Die Welt: "So stoppten Männerrechtler eine feministische Dating-App"
1. Unter der Schlagzeile "So stoppten Männerrechtler eine feministische Dating-App" berichtet Nicola Erdmann in der "Welt":
Es war eine kleine Revolution im Dating-Leben, 2014, zur Hochzeit der Dating-Apps. Whitney Wolfe gründete die App "Bumble", die eine "Plattform der Liebenswürdigkeit" sein sollte, denselben Wischmechanismus verwendet wie Tinder und doch einen ganz anderen Ansatz verfolgte. Es war nur eine vermeintlich kleine Änderung im lang gelernten Dating-Spiel, die Großes bewirken sollte: Auf Bumble musste die Frau den ersten Schritt machen. Nach einem erfolgreichen Match (sowohl Mann als auch Frau wischen das Profilfoto des anderen nach rechts und signalisieren einander Interesse) hatte die Frau 24 Stunden Zeit, dem Mann eine erste Nachricht zu schreiben. Tat sie das nicht, verfiel die Paarung. Es sollte um Wertschätzung, Respekt und Resultate gehen. Und um eine Machtverschiebung.
(…) So der Ansatz, so das Marketing, mit dem die App einige Jahre lang große Erfolge hatte – 2014 war die Zeit des "Girl Boss", den Gründerin Wolfe perfekt verkörperte, der Firmenwert von "Bumble" lag zwischenzeitlich bei mehr als sieben Milliarden US-Dollar, die App hatte mehr als 40 Millionen aktive Nutzer.
Doch zehn Jahre nach Gründung, im April 2024, wurde alles anders. Plötzlich wurde genau das Feature, das als "Bumble"-Alleinstellungsmerkmal galt, abgeschafft. Nun waren es nicht mehr die Frauen, die zwingend die erste Nachricht schicken sollten, "make the first move", sondern auch den Männern war das nun möglich. Man verkaufte den Nutzern, vor allem den weiblichen, diese substanzielle Veränderung als bewusste Entscheidung, um ihnen "mehr Wahlfreiheit" zu geben. In Wahrheit, so berichtete es der "Observer" 2025, stand "Bumble" unter juristischem Druck. Zwischen Juni und August 2023 soll das Unternehmen mehr als 20.000 Klageandrohungen erhalten haben, von Männerrechtlern, die angaben, dass sie sich vom Ansatz der Dating-App diskriminiert fühlten.
Die aktuellste Klage, die auch vor Gericht gelangte, stammt von Alfred Rava, einem in Kalifornien ansässigen Rechtsanwalt und Superstar unter den Männerrechtlern auf Reddit. Er fühlt sich von allem diskriminiert, was speziell für Frauen angeboten wird – und hat Hunderte Klagen eingereicht. Er klagt, wenn Bars "Ladies‘ Nights" anbieten und Frauen dort spezielle Cocktails bekommen, er klagt, wenn in Läden oder bei Veranstaltungen Muttertagsgeschenke nur an Frauen verteilt werden oder wenn Firmen Netzwerkveranstaltungen unter dem Motto "Women only" anbieten. Ein familiengeführtes Restaurant in San Francisco musste vergangenes Jahr schließen, weil es sich die gerichtliche Auseinandersetzung mit Rava nicht mehr leisten konnte – er hatte auch gegen die dortige "Ladies‘ Night" geklagt, die Frauen Rabatt auf Getränke anbot.
Schon frech, dass diese Männerrechtler sich mit den Mitteln des Rechtsstaats gegen Diskriminierung wehren. Die frühen Feministinnen hätten in der umgekehrten Sitation einfach "frauenfeindliche" Bars und Restaurants zerlegt.
2. MANNdat, die vermutlich bekannteste deutsche NGO, die sich für Jungen und Männer einsetzt, hat ähnliche Dinge vor. Aktuell versendet der Verein einen Spendenaufruf zum Aufbau eines Fonds, aus dem künftig Gerichtsprozesse finanziert werden sollen deren Ziel die Beseitigung struktureller Benachteiligungen von Männern ist.
