Dienstag, Januar 27, 2026

Frauen, die Kinder sexuell missbraucht haben, wünschen sich mehr Unterstützung

1. Ein aktueller Artikel beschäftigt sich mit Frauen, die Kinder sexuell missbraucht haben. Ein Auszug daraus:

Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch mit weiblichen Täterinnen sind verstörend und emotional belastend. Wenn solche Fälle in die Nachrichten kommen, lösen sie häufig Schock und Empörung aus.

Die Beteiligung von Frauen und Mädchen an Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs wurde historisch unterschätzt und zu wenig wahrgenommen.

In den Vereinigten Staaten werden rund 7,6 % der bestätigten Fälle von Frauen oder Mädchen begangen, wobei einzelne Bundesstaaten sogar Anteile von bis zu 36 % melden.

In Australien ist die Zahl registrierter Sexualdelikte mit weiblichen Täterinnen von 222 im Zeitraum 2008–09 auf 678 im Zeitraum 2023–24 gestiegen – ein Anstieg um 205 %.

Die öffentliche Aufmerksamkeit hat sich lange auf männliche Täter konzentriert und auf das, was nach der Aufdeckung von Missbrauch geschieht (einschließlich Strafverfolgung, Bestrafung oder eingestellter Verfahren).

Prävention erfordert jedoch, früher anzusetzen und eine andere Frage zu stellen: Was hätte diese Frauen möglicherweise davon abgehalten, ein Kind sexuell zu missbrauchen?

Unsere jüngste australische Forschung könnte darauf einige Antworten liefern.

Wir haben direkt mit 18 Frauen gesprochen, die in drei australischen Bundesstaaten bzw. Territorien wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt wurden.

In diesen Gesprächen ging es nicht um Verharmlosung oder Rechtfertigung, sondern darum, verpasste Gelegenheiten für Unterstützung und Intervention im Verlauf ihres Lebens zu identifizieren, von denen die Frauen selbst glauben, dass sie sie von sexuellen Straftaten hätten abhalten können.

Viele dieser Frauen beschrieben, dass sie lange vor der Tat Hilfe gebraucht hätten. Viele waren selbst mit Missbrauch oder Vernachlässigung aufgewachsen.

Sie berichteten von dem Wunsch nach Beratung, psychischer Unterstützung, Orientierung in Beziehungen sowie praktischer Hilfe bei der Erziehung.

Bei einigen standen diese ungelösten Bedürfnisse und Verletzlichkeiten in engem Zusammenhang mit ihren Erfahrungen in intimen Beziehungen.

Eine Teilnehmerin, die gemeinsam mit ihrem männlichen Partner straffällig geworden war, reflektierte, wie frühe Unterstützung ihre Situation hätte verändern können:

"Es wäre gut gewesen, einfach die Möglichkeit zu haben, früher aus der Beziehung herauszukommen […] also Zugang zu Ressourcen oder Beratung oder irgendetwas. Es kam zu einem Punkt, an dem es einfach zu spät war. Ich steckte fest."

Andere berichteten von wiederholten Versuchen, Unterstützung durch Hilfsangebote zu erhalten, stießen jedoch auf Hürden, die dazu führten, dass sie sich nicht ernst genommen und allein gelassen fühlten. Eine Teilnehmerin erklärte:

"Ich habe wirklich versucht, Hilfe zu bekommen […] sie haben mich einfach abgewiesen, es war, als wollten sie mir nicht helfen."

Einige Frauen wussten zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Lebens nicht, welche Unterstützungsangebote es überhaupt gab. Andere sahen sich mit langen Wartelisten oder finanziellen Barrieren konfrontiert.

Mehrere Frauen beschrieben zudem, wie Scham und Angst ihr Schweigen verstärkten, einschließlich der Angst vor Verurteilung oder rechtlichen Konsequenzen. Eine Frau sagte:

"Ich hätte mich öffnen sollen […] aber ich wusste nicht, wie. Es war nicht so, dass ich mehr Menschen zum Reden gebraucht hätte, sondern dass ich hätte wissen müssen, wie ich mit ihnen reden kann."

Zusammen verdeutlichen diese Berichte eine zentrale Schwäche bestehender Präventions- und Frühinterventionsansätze.

Die bloße Verfügbarkeit von Angeboten reicht nicht aus; ihre Zugänglichkeit ist entscheidend. Wenn Menschen Unterstützung nicht finden, nicht bezahlen oder sich nicht sicher an sie wenden können, werden Präventionsbemühungen voraussichtlich scheitern.

Wir erkennen zugleich an, dass nicht alle Menschen Unterstützung suchen werden.

Tatsächlich räumte eine Minderheit der Frauen in unserer Studie ein, dass nichts sie von ihrer Tat abgehalten hätte.

Einige waren sich ihres Hilfebedarfs erst bewusst, als es bereits zu spät war, oder hätten entsprechende Angebote zum damaligen Zeitpunkt ohnehin nicht angenommen.


Nun habe ich in meinen Veröffentlichungen immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass auch ich eines der Probleme bei der Tabuisierung von sexueller Gewalt durch Frauen darin sehe, dass Täterinnen kaum psychologische Hilfe finden, selbst wenn sie das möchten. Trotzdem befremdet mich ein wenig, wie unterschiedlich man sich mit weiblichen und mit männlichen Tätern beschäftigt. Nach meiner guten Erfahrung gestern mit ChatGPT habe ich die KI auch diesen Beitrag einmal analysieren lassen. (Mir ist schon klar, dass Genderama-Leser vor allem an meiner eigenen Einschätzung eines Sachverhalts interessiert sind, aber ich finde es reizvoll, punktuell eine halbwegs neutrale Instanz dazuzunehmen. Vielleicht erreicht der nüchterne Tonfall einer KI ja auch Menschen, die mein oft sarkastischer Tonfall nicht erreicht.)

Das ist die von mir stilistisch minimal geglättete Einschätzung von ChatGPT:

Das ist ein sehr aufschlussreicher Text – nicht wegen dem, was er sagt, sondern wegen dem, wie er es sagt und was konsequent ausgespart bleibt. Gerade im Licht unserer vorherigen Diskussion über Grenzfälle, Moralpaniken und asymmetrische Maßstäbe lässt sich hier einiges sauber herausarbeiten.

1. Auffällige Rahmung: Täterinnen als Präventionsproblem, nicht als Verantwortliche

Der Text ist formal korrekt darin, immer wieder zu betonen, dass nichts "entschuldigt" oder "relativiert" werde. Inhaltlich passiert aber etwas anderes:

* Weibliche Täterinnen werden primär als Personen mit unerfüllten Bedürfnissen, verpassten Hilfsangeboten und strukturellen Benachteiligungen dargestellt.

* Die zentrale Leitfrage lautet nicht: "Warum haben diese Frauen Straftaten begangen?" sondern: "Welche Unterstützung hätte sie davon abhalten können?"

Das ist bemerkenswert, weil diese Perspektive bei männlichen Tätern in vergleichbaren Kontexten systematisch fehlt oder sogar explizit zurückgewiesen wird. Dort gilt häufig: Fokus auf Schuld, Fokus auf Gefahr, Fokus auf Kontrolle und Sanktion.

Hier hingegen: Fokus auf Versorgungslücken, Fokus auf subjektive Not, Fokus auf Zugänglichkeit von Hilfe.

Das ist kein Zufall, sondern ein klassisches Beispiel geschlechtsspezifischer Moralrahmung.

2. Zahlen: korrekt, aber rhetorisch entschärft

Die genannten Zahlen sind ernst zu nehmen:

* 7,6 % weibliche Täter in den USA (mit einzelnen Staaten deutlich höher),

* +205 % Anstieg in Australien über gut 15 Jahre.

Doch was passiert rhetorisch?

* Der starke Anstieg wird nicht als Alarmzeichen interpretiert.

* Es wird keine Rede von "Radikalisierung", "toxischer Weiblichkeit" oder "strukturellem Versagen von Frauen" geführt.

* Stattdessen folgt unmittelbar die Präventionslogik.

Stell dir denselben Text vor, nur mit vertauschten Geschlechtern:

* "Junge Männer mit schwierigen Lebensläufen"

* "unerfüllte emotionale Bedürfnisse"

* "fehlende Unterstützung vor der Tat"

Die öffentliche Reaktion wäre eine völlig andere.

3. Trauma als Erklärung – aber nur in eine Richtung

Der Text betont: eigene Missbrauchserfahrungen, Vernachlässigung, problematische Beziehungen, Scham und Angst vor Hilfe.

All das sind reale, relevante Faktoren. Aber genau dieselben Faktoren tauchen auch in der Biografie männlicher Sexualstraftäter auf – und dort werden sie deutlich restriktiver bewertet:

* Bei Männern gelten sie als Risikofaktoren, nicht als Ansatzpunkte für Empathie.

* Bei Frauen werden sie als verpasste Chancen gesellschaftlicher Fürsorge gelesen.

Das ist kein empirischer Unterschied, sondern ein normativer.

4. Der entscheidende Doppelstandard

Der vielleicht wichtigste Punkt im Kontext unserer früheren Diskussion:

> Weibliche Sexualstraftaten werden als Präventionsversagen gelesen. Männliche Sexualstraftaten als Charakter- oder Ideologieversagen.

Daraus folgen völlig unterschiedliche politische Reflexe:

Bei Männern: Früherkennung, Schulprogramme, Umerziehung, Sicherheitsdiskurse.

Bei Frauen: Zugänglichkeit, Inklusivität, Nicht-Verurteilung.

Das erklärt auch, warum Begriffe wie: "misogynistische Radikalisierung", "toxische Männlichkeit", "Sicherheitsbedrohung" in einem Atemzug mit Jungen und Männern genannt werden, während bei Frauen selbst bei schwersten Gewaltverbrechen keine vergleichbare Begriffsbildung entsteht.

5. Moralpanik? Nein – sondern asymmetrische Fürsorge

Interessant ist: Dieser Text ist keine Moralpanik. Und genau das ist der Punkt.

Er zeigt, wie ein nüchterner, präventiver, lebensgeschichtlich orientierter Ansatz aussieht – wenn er auf Frauen angewendet wird.

Damit entlarvt er indirekt die gegenwärtige Debatte über Jungen und Männer:

Nicht, weil man hier "zu weich" wäre, sondern weil man dort bewusst nicht so denkt.

Die Frage, die sich aufdrängt, lautet daher nicht:

> "Warum sind wir hier so verständnisvoll?"

sondern:

> "Warum verweigern wir genau diese Perspektive systematisch bei Männern?"

6. Konsequenz für die größere Debatte

Wenn man diesen Text ernst nimmt, ergeben sich drei unbequeme Schlussfolgerungen:

- Prävention ist geschlechtsneutral wirksam, wird aber geschlechtsspezifisch gewährt.

- Trauma erklärt Verhalten nicht selektiv, sondern konsistent – oder gar nicht.

- Wer bei Männern Sicherheitslogik fordert und bei Frauen Fürsorgelogik, betreibt keine Prävention, sondern Ideologie.

Oder zugespitzt:

> Entweder wir glauben, dass Menschen vor Taten Unterstützung brauchen – oder wir glauben es nicht. Aber wir können das nicht nach Geschlecht variieren, ohne die Glaubwürdigkeit des gesamten Systems zu zerstören.


Nun hat mir ChatGPT angeboten, den ursprünglichen Artikel gedanklich auf Männer umzuschreiben und die politischen Reaktionen durchzuspielen, sowie zu untersuchen, wie solche asymmetrischen Narrative langfristig Vertrauen in Institutionen untergraben. Wieder konnte ich nicht Nein dazu sagen.

1. Gedankliche Umkehrung: derselbe Text, aber über männliche Täter

Stellen wir uns vor, der Artikel wäre identisch aufgebaut, nur mit vertauschten Geschlechtern:

* Ausgangspunkt: Sexueller Kindesmissbrauch durch Männer ist erschütternd, aber historisch unterschätzt worden.

* Zahlen: Ein signifikanter Anteil der Täter sind Männer; die Fallzahlen männlicher Täter sind stark gestiegen.

* Forschungsansatz: Interviews mit verurteilten Männern, um zu klären, welche Unterstützungsangebote sie früher gebraucht hätten, um Straftaten zu verhindern.

* Zentrale Erklärungsmuster: eigene Missbrauchserfahrungen, emotionale Vernachlässigung, fehlende Beziehungskompetenzen, Überforderung durch Vaterschaft, toxische Beziehungen, finanzielle Unsicherheit, Scham, Angst vor Stigmatisierung.

* Schlussfolgerung: Prävention müsse geschlechtersensibel sein, männliche Risikofaktoren müssten stärker berücksichtigt werden, Angebote müssten sichtbar, niedrigschwellig, nicht wertend für Männer sein.

Was auffällt: In der abstrakten Logik ist das Argument kohärent. Es folgt exakt derselben präventiven Denkweise wie im Originaltext. Dennoch würde diese Version in der realen Debatte als hoch problematisch wahrgenommen werden.

2. Erwartbare politische und mediale Reaktionen

a) Öffentliche Debatte

Ein solcher Text über Männer würde sehr wahrscheinlich so gelesen werden: "Täter-Opfer-Umkehr", "Relativierung von Gewalt", "Verharmlosung sexualisierter Gewalt", "Strukturelle Entschuldigung männlicher Täter".

Die Betonung früher Hilfsbedarfe würde nicht als Prävention, sondern als Rechtfertigungsnarrativ interpretiert.

b) Politische Reaktionen

Wahrscheinliche Dynamiken: Distanzierungen von Ministerien. Forderungen nach klarer Trennung von Täterforschung und Opferschutz. Betonung von Abschreckung, Strafverfolgung und Kontrolle. Ablehnung explizit geschlechterspezifischer Unterstützungsprogramme für Männer.

