Freitag, Januar 23, 2026

"Es ist Zeit, wieder mit dem Mansplainen anzufangen"

1. "Es ist Zeit, wieder mit dem Mansplainen anzufangen" – zu dieser Einschätzung gelangt die britische Tageszeitung Telegraph. Das feministische Bestreben, Männer zum Schweigen zu bringen, schade der gesamten Gesellschaft. Ein Auszug aus dem Artikel:

Eine der unerquicklicheren Trugschlüsse des Feminismus – und Auswahl gibt es reichlich – ist das Anprangern und Beschämen des sogenannten "Mansplainings". Damit ist jener Trend gemeint, der leider große Teile der Bevölkerung überzeugt hat, Männer – insbesondere ältere weiße Männer – als langweilige, rechthaberische Besserwisser darzustellen, die sich unnötig in die Angelegenheiten anderer einmischen.

Die Ironie dabei ist, dass heute oft genau diejenigen zu belehrenden Nervensägen werden, die unablässig über "Ungerechtigkeiten", "toxische Männlichkeit" und die Unfehlbarkeit von "my body, my choice" dozieren – also Frauen, die sich moralisch überlegen wähnen. (…) Der feministische Impuls, Männer zum Schweigen zu bringen, hat allen geschadet. Er hat zum schleichenden Tod der Kommunikation beigetragen, den wir heute beobachten. Immer mehr Menschen scheuen den Austausch mit anderen. Es gilt als Tabu, überhaupt noch Fremde anzusprechen, während Versuche, sich dem Zeitgeist zu widersetzen und menschliche Nähe zu suchen, als "creepy" oder "weird" abgestempelt werden. Gleichzeitig hören wir endlose Klagen über Einsamkeit – was für eine Überraschung, dass Menschen einsam sind.

Diese wachsende Einsamkeit wird noch verstärkt durch den Mangel an lebenskluger Weitergabe von Erfahrung zwischen den Generationen. Jeder braucht Mentoren und Ratschläge von beiden Geschlechtern, doch junge Männer brauchen besonders den Rat anderer Männer. Den bekommen sie jedoch kaum noch, zumindest nicht von Angesicht zu Angesicht – und das wäre die wirksamste Form. Stattdessen wenden sich junge Männer und Frauen sozialen Medien oder sogar KI zu, um den Mangel an echter Kommunikation zu kompensieren.

(…) Wie der amerikanische Dichter und Schriftsteller Robert Bly in seinem Bestseller "Iron John: Men and Masculinity" von 1990 herausarbeitet, sind Männlichkeit und Mannsein in der modernen Gesellschaft zunehmend verächtlich gemacht worden, besonders in Popkultur, Wissenschaft und Medien. Das hat dazu geführt, dass sich junge Männer von den positiven Aspekten ihres XY-chromosomalen Geburtsrechts abwenden. Zugleich stehen sie ratlos vor den grundlegenden Fragen des Lebens.

"Das zeitgenössische Geschäftsleben erlaubt nur noch konkurrenzhafte Beziehungen, in denen die vorherrschenden Gefühle Angst, Anspannung, Einsamkeit, Rivalität und Furcht sind", schreibt Bly. "Was tun Männer nach der Arbeit? Sie sammeln sich in einer Bar, führen belanglose Gespräche bei leichtem Bier … Keine seelische Verbundenheit mit anderen Männern zu haben, kann die schmerzhafteste Wunde von allen sein."




2. Die fanatische Treibjagd auf die Band Rammstein hat sich inzwischen auf eine Band ausgeweitet, die Songs von Rammstein covert.



3. In Augsburg hat eine Mutter ihre siebenjährige Tochter zum Missbrauch angeboten. Hierzu fertigte sie auch ein pornographisches Foto von ihr an. Der Mann, dem dieses Angebot unterbreitet wurde, schaltete die Polizei ein. Die Mutter wurde nun zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.



4. Die Zeitung Times of Israel berichtet über ein Problem, das seit fast einem Jahr Thema auf Genderama ist:

Kürzlich veröffentlichte Berichte aus dem Büro der öffentlichen Verteidigung im Justizministerium zeigen, dass palästinensische Sicherheitsgefangene in israelischen Gefängnissen schwerer und systematischer Gewalt durch Justizvollzugsbeamte ausgesetzt waren. Dazu kamen Nahrungsentzug, mangelhafte medizinische Versorgung sowie unhygienische Bedingungen, die Krankheitsausbrüche in den Haftanstalten verursacht oder verschärft haben.

Inspektoren der öffentlichen Verteidigung, die 2024 vier Gefängnisse besuchten, dokumentierten stark abgemagerte Häftlinge und stellten an den Körpern der befragten Gefangenen sichtbare Spuren von Misshandlungen und medizinischer Vernachlässigung fest. Die Berichte wurden nach einem einjährigen Rechtsstreit durch die Association for Civil Rights in Israel (ACRI) öffentlich gemacht, die einen Antrag auf Informationsfreiheit gestellt hatte, nachdem das Justizministerium die Herausgabe der Dokumente verweigert hatte.

Die Inspektoren beschrieben die Zustände in einem der besuchten Gefängnisse als "nicht geeignet, um Menschen dort festzuhalten", und erklärten zu einem weiteren, ihre Feststellungen belegten "unnötige und ungerechtfertigte Gewalt gegen Gefangene", die "regelmäßig und bei zahlreichen Gelegenheiten" ausgeübt worden sei.

"Diese Berichte, die wir erhalten haben, bestätigen die Aussagen von Gefangenen sowie die Berichte von Menschenrechtsgruppen und internationalen Organisationen über weitverbreitete Missstände in Israels Gefängnissen", sagte Oded Feller, ein Anwalt des ACRI, der an der Erlangung der Berichte der öffentlichen Verteidigung beteiligt war.

"Sie zeigen, dass diese sadistischen Übergriffe in israelischen Gefängnissen tatsächlich stattfinden."


Aus der israelischen Oppositionszeitung Haaretz erfährt man zeitgleich folgendes:

Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem beschreibt mutmaßliche Misshandlungen in israelischen Sicherheitsgefängnissen. Er stützt sich auf Aussagen ehemaliger Häftlinge und nennt Gewalt durch Justizvollzugsbeamte, Soldaten und Angehörige des Shin Bet, darunter sexuelle Gewalt, Nahrungsentzug, Misshandlung, harte Haftbedingungen sowie die Verweigerung medizinischer Versorgung.

Der Bericht, der auf Interviews mit freigelassenen Gefangenen basiert, enthält Aussagen von vier ehemaligen Insassen, die von "einem gravierenden Muster sexueller Gewalt" durch Gefängniswärter und Soldaten berichten. Dazu gehörten demnach "das Entkleiden durch Sicherheitskräfte, Schläge auf die Genitalien mit schweren Verletzungsfolgen, das Hetzen von Hunden auf Gefangene sowie erzwungene anale Penetration mit verschiedenen Gegenständen".

Yuli Novak, die Geschäftsführerin von B’Tselem, erklärte in der Einleitung des Berichts, "israelische Haftanstalten – sowohl militärische als auch zivile – seien in ein Netz von Lagern verwandelt worden, die als politische Praxis der Misshandlung von Insassen dienten. Ein solcher Raum, in dem jeder, der ihn betritt, zu vorsätzlich herbeigeführtem, schwerem und unablässigem Leid verurteilt ist, fungiert de facto als Folterlager."

Weiter sagte sie: "Der Völkermord in Gaza, die eskalierende Gewalt und ethnische Vertreibungen im Westjordanland sowie die Verfolgung palästinensischer Staatsbürger Israels prägen auch die Behandlung von Gefangenen. Obwohl die Misshandlungen offen stattfinden und gut dokumentiert sind, haben internationale Akteure bislang davon abgesehen, wirksam einzugreifen – ein weiterer Faktor, der das Fortbestehen systematischer Folter ermöglicht. Die Folter palästinensischer Gefangener, die von den israelischen Medien durchweg als 'Terroristen' bezeichnet werden, ist zur akzeptierten Norm geworden."


Männerpolitisch relevant ist hier nicht zuletzt die häufig verschwiegene sexuelle Gewalt gegen Männer. In der britischen Tageszeitung Guardian hat sich jetzt ein ehemaliger palästinensischer Gefangener dazu geäußert:

Sami al-Saei berichtete, er habe gehört, wie die israelischen Gefängniswärter während der Vergewaltigung lachten, bevor sie ihn mit verbundenen Augen, gefesselt und vor Schmerzen gequält auf dem Boden liegen ließen, um eine Zigarettenpause zu machen.

Mindestens einer aus der Gruppe wusste, dass ein Verbrechen begangen wurde, griff jedoch nicht ein, um die Folter zu beenden, sondern um ihre Dokumentation zu verhindern. Al-Saei sagte, er habe jemanden warnen hören: "Mach kein Foto, mach kein Foto", während sie ihn angriffen.

Er blutete mehr als drei Wochen lang aus dem Rektum nach dem Übergriff, der kurz nach seiner Festnahme im Februar 2024 stattfand. Er schilderte sexuelle Folter, die länger als 20 Minuten dauerte, darunter Schläge auf das Gesäß, extremer Druck auf seine Genitalien durch einen Wärter sowie erzwungene anale Penetration mit zwei verschiedenen Gegenständen.

"Ich versuchte, sie aufzuhalten, indem ich meine Muskeln (im Anus) anspannte, aber ich konnte es nicht. Sie drangen sehr tief ein, es war extrem schmerzhaft", sagte er in einem Interview über das Erlebte. "Ich weiß nicht, wie laut ich vor Schmerz geschrien habe."

Die Schmerzen waren so stark, dass er danach zweimal zusammenbrach, als man ihm befahl aufzustehen und zu gehen. In eine überfüllte Zelle verlegt, erhielt al-Saei nach eigenen Angaben keine medizinische Behandlung und musste Toilettenpapierbündel benutzen, um die Blutung zu stillen.

Der 47-jährige Vater von sechs Kindern wurde bis Juni 2025 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Rund 40 Tage nach seiner Freilassung veröffentlichte er ein Video auf TikTok, in dem er den Angriff schilderte, und trotzte damit dem massiven sozialen Stigma sowie israelischen Warnungen, Misshandlungen in Gefängnissen nicht öffentlich zu machen.

"Ich konnte nicht schweigen. Ich habe eine moralische Verantwortung, zu sagen, was mir und anderen Gefangenen angetan wurde", sagte er.

Umfassende und extreme sexuelle Gewalt in Israels zivilen und militärischen Gefängnissen ist von in- und ausländischen Beobachtern dokumentiert worden, darunter Ärzten, der israelischen Militärstaatsanwaltschaft und dem UN-Ausschuss gegen Folter.

(…) Ein Sprecher des israelischen Gefängnisdienstes erklärte, man weise "die falschen Anschuldigungen im [B’Tselem-]Bericht kategorisch zurück" und sei "nicht mit den von al-Saei und anderen Überlebenden sexueller Gewalt beschriebenen Vorwürfen vertraut".

(…) Tamer Qarmut, 41, wurde im November 2023 von israelischen Soldaten festgenommen, als diese das Kamal-Adwan-Krankenhaus im Norden Gazas stürmten, wo seine Familie Zuflucht gesucht hatte.

Er sagte, er sei in den ersten 24 Stunden beschuldigt worden, ein Kämpfer zu sein – obwohl er seit einer Beinverletzung in seiner Jugend behindert ist – und sei so schwer geschlagen worden, dass er dauerhafte Hörschäden erlitt, von einem Hund angegriffen und anschließend von einem Soldaten vergewaltigt worden.

"Er schob mir einen Holzstock in den Anus, ließ ihn etwa eine Minute dort und zog ihn heraus. Dann schob er ihn wieder hinein, noch härter, und ich schrie aus voller Kehle", sagte Qarmut in einer gegenüber B’Tselem abgegebenen Aussage. "Nach einer Minute zog er den Stock wieder heraus, befahl mir, den Mund zu öffnen, steckte den Stock in meinen Mund und zwang mich, ihn abzulecken."

Er wurde fast zwei Jahre lang festgehalten, jedoch nie angeklagt oder vor Gericht gestellt, bevor er im Oktober vergangenen Jahres im Rahmen eines vom US-Präsidenten Donald Trump vermittelten Abkommens freikam.

Die israelischen Streitkräfte reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

Der Bericht von B’Tselem ist der zweite über die Zustände in Israels zivilen und militärischen Gefängnissen. Nach dem 7. Oktober 2023 seien die Haftzentren in ein Netzwerk verwandelt worden, das sich "als politische Praxis der Misshandlung von Insassen" verschrieben habe, in dem Folter eine "akzeptierte Norm" sei. "Ein solcher Raum, in dem jeder, der ihn betritt, zu vorsätzlich herbeigeführtem, schwerem und unablässigem Leid verurteilt ist, fungiert de facto als Folterlager", heißt es.

Die Misshandlung von Palästinensern geschehe nicht im Verborgenen. Gefängnisbehörden brüsteten sich mit dem Vorgehen, es werde öffentlich von israelischen Politikern und dem Justizsystem unterstützt, von israelischen Medien zustimmend berichtet und sei in der israelischen öffentlichen Meinung normalisiert worden, so B’Tselem.

2024 erhoben israelische Militärstaatsanwälte Anklage gegen mehrere Soldaten wegen einer gewaltsamen Vergewaltigung im Militärhaftzentrum Sde Teiman – der einzige Versuch, israelische Wärter wegen sexueller Gewalt in Haftanstalten nach Oktober 2023 strafrechtlich zu verfolgen.

Mitglieder der Regierung und der Knesset stellten sich hinter die Verdächtigen. Als Videoaufnahmen des mutmaßlichen Angriffs durchsickerten, löste dies in Israel kaum Empörung über die Misshandlung selbst aus. Stattdessen führte es zum Rücktritt und später zur Festnahme des obersten Militärjuristen. In diesem Zeitraum wurde lediglich ein Soldat wegen Misshandlung palästinensischer Gefangener verurteilt.

Die Folter palästinensischer Gefangener müsse im Kontext von Entmenschlichung und einer umfassenderen Kampagne extremer Gewalt verstanden werden, sagte B’Tselem-Direktorin Yuli Novak.

"Das israelische Regime hat seine Gefängnisse in ein Netzwerk von Folterlagern für Palästinenser verwandelt, als Teil eines koordinierten Angriffs auf die palästinensische Gesellschaft, der darauf abzielt, ihre Existenz als Kollektiv zu zerstören", sagte sie.