Erster Spendenaufruf EQUIMAS
Viele für Einen – Einer für Millionen!
Gerechtigkeit kostet Geld! Viel Geld! Anwälte, Verfahrenszulassung, Prozesse erfordern einen hohen Aufwand, der nun einmal kostet – daher bleiben viele Dinge, die wir für Unrecht halten, bisher ungeprüft. Das wollen wir ändern! Da von Seiten der Politik keine Änderung zu erwarten ist, müssen wir selbst unsere Gleichberechtigung in dieser Gesellschaft erstreiten. Dies kann, wie gesagt, nur auf dem Rechtsweg geschehen.
In vielen Fällen muss Gerechtigkeit vor Gericht erstritten werden. Oft sind die Gerichte die einzige Möglichkeit, übergriffige und ungerechte Politik in ihre Schranken zu weisen. Während Frauen-NGOs durch Steuergelder finanziert werden und damit ihre Interessen durchsetzen können, gibt es für uns nur den Weg, gemeinsam Projekte zu finanzieren. Da die rechtliche Situation der Männer zur Zeit desolat ist und auch in den Köpfen der Richter ein negatives, sexistische Männerbild überwiegt, können wir nicht damit rechnen, auf Anhieb Erfolg zu haben. Doch Scheitern ist besser als Nichtstun.
Daher haben wir den Fond EQUIMAS gegründet. Equimas steht für AEquitas Mas (lat. für: Gleichheit vor dem Gesetz und Mann).
Die Idee: Wenn 3000 Leute ein Jahr lang jeden Monat 1 Euro für diesen Fond spenden, dann haben wir die Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen.
Konkret wird es so ablaufen, dass Ihr einmal jährlich mindestens 12 € an den Fonds überweist. Bislang ist Equimas keine eigene Rechtspersönlichkeit. Deshalb wird der Fonds vorläufig bei MANNdat beheimatet bleiben und hat heute schon die Zusage der Unterstützung von anderen Männer-/Väterrechtsorganisationen. MANNdat hat für die Spenden einen eigenen Verwendungszweck eingerichtet (s.u.); Euer Verein kann zudem mit Eurer Zustimmung auch die Überweisung an uns pauschal übernehmen.
Denn es wird Zeit, dass wir Männer unsere Interessen gemeinsam vertreten.
Bankverbindung und Verwendungszweck:
Empfänger: MANNdat e.V.
IBAN: DE14 6001 0070 0032 3357 09
BIC: PBNKDEFF
Verwendungszweck: Equimas
Wir sind in der Planungsphase des Projektes. Unsere Idee bisher: Aus vorliegenden Vorschlägen werden wir einen Fall wählen, den wir zur Klage bringen können und der im Erfolgsfall einen Grundrechtsverstoß oder eine geschlechtsbezogene Diskriminierung aufhebt oder zu einer Verbesserung im Familienrecht führt. Die Klage muss mit einem Einzelfall geführt werden. Wir wollen aber nur solche Einzelfälle unterstützen, die nach unserer Auffassung einen allgemeinen Rechtsbruch darstellen, etwa bei der geschlechterbezogenen Quote oder im Familienrecht.
3. Unter der Überschrift "Sexismusvorwurf gegen CDU-Kandidat Hagel: Männerrechtler spricht von Skandalisierung" berichtet die Berliner Zeitung:
Neben der Kritik aus Politik und Medien, gibt es eine Gegenöffentlichkeit, die anderen Meinungen eine Stimme gibt, wie der Blog "Genderama". Er versteht sich als Teil einer linksliberalen männerpolitischen Strömung, und bezeichnet die Debatte als überzogen. Betrieben wird der Blog von Arne Hoffmann. In einem Interview mit der Berliner Zeitung bezeichnet er sich als Maskulist, anderswo wird er als Wissenschaftsjournalist und Autor vorgestellt.
In seinem Beitrag wird argumentiert, die damalige Aussage sei eine rückblickende, nicht weiter ausgeführte Beschreibung gewesen und weder sexualisierend noch herabwürdigend. Die mediale Reaktion wird dort als Beispiel für eine aus Sicht des Blogs zunehmende Sensibilisierung bis hin zur Überinterpretation sprachlicher Details gewertet.