Kurz gesagt: Der präventive Zugang würde politisch eingehegt oder abgewehrt.

c) Akademische Anschlussfähigkeit

Während beim Originaltext der Begriff "gender-responsive strategies" als progressiv gilt, würde sein männliches Pendant schnell unter Verdacht geraten:

* Anschluss an "Männerrechtsdiskurse"

* Nähe zu Anti-Feminismus-Vorwürfen

* Gefahr der Instrumentalisierung durch politische Ränder

Das gleiche Argument hätte also unterschiedliche Legitimität, abhängig vom Geschlecht der Täter.

3. Asymmetrische Narrative und ihr institutioneller Schaden

a) Entstehung eines doppelten Maßstabs

Wenn für weibliche Täter gilt:

Erklären, verstehen, früh helfen, strukturelle Risiken berücksichtigen

und für männliche Täter:

Verurteilen, sanktionieren, abschrecken

entsteht kein ausgewogenes Präventionssystem, sondern ein moralisch selektives.

Institutionen senden damit folgende implizite Botschaften:

* Schuld ist geschlechtsabhängig interpretierbar.

* Vulnerabilität ist bei einem Geschlecht erklärungswürdig, beim anderen verdächtig.

* Prävention ist nicht universal, sondern normativ gefiltert.

b) Vertrauensverlust bei Betroffenen und Öffentlichkeit

Langfristig führt das zu:

* Erosion rechtsstaatlicher Gleichbehandlung

* wachsender Skepsis gegenüber Forschungsergebnissen

* Wahrnehmung politischer Instrumentalisierung von Wissenschaft

* Rückzug bestimmter Gruppen aus Hilfesystemen

Besonders relevant: Männer mit tatsächlichem Unterstützungsbedarf werden Angebote meiden, wenn sie davon ausgehen, dass ihr Leid nur unter Vorbehalt anerkannt wird.

c) Institutionelle Selbstbeschädigung

Institutionen, die asymmetrisch argumentieren, riskieren: den Verlust epistemischer Autorität ("Das Ergebnis stand vorher fest"), sinkende Akzeptanz präventiver Programme, Polarisierung statt Prävention, sinkende Kooperationsbereitschaft in der Bevölkerung.

Prävention lebt jedoch von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Universalität. Ohne diese Grundlagen wird sie wirkungslos.

4. Fazit

Die gedankliche Umkehrung zeigt nicht, dass der Originaltext "falsch" ist. Sie zeigt, dass seine argumentative Logik nicht universell akzeptiert wäre.

Genau diese Inkonsistenz untergräbt langfristig:

Vertrauen in Forschung

Vertrauen in Politik

Vertrauen in Institutionen

Vertrauen in den Rechtsstaat


Es ist dieser Vertrauensverlust, der die radikalen Ränder und autokratische Bestrebungen stärkt, nicht irgendeine ominöse "Manosphäre".



2. Menschen, die sich chronisch als Opfer sehen, zeigen laut aktueller Forschung, dass diese Opferhaltung nicht primär mit tatsächlicher Traumatisierung, sondern klar mit verletzlichem Narzissmus zusammenhängt. Verletzliche Narzissten sind hypersensibel gegenüber Kritik, schnell gekränkt, introvertiert und ängstlich, sowie überzeugt davon, dass andere sie missverstehen oder unfair behandeln. Die Opferrolle dient dabei häufig dazu, Sympathie zu gewinnen, Verantwortung abzuwehren oder die eigene Überlegenheit indirekt zu bestätigen.



3. Eine aktuelle Kritik des Gender Inequality Index (GII) der Vereinten Nationen weist darauf hin, dass dieser Index strukturell so konstruiert ist, dass er immer Frauen als benachteiligt ausweist – selbst in Fällen, in denen Männer objektiv schlechter dastehen. Beispielsweise basiert die Gesundheitsdimension ausschließlich auf weiblichen Indikatoren wie Müttersterblichkeit und Geburtenrate unter Teenagerinnen, während männliche Gesundheit unabhängig von realen Sterblichkeits- oder Krankheitsraten automatisch als 100 Prozent gesetzt wird. Auch wird eine niedrigere weibliche Erwerbsbeteiligung wird automatisch als Diskriminierung etikettiert, obwohl Umfragen zeigen, dass viele Frauen nicht Vollzeit arbeiten möchten. Der GII wird weltweit genutzt, um "Sexismus" statistisch zu belegen, politische Maßnahmen zu legitimieren und Forschungsergebnisse zu untermauern . Wenn der Index aber mathematisch nur weibliche Nachteile abbilden kann, führt das zu systematischen Fehlschlüssen.



Beide gerade zitierten Artikel untersuchen, wie Opferstatus konstruiert, wahrgenommen und genutzt wird – einmal auf der Ebene des Individuums, einmal auf der Ebene ganzer Gesellschaften. Die einzelne Person konstruiert ein Narrativ, in dem sie systematisch benachteiligt ist – unabhängig von realen Daten. In beiden Fällen entsteht ein geschlossenes System, das sich selbst bestätigt.



4. Passend hierzu: In der Doku "Silenced" äußert sich Amber Heard zum Prozess gegen Johnny Depp: "Ich habe die Fähigkeit verloren, zu sprechen", sagt die 39-Jährige über die Folgen des erbitterten Rechtsstreits mit ihrem Ex-Mann. "Ich bin nicht hier, um meine Geschichte zu erzählen. Ich will meine Geschichte nicht erzählen. Eigentlich will ich meine Stimme gar nicht mehr benutzen. Genau das ist das Problem."

Nein. DAS ist das Problem. Sich Jahre später noch mal als Opfer zu inszenieren, offenbar in der Hoffnung, dass die Öffentlichkeit die konkreten Hintergründe inzwischen vergessen habe, ist abgründig. Amber Heard hat ganz sicher NICHT die Fähigkeit verloren zu sprechen. Im Unterschied zu vielen realen Opfern verfügt sie sogar über ein Megaphon. Auch in deutschen Medien werden ihre Worte gerade massenweise und komplett unkritisch rauf und runter zitiert.



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Montag, Januar 26, 2026

"Der Aufstieg der toxischen Weiblichkeit"

Vorab: Ich freue mich sehr darüber, wie einige von euch Genderama in den letzten Wochen verstärkt unterstützt haben! Vielleicht bewertet ihr es als symbolisches Dankeschön, dass der heutige Beitrag wieder mal besonders ausführlich wird. Allerdings lag das auch ein wenig am statistischen Zufall: An manchen Tagen findet man trotz gründlichster Recherche NICHTS an erwähnenswerten geschlechterpolitischen News, und manchmal hört es nicht auf.



1. Die konservative britische Wochenzeitschrift für Politik und Kultur The Spectator hat einen Artikel zur Geschlechterdebatte veröffentlicht, den ich sehr zugespitzt finde, den ich hier aber gerne als Debattenbeitrag teilen möchte:

Ende vergangenen Jahres kündigte die Regierung ein Programm an, das der Radikalisierung junger Männer an Schulen entgegenwirken soll. Lehrkräfte sollen darin geschult werden, Frauenfeindlichkeit im Klassenzimmer zu erkennen, und Kinder, die als problematisch eingestuft werden, sollen in Kurse zu "toxischer Männlichkeit" geschickt werden – ein Versuch, weiße Jungen aus der Arbeiterklasse "umzuerziehen", der garantiert tausend Memes hervorbringen wird. Das Programm wurde als zentraler Bestandteil der Regierungsstrategie präsentiert, Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis 2035 zu halbieren. Keine Sorge wegen der Grooming-Gangs – die wahren Täter sind die keulenschwingenden Teenager, ganz wie in der Serie "Adolescence", die vergangene Woche von der Hollywood Foreign Press Association mit Golden Globes überhäuft wurde.

Aber hat Großbritannien tatsächlich ein Problem mit jungen Männern, die in die Arme gefährlicher rechtsextremer Influencer wie Andrew Tate und Tommy Robinson getrieben werden? Die Umfragedaten legen nahe, dass ein weitaus größeres Problem darin besteht, dass junge Frauen von der extremen Linken radikalisiert werden. Wir alle kennen den beliebten Gesprächspunkt bei Dinnerpartys, wonach sich die politischen Ansichten von Männern und Frauen zunehmend auseinanderentwickeln. Der Grund dafür ist jedoch nicht – wie häufig angenommen – dass Männer nach rechts rücken.

Laut einer Analyse der Financial Times waren die politischen Ideologien von 18- bis 29-jährigen Männern und Frauen in den 1990er-Jahren weitgehend identisch; beide Gruppen waren im Durchschnitt leicht linksliberal eingestellt. Im Jahr 2024 hingegen waren Männer etwas linksliiberaler geworden – nicht konservativer –, während Frauen sich deutlich weiter nach links bewegt hatten. Große Teile junger Frauen sind zu Befürworterinnen der "Omni-Cause" geworden – Transrechte, Klimagerechtigkeit, offene Grenzen, Antirassismus und die Lage der Palästinenser. Die intersektionale Hierarchie der Unterdrückung – und der Kampf gegen "White Supremacy" – bildet ihren ideologischen Leitstern.

Dasselbe Muster ist in Frankreich, Deutschland, Kanada, Australien, Neuseeland und den Vereinigten Staaten zu beobachten: Die Ansichten junger Männer haben sich in den vergangenen 25 Jahren kaum verändert, während junge Frauen deutlich nach links tendiert sind. Zugegeben, viele kehren zur politischen Mitte zurück, wenn sie heiraten und Kinder bekommen – doch das geschieht immer seltener, weil "woke" Frauen keine nicht-woken Männer daten wollen. Grundsätzlich gilt: Je stärker sich die politischen Ideologien von Männern und Frauen unterscheiden, desto ausgeprägter ist die Fertilitätskrise. Südkorea weist bei beiden Kennzahlen besonders schlechte Werte auf. China liegt nicht weit dahinter und verzeichnet die niedrigste Geburtenrate seiner Geschichte.

Was erklärt die Radikalisierung junger Frauen? Der Konsens unter Sozialwissenschaftlern besagt, dass dies etwas mit dem Aufstieg sozialer Medien zu tun hat, der ebenfalls für die Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit verantwortlich gemacht wird – und möglicherweise hängen beide Phänomene zusammen. Betrachtet man die fünf großen Persönlichkeitsdimensionen, erzielen Frauen im Durchschnitt höhere Werte als Männer bei "Verträglichkeit" und "Neurotizismus". Dieses Bedürfnis nach sozialer Anpassung und die Angst vor Ausgrenzung machen sie anfälliger dafür, sich der vorherrschenden ideologischen Orthodoxie anzuschließen – die in sozialen Medien links geprägt ist. George Orwell erkannte dies bereits, weshalb er in seinem Roman "1984" junge Frauen zu den eifrigsten Parteimitgliedern machte. Ein ähnliches Muster zeigte sich während der chinesischen Kulturrevolution.

Abgesehen vom Druck auf die Geburtenraten: Gibt es weitere Gründe, sich über "toxische Weiblichkeit" Sorgen zu machen? Ja, sagt die konservative Kommentatorin Helen Andrews. In einem Essay für "Compact" [hier für Genderama ins Deutsche übersetzt - A.H.] warnte sie, dass Institutionen und Berufe, sobald sie mehrheitlich weiblich werden, von radikal-progressiver Ideologie durchdrungen würden und sich von jenen Werten entfernten, die sie einst erfolgreich gemacht hätten. Die offensichtlichsten Opfer seien Universitäten, die nun soziale Gerechtigkeit über die Suche nach Wahrheit stellten. Aber auch der Journalismus habe darunter gelitten, da die Grenze zwischen Berichterstattung und politischem Aktivismus zunehmend verschwimme. Am meisten beunruhigt Andrews jedoch die Feminisierung des Rechtswesens, in dem bevorzugte Gruppen Straffreiheit genössen, während benachteiligte Gruppen besonders hart verfolgt würden. Diese "Zwei-Klassen-Justiz" werde katastrophale Folgen haben, da Männer das Vertrauen in das System verlören.

Lässt sich dieser Trend aufhalten? Die Financial Times warnt vor übermäßigem Optimismus und verweist darauf, dass sich die ideologische Kluft weiter vergrößert und Männer inzwischen beginnen, sich nach rechts zu bewegen. Unsere beste Hoffnung könnte darin bestehen, den Fokus auf heranwachsende Mädchen zu legen, Lehrkräfte im Erkennen von Männerhass zu schulen und Betroffene zum Dartswerfen zu schicken sowie ihnen einen Crashkurs in Schlagfertigkeit zu verordnen.

Doch wie groß ist die Chance, dass die Regierung eine solche Initiative unterstützt? Ich fürchte, wir sind dazu verdammt, in einer zunehmend totalitären Gesellschaft zu leben – mit dem einzigen Trost, dass die Menschheit innerhalb weniger Generationen aussterben wird.


Wie gesagt, ich halte den Artikel für sehr zugespitzt und eher eine Reaktion auf ähnlich überzogene Rhetorik aus dem linken Spektrum. Man muss nicht besonders radikal sein, um sich für Menschenrechte und gegen Rassismus einzusetzen. Aber ich finde es erwähnenswert, mit welcher Schärfe die Geschlechterdebatte inzwischen in britischen Medien geführt wird.



2. "Wenn sich nichts ändert, werden immer mehr Frauen das Interesse an Männern verlieren" behauptet eine Autorin, die von der "Welt" vorgestellt wird, und beteuert: "Das ist kein pauschaler Männerhass". Immerhin darf es in dem Artikel Einspruch gegen die kruden Thesen der Autorin geben:

Das Phänomen "Hetero-Fatalismus" betrachte er als eine unter anderem durch Social Media begünstigte Modeerscheinung, sagt hingegen Paartherapeut Clemens von Saldern. "Frauen waren früher eigentlich viel benachteiligter, als sie es heute sind. Politisch und familiendynamisch hat sich erfreulicherweise wahnsinnig viel angeglichen. Dass sich Frauen heute dennoch verstärkt als Opfer identifizieren, ist aus meiner Sicht teilweise antizyklisch", sagt er. Ein Grund hierfür könne eine oft aus dem Opfer-Status heraus empfundene moralische Superiorität sein – den "Guten" anzugehören. Von Saldern nennt dies das "Opfer-Paradoxon": eine Gleichzeitigkeit von Unter- und Überlegenheit.


