Sonntag, Januar 17, 2021

Corona: Junge Männer sind die Verlierer – News vom 17. Januar 2021

1. "Die Welt" hat den Soziologen Professor Klaus Hurrelmann, dessen Schwerpunkt Jugend-, Bildungs- und Gesundheitsforschung ist, zur Situation junger Deutscher im Jahr 2021 befragt. Ein Auszug aus dem Gespräch:

WELT: Herr Hurrelmann, demnächst erscheint die von Ihnen und Simon Schnetzer durchgeführte repräsentative Studie "Junge Deutsche 2021", die sich auch mit den Folgen der Corona-Krise befasst hat. Was ist das wichtigste Ergebnis?

Klaus Hurrelmann: Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Bild der feierwütigen Jugend, die AHA-Regeln ignoriert und keine Rücksicht auf Risikogruppen nimmt, nicht stimmt. So gaben zwei Drittel der Befragten an, auf Partys zu verzichten, weil sie Freunde und Familie nicht gefährden wollen. Das Tragen einer Maske sowie die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wurden von 73 Prozent befürwortet. Gut ein Viertel der Befragten zeigte sich allerdings weniger verantwortungsbewusst. Bei ihnen handelt es sich überwiegend um junge Männer mit einem tendenziell niedrigen Bildungsniveau und einer Herkunft aus schwierigen Familienverhältnissen.

WELT: Überwiegt hier der Migrationshintergrund?

Hurrelmann: Nein. Die problematische Gruppe setzt sich zur Hälfte aus Jungen mit deutschem und zur anderen aus solchen mit Migrationshintergrund zusammen.

WELT: Warum haben vor allem junge Männer Schwierigkeiten, sich an Corona-Regeln zu halten?

Hurrelmann: Viele Studien zeigen, dass junge Männer stärker unter der Einschränkung ihres Aktionsradius leiden als junge Frauen. Das liegt auch daran, dass ich mich als 14-, 17-, 20-Jähriger eigentlich beweisen möchte, über Körperlichkeit. Solche Verhaltensweisen haben Mädchen und junge Frauen in dieser Altersphase lange nicht so nötig. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Einschränkungen besonders für junge Männer schwierig sind.

WELT: Gibt es noch andere Erklärungen?

Hurrelmann: Eine weitere dürfte im Bildungsgrad liegen, der ja nicht nur etwas über das Verstehen komplexer Zusammenhänge aussagen kann, sondern auch über die Fähigkeit zu Selbststeuerung und Disziplin.

WELT: Ist denn die Bildungskluft zwischen jungen Männern und Frauen wirklich so tief?

Hurrelmann: Die Corona-Krise legt offen, was schon lange existiert und weitgehend übersehen wird: das Problem, dass Jungen und junge Männer in den vergangenen Jahren in vielen Entwicklungsbereichen hinter ihren Geschlechtsgenossinnen zurückgefallen sind. Es wird häufig übersehen, dass Mädchen besser gebildet sind, bessere Schulabschlüsse erreichen, beim Abitur überproportional vertreten sind, während junge Männer überproportional oft die Schule abbrechen.

Die Tendenz, dass Mädchen sich kontinuierlich verbessern, lässt sich schon seit 1980 beobachten. Sie halten nicht nur in den Standardbereichen Lesen, Schreiben, Fremdsprachen, Kommunikation ihre Position, sondern holen auch in Mathe kräftig auf. Während die jungen Männer im gleichen Zeitraum die Leistungen nicht verbessert haben. In dieser wichtigen Zeit der Vorbereitung auf gesellschaftliche Aufgaben haben die Mädchen die Nase vorn.

(…) WELT: Haben wir die Jungs vergessen?

Hurrelmann: Das ist wirklich auffällig, dass die Bildungsungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht schon lange zu einer öffentlichen Diskussion geführt hat. In den 60er-Jahren war das ja mit umgekehrten Vorzeichen der Fall. Die Bildungskatastrophe wurde ausgerufen, weil unter denen, die das Abitur ablegten, nur etwa 30 Prozent Mädchen waren. Das hat zu einer großen Debatte über die Benachteiligung von Mädchen und Frauen geführt und gezielte Förderungen angestoßen.

Noch heute versteht jeder unter Gender-Mainstreaming Frauenförderung. Dabei geht es darum, bei Entscheidungen die unterschiedlichen Auswirkungen auf Frauen – und Männer – im Blick zu haben. Bei der Förderung eines benachteiligten Geschlechts haben wir übersehen, dass im Bildungsbereich für die Jungen immer weniger Platz war. Wir dachten, die sind stark, die setzen sich durch. Aber sie haben es nicht geschafft.

(…) Und das merken wir in einer Situation wie jetzt, wo alles geschlossen wird und wir uns wundern, dass es den Jungen sehr viel schwerer fällt als den Mädchen, sich an Restriktionsregeln zu halten. Dabei ist das nachvollziehbar und fast unvermeidlich. (…) Wir müssen damit rechnen, dass vor allem diese jungen Männer während der Einschränkungen durch Corona zu den Verlierern im Bildungsbereich gehören werden.


Wir Männerrechtler machen seit mittlerweile Jahrzehnten auf dieses Gefälle aufmerksam. Wir werden politisch in den allermeisten Fällen nicht gehört (und wenn ausnahmsweise doch einmal wettert das Bundesforum Männer darüber, statt sich uns endlich anzuschließen). Die jungen Männer kommen erst dann wieder in den Medien vor, wenn sie Probleme machen könnten, wie mit dem Aufbegehren gegen die Corona-Richtlinien. Es ist das altbekannte Prinzip: Jungen, die Probleme HABEN, sind unserer Gesellschaft egal. Nur Jungen, die Probleme MACHEN könnten, sind der Berichterstattung wert.



2.
Auf Empfehlung des für Personalfragen zuständigen Finanzsenators soll die Bremer Verwaltung künftig gendern, und zwar "überall" – lieber mit Doppelpunkt als mit Sternchen. Die Zeit des generischen Maskulinums sei endgültig vorbei, so die Landesfrauenbeauftragte.


Hier geht es weiter.



3. Unabhängig von der Geschlechterdebatte, aber trotzdem erfreulich: Erstmals wurde einer der Wikipedia-Rufmörder zu Schmerzensgeld verurteilt. Die Wikipedia wird von Teilen der radikalen Linken seit langen Jahren benutzt, um Andersdenkende durch den Dreck zu ziehen – auch die Männerrechtsbewegung und ihre Unterstützer.



4. Anhand einer Sendung der ARD-Reihe "titel thesen temperamente" zum Thema Incels analysiert das Blog "Die Demokratie in den Zeiten des Feminismus", mit welchen Propaganda-Methoden die Öffentlich-Rechtlichen arbeiten.

Samstag, Januar 16, 2021

Professor für Strafrecht: "Das Einzige, was wirklich straflos ist, ist die Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau" – News vom 16. Januar 2021

Hier folgt nun die zweite Hälfte an Meldungen und Beiträgen der vergangenen Wochen, die ich für geschlechterpolitisch relevant halte und von denen euch die eine oder andere vielleicht entgangen ist.



1. Die Neue Zürcher Zeitung hat den Strafrechtsprofessor Marcel Alexander Niggli zur geplanten Reform des Schweizer Sexualstrafrechts interviewt. Ein Auszug aus dem Gespräch:

Neue Zürcher Zeitung: Sie würden den Vergewaltigungstatbestand im Schweizer Recht also unverändert lassen?