Auch der Journalist Harald Martenstein hat sich zu dem Fall geäußert und spricht Manuel Hagel selbst an:
Was man Ihnen vorwirft, ist im Grunde, dass es sich bei Ihnen um einen Menschen handelt und nicht um einen Roboter. Ein junger Mann sieht ein Mädchen und ist bezaubert: Das kann passieren. Es passiert alle Tage. So ist das Leben. Es ist kein Vergehen, Mensch zu sein. Es ist nicht mal ein Vergehen, ein Mann zu sein.
Der Versuch, aus einer Banalität einen Skandal zu machen, sagt viel aus über die innere Leere des Politikbetriebs. Es gibt jede Menge echte Probleme und folglich jede Menge Gründe, die mutmaßlich Tüchtigsten in die wichtigen Ämter zu bringen. Ob jemand Moralvorschriften genügt, die schon 1970 überholt gewirkt hätten, darf man für unwichtig halten.
Währenddessen schwadroniert der Berliner Tagesspiegel munter von angeblichen lüsternen Aussagen über Minderjährige und berichtet:
Der ein oder andere männliche Bundestagsabgeordnete berichtete am Mittwoch, von seiner Partnerin mehr als irritiert auf das Video angesprochen worden zu sein. Froh ist niemand darüber in der Partei.
Ich hoffe doch sehr, dass Abgeordnete nicht schon von einer Partnerin überfordert sind, die es als anstößig empfindet, wenn ein Mann von rehbraunen Augen bezaubert ist.
4. Leibliche Väter sollen ihre Vaterschaft künftig einfacher rechtlich geltend machen können. Der Bundestag hat gestern ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Damit wird ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt.
5. Toxische Weiblichkeit? Eine 35-Jährige wurde im ICE kontrolliert – und hatte kein gültiges Ticket. Anstatt den Zug zu verlassen, schlug sie mit der Faust auf den Zugchef ein. Rund 100 Reisende mussten daraufhin den ICE verlassen und auf einen späteren Zug ausweichen.
6. Mehr toxische Weiblichkeit? Die "taz" berichtet über einen Konflikt zwischen den Feministinnen Alice Schwarzer und der Rapperin Ikkimel, die sich als die "größte Fotze Europas" bezeichnet – und damit für viele junge Frauen ein Idol sei. "Es gibt viele Feminismen und einige neue Feminismen erscheinen mir eher antifeministisch", sagt Schwarzer. Die Frauenbewegung in Deutschland sei auf der Seite der Männer. Jene Feministinnen, die den "wahren Kern des Feminismus leugnen" würden, seien eine "ernste Gefahr" für die Bewegung. Dabei könnten die Generationen doch in ihrer Abwertung von Männern Verbündete sein, findet die taz:
Wenn [Schwarzer] schreibt, Männer sollten "aufhören, ignorant, unterdrückerisch und gewaltvoll" zu sein und Frauen "endlich auf Augenhöhe begegnen", (…) formuliert sie Gedanken, die auch im gegenwärtigen Feminismus Anklang finden.
Ich halte den Begriff "Gedanken" für diese Ansammlung von sexistischen Ressentiments ein wenig zu hoch gegriffen.
7. Auch die britische Tageszeitung Independent beschäftigt sich damit, warum immer mehr Männer sich nicht mehr auf Dates mit Frauen einlassen:
Partnersuche steckt in einer Schieflage – und die Einzigen, die ernsthaft versuchen, daran etwas zu ändern, sind Frauen. Genauer: heterosexuelle Frauen, die weltweit in großer Zahl zu Single-Events strömen, um dort einen angenehmen, emotional zugänglichen und halbwegs unverletzten Mann kennenzulernen. Doch nicht selten verläuft dieses Unterfangen im Sande, weil sich im Raum vor allem andere Single-Frauen finden – mit wenig Gesprächsstoff außer den sagenhaften Männern, die nicht erschienen sind. Und wo diese geblieben sind? Vielleicht haben sie sich auf eine Insel ohne WLAN zurückgezogen. Das klingt zugespitzt. Doch es beschreibt erstaunlich präzise, was in der Datingbranche derzeit geschieht.