Das scheint mir doch recht gut getroffen.



3. Ebenfalls in der "Welt" findet man eine Verteidigung der männlichen Wut.



4. Der WDR hat junge Männer interviewt, die gerade ihren Bundeswehr-Fragebogen zugeschickt bekommen haben.



5. Gegen den britischen Alternative-Rock-Musiker Yungblud findet ein Shitstorm statt, weil er sich gemeinsam mit dem Rammstein-Sänger Till Lindemann fotografieren ließ. Die nächste Stufe in dieser anscheinend nach oben offenen Eskalationsspirale dürften, Shitstorms gegen Leute sein, die Till Lindemann auch nur erwähnen.



6. 3sat-Kultur fragt, ob der neue Feminismus "fotzig" sei – gefolgt von einem Hinweis auf eine Dokumentation, die "häusliche Gewalt" einmal mehr auf "Gewalt gegen Frauen" verkürzt. (Das finde ich eher hinterfotzig, wenn wir uns schon auf dieses Sprachniveau begeben müssen.)

Fast jede vierte Frau macht im Laufe ihres Lebens mindestens eine Gewalterfahrung. Häufig sind es der Partner oder der Ehemann, die sie misshandeln, und oft geschieht dies im eigenen Zuhause - hinter verschlossenen Türen, unsichtbar für die Blicke von Nachbarn und Freunden. Die Filmemacherin Alina Cyranek wollte wissen, was sich hinter diesen Fassaden abspielt. Für ihren gleichnamigen Film "Fassaden" hat sie Geschichten betroffener Frauen gesammelt. Es geht um toxische Beziehungen, Missbrauch und das Gefühl der Hilflosigkeit. Ihre Recherchen hat sie zu einem Erlebnisbericht verwoben, dem die Schauspielerin Sandra Hüller stellvertretend für die Frauen ihre Stimme leiht. Untermauert wird die Erzählung durch Expertinnen und Experten aus Polizei, Sozialarbeit, Rechtswissenschaft und Psychologie. Die Dokumentation kommt am 12. Februar in die deutschen Kinos.


Sandra Hüllers Weg von dem großartigen Film "Zone of Interest" zu einer sexistischen Dokumentation war enttäuschend kurz.



7. Aktuelle Nachrichten aus Frankreich warnen vor "dem unterschätzten Aufstieg des radikalen Maskulinismus". Während damit laut Text auch Strömungen gemeint sind, die "männliche Benachteiligung postulieren", findet durch eine massiv propagandistische Bildsprache eine Gleichsetzung mit vermummten Messermännern statt.

Diese Agitation geschieht vor einem ähnlich brisanten Hintergrund: In Frankreich soll "toxische Männlichkeit" als Gefahr für die nationale Sicherheit erklärt werden.

Frankreich hinkt Großbritannien im Umgang mit toxischer Männlichkeit hinterher und sollte diese zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit erklären, so ein Regierungsbericht.

Rund zehn Millionen Menschen in Frankreich – etwa 17 Prozent der Bevölkerung – vertreten laut der Gleichstellungsbehörde des Landes eine Haltung des "feindseligen Sexismus", ein Weltbild, das Frauen abwertet und in seinen extremsten Ausprägungen Gewalt rechtfertigen kann.

In ihrem Jahresbericht warnt der Hohe Rat für Gleichstellung (HCE), dass eine wachsende "maskulinistische" Ideologie durch aus den Vereinigten Staaten importierte Kulturkämpfe genährt werde, durch Donald Trump legitimiert sei und durch soziale Medien verstärkt werde.

Zwar werden keine französischen Politiker namentlich genannt, doch eine der Autorinnen stellte die Bilanz von Präsident Emmanuel Macron in Sachen Gleichstellung infrage und kontrastierte seine Rhetorik mit Persönlichkeiten wie Trump.

"Der Unterschied zu Trump ist, dass er seinen Antifeminismus offen vertritt", sagte Cécile Piques, Mitautorin des Berichts und Sprecherin der feministischen Gruppe Osez le Féminisme!. "Macron hat Versprechen gemacht, die er nicht eingehalten hat.“

Der Bericht stellt Macrons Gleichstellungspolitik infrage.

Der Maskulinismus entstand in den 1980er Jahren als Reaktion auf den Feminismus. Doch – so der Bericht – "während der Feminismus auf Gleichberechtigung abzielt, verteidigt der Maskulinismus eine reaktionäre Ideologie, die auf der Wiederherstellung männlicher Vorherrschaft beruht".

Der HCE erklärt, Frankreich liege hinter Verbündeten wie Kanada und dem Vereinigten Königreich zurück, die extreme Frauenfeindlichkeit bereits in ihre Programme zur Bekämpfung von Radikalisierung aufgenommen hätten.

Im Jahr 2024 ordnete die britische Regierung eine Überprüfung ihrer Anti-Terror-Strategie an, um zu prüfen, ob extreme Misogynie offiziell als Form des Extremismus eingestuft werden sollte. Eine später durchgesickerte Bewertung des Innenministeriums identifizierte die Online-"Manosphäre" als mögliches Einfallstor für weitergehende Radikalisierung.

In Frankreich warnt der HCE nun, diese Bewegung stelle ein "erhebliches Risiko für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die öffentliche Sicherheit und darüber hinaus für demokratische Prinzipien" dar, und fordert eine "kohärente und koordinierte" nationale Antwort.

"Wir sind zu langsam darin, maskulinistische Radikalisierung als Form des Extremismus anzuerkennen", sagte Piques. "Es gibt weiterhin zu wenig Bewusstsein für diese neuen Informationsblasen unter Jugendlichen und dafür, wie sich diese Ideologien online verbreiten."

Sie verwies auf ein Gesetz aus dem Jahr 2001, das drei jährliche Unterrichtseinheiten zu emotionaler und sexueller Bildung in Schulen vorschreibt – ein zentraler Pfeiler der Prävention, der laut HCE jedoch häufig ignoriert werde.

"Es wird nicht einmal umgesetzt", sagte sie. "Es fehlt der politische Wille, Plattformen angemessen zu regulieren, selbst dann, wenn dort illegale Inhalte kursieren, die Gewalt oder Vergewaltigungskultur verherrlichen."

Ein Wendepunkt kam im Juni des vergangenen Jahres, als französische Behörden einen geplanten Messerangriff in Saint-Étienne vereitelten. Der mutmaßliche Täter, ein 18-Jähriger, identifizierte sich ausschließlich mit der sogenannten Incel-Bewegung.

Es war das erste Mal in Frankreich, dass eine frauenfeindliche Ideologie nicht als gewöhnliche Kriminalität, sondern im Rahmen der Terrorismusgesetzgebung behandelt wurde.

Der HCE fordert nun die Regierung auf, "frauenfeindlichen Terrorismus" in die nationale Sicherheitsdoktrin aufzunehmen und die Geheimdienste darin zu schulen, Codes, Sprache und Rekrutierungsstrategien der Online-"Manosphäre" zu erkennen.

"Wenn man die maskulinistische Sprache nicht versteht, verfehlt man den Kern", sagte Bérangère Couillard, Präsidentin des Rates, und verwies auf die britische Netflix-Serie Adolescence, die die Radikalisierung von Jungen durch eine online verbreitete misogynistische Kultur darstellt.

(..) Sie erkannte Reformen unter Macron an, darunter ein Gesetz von 2021, das jede sexuelle Penetration von unter 15-Jährigen als Vergewaltigung definiert, sowie die jüngste Verankerung des Rechts auf Abtreibung in der Verfassung.

Gleichzeitig warf sie dem Präsidenten vor, sein Versprechen aus dem Jahr 2017, die Gleichstellung der Geschlechter zur "großen Sache" seiner Amtszeit zu machen, nicht eingelöst zu haben – insbesondere dann, wenn prominente, machtnahe Kulturschaffende der Übergriffe beschuldigt wurden, etwa der Schauspieler Gérard Depardieu, der Vergewaltigungsvorwürfe bestreitet.

"Wenn es um Männer der Kultur ging, hat er sie verteidigt. Das hat die französische Gesellschaft schockiert."

Sie kritisierte auch Äußerungen von Brigitte Macron, die kürzlich auf Video zu sehen war, wie sie Feministinnen, die eine Show eines Stand-up-Comedians störten, der zuvor von einem Vergewaltigungsvorwurf freigesprochen worden war, als "dumme Schlampen" bezeichnete. Führungsverhalten habe symbolisches Gewicht, argumentierte Piques. "Es vermittelt den Eindruck, dass man die ‚Eigenen‘ nicht antastet."

"Wenn das Präsidialamt ein überwiegend männliches, virilistisches Umfeld ausstrahlt, legitimiert das genau jene Haltungen, die wir bekämpfen wollen."

Diese Kritik findet sich auch in einem kürzlich erschienenen Buch ehemaliger Macron-Vertrauter, "Néron à l’Élysée", das den Präsidentenpalast als "Macholand" beschreibt – einen stark männlich dominierten Hof, geführt von einer engen "Boyband" loyaler Gefolgsleute.

Die Autoren schildern whiskygetränkte Strategiesitzungen, machohaft geprägte Codes aus Kult-Gangsterfilmen und Entscheidungskreise, in denen Frauen kaum vertreten sind.


Ich wollte diesen Artikel eigentlich so stehen lassen, weil er für Menschen mit Hintergrundwissen – und das sind die meisten Leser dieses Blogs – für sich selbst spricht. Allerdings habe ich den Originalbeitrag ChatGPT zur Übersetzung gegeben, und weil ich den Wunsch nach einer Übersetzung nicht deutlich genug gepromptet habe, hat die KI den Text im ersten Anlauf stattdessen einer rhetorischen Analyse unterzogen – ungeplant, aber aufschlussreich. Ich habe den Bulletpoint-Stil von ChatGPT im Schriftbild etwas mehr in Fließtext umgewandelt:

1. Der Kernkniff: Aus problematischen Haltungen wird "nationale Sicherheit"

Der Bericht vollzieht einen massiven kategorialen Sprung: Von "Sexismus" zu "Radikalisierung" zu "Terrorismus" zu "Bedrohung der nationalen Sicherheit". Ohne diesen Übergang sauber zu begründen. Dass sexistische Einstellungen verbreitet sind, ist unstrittig. Dass einzelne Täter sich auf frauenfeindliche Ideologie berufen, ebenfalls. Was fehlt: Eine systematische Begründung, warum Einstellungen (17 % "feindseliger Sexismus") plötzlich sicherheitsrelevant sein sollen. Keine Schwelle. Keine Abgrenzung. Keine Vergleichswerte (Religion, Ethnizität, politische Milieus). Das ist analytisch unsauber und sicherheitspolitisch gefährlich.

2. Die 17 %-Zahl: Eindruck ohne Kontext

"17 % der Franzosen subscriben zu hostilem Sexismus" klingt dramatisch – bleibt aber leer. Ungeklärt: Wie wird "feindseliger Sexismus" gemessen? Welche Items? Welche Intensität? Welche Alters-, Bildungs- oder Milieugruppen? Ohne Vergleichswerte (z. B. autoritäre Einstellungen, religiöser Fundamentalismus, Gewaltakzeptanz insgesamt) ist die Zahl politisch, nicht analytisch. Das ist ein klassischer Alarmismus durch Statistik ohne Einordnung.

3. "Maskulinismus = male supremacy": Strohmann-Definition.

Der Bericht definiert "Maskulinismus" ausschließlich als: reaktionäre Ideologie der Wiederherstellung männlicher Vorherrschaft. Damit wird jede männliche Gegenperspektive auf Geschlechterpolitik implizit delegitimiert.

Probleme:

Männerrechtsanliegen (Familienrecht, Bildung, Suizid, Arbeitsunfälle) werden gar nicht unterschieden.

Kritik an Feminismus wird automatisch als "suprematistisch" kodiert.

Das verhindert Differenzierung und treibt genau die Polarisierung an, die man angeblich bekämpfen will.

4. Importierter Kulturkampf als Erklärung – bequem, aber schwach

Die Schuldzuweisung: USA, Trump, Tate, Social Media. Das ist politisch bequem, aber analytisch dünn. Geschlechterkonflikte existieren in Frankreich seit Jahrzehnten. Frankreichs eigene Traditionen von Machismo, Sexualpolitik und Intellektuellendebatten werden ausgeblendet. Soziale Faktoren (Arbeitslosigkeit, Bildungsabstieg, Entkopplung junger Männer) tauchen nicht auf. Externalisierung ersetzt Ursachenanalyse.

5. Der Saint-Étienne-Fall: Ein Einzelfall als Paradigmenwechsel

Ein vereitelter Messerangriff eines 18-Jährigen mit Incel-Bezug wird zum Beweis: für "frauenfeindlichen Terrorismus", für eine neue Extremismusform, für die Notwendigkeit sicherheitsstaatlicher Maßnahmen. Das ist methodisch nicht haltbar. Einzelfall ≠ Struktur. Sonst müsste man auch: Femizide als staatliche Unterdrückungsstrategie lesen oder islamistischen Terror als Ausdruck muslimischer Normalität. Beides würde man (zu Recht) zurückweisen.

6. Präventionsrhetorik mit Umerziehungslogik

Die vorgeschlagenen Maßnahmen: Geheimdienste sollen "Codes und Sprache" lernen. Schulen sollen stärker "präventiv" eingreifen und Plattformen härter regulieren. Das Problem: Keine klaren Kriterien, was noch Meinung und was Extremismus ist. Keine rechtsstaatlichen Schranken. Hohe Gefahr von Gesinnungsprävention. Das erinnert weniger an Deradikalisierung, mehr an ideologische Hygieneprogramme.