Außerhalb Israels habe es zwar Verurteilungen der Folter gegeben, jedoch kein wirksames Eingreifen. "Die internationale Gemeinschaft gewährt diesem Regime weiterhin vollständige Immunität", fügte sie hinzu.

(…) Viele der Toten waren jung und hatten zuvor keine gesundheitlichen Probleme. Abdul Rahman Mirie, 34, war Tischler und starb im November 2023. Er hinterließ drei junge Söhne und eine Tochter.

Er war im Februar 2023 auf dem Heimweg von der Arbeit festgenommen und ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert worden. Laut Angaben aus einer Gefängnisautopsie und Aussagen anderer Gefangener wurde er vermutlich zu Tode geprügelt. Männer in Zellen in seiner Nähe berichteten seiner Mutter Aziza, sie hätten ihn in seinen letzten Stunden vor Schmerzen rufen hören: "Bruder, komm und hilf mir, ich werde gefoltert."

Die Familie kann die Todesursache nicht bestätigen und keinen Abschluss finden, da Israel seinen Leichnam zurückhält.

Vor dem von Trump vermittelten Waffenstillstandsabkommen für Gaza im vergangenen Jahr erhielt Aziza Mirie einen Anruf der Behörden mit der Frage, ob sie die sterblichen Überreste ihres Sohnes haben wolle. "Wir sagten natürlich ja, aber wir hörten nie wieder etwas", sagte sie dem Guardian im Haus der Familie.

Miries gebrochener Vater starb kurz nach dem Verlust seines Sohnes, sagte Aziza, und die übrige Familie kämpfe ums Überleben. "Nachts stelle ich mir ständig vor, wie sie Abdul Rahman gefoltert haben und in welchem Zustand er vor seinem Tod war", sagte sie. "Manchmal finde ich seine Tochter allein weinend, und sie fragt mich: ‚Warum habe ich keinen Vater?‘"

Israel veröffentlichte zuletzt vor Trumps Waffenstillstandsabkommen Zahlen zu palästinensischen Gefangenen. Demnach hielt Israel im Januar etwa 9.000 Palästinenser aus Gaza, dem besetzten Westjordanland und Ost-Jerusalem fest. Rund die Hälfte von ihnen sitzt auf unbestimmte Zeit ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Haft.




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Donnerstag, Januar 22, 2026

"Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses"

Dieser Tage hat die junge Publizistin Virgina Weaver einen Beitrag online gestellt, in dem sie kritisch mit sich selbst und ihrem Hass auf Männer ins Gericht geht. Da er seinen Finger auf eine zentrale gesellschaftliche Wunde legt, über die nur wenige zu sprechen bereit sind, halte ich ihn für aufschlussreich genug, um ihn als Volltext in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen.



Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses

Wenn ein Junge frauenfeindlich wird, gibt es zahllose Anreize für ihn, rechtzeitig umzudenken. In der realen Welt finden nur wenige Menschen Frauenfeindlichkeit gut – zumindest nicht in den extremen Ausprägungen, die man online häufig sieht. Es gibt viele gute Gründe, Hass kulturell zu ächten, besonders eine so zerstörerische Form davon, und keinen einzigen guten Grund dagegen. Frauenfeindlichkeit ist Bigotterie, und Bigotterie ist schlecht.

Ich war einmal – nicht gestern, aber auch nicht in grauer Vorzeit – im Grunde das männerhassende Gegenstück zu dem, was jenseits der Red Pill liegt. Ich hatte panische Angst vor Männern, verachtete sie, betrachtete sie als minderwertig und konnte mich kaum in sie hineinversetzen. Ich vergeistigte meinen Männerhass. Irgendwann war meine Angst so groß, dass ich versuchte, öffentliche Räume zu meiden (das war während der Lockdowns, also meist möglich und sogar erwünscht). Ich ging offen mit meinen Vorurteilen um. Ich meinte jedes Wort.

Und ich bekam Beifall für meinen Männerhass.

Menschen in linksliberalen Milieus, in denen ich mich meist bewege, verschlangen so was. Obwohl ich politisch rechts von den meisten im akademischen Umfeld und den angrenzenden sozialen Sphären stehe, traf mein Männerhass einen Nerv, schnitt tief und brachte mir Anerkennung im progressiven Lager ein. Ich weiß nicht, wie viele Leute im Lauf der Jahre erkannten, dass mein Hass auf Männer ernst gemeint war, während die der anderen oft bloß eine Inszenierung unter Freundinnen war, bevor sie nach Hause zu ihren Ehemännern gingen. Manches frauenfeindliche Gerede funktioniert ähnlich, wohlgemerkt. Menschen sagen ständig beleidigende Dinge zuliebe von Status oder Humor, ohne es ernst zu meinen. Diejenigen unter meinen Freunden, die genau wussten, dass ich es ernst meinte, schienen damit völlig einverstanden zu sein, teils sogar neidisch.

So elend mich mein Hass auf Männer machte und so verwerflich jede Form von Bigotterie ist: Es gab keinen Anreiz, innezuhalten und meine Denkmuster über Männer zu hinterfragen. Alles in meinem Umfeld erlaubte meinen Hass zumindest, im schlimmsten Fall förderte es ihn. Die Menschen online, die sich über Männerhass beklagten, waren meist damit beschäftigt, Frauen, die keine Männer hassen, Männerhass zu unterstellen, und wirkten kaum wie ernsthafte Gegner. Sie boten keinen wirklichen Ausweg. Ich sprach aus naheliegenden Gründen kaum mit Männern persönlich, und selbst wenn ich es versuchte, war es unerträglich beängstigend. Sozial und politisch hätte es allgemein peinlich gewirkt, zu sagen, dass ich aus dem Männerhass aussteigen wollte.

Als mir meine männerfeindliche Energie plötzlich abhandenkam, lag das nicht daran, dass eine besorgte Freundin sagte: "Hey, du klingst androzidal, das ist widerwärtig, und du steigerst deine Angst, indem du das Verhalten meiner männlichen Freunde als feindselig deutest – beides ist problematisch." Es lag daran, dass ich angstlösende Medikamente bekam. Ja, lieber hypothetischer Leser: Die Triebkraft hinter meinem Männerhass war schlicht eine Angststörung, die sich ein Ziel gesucht hatte.

Aus persönlichen Gründen war es kein Zufall, dass sich meine Angst auf Männer richtete. Vor allem war es kein Zufall, dass Männerhass ein so fester Bestandteil meines angstgeprägten Lebens wurde. Als ich Angst vor dem Autofahren hatte, gab es klare Gründe, diese zu überwinden. Heute fahre ich gern. Aber Angst vor Männern zu haben und diese Angst als fauchenden Hass auszuleben, wie ein verletztes Tier? Yessss queen.

Zur Klarstellung einiger Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber nun einmal das Internet betreffen: Ich halte Bigotterie unabhängig von Statistiken für schlecht – ich behaupte nichts über die relative Wirkung von Männerfeindlichkeit im Vergleich zu anderen Formen von Hass. Ich sage auch nicht, dass mir keine Informationen zur Verfügung standen, die mir hätten zeigen können, dass die meisten Männer keine Serienmörder sind. Spätestens im Erwachsenenalter hätte ich es besser wissen müssen, das geht auf meine Kappe. Das heißt jedoch nicht, dass große Teile einer gebildeten Gesellschaft den Hass in den Herzen von Männerhasserinnen befördern sollten.

Selbst in linken Räumen ist beiläufiger, aber intensiver Hass auf Männer weniger schick geworden. Dennoch taucht er auf, und meist wird angenommen, er wäre harmlos oder ein Scherz. Für jemanden im Raum ist es womöglich keiner, und sie würde davon profitieren zu erkennen, dass Männerhass nicht in Ordnung ist. Wahrscheinlich wird niemand sonst es ansprechen. Bitte tu es.




Einige Passagen aus Kommentaren unter diesem Beitrag:



Selbst wenn man die sozialen Anreize außen vor lässt, ist Online-Männerhass als Konstrukt so angelegt, dass er sich jeder externen Überprüfung entzieht. Jede Erwiderung wird umfunktioniert und als weiterer Beweis männlicher Schwäche gedeutet. Unverfängliche Wendungen wie "naja, tatsächlich ist es so …" oder "nicht alle Männer" – Dinge, die man ganz selbstverständlich sagt, wenn man Gegenbeispiele zu einer ungerechten Verallgemeinerung liefert – werden zu Memes darüber, wie ermüdend und begriffsstutzig Männer wären. Nachfragen oder der Wunsch nach Präzisierung sind ebenfalls unerwünscht, weil es "nicht ihre Aufgabe ist, dich aufzuklären", und so weiter.

Mein eigenes Leben berührt das kaum (schließlich gehöre ich "zu den Guten"); schädlicher ist es vor allem für die Frauen, die sich daran beteiligen. Es ist schon problematisch genug, dass sie sich damit in eine realitätsferne Mythologie über Geschlechterverhältnisse begeben. Hinzu kommt, dass implizit angenommen wird, Frauen müssten bei der Verteidigung einer Ideologie nach vereinfachten Spielregeln agieren. Ich halte Frauen nicht für grundsätzlich benachteiligt im Wettstreit der Ideen, doch diese Form von Männerhass legt an ihre Anhängerinnen geringere intellektuelle Maßstäbe an – was ihnen offenkundig schadet.




So wie die Dinge derzeit stehen, bin ich ziemlich sicher, dass ich in einer gemischtgeschlechtlichen Runde, wenn ich dort anmerken würde, dass Männerhass schlecht ist, als eine Mischung aus Folgendem wahrgenommen würde: (1) als Moralapostel, (2) als Mann, der einer Frau den Ton vorschreiben will (und damit als Frauenfeind), (3) als Mann, der die problematischen Seiten von Männern leugnet (ebenfalls also als Frauenfeind) und (4) als Paradebeispiel für ein fragiles männliches Ego. Ich versuche zumindest, Männerhass nicht aktiv zu bestätigen, wenn er auftaucht. Was eine tatsächliche Widerlegung angeht, glaube ich jedoch, dass dies – angesichts der Spielregeln, wie sie 2026 gesetzt sind – ein Feld ist, auf dem Frauen die Initiative ergreifen müssen (so wie du es hier tust).




Als schwarzer/latino Mann fällt mir unweigerlich auf, wie ähnlich das dem rassistischen "Race Realism" der extremen Rechten ist: "Die sind unvorstellbar barbarisch und an all unseren Problemen schuld", "wir würden in einer Utopie leben, wenn diese Tiere uns nicht töten würden", "schau dir nur die Kriminalstatistiken an: Sie begehen viel mehr Gewaltverbrechen als wir!" und so weiter. Beide reagieren zudem äußerst defensiv, wenn man sie auf ihren Essentialismus anspricht, und bestreiten stets jede Behauptung von Über- oder Unterlegenheit.

Was ich daran ironisch finde: Die durchschnittliche Männerhasserin würde die Bigotterie des rechtsextremen Race Realism sofort erkennen und benennen, ist aber außerstande zu sehen, wie ähnlich ihre eigenen essentialistischen Vorstellungen von Männern (und Frauen) strukturiert sind.

Ich möchte dir außerdem ausdrücklich dafür danken, dass du darauf hingewiesen hast, wie verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert das Ganze im Mainstream ist. Frauenfeindlichkeit wird in der höflichen Mehrheitsgesellschaft zu Recht verurteilt, doch die Kehrseite dieser Medaille gilt als normal. Noch ärgerlicher ist, dass viele nicht einmal bereit sind, ihre Existenz anzuerkennen ("Männerhass gibt es nicht").




Das habe ich auch schon gedacht. Man kann Teile dieses männerfeindlichen Diskurses nehmen, einfach "Männer" durch eine nicht-weiße ethnische Gruppe ersetzen, und der Text würde nahtlos auf [die rechtsextreme Website] Stormfront passen.




Gute Lektüre. Ich bin eher ein Einzelgänger, daher fühle ich mich von geäußter Abneigung gegen mich – sei es wegen Geschlecht, Hautfarbe oder irgendetwas anderem – nicht besonders "beleidigt". Wenn ich irgendwo einen dieser niedlichen "Men-are-Trash"-Becher sehen würde, würde ich schmunzeln und mir merken, dass es sich um eine verbitterte Person handelt, mit der sich eine Interaktion nicht lohnt.

Was mich wirklich wütend macht, ist, dass diese Botschaften in den Mainstream eingesickert sind und nun auch bei Jungen ankommen. Dabei geht es nicht um erwachsene Männer, die sich gekränkt fühlen, sondern um Kinder, die Hassbotschaften ausgesetzt werden, die sie unmöglich angemessen einordnen können.

Die Antwort, die ich darauf meist bekomme, lautet, das sei gerechtfertigt wegen "dem, was Frauen über Jahrhunderte ertragen mussten". Also ist es vielen Frauen schlicht egal, dass unschuldigen Jungen vermittelt wird, sie seien Müll – oder würden zwangsläufig zu solchem werden.

Dem liegt die absurde Vorstellung zugrunde, Männer seien ein monolithischer Block, der geschlossen denkt und handelt. Wir haben keine wöchentlichen Männerversammlungen, in denen wir darüber abstimmen, ob unsere Mitglieder vergewaltigen, misshandeln oder belästigen dürfen. Die meisten Männer würden all das beenden, wenn sie die Macht dazu hätten. Sie haben sie nur nicht.

Wenn eine Frau Männer hasst, bitte sehr. Ich bin nicht die Gedankenpolizei. Aber behalt es in deinem Kopf oder in Räumen, in denen Jungen damit nicht in Berührung kommen. Du triffst damit keine "bösen Männer". Du schadest Kindern. Scheiß drauf.




Ich denke, es ist leicht, sich rational zurechtzulegen, wie man alle Männer für schlecht halten kann und trotzdem mit einem verheiratet ist, weil er "einer von den Guten" sei. Selbst Hitler hat einzelnen Juden Ausnahmen zugestanden und die Japaner als "asiatische Arier" betrachtet.




Es würde wirklich helfen, wenn Männer da nicht mitspielen würden. Ja, wir können einen Witz auf unsere Kosten ertragen – aber wir brauchen auch Rückgrat. Steht zu euch selbst.




