SPD warnt: "Aufbau einer Anti-Gender-Weltordnung" droht uns allen
1. Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung warnt vor einer großen Weltverschwörung gegen Gender.
Wie gut, dass man sachlich bleibt, statt sich in eine Hysterie hineinzusteigern. Apropos …
2. Kristina Lunz glaubt: " Die Hexenverfolgungen von damals sind die digitalen Hetzjagden gegen Frauen von heute." Denn: "Dass soziale Medien zunehmend zum Scheiterhaufen insbesondere für Frauen werden, ist längst keine zugespitzte Metapher mehr."
3. Alan Posener setzt sich in der "Welt" für die benachteiligten Jungen ein. Inhaltlich nichts Neues oder Zitierenswertes, aber schön, dass er's tut.
4. Tamara Wernli fragt in ihrem aktuellen Video: "Warum dürfen Frauen über Männer in einer Weise sprechen, für die Männer umgekehrt gecancelt würden?"
5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu einem Artikel des SPIEGEL:
Der alltägliche Sexismus: "Zeit für die Bundesregierung, legale Wege für besonders Schutzbedürftige zu schaffen: vor allem für Frauen und Kinder.“
Das Asylrecht ist ein individuelles Grundrecht.
Mehr Männer engagieren sich politisch und daher werden auch mehr Männer individuell politisch verfolgt.
Frauen werden von repressiven Regimen deutlich weniger hart für vermeintliches Fehlverhalten bestraft.
Im Iran werden im Moment jeden Tag Todesurteile gegen Protestler vom Januar vollstreckt – fast ausschließlich Männer.
"Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Hungersnöte treffen vor allem Frauen und Kinder hart."
Unbelegt. Menschen leben in Familien.
Auch Männer verhungern, auch Männer ersaufen, auch Männer werden massakriert – oder bei Lichte: insbesondere.
6. Mehr Post. Ein Leser, dessen Mail über gewalttätige Mädchen ich vorgestern veröffentlicht hatte, schreibt mir:
Servus Herr Hoffmann,
bleiben wir vielleicht noch etwas in Österreich. Heute wurde dort der Verfassungsschutzbericht vorgestellt. Für Ihren Blog interessant daran erscheint mir der folgende Artikel – so nämlich präsentierte man im "Standard" den Bericht: "Extremismus wächst: Frauenhass, Granaten-Anschlags-Plan auf Juden und neue IS-Auslandskämpfer"
"Frauenhass" kommt in dieser Schlagzeile nicht bloß als übergreifende Herausforderung rüber, sondern als extremismusbezogenes Problem Nr. 1. So zumindest nach der Reihung (und der damit verbundenen Gewichtung). Doch gibt dies das Lagebild tatsächlich her? Gibt dies der Rest des Artikels überhaupt her?
Liest man weiter, hätte man sinniger den (zumindest von der Behörde so wahrgenommenen) starken Anstieg bei islamistischem Extremismus und Rechtsextremismus als Ausgangspunkt nehmen können:
"Die Gefährdungslage im vergangenen Jahr wurde von fünf Phänomenen geprägt, die auch 2026 relevant bleiben.
1. Islamistischer Extremismus
2. Rechtsextremismus
3. Linksextremismus
4. Spionage
5. Illegaler Waffenhandel
"Frauenhass" wird dagegen im Artikel eigentlich nur als Teilaspekt innerhalb des Rechtsextremismus-Abschnitts behandelt (linken oder islamistischen "Frauenhass" scheint es nicht zu geben – und "Männerhass" interessiert sowieso niemanden). Dort liest man:
"Und auch diese Szene sammelt sich zunehmend in Online-Subkulturen, in denen Ideale des Rassismus, Antisemitismus und einer weißen Vorherrschaft geteilt werden. Jörg Leichtfried, Staatssekretär für Staatsschutz (SPÖ), beobachtet zudem eine Verquickung der Rechtsextremen mit der sogenannten 'Incel'-Szene, die sich über Frauenhass definiert. Aber es wurden auch Verbindungen etwa zu selbsternannten 'Pedo-Huntern' deutlich."
Das ist also einerseits ein Zusatz ("zudem") – eine Szene, die hinter anderen Subkulturen zu rangieren scheint. Und andererseits ist es die Beobachtung des Staatssekretärs einer gewissen Partei, die obendrein reichlich zugespitzt und uninformiert daherkommt. Leichtfried schreinert nämlich aus einer komplexen, heterogenen Szene einen einfachen Deutungsrahmen, um nicht zu sagen ein dienliches Feindbild: der gefährliche Incel, der mit Rechtsextremen kungelt und dabei auf gleicher Ebene mit Rassisten und der White-Power-Bewegung steht. Die Forschungslage, die Sie auf Genderama immer wieder präsentiert haben, ist dagegen deutlich nuancierter. Weder ist die Incel-Szene durchgehend rechtsextrem, noch einheitlich gewaltaffin. (Von der begrifflichen Unschärfe des Terminus mal ganz zu schweigen.)
Mich stört dieses harte Verdikt genauso wie der Aufbau der Schlagzeile. Hier wird klar Stimmung gemacht und vor allem eine bestimmte moralische Nordung vorgenommen. Das kann man natürlich tun, es wirkt aber nicht sonderlich seriös oder gar souverän. Währenddessen vermag es die Konkurrenz von der "Presse" die tatsächlich zentralen Felder direkt zu benennen: "Verfassungsschutzbericht: Starker Anstieg bei islamistischem Extremismus und Rechtsextremismus"
Die "Presse" ist Mitte-rechts-orientiert und sicher alles andere als neutral und wertungsfrei. Aber zumindest kommt sie in dem Fall der Logik des Lageberichts deutlich näher und muss nicht die Rangfolge der präsentierten Bedrohungen künstlich verschieben. Sie berichtet deutlich neutraler als der "Standard", der sowas wohl nur – wie vorgestern verlinkt – bei gewaltaffinen Mädchengruppen vermag. Zum "Frauenhass"-Aspekt liefert die "Presse" ansonsten noch ein paar interessante Details:
"Bindeglied sei hier der Hass auf Frauen, dieser sei auch Treiber für politische Gewaltfantasien. Laut Mayer gibt es eine zunehmende Vermischung bei den Motiven: eine Gemengelage aus persönlicher Kränkung und Ideologie. Deshalb, so Leichtfried, werde – wie schon vom Nationalrat beschlossen – künftig die Online-Verbreitung von Frauenhass in den Verfassungsschutzbericht mitaufgenommen. Wenn sich Frauen aufgrund von Misogynie im Netz nicht mehr trauen in der Öffentlichkeit etwas zu sagen, dann sei das auch ein Problem für die Demokratie, so Leichtfried.“"
Ich bin gespannt wie solcher "Frauenhass" definiert wird und was man am Ende alles darunter bündelt. Und ob Männer sich aufgrund von Misandrie nicht mehr ins Netz trauen, scheint in Österreich freilich genauso wenig zu interessieren wie die Frage, ob es nicht auch ein "Problem für die Demokratie" und das allgemeine gesellschaftliche Leben darstellen könnte, wenn feministische Gruppen "aus persönlicher Kränkung und Ideologie" zum Männerhass aufrufen oder "Alle Männer sind Monster" skandieren.
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!