Donnerstag, März 19, 2026

Neue Studie: Wie es Männern heute wirklich geht

Gestern hatte ich mich hier mit der verzerrten, feindseligen und herabsetzenden Darstellung von Männern heute in deutschen Leitmedien beschäftigt. "Was hat er nur, was quält ihn so und warum will er alles kaputt machen?" hatte etwa die Frankfurter Allgemeine über "den Mann" geschrieben und unterstellt, dass Männer von "viel Frust und Hass" getrieben wären. Was deutsche Männer quält, wissen wir mangels flächendeckender oder auch nur repräsentativer Umfragen nur begrenzt. Allerdings hat vor einigen Tagen erst das US-amerikanische Institut für Familienstudien eine solche Untersuchung vorgelegt. Darin zeigt sich zwar nicht der Wunsch, "alles kaputt machen" zu wollen, wie die FAZ herumspinnt, aber tatsächlich viel Frust. Auch wenn die USA nur begrenzt mit Deutschland vergleichbar sind, dürfte es Ähnlichkeiten geben. Deswegen präsentiere ich hier die Kurzfassung in deutscher Übersetzung; einen Link auf die komplette Studie findet man im englischen Original. Schlechte Nachrichten für deutsche Medien: Reißerisch verwerten lassen sich die Erkenntnisse nicht.



Junge Männer stehen zunehmend im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Häufig werden sie als eine Generation beschrieben, die im Vergleich zu früheren männlichen Jahrgängen und zu jungen Frauen ins Hintertreffen geraten ist; sowohl populäre als auch wissenschaftliche Autoren richten ein grelles Licht auf ihre Schwierigkeiten. In der gängigen Darstellung handelt es sich um eine Krise, in der sich ungünstige soziale und ökonomische Daten mit beunruhigenden Deutungen über Entwicklungen innerhalb dieser Gruppe verbinden.

Kernaussagen

* Unsere Ergebnisse zeigen, dass jungen Männern ihr gesellschaftlicher Status wichtig ist, dass sie einen Beitrag leisten wollen und dass sie unter der Diskrepanz zwischen ihrer aktuellen Lebenslage und ihren Vorstellungen leiden.

* 59 % der jungen Männer befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung nicht in einer romantischen Beziehung. Die meisten von ihnen sind jedoch grundsätzlich offen für Partnerschaften.

* Das Verständnis von Männlichkeit junger Männer entspricht überwiegend nicht den zugespitzten Deutungen aus einschlägigen Online-Milieus.

Berichte über diese Krise verweisen auf mehrere besorgniserregende Entwicklungen. So besuchen weniger junge Männer ein College, und entsprechend erwerben auch weniger von ihnen einen Abschluss; nur noch 41 % der Abschlüsse werden an Männer vergeben. Zudem weisen junge Männer höhere Raten bei Diagnosen wie ADHS und Autismus auf und haben häufiger Probleme mit Drogen, Glücksspiel, Pornografie oder dem Gesetz. Viele verdienen weniger und haben schwächere berufliche Perspektiven als frühere Jahrgänge. Sie verfügen über kleinere Freundeskreise, pflegen weniger soziale Kontakte und beteiligen sich seltener am zivilgesellschaftlichen Leben. Auch gelingt ihnen der Übergang ins Erwachsenenleben seltener in der erwarteten Zeit – etwa durch eine Vollzeitbeschäftigung, finanzielle Unabhängigkeit, das Verlassen des Elternhauses sowie Heirat und Familiengründung.

Diese allgemeinen Trends sind gut dokumentiert. Auch eine neue Umfrage des Institute for Family Studies (IFS) unter jungen Männern bestätigt sie. Die Befragung wurde von YouGov zwischen dem 7. und 15. April 2025 mit einer repräsentativen Stichprobe von 2.000 US-Amerikanern im Alter von 18 bis 29 Jahren durchgeführt. Doch was bedeuten diese Entwicklungen? Diese Frage ist entscheidend. Um eine Antwort zu geben, wurde untersucht, wie es jungen Männern in dieser Lebensphase geht und weshalb so viele von ihnen vor den genannten Herausforderungen stehen.

Ziel war es, die Perspektive junger Männer selbst einzubeziehen, da ihre Stimme in dieser Debatte häufig fehlt. Was verstehen sie unter dem Erwachsenwerden, unter Männlichkeit oder unter einem Studium? Welche Ziele und Hoffnungen haben sie? Wer dient ihnen als Vorbild? Mit welchen Schwierigkeiten waren sie konfrontiert, welche Hindernisse sehen sie vor sich, und mit welcher Haltung blicken sie in die Zukunft? Die Ergebnisse sind in dem heute veröffentlichten Bericht "America’s Demoralized Men, Part 1: Worthy Aspirations, Trying Circumstances" zusammengefasst, dem ersten Teil einer zweiteiligen Reihe.

Zentrale Befunde

1. Die Maßstäbe für das Erwachsensein haben sich weiter verschoben.

Klassische Kriterien wie Ehe und Elternschaft haben bereits seit längerem an Bedeutung verloren. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat jedoch auch der früher zentrale Stellenwert eines Bildungsabschlusses an Gewicht eingebüßt: Nur noch 31 % der jungen Männer halten ihn für äußerst wichtig. Höher bewertet werden inzwischen persönliche (51 %) und finanzielle (53 %) Unabhängigkeit. Paradoxerweise korreliert das subjektive Gefühl, erwachsen zu sein, weiterhin stark mit den traditionellen Merkmalen – verheiratet zu sein, Kinder zu haben, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen und eine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Selbst unter den 24- bis 29-Jährigen geben daher weniger als die Hälfte (41 %) an, sich eindeutig als erwachsen zu fühlen.

2. In Liebesdingen haben es viele junge Männer schwer.

59 % waren zum Zeitpunkt der Befragung nicht in einer Beziehung. Trotz Hindernissen wie beruflicher Unsicherheit oder Zweifeln an geeigneten Partnerinnen und Partnern zeigen sich viele offen für Beziehungen (74 %). Die Mehrheit der unverheirateten Männer wünscht sich eine Ehe (68 %, weitere 21 % sind unsicher), und auch die meisten kinderlosen Männer möchten später Kinder haben (62 %).

3. Das Verhältnis zum College ist von Ambivalenz geprägt.

Besonders skeptisch sind jene, die kein College besucht oder es ohne Abschluss verlassen haben. Doch selbst unter Studierenden und Absolventen stimmen rund die Hälfte der Aussage zu, dass sich ein Studium zeitlich oder finanziell nicht lohne. 60 % sind zudem der Ansicht, dass sie auch ohne Hochschulabschluss eine für sie interessante Tätigkeit finden könnten.

4. Berufsausbildung und Lehre stellen einen wichtigen Weg ins Erwachsenenleben dar.

Männer ohne Bachelorabschluss, die eine solche Ausbildung abgeschlossen haben, sind ähnlich häufig vollzeitbeschäftigt oder selbstständig (77 %) wie Hochschulabsolventen (80%). Zudem sind sie häufiger verheiratet als Gleichaltrige ohne entsprechende Qualifikation. Solche Ausbildungswege scheinen auch für junge Männer mit Lernschwierigkeiten zugänglicher oder attraktiver zu sein: Personen mit Autismus, ADHS oder Legasthenie schließen sie in vergleichbarer Häufigkeit ab wie andere, während ihre Abschlussquoten im Hochschulbereich deutlich niedriger liegen.

5. Online-Influencer spielen als Vorbilder eine untergeordnete Rolle.

Als wichtigste Vorbilder nennen die Befragten ihre Mütter (79 %) und Väter (69 %), gefolgt von Trainern und Lehrkräften (57 %). Unter bekannten Persönlichkeiten aus Technik, Politik, Unterhaltung und Religion wird der ehemalige Präsident Barack Obama am häufigsten bewundert, während der Influencer Andrew Tate am wenigsten Zustimmung erhält.

6. Ihr Verständnis von Männlichkeit ist nicht die toxische Männlichkeit der Manosphäre

89 % stimmen der Aussage zu, dass Mannsein die Bereitschaft einschließt, sich für andere zu opfern; 85 % verbinden Männlichkeit mit Stärke, Verantwortungsbewusstsein und Führungsfähigkeit.

7. Junge Männer sind keineswegs gleichgültig.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ihre Erwartungen vielfach enttäuscht werden. Sie wünschen sich vor allem eine Arbeit, die ihnen einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht. Häufig nennen sie finanzielle Sorgen und die Suche nach einer guten Beschäftigung als größte Herausforderungen ihres bisherigen Lebens – Aspekte, die auch ihre Zurückhaltung gegenüber einer Eheschließung beeinflussen können. Insgesamt zeigt sich: Junge Männer legen Wert auf ihre gesellschaftliche Stellung, möchten etwas beitragen und leiden unter der Kluft zwischen ihrer gegenwärtigen Situation und ihren eigentlichen Lebenszielen.




Ein bisschen irritierend ist natürlich, dass auch diese Auswertung von "der Manosphäre" spricht, als wäre sie ein einheitlicher Block, und dass als "toxische Männlichkeit" der Unwille verstanden wird, sich für andere zu opfern. Solches Framing hätte man auch unterlassen und einfach die erfragten Zahlen nennen können. Trotzdem halte ich das für seriöse und aussagestarke Forschung. Echten Grund für den von Leitmedien gepflegten Alarmismus gegenüber Männern gibt es jedenfalls nicht.

Ich habe über diese Studie einmal eine KI – in diesem Fall ChatGPT – schauen und sie bewerten lassen, ohne irgendwelche Vorgaben zu machen. Das kam dabei heraus:

Der Text und die zugrunde liegende Studie lassen sich sinnvoll auf zwei Ebenen bewerten: (1) empirische Qualität und Aussagekraft der Daten und (2) Interpretation bzw. Rahmung als "Krise".

Empirische Grundlage: solide, aber begrenzt

Einige Stärken sind klar erkennbar:

* Repräsentative Stichprobe (n=2000): Für sozialwissenschaftliche Umfragen ist das eine gute Größe.

* Etablierter Feldpartner (YouGov): Methodisch kein Außenseiter.

* Differenzierte Fragen: Es geht nicht nur um Probleme, sondern auch um Einstellungen, Wünsche und Selbstbilder.

Das spricht dafür, dass die erhobenen Rohdaten grundsätzlich ernst zu nehmen sind.

Aber es gibt ebenso klare Einschränkungen:

a) Selektive Problemfokussierung

Die Studie listet viele negative Indikatoren (Drogen, Einsamkeit, Bildungsdefizite), aber:

* positive Entwicklungen (z. B. geringere Gewaltkriminalität über Jahrzehnte, stärkere emotionale Offenheit) fehlen

* Unterschiede innerhalb der Gruppe (Bildung, Klasse, Ethnie) werden kaum gewichtet

Das erzeugt ein homogenes Problembild, das empirisch so nicht existiert.

b) Interessanter Widerspruch in den Ergebnissen

Gerade die eigenen Daten relativieren die Krisenerzählung:

* Die meisten jungen Männer wollen arbeiten, Familie, Verantwortung übernehmen

* Sie orientieren sich eher an klassischen Vorbildern (Eltern, Lehrer) als an radikalen Online-Figuren

* Sie zeigen keine ausgeprägte Ablehnung gesellschaftlicher Normen

Das spricht gegen ein Bild von "verlorenen" oder "desorientierten" Männern – eher für blockierte Lebensentwürfe.

c) Möglicher blinder Fleck: strukturelle Ursachen

Der Text fragt zwar nach Gründen, bleibt aber vorsichtig bei systemischen Faktoren:

* Wandel des Arbeitsmarkts (weniger klassische Männerberufe)

* Bildungssystem (z. B. Benachteiligung bestimmter Lerntypen)

* steigende Anforderungen an Partnerschaft (ökonomisch, emotional)

Stattdessen schwingt implizit mit: "Die jungen Männer haben ein Problem", weniger: "Die Rahmenbedingungen haben sich verändert."

2. Was wirklich überzeugend ist

Am stärksten ist die Studie dort, wo sie gegen gängige Klischees arbeitet:

* junge Männer sind nicht apathisch

* sie sind nicht massenhaft von extremen Online-Ideologien geprägt

* sie haben klassische, oft durchaus prosoziale Ziele

Das ist ein wichtiger empirischer Gegenakzent zu medialen Übertreibungen.