Mittwoch, Januar 21, 2026

New York Times: "Kinofilme zeigen ständig unglückselige Männer und hyperkompetente Frauen"

1. In einem aktuellen Artikel beleuchtet die New York Times wie aktuelle Kinofilme unsere Wahrnehmung von Frauen und Männern prägen. Während unsere Kulturindustrie Frauen überhöht, blickt sie auf Männer herab:

Betrachten wir den vom Pech verfolgten Mann. Er ist unsicher, wirkungslos, vom Schicksal ungünstig gestellt. Nichts scheint ihm zu gelingen; er bringt es nicht fertig, einer Krise entschlossen entgegenzutreten. Man könnte meinen, das ergäbe eine langweilige Geschichte. Und doch stand genau so eine Figur im vergangenen Jahr erstaunlicherweise im Zentrum mehrerer bemerkenswerter Filme.

Anstelle von Prestigehelden wie J. Robert Oppenheimer sah man den Unglücksraben, der sich unbeholfen vorantastet, als wäre er von der Handlung, die sich um ihn herum entfaltet, völlig überfordert. Manchmal handelt er, aber selten mit Verstand. Für eine wichtige Aufgabe sucht er sich ausgerechnet die falsche Person als Helfer. Er betäubt sich so lange mit Drogen und Alkohol, dass ihm die schützenden Zauberworte nicht mehr einfallen, die ihn retten könnten.

Und selbstverständlich steht er jenen Menschen gegenüber, die diese Filme ihm zur Seite stellen: hochkompetenten Frauen. Sie sind ständig präsent – und meist so fähig, so souverän wirksam, dass der Film nach 15 Minuten vorbei wäre, stünden sie im Mittelpunkt der Geschichte.

Man nehme Kelly Reichardts "The Mastermind". James Blaine Mooney, die zentrale Figur, ist ein zielloser, arbeitsloser Vater und ehemaliger Kunststudent, der sich mit zwei ebenso glücklosen Männern zusammentut, um mit Mühe einen Raubzug moderner Gemälde aus einem örtlichen Museum durchzuziehen. Die Frauen in seinem Leben – seine Frau Terri, seine Mutter Sarah und eine alte Freundin namens Maude – dulden ihn entweder mit Skepsis oder sind seiner überdrüssig. Nach dem Verbrechen, als James als Verdächtiger identifiziert ist und sich der Druck erhöht, sind sie es, die erkennen, welche Gefahr er für sich selbst und andere darstellt, während er selbst kaum zu begreifen scheint, wie weit er gehen würde, um der Festnahme zu entkommen. Sie verstehen ihn und die Schwere seiner Lage sehr viel besser, als er es selbst tut.

Oder man denke an den iranischen Regisseur Jafar Panahi und seinen mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film "It Was Just an Accident". Dessen Protagonist Vahid ist Mechaniker und glaubt, den sadistischen Peiniger wiedergefunden zu haben, der ihn im Gefängnis gefoltert hat. Vahid verfolgt und entführt den Mann – doch kurz bevor er Rache nehmen will, indem er ihn lebendig begräbt, kommen ihm Zweifel, ob er wirklich den Richtigen vor sich hat. Es folgt eine düster-komische Sequenz, in der Vahid den Mann durch Teheran fährt und andere ehemalige Gefangene aufsucht, um zu bestätigen, dass es sich um ihren Folterer handelt. Die Männer sind jedoch entweder nicht bereit zu helfen oder gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten. Erst bei zwei ehemaligen Mitgefangenen, den Frauen Shiva und Golrokh, erhält er Orientierung; sie könnten helfen, die Wahrheit festzustellen.

Dann ist da Paul Thomas Andersons "One Battle After Another", in dem Leonardo DiCaprio Bob Ferguson spielt, einen bombenbauenden Revolutionär, der untertaucht, als die US-Regierung die Mitglieder seiner Gruppe jagt. Sechzehn Jahre später ist er ein ausgebrannter, leicht verlotterter alleinerziehender Vater am Rand der Gesellschaft in Nordkalifornien. Er zieht die Tochter groß, die er mit einer Mitstreiterin hatte: Perfidia, einer längst abwesenden Krieger-Ideologin, die ihn mit dem Armeekolonel betrog, der sie verfolgte, dann ihre Familie verließ und ihre Genossen verriet, um sich selbst zu retten.

Perfidia ist die treibende Kraft des Films. Sie bestimmt die Strategie der Gruppe und nimmt Bob als Liebhaber; ihr Handeln treibt die Geschichte voran, selbst nachdem sie verschwunden ist. Zugleich begegnet Bob im Verlauf des Films zahlreichen Frauen, die ihr Leben in einer Weise im Griff haben, die ihn beschämt – etwa die Krankenschwester bei der Aufnahme in einer Polizeistation nach Bobs Festnahme bei einer Militärrazzia, die ihn an eine weitere Krankenschwester im Krankenhaus übergibt, welche ihn ruhig und unerschütterlich in die Freiheit führt. Selbst Bobs Tochter Willa, ein Teenager mit lila Gürtel im Karate, ist die Vernünftige und übernimmt praktisch die Erziehung ihres eigenen Vaters.

All diese Protagonisten sind ineffektive Stümper. Wenn sie sich überhaupt zum Handeln entschließen, wirken sie von den Kräften, die sich gegen sie stellen, haltlos gemacht. Das bleibt nicht nur den Zuschauern verborgen. Früh in "One Battle" fragt Perfidias Mutter Bob, wie er für seine kleine Enkelin sorgen wolle: "Du siehst so verloren aus", sagt sie zu ihm.

Die Frauen, denen diese Männer begegnen, scheinen hingegen auf alles vorbereitet. Sie denken womöglich mehrere Schachzüge voraus – sowohl den Protagonisten als auch den Gegenspielern. Sie wissen, wie man die Welt des Films beeinflusst, und tun dies mühelos – genau das, wozu der eigentliche "Held" der Geschichte außerstande ist.

Man könnte erwarten, dass die Hilflosigkeit dieser Männer etwas über heutige Geschlechterverhältnisse aussagt, doch womöglich geht es stärker um Politik.


Womöglich geht es ja um Geschlechterpolitik? Hier könnte man weiter analysieren, aber die New York Times weicht hier erst mal auf andere Themen aus, bevor sie zu dem zurückfindet, was solche Filme überdeutlich machen, wenn sie im Gegensatz zu den Männern Frauen als hochkompetent darstellen – "Frauen, die Handlung und Sinn so mühelos durchschauen und umlenken, wie es sonst nur der Drehbuchautor vermag."

Dass diese Figuren heute so häufig Frauen sind, könnte andeuten, dass Männer ihre Zeit hatten – und man sieht, wohin das geführt hat. Vielleicht sind es gerade jene Charaktere, die am ehesten Wandel bewirken können, die mehr zu verlieren haben. (…) Oder diese Frauen fungieren als Mutterfiguren – allmächtige Autoritäten, zu denen diese Männer, von der Welt infantilisiert, aufschauen, um Fürsorge und Anleitung zu erhalten. (…) Die Frauen in diesen Geschichten sind Heilmittel und Vorbilder, jene mit der Fähigkeit, alles in Ordnung zu bringen.


Ein schöner Traum. Schade, dass er zutiefst sexistisch ist.

Ich habe die KI "Perplexity", die sich als Analysewerkzeug aktueller Beiträge bewährt hat, gefragt, welche Reaktionen es bislang auf den Artikel gibt. Die Antwort (im Original jeweils mit Quellenangabe):

Online wird der New-York-T-Artikel überwiegend als weiteres Symptom eines weiblich-überlegenen, männlich-defizitären Narrativs wahrgenommen, stößt aber in kleineren linken Männerrechts- und Gender-Diskussionsräumen auch auf Zustimmung als Diagnose eines realen kulturellen Trends. Die Reaktionen sind stark polarisiert: Von "interessanter Beobachtung" bis hin zu massiver Empörung über eine misandrische "Women are wonderful"-Ideologie.

In linken männerpolitischen Nischen-Communities wird positiv hervorgehoben, dass der Text das Muster "tölpelhafte Männer vs. hyperkompetente Frauen" in aktuellen Filmen überhaupt klar benennt und als Symptom größerer gesellschaftlicher Verunsicherung deutet. Einige Kommentatoren lesen den Artikel als Beleg dafür, dass Figurenkonstellationen sich verschoben haben: Männer stehen für Ohnmacht gegenüber "übermächtigen Strukturen", Frauen werden als Handlungsmächtige inszeniert, was als durchaus realistischer Kommentar zur politischen Gegenwart gefeiert wird.

In r/LeftWingMaleAdvocates wird mehrfach kritisiert, der Text füge sich nahtlos in eine Kultur ein, die männliche Inkompetenz normalisiert und weibliche Überlegenheit romantisiert; ein User bezeichnet das als "Schrödingers Feminism", der Männer gleichzeitig als zu mächtig und zu unfähig zeichne. Stark emotional gefärbte Kommentare berichten von Frust und Verzweiflung angesichts eines "Women are wonderful"-Diskurses, in dem Frauen als nahezu fehlerlose Heilsfiguren, Männer dagegen als Problemfall der Moderne dargestellt würden.

Mehrere Beiträge bemängeln, dass New-York-Times-Gendertexte in den Kommentarspalten offen misandrische Töne duldeten, während umgekehrt ähnlich harsche Aussagen über Frauen deutlich strenger moderiert würden. Es wird auf Konzepte wie "gamma bias" verwiesen, um zu argumentieren, dass derartige Geschichten unbewusst Frauen moralisch aufwerten und Männern eher Unreife und Verantwortungsunfähigkeit zuschreiben.

Einzelne Kommentatoren kritisieren, feministische Diskurse forderten zwar intensive Selbstreflexion von Männern, aber kaum spiegelbildliche Selbstkritik von Frauen; der Artikel passe dazu, indem er weibliche Figuren als moralisch überlegene Korrektive zeichne. Andere weisen darauf hin, dass diese Idealisierung Frauen letztlich infantilisieren könne: Wer Frauen dauernd als bessere, reifere Menschen schildere, entlaste sie von Verantwortung und untergrabe echte Gleichberechtigung.




2. Mit der Süddeutschen Zeitung berichtet jetzt doch noch ein deutsches Medium über die Studie, die zeigte, wie minimal "toxische Männlichkeit" vorkommt – und weist auf eine bemerkenswerte Erkenntnis der Untersuchung hin:

Die höchste Wahrscheinlichkeit, ein feindselig-toxisches Profil aufzuweisen, hatten ältere Männer ohne Arbeit, die ohne Partnerin leben, religiös sind und einer ethnischen Minderheit angehören. Auch stark konservative Einstellungen, Armut und mangelnde emotionale Kontrolle waren unter diesen Männern überrepräsentiert. "Es ist bemerkenswert", schreiben die Psychologen um Cone, "dass die Chance, zu den besonders toxischen Profilen zu gehören, unter den strukturell am stärksten benachteiligten Männern am höchsten ist."




3. Gegen die Leiterinnen des Männergefängnisses Gablingen, wo es zu dem "wohl größten Justizskandal in Bayerns Nachkriegsgeschichte" kam (Genderama berichtete immer wieder), wurde jetzt Anklage erhoben.

Konkret geht es um die sogenannten "besonders gesicherten Hafträume" (bgH). In diesen Zellen sollen in der JVA Gablingen Gefangene grundlos und komplett nackt eingesperrt worden sein, teils über Wochen – ohne Decke oder Matratze. (…) Neben der missbräuchlichen bgH-Unterbringung wird den Gablinger Beamten auch Gewalt gegen Gefangene vorgeworfen. Wie der BR recherchiert hat, gehen die Vorwürfe bis hin zu Knochenbrüchen. Zudem soll es auch in der benachbarten JVA Neuburg-Herrenwörth zu Übergriffen durch die Gablinger Beamten gekommen sein. In dem Jugendgefängnis unterstützten sie eine Drogenrazzia. Dabei sollen Häftlinge gewürgt und geschlagen worden sein, um Informationen von ihnen zu erhalten. Für Experten die "Paradesituation einer Folter".




4. In Australien kam es zu einem bemerkenswerten Freispruch in einem Vergewaltigungsprozess.

Das Urteil der Jury stand innerhalb einer Minute fest. In allen Anklagepunkten für nicht schuldig befunden. Für die prominente Sydneyer Anwältin Margaret Cunneen SC, die den renommierten Straßenkünstler Anthony Lister vertrat, war es ein Moment tiefer Erleichterung und Genugtuung nach einem langwierigen Prozess, in dem ihr Mandant von mehreren schweren Anklagen wegen sexueller Übergriffe freigesprochen wurde.

In einem exklusiven und offenen Interview sprach Frau Cunneen über die außergewöhnliche Schnelligkeit der Entscheidung der Jury und übte scharfe Kritik an der polizeilichen Ermittlung, der Berichterstattung der Medien und der vorherrschenden Haltung, in Fällen sexueller Übergriffe "allen Frauen zu glauben".

"In 40 Jahren als Strafverteidigerin, davon sieben Jahre für die Anklage und sieben Jahre für die Verteidigung, habe ich noch nie erlebt, dass eine Jury so schnell zu einer Entscheidung gekommen ist", sagte Frau Cunneen und beschrieb den dramatischen Moment, als das Urteil verkündet wurde. "Die Jury kam innerhalb einer Minute zurück ... Sie waren sehr gut gelaunt und konnten es kaum erwarten, das Urteil zu verkünden: nicht schuldig, nicht schuldig, nicht schuldig, nicht schuldig."

Frau Cunneen sagte, die Geschworenen hätten "Anthony angelächelt", und der Richter habe Lister erlaubt, den Zeugenstand zu verlassen, um zu seiner Tochter und seiner Partnerin zu gehen, die ihm während des gesamten Prozesses zur Seite gestanden hatten.

Der 44-jährige Lister, ein Pionier der australischen Street-Art-Bewegung, hatte sich in neun Anklagepunkten, darunter fünf Fällen von Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung, für nicht schuldig erklärt.

Er stand insgesamt in zwei Prozessen vor Gericht und beteuerte seit dem Tag seiner Verhaftung seine Unschuld in Bezug auf Straftaten, die sich über einen Zeitraum von sechs Jahren ereignet haben sollen und an denen fünf Frauen beteiligt waren.

