Montag, Juni 01, 2026

Unter Generalverdacht: Warum Männer beim Deutschen Filmpreis nur noch stören

1. Der Deutsche Filmpreis soll das Kino feiern. Stattdessen wird die Gala zum Tribunal der Geschlechter. "Die Welt" berichtet.



2. In der Berliner Zeitung geht es um ein anderes Thema:

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages sieht das Vorgehen des Bundesverteidigungsministeriums bei der Abmeldepflicht für wehrfähige Männer als rechtswidrig an. Das Ministerium habe seine Kompetenzen mit einer Allgemeinverfügung weit überschritten.

Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Linksfraktion in Auftrag gegebenes Gutachten. Hintergrund ist eine Regelung im zum Jahresanfang in Kraft getretenen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Danach benötigen Männer zwischen 18 und 45 Jahren eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr, wenn sie das Land für mehr als drei Monate verlassen wollen.

Laut Gutachten darf das Ministerium zwar Ausnahmen von der Abmeldepflicht erlassen. Mit der Allgemeinverfügung sei aber eine gesetzliche Regelung komplett außer Kraft gesetzt worden. "Diese Möglichkeit verbleibt lediglich der Judikative im Rahmen der Verfassungsgerichtsbarkeit", zitiert die Tagesschau aus dem 13-seitigen Papier. Nur das Bundesverfassungsgericht dürfe ein Gesetz oder Teile davon aufheben.




3. Die "taz" weist auf eine französische Schriftstellerin hin, die schon 1405 die Vision einer Stadt für Frauen entwarf und damit "einen der frühsten Grundsteine des Feminismus" gelegt haben soll. Überschrift des Artikels: "Der Traum des Lebens ohne Männer".

Und morgen wird wieder jemand wie Sarah Engels durch die Gegend gehetzt, weil sie nicht verstanden hätte, dass der Feminismus gar nichts gegen Männer hat, sondern nur Gleichberechtigung möchte, bist du zu blöd die Definition im Wörterbuch zu lesen oder was? Feinstes Gaslighting. Der "taz"-Artikel hingegen schließt offen und ehrlich mit den Worten: "Der Traum einer matriarchalen Welt ist heute noch so aktuell wie 1405."

Ein Kommentar unter dem Artikel stellt seine Autorin, Gabrielle Meton, zur Rede:

Werte Frau Meton, ich frage mich nach der Lektüre Ihres Textes, ob Sie das Buch überhaupt gelesen haben. Es geht nicht um einen safe space für Frauen; die fiktive Stadt, gebaut auf dem Feld der Literatur, wird ausschliesslich von den von Ihnen erwähnten Frauen aus der Geschichte und heiligen und profanen Erzählungen bewohnt. Was de Pizan entwirft, ist so etwas wie ein weiblicher Gegenkanon. Und es geht auch an keiner Stelle darin um einen Traum von einem Leben ohne Männer. Die Autorin ist eine überaus faszinierende historische Figur und das Buch ein ebenso faszinierendes Werk. Aber ohnehin und noch mehr deshalb verdienen es und sie seriöse Lektüren.




4. "Ich erkenne meinen Sohn nicht mehr wieder", wird eine Mutter in der Überschrift eines Artikels darüber zitiert, "wie Maskulinismus die Bindung zwischen manchen Müttern und ihren Söhnen stört". Tja, womöglich störte der frühe Feminismus auch viele Beziehungen zwischen Töchtern und ihren Vätern.

Der Beginn des Artikels umreißt das Problem:

Es beginnt oft mit subtilen Anzeichen. Eine knappe Bemerkung beim Abendessen, ein Video, das ohne Erklärung geteilt wird, ein höhnisches Lachen beim Wort "Feminismus". Nach und nach beobachten manche Mütter, wie sich die Einstellung ihres Sohnes verändert, bis sie die Bindung, die sie einst für stark und selbstverständlich hielten, nicht mehr wiedererkennen.


Das sind seit jeher die Schrecken der Pubertät: Kinder plappern ihren Eltern nicht mehr alles brav nach, sondern entwickeln eine eigene Persönlichkeit. Aus Sicht mancher Eltern ist das bestimmt deprimierend.

Ein Teil dieser Radikalisierung findet online statt. Plattformen wie TikTok, X (ehemals Twitter) und YouTube dienen oft als Einstiegspunkte zu Inhalten rund um Dating, Erfolg und Selbstvertrauen, die zunehmend in feindselige Rhetorik abgleiten. Die Gefahr liegt nicht nur in den Inhalten selbst, sondern auch im Empfehlungssystem, das Nutzer in homogenen Filterblasen gefangen hält. Eine britische qualitative Studie von Ofcom beschreibt eine fragmentierte "Manosphäre", in der soziale Isolation die radikalsten Ideen verstärkt.


Wie verlogen kann man eigentlich einen Artikel schreiben? Das Wort "fragmentiert" verdeckt, was die Ofcom-Studie eigentlich zeigte: dass die bei vielen Journalistinnen verhasste Manosphäre gerade kein "homogener" Ort allen Übels ist, sondern ein Ort der Vielfalt, der von einem "starken Engagement für Gleichbehandlung und Fairness" geprägt ist.

Der Artikel über die von ihrem Sohn verstörte Mutter endet mit dem Satz: "Es geht darum, wie eine Gesellschaft den Dialog bewahren kann, ohne dass sich eine Weltanschauung durchsetzt, sowohl im Privaten als auch online, in der Frauen zu Gegnerinnen werden." In der Geschlechterdebatte, die in den Artikeln der letzten Zeit stattfand, waren es allerdings nicht die Frauen, die man zu Gegnern erklärt hatte.



5. Auf einem Erlanger Volksfest spielt man jetzt "Skandal im Sperrbezirk" erst Recht, nachdem die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt das unterbinden wollte. Spiegel-Online hat sich dort umgesehen und unter anderem mit dem Wirt Till Stürmer gesprochen:

Stürmer lässt sich auf eine Sitzbank fallen und fragt: "Wollen wir mit der Liste anfangen?" Sie liegt schon ausgedruckt auf dem Tisch.

"Liebe Wirt*innen", so beginnt die Liste. Stürmer erzählt, er habe sie zwei Tage vor Beginn der Bergkirchweih bekommen. So wie jedes Jahr sei das Ordnungsamt gekommen, die Feuerwehr, das Bauamt, die Lebensmittelbehörde und hätten die Behördenabnahme mit den Wirten gemacht. Am Ende bekamen die Wirte eine Mappe mit Dokumenten für Sicherheit, Hygiene, Brandschutz, sagt Stürmer.

In dieser Mappe habe dieses Jahr die Liste gelegen. Sie hätten sie auch noch einmal gesondert per Mail verschickt. Persönlich, sagt Stürmer, habe er noch nie mit den Menschen von der Gleichstellungsstelle gesprochen.

Man hätte gern die Stadt zu alldem befragt. Sie teilt allerdings mit, ein Interview zu dem Thema sei nicht möglich. Stattdessen schickt der Pressesprecher ein Statement. In dem wird darauf hingewiesen, dass es einen Stadtratsbeschluss von 2021 gebe, der das Abspielen von Liedern verhindern soll, "die Gewalt verherrlichen oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit transportieren".

(…) Es wirkt ein bisschen so, als hätten die Autoren den Song nicht verstanden. Dass er einst ja ein Aufbegehren gegen die Spießer war, allen voran gegen Peter Gauweiler, den langjährigen CSU-Politiker, der Prostitution aus München an den Stadtrand verbannen wollte.

(…) Man kann sich tatsächlich fragen, ob es Aufgabe einer Gleichstellungsstelle ist, Liedempfehlungen für Volksfeste auszusprechen. Und ob Kunstfreiheit nicht auch darin besteht, Hässliches und Stumpfes und vielleicht sogar Dummes auszuhalten. Kunst tut manchmal weh, nicht nur den anderen.




6. Beginn eines Interviews auf Spiegel-Online:

SPIEGEL: Frau Webb, stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Nach einem Sturm dümpeln zwei leckgeschlagene Boote auf den Wellen. In einem sitzt ein älterer Mann, im anderen drei Hunde. Sie können nur eines retten. Welches wählen Sie?

Webb: Das hängt davon ab, wer der Mann ist und welche Hunde es sind. Und von meiner persönlichen Beziehung zu ihnen. Aber würde ich den Mann retten, nur weil er ein Mensch ist? Da lautet meine Antwort: Nein. Was, wenn der Mann schweres Leid über die Welt bringt? Oder wenn er schon morgen an einer schweren Krankheit sterben wird?


Der Leser, der mich auf dieses Interview aufmerksam machte, schreibt mir dazu: "Man stelle sich vor, ein männlicher Primatenforscher gäbe ein Interview, in dem er sagt, dass er sich vorstellen könne, drei Hunde zu retten, eine junge Frau jedoch draufgehen zu lassen ..."



7. "Erstaunlich vorurteilsfreier und einfühlsamer Artikel" schreibt mir ein anderer Leser, der mir einen "Zeit"-Artikel über Incels schickt. Mein Leser hat Recht. Der Artikel spricht das an, was viele andere Beiträge verschweigen, deren Verfasser einfach nur abtippen, was andere über Incels behaupten:

Die Welt, die die Incels geschaffen haben, hält auch unerwartete Orte bereit. Da gibt es Essays und philosophische Abhandlungen und Foren, in denen Incels respektvoll mit Feministinnen philosophieren. Die Welt der Incels, so sagte es die amerikanische Journalistin Naama Kates einmal, sei "vielschichtig, wortgewandt, urkomisch, anstößig und zutiefst herzzerreißend".


Der Artikel ist lang, aber bei Interesse am Thema in Gänze lesenswert. Ein weiterer kluger Satz daraus: "Lange wurde in der Öffentlichkeit und der Wissenschaft über Incels gesprochen, nicht mit ihnen." Hier fallen mir noch andere Gruppen ein, für die dasselbe gilt.

[der Evolutionspsychologe Andrew] Thomas befragte 561 Männer aus den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich für seine Studie. Er stellte dabei fest, dass die Incels ziemlich divers waren: Manche kamen aus der Arbeiterklasse, manche aus dem Bürgertum. Fast die Hälfte der Befragten gab an, People of Color zu sein, Latinos, schwarze Amerikaner, Araber. Politisch verorteten sie sich leicht links der Mitte. Sie waren für die Gleichstellung von Homosexuellen. Sie befürworteten einen gut ausgestatteten Sozialstaat. In einem Punkt waren sie sich ähnlich: Die große Mehrheit der Incels lehnte den Feminismus ab. Viele verharmlosten Vergewaltigungen.