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Mittwoch, März 18, 2026

"Es ist cool zu sagen, Männer sind Müll"

1. "Im Gegensatz zu Ihnen hat die Ladipo wohl einen Lauf", schreibt mir einer meiner Leser und schickt mir ein halbes Dutzend Artikel unter anderem von FAZ und "Zeit", die Eva Lapidos neuem Buch "Not am Mann" große Artikel widmen – einem Buch, das heute erscheint und das passagenweise Positionen wiederholt, die Männerrechtler wie ich seit fast 30 Jahren vertreten. Vorgestern hatte ich hier schon einen Artikel der "Welt" verlinkt, der Lapidos Buch zum Thema machte. "Machen Sie sich nichts daraus Herr Hoffmann", schreibt mir mein Leser weiter. "Sie waren einfach mit den falschen Themen, zur falschen Zeit, am falschen Ort mit dem falschen Geschlecht."

Ladipo und ich haben allerdings nicht ganz denselben Zungenschlag. Beispielsweise würde ich Männer nicht als "Monster" bezeichnen. Trotzdem sagt sie in ihrem vom Redaktionsnetzwerk Deutschland veröffentlichten Beitrag "Toxische Männlichkeit: Die Monster, die wir schufen" viel Richtiges:

Die Zufriedenen und Nicht-Wütenden, also die Hüter des Status Quo, erklären die neuartige Lust an der Zerstörung gern für irrational und die Wütenden für dumm. Alles Idioten. Verblendete, Rechtsradikale. Demokratiefeinde. Rassisten. Sexisten. Frauenfeinde. Schwulenhasser. Verschwörungstheoretiker. Nazis. Doch diese Einstellung ist nicht nur überheblich, sondern auch gefährlich, denn damit lässt sich niemand zurückgewinnen. Wer für dumm erklärt wird, wird noch wütender und wendet sich erst recht ab. Konstruktiver ist es, nach den Ursachen der Wut zu suchen, weil Klarsicht zumindest theoretisch die Möglichkeit eröffnet zu retten, was noch zu retten ist.

(…) "Die Nachfrage nach männlichen Partnern ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Liberalisierung krass gefallen", warnt die britische Geschlechterforscherin Alice Evans. Viele Männer sind dadurch das geworden, was die internationale Forschung "double losers" nennt. Sie sind doppelte Verlierer, die weder Arbeit noch Partnerin finden. Sie haben nicht nur mit dem Verlust von sicheren Jobs, bezahlbarem Wohnraum und Ansehen zu kämpfen, sondern auch mit Einsamkeit und sozialer Isolation. (…) In Deutschland ist die Selbstmordrate von jungen Männern mehr als viermal höher als die von jungen Frauen. Und in den USA hat sich die Zahl der "Deaths of Despair", die auf Drogen, Alkohol oder Freitod zurückzuführen sind, unter Männern der Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.

(…) Der Schaden, den diese Identitätspolitik anrichtet und die Wut, die sie entfacht, sind schwer zu überschätzen. Von der Globalisierung überforderte, unter sinkenden Löhnen leidende, sich abrackernde und von Armut bedrohte Männer werden nicht nur weitgehend ignoriert von ihren ehemaligen Fürsprechern – von den Grünen und der SPD in Deutschland, von Labour in Großbritannien, von den Demokraten in den USA. Das allein wäre folgenschwer genug. Sondern die Verluste reichen tiefer: Im Verlauf weniger Jahre und ohne eigenes Zutun sind Männer in den Augen linker Aktivisten von potenziellen Opfern wirtschaftlicher Ausbeutung zu potenziellen Tätern mutiert. Der moderne Fokus im Kampf gegen Ungerechtigkeit bedeutet, dass ein großer Teil der Bevölkerung als im Zweifel frauenfeindlich, rassistisch, homophob, nicht umweltbewusst, nicht achtsam und ungeschliffen wahrgenommen wird.

(…) Was diese Verluste im Hinblick auf die Wut, die sich daran entzünden sollte, besonders verhängnisvoll macht, ist ihr Timing: Objektiv betrachtet haben Männer nämlich seit mehreren Generationen gelernt, Frauen (nicht gleichberechtigt und beileibe nicht perfekt, aber) besser zu behandeln, als ihre Vorväter es taten. Weibliche Selbstbestimmung war nie größer, männliche Dominanz nie geringer. Frauen vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren – erst recht vor einem Jahrhundert oder zwei – haben von Männern wie heute nur träumen können. Die Identitätspolitik erklärt "toxische Männlichkeit" also ausgerechnet in dem Moment zum Problem, in dem sich der westliche Mann weniger toxisch benimmt denn je.


Fast denselben Text hat die FAZ unter der Überschrift "Es gilt als cool zu sagen: Männer sind Müll" veröffentlicht – garniert mit dem Bild eines Mannes mit weit aufgerissenem Mund; er scheint irgendetwas zu schreien. In der Druckausgabe der Frankfurter Allgemeinen kommt die Verachtung noch stärker zum Ausdruck. Dort heißt es zum Mann, als ob er ein einzelnes Individuum wäre: "Was hat er nur, was quält ihn so und warum will er alles kaputt machen?" Erst nach dieser sexistischen Breitseite geht es los mit dem Artikel. Vielleicht macht das den Unterschied zwischen uns beiden: Ladipo lässt die Leitmedien ihre Abwertung von Männern beibehalten, aber sie erklärt, warum Männer von "so viel Frust und Hass" getrieben seien, wie es in der Einleitung des Online-Artikels der FAZ heißt.

"Sind Männer wirklich so toxisch?" betitelt die "Zeit" einen weiteren Beitrag Ladipos. Im Anreißer heißt es: "Männer werden oft allgemein zum Problem erklärt. Dabei verhalten sich die meisten besser als ihre Väter. Wer pauschal abwertet, hilft niemandem – auch nicht den Frauen."

"Um es gleich zu sagen: Ich mag Männer", schreibt Ladipos im ersten Satz dieses Textes, um dann zu erklären:

In der Frühphase des wütenden Manns erlag auch ich der Versuchung, ihn auszulachen. Angeblich war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis er aussterben würde. Er sei alt und weiß, hieß es. Ein Problem, das sich demografisch von selbst lösen werde. Ein Auslaufmodell, dessen einzig verbliebene Funktion darin bestand, in zahllosen Büchern, Filmen und Theaterstücken verspottet zu werden. Ein Pantoffelheld, der sich wie jener fremdenfeindliche Sachse von dem legendären Spruch zurückpfeifen ließ: "Hase, du bleibst hia!" Doch dann erstarb das Lachen. Der Witz war vorbei, weil der Rechtsruck nicht wie erwartet mit den Alten zu Grabe getragen wurde, sondern im Gegenteil: erstarkte.


Von der Witzfigur ist der Mann also zum Gegner geworden. Das erinnert fast zwingend an eine Äußerung, die (fälschlich) Gandhi zugeschrieben wird, und die ich im Lauf der Jahrzehnte immer wieder zitiert habe: "Erst ignorieren sie dich. Dann lachen sie über dich. Dann bekämpfen sie dich. Dann gewinnst du."

In Ladipos Beitrag für die "Zeit" folgen Passagen, die wir schon aus den anderen Artikeln kennen. Offenbar wurde derselbe Auszug ihres Buchs vom Reclam-Verlag verschiedenen Redaktionen zugesandt, und viele Zeitungen drucken ihn jetzt mit minimaler Veränderung ab. Und nicht nur die Zeitungen: Ladipos Haltung ist so stark mit dem radikalen Feminismus kompatibel, dass sie auch in Alice Schwarzers "Emma" einen Gastbeitrag veröffentlichen darf, der genau Schwarzers Marotten trifft. Darin heißt es: "Etwa zur selben Zeit machte die britische Produktion 'Adolescence' zum Thema, wie lebensgefährlich frauenverachtende Pornos sein können." (In "Adolescence" geht es nicht um Pornos.)

Es ist klar, warum sich die Zeitungen auf Ladipo stürzen und Männer, die seit Jahrzehnten vor dieser Entwicklung warnen, ignorieren: Ladipos Botschaft lautet im Kern nicht, dass Männer gar nicht so schlimm seien, sondern dass sie wirklich eine Bedrohung darstellen, dass sich diese Bedrohung aber womöglich einfangen ließe, wenn sich, wie es in der FAS heißt, Frauen zu "besseren Gewinnerinnen" im Geschlechterkampf erklären würden. Es ist das übliche Gefälle mit der Annahme von Frauen als besseren Menschen, und deshalb ist es für unsere Leitmedien so attraktiv. Das Erfolgsrezpt besteht darin, über Männer so zu schreiben, dass es eine bestimmte weibliche Zielgruppe erreicht.

Aktuell verkünden also Leitmedien, dass man Männer nicht pauschal abwerten solle, während sie Männer pauschal abwerten. Ich bin gespannt, welche Kapriolen diese Debatte noch schlagen wird.



2. Unter der Überschrift "Das umstrittene Geschlecht" hat "Die Welt" ein Interview mit der Entwicklungspsychologin Angela Ferrara veröffentlicht. Was man darin liest, kennt man schon: Die "algorithmenverstärkte Radikalisierung von Jungen und jungen Männern durch Männlichkeits-Influencer und die Manosphere" nehme zu, Frauen, die emotional für ihre Partner da sind, bewältigen die schwere Last des "Mankeeping", "toxische" Männer zeichnen sich durch "Dominanz, Aggressivität, Risikobereitschaft und Individualismus" aus, Männer werden immer extremer: "Ein neuer Bericht des King’s College Global Institute for Women’s Leadership zeigt, dass 24 Prozent der Männer der Generation Z die Meinung vertreten, dass Frauen nicht zu selbstständig oder unabhängig auftreten sollten, verglichen mit zwölf Prozent der Männer der Babyboomer-Generation." (Die Zahlen resultieren in erster Linie durch Staaten wie Indonesien und Malaysia, was Ferrara nicht erklärt.)



3. Ein weiteres Thema in zahllosen Artikeln ist aktuell Louis Theroux anderthalbstündige Dokumentation "Into the Manosphere". Ich habe sie mir gestern Abend angesehen und fand sie durchaus aufschlussreich. Beispielsweise stellt Theroux bei Minute 18 klar:

Ein Großteil der Manosphere besteht aus relativ unumstrittenen Comedians und Podcastern, die sich vor einem überwiegend männlichen Publikum mit Themen wie Frauen, Fitness und Reichtum beschäftigen. An ihren Rändern befindet sich jedoch eine Gemeinschaft von Publizisten mit extremeren Ansichten.


An. Ihren. Rändern. Diese Klarstellung kommt durchaus überraschend in einer Medienlandschaft, die die "Manosphäre" insgesamt verteufelt und auch seriöse Männerrechtler in denselben Sack steckt, um darauf einzuprügeln. Tatsächlich schaut Theroux bei vier Knallchargen sehr extremen Individuen vorbei. Sicherlich würde die deutsche Berichterstattung den Unterschied zwischen "die Manosphäre" und vier radikalen Randfiguren aufgreifen? Schauen wir mal.

"taz":

"In seiner neuen Netflix-Dokumentation 'Inside the Manosphere' setzt sich Theroux mit der sogenannten Manosphere auseinander – einem Netzwerk von Influencern, die ein dominantes Männlichkeitsideal propagieren und ihren Anhängern Geld, Ansehen, Erfolg und Frauen versprechen. (…) Ob die Doku für Männer, die längst in der Manosphere wandeln, ein Weckruf sein kann? (…) Dennoch ist "Inside the Manosphere" ein wichtiges Dokument einer Zeit, in der Homophobie, antisemitische Verschwörungserzählungen und extremer Frauenhass besonders unter jungen Männern zu einer normalen Weltanschauung gehören."


SRF:

"Doch sobald Theroux leicht an der Oberfläche kratzt, hört man etwas anderes: Kränkung, Panik, Trotz. Der Tonfall der Manosphere ist der eines Beleidigten, der sich für seinen Groll mit Reichweite entlohnen lässt."