Niggli: Ich würde nur zwei Worte streichen. Derzeit steht da: "Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt (. . .)." Ich würde die Worte "weiblichen Geschlechts" streichen. Was nämlich auch nie gesagt wird: Das Einzige, was wirklich straflos ist, ist die Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau.

Neue Zürcher Zeitung: Gibt es das?

Niggli: Ja, das gibt es, wenn auch wenig. Geht ein Mann, der von einer Frau vergewaltigt wurde, zur Polizei, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass er erneut zum Opfer gemacht wird, grösser sein als bei einer Frau. Auch deshalb kommt es wohl kaum zu Anzeigen. In den Niederlanden gab es einen Fall, da wurde ein Arzt von mehreren Krankenschwestern vergewaltigt. Denn was viele auch nicht wissen: Ein erigierter Penis ist, wie eine feuchte Vagina, bloss eine körperliche Reaktion und keinesfalls ein Zeichen des Einverständnisses.


Dass Vergewaltigungen von Männern selten seien, ist leider falsch. Dem unbenommen ist das Interview mit Professor Niggli, das auch andere Aspekte des Sexualstrafrechts anschneidet, in Gänze lesenswert.



2. In Dänemark erregt die Kinderserie "John Dilermand" die Gemüter. Der Held der Serie hat den größten Penis der Welt und erlebt damit allerhand kuriose Abenteuer:

Er kann mit dem "Diller" fliegen wie ein Hubschrauber, er kann Flaggen hissen, Wände bemalen und überhaupt jede Menge Quatsch machen. Diese neue Serie im Kinderprogramm des öffentlichen Senders DR kommt bei der Zielgruppe, es sind Vier- bis Achtjährige, offenbar gut an. Malte, sechs Jahre alt, findet das Ganze spannend: "Er ist anders, weil er einen Riesenpenis hat", sagt er, "der ist richtig lang". Und die siebenjährige Dilara meint: "Das ist weder peinlich, noch irgendwie komisch, einfach nur… Na lustig eben!"


Man ahnt schon, welches Lager so viel zur Schau gestellte Männlichkeit problematisch findet:

Es gibt heftige Kritik, unter anderem von Vertretern der #MeToo-Bewegung, auch vom dänischen Genderforscher Christian Groes: "Natürlich ist das sehr gender-stereotypisch, wenn auch lustig. Ich finde es aber falsch, dass Johns Penis nicht in irgendeiner Form Widerstand erfährt. Wir leben in einer Zeit, in der Sexualität und Körpernormen in Frage gestellt werden, da hätte man John Dillermand irgendetwas entgegensetzen müssen."




3. Der Sturm eines gewaltgeilen Mobs von Trump-Anhängern auf das Parlamentsgebäude der USA gilt im feministischen Lager erwartungsgemäß als "Machtwahn weißer Männer". Großartig belegt wird diese Behauptung erst gar nicht. Schaut man sich allerdings an, wer den "Marsch zur Rettung Amerikas" organisiert hat, der zum Erstürmen des Kapitols führte, stößt man auf die Gruppe "Women For America First". Dementsprechend zeigen sich Frauen ebenso wie Männer in Interviews von den Hetzjagden im Kapitol sehr angetan.

(Bizarr ist natürlich, dass noch im Sommer etliche US-Leitmedien Gewalt der Bevölkerung dann verteidigten, wenn diese Gewalt von der "eigenen Seite" ausging. Selbst die Washington Post betonte damals, dass die Gründerväter der USA den Sturm auf die Bastille begrüßt hätten, Gewalt zum Umstürzen alter Machtstrukturen notwendig sei und so weiter. Die Trump-Terroristen brauchten sich an solchen Argumentationen nur noch zu bedienen.)



4. "Die Welt" berichtet, wie die Frauen-Union in der CDU Friedrich Merz als Kanzler verhindern möchte. Dabei hat sich die Spitze der Frauen-Union "handfesten Ärger mit der Basis eingehandelt".



5. Bei einem Online-Kongress des Hackervereins Chaos Computer Club fanden vor allem die feministischen Beiträge wenig Anklang.



6.
Trennungskinder haben es oft schwer. Elternteile, die den Umgang schon vor der Pandemie boykottierten, nutzen das Virus als willkommene Ausrede, die Besuche auszusetzen. Ein Kölner will das ändern.


Hier erfährt man mehr.



7. Einen durchweg positiven Artikel über die besondere Bedeutung von Vätern findet man im "Stern".



8. Einer neuen Studie zufolge wirkt sich die Beschneidung von Jungen auf deren späteres Verhalten als Erwachsene aus:

"Die Studie zeigte, dass Männer, die als Säugling einer Beschneidung unterzogen wurden, es schwieriger fanden, sich z.B. an ihre Partnerin zu binden und emotional instabiler waren, während die Studie keine Unterschiede bei Empathie oder Vertrauen fand. Die Beschneidung als Säugling war auch mit einem stärkeren Sexualtrieb sowie einer niedrigeren Stressschwelle verbunden", berichtet Michael Winterdahl [der die Untersuchung durchführte].

Er führt weiter aus: "Wir wissen aus früheren Studien, dass die Kombination von Bindung an einen Partner und emotionaler Stabilität wichtig ist, um eine gesunde Beziehung aufrechtzuerhalten. Somit kann ein Mangel daran zu Frustration und einem möglicherweise weniger gezügelten Sexualverhalten führen."




9. Österreichs Familienministerin Christina Aschbacher ist zurückgetreten, nachdem Plagiate in ihrer Diplomarbeit und ihrer Dissertation aufgeflogen waren.



10. In Spanien gibt es die Elternzeit jetzt auch für Väter.



11. In Großbritannien schadet der Corona-Lockdown vor allem den Zukunftsaussichten zweier sozialer Gruppen: muslimischen Frauen aus Bangladesh und Pakistan sowie Jungen aus der weißen Arbeiterschicht.



12. Joe Biden behauptet, mehr "Diversity" in der Besetzung politischer Ämter durchsetzen zu wollen. Einer seiner ersten Schritte: Die Einrichtung eines Kommunikationsteams des Weißen Hauses, das ausschließlich aus Frauen besteht.



13. Zum Thema "Toxische Weiblichkeit" hat David Wonschewski Minka Pradelskis Buch "Es wird wieder Tag" rezensiert. Lesenswert nicht nur, weil es dabei um die Aufarbeitung der deutschen Geschichte geht.

Freitag, Januar 15, 2021

Genderama-Neujahrsgruß 2021: Erwähnenswerte Meldungen, die ihr vielleicht verpasst habt

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr – und danke allen von euch sehr sehr herzlich, die Genderama in den letzten Wochen durch Spenden und freundliches Feedback unterstützt haben. Beide Formen, mir Anerkennung für meine Arbeit zu zeigen, waren diesmal sogar noch stärker als in den Jahren zuvor. Das führe ich zum Teil darauf zurück, dass viele von euch wirklich zufrieden damit sind, was ich tue, zum Teil aber auch auf die immer schärferen und verstiegeneren Attacken auf unsere Bürgerbewegung im letzten Jahr.

Eure Unterstützung war in den vergangenen Wochen stark genug, dass der Fortbestand von Genderama für dieses Jahr garantiert ist – und zwar auch ohne dass ich alle paar Wochen auf die Möglichkeit, Genderama durch Spenden zu unterstützen, aufmerksam machen muss. Solange nichts völlig Unvorhersehbares geschieht, sollte das finanzielle Backing, das Genderama in den letzten Wochen erhalten hat, auf jeden Fall genügen.