Während des Prozesses argumentierte Frau Cunneen in ihrem Schlussplädoyer vor der Jury, dass die Anklägerinnen einvernehmliche sexuelle Begegnungen aufgrund persönlicher Reue, sozialem Druck wie der "MeToo"-Bewegung, dem Wunsch nach beruflichem Aufstieg, Eifersucht oder dem Bedürfnis, ihre Vergangenheit in einem sympathischeren Licht darzustellen, nachträglich als nicht einvernehmlich umgedeutet hätten.

Sie argumentierte, dass es sich in einem Fall um eine "transaktionale" Handlung gehandelt habe.

Frau Cunneen gab an, dass die "Sachverhaltsdarstellung" der Polizei, als sie den Fall am 6. Juni 2024 übernahm, "äußerst schädigend" wirkte.

Eine gründliche Untersuchung der Beweise, die vor allem dank Listers akribischer Aufzeichnungen möglich war, ergab jedoch ein ganz anderes Bild.

"Anthony hatte nichts aus seinem Leben weggeworfen", erklärte Frau Cunneen. "Wäre er jemand gewesen, der Szenen aus seinen Nachrichten oder Fotos löscht, hätte er seine Unschuld in Bezug auf diese Straftaten nicht beweisen können, aber dank seiner eigenen Aufzeichnungen, die in jedem Fall weitaus umfangreicher waren als die Aufzeichnungen der Klägerinnen, konnte er dem Gericht zeigen, dass diese Anschuldigungen einfach nicht wahr waren."

Frau Cunneen sagte, die Verteidigung habe Beweise vorgelegt, die den Aussagen der Klägerinnen direkt widersprachen, oft durch ihre eigenen vergessenen oder gelöschten Mitteilungen.

"In praktisch allen Fällen hatten die Klägerinnen die Existenz von Videos vergessen, die zumindest manchmal ein hohes Maß an enthusiastischer Zustimmung zeigten", sagte Frau Cunneen.

"Die Nachrichten zwischen den Parteien zu dieser Zeit zeigten einen Ausschnitt aus dem Verhältnis zwischen Anthony und bestimmten Frauen, sodass dies in einen Kontext gestellt wurde, der weder kritisiert noch widerlegt werden kann."

Sie führte ein eindrucksvolles Beispiel an: "Wir hatten eine Frau, die sagte: ‚Ich hätte mich nicht einmal mit ihm getroffen, wenn es meiner Karriere nicht geholfen hätte‘ oder ‚Nun, ich habe mich einfach auf all den Sex und die sexuellen Dinge eingelassen, weil ich dachte, dass mir das Chancen in meiner Karriere verschaffen würde‘."

Eine andere Beschwerdeführerin, so Frau Cunneen, habe "in ihrer Schilderung völlig ausgelassen, dass sie in einer anderen Stadt, als sie zufällig zusammen dort waren, in Anthonys Hotelzimmer gegangen war und danach liebevolle Nachrichten geschrieben hatte." Als sie dazu befragt wurde, soll die Frau gesagt haben: "Oh ja, das war die schönste Erinnerung, die ich je hatte, Anthony", obwohl dies nach der mutmaßlichen sexuellen Nötigung geschah.

Darüber hinaus behauptete Frau Cunneen, dass dieselbe Beschwerdeführerin auf die Frage, warum sie diese Nachrichten nicht der Polizei vorgelegt habe, geantwortet habe: "Ich hielt das nicht für relevant." Laut Frau Cunneen stellte sich später heraus, dass "sie Nachrichten gelöscht hatte, die darauf hindeuteten, dass sie sich nach dieser sexuellen Belästigung jahrelang äußerst freundschaftlich verhalten hatten."

Frau Cunneen äußerte ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Ermittlungsverfahrens und warf der Polizei vor, sie würde "Opfer anwerben".

Sie sagte, die Polizei der Polizeistation Surry Hills habe die Menschen aufgefordert, "sich zu melden, wenn sie etwas über diesen Mann zu sagen haben".

"Wir leben in einer ganz anderen Welt, wenn Menschen dazu ermutigt und ihnen gesagt wird, wie mutig und tapfer sie sind und dass sie dies tun, um anderen zu helfen und andere zu retten. Sie werden dazu ermutigt, sich auf eine Art Kreuzzug zu begeben."

Frau Cunneen betonte, dass die Staatsanwaltschaft in Fällen sexueller Übergriffe nachweisen muss, dass der Beschuldigte "sich der fehlenden Zustimmung bewusst war".

"Wenn eine Person sich denkt: ‚Ich möchte das eigentlich nicht tun, aber es könnte gut für meine Karriere sein‘ und ansonsten den Anschein erweckt, einverstanden zu sein, dann kann der beschuldigte Mann nicht für schuldig befunden werden", sagte sie. "Er kann unmöglich wissen, dass keine Einwilligung vorliegt."

Frau Cunneen sagte, sie habe vor Gericht argumentiert, dass es im Fall Lister ein Muster gebe, bei dem Menschen zurückblicken und denken: "Oh, hätte ich das doch bloß nicht getan".

"Einige dieser Vorwürfe waren zum Zeitpunkt der Verhandlung bereits 12 Jahre alt, und nur weil jemand 12 Jahre später zurückblickt und denkt: ‚Oh, warum habe ich das getan?‘ oder ‚Ich hätte das wahrscheinlich nicht tun sollen‘, bedeutet das nicht, dass es damals keine Einwilligung gab."

Trotz Listers Freispruch beklagte Frau Cunneen die verheerenden Auswirkungen, die die sechsjährige Tortur auf sein Leben und seine Karriere hatte.

"Der Prozess wird zur Strafe", sagte sie.

"Denn nach sechs Jahren, in denen er angeklagt war und seine Freiheit so stark eingeschränkt war, kein Reisepass, keine Ausreise, keine Teilnahme an der Abschlussfeier seiner Tochter, solche Dinge, ganz zu schweigen vom Geld."

Sie gab bekannt, dass Lister seine finanziellen Mittel für Anwaltskosten aufgebraucht hatte, bevor sie und ihr beauftragter Anwalt sich der Sache annahmen.

"Ich habe keinen Cent bekommen, weil Anthony sein gesamtes Geld für frühere Anwälte ausgegeben hatte, lange bevor ich mich der Sache annahm. Das ganze Geld war weg ... er musste herumgehen, Leute ansprechen und sie bitten, ihn zu vertreten."

In einem überraschenden Statement berichtete Frau Cunneen, dass ein Medienvertreter angedeutet habe, dass sie nicht die Absicht hätten, eine Geschichte zu veröffentlichen, wenn Lister freigesprochen würde, sondern nur, wenn er verurteilt würde.

"Was in den Online-Archiven übrig geblieben ist, sind all die Geschichten über die Verhaftung – schreckliche Anschuldigungen", sagte sie.

Obwohl Lister freigesprochen wurde, äußerte Frau Cunneen tiefe Besorgnis über die Rechtsstaatlichkeit in New South Wales.

"Ich mache mir große Sorgen um die Rechtsstaatlichkeit in New South Wales, wenn die Öffentlichkeit bereit ist, jemanden weiterhin für schuldig zu halten, obwohl er von einem Gericht und einer ordnungsgemäß konstituierten Jury, die alle Beweise gesehen hat, für unschuldig befunden wurde", sagte sie. "Denn ein Mitglied der Öffentlichkeit hat nicht wochenlang im Gerichtssaal gesessen, um die Beweise zu sehen, und wenn es nur einen Teil der einen Seite gesehen hat, kann es nicht so fair urteilen wie eine Jury."

Was übrig blieb, war Lister, "zweifellos ein großes Talent", der "seinen guten Ruf" und "sechs Jahre voller Möglichkeiten" verloren hat.

"Früher reiste er um die Welt und stellte seine wunderbaren Kunstwerke aus ... Aber in dieser Zeit in der Geschichte des Strafrechts in unserem Staat scheint es jedenfalls so, als gäbe es Bestrebungen, das Leben eines Menschen zu zerstören, sobald er einer Straftat beschuldigt wird. Das Endergebnis zählt vor dem Gericht der öffentlichen Meinung nicht."

(…) Frau Cunneen sagte, dass bei "etwas so Fragilem wie der Aussage einer einzelnen Person" viel mehr Untersuchungen durchgeführt werden müssten, bevor ein Mann oder eine Frau ihre Freiheit verliert aufgrund der Aussage einer Person, die möglicherweise die Hälfte davon vergessen hat, weil es so lange her ist, oder weil sie zum fraglichen Zeitpunkt unter Drogen stand – "und das war bei einigen der Beschwerdeführerinnen hier der Fall".




5. Die spanische Online-Zeitung "The Objective" wirft der spanischen Regierung vor, 55 % der Todesopfer häuslicher Gewalt systematisch zu verschweigen

Laut unabhängiger Zählung der Asociación Anavid (die sich auf Medienberichte stützt) gab es 2025 insgesamt 108 Todesopfer durch häusliche Gewalt. Das Ministerium für Gleichstellung (unter Ana Redondo) und die Delegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt zählen jedoch nur 49 Opfer: ausschließlich Frauen, die von männlichen Partnern/Ex-Partnern getötet wurden, sowie Kinder, die von ihren Vätern getötet wurden (sogenannte "violencia de género" und "violencia vicaria").

Damit bleiben ca. 55 % der Fälle unsichtbar, darunter 36 getötete Männer und 12 Fälle von Kindstötungen durch Mütter.

Die Regierung wende eine ideologische Linse an, die nur Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder durch Väter als relevant ansehe. Wünschenswert sei stattdessen eine geschlechterneutrale, kriminologisch-wissenschaftliche Erfassung aller Opfer häuslicher Gewalt (Frauen, Männer, Kinder, Ältere), unabhängig von Tätergeschlecht oder sexueller Orientierung. Das bestehende "Ley Integral contra la Violencia de Género", das spanische "Gewaltschutzgesetz", habe Feminizide nicht signifikant reduziert und werde teilweise als Geschäft instrumentalisiert.



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Dienstag, Januar 20, 2026

Frauen werden beim Lohn noch immer diskriminiert? – "Das ist eine grobe Verkürzung, die in die Irre führt", erklärt die Ökonomin Conny Wunsch

1.
Die Professorin der Universität Basel kritisiert, dass der Bund bei der Lohnfrage suggestiv informiere und der Bevölkerung ein falsches Bild vermittle. Auch die Medien würden die Lage verzerrt darstellen. Lohndifferenzen seien nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen.


Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat Professorin Wunsch dazu interviewt. Sie erklärt dasselbe, was Männerrechtler seit Jahrzehnten erklären. Ein Auszug aus dem Gespräch:

NZZ: Frau Wunsch, das Eidgenössische Büro für Gleichstellung (EBG) schreibt auf seiner Website: "Frauen verdienen in der Schweiz 16,2 Prozent weniger als Männer – obwohl der Grundsatz ‹Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit› seit 1981 in der Bundesverfassung steht." Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Professorin Wunsch: Es fehlt die entscheidende Erklärung: Bei den 16,2 Prozent handelt es sich um den Unterschied beim Bruttovollzeitlohn zwischen Männern und Frauen – ohne Berücksichtigung von Ausbildung, unterschiedlicher Berufswahl, Branche, Alter, Erfahrung und so weiter.

NZZ: Also wird bei den erwähnten 16,2 Prozent beispielsweise der Bruttolohn der jungen Floristin mit jenem des älteren Ingenieurs verglichen?

Professorin Wunsch: Das ist stark vereinfacht ausgedrückt, aber von der Idee her richtig.

(…) NZZ: Sie sagen, man müsse "faktenbasiert" vorgehen. Werden Fakten denn bewusst verschleiert?

Professorin Wunsch: Nein, das nicht, aber die Kommunikation ist oft fragwürdig. Der Bund sollte nicht im Titel der Medienmitteilung die Lohnunterschiede fett gedruckt, mit suggestivem Bezug zur Benachteiligung von Frauen, in den Raum stellen – diese werden dann von den Medien immer aufs Neue reproduziert – und dann irgendwo im erläuternden Bericht erklären, was die Lohnanalysen eigentlich berücksichtigen. Es wäre wichtig, dass die Öffentlichkeit besser versteht, dass beobachtete Lohndifferenzen nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen sind.

NZZ: Die Rolle der Medien wäre es, eine Schlagzeile zu hinterfragen. Wie beurteilen Sie die Berichterstattung?

Professorin Wunsch: Meiner Wahrnehmung nach stellen die Medien die Sachlage häufig verzerrt dar. Die Schlagzeilen, die der Bund liefert, werden dankbar aufgenommen, um auf eine angebliche Diskriminierung hinzuweisen. Es ist verständlich, dass die breite Bevölkerung, die sich ja nicht mit allen Details einer Lohnanalyse auseinandersetzt, an eine massive Ungleichbehandlung glaubt. Dies trägt dazu bei, dass die wahrgenommene Benachteiligung von Frauen deutlich grösser ist als die tatsächliche. Ich finde das hoch problematisch.

(…) Frauen gewichten bei der Wahl des Jobs oftmals andere Kriterien höher als Männer, etwa den Arbeitsweg. Man kann beispielsweise sagen: Eine Frau im ländlichen Umkreis von Zürich arbeitet lieber bei der Regionalbank in der Nähe als bei der UBS in der Stadt Zürich. Der Mann hingegen nimmt das Pendeln in Kauf und geht zur Grossbank, wo er für denselben Job mehr verdient. Schaut man nur die Löhne innerhalb eines Unternehmens an, fallen diese Unterschiede weg – und die Lohndifferenzen sinken massiv.

NZZ: Das sind nachvollziehbare Erklärungen. Der Bund sagt dennoch, dass es übers Ganze gesehen einen "nicht erklärbaren" Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen gebe, und zwar von 8 Prozent in der Privatwirtschaft und von 6 Prozent im öffentlichen Dienst.

Professorin Wunsch: Wir haben eine eigene Studie mit denselben Daten durchgeführt und sind auf tiefere Zahlen gekommen. Nach unseren Berechnungen beträgt die nicht erklärte Differenz in der Privatwirtschaft etwa 6 Prozent, im öffentlichen Sektor 3 Prozent. Aber wie bei der Analyse des Bundes fehlt auch bei unserer Studie die wichtige Komponente der Berufserfahrung. Diese ist entscheidend für die Höhe des Lohnes. Frauen verfügen, über die ganze Bevölkerung gesehen, im Durchschnitt über weniger Berufserfahrung als Männer. Das mag einen Gutteil der Unterschiede erklären.