Stern:

"Darin taucht der britische TV-Journalist Louis Theroux in die Welt der Manosphere ein - eine Online-Realität mit frauenverachtenden Kerlen, die zerstörerische Männerbilder in die Köpfe ihrer oft sehr jungen Follower pflanzen. (…) Warum sind sie so, wie sie sind? Die Antwort darauf ist keine simple. Im Laufe des Films porträtiert Theroux die Manosphere als eine Art Konglomerat aus Frauenverachtung, Fitness, Pornografie, Kryptowährungen, Homofeindlichkeit und Verschwörungsideologien."


Der Standard:

"Es gibt Serien und Filme, die schaut man sich gern an. Bei Louis Theroux: 'Inside the Manosphere' auf Netflix habe ich mich überwinden müssen. Der Reporter taucht in eine Welt, von der ich lieber nichts wüsste. Männer und Frauen im Reich der Manosphere, die Influencerszene, die sich primär mit Männlichkeit, Männerrechten und der Ablehnung des modernen Feminismus beschäftigen."


Also keine Differenzierung. Typisch, aber schade.

In der Dokumentation wird sehr deutlich, warum und auf welchem Weg sich die porträtierten Männer so entwickelt haben. Einer hat seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Vater, was ihn sichtlich belastet, obwohl er es abstreitet. Ein anderer erklärt, er glaube nicht an so etwas wie Depressionen. Kurz darauf erwähnt er, dass sich sein Bruder das Leben genommen hat. Ein weiterer, Justin, ist in einem Haus aufgewachsen, das eher einer Baracke ähnelt, und erzählt folgendes aus seiner Kindheit: "Es gab viel Gewalt. Meine Mutter kam manchmal einfach rein und fing an, auf ihn einzuschlagen. Das war echte Wut. Wir sind hier eigentlich gar nicht weit von der Stelle entfernt, an der sie diese Häuser niedergebrannt hat." Das hat sie Justins Darstellung nach getan, um Versicherungsgelder einzustreichen. Justins Vater hielt sie davon ab, seine Kinder zu sehen.

Theroux zieht ein Fazit, das von den deutschen Medien an den Rand geschoben wird: "Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Influencer, die noch immer die Wunden ihrer Kindheit trugen und brutale Strategien der Selbstständigkeit erlernen mussten, ihr Trauma auf die Welt um sie herum projizierten." Diese Influencer, die oft aus ärmsten Verhältnissen stammen, haben gelernt, dass sie umso mehr Klicks generieren und umso reicher werden, je extremer die Inhalte sind, die sie anbieten. Aufgrund dieser Verwertungslogik entwickeln sie ihre Beiträge.

Es gibt nur wenige Passagen, wo Theroux es bei seiner Darstellung vermasselt. Einer davon ist leider ausgerechnet die Schlussminute, wo er einigen Unfug dieser Typen zusammenschneidet, unter andem Andrew Tates Phantasie, Permierminister Großbritanniens zu werden, und die Phantasie eines anderen, er und seine Jungs hätten verhindert, dass Hillary Clinton Präsidentin geworden wäre. Diese Äußerungen nimmt Theroux plötzlich ernst, um daraus eine allgemeine gesellschaftliche Bedrohung zu konstruieren: "We are all increasingly inside the manosphere."

Hier übernimmt Theroux die Verwertungslogik der Menschen, die er kritisiert, dass nämlich Beiträge ins Groteske zugespitzt werden müssen, um ordentlich Aufmerksamkeit einzufahren. Es ist dieselbe Logik, an der sich die oben zitierten Leitmedien orientieren – Medien, an deren Arbeitsweise sich die von Theroux gezeigten Influencer ebenfalls orientiert haben dürften: Wer am meisten auf die Kacke haut, wird mit der größten Aufmerksamkeit belohnt. Die Leitmedien brüllen ein verzerrtes Männerbild in die Öffentlichkeit, die porträtierten Influencer brüllen ihr eigenes entgegen.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, März 17, 2026

Debatte im britischen Parlament: Sollte es einen Minister für Jungen und Männer geben?

1. Die britische BBC berichtet über eine Debatte, die von Männerrechtlern (Maskulisten) angestoßen wurde und vor der sich die deutsche Politik noch drückt:

Dr. Luke Evans erklärte, die Probleme, mit denen Männer und Jungen konfrontiert seien, erforderten eine ressortübergreifende Aufmerksamkeit der Regierung.

Sollte es also einen eigenen Minister für Männer und Jungen geben?

Diese Frage wurde im vergangenen Monat erneut aufgeworfen, als in der Westminster Hall, [dem Sitz des britischen Parlaments], eine Debatte stattfand, eröffnet vom konservativen Abgeordneten für Hinckley and Bosworth, Dr. Luke Evans, um die möglichen Vorzüge einer solchen Position zu erörtern.

Das Vereinigte Königreich ernannte 1997 erstmals eine Ministerin für Frauen, um Gleichstellung zu fördern und gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen; dieses Amt besteht seither in unterschiedlichen Ausprägungen fort.

Ein entsprechendes Pendant für Männer und Jungen hat es jedoch nie gegeben, und Evans betont, es sei "nur gerecht", dies zu ändern.

Der frühere Hausarzt erklärte, Männer und Jungen gerieten in zahlreichen Bereichen – von der Gesundheit bis zur Bildung – ins Hintertreffen gegenüber Frauen und Mädchen.

Die Idee hat allerdings eine Debatte darüber ausgelöst, wie ein solches Amt konkret ausgestaltet sein könnte. Kritiker befürchten, es könne zu einer bloßen Symbolfunktion verkommen und die fortlaufenden Bemühungen um Gleichstellung von Frauen in den Hintergrund drängen.

Evans hat sich im Parlament wiederholt für die Einführung eines Ministers für Männer und Jungen eingesetzt. Der Amtsinhaber solle eng mit der Ministerin für Frauen und Gleichstellung zusammenarbeiten – ein Amt, das derzeit Bridget Phillipson zusätzlich zu ihrer Funktion als Bildungsministerin innehat.

"Es geht nicht um Männer oder Frauen", sagte Evans. "Ich habe immer betont, dass es um Männer und Frauen geht. Hier gibt es keinen Wettbewerb."

Er fügte hinzu: "Männer und Jungen geraten in so vielen Bereichen ins Hintertreffen. Es ist an der Zeit für eine Position, die regierungsübergreifend Politik im Ganzen betrachtet – vom Justizministerium über schulische Leistungen und Beschäftigungschancen bis hin zu psychischer Gesundheit, Suizid und Steroidmissbrauch. All diese Themen, in denen Männer überproportional betroffen sind, müssen in den Blick genommen werden. Wir haben bereits eine Ministerin für Frauen und Mädchen, daher ist es nur gerecht und richtig, hier ein Gleichgewicht herzustellen."

Ohne ein solches Amt, so Evans, bestehe die Gefahr, dass Männer und Jungen weiter zurückfallen.

In der jüngsten Debatte verwies er zudem auf gesundheitliche Ungleichheiten, die angegangen werden müssten. Besonders alarmierend sei, dass Suizid die häufigste Todesursache bei Männern unter 50 Jahren darstelle und dreimal so häufig vorkomme wie bei Frauen.

Zudem entfielen zwei Drittel der Todesfälle durch Lebererkrankungen auf Männer – eine Entwicklung, die sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vervierfacht habe.

Evans äußerte auch Sorge über den Mangel an positiven männlichen Vorbildern. Dies habe dazu geführt, dass sich viele junge Männer kontroversen Online-Influencern wie Andrew Tate zuwenden.

Er bezeichnete den Begriff "toxische Männlichkeit" als problematisch: "Wir haben den Männern positive Vorbilder genommen und sie zugleich möglicherweise dämonisiert, indem wir sie als ‚toxisch‘ bezeichnen. Kein Wunder, dass Männer und Jungen Schwierigkeiten haben, ihren Platz in der Welt zu finden. Ich frage oft: Was ist ein guter Mann in der modernen Welt? Eine überzeugende Antwort habe ich noch nicht gefunden."

Im Bildungsbereich verwies Evans auf einen Bericht des Centre for Social Justice aus dem Jahr 2025, wonach Jungen in allen Fächern schlechtere Schulabschlüsse erzielen als Mädchen und Frauen bei den Hochschulzulassungen im Verhältnis drei zu zwei überwiegen.

Zudem seien Jungen laut Zahlen von 2024 anderthalbmal so häufig von Schulverweisen betroffen wie Mädchen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigten sich Unterschiede: Nach Angaben des Office for National Statistics lag die Zahl arbeitsloser Männer im erwerbsfähigen Alter im Februar bei einer Million – dem höchsten Stand seit 2014.

Die Arbeitslosenquote junger Männer zwischen 18 und 24 Jahren erreichte in den drei Monaten bis Dezember 2025 zudem 17 % und übertraf damit sogar den Höchststand während der COVID-19-Pandemie.

"Es gibt zahlreiche weitere Zahlen", sagte Evans, "doch sie alle weisen darauf hin, dass es sich um ressortübergreifende und letztlich gesamtgesellschaftliche Probleme handelt."

Penny East, Geschäftsführerin der Fawcett Society, einer Organisation für Frauenrechte und Gleichstellung, erklärte hingegen, die Lösung der Probleme von Männern und Jungen komme letztlich auch Frauen und Mädchen zugute.

"Es gibt ernsthafte gesellschaftliche Probleme, die Männer und Jungen betreffen und angegangen werden müssen", sagte sie. "Eines der größten ist der Online-Frauenhass – wie verbreitet und normalisiert er ist und wie manipulativ er von manchen Männern kommerzialisiert wird. Wenn wir einige dieser Probleme lösen, hilft das Männern und Jungen – und zugleich Frauen und Mädchen, denn Frauenhass ist eine der Ursachen für viele ihrer Probleme."

Die Regierung müsse sich damit befassen, doch sei fraglich, ob ein eigenes Ministeramt die richtige Antwort sei: "Es darf weder symbolisch noch spaltend sein, und wir müssen die Vorstellung überwinden, es gehe um ein ‚Wir gegen sie‘."

Auch der konservative Abgeordnete Peter Bedford äußerte sich kritisch: "Es hat sich eine wenig hilfreiche Erzählung entwickelt, wonach Jungen ein gesellschaftliches Problem seien, das es zu kontrollieren gelte. Das fördert weder Ehrgeiz noch Verantwortungsbewusstsein."

Er erkenne zwar den möglichen Nutzen eines solchen Amtes, befürchte jedoch, es könne zu einem "bürokratischen Posten werden, hinter dem sich Politiker verstecken".

"Wir brauchen echte strukturelle und kulturelle Veränderungen in der gesamten Verwaltung, um die Lebensbedingungen von Männern zu verbessern – ebenso wie wir es für Frauen tun. Erst dann können wir das Leben aller Menschen nachhaltig verbessern."

Die Gleichstellungsministerin Olivia Bailey erklärte, die Labour-Regierung arbeite bereits an den von Evans angesprochenen Problemen. Premierminister Sir Keir Starmer habe den stellvertretenden Premierminister David Lammy beauftragt, entsprechende Maßnahmen ressortübergreifend zu koordinieren.

"Wir setzen uns dafür ein, Männer und Jungen in allen Bereichen zu unterstützen, in denen sie benachteiligt sind, und erkennen an, dass viele mit den Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft ringen", sagte Bailey.

Das Büro des stellvertretenden Premierministers sei eingerichtet worden, um diese Arbeit zu unterstützen und eine abgestimmte Vorgehensweise zwischen den Ministerien sicherzustellen, die zu messbaren Verbesserungen führe.

Zudem plane die Regierung noch in diesem Jahr einen nationalen Gipfel zu den Themen Männer und Jungen und habe 2025 erstmals eine nationale Männergesundheitsstrategie für England veröffentlicht.

Diese ziele darauf ab, die größten gesundheitlichen Probleme von Männern jeden Alters anzugehen, darunter psychische Erkrankungen und Suizid, Atemwegserkrankungen, Prostatakrebs und Herzkrankheiten.

Auch bemühe sich das Bildungsministerium, mehr männliche Lehrkräfte zu gewinnen, die Jungen als Vorbilder dienen könnten.

Schließlich erkenne die Regierung die "verheerenden Folgen" von Einsamkeit und sozialer Isolation für junge Männer ausdrücklich an.