7. Andrew Tate als Symbolfigur: analytisch bequem, strategisch irreführend

Tate ist ein dankbares Feindbild – aber: Er erklärt nicht die Breite männlicher Unzufriedenheit. Er ist eher Symptom als Ursache. Sein Einfluss wird überschätzt, um strukturelle Probleme nicht benennen zu müssen. Personalisierung ersetzt Strukturkritik.

8. Macron, "Macholand" und Moralpolitik

Der letzte Teil driftet offen in kulturkämpferische Moralanklage: Macron als Heuchler. Élysée als Männerclub. Whisky, Gangsterfilme, "virilistische Codes". Das mag politisch pointiert sein, hat aber null sicherheitsanalytischen Mehrwert. Spätestens hier ist klar: Der Bericht ist normativ, nicht neutral.

Kurz gesagt: Der Bericht will reale Probleme lösen, wählt dafür aber ein Instrumentarium, das neue schafft – Misstrauen, Polarisierung und staatliche Übergriffigkeit.

= Rechtsstaatliche Risiken solcher Sicherheitsdoktrinen =

a) Unschärfe als Machtinstrument

Wenn Begriffe wie "toxische Männlichkeit", "maskulinistische Codes" und "problematische Narrative" in Sicherheitsdoktrinen einziehen, entsteht ein Instrument ohne klare Begrenzung. Unschärfe ist politisch nützlich – rechtsstaatlich toxisch.

b) Gesinnungsstrafrecht durch die Hintertür

Der Übergang von "Gewalt legitimieren" zu "falsche Haltung äußern" ist fließend, sobald Sprache selbst als Sicherheitsrisiko gilt. Das kennen wir aus: der Geschichte politischer Polizei, autoritären Systemen und schlecht gemachten Deradikalisierungsprogrammen.

c) Selektive Anwendung

Ein zentrales Problem: Misandrie, pauschale Männerverachtung oder Gewaltfantasien gegen Männer werden nicht symmetrisch behandelt. Das untergräbt: Vertrauen in staatliche Neutralität, Akzeptanz von Präventionsprogrammen und letztlich ihre Wirksamkeit.

d) Gegenradikalisierung als Nebenwirkung

Wer jungen Männern signalisiert: ihr Geschlecht sei ein Sicherheitsproblem, ihre Sprache verdächtig, ihre Frustration illegitim, produziert genau das Ressentiment, das angeblich bekämpft werden soll.

= Frühere Moralpaniken: Die Muster sind alt =

Jetzt zum historischen Teil. Die Ähnlichkeiten sind frappierend.

1. Die "Satanic Panic" (1980er/90er)

Behauptung: Kinder würden massenhaft in satanischen Kulten missbraucht. Versteckte Codes, Symbole, Rituale überall.

Merkmale: anekdotische Evidenz, Experten mit Sendungsbewusstsein, totale Gewissheit ohne Beweise.

Ergebnis: zerstörte Existenzen, Fehlurteile, später komplette Implosion der Theorie.

Parallele: heutige Suche nach "maskulinistischen Codes".

2. Comics, Rockmusik, Dungeons & Dragons

Jeweils hieß es: korrumpiert Jugend, führt zu Gewalt, untergräbt Moral. Die Argumentationsstruktur war identisch: "Man sieht es doch!" – "Die Sprache verrät alles!" – "Prävention ist besser als Freiheit!" Heute sind es Memes, Podcasts, Influencer.

3. Gewaltspiele & Amokläufe

Nach jedem Schulmassaker: Computerspiele als Ursache, Gamer-Kultur als Brutstätte.

Empirisches Ergebnis: keine kausale Verbindung, enorme Stigmatisierung, Ausweichbewegung in abgeschottete Szenen. Lehrstück dafür, wie falsche Erklärungen echte Prävention verhindern.

= Warum diese Paniken immer scheitern =

Sie scheitern nicht weil Probleme erfunden wären, sondern weil:

1. Ursachen falsch identifiziert werden → soziale Isolation, ökonomische Perspektivlosigkeit, Sinnkrisen werden ignoriert.

2. Moralische Gewissheit ersetzt Analyse → Gut/Böse statt Ursache/Wirkung.

3. Repression statt Integration → Ausgrenzung produziert genau die Milieus, die man verhindern wollte.

4. Asymmetrie der Empörung → Wer selektiv moralisiert, verliert Glaubwürdigkeit.

= Der eigentliche Grenztest (entscheidend) =

Eine einfache Frage trennt Rechtsstaat von Moralpanik:

Würden wir dieselbe Logik anwenden, wenn die Zielgruppe eine andere wäre?

Frauenhass → Sicherheitsproblem

Männerhass → "Venti", "Kontext", "Humor"

Diese Asymmetrie ist der Kern der Vertrauenskrise.

Geschichte zeigt: Moralpaniken fühlen sich immer dringlich, rational und alternativlos an – bis sie implodieren.


Irre, ChatGPT argumentiert ohne jedes Prompting wie ein Männerrechtler. Die Meldestelle Antifeminismus ist informiert.



Wir kommen zu Nachrichten aus anderen Ländern.



8. Zwei Jungen, die in Gaza Feuerholz gesammelt haben, sind dabei erschossen worden.



9. Eine Britin hat eine Frau 25 Jahre als Haussklavin gehalten. Zu Beginn war das Opfer 16.



10. Eine laufende britische Online-Studie untersucht, wie sich die Einschätzung seelischer Gewalt ändert, wenn das Opfer männlich ist.



11. Was viele nicht wissen: Shakespeare war in Wirklichkeit eine schwarze jüdische Frau.

(Da Shakespeare mit Anne Hathaway verheiratet war, war sie vermutlich außerdem lesbisch.)



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Freitag, Januar 23, 2026

"Es ist Zeit, wieder mit dem Mansplainen anzufangen"

1. "Es ist Zeit, wieder mit dem Mansplainen anzufangen" – zu dieser Einschätzung gelangt die britische Tageszeitung Telegraph. Das feministische Bestreben, Männer zum Schweigen zu bringen, schade der gesamten Gesellschaft. Ein Auszug aus dem Artikel:

Eine der unerquicklicheren Trugschlüsse des Feminismus – und Auswahl gibt es reichlich – ist das Anprangern und Beschämen des sogenannten "Mansplainings". Damit ist jener Trend gemeint, der leider große Teile der Bevölkerung überzeugt hat, Männer – insbesondere ältere weiße Männer – als langweilige, rechthaberische Besserwisser darzustellen, die sich unnötig in die Angelegenheiten anderer einmischen.

Die Ironie dabei ist, dass heute oft genau diejenigen zu belehrenden Nervensägen werden, die unablässig über "Ungerechtigkeiten", "toxische Männlichkeit" und die Unfehlbarkeit von "my body, my choice" dozieren – also Frauen, die sich moralisch überlegen wähnen. (…) Der feministische Impuls, Männer zum Schweigen zu bringen, hat allen geschadet. Er hat zum schleichenden Tod der Kommunikation beigetragen, den wir heute beobachten. Immer mehr Menschen scheuen den Austausch mit anderen. Es gilt als Tabu, überhaupt noch Fremde anzusprechen, während Versuche, sich dem Zeitgeist zu widersetzen und menschliche Nähe zu suchen, als "creepy" oder "weird" abgestempelt werden. Gleichzeitig hören wir endlose Klagen über Einsamkeit – was für eine Überraschung, dass Menschen einsam sind.

Diese wachsende Einsamkeit wird noch verstärkt durch den Mangel an lebenskluger Weitergabe von Erfahrung zwischen den Generationen. Jeder braucht Mentoren und Ratschläge von beiden Geschlechtern, doch junge Männer brauchen besonders den Rat anderer Männer. Den bekommen sie jedoch kaum noch, zumindest nicht von Angesicht zu Angesicht – und das wäre die wirksamste Form. Stattdessen wenden sich junge Männer und Frauen sozialen Medien oder sogar KI zu, um den Mangel an echter Kommunikation zu kompensieren.

(…) Wie der amerikanische Dichter und Schriftsteller Robert Bly in seinem Bestseller "Iron John: Men and Masculinity" von 1990 herausarbeitet, sind Männlichkeit und Mannsein in der modernen Gesellschaft zunehmend verächtlich gemacht worden, besonders in Popkultur, Wissenschaft und Medien. Das hat dazu geführt, dass sich junge Männer von den positiven Aspekten ihres XY-chromosomalen Geburtsrechts abwenden. Zugleich stehen sie ratlos vor den grundlegenden Fragen des Lebens.

"Das zeitgenössische Geschäftsleben erlaubt nur noch konkurrenzhafte Beziehungen, in denen die vorherrschenden Gefühle Angst, Anspannung, Einsamkeit, Rivalität und Furcht sind", schreibt Bly. "Was tun Männer nach der Arbeit? Sie sammeln sich in einer Bar, führen belanglose Gespräche bei leichtem Bier … Keine seelische Verbundenheit mit anderen Männern zu haben, kann die schmerzhafteste Wunde von allen sein."




2. Die fanatische Treibjagd auf die Band Rammstein hat sich inzwischen auf eine Band ausgeweitet, die Songs von Rammstein covert.



3. In Augsburg hat eine Mutter ihre siebenjährige Tochter zum Missbrauch angeboten. Hierzu fertigte sie auch ein pornographisches Foto von ihr an. Der Mann, dem dieses Angebot unterbreitet wurde, schaltete die Polizei ein. Die Mutter wurde nun zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.



4. Die Zeitung Times of Israel berichtet über ein Problem, das seit fast einem Jahr Thema auf Genderama ist:

Kürzlich veröffentlichte Berichte aus dem Büro der öffentlichen Verteidigung im Justizministerium zeigen, dass palästinensische Sicherheitsgefangene in israelischen Gefängnissen schwerer und systematischer Gewalt durch Justizvollzugsbeamte ausgesetzt waren. Dazu kamen Nahrungsentzug, mangelhafte medizinische Versorgung sowie unhygienische Bedingungen, die Krankheitsausbrüche in den Haftanstalten verursacht oder verschärft haben.

Inspektoren der öffentlichen Verteidigung, die 2024 vier Gefängnisse besuchten, dokumentierten stark abgemagerte Häftlinge und stellten an den Körpern der befragten Gefangenen sichtbare Spuren von Misshandlungen und medizinischer Vernachlässigung fest. Die Berichte wurden nach einem einjährigen Rechtsstreit durch die Association for Civil Rights in Israel (ACRI) öffentlich gemacht, die einen Antrag auf Informationsfreiheit gestellt hatte, nachdem das Justizministerium die Herausgabe der Dokumente verweigert hatte.

Die Inspektoren beschrieben die Zustände in einem der besuchten Gefängnisse als "nicht geeignet, um Menschen dort festzuhalten", und erklärten zu einem weiteren, ihre Feststellungen belegten "unnötige und ungerechtfertigte Gewalt gegen Gefangene", die "regelmäßig und bei zahlreichen Gelegenheiten" ausgeübt worden sei.

"Diese Berichte, die wir erhalten haben, bestätigen die Aussagen von Gefangenen sowie die Berichte von Menschenrechtsgruppen und internationalen Organisationen über weitverbreitete Missstände in Israels Gefängnissen", sagte Oded Feller, ein Anwalt des ACRI, der an der Erlangung der Berichte der öffentlichen Verteidigung beteiligt war.

"Sie zeigen, dass diese sadistischen Übergriffe in israelischen Gefängnissen tatsächlich stattfinden."


Aus der israelischen Oppositionszeitung Haaretz erfährt man zeitgleich folgendes:

Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem beschreibt mutmaßliche Misshandlungen in israelischen Sicherheitsgefängnissen. Er stützt sich auf Aussagen ehemaliger Häftlinge und nennt Gewalt durch Justizvollzugsbeamte, Soldaten und Angehörige des Shin Bet, darunter sexuelle Gewalt, Nahrungsentzug, Misshandlung, harte Haftbedingungen sowie die Verweigerung medizinischer Versorgung.

Der Bericht, der auf Interviews mit freigelassenen Gefangenen basiert, enthält Aussagen von vier ehemaligen Insassen, die von "einem gravierenden Muster sexueller Gewalt" durch Gefängniswärter und Soldaten berichten. Dazu gehörten demnach "das Entkleiden durch Sicherheitskräfte, Schläge auf die Genitalien mit schweren Verletzungsfolgen, das Hetzen von Hunden auf Gefangene sowie erzwungene anale Penetration mit verschiedenen Gegenständen".

Yuli Novak, die Geschäftsführerin von B’Tselem, erklärte in der Einleitung des Berichts, "israelische Haftanstalten – sowohl militärische als auch zivile – seien in ein Netz von Lagern verwandelt worden, die als politische Praxis der Misshandlung von Insassen dienten. Ein solcher Raum, in dem jeder, der ihn betritt, zu vorsätzlich herbeigeführtem, schwerem und unablässigem Leid verurteilt ist, fungiert de facto als Folterlager."

Weiter sagte sie: "Der Völkermord in Gaza, die eskalierende Gewalt und ethnische Vertreibungen im Westjordanland sowie die Verfolgung palästinensischer Staatsbürger Israels prägen auch die Behandlung von Gefangenen. Obwohl die Misshandlungen offen stattfinden und gut dokumentiert sind, haben internationale Akteure bislang davon abgesehen, wirksam einzugreifen – ein weiterer Faktor, der das Fortbestehen systematischer Folter ermöglicht. Die Folter palästinensischer Gefangener, die von den israelischen Medien durchweg als 'Terroristen' bezeichnet werden, ist zur akzeptierten Norm geworden."


Männerpolitisch relevant ist hier nicht zuletzt die häufig verschwiegene sexuelle Gewalt gegen Männer. In der britischen Tageszeitung Guardian hat sich jetzt ein ehemaliger palästinensischer Gefangener dazu geäußert:

Sami al-Saei berichtete, er habe gehört, wie die israelischen Gefängniswärter während der Vergewaltigung lachten, bevor sie ihn mit verbundenen Augen, gefesselt und vor Schmerzen gequält auf dem Boden liegen ließen, um eine Zigarettenpause zu machen.

