Donnerstag, April 03, 2025

Täterin war Mitschülerin: Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

1. Die Hessenschau berichtet:

Der Prozess gegen den 30 Jahre alten Mann wegen Vergewaltigung einer Jugendlichen mit Intelligenzminderung endete am Dienstag mit einem Freispruch für den Angeklagten.

"Es gibt eine Täterin", sagte der Vorsitzende Richter am Frankfurter Landgericht und nannte den Namen einer zur Tatzeit 15 Jahre alten Mitschülerin der Jugendlichen.

Diese hatte das Mädchen davon überzeugt, gegen Geld in ihrem Beisein mindestens einmal Geschlechtsverkehr mit dem 30-Jährigen zu haben. Das Geld behielt die 15-Jährige.

Dies sei ein "krasser Missbrauch" seitens der Mitschülerin, sagte der Vorsitzende Richter. Sie wurde bereits im vergangenen Jahr vom Jugendgericht in Offenbach wegen Zwangsprostitution rechtskräftig verurteilt - zu einer Arbeitsauflage von 80 Stunden und der Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs.


Mit einer vielfach umjubelten Netflix-Serie, die toxische Weiblichkeit am Beispiel einer 15jährigen Zuhälterin beleuchtet, ist derzeit allerdings nicht zu rechnen.



2. Die Legal Tribune berichtet über die gescheiterte Klage eines Vaters wegen fehlenden Vaterschaftsurlaubs. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt.



3. In der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich Birgit Schmid mit dem Kulturkampf gegen Männer. Ein Auszug:

Eine "Spiegel"-Autorin sagte es kürzlich so: "Sie sind mir fremd geworden, die Männer." Dieses Lebensgefühl teile sie mit vielen Frauen um die dreissig. Sie beschreibt, wie sie sich mit ihren Freundinnen zu einer gemeinsamen "Therapiesitzung" treffe, wo sie die Frage diskutierten: "Was für eine Shitshow hält die Welt für Frauen heute bereit?"


Ähnlich wie radikalisierte Incels scheinen sich diese Frauen mit ihrer Opfer-Mentalität selbst am meisten zu schaden.

Nun besteht für Frauen ein Ausweg darin, sich den Frauen zuzuwenden. Und zwar mit derselben Innigkeit, mit der sie romantische Beziehungen zu Männern eingehen. Genderforscherinnen beschwören Frauenfreundschaften und trauen weiblicher Solidarität eine Kraft zu, welche die gesellschaftliche patriarchale Ordnung sprengen könne.

Man kann noch einen Schritt weitergehen und das Begehren ebenfalls weglenken von den Männern, denen es bisher galt. Stattdessen leben Frauen auch ihre Sexualität mit Frauen aus. So stellt es zumindest Louise Morel dar, eine Aktivistin und Autorin. Die 35-Jährige kommt ursprünglich aus Frankreich und lebt heute in Berlin.

"Lesbisch werden in zehn Schritten", so nennt sie ihr Handbuch, in dem sie Frauen dazu ermutigt, diesen Weg zu gehen (Ullstein-Verlag). Für Morel ist das eine Frage der Wahl, da sie Sexualität als etwas Fluides versteht. Sie selber habe sich entschieden, Frauen zu lieben, nachdem sie lange "die Bequemlichkeit der Heterosexualität genossen", darin aber keine Erfüllung gefunden habe.

(…) Die Autorin wehrt sich zwar gegen das Vorurteil, man werde lesbisch, weil man keinen Mann finde, schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht habe und verbittert und enttäuscht sei. Trotzdem schreibt sie: "Ich habe einen Hass auf Männer." Sie machten keinen Haushalt, sie vergewaltigten. Sie seien die Ursache für die traumatischen Erfahrungen vieler Frauen, "die der Heteronormativität entkommen sind".

Die Argumentation für das Lesbischsein ergibt sich hier aus der Abwertung der häufigsten Liebesform. Und aus der pauschalen und sexistischen Verurteilung aller Männer. Da kommen dann selbst "schwule Cis-Männer, die überwiegend weiss und gutsituiert sind", nicht gut weg.




4. Auch in meiner Heimatstadt Wiesbaden werden jetzt, wie in anderen Städten zuvor, die orangen Bänke aufgestellt, die Gewalt gegen Frauen hervorheben und damit so tun, als sei Gewalt gegen Männer nicht der Rede wert.



5. In der "Zeit" wendet sich Nele Pollatschek gegen eine Wehrpflicht auch für Frauen. Denn: Frauen würden schwanger und dienten damit Deutschland schon längst.



6. Männer indes haben auch keine Lust, an die Front geschickt zu werden: "In Deutschland und Österreich sinkt der Wert auf 20 Prozent." meldet die Neue Zürcher Zeitung, was den Willen der Bevölkerung angeht, im Ernstfall zu den Waffen greifen, um das eigene Land zu verteidigen. (Genderama hatte kürzlich über eine Umfrage mit einem ähnlich niedrigen Ergebnis berichtet.) In einem SPIEGEL-Spitzengespräch legt Ole Nymoen dar, warum er "lieber kapitulieren würde als tot zu sein" und verteidigt diese Position gegen den Bundeswehrveteran Wolf Gregis und die CDU-Politikerin Wiebke Winter. (Ich komme selbst erst heute dazu, mir den Talk anzusehen und kann deshalb noch nichts Näheres dazu sagen.)



7. Die Netflix-Serie "Adolescence" soll jetzt quer durch Großbritannien an Schulen gezeigt werden, um das gewünschte politische Bewusstsein zu schaffen. Aber noch immer gibt es Widerworte gegen die Dämonisierung von Jungen und Männern, die damit verbunden ist. So berichtet Newstalk:

Man sollte vorsichtig sein, wenn man den Begriff 'toxische Männlichkeit' in den Mund nimmt, da er Jungen das Gefühl vermittelt, dass es schlecht ist, ein Mann zu sein, so ein Coach für menschliches Potenzial.

(...) Bidwell sagte, dass er durch seine Erfahrung als Unterstützer und Begleiter insbesondere junger Männer festgestellt hat, dass viele Männer Schmerzen haben. (...) "Es gibt viele Männer an der Macht, und viele Männer werden gefeiert, aber in Wirklichkeit gibt es viele Männer, die sich nicht ausdrücken können, die das tragen müssen, was wir diese Maske nennen." (...) Bidwell zufolge wird das gesellschaftliche Narrativ, dass wir in einer 'Männerwelt' leben, durch die Tatsache untergraben, dass drei von vier Selbstmorden von Männern begangen werden.

(...) Ein Zuhörer textete der Sendung, dass der Ausdruck "toxische Männlichkeit" ein "wirklich schrecklicher, böser, männerfeindlicher Begriff“ sei. Bidwell räumte ein, dass die Verwendung des Begriffs implizieren kann, dass jede Art von Männlichkeit toxisch ist. "Ein echter, gesunder Mann ist wirklich nicht toxisch", sagte er. "Er ist ein Beschützer; er ist jemand, der einen großen Wert für diese Welt darstellt. Ich glaube, das ist ein Teil der Herausforderung, die wir mit den heranwachsenden Kindern, den heranwachsenden Jungen, haben, dass ihnen dieser Begriff eingetrichtert wurde. Sie haben das Gefühl, dass Männlichkeit schlecht ist, oder es wird ihnen gesagt, dass Männlichkeit schlecht ist, und sie fragen sich, was sie jemals getan haben, um so bezeichnet zu werden."


Im irischen Journal beginnt ein Autor seinen Artikel, indem er sich an seine feministische Mutter erinnert:

Meine Mutter war zwar eine leidenschaftliche Verfechterin der Fairness, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie erstaunt und besorgt darüber wäre, wie weit das Pendel heute in die andere Richtung ausgeschlagen hat und wie die "geschlechtsspezifischen" Rollen vertauscht sind.

Ich denke, sie hätte sich Sorgen um ihren Enkel gemacht, in einer Welt, in der - laut zahllosen Online- und Mainstream-Medienartikeln - Männer "verloren und verwirrt" sind und eine "Krise" die moderne Männlichkeit verschlingt. Und ich bin mir sicher, dass die kürzlich erschienene, viel gelobte Netflix-Miniserie "Adolescence", in der ein 13-jähriger Junge, Jamie, verhaftet und schließlich des Mordes an einem Mädchen aus seiner Schulklasse, Katie, für schuldig befunden wird, sie zutiefst besorgt gemacht hätte.

Die "These" von Adolescence ist, dass ein geliebter Sohn durch eine giftige Mischung aus Cybermobbing, "Incel-Kultur" und waffenfähiger "Frauenfeindlichkeit" dazu getrieben wird, seine Klassenkameradin zu erstechen. Der Film wurde als "eine Meisterklasse des Geschichtenerzählens im Fernsehen" und als "ein vernichtendes Seherlebnis, das Narben hinterlässt" beschrieben und es ist eine brillante Darstellung der emotionalen Unreife männlicher Teenager.

Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass sie den wahren Grund für die zunehmende männliche Wut anspricht, nämlich die inzwischen weit verbreitete Wahrnehmung, dass die Hoffnungen, Träume und Gefühle von Jungen zunehmend zum Gegenstand der Verachtung werden und das Wesen ihres Wesens - ihre Männlichkeit in ihren unzähligen Erscheinungsformen - als grundsätzlich "toxisch" verteufelt wird.


In den folgenden Absätzen geht es um die Entwicklung, die der Begriff "toxische Männlichkeit" zurückgelegt hat, der zunächst von Männer-Aktivisten verwendet wurde, um tatsächlich problematisches Verhalten zu beschreiben. Das ergibt auch meiner Einschätzung nach durchaus noch Sinn: Typen, die zum Beispiel Schwule zusammenschlagen oder sich Autorenen durch die Innenstadt liefern müssen, um ihre Männlichkeit zu beweisen, sind natürlich kritisierenswert.

Der Begriff durchdrang nach und nach die akademische Sozialwissenschaft, aber wie Dr. Carol Harrington, eine neuseeländische Soziologin mit dem Schwerpunkt Politik der sexuellen Gewalt, in einem GQ-Artikel aus dem Jahr 2024 erklärte ("The Strange History of ‚Toxic‘ Masculinity"), explodierte die Verwendung des Begriffs um die Zeit der #MeToo-Bewegung und der ersten Trump-Präsidentschaft, als er weithin als "Schimpfwort für ... mächtige Männer, von denen wir irgendwie nicht loskommen" verwendet wurde. Danach wurde der Ausdruck von Studenten, Akademikern, Journalisten, Politikern, der American Psychological Association, Verbrauchermarken wie Gillette und Aktivisten auf allen Seiten in einer im Wesentlichen wahllosen Weise verwendet.

Ein flüchtiger Blick in die Online-"Literatur" zeigt, dass der Begriff routinemäßig falsch interpretiert und von vielen Männern als beleidigend empfunden wird. In Ermangelung einer allgemeingültigen Definition räumt Dr. Harrington ein, dass es sich um eine "Kurzform" handelt, um ein Problem zu beschreiben, das zwar sehr real, aber für einige Personen spezifisch ist, und nicht um eine inhärente oder universelle Eigenschaft aller Männer. "Letztendlich", so heißt es in dem GQ-Artikel, "ist toxische Maskulinität eine Metapher, keine wissenschaftliche Theorie" für aggressive, dominante Männer, und obwohl es solche Typen immer geben wird, ist ein unvorsichtiger Gebrauch des Begriffs absolut nicht hilfreich.