(…) Im Ausland scheint die Lage noch deutlicher. Die The New York Times schickte kürzlich einen Reporter zu einem Wein-Mixer, bei dem Frauen 100 Dollar zahlten, während Männer kostenlos teilnehmen konnten. Im Podcast The Daily erklärte Luke Vander Ploeg, es seien 15 Frauen und lediglich fünf Männer anwesend gewesen. Selbst Gratiseintritte genügen also nicht, um Männer in größerer Zahl anzuziehen. Dabei ist es ja nicht so, dass sie kein Interesse an Frauen hätten.
(…) Auf Dating-Apps scheint das Kräfteverhältnis wiederum anders gelagert. Zwar sind Männer dort zahlenmäßig häufig stärker vertreten, doch in meinem Umfeld verfügen sie über einen spürbaren Vorteil. Viele erfolgreiche, kluge, attraktive Single-Frauen stehen einer kleineren Zahl geeigneter Männer gegenüber – ein Ungleichgewicht, das bisweilen Unverbindlichkeit begünstigt. Warum sich festlegen, wenn Auswahl im Überfluss vorhanden ist?
Das frustriert und führt teilweise zu Rückzug. Bewegungen wie "Boysober", die kulturelle Abwertung des festen Freundes als peinlich oder spöttische Memes über männliche Datinggewohnheiten zeugen davon, dass manche Frauen ihre Prioritäten neu ordnen. Kein Wunder, dass sie verstärkt nach analogen Alternativen suchen, während viele Männer den Apps treu bleiben.
(…) Während ich diese Zeilen schreibe, bereite ich meinen sechsten Single-Abend vor, diesmal in Kooperation mit Bumble. Wieder gab es Absagen, überwiegend von Männern. Doch dank solidarischer Netzwerke – Frauen, die in ihren Büros und Freundeskreisen nach Ersatz suchten – konnten die Plätze rasch neu besetzt werden.
~ Ich bin mir sicher, Frauen werden wegen ihrer naturgegebenen Überlegenheit auch für dieses Problem eine Lösung finden. ~
8. In Spanien verliert der Feminismus unter jungen Menschen rapide an Bedeutung, und für die Hälfte von ihnen stellt er politische Manipulation dar. Das zeigte das neue Jugend- und Geschlechterbarometers von FAD Juventud, basierend auf Online-Umfragen unter 3.327 Personen, finanziert von der Regierungsdelegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt des Ministeriums für Gleichstellung.
9. Die internationale "Koalition zur Beendung häuslicher Gewalt" warnt vor einem "totalitären Feminismus" bei den Vereinten Nationen (Belegquellen im Original):
Feministinnen behaupten unablässig, ihr Ziel sei die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter. Doch ein flüchtiger Blick auf eine Reihe von Themen wie Männergesundheit, Bildungserfolg, harte Behandlung durch das Rechtssystem und mehr offenbart eine unbequeme Wahrheit: Es sind Männer, nicht Frauen, die in zwölf zentralen Lebensbereichen zurückliegen.
Leider haben Funktionäre der Vereinte Nationen sich geweigert, diese besorgniserregenden Unterschiede anzusprechen oder überhaupt anzuerkennen. Diese Verweigerung erklärt teilweise, warum viele Menschen von den Vereinten Nationen enttäuscht sind und weshalb zahlreiche Länder mit der Zahlung ihrer Mitgliedsbeiträge im Rückstand sind. Nun sehen sich die Vereinten Nationen mit einem katastrophalen, "unmittelbar bevorstehenden finanziellen Zusammenbruch" konfrontiert, wie Generalsekretär António Guterres kürzlich einräumte.