Mindestens einer aus der Gruppe wusste, dass ein Verbrechen begangen wurde, griff jedoch nicht ein, um die Folter zu beenden, sondern um ihre Dokumentation zu verhindern. Al-Saei sagte, er habe jemanden warnen hören: "Mach kein Foto, mach kein Foto", während sie ihn angriffen.

Er blutete mehr als drei Wochen lang aus dem Rektum nach dem Übergriff, der kurz nach seiner Festnahme im Februar 2024 stattfand. Er schilderte sexuelle Folter, die länger als 20 Minuten dauerte, darunter Schläge auf das Gesäß, extremer Druck auf seine Genitalien durch einen Wärter sowie erzwungene anale Penetration mit zwei verschiedenen Gegenständen.

"Ich versuchte, sie aufzuhalten, indem ich meine Muskeln (im Anus) anspannte, aber ich konnte es nicht. Sie drangen sehr tief ein, es war extrem schmerzhaft", sagte er in einem Interview über das Erlebte. "Ich weiß nicht, wie laut ich vor Schmerz geschrien habe."

Die Schmerzen waren so stark, dass er danach zweimal zusammenbrach, als man ihm befahl aufzustehen und zu gehen. In eine überfüllte Zelle verlegt, erhielt al-Saei nach eigenen Angaben keine medizinische Behandlung und musste Toilettenpapierbündel benutzen, um die Blutung zu stillen.

Der 47-jährige Vater von sechs Kindern wurde bis Juni 2025 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Rund 40 Tage nach seiner Freilassung veröffentlichte er ein Video auf TikTok, in dem er den Angriff schilderte, und trotzte damit dem massiven sozialen Stigma sowie israelischen Warnungen, Misshandlungen in Gefängnissen nicht öffentlich zu machen.

"Ich konnte nicht schweigen. Ich habe eine moralische Verantwortung, zu sagen, was mir und anderen Gefangenen angetan wurde", sagte er.

Umfassende und extreme sexuelle Gewalt in Israels zivilen und militärischen Gefängnissen ist von in- und ausländischen Beobachtern dokumentiert worden, darunter Ärzten, der israelischen Militärstaatsanwaltschaft und dem UN-Ausschuss gegen Folter.

(…) Ein Sprecher des israelischen Gefängnisdienstes erklärte, man weise "die falschen Anschuldigungen im [B’Tselem-]Bericht kategorisch zurück" und sei "nicht mit den von al-Saei und anderen Überlebenden sexueller Gewalt beschriebenen Vorwürfen vertraut".

(…) Tamer Qarmut, 41, wurde im November 2023 von israelischen Soldaten festgenommen, als diese das Kamal-Adwan-Krankenhaus im Norden Gazas stürmten, wo seine Familie Zuflucht gesucht hatte.

Er sagte, er sei in den ersten 24 Stunden beschuldigt worden, ein Kämpfer zu sein – obwohl er seit einer Beinverletzung in seiner Jugend behindert ist – und sei so schwer geschlagen worden, dass er dauerhafte Hörschäden erlitt, von einem Hund angegriffen und anschließend von einem Soldaten vergewaltigt worden.

"Er schob mir einen Holzstock in den Anus, ließ ihn etwa eine Minute dort und zog ihn heraus. Dann schob er ihn wieder hinein, noch härter, und ich schrie aus voller Kehle", sagte Qarmut in einer gegenüber B’Tselem abgegebenen Aussage. "Nach einer Minute zog er den Stock wieder heraus, befahl mir, den Mund zu öffnen, steckte den Stock in meinen Mund und zwang mich, ihn abzulecken."

Er wurde fast zwei Jahre lang festgehalten, jedoch nie angeklagt oder vor Gericht gestellt, bevor er im Oktober vergangenen Jahres im Rahmen eines vom US-Präsidenten Donald Trump vermittelten Abkommens freikam.

Die israelischen Streitkräfte reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

Der Bericht von B’Tselem ist der zweite über die Zustände in Israels zivilen und militärischen Gefängnissen. Nach dem 7. Oktober 2023 seien die Haftzentren in ein Netzwerk verwandelt worden, das sich "als politische Praxis der Misshandlung von Insassen" verschrieben habe, in dem Folter eine "akzeptierte Norm" sei. "Ein solcher Raum, in dem jeder, der ihn betritt, zu vorsätzlich herbeigeführtem, schwerem und unablässigem Leid verurteilt ist, fungiert de facto als Folterlager", heißt es.

Die Misshandlung von Palästinensern geschehe nicht im Verborgenen. Gefängnisbehörden brüsteten sich mit dem Vorgehen, es werde öffentlich von israelischen Politikern und dem Justizsystem unterstützt, von israelischen Medien zustimmend berichtet und sei in der israelischen öffentlichen Meinung normalisiert worden, so B’Tselem.

2024 erhoben israelische Militärstaatsanwälte Anklage gegen mehrere Soldaten wegen einer gewaltsamen Vergewaltigung im Militärhaftzentrum Sde Teiman – der einzige Versuch, israelische Wärter wegen sexueller Gewalt in Haftanstalten nach Oktober 2023 strafrechtlich zu verfolgen.

Mitglieder der Regierung und der Knesset stellten sich hinter die Verdächtigen. Als Videoaufnahmen des mutmaßlichen Angriffs durchsickerten, löste dies in Israel kaum Empörung über die Misshandlung selbst aus. Stattdessen führte es zum Rücktritt und später zur Festnahme des obersten Militärjuristen. In diesem Zeitraum wurde lediglich ein Soldat wegen Misshandlung palästinensischer Gefangener verurteilt.

Die Folter palästinensischer Gefangener müsse im Kontext von Entmenschlichung und einer umfassenderen Kampagne extremer Gewalt verstanden werden, sagte B’Tselem-Direktorin Yuli Novak.

"Das israelische Regime hat seine Gefängnisse in ein Netzwerk von Folterlagern für Palästinenser verwandelt, als Teil eines koordinierten Angriffs auf die palästinensische Gesellschaft, der darauf abzielt, ihre Existenz als Kollektiv zu zerstören", sagte sie.

Außerhalb Israels habe es zwar Verurteilungen der Folter gegeben, jedoch kein wirksames Eingreifen. "Die internationale Gemeinschaft gewährt diesem Regime weiterhin vollständige Immunität", fügte sie hinzu.

(…) Viele der Toten waren jung und hatten zuvor keine gesundheitlichen Probleme. Abdul Rahman Mirie, 34, war Tischler und starb im November 2023. Er hinterließ drei junge Söhne und eine Tochter.

Er war im Februar 2023 auf dem Heimweg von der Arbeit festgenommen und ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert worden. Laut Angaben aus einer Gefängnisautopsie und Aussagen anderer Gefangener wurde er vermutlich zu Tode geprügelt. Männer in Zellen in seiner Nähe berichteten seiner Mutter Aziza, sie hätten ihn in seinen letzten Stunden vor Schmerzen rufen hören: "Bruder, komm und hilf mir, ich werde gefoltert."

Die Familie kann die Todesursache nicht bestätigen und keinen Abschluss finden, da Israel seinen Leichnam zurückhält.

Vor dem von Trump vermittelten Waffenstillstandsabkommen für Gaza im vergangenen Jahr erhielt Aziza Mirie einen Anruf der Behörden mit der Frage, ob sie die sterblichen Überreste ihres Sohnes haben wolle. "Wir sagten natürlich ja, aber wir hörten nie wieder etwas", sagte sie dem Guardian im Haus der Familie.

Miries gebrochener Vater starb kurz nach dem Verlust seines Sohnes, sagte Aziza, und die übrige Familie kämpfe ums Überleben. "Nachts stelle ich mir ständig vor, wie sie Abdul Rahman gefoltert haben und in welchem Zustand er vor seinem Tod war", sagte sie. "Manchmal finde ich seine Tochter allein weinend, und sie fragt mich: ‚Warum habe ich keinen Vater?‘"

Israel veröffentlichte zuletzt vor Trumps Waffenstillstandsabkommen Zahlen zu palästinensischen Gefangenen. Demnach hielt Israel im Januar etwa 9.000 Palästinenser aus Gaza, dem besetzten Westjordanland und Ost-Jerusalem fest. Rund die Hälfte von ihnen sitzt auf unbestimmte Zeit ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Haft.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts.



Donnerstag, Januar 22, 2026

"Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses"

Dieser Tage hat die junge Publizistin Virgina Weaver einen Beitrag online gestellt, in dem sie kritisch mit sich selbst und ihrem Hass auf Männer ins Gericht geht. Da er seinen Finger auf eine zentrale gesellschaftliche Wunde legt, über die nur wenige zu sprechen bereit sind, halte ich ihn für aufschlussreich genug, um ihn als Volltext in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen.



Es gibt keine Abfahrt vom Highway des Männerhasses

Wenn ein Junge frauenfeindlich wird, gibt es zahllose Anreize für ihn, rechtzeitig umzudenken. In der realen Welt finden nur wenige Menschen Frauenfeindlichkeit gut – zumindest nicht in den extremen Ausprägungen, die man online häufig sieht. Es gibt viele gute Gründe, Hass kulturell zu ächten, besonders eine so zerstörerische Form davon, und keinen einzigen guten Grund dagegen. Frauenfeindlichkeit ist Bigotterie, und Bigotterie ist schlecht.

Ich war einmal – nicht gestern, aber auch nicht in grauer Vorzeit – im Grunde das männerhassende Gegenstück zu dem, was jenseits der Red Pill liegt. Ich hatte panische Angst vor Männern, verachtete sie, betrachtete sie als minderwertig und konnte mich kaum in sie hineinversetzen. Ich vergeistigte meinen Männerhass. Irgendwann war meine Angst so groß, dass ich versuchte, öffentliche Räume zu meiden (das war während der Lockdowns, also meist möglich und sogar erwünscht). Ich ging offen mit meinen Vorurteilen um. Ich meinte jedes Wort.

Und ich bekam Beifall für meinen Männerhass.

Menschen in linksliberalen Milieus, in denen ich mich meist bewege, verschlangen so was. Obwohl ich politisch rechts von den meisten im akademischen Umfeld und den angrenzenden sozialen Sphären stehe, traf mein Männerhass einen Nerv, schnitt tief und brachte mir Anerkennung im progressiven Lager ein. Ich weiß nicht, wie viele Leute im Lauf der Jahre erkannten, dass mein Hass auf Männer ernst gemeint war, während die der anderen oft bloß eine Inszenierung unter Freundinnen war, bevor sie nach Hause zu ihren Ehemännern gingen. Manches frauenfeindliche Gerede funktioniert ähnlich, wohlgemerkt. Menschen sagen ständig beleidigende Dinge zuliebe von Status oder Humor, ohne es ernst zu meinen. Diejenigen unter meinen Freunden, die genau wussten, dass ich es ernst meinte, schienen damit völlig einverstanden zu sein, teils sogar neidisch.

So elend mich mein Hass auf Männer machte und so verwerflich jede Form von Bigotterie ist: Es gab keinen Anreiz, innezuhalten und meine Denkmuster über Männer zu hinterfragen. Alles in meinem Umfeld erlaubte meinen Hass zumindest, im schlimmsten Fall förderte es ihn. Die Menschen online, die sich über Männerhass beklagten, waren meist damit beschäftigt, Frauen, die keine Männer hassen, Männerhass zu unterstellen, und wirkten kaum wie ernsthafte Gegner. Sie boten keinen wirklichen Ausweg. Ich sprach aus naheliegenden Gründen kaum mit Männern persönlich, und selbst wenn ich es versuchte, war es unerträglich beängstigend. Sozial und politisch hätte es allgemein peinlich gewirkt, zu sagen, dass ich aus dem Männerhass aussteigen wollte.

Als mir meine männerfeindliche Energie plötzlich abhandenkam, lag das nicht daran, dass eine besorgte Freundin sagte: "Hey, du klingst androzidal, das ist widerwärtig, und du steigerst deine Angst, indem du das Verhalten meiner männlichen Freunde als feindselig deutest – beides ist problematisch." Es lag daran, dass ich angstlösende Medikamente bekam. Ja, lieber hypothetischer Leser: Die Triebkraft hinter meinem Männerhass war schlicht eine Angststörung, die sich ein Ziel gesucht hatte.

Aus persönlichen Gründen war es kein Zufall, dass sich meine Angst auf Männer richtete. Vor allem war es kein Zufall, dass Männerhass ein so fester Bestandteil meines angstgeprägten Lebens wurde. Als ich Angst vor dem Autofahren hatte, gab es klare Gründe, diese zu überwinden. Heute fahre ich gern. Aber Angst vor Männern zu haben und diese Angst als fauchenden Hass auszuleben, wie ein verletztes Tier? Yessss queen.

Zur Klarstellung einiger Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, aber nun einmal das Internet betreffen: Ich halte Bigotterie unabhängig von Statistiken für schlecht – ich behaupte nichts über die relative Wirkung von Männerfeindlichkeit im Vergleich zu anderen Formen von Hass. Ich sage auch nicht, dass mir keine Informationen zur Verfügung standen, die mir hätten zeigen können, dass die meisten Männer keine Serienmörder sind. Spätestens im Erwachsenenalter hätte ich es besser wissen müssen, das geht auf meine Kappe. Das heißt jedoch nicht, dass große Teile einer gebildeten Gesellschaft den Hass in den Herzen von Männerhasserinnen befördern sollten.

Selbst in linken Räumen ist beiläufiger, aber intensiver Hass auf Männer weniger schick geworden. Dennoch taucht er auf, und meist wird angenommen, er wäre harmlos oder ein Scherz. Für jemanden im Raum ist es womöglich keiner, und sie würde davon profitieren zu erkennen, dass Männerhass nicht in Ordnung ist. Wahrscheinlich wird niemand sonst es ansprechen. Bitte tu es.