Ich habe wirklich Schwierigkeiten, mir eine vergleichbare Debatte im Deutschen Bundestag vorzustellen.



2. Dass auch in Großbritannien Männerfeindlichkeit nicht ausgerottet ist, zeigt allein die Schlagzeile eines aktuellen Artikels der Daily Mail: "Unreife Männer verantwortlich für das Baby-Defizit in Großbritannien, sagt Bericht – weil sie die Übernahme von Verantwortung auf später im Leben verschieben".

Ein Artikel wie "Unreife Frauen verantwortlich für das Baby-Defizit unseres Landes, weil sie Karriere der Familie vorziehen", hätte es vermutlich nicht ins Blatt geschafft. Man hätte stattdessen empört die Rechte der Frau verteidigt, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu treffen. Die implizite Forderung, dass es die eigentliche Aufgabe von Frauen wäre, für den Nachwuchs des Landes zu sorgen, wäre als mindestens reaktionär, wenn nicht rechtsradikal zurückgewiesen worden. Warum leistet man sich diesen Mumpitz also, wenn es gegen Männer geht?



3. Die britische Regierung plant, die Zahl inhaftierter Frauen in England und Wales deutlich zu reduzieren. Justizminister James Timpson, argumentiert, viele inhaftierte Frauen seien weniger klassische Täterinnen als vielmehr Opfer sozialer Umstände wie Armut, Gewalt oder instabiler Lebensverhältnisse. Kern der Reform ist das neu geschaffene Women’s Justice Board. Dieses Gremium soll Alternativen zur Haft stärken (z. B. gemeindenahe Maßnahmen) und gesetzliche Änderungen anstoßen, etwa Einschränkungen bei der Inhaftierung schwangerer Frauen. Die Regierung stellt dafür zusätzliche Mittel (über 30 Millionen Pfund) bereit, insbesondere für Unterstützungsangebote außerhalb des Gefängnisses. Ein zentrales Argument lautet: Frauen machen nur einen kleinen Teil der Gefängnispopulation aus (rund 4 Prozent), sind aber überdurchschnittlich häufig von Problemen wie häuslicher Gewalt, psychischen Belastungen oder Selbstverletzung betroffen. Das bisherige System werde diesen Besonderheiten nicht gerecht.

Schaut man sich eine US-amerikanische Studie zu diesem Thema an, zeigt sich: Menschen im Gefängnis berichten allgemein deutlich häufiger von traumatischen Kindheitserfahrungen als die Allgemeinbevölkerung. Erfasst wurden hier körperlicher, sexueller und verbaler Missbrauch, Vernachlässigung, familiäre Gewalt, psychische Erkrankungen im Elternhaus, Suchtprobleme oder die Inhaftierung von Angehörigen. 46 % der männlichen Gefangenen und 57 % der weiblichen Gefangenen hatten vier oder mehr solcher Erfahrungen gemacht.

Ist ein Unterschied von elf Prozent wirklich groß genug für ein eigenes Regierungsprogramm, das speziell Frauen aus dem Gefängnis holen soll? Ich finde: Wenn ähnliche Belastungen auch bei Männern bestehen (nur etwas niedriger), dann liegt eine breitere, geschlechtsübergreifende Reform näher als ein spezifisches Frauenprogramm.



4. DER SPIEGEL: "Der Mann dringt ein, die Frau empfängt – so will es die patriarchale Logik beim Sex." Ich weiß nicht, liebe SPIEGEL-Redakteure – seid ihr euch sicher, dass die Tatsache, dass der Mann beim Sex in die Frau eindringt und nicht umgekehrt, allein dem unterdrückerischen Patriarchat anzulasten ist? Kann man Tipps für schöneres Pegging nicht geben, ohne daraus eine ideologische Nummer zu machen?



5. "Kein Artikel über die Schrecklichkeit der Männer, der nicht darauf hinweist, dass es in Südkorea eine 4B-Bewegung gibt, in der Frauen Männern generell abgeschworen haben", stellt Christian Schmidt heute morgen fest und hat nachgeforscht, wie verbreitet diese Bewegung wirklich ist. Das Ergebnis: "Die große Mehrheit koreanischer Feministinnen lebt oder unterstützt 4B nicht aktiv. Es bleibt eine radikale, vor allem online sichtbare Minderheitenposition, die teilweise mit extremen Communities (z. B. WOMAD) assoziiert wird, die wiederum für Misandrie, Trans- und Homophobie kritisiert werden." Sie habe ihren Höhepunkt schon vor mehreren Jahren deutlich überschritten und sei seitdem zurückgegangen.



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Montag, März 16, 2026

DIE WELT: "Es ist, als ob die Öffentlichkeit immer noch nicht akzeptieren will, wie hilfsbedürftig junge Kerle sind"

1. Nachdem er sich ordnungsgemäß als Feminist dargestellt und damit abgesichert hat, beschäftigt sich Julian Theilen in der WELT mit der Situation von Männern. Ein Auszug:

Während das Patriarchat in den letzten Zügen liegt, zeichnet sich nämlich schon ein neues Problem ab. Junge Männer verlieren den Anschluss. Ein paar nackte Fakten, die das unterstreichen: Junge Frauen schaffen häufiger das Abitur als Männer (55 Prozent). An der Universität übernehmen sie nach und nach klassische "Jungenfächer" wie Mathematik, Naturwissenschaften, Jura. Beim Medizinstudium liegt der Frauenanteil gar bei 70 Prozent. Frauen machen während der Unizeit auch öfter ein Auslandssemester über Erasmus.

Diese Fakten führt Eva Ladipo in ihrem neuen Sachbuch "Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit" an


"Not am Mann"? Die Tante hat meinen Buchtitel von 2014 geklaut.

um sie folgendermaßen abzurunden: "Es ist, als ob die Öffentlichkeit immer noch nicht akzeptieren will, wie hilfsbedürftig junge Kerle sind." Ladipo selbst akzeptiert diese Hilfsbedürftigkeit, die ihrer Auffassung nach in eine "Raserei, eine außer Rand und Band geratene negative Energie" mündet; für sie eine der Ursachen, dass der Westen immer autoritärer werde.


Man könnte sich sinnvoller um Männer kümmern, wenn man diesen Ansatz nicht von Anfang an mit solchen Abwertungen verbinden würde. Und gar noch geschickter wäre es gewesen, sich um Jungen und Männer zu kümmern, als diese so freundlich um Hilfe baten, wie das viele immer noch tun, als erst aufgrund der geschilderten "Raserei" aus den Puschen zu kommen. Auch weil man damit die Botschaft sendet: Raserei wirkt. Ohne diese Raserei wärt ihr Kerle uns immer noch von Herzen egal.

Der Grund für den männlichen Frust ist, Ladipo zufolge, so simpel wie wirkmächtig: Männer haben immer seltener Sex.


Klar, Männer denken bekanntlich an nichts anderes. Willkommen in der Mottenkiste der Klischees.

Frauen reagieren auf Dating-Apps nur auf 12,5 Prozent der Angebote, die sie erreichen. Und die jungen Männer kommen nicht durch die Schlafzimmertür, weil sie in den Augen vieler Frauen als Ernährer ausfallen. Als Ernährer fallen sie wiederum aus, weil sie immer häufiger über eine geringere Bildung und ein geringeres Einkommen als ihre potenziellen Partnerinnen verfügen und diese lieber nach oben daten.


Wenn ein Mann darauf hingewiesen hätte, dass Frauen "lieber nach oben daten", wäre er für diese zutreffende Beobachtung als frauenfeindlicher Incel beschimpft worden. Aus männlicher Perspektive hingegen ist es kurios, dass Lapido glaubt, Männer wären nur wegen dem Sex an einer Partnerschaft interessiert. Würde sie Frauen dasselbe unterstellen?

"Unten" wiederum sitzt der männliche Arbeiter – ohne Kapital und ohne Sex. Er ist "sozial unfruchtbar", wie Soziologen das nennen. Sein Traum, Versorger zu sein, ist ausgeträumt. Und dafür bekommt er kein Mitleid, im Gegenteil: Von der Gesellschaft muss er sich die nächste Backpfeife abholen und "privilegiert" nennen lassen, weil er ein Mann ist. Spätestens hier zerschellen linke identitätspolitische Konzepte an der Realität, weil sie materielle Fragen nachrangig behandeln. So sieht Ladipo das – und so könnten es auch andere sehen, die die politischen Diskussionen der vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt haben.


Das stimmt. Es ist befremdlich, dass die Linke Identitätsfragen über die Klassenfrage gestellt hat, ohne darauf mehr als einen flüchtigen Gedanken zu verschwenden. Das Ergebnis: Die Managerin gilt gegenüber dem Obdachlosen als unterdrückt, weil … Patriarchat.

Der Gender-Pay-Gap wird in Deutschland seit Jahren stetig kleiner. Dass er noch nicht ganz verschwunden ist, liegt wohl nicht zuletzt an den Männern der Boomer-Generation, die noch besser bezahlt werden als gleichaltrige Frauen. Bei den ganz Jungen hingegen könnte sich der Gender-Pay-Gap sogar umkehren. In Großbritannien ist das schon der Fall: Dort verdienen junge Frauen in der Altersspanne 16 bis 24 mehr als junge Männer.


Es gibt seit Jahrzehnten keinen Gender-Pay-Gap mehr.

Was aber könnte ein Mann sein, wenn er nicht mehr Versorger ist? Vorschläge dafür hat es in den vergangenen Jahren reichlich gegeben. Der Mann müsse vom materiellen zum emotionalen Versorger werden und sich in Empathie und Care-Arbeit schulen – und angesichts der Gefühlsverkrüppelung nicht weniger Männer wäre das in der Tat nicht schlecht.


Wie schon gesagt: Auf Männer unter dem Vorwand, man wolle ihnen helfen, verbal auf sie einzuprügeln, macht das Hilfsangebot nicht besonders attraktiv.

Leider wird diese Forderung meist so paternalistisch von Frauen vorgetragen, dass sich der junge Mann in seiner Opferrolle noch bestätigt fühlt und bockt wie ein kleines Kind. Es ist wohl auch zu viel verlangt, von Frauen Mitgefühl zu erwarten.


Werden jetzt etwa beide Geschlechter gedisst?

Sie sind ja selbst noch im historischen Konflikt mit dem Patriarchat gefangen und zermürbt von den häufigen Sexismus-Erfahrungen auf der Straße.


Hübsche Botschaft: Frauen sind empathielos, weil sie Opfer eines Systems sind, das sie knechtet. Männer sind minderwertig, weil man sie nicht mehr ranlässt. Ach ja, die WELT. Immer noch vom intellektuellen Anspruch nur einen Hauch vom Schwesterblatt BILD entfernt.

Es bräuchte also Männer, die sich solidarisch mit dem abgehängten Mann zeigen. Bislang jedoch erweisen die sich als Totalausfall, indem sie entweder die erfolgreiche Frau zum Feindbild stilisieren oder aber Hetero-Männern vorhalten, was für Versager sie doch seien.


Ich würde Julian Thielen für seine Selbstkritik loben, nehme aber an, er meint mal wieder andere Leute. Immerhin scheint es diesmal den Richtigen zu treffen: einen Autor, der in seinem neuen Buch, wenn man der WELT glauben will, "schon den Wunsch nach ein paar Muskeln indirekt in die toxische Ecke rückt." Und beim letzten Absatz kann man Thielen klar zustimmen, wenn man die Branche kennt:

Buchverlage spielen dieses Spiel, in dem das eine Männerklischee (harter Kerl) durch ein neues (softer Typ) ersetzt werden soll, schon deshalb munter mit, weil sie den Mann als Zielgruppe bereits abgeschrieben haben. Zwar lassen sie Männer über Männer schreiben, absurderweise jedoch zielen sie damit auf ein weibliches Publikum.




2. Das Forum Soziale Inklusion legt in einer Datenanalyse offen, wie stark das Bundesfrauenministerium in die Diskussion um das deutsche Familienrecht eingreift und notwendige Reformen effektiv verhindert. Grundlage sind ein Netzwerk von Vorfeldorganisationen und finanzielle Abhängigkeiten, während alternative Perspektiven kaum Zugang zu Ressourcen, Gremien oder Öffentlichkeit erhalten. Eine wirksame und gesellschaftlich tragfähige Modernisierung des Familienrechts könne so nicht gelingen.