Doch sieben Jahrzehnte nachdem die UN-Charta die Notwendigkeit "gleicher Rechte von Männern und Frauen" bekräftigte, bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen:
1. Weltweit bevorzugen 27 % der Frauen eine Tätigkeit als Vollzeit-Hausfrau, 29 % möchten in einer bezahlten Vollzeitstelle arbeiten, und 41 % wünschen sich eine Kombination aus beidem, so die Internationale Arbeitsorganisation.
2. Unter den Fortune 500-Unternehmen sind lediglich 11 % der CEOs weiblich.
3. Weltweit sind nur 27 % der nationalen Gesetzgeber Frauen.
Die meisten Menschen würden diese Zahlen als Ausdruck unterschiedlicher Lebensentscheidungen betrachten, nicht als Entzug von Frauenrechten. Doch sogenannte "Gender Warriors" sehen in diesen Daten einen Beweis für das fortbestehende Vorhandensein eines unterdrückerischen "Patriarchats".
Daher haben UN-Feministinnen einen neuen Ansatz entwickelt, den sie "Substantive Gender Equality" (substanzielle Geschlechtergleichheit) nennen.
Der UN-Bericht zur substanziellen Geschlechtergleichheit behauptet – ohne auch nur einen Beleg vorzulegen –, dass "patriarchale Machtstrukturen" weltweit verbreitet seien. Erwartungsgemäß wird häusliche Gewalt als "Form geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Ungleichheit" dargestellt.
Das 19-seitige Dokument erläutert in beunruhigender Ausführlichkeit, wie die "Gender Warriors" die substanzielle Geschlechtergleichheit umsetzen wollen:
• "die Strukturen und Praktiken abbauen, die Ungleichheiten aufrechterhalten." (Seite 3)
• "formale Gleichheit muss über identische Behandlung hinausgehen und systemische Machtungleichgewichte angehen." (Seite 4)
• "Gleichheit für Frauen muss über die Verabschiedung von Gesetzen oder die Einführung von Maßnahmen hinausgehen, die dem Anschein nach geschlechtsneutral sind." (Seite 7)
Die Umsetzung solcher Maßnahmen würde eine massive Ausweitung von Größe und Macht des Staates erfordern und die Marginalisierung der Kernfamilie nach sich ziehen. Langfristig würden solche Strategien das Konzept der "Menschenrechte" der Lächerlichkeit preisgeben und eine tiefgreifende Verletzung der Menschenrechte von Männern darstellen.
Dank der Machenschaften von UN-Feministinnen ist Ungleichheit zur neuen Geschlechtergleichheit geworden. George Orwell wäre beeindruckt.
10. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zur Darstellung der gerade erschienenen Dunkelfeldstudie lesubia zur häuslichen Gewalt in der Berliner "taz":
Dieser Artikel ist betitelt mit: "Frauen werden Opfer von Männern, Männer Opfer von Männern". Wie die Autorin (oder die titelgebende Redaktion) sich angesichts dieser Studie, die ja im wesentlichen häusliche Gewalt behandelt, versteigen kann, ist schon bemerkenswert. Lesubia stellt ja gerade fest – im Einklang mit Dutzenden internationalen Studien in den letzten 50 Jahren –, dass partnerschaftliche Gewalt (mit Ausnahme der sexualisierten Gewalt) ziemlich symmetrisch ist, die betroffenen männlichen Opfer es also in der zumeist heterosexuellen Beziehung mit weiblichen Täterinnen zu tun haben.
Immerhin wird dann festgestellt: "Überrascht haben dürfte die Erkenntnis aus der Dunkelfeldstudie, dass auch Männer vor allem von psychischer Gewalt betroffen sind.". Nicht erwähnt wird, dass sie gerade von körperlicher Gewalt (und das dürfte das überraschendste sein) besonders (in der 5 Jahresprävalenz sogar noch stärker als Frauen) betroffen sind.