(…) Ich glaube sogar, dass wir in der westlichen Welt ein großes und unterschätztes Problem der "toxischen Anti-Männlichkeit" haben. Dies ist eine Art Umkehrung der Frauenfeindlichkeit, die im 19. Jahrhundert vorherrschte, als "Hysterie" - ein spezifisch weiblicher "unkontrollierbarer emotionaler Exzess" (der von den alten Ägyptern zuerst einem "wandernden Uterus" zugeschrieben wurde, wobei hystera das griechische Wort für Uterus ist) - eine gängige Diagnose war.

Spulen wir ins 21. Jahrhundert vor, und es ist der Mann der Spezies, bei dem nun routinemäßig "toxische Männlichkeit" diagnostiziert wird, ein weiteres eindeutig geschlechtsspezifisches Problem, das auf "zu viel Testosteron" zurückgeführt wird.

Interessanterweise haben wir erst in letzter Zeit - dank der Populärkultur - entdeckt, dass dieser evolutionäre "Fehler" nicht nur für unkontrollierbare Wut, Gewalt und den unwiderstehlichen Drang, zu dominieren und zu mansplainen, verantwortlich ist, sondern dass er Männer auch lächerlich dumm macht, wenn es um Hausarbeit, Multitasking und Kindererziehung geht (wie uns Werbung und Liebesfilme jeden Abend online und im Fernsehen zeigen).

Die Geschichte des jungen Jamie [in "Adolescence"] mag insofern ein Gleichnis für unsere Zeit sein, als sie die beklagenswerten Online-Rekrutierungs-Sergeants (wie die berüchtigten frauenfeindlichen Tate-Brüder) entlarvt, aber die Tates und ihresgleichen bedienen einen viel beunruhigenderen zugrunde liegenden - und aufkeimenden - männlichen Groll und dessen alarmierende Auswirkungen.

(…) Ich akzeptiere, dass viele junge Männer heute glauben, sie haben dasselbe Recht, wütend zu sein, wie die Suffragetten vor einem Jahrhundert, und genauso militant. Kurz gesagt, sie fühlen sich enteignet, entmachtet und mit einer Welt konfrontiert, in der ihre Möglichkeiten künstlich eingeschränkt werden.

Junge Männer zu dämonisieren, männlichen Teenagern zu sagen, sie seien Teil des "Patriarchats" (schuldig an den "Sünden" ihrer Vorfahren) und ihre Träume in einem antimaskulinen Ökosystem zu zerstören, ist also nicht nur ungerecht, sondern auch zutiefst gefährlich, weil es die Ressentiments nährt, die die alten Griechen als Quelle des Krieges bezeichneten.

Angesichts dieser Beobachtungen - insbesondere der letzten - bezweifle ich nicht, dass meine Mutter über die Auswirkungen der heutigen toxischen Anti-Männlichkeit gesagt hätte:

"Nun, was hat man denn anderes erwartet?!"




Mittwoch, April 02, 2025

"Bei einer Frau als Täter sehen Sexualvergehen anders aus"

Vergangene Woche hatte Genderama eine Meldung über die isländische Ministerin Ásthildur Lóa Thórsdóttir verlinkt, die von ihrem Amt zurückgetreten ist, weil jetzt bekannt wurde, dass sie vor 30 Jahren ein Kind mit einem Teenager hatte. Die kanadische Hochschullehrerin und Professorin Janice Fiamengo, die ohnehin gerade einen Lauf mit Beiträgen über Sexualtäterinnen hat, macht in einem neuen Beitrag anhand der Ministerin deutlich, wie anders der Umgang mit solchen Taten aussieht, wenn die Täterin weiblich ist. Ich habe ihn für Genderama ins Deutsche übersetzt.



Letzte Woche wurde enthüllt, dass Ásthildur Lóa Thórsdóttir, Islands Ministerin für Bildung und Kinder, vor Jahrzehnten eine sexuelle Beziehung mit einem minderjährigen Jungen hatte, als sie 23 Jahre alt war. Der Fall verdeutlicht die Doppelmoral des Westens bezüglich sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen und offenbart Grauzonen in der opferzentrierten Scheinheiligkeit.

Dass der Fall in Island stattfand, einer feministischen Hochburg mit einer weiblichen Präsidentin, einer weiblichen Premierministerin und einer angeblichen "Null-Toleranz-Politik gegenüber sexuellem Missbrauch und Ausbeutung von Kindern", ist keineswegs überraschend. Niemand erwartet ernsthaft, dass Feministinnen ihr propagiertes Mitgefühl auf männliche Teenager anwenden; und niemand glaubt, dass ihr Eintreten für Gleichberechtigung sexuelle Rechtschaffenheit für Frauen einschließt.

Island ist so gründlich feministisch, dass sich 2023 die Premierministerin selbst anderen Frauen bei einem eintägigen Streik anschloss, um unter anderem utopische Ziele wie "ein Ende der ungleichen Bezahlung" zu fordern, während sie geschickt umging (und gleichzeitig veranschaulichte), dass der sogenannte Lohnunterschied hauptsächlich durch die Tendenz von Frauen verursacht wird, weniger Stunden zu arbeiten als Männer. Die moralische Unschuld der Frau ist ein so geschätzter Glaube der nordischen Insel, dass sie 2025 zum Frauenjahr erklärt hat, mit "12 Monaten voller Veranstaltungen, die der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter gewidmet sind". (Interessierte Leser sollten einen schwärmerischen Artikel im Guardian, "Women are the best to women", konsultieren, der Island als eine nahezu idyllische, von Frauen geführte Gemeinschaft darstellt, in der Männer kaum eine Rolle spielen.)

Offensichtlich sind, wenn die mächtigste Frau des Landes sich einen Tag freinehmen kann, um den angeblichen Mangel an Macht der Frauen zu demonstrieren, nur wenige Frauen bereit, ihren eigenen potenziellen Missbrauch dieser Macht in Betracht zu ziehen. Das bringt uns zur Ministerin für Kinder, die letzte Woche fassungslos schien, als sie feststellte, dass ihre längst vergangene sexuelle Vergangenheit zum Gegenstand wenig mitfühlender öffentlicher Diskussion und Vorwürfe schwerwiegenden Fehlverhaltens geworden ist. "Ich verstehe ... wie es aussieht", wird sie von Reportern zitiert, scheinbar verärgert darüber, wie schwierig es ist, "die richtige Geschichte heute in die Nachrichten zu bringen". Mit 58 Jahren bekommt Thórsdóttir einen kleinen Einblick in das, was Tausende von Männern erlebt haben, seit der Feminismus in seine jakobinische Phase eingetreten ist.

Vor über drei Jahrzehnten begann Thórsdóttir eine Beziehung mit einem 15-jährigen Jungen, der ihre Kirchengruppe besuchte. Er wurde als Eirik Asmundsson identifiziert. Er war ein problematischer Junge mit einem chaotischen Familienleben, und sie war ein erwachsenes Mitglied der Gruppe; Zeitungsartikel haben behauptet, dass sie eine Gruppenberaterin war, was sie bestreitet. Sie behauptet, dass die Beziehung erst sexuell wurde, als der Junge 16 war, und dass er sie verfolgte.

Natürlich: Wenn ein männlicher Regierungsminister dabei ertappt worden wäre, sexuell mit einem 15- oder 16-jährigen Mädchen involviert gewesen zu sein, sie geschwängert und sich dann von ihr getrennt zu haben, als er 22 war, besonders wenn er Teil einer religiösen Organisation war, in der er einen gewissen moralischen oder spirituellen Einfluss auf sie hatte, hätte es in der Öffentlichkeit keinerlei Zweifel an seiner Schuld gegeben.

Alle Nachrichtenberichte wären verurteilend gewesen, und seine Beteuerungen, wenn er naiv genug gewesen wäre, welche abzugeben, wären vergeblich gewesen. Es hätte einen Chor missbilligender Äußerungen seiner Politiker-Kollegen im isländischen Parlament gegeben. Er wäre gezwungen worden, von der Regierung zurückzutreten, und würde wahrscheinlich einer strafrechtlichen Untersuchung gegenüberstehen, vielleicht wegen Vergewaltigung in einem Betreuungsverhältnis (Sex mit einer Jugendlichen in seiner Anstellung, Obhut oder Aufsicht).

In Thórsdóttirs Fall hingegen gab es nur eine kurze Schar von Berichten und begrenzte persönliche Konsequenzen. Sie wurde gezwungen, von ihrem Ministerposten zurückzutreten, bleibt aber in der Regierung. Dass sie ihren Job behalten hat, ist außergewöhnlich. Die Daily Mail, ohne sie zu verteidigen, schwankte bezüglich der möglichen Strafbarkeit ihrer Taten und schrieb: "Das Schutzalter in Island ist 15, aber es ist illegal, Sex mit jemandem unter 18 zu haben, wenn der Erwachsene eine Autoritätsposition gegenüber dieser Person innehat, wie es Thorsdottir vorgeworfen wird."

Selbst die Premierministerin, Kristrún Mjöll Frostadóttir, hat sich eines Urteils enthalten und gesagt, dass sie wenig über die Geschichte wisse und dass "dies eine sehr persönliche Angelegenheit [ist] [und] aus Respekt vor der betroffenen Person werde ich mich nicht zur Sache äußern." Wenn Thórsdóttir ein Mann gewesen wäre, hätte sich die Premierministerin natürlich überschlagen, um sein sexuelles Fehlverhalten zu verurteilen und dem Opfer ihre Unterstützung auszusprechen. Er wäre sofort zu einer Unperson geworden.

Thórsdóttir selbst hatte ziemlich viel zu sagen, nichts davon entschuldigend. Was einer Anerkennung ihrer Verantwortung am Nächsten kam, war, in einem Interview darauf hinzuweisen, wie lange der Vorfall zurückliegt: "Es sind 36 Jahre vergangen, viele Dinge haben sich in dieser Zeit geändert, und ich hätte diese Probleme heute definitiv anders angegangen." Ich bin sicher, viele beschuldigte Männer haben genau dasselbe empfunden. Der Unterschied ist natürlich, dass beschuldigte Männer keine faire Anhörung bekommen, um sich zu verteidigen.

Soweit, so vorhersehbar: die üblichen Doppelstandards, die Frau, die mit missbräuchlichem Verhalten davonkommt, das männliche Opfer ignoriert.

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Ich war bereit, dass dies das Ende der Geschichte sein würde - und ich hatte einen ganzen Aufsatz zum obigen Thema geschrieben, überzeugt von der Schuld der Frau - bis ich Thórsdóttirs Erklärung las, die sie am Tag nach ihrem Rücktritt veröffentlichte. Die Erklärung trübte meine frühere Klarheit.

Nicht überraschend zeigt sie ihre Ablehnung der Verantwortung und den völligen Mangel an Einfühlungsvermögen für Asmundsson. Jedes Wort scheint darauf ausgelegt zu sein, sich gegen moralische oder strafrechtliche Haftung zu verteidigen. Doch unabhängig davon, wie selbstdienlich und engstirnig, gelingt es der Geschichte, die beschuldigte Frau zu vermenschlichen.

Was ich am Feminismus am meisten hasse, ist seine vielfältige Unfähigkeit, die Menschlichkeit von Männern anzuerkennen. Ich kann Thórsdóttir ihre nicht absprechen. Das Folgende erklärt warum.

