Samstag, September 08, 2012

Noch einmal: Was würden Sie tun, wenn ..?

Einer großen Resonanz erfreuten sich vor mehreren Jahren meine Hinweise auf Aufnahmen mit der versteckten Kamera, mit denen ermittelt wurde, wie Passanten reagieren, wenn eine Frau öffentlich einen Mann zusammenschlägt, und wie sich Gäste einer Bar verhalten, wenn sie mitbekommen, dass eine Frau in das Getränk ihres Partners heimlich eine obskurse Substanz träufelt.

Kürzlich habe ich eine weitere Darstellung eines solchen sozialen Experimentes entdeckt. Die US-Sendung "What Would You Do?" beobachtete mit versteckter Kamera, wie sich Menschen verhalten, wenn sie mitbekommen, dass dass eine erwachsene Frau ihren 15jährigen Schüler öffentlich sexuell belästigt.

Ähnlich wie bei dem zuvor erwähnten Bar-Experiment zeigt sich zunächst auch hier, dass sich vor allem Frauen helfend und schützend einmischen, während die Männer unwirsch, aber schweigend danebensitzen, weil sie keinen Ärger bekommen wollen. Hier zeigt sich im Kleinen, was auch gesamtgesellschaftlich abläuft: Auch politisch halten die meisten Männer die Klappe, statt Mitglieder ihres eigenen Geschlechtes vor Übergriffen zu schützen, um sich keine Schwierigkeiten einzuhandeln. Diese Angst ist gesamtgesellschaftlich ja auch alles andere als unbegründet, wie die immer aggressiveren Angriffe auf jene von uns Männern zeigen, die eben nicht brav die Klappe halten und alles mit sich geschehen lassen. Von Ute Scheub bis Christian Helten erklärt sich aktuell fast täglich irgendeiner bereit, derart aufmüpfigen Typen ordentlich eins in die Fresse zu geben.

Die mit versteckter Kamera gefilmte Sequenz endet immerhin damit, dass sich eine Gruppe von Kerlen, die offenbar ähnlich schräg drauf sind wie diese durchgeknallten Männerrechtler, von denen man ständig liest, den 15jährigen Schüler in ihre eigene Obhut nehmen und unterstützen. Wäre das Ganze kein soziales Experiment, sondern ein realer Vorfall gewesen, hätte man am nächsten Tag in der Presse vermutlich Artikel lesen können wie "Ekelhaft: Von Frauenhass getriebene Extremisten hetzen unsere Kinder auf!". Das ist zumindest die Art von "Journalismus", die ich nach seinem Wikipedia-Artikel von Leuten wie Christian Helten erwarten würde.

Wenn Sie übrigens ohnehin gerade auf Youtube herumkreuzen: Es gibt dort ein weiteres Was-würden-Sie-tun-Experiment, bei dem mit versteckter Kamera gefilmt wurde, wie Leute reagieren, wenn sie Zeugen einer islamophoben Diskriminierung werden ...

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Montag, September 03, 2012

Der neue deutsche Dämonisierungsjournalismus

Man mag sich nicht ausdenken, wozu diese Journalisten zu anderen Zeiten fähig gewesen wären (ihre Indoktrinierung hätte nur anders verlaufen müssen). Sie sind zu nüchternen Analysen nicht in der Lage, weil sie hoffnungslos parteiisch sind. Daher muss jeder Andersdenkende, der nicht ihr Weltbild vertritt, dämonisiert werden. Zum Gesinnungsjournalismus kommt noch etwas Neues hinzu, der Dämonisierungsjournalismus.


Gregor Keuschnig spricht in seinem heute Morgen vom BILDblog prominent verlinkten Artikel zwar über ein ganz anderes Thema (deutsche Journalisten würden bei der eigentlich gut begründbaren Kritik an den US-Republikanern tendenziell demagogisch) , aber exakt die zitierten Sätze lassen sich auch problemlos auf so manchen Artikel übertragen, der gegen die Männerbewegung vom Leder zieht: Artikel beispielsweise aus den Händen von Tina Groll und Simone Schmollack, von Heide Oestreich und Torsten Kleinz. Es ist immer dasselbe Muster: Die Journalisten stecken in einem Lager, das kritisiert wird (Feministinnen oder Wikipedianer), und im daraufhin entstehenden Artkel erscheinen die Kritiker unweigerlich als böse, böse, böse (wobei "böse", weil es in Artikeln doof klingt, durch Wörter wie "aggressiv" und "hasserfüllt" ersetzt werden). Mit nüchterner Analyse sowie journalistischer Ethik und Professionalität hat das nur noch wenig zu tun. Das Wort "Dämonisierungsjournalismus" und Keuschnigs obigen Sätze bringen diese Tendenz wunderbar auf den Punkt.

Dass man bei bestimmten pseudowissenschaftlichen Kampfschriften – ich muss hier keine Namen nennen – darüber hinaus von einer "Dämonisierungsforschung" sprechen kann, bei der schon vor Beginn der Arbeit das erwünschte Ergebnis feststeht (die zu erforschenden Gruppen und Personen sind natürlich ganz furchtbar), tritt zu diesem Phänomen hinzu. Der Anti-Gewalt-Berater Burkhard Oelemann hatte hierzu einmal ein reizvolles Buch empfohlen.

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