"Was ich meinem Sohn rate, damit er kein Frauenhasser wird "
1. Im SPIEGEL berichtet eine feministische Mutter über ihre Einstellung zu ihrem Sohn:
Ich habe von klein auf gelernt, dass Männer gefährlich sind – zumindest die fremden, die hinter Büschen lauern. Dass der statisch betrachtet gefährlichste Mann nicht im Gebüsch, sondern im eigenen Wohnzimmer sitzt, wusste ich lange nicht. Auch dass es Männer gibt, die Frauen hassen oder gar töten, nur weil sie Frauen sind, wurde mir erst in den vergangenen Jahren klar. Seit ich Mutter bin, ist Frauenverachtung in die "sozialen" Medien gezogen und dort zum Geschäftsmodell geworden. Und mein Kopfzerbrechen darüber, wie aus kleinen Jungs gute und beziehungsfähige Männer werden, wurde immer größer.
Hier geht es weiter. Das massenmediale Schüren von Angst findet seine Zielgruppe. Immerhin wird in dem Artikel erwähnt, dass diese Panikmache auch den männlichen Zielscheiben schadet:
Ich spreche mit der Sexologin Katrin Hinrichs über die jungen Männer, die in ihre Praxis kommen. Das sind nicht die Alphamänner, die Hilfe suchen, sondern die, die sich kaum noch trauen, auf eine Frau zuzugehen. Männer, die alles richtig machen wollen, aber unter Erektionsstörungen oder Lustlosigkeit leiden. Laut Hinrichs fehlen diesen Männern gute männliche Vorbilder.
Darauf weisen wir Männerrechtler seit Jahrzehnten hin.
2. "Stecken junge Männer in einer Sexkrise?" fragt der SPIEGEL in einem weiteren Artikel und stellt eine Therapeutin vor, die sich um Männer kümmert, die befürchten, ihrer Partnerin nicht zu genügen: "In meine Praxis kommen junge Männer bis 30, die von Erektionsstörungen und Lustlosigkeit berichten, gelegentlich verbunden mit depressiven Verstimmungen. Das sind vereinsamte junge Männer, aber auch Männer, die feministischer sind als manche Feministinnen." Hier scheint die Katastrophe vorprogammiert.
3. Das Männermanifest der Grünen sollte wohl vor allem nach außen hin das Bild der Grünen als männerfeindliche Partei ein wenig aufhübschen. Jette Nietzard hingegen betrachtet seine Inhalte skeptisch. Das Manifest verkenne komplett die Realität:
Das ganze Manifest klingt so: "Frauen waren so gemein zu Männern, Feminismus war so gemein zu Männern. Jetzt müssen wir mal weniger gemein zu Männern sein." Natürlich gibt es solche Stimmen. Aber auch hier gilt: Junge Männer wählen nicht rechts, weil Frauen böse waren oder der Feminismus so schlimm ist. Ich sehe dafür viele Gründe. Aber wer dem Feminismus die Schuld gibt, verfängt sich selbst in einem frauenfeindlichen Diskurs. Was am Ende als Politiker zählt, ist das, was man im Parlament umsetzt und nicht das, was man auf Instagram postet. (…) Muss das wirklich ein Männermanifest der Grünen sein? Ich hätte es lieber totgeschwiegen. Ohne die ganze Kritik hätte es ohnehin niemanden interessiert.
Ich weiß nicht, wie dieses Manifest gemeint ist, aber die Politik verlangt jungen Menschen derzeit viel ab. So wird etwa der Unterhaltszuschuss gekürzt. Jugendliche ab 16 erhalten bald keinen Unterhalt mehr und müssen sehen, wie sie klarkommen – oft trifft es ihre alleinerziehenden Mütter. Gleichzeitig sollen sie zum Militär und für Deutschland sterben. Während der Corona-Pandemie sperrte man sie zu Hause ein. Der Sozialstaat wird weiter abgebaut. Was soll man jungen Menschen sagen, warum es sich für sie lohnt, feministisch zu sein? Warum sie überhaupt noch positiv in die Zukunft blicken sollten? Eine progressive, linke Erzählung lebt von der Hoffnung auf ein besseres Ende. Junge Frauen spüren diese Hoffnung noch, auch weil sie aus jahrhundertelanger Unterdrückung kommen und erkennen, welche Chancen vor ihnen liegen. Deshalb wählen viele von ihnen die Linke. Junge Männer sehen derzeit keine progressive Perspektive für sich: Entweder sterben sie an der Front oder landen in der Altersarmut. Wir müssen jungen Männern wieder zeigen, wie eine positive Zukunft in diesem Land aussehen kann. Das gilt nicht nur für sie – die ganze Gesellschaft sucht gerade nach Antworten. Wenn ich mit meinen Freundinnen oder mit anderen Generationen spreche, spüre ich überall schlechte Stimmung.
In einem Artikel zum Männermanifest, der heute in vielen Zeitungen Baden-Württembergs veröffentlicht wird, aber für Nicht-Abonnenten nur im Anriss online steht, heißt es:
Ausgerechnet die Grünen selbst scheinen die Angelegenheit dabei nun nicht mehr besonders zielstrebig weiterzuverfolgen – zumindest in Baden-Württemberg nicht. Ministerpräsident Cem Özdemir wolle sich zu dem Thema aktuell nicht äußern, hieß es aus dem Staatsministerium auf Nachfrage. Man möchte "an dieser Stelle keine weitere Stellungnahme hinzufügen", ließ der Landesverband der Grünen wissen. Die Unterzeichnerinnen Franziska Brantner und Ricarda Lang reagierten auf Anfragen unserer Redaktion zu diesem Thema nicht.
(…) Ob eine Kampagne infolge des Manifests beim Buhlen um die Wählergunst junger Männer von Erfolg gekrönt wäre, will [Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen] aber nicht orakeln. "Als Robert Habeck den Heimatbegriff anders besetzen wollte, war das wenig erfolgreich", sagt er. Und ob sich das differenzierte Männerbild, das versucht, Fitnessstudio und Feminismus zu vermählen, im grellen TikTok-Kosmos zwischen misogynen Pick-up-Artists und allzu simplen Botschaften wie Maximilian Krahs viral erfolgreiches "Echte Männer sind rechts" behaupten kann, will Frankenberger nicht bewerten. Die "Manosphere", wie der digitale Raum heißt, in dem junge Männer auf Identitätssuche sind, wird laut Frankenberger jedenfalls stark von der Überzeugung geprägt, wonach Männer unterdrückt würden.
4. Weil ein Artikel pro Tag über die böse Manosphäre aber inzwischen zu wenig ist, wie sehr er auch durch verschiedene Zeitungen gestreut wird, steigt heute auch die Frankfurter Allgemeine noch mal ein. Nur ein Auszug aus dem länglichen Artikel:
Die Pilotstudie "Mapping the Germanosphere" des Exzellenzclusters Scripts der FU Berlin, die bereits im vergangenen Jahr erschien, zeigt ähnliche Muster. Forscher hatten mehr als 350 deutsche Accounts mit Hunderttausenden Followern untersucht, die sich eindeutig der Manosphere zuordnen lassen. Das Fazit: Frauenhass im Netz ist keine Randerscheinung mehr, sondern eine strukturelle Bedrohung. Radikalisierung und Gewaltphantasien sind im Netz allgegenwärtig. (…) Doch damit reißen junge Männer immer mehr Brücken zum anderen Geschlecht ein. Sie entfernen sich nicht nur im Wählerverhalten, sondern auch in den Geschlechtervorstellungen – wegen Faktor M.
5. Am 20. September wird das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Die Berliner Zeitung hat CDU, SPD, Grüne, Linke und AfD gefragt, welche frauenpolitischen Vorhaben sie im Falle einer Regierungsbeteiligung als Erstes umsetzen würden.
Ein Thema zieht sich durch nahezu alle Antworten: der Schutz von Frauen vor Gewalt. Die CDU kündigt gegenüber der Berliner Zeitung an, die Schutzinfrastruktur weiter auszubauen und stärker auf Prävention, Täterarbeit sowie den Einsatz elektronischer Fußfesseln bei Hochrisiko-Gefährdern zu setzen. Zudem sollen Betroffene häuslicher Gewalt künftig schneller aus gemeinsamen Mietverträgen aussteigen und bei der Wohnungssuche unterstützt werden.
Die Grünen werfen der schwarz-roten Koalition gegenüber der Berliner Zeitung vor, dem Gewaltschutz in den vergangenen Jahren "eine viel zu niedrige Priorität" eingeräumt zu haben. Sie wollen zwei neue Frauenhäuser, mehr Schutz- und Zweite-Stufe-Wohnungen sowie zusätzliche Beratungsangebote schaffen. Die Linke kündigt an, das Berliner Gewalthilfegesetz nachzubessern, die Öffnung des Gewalthilfesystems für private, gewinnorientierte Träger wieder zurückzunehmen und Präventionsangebote sowie Fachberatungsstellen auszubauen.
Die SPD setzt daneben einen Schwerpunkt auf strukturelle Gleichstellung. Gegenüber der Berliner Zeitung spricht sie sich für ein Berliner Paritätsgesetz, eine Modernisierung des Landesgleichstellungsgesetzes und einen stärkeren Fokus auf Frauengesundheit aus. Berlin solle sich zu einem "Weltzentrum für Frauengesundheit" entwickeln. Außerdem kündigt die Partei an, Frauenhäuser, Gewaltschutzambulanzen und psychosoziale Angebote für Täter weiter auszubauen.
Die AfD legt den Schwerpunkt dagegen auf Sicherheits- und Migrationspolitik. Sie fordert zusätzliche Frauenhausplätze, ein Frauennachttaxi, elektronische Fußfesseln für Hochrisiko-Gefährder sowie die konsequente Ausweisung verurteilter Gewalt- und Sexualstraftäter, soweit dies rechtlich möglich ist. Gegenüber der Berliner Zeitung erklärt die Partei zudem, patriarchale Familien- und Ehrstrukturen stärker in den Mittelpunkt der Präventionsarbeit rücken zu wollen und verbindliche Frauenquoten abzulehnen.
Noch aufschlussreicher wäre es gewesen, wenn die Berliner Zeitung die Parteien gefragt hätte, welche männerpolitischen Vorhaben sie bei einem Wahlsieg umsetzen würden. Allerdings wäre allein die Fragestellung in wirklich kritischen Journalismus ausgeartet.
6. Die Website queer.de spricht an, dass die Kritik an Jens Spahn nach der Leihmutterschafts-Affäre von schwulenfeindlichen Nebentönen begleitet wurde:
Nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef gibt es nun eine Debatte, ob der CDU-Politiker wegen Homosexuellenfeindlichkeit aus dem Amt entfernt wurde. Die Kölner Rechtsphilosophin Frauke Rostalski erklärte etwa im "Kölner Stadt-Anzeiger", sie sei über die Rücktrittsforderungen aus der CDU "empört" gewesen, weil Spahn zuvor "einen Skandal an den anderen gereiht" habe, ohne dass dies in seiner Partei zu Rücktrittsforderungen geführt habe. "Die Debatte, insbesondere in den sozialen Medien, hat einen widerlichen homophoben Zungenschlag. Da geht es nach meinem Eindruck überhaupt nicht mehr um die Leihmutterschaft, sondern um die alten Vorurteile gegen homosexuelle Paare", so Rostalski.
(…) Kritik übte Rostalski auch an der katholischen Kirche: "Der Bischof von Passau, Stefan Oster, hat sich vor die Kamera gesetzt und mit scheinbar brechender Stimme über die 'Last' geklagt, die das Kind von Jens Spahn und seinem Mann zu tragen habe." Dieses Kind gäbe es aber ohne die Entscheidung von Spahn und seinem Ehemann nicht. "Es hat ein Recht auf dieses Leben. Es hat ein Recht auf freie Entfaltung. Das völlig außer Acht zu lassen und ein Leid dieses Kindes zu postulieren allein als Folge seiner Entstehungsbedingungen – das finde ich geradezu mittelalterlich", sagte Rostalski.
Zuvor hatte bereits Paul Ronzheimer, der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur, Homosexuellenfeindlichkeit in der Debatte um Spahn beklagt. Ronzheimer hatte am Freitag Spahn interviewt. (…) Am Samstagnachmittag schrieb Ronzheimer auf X: "Die offene Homophobie, die hier und anderswo in den vergangenen Tagen zutage getreten ist, hätte ich in dieser Massivität und unverhohlenen Offenheit nicht für möglich gehalten." Er beziehe sich dabei nicht auf die "nachvollziehbare Kritik an der Leihmutterschaft, sondern das Gemisch aus Andeutungen, Vorurteilen gegenüber Schwulen und einem Duktus wie aus den 1960-Jahren. Das hätte es bei einem heterosexuellen Paar nicht gegeben und das ist schlicht widerlich", so der Journalist. "All das zeigt, wie wichtig es ist, immer wieder für Toleranz und Akzeptanz einzutreten – auch in Deutschland, wo wir offenbar noch lange nicht dort angekommen sind, wo wir uns selbst gerne sehen."
Auch der SPIEGEL hatte bereits angesprochen, dass die nachvollziehbare Kritik an Spahn punktuell maßlos geworden war:
Es wäre schöner, es würde ohne Schaum vor dem Mund diskutiert, Stichwort "Babykauf", "erbärmlich", "persönlich geschockt". Ohne persönliche Angriffe, ohne die allzu durchsichtige Spahn-Verachtung von links und die kaum verhohlene Schwulenfeindlichkeit von rechts, mit Respekt vor der Dimension des Problems. Wer weiß, was ungewollt kinderlose Paare zu tun bereit sind, um ein Kind zu bekommen, erahnt die Achterbahn der Gefühle, die inneren Konflikte. Auch im Fall von Spahn und seinem Mann wird es sie gegeben haben.
Die linken Kritikerinnen und Kritiker wie Jette Nietzard könnten sich fragen, ob der feministisch-emanzipatorische Satz "Mein Bauch gehört mir" nur für Frauen gelten soll, die sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden, egal aus welchen Gründen. Und nicht auch für Frauen, die sich, warum auch immer, für eine Schwangerschaft entscheiden.
7. Die Augsburger Allgemeine beschäftigt sich weiter damit, wie es zu der kranken Herrschaft zweier Frauen über ein Männergefängnis in Gablingen kam.
8. Die Frankfurter Rundschau beschäftigt sich mit dem unerträglichen Leid, das russische Frauen gerade durchmachen:
In einem Video steht eine Frau vor einer riesigen Lagerhalle, aus der Flammen schlagen. 4000 Pelzmäntel, Monate im Voraus für den Winter eingekauft, brennen vor ihren Augen. "Es ist nicht nur ein Lager, das brennt", sagt Tatjana Michailowa auf Instagram. "Es ist die Zeit, die du investiert hast, der immense Stress, dein Geld und dein letztes bisschen Hoffnung. Alles, was ich fühle, ist Leere."
Michailowa ist eine von Hunderten, vielleicht Tausenden russischen Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmern, deren Existenz eine Serie ukrainischer Drohnenangriffe auf Wildberries getroffen hat – Russlands größten Online-Händler und das Pendant zum US-Konzern Amazon. Über Social Media rollt seither eine Welle von Klagevideos, in denen insbesondere junge Frauen weinend ihre Verluste beklagen. Die Schuld sehen sie fast ausnahmslos bei einer Seite: der Ukraine.
Die Aufnahmen, verbreitet nach den jüngsten Angriffen bei St. Petersburg am Freitag, zeigen Schock, Wut und Verzweiflung. "Zuerst haben die Ukrainer meinen Mann getötet. Dann hat mich die Bank betrogen. Heute ist alles, was mir noch geblieben war, in den Lagern verbrannt. Was bleibt da noch?", sagt eine Frau unter Tränen.
Eine andere Verkäuferin, sichtlich aufgelöst, erklärt sich für ruiniert. "Das war’s. Ich bin offiziell pleite", sagt sie weinend. "Meine Ware ist im Lager verbrannt. Danke, Ukrainer." Wieder eine andere Geschäftsfrau ringt in St. Petersburg mit den Tränen: "Es gibt kein Geschäft mehr. St. Petersburg. Alles ist zerstört, die Lager sind weg. Warum?"
Eine Mutter wendet sich direkt an ihre Kundschaft und bittet um Hilfe: "Ich bin eine ganz normale Mutter von zwei Kindern. Meine Ware ist bei Wildberries verbrannt", sagt sie tränenreich. "Bitte helft und kauft den Rest meiner Produkte, bevor die Ukrainer die übrigen Lager niederbrennen." (…) Und eine Verkäuferin, die die Reaktionen im Netz gelesen hat, fragt fassungslos: "Ukrainer, habt ihr denn gar kein Mitgefühl?"
Das Geheule russischer Frauen über die böse Ukraine ist ähnlich bizarr wie das Geheule vieler Feministinnen über die böse Manosphäre.
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!