Der letzte Satz wirkt in dieser Auflistung etwas bizarr. Ich will mich nicht durch die gesamte Studie wühlen und frage eine KI (ChatGPT), wie genau sich das gezeigt haben soll:

Wenn du auf die Arbeiten von Andrew G. Thomas und seinen Mitautoren anspielst, dann bedeutet "Verharmlosung von Vergewaltigung" in der Regel nicht, dass die Befragten Vergewaltigung ausdrücklich gutgeheißen hätten. Die Forschenden verwendeten vielmehr psychologische Skalen, die Einstellungen wie die folgenden erfassen:

* Zustimmung zu sogenannten "Vergewaltigungsmythen" (z. B. die Annahme, Frauen würden Vergewaltigungen häufig erfinden oder übertreiben).

* Tendenzen, Opfern eine Mitschuld zuzuschreiben.

* Die Auffassung, bestimmte Formen sexueller Nötigung seien nicht wirklich Vergewaltigung.

* Rechtfertigungen sexueller Gewalt unter bestimmten Umständen.

* Eine geringere moralische Verurteilung von sexuellen Übergriffen.


Ah, okay. In dieser Lesart verharmlost also schon jeder Vergewaltigungen, der darauf hinweist, dass Falschbeschuldigungen häufig sind. Alles klar. Wir lesen weiter.

Terroristen machten einen verschwindend geringen Teil der Community aus. Auch Sexualstraftäter seien meist keine Incels. "Viele Studien zeigen: Es sind die sexuell erfolgreichsten Männer, die den Großteil der sexuellen Übergriffe begehen", sagte Thomas. Dann redete Thomas über die Selbstmorde. Die Incels, die an seiner Umfrage teilnahmen, waren oft zutiefst unglücklich. 40 Prozent von ihnen erreichten in Fragebögen den klinischen Schwellenwert für eine Depression. Ein Fünftel hatte zuletzt täglich über Selbstmord nachgedacht.


In unseren Leitmedien hingegen erscheinen Incels hundertmal häufiger als Bedrohung, als Menschen, die Hilfe brauchen. Wir werden zugeknallt mit Artikeln wie

"Hass als Einstiegsdroge: Die lebensbedrohliche Szene der Incels"

"Incels: Frauenhass, der in Gewalt endet"

"Incels – unterschätzte Gefahr aus der dunklen Ecke des Netzes" (Hate Aid zeigt hier schon durch die geschickte Bebilderung, wie man Hass auf diese Menschen erzeugt)

"Incels: von Frauenhass bis Terror"

"Viele Regierungen unterschätzen den Hass der ›Incel‹-Foren völlig"

Und natürlich:

"In jedem Mann steckt ein Incel" – und niemand auf dem Podium widerspricht

In der Kurzzusammenfassung, die mir ChatGPT von der Andrew-Thomas-Studie gibt, heißt es hingegen weiter:

Wichtig ist allerdings eine Differenzierung: Die Forschung von Thomas zeichnet kein Bild, wonach Incels insgesamt Vergewaltigungen befürworten würden. Seine Arbeiten betonen vielmehr, dass die Incel-Population sehr heterogen ist und dass problematische Einstellungen bei einem Teil der Gruppe auftreten, nicht bei allen Mitgliedern. Zudem hebt Thomas regelmäßig psychische Belastungen, soziale Isolation und suizidale Gedanken innerhalb der Szene hervor.


Differenzierung ist für unsere Leitmedien und für das Gender-Lager jedoch ganz schwer. Dort bringt man es auf den Nenner: In jedem Mann steckt ein Incel und in jedem Incel ein frauenhassender Terrorist.

Schließlich heißt es in dem Artikel der "Zeit":

Diese Dynamik beherrscht Teile von Reddit. Manche Incel-subs bestreiten ihr Programm damit, Screenshots von Frauen zu teilen, die auf TikTok oder Instagram über Männer lästern. Orte wie Inceltears, Incel-Tränen, wiederum leben davon, die hasserfülltesten Kommentare aus Incel-Foren zu teilen.


Es gibt also zwei radikale Lager, die sich gegenseitig hochschaukeln, und unsere Leitmedien blenden in gewohnter Routine eine Seite dieser Kontroverse komplett aus. So kann man einen Boxkampf auch als ein Verbrechen beschreiben, bei dem einer einen anderen zusammenprügelt.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, Mai 29, 2026

Hört der Feminismus auf, wenn die Rechnung an den Tisch kommt?

1. Immer mehr Frauen bezeichnen sich als Feministinnen, wollen aber weiterhin, dass der Mann alles bezahlt.

Influencerin Suki beschreibt etwa offen, sie date nur Männer, die mindestens 35.000 Euro im Monat verdienen, nennt ihren Partner einen "Geldautomaten" und bezeichnet sich selbst als "Gold Diggerin". Für diesen Content wurde Suki im Übrigen zeitweise mit einem Podcast im Öffentlich-Rechtlichen belohnt.


Maxima Tribull hinterfragt diese Haltung in der Berliner Zeitung.



2. Im Skandal um die Leiterinnen eines Männergefängnisses in Gablingen kommt es zu neuen Erkenntnissen:

Über eine Stunde soll ein SIG-Beamter am Bett eines verletzten Gefangenen gerüttelt haben, damit der Häftling nicht zur Ruhe kommen konnte. Ein weiterer, psychisch schwer kranker Gefangener, habe in eine Einzelzelle gesperrt werden sollen – obwohl er laut einer Gefängnismedizinerin dringend zwischenmenschlichen Kontakt benötigt hätte. Bei der Verlegung soll der Häftling eine Panikattacke erlitten haben.

Doch anstatt den Gefangenen nun entsprechend dem ärztlichen Rat in einer Gemeinschaftszelle unterzubringen, soll der Mann noch mehr isoliert worden sein – und komplett nackt in einen der sogenannten "besonders gesicherten Hafträume" (bgH) gesperrt worden sein: einen gänzlich leeren Betonraum, nur mit einem Loch für die Notdurft.

Diese Spezialzellen sollen in Gablingen zur Bestrafung und Schikane genutzt worden sein – um Gefangene zu demütigen oder gefügig zu machen, so der Vorwurf. Laut der Augsburger Staatsanwaltschaft wurden in 117 Fällen Gefangene dort rechtswidrig eingesperrt, meist nackt und ohne Decke und Matratze – süffisant kommentiert in den WhatsApp-Chats, die dem BR vorliegen. Laut den Ermittlungsbehörden sollen sie von Beamten der JVA Gablingen verfasst worden sein.

Welche Folgen die Inhaftierung auf bloßem Boden hat, untersuchte nach BR-Informationen ein Gutachter im Selbstversuch. Das Ergebnis: Nach zwei Stunden seien die Schmerzen so stark gewesen, dass ein Einschlafen nicht mehr möglich gewesen sei. Nach vier Stunden sei der Selbstversuch abgebrochen worden – wegen der Gefahr von Folgeschäden. In Gablingen sollen Gefangene bis zu zwei Wochen in den bgH-Zellen weggesperrt worden sein.

Hinzu kommen massive Gewalt-Vorwürfe: Häftlinge sollen nach Erkenntnissen der Ermittler gewürgt worden sein, seien mit Faustschlägen ins Gesicht und Tritten in den Brustkorb traktiert worden, teils mit dem Einsatz des Schlagstocks. In einem Fall seien dem Gefangenen zuvor die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt worden. Die Vizechefin soll bei den Übergriffen teils selbst zugegen gewesen sein.

(…) Zusätzlich sollen Gefangene gedemütigt worden sein: Ein Häftling habe nach BR-Informationen komplett nackt vor SIG-Mitgliedern Kniebeugen machen müssen. Ein anderer sei aufgefordert worden, sich bei der SIG für einen Übergriff zu bedanken. Und wieder ein anderer schildert, wie er ausgelacht worden sei, während ihn SIG-Beamte mit verdrehten Armen gegen Türen und Geländer gestoßen hätten.

(…) Die Vizechfin soll selbst keine Gefangenen körperlich attackiert haben. Trotzdem wird sie als Mittäterin beschuldigt, weil sie SIG-Beamte zu Übergriffen auf Gefangene ermutigt und dann gedeckt haben soll. JVA-Personal, das die Übergriffe womöglich missbilligt hätte, sei von der Vizechefin versetzt oder weggeschickt worden, teils mit den Worten "husch, husch".

(…) Die frühere JVA-Leiterin wusste laut der Staatsanwaltschaft, dass Gefangene rechtswidrig in bgH-Zellen gesperrt worden seien. Die Ermittlungen legen nahe, dass sie sich vor allem im Homeoffice aufhielt. Ihre Anwältin wollte sich nicht dazu äußern. Die Vizechefin soll gepostet haben, die JVA Gablingen nach ihren Vorstellungen zu "kreieren". Später ist von "absoluter Diktatur" die Rede. Dahinter postet die Vizechefin ein Emoji: einen Affen, der sich die Augen zuhält.


Auch die Tagesschau berichtet darüber:

Ein Gefangener sei "verräumt" worden, soll die damalige Vizechefin der JVA in einer Chatnachricht geschrieben haben, die dem BR und Kontraste ebenfalls vorliegt. Dass dies für den Gefangenen offenbar schmerzhaft war, habe den Beamten Freude bereitet, schrieb sie weiter. Nur bei der "B-Note" hätte es besser laufen können: Die Beamten hätten bei dem mutmaßlichen Übergriff auf den Gefangenen nur "wenig gelacht".

(…) Wenn Grenzen überschritten würden, müsse dies nach außen hin "anständig" aussehen, soll die Vizechefin in einem Chat geschrieben haben. In einer weiteren Nachricht, die BR und Kontraste ebenfalls vorliegt, räumte sie laut Ermittlungsbehörden sogar ein, dass sie selbst und SIG-Beamte "rechtswidrig" handeln würden.