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Zentral in Thórsdóttirs Erzählung ist ihre Selbstdarstellung als 22-jährige Naive, "völlig unerfahren in Liebesangelegenheiten", die von einem "aggressiven" Jungen zermürbt wurde, der sich in "etwas engagierte, das heute als Stalking bezeichnet würde". An dieser Stelle ihrer Geschichte schien Thórsdóttir kurz davor zu stehen, sich als Asmundssons Opfer darzustellen. Dennoch hielt sie inne und konzentrierte sich auf ihre Flut von Emotionen in einer bemerkenswerten Passage, die Rationalisierung mit Selbstenthüllung verbindet. Ihre erste sexuelle Begegnung wird als etwas beschrieben, das ohne ihre volle Zustimmung geschah, obwohl es erforderte, dass sie Asmundsson, der in der Scheune auf dem Grundstück ihres Vaters schlief, in ihr Haus einlud:

"Ich fühlte mich schuldig ihm und seinen Gefühlen gegenüber, die er so offen vor sich her trug, und ich konnte sie nicht erwidern, obwohl ich ihn liebte. Ich war auch besorgt über ihn und seine Umstände, die in vielerlei Hinsicht schwierig waren, und ich wollte ihn unterstützen und ihm in jeder möglichen Weise helfen. Es war in einer solchen Nacht Ende September 1989, dass ich ihn hereinließ. Er war 16 Jahre alt, und ich konnte mit der Situation einfach nicht umgehen."

Dieser letzte Satz scheint beabsichtigt zu sein, Thórsdóttir von jeglicher Verantwortung freizusprechen: Sie war überfordert; er war alt genug, um seine eigenen sexuellen Entscheidungen zu treffen. Aber es liest sich auch wie eine bizarre Selbstanklage. Wenn eine 22-jährige Frau mit der Situation eines fast obdachlosen, gerade 16 gewordenen Jungen, der sexuellen Trost und Liebe suchte, nicht "umgehen" konnte, zu welchem Zeitpunkt könnte man ihr vertrauen, dies zu tun? (Infantilisierung ist die immerwährende Achillesferse des Feminismus.)

Die restliche Erzählung baut einen Fall gegen Asmundsson auf, und sie tut dies mit einer solchen moralischen Überzeugung, dass es leicht ist zu vergessen, dass sie einen jugendlichen Jungen beschreibt. Zur Zeit der Geburt ihres Sohnes hatte Thórsdóttir nach eigenen Angaben fast vollständig den Kontakt zum Vater verloren, der ihr deutlich gemacht hatte, dass er kein Interesse mehr daran hatte, mit ihr zusammen zu sein. Er tauchte jedoch bei der Entbindung im Krankenhaus auf.

Danach wurde die Beziehung distanziert und angespannt. Besuche zwischen Vater und Sohn wurden geplant, aber Asmundsson erschien nicht immer. Thórsdóttir stellt sich selbst als jemand dar, der wiederholt gutgläubige Bemühungen unternommen hat, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, bevor sie schließlich den Versuch aufgab. Es ist ohne unterstützende Aussagen unmöglich zu wissen, wie korrekt ihre Darstellung ist.

Als das Kind etwa zweieinhalb Jahre alt war, erhielt sie eine Vorladung vom Justizministerium, um den Kontakt mit dem Vater zu erlauben. Zu diesem Zeitpunkt weigerte sie sich. "Angesichts dessen, was vorher passiert war," schrieb sie, "vertraute ich ihm einfach nicht, diese Verantwortung zu erfüllen." Begrenzter Kontakt wurde schließlich angeordnet (magere 2 Stunden pro Monat im Haus ihres Vaters), aber Thórsdóttir besteht darauf, dass man sich nie darauf verlassen konnte, dass Asmundsson da sein würde (sie sagt nicht, ob sie ihn jemals im Stich ließ).

Die Erzählung schwankt an diesem Punkt zwischen widersprüchlichen Anschuldigungen in einem Gewirr aus Groll und nicht eingestandener Schuld. Thórsdóttir verurteilt den Vater ihres Sohnes dafür, dass er dem Jungen "nie" ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk geschickt hat, nie die Initiative ergriffen hat, mit ihm zu kommunizieren; im nächsten Absatz verurteilt sie ihn dafür, dass er "unangekündigt aufgetaucht" ist mit einem Geburtstagsgeschenk, als ihr Sohn drei wurde. Aus reiner Bosheit, so scheint es, ließ sie ihn bei dieser Gelegenheit seinen Sohn nicht sehen und sagte ihm, dass es "nicht passieren würde. Er müsste eine Einladung im Voraus machen, und wir müssten eine gemeinsame Zeit für ihre Treffen finden."

Ein Jahr später bat der Vater des Kindes darum, seinen Sohn für ein Wochenende bei sich zu haben, aber sie lehnte erneut ab und sagte, dass er seinen Sohn nicht kenne. Man kann erkennen, in welches Licht sie den Vater eifrig rückte. Dennoch bestreitet sie jede Rolle in den verschiedenen Fällen mangelnder Nachverfolgung und sagt, dass sie nie wusste, wo der Vater lebte oder wie seine Telefonnummer war. Sie erinnert sich vage daran, dass er vielleicht versucht hat, wieder Kontakt aufzunehmen, als ihr Sohn acht Jahre alt war, aber sie zeichnet nicht auf, was dann passierte.

Man kann Thórsdóttirs Frustration und Groll spüren, der sich steigert, während sie diesen Teil der Geschichte erzählt, von Asmundssons Unzuverlässigkeit, ihrer eigenen Last: "Ich glaube, dass der Vater des Kindes vier oder fünf Mal daran dachte, dass er den Jungen treffen wollte, und es scheint immer nach seinen Bedingungen und wann es ihm passte gewesen zu sein. Es gab nie eine Nachverfolgung seinerseits oder eine Bereitschaft, sich zu bemühen, Kontakt mit dem Kind aufzunehmen. Als Vormund des Kindes hatte ich die Pflicht, mich darum zu kümmern, und ich habe ein völlig reines Gewissen gegenüber meinem Sohn und dem Vater des Kindes in dieser Hinsicht."

Dies ist Thórsdóttirs Wahrheit: unfair, aber wahrscheinlich nicht unbegründet. Von dem Moment an, als sie schwanger wurde, trat sie in eine Welt der Verantwortung ein, die ihr Mitgefühl für die Kämpfe, die der Vater ebenfalls durchmachte, aufzehrte. Als die Jahre vergingen und er ihr uninteressiert an seinem Sohn erschien, hatte sie einigen Grund anzunehmen, dass er kein wirkliches Recht auf ihn hatte. Ihre monatliche Annahme seines Geldes ist einer der am wenigsten verteidigbaren Teile ihres Verhaltens, und sie hatte sicherlich Unrecht, ihrem Sohn die Chance zu verwehren, seinen Vater kennenzulernen; aber sie wurde durch die unerbittliche Anti-Vater-Propaganda unserer Zeit unterstützt. Asmundsson wird in Thórsdóttirs Geschichte stimmlos gemacht. Er hat die Ereignisse mit ziemlicher Sicherheit anders erlebt, nicht zuletzt, weil er selbst noch recht jung war während der frühen Jahre im Leben seines Sohnes, etwas, das Thórsdóttir nie anerkennt. Es ist ein wenig unverschämt, ihn dafür zu verurteilen, dass er Kontakt zu seinem Kind haben wollte, "wenn es ihm passte" (wahrscheinlich arbeitete er viel, um Kindesunterhalt zu zahlen), und es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass eine solche Anschuldigung verwendet würde, um die Anfragen einer jungen Mutter abzulehnen. Thórsdóttirs jahrelange Obstruktion wird vielen Vätern sehr vertraut sein, die vergeblich versucht haben, Vereinbarungen zu treffen, um ihre Kinder zu sehen.

Man kann sich leicht vorstellen, wie die Unwilligkeit der Mutter zu vertrauen oder zu vergeben, Asmundssons Selbstvertrauen und Engagement behindert hätte. Er hat vielleicht begonnen zu fühlen, dass es ihm nie erlaubt sein würde, seinen Sohn kennenzulernen. Wie schade, dass, nachdem er sich in so jungen Jahren als Vater wiederfand, seine Tragödie nun Fremden als Teil von Thórsdóttirs Selbstrechtfertigung bekannt gemacht wird. Wir werden wahrscheinlich nie seine Sichtweise erfahren.

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Trotz der wahrscheinlichen Auslassungen, Übertreibungen und vielleicht sogar direkten Unwahrheiten in Thórsdóttirs Bericht scheint er keine komplette Lüge zu sein. Sie scheint weder unschuldig noch bewusst ausbeuterisch gewesen zu sein. Obwohl ich mich irren könnte, vermute ich, dass sie eher durch Egoismus als durch Lust zu Asmundsson hingezogen wurde, berauscht von einem stürmisch attraktiven Teenager, der ihr das Gefühl gab, dass er sie brauchte. Später fehlten ihr die guten Prinzipien und das Mitgefühl, um ihren Groll zu überwinden und seinen Standpunkt zu sehen.

Ihre Handlungen waren falsch, und sie müssen ihn verletzt haben. Aber ich bezweifle, dass der Gerechtigkeit gedient wäre, wenn sie vor Gericht gestellt würde, selbst wenn ein Fall für Vergewaltigung in einem Betreuungsverhältnis klarer wäre, als er ist. Ich hatte oft ähnliche gemischte Gefühle bei Fällen sexueller Übertretungen, de von Männern begangen wurden. Die Täter scheinen oft eher unbeholfen als bösartig, eher töricht als niederträchtig und nicht mächtiger - oft weniger mächtig - als diejenigen, die sie verletzten oder nicht verletzten.

Wir haben aus gutem Grund Gesetze über Einwilligung, und wir sollten klare Sexualverbrechen verfolgen. Aber wir sollten auch angemessene Vorsicht walten lassen. Unser gegenwärtiges System, das männliche Schuld und weibliche Unschuld annimmt und sich vorstellt, dass nur Mädchen sexuelle Verletzungen erfahren, ist ungerecht und der menschlichen Natur nicht treu. Bei beiden Geschlechtern gibt es Sexualtäter, die Leid verursachen; ebenso gibt es junge Menschen, die schwache Erwachsene in Versuchung führen. Thórsdóttirs Geschichte, in der jede Partei die andere verriet, lädt uns ein, diese Fälle in all ihrer menschlichen Komplexität zu betrachten, sei die beschuldigte Person männlich oder weiblich.




Dienstag, April 01, 2025

USA: Frauen heiraten zunehmend "nach unten"

1. Im linksliberalen Magazin The Atlantic berichtet Stephanie Murray über die wachsende Häufigkeit von Ehen, bei denen Frauen besser ausgebildet sind als Männer. Ein Auszug:

Vor langer Zeit war es in den Vereinigten Staaten üblich, dass hoch gebildete Männer weniger gebildete Frauen heirateten. Doch ab Mitte des 20. Jahrhunderts, als immer mehr Frauen ein College besuchten, schienen sich die Ehen zumindest in einer Hinsicht in eine egalitärere Richtung zu entwickeln: Immer mehr Männer und Frauen begannen, sich mit ihren gleichwertigen Partnern zu vereinen. Dieser Trend scheint jedoch in den letzten Jahren zum Stillstand gekommen zu sein und sich sogar umgekehrt zu haben. Die Unterschiede in der Bildungserfahrung heterosexueller Paare nehmen wieder zu. Und dieses Mal? Es sind die Frauen, die "nach unten heiraten".

