Familienrichterin: "Viele Väter tricksen nicht, sie sind einfach arm"
1. Frauenministerin Karin Prien möchte unterhaltssäumigen Vätern den Führerschein entziehen. DIE ZEIT hat dazu eine Familienrichterin interviewt, die klarstellt: "Viele Väter tricksen nicht, sie sind einfach arm."
Derweil versteht man in der Redaktion des SPIEGEL vermutlich gar nicht, wie man sich die Gelegenheit des Väterbashing entgehen lassen kann, indem man sich bei der Überschrift auf die schwarzen Schafe konzentriert. Auch die vom SPIEGEL befragte Familienrechtlerin erklärt, dass viele Väter das nötige Geld einfach nicht besitzen, aber die Schlagzeile des Artikels fokussiert sich auf die Zahlungsunwilligen: "Es gibt Väter, die plötzlich Teilzeit arbeiten, um sich zu drücken."
Der Unterschied im Vorgehen ist wirklich auffällig. Während die ZEIT das Ressentiment gegenüber Scheidungsvätern mildert, wird es beim SPIEGEL einer polarisierenden Überschrift zuliebe fleißig geschürt.
2. Die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit häuslicher Gewalt aus einer anderen Perspektive, als ich das tue: Sie betrachtet das Hellfeld, das sich in der Kriminalstatistik abbildet, unterscheidet aber zwischen Zugezogenen und Einheimischen. Dabei stellt sie Bemerkenswertes fest:
Frauen sind aber nicht nur Opfer, sie sind auch Täterinnen. In gewissen Altersgruppen werden ausländische Frauen sogar häufiger beschuldigt als Schweizer Männer. Dies zeigt sich besonders ausgeprägt bei den 25- bis 29-Jährigen: Pro 10.000 Personen wurden 8,9 Schweizer Männer der häuslichen Gewalt in einer Partnerschaft bezichtigt und 12,8 ausländische Frauen. Es greift also zu kurz, häusliche Gewalt einzig als Männerproblem zu betrachten.
Ich habe einmal die KI gefragt, warum häusliche Gewalt bei Migranten häufiger auftritt (eine Frage, die sich die NZZ gespart hat beziehungsweise, deren Antwort sie "verheimlicht" hat, um die Wortwahl der NZZ selbst zu übernehmen). Die Antwort:
Die Forschung zeigt in vielen Ländern tatsächlich Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen, aber die Erklärung ist komplex. Es wäre unzutreffend, dies pauschal auf die Eigenschaft "Ausländer sein" zurückzuführen.
Zu den Faktoren, die diskutiert werden, gehören:
* Altersstruktur: Migrantenbevölkerungen sind im Durchschnitt jünger. Gewalt – auch Partnerschaftsgewalt – tritt generell häufiger in jüngeren Altersgruppen auf.
* Sozioökonomische Belastungen: Arbeitslosigkeit, Armut, prekäre Wohnverhältnisse, unsicherer Aufenthaltsstatus und Zukunftsängste sind in manchen Migrantengruppen häufiger vertreten. Solche Belastungen erhöhen das Risiko für Konflikte und Gewalt.
* Traumatische Erfahrungen: Menschen, die Krieg, Verfolgung oder Flucht erlebt haben, können unter psychischen Belastungen leiden, die das Risiko für problematisches Verhalten erhöhen. Das betrifft allerdings nur einen Teil der Migranten.
* Kulturelle Einstellungen: In einigen Herkunftsländern sind traditionelle Geschlechterrollen oder die Vorstellung einer stärkeren Autorität des Mannes weiter verbreitet. Solche Normen können das Risiko für Partnerschaftsgewalt erhöhen, wenn Gewalt als Mittel zur Kontrolle eher akzeptiert wird. Gleichzeitig lehnt auch in diesen Gesellschaften die große Mehrheit Gewalt gegen den Partner oder die Partnerin ab.
* Alkoholkonsum: Je nach Herkunftsgruppe kann Alkohol eine größere oder kleinere Rolle spielen. In manchen Gruppen wirkt Alkohol als Verstärker, in anderen ist Alkoholkonsum religiös oder kulturell weniger verbreitet.
* Integration: Sprachbarrieren, soziale Isolation und Schwierigkeiten bei der Integration können familiären Stress verstärken.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Datengrundlage. Je nachdem, ob man Polizeistatistiken, Gerichtsverfahren oder Opferbefragungen betrachtet, können die Unterschiede unterschiedlich groß erscheinen. Polizeistatistiken bilden nur Fälle ab, die angezeigt und registriert wurden. Zudem unterscheiden sich die Bevölkerungsgruppen hinsichtlich Alter, Einkommen und anderen Merkmalen, sodass einfache Vergleiche irreführend sein können.
Deshalb versuchen wissenschaftliche Studien, solche Einflussgrößen statistisch zu berücksichtigen. Dabei zeigt sich häufig, dass ein erheblicher Teil der Unterschiede durch Faktoren wie Alter, soziale Lage und Belastungen erklärt werden kann. In einigen Untersuchungen bleiben auch danach Unterschiede zwischen einzelnen Herkunftsgruppen bestehen, was darauf hindeutet, dass kulturelle Normen oder andere, nicht vollständig erfasste Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen können.
Zusammengefasst: Wenn in einer Statistik eine höhere Rate häuslicher Gewalt unter bestimmten Gruppen von Ausländern festgestellt wird, bedeutet das nicht, dass die Staatsangehörigkeit selbst die Ursache ist. Vielmehr kommen verschiedene Risikofaktoren zusammen, deren Ausprägung sich zwischen Bevölkerungsgruppen unterscheiden kann.
3. Die Frankfurter Allgemeine beschäftigt sich mit einem "Femizid" (gemeint ist die Ermordung einer Frau) in Kelkheim, weist dabei aber darauf hin, dass der männliche Täter von männlichen Helden überwältigt wurde, was das billige Männerbashing nach einer solchen Tat schwerer macht:
Drei Bürger zeigten besonders viel Mut und stürzten sich auf den Täter. Weil er die Machete trug, gelang es nicht, ihn an der Tat zu hindern. Doch als er die Waffe fallen ließ, konnten sie ihn überrumpeln und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Darunter zwei Männer, die in Kelkheim leben, ein 32 Jahre alter Afghane und ein erst 17 Jahre alter Jugendlicher mit pakistanischem Hintergrund. Bei dem dritten handele es sich um einen 28 Jahre alten deutschen Frankfurter aus den westlichen Stadtteilen, der zum Sporttraining nach Kelkheim gekommen war. "Wir haben fest vor, diese drei mutigen Menschen zu ehren", sagt Bürgermeister Kündiger.
4. Die Wiener Zeitung beschäftigt sich mit dem Unmut von Eltern, die statt dem gewünschten Mädchen "nur" einen Jungen bekommen und stellt klar: "Gleichstellung bedeutet allerdings nicht, Mädchen höher zu bewerten als Buben."
5. Die konservative Website "Corrigenda" ist amüsiert über das Herumfuhrwerken der Grünen, die verblüfft festgestellt hätten, dass Männer ja auch wählen dürfen.
Es fängt mit der Sprache an. Eine "Einladung" für moderne Männlichkeit betiteln die Grünen ihr neues Männermanifest. Männer bräuchten die Fähigkeit, "Räume zu öffnen, statt sie zu verschließen". Es gehe darum, "gemeinsam zu wachsen". Das ist genau der Sozialpädagoginnen-Sound, der die Grünen für viele Männer so unerträglich macht. Es ist aber nur einer der Gründe, warum das Männermanifest der Partei verunglückt ist.
Wohlgemerkt: Das nach außen genannte Anliegen hinter dem Papier ist richtig. 13 Grünen-Politiker, darunter prominente Namen wie die Parteivorsitzende Franziska Brantner oder ihre Vorgängerin Ricarda Lang, wollen ein neues, positives Männerbild schaffen. "Wir haben definiert, was Männer nicht sein sollen: Nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. Alles richtig. Alles wichtig. Aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann", schreiben sie selbstkritisch.
Allerdings offenbart das dann folgende "Angebot", wie groß das Dilemma ist, in dem sich die Partei befindet. Die Grünen haben Männer jahrelang verächtlich gemacht. Nun plötzlich umzuschalten und positiv über Männlichkeit zu sprechen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen.
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