frühere Untersuchungen gezeigt, dass der Auskunftsanspruch vor allem von Männern genutzt werde.

Der individuelle Auskunftsanspruch erweise "sich im Prinzip als wertlos". Er könne im Unternehmen aber zu Konflikten und Akzeptanzproblemen führen.




3. Mit "Frauenquoten: der Siegeszug eines Denkfehlers" betitelt die Neue Zürcher Zeitung einen Kommentar Anna Schneiders. Darin heißt es:

Frauenfeindlich, das will im Jahr 2019 niemand sein. Bloss: Ist die Frauenquote nicht das eigentlich frauenfeindlichste aller Antidiskriminierungsinstrumente? (...) Denn eine Frauenquote ist, das lässt sich nicht beschönigen, ein Armutszeugnis für Frauen. Anstatt ihnen zuzutrauen, dass sie sich auf dem freien Markt durchsetzen können, erklärt man sie zu hilfsbedürftigen Wesen. Das ist das Gegenteil von Emanzipation, das ist Patronage. Viele, die lautstark gegen die vermeintlichen Zwänge des Patriarchats ankämpfen, greifen in Verteidigung der Frauenquote paradoxerweise auf Rollenbilder zurück, die sie eigentlich abschaffen wollen: der privilegierte Mann, die zum Objekt gemachte Frau. So werden im Namen der positiven Diskriminierung Stereotype zementiert.

Donnerstag, Dezember 05, 2019

Nach MeToo: Tanzschüler haben Angst vor Berührungen – News vom 5. Dezember 2019

1. Infolge der MeToo-Kampagne haben Tanzschüler inzwischen Angst, ihren Partner zu berühren. Das berichten die Westfalenpost und die Westdeutsche Allgemeine. Ein Auszug aus dem Artikel:

Klassischer Weise kommen die Schülerinnen und Schüler der Stufe neun der ortsansässigen Schulen zu den Tanzkursen, so Ralph Marohn. "In der Schule haben sie gerade die #Metoo-Debatte intensiv kennengelernt. Doch Theorie und Praxis liegen weit auseinander. Die Jugendlichen lernen in der Tanzfabrik praktisch angewandte soziale Kompetenz. Sie wissen aber oftmals leider nicht mehr, wie sie mit anderen Menschen umgehen sollen und sind eher mit sozialen Netzwerken vertraut, so dass sie verschiedene Situationen noch nicht richtig einschätzen können."

Das beginne bei der Unsicherheit, wer wann zu grüßen sei und ende bei der Debatte, ob das Türaufhalten für eine Dame (ein Mädchen), eine von weiblicher Seite unerwünschte Form der männlichen Bevormundung sei. Jungen hätten Angst, dass bereits eine Tanzhaltung als sexuelle Belästigung gewertet wird, und Mädchen lernten gar keine Berührungen mehr zuzulassen

(...) "Mit dem Körperkontakt hatten wir Jungs anfangs Probleme", hat der 16-Jährige [Lukas] festgestellt. "Manche machen sich Sorgen, dass sie als 'Grapscher' dastehen, wenn sie die Hand auf den Rücken des Mädchens legen", so die Befürchtung.

Die Beobachtung der Tanzschule: Das, was die Jugendlichen in der Schule und in den sozialen Netzwerken über die #Metoo-Debatte lernen und hören, lasse keine körperliche Nähe oder gar Berührungen des anderen Geschlechts mehr zu. Es bedürfe mittlerweile schon einer großen Überwindung, gemeinsam eine Tanzhaltung einzunehmen und den Tanzpartner oder die Tanzpartnerin in den Arm zu nehmen.

(...) "Die jungen Damen und Herren sind heutzutage (viel mehr als früher) verschüchtert und verunsichert. Wir tragen dazu bei, ehrlich und selbstbewusst miteinander umzugehen", so Ralph Marohn und Edgar Vornweg, Inhaber der Tanzfabriken in Arnsberg und Neheim.


Ich glaube nicht, dass das ein regional begrenztes Phänomen ist. Die junge Generation, die im Schatten von MeToo groß wird, kann einem schon ein bisschen leid tun.



2. Nach Sexismusvorwürfen gegen Heimtrainer-Reklame soll der Börsenkurs der Herstellerfirma in den Keller gegangen sein.



3. Das Schweizer Tagblatt berichtet über einen Mann, der jahrelang häusliche Gewalt erdulden musste. Da der Artikel wie üblich nur das polizeilich erfasste Hellfeld betrachtet, verbreitet er leider den Mythos, dass Frauen viermal so häufig Gewaltopfer werden wie Männer.



4. Einer aktuellen Umfrage zufolge sind die am wenigsten respektierten Berufe in unserer Gesellschaft Politiker und Journalisten. Keine Ahnung, woran das liegen könnte.



5. Nils Pickert wehrt sich gegen die vermehrt an seinen Verein Pinkstinks gerichtete Forderung, auch die Diskriminierung von Männern anzusprechen. Das Blog Apokolokynthose zerpflückt die Polemik, mit dem Pickert sich für den bestehenden Sexismus zu rechtfertigen versucht.

Mittwoch, Dezember 04, 2019

Wohin mit den Frauen des Islamischen Staats? – News vom 4. Dezember 2019

1.
Große Teile der europäischen Politik und Gerichte scheinen nicht zu glauben, dass Frauen des Islamischen Staates im gleichen Ausmaß an der Kriegsführung beteiligt sein können wie Männer. Man sieht sie als Objekte an, die die ihnen zugewiesene Rolle widerstandslos erfüllen. Sind Frauen nur Opfer? Ich glaube, dass diese Fehlinterpretation auf zwei grundlegenden Missverständnissen beruht.


Hier findet man den vollständigen Artikel von Seyran Ates.



2. Der Münchner "Merkur" berichtet von feministischen Protesten gegen den Flirtcoach Matthias Pöhm, der zur Pick-up-Schule des Flirtens gehört. Pöhm gibt überzeugend kontra.



3. Bei den aktuellen PISA-Test zeigen sich die Jungen einmal mehr, so die "Süddeutsche Zeitung", als "das schwächelnde Geschlecht":

Die Forscherinnen und Forscher suchen nach einer Erklärung.


Tatsächlich liegen die Erklärungen seit über zehn Jahren vor. Es interessiert sich von den Verantwortlichen kaum jemand dafür, weil ausschließlich Mädchen als förderungswürdig gelten.

Dienstag, Dezember 03, 2019

Anthropologin: Treue für Frauen schwieriger als für Männer – News vom 3. Dezember 2019

1. Für einen Artikel, der im Volltext leider nur für Mitglieder zu lesen ist, haben die Krautreporter die Anthropologin Wednesday Martin zu ihrem aktuellen Buch interviewt. Ein Auszug:

Wednesday Martin: Wir haben uns lange erzählt, Frauen würden fremdgehen, nur weil etwas in ihrer Ehe oder Partnerschaft nicht stimmt. Manchmal ist das so – aber nicht immer. Was wir aus den neuen Daten ablesen können: Frauen beginnen früher als Männer, sich in langen Beziehungen sexuell zu langweilen, nämlich zwischen dem ersten und dem vierten Jahr. Egal, ob sie in einer glücklichen Beziehung leben oder nicht.

Krautreporter: Und bei Männern ist das anders?

Wednesday Martin: Männer begehren ihre Partnerin länger. Bislang dachten wir, das würde einfach bedeuten, Frauen mögen Sex weniger gern als Männer. Aber wenn man Frauen fragt: "Wie wäre es, wenn Sie mit einem fremden Mann und nicht ihrem Partner Sex haben könnten?", dann sagen sie: "Oh wirklich? Warten Sie, ich bin sehr interessiert!" Heute wissen wir: Monogam zu leben ist für Frauen mindestens so hart wie für Männer. Und ich persönlich glaube, genauso wie viele Sexualwissenschaftler und Biologen, dass es für sie sogar noch schwieriger ist.




2. Facebook verbietet Fotos von Männern, die sich küssen.



3. Für die Neue Zürcher Zeitung hat Judith Basad den Männerforscher Klaus Theweleit interviewt. Der glaubt: "Männer tragen eine 12 000 Jahre alte Gewaltgeschichte im Körper, die in unseren Gesellschaften gepflegt und gefördert wird".



4. Im liberalen Magazin "Schweizer Monat" hat der Strafrechtler und Publizist Professor Tonio Walter den Artikel "Von der Wertlosigkeit der Männer" veröffentlicht. Der Beitrag steht bis heute Vormittag 11:31 Uhr kostenfrei online. Er erörtert, wie stark männliche Opfer in unserer Gesellschaft vernachlässigt werden, und gelangt zu dem Fazit:

Nicht erklären kann unsere Geringschätzung männlicher Leben, Körper und Gefühle offensichtlich der evolutionsbiologische Hinweis auf die Entbehrlichkeit der Männer. Ein Sozialdarwinist mag so denken, ein Humanist nicht. Ein Humanist hat jeden Menschen ohne Rücksicht auf das Geschlecht zu betrachten, wertzuschätzen und ihm, soweit möglich, auf seinem Lebensweg zu helfen. Zugunsten von Frauen dürfte das bereits eine verbreitete Überzeugung sein – gut so. Es wird Zeit, sie auf alle Menschen, sogar auf Männer, zu erstrecken.


Auf Facebook bedauert Tonio Walter, der in Regensburg lebt und als Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht tätig ist, ein solcher Text sei "in Deutschland nicht zu veröffentlichen infolge Meinungsgleichschaltung und Faktenblindheit der Leitmedien zu Themen wie diesem. Was für DDR-Bürger das Westfernsehen war, sind für aufgeklärte Deutsche heute NZZ und Schweizer Monat."



5. Apropos Regensburg: Auch dort fanden am Wochenende Klimaproteste statt. Kernbotschaft offenbar: "Gegen die alten weißen Männer". Geht die Bekämpfung des Klimawandels wirklich schneller, wenn man die Gesellschaft vorher nach Alter, Hautfarbe und Geschlecht in Gut und Böse spaltet? Haben junge schwarze Frauen für das Klimaproblem tatsächlich Lösungen anzubieten, die funktionieren und auf die alte weiße Männer nicht gekommen waren?



6. Der Youtube-Kanal Jubilee, der öfter Gespräche organisiert, bei denen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinander treffen, hat aktuell ein über 20 Minuten langes Streitgespräch von Männerrechtlern mit Feministinnen online gestellt.

In der Kommentarspalte unter dem Video wird auch Kritik daran geäußert. Häufigster Kritikpunkt: Gegen drei Feministinnen argumentierten zwei Männerrechtler und ein junger Mann namens Derrick, der sich einfach mit Frauen schwer tut. Zweithäufigster Kritikpunkt: Warum wurden die weltanschaulichen Fraktionen nach Geschlechtern aufgeteilt, statt eine Männerrechtlerin und einen Feministen dazu zu nehmen?

Dem unbenommen: In den deutschen Leitmedien wäre selbst ein solches Gespräch auf Augenhöhe unvorstellbar: weder als verschriftlicher Artikel noch als konstruktiver TV-Talk Die journalistische Zukunft findet inzwischen im Internet statt, das die Leitmedien vor allem als Quelle des Hasses präsentieren.

Montag, Dezember 02, 2019

Neues englisches Buch schildert, wie der Einsatz für Männerrechte in Deutschland unterdrückt wird

Aktuell erscheint im internationalen Buchhandel der von Penelope Holt und Samuel Kronen herausgegebene, englischsprachige Sammelband Dissenters Project: The Price of Honest Dissent in Cancel Culture. In diesem Buch finden sich Beiträge von ganz unterschiedlichen Menschen, die für ihre abweichenden Meinungen Repressionen erfahren. Im Klappentext des Buches heißt es:

Diese Dissidenten haben den Preis dafür bezahlt oder zahlen den Preis dafür, unbeliebte Ideen auszudrücken, die sie in Gefahr bringen, weil sie nicht einen vorherrschenden Status quo aufrechterhalten, sondern gegen den Strich unterwegs sind und anderen in ihrem beruflichen, politischen oder sozialen Umfeld widersprechen, was oft Rückschläge, Bestrafungen, Grausamkeiten, Verluste und Ausgrenzungen auslöst. Wie frühere Andersdenkende haben sie sich ihren Ängsten gestellt, um sich zu widersetzen und diejenigen herauszufordern, die sie zum Schweigen bringen wollen. Dadurch machen sie die Welt interessanter und das Gespräch reicher. Sie helfen, den wahren Wert und die Bedeutung von Meinungsverschiedenheiten zu zeigen und ihre entscheidende Rolle dabei, Positionen zu mildern, den Mächtigen gegenüber die Wahrheit zu sagen und Debatten auszugleichen.


Wenn die Herausgeber eines solchen Buches sich anschauen, wo auf der Welt abweichende Meinungen besonders stark ausgegrenzt werden, geht ihr Blick bald auch zu der Situation von Männerrechtlern in Deutschland, wo wir eine starke Repression durch Politik, Medien, den akademischen Sektor und teilweise kleinkriminelle IdeologInnen erleben. Deshalb wurde auch ich für das Kapitel "Masculism in Germany" angefragt, das in diesem Buch enthalten ist.

Die anderen Kapitel kenne ich selbst noch nicht, aber wie ich anhand des Inhaltsverzeichnisses sehe, findet sich etwas weiter hinten in diesem Buch auch ein Beitrag von Dr. Warren Farrell darüber, wie er vom Pionier des Feminismus zum "Martin Luther King der Männerbewegung" wurde. Damit ist dies das erste Buch, in dem man sowohl den Beitrag eines deutschen als auch eines US-amerikanischen Männerrechtlers findet.

Mit diesem Buch erhält die Ausgrenzung von Männerrechtlern in Deutschland nicht zum ersten Mal Aufmerksamkeit außerhalb unseres Landes. Das war bereits vergangenes Jahr in der Fachzeitschrift Journal of Information Ethics der Fall.

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