Forscher streiten darüber, ob Ehen zwischen gleichwertig Ausgebildeten - Homogamie - im Rückgang begriffen sind. Eines ist jedoch klar: Das Phänomen, dass Frauen Männer mit geringerer Bildung als sie selbst heiraten, was Wissenschaftler als "Hypogamie" bezeichnen, ist auf dem Vormarsch. Tatsächlich ist es heute wahrscheinlicher, dass Frauen einen weniger gebildeten Mann heiraten als Männer eine weniger gebildete Frau.

Christine Schwartz, Soziologieprofessorin an der University of Wisconsin in Madison, hat mir Daten über die Entwicklung des Bildungsprofils heterosexueller Ehepaare zwischen 1940 und 2020 vorgelegt. Ihren Berechnungen zufolge teilten im Jahr 2020 in 44,5 Prozent der heterosexuellen Ehen die Eheleute das gleiche Bildungsniveau, während es Anfang der 2000er Jahre noch mehr als 47 Prozent waren. Von den bildungsmäßig gemischten Ehen war die Mehrheit - 62 Prozent - hypogam, 1980 waren es noch 39 Prozent. Benjamin Goldman, Wirtschaftsprofessor an der Cornell University, hat die Zahlen etwas anders ausgewertet und herausgefunden, dass von den 1930 geborenen Amerikanern 2,3 Prozent in einer Ehe landeten, in der die Frau einen vierjährigen Abschluss hatte und der Mann nicht. Bei den 1980 Geborenen lag dieser Anteil bei 9,6 %. (Dieser Trend ist wohl kaum nur in den Vereinigten Staaten zu beobachten; Hypogamie wird überall auf der Welt häufiger.)

Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern in den Vereinigten Staaten sind in einer schwierigen Phase. Junge Frauen und Männer scheinen sich politisch zu entfremden. Immer weniger Menschen gehen aus, heiraten oder bekommen Kinder. Einige Kommentatoren argumentieren, dass es nicht genügend geeignete Junggesellen gibt, die den Ansprüchen moderner Frauen genügen. In der Zwischenzeit behauptet eine wachsende "Manosphäre", dass der Aufstieg der Frauen für alle möglichen Probleme einsamer, ungebundener Männer verantwortlich ist.


"Die Manosphäre behauptet gar nichts. Verschiedene Leute äußern unterschiedliche Ansichten.

Der Aufstieg der besser ausgebildeten Ehefrau wirft eine Reihe von Fragen auf, auf die wir keine vollständigen Antworten haben: Was zieht die Menschen zu diesen Beziehungen? Haben die Fortschritte der Frauen auf dem Arbeitsmarkt ihnen mehr Spielraum gegeben, die Person zu heiraten, die sie lieben, oder finden sie sich einfach mit den Dingen ab? Wie teilen sich diese Paare die bezahlte und unbezahlte Arbeit auf? Sind sie glücklich, oder ist ihr unkonventionelles Arrangement eine Belastung? Wir wissen nicht einmal, ob diese Paare besonders fortschrittlich sind, sagte mir Nadia Steiber, Soziologieprofessorin an der Universität Wien, die ein mehrjähriges Projekt zur Untersuchung der Hypogamie leitet. Man könnte meinen, dass Frauen, die mit weniger gebildeten Männern verheiratet sind, Überfeministinnen sind, die sich gerne den traditionellen Geschlechterrollen entziehen. Und doch neigen Männer mit geringerer Bildung dazu, traditionellere Ansichten über die Geschlechter zu vertreten - was darauf hindeuten könnte, dass die hoch gebildeten Frauen, die sie heiraten, ebenfalls traditionellere Ansichten vertreten oder zumindest dafür offen sind.

Auch wenn sich ändernde Normen und Vorlieben nicht die Ursache für die Zunahme der Hypogamie sind, scheinen sie sich doch in Verbindung mit ihr zu entwickeln. In der World Values Survey, in der untersucht wird, wie sich Werte und Überzeugungen von Land zu Land unterscheiden und im Laufe der Zeit verändern, werden die Menschen regelmäßig gefragt, ob sie der Meinung sind, dass "eine Frau, die mehr Geld verdient als ihr Mann, mit ziemlicher Sicherheit Probleme verursachen wird". Schwartz und ihre Forscherkollegen haben herausgefunden, dass die Menschen in Ländern, in denen Frauen mehr Bildung haben und Hypogamie stärker verbreitet ist, dieser Aussage seltener zustimmen. Und die Tatsache, dass sich Frauen und Männer trotz ihrer Bildungsunterschiede zusammentun, deutet darauf hin, dass die Präferenzen vielleicht flexibler sind, als manche Leute annehmen. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass "Vorlieben keine feste Sache sind", so Schwartz. Die Menschen reagieren "ziemlich schnell auf die Verfügbarkeit von Partnern".


Auf Ursachen für diese Entwicklung wie die wachsende Bildungskrise bei Jungen geht der Artkel nicht ein.



2. Der Deutschlandfunk stellt fest: Es fehlt an Büchern für junge Männer.

Auffällig ist es aber schon: Gab es früher noch große Romane, die explizit die Lebenswelt junger – oft verlorener – Männer in den Mittelpunkt rückten, fehlen diese Erzählungen heute fast völlig. Früher war die Komplexität männlicher Adoleszenz noch ein literarischer Lieblingstopos. Von Philip Roth über den jungen Bret Easton Ellis bis zu Wolfgang Herrndorf gab es bis vor einigen Jahren stets eine Reihe Autoren, die vor allem und explizit Männer angesprochen haben.

Schaut man sich die Bestseller-Listen heute an, scheinen höchstens noch Ratgeber- und Selbsthilfebücher zweifelhafter Unternehmer und vermeintlicher Finanzexperten das Interesse junger Männer zu locken. Dass Männer sich von der Literatur verabschiedet haben, zeigt sich auch an Hochschulen: Frauen machen bundesweit 79 Prozent der Studierenden an Germanistik-Instituten aus.

(…) Die Branche müsste sich deshalb stärker darum kümmern, diese Zielgruppe wiederzuentdecken. Sie müsste aktiv nach Autoren suchen, die von Corona, wachsender Zukunftsangst und einer neuen gesellschaftlichen Militarisierung geprägt sind und erzählen können. Wenn in Koalitionsverhandlungen über die Möglichkeit diskutiert wird, ganze Jahrgänge junger Männer wieder zu Soldaten auszubilden – wo ist dann die Literatur, die dieser Generation hilft, damit umzugehen? Im Moment gibt es sie leider nicht.




3. Wolfgang Schmitt beschäftigt sich in seinem Youtube-Kanal "Die Filmanalyse" jetzt auch mit der Netflix-Serie "Adolescence". Dabei wird deutlich, dass das, worauf die maskulistische Bewegung seit Jahrzehnten aufmerksam macht, inzwischen als bekannt gelten darf: Die unschöne Situation der Männer in unserer Gesellschaft, erklärt Schmitt, hat auch wirtschaftlich so starke Folgen, dass man sie eigentlich nicht immer weiter stur ignorieren darf. Was aber "Adolescence" auch anspreche, sei, dass dass unserer Gesellschaft junge Männer eigentlich egal seien: "Was wir daran sehen, dass die gesamte Hauptstadtpresse bereit ist, die Wehrpflicht für junge Männer wieder einzuführen. Bereit ist, aus ihnen Kanonfutter zu machen. Und wenn diese Männer dann doch überleben sollten, können sie sich ganz am Ende noch einmal von Sara Bosetti erzählen lassen, dass sie toxisch sind."



Montag, März 31, 2025

Sind wir bereit, unsere Söhne in den Krieg zu schicken?

1. "Sind wir bereit, unsere Kinder in den Krieg zu schicken?" fragt Lothar Gorris auf Spiegel-Online, und auch wenn sich unter tausend Männern vielleicht zwei Frauen finden werden, geht es ja doch hauptsächlich um unsere Söhne. Ein Auszug aus dem Artikel:

Was für ein Gedanke. Den eigenen Sohn in den Krieg schicken, um im Baltikum oder sonst wo in Europa irgendwann die Demokratie mit dem eigenen Leben zu verteidigen? Erst mal eine ziemlich unväterliche Idee. Sie klingt ein wenig präheroisch in postheroischen Zeiten und auch anmaßend. Andererseits: Amerikanische Väter haben vor mehr als 80 Jahren auch ihre Söhne nach Europa geschickt. Mag man sich das vorstellen? Den Sohn in New York zu verabschieden und zuzusehen, wie er das Schiff nach Europa besteigt? Aber was damals richtig und sinnvoll war, muss ja heute nicht falsch sein, nur weil es so lange her zu sein scheint und man seitdem ein Leben mit eingebauter Friedensgarantie lebte.


In den letzten Absätzen des Artikels heißt es:

Werden wir also unsere Kinder, übrigens nicht nur unsere Söhne, sondern auch unsere Töchter, so viel Feminismus muss sein, irgendwann am Kasernentor verabschieden und in den Krieg schicken?


Dass man im ähnlichen Ausmaß Töchter wie Söhne an die Front schickt, glaube ich, wenn ich es sehe. So ernst war das mit Gleichberechtigung und Gleichstellung dann doch nicht gemeint.



2. Die Grünen schlagen einen verpflichtenden "Freiheitsdienst" für beide Geschlechter und alle Altersstufen vor.



3. Spiegel-Online widmet sich auch dem Thema Falschbeschuldigungen:

Sie erfand Vergewaltigungs- und Foltervorwürfe, brachte ihre Eltern ins Gefängnis. Die Geschichte der Josephine R. klang schon immer unglaublich. Und dennoch glaubten Anwälte und Richter ihr, jahrelang. Wie konnte das passieren?


Hier geht es weiter. In dem Artikel heißt es auch:

Den Opfern Glauben zu schenken, war eine wichtige Forderung der #MeToo-Bewegung. Im Zweifel für das Opfer: Ohne diese Grundhaltung wäre der Braunschweiger Justizskandal kaum möglich gewesen.

(…) Auch Richter können irren, es gibt viele Beispiele juristischer Kunstfehler. 2001 etwa wurde in Hannover ein Mann beschuldigt, die 15-jährige Tochter eines Bekannten vergewaltigt zu haben. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn zu fast 13 Jahren. Erst nach fünf Jahren zeigte sich, dass alles gelogen war. 2003 behauptete eine Jugendliche in Saarbrücken, ihr Pflegevater habe sie missbraucht. Eine Psychologin schätzte ihre Aussage als glaubhaft ein, das Landgericht Saarbrücken verurteilte den Mann. Er saß fast zwei Jahre lang in Haft. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass die Aussage falsch war, das Gutachten mangelhaft.

Die Wahrheitssuche hat viele Feinde. Es gibt den hohen Erwartungsdruck auf Staatsanwaltschaft und Polizei, öffentlich einen Täter zu präsentieren. Es gibt die menschliche Neigung zur Sympathie mit dem Opfer. Und es gibt den Tunnelblick, der nur noch wahrnimmt, was die eigenen Erwartungen bestätigt.




4. Die umstrittene Plattform "Correctiv" berichtet in einem meinem Eindruck nach gelungenen Beitrag über sexuelle Gewalt gegen Fußballspieler.