2. Trotzdem sehen sich Frauen natürlich noch immer mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Im Wiener "Standard" etwa beschäftigt sich Isadora Wallnöfer mit dem Problem, wie man als Männerhaserin mit der Liebe zu einem Mann klarkommen soll – eine Frage, vor der vermutlich viele Radikalfeministinnen stehen, die zu ihrem Leidwesen heterosexuell sind. Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied, dass im Bett auf Schwarze steht, hat es wohl auch nicht immer leicht.

"Männer beschäftigen mich, verwirren mich", heißt es in dem Artikel (das merkt man ihm an) und: "Sich vom Schicksal als Heterofrau zu distanzieren, ist nicht neu." Dazwischen: sehr viel Hass auf Männer, ausführlich dargeboten, der immer wieder mit den erotischen Bedürfnissen der Autorin zusammenknallt: "Denn obwohl diese Wut auf das Patriarchat angebracht war, konnte ich meine Bedürfnisse durch diesen Hass nie ersetzen." Tragisch.



3. Unter der Überschrift "Scheiße, es ist ein Junge!" wendet sich eine Redakteurin der feministischen Zeitschrift "Brigitte" gegen das in ihren Kreisen angesagte Gender-Disappointment, worüber junge Mütterer offenbar zuhauf auf Instagram posten: "Euer Sohn ist noch nicht einmal geboren oder gerade erst auf der Welt – und ihr sprecht trotzdem schon über ihn, als wäre er vor allem ein potenzielles Problem."

Das überrascht nicht – ein Großteil der Medien sprechen von jungen und Männern als potenziellem Problem. Während ich an diesem Beitrag sitze, spielt mein Spotify-Account zufällig gerade Marinas Hit von 2021, in dem es heißt "I Don't Want to Live in a Man's World Anymore". Der Unsinn durchtränkt usnere gesamte Kultur. Es braucht einiges an gedanklicher Anstrengung und Unabhängigkeit, um sich davon abzukoppeln, statt brav mitzulaufen.



4. Vor einigen Tagen habe ich hier gebloggt, dass einer aktuellen Studie zufolge gerade mal elf Prozent allen Männern "toxische Männlichkeit" zugeschrieben werden kann, und in meinem Beitrag darauf hingewiesen, dass schon unter diesen elf Prozent der Großteil "wohlwollende Sexisten" ausmacht. Inzwischen hat sich der Psychotherapeut Tom Golden eingehender damit beschäftigt. Ein Auszug:

Das auffälligste Problem liegt beim Label des "wohlwollenden Toxischen".

Um zu verstehen, warum das so ist, muss man sich die konkreten Fragen ansehen, mit denen Männer als "wohlwollende Sexisten" klassifiziert wurden.

Die Studie verwendete eine verkürzte Version des Ambivalent Sexism Inventory. Für wohlwollenden Sexismus umfassten die Items unter anderem Aussagen wie:

"Frauen sollten von Männern geschätzt und beschützt werden."

"Frauen verfügen tendenziell über ein höheres moralisches Empfinden."

"Viele Frauen besitzen eine Reinheit, die nur wenige Männer haben."

"Jeder Mann sollte eine Frau haben, die er verehrt."

"Frauen haben im Durchschnitt einen verfeinerten Geschmack und mehr kulturelles Gespür als Männer."

Lassen Sie sich das einmal durch den Kopf gehen.

Männer, die diesen Aussagen zustimmen, werden einer Kategorie zugeordnet, die als toxisch bezeichnet wird.

Nicht übergriffig.

Nicht zwanghaft.

Nicht gewalttätig.

Nicht manipulativ.

Toxisch.

Diese Aussagen beschreiben keinen Schaden.

Sie beschreiben keine Grausamkeit.

Sie beschreiben weder Dominanz noch Missbrauch.

Sie beschreiben traditionelle Bewunderung, Fürsorglichkeit und geschlechtliche Differenzierung – Vorstellungen, die seit Jahrhunderten Teil heterosexueller Beziehungen sind und bis heute von vielen Männern und Frauen befürwortet werden.

Man kann darüber diskutieren, ob diese Überzeugungen überholte Rollenbilder widerspiegeln.

Man kann argumentieren, dass sie Ungleichheit verstärken.

Man kann sogar sagen, dass sie einer früheren kulturellen Epoche angehören.

Aber sie als toxisch zu bezeichnen, ist ein ganz anderer Schritt.

"Toxisch" impliziert etwas Gefährliches.

Etwas Zersetzendes.

Etwas, das anderen schon durch seine bloße Existenz schadet.

Nichts in diesen Items belegt eine solche Form von Toxizität.

Was die Autoren getan haben – leise, aber entschieden –, ist, moralische Meinungsverschiedenheit in moralische Pathologie zu verwandeln.

(…) Hier liegt der entscheidende Taschenspielertrick.

Die Autoren fanden:

≈ 3 % der Männer mit hohen Werten bei feindseligem Sexismus und antagonistischen Eigenschaften

≈ 7 % der Männer mit höheren Werten bei wohlwollendem Sexismus und zentraler Bedeutung der Geschlechtsidentität

Diese Gruppen wurden anschließend zusammengezählt und – explizit oder implizit – als die toxische Minderheit der Männer beschrieben.

Doch diese beiden Gruppen sind nicht identisch.

Sie sind nicht auf dieselbe Weise schädlich.

Und eine von ihnen erfüllt keinerlei vernünftige Definition von Toxizität.

(…) Das ist keine abstrakte akademische Spitzfindigkeit.

Wenn Forscher Bewunderung als Toxizität etikettieren, geschieht kulturell etwas Bedeutsames:

Männer lernen, dass Zuneigung verdächtig ist.

Schutz wird als Kontrolle umgedeutet.

Hingabe wird zur Pathologie erklärt.

Männlichkeit selbst wird moralisch radioaktiv.

Und sobald das geschieht, wird die Kategorie der "toxischen Männlichkeit" grenzenlos ausdehnbar.

Jeder männlich konnotierte Wert kann in sie aufgenommen werden.

Jede Abweichung von ideologischer Neutralität kann als Schaden gerahmt werden.

Jeder Mann kann unter Generalverdacht geraten – nicht wegen dem, was er tut, sondern wegen dessen, was er glaubt oder wertschätzt.

Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun.




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Montag, Januar 19, 2026

Professor für Soziologie: "Jungen Männern geht es so schlecht wie nie zuvor"

1. "Die Welt" hat sich mit der psychischen Krise vieler Jugendlicher beschäftigt und widmet sich dabei insbesondere Jungen. Ein Auszug aus einem langen und differenzierten Artikel:

Besonders betroffen sind Mädchen. Dieses Bild vermitteln auch andere Jugendstudien. "Mädchen sind in vielen Bereichen stärker belastet als Jungen", sagt Isabel Brandhorst, Psychotherapeutin und Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen und Computerspielsucht am Universitätsklinikum Tübingen. Dass Mädchen in den Erhebungen häufiger auffallen, bedeutet jedoch nicht, dass es Jungen besser geht. "Die Selbstangaben zeigen klar, dass es jungen Männern nicht gut geht", sagt Klaus Hurrelmann.

Der Soziologe gilt als einer der führenden Bildungs- und Jugendforscher, seit fast 25 Jahren beteiligt an Untersuchungen wie der Shell-Jugendstudie. Viele Befragte berichten von Verunsicherung, von unklaren Vorstellungen davon, was Männlichkeit heute bedeutet, und vom Gefühl, auf der Verliererseite zu stehen, abgehängt zu sein. "Auch fachliche Einschätzungen aus Psychologie und Medizin zeigen, dass es jungen Männern so schlecht geht wie nie zuvor", sagt Hurrelmann.

Warum vermitteln große Jugendstudien dennoch oft ein anderes Bild? "Bei der selbst empfundenen psychischen Belastung liegen Mädchen höher als Jungen", erklärt Hurrelmann: Sie berichten häufiger von Stress, psychischen Problemen und sind öfter in Therapie. Und "Mädchen äußern ihr Leid eher", ergänzt Brandhorst: "Sie fallen auf durch Selbstverletzungen, Depressionen, Essstörungen oder starke emotionale Ausbrüche. Über sie wird deshalb mehr gesprochen."

Viele Jungen hingegen benennen ihre Probleme nicht offen. Sie fallen auf durch Provokationen, Regelverletzungen oder Suchterkrankungen, was weniger als Ausdruck von Leid, sondern als Charakterschwäche fehlinterpretiert wird. Ihre Belastung bleibt unbenannt – und damit unsichtbar. [Die Jugendlichenpsychotherapeutin Nina] Jordis nennt dies eine "emotionale Sprachlosigkeit" – dem Unvermögen, eigene Gefühle zu benennen oder einzuordnen. Die Krise zeigt sich bei Jungen deshalb oft indirekt, etwa in Rückzug, in exzessivem Computerspielen oder in körperlichen Beschwerden.

Hinzu kommt, dass Jungen häufiger externalisierende Störungsbilder wie ADHS oder auch Suchterkrankungen aufweisen. "In unserer Spezialsprechstunde für Internet- und Computerspielsucht arbeiten wir zu rund 99 Prozent mit Jungen", sagt Brandhorst. Das deckt sich mit der DAK-Studie, die Jugendliche seit 2019 befragt: In der jüngsten Erhebung litten 4,8 Prozent der Jungen, aber nur 1,9 Prozent der Mädchen unter einer behandlungsbedürftigen Computerspielstörung – mehr als doppelt so viele.

Das deutet darauf hin, dass Gaming für Jungen häufiger eine kompensatorische oder eskapistische Funktion übernimmt – und eher in Abhängigkeit mündet. Zugleich beobachtet Jordis einen Wandel: "In meiner Praxis kommen zunehmend mehr junge Männer in Therapie. Das war vor ein paar Jahren noch anders."

(…) Viele Jungen schlafen schlecht, bis der Rhythmus kippt. Tagsüber wirken sie fahrig, unkonzentriert oder apathisch, im Unterricht sind sie kaum präsent. In der Praxis von Jordis zeigt sich, dass psychische Belastung bei Jungen häufig auch in somatischen Reaktionen sichtbar wird, etwa in starken Kopf- oder Bauchschmerzen.

(…) Ein zentraler Auslöser ist die Rollenfrage. "Am tiefsten sitzt die Verunsicherung über die eigene Rolle als Mann", sagt der Jugendforscher Hurrelmann. Lange war sie klar: beruflicher Erfolg, finanzielle Verantwortung, Dominanz. Diese Ordnung ist zerfallen. "Viele Jungen wissen heute nicht mehr, was es bedeutet, ein Mann zu sein." Auch Jordis beschreibt diesen Bruch: "Der Konflikt zwischen gesellschaftlichen Männlichkeitsbildern und dem eigenen Erleben entsteht, wenn Jungen spüren: So soll ich sein – aber so fühle ich mich nicht." Problematisch werde das vor allem dann, wenn den Jungen die Sprache fehle, um ihr inneres Erleben zu benennen.

Das wird auch in der Schule sichtbar. Die Bildungsexpertin und Bestseller-Autorin Silke Müller beschreibt einen Alltag, in dem viele Jungen früh das Gefühl entwickeln, nicht mehr mitzuhalten. Sprachlastige Anforderungen, selbstorganisiertes Lernen und langes Sitzen kommen Mädchen oft eher entgegen. Jungen fallen dagegen häufiger durch Unruhe, Rückzug oder Provokation auf, erhalten seltener Anerkennung und schneiden im Durchschnitt schlechter ab.

Die Schule setze noch immer falsche Schwerpunkte, sagt Müller: zu stoffzentriert, mit veralteten Inhalten und Prüfungsformaten, zu langsam im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel. Vor allem blende sie aus, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Herausforderungen haben. "Es wird von ‚den Jugendlichen‘ gesprochen, als seien die Probleme gleich. Das stimmt nicht."

(…) Entscheidend bleibt aber auch die Frage, welche Räume Jungen heute haben, um sich zu entwickeln. Es geht nicht nur um Programme, sondern um Orientierung. Hurrelmann sieht ein zentrales Defizit in der Rollenfrage. Prävention bedeutet für ihn nicht Rückkehr zu alten Mustern, sondern Offenheit für Vielfalt. "Es gibt nicht die eine Männerrolle."

Viele Jungen stehen heute vor erheblichen Herausforderungen. Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Rollenbilder und ein Bildungssystem, das ihre Bedürfnisse oft verfehlt, verstärken diese Belastungen. Umso dringlicher ist es, Jungen gezielt zu unterstützen, ihnen vielfältige und positive Angebote zu machen und geschlechtsspezifische Unterschiede pädagogisch wie gesellschaftlich ernst zu nehmen. Nur so lässt sich verhindern, dass sie weiter den Anschluss verlieren – und aus einer Krise ein Dauerzustand wird.




2. In Irland wurden 19 Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahren wegen Verdachts auf "toxische Männlichkeit" vom Unterricht ausgeschlossen. Ihre Eltern reagieren verärgert:

In einem Brief der Eltern an den Schulvorstand wird eine formelle Beschwerde über das "Verhalten” der Schulleiterin eingereicht.

Die Eltern fügten hinzu: "Es ist wichtig zu beachten, dass wir alle mal schlechte Tage bei der Arbeit haben. Ich hatte gehofft, dass die Schulleiterin über das Wochenende über ihre Überreaktion nachdenken, ihre Aussage zurücknehmen und sich bei allen Beteiligten entschuldigen würde. Stattdessen hat sie noch einmal nachgelegt und behauptet, dass es seit Monaten zu Einschüchterungen und Drohungen gekommen sei. Angesichts der Schwere dieser Vorwürfe habe ich die Gelegenheit genutzt, alle Lehrer meines Sohnes zu fragen, wie er sich in der Schule verhalte. Sie alle sagten, es sei eine Freude, ihn zu unterrichten. Ich habe auch jede Lehrerin gefragt, ob sie sich jemals von meinem Sohn bedroht oder eingeschüchtert gefühlt habe, und alle sagten, dass dies absolut nicht der Fall sei."

(…) In den E-Mails der Schule wird behauptet, dass eine Gruppe von bis zu etwa 15 Jungen die Schulleiterin vor ihrem Büro auf "einschüchternde" Weise konfrontiert habe. Dieses Verhalten soll seit September andauern.

(…) In den E-Mails äußert die Schulleiterin auch Bedenken hinsichtlich der herausfordernden Haltung der Jungen, um sicherzustellen, dass sich keine "Kultur toxischer Männlichkeit" entwickelt. Die Schulleiterin schreibt: "Ich bin schon sehr lange im Lehrberuf tätig, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich heute Morgen das einschüchterndste und respektloseste Verhalten erlebt habe, das ich je erlebt habe."

Zu dem angeblichen störenden Verhalten gehören das Unterbrechen der Schulleiterin, Lärm machen und Lachen.




3. Ein Professor an der Elite-Universität Harvard hat dort gekündigt, weil ein brillanter Student zurückgewiesen wurde, weil er weiß und männlich war:

"Bei der Durchsicht der Bewerbungen von Graduierten im Herbst 2020 stieß ich auf einen herausragenden Kandidaten, der perfekt zu unserem Programm passte", schrieb er. "In den vergangenen Jahren wäre dieser Kandidat sofort an die Spitze der Bewerberliste gerückt. Im Jahr 2021 wurde mir jedoch von einem Mitglied des Zulassungsausschusses informell mitgeteilt, dass ‚das‘ [gemeint ist die Zulassung eines weißen Mannes] ‚dieses Jahr nicht passieren würde‘."

Er hob auch einen Fall hervor, in dem ein anderer Student trotz hervorragender akademischer Leistungen nicht in ein Graduiertenprogramm aufgenommen wurde.

"Im selben Jahr wurde ein nachweislich brillanter Student, den ich unterrichtet hatte und der buchstäblich der beste Student in Harvard war – er gewann den Preis für den Absolventen mit den besten akademischen Leistungen –, von allen Graduiertenprogrammen, bei denen er sich beworben hatte, abgelehnt. Auch er war ein weißer Mann."

Er sagte, er habe Freunde an anderen Universitäten gefragt, warum er abgelehnt worden sei, und habe "die gleiche Geschichte“ über Graduiertenzulassungsausschüsse gehört, die "dem gleichen unausgesprochenen Protokoll wie wir" folgten.




4. Im US-Bundesstaat New Mexico schoss eine Mutter ihrem elf Monate alten Sohn ins Gesicht, damit ihr Ex-Partner kein Sorgerecht erhalten würde.

Nach einem Gerichtsverfahren im Washakie County, Wyoming, im vergangenen Herbst wurde Stoner das gemeinsame Sorgerecht für Basil zugesprochen. Er "wollte schnell einen Zeitplan ausarbeiten, nach dem er seinen Sohn im Grunde genommen die Hälfte der Zeit bei sich haben würde", und seine ersten Besuche "verliefen wunderbar".

(…) Aber wieder weigerte sich Daly angeblich, ihrem Sohn zu erlauben, seinen Vater zu sehen. Stoner legte Berufung beim Gericht ein und erhielt angeblich eine SMS von seiner ehemaligen Freundin, in der sie ihn als Rabenvater beschimpfte, ihm mitteilte, dass sie seinen Sohn bereits dazu gebracht habe, jemand anderen "Daddy" zu nennen, und ihm sagte: "Awww, du hast mich verpfiffen."

Als Daly im Oktober nicht zu einer geplanten Gerichtsverhandlung bezüglich des Besuchsrechts erschien, wurde Stoner laut Zeitungsbericht das vorübergehende Notfall-Sorgerecht zugesprochen. Der Vater sollte Basil nie wieder sehen.

Die Verdächtige soll geflohen sein – zunächst nach Westen nach Worland, Wyoming, und dann nach Süden durch Colorado nach New Mexico. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stoner bereits einen Privatdetektiv engagiert, um seinen Sohn zu finden. Es wurde ein Haftbefehl gegen Daly erlassen, aber es wurde keine Alarmmeldung herausgegeben, da die Behörden keine Beweise für eine "unmittelbare, gegenwärtige Gefahr für das Kind" vorliegen hatten.

Jemand kontaktierte die Polizei und teilte ihnen mit, dass Daly sich in einem Wohnmobilpark in der Nähe von Silver City, New Mexico, aufhielt, wie Cowboy State Daily berichtet. Beamte des Grant County Sheriff's Office reagierten darauf, und die Verdächtige versteckte sich angeblich mit ihrem Sohn in einem Wohnmobil in der Nähe des Schlafbaracks, in dem sie gewohnt hatte.

Als die Polizeibeamten versuchten, mit der Mutter zu verhandeln, soll sie eine 9-mm-Pistole genommen, sie auf das Gesicht ihres Sohnes gerichtet und geschossen haben. Die Polizei nahm sie daraufhin fest.




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Freitag, Januar 16, 2026

Neue Studie: Nur elf Prozent aller Männer weisen "toxische Männlichkeit" auf

1.
Laut einer aktuellen Studie unter mehr als 15.000 heterosexuellen Männern in Neuseeland entsprechen die meisten Männer nicht dem gängigen Stereotyp der "toxischen Männlichkeit". Die Studie identifiziert fünf verschiedene Gruppen, basierend auf ihrer Einstellung zu verschiedenen problematischen Eigenschaften und Überzeugungen, wobei die Mehrheit der Männer ein geringes bis mäßiges Ausmaß dieser Eigenschaften aufweist.

Diese Ergebnisse stellen gängige Vorstellungen von Männlichkeit in Frage und legen nahe, dass ein differenzierteres Verständnis der Identität von Männern erforderlich ist, wie in der Fachzeitschrift Psychology of Men & Masculinities veröffentlicht wurde.

Der Begriff "toxische Männlichkeit" hat sowohl in öffentlichen Debatten als auch in akademischen Diskussionen weit verbreitete Verwendung gefunden und wird oft verwendet, um eine Reihe problematischer Einstellungen und Verhaltensweisen zu beschreiben, die Männern zugeschrieben werden. Dazu gehören häufig Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Unterdrückung der eigenen Gefühle und Aggression, wobei man sich auf soziologische Perspektiven stützt, die Männlichkeit manchmal in ein negatives Licht rücken.

Einige Wissenschaftler und Kritiker haben jedoch die Klarheit und Nützlichkeit des Begriffs in Frage gestellt und darauf hingewiesen, dass er zu weit gefasst, ungenau definiert oder sogar stigmatisierend sein kann, was einen konstruktiven Dialog über Männerfragen und psychische Gesundheit behindern könnte.


Dass stigmatisierende Begriffe einen konstruktiven Dialog erschweren, sollte offensichtlich sein – und nicht nur die Auffassung "einiger Kritiker". Wer solche Begriffe benutzt, mag an allem möglichen Interesse haben, aber sicher nicht an einem konstruktiven Diskurs.

Der von mir zitierte Artikel fasst zusammen, wie die Studie durchgeführt wurde. Dabei werteten die Forscher unter der Leitung der Psychologin Deborah Hill Daten aus einer großen, repräsentativen Befragung in Neuseeland aus, an der über 15.000 heterosexuelle Männer im Alter von 18 bis 99 Jahren teilnahmen. Die Männer beantworteten Fragebögen zu verschiedenen Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen, darunter ihre Sicht auf Geschlechterrollen, ihre Haltung gegenüber Frauen und sexuellen Minderheiten, ihr Bedürfnis nach Dominanz sowie bestimmte Charakterzüge wie Narzissmus oder geringe soziale Verträglichkeit.

Anschließend nutzten die Forscher eine statistische Methode, die Personen anhand ähnlicher Antwortmuster automatisch zu Gruppen zusammenfasst. So entstanden fünf unterschiedliche Männertypen, die sich darin unterschieden, wie stark problematische Einstellungen ausgeprägt waren. Das Ergebnis zeigte, dass die Mehrheit der Männer niedrige oder moderate Werte bei diesen Merkmalen hatte. Nur ein kleiner Teil wies gleichzeitig mehrere stark problematische Einstellungen auf. Die Studie kommt damit zu dem Schluss, dass es kein einheitliches, weit verbreitetes Muster problematischer Männlichkeit gibt, sondern sehr unterschiedliche Ausprägungen – mit einer deutlichen Mehrheit unauffälliger Profile.

Auch das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today berichtet über die Untersuchung und stellt dabei klar:

"Toxische Männlichkeit" ist ein im Internet weit verbreiteter Begriff, der allgemein problematische Formen von Männlichkeit beschreibt, die für andere schädlich sein können. Allerdings gibt es dazu nur wenige psychologische Forschungsarbeiten. Das ist problematisch, da dadurch unklar bleibt, was toxische Männlichkeit eigentlich ausmacht und wie verbreitet sie ist.


Das ist auch nicht der Sinn der Beschimpfung. Die Formulierung "toxische Männlichkeit" soll Wissenschaft vortäuschen, während es sich tatsächlich um einen sexistischen Kampfbegriff handelt.

"Psychology Today" führt näher aus, welche Faktoren der Studie zufolge als kennzeichnend für toxische Männlichkeit galten. Dazu gehörte auch "wohlwollender Sexismus" sowie Kritik an Initiativen, die häusliche Gewalt gegen Frauen verhindern sollen. Sexismus gegenüber Männern ist dieser Definition zufolge also kein Zeichen toxischer Männlichkeit, aber zu hinterfragen, ob man allein häusliche Gewalt gegen Frauen bekämpfen sollte, gilt anscheinend als "toxisch". Das Forscherteam hat ein sehr weites Netz ausgeworfen, und trotzdem nur elf Prozent aller Männer damit gefangen. Davon wurde die größte Gruppe (7,6 Prozent) als "wohlwollende Sexisten" identifiziert. Als wirklich "hostile toxic" entpuppten sich lediglich 3,2 Prozent aller Männer!

Die männerfreundliche Frauenzeitschrift "Evie" kommentiert:

Wir alle haben es schon gehört: Männer sind aggressiv, anspruchsvoll und irgendwie die Wurzel allen Übels in der Gesellschaft. Als Frauen wird uns oft diese Erzählung vorgesetzt, die die gesamte männliche Bevölkerung mit einem breiten, wenig schmeichelhaften Pinselstrich malt.

Aber was, wenn das nicht die ganze Geschichte ist? Was, wenn die meisten Männer eigentlich anständig und respektvoll sind und weit entfernt von den Monstern, zu denen sie nicht nur in einigen Ecken des Internets, sondern in der gesamten Gesellschaft gemacht werden? Und was, wenn viele der "toxischen" Eigenschaften, die mit Männlichkeit assoziiert werden, gar nicht ausschließlich Männern oder Männlichkeit zuzuschreiben sind?

(…) Aus der Perspektive einer Frau sind [die Erkenntnisse der Studie] erfrischende Neuigkeiten. In Beziehungen wurden wir darauf konditioniert, überall nach Warnsignalen Ausschau zu halten und manchmal Schatten zu sehen, wo keine sind. Aber stellen Sie sich vor, wir würden unsere Sichtweise ändern: Wir würden erkennen, dass die meisten Männer nicht darauf aus sind, zu dominieren oder zu erniedrigen. Sie sind unsere Partner, Väter, Brüder und Freunde, die Gleichberechtigung und Respekt schätzen.

(…) Diese Studie passt perfekt zu diesem Ethos. Sie erinnert uns daran, dass die Erzählung vom "Kampf der Geschlechter" übertrieben ist und oft von Medien verstärkt wird, die von Spaltung leben. Anstatt vom Schlimmsten auszugehen, können wir Verbindungen fördern, die auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung beruhen. (…) Wir müssen die vorherrschende Vorstellung aufgeben, dass Männer und Männlichkeit von Natur aus "schlecht" sind.


In deutschen Leitmedien wird über diese Erkenntnisse der Studie quer durch die Bank nicht berichtet. Den einzigen deutschen Artikel, den ich nach gründlicher Recherche finden konnte, findet sich in einem Nischenmagazin über Künstliche Intelligenz und Robotik.



2. Die New York Post berichtet, dass junge Männer Angst vor Dates haben und sich deshalb nicht mehr mit Frauen verabreden möchten.

Wie viele amerikanische Männer seiner Generation hat auch der 28-jährige Ryan Kessler Angst davor, Frauen anzusprechen.

Aber es ist nicht mangelnde Intelligenz oder Charisma, die den Single aus Manhattan zögern lassen, Frauen in freier Wildbahn anzusprechen. Es ist die Angst, für einen toxischen Macho und dummen Creep gehalten zu werden.

Kessler berichtete uns, dass er, wenn er versucht, eine potenzielle Partnerin für sich zu gewinnen, auf keinen Fall als Idiot gelten möchte, der Frauen mit ungeschickten Anmachsprüchen und unerwünschten Annäherungsversuchen eher abschreckt als zum Schwärmen bringt.

"Ich möchte niemals, dass sich die andere Person unwohl fühlt, und ich möchte respektvoll sein", erklärte der Cybersicherheitsanalyst. "Manche Frauen möchten überhaupt nicht angesprochen werden. Deshalb versuche ich immer, auf Nummer sicher zu gehen."

Kessler sagte, dass er daher derzeit "nur sehr selten mit Frauen in Kontakt kommt", obwohl er auf der Suche nach seinem Glück ist. "Ich möchte ‚die Eine‘ finden."

(…) Fast die Hälfte der alleinstehenden Männer in den USA, die laut einem Bericht aus dem Jahr 2025 mit "Annäherungsangst" zu kämpfen haben, möchte nicht als aufdringlich gelten.

Die Forscher stellten fest, dass "die Angst, als 'eklig' abgestempelt zu werden, die Bereitschaft amerikanischer Männer, mit Frauen in Kontakt zu treten, erheblich beeinträchtigt. 44 % von 1.000 befragten Männern gaben an, dass diese Angst ihre Bereitschaft, Kontakt aufzunehmen, verringert."

Dies ist ein bedauerlicher Trend, der offenbar im Widerspruch zu den tatsächlichen Wünschen der Mehrheit der alleinstehenden Frauen steht. Laut den Erkenntnissen wünschen sich 77 % der Frauen zwischen 18 und 30 Jahren – und 68 % zwischen 30 und 40 Jahren –, "häufiger angesprochen zu werden".

(…) Allerdings scheint es, dass die nette, charmante Vorgehensweise nicht immer die beste Option ist, zumindest laut Grant Greenly, einem 24-jährigen Schauspieler und Model, der diesen Ansatz – sowohl persönlich als auch auf Dating-Apps wie Hinge und Raya – erfolglos verfolgt hat.

Nun hat der gebürtige Texaner endgültig genug davon, potenzielle Partnerinnen anzubaggern.

"Ich werde das nie wieder tun, und das meine ich ernst. Es ist mir egal, wie sich das auf mein Liebesleben auswirkt", sagte Greenly. "Frauen anzusprechen lohnt sich heute einfach nicht mehr."