Bemerkenswert ist aber, was dann folgt: Die Autorin merkt an, dass auch zunehmend Männer Gewalt in Partnerschaften anzeigen. So weit, so gut. Dann aber folgt: "Das Schweigen der Männer war und ist ein Hindernis im Kampf gegen physische, psychische, digitale Gewalt." Wow. Victim blaming vom Feinsten. Dass Zeitungen wie die taz durch einseitigste Berichterstattung einen gehörigen Anteil an dem Schweigen der Männer hat, darauf kommt die Autorin nicht. Dass bei der letzten großen Dunkelfeldstudie in dieser Art von 2002 Männer alleine deshalb geschwiegen haben dürften, weil sie gar nicht gefragt worden sind, kommt ihr ebenfalls nicht in den Sinn.
Um das Ganze noch in ihrem Sinne abzurunden, schwenkt sie jetzt plötzlich wieder auf die Ergebnisse der HELLFELD-Daten des BKA um, um dann festzustellen: "Allerdings darf die neue männliche Offenheit nicht darüber hinwegtäuschen, dass die große Mehrheit der Opfer nach wie vor weiblich ist. 2024 waren es 70 Prozent".
Nicht besser wird es im zweiten taz-Artikel über die Lesubia: Hier wird Frau Clemm, eine bekannte und oft zu diesem Themenkomplex interviewte Anwältin, zu der Studie befragt. Frau Clemm leistet sicher wichtige Arbeit bei der Unterstützung von Frauen, die von partnerschaftlicher Gewalt betroffen sind. Hier streitet sie aber einfach die Validität der Ergebnisse der aktuellen Dunkelfeldstudie ab, ohne sie – so schein es – genau gelesen zu haben. Sie ignoriert dabei, dass es sich um eine methodisch sehr aufwändige und saubere Studie handelt (fünfstellige Zahl an Interviews!).
Ihre Argumente: Wie konnte beispielsweise die Sicherheit der Frauen gewährleistet werden, die an den Befragungen teilnahmen und noch in ihren Partnerschaften leben?
Diese Situationen wurden mitbedacht und tatsächlich wurden ca 250 Fälle genau deshalb ausgeschlossen. Hier hat sie die Studie einfach nicht gelesen.
Auch die Frage, wer wie heftige Gewalt an Männern ausübt, bleibt unbeantwortet. Sie geht wohl davon aus, dass es homosexuelle Männer waren. Dabei ignoriert sie, dass es in diesen Partnerschaften eher weniger Gewalt gibt als in heterosexuellen. In der Studie wird sogar explizit erwähnt, wer die Täter bei betroffenen Männern sind: In 96% der Fälle waren es Frauen. Hier hat sie die Studie wieder nicht gelesen.
Zuletzt behauptet sie: "Männer können staatlichen Institutionen offenbar mehr Vertrauen entgegenbringen als Frauen. Das sollte der Politik wirklich zu denken geben: Was hindert Frauen daran, sich an Ermittlungsbehörden zu wenden?"
Der Grund dafür ist wohl, dass (angeblich) die Anzeigequote der Männer höher ist als bei Frauen. Das ist tatsächlich ein schwierig zu bewertender Punkt, denn solche Zahlen gibt es tatsächlich in der Studie. Auffallen hätte ihr aber müssen, dass bei einer durchgehend höherer Anzeigequote bei Männdern das Hellfeld (im Verhältnis zu Frauen) höher als Dunkelfeld sein müsste. Das ist aber gerade nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Der Hintergrund dieses Befundes ist wohl, die geringe statistische Sicherheit der Daten in diesem Bereich und das sogenannte Simpsonsche Paradox: ein statistisches Phänomen, bei dem zwei Gruppen mit unterschiedlichen Gesamtanteilen umgekehrte Unterschiede aufweisen können, wenn sie einzeln analysiert werden. Denn Männer erfahren prozentual mehr (sexuelle) Gewalt in der Öffentlichkeit (wo mehr angezeigt wird), Frauen zu Hause.
Insgesamt ist die Berichterstattung über diese Studie erschreckend. Zu sehr stecken die einseitigen Narrative in den Köpfen der Redaktionen, aber auch in denen der Leser (man beachte die Leserkommentare in dem ansonsten guten Artikel der Süddeutschen, den Du auch erwähnt hast). Um so wichtiger ist Deine Aufklärungsarbeit!!
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