5. Die Berliner "taz" ist empört: Die Logos des Mietwagenanbieters "Miles" werden nahezu flächendeckend von Vandalen zu "Milfs" abgewandelt, aber das Unternehmen sieht darin kein Problem und 95 Prozent der Berliner finden es witzig. Kümmert sich denn niemand mehr über die unzähligen frauenfeindlichen Mikroaggressionen in unserem Alltag?



6. Weil ein weißer cis-Mann auf der Bühne den schwulen Autor Thomas Mann spielen sollte, bekommt eine Theatergruppe von der Stadt Zürich kein Geld. In einem Artikel der Zeitung 20 Minuten darüber heißt es:

Nun interessiert sich die FDP für den Fall. Warum? Im Ablehnungsentscheid, der dem Tages-Anzeiger vorliegt, steht nämlich auch: "Die Kommission erachtet den Versuch, die Mechanismen der Herabsetzung von Minderheiten durch die Rolle des Performers von einer von der Kommission als ‹white passing cis-Mann› gelesenen Person erklären zu lassen, als nicht überzeugend."


Mir war nicht klar, dass unsere Kulturszene schon derart hinüber ist.



7. Wenn man Correctiv als Quelle zitiert, darf man von der anderen Seite auch auch Apollo News anführen. Dort heißt es in einem aktuellen Beitrag:

Ab kommendem Dienstag gelten in England und Wales neue Bestimmungen zur Verurteilung von Angeklagten. Die Richtlinie, die durch die unabhängige Regierungsbehörde, den "Sentencing Council" (zu Deutsch: Strafzumessungsrat) beschlossen wurde, schreibt vor, dass bestimmte Gruppen beim Strafmaß einen Vorteil erhalten.

So sollen Frauen, ethnische und religiöse Minderheiten sowie junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren in Zukunft im Fall einer Verurteilung "normalerweise" einen sogenannten "Presentence investigation report" (zu Deutsch: Bericht zur Untersuchung der Vorstrafen) erhalten. Diese Untersuchung dient dazu, die Tat im Kontext des sozio-kulturellen Hintergrunds des Täters zu setzen: Der Bericht wirkt damit meist strafmildernd.

Die Untersuchung muss durchgeführt werden, solange das Gericht sich nicht ausdrücklich dagegen entscheidet – bei geringeren Vergehen ist das jedoch oft der Fall. Durch die neuen Richtlinien wird davon jedoch, zumindest im Fall der bereits genannten Gruppen, abgeraten. Diese sollen also in Zukunft auch bei geringen Vergehen diese, oftmals strafmildernde, Behandlung erhalten. Weiße Männer und Christen gehören hingegen nicht zu den in den Richtlinien bevorzugten Gruppen, müssen also künftig mit höheren Strafen rechnen als andere, vermeintlich marginalisierte Engländer und Waliser.


Wie kommen die Leute nur immer wieder auf solche Ideen?



Freitag, März 28, 2025

"Wir sollten unsere Jungen wertschätzen – und nicht als verborgene Frauenfeinde behandeln"

1. Die Debatte um die Netflix-Serie "Adolescence" hat zu neuen erwähnenswerten Wortmeldungen geführt. So schreibt Celia Walden im britischen "Telegraph":

Wie Komapatienten, die aus einem 25-jährigen Dornröschenschlaf erwacht sind, regen wir uns plötzlich alle über diese Sache namens "Internet" auf. "Diese Jungen, die ihre Tage und Nächte in einer giftigen Online-Kultur verbringen", so die massenhaften Überlegungen. "Was, wenn das nicht gut für sie ist?"

Ich denke, das kann sehr wohl sein. Und wir hätten wahrscheinlich schon früher zu diesem Schluss kommen können. Aber ein Erwachen ist immer noch ein Erwachen, und während die Wissenschaftler, Soziologen und Verfechter der psychischen Gesundheit, die uns das schon seit Jahrzehnten sagen, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, sind alle damit beschäftigt, Lösungen für dieses "neue" Problem zu finden.

Eine davon, über die am Sonntag berichtet wurde, ist die Einführung von "Anti-Frauenfeindlichkeits-Kursen" in der Schule. Als Teil einer konzertierten Aktion zur Bekämpfung des wachsenden Einflusses von toxischen Gestalten wie Andrew Tate und einer breiteren "Incel-Kultur" will die Regierung diese Anleitung noch vor Ende des Schuljahres in den Unterricht über Beziehungen, Gesundheit und Sexualerziehung (RHSE) aufnehmen. Der Inhalt soll alles umfassen, von der "Komplexität romantischer und sexueller Beziehungen im wirklichen Leben" bis hin zur "Bewältigung schwieriger Emotionen, die sich auf Beziehungen beziehen können - einschließlich Enttäuschung oder Wut sowie des Einflusses frauenfeindlicher Online-Inhalte und der Auswirkungen von Pornografie auf die Sexualität." Dies sollte nur ein Schritt nach vorn sein. Eine positive Sache. Warum also erfüllt mich die Vorstellung mit Grauen?

Die Wahrheit ist, dass ich jegliches Vertrauen in die Schulen verloren habe - oder zumindest in ihre Fähigkeit, mit sensiblen Themen wie diesen vernünftig umzugehen. Wir haben ja gesehen, was mit der Inklusion und der Gender-Lehre passiert ist. In der einen Minute nicken wir weise zu dem Prinzip, dass unser Kind über Chancengleichheit und Respekt für alle unterrichtet wird, in der nächsten wird ihm beigebracht, dass es von Natur aus rassistisch, sexistisch und ausgrenzend ist. Die Einführung der Idee, dass wir uns nicht durch gesellschaftlich konstruierte Geschlechtsmerkmale gebunden oder gefangen fühlen sollten, ist offensichtlich eine gute Sache. Wir sind alle sehr verschieden. Nur wird den Kindern plötzlich gesagt, dass sie ihr biologisches Geschlecht in Frage stellen sollen und dass sie in der Tat aus 72 verschiedenen Arten wählen können, wenn sie wollen.

Warum sollte dieser Anti-Frauenhass-Unterricht anders sein? Weil ich mir nur allzu gut vorstellen kann, wie die Erzählung aussehen könnte. Wie bei der Critical-Race-Theorie würden die Lehrer den Jungen erklären, dass sie von Natur aus frauenfeindlich sind. Dass sie von dieser natürlichen Giftigkeit nur befreit werden können, wenn sie alle typisch männlichen Eigenschaften ablegen und mehr wie Mädchen werden. Und das würde das Problem nur verschärfen.

Die Jungen haben es satt, dass man ihnen sagt, sie seien die schlechten Äpfel. Jede Statistik spiegelt nun wider, wie schädlich diese Strategie war, von ihren schlechteren akademischen Leistungen bis hin zu ihrer Schulabbrecherquote. Heute wissen wir, dass 550 000 junge Männer weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren und dass zum ersten Mal in der Geschichte junge Männer weniger verdienen als Frauen (um neun Prozent).

Weil sie nicht mehr das Gefühl haben, dass es da draußen in der Welt einen Platz für sie gibt - wo ihre lauten Stimmen Unruhe stiften können und ihre Vorliebe für Direktheit als "aggressiv" ausgelegt wird -, sind sie in den Untergrund zu Leuten wie Tate getrieben worden.

Wenn wir wirklich versuchen wollen, die zunehmende Frauenfeindlichkeit bei Jungen und jungen Männern zu bekämpfen, sollten wir uns ansehen, was sie an den Influencern der "Manosphäre" so anziehend finden. Und die Antwort darauf ist übrigens ganz einfach: Es geht um den Wert. Diese zynischen, geldgierigen Drecksäcke sind nur deshalb so weit gekommen, weil sie Jungen das Gefühl geben, wertgeschätzt zu werden.

Auch das können wir tun. Wir können ihnen zeigen, dass sie für das geschätzt werden, was sie sind, und nicht für das, was sie sein könnten oder sollten, wenn sie alles an sich ändern, damit es "passt". Das allein würde schon so viele Ressentiments abbauen und den Respekt vor Frauen aufblühen lassen.




2. Der Männerrechtler und Psychotherapeut Tom Golden hat ein originelles Experiment unternommen und einfach die "Künstliche Intelligenz" von ChatGPT eine Analyse erstellen lassen, inwiefern die Serie "Adolescence" männerfeindlich ist. Hier ist das Ergebnis:

Die männerfeindliche Agenda in Netflix' "Adolescence"

Die Netflix-Serie "Adolescence" hat eine breite Debatte ausgelöst, insbesondere im Hinblick auf die Darstellung von Männlichkeit und männerorientierten Online-Räumen. Die Serie folgt einer beunruhigenden Prämisse: Ein 13-jähriger Junge, der angeblich von der so genannten "Manosphere" beeinflusst wird, begeht ein Gewaltverbrechen gegen ein junges Mädchen. Während die Medienkritik an der Online-Radikalisierung nicht per se problematisch ist, scheint "Adolescence" über eine mahnende Erzählung hinauszugehen und in den Bereich der ideologischen Propaganda vorzudringen. Die Serie konstruiert ein Narrativ, das die männliche Identität und Räume, die sich der Diskussion von Männerthemen widmen, pathologisiert. Wenn man die Prämisse der Serie, ihre selektive Darstellung männlicher Räume und das Fehlen von Präzedenzfällen in der realen Welt untersucht, wird deutlich, dass "Adolescence" tatsächlich ein Stück männerfeindlicher Propaganda ist.

= Eine erfundene und unbegründete Prämisse =

Eines der eklatantesten Probleme von "Adolescence" ist die weit hergeholte Natur seiner zentralen Prämisse. Der Gedanke, dass ein 13-jähriger Junge allein aufgrund des Kontakts mit der Manosphäre zu einem Mord getrieben wird, ist höchst zweifelhaft. Jugendgewalt ist zwar ein echtes Problem, vor allem im Vereinigten Königreich, aber es ist kein Fall bekannt, in dem ein Teenager ein Mädchen ermordet hätte, weil er Inhalte der Manosphäre konsumiert hat. Die meisten Gewalttaten von Jugendlichen in Großbritannien stehen im Zusammenhang mit Bandenkulturen, Konflikten im Zusammenhang mit Drogen oder persönlichen Streitigkeiten - und nicht mit ideologischer Indoktrination. Durch die Erfindung eines Szenarios, in dem ein Junge allein durch männliche Online-Räume zur Gewalttätigkeit radikalisiert wird, fabriziert "Adolescence" eine moralische Panik und macht Männergemeinschaften für Verbrechen verantwortlich, zu denen sie keinen wirklichen Bezug haben.

Darüber hinaus verkennt die Sendung, dass männerorientierte Online-Räume vielfältig sind. Die Manosphäre besteht im Großen und Ganzen aus Diskussionen zur Selbstverbesserung, Ratschlägen für die Partnersuche, Kritik an der modernen Geschlechterdynamik und - ja - einigen extremen Elementen. Die Behauptung, dass diese Räume direkten Weges Gewalttäter hervorbringen, vereinfacht die Realität und stellt sie falsch dar. Anstatt sich mit den Nuancen zu befassen, warum Jungen und Männer diese Räume aufsuchen, werden sie in "Adolescence" pauschal verteufelt und als nichts weiter als Brutstätten für Frauenfeindlichkeit und Gewalt dargestellt.

= Selektives Framing: Die Pathologisierung von Männlichkeit =

Über seine Prämisse hinaus verstärkt "Adolescence" einen breiteren Trend in den zeitgenössischen Medien: die systematische Pathologisierung von Männlichkeit. Männliche Kämpfe, insbesondere die von Jungen, die sich in der modernen Gesellschaft zurechtfinden müssen, werden selten mit Empathie erforscht. Wenn Jungen Wut, Entfremdung oder Verwirrung erleben, werden sie in den Medien oft als Bedrohung dargestellt und nicht als Individuen, die Unterstützung brauchen.

In "Adolescence" wird der junge männliche Protagonist als beeinflussbar, gefährlich und unfähig zum kritischen Denken dargestellt. Seine Reise in die Manosphäre wird als Abstieg in die Dunkelheit dargestellt, wobei die Tatsache ignoriert wird, dass viele Jungen auf der Suche nach Anleitung, Mentorschaft und Gemeinschaft diese Räume aufsuchen. Die Serie unternimmt keine Anstrengungen, um gesunde männliche Vorbilder, positive männliche Einflüsse oder die legitimen Beschwerden darzustellen, die junge Männer dazu bringen, diese Räume aufzusuchen. Stattdessen wird Männlichkeit als inhärent toxisch dargestellt, ohne die Möglichkeit einer positiven Ausprägung. Mit dieser Darstellung wird das schädliche Klischee aufrechterhalten, dass männliche Kämpfe kein Mitgefühl verdienen, sondern vielmehr gefürchtet und unterdrückt werden sollten.

Darüber hinaus werden die weiblichen Figuren in der Serie als passive Opfer dargestellt, ohne dass ihre eigene Komplexität erforscht wird. So entsteht eine einseitige Erzählung, in der die Frauen die unschuldig Leidenden und die Männer die Verursacher des Schadens sind. Ein ausgewogenerer Ansatz hätte den sozialen Druck untersucht, der sowohl auf Jungen als auch auf Mädchen ausgeübt wird, anstatt sich auf eine vereinfachte Gut-gegen-Böse-Schwarzmalerei zu konzentrieren.

= Ein breiterer kultureller Trend =

"Adolescence"ist kein isoliertes Beispiel – sie ist Teil einer breiteren kulturellen Bewegung, die darauf abzielt, Männerräume zu dämonisieren und Probleme zu ignorieren oder herunterzuspielen, die Männer und Jungen betreffen. In den letzten Jahren haben Mainstream-Medien zunehmend dazu tendiert, Männlichkeit selbst als Problem darzustellen. Begriffe wie "toxische Männlichkeit" werden häufig verwendet, um traditionelle männliche Verhaltensweisen zu kritisieren, während Themen wie Männer-Suizidraten, Vaterabwesenheit und Bildungsrückgang deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Dieser Trend ist besonders besorgniserregend, da er ein gesellschaftliches Klima schafft, in dem Männer und Jungen davon abgehalten werden, Unterstützung zu suchen. Wenn männerzentrierte Räume durchgehend als gefährlich oder hasserfüllt dargestellt werden, fühlen sich junge Männer möglicherweise ohne Anlaufstelle. Anstatt Jungen dabei zu helfen, zu ausgeglichenen Individuen heranzuwachsen, verstärken Mediendarstellungen wie in "Adolescence" die Vorstellung, dass männliche Identität grundsätzlich fehlerhaft und korrekturbedürftig sei. Dies ist nicht nur unfair, sondern potenziell schädlich, da es genau das Gefühl der Entfremdung verstärkt, das Jungen ursprünglich dazu bringt, alternative Gemeinschaften zu suchen.

= Die realen Konsequenzen von anti-männlichen Narrative =

Die Auswirkungen von Serien wie "Adolescence" gehen über die Unterhaltung hinaus. Kulturelle Narrative prägen die öffentliche Wahrnehmung und beeinflussen letztendlich Politik. Wenn Männlichkeit durchgehend als gefährlich dargestellt wird, beeinflusst dies, wie die Gesellschaft Jungen und Männer behandelt. Schulen, Arbeitsplätze und sogar Rechtssysteme könnten Richtlinien auf der Annahme basieren, dass Männer zu schädlichem Verhalten neigen.

Zum Beispiel hat der zunehmende Fokus auf die Bekämpfung von "männlicher Radikalisierung" – trotz mangelnder konkreter Beweise für einen Zusammenhang zwischen der Männerszene und weit verbreiteter Gewalt – zu Einschränkungen von Männer-Inhalten in sozialen Medien geführt. Gleichzeitig werden Diskussionen über Herausforderungen junger Männer oft abgetan oder als reaktionär bezeichnet. "Adolescence" trägt zu diesem feindseligen Klima bei, indem es die Idee verstärkt, dass Männerräume von Natur aus gefährlich sind und Jungen, die zeitgeistige Geschlechternarrative hinterfragen, potenzielle Bedrohungen darstellen.

= Fazit: Ein einseitiges und schädliches Narrativ =

Netflix' "Adolescence" ist keine bloße Warnung vor Online-Radikalisierung – die Serie ist ein ideologischer Angriff auf Männlichkeit und männerorientierte Räume. Durch die Konstruktion einer weit hergeholten Prämisse, selektive Rahmung männlicher Kämpfe und das Versäumnis, sich mit den eigentlichen Problemen junger Männer auseinanderzusetzen, fungiert die Serie als anti-männliche Propaganda. Anstatt eine differenzierte Diskussion über die Herausforderungen von Jungen in der modernen Gesellschaft zu fördern, versucht "Adolescence", männliche Räume zu delegitimieren und Männlichkeit selbst zu pathologisieren.

Diese Art von Mediennarrativen ist nicht nur irreführend, sondern schädlich. Indem sie Angst und Misstrauen gegenüber Jungen und Männern schürt, verhindert sie bedeutungsvolle Gespräche über männliche Herausforderungen und entfremdet diejenigen, die sich bereits verloren fühlen. Wenn uns das Wohlergehen junger Männer wirklich am Herzen liegt, müssen wir über ideologische Darstellungen hinausgehen und ehrliche Diskussionen über ihre Herausforderungen führen. Leider tut "Adolescence" das Gegenteil und wählt Sensationalismus statt Wahrheit und Spaltung statt Verständnis.




3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Guten Tag, Herr Hoffmann,

für Ihr Blog habe ich ein denkwürdiges Beispiel für Framing entdeckt. Es geht um einen Rechtsfall, auffindbar beim LG Ansbach, Beschluss vom 04.03.2025 - Ks 1060 Js 3390/23: Eine Frau beauftragte gemeinsam mit ihrem Liebhaber jemanden mit der Ermordung ihres Mannes. Der Beauftragte nahm jedoch lediglich das Geld, ohne den Mord auszuführen.

Die Nachrichtenseite des Beck-Verlags überschreibt die Meldung dazu neutral:

"Ehefrau heuerte unwilligen Killer an: Ihr Mann darf Nebenkläger werden"

Die amüsante Seite Jurios, die kuriose Rechtsfälle sammelt und in meinen Augen eine leichte feministische Schlagseite hat, titelt hingegen wie folgt:

"Ehefrau fällt auf Auftragskiller-Betrüger herein"

Da möchte man diese arme Frau ja beinahe trösten.




Donnerstag, März 27, 2025

New Yorker Erklärung zu Männern und Jungen verabschiedet

Der Internationale Rat für Männer und Jungen (International Council for Men and Boys, ICMB) hat dieser Tage die Veröffentlichung der New Yorker Erklärung für Männer und Jungen bekannt gegeben: ein Dokument, das sich mit wichtigen Themen befasst, die Männer weltweit betreffen. Dies geschah am Jahrestag der 1995 ergangenen Erklärung und Aktionsplattform von Peking, die sich auf Frauen und Mädchen beschränkte. Die aktuelle Erklärung unterstreicht die Notwendigkeit einer echten Gleichstellung, indem sie die Perspektiven und Herausforderungen von Jungen und Männern hervorhebt.

Der offenkundige Unterschied zwischen den beiden Erklärungen ist, dass hinter der Pekinger Erklärung für Mädchen und Frauen die Vereinten Nationen stehen und hinter der aktuellen New Yorker Erklärung private NGOs. Dieses Missverhältnis allein verdeutlicht schon, was von der ständigen Rhetorik eines angeblich "Frauen unterdrückenden Patriarchats" zu halten ist. Allerdings ist die Pekinger Erklärung nicht vom Himmel gefallen, sondern war das Resultat Jahrzehnte langen Engagements von feministischen Aktivisten, so wie es jetzt von den Fürsprechern für Männer und Jungen (Maskulisten) stattfindet.

Als zentrales Blog der deutschen Männerbewegung dokumentiert Genderama die New Yorker Erklärung für Männer und Jungen und hat ihren Text ins Deutsche übersetzt:





Präambel:

1. Versammelt in New York City im Jahr 2025, am Vorabend des 30. Jahrestages der Erklärung von Peking, einem Meilenstein für die Gleichstellung der Geschlechter,

2. Bekenntnis zu den Grundsätzen der Würde und der Chancengleichheit für alle, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderen internationalen Menschenrechtsinstrumenten verankert sind,

3. Wir feiern die außerordentlichen Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Mädchen,

4. sind aber alarmiert über die tiefgreifenden und anhaltenden Ungleichheiten, von denen Männer und Jungen weltweit in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Familienleben, Sicherheit am Arbeitsplatz, Justiz und anderen Bereichen betroffen sind,

5. in der Erkenntnis, dass Männer, die einer Minderheit angehören, von diesen Ungleichheiten oft stärker betroffen sind als andere Männer, wodurch sich die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersehen, noch verschärfen,

6. in der Überzeugung, dass der Grundsatz der Gleichstellung der Geschlechter die volle Einbeziehung von Männern und Jungen sowohl als Nutznießer von Fairness als auch als aktive Partner beim Fortschritt erfordert.

7. Wir setzen uns für die Schaffung einer Welt ein, in der alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht ein Leben in Würde, mit Sinn und Chancengleichheit führen können,

8. in der Erkenntnis, dass politische Maßnahmen und soziale Strukturen, die Männer benachteiligen, Familien, Gemeinschaften und die Gesellschaft als Ganzes schwächen, und

9. in Anerkennung der Tatsache, dass die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter sowohl Männern als auch Frauen zugute kommt.



Im Namen von Nationen, Organisationen und Einzelpersonen verpflichten wir uns, die folgenden Prioritäten für Männer und Jungen in Angriff zu nehmen:



I. Körperliche Gesundheit und Wohlbefinden

10. In Anerkennung der Tatsache, dass Männer eine kürzere Lebenserwartung haben und ein weitaus größeres Risiko haben, am Arbeitsplatz zu verunglücken,

11. verpflichten wir uns, die Kluft bei den Gesundheitsergebnissen zu schließen, indem wir:

● sicherstellen, dass Männer als Teilnehmer in der Gesundheitsforschung angemessen vertreten sind; und

● Büros für Männergesundheit einrichten, die sich mit den wenig untersuchten Problemen befassen, die die Gesundheit von Männern und Jungen betreffen.



II. Psychische Gesundheit und gesellschaftliche Erwartungen

12. In der Erkenntnis, daß die Selbstmordrate bei Männern in fast allen Ländern weitaus höher ist als bei Frauen und daß Männer mit mehr Problemen der psychischen Gesundheit konfrontiert sind, einschließlich suchtbedingter Todesfälle und Todesfälle aus Verzweiflung, und

13. in Anerkennung der Tatsache, dass gesellschaftlicher Druck Männer von emotionaler Bindung und Unterstützung isolieren kann, was ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt,

14. verpflichten wir uns zur:

● Förderung von Männlichkeitsmodellen, die das Engagement mit Familien, Freunden, Kollegen und Gemeinschaften fördern;

● Förderung eines offenen Dialogs über die emotionale Gesundheit von Männern durch Schaffung eines Umfelds, in dem sich Männer wohl fühlen, wenn sie Hilfe suchen; und

● die vorrangige Durchführung von Kampagnen zur Verhinderung von männlichem Selbstmord und Tod aus Verzweiflung, die wirksame Beratung anbieten.



III. Bildung und lebenslanges Lernen

15. In Anerkennung der Tatsache, dass Jungen und junge Männer, insbesondere aus marginalisierten Gemeinschaften, unverhältnismäßig stark von schulischen Leistungsdefiziten betroffen sind,

16. verpflichten uns, den gleichberechtigten Zugang zur Bildung zu gewährleisten, mittels:

● der Erhöhung des Anteils männlicher Lehrer;

● der Berücksichtigung der besonderen Entwicklungsprozesse von Jungen;

● der Sicherstellung der Chancengleichheit bei Stipendien für Männer und

● der Überwindung von Lerndefiziten, Alphabetisierungsbarrieren und Abbrecherquoten bei Jungen.



IV. Familie und geteilte elterliche Sorge

17. In Anerkennung nicht nur der besonderen und entscheidenden Art und Weise, in der Väter zum Wohlergehen der Kinder beitragen, sondern auch Anerkennung des Schadens, der durch Systeme verursacht wird, die Kindern ungerechterweise die Möglichkeit verweigern, ein Maximum an elterlicher Zeit mit beiden Elternteilen zu verbringen, und

18. der Feststellung, dass Gesetze, die eine gleichberechtigte gemeinsame elterliche Sorge fördern - sowohl den gemeinsamen physischen Zugang als auch die gemeinsame Entscheidungsfindung - zu einem breiten Spektrum an besseren Ergebnissen für Kinder beitragen.

19. verpflichten wir uns zur:

● Verringerung oder Beseitigung finanzieller Anreize im Familienrecht, die es Eltern (mit oder ohne Dritte) ermöglichen, Konflikte innerhalb der Familie zu verursachen oder zu ermöglichen;

● Anerkennung der Tatsache, dass elterliches Entfremdungsverhalten eine schwerwiegende Form des Kindesmissbrauchs ist; und

● Reform des Unterhaltsrechts für Kinder, um elterliche Konflikte zu verringern, indem den Bedürfnissen moderner Familien Rechnung getragen wird, in denen die finanzielle Unterstützung und die Entscheidungsfindung über das Kind gleichmäßiger aufgeteilt sind.



V. Gerechtigkeit und Gleichheit vor dem Gesetz

20. In Anerkennung der Tatsache, dass Männer unverhältnismäßig stark von Vorurteilen in den Phasen der Verhaftung, Anklage, Verurteilung und Bestrafung im Rechtssystem betroffen sind,

21. verpflichten wir uns zur:

● Durchsetzung eines ordnungsgemäßen Verfahrens vor allen Gerichten und Tribunalen

● Gewährleistung unparteiischer Ermittlungen, die sich auf die Unschuldsvermutung stützen; und

● eine Reform der Rechtspolitik und -verfahren, um eine härtere Behandlung von Männern in Straf- und Familiengerichten zu verhindern.



VI. Sicherheit am Arbeitsplatz

22. In Anerkennung der Tatsache, daß praktisch alle Todesfälle am Arbeitsplatz und die Mehrzahl der Verletzungen am Arbeitsplatz Männer betreffen,

23. verpflichten wir uns zur:

● Verbesserung der Sicherheitsstandards und des Schutzes am Arbeitsplatz;

● die Förderung des Zugangs zu nicht-traditionellen Berufen für Männer, z. B. in der Krankenpflege und im Lehrerberuf; und

● Männer mit Fähigkeiten und Möglichkeiten auszustatten, in aufstrebenden Branchen zu arbeiten, um Arbeitsplätze zu ersetzen, die durch die Globalisierung und Automatisierung verloren gegangen sind.



VII. Väterbezogene Gerechtigkeit

24. In Anerkennung der Tatsache, daß Männer in Fragen der Fortpflanzung mit Ungerechtigkeiten konfrontiert sind, einschließlich des Fehlens von Rechtsmitteln in Fällen von falscher Vaterschaft und Vaterschaftsbetrug, ungerechten Unterhaltsverpflichtungen für Kinder, der Kontrolle über Embryonen, die eine gemeinsame DNA enthalten, und der Verweigerung von Wahlmöglichkeiten in Fällen von Adoption,

25. verpflichten wir uns zur:

● Sicherstellung, dass Männer und Frauen bei Entscheidungen über eingefrorene Embryonen, die mit früheren Partnern gezeugt wurden, den gleichen Einfluss haben;

● Reform der Unterhaltssysteme für Kinder, um ungerechte finanzielle Verpflichtungen zu beseitigen, wenn die Vaterschaft widerlegt wurde; und

● Förderung von Maßnahmen, die Fairness, Dialog und Respekt in Fragen der reproduktiven Gerechtigkeit begünstigen.



VIII. Gewalt und falsche Anschuldigungen

26. In Anerkennung der Tatsache, dass Männer und Jungen häufig Opfer von Gewalt, Missbrauch und Menschenhandel sind, ihre Erfahrungen jedoch oft ignoriert oder heruntergespielt werden, was dazu führt, dass viele männliche Opfer keinen Zugang zu Ressourcen und Unterstützung haben,

27. sowie in Anerkennung der Tatsache, dass Hunderte von Forschungsstudien bestätigen, dass Männer genauso häufig wie Frauen Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch werden, und

28. unter Hinweis auf das Problem der falschen Anschuldigungen, die sich häufiger gegen Männer als gegen Frauen richten,

29. verpflichten wir uns dazu:

● auf evidenzbasierte öffentliche Maßnahmen zu setzen, die im Einklang mit Forschungsstudien stehen, die die Häufigkeit, die Ursachen und die Folgen der Viktimisierung von Männern aufzeigen;

● angemessene Dienste und Schutzmaßnahmen für männliche Opfer bereitzustellen; und

● die schädlichen Auswirkungen falscher Anschuldigungen zu bekämpfen.



IX. Medien-Darstellungen

30. In Anerkennung der Tatsache, dass die mediale Darstellung von Männern in der Populärkultur nicht nur schädliche Stereotypen von Männern aufrechterhält, sondern auch hilfreiche ignoriert,

31. verpflichten wir uns dazu:

● die zahlreichen Beiträge von Männern als Führungspersönlichkeiten, Bauherren, Betreuer und Väter hervorzuheben;

● eine faire und ausgewogene Darstellung von Männern und Jungen in der Populärkultur zu fördern; und

● Darstellungen in Frage zu stellen, die männlichen Schmerz, Verletzungen oder andere Formen des Leidens trivialisieren.



Abschließend:

32. In der Erkenntnis, dass die Festlegung dieser Prioritäten die Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, Regierungen, der Zivilgesellschaft und Einzelpersonen benötigt,

33. fordern wir alle interessierten Parteien dringend auf:

● sich für die Gleichstellung von Männern und Jungen einzusetzen;

● schädliche Stereotypen über Männer zu beseitigen;

● Ressourcen für Forschung, Lobbyarbeit und Programme bereitzustellen, die sich mit der Benachteiligung von Männern befassen;

● die Bedürfnisse von Männern und Jungen in die nationale und internationale Politik einzubeziehen.




Diese Erklärung wird von weiteren Dokumenten begleitet:

einer Übersicht der zwölf Bereiche, in denen Männer und Jungen weltweit zu kurz kommen,

einer Übersendung der New Yorker Erklärung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen,

einer Pressemitteilung, die deutlich macht, wie sehr Frauen die New Yorker Erklärung für Männer und Jungen unterstützen.



In dieser Pressemitteilung heißt es:

Einen Tag nach der offiziellen Veröffentlichung der Erklärung, am 13. März, lud der Internationale Rat für Männer und Jungen (International Council for Men and Boys, ICMB) zu einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz über Frauen und Familie in New York City ein, um die zahlreichen Auswirkungen der Erklärung zu erörtern. Die Reaktionen der etwa 100 Frauen, die an der Sitzung teilnahmen, waren ausgesprochen positiv. Die Frauen wiesen auf die dringende Notwendigkeit der Erklärung hin und betonten ihre Bedeutung für das Wohlergehen ihrer Ehemänner, Väter, Söhne und anderer männlicher Verwandter.

Darüber hinaus haben Frauen aus der ganzen Welt ihre Unterstützung für die New Yorker Erklärung für Männer und Jungen zum Ausdruck gebracht. Einige Beispiele hierfür:

"Ich begrüße diese dringend benötigte New Yorker Erklärung für Männer und Jungen, die so viele der wichtigsten Probleme aufzeigt, die das Leben von Männern und Jungen in der ganzen Welt zerstören. Es ist beschämend, dass Themen wie elterliche Entfremdung, falsche Anschuldigungen und die rasant ansteigende männliche Selbstmordrate nicht auf die öffentliche Tagesordnung gesetzt werden." - Bettina Arndt, Mütter von Söhnen, Australien

"Wir bringen hiermit unsere unmissverständliche Unterstützung für die New Yorker Erklärung für Männer und Jungen zum Ausdruck und für ihren Auftrag, Fairness, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle zu fördern. Die Erklärung ist ein entscheidender Schritt, um systembedingte Barrieren abzubauen, schädliche Stereotypen in Frage zu stellen und Möglichkeiten für Männer und Jungen zu fördern, sich neben Frauen und Mädchen zu entfalten." - Lyn Crabtree, Internationaler Tag der Falschbeschuldigten, England

"Viel zu lange haben wir Männer und Jungen mit Gleichgültigkeit oder Verachtung behandelt, sie angeklagt, ihnen Vorwürfe gemacht und uns ihnen gegenüber so verhalten, als ob ihre einzige Rolle in der modernen Gesellschaft darin bestünde, sich dafür zu entschuldigen, dass sie männlich sind. Es ist die Pflicht von Männern und Frauen mit gutem Gewissen, ihnen mit Mitgefühl und richtigem Handeln die Hand zu reichen." - Janice Fiamengo, Professorin für Englisch, Universität Ottawa, Kanada

Die breite Unterstützung der Frauen für die Behandlung von Männerproblemen wurde auch in einer kürzlich in den Vereinigten Staaten durchgeführten Umfrage deutlich:

Fast drei Viertel - 73 % - der befragten Frauen stimmten zu, dass die Gesellschaft in die Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen investieren sollte, mit denen Männer konfrontiert sind, wie z. B. höhere Raten von Selbstmord, Obdachlosigkeit und tödlichen Unfällen am Arbeitsplatz.

Psychische Unterstützung speziell für Männer (55 %), Prävention und Unterstützung von Obdachlosigkeit (53 %) und die Verringerung der Stigmatisierung von Männern, die um Hilfe bitten (51 %), waren die drei wichtigsten Themen, die die befragten Frauen als vorrangig ansahen,

Der Internationale Rat für Männer und Jungen (ICMB) fordert Frauen auf der ganzen Welt auf, ihre Freunde und Gesetzgeber aktiv über die historische Bedeutung der New Yorker Erklärung für Männer und Jungen zu informieren.