3. Nachdem der Frauenanteil im Parlament von Baden-Württemberg auch durch ein 2022 verändertes Wahlrecht nicht gestiegen ist, fordern Politikerinnen etwa aus der CDU und den Grünen erneut ein Paritätsgesetz, das jede Partei zwingen soll, genauso viele Frauen wie Männer als Kandidaten zu präsentieren.

Eine andere Variante wäre eine paritätsgebundene Mandatszuteilung. Dann würde der Landtag die Mandate nach der Wahl entsprechend verteilen. Der Versuch, per Gesetz zu verordnen, dass Wahllisten gleichberechtigt besetzt werden, war in Thüringen und Brandenburg an den dortigen Verfassungsgerichten gescheitert. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Andreas Deuschle, sagte: "Für uns gilt: Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden letztendlich mit ihrer Stimme, wer sie im Parlament vertritt."




4. Der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber dokumentiert eine erneute manipulierte Darstellung in der Tagesschau. Diesmal ist es eine Studie von HateAid und der TU München mit der Falschaussage, Politikerinnen würden im Netz besonders häufig angegriffen.



5. Die Frankfurter Allgemeine hat sich mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter darüber unterhalten, dass sich viele zu schnell als hilflose Opfer sehen und warum Eigenverantwortung heute nicht mehr attraktiv erscheint. Lotterführt dazu aus:

"Mein Alltag spielt sich ja weitgehend an der Universität ab – wo Plakate und Flyer zunehmen, die auf Sicherheitsbedrohungen besonders für Frauen hinweisen; dazu wird auch ausdrücklich rein Verbales gerechnet. Natürlich ist es wichtig, auf Gefahren hinzuweisen und sich zu überlegen, wie man mit Bedrohungen umgeht. Gleichzeitig hat das aber auch die Wirkung, dass die soziale Welt als eine Bedrohung wahrgenommen wird – zumal Frauen nicht als wehrhafte Personen, sondern als verletzliche Wesen angesprochen werden."


Und wenn man dann noch Frauen statt allein als Opfer oder "wehrhafte Personen" auch als offensiv handelnde Akteure wahrnehmen würde …



6. Einem Mann, der von der Polizei angeschossen wurde und später starb, musste zehn Minuten länger auf einen Krankenwagen warten, nachdem eine Polizistin, die unter einer "leichten Panikattacke" litt, den ersten Krankenwagen, der am Tatort eintraf, für sich beansprucht hatte.

Bemerkenswert, wie symbolisch dieser Vorfall für das aktuelle Verhältnis der Geschlechter insgesamt ist.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Lieber Arne,

ich möchte dir heute wieder ein paar Fundstücke zusenden:

- Die heute-show macht am 13.3.2026 den satirischen Beitrag zu einer Führerschein-Ausbildung wie in Österreich zu einem völlig unironischen Hassposting gegen Männer, indem sie ihn mit den Worten beendet: "Väter. Irgendwie süß, aber völlig nutzlos." (Das "Fazit" hat nichts mit dem Thema des satirischen Beitrags zu tun.)

- Dazu gehört auch, dass im ORF passend zum Frauentag ein Mann nach metoo-Vorwürfen abgesetzt wurde (Generaldirektor Weißmann), ohne bewiesene Schuld oder relevante Strafbarkeit der Handlungen und allein aufgrund der Aussage und auf Wunsch einer anonymen Frau. Kurz zuvor hatte der SPÖ-Chef Babler wieder einmal mehr Frauen in Führungspositionen gefordert bzw. sich auf dem SPÖ-Parteitag für Frauen eingesetzt. Und der SPÖ-Geschäftsführer kommentierte mit einem unironischen männerfeindlichen Hassposting: "Es ist bezeichnend, dass – wie so oft – es Frauen sind, die es wieder einmal richten müssen." Dazu meine These: Die Sozialdemokratie hat sich in Deutschland wie in Österreich Männerfeindlichkeit als politisches Projekt ausgesucht, denn sie will die Stimmen der Frauen, darum werden wir noch viel davon bekommen.

- Die CDU hat in Baden-Württemberg die Wahl nicht gewonnen, aber dazugewonnen, obwohl sie zu feige war, männliche Sexualität zu verteidigen. Stattdessen hat sie – wie auch die AfD – wieder einmal mitgespielt dabei, ganz gewöhnliche und normale männliche Sexualität zu kriminalisieren, zu pathologisieren und zu entmenschlichen, die nun einmal junge, hübsche und geschlechtsreife Frauen jung und hübsch oder auch bezaubernd oder gar begehrenswert findet. Das ist soweit normal und unproblematisch, problematisch wäre tatsächlich der Machtmissbrauch (wogegen wir auch zurecht Regeln haben), der aber nachweislich nicht stattgefunden hat. Von mir bekommt die CDU oder auch die AfD dafür keine Stimmen. Die feminisierte Gesellschaft ist krank, nicht die Sexualität des Mannes!

- Mein Arbeitgeber bietet jetzt Kurse für junge Eltern an, bei denen im Mittelpunkt die Frage steht, "wie sich Familienaufgaben gut aufteilen lassen." Nachdem ich einen Kollegen auf die offensichtliche Übergriffigkeit des Arbeitgebers angesprochen habe (Was geht den Arbeitgeber die Aufteilung der Familienaufgaben an?), antwortete er damit, dass er das nicht schlimm finde. Kein Wunder ist die Feminisierung unaufhaltsam auf dem Vormarsch, wenn selbst die Männer nichts dagegen haben, staatliche Vorschriften für ihr Privatleben zu bekommen. Denn ich bin überzeugt, dass mit der Aufteilung der Familienaufgaben nichts anderes gemeint ist als die feministische Forderung nach 50:50, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken, die Väter den Müttern rechtlich gleichzustellen.




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Freitag, März 13, 2026

DER SPIEGEL: Wie ein Mädchen-Podcast ARD und ZDF beschädigte

1. Der SPIEGEL beschäftigt sich mit dem Podcast "Brave Mädchen", der junge Frauen für die Öffentlich-Rechtlichen gewinnen sollte, aber nach schon zehn Folgen kläglich scheiterte. Das Konzept des Podcasts bestand darin, zwei junge Moderatorinnen frei von der Leber weg losschnattern zu lassen. Das ging ordentlich schief:

Schon in der ersten Folge (…) wurde [die Youtuberin] Sashka als "Schrott der Woche" bezeichnet und als "Pick-me-Girl", deren Videos "übelst kranke Hatewellen" gegen Frauen auslösten. Gleichzeitig gab [die Podcast-Moderatorin] Suki zu, sich Sashkas Videos in der Recherche erst gar nicht richtig angeschaut zu haben.

Nun könnte man argumentieren, dass solche Sätze Teil einer Pose sind, provokant und überspitzt und so hart in der Auseinandersetzung, dass es zwischendurch eben auch auf ein paar Nebenschauplätzen knallt. Doch als Satire wurden die Aussagen in "Brave Mädchen" nicht gelesen, eher als platte, unreflektierte und mitunter sogar diskriminierende Positionen: "Ich ziehe mir keinen Content von Männern rein, weil ich brauch’ denen ihre Takes mir nicht anhören", heißt es in derselben Folge.

(…) Nach vier Folgen und knapp vier Wochen nach der ersten Folge wurde der Podcast schließlich pausiert. Der ZDF-Intendant Norbert Himmler sagte, man reflektiere, "wie wir im Format noch besser einen respektvollen und zugleich offenen Diskurs ermöglichen". Denn das sei bei "Brave Mädchen" bisher nicht gelungen. Es war eine Untertreibung.

(…) Eventuell waren andere Formate schlicht besser darin, ihre Provokationen mit Fakten zu unterfüttern. "Brave Mädchen" musste sich etwa dafür entschuldigen, der YouTuberin Sashka ein hauptsächlich männliches Publikum zu unterstellen. In Wirklichkeit hat sie nach Plattformstatistiken in erster Linie weibliche Fans.




2. "Jede Frau, mit der ich spreche, ist wütend." Mit diesem Satz beginnt ein britischer Artikel darüber, warum Frauen Männer aufgegeben hätten.

"Ich frage mich immer wieder: Was ist der Wert von Männern?", sagt eine Freundin zu mir. Sie erklärt mir, wie erschöpft sie von der Flut schrecklicher Nachrichten ist – in denen Männer die Hauptakteure von Gewalt und Chaos sind – und gleichzeitig mit ihrer eigenen unausgewogenen Geschlechterverteilung zu Hause zu kämpfen hat: Sie erledigt 95 Prozent der Hausarbeit, arbeitet fünf Tage die Woche Vollzeit und hat drei Kinder. Ich nicke verständnisvoll.

"Ich werde in einer rein weiblichen Kommune leben", verkündet eine andere Freundin, während wir mit ihrem Hund spazieren gehen. "Ich möchte einfach nur mit Frauen zusammen sein, wir können uns gegenseitig helfen und müssen uns nicht mit dieser toxischen Männlichkeit herumschlagen." Ich denke über die Realität des Lebens in einer Kommune nach (keine Privatsphäre, gemeinsame Mahlzeiten, Streit darüber, wer vergessen hat, Milch zu kaufen, und wie lange all diese Frauen wohl im Badezimmer verbringen würden ...). Aber ich verstehe ihren Standpunkt.

Alle Frauen, mit denen ich spreche, sind wütend, und ein Großteil dieser Wut richtet sich gegen Männer. In den sozialen Medien schickt mir der Algorithmus schockierende Fakten über Männer (hauptsächlich Epstein, aber aus irgendeinem Grund auch männliche Serienmörder?), und Frauen zerreißen diese Männer dann. Ich folge einer Frau, die Inhalte über toxische Männlichkeit remixt und jeden Kommentar zerpflückt (das ist lustig, aber ich spüre auch, wie meine Wut wächst).

"Findest du es nicht seltsam, dass sich nicht mehr Männer zu der Epstein-Sache äußern?", sagt eine Frau in ihrem Reel. Ich denke darüber nach und stimme ihr zu. Ich erwähne das gegenüber einer Mutter, die ihre Kinder zur Schule bringt: "Nun, es interessiert sie einfach nicht. Es betrifft sie nicht. Ich glaube, viele Männer würden dasselbe tun, wenn sie damit durchkommen könnten." Ich bin schockiert und stimme dem nicht zu, aber es macht mich wütend, dass so viele Frauen traumatisiert sind und die Männer so ... gelassen wirken?


Nachdem so über mehrere Absätze hinweg sexistischer Hass multipliziert und verbreitet wurde, fragt sich die Autorin, ob es eigentlich fair ist, den eigenen Partner für Typen wie Epstein verantwortlich zu machen. Weil das eine schwierige Frage ist, wendet sie sich an eine Expertin.

Ich habe mit Jennifer Cox, Autorin und Psychiaterin, darüber gesprochen, wie viele Frauen sich von Männern abwenden. Sind das nur meine Freundinnen und ich? Sie erklärte mir, dass sie diese Abkehr bei vielen ihrer Therapie-Patientinnen beobachtet. "Ich bin zunehmend beeindruckt davon, wie viele meiner Patientinnen ihren emotionalen Fokus von Männern weg verlagern. Seit Trump sein Amt wieder angetreten hat [im Jahr 2024], scheint es einen allgemeinen Verlust von auf Männer ausgerichteter Libido bei Frauen zu geben, der sich in ihren Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten widerspiegelt und sich über alle Altersgruppen und Hintergründe erstreckt. Die genaue Form dieser radikalen Entzentrierung der Männer scheint je nach Lebensphase unterschiedlich zu sein, aber ich kann dieses Muster nicht ignorieren."

Ich fragte sie, warum dies gerade jetzt geschieht. "Es scheint sich angesichts [zahlreicher] Machtmissbräuche, vom Fall Pelicot bis zu den Epstein-Akten, beschleunigt zu haben", sagt sie. "Und es ist klar, dass die sozialen Medien zu diesem Gefühl des Misstrauens und der Verdächtigungen beitragen." Während dies geschieht, werden Männer auch mit Methoden angegriffen, die ihre Männlichkeit auf unhilfreiche und missbräuchliche Weise ausnutzen und so zum Kreislauf von Hass und Misstrauen beitragen. "Verlorene junge Männer finden online Trost bei Personen, die wiederum ihre Verletzlichkeit ausnutzen", sagt sie.