Einige Passagen aus Kommentaren unter diesem Beitrag:



Selbst wenn man die sozialen Anreize außen vor lässt, ist Online-Männerhass als Konstrukt so angelegt, dass er sich jeder externen Überprüfung entzieht. Jede Erwiderung wird umfunktioniert und als weiterer Beweis männlicher Schwäche gedeutet. Unverfängliche Wendungen wie "naja, tatsächlich ist es so …" oder "nicht alle Männer" – Dinge, die man ganz selbstverständlich sagt, wenn man Gegenbeispiele zu einer ungerechten Verallgemeinerung liefert – werden zu Memes darüber, wie ermüdend und begriffsstutzig Männer wären. Nachfragen oder der Wunsch nach Präzisierung sind ebenfalls unerwünscht, weil es "nicht ihre Aufgabe ist, dich aufzuklären", und so weiter.

Mein eigenes Leben berührt das kaum (schließlich gehöre ich "zu den Guten"); schädlicher ist es vor allem für die Frauen, die sich daran beteiligen. Es ist schon problematisch genug, dass sie sich damit in eine realitätsferne Mythologie über Geschlechterverhältnisse begeben. Hinzu kommt, dass implizit angenommen wird, Frauen müssten bei der Verteidigung einer Ideologie nach vereinfachten Spielregeln agieren. Ich halte Frauen nicht für grundsätzlich benachteiligt im Wettstreit der Ideen, doch diese Form von Männerhass legt an ihre Anhängerinnen geringere intellektuelle Maßstäbe an – was ihnen offenkundig schadet.




So wie die Dinge derzeit stehen, bin ich ziemlich sicher, dass ich in einer gemischtgeschlechtlichen Runde, wenn ich dort anmerken würde, dass Männerhass schlecht ist, als eine Mischung aus Folgendem wahrgenommen würde: (1) als Moralapostel, (2) als Mann, der einer Frau den Ton vorschreiben will (und damit als Frauenfeind), (3) als Mann, der die problematischen Seiten von Männern leugnet (ebenfalls also als Frauenfeind) und (4) als Paradebeispiel für ein fragiles männliches Ego. Ich versuche zumindest, Männerhass nicht aktiv zu bestätigen, wenn er auftaucht. Was eine tatsächliche Widerlegung angeht, glaube ich jedoch, dass dies – angesichts der Spielregeln, wie sie 2026 gesetzt sind – ein Feld ist, auf dem Frauen die Initiative ergreifen müssen (so wie du es hier tust).




Als schwarzer/latino Mann fällt mir unweigerlich auf, wie ähnlich das dem rassistischen "Race Realism" der extremen Rechten ist: "Die sind unvorstellbar barbarisch und an all unseren Problemen schuld", "wir würden in einer Utopie leben, wenn diese Tiere uns nicht töten würden", "schau dir nur die Kriminalstatistiken an: Sie begehen viel mehr Gewaltverbrechen als wir!" und so weiter. Beide reagieren zudem äußerst defensiv, wenn man sie auf ihren Essentialismus anspricht, und bestreiten stets jede Behauptung von Über- oder Unterlegenheit.

Was ich daran ironisch finde: Die durchschnittliche Männerhasserin würde die Bigotterie des rechtsextremen Race Realism sofort erkennen und benennen, ist aber außerstande zu sehen, wie ähnlich ihre eigenen essentialistischen Vorstellungen von Männern (und Frauen) strukturiert sind.

Ich möchte dir außerdem ausdrücklich dafür danken, dass du darauf hingewiesen hast, wie verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert das Ganze im Mainstream ist. Frauenfeindlichkeit wird in der höflichen Mehrheitsgesellschaft zu Recht verurteilt, doch die Kehrseite dieser Medaille gilt als normal. Noch ärgerlicher ist, dass viele nicht einmal bereit sind, ihre Existenz anzuerkennen ("Männerhass gibt es nicht").




Das habe ich auch schon gedacht. Man kann Teile dieses männerfeindlichen Diskurses nehmen, einfach "Männer" durch eine nicht-weiße ethnische Gruppe ersetzen, und der Text würde nahtlos auf [die rechtsextreme Website] Stormfront passen.




Gute Lektüre. Ich bin eher ein Einzelgänger, daher fühle ich mich von geäußter Abneigung gegen mich – sei es wegen Geschlecht, Hautfarbe oder irgendetwas anderem – nicht besonders "beleidigt". Wenn ich irgendwo einen dieser niedlichen "Men-are-Trash"-Becher sehen würde, würde ich schmunzeln und mir merken, dass es sich um eine verbitterte Person handelt, mit der sich eine Interaktion nicht lohnt.

Was mich wirklich wütend macht, ist, dass diese Botschaften in den Mainstream eingesickert sind und nun auch bei Jungen ankommen. Dabei geht es nicht um erwachsene Männer, die sich gekränkt fühlen, sondern um Kinder, die Hassbotschaften ausgesetzt werden, die sie unmöglich angemessen einordnen können.

Die Antwort, die ich darauf meist bekomme, lautet, das sei gerechtfertigt wegen "dem, was Frauen über Jahrhunderte ertragen mussten". Also ist es vielen Frauen schlicht egal, dass unschuldigen Jungen vermittelt wird, sie seien Müll – oder würden zwangsläufig zu solchem werden.

Dem liegt die absurde Vorstellung zugrunde, Männer seien ein monolithischer Block, der geschlossen denkt und handelt. Wir haben keine wöchentlichen Männerversammlungen, in denen wir darüber abstimmen, ob unsere Mitglieder vergewaltigen, misshandeln oder belästigen dürfen. Die meisten Männer würden all das beenden, wenn sie die Macht dazu hätten. Sie haben sie nur nicht.

Wenn eine Frau Männer hasst, bitte sehr. Ich bin nicht die Gedankenpolizei. Aber behalt es in deinem Kopf oder in Räumen, in denen Jungen damit nicht in Berührung kommen. Du triffst damit keine "bösen Männer". Du schadest Kindern. Scheiß drauf.




Ich denke, es ist leicht, sich rational zurechtzulegen, wie man alle Männer für schlecht halten kann und trotzdem mit einem verheiratet ist, weil er "einer von den Guten" sei. Selbst Hitler hat einzelnen Juden Ausnahmen zugestanden und die Japaner als "asiatische Arier" betrachtet.




Es würde wirklich helfen, wenn Männer da nicht mitspielen würden. Ja, wir können einen Witz auf unsere Kosten ertragen – aber wir brauchen auch Rückgrat. Steht zu euch selbst.




Mittwoch, Januar 21, 2026

New York Times: "Kinofilme zeigen ständig unglückselige Männer und hyperkompetente Frauen"

1. In einem aktuellen Artikel beleuchtet die New York Times wie aktuelle Kinofilme unsere Wahrnehmung von Frauen und Männern prägen. Während unsere Kulturindustrie Frauen überhöht, blickt sie auf Männer herab:

Betrachten wir den vom Pech verfolgten Mann. Er ist unsicher, wirkungslos, vom Schicksal ungünstig gestellt. Nichts scheint ihm zu gelingen; er bringt es nicht fertig, einer Krise entschlossen entgegenzutreten. Man könnte meinen, das ergäbe eine langweilige Geschichte. Und doch stand genau so eine Figur im vergangenen Jahr erstaunlicherweise im Zentrum mehrerer bemerkenswerter Filme.

Anstelle von Prestigehelden wie J. Robert Oppenheimer sah man den Unglücksraben, der sich unbeholfen vorantastet, als wäre er von der Handlung, die sich um ihn herum entfaltet, völlig überfordert. Manchmal handelt er, aber selten mit Verstand. Für eine wichtige Aufgabe sucht er sich ausgerechnet die falsche Person als Helfer. Er betäubt sich so lange mit Drogen und Alkohol, dass ihm die schützenden Zauberworte nicht mehr einfallen, die ihn retten könnten.

Und selbstverständlich steht er jenen Menschen gegenüber, die diese Filme ihm zur Seite stellen: hochkompetenten Frauen. Sie sind ständig präsent – und meist so fähig, so souverän wirksam, dass der Film nach 15 Minuten vorbei wäre, stünden sie im Mittelpunkt der Geschichte.

Man nehme Kelly Reichardts "The Mastermind". James Blaine Mooney, die zentrale Figur, ist ein zielloser, arbeitsloser Vater und ehemaliger Kunststudent, der sich mit zwei ebenso glücklosen Männern zusammentut, um mit Mühe einen Raubzug moderner Gemälde aus einem örtlichen Museum durchzuziehen. Die Frauen in seinem Leben – seine Frau Terri, seine Mutter Sarah und eine alte Freundin namens Maude – dulden ihn entweder mit Skepsis oder sind seiner überdrüssig. Nach dem Verbrechen, als James als Verdächtiger identifiziert ist und sich der Druck erhöht, sind sie es, die erkennen, welche Gefahr er für sich selbst und andere darstellt, während er selbst kaum zu begreifen scheint, wie weit er gehen würde, um der Festnahme zu entkommen. Sie verstehen ihn und die Schwere seiner Lage sehr viel besser, als er es selbst tut.

Oder man denke an den iranischen Regisseur Jafar Panahi und seinen mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film "It Was Just an Accident". Dessen Protagonist Vahid ist Mechaniker und glaubt, den sadistischen Peiniger wiedergefunden zu haben, der ihn im Gefängnis gefoltert hat. Vahid verfolgt und entführt den Mann – doch kurz bevor er Rache nehmen will, indem er ihn lebendig begräbt, kommen ihm Zweifel, ob er wirklich den Richtigen vor sich hat. Es folgt eine düster-komische Sequenz, in der Vahid den Mann durch Teheran fährt und andere ehemalige Gefangene aufsucht, um zu bestätigen, dass es sich um ihren Folterer handelt. Die Männer sind jedoch entweder nicht bereit zu helfen oder gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten. Erst bei zwei ehemaligen Mitgefangenen, den Frauen Shiva und Golrokh, erhält er Orientierung; sie könnten helfen, die Wahrheit festzustellen.

Dann ist da Paul Thomas Andersons "One Battle After Another", in dem Leonardo DiCaprio Bob Ferguson spielt, einen bombenbauenden Revolutionär, der untertaucht, als die US-Regierung die Mitglieder seiner Gruppe jagt. Sechzehn Jahre später ist er ein ausgebrannter, leicht verlotterter alleinerziehender Vater am Rand der Gesellschaft in Nordkalifornien. Er zieht die Tochter groß, die er mit einer Mitstreiterin hatte: Perfidia, einer längst abwesenden Krieger-Ideologin, die ihn mit dem Armeekolonel betrog, der sie verfolgte, dann ihre Familie verließ und ihre Genossen verriet, um sich selbst zu retten.

Perfidia ist die treibende Kraft des Films. Sie bestimmt die Strategie der Gruppe und nimmt Bob als Liebhaber; ihr Handeln treibt die Geschichte voran, selbst nachdem sie verschwunden ist. Zugleich begegnet Bob im Verlauf des Films zahlreichen Frauen, die ihr Leben in einer Weise im Griff haben, die ihn beschämt – etwa die Krankenschwester bei der Aufnahme in einer Polizeistation nach Bobs Festnahme bei einer Militärrazzia, die ihn an eine weitere Krankenschwester im Krankenhaus übergibt, welche ihn ruhig und unerschütterlich in die Freiheit führt. Selbst Bobs Tochter Willa, ein Teenager mit lila Gürtel im Karate, ist die Vernünftige und übernimmt praktisch die Erziehung ihres eigenen Vaters.

All diese Protagonisten sind ineffektive Stümper. Wenn sie sich überhaupt zum Handeln entschließen, wirken sie von den Kräften, die sich gegen sie stellen, haltlos gemacht. Das bleibt nicht nur den Zuschauern verborgen. Früh in "One Battle" fragt Perfidias Mutter Bob, wie er für seine kleine Enkelin sorgen wolle: "Du siehst so verloren aus", sagt sie zu ihm.

Die Frauen, denen diese Männer begegnen, scheinen hingegen auf alles vorbereitet. Sie denken womöglich mehrere Schachzüge voraus – sowohl den Protagonisten als auch den Gegenspielern. Sie wissen, wie man die Welt des Films beeinflusst, und tun dies mühelos – genau das, wozu der eigentliche "Held" der Geschichte außerstande ist.

Man könnte erwarten, dass die Hilflosigkeit dieser Männer etwas über heutige Geschlechterverhältnisse aussagt, doch womöglich geht es stärker um Politik.


Womöglich geht es ja um Geschlechterpolitik? Hier könnte man weiter analysieren, aber die New York Times weicht hier erst mal auf andere Themen aus, bevor sie zu dem zurückfindet, was solche Filme überdeutlich machen, wenn sie im Gegensatz zu den Männern Frauen als hochkompetent darstellen – "Frauen, die Handlung und Sinn so mühelos durchschauen und umlenken, wie es sonst nur der Drehbuchautor vermag."

Dass diese Figuren heute so häufig Frauen sind, könnte andeuten, dass Männer ihre Zeit hatten – und man sieht, wohin das geführt hat. Vielleicht sind es gerade jene Charaktere, die am ehesten Wandel bewirken können, die mehr zu verlieren haben. (…) Oder diese Frauen fungieren als Mutterfiguren – allmächtige Autoritäten, zu denen diese Männer, von der Welt infantilisiert, aufschauen, um Fürsorge und Anleitung zu erhalten. (…) Die Frauen in diesen Geschichten sind Heilmittel und Vorbilder, jene mit der Fähigkeit, alles in Ordnung zu bringen.


Ein schöner Traum. Schade, dass er zutiefst sexistisch ist.