Mittwoch, März 26, 2025

Studie: Weibliche Chefs mindern das Karriereglück bei Frauen

1.
Wie ist es, eine Frau als Chefin zu haben? Die Frage gibt regelmässig Anlass zu emotionalen Debatten, wie ein Blick in die Internetforen zeigt. (…) Das Thema interessiert aber nicht nur beim Smalltalk in der Kaffeepause, sondern ist ebenso für die Wissenschaft von Relevanz. So hat das renommierte "Human Resource Management Journal" kürzlich eine länderübergreifende Studie dazu publiziert. Die wichtigste Erkenntnis lautet: Frauen sind im Allgemeinen weniger zufrieden mit ihrer Karriere, wenn sie eine Frau als Vorgesetzte haben, als wenn der Chef männlich ist.

"Das Verblüffende an diesem Resultat ist, dass wir die geringere Zufriedenheit mit einer Frau als Chefin in allen von uns untersuchten Ländern feststellen konnten", sagt der Freiburger Professor Olivier Furrer, der zu den Co-Autoren der Studie gehört. "Die kulturellen Unterschiede hatten somit nur einen geringen Einfluss auf die Einschätzung der weiblichen Angestellten." Für die Analyse wurden 2300 Frauen aus 34 Ländern und fünf Kontinenten befragt, darunter waren die Schweiz und Deutschland.


Die Neue Zürcher Zeitung berichtet.



2. Im Cicero beschäftigt sich Hugo Müller-Vogg mit der Forderung der Unionsfrauen im Bundestag nach einer Frauenquote. Ein Auszug:

Die Vorsitzende der Frauengruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, hat jetzt gegenüber der FAZ klar gemacht, was die Unionsfrauen verlangen: "Wir fordern 50 Prozent der Besetzungen in Leitungsfunktionen, also in Ämtern, aber dann auch in der Bundesregierung. Dabei geht es um den Fraktionsvorsitz, die Leitung von Ausschüssen, um Sprecherämter, aber auch um die Repräsentanz in Gremien, beispielsweise im Rundfunkrat."

Da die Union bisher noch keine Doppelspitzen kennt, ist eine "50 Prozent Besetzung" des Fraktionsvorsitzes nicht gerade logisch. Auch klingt die Begründung Heils nicht gerade überzeugend: Mehr Frauen in Führungspositionen würden die Politik für Frauen attraktiver machen. Die Tatsache, dass die CDU als erste und bisher einzige deutsche Partei mit Angela Merkel eine Frau 18 Jahre an der Spitze der Partei und 16 Jahre im Kanzleramt hatte, führte jedenfalls nicht zu einem Massenandrang von Frauen, die in den CDU-Geschäftsstellen ihre Mitgliedsanträge abgeben wollten.

(…) Nur werden zweifellos auch Männer auf Positionen gesetzt, in denen sie überfordert sind. Auch da spielt oft der Proporz eine Rolle, etwa die Zugehörigkeit zu einer bestimmten innerparteilichen Strömung oder einem Landesverband, dem aufgrund des landsmannschaftlichen Proporzes ein höheres Amt zusteht. Doch ist die Gefahr eines personellen Missgriffs größer, je weniger Aspiranten zur Verfügung stehen.

(…) In gewisser Weise haben Heil und ihre Frauen-Truppe der SPD eine Steilvorlage geliefert, ein paritätisch aus Frauen und Männern bestehendes Kabinett zu fordern. Lehnt Merz ab, haben die Genossen ihn in der Ecke, in den sie den CDU-Politiker so gern stellen – alter Macho ohne Gespür für die Bedürfnisse der Zeit. Wobei sich die Frage stellt, ob der Frauenanteil in politischen Positionen irgendjemanden ernsthaft interessiert – abgesehen von hauptberuflichen Feminist:innen (m/w/d) und in der Politik nach Höherem strebenden Politikerinnen.

Die SPD jedenfalls hat seit Jahrzehnten eine Frauenquote von "mindestens" 40 Prozent in ihrer Satzung verankert. Die wird strikt eingehalten. Den medialen Beifall, den das der SPD eingebracht hat, zahlt sich an der Wahlurne nicht nennenswert aus. Merz und die Union erzielten am 23. Februar bei den Männern 30 Prozent und bei den Frauen 27 Prozent, die SPD bei den Männern 15 und bei den Frauen 18 Prozent. Der Frauen-Malus schadete der Union also nicht sehr, ihr Frauen-Bonus hielt den Absturz der SPD auf ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten nicht auf. Offenbar orientieren sich selbst die allermeisten Wählerinnen mehr an den Inhalten und an der Person des Spitzenkandidaten und weniger an innerparteilichen Bemühungen zur Frauenförderung: Dass rote, grüne und schwarze Paritäts-Kampfgruppen das nicht wahrhaben wollen, steht auf einem anderen Blatt.




3. Wochenbettdepressionen nach der Geburt sind nicht allein Frauensache. Erstaunlich viele Männer sind davon betroffen.



4. In Dänemark gilt die Wehrpflicht zukünftig auch für Frauen.



5. "Nach Sex-Affären mit zwei Justiz-Mitarbeiterinnen: Knast-Casanova zwangsverlegt" titelt die Bildzeitung in einer selbst für "Bild"-Verhältnisse selten beknackten Schlagzeile, als ob die armen Mitarbeiterinnen unter der hypnotischen Wirkung des Häftlings gar nicht anders könnten, als mit ihm Sex zu haben. Man wartet jetzt eigentlich nur noch auf eine Schlagzeile wie "Nach Sex-Affären mit zwei Lehrerinnen: Grundschul-Casanova zwangsversetzt".

Zur Klarstellung ein wenig Hintergrund: In Deutschland ist es Justizmitarbeiterinnen und -mitarbeitern untersagt, sexuelle oder romantische Beziehungen zu Häftlingen zu führen. Solche Beziehungen verstoßen gegen das sogenannte Distanzgebot, welches eine Kernpflicht von Bediensteten im Strafvollzug darstellt. Dieses Gebot soll die professionelle Distanz wahren und das Vertrauen in die Justiz sowie die Sicherheit des Strafvollzugs gewährleisten. Verstöße gegen diese Pflicht können schwerwiegende dienstrechtliche Konsequenzen haben, einschließlich der Entfernung aus dem Dienst. Darüber hinaus regelt § 174a StGB den sexuellen Missbrauch von Gefangenen oder verwahrten Personen. Dieser Paragraph schützt Häftlinge vor sexuellen Handlungen, die durch Ausnutzung eines Machtverhältnisses entstehen könnten. Auch wenn eine Beziehung einvernehmlich erscheint, wird sie rechtlich als problematisch angesehen, da Häftlinge sich oft nicht frei von der Einflussnahme des Justizpersonals lösen können.



6. Eine isländische Ministerin, von der jetzt bekannt wurde, dass sie vor 30 Jahren ein Kind mit einem Teenager hatte, ist deshalb von ihrem Amt zurückgetreten.



7. Die Post. Gestern war die Netflix-Serie "Adolescence" Thema auf Genderama. Ich bin gestern Abend erst dazu gekommen, mir die ersten beiden Folgen (von insgesamt vier) anzuschauen. Filmisch ist die Serie sehr gut gemacht. Einer meiner Leser, der sie schon komplett gesehen hat, schreibt mir dazu:

Lieber Arne,

ich danke dir für die Besprechung der Netflix-Serie Adolescence. Sie lässt aber meines Erachtens einen ganz wichtigen Aspekt außer Acht bzw. die Zeitungsartikel, die du anführst, stellen die Herleitung der Tat schlicht falsch dar (na ja, kein Wunder bei taz, SZ etc.): Meiner Meinung nach ist die Serie definitiv keine Erzählung über toxische Männlichkeit, sondern über die Probleme des Heranwachsens („Adolescence“), nur eben zur Abwechslung mal das Heranwachsen eines jungen Mannes: existenzielle Angst, der eigene Platz in der Welt, Liebe, Anerkennung, Selbstwertgefühl.

In der Serie kommt nämlich deutlich zur Sprache, dass der Junge von dem Mädchen, das er mit mehreren Messerstichen tötet, übel gemobbt wurde und er sich noch dazu als Versager fühlt (nicht stark, nicht groß, nicht klug), nicht nur ihr gegenüber. Er ist ein junger Mann mit wenig oder keinem Selbstwertgefühl, der von den (bleibt unausgesprochen: jungenfeindlichen) Erzählungen seiner Umwelt geprägt wurde. An keiner Stelle wird hingegen gesagt, dass er sich an Andrew Tate, an Pornos oder an anderen üblichen verdächtigen Handlungsweisen orientiert hätte. Sie kommen nur beiläufig zur Sprache, wahrscheinlich um sie als Aspekte im Themenkomplex zu erwähnen.

Ich bin aber überzeugt, dass sie die Tat des Jungen nicht beeinflusst haben, sondern ganz deutlich sein schlechtes Selbstwertgefühl und das boshafte Verhalten des Mädchens. Zudem ist die Hauptfigur psychisch auffällig – was bei Attentaten der jüngeren Vergangenheit mit Migrationshintergrund oder bei den sogenannten Frauenmorden auch oft der Fall ist –, obwohl nicht ganz klar wird, ob diese psychische Auffälligkeit nicht eine Folge der Abspaltung der Tat von der eigenen Person ist (Dissoziation?). Die Hauptfigur ist wohl ein weißer Junge aus der englischen Arbeiterklasse, aber dass er ein Messer bei sich trägt, als er das Mädchen trifft, kann auch als Anspielung auf die Messerattentate der letzten Jahre durch Migranten gelesen werden (England unterscheidet sich hier wohl nicht sehr von Deutschland).

Die Serie ist also ganz, ganz einfach als das zu lesen, was sie darstellt: Die Verlorenheit junger Männer in einer Gesellschaft, die sie aufgegeben hat und in die sie keine Hoffnung haben, weil sie von dieser Gesellschaft (Mädchen/Frauen/Feminismus) verstoßen werden, noch bevor sie irgendetwas falsch gemacht haben. Das müssen junge Männer eben erst begreifen (durch Schmerz?): die Einsamkeit, das auf sich selbst Zurückgeworfensein, die Illusion der Liebe, die eigene Verletzlichkeit.

Ist aber nicht erstaunlich, dass die deutsche Medienlandschaft es wieder schafft, eine sehr offensichtliche Lesart so zu verdrehen, dass sie zu einer misandrischen Erzählung über angebliche toxische Männlichkeit wird. (Nichts und niemand darf die feministische Verschwörungstheorie stören.) Was aber ist an Verzweiflung, Einsamkeit, Verlorenheit, Schmerz … toxisch? In meinen Augen muss die Serie genau so gelesen werden: Bedenkt die Gefahr, die (für Mädchen und Frauen?) entsteht, wenn wir mit unseren Jungen weiterhin so mies umgehen. Darum gibt es auch eine sehr lange Szene, in der der Vater sich den Kopf zerbricht, was er wohl in der Erziehung falsch gemacht haben könnte. Diese Serie ist ein Appell, kein Vorwurf!

Ich bin zufällig auf die Serie gestoßen und wurde von Beginn an in ihren Bann gezogen. Sie ist wirklich sehr gut gemacht und die schauspielerischen Leistungen sind atemberaubend (neben der Kameraführung). Weil ich wusste, dass die Serie wieder misandrisch ausgelegt werden würde, wollte ich sie erst schlecht bewerten. Aber ich habe sie dann doch sehr gut bewertet, weil sie gut gemacht ist und eine sehr spannende Erzählung liefert – ganz egal, ob mir nun die Interpretation gefällt oder nicht.




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