Cox glaubt, einer der Hauptgründe für die zunehmende Kluft liege darin, dass wir nicht dazu ermutigt werden, Zeit miteinander zu verbringen, die über romantische und sexuelle Partnerschaften hinausgeht: "Unsere Gesellschaft hat uns nie dazu ermutigt, Intimität zwischen den Geschlechtern aufzubauen, die auf etwas Tieferem als Sex basiert. Es ist, als hätte der Algorithmus dies gelernt und schürt nun den Geschlechterkampf. Frauen leiden unter einem Gruppentrauma, unter dem Männer (ironischerweise) als Opfer leiden. Das ist ein gefährlicher Kreislauf. Um uns gegen eine durch Wut geschürte Spaltung zu vereinen, von der nur toxische Influencer und Milliardäre profitieren, müssen wir alle an unseren realen Beziehungen zwischen den Geschlechtern arbeiten."




3. Ein aktueller Debattenbeitrag der Evolutionspsychologin Dr. Rebecca Owens von der britischen Universität Sunderland beschäftigt sich mit der Situation von Männern in unserer Zeit:

Die Veröffentlichung einer neuen Dokumentation von Louis Theroux, die sich mit der Online-Welt der Manosphäre beschäftigt, fällt in eine Zeit, in der Gesellschaften im Westen mit einer grundlegenden Frage ringen: Was bedeutet es heute, ein Mann zu sein?

Die öffentliche Debatte geht häufig davon aus, dass die Antwort bereits bekannt ist. Männlichkeit wird oft eng gefasst diskutiert, vor allem unter dem Begriff der "toxischen Männlichkeit". Doch vieles, was viele Menschen unter Männlichkeit verstehen, ist nicht Männlichkeit an sich. Es handelt sich vielmehr um ein gesellschaftlich konstruiertes Skript darüber, wie Männer in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort handeln sollten.

Wenn wir dieses Skript als Tatsache statt als Interpretation behandeln, laufen wir Gefahr, politische Maßnahmen und gesellschaftliche Reaktionen auf Ideologie statt auf Beweisen aufzubauen. Wenn wir die Lebenssituation von Männern und Jungen verbessern und besorgniserregende Trends in den Bereichen psychische Gesundheit, Bildung und soziale Entkopplung angehen wollen, brauchen wir ein breiteres und genaueres Verständnis von Männlichkeit.

Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass Eigenschaften wie Frauenfeindlichkeit oder Homophobie zur Männlichkeit gehören. In Wirklichkeit entstanden diese Vorstellungen in bestimmten kulturellen Kontexten und wurden gelegentlich in die Art und Weise einbezogen, wie Männlichkeit gemessen und diskutiert wird. Aber schädliche Verhaltensweisen sind nicht dasselbe wie Männlichkeit selbst. Wer die beiden verwechselt, entfremdet die Hälfte der Bevölkerung.

In den letzten Jahren ging diese Einengung von Männlichkeit mit einem Anstieg dessen einher, was man als beiläufige Männerfeindlichkeit bezeichnen könnte – die Normalisierung von abwertenden oder feindseligen Einstellungen gegenüber Männern und Jungen im alltäglichen Diskurs. Witze, Slogans und Trends in sozialen Medien, die Männer kollektiv als Problem darstellen, mögen als Satire oder Ausdruck von Frustration gemeint sein, prägen jedoch die kulturelle Umgebung, in der junge Männer aufwachsen. Wenn Jungen wiederholt Botschaften begegnen, die ihre Identität grundsätzlich infrage stellen, wird es schwerer, ein positives Verständnis davon zu entwickeln, wer sie werden sollen.

(…) Unterdessen werden die Herausforderungen, denen Männer und Jungen gegenüberstehen, immer schwerer zu ignorieren. Männer machen die Mehrheit der Suizidopfer, der obdachlosen Bevölkerung, der Menschen mit Substanzmissbrauch und der Gefängnisinsassen aus. Jungen fallen auch in jedem Abschnitt des Bildungssystems hinter Mädchen zurück. Belege deuten zunehmend darauf hin, dass Erfahrungen wie Gewalt in Partnerschaften Männer in höherem Maße betreffen, als bisher anerkannt wurde.

Öffentliche Reaktionen scheinen diese Realität jedoch teilweise zu übersehen. Initiativen, die darauf abzielen, Frauenfeindlichkeit zu bekämpfen, sind wichtig und notwendig. Wenn die Diskussion jedoch nahezu ausschließlich Männer als potenzielle Täter in den Blick nimmt, ohne sie auch als potenzielle Opfer oder Menschen, die Unterstützung benötigen, zu sehen, vermittelt dies vielen Jungen die Botschaft, dass sie selbst das Problem sind.

Hier beginnt der Reiz der Manosphäre verständlich zu werden.

Die Manosphäre ist keine einheitliche Ideologie, sondern ein loses Netzwerk von Online-Communities. Einige Räume konzentrieren sich auf das Wohlbefinden von Männern oder auf das Vertreten ihrer Rechte. Andere verbreiten deutlich extremere Narrative, die auf Ressentiments, Frauenfeindlichkeit und Feindseligkeit gegenüber Frauen und anderen Männern basieren. Für verletzliche junge Männer, die Zugehörigkeit suchen, können die Grenzen zwischen diesen Räumen gefährlich durchlässig sein.

Wenn die Gesellschaft Jungen jedoch nur ein Skript anbietet, nämlich dass Männlichkeit von Natur aus toxisch sei, sollte es nicht überraschen, dass einige anderswo nach Alternativen suchen.

Die meisten Männer bewundern Internetprovokateure nicht, trotz Schlagzeilen, die etwas anderes suggerieren. Doch wenn Institutionen männliche Probleme abtun, schwindet das Vertrauen. In diesem Vakuum gewinnen extremere Stimmen an Einfluss.

Wenn wir verhindern wollen, dass Jungen in die dunkleren Ecken des Internets abdriften, besteht die Lösung nicht darin, Männlichkeit zu verurteilen, sondern das Skript neu zu schreiben. Das bedeutet, sowohl die Stärken als auch die Herausforderungen von Männern und Jungen anzuerkennen, politische Maßnahmen auf Beweisen statt auf Ideologie zu gründen und eine Version von Männlichkeit zu schaffen, mit der sich junge Männer identifizieren können.

Denn wenn die Gesellschaft Jungen keine positive Vorstellung davon vermittelt, was es bedeutet, ein Mann zu sein, wird es jemand anderes tun.




4. Letzte Woche hatte ich mich hier kritisch mit einer weltweiten Umfrage beschäftigt, der zufolge – vor allem dank Ländern wie Indonesien – ein Drittel der Männer ein extrem konservatives Verständnis von Geschlechterrollen vertritt. Eine manipulative Berichterstattung verbarg, wie unterschiedlich es bei diesem Thema in grundverschiedenen Ländern aussieht. Aber auch in Ländern mit einer Kultur wie unserer macht sich unter Männern zunehmende Skepsis gegenüber einer feministischen Politik aus. Das verrät auch ein aktueller Artikel aus Kanada, der sich auf Zahlen derselben Studie bezieht:

Neue Umfragedaten deuten darauf hin, dass kanadische Männer unter 35 Jahren eher der Meinung sind, dass die Gleichstellung der Geschlechter "weit genug" fortgeschritten ist, und traditionellere Ansichten zu Geschlechterrollen vertreten als die allgemeine Bevölkerung.

Die Daten von Ipsos zeigen, dass 57 Prozent der befragten jungen Männer der Meinung sind, Kanada habe genug getan, um Frauen die gleichen Rechte wie Männern zu gewähren, verglichen mit 40 Prozent der Kanadier insgesamt.

Ein Viertel der männlichen Befragten unter 35 Jahren stimmte der Aussage zu, dass "ein Ehemann das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen in seinem Haushalt haben sollte", während 54 Prozent der Meinung sind, dass die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter so weit gegangen ist, dass Männer diskriminiert werden.

Beide Zahlen lagen um mehr als zehn Prozentpunkte über den Antworten der Gesamtbevölkerung.

"Es ist herzzerreißend, es ist beunruhigend, aber es ist nicht überraschend", sagte Humberto Carolo, Geschäftsführer von White Ribbon Canada, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, Männer und Jungen für gesunde Beziehungen zu sensibilisieren und geschlechtsspezifische Gewalt und Frauenfeindlichkeit zu beenden.

"Das ist die Art von Ideologie, der junge Männer heutzutage (online) immer mehr ausgesetzt sind", fügte er hinzu. "Wir haben eine neue Generation von Jungen und jungen Männern, die mit solchen sexistischen, frauenfeindlichen und veralteten Normen aufwachsen, und das spiegelt sich in diesen neuen Daten wider."

Carolo sagte, die Daten spiegeln größere Herausforderungen wider, die die eigenen Untersuchungen der Organisation bestätigen und Teil eines größeren globalen Trends sind.

"Unsere eigenen Untersuchungen haben bestätigt, dass Jungen und junge Männer in den sozialen Medien und auf sozialen und Gaming-Plattformen im Internet zunehmend sehr sexistischen, veralteten und frauenfeindlichen Überzeugungen, Einstellungen und Ideologien ausgesetzt sind", sagte er.

"Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass vier von fünf Pädagogen solche frauenfeindlichen und sexistischen Ideen in ihren Klassenzimmern beobachtet haben, und die Mehrheit von ihnen hat tatsächlich den Übergang von solchen Überzeugungen und Einstellungen zu tatsächlichen Belästigungen und geschlechtsspezifischer Gewalt in Klassenzimmern und Schulen beobachtet."

(…) Carolo sagte, es sei wichtig, dass Pädagogen und Organisationen wie White Ribbon über die notwendigen Ressourcen verfügen, um mit viralen Online-Communities konkurrieren zu können, die sich gegen Gleichberechtigung aussprechen und Frauenfeindlichkeit fördern, oft auch als "Manosphäre" bezeichnet.

Er betonte auch, dass die Aufklärung über gesunde Beziehungen und Ansichten über Frauen bereits vor der Mittelstufe oder den höheren Klassen der Grundschule beginnen müsse, damit Jungen, wenn sie mit diesen Narrativen konfrontiert werden, diese ablehnen können.

"Andernfalls verfallen unsere jüngeren Generationen solchen Ideologien, die für niemanden von uns gut sind – insbesondere für Frauen und Mädchen, die Opfer dieser frauenfeindlichen Behandlungen, Einstellungen und Verhaltensweisen, der Gewalt und der Belästigung sind", sagte er.


Es fällt auf, dass hier der Auffassung eines einzelnen Aktivisten für Umerziehung mehr Gewicht eingeräumt wird als all den Männern, die er frohgemut abkanzeln darf. Sich mit diesen Männern selbst zu unterhalten, wäre offenbar zu viel verlangt. Ein weiterer Experte äußert sich immerhin differenzierter:

Rob Whitley, Professor für Psychiatrie an der McGill University, sagte, dass junge Männer heute größere Probleme aufweisen, die in der Studie nicht vollständig erfasst werden.

"Erstens mangelt es vielen Männern an bestimmten sozialen Kompetenzen, zweitens mangelt es ihnen an bestimmten Kommunikationsfähigkeiten, und drittens gibt es tatsächlich ein sehr hohes Maß an Einsamkeit unter jungen Männern", sagte er. "Es gibt keine angemessenen Hilfsangebote für Männer, die leiden, die Schmerzen haben, insbesondere für junge Männer, deren Probleme offenbar ignoriert werden. Infolgedessen wenden sich viele von ihnen der ‚Manosphäre‘ zu und folgen einigen dieser Online-Persönlichkeiten, um eine Lösung für ihre Probleme zu finden."

(…) Whitley sagte, es sei genauso wichtig, sich auch mit den Problemen zu befassen, mit denen Männer konfrontiert sind. "Es ist kein Nullsummenspiel, es ist kein Wettbewerb", sagte er. "Die gesamte Gesellschaft gewinnt, wenn Männer und Frauen erfolgreich sind und Männer und Frauen gesund sind. Vor allem junge Männer sehnen sich nach Respekt und wollen respektiert werden, insbesondere von anderen Männern. Wir müssen gesunde, pro-soziale Wege finden, die es ihnen ermöglichen, diesen Respekt zu finden, beispielsweise durch den Dienst in der Reserve, durch ehrenamtliches Engagement, durch eine Führungsrolle in der Gemeinde oder als Sporttrainer, denn sonst geraten sie auf die schiefe Bahn."