3. "Ihr wollt nicht als alte, weiße Frauen abgestempelt werden? Dann seid keine" fordert Alexandra Zykunov auf Spiegel-Online von Frauen, die ihr nicht feministisch genug sind, und legt damit offen, was der Sinn solcher Beschimpfungen ist: Wenn du nicht persönlich angegangen werden möchtest, verhalte und äußere dich gefälligst so, wie wir das wollen. Nachdem sie die wichtigsten Inhalte ihrer Weltsicht dargelegt hat – "Feminismus ist kein Männerhass" und "#allmen heißt nicht, dass alle Männer Täter sind" – , führt Zykunov weiter aus, was diese Frauen alles falsch machen. Zum Beispiel

statt die dahinter liegenden patriarchalen Strukturen zu adressieren, lieber den sogenannten Choice-Feminismus propagieren: "Ihr habt euch doch freiwillig für Kinder entschieden; niemand hat euch gezwungen, in Teilzeit zu gehen; dann hättet ihr einfach aktiv besser verhandeln sollen; Augen auf bei der Partnerwahl" usw. Als hätte sich die Hälfte der Bevölkerung das mit der eigenen Unterdrückung freiwillig ausgesucht und könnte da easy peasy wieder rauskommen. Alles nur eine Frage des Wollens.


Zu den Frauen, die von Zykunov attackiert werden, gehören die Schauspielerin Senta Berger, die sich kürzlich männerfreundlich geäußert hatte, sowie die erste Trainerin eines männlichen Bundesligavereins, Marie-Louise Eta, weil sie auf die Frage nach einer Frauenquote erklärte, sie wolle aufgrund ihrer Qualität eingestellt werden und nicht aufgrund ihres Geschlechts. Zykunov ist fassungslos: "Leute, bitte! Es ist doch wirklich nicht so schwer!" Auch die Sängerin Sarah Engels wird von Zykunov aufs Korn genommen, nachdem sie erklärt hatte, keine Feministin zu sein, was einen massiven Shitstorm auslöste, den etliche Leitmedien flankierten. Engels lernte aus dieser Erfahrung, verkündet jetzt brav, sie sei doch eine Feministin und bittet um Verzeihung dafür, sich anders geäußert zu haben. (Wo kämen wir auch hin, wenn Frauen in solchen Fragen Wahlfreiheit hätten? Irgendjemand muss ihnen doch beibringen, was sie sagen und denken sollen!) Zykunov ist zufrieden damit, dass Sarah Engels erfolgreich eingenordet wurde: "Wie gesagt, es ist wirklich nicht so schwer."



4. Christian Schmidt analysiert heute einen aktuellen Artikel von Sophia Süßmilch: "Feministinnen raus aus dem Internet! Ich will Straßenschlachten!"



5. Israel hat die Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen aufgekündigt. Auslöser ist die Aufnahme israelischer Behörden in einen noch nicht veröffentlichten UN-Bericht über sexualisierte Gewalt in Konflikten. Die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramila Patten, hatte bereits zuvor mitgeteilt, es gebe glaubwürdige Hinweise auf sexuelle Übergriffe israelischer Sicherheitskräfte auf palästinensische Häftlinge.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ich möchte Sie gerne auf einen Beitrag bei YouTube aufmerksam machen. Darin wird aus der Perspektive eines männlichen Opfers geschildert, welche Folgen sexuelle Übergriffigkeit haben kann.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Mittwoch, Mai 27, 2026

Väter nach einer Fehlgeburt: "Sie sind doch nur der Ehemann!"

1. Stirbt ein Kind in der Schwangerschaft, richtet sich das Mitgefühl fast immer auf die Mutter. Bei der "Zeit" erzählen drei Väter, wie sie Fehlgeburten erlebt und verarbeitet haben.



2. Von einer "Herdprämie für Männer" schreibt die taz angesichts der neuen Elterngeldpläne des Familienministerums: Der Staat wolle nicht mehr das volle Elterngeld zahlen, wenn sich ein Paar die Kinderbetreuung nicht annähernd gleich aufteilt.



3. Volle 74 Menschen verloren nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) im vergangenen Jahr auf Baustellen ihr Leben. Zudem zählt die Gewerkschaft jährlich 400 Tote infolge von Berufskrankheiten. Sie ist daher alarmiert und warnt die Beschäftigten in einer Pressemitteilung, Gefahren bei der Arbeit nicht einfach hinzunehmen.

Der Leser, der mich auf diesen Artikel darüber hinwies, merkt an: "Wenn Frauen eher tödliche Arbeitsunfälle erleiden würden, täte man bei der Berichterstattung groß drauf hinweisen." Das Wort "Männer" komme aber im gesamten Artikel nicht vor.



4. Im feministischen Lager kommt es weiterhin zu einer nicht enden wollenden Kette von Tragödien: der Geburt von Söhnen, einer Erfahrung, die als "vernichtend" beschrieben wird:

"Dieses Baby wird einen Penis haben", sagte die 32-jährige Anna, die sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs im zweiten Trimester befand. "Das fühlt sich so … obwohl ich verheiratet bin und einen Ehemann habe, fühlt es sich einfach fast wie etwas Fremdes an." (Ich nenne einige der Eltern und werdenden Eltern nur mit ihrem Vornamen, um ihre Privatsphäre zu schützen.) Die Angst, dass dein Kind verwirrend anders sein wird als du, geht weit über körperliche Merkmale hinaus (obwohl das Konzept der männlichen Pubertät eine weitere Quelle anatomischer Bedenken war). Wie die 34-jährige Rana Othman, Mutter eines 13 Monate alten Jungen, es ausdrückte: "Ich weiß, wie man sich als Frau in der Welt zurechtfindet, und das hat mir meine Mutter beigebracht. Ich weiß nicht, wie es ist, sich als Mann in der Welt zurechtzufinden. Ich habe keine Ahnung. Ich habe wirklich keine Ahnung." Sarah konnte dieses Dilemma nachvollziehen: "Ich weiß, wie man eine selbstbewusste Frau großzieht, die sich nichts gefallen lässt, aber ich weiß nicht wirklich, wie man einen einfühlsamen Mann großzieht." Ihr Sohn ist 4, und "im Alltag sehe ich ihn einfach als Individuum", sagte sie. "Aber hin und wieder löst irgendetwas bei mir so eine Reaktion aus, bei der ich denke: Oh, Scheiße. Es ist wie eine riesige Verantwortung, die auf mir lastet, das Problem der weißen Männer zu lösen."

(…) Ein Freund kam zu Besuch, als ich schwanger war, und zählte die verschiedenen Gründe auf, warum sein kleiner Sohn schwieriger zu bändigen sei als seine engelsgleiche Tochter. Er erzählte das alles so beiläufig, als wäre ihm gar nicht bewusst, dass er damit meine schlimmsten Befürchtungen bestätigte. Doch meine Sorge, dass kleine Jungen kleine Terroristen sind, ist weniger ein alarmierendes potenzielles Problem als das, worauf Sarah und andere anspielten. Ich war so sehr damit beschäftigt, mir Sorgen zu machen, dass mein wildes Kind niemals still in einer Ecke lesen wollen würde, dass ich mich der Möglichkeit, er könnte in die "Manosphere" hineingezogen werden, nicht voll und ganz gestellt hatte.

(…) Als ich in meinen sozialen Medien einen Aufruf an Eltern richtete, ihre Erfahrungen mit der Enttäuschung über das Geschlecht ihres Kindes zu teilen, erhielt ich eine Flut von Direktnachrichten von Müttern. Es war schwieriger, Väter zu finden, die – zumindest anfangs – enttäuscht waren, einen Sohn zu bekommen, aber es gibt sie, und ich habe für diesen Artikel mit zwei von ihnen gesprochen. Der 30-jährige Cameron erzählte mir, dass er sich zwar ursprünglich eine Tochter gewünscht hatte, sich aber keine besonderen Sorgen darüber machte, einen Jungen großzuziehen. Er räumte ein, dass sein Sohn vielleicht "etwas wirklich Schlimmes" tun könnte, glaubt aber nicht, dass er darauf Einfluss nehmen kann. Was er tun kann, ist, seinen Sohn zu lieben und dafür zu sorgen, dass er "positive Menschen um sich hat". Camerons Beharren darauf, nicht persönlich für die hypothetischen zukünftigen Handlungen seines Sohnes verantwortlich zu sein, stand in krassem Gegensatz zu den Gefühlen einiger Mütter. Viele von ihnen plagt – meiner Meinung nach zu Unrecht – ein starkes Gefühl der Verantwortung für das zukünftige Verhalten ihrer Söhne. Cassie Wood-Triplett, 34 Jahre alt und Mutter eines 6-jährigen Jungen, erzählte mir, dass sie sich oft fragt: "Wie schaffe ich es, dass er Empathie entwickelt und nicht zu einem schrecklichen Mann heranwächst, denn es gibt so viele schreckliche Männer?"


Die Betroffenen haben mein volles Mitgefühl für diesen schweren Schicksalschlag.



5. In Großbritannien hat inzwischen jeder fünfte Junge entweder selbst eine Künstliche Intelligenz als Partner-Ersatz oder kennt einen solchen Jungen. Während "kennt einen solchen Jungen" natürlich den Sinn hat, die Betroffenenzahlen hochzujazzen (wenn in einer Schulklasse einJunge bekanntermaßen eine AI-"Freundin" hat, zählen plötzlich zum Beispiel 30 Schüler als betroffen), gibt diese Entwicklung trotzdem Anlass zur Besorgnis. "Diese Apps wurden entwickelt, um Daten zu sammeln und mit den Nutzern Geld zu verdienen. Sie wollen, dass die Nutzer sich mit einem Charakter identifizieren und ihn regelmäßig nutzen", sagt Lee Chambers von der Organisation Male Allies. "Sie ermutigen die Nutzer, ihren ‚Partnern‘ virtuelle Geschenke zu kaufen – Rosen, Schmuck, virtuelle Pralinenschachteln –, die nur in der App existieren. Während das für ältere Menschen seltsam erscheinen mag, ist der Kauf digitaler Güter für junge Menschen ganz normal: Sie sind es gewohnt, für eine Spieluniform oder eine neue Waffe in Fortnite zu bezahlen. Letztendlich monetarisieren sie die Einsamkeit der Menschen und verstärken diese Einsamkeit, um mehr Geld zu verdienen."