Etwas, das ich allerdings immer noch nicht sicherstellen kann, ist das tägliche Erscheinen eines neuen Blogbeitrags. Das hängt jedesmal davon ab, wieviele Meldungen mir vorliegen, die ich persönlich für relevant und berichtenswert halte. An manchen Tagen sucht man sich stundenlang tot und steht am Ende doch mit leeren Händen da, an anderen Tagen häuft es sich, obwohl man an diesem Morgen eigentlich noch etwas anderes vorhatte als bloggen. Im Moment drohen die Themen "Corona" und "Machtwechsel in den USA" Genderthemen in den Hintergrund zu schieben.

Damit kommen wir zu der Presseschau der aus meiner Sicht erwähnenswerten Meldungen der letzten Wochen. Damit dieser Blogbeitrag nicht wieder so ausufernd gerät, dass man beim Lesen erschöpft wird, splitte ich ihn diesmal und werde auch morgen noch solche News nachliefern.



1. "Wie der Duden heimlich gegendert wird", berichtete vor einigen Tagen "Die Welt". Der Artikel ist außerordentlich lang und steht für Nicht-Abonnenten nur im Anriß online. Einige Auszüge daraus:

Es gibt Ansichten, bei denen Sprachwissenschaftler und Deutschlehrer sich an den Kopf fassen. Dazu gehört die Behauptung einiger Befürworter des Genderns, ein Wort wie Mieter habe nur die Bedeutung "Männer". Nun ist diese These leicht zu widerlegen, der Sprachgebrauch liefert eine unermessliche Zahl an Gegenbelegen. Zum Beispiel diese Überschrift, die kürzlich in der WELT stand: "Ausquartiert? Das sind Ihre Rechte als Mieter" . Oder: "Drei Monate lang sollen Mieter weniger zahlen dürfen, so der Plan der Regierung" aus der FAZ.


Auch das bürgerliche Gesetzbuch verfährt so und bislang auch der Duden. In dessen Online-Ausgabe jedoch haben sich die Dinge geändert:

Denn die Duden-Redaktion schreibt – von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbemerkt – seit 2020 auf ihrer Website Definitionen von Wörtern wie Mieter, Steuerzahler, Sportler, Arzt, Politiker um. Laut Duden-Online ist ein Mieter nun nicht mehr "jemand, der etwas gemietet hat", sondern eine "männliche Person, die etwas gemietet hat" . Alle 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen der Online-Datenbank sollen in dieser Art geändert werden, wie der Verlag der WELT auf Anfrage mitteilt. Künftig soll es einen Wort-Artikel für Arzt (nur noch "männlich") und einen für Ärztin geben.

Damit verschwindet de facto das "generische Maskulinum" bei Personenbezeichnungen von der Website www.duden.de. Als "generisches Maskulinum" bezeichnet man ein Wort, das eine geschlechtsneutrale Bedeutung hat und sich weder nur auf Männer noch nur auf Frauen bezieht.

Die Arbeiten sollen 2021 abgeschlossen werden, so der Verlag. Zur Begründung heißt es unter anderem: "Die männlichen Formen waren nie geschlechtsneutral, wir präzisieren im Rahmen der kontinuierlichen redaktionellen Arbeit an unseren Inhalten lediglich die Bedeutungsangaben." Und das bringt Sprachwissenschaftler nun richtig auf die Palme.


"Die Welt" zitiert nun mehrere Sprachwissenschaftler (den Potsdamer Peter Eisenberg, die Münchner Linguistin Elisabeth Leiss sowie Ewa Trutkowski, Sprachwissenschaftlerin an der Freien Universität Bozen), die erklären, warum die Behauptungen der Duden-Reaktion nicht zutreffen:

"Es ist eine richtige Falschmeldung, dass Wörter wie Mieter, Arzt, Schüler und so weiter nur eine männliche Lesart haben sollen." Die neuen Definitionen seien alle falsch, so Eisenberg. "Und das weiß der Duden auch."


Wenn diese Fake-News nach Trump-Manier in einem Wörterbuch stünden, für das man Geld bezahlen müsse, handele es sich um "klaren Betrug" befindet Eisenberg. Elisabeth Leiss erklärt das Vorgehen der Duden-Redaktion für "grotesk und absolut unverantwortlich". Trutkowski formuliert zurückhaltender: Die geänderten Definitionen würden nicht die sprachliche Realität abbilden.

Auch darüber hinaus scheint sich die Duden-Redaktion auf einer ideologisch bestimmten Mission zu sehen:

Wer auf www.duden.de beispielsweise den Eintrag Schülerin aufruft, findet dort inzwischen Empfehlungen wie aus dem Gendersprache-Leitfaden. Die Webseite rät: "Um gehäuftes Auftreten der Doppelform Schülerinnen und Schüler zu vermeiden, können die Ausweichformen Schülerschaft oder Lernende gewählt werden." Der Plural Schüler für Mädchen und Jungen, das generische Maskulinum also, wird gar nicht erst vorgeschlagen.

Dazu passt dann auch die Bilderwelt der Website. Grammatisch maskuline Personenbezeichnungen werden auf www.duden.de ausschließlich mit Männern oder Jungen illustriert. Gegenüber der WELT erklärt der Verlag, es sei für "die Nutzer/-innen" der Webseite kaum nachvollziehbar, wenn bei solchen Worteinträgen eine weibliche Person zu sehen sei. Die Linguistin Ewa Trutkowski sieht das kritisch: "Die Abbildungen verfestigen die spezifisch männliche Interpretation und lassen die generische außen vor", sagt sie.

Welche Position die kleine Berliner Duden-Redaktion in Sachen Gendersprache vertritt, ist längst kein Geheimnis mehr: Als 2020 der Rechtschreib-Duden erscheint, enthält der Band erstmals ein Kapitel zu Gendersternchen und Binnen-Is. Über die eigentlich bekannten gravierenden grammatischen Probleme, die solche Genderzeichen mit sich bringen, verliert der Duden kein Wort.


Der Linguistin Ewa Trutkowski zufolge missbrauche der Duden seine ihm häufig zugeschriebene Deutungs- und Definitionshoheit über die deutsche Sprache, um eine wissenschaftlich einseitige Sichtweise zu propagieren und die generische Lesart maskuliner Nomen formal verschwinden zu lassen. Eine solche Deutungs- noch Definitionshoheit über die deutsche Sprache besitze der Duden allerdings nicht – sondern allein die Sprachgemeinschaft. (Das ist Konsens in der Linguistik; ich habe dieses Fach ja selbst studiert. - A.H.)

Der "Welt"-Artikel erklärt nun in einigen weiteren Absätzen, die ich hier heraus kürze. warum die Behauptung, mit einem generischen Maskulinum seien tatsächlich nur Männer gemeint, hanebüchen ist, und fährt daraufhin so fort:

Der Online-Duden indes definiert Mörder als "männliche Person, die gemordet, einen Mord begangen hat". In dieser Logik ist ein weiblicher Mörder dann eine "weibliche männliche (sic!) Person, die gemordet, einen Mord begangen hat".