Auch Whitley fordert letztlich also, dass der Staat junge Männer in eine bestimmte Richtung lenken solle, damit sie nicht aufmüpfig werden und politisch unerwünschte Meinungen vertreten.

Interessant – aber in einem Leitmedium vollkommen unrealistisch – wäre es gewesen, wenn auch ein Verteter der Manosphäre seine Auffassungen hätte darlegen und begründen dürfen. Aber er spräche ja nur für 54 bis 57 Prozent aller jungen kanadischen Männer; offenbar ist diese Rate einfach nicht hoch genug.



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Donnerstag, März 12, 2026

Ukraine: Tausende Frauen demonstrieren für Gleichberechtigung im Militär

1. Der Weltfrauenkampftag am 8. März fand natürlich auch in der Ukraine statt. Ein Auszug aus einem ausführlichen Artikel darüber:

Eine Analyse des Atlantic Council stellt fest, dass ukrainische Soldatinnen trotz rechtlicher Gleichstellung weiterhin ungleichen Zugang zu Ausbildung und Beförderungen haben. Vielen fehlt passende Ausrüstung und Schutzkleidung. Häufig gibt es keine getrennten Unterkünfte, Duschen oder gynäkologische Versorgung. Mechanismen zur Prävention und Ahndung von Fehlverhalten werden nur unzureichend umgesetzt.

Die Zahlen zeigen das Ausmaß: Frauen stellen inzwischen 21 % aller Offiziere im Militär – gegenüber 4 % im Jahr 2023. Jede fünfte Person, die sich in Rekrutierungszentren bewirbt, ist weiblich. Die Demonstrierenden verlangen, dass der Staat diesen Beitrag auch mit realem Schutz beantwortet.

Die dritte Forderung des Marsches betrifft ukrainische Frauen in russischer Gefangenschaft. Im Februar 2026 hielt Russland laut Präsident Selenskyj rund 7.000 Ukrainer gefangen, darunter auch Zivilisten. Wie viele Frauen darunter sind, ist unklar, weil Moskau dem Roten Kreuz keinen Zugang gewährt.

Ehemalige Kriegsgefangene berichteten von Hunger, Schlägen, dem Entkleiden vor männlichen Wachen und Zwang, vor der Kamera anti-ukrainische Aussagen aufzunehmen. Die Sanitäterin Olha Schapowalowa, die in Mariupol gefangen genommen wurde, berichtete von drei Strafkolonien, in denen für geringfügige Verstöße Elektroschocks drohten und 15 Frauen sich zwei Bänke zum Schlafen teilen mussten.

Der jüngste Gefangenenaustausch "500 gegen 500" am 5. und 6. März, vermittelt in Genf, brachte innerhalb von zwei Tagen 500 Ukrainer nach Hause. Doch das Tempo solcher Austausche hängt davon ab, wie viele russische Gefangene die Ukraine als Gegenleistung anbieten kann. Die Demonstrierenden fordern daher, dass Staat und internationale Gemeinschaft alles tun, um jede ukrainische Frau zu befreien und ihr nach der Freilassung umfassende Unterstützung zu bieten.

(…) Jahrzehntelang bedeutete der 8. März in der Ukraine Blumen, Schokolade und Komplimente – ein Ritual sowjetischer Prägung, das die Sowjetunion überdauerte. Eine Umfrage der Rating Group ergab in diesem Jahr, dass 52 % der Ukrainer den Tag gar nicht mehr begehen – 2021 waren es noch 68 %, die ihn feierten. Der Feiertag entfernte sich über Jahre von seiner ursprünglichen Bedeutung, und der Krieg hat diese Entwicklung abgeschlossen.

Die Realität des Lebens von Frauen im ukrainischen Kriegsalltag erklärt, warum 3.000 von ihnen sich für einen Marsch statt für einen Blumenstrauß entschieden.

Das UNHCR registrierte im Februar 2026 rund 5,9 Millionen ukrainische Flüchtlinge im Ausland – etwa drei Viertel davon Frauen und Kinder, da Männer im wehrfähigen Alter unter dem Kriegsrecht das Land nicht verlassen dürfen.

Diejenigen, die geblieben sind, tragen eine doppelte Last. Während ihre Männer mobilisiert sind, ziehen viele Frauen allein Kinder groß und kümmern sich um ältere Angehörige – oft in Städten, deren Heiz- und Strominfrastruktur durch russische Angriffe systematisch zerstört wurde. Viele Kindergärten und Schulen arbeiten unregelmäßig oder gar nicht, weil Beschuss oder Strom- und Heizungsausfälle den Betrieb unmöglich machen. Wenn verwundete Ehemänner nach Hause kommen, müssen ihre Frauen ein Rehabilitationssystem bewältigen, das kaum existiert – zwischen überlasteten Militärkrankenhäusern und ehrenamtlichen Hilfsprogrammen.

(…) Die Organisationen hinter dem Protest – die Koalition "Women’s March", Sotsialnyi Rukh und Veteranka – stellten den 8. März deshalb wieder in den ursprünglichen Kontext: als Tag des politischen Kampfes für Frauenrechte. Nicht als Feier. Nicht als Feiertag. Sondern als Forderung an den Staat, die Frauen wahrzunehmen, die das Land zusammenhalten – und ihre rechtlichen Schutzmechanismen nicht in einem 832-seitigen Dokument umzuschreiben, das außerhalb des Parlaments niemand zu lesen gebeten wurde.


Auch ich wünsche mir: Hoffentlich werden die Frauen und Männer der Ukraine so bald wie möglich vollkommen gleichgestellt, was ihre Rechte angeht. Dass ein Geschlecht "die doppelte Last" trägt, kann so nicht weitergehen.



2. Die BBC berichtet über die aktuelle Mobilmachung in Kroatien:

Hunderte kroatischer Teenager haben sich zum Wehrdienst gemeldet – zum ersten Mal seit die Wehrpflicht 2008 abgeschafft wurde.

Die Ausbildung findet in Kasernen an drei Standorten in Kroatien statt, wobei die Rekruten sich in der Einrichtung melden sollen, die ihrem Wohnort am nächsten liegt. Dort erhalten sie ihre Ausrüstung und werden ihren Schlafsälen zugewiesen. In den nächsten zwei Monaten müssen sie sich der militärischen Disziplin unterwerfen.

"Sie wurden nun aus ihrem zivilen Umfeld herausgerissen", sagte Tihomir Kundid, Generalstabschef der kroatischen Streitkräfte. Für den Fall, dass dies etwas brutal klingt, versicherte der General den besorgten Eltern schnell, dass ihre Sprösslinge mit Sorgfalt behandelt würden. "Wir werden sie Schritt für Schritt akklimatisieren, damit sie nicht zu viel Stress erleben", fügte er hinzu. Viele der Rekruten werden auch erleichtert sein zu hören, dass es "keine besonderen Einschränkungen" für Mobiltelefone gibt, abgesehen von einem Verbot ihrer Nutzung während der Ausbildung.

Rund 800 Personen gehören zur ersten Gruppe von Wehrpflichtigen. Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht auf ihre Einberufungsbescheide gewartet hat, sondern sich freiwillig zum Dienst gemeldet hat. Jeder Zehnte ist eine Frau, die nicht wehrpflichtig ist.




3. Auch aus Deutschland gibt es noch einen Nachtrag zum 8. März zu melden. Die Berliner B.Z. berichtet:

Eine Gruppe Feministinnen ist am Weltfrauentag durch den U-Bahnhof Blissestraße getobt und hat die Wände großflächig mit männer-diskriminierenden Parolen beschmiert.

(…) Von den Überwachungskameras ließen sich die Schmierer offensichtlich nicht abschrecken – vermutlich waren sie vermummt. Die Videos sicherte die Polizei und wertet sie nun aus.

(…) "Aufgrund des Inhalts der Farbschmierereien hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen", sagt ein Polizeisprecher.




4. Und noch ein Nachtrag: Die "taz" hatte zum Weltfrauentag ihre männlichen Mitarbeiter zu ihrem Verhältnis zum Feminismus befragt. Eine der Fragen lautete, ob sie sich mitunter selbst sexistisch angegriffen fühlten. Zwei anonymisiert veröffentlichte Antworten:

Mann 1: Ich ärgere mich manchmal über unsere Berichterstattung. Es gab mal diesen Fall von einem Vater, der bis zum Bundesgerichtshof klagen musste, damit er sein Kind betreuen darf. Das wurde bei uns nicht groß berichtet. Da fühle ich mich dann selber angegriffen, als Vater, auch als getrennter Vater. Die sind in unserer Berichterstattung schnell in dieser Ecke: übergriffig, gewalttätig, zahlen den Unterhalt nicht. Auch das Wort Väterrechtler ist bei uns so ein negativer Begriff. Dabei geht es doch um Väter, die für ihre Rechte kämpfen wollen. Das ist eigentlich positiv. So wie Menschenrechtler.

Mann 8: Ja gut, da gibt es aber schon auch begründete Kritik. Was mir noch einfällt: Bei der letzten Dunkelfeldstudie zu Gewalt in Beziehungen kam heraus, dass erstaunlich häufig auch Männer Opfer von Gewalt werden. Da wurde viel diskutiert in der Redaktion, und es ging schnell um schwule Beziehungen. Aber dass Männer auch Opfer ihrer Partnerinnen werden können und dass das vielleicht ein wenig beachtetes Phänomen ist, ist nicht so auf Resonanz gestoßen. Was ich sagen will: Ich wünsche mir manchmal eine Offenheit dafür, dass es auch Männer und Jungs wegen ihres Geschlechts nicht leicht haben können, ohne dass das relativieren soll, dass Frauen ungleich stärker von Gewalt und Ungleichheit betroffen sind.




5. Am Freitag habe ich hier einen Beitrag des SPIEGEL verlinkt, dem zufolge die Grünen aufgrund einer "Studie der TU Berlin" Kritik am Feminismus für verfassungsfeindlich erklären und Sanktionen durchsetzen möchten. Verlinkt hatten die Verfasserinnen des Artikels, Juliane Löffler und Ann-Katrin Müller, die "Studie" bezeichnenderweise nicht – sie läge ihnen aber exlusiv vor, hieß es in dem Artikel. Das Magazin "Tichys Einblick" hat ein wenig nachgeforscht und stieß dabei auf eine Reihe bemerkenswerter Ungereimtheiten, was dazu führte, dass der SPIEGEL seinen Artikel korrigieren musste.



6. Die Frankfurter Allgemeine beschäftigt sich sich in einem aktuellen Artikel mit Sexismus gegen Väter.



7. Eine Australierin, die zehn Männer als Vergewaltiger verleumdete, wurde zu viereinhalb Jahren Knast verurteilt. Ihre Opfer hatten nach den Falschbeschuldigungen ihren Arbeitsplatz oder ihren Partner verloren, waren von Familie und Freunden verstoßen worden oder litten unter psychischen Problemen.



8. Eine 24jährige Britin, die Männern online intime Fotos gegen Geld geschickt und sie anschließend erpresst hatte, indem sie vorgab, 15 Jahre alt zu sein, wird von einer Haftstrafe verschont.



9. Das neueste Indiz für "toxische Männlichkeit": Man mag Fleisch als Belag auf seiner Pizza.



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Mittwoch, März 11, 2026

Die WAHRE Ursache für Gewalt gegen Frauen

1. "Das hier ist wahrscheinlich das kontroverseste Video, das ich jemals gemacht habe", sagt der deutsche Psychologe Varnan Chandreswaran, Doktorand im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, zu Beginn dieses Videos und äußert seine Angst, für immer "als Frauenhasser gebrandmarkt" zu werden. Danach spielt er – kleine Triggerwarnung – Äußerungen von feministischen Influencerinnen ein, die solche Bedenken offenbar nicht kennen: Sie lassen ihrem tatsächlichen Hass auf Männer, zu dem den sie auch unbekümmert bekennen, freien Lauf.

Offenkundiger Anlass für die gezeigten Entgleisungen ist das Thema "Gewalt gegen Frauen". Varnan untersucht nun die tatsächlichen Ursachen dafür aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Er spricht von "unfassbar wichtigen Studien, über die sich niemand traut zu reden" – außer uns Männerrechtlern, könnte man hinzufügen, aber genau deshalb werden wir ja in der Tat zum Feindbild erklärt. Um zu zeigen, dass er das Thema ernst nimmt, schildert Vadran ein eigenes Erlebnis, als eine Frau ihm gegenüber in der Öffentlichkeit sexuell übergriffig wurde.

Bei Varnans Darlegungen, die in bemerkenswerter Gründlichkeit erfolgen, wird die enorme Kluft zwischen den ideologischen Erklärungsmodellen der Hatefluencerinnen und empirischen Forschungsdaten deutlich. Varnan kritisiert, dass kollektiver Männerhass und die Theorie eines allumfassenden Patriarchats oft als moralische Selbstdarstellung dienen, statt dass die Feministinnen brauchbare Lösungen anböten. Tatsächlich liefert die Forschung keine Belege dafür, dass traditionelle Männlichkeitsbilder kausal zu Gewalt führen. Stattdessen identifiziert Varnan robuste Prädiktoren für Gewalt wie eine Vorgeschichte eigener Gewalterfahrungen, Unfähigkeit zur Emotionsregulation und Alkoholmissbrauch. (Ich weiß aus meiner eigenen Forschung, dass Varnan hier richtig liegt.)

Ein weiterer zentraler Punkt des Videos ist Varnans Kritik an Interventionsprogrammen, die auf Umerziehung und dem vermeintlichen "Bewusstmachen männlicher Privilegien" beruhen. In Wahrheit zeigen kontrollierte Studien, dass diese Programme kaum einen Effekt auf die Reduktion von Gewalt haben. Als wirksamere Alternative empfiehlt Varnan verhaltenstherapeutische Ansätze.

Ich setze Youtube-Videos normalerweise an das Ende einer Medienschau auf Genderama, aber dieses hier ist so gelungen, dass es die Spitzenposition der aktuellen Meldungen erhält. Unwillkürlich fragt man sich beim Betrachten, in was für einer kranken Welt wir eigentlich leben: Warum hat Varnan Angst, für seine erhellenden und hilfreichen Darstellungen Ärger zu bekommen und nicht die Frauen, die ungehemmt ihren Rotz verbreiten? Und warum schlagen unsere Leitmedien wegen einer "Manosphäre" die Hände über dem Kopf zusammen, wo höchstens mal konservative Rollenbilder vertreten oder Fitness-Tipps gegeben werden, häufig aber schlicht Aufklärung geleistet wird, wie Varnan das tut, und sehen dem Hass, den Feministinnen online verbreiten, ungerührt zu, ohne dass ihnen das auch nur eine kritische Silbe wert ist?

In der Kommentarspalte unter dem Video zeigen sich die Zuschauer angetan von Varnans Präsentation. "Witzigerweise sind es oft diesselben Leute, die für 'Hass ist keine Meinung' stehen und gleichzeitig Männerhass propagieren", merkt einer von ihnen an, und eine Zuschauerin schreibt: "Ich bin eine Frau und finde diesen Männerhass so ekelhaft, aber wenn ich das ausspreche, [werde] ich ein 'Pick-me-girl' genannt oder ganz schlimm beleidigt." Mehrere Männer berichten von einer eigenen Gewalterfahrung durch ihre Partnerin.



2.
An einem dunklen Winterabend wartet eine Frau allein auf einem verlassenen Bahnsteig auf ihren Zug. Ein Mann kommt hinzu und setzt sich dicht neben sie – eine Situation, die sie beunruhigt und ihr ein Gefühl von Unsicherheit vermittelt. Eine neuartige Anwendung von Lasertechnologie soll genau solche Momente erkennen, unterscheiden können, ob es sich um ein harmloses Verhalten handelt – oder ob eine echte Bedrohung vorliegt.


Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag der BBC über den Einsatz solcher Laser zur Bekämpfung von "Gewalt gegen Frauen". Die Laser sollen "Verhaltensweisen wie Herumlungern oder Verfolgen" sofort erkennen und für Abhilfe sorgen. Sie beruhen auf einer Technologie, die ihre Hersteller bereits einsetzen, um Menschenmengen an Flughäfen und Bahnhöfen zu überwachen.

Weiter heißt es in der BBC-Reklame (viel mehr ist der Beitrag nicht):

Stell dir vor: Auf jenem verlassenen Bahnsteig würde das Lasersystem registrieren, dass jemand bewusst einen der vielen freien Plätze ignoriert und sich unnötig dicht neben die Frau setzt – ein ungewöhnliches, potenziell bedrohliches Verhalten. Das System würde Alarm schlagen, woraufhin Sicherheitskräfte entweder die Überwachungskamera gezielt dorthin lenken oder persönlich nachsehen könnten.


Ich stelle mir vor, ich nähere mich einer Frau an einem Bahnsteig – vielleicht um ein freundliches Gespräch zu beginnen, vielleicht um nach dem Weg oder einer wichtigen Information zu fragen. Daraufhin kommen Sicherheitsleute angerannt. Hm. Und warum wird eigentlich die Mehrzahl der männlichen Gewaltopfer nicht erwähnt?

Dr. Emma Cunningham, Kriminologin an der University of East London, weist darauf hin, dass Technik allein ihre Grenzen hat. Für echte Sicherheit von Frauen brauche es einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Es sei normal, dass Frauen ihren Alltag und ihre Wege mit dem Gedanken an mögliche Gefahren planen – genau das müsse aufhören. "Für jene Frauen und Mädchen, die trotz aller Vorsicht angegriffen werden, muss sich die Haltung von Schuldzuweisung an das Opfer hin zu einer klaren Schuldzuweisung an den Täter wandeln", fordert sie. Gewalt gegen Frauen und Mädchen sei eine regelrechte Epidemie – das zeigten besonders die Zahlen häuslicher Gewalt.


Von der Herstellerin des Lasers erfahren wir zuletzt:

Rosie Richardson setzt sich leidenschaftlich für den Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ein. Den entscheidenden Anstoß für ihren beruflichen Weg gab jedoch ein männliches Opfer: Als sie sieben Jahre alt war, wurde ihr älterer Bruder bei einer Auseinandersetzung auf offener Straße getötet.




3. Eine britische Polizistin wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie eine falsche Anschuldigung sexueller Belästigung gegen einen unschuldigen Kollegen erhoben hatte: lediglich um ihre Verspätung im Dienst zu rechtfertigen. Der Kollege – der dieser Polizistin nie begegnet war – wurde vor den Augen seiner Frau und Kinder verhaftet, als die Familie von einer Hochzeit zurückkehrte.



4. Eine britische Mutter steht vor einer Gefängnisstrafe, nachdem sie zehn Männern fälschlicherweise Vergewaltigung vorgeworfen hat –Behauptungen, die das Gericht als "bösartiges Lügenpaket" bezeichnete. Die Täterin lernte die Männer größtenteils über Dating-Apps kennen. Nach einvernehmlichen sexuellen Kontakten erfand sie schwere Vorwürfe, darunter Vergewaltigung, oft mit zusätzlichen Elementen wie Gewalt, Bedrohung mit einem Messer und Strangulierung.

Keiner der Männer wurde angeklagt. Die Vorwürfe zerfielen durch Widersprüche, Nachrichtenverläufe und andere Beweise. Dennoch verursachten sie erheblichen Schaden: Einer der Männer dachte sogar daran, sich umzubringen. Die Täterin prahlte gegenüber einem ihrer Opfer: "Die Polizei erhebt keine Anklage. Ich bin wieder mal davongekommen. Schon wieder." Die Verteidigung räumte ein, es gebe keine wirklich befriedigende Erklärung; die Täterin zeige "etwas Reue" und "etwas Einsicht", tue sich aber mit voller Verantwortung schwer.



5. Eine US-amerikanische Krankenschwester wurde kürzlich zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie mehrmals Sex mit einem Patienten hatte, der an einem Drogen-Rehabilitationsprogramm teilnahm – was aufgrund der Machtdynamik als sexueller Übergriff gilt – und anschließend den Patienten bezichtigte, sie missbraucht zu haben, um Konsequenzen zu vermeiden.



6. Gegen die Sängerin Sabrina Carpenter gibt es Vorwürfe, weil sie in ihren Videos Gewalt gegen Männer verherrlicht. Während viele Fans die Szenen als übertriebene Satire und theatralische Erzählweise betrachten, argumentieren andere, dass die Bilder eine beunruhigende Doppelmoral widerspiegeln, wie geschlechtsspezifische Gewalt in der Popkultur dargestellt wird.

In einem Kommentar, der in den sozialen Medien veröffentlicht wurde, heißt es hierzu: "Stellen Sie sich vor, ein männlicher Künstler würde ein Musikvideo drehen, in dem Frauen getötet und geschlagen werden. Er würde innerhalb eines Tages gecancelt werden. Aber eine Künstlerin kann Männer töten, und niemand interessiert sich dafür." Der Beitrag verbreitete sich schnell, zog Tausende von Kommentaren nach sich und entfachte erneut Debatten über Geschlechterpolitik in der Unterhaltungsbranche.

Befürworter von Carpenter bestehen darauf, dass die Kritik den theatralischen Ton übersieht, der ihre Musikvideos seit langem prägt. Viele weisen darauf hin, dass übertriebene Rachehandlungen seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Pop-Geschichtenerzählung sind und oft dazu dienen, Herzschmerz, Verrat und Empowerment zu dramatisieren. In Carpenters Fall ähneln die Bilder oft eher einer schwarzen Komödie als dem Realismus. Männliche Charaktere erscheinen in der Regel als Karikaturen toxischer Partner oder arroganter Liebhaber. Ihr übertriebenes Schicksal dient als symbolische Vergeltung für emotionale Misshandlung. Fans argumentieren auch, dass ähnliche Motive in Filmen, Fernsehsendungen und Musikvideos zahlreicher Künstlerinnen auftauchen, ohne dass sie als wörtliche Befürwortung von Gewalt interpretiert werden.




7. Die Post. Einer meiner Leser kommentiert eine Zuschrift, die ich hier gestern veröffentlicht habe und die eine einseitige Darstellung des SWR über die Armut alleinerziehender Frauen hinterfragte. Dazu schreibt mir ein anderer Leser heute:

Hier die fehlende Ergänzung: Neue Düsseldorfer Tabelle: "Unterhaltspflichtige an der Armutsgrenze".

"Der Mindestunterhalt ist 2026 nur leicht gestiegen ... Gleichzeitig bleiben die Selbstbehalte vollkommen unverändert. Insbesondere wird im Selbstbehalt weiterhin pauschal von 520 Euro Warmmiete ausgegangen - gleicher Betrag, gleiches Raster, für ganz Deutschland. Und genau das sei das Problem, so der ISUV [Interessenverband Unterhalt und Familienrecht]. Die pauschalen Wohnkosten treffen unterhaltspflichtige Eltern immer härter. In vielen Regionen seien Mieten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen - die Düsseldorfer Tabelle 2026 reagiere darauf jedoch nicht.

'Die Weigerung, Wohnkosten endlich realitätsnah und regionalisiert abzubilden, ist der zentrale Konstruktionsfehler der Düsseldorfer Tabelle', kritisiert ISUV-Bundesvorsitzende Melanie Ulbrich. 'Wer in Ballungsräumen lebt, hat faktisch keine Chance, eine angemessene Wohnung zu mieten, die auch Raum für Kinder beim Umgang bietet. Das behindert bis heute eine gleichberechtigte Betreuung nach Trennung oder Scheidung.'

Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten weiterhin: Lebensmittel bleiben deutlich teurer, Energiekosten schwanken, aber sinken nicht auf ein früheres Niveau. Die Düsseldorfer Tabelle bilde diesen Kostendruck nicht ab."

Das alles fällt immer hinten runter, wenn im woken lustigen Männer-Bashing nur davon geredet wird, dass so und so viele Männer den Unterhalt nicht zahlen, der den Frauen doch zusteht. Die Lösung ist einfach: Sie können es nicht!




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