6. In eigener Sache: Ich bin seit gestern nicht mehr auf X/Twitter. Über Pfingsten wurde mein Konto von einem Account in Kalifornien gehackt – vermutlich nicht gezielt ich persönlich, sondern routiniert im größeren Ausmaß –, um es für Scam und andere verbotene Aktionen zu nutzen. Ich änderte mein Passwort – das war noch möglich – und informierte Twitter über die Sachlage, worauf ich sehr zügig eine offenbar automatisch erstellte Mitteilung erhielt, dass diese Sperrung endgültig sei. Es gibt keine einfachen Wege, um mit einem echten Menschen bei X Kontakt aufzunehmen, sich einfach mit einer neuen Mailadresse anzumelden bringt nichts, und ich frage mich, ob aufwändigere Wege die Mühe wert sind. Schon seit einiger Zeit bin ich nicht sehr glücklich damit, kostenloser Content-Creator für Elon Musk zu sein, was man bei Twitter ja automatisch ist, wollte wegen meines Netzwerks dort die Plattform aber auch nicht einfach verlassen. Jetzt hat mir Twitter die Entscheidung abgenommen.

Wer einen Genderama-Beitrag so gut findet, dass er ihn auf Twitter setzen möchte, kann leicht einen entsprechenden Link erzeugen, indem er auf die Uhrzeit unter dem Beitrag klickt. Wer mit mir in Kontakt bleiben möchte, kann das auch über meine bislang kaum aktiv genutzten Konten bei Instagram oder Bluesky tun, darf aber in den nächsten Tagen erst mal nicht mit einer Flut neuer Beiträge rechnen. Außerdem bin ich natürlich seit vielen Jahren auf Facebook. Auf X empfiehlt es sich, statt mir zum Beispiel "Bombe 20" zu folgen; wir sind bei den meisten männerpoitischen Fragen derselben Meinung.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, Mai 26, 2026

Gleichstellungsbeauftragte untersagt "Skandal im Sperrbezirk"

1. Vor anderthalb Wochen war ich mit Freunden in einem Karaoke-Studio. Eines der ersten Lieder, die wir gewählt hatten, war "Skandal im Sperrbezirk" der Spider-Mrphy-Gang. Wir waren mehr Frauen als Männer und hatten jede Menge Spaß.

Allerdings war auch keine Gleichstellungsbeauftragte unter uns.

Wer die Erlanger Bergkirchweih kennt, kennt auch die Musik, die dort regelmäßig aus den Zelten dringt. Doch die Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen hat nun ein Schreiben an die Wirte des Volksfestes verschickt, das genau das ändern soll.

Wie die "Nürnberger Nachrichten" berichtet, bittet die Behörde in dem Schreiben, zwölf namentlich genannte Songs künftig nicht mehr spielen zu lassen. Die Lieder hätten "aufgrund sexistischer oder frauenfeindlicher Inhalte an der Erlanger Bergkirchweih keinen Platz", heißt es. Die Wirte werden außerdem gebeten, die Vorgabe auch mit Bands und DJs abzustimmen.

(…) Ziel sei es, so die Gleichstellungsstelle, "gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern" auf dem Berg zu ermöglichen. Konkret heißt es in dem Schreiben: "Bitte achten Sie darauf, dass diese Titel bei der Veranstaltung nicht gespielt werden." Man wolle "gemeinsam dafür sorgen, dass sich alle Gäste und Mitarbeitenden auf dem Berg wohl und sicher fühlen".

"Skandal im Sperrbezirk", der Kulthit der Spider Murphy Gang, darf ebenfalls nicht gespielt werden. "So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als wir in der DDR gespielt haben, da mussten wir jedenfalls keine Setliste vorlegen!", sagte Jürgen Thürnau, der Manager der Band, der Nachrichtenseite.


Spiegel-Online ist natürlich auf der Seite der Dame und fragt betroffen: "Gehören frauenfeindliche und sexistische Songs zur deutschen Festzeltkultur?" In dem Song werde "Prostitution mindestens inszeniert, wenn nicht romantisiert". Der Sprecher der Vereinigung der Bergwirte, also der Menschen, die auf der Bergkirchweih ausschenken, sei ebenfalls "absolut der Meinung, dass man diskriminierende Lieder möglichst nicht spielen sollte", denn: Es gebe Menschen, die sich an so etwas störten, und Menschen, die genau diese Lieder hören wollten.

Im vergangenen Jahr hatte es Berichte über sexuelle Belästigung auf dem Volksfest gegeben, womöglich angeheizt durch frauenfeindliche Songtexte. Die Ereignisse seien der konkrete Anlass gewesen, sich intensiver und systematisch damit auseinanderzusetzen, sagte Gleichstellungsbeauftragte Lőrincz den "Nürnberger Nachrichten".


"Skandal im Sperrbezirk" heizt also zu sexuellen Übergriffen an. Jetzt habe ich wirklich alles gehört.

"Wir haben von der Stadt keine Begründung bekommen, gar nichts", berichtet der Manager der Band der Bildzeitung.

Sogar vor einem Erlanger Urgestein macht die Regulierungswut der Stadt keinen Halt: Schlagerstar Peter Wackel (49) steht mit "Joana" auf der Schwarzen Liste. Begründung: "Problematische Zwischenrufe", weil das Publikum auf den Namen "Joana" traditionell mit "Du geile Sau" antwortet. BILD erreichte Wackel in dessen zweiter Heimat Mallorca. Er ist "überhaupt nicht verwundert" über das Vorgehen der Stadt: "Die Bergkirchweih war immer ein wunderbares Fest, ich habe dort über 20 Jahre gesungen. Doch seit fünf oder sechs Jahren hagelt es immer wieder Verbote".

Gesprächsangebote oder Debatten würden von der Verwaltung aber immer wieder abgeblockt. Sein bitteres Fazit: "Unfassbar peinlich das Ganze. Kein Wunder, dass immer mehr Künstler maximal keine Lust auf Deutschland haben. Wir sind dann eben Urlaubssänger für Deutsche im Ausland, wo wir spielen dürfen, was wir möchten."

Auf BILD-Anfrage verweist die städtische Pressestelle auf einen Stadtratsbeschluss von 2021. Damals stimmten CSU, Linke und SPD dafür, dass keine Lieder mit "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" gespielt werden dürfen. Es handele sich auch nicht um ein Verbot, sondern um eine "Sensibilisierung" – wobei die Wirte wohl wenig Spielraum haben, da viele den Grund direkt von der Stadt mieten.


Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlicher, warum gerade "Skandal im Sperrbezirk" auf der Abschussliste steht:

Auch sei beschlossen worden, auf das Abspielen von Liedern zu verzichten, die Gewalt verherrlichten oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit transportieren. (…) In der Handreichung wird folgende Passage aus dem Song der Spider Murphy Gang zitiert: "Und draußen im Hotel L'Amour / Langweilen sich die Damen nur / weil jeder den die Sehnsucht quält / Ganz einfach Rosis Nummer wählt / Und draußen vor der großen Stadt / Stehen die Nutten sich die Füße platt". Gedeutet wird dies so: "Das Lied stellt Sexarbeit als Unterhaltungsobjekt dar und enthält stereotype, abwertende Begriffe. Es verherrlicht Prostitution, objektifiziert Frauen und trägt zur Stigmatisierung von Sexarbeit bei."


Sorry, wird Sexarbeit jetzt in dem Song "verherrlicht" oder "stigmatisiert", also abgewertet? Das sind zwei einander komplett widersprechende Vorwürfe.

Mit "Haben wir sonst keine Probleme?" stellt der "Merkur" die zentrale Frage in dieser Debatte.

Man muss sich das ganz bildlich vorstellen. Da gibt‘s jemanden, der sitzt in einem Büro an einem Schreibtisch, hat vielleicht Musik laufen – und beschäftigt sich damit, zu entscheiden, ob man auf einem Volksfest das Lied "Skandal im Sperrbezirk" spielen darf (oder nicht spielen soll, wegen Sexismus-Verdacht). Die Zeit, in der er – beziehungsweise sie – diese Frage klärt, ist Arbeitszeit. Bezahlt aus Steuergeldern – denn dieser Jemand sitzt ja in einem Amt, in diesem Fall bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen.

Es lohnt sich, diese Szenerie zum Anlass für weiterführende Gedanken zu machen. Erstens ist der erwartbare Stammtisch-Impuls völlig angemessen: Wie glücklich muss ein Land sein, in dem die Staatsdiener Zeit haben, sich um solche Themen zu kümmern! Offenbar gibt‘s da keine anderen, wichtigeren Probleme.

(…) Wenn jetzt jemand auf die Idee käme, dass man dieses Lied verbieten muss, weil darin das Wort "Nutten" vorkommt: Okay, dann soll er ein Verbot beantragen, aber nicht für irgendein Volksfest irgendwo in Franken, sondern grundsätzlich für überall und in jeder Aufführungsform. Wenn dieser Verbots-Antrag nicht kommt (weil er eh keine Aussicht auf Erfolg hat), dann lassen wir bittschön die Kirche im Dorf und die Spider Murphy Gang auf dem Volksfest.


Das ist eine schlüssige Argumentation: Wenn "Skandal im Sperrbezirk" zu sexuellen Übergriffen austachelt, müsste man den Song eigentlich überall untersagen – auch beim Mainzer Karaoke.



2. Wie ist es eigentlich, wenn ganz reale gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen Männer gerichtet ist? Ruft man im feministischen Lager dann ebenfalls zu einer "respektvollen Atmosphäre" auf, weil es Menschen gibt, "die sich an so etwas stören"? Natürlich nicht. In diesem Fall gibt es Artikel wie "Wenn Männer zu viel fühlen"

Immer häufiger beklagten Männer, sich vom Feminismus "pauschal verurteilt" zu fühlen, berichtet Diana Dauer. Das sei aber "eine Nebelgranate". In dem Artikel heißt es weiter:

Die Augen werden … welpig? Traurig? Beleidigt? Wütend? Ich ahne es, ich kenne die Vorzeichen, jetzt wird's wieder mühsam. Jetzt geht es wieder um seine vermeintlich echten, aber völlig fehlgeleiteten "verletzten männlichen Gefühle". Jetzt geht’s wieder um ihn. (…) Von der eigenen Offenheit gerührt, sagt der eine oder andere gefühlvolle Bekannte dann: "Ihr (gemeint sind FeministInnen, Anm. ) redet immer von Männergewalt. Aber ich bin doch nicht so einer." Und mit jedem Wort wütender schießt er nach: "Ich fühle mich gemobbt, ja. Pauschal verurteilt."

(…) Nun gut, das ist nichts Neues. Es gibt schon lange eine Gruppe, die bei jeder Äußerung über Sexismus und Ungleichbehandlung den Verschwörungsmythos der "Misandrie" (Männerhass, Anm.) verbreitet und überall dazu postet. Aber die wütenden Internettrolle sind nicht die Einzigen, um deren Wohl und angebliche Benachteiligung wir uns (ihrer Meinung nach) sorgen sollen. Vom feministischen Diskurs gekränkt fühlen sich nämlich auch jene Männer (und auch einige Frauen), die sich sonst brüsten, die personifizierte Reflexion zu sein und "eh voll für Frauen- und Minderheitenrechte" zu stehen. Wäre da nicht das Problem mit dem "Generalverdacht" ...

(…) Was die Beleidigten offenbar erwarten, ist öffentliche Absolution. Ich sollte wohl als Reaktion auf den Barhocker steigen und über die wummernden Bässe brüllen: "Lobpreiset ihn, denn er ist nicht einer von ihnen! Machet ihn frei von jedem Verdacht." Händchenhaltend und kopftätschelnd solle ich bestätigen, wie schwer sein Los als Mann sei, weil sprachlich zu wenig differenziert werde.

Was eigentlich nötig wäre, ist gesellschaftspolitische Bildungsarbeit. Schon wieder. Immer noch. Unbezahlte Aufklärungsarbeit, weil sie es wohl doch noch nicht begriffen haben, wenn sie ihre persönliche Betroffenheit ins Zentrum rücken.

(…) Natürlich, auch männliche Gefühle gehören gehört, ausgedrückt, beachtet, validiert. Im Kontext von strukturellem Frauenhass, Femiziden, struktureller sexueller, psychischer, finanzieller und physischer Männergewalt gegenüber Frauen und Kindern ist die beleidigte Abwehrhaltung des Einzelnen, der seine unreflektierte Kränkung ins Zentrum der Debatte stellt, aber wirklich nicht das Ultimum. Ich zitiere meine Kollegin Yvonne Widler (Buchtipp: Heimat bist du toter Töchter): "Strukturelle Sprache ist zuzumuten."




3. Damit wir mehr Verständnis für feministischen Hass entwickeln, unterstützt das die Schweizer Zeitung "20 Minuten" mit einem passenden Artikel: "Ich hasse Männer". Frauen erklären warum sie so fühlen. Eine der schönsten Begründungen: "Was gibt es an Männern nicht zu hassen, die diese Gesellschaft so gestalten und sich dann über den Widerstand beschweren?"

Denn eines ist klar: Ohne Männer gäbe es auch so schlimme Songs wie "Skandal im Sperrbezirk" nicht.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, Mai 22, 2026

Schulstreik gegen Wehrpflicht: Schüler berichten von Einschüchterungen durch Sicherheitsbehörden

1. Schüler organisieren Aktionen gegen neuen Wehrdienst. Dann berichten sie von Drohungen staatlicher Kräfte. Die Berliner Zeitung berichtet darüber.



2. Ein Vater kämpft seit Jahren um Kontakt zu seiner Tochter. Vor Gericht in Geislingen an der Steige zieht sich der Streit endlos hin. Deshalb macht er seinen Fall nun öffentlich.



3. Die Post. Heute schreibt mir einer meiner Leser:

Ein fröhliches Hallo, Herr Hoffmann,

dieser Artikel über einen Berliner Justizskandal in der nicht gerade feminismuskritischen Zeit ist einfach nur zum Gruseln, aber viel zu lang, als dass ich ihn zusammenfassen mag.




Donnerstag, Mai 21, 2026

Österreich: Jetzt kann man seinen Schulabschluss in "Feminismus" machen

1. In Österreichs Schulwesen gibt es inzwischen Unterricht zu Feminismus und "toxische Männlichkeit".

A wie Autonome Frauenhäuser. B wie Beziehungsgewalt. C wie Catcalling. "Finde zu jedem Buchstaben des Alphabets einen Begriff, den du mit Feminismus verbindest". Das ist die erste Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler des Reithmanngymnasiums in Innsbruck im Wahlmodul "We should all be feminists"(zu Deutsch: Wir sollten alle Feministen sein, Anm.) gestellt bekommen.


Ob man für "M wie Männerhass" wohl Punkte abgezogen bekommt?

Bereits seit fünf Jahren wird im Europa-, Real-, und Sportrealgymnasium Feminismus als Wahlmodul angeboten. Seit heuer gibt es das Fach in einem aufbauenden Zweiermodul. Feminismus wird damit maturabel. "Im Schuljahr 2027/28 wird es voraussichtlich auch die erste Schülerin oder den ersten Schüler geben, die/der in Feminismus maturiert", erklärt die Lehrerin und Mitgründerin des Feminismus-Moduls Anja Duschek dem KURIER.

(…) "In den Feminismus-Modulen berichten viele Kinder von ihren eigenen Erlebnissen – in der Schule wurde dieser Unterricht zum Safe-Space.“ Zudem würden die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass alle gleiche negative Erfahrungen gemacht haben und es nicht ihr persönliches Problem ist, sondern dass es daran liegt, dass das Patriarchat ein System ist.

Das Patriarchat, seine Folgen und wie es das Leben der Schülerinnen und Schüler beeinflusst, fließen auch in andere Wahlfächer am Reithmanngymnasium ein. Etwa im Wahlfach "What is love?", das sich kritisch-feministisch "mit der Ehe als patriarchaler Institution, dem Scheidungsrecht, unterschiedlichen Beziehungsmodellen und toxischen wie gewaltvollen Beziehungen beschäftigt", erklärt Duschek. Im Wahlfach "My Body, my Choice", das ab dem kommenden Schuljahr ausschließlich für Mädchen angeboten wird, werde es um den weiblichen Körper, den Zyklus, Schönheitsideale, Verhütung, Körperbehaarung, Hormone und das Wohlbefinden der Mädchen im eigenen Körper gehen. An Jungs richte sich das neu kreierte Fach "Oh Mann... Männlichkeit zwischen Meme und Macht“, das sich kritisch mit toxischer Männlichkeit, dem Patriarchat und der Manosphere auseinandersetzen werde. "Das hat bei männlichen Schülern eingeschlagen", berichtet Duschek. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesen Wahlfächern sei insgesamt sehr hoch. Die Module seien bei einer maximalen Teilnehmerzahl von 22 fast ausgebucht.

Für die Lehrerin ist Feminismus als schulautonomes Wahlfach aber zu wenig. Es gab heuer bereits elf Femizide, quasi wöchentlich flögen Chat-Gruppen auf, in denen sich zigtausend Männer austauschten, wie sie Frauen betäuben und vergewaltigen können. "Es ist höchste Zeit, dass Feminismus wie das neue Fach Medien und Demokratie bundesweit als eigenes Fach eingeführt wird", fordert Duschek.




Allerdings ist Feminismus keine Wissenschaft, sondern eine politische Weltanschauung. Über ihre Vorannahmen, Ziele und Methoden herrscht in einer pluralistischen Gesellschaft, man mag es kaum glauben, legitimer Streit. Wenn eine Schule ein Fach einrichtet, das aus feministischer Perspektive die Welt erklärt, verlässt sie den Boden politisch neutraler Bildung. Was hier geschieht, ist kein offenes Erkunden einer Debatte, sondern das Einüben eines Vokabulars, das eine bestimmte Weltsicht bereits voraussetzt. Pädagogisch nennt man das Indoktrination. Eine Schule, die jungen Menschen beibringen möchte, kritisch zu denken, müsste auch den Feminismus kritisch lehren. Erst dann wäre das Versprechen der Mündigkeit eingelöst.

Wie soll eine Matura in Feminismus überhaupt aussehen? Wenn die Korrektur davon abhängt, ob der Prüfling das "Patriarchat" als zentrale Ursache benennt, handelt es sich um einen Glaubensbekenntnis, nicht um eine Prüfungsleistung. Wissenschaftliche Fächer leben von der Möglichkeit, Thesen zu widerlegen. Ein Fach, in dem die Grundannahme – die Existenz eines gesellschaftlichen Patriarchats als totaler Struktur – nicht in Frage gestellt wird, disqualifiziert sich selbst als Prüfungsgegenstand. Jungen Menschen wird beigebracht, die komplexe Realität durch ein einziges ideologisches Raster zu filtern. Das wird es ihnen später in der Berufswelt und in der öffentlichen Debatte eher schwerer als leichter machen.

Besonders fassungslos macht einen die geschlechtertrennende Kursstruktur. Jungen dürfen nicht lernen, dass ihr Körper geschützt gehört, sondern dass sie von Natur aus problematisch und Teil eines Unterdrückergeschlechts sind. Dazu ist Schule nicht da. Diesen Job erledigen bereits unsere Medien. Wenn eine Schule gleichzeitig behauptet, gegen binäre Geschlechternormen zu arbeiten, aber ihre eigenen Kurse nach dem Geschlecht der Teilnehmenden ausrichtet, untergräbt sie ihre eigene Glaubwürdigkeit.

Dass diese Kurse "fast ausgebucht" sind, belegt übrigens nicht ihre Qualität, sondern lediglich, dass Jugendliche in einem von Identitätspolitik durchsetzten Klima nach Orientierung und Gemeinschaft suchen: ein Bedürfnis, das Bildungseinrichtungen befriedigen sollten, ohne dabei intellektuelle Standards zu senken.



2. Dass die deutsche ESC-Teilnehmerin Sarah Engels erklärte, keine Feministin zu sein, weil sie Männer möge, sorgt für anhaltenden Groll im feministischen Lager. So schreibt Alice Hasters auf Spiegel-Online:

Von einer Frau, die ihr Album "Strong Girls Club" genannt und beim ESC darüber gesungen hat, dass sie sich von einem lügenden Typen nicht unterkriegen lässt, hätte man nicht unbedingt erwartet, dass sie Feminismus mit Männerhass gleichsetzt. Es klingt fast so, als hätte sie zu viele Bro-Podcasts gehört, in denen sich gerne darüber beschwert wird, dass Männer heute gar nichts mehr dürfen, weil sie ständig von Feministinnen gecancelt werden, oder Christfluencerinnen etwas von freiwilliger Unterordnung der Frauen ihren Ehemännern gegenüber erzählen.


Nein, so klingt es nicht. Es klingt so, als habe Sarah Engels mitbekommen, wie insbesondere vor einigen Wochen Feministinnen gegen Männer gewütet haben. Zu diesem Hass erst zu schweigen und dann jemanden als Phantasten darzustellen, der dieses Schweigen bricht, ist schon eine ganz besondere Form von Gaslighting.



3. Jetzt ist es doof für Leute wie Hasters, dass sie gleich mit der Schauspielerin Senta Berger weitermachen könnten. Die lässt sich nämlich auch nicht für dumm verkaufen.

Schauspielerin Senta Berger hält nichts von jungen Feministinnen, die in Männern ein grundsätzliches Problem sehen. "Ich dachte, wir wären schon weiter. Ich halte das für falsch, ein ganzes Geschlecht zu kriminalisieren", sagte die 85-Jährige dem "Stern". Mit Blick auf aktuelle Debatten, etwa über den Schauspiel-Kollegen Christian Ulmen, sagte sie: "Wieso sollten sich alle Männer dafür entschuldigen, weil ein Christian Ulmen oder sonst jemand seine Frau gedemütigt hat?" Emanzipation könne nur gemeinsam mit den Männern funktionieren, betonte der TV-Star. "Und ich denke, viele Männer waren und sind um Fortschritte bemüht."

Die MeToo-Debatte über sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch sei wichtig gewesen und habe die Situation für junge Kolleginnen in der Filmbranche deutlich verbessert, sagte Berger. "Jedoch habe ich das Gefühl, dass manche junge Männer heute eher verunsichert sind und sich teilweise nicht mehr trauen, einer Frau Komplimente zu machen. Das wäre schade."


Gut, die letzte Passage ist nicht hundertprozentig glücklich formuliert: Nicht die Jungenkrise oder die hohe Selbstmordrate bei verunsicherten Männern erscheint hier als Hauptproblem, sondern dass Frauen weniger Komplimente bekommen. Aber eine Distanzierung vom feministischen Sexismus ist trotzdem ein wichtiger erster Schritt.



4. In der Neuen Zürcher Zeitung hinterfragt Birgit Schmid die Entgrenzung des Gewaltbegriffs:

Ein aufdringlicher Blick, ein anzüglicher Spruch, das sogenannte Catcalling, werden heute als gewaltsam erlebt – oder zumindest so bezeichnet. Gewalt muss bestraft werden, also gibt es auch hier die Forderung, diese Form der Belästigung als Sexualdelikt einzustufen. (…) Es war der australische Psychologe Nick Haslam, der die Bezeichnung "Concept Creep", schleichende Begriffsausweitung, einführte. Das war 2016. In den vergangenen zehn Jahren zeigte sich deutlich, was er meint. (…) Selbst das Schweizer Brauchtum sei "latent gewalttätig", schrieben die Tamedia-Zeitungen kürzlich. Es ging um den Brauch des Maitannli, bei dem junge Männer der Angebeteten eine Tanne in den Garten stellen.




5. "Kaum eine Frau beantwortet den Musterungsbogen der Bundeswehr", berichtet Tilman Leicht in der "Zeit". "Das ist ein Problem." Nachdem er sich quasi dafür entschuldigt hat, als Mann über dieses Thema zu schreiben und die verpflichtende Klage über die angebliche Benachteiligung von Frauen abgeleistet hat, argumentiert er: "Alle sollten wissen, wie sie sich, ihre Heimat und ihre Familien militärisch verteidigen würden, wenn sie müssten. Dass dieses Wissen derzeit mehrheitlich Männern vorbehalten bleibt, ist nicht im Sinne der Frauen." Dass nur Männer an die Front müssen, scheint in den Augen der "Zeit"-Redakteure Teil des unterdrückerischen Patriarchats zu sein.



6. Die Jury des Theatertreffens schafft die Frauenquote ab. Stattdessen solle "künftig wieder ausschließlich die künstlerische Qualität ausschlaggebend sein". Auch das bringt einen Spiegel-Redakteur auf die Palme. Diese Entscheidung sei "reaktionär", schimpft Wolfgang Höbel erbost, weil "ihre Begründung nahelegt, Regisseurinnen seien jahrelang zu Unrecht gehypt worden." Was Höbel ärgert:

Die derzeit der Jury angehörende Kritikerin Christine Wahl, die auch für den SPIEGEL schreibt, meint auf dem Portal "Nachtkritik", "dass Quoten das ästhetische Urteil der Theaterkritik verändern. Es kommt vor, dass Inszenierungen von Frauen abgefeiert werden, obwohl man denken könnte, sie stammten von einem ästhetisch gefürchteten Regie-Altmeister." Und auch Jurymitglied Jakob Hayner schreibt in der "Welt" , als sei er von einer Last befreit: "Es wird im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem."




7. Ein aktueller US-amerikanischer Artikel beschäftigt sich mit dem Mangel von Männern auf dem Heiratsmarkt. Es ist die bekannte Klage: Männer fallen in der Ausbildung immer weiter zurück, was schlecht ist, weil Frauen keinen gleichwertigen oder gar statushöheren Partner mehr finden.



8. Ein zusammenfassender Fachbeitrag von Professorin Denise Hines liefert einen internationalen Überblick über männliche Opfer von Gewalt in der Partnerschaft, hier abgekürzt als IPV. Ein Auszug hieraus, Quellenhinweise im Original:

Weltweite Daten bestätigen, dass Männer einen erheblichen Anteil der IPV-Opfer ausmachen. In den USA geben 47,3 % der Männer an, im Laufe ihres Lebens IPV erlebt zu haben, was 46,9 % aller IPV-Opfer entspricht. In Kanada erlebten 2,9 % der Männer und 1,7 % der Frauen IPV in ihrer aktuellen Beziehung. In Neuseeland berichteten annähernd gleich viele Männer und Frauen von lebenslanger IPV. Australien und das Vereinigte Königreich berichten, dass etwa ein Drittel der IPV-Opfer Männer sind. Frankreich und Portugal geben an, dass 25–28 % der offiziell erfassten IPV-Fälle männliche Opfer betreffen. In Afrika ist die Viktimisierung von Männern ebenfalls erheblich; so sind beispielsweise 43,6 % der IPV-Opfer in Uganda und 31 % der Opfer in Sierra Leone Männer. In Asien stellen Männer ein Drittel der IPV-Opfer in Korea.

Die körperlichen IPV-Erfahrungen von Männern reichen von geringfügigen Übergriffen bis hin zu lebensbedrohlicher Gewalt, wobei die meisten Vorfälle geringfügiger Natur sind. Männer sind jedoch mitunter schweren Angriffen ausgesetzt und werden signifikant häufiger als Frauen mit Messern, geworfenen Gegenständen und stumpfen Werkzeugen attackiert. Interviewstudien beschreiben extreme Vorgehensweisen wie Angriffe im Schlaf, Hammerschläge, Messerstiche und das Aussperren bei Frost. Obwohl Frauen in gegengeschlechtlichen Beziehungen höhere Verletzungsraten aufweisen, stellen Männer nach wie vor einen erheblichen Anteil der IPV-bedingten Verletzungen. Zwei US-amerikanische Studien zu männlichen IPV-Opfern ergaben, dass über 70 % Verletzungen meldeten und etwa ein Drittel der Opfer medizinische Versorgung benötigte.

Sexuelle IPV, die Männer erleben, umfasst erzwungene Penetration und Gewaltandrohungen zur Erzwingung von Sex, mitunter verbunden mit Schlägen, Fesselung oder Würgen. Wenn sexuelle und körperliche IPV zusammen auftreten, erhöht sich das Risiko erheblich.

(…) In qualitativen Studien beschreiben Männer soziale Ausgrenzung, rechtliche Fesselung und die Zerstörung ihres Rufes durch falsche Anschuldigungen. Viele litten unter Angst, Scham, dem Gefühl der Entmännlichung und Suizidgedanken. Am schmerzhaftesten sind die Auswirkungen auf die Vaterschaft. Männer berichten, fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs beschuldigt oder durch Lügen oder rechtliche Mittel ihrer Partner von ihren Kindern entfremdet worden zu sein.

(…) Externe Barrieren entstehen durch gesellschaftliche Normen und Stereotype darüber, wer ein "echtes" IPV-Opfer ist – d. h. die verbreitete Überzeugung, dass IPV von Männern gegen Frauen ausgeübt wird, um patriarchale Strukturen aufrechtzuerhalten. Dieses Deutungsrahmen prägt das öffentliche Bild und das professionelle Handeln.

Die Fehlannahmen, dass männliche Viktimisierung seltener und weniger schwerwiegend sei und dass Männer mehr Mitschuld trügen, sind unter Richtern, Polizeibeamten und Fachkräften im Bereich psychische Gesundheit weit verbreitet. Infolgedessen fühlen sich männliche Opfer häufig unsichtbar und ohne Unterstützung. IPV-Angebote – die typischerweise auf Frauen ausgerichtet sind – können sich für sie abweisend anfühlen.

Die Forschung belegt negative Erfahrungen männlicher Opfer mit der Polizei. Unter männlichen IPV-Opfern in den USA bewerteten 56 % derjenigen, die die Polizei riefen, diese als "überhaupt nicht hilfreich", und männliche Opfer wurden ebenso häufig festgenommen wie ihre Partner. In verschiedenen Ländern berichten Männer davon, verhöhnt, trotz sichtbarer Verletzungen abgewiesen, nicht geglaubt und/oder von der Polizei bei Notrufen ignoriert worden zu sein. Mitunter wurden die Opfer mit Verhaftung bedroht oder fälschlicherweise festgenommen.

Auch reguläre Einrichtungen für häusliche Gewalt haben männliche Opfer häufig im Stich gelassen. Männer begegnen dort regelmäßig Unglauben, werden als Täter bezeichnet und erhalten keine Unterstützung. Man sagt ihnen, sie sollen sich "zusammenreißen", gibt ihnen die Schuld an dem erlittenen Missbrauch oder stempelt sie als Aggressoren ab. Solche negativen Erfahrungen führen zu internalisierter Selbstbeschuldigung und einer geringeren Bereitschaft, künftig Hilfe zu suchen. Fast die Hälfte der männlichen IPV-Opfer in den USA, die Einrichtungen für häusliche Gewalt kontaktierten, wurde mitgeteilt, dass Unterstützung nur für Frauen verfügbar sei, und über 40 % wurden beschuldigt, selbst Täter zu sein. Diese negativen Erfahrungen stehen in Zusammenhang mit erhöhten Raten von Posttraumatischer Belastungsstörung, Depression und Suizidalität.


Professorin Denise Hines gilt als eine der weltweit führenden Expertinnen für männliche Opfer häuslicher Gewalt und falsche Anschuldigungen. Ihr Fachgebiet umfasst Ursachen, Folgen und Prävention von Familiengewalt und sexuellem Missbrauch, mit besonderem Fokus auf wenig beachtete Opfergruppen. Vor mehr als zwei Jahrzehnten begann sie, ein Thema zu erforschen, das die meisten Forscher meiden: Männer als Opfer von Partnergewalt. Außerdem hat sie zusammen mit anderen Wissenschaftlern das Routledge Handbook of Men's Victimization in Intimate Relationships herausgegeben – eine internationale Synthese des Themas, die auf Forschungsbeiträgen von 31 Autorinnen und Autoren aus fünf Kontinenten basiert.

Einen Schulabschlusstest im Fach "Feminismus" würde sie damit vermutlich nicht bestehen.



9. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu einem Artikel über die schweren Arbeitsbedingungen von Seeleuten etwa in der Straße von Hormuz, betitelt mit "Die Crew wird sich selbst überlassen":

Die Crew: das sind Männer. Bei vertauschten Geschlechtern gäbe es einen großen Aufschrei. Aber Männer sind eben "disposable".




10. Mehr Post. Ein weiterer Leser schreibt mir:

In meiner täglichen Presseschau über Google News bin ich auf einen Artikel bei DIE WELT gestoßen. Es geht dabei um einen Cold Case vor 25 Jahren, der schrecklich ist und nun wohl aufgeklärt werden konnte. Und zwar über eine Europäische Zusammenarbeit mehrerer Polizeibehörden wie auch des BKA.

Hier relevant ist ein Satz aus dem Artikel: "... die Identität der Toten über Jahrzehnte ungeklärt – bis zur Fahndungskampagne 'Identify Me', mit der unbekannte tote Frauen wieder einen Namen erhalten sollen."

Ich konnte es zunächst nicht glauben, dass Männer über den Tod hinaus noch als minderwertig anzusehen sind. Wikipedia gibt nicht viel her. Über "Unbekannte Tote" gibt es aber zwei Links zum BKA und Interpol. Das BKA auf der Startseite: "Identify Me. Kampagne zur Identifizierung weiblicher Opfer von Tötungsdelikten"

Es stimmt also tatsächlich. Nur tote Frauen sind es wert, einen Namen zu erhalten. Tote Männer sind halt tot, vergleichsweise vernachlässigbar, interessieren in den europäischen Machtzentralen niemand.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Mittwoch, Mai 20, 2026

Bettina Arndt: "Kein Wunder, dass Männer sich zurückziehen"

Ich habe hier gestern wieder einen Schwung von Artikeln verlinkt, in denen deutsche Medien über den sogenannten "Heteropessismismus" beziehungsweise "Heterofatalismus" berichten, also über eine wachsende Kluft zwischen (jungen) Frauen und Männern. Wie es im hiesigen Journalismus üblich ist, wird vor allem Männern die Schuld an dieser Entwicklung gegeben. Die australische Publizistin Bettina Arndt sieht das in einem vorgestern veröffentlichten Artikel für das Polit-Magazin "Spectator" anders. Sie erinnert an die Klagen vieler Frauen, dass sich Männer vom Dating zurückzögen und immer weniger bereit seien, sich auf eine Partnerschaft einzulassen, und sieht das im Verhalten vieler Frauen begründet.

Ich bin in den seltenen Fällen, in denen ich solche Beiträge auf Genderama aufgreife, etwas zwiegespalten. Es geht hier um die Kritik an einer bestimmten Ideologie und nicht darum, den feministischen Hass auf Männer zu spiegeln. Wenn man das tut, landet man schnell auf dem Schulhofniveau von "Jungs sind doof" versus "Nee, Mädchen sind doof". Andererseits gibt es eine Flut von Artikeln, die einseitig Männern die Schuld am angespannten Verhältnis der Geschlechter zueinander geben, was eine ganz erhebliche Weltfremdheit im Journalismus verrät und dem man ruhig mal eine andere Perspektive entgegensetzen kann. Irgendeinen Grund dafür, dass sich tatsächlich auch viele Männer vom Partnermarkt zurückziehen, muss es geben, und Bettina Arndt liefert hier einen erwähnenswerten Diskussionsbeitrag. Zahlreiche Links auf Belegstellen finden sich im Original.



Die Warnzeichen sind seit Jahrzehnten da. Bereits 1983 schrieb die amerikanische Autorin Barbara Ehrenreich ein eindringliches Buch – "The Hearts of Men: American Dreams and the Flight from Commitment" – in dem sie argumentierte, dass eine männliche Revolte im Gange sei.

Seit den 1950er Jahren hätten Männer begonnen, sich gegen das Ernährerideal aufzulehnen – inspiriert von der Playboy-Kultur, der Gegenkultur und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit. Sie lehnten die kulturelle Ideologie ab, die sie aus Scham dazu gedrängt hatte, zu heiraten und ein guter Versorger zu werden, weil sie sonst als unreif, verantwortungslos und nicht als "richtige Männer" galten.

Ehrenreich verstand, dass die Ehe der Mechanismus war, mit dem die Gesellschaft die Produktivität von Männern nutzbar machte. Entfernt man die Scham, fällt auch das Joch weg.

Vierzig Jahre später ist dieses Joch verschwunden. Im April 2026 erreichte die Erwerbsquote amerikanischer Männer laut dem US Bureau of Labor Statistics ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1940er Jahren. Jeder dritte amerikanische Mann – ungefähr 33 Prozent – arbeitete nicht oder suchte aktiv nach Arbeit. Die allgemeine Erwerbsquote von Männern ab 16 Jahren lag bei nur noch 67 Prozent, gegenüber 73,5 Prozent vor zwei Jahrzehnten und 87 Prozent in den Nachkriegsjahren, in denen Ehrenreichs Darstellung beginnt.

Der Trend beschränkt sich nicht auf Amerika. Die Erwerbsbeteiligung australischer Männer fiel von rund 79 Prozent im Jahr 1978 auf ungefähr 71 Prozent heute, während ähnliche Rückgänge – wenn auch weniger drastisch als in den USA – im Vereinigten Königreich und in Kanada zu beobachten sind.

Der Zusammenbruch der Ehe verläuft parallel zu den Arbeitsmarktdaten. Laut Daten des US Census Bureau machten Haushalte verheirateter Paare 1970 noch 71 Prozent aller US-Haushalte aus – heute sind es nur noch 47 Prozent. Wie der Soziologe Brad Wilcox von der University of Virginia in seinem Buch "Get Married" aus dem Jahr 2024 dokumentiert, ist die Heiratsrate in den vergangenen fünfzig Jahren um 65 Prozent gesunken.

Australien erzählt eine ähnliche Geschichte. Die Heiratsrate hat sich seit 1971 mehr als halbiert – von 13 pro 1.000 Einwohner auf nur noch 5,5 im Jahr 2024 –, und ein großer Teil dieser Entwicklung wurde durch faktische Partnerschaften aufgefangen, die die rechtlichen Verpflichtungen der Ehe tragen, jedoch weder deren Verbindlichkeit noch Dauerhaftigkeit besitzen. Die Zahlen bewegen sich nur in eine Richtung.

Ehrenreich hatte argumentiert, dass Ehe und Produktivität untrennbar verbunden seien – dass derselbe Mechanismus, der Männer vor den Traualtar brachte, sie auch zur Arbeit brachte. Die Daten legen nahe, dass sie recht hatte.

Was Ehrenreich jedoch nicht vollständig berücksichtigte – und 1983 auch nicht vorhersehen konnte –, war, dass die Anreize zum Heiraten selbst zusammenbrechen würden. Der Mechanismus der Beschämung ist verschwunden, ja, doch gleichzeitig sind auch die Anreize implodiert. Das angebotene "Produkt" hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Wer verstehen will, warum Männer mit den Füßen abstimmen, muss sich nicht nur ansehen, was Ehe sie heute kostet – und die Kosten sind erheblich –, sondern auch, was sie ihnen bringt. Immer häufiger ist das Ergebnis ein ausgesprochen schlechtes Geschäft.

Das Folgende ist eine Beobachtung und Meinungsäußerung einiger Kommentatoren, die möglicherweise etwas Licht auf das Thema werfen kann.

Die moderne Frau: ein Prospekt

Einige Studien zeigen, dass sie die unglücklichste, ängstlichste und unsicherste weibliche Kohorte seit Menschengedenken ist – kaum gutes Ehematerial.

Viele verheiratete Frauen verlieren das Interesse an Sex – und der Ehemann, der das problematisch findet, gilt als das eigentliche Problem.

Viele Frauen mögen Männer eigentlich gar nicht besonders. Je gebildeter sie ist, desto größer die Verachtung.

Immer mehr Frauen sind politisch stark nach links gerückt – und drei Viertel der hochschulgebildeten Frauen würden laut einigen Studien nicht einmal einen Mann daten, der anders wählt.

Das Bildungssystem enthält männerfeindliche Rhetorik, und sie hat in manchen Fällen auch Unternehmen und Institutionen durchdrungen und Universitäten sowie Arbeitsplätze in männerabweisende Fabriken verwandelt.

Gleichzeitig ist ihre Hypergamie weiterhin ausgeprägt. Obwohl Frauen Männer in Bildung und Karriere überholen, verlangen manche statistisch weiterhin nach einem großen, hochrangigen Einhorn.

Das moderne weibliche Bedrohungserkennungssystem ist überaktiv. Praktisch jedes männliche Verhalten – Schweigen, Meinungen, Witze, Atmen – wird als Warnsignal markiert.

Viele Frauen sind mit den lukrativen ökonomischen Mechanismen der Scheidung bestens vertraut, und es gab Berichte über Falschbeschuldigungen, die dazu dienten, die lästige gemeinsame Elternschaft auszuschalten.


Welcher rationale Mann liest diese Liste und denkt: Ja, genau das hat meinem Leben gefehlt?

Um genauer zu untersuchen, was hier vor sich geht, beginnen wir mit der jüngsten Ergänzung dieser düsteren Bilanz. Gemeint ist die Erkenntnis, die vergangenen Monat im New Statesman veröffentlicht wurde: Viele junge Frauen mögen Männer nicht. Eine Umfrage von Merlin Strategy unter jungen Briten zwischen 18 und 30 ergab, dass dreimal so viele junge Frauen wie junge Männer eine negative Sicht auf das andere Geschlecht hatten. Nur etwa 50 Prozent der Frauen hatten eine positive Sicht auf Männer, verglichen mit 72 Prozent der Männer, die Frauen positiv sahen. Bei Frauen unter 25 war der Unterschied noch deutlicher: Nur etwa ein Drittel (35 Prozent) äußerte eine positive Sicht auf Männer.

Dies gilt insbesondere für junge Frauen in professionellen und leitenden Berufen, von denen laut einigen Umfragen nur 36 Prozent eine positive Sicht auf Männer haben, verglichen mit 61 Prozent der Frauen aus der Arbeiterklasse. Anders gesagt: Die Verachtung für Männer konzentriert sich besonders bei gebildeten Frauen aus der Mittelschicht – genau jener Bevölkerungsgruppe, die am stärksten von feministischen Fortschritten profitiert hat und objektiv die besten Zukunftsaussichten besitzt.

Die Verachtung für Männer ist kaum überraschend – genau das wurde ihnen beigebracht. Mary Harrington, eine britische Journalistin und Kulturkritikerin, die auf Substack schreibt, kritisiert häufig das, was sie "Femosphere" nennt – feministische Online-Räume, in denen Frauen sich über gemeinsame Beschwerden über Männer zusammenschließen.

"Die feministische Online-Szene fühlt sich oft an wie eine endlose Gruppentherapie-Sitzung, in der Frauen ihre Erfahrungen darüber austauschen, wie schrecklich Männer sind", schreibt sie. Männer würden dadurch zum universellen Sündenbock, gewöhnliches männliches Verhalten werde routinemäßig als toxisch oder unterdrückend dargestellt, während kollektiver weiblicher Groll belohnt und verstärkt werde. "Beiläufiges, niedrigschwelliges Männer-Bashing ist zum Hintergrundrauschen progressiver Online-Kultur geworden."

Für Männer ist die Begegnung mit solchen Frauen wenig angenehm. Auf Reddit erschien kürzlich dieser aufschlussreiche Kommentar: "Es ist erschöpfend. Man führt vielleicht ein vernünftiges Gespräch, dann lässt sie beiläufig einen ‚Männer sind scheiße‘-Kommentar fallen, als wäre es Smalltalk. Es fühlt sich an, als beginne jede Interaktion mit einer Vorverurteilung."

Meine gute Freundin Janice Fiamengo hat gerade einen Blogbeitrag geschrieben, in dem sie Medienberichte kritisiert, die anhand der Daten des New Statesman behaupten, junge Frauen hassten Männer. Janice weist darauf hin, dass nur 3 Prozent der befragten Frauen eine sehr negative Sicht auf Männer hatten. Sie sieht auch darin etwas Tröstliches, dass eine Mehrheit der Frauen sich zumindest "einigermaßen" oder "sehr sicher" in der Gegenwart von Männern fühlte – doch für mich ist eine Mehrheit von 51 Prozent immer noch ziemlich alarmierend. Dasselbe gilt für die Tatsache, dass nur 52 Prozent angaben, Männern vertrauen zu können.

Aus männlicher Perspektive bedeutet das immer noch eine enorme Zahl misstrauischer Frauen – eine düstere Aussicht, wenn es um potenzielle Partnerinnen geht.

Und eine enorme Zahl verrückter, neurotischer Frauen.

Dieses toxische Klima ermutigt Frauen nicht nur dazu, Männern misstrauisch gegenüberzustehen; das Aufwachsen in einer von Hass angetriebenen Online-Kloake belastet auch ihre psychische Gesundheit. Der Psychologe Jonathan Haidt warnt seit Langem davor, dass die toxische Welt sozialer Medien zu einem Anstieg psychischer Probleme führen werde – insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen. "Seit den frühen 2010er Jahren werden junge Menschen in der entwickelten Welt ängstlicher, depressiver und einsamer. Die Zunahmen waren bei jungen Frauen sogar noch stärker", sagte er.

Aktuelle groß angelegte Umfragen (Ipsos 2025–26 in 31 Ländern, Gallup 2025) zeigen, dass Frauen der Generation Z derzeit die höchsten jemals gemessenen Werte von Angst, anhaltender Traurigkeit/Hoffnungslosigkeit und Depression innerhalb weiblicher Generationen desselben Alters angeben.

Rund 33 Prozent der jungen Frauen fühlen sich "fast ständig" besorgt oder ängstlich hinsichtlich der Zukunft; 40 Prozent der Gen-Z-Beschäftigten fühlen sich laut aktuellen Umfragen von 2025 wenigstens mehrmals pro Woche ängstlich oder depressiv.

Kein großes Vergnügen für ihre Partner. Vergangenes Jahr veröffentlichte Psychology Today eine deutliche Warnung an Männer bezüglich dieser Frauen als Ehepartnerinnen. "Das Sprichwort ‚Happy wife, happy life‘ mag einen wahren Kern haben, aber das weniger bekannte Sprichwort ‚Anxious wife, miserable life‘ wird durch Forschung bestätigt. […] Je neurotischer der Ehepartner, desto unglücklicher die Beziehung – doch der Neurotizismus von Frauen scheint im Gesamtgleichgewicht ehelichen Glücks stärker ins Gewicht zu fallen."

Dann gibt es noch das interessante Thema verheirateter Frauen, die "den Hahn zudrehen", sodass sexuell frustrierte Ehemänner zum Normalfall werden. Seit Menschengedenken wurden Männer beschämt, wirtschaftlich ihren Beitrag zu leisten. Die Gesellschaft hat Frauen hingegen nichts zu sagen, wenn sie sich sexuell zurückziehen. Die eine Verpflichtung wurde über Jahrhunderte durch Kirche, Gesetz und Gemeinschaft durchgesetzt. Die andere wird heute im Namen körperlicher Selbstbestimmung aufgehoben.

So entsteht das Bild der modernen Frau als Ehekandidatin: unglücklich, ängstlich, politisch radikalisiert, männerverachtend, sexuell häufig ablehnend und darauf trainiert, in gewöhnlichem männlichem Verhalten eine Bedrohung zu sehen. Und dennoch ertönt aus den Reihen von Kommentatoren, Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern weiterhin der ratlose Chor: Warum wollen Männer sich nicht binden? Warum wollen sie nicht arbeiten?

Die akzeptierten Erklärungen werden pflichtbewusst wiederholt. Die ökonomische Erklärung: Männer wurden durch Automatisierung und Globalisierung verdrängt. Die gesundheitliche Erklärung: Opioide, Behinderung, psychische Erkrankungen. Die Bildungserklärung: Männer fallen hinter Frauen an Universitäten zurück und deshalb auch auf dem Arbeitsmarkt. Die kulturelle Erklärung, bevorzugt von progressiven Kommentatoren: Toxische Männlichkeit hindert Männer daran, sich an eine moderne Dienstleistungsökonomie anzupassen. All diese Erklärungen enthalten ein Körnchen Wahrheit. Doch sie erklären nicht, was tatsächlich geschieht. Die offensichtliche Erklärung – jene, die aus jeder Datentabelle hervorstarrt – wird absichtlich ignoriert.

Die Ehe war der wichtigste Anreiz für dauerhafte wirtschaftliche Leistungsbereitschaft von Männern. Das war schon immer so – Ehrenreich wusste es 1983, und Ökonomen haben es inzwischen bestätigt. Es gibt etwa die wirtschaftswissenschaftliche Studie "The Declining Labor Market Prospects of Less-Educated Men", die zeigt, dass die Aussicht, eine Familie zu gründen und zu versorgen, einen entscheidenden Anreiz für männliche Erwerbsarbeit darstellt und dass der Rückgang stabiler Ehen diesen Anreiz direkt beseitigt. Forscher der Federal Reserve Bank of Dallas berechneten, dass sinkende Heiratsraten für ungefähr die Hälfte des Rückgangs männlicher Arbeitsstunden verantwortlich sind.

Entfernt man die Ehe, entfernt man auch die Verantwortung. Die Daten sagen uns das seit Jahrzehnten.

Doch hier ist das, was laut dem Autor niemand im Mainstream-Diskurs aussprechen will: Nicht nur ist die Ehe für Männer zu kostspielig und rechtlich zu riskant geworden – obwohl das zutrifft. Viele junge Frauen selbst sind, schlicht gesagt, "es nicht wert". Ein Drittel der jungen britischen Frauen vertraut Männern nicht. In manchen Umfragen sehen mehr als die Hälfte der gebildeten jungen Frauen Männer negativ. Sie kommen womöglich bereits mit einem Paket aus Groll in Beziehungen, fließend in der Sprache von "Red Flags" und emotionaler Arbeit, geprägt von Algorithmen, die ihnen seit der Jugend eine Dauerdiät aus männlichem Versagen und weiblicher Empörung serviert haben. Dabei sind sie laut eigener Aussage ängstlich, unglücklich und politisch wütend.

Welcher rationale Mann blickt auf diese Landschaft und kommt zu dem Schluss, dass seinem Leben eine rechtlich verminte Bindung an eine Frau fehlt, die praktisch unmöglich zufriedenzustellen ist?

Ehrenreich befürchtete 1983, dass mit dem Zusammenbruch des Mechanismus der Beschämung auch die männliche Produktivität sinken würde. Sie hatte recht. Was sie nicht vorhersehen konnte, war die andere Hälfte der Gleichung – dass die feministische Revolution nicht eine Generation erfüllter, großzügiger und angenehmer Frauen hervorbringen würde, sondern eine, die nach praktisch jedem verfügbaren Maßstab wütender und unglücklicher ist als jede zuvor. Das Joch ist verschwunden. Die Männer haben sich angesehen, was angeboten wird. Und viele haben sich, mit beträchtlicher Rationalität, entschieden, stattdessen Videospiele zu spielen.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter