Montag, Juni 09, 2008

New York Times: "Germany Abuzz At Racy Novel of Sex and Hygiene"

Der deutsche Analfeminismus ist jetzt ein internationales Thema geworden – die "New York Times" springt auf den Medienhype um einige eher nichtssagende Frauenbücher auf. Einige Auszüge aus dem aktuellen Artikel:

TEGERNHEIM, Germany — Not many literary readings are restricted to an over-18 audience. Fewer still take place under circus tents. Yet nothing could be more appropriate for the scandalous German best-seller “Wetlands,” by a television personality and author, Charlotte Roche.

With her jaunty dissection of the sex life and the private grooming habits of the novel’s 18-year-old narrator, Helen Memel, Ms. Roche has turned the previously unspeakable into the national conversation in Germany. Since its debut in February, the novel (“Feuchtgebiete,” in German) has sold more than 680,000 copies, becoming the only German book to top Amazon.com’s global best-seller list. (…)

The subject has struck a nerve here, catching a wave of popular interest in renewing the debate over women’s roles and image in society.

With its female chancellor, angela Merkel, and progressive reputation, Germany would hardly seem to be thirsting for such a discussion. Yet, Germany has an old-fashioned tendency to expect women to choose between careers and motherhood rather than trying to accommodate both.

Last year, another German television personality provoked a storm of controversy about the role of women by suggesting that they should stay home to raise their children, and then referring approvingly to the Nazi policy of encouraging German women to have large families.


Hm, das kommt offenbar dabei heraus, wenn Journalisten über die Ländergrenzen hinweg "Stille Post" spielen. Aber es geht weiter:

Beyond the historical land mines, there are also measurable gender-equality problems in Germany, Europe’s largest economy. Of the 27 European Union members, Germany is tied with Slovakia as third worst in the wage gap between men and women, with women earning 22 percent less, a figure surpassed only by Cyprus and Estonia.

So the topic is being debated in every newspaper and magazine in Germany right now. The discussion has been amplified by two nonfiction books about young women, the more traditional “New German Girls” and “We Alpha-Girls.”

A provocative female rapper in Germany, Lady Bitch Ray, who runs her own independent label, Vagina Style Records, grabbed headlines when she accused Ms. Roche of stealing her explicit form of empowering raunch. “I am what’s in the book,” said the rapper, 27, whose real name is Reyhan Sahin, in a telephone interview.


Ich bin wirklich mal gespannt, ob, wenn wir in zehn Jahren auf diese Bücher zurückblicken, auch nur eines von ihnen erkennbare Spuren in einer Veränderung unserer Gesellschaft hinterlassen haben wird.

Germans have been accused, on occasion, of overanalyzing.


"Germans habe been accused"? Wer widmet dem Schwachsinn denn volle zwei Seiten?

Sometimes a funny, dirty book is just a funny, dirty book, but not this one, according to its author.

Ms. Roche, 30, has long identified herself as a feminist and, in a vein first explored in 1960s-era American feminism, describes the book as a cri de coeur against the oppression of a waxed, shaved, douched and otherwise sanitized women’s world.

Newspapers here have contrasted her unhygienic, free-spirited fictional heroine to an American-import model of womanhood: the stable of plucked, pencil-thin contestants on “Germany’s Next Top Model,” a popular reality show hosted by the German supermodel Heidi Klum.


Und eine darf bei der Party natürlich auch nicht fehlen:

“The combination of pornography and feminism is old, and was already a favorite marketing strategy for Playboy in the ’70s,” said Alice Schwarzer, Germany’s best-known feminist and founder of the magazine EMMA, modeled in part on Gloria Steinem’s Ms. magazine, in an e-mail message responding to questions about the recent books. “Right now we’re living through another revival.”


Ich weiß nicht, was mich bei dem Beitrag mehr amüsiert: die wilden Themensprünge bzw. das Miteinander-Verquirlen der unterschiedlichsten Aspekte, die zu einer starken Verzerrung führende Oberflächlichkeit der Darstellung oder dass Charlotte Roche, Angela Merkel, Eva Herman, Lady Bitch Ray, Heidi Klum und Alice Schwarzer in einer aberwitzigen Freakshow als die typische deutsche Frau dargestellt werden. Was ist los, war Thea Dorn im Urlaub, als die New York Times ihre Telefoninterviews führte? Man sollte dabei allerdings auf keinen Fall vergessen, dass deutsche Artikel über andere Länder oft ähnlich verquer geraten, wobei uns nur die Möglichkeit fehlt, das durch eigene Erfahrung sofort innerlich zu korrigieren.

Hier kann man den vollständigen Beitrag lesen (möglicherweise kostenloser Log-In erforderlich).

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Freitag, Mai 16, 2008

"Die pink broschierte Klickgranate"

Was, wenn die kollektive "Feuchtgebiete"-Expedition dieser Tage nur die Folge eines Experiments wäre? Wenn es sich bei Charlotte Roches Roman um einen kalkulierten Hoax handelte, bei dem maximal durchgeknalltes Zeug, Hämorrhoiden-Analverkehr mit feministischem Überbau, in die Umlaufbahn geschossen wurde, um mal zu schauen, wie das in Talkshows und Feuilletons so ankommt?


Christian Kortmann versucht in der taz zu ergründen, warum dieses Buch so verblüffend erfolgreich ist. Der Artikel ist ganz vergnüglich zu lesen. Ein weiterer Auszug:

Es bedarf einiger gedanklicher Anstrengung, um pornografische Bilder zu entwerfen, die übertreffen, was im Internet jederzeit greifbar ist. Genau das ist in "Feuchtgebiete" gelungen: "Und wenn ich löffelweise von einem Hundehaufen naschen würde, es würde mir mit Sicherheit nichts passieren." Solche Vorstellungen lassen niemanden unbeteiligt. Die heftigen Reaktionen auf Kritiker- und Leserseite erinnern an die YouTube-Clips aus der Reihe "2 Girls 1 Cup Reactions". Sie zeigen die Reaktionen von Menschen, die einen Pornoclip anschauen, in dem zwei junge Damen ein Tässchen Kot verspeisen. (...) Mittlerweile hat sich ein so riesiger "Feuchtgebiete"-Diskursballon aufgeblasen, dass die letzte spektakuläre Volte allein in der Implosion bestünde, darin, dass der experimentelle Charakter enthüllt und ein Mann als wahrer Autor an die Öffentlichkeit treten würde.

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"Die Hämorrhoide als Metapher für unterdrückte Sexualität"

Es gibt bestimmte überregionale Zeitungen, wo man sich sehr sicher sein kann, nicht plötzlich mit Berichten über eine Diskriminierung von Männern in unserer Gesellschaft behelligt zu werden. Dazu gehört meistens (nicht immer) die "taz", außerdem (bislang immer) die "Frankfurter Rundschau" und die "Zeit". In der "Zeit" Entsprechendes zu lesen ist für mich ähnlich schockierend wie wenn mich der katholische Pfarrer aus unserer Gemeinde unvermittelt zu einer Runde Gruppensex mit bekannten Pornostars eingeladen hätte. Während ich auf diese Einladung immer noch warte, hat mich die "Zeit" heute kalt erwischt:

Der amerikanische Sozialpsychologe Roy B. Baumeister hat eine empirische Studie zur gesellschaftlichen Benachteiligung des Mannes vorgelegt. Baumeister hat wissenschaftlich herausgefunden, dass weltweit die Mehrzahl der politischen Gefangenen Männer sind. Bei den zum Tode Verurteilten liegt der Männeranteil über 80 Prozent. Die Mehrzahl der Obdachlosen und der unterbezahlten Hilfsarbeiter sind Männer. Tödliche Arbeitsunfälle in den USA betreffen zu 93 Prozent Männer. Von den US-Soldaten, die im Irakkrieg fallen, sind sogar mehr als 95 Prozent Männer. In Deutschland gibt es ebenfalls ein krasses Beispiel für die Benachteiligung des Mannes.


Ab hier wird es leider wieder ein bisschen absurd, denn als "krasses Beispiel" wird ausgerechnet Charlotte Roches Roman "Feuchtgebiete" aufgeführt. Motto: Wenn ein Mann so einen Quatsch geschrieben hätte, wäre er dann auch zum literarischen Star am Bücherhimmel aufgerückt? Naja, Männer haben mit anderem inhaltschwachen Unfug Massenauflagen erzielt. Dennoch bleibt von diesem Artikel ein bemerkenswerter Tabubruch in der "Zeit".

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Mittwoch, April 30, 2008

Feminismus und Wahrheit (2)

Die "Süddeutsche Zeitung" beginnt die feministische Propaganda von vermeintlich frauenverachtender Pornographie zu durchschauen:

So heißt es in der Geschichte der Pornographie von Montgomery Hyde: "Frauen gefällt mehr jene Literatur und Kunst, die gefühlsbetonte Verbindungen, Romantik und Liebe enthalten. Allgemein ausgedrückt heißt dies, dass Frauen an reiner Pornografie nicht interessiert sind. Für sie ist diese Art der Behandlung eines sexuellen Themas zu brutal." Aber ist das tatsächlich so? Sind weibliche Sexphantasien durchweg politisch korrekt?

In ihrem Buch "Frauenpornographie" fasst Corinna Rückert eine diesbezügliche Studie wie folgt zusammen: 47 Prozent der befragten Frauen fühlten sich durch Inszenierungen freiwilliger Unterwerfung erregt, 30 Prozent "reizte die spielerisch-rituelle verbale Gewalt und Gewalthandlungen (symbolische Fesselung, angedeutete Züchtigung etc.) des Mannes". Nach ihren Sexphantasien befragt gaben 81 Prozent der Frauen an, diese hätten "Kontrollverlust-Inhalte", und 66 Prozent antworteten, dass sie sich freiwillige Unterwerfungsszenarien vorstellen.

Aber ist das geschlechterpolitisch bedenklich? "Die Frau, die eine selbstbewusste Sexualität hat", so Charlotte Roche in einem Interview, "fühlt sich bei den Sachen, wo die Feministin sofort ,erniedrigend' kreischt, nicht erniedrigt."


Hier findet man den vollständigen Artikel.

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Samstag, April 19, 2008

"Die Lust am Schleim"

Der Erfolg von Charlotte Roches Roman "Feuchtgebiete" zeigt: Feminismus ist wieder in. Denn von Sexualität bis zum Arbeitsmarkt erweist sich Gleichberechtigung als Mythos.


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Montag, März 31, 2008

Der wievielte "brandneue Feminismus" ist das jetzt?

Mittlerweile erscheint alle paar Tage ein Buch, das den Feminismus neu entdeckt, und jedesmal kann es sich der massenmedialen Unterstützung sicher sein. So hat dem "Deutschlandradio" zufolge "Neue Deutsche Mädchen" selbstverständlich die "Anlagen zum Kultbuch".

Oh, wenn wir gerade dabei sind: Das Schwulen-Blog "Gay West" veröffentlichte vor einigen Tagen einen netten Beitrag zu einer der letzten Neuentdeckerinnen des Feminismus, Charlotte Roche. Der passende Titel: "Feminismus zum Kotzen". Ein paar Tage später legte "Gay West" mit "NPD wählen" nach. Auf eine bizarre Weise sehr lustig!

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Mittwoch, März 12, 2008

Charlotte Roche: Frauen sollen Randale machen

Okay, soviel zum Thema Postfeminismus:

In einem Interview mit dem stern fordern die Autorinnen Charlotte Roche und Ariadne von Schirach Frauen zum Protest auf. Bei ungerechter Bezahlung sollten Frauen gegen ihre Arbeitgeber auf die Straße gehen. "Es geht doch immerhin um mehr als die Hälfte der Bevölkerung! Frauen können doch einfach mal von all ihren männlichen Kollegen die Gehaltszettel öffnen und eine Randale veranstalten", so Roche.


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Manchmal ist man doch ein wenig erstaunt darüber, was für ein naives Weltbild eine Frau von fast dreißig Jahren haben kann – mediale Dauerberieselung über die angeblich bei gleicher Leistung so viel schlechter bezahlten Frauen hin oder her. Andererseits kannte man dieses kindliche Weltbild Roches bereits von früheren Berichten. Wie sagte Charlotte Roche damals so schön: "Es ist so wahnsinnig schwer, sich Scheiße auszudenken für andere."

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Donnerstag, März 06, 2008

Zitat des Tages

"Ich bezweifle immer mehr, dass diese ganzen Sachen, mit denen Frauen Probleme haben, von den Männern kommen, wie das der Feminismus gerne behauptet. Entweder sie machen sich die Probleme selber oder sie werden dazu von ihren Müttern erzogen."


Charlotte Roche im Interview mit der Zeitschrift NEON (nicht online, in der Druckausgabe).

Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Sommer, aber vielleicht kommen ja doch die ersten offensiv postfeministischen jungen Frauen, für die Mitte der neunziger Jahre in den USA z. B. Katie Roiphe stand, allmählich auch in Deutschland an.

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