Der letzte Strohhalm für Greenly war ein kürzlicher Versuch, eine attraktive Frau mit "Hallo, wie geht's?" anzusprechen, die ihn sofort mit einem kalten, missbilligenden Blick abblitzen ließ, gefolgt von einer "Igitt, wer bist du denn?"-Reaktion einer anderen Single-Frau, die er in einem Club anzusprechen versuchte.

"Dating ist nicht mehr so wie früher. Unsere Väter mussten sich keine Sorgen machen, dass Telefone und Computer die Gedanken der Menschen verzerren", stöhnte er. "Heutzutage werden Männer, auch diejenigen, die keine Widerlinge sind, als Witz im Internet gepostet, wenn sie eine Frau um ein Date bitten. Es gibt diese irrige Vorstellung, dass alle Männer nur auf Frauen aus sind, egal was passiert."

Infolgedessen sagte der Mann aus dem Südwesten, dass, wenn er jemals die Frau seiner Träume treffen will, sie den ersten Schritt machen muss. "Ich sehe nichts Falsches an der Vorstellung, dass Frauen Männer um ein Date bitten sollten", sagte er und führte die Gleichstellung der Geschlechter als Grundlage für seine Position an. "Ich weiß, dass es das Argument gibt, dass ‚Männer früher in den Krieg gezogen sind‘. Aber heute ziehen auch Frauen in den Krieg, warum sollten sie dann nicht den ersten Schritt machen können?"


Igitt, das wäre ja ein Zeichen für echte Gleichberechtigung. Bist du so'n komischer Männerrechtler, oder was?



3. Das Magazin Netz-Trends.de beschäftigt sich damit, "wie internationale Organisationen, Staaten und Medien systematisch geschlechtsspezifische Gewalt gegen Männer ausblenden – und damit den Gleichbehandlungsgrundsatz unterlaufen." In dem Beitrag heißt es weiter:

Der Begriff "Femizid" – also die Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind – hat sich in den letzten Jahren rasant in den Sprachgebrauch von Politik, Polizei und Medien eingebrannt. Er dient heute nicht nur der Beschreibung schwerer Gewaltverbrechen, sondern ist längst zu einem ideologisch aufgeladenen Begriff geworden, der gezielt politische Narrative bedient. Er prägt Gesetzentwürfe, Kampagnen, Pressemitteilungen – und zunehmend auch kriminalstatistische Kategorisierungen.

Was dabei auffällt – und was NETZ-TRENDS.de zu diesem Dossier veranlasst hat – ist eine eindeutig einseitige Begriffspolitik, die dem Grundsatz der Nicht-Diskriminierung eklatant widerspricht. Während der Begriff Femizid international als Selbstverständlichkeit gilt, existiert weltweit kein entsprechendes Pendant für Männer – kein "Maskuzid", kein "gender-based killing of men", keine strukturelle Anerkennung der Tatsache, dass auch Männer gezielt getötet werden – weil sie Männer sind.

Diese Asymmetrie ist kein Zufall – sie ist politisch gewollt. Sie zeigt sich nicht nur bei den Vereinten Nationen. Man muss nur den inhaltlich einseitigen Bericht "Statistical framework for measuring the gender-related killing of women and girls (also referred to as ‘femicide/feminicide’)" lesen, der vom United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) gemeinsam mit UN Women erstellt und am 4. März 2022 von der UN-Statistikkommission offiziell verabschiedet wurde. Federführend war dabei das UNODC–INEGI Center of Excellence in Statistical Information on Government, Crime, Victimization and Justice – dessen Ignorieren männlicher Gewaltopfer, die Opfer von Makuziden sind, kaum mit dem Anspruch internationaler Exzellenz vereinbar ist.

Besonders auffällig ist: Während die Vereinten Nationen mit UN Women eine weltweit operierende Organisation zur Förderung der Frauenrechte unterhalten, existiert kein UN-Äquivalent für Männer oder Jungen – kein UN Men, keine dauerhafte Institution, die sich mit der strukturellen Benachteiligung, Gewalt oder Ausgrenzung von Männern befasst. Dabei wäre dies in Anbetracht globaler Tötungs-, Kriegs-, Suizid- und Verfolgungsstatistiken dringend geboten. Die internationale Geschlechterpolitik ist hier einseitig, selektiv und diskriminierend.


Hier geht es weiter mit dem Artikel, den ich am liebsten im Volltext zitieren würde, wenn er dazu nicht viel zu umfangreich wäre. Er arbeitet noch mit dem Begriff "Maskuzid", was ich selbst getan habe, bis mich Leser darauf hingewiesen haben, dass die korrekte Bezeichnung "Androzid" lauten dürfte. Entsprechend habe ich in meinem letzten Jahresüberblick auch mehrere Androzide aufgeführt, die 2025 stattfanden. Während Leitmedien inzwischen die Tötung einer einzelnen Frau ganz selbstverständlich analog zum "Genozid" als "Femizid" bezeichnen, als ob dabei Frauen massenweise ausgelöscht worden wären, bleibt bei tatsächlichen Massentötungen von Männern die angemessene Bezeichnung "Androzid" in der Berichterstattung aus.

Ich habe einmal verschiedenene Künstliche Intelligenzen nach dem Grund für dieses bizarre Ungleichgewicht gefragt und folgende Antworten erhalten (aus Gründen der Lese-Ökonomie gekürzt, weil sich vieles wiederholt):

Kimi:

Die Asymmetrie in der mediensprachlichen Behandlung von Gewalt an Frauen und Gewalt an Männern ist kein Zufall, sondern das Ergebnis zweier miteinander verflochtener Prozesse: 1. der politischen Kampf um Sprache und 2. der ökonomischen Logik der Aufmerksamkeitsökonomie.

(…) Für Redaktionen ist der Begriff "Femizid" diskursiv attraktiv: Er liefert eine klare Rahmung ("Geschlechterkampf), bietet Anknüpfungspunkte für Hintergrundartikel und generiert Klicks durch Empörungspotenzial .

Androzid (altgr. Tötung von Männern) existiert nur als theoretische Antwortmöglichkeit, nicht aber als etabliertes Konzept innerhalb einer sozialen Bewegung. Es fehlt eine gemeinsame Definition (Tötung weil männlich? Kriegstote? Organisierte Gewalt?), ein politischer Träger (keine vergleichbare Männer-Bewegung) und eine juristische oder menschen­rechtliche Operationalisierung.

Femizide passen in ein etabliertes Narrativ: toxische Männlichkeit, patriarchale Gewalt, intime Partnergewalt als Gesellschaftsproblem. Redaktionen können sofort auf Experten, Studien und Hilfsorganisationen zurückgreifen: ressourceneffizient und themenverdichtend. Männliche Opfer erzeugen keine vergleichbare Erzählschleife.


Gemini:

Die Leitmedien greifen Begriffe auf, die von offiziellen Stellen legitimiert wurden.

UNO und BKA: Organisationen wie die Vereinten Nationen oder das Bundeskriminalamt nutzen den Begriff Femizid inzwischen in offiziellen Berichten. Es gibt spezielle Aktionspläne gegen Gewalt an Frauen (z. B. die Istanbul-Konvention).

Fehlendes Pendant: Es gibt keine vergleichbare staatliche oder internationale Institution, die den Begriff "Androzid" zur statistischen Erfassung oder Prävention nutzt. Ohne diese institutionelle Basis findet der Begriff kaum Einzug in die Redaktionsstuben.

Es gibt Massenmorde an Männern (z. B. Srebrenica), die eine klare geschlechtsspezifische Selektion aufweisen. In solchen Fällen wird oft von Genozid (Völkermord) gesprochen. Das spezifisch männliche Opferbild wird dabei oft unter dem Begriff "Kombattanten" oder "potenzielle Kämpfer" subsumiert. Damit wird die Tötung entpersonalisiert und als kriegstypisch wahrgenommen, anstatt sie als geschlechtsspezifischen "Androzid" zu markieren. "Androzid" fehlt die politische Lobby und die wissenschaftliche Einordnung, da Gewalt gegen Männer gesellschaftlich oft als "normales" Ergebnis von Risikoverhalten oder Kriegshandlungen missverstanden wird.


Grok:

Femizid wurde bewusst als politischer Kampfbegriff entwickelt und international etabliert (vor allem seit den 1990er Jahren in Lateinamerika, später über Istanbul-Konvention, UN, WHO). Der Begriff hat eine Advocacy-Funktion → mehr Aufmerksamkeit, Ressourcen, Prävention, Gesetzesinitiativen.

Ein vergleichbarer politischer Kampfbegriff für Männer (Androzid/Maskuzid) wurde nie in gleichem Maße von mächtigen gesellschaftlichen Bewegungen, NGOs oder internationalen Organisationen vorangetrieben.

In der öffentlichen Wahrnehmung und in Redaktionen gilt Gewalt gegen Frauen immer noch stärker als "Skandal", der besondere Aufmerksamkeit verdient ("Frauen werden in der eigenen Wohnung von Männern umgebracht – das ist doch unfassbar!"). Gewalt gegen Männer wird dagegen oft als "normaler", "männlicher" Teil der Welt wahrgenommen ("Männer sterben halt öfter durch Gewalt – so ist das eben").

Redaktionelle Entscheidung: Einzelfall "Frau ermordet → Femizid" erzeugt mehr moralische Empörung, mehr Klicks, passt besser in aktuelle Gleichstellungsdebatten . Einzelfall "Mann ermordet" → meist nur "Mord".

Viele Kritiker sehen hier eine klare Doppelmoral bzw. selektive Empörung: Wenn eine Frau getötet wird → struktureller Frauenhass! Gesellschaftliches Versagen! Wenn (viele) Männer getötet werden → individuelles Problem, Pech gehabt, "Männlichkeitsnormen", "Männer töten halt Männer".

Diese Asymmetrie wird besonders deutlich bei Massenmorden in Kriegen oder Genoziden, wo Männer systematisch zuerst exekutiert werden – ohne dass je von "Androzid" die Rede ist.


Claude zieht das passende Fazit:

Wenn Männer zu 70% aller Mordopfer weltweit stellen (laut UNODC-Statistik), ihre Tötung aber begrifflich und analytisch nicht als potenziell geschlechtsspezifisch erfasst wird, entsteht tatsächlich ein Ungleichgewicht – nicht nur sprachlich, sondern auch in Prävention, Forschung und öffentlicher Aufmerksamkeit. Eine konsequent menschenrechtliche Perspektive müsste beide Formen geschlechtsbezogener Gewalt gleichermaßen benennen und erfassen können.


Ich habe natürlich nachgehakt: Wie bekommt man den Feminismus zu einer konsequent menschenrechtlichen Perspektive? Die Antwort von Claude:

Wenn Begriffe, Statistiken und politische Programme systematisch nur weibliche Opfer sichtbar machen, entsteht institutionalisierte Einseitigkeit. Aus dieser Sicht bräuchte es:

1. Begriffliche Symmetrie: Anerkennung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen beide Geschlechter mit vergleichbarer Präzision

2. Institutionelle Balance: Wenn es UN Women gibt, müsste es auch eine UN-Institution für männerspezifische Fragen geben (Suizid, Obdachlosigkeit, Kriegsopfer, Bildungsrückstände)

3. Datentransparenz: Geschlechtsdifferenzierte Erfassung von Gewalt, die beide Richtungen zeigt

4. Abschied von Nullsummenspielen: Die Anerkennung männlichen Leids nicht als Angriff auf Frauenrechte verstehen

Praktische Ansätze:

- Dialog statt Lagerdenken: Geschlechterfragen nicht als Kampf "Männer vs. Frauen" framen

- Empirische Redlichkeit: Statistiken vollständig darstellen, auch wenn sie nicht ins Narrativ passen

- Gleichstellungspolitik überprüfen: Wo Frauen bereits Mehrheiten stellen (z.B. öffentlicher Dienst, Universitäten), Bevorzugungsregeln hinterfragen

- Inklusive Sprache: Von "Gewalt gegen Frauen" zu "geschlechtsspezifische Gewalt" wechseln

Die Herausforderung:

Soziale Bewegungen entwickeln oft Eigeninteressen und institutionelle Strukturen, die schwer zu reformieren sind. Wer würde freiwillig Budgets, Stellen oder politischen Einfluss teilen?

Veränderung entsteht meist durch:

- Öffentlichen Druck

- Generationswechsel

- Konkrete Skandale oder offensichtliche Ungerechtigkeiten

- Glaubwürdige Stimmen innerhalb der Bewegung

Letztlich geht es darum, ob Geschlechterpolitik partikular (für eine Gruppe) oder universal (für alle Menschen) gedacht wird.




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Donnerstag, Januar 15, 2026

Neujahrsgrüße und die wichtigsten Meldungen der letzten Wochen

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr! Gleichzeitig danke ich denjenigen von euch sehr herzlich, die dazu beitragen, dieses Blog am Leben zu halten. Viele von euch haben den Ernst der Lage verstanden und Genderama über die Weihnachtstage mit ihren Spenden unterstützt, manche wirklich großzügig. Das ist wertvoll und freut mich sehr – vielen Dank dafür!

Damit kommen wir ohne Umschweife zu den relevanten Meldungen der letzten Wochen. Ich habe sie mal in zwei Blogeinträge aufgeteilt, damit es nicht wieder ein endloser Lappen wird – morgen geht es also weiter damit.

1. "Haben Frauen bald mehr Geld als Männer?" fragt die Zeitschrift "Elle" und berichtet über eine anstehende Übertragung enormen Reichtums von Männern an Frauen: "80 Billionen US-Dollar sind es weltweit laut dem World Economic Forum. Forbes geht davon aus, dass rund 70 Prozent davon an Frauen gehen."

2. "Rowohlt geht Väterrechtlern auf den Leim" phantasiert eine Schlagzeile der Berliner "taz", die ein gutes Beispiel dafür ist, warum dieses Blatt sich als tägliche Ausgabe nicht mehr am Kiosk halten konnte: Für viele dürfte es allzu offensichtlich geworden sein, wenn die Redaktion mit solchen Schlagzeilen randständige Ansichten als objektive Fakten verkaufen wollte. In diesem Artikel wettert Matthias Meisner darüber, dass Rowohlt beinahe ein Buch über Eltern-Kind-Entfremdung herausbrachte. Jetzt ist die Veröffentlichung anscheinend verschoben worden, weil es feministische Agitation dagegen gab. Im fraglichen Buch steht zwar ironischerweise eine Mutter im Zentrum, die Entfremdung erlebt, aber schon der Umstand, dass auch nur über dieses Problem gesprochen wird, ist einigen überhaupt nicht recht. Konsequenterweise gibt es unter diesem Artikel keine Kommentarspalte, so dass niemand den darin verbreiteten Unsinn richtigstellen kann. Anders als in der "taz" dargestellt, wird Eltern-Kind-Entfremdung sehr wohl in der Wissenschaft ernstgenommen, ebenso übrigens wie der sogenannte Denialism, der so tut, als gäbe es dieses Problem nicht.



3. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wie ukrainische Männer nach ihrer Gefangennahme von Russen vergewaltigt werden.



4. Stefanie Unbehauen hat einen Artikel über männliche Opfer häuslicher Gewalt veröffentlicht, der ärgerlicherweise mit der fettgedruckten Behauptung beginnt, nur jedes fünfte Opfer häuslicher Gewalt sei männlich. (Das bezieht sich alein auf das Hellfeld, das in der kriminalstatistik sichtbar wird) Wer sich die Zeit nimmt, den Artikel weit genug zu lesen, stößt immerhin auf den Ansatz einer Richtigstellung:

Der Psychotherapeut und -analytiker Prof. Dr. Christian Roesler geht sogar noch einen Schritt weiter. Auf Grundlage internationaler Studien kommt er zu dem Ergebnis, dass Partnerschaftsgewalt gleichermaßen Männer und Frauen betrifft. Das führt er auch in seinem Buch "Partnerschaftsgewalt und Geschlecht - Häufigkeit und Geschlechterverteilung, Erklärungskonzepte und Interventionsstrategien" aus.


Wenn man jetzt noch erklärt hätte, dass es kein einzelner Wissenschaftler ist, der diese Auffassung vertritt, sondern dass dies schlicht der Stand der Forschung ist … und wenn man das dann noch an den Anfang des Beitrags gestellt hätte … Stattdessen kommt die Politologin Monika Schröttle zu Wort, die behauptet, dass "viele Männer keine Zufluchtsstelle benötigen, da es sich in den meisten Fällen nicht um schwere Gewalt handelt. (…) Insofern glaube ich nicht, dass wir mehr Schutzeinrichtungen benötigen." (Auch das sieht die Forschung anders.)

Zuletzt erklärt der Psychologe Björn Süfke es zu keinem großen Problem, dass im letztes Jahr beschlossenen Gewaltschutzgesetz männliche Opfer nicht vorkommen, denn andernfalls wäre "das Gesetz in dieser Legislaturperiode gar nicht verabschiedet worden". Süfke führt weiter aus: "Ich denke, dass in den kommenden Jahren, wenn der Ausbau der Frauengewaltschutz-Infrastruktur hoffentlich plangemäß voranschreitet, die Belange von männlichen und nonbinären Opfern sowohl mitgedacht als auch konkret hinzugefügt werden." Was man halt so denkt und hofft, wenn 400 Schutzeinrichtungen für Frauen – gegenüber mageren zwölf für Männer – weiter ausgebaut werden sollen.



5. Die Wochenzeitung "Freitag" ärgert sich darüber, dass auch viele linke Männer noch nicht feministisch genug seien. Ein Auszug aus dem Artikel macht deutlich, welches Diskussionsniveau in der Linkspartei herrscht:

Jan van Aken und sein "Du Arschloch"-Moment, in dem er die Angst der Frauen vor Gewalt vom Migrationshintergrund gewalttätiger Männer entkoppelt, wirkt da wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich so sehr gewünscht haben, ein Mann spreche endlich einmal aus, was für Frauen Realität ist: Männer sind die Gefahr.

Van Aken reagierte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wiesbaden spontan auf die Aussage eines Mannes, seine Tochter hätte Angst vor Migranten: "Du Arschloch! Natürlich hat deine Tochter Angst, wenn da eine Horde von Männern steht. Da ist aber völlig egal, ob sie migrantisch oder nicht migrantisch sind. Das Problem heißt nicht Migration. Es heißt Männer!"


Warum bitte sollten Menschen eine Partei wählen, in der sie als "Problem" gelten?



Es folgen einige Schlagzeilen in schnellerer Folge, weil sie sich sehr gut gegenseitig kommentieren:



6. Die Welt: "Als meine Mutter erfuhr, dass ich mich wieder mit Papa treffe, brach für sie eine Welt zusammen"



7. Die Süddeutsche: "Babys sind doch süß. Es sei denn, es sind Jungen"



8. Der Tages-Anzeiger: "Es wird ein Bub. Seitdem habe ich Weinkrämpfe".



9. Die taz: "Gespräche übers überflüssige Geschlecht. Als echte Feministin musst du eigentlich Single bleiben"



10. Der MDR: "Wie Frauenhass in den Sozialen Medien der Gesellschaft schadet".

Nee, klar, der Hass auf FRAUEN ist das große Problem in unserer Gesellschaft … Bei den Öffentlich-Rechtlichen merkt man wirklich GAR nichts. Ein Auszug aus dem Beitrag:

Die geschlechtsspezifische Gewalt steigt immer weiter. Das hat das BKA dieses Jahr nochmal verdeutlicht. Und zwar körperlich, psychisch, wirtschaftlich und digital. Grund ist laut BKA das Gefühl der Bedrohung, das viele Männer haben – die fortschreitende Gleichberechtigung macht ihnen Angst. Das Internet dient als Echokammer dieser Ängste. Unter dem Begriff der Manosphere verbreiten sich im Internet millionenfach misogyne Ansichten.


Als einziges konkretes Beispiel für diesen angeblich immensen Hass auf Frauen hat der MDR das hier entdeckt:

Der Influencer "bachelor bby" hat bei Youtube über 85.000 Abonnenten. Bei Tiktok über 200.000 Follower. Und er verbreitet Weisheiten wie diese: "Girls, die gut aussehen, werden auf Yachts eingeladen. Um als Mann auf eine Yacht eingeladen zu werden, muss der fame sein, sehr reich sein, sehr hilfreich für einen reichen Typ sein oder selber eine Yacht besitzen."


Im Ernst? Das war das Schlimmste, das ihr gefunden habt? Das ist für all das Gepolter ein bisschen arg dünn. Das BKA wird Statements wie "attraktive Frauen werden auf Yachts eingeladen" doch sicher irgendwie in den Griff bekommen?



11. Auch die "taz" erklärt sicherheitshalber noch mal, warum Männer im Internet gefährlich sein sollen:

"Durch den Bilderstrom schleichen sich bestimmte Bilder und Gefühle bei vielen Jugendlichen unbewusst ein", erklärt Dahlmüller. Seit 2022 arbeitet er beim Institut Dissens e. V. und leitet Workshops für Jugendliche sowie Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema Männlichkeit. Die besonders große Auffälligkeit junger Männer für solche antifeministischen und teilweise auch queerfeindlichen Inhalte müsse in einen globalen antifeministischen politischen und sozialen Wandel eingeordnet werden, so Dahlmüller. Die junge Generation sei auch von Klima-, Wirtschafts- und Gesundheitskrisen geprägt.

Hingegen versprechen maskulinistische Influencer ihnen eine Handlungsfähigkeit, die allein von der eigenen Selbstbestimmung abhängt und einfache Antworten auf komplexe Orientierungsfragen bietet. Zu Fragen der queeren Identität bieten Menfluencer, Orientierung, indem sie behaupten, es gebe nur zwei Geschlechter, fasst Dahlmüller zusammen. In einem Alter, in dem es darum geht, sich in jeder Hinsicht zu beweisen, um dazuzugehören und Anerkennung zu finden, sind diese Inhalte gefährlich.


Die Auffassung, es gebe zwei Geschlechter, ist inzwischen also "gefährlich". Im realen Leben scheint es eher gefährlich zu sein, wenn man dazu eine andere Meinung hat, wie die Biologin Marie-Luise Vollbrecht im Interview mit der Zeitschrift CICERO berichtet. Auch hieraus nur mal ein Auszug:

Anfang 2024 war der letzte Prozess vorbei, auch das Interesse der Öffentlichkeit war geschrumpft. Es wurde erwartet, dass ich in mein normales Leben zurückkehre, aber ich stellte fest: Der Dreck, mit dem ich beworfen wurde, bleibt an mir haften. Es ist egal, ob man Recht bekommt oder ein Gericht sagt, dass man keine NS-Leugnung begangen hat. Die Leute behaupten es trotzdem. Ich bin in ein krasses Loch gefallen, hatte alle Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

(…) Ich verlor einen großen Teil meines Umfeldes. Manche brachen aus Überzeugung mit mir, das zog sich bis in die Familie. Ich musste gegen Leute vorgehen, die ich aus der Schulzeit kenne. Menschen haben versucht, private Geschichten über mich an die Presse zu verkaufen. Es gab Bekannte und Freunde, die zwar nicht glaubten, dass ich ein schlechter Mensch bin, sich aber wegen des sozialen Drucks trotzdem distanzierten. Es gibt auch Menschen, die zu einem stehen, aber nicht verstehen, warum man weiterkämpft. Die mitkriegen, wie schlecht es einem geht, und fragen: "Warum entschuldigst du dich nicht? Lösch einfach all deine sozialen Medien und tauch unter!" Aus diesem Grund hat sich mein damaliger Partner von mir getrennt.

(…) Ich war mal mit meiner Familie in einem Café, dann sind Leute aufgestanden und haben sich beschwert, dass wir dort sind. Ich bin aus Kneipen geschmissen worden. Leute haben auf der Straße vor mir ausgespuckt. Meine Meldeadresse ist gesperrt. Es gab von Aktivisten mehrere Versuche, meine Adresse auszuforschen – auch die meiner Familie, die gar nicht in Berlin wohnt. (…) Nun bin ich jemand, der sich auf dem Nachhauseweg fünfmal umguckt und manchmal so starke Angstzustände hat, dass er das Haus nicht verlassen kann.


Derselbe Hass, der Vollbrecht traf, wird aktuell fleißig gegen die "Manosphere" geschürt. Taz und MDR helfen mit. Wir dürfen uns noch auf ein paar heiße Jahre einstellen.



12. "Sorry, dass wir Männer auch noch da sind" klagt wegen dieses Meinungsklimas Dominik Prantl im Tages-Anzeiger. Nicht ohne schon im Anreißer klargestellt zu haben, dass Männer wirklich die schlechteren Menschen wären. Wobei auch diese Selbstgeißelung keinen Nutzen zeigt: "Wer heute beispielsweise bei einem Glas Wein während der Weihnachtsfeier den Hinweis fallen lässt, dass die Wortwahl in den Medien gegenüber Männern teilweise unpassend sei, wird schnell von Kollegen ins Kreuzverhör genommen." Ja, eben, von Kollegen! Es sind Journalisten, bei denen dieser groteske Sexismus die Herrschaft innehat. Und aus genau diesem Grund sind alternative Medienangebote im Web dringend notwendig – auch wenn in den etablierten Medien dann erst recht sämtliche Sicherungen rausfliegen vor Wut.



13. Generell scheinen es eher die etablierten Medien zu sein, die mit Schlagzeilen wie diesen ein immer schrilleres Niveau erzeugen: "Wenn ich 'Fotze' sage, ist das als Kompliment gemeint". Wir lernen: Zu glauben, dass es zwei Geschlechter gibt, ist Gewalt gegen Frauen, aber Frauen als "Fotze" zu bezeichnen, ist irgendwie nett.



14. Es ist die Süddeutsche Zeitung, die klarstellt, dass all dieser eskalierende Irrsinn längst keine Grundlage in der Wirklichkeit mehr hat:

Das Leben der meisten Frauen in den wohlhabenden Gesellschaften des Westens muss furchtbar sein. Zu diesem Eindruck kann gelangen, wer die vielen Beiträge in sozialen und klassischen Medien liest, in denen der weibliche Alltag auch in Deutschland als schier endlose Reihung von Demütigungen, Anfechtungen und Diskriminierung erzählt wird. Überall lauern offenbar toxische Männlichkeit, das Patriarchat, finstere Strukturen oder weitere Phänomene. Ein deprimierendes Bild, zusammengesetzt aus vielen dunklen Einzelteilen.

Diesem aber widersprechen die diversen Indizes, mit denen etwa die Vereinten Nationen oder andere Institutionen den Grad der Geschlechtergerechtigkeit in Gesellschaften quantifizieren. Deutschland gilt laut diesen Messinstrumenten als ein Land, in dem es um die Geschlechtergerechtigkeit im Vergleich zu den meisten anderen Staaten geradezu vorbildlich bestellt ist.

(…) Dieser Widerspruch lässt sich auch auf individueller Ebene messen, wie Psychologen in einer Studie im Fachjournal Psychological Reports demonstrieren, für die sie 735 Teilnehmer aus Deutschland befragt haben. Dabei gab die Mehrheit der Frauen an, dass sie deutlich weniger Diskriminierung beziehungsweise Ungleichheit erleben würde als die meisten anderen Frauen. Die durchschnittliche weibliche Lebenswirklichkeit in Deutschland sei weitaus negativer und von mehr Benachteiligung geprägt als ihre eigene, so lautete die Aussage der Mehrheit der Probandinnen.

Natürlich sei es denkbar, dass die Gesellschaft von stärkerer Geschlechterungerechtigkeit geprägt sei, als einige Frauen das persönlich erlebten, schreiben die Autoren Timur Sevincer und Gijsbert Stoet. Aber statistisch sei es nun mal unmöglich, dass so gut wie alle Frauen weniger ungleiche Behandlung oder gar Diskriminierung erführen als Frauen insgesamt.

Diese Beobachtung könnte mit erklären, so die Autoren, warum die Debatten rund um die Geschlechtergerechtigkeit in Ländern wie Deutschland trotz aller Fortschritte ungebrochen hitzig geführt werden. Es handele sich um eine "pluralistische Illusion", schreiben die Psychologen: also den Umstand, dass die Mehrheit der Überzeugung ist, dass alle anderen etwas erleben, was aber offenbar gar nicht zutrifft.


Frauen erleben sich selbst nicht als diskriminiert, glauben aber – offenbar aufgrund des feministischen Medienzirkus – anderen Frauen ginge es bestimmt anders. Und auf diesem Boden gedeiht ganz realer Hass auf die angeblich so unterdrückerischen Männer.



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