Ich habe die KI "Perplexity", die sich als Analysewerkzeug aktueller Beiträge bewährt hat, gefragt, welche Reaktionen es bislang auf den Artikel gibt. Die Antwort (im Original jeweils mit Quellenangabe):

Online wird der New-York-T-Artikel überwiegend als weiteres Symptom eines weiblich-überlegenen, männlich-defizitären Narrativs wahrgenommen, stößt aber in kleineren linken Männerrechts- und Gender-Diskussionsräumen auch auf Zustimmung als Diagnose eines realen kulturellen Trends. Die Reaktionen sind stark polarisiert: Von "interessanter Beobachtung" bis hin zu massiver Empörung über eine misandrische "Women are wonderful"-Ideologie.

In linken männerpolitischen Nischen-Communities wird positiv hervorgehoben, dass der Text das Muster "tölpelhafte Männer vs. hyperkompetente Frauen" in aktuellen Filmen überhaupt klar benennt und als Symptom größerer gesellschaftlicher Verunsicherung deutet. Einige Kommentatoren lesen den Artikel als Beleg dafür, dass Figurenkonstellationen sich verschoben haben: Männer stehen für Ohnmacht gegenüber "übermächtigen Strukturen", Frauen werden als Handlungsmächtige inszeniert, was als durchaus realistischer Kommentar zur politischen Gegenwart gefeiert wird.

In r/LeftWingMaleAdvocates wird mehrfach kritisiert, der Text füge sich nahtlos in eine Kultur ein, die männliche Inkompetenz normalisiert und weibliche Überlegenheit romantisiert; ein User bezeichnet das als "Schrödingers Feminism", der Männer gleichzeitig als zu mächtig und zu unfähig zeichne. Stark emotional gefärbte Kommentare berichten von Frust und Verzweiflung angesichts eines "Women are wonderful"-Diskurses, in dem Frauen als nahezu fehlerlose Heilsfiguren, Männer dagegen als Problemfall der Moderne dargestellt würden.

Mehrere Beiträge bemängeln, dass New-York-Times-Gendertexte in den Kommentarspalten offen misandrische Töne duldeten, während umgekehrt ähnlich harsche Aussagen über Frauen deutlich strenger moderiert würden. Es wird auf Konzepte wie "gamma bias" verwiesen, um zu argumentieren, dass derartige Geschichten unbewusst Frauen moralisch aufwerten und Männern eher Unreife und Verantwortungsunfähigkeit zuschreiben.

Einzelne Kommentatoren kritisieren, feministische Diskurse forderten zwar intensive Selbstreflexion von Männern, aber kaum spiegelbildliche Selbstkritik von Frauen; der Artikel passe dazu, indem er weibliche Figuren als moralisch überlegene Korrektive zeichne. Andere weisen darauf hin, dass diese Idealisierung Frauen letztlich infantilisieren könne: Wer Frauen dauernd als bessere, reifere Menschen schildere, entlaste sie von Verantwortung und untergrabe echte Gleichberechtigung.




2. Mit der Süddeutschen Zeitung berichtet jetzt doch noch ein deutsches Medium über die Studie, die zeigte, wie minimal "toxische Männlichkeit" vorkommt – und weist auf eine bemerkenswerte Erkenntnis der Untersuchung hin:

Die höchste Wahrscheinlichkeit, ein feindselig-toxisches Profil aufzuweisen, hatten ältere Männer ohne Arbeit, die ohne Partnerin leben, religiös sind und einer ethnischen Minderheit angehören. Auch stark konservative Einstellungen, Armut und mangelnde emotionale Kontrolle waren unter diesen Männern überrepräsentiert. "Es ist bemerkenswert", schreiben die Psychologen um Cone, "dass die Chance, zu den besonders toxischen Profilen zu gehören, unter den strukturell am stärksten benachteiligten Männern am höchsten ist."




3. Gegen die Leiterinnen des Männergefängnisses Gablingen, wo es zu dem "wohl größten Justizskandal in Bayerns Nachkriegsgeschichte" kam (Genderama berichtete immer wieder), wurde jetzt Anklage erhoben.

Konkret geht es um die sogenannten "besonders gesicherten Hafträume" (bgH). In diesen Zellen sollen in der JVA Gablingen Gefangene grundlos und komplett nackt eingesperrt worden sein, teils über Wochen – ohne Decke oder Matratze. (…) Neben der missbräuchlichen bgH-Unterbringung wird den Gablinger Beamten auch Gewalt gegen Gefangene vorgeworfen. Wie der BR recherchiert hat, gehen die Vorwürfe bis hin zu Knochenbrüchen. Zudem soll es auch in der benachbarten JVA Neuburg-Herrenwörth zu Übergriffen durch die Gablinger Beamten gekommen sein. In dem Jugendgefängnis unterstützten sie eine Drogenrazzia. Dabei sollen Häftlinge gewürgt und geschlagen worden sein, um Informationen von ihnen zu erhalten. Für Experten die "Paradesituation einer Folter".




4. In Australien kam es zu einem bemerkenswerten Freispruch in einem Vergewaltigungsprozess.

Das Urteil der Jury stand innerhalb einer Minute fest. In allen Anklagepunkten für nicht schuldig befunden. Für die prominente Sydneyer Anwältin Margaret Cunneen SC, die den renommierten Straßenkünstler Anthony Lister vertrat, war es ein Moment tiefer Erleichterung und Genugtuung nach einem langwierigen Prozess, in dem ihr Mandant von mehreren schweren Anklagen wegen sexueller Übergriffe freigesprochen wurde.

In einem exklusiven und offenen Interview sprach Frau Cunneen über die außergewöhnliche Schnelligkeit der Entscheidung der Jury und übte scharfe Kritik an der polizeilichen Ermittlung, der Berichterstattung der Medien und der vorherrschenden Haltung, in Fällen sexueller Übergriffe "allen Frauen zu glauben".

"In 40 Jahren als Strafverteidigerin, davon sieben Jahre für die Anklage und sieben Jahre für die Verteidigung, habe ich noch nie erlebt, dass eine Jury so schnell zu einer Entscheidung gekommen ist", sagte Frau Cunneen und beschrieb den dramatischen Moment, als das Urteil verkündet wurde. "Die Jury kam innerhalb einer Minute zurück ... Sie waren sehr gut gelaunt und konnten es kaum erwarten, das Urteil zu verkünden: nicht schuldig, nicht schuldig, nicht schuldig, nicht schuldig."

Frau Cunneen sagte, die Geschworenen hätten "Anthony angelächelt", und der Richter habe Lister erlaubt, den Zeugenstand zu verlassen, um zu seiner Tochter und seiner Partnerin zu gehen, die ihm während des gesamten Prozesses zur Seite gestanden hatten.

Der 44-jährige Lister, ein Pionier der australischen Street-Art-Bewegung, hatte sich in neun Anklagepunkten, darunter fünf Fällen von Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung, für nicht schuldig erklärt.

Er stand insgesamt in zwei Prozessen vor Gericht und beteuerte seit dem Tag seiner Verhaftung seine Unschuld in Bezug auf Straftaten, die sich über einen Zeitraum von sechs Jahren ereignet haben sollen und an denen fünf Frauen beteiligt waren.

Während des Prozesses argumentierte Frau Cunneen in ihrem Schlussplädoyer vor der Jury, dass die Anklägerinnen einvernehmliche sexuelle Begegnungen aufgrund persönlicher Reue, sozialem Druck wie der "MeToo"-Bewegung, dem Wunsch nach beruflichem Aufstieg, Eifersucht oder dem Bedürfnis, ihre Vergangenheit in einem sympathischeren Licht darzustellen, nachträglich als nicht einvernehmlich umgedeutet hätten.

Sie argumentierte, dass es sich in einem Fall um eine "transaktionale" Handlung gehandelt habe.

Frau Cunneen gab an, dass die "Sachverhaltsdarstellung" der Polizei, als sie den Fall am 6. Juni 2024 übernahm, "äußerst schädigend" wirkte.

Eine gründliche Untersuchung der Beweise, die vor allem dank Listers akribischer Aufzeichnungen möglich war, ergab jedoch ein ganz anderes Bild.

"Anthony hatte nichts aus seinem Leben weggeworfen", erklärte Frau Cunneen. "Wäre er jemand gewesen, der Szenen aus seinen Nachrichten oder Fotos löscht, hätte er seine Unschuld in Bezug auf diese Straftaten nicht beweisen können, aber dank seiner eigenen Aufzeichnungen, die in jedem Fall weitaus umfangreicher waren als die Aufzeichnungen der Klägerinnen, konnte er dem Gericht zeigen, dass diese Anschuldigungen einfach nicht wahr waren."

Frau Cunneen sagte, die Verteidigung habe Beweise vorgelegt, die den Aussagen der Klägerinnen direkt widersprachen, oft durch ihre eigenen vergessenen oder gelöschten Mitteilungen.

"In praktisch allen Fällen hatten die Klägerinnen die Existenz von Videos vergessen, die zumindest manchmal ein hohes Maß an enthusiastischer Zustimmung zeigten", sagte Frau Cunneen.

"Die Nachrichten zwischen den Parteien zu dieser Zeit zeigten einen Ausschnitt aus dem Verhältnis zwischen Anthony und bestimmten Frauen, sodass dies in einen Kontext gestellt wurde, der weder kritisiert noch widerlegt werden kann."

Sie führte ein eindrucksvolles Beispiel an: "Wir hatten eine Frau, die sagte: ‚Ich hätte mich nicht einmal mit ihm getroffen, wenn es meiner Karriere nicht geholfen hätte‘ oder ‚Nun, ich habe mich einfach auf all den Sex und die sexuellen Dinge eingelassen, weil ich dachte, dass mir das Chancen in meiner Karriere verschaffen würde‘."

Eine andere Beschwerdeführerin, so Frau Cunneen, habe "in ihrer Schilderung völlig ausgelassen, dass sie in einer anderen Stadt, als sie zufällig zusammen dort waren, in Anthonys Hotelzimmer gegangen war und danach liebevolle Nachrichten geschrieben hatte." Als sie dazu befragt wurde, soll die Frau gesagt haben: "Oh ja, das war die schönste Erinnerung, die ich je hatte, Anthony", obwohl dies nach der mutmaßlichen sexuellen Nötigung geschah.

Darüber hinaus behauptete Frau Cunneen, dass dieselbe Beschwerdeführerin auf die Frage, warum sie diese Nachrichten nicht der Polizei vorgelegt habe, geantwortet habe: "Ich hielt das nicht für relevant." Laut Frau Cunneen stellte sich später heraus, dass "sie Nachrichten gelöscht hatte, die darauf hindeuteten, dass sie sich nach dieser sexuellen Belästigung jahrelang äußerst freundschaftlich verhalten hatten."

Frau Cunneen äußerte ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Ermittlungsverfahrens und warf der Polizei vor, sie würde "Opfer anwerben".

Sie sagte, die Polizei der Polizeistation Surry Hills habe die Menschen aufgefordert, "sich zu melden, wenn sie etwas über diesen Mann zu sagen haben".

"Wir leben in einer ganz anderen Welt, wenn Menschen dazu ermutigt und ihnen gesagt wird, wie mutig und tapfer sie sind und dass sie dies tun, um anderen zu helfen und andere zu retten. Sie werden dazu ermutigt, sich auf eine Art Kreuzzug zu begeben."

Frau Cunneen betonte, dass die Staatsanwaltschaft in Fällen sexueller Übergriffe nachweisen muss, dass der Beschuldigte "sich der fehlenden Zustimmung bewusst war".

"Wenn eine Person sich denkt: ‚Ich möchte das eigentlich nicht tun, aber es könnte gut für meine Karriere sein‘ und ansonsten den Anschein erweckt, einverstanden zu sein, dann kann der beschuldigte Mann nicht für schuldig befunden werden", sagte sie. "Er kann unmöglich wissen, dass keine Einwilligung vorliegt."

Frau Cunneen sagte, sie habe vor Gericht argumentiert, dass es im Fall Lister ein Muster gebe, bei dem Menschen zurückblicken und denken: "Oh, hätte ich das doch bloß nicht getan".

"Einige dieser Vorwürfe waren zum Zeitpunkt der Verhandlung bereits 12 Jahre alt, und nur weil jemand 12 Jahre später zurückblickt und denkt: ‚Oh, warum habe ich das getan?‘ oder ‚Ich hätte das wahrscheinlich nicht tun sollen‘, bedeutet das nicht, dass es damals keine Einwilligung gab."

Trotz Listers Freispruch beklagte Frau Cunneen die verheerenden Auswirkungen, die die sechsjährige Tortur auf sein Leben und seine Karriere hatte.

"Der Prozess wird zur Strafe", sagte sie.

"Denn nach sechs Jahren, in denen er angeklagt war und seine Freiheit so stark eingeschränkt war, kein Reisepass, keine Ausreise, keine Teilnahme an der Abschlussfeier seiner Tochter, solche Dinge, ganz zu schweigen vom Geld."

Sie gab bekannt, dass Lister seine finanziellen Mittel für Anwaltskosten aufgebraucht hatte, bevor sie und ihr beauftragter Anwalt sich der Sache annahmen.

"Ich habe keinen Cent bekommen, weil Anthony sein gesamtes Geld für frühere Anwälte ausgegeben hatte, lange bevor ich mich der Sache annahm. Das ganze Geld war weg ... er musste herumgehen, Leute ansprechen und sie bitten, ihn zu vertreten."

In einem überraschenden Statement berichtete Frau Cunneen, dass ein Medienvertreter angedeutet habe, dass sie nicht die Absicht hätten, eine Geschichte zu veröffentlichen, wenn Lister freigesprochen würde, sondern nur, wenn er verurteilt würde.

"Was in den Online-Archiven übrig geblieben ist, sind all die Geschichten über die Verhaftung – schreckliche Anschuldigungen", sagte sie.

Obwohl Lister freigesprochen wurde, äußerte Frau Cunneen tiefe Besorgnis über die Rechtsstaatlichkeit in New South Wales.

"Ich mache mir große Sorgen um die Rechtsstaatlichkeit in New South Wales, wenn die Öffentlichkeit bereit ist, jemanden weiterhin für schuldig zu halten, obwohl er von einem Gericht und einer ordnungsgemäß konstituierten Jury, die alle Beweise gesehen hat, für unschuldig befunden wurde", sagte sie. "Denn ein Mitglied der Öffentlichkeit hat nicht wochenlang im Gerichtssaal gesessen, um die Beweise zu sehen, und wenn es nur einen Teil der einen Seite gesehen hat, kann es nicht so fair urteilen wie eine Jury."

Was übrig blieb, war Lister, "zweifellos ein großes Talent", der "seinen guten Ruf" und "sechs Jahre voller Möglichkeiten" verloren hat.

"Früher reiste er um die Welt und stellte seine wunderbaren Kunstwerke aus ... Aber in dieser Zeit in der Geschichte des Strafrechts in unserem Staat scheint es jedenfalls so, als gäbe es Bestrebungen, das Leben eines Menschen zu zerstören, sobald er einer Straftat beschuldigt wird. Das Endergebnis zählt vor dem Gericht der öffentlichen Meinung nicht."

(…) Frau Cunneen sagte, dass bei "etwas so Fragilem wie der Aussage einer einzelnen Person" viel mehr Untersuchungen durchgeführt werden müssten, bevor ein Mann oder eine Frau ihre Freiheit verliert aufgrund der Aussage einer Person, die möglicherweise die Hälfte davon vergessen hat, weil es so lange her ist, oder weil sie zum fraglichen Zeitpunkt unter Drogen stand – "und das war bei einigen der Beschwerdeführerinnen hier der Fall".




5. Die spanische Online-Zeitung "The Objective" wirft der spanischen Regierung vor, 55 % der Todesopfer häuslicher Gewalt systematisch zu verschweigen

Laut unabhängiger Zählung der Asociación Anavid (die sich auf Medienberichte stützt) gab es 2025 insgesamt 108 Todesopfer durch häusliche Gewalt. Das Ministerium für Gleichstellung (unter Ana Redondo) und die Delegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt zählen jedoch nur 49 Opfer: ausschließlich Frauen, die von männlichen Partnern/Ex-Partnern getötet wurden, sowie Kinder, die von ihren Vätern getötet wurden (sogenannte "violencia de género" und "violencia vicaria").

Damit bleiben ca. 55 % der Fälle unsichtbar, darunter 36 getötete Männer und 12 Fälle von Kindstötungen durch Mütter.

Die Regierung wende eine ideologische Linse an, die nur Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder durch Väter als relevant ansehe. Wünschenswert sei stattdessen eine geschlechterneutrale, kriminologisch-wissenschaftliche Erfassung aller Opfer häuslicher Gewalt (Frauen, Männer, Kinder, Ältere), unabhängig von Tätergeschlecht oder sexueller Orientierung. Das bestehende "Ley Integral contra la Violencia de Género", das spanische "Gewaltschutzgesetz", habe Feminizide nicht signifikant reduziert und werde teilweise als Geschäft instrumentalisiert.



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Dienstag, Januar 20, 2026

Frauen werden beim Lohn noch immer diskriminiert? – "Das ist eine grobe Verkürzung, die in die Irre führt", erklärt die Ökonomin Conny Wunsch

1.
Die Professorin der Universität Basel kritisiert, dass der Bund bei der Lohnfrage suggestiv informiere und der Bevölkerung ein falsches Bild vermittle. Auch die Medien würden die Lage verzerrt darstellen. Lohndifferenzen seien nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen.


Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat Professorin Wunsch dazu interviewt. Sie erklärt dasselbe, was Männerrechtler seit Jahrzehnten erklären. Ein Auszug aus dem Gespräch:

NZZ: Frau Wunsch, das Eidgenössische Büro für Gleichstellung (EBG) schreibt auf seiner Website: "Frauen verdienen in der Schweiz 16,2 Prozent weniger als Männer – obwohl der Grundsatz ‹Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit› seit 1981 in der Bundesverfassung steht." Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Professorin Wunsch: Es fehlt die entscheidende Erklärung: Bei den 16,2 Prozent handelt es sich um den Unterschied beim Bruttovollzeitlohn zwischen Männern und Frauen – ohne Berücksichtigung von Ausbildung, unterschiedlicher Berufswahl, Branche, Alter, Erfahrung und so weiter.

NZZ: Also wird bei den erwähnten 16,2 Prozent beispielsweise der Bruttolohn der jungen Floristin mit jenem des älteren Ingenieurs verglichen?

Professorin Wunsch: Das ist stark vereinfacht ausgedrückt, aber von der Idee her richtig.

(…) NZZ: Sie sagen, man müsse "faktenbasiert" vorgehen. Werden Fakten denn bewusst verschleiert?

Professorin Wunsch: Nein, das nicht, aber die Kommunikation ist oft fragwürdig. Der Bund sollte nicht im Titel der Medienmitteilung die Lohnunterschiede fett gedruckt, mit suggestivem Bezug zur Benachteiligung von Frauen, in den Raum stellen – diese werden dann von den Medien immer aufs Neue reproduziert – und dann irgendwo im erläuternden Bericht erklären, was die Lohnanalysen eigentlich berücksichtigen. Es wäre wichtig, dass die Öffentlichkeit besser versteht, dass beobachtete Lohndifferenzen nicht mit einer Diskriminierung der Frauen gleichzusetzen sind.

NZZ: Die Rolle der Medien wäre es, eine Schlagzeile zu hinterfragen. Wie beurteilen Sie die Berichterstattung?

Professorin Wunsch: Meiner Wahrnehmung nach stellen die Medien die Sachlage häufig verzerrt dar. Die Schlagzeilen, die der Bund liefert, werden dankbar aufgenommen, um auf eine angebliche Diskriminierung hinzuweisen. Es ist verständlich, dass die breite Bevölkerung, die sich ja nicht mit allen Details einer Lohnanalyse auseinandersetzt, an eine massive Ungleichbehandlung glaubt. Dies trägt dazu bei, dass die wahrgenommene Benachteiligung von Frauen deutlich grösser ist als die tatsächliche. Ich finde das hoch problematisch.

(…) Frauen gewichten bei der Wahl des Jobs oftmals andere Kriterien höher als Männer, etwa den Arbeitsweg. Man kann beispielsweise sagen: Eine Frau im ländlichen Umkreis von Zürich arbeitet lieber bei der Regionalbank in der Nähe als bei der UBS in der Stadt Zürich. Der Mann hingegen nimmt das Pendeln in Kauf und geht zur Grossbank, wo er für denselben Job mehr verdient. Schaut man nur die Löhne innerhalb eines Unternehmens an, fallen diese Unterschiede weg – und die Lohndifferenzen sinken massiv.

NZZ: Das sind nachvollziehbare Erklärungen. Der Bund sagt dennoch, dass es übers Ganze gesehen einen "nicht erklärbaren" Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen gebe, und zwar von 8 Prozent in der Privatwirtschaft und von 6 Prozent im öffentlichen Dienst.

Professorin Wunsch: Wir haben eine eigene Studie mit denselben Daten durchgeführt und sind auf tiefere Zahlen gekommen. Nach unseren Berechnungen beträgt die nicht erklärte Differenz in der Privatwirtschaft etwa 6 Prozent, im öffentlichen Sektor 3 Prozent. Aber wie bei der Analyse des Bundes fehlt auch bei unserer Studie die wichtige Komponente der Berufserfahrung. Diese ist entscheidend für die Höhe des Lohnes. Frauen verfügen, über die ganze Bevölkerung gesehen, im Durchschnitt über weniger Berufserfahrung als Männer. Das mag einen Gutteil der Unterschiede erklären.




2. Trotzdem sehen sich Frauen natürlich noch immer mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Im Wiener "Standard" etwa beschäftigt sich Isadora Wallnöfer mit dem Problem, wie man als Männerhaserin mit der Liebe zu einem Mann klarkommen soll – eine Frage, vor der vermutlich viele Radikalfeministinnen stehen, die zu ihrem Leidwesen heterosexuell sind. Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied, dass im Bett auf Schwarze steht, hat es wohl auch nicht immer leicht.

"Männer beschäftigen mich, verwirren mich", heißt es in dem Artikel (das merkt man ihm an) und: "Sich vom Schicksal als Heterofrau zu distanzieren, ist nicht neu." Dazwischen: sehr viel Hass auf Männer, ausführlich dargeboten, der immer wieder mit den erotischen Bedürfnissen der Autorin zusammenknallt: "Denn obwohl diese Wut auf das Patriarchat angebracht war, konnte ich meine Bedürfnisse durch diesen Hass nie ersetzen." Tragisch.



3. Unter der Überschrift "Scheiße, es ist ein Junge!" wendet sich eine Redakteurin der feministischen Zeitschrift "Brigitte" gegen das in ihren Kreisen angesagte Gender-Disappointment, worüber junge Mütterer offenbar zuhauf auf Instagram posten: "Euer Sohn ist noch nicht einmal geboren oder gerade erst auf der Welt – und ihr sprecht trotzdem schon über ihn, als wäre er vor allem ein potenzielles Problem."

Das überrascht nicht – ein Großteil der Medien sprechen von jungen und Männern als potenziellem Problem. Während ich an diesem Beitrag sitze, spielt mein Spotify-Account zufällig gerade Marinas Hit von 2021, in dem es heißt "I Don't Want to Live in a Man's World Anymore". Der Unsinn durchtränkt usnere gesamte Kultur. Es braucht einiges an gedanklicher Anstrengung und Unabhängigkeit, um sich davon abzukoppeln, statt brav mitzulaufen.



4. Vor einigen Tagen habe ich hier gebloggt, dass einer aktuellen Studie zufolge gerade mal elf Prozent allen Männern "toxische Männlichkeit" zugeschrieben werden kann, und in meinem Beitrag darauf hingewiesen, dass schon unter diesen elf Prozent der Großteil "wohlwollende Sexisten" ausmacht. Inzwischen hat sich der Psychotherapeut Tom Golden eingehender damit beschäftigt. Ein Auszug:

Das auffälligste Problem liegt beim Label des "wohlwollenden Toxischen".

Um zu verstehen, warum das so ist, muss man sich die konkreten Fragen ansehen, mit denen Männer als "wohlwollende Sexisten" klassifiziert wurden.

Die Studie verwendete eine verkürzte Version des Ambivalent Sexism Inventory. Für wohlwollenden Sexismus umfassten die Items unter anderem Aussagen wie:

"Frauen sollten von Männern geschätzt und beschützt werden."

"Frauen verfügen tendenziell über ein höheres moralisches Empfinden."

"Viele Frauen besitzen eine Reinheit, die nur wenige Männer haben."

"Jeder Mann sollte eine Frau haben, die er verehrt."

"Frauen haben im Durchschnitt einen verfeinerten Geschmack und mehr kulturelles Gespür als Männer."

Lassen Sie sich das einmal durch den Kopf gehen.

Männer, die diesen Aussagen zustimmen, werden einer Kategorie zugeordnet, die als toxisch bezeichnet wird.

Nicht übergriffig.

Nicht zwanghaft.

Nicht gewalttätig.

Nicht manipulativ.

Toxisch.

Diese Aussagen beschreiben keinen Schaden.

Sie beschreiben keine Grausamkeit.

Sie beschreiben weder Dominanz noch Missbrauch.

Sie beschreiben traditionelle Bewunderung, Fürsorglichkeit und geschlechtliche Differenzierung – Vorstellungen, die seit Jahrhunderten Teil heterosexueller Beziehungen sind und bis heute von vielen Männern und Frauen befürwortet werden.

Man kann darüber diskutieren, ob diese Überzeugungen überholte Rollenbilder widerspiegeln.

Man kann argumentieren, dass sie Ungleichheit verstärken.

Man kann sogar sagen, dass sie einer früheren kulturellen Epoche angehören.

Aber sie als toxisch zu bezeichnen, ist ein ganz anderer Schritt.

"Toxisch" impliziert etwas Gefährliches.

Etwas Zersetzendes.

Etwas, das anderen schon durch seine bloße Existenz schadet.

Nichts in diesen Items belegt eine solche Form von Toxizität.

Was die Autoren getan haben – leise, aber entschieden –, ist, moralische Meinungsverschiedenheit in moralische Pathologie zu verwandeln.

(…) Hier liegt der entscheidende Taschenspielertrick.

Die Autoren fanden:

≈ 3 % der Männer mit hohen Werten bei feindseligem Sexismus und antagonistischen Eigenschaften

≈ 7 % der Männer mit höheren Werten bei wohlwollendem Sexismus und zentraler Bedeutung der Geschlechtsidentität

Diese Gruppen wurden anschließend zusammengezählt und – explizit oder implizit – als die toxische Minderheit der Männer beschrieben.

Doch diese beiden Gruppen sind nicht identisch.

Sie sind nicht auf dieselbe Weise schädlich.

Und eine von ihnen erfüllt keinerlei vernünftige Definition von Toxizität.

(…) Das ist keine abstrakte akademische Spitzfindigkeit.

Wenn Forscher Bewunderung als Toxizität etikettieren, geschieht kulturell etwas Bedeutsames:

Männer lernen, dass Zuneigung verdächtig ist.

Schutz wird als Kontrolle umgedeutet.

Hingabe wird zur Pathologie erklärt.

Männlichkeit selbst wird moralisch radioaktiv.

Und sobald das geschieht, wird die Kategorie der "toxischen Männlichkeit" grenzenlos ausdehnbar.

Jeder männlich konnotierte Wert kann in sie aufgenommen werden.

Jede Abweichung von ideologischer Neutralität kann als Schaden gerahmt werden.

Jeder Mann kann unter Generalverdacht geraten – nicht wegen dem, was er tut, sondern wegen dessen, was er glaubt oder wertschätzt.

Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun.




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