Wenn der Duden WELT schreibt, die Bedeutungsangaben würden auf "redaktionellen Recherchen zum aktuellen Sprachgebrauch" basieren, muss man sich fragen, wo recherchiert wird. (…) Selbst in öffentlich-rechtlichen Sendern, die zum Teil wegen Gendersprechpausen in die Kritik geraten sind, ist die Genderei bislang ein überbewertetes Randphänomen. So hat der Sprachwissenschaftler Helmut Berschin kürzlich eine Sendewoche der 19-Uhr-Ausgabe der "heute"-Nachrichten des ZDF ausgewertet. Ergebnis: Bei den 135 genusvariablen Gruppenbezeichnungen (Experten, Anwohner, Lehrer usw.) wurde in fast 90 Prozent der Fälle das generische Maskulinum verwendet. Die Genderquote lag bei genau elf Prozent.

(…) Nicht einmal die "taz" kommt ohne das generische Maskulinum aus. In vier aktuellen Artikeln (vom 10.10. , 5.12. , 21.12. , 22.12.2020 ) finden sich insgesamt 26 generische Maskulina (Passagiere, Briten, EU-Bürger, Klima-Aktivisten usw.), eine feminine Form (Wissenschaftlerinnen), aber keine einzige Doppelnennung, auch keinen Genderstern, kein Doppelpunkt und dergleichen. Eine taz.de-Dachzeile lautet "Wenn Politiker aussteigen" (im Bild eine Frau), und in einem weiteren taz..de-Artikel liest man dieser Tage im Teaser: "Die Mehrheit der Belarussen hat nur einen Wunsch." Die Genderei einer zweifellos gewachsenen Zahl an Institutionen, Journalisten, Politikern hat das generische Maskulinum nicht aus der Sprache vertrieben.

(…) Auf Anfrage von WELT erklärt der Duden-Verlag, es sei noch nicht entschieden, ob auch im Print-Wörterbuch die Definitionen geändert werden sollen. Einige sind es schon. Laut aktuellem Duden-Universalwörterbuch bedeutet Schüler "Junge, Jugendlicher, der eine Schule besucht". Mit dieser Definition steht der Verlag allerdings ziemlich allein da. Der Wahrig, Wörterbuch der deutschen Sprache, das Online-Lexikon des Instituts für Deutsche Sprache (www.owid.de) und das – übrigens sehr umfangreiche und nutzerfreundliche – Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (www.dwds.de) definieren Schüler geschlechtsneutral. Der Leser kann also ausweichen.


Selbst in der Zeitschrift "Stern", wo man sich sonst leicht für Feministisches begeistern lässt, mag man der Linie des Dudens nicht mehr folgen: "Warum es anmaßend vom Duden ist, das generische Maskulinum abzuschaffen". Kernaussage des Artikels: Es ist nicht die Aufgabe einer Wörterbuch-Redaktion, die Bevölkerung zum Verwenden einer bestimmten Sprech- und Schreibweise zu zitieren.



2. Bundesjustizministerin Lambrecht erwartet ein Gesetz zur Durchsetzung der Frauenquote bis Sommer:

Es sei eine "Selbstverständlichkeit, dass hoch qualifizierte Menschen, hoch qualifizierte Frauen, die Chancen bekommen müssen, die sie verdienen". Sie sei immer wieder darüber "verwundert", dass man darum noch immer kämpfen müsse. Kritikern der Frauenquote, die behaupteten, damit werde Geschlecht zu einem Kriterium bei der Stellenbesetzung gemacht, entgegne sie: "Jetzt endlich ist Qualität das entscheidende Kriterium, und das Geschlecht spielt keine Rolle mehr", sagte Lambrecht.


Am 6. Januar wurde die Frauenquote durch einen Kabinettsbeschluss der Großen Koalition auf den Weg gebracht. "Die Zeit für freiwillige Maßnahmen ist endgültig vorbei", erklärte hierzu Vize-Kanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Wie man von der Tagesschau mittlerweile erwarten darf, lautet dort die einzige Kritik daran, dass dieser Beschluss nicht weit genug gehe: "Es hätte ruhig mehr sein dürfen." Die Sachlichkeit, für die die Tagesschau in früheren Jahrzehnten stand, ist schon zu Beginn des Beitrags der Polemik gewichen. Dort wird man mit Formulierungen begrüßt wie "Die üblichen verdächtigen Quotengegner haben Puls. Aber ruhig Blut, regt euch ab." Ein großer Teil der Bevölkerung wird hier als Horde zwielichtiger Wüteriche dargestellt. So kann man eine sachliche Debatte von Anfang an torpedieren.



3. "Frauen sind nicht die Verliererinnen der Pandemie" stellte die Frankfurter Allgemeine Ende Dezember noch einmal klar. Der Artikel steht nur im Anriss online, aber Genderama hatte das Thema letztes Jahr ja ohnehin bereits mehrfach behandelt. "Die Zeit" etwa hatte mitgeholfen, mit diesem Mythos aufzuräumen.

Dem unbenommen behauptet Jutta Allmendinger in der "Zeit" weiterhin unverdrossen, aufgrund einer "Retraditionalisierung" der Geschlechterrollen, verlören Frauen in der Corona-Krise ihre Würde: "Alle Staatshilfen müssen überprüft werden, ob sie auch den Frauen helfen." Ein besonderer Schutz der Männer als Gruppe, die besonders häufig an Corona stirbt, wird in der "Zeit" nicht gefordert.



4. Einen weiteren in vielen Leitmedien beliebten Mythos widerlegt eine neue Studie: Es lässt sich KEIN statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der politischen Führung eines Landes und der Zahl seiner Covid-Toten feststellen. Der gegenteilige Eindruck sei durch eine selektive Auswahl von Ländern in den westlichen Medien entstanden, die Erfolge weiblicher Führungspersonen übertrieben dargestellt haben.



5. Eine weitere Studie zeigt, dass weltweit Jungen häufiger unterernährt sind als Mädchen.



6. Für den Schweizer "Blick" sind auch beim Klimawandel (warum ausgerechnet da auch nicht?) Männer Täter und Frauen Opfer.

Die globale Erwärmung wird ­Folgen für uns alle haben. Warum hassen dann immer noch manche Männer die Gretas dieser Welt, aber nicht den Klimawandel? Männerexperte Markus Theunert macht eine "toxische Männlichkeit" dafür verantwortlich: "Schuld sind weniger die Männer selbst als ein zerstörerisches Männlichkeitsideal. Schon Buben lernen: Grenzen zu überschreiten und ausbeuterisch zu handeln, gilt als männlich, sorgsam mit sich und der Natur umzugehen nicht."


Könnte es vielleicht rationale Gründe dafür geben, warum sich Menschen den Parolen einer Greta Thunberg nicht anschließen möchten. Natürlich nicht: Die Leute sind einfach hasserfüllt und unvernünftig – typisch Männer eben.



7. Die Cancel Culture schreitet voran: Vor wenigen Wochen hat feministischer Druck dazu geführt, dass die Verlage Hanser und dtv ein Buch klammheimlich und ohne jede Diskussion vom Markt genommen haben. Warum das bedenklich ist, erklärt der Deutschlandfunk.



8. Auch der Historiker und Feminismuskritiker Gunnar Kunz berichtet über die Cancel Culture in Deutschland:

Im Vorfeld der Europawahlen lud das Deutsche Historische Museum (DHM) zu einer Blogparade ein. Thema: Was bedeutet mir Demokratie. Ein Aspekt dabei war der Kampf um die Demokratie aus historischer Sicht. Ich habe mich daran beteiligt und eine leicht überarbeitete Version meines Artikels über Elisabeth Selbert und ihre erfolgreiche Verhinderung echter Gleichberechtigung im Grundgesetz ans DHM gemailt. Der Artikel fußt auf einer Recherche in den Protokollen zur Erarbeitung des Grundgesetzes, eine Recherche, die kaum jemand außer mir vorgenommen haben dürfte. Daher hielt und halte ich den Artikel für relevant, immerhin rückt er überkommene Mythen anhand von unbekannten Fakten und eindeutigen Belegen gerade.

Ein Onlineredakteur (ironischerweise aus der "Abteilung Kommunikation") des Deutschen Historischen Museums lehnte die Übernahme dieses Artikels mit der Begründung ab, das DHM würde "bestimmten Interessengruppen" keine Plattform bieten. Bei einem vom DHM übernommen Jubelartikel zu Elisabeth Selbert störte die Interessengruppe hingegen offenbar nicht (Dabei waren selbst die Autoren des Jubelartikels im Gegensatz zum DHM so offen und fair, meinen Kommentar mit Link zum Artikel freizuschalten).

So viel zum Thema Demokratie, so viel zur vollmundigen Ankündigung der Blogparade mit den Worten: "Wir wünschen uns vielfältige Sichtweisen und einen regen Austausch untereinander", so viel zu "Das Demokratie-Labor will bewusst machen, dass Demokratie von der Partizipation und dem Engagement aller lebt. Wir handeln sie ständig erneut durch verschiedene Meinungen und Positionen aus".




9. Thomas Gesterkamp wettert jetzt bei der Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne) gegen die staatliche Förderung des Forums Soziale Inklusion: Ja, das ist die Stiftung, die für ihren Online-Pranger um Verzeihung bitten musste, aber offenkundig nichts aus diesem Debakel gelernt hat. Gesterkamp nennt das Forum Soziale Inklusion in einem Atemzug mit Rechtspopulismus; es vertrete "rückwärts gewandte politische Positionen". Beispiele? Hier führt Gesterkamp die Forderung nach mehr Rechten für Scheidungsväter ein, denen der Zugang zu ihren Kindern erschwert wird.

Vielen Lesern dürfte Gesterkamps offenen Worte bei der Orientierung helfen. Zum Lager, das sich für die Rechte von Scheidungsvätern einsetzt, gehören Gesterkamp zufolge das Forum Soziale Inklusion und die "IG Jungen, Männer, Väter". Im Umkehrschluss bedeutet das: Wem zu den Anliegen von Scheidungsvätern nur "Rechtspopulismus" einfällt, der ist bei den Grünen und dem Gesterkamp nahe stehenden Bundesforum Männer richtig.

Dabei übertönt all das Krakeele eine andere Frage: Wenn das Bundesforum Männer ebenfalls immer wieder 400.000 Euro von unseren Steuergeldern abräumt– was um alles in der Welt hat dieser Verein dann an Aktionen und vor allem an Erfolgen für Männer vorzuweisen, das diesen Betrag wert ist?

Dieses Jahr wird man erstmals den Vergleich ziehen können, was zwei unterschiedliche Männervereine mit derselben Summe auf die Beine stellen.

Der viel zu früh verstorbene linke Männerrechtler und Sozialarbeiter Wolfgang Wenger hatte einmal einen Text verfasst, der immer noch online steht. Darin heißt es:

In gewisser Hinsicht bin ich Mitglied beider "Seiten": der Organisation AGENS und indirekt beim Bundesforum Männer - sowohl als Mitglied vom VafK als auch als Mitglied bei der BAG Jungenarbeit. Zwar jeweils nur passives und förderndes Mitglied, aber immerhin sehe ich beide "Seiten" für die Männerbewegung als wichtig an und kann somit versuchen, objektiv zu sein, weil mir MÄNNERANLIEGEN und nicht Organisationen wichtig sind.

Ohnehin hängen mir diese ständigen Abgrenzungsbemühungen und die Zwangskonkurrenz unter Männern (um die Gunst der Frau) zum Hals heraus.

Trotzdem möchte ich auf das bestehende Ungleichgewicht und die Ungerechtigkeit dahinter verweisen: Auf der einen Seite agieren Männer in ihrer Freizeit, finanziert durch ihr Herzblut und den wenigen Spenden anderer Männer und Frauen, die sich das Geld abzwacken müssen, weil ihnen das Anliegen wichtig ist. Ich weiß nicht, wieviele Wochenstunden in den Organisationen von Manndat und AGENS dafür verwendet werden, die in Beruf und Familie fehlen - oder auch, um mal entspannt ins Kino zu gehen. Freizeit, eigenes Geld und viel Idealismus auf der einen Seite.

Diese Seite muß es sich gefallen lassen, von Männern angegriffen zu werden, die dafür bezahlt werden von Steuer- oder Kirchengeldern, staatlich finanziert und während ihrer Arbeitszeit. Kein Treffen des Bundesforum Männer findet statt, ohne dass ein Arbeitgeber entsendet, die Reisekosten finanziert vom BFM, die Arbeitszeit vom Arbeitgeber bezahlt. Den Schreibblock für Notizen nimmt man aus dem Büro mit. Dann sitzt man zusammen, bezahlt vom Steuerzahler, und überlegt, wie man am Besten gegen die komischen Maskulisten schießen kann, damit ihnen hoffentlich bald die Privatluft ausgeht.

Das hat schon ein "Gschmäckle" würde ich da sagen.


Die Hoffnung, dass den verhassten Männerrechtlern bald die "Privatluft" ausgeht, ist, zumindest was das Forum Soziale Inklusion angeht, letztes Jahr zerschlagen worden. Auf die jetzt punktuell einsetzende Demokratisierung der Männerpolitik reagieren nun diejenigen Leute mit Wut, für die ihre Alleinherrschaft in diesem Bereich wichtig war. Also scheint die momentane Strategie in diesem Lager zu sein: "So viel wie möglich mit Dreck bewerfen, irgendetwas bleibt garantiert hängen".

Vielleicht als Gegengewicht zu der Greuelpropaganda, die gerade gestreut wird: Hier habe ich Gerd Riedmeier vor neun Jahren zu seinem Verein interviewt. (Damals trug der Verein noch den Namen "Plattform Inklusion".)



10. Der Berliner Abgeordnete Benedikt Lux (GRÜNE) hat eine Anfrage an das Berliner Abgeordnetenhaus gestellt, um zu erfahren, wie die Entwicklung von häuslicher und sexueller Gewalt gegen Kinder, Frauen und Männer während Corona verlaufen ist. Die überraschende Antwort: Am stärksten stieg in Berlin mit zusätzlichen 195 Fällen die häusliche (+6,1%) und mit zusätzlichen 13 Fällen die sexuelle (+5,6%) Gewalt gegen Männer. Die Reaktion der rot-rot-grünen Berliner Regierung: Sie fordert weitere Hilfsangebote allein für Frauen und Kinder.



11. "Die Blindheit für sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer kostet Leben" befand Tom Wood Ende 2020 in der Edinburgher Tageszeitung "The Scotsman":

Eine ungewöhnliche Meldung schaffte es in der letzten Woche auf die Innenseiten. Ein männlicher Musiker, ein Dudelsackspieler der Red Hot Chilli Pipers, brach das übliche Schweigen, um sich darüber zu beschweren, dass er und seine Bandkollegen regelmäßig von den Frauen, die ihre Konzerte besuchen, betatscht und angemacht werden.

Eigentlich nichts Neues, kilttragende Männer und Jungs sind schon lange an diese Art von Verhalten gewöhnt, manche unbeschwert, manche nicht so sehr. Ein bekanntes Restaurant musste seinen Kellnern das Tragen von Schottenröcken verbieten, so hartnäckig war das Problem.

Es war nicht die Enthüllung, dass dieses Problem existiert, die meine Aufmerksamkeit erregte, sondern die Reaktion auf die Bedenken des Dudelsackspielers. Ich beobachtete die sozialen Medien aufmerksam. Wäre der Dudelsackspieler eine Frau gewesen, wäre die Empörung sofort groß gewesen. Politiker und Prominente hätten sich zu Recht zu Wort gemeldet, um das Verhalten zu verurteilen. Aber zur Unterstützung unseres Dudelsackspielers, nichts, ein paar schlechte Peniswitze, aber abgesehen davon war die Stille ohrenbetäubend.

Ich war nicht überrascht, denn im Schottland des 21. Jahrhunderts werden Männer und Jungen als der Aufmerksamkeit unwürdige Opfer vieler Formen von Missbrauch betrachtet.

Man kann über die Notlage unseres Dudelsackspielers lachen, aber es ist weniger einfach, die Forschungsergebnisse des letzten Monats zu ignorieren, die von der Scottish Children's Reporters Administration (SCRA) und Barnardo's Scotland veröffentlicht wurden.

Sie kamen zu dem Schluss, dass Jungen, die von sexuellem Missbrauch bedroht sind, aufgrund von "kulturellen Barrieren" oft unsichtbar bleiben. Mit anderen Worten: Selbst Fachleute sind so sehr auf die stereotype Sichtweise von weiblichen Opfern und männlichen Tätern programmiert, dass sie blind sind für die Notlage von Jungen, die gefährdet sind, Schaden zu nehmen.

Wie ist es zu dieser kulturellen Voreingenommenheit gekommen? Dr. Liz Bates, die an der Universität von Cumbria über häusliche Gewalt forscht, ist der Antwort auf diese Frage ein gutes Stück näher gekommen. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Aufstieg des Feminismus einen "mächtigen und langjährigen geschlechtsspezifischen Diskurs hervorgebracht hat, der Politik, Praxis und Finanzierung beeinflusst. Dies alles wirkt als Barriere für Männer und Jungen, die Hilfe bekommen."

Der Anstieg des Bewusstseins und der Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ist durchweg positiv, aber das bedeutet nicht, dass nur Frauen Opfer sein können oder Männer und Jungen es nicht sein können.

Diese Denkweise ist inzwischen weit verbreitet. Obwohl männliche Opfer häuslicher Gewalt bis zu 20 Prozent der gemeldeten Vorfälle ausmachen, erhält "Abused Men in Scotland", der einzige spezielle Dienst für männliche Opfer häuslicher Gewalt, keinerlei Unterstützung von unserer Regierung. Stattdessen finanziert sie aus unerklärlichen Gründen eine Beratungsstelle in England.

Einige dieser Voreingenommenheiten sind inzwischen vielleicht so tief verwurzelt, dass sie unbewusst sind. Letzte Woche begann unser Justizminister mit einer Konsultation darüber, ob Misogynie (Frauenhass) in sein schlechtes Gesetz über Hassverbrechen (Hate Crime Bill) aufgenommen werden sollte. Misandrie (Männerhass) wird mit keinem Wort erwähnt.

Wie kann das in einem Land, das sich der Gleichheit rühmt, als akzeptabel durchgehen?

Mit der Zeit wird das Pendel natürlich zurückschwingen, so wie es muss. Hoffen wir, dass es bald geschieht. Denn wenn wir nicht beide Seiten unseres Belästigungs- und Missbrauchsproblems gleichermaßen angehen, werden wir niemals Erfolg haben. Es kann keine unwürdigen Opfer in Schottland geben.

Warum ist das so wichtig? Nun, in einem anderen Silo unserer angeschlagenen bürgerlichen Gesellschaft sind wir wirklich verwirrt darüber, warum so viele unserer jungen Männer sich das Leben nehmen, sich selbst verletzen und unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Wir müssen nur die einzelnen Punkte miteinander verbinden.




12. Die Post. Einer meiner Leser schrieb mir Ende letzten Jahres:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

mit grossem Interesse verfolge ich seit längerer Zeit Ihren Blog und möchte Ihnen für Ihr Eintreten für die Belange von Jungen und Männern danken. Und auch für Ihre Standhaftigkeit im Angesicht von Anfeindungen und Rufmordkampagnen.

Ich schreibe Ihnen, um Ihre Aufmerksamkeit auf einen Reddit Thread zu lenken. Dieser Thread, der Stand jetzt auf reddit 50.000 up votes erhalten hat, trägt den Titel "Männer von Reddit, die von einer Frau vergewaltigt wurden, was ist Eure Geschichte?" Es ist eine erschütternde Aneinanderreihung von Erzählungen über Vergewaltigungen von Männern durch Frauen.

Bitte erwähnen Sie meinen Namen nicht in Ihrem Blog. Vielen Dank.


Mittwoch, Dezember 23, 2020

Weihnachtsgrüße, Bitte um Spenden und Jahresrückblick 2020

Dieser Beitrag wird etwas länger als gewohnt, aber ihr habt zum Lesen jetzt auch wieder ein paar Wochen Zeit. Außerdem glaube ich, dass insbesondere der Jahresüberblick für keinen von euch langweilig werden wird.

Zunächst einmal wünsche ich allen Genderama-Lesern eine frohes Weihnachtsfest mit der Gelegneheit, sich von allem zu erholen, das dieses Jahr für viele besonders stressig gemacht hat!

Auch ich werde diese Gelegenheit wie jedes Jahr nutzen und mit Genderama bis Mitte Januar pausieren. Dann werde ich ebenfalls wie jedes Jahr die wirklich wichtigen Nachrichten dieser normalerweise ruhigeren Zeit zusammenfassend präsentieren.

Anders als immer mehr etablierte Medien erhalte ich keinerlei staatliche Bezuschussung und möchte dieses Blog gleichzeitig jedem frei verfügbar machen, statt für seine Inhalte bezahlen zu lassen. Da das Schreiben dieses Blogs aber viel Zeit kostet und ich irgendwie wirtschaftlich überleben muss, kann Genderama als unabhängiges Blog nur funktionieren, wenn es durch freiwillige Spenden seiner Leser getragen wird.

Dabei bewerte ich anhand der Gesamthöhe der eingegangenen Spenden, wie stark das Interesse daran ist, dass Genderama (und meine männerpolitische Arbeit insgesamt) fortgesetzt wird. Hier kann jeder von euch frei entscheiden: Wer meint, von den etablierten Medien ausreichend informiert zu werden, sobald es um Geschlechterthemen und Männeranliegen geht, dürfte dieses Blog für überflüssig halten. Wer das nicht findet und Genderama für notwendig hält, möchte es vielleicht unterstützen, damit es bestehen bleiben kann.

Ich freue mich sehr über jegliche Form der Unterstützung. Daueraufträge von Spenden geben mir allerdings langfristig Sicherheit, was entsprechend langfristige Planung erlaubt.

Spenden könnt ihr entweder durch eine reguläre Banküberweisung oder mit einer Überweisung via PayPal. Den Button für letzteres findet man rechts auf der Blogroll.

Bei dieser Gelegenheit danke ich allen ganz herzlich, die dieses Blog bereits mit ihren Spenden unterstützt haben. Ich freue mich über die Wertschätzung, die ihr damit für meine Arbeit zeigt.

Ebenfalls wie jedes Jahr möchte ich abschließend einen Blick darauf werfen, was sich 2020 männerpolitisch getan hat. Es folgt hier also eine Übersicht von Meldungen, die ich persönlich erwähnenswert finde, durchmischt mit Einsprengseln über meine eigenen Aktivitäten.

Anders als jedes Jahr wird diesmal aber am Ende dieses Rückblicks ein Fazit stehen. Da es mir wichtig ist, werde ich es durch eine andere Schriftfarbe hervorheben.

Was hat sich dieses Jahr so alles getan?



15. Januar: Frauenministerin Giffey greift maskulistische Anliegen auf und bekundet, auch Männer in Krisensituationen unterstützen zu wollen. Dieser Sinneswandel bleibt jedoch zunächst minimal: Wie die männerpolitische NGO Manndat später vorrechnen wird, erhalten Jungen und Männer vom Kuchen der Geschlechterpolitik anteilsmäßig kaum einen Krümel. Das wird sich erst Ende des Jahres ein wenig verbessern.



31. Januar: Die britische Daily Mail veröffentlicht den ersten einer Reihe von Audio-Mitschnitten, die enthüllen, dass die Schauspielerin Amber Heard gegen ihren Ehemann Johnny Depp gewalttätig wurde. Dabei verhöhnte sie ihn: Wenn er das jemals vor Gericht bringe, werde er dort keine Chance haben: "Mal schauen, wie viele Leute dir glauben werden."



2. Februar: Der SWR sendet die von der Feministin Mithu Sanyal angefertigte Dokumentation "Abenteuer mit Männerrechtlern". Auch Ausschnitte aus einem Interview mit mir sind Teil der Sendung. Das Feature weicht von der gewohnten Berichterstattung vieler Leitmedien ab, indem es auf Verfälschungen und auf Stigmatisierungen der Bürger- und Menschenrechtler verzichtet.



12. Februar: Das Erste zeigt um 20:15 Uhr den Film "Weil du mir gehörst" und vermittelt damit das Problem der elterlichen Entfremdung einem Massenpublikum.



5. März: Ich gebe dem Journalisten David Donschen und seinem Kamerateam im Wiesbadener 60/40 ein mehrstündiges Interview für die ARD-Sendereihe "Rabiat".

Schon im telefonischen Vorgespräch zeigt sich, dass Donschen sehr angetan von dem Konzept der "toxischen Männlichkeit" ist. Ich erkläre ihm und seinem Kamerateam in dem Interview, dass ersten Extremverhalten wie Amokläufe nicht mal für ein Promille aller Männer typisch sind und dass zweitens ein problematisches Verhalten einiger Männern auch dem Gender-Empathy-Gap zu verschulden ist. Beispielsweise interessiert sich unsere Gesellschaft nicht wirklich dafür, dass sich schon männliche Teenager deutlich häufiger das Leben nehmen als weibliche, weshalb schon Jungen lernen, dass sie nur dann Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie Probleme machen. Auch ist es nicht ein Zuviel sondern ein Zuwenig von Vätern, das dazu führt, dass Kinder sich ungünstig entwickeln.

Donschen überrascht mich während des Interviews mit BKA-Statistiken, die zeigen sollen, dass häusliche und sexuelle Gewalt weit überwiegend bis ausschließlich von Männern ausgehen. Ich erkläre ihm den Unterschied zwischen Hell- und Dunkelfeld und zeige ihm eine von mir speziell für dieses Interview erstellte Kurz-Zusammenfassung des wissenschaftlichen Forschungsstands zur Geschlechterverteilung bei häuslicher und sexueller Gewalt. Außerdem präsentiere ich Donschen und seinem Kamerateam den von mir herausgegebenen wissenschaftlichen Sammelband "Gleichberechtigung beginnt zu zweit", an dem Männerrechtler und Feministinnen zusammengearbeitet haben.

David Donschen teilt mir mit, er werde mich informieren, wenn sein Feature ausgestrahlt wird. Im Verlauf dieses Jahresüberblicks werde ich noch einmal darauf zurückkommen.



8. März: Am Weltfrauenkampftag ziehen Schweizer Feministinnen trotz der ausbrechenden Corona-Pandemie zu Tausenden durch die Straßen. In Spanien sieht es ähnlich aus.



16. März: Charlotte Theile wirft der männerpolitischen NGO Manndat in der Süddeutschen Zeitung vor, "in schrillem Ton gegen Frauen zu schießen". Als ich Theile per Mail um ein Beispiel dafür bitte, kann sie keines nennen.



ab Mitte bis Ende März: Die Corona-Pandemie ist zum beherrschenden Thema in den sozialen Medien geworden. Das berührt auch die Geschlechterdebatte. So empört sich Jana Hensel ("Die Zeit") auf Twitter darüber, dass bei der Bekämpfung der Seuche vor allem Männer glänzen. Seyda Kurt stört sich an der Wertschätzung eines "weißen cis Mannes" wie dem Virologen Christian Drosten. Die Feministin Julia Schramm sieht in Corona eine "Krise der Zivilisation, des Kapitalismus und des Patriarchats."

Derweil erörtert Genderama die Auswirkungen der Pandemie zum Beispiel auf Obdachlose, LKW-Fahrer und Trennungsväter. Obwohl überwiegend Männer an Corona sterben, verlieren sich unsere Leitmedien vor allem in Befürchtungen, dass die Pandemie der Emanzipation von Frauen stark schaden würde. Diese Befürchtungen werden sich drei Monate später als unbegründet herausstellen.



26. März: Das Bundesforum Männer gibt einen "Survival-Kit für Männer" während der Corona-Krise heraus, der die Ansprechpartner vor allem als gewaltbereite Kerle wahrnimmt, die jederzeit durchdrehen und auf ihre Frauen einprügeln könnten, wenn man ihnen nicht gut zuredet. Für männliche Opfer häuslicher Gewalt bleiben zwei Sätzchen übrig. Die Basis der Männerbewegung reagiert mit massiver Kritik am Männerbild des Bundesforums.



3. April: Die Zeitschrift Newsweek veröffentlicht eine weltweite Liste des medizinischen Personals, das im Kampf gegen die Corona-Pandemie bereits sein Leben gelassen hat. Es handelt sich weit überwiegend um Männer.



12. April: "Weiße Männer sind das größte Risiko bei der Übertragung des Corona-Virus" titelt die Huffington Post.



17. April: "Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ein weißer Mann Covid-19 heilen würde?" fragt eine Schlagzeile im Wall Street Journal.



23. April: Die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen schalten ein "Hilfetelefon Gewalt an Männern". Dies ist deutschlandweit das erste derartige Beratungsangebot, erklärt die nordrhein-westfälische Gleichstellungsministerin Scharrenbach.



10. Mai: In dem Artikel "Geht's auch leiser?" klagt die Frankfurter Allgemeine darüber, dass sich vor allem Männer so stark an der Debatte um die Corona-Pandemie beteiligen.



17. Mai: Die Grünen fordern, Corona-Hilfen, die Unternehmen zugute kommen, an eine feministische Firmenpolitik zu koppeln. Auch solle das Kurzarbeitergeld für Frauen erhöht werden, und Frauen sollten einen besseren Kündigungsschutz während der Corona-Krise erhalten.



21. Mai: Der bekannte Journalist Friedrich Küppersbusch stellt auf Youtube das Video "Gründe für mehr Maskulismus" online.



31. Mai: Frauenministerin Giffey erklärt, Corona-Hilfe nur Unternehmen geben zu wollen, die Frauenförderung betreiben.



3. Juni: In den USA kommt es zu Protesten wegen tödlicher Polizeigewalt. Das US-amerikanische, jüdische Online-Nachrichtenmagazin “Tablet“ weist darauf hin, dass die zahlenmäßig größte Gruppe von Amerikanern, die von der Polizei getötet werden, aus weißen Männern mittleren Alters besteht.



6. Juni: In den USA werden gegen die weltweit führende feministische Organisation NOW erstmals Vorwürfe "ungezügelten Rassismus" laut. Später wird es ähnliche Vorwürfe gegen das feministische Unternehmen The Wing sowie gegen die feministisch geprägten Magazine "Refinery29" und "Bustle" geben.



8. Juni: "Die Zeit" korrigiert den neuen feministischen Mythos, Frauen würden durch die Corona-Krise zurück an den Herd katapultiert: Tatsächlich teilten sich Paare die Familienarbeit gleichberechtigter auf als je zuvor. Fünf Monate später wird die "Zeit"-Autorin Susanne Kaiser in ihrem Buch "Politische Männlichkeit" behaupten, infolge Corona gäbe es für Frauen eine "Retraditionalisierung", eine "Rolle rückwärts in die fünfziger Jahre" – da seien "sich Mainstreammedien einig".



22. Juni: "Die Zeit" fordert: Väter, die Vollzeit arbeiten und weniger als sieben Monate in Elternzeit gehen, sollten das Sorgerecht verlieren.



Noch 22. Juni: Die Bundeszentrale für politische Bildung diffamiert Männer-Aktivisten mit der Behauptung "Die Frau als Wurzel allen gesellschaftlichen und persönlichen Übels – das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich Antifeministen, Männerrechtler und andere Frauenhasser im Internet verständigen können." Beworben wird mit diesem Nonsens ein Podcast, in dem das DISSENS-Mitglied Andreas Hechler als Gegenmaßnahmen Dinge fordert wie "De-Platforming, also Sexisten ihre Plattform zu entziehen", "Monitoring" (also Überwachung) sowie "repressiv zu handeln", denn es handele sich um "Terrorismus". Sich auf Diskussionen einzulassen, ergänzt die Schweizer Genderforscherin Franziska Schutzbach, sei nicht sinnvoll, da man es mit einem Gegenüber zu tun habe, der ein geschlossenes Weltbild besitze.



27. Juni: In den Entwurf eines neuen Grundsatzprogramms der Grünen fließt erstmals eine maskulistische Forderung ein: "Männer, insbesondere Jungen, die von (sexualisierter) Gewalt betroffen sind, brauchen eigene Hilfs-, Beratungs- und Schutzangebote."



30. Juni: In Brandenburg tritt das feministische Wahlrecht ("Paritätsgesetz") in Kraft.



8. Juli: Die CDU gibt sich eine Frauenquote von zunächst 30, später 50 Prozent. 26 Prozent der CDU-Mitglieder sind weiblich. Sie werden bald 50 Prozent der Ämter besetzen. Friedrich Merz warnt: "Aus besseren Chancen für Frauen – die wir alle wollen – darf nicht eine Diskriminierung der Männer werden."



11. Juli: Der weltweit angesehene Männerrechtler Marc Angelucci wird ermordet. Tatverdächtig ist ein Rechtsanwalt, der sich womöglich rächen wollte, weil er aufgrund seiner radikalen Einstellung keinen Zugang zur Männerrechtsbewegung erhielt.



15. Juli: Nach einer Klage der Thüringer AfD kippt das zuständige Verfassungsgericht das feministische Wahlrecht in diesem Bundesland: Die Freiheit der Wahl verlange, dass Wahlen nicht durch Zwang und Druck des Staates durchgeführt würden. Nun kann sich ausgerechnet Björn Höcke als Hüter des Grundgesetzes profilieren.



17. Juli: Die Regierung Haitis fordert die Vereinten Nationen auf, auch die Anliegen von Jungen und Männern zu thematisieren.



18. Juli: Die Grünen fordern die Einführung des feministischen Wahlrechts auch in Rheinland-Pfalz.



23. Juli: ARD und ZDF polemisieren in ihrem Kanal "FUNK" gegen die Männerrechtsbewegung.



25. Juli: Das Verteidigungsministerium kündigt Entschädigungen für diskriminierte schwule Soldaten an.



29. Juli: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beklagt sexuelle Gewalt gegen Männer in Syrien.



Anfang August: Das Deutsche Ärzteblatt beschäftigt sich in einem zehn Seiten umfassenden Fachbeitrag mit häuslicher Gewalt gegen Männer. Darin heißt es unter anderem: "Eine Pilotstudie zu allgemeinen Gewalterfahrungen von Männern in der Kindheit bis ins Erwachsenenalter aus 2004 ergab, dass jeder vierte Mann mindestens einmal körperliche Gewalt durch seine Partnerin erlebt hat."



6. August: Ausgerechnet als die Antifa neue Anschläge vorbereitet, erscheint von Sebastian Leber, der die Antifa im Berliner "Tagesspiegel" bejubelt, im selben Blatt ein Artikel, der die friedfertige deutsche Männerrechtsbewegung mit Rechts-Terrorismus in Verbindung bringt. Mich selbst versucht Leber damit durch den Schmutz zu ziehen, dass ich im vorletzten Jahrzehnt in den "falschen" Medien veröffentlicht hätte, womit er die Schwarze Rhetorik der "Kontaktschuld" (siehe unten) zum Einsatz bringt.

Eine Woche zuvor war ich von Leber für ein Interview angefragt worden. Ich hatte mich freundlich bereit erklärt, wenn ich vor der Veröffentlichung gegenlesen dürfe, ob ich korrekt zitiert werde. Stattdessen wurde ich von dem Erscheinen des Artikels überrascht.

Lebers Artikel wird schon am Folgetag in einem Offenen Brief des Autors Gunnar Kunz zerpflückt. Ähnlich ablehnend äußern sich die Blogger Uepsilonniks und Claudia Klinger.



14. August: Meine neue Website geht online. Dort behandelt eine eigene Rubrik die Tabuisierung wichtiger Themen durch unsere Leitmedien.



20. August: In seinem Buch "Wie ich meine Zeitung verlor" schildert der preisgekrönte Reporter Birk Meinhardt, warum er der Süddeutschen Zeitung den Rücken kehrte. In dem Buch heißt es: "Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sie danach."



27. August: Einer US-amerikanischen Studie zufolge werden Männer auf der Suche nach einem Job stärker diskriminiert als Frauen.



29. August: Von Günter Wallraff bis Necla Kelek veröffentlichen Europas Intellektuelle einen Appell gegen die grassierende Cancel Culture. Der Aufruf richtet sich unter anderem gegen das Konzept der Kontaktschuld – ein Instrument der Schwarzen Rhetorik, auf das sich beispielsweise Andreas Kemper spezialisiert hat und das häufig gegen mich selbst ebenso wie gegen andere Männer-Aktivisten verwendet wird:

Der Vorwurf der Kontaktschuld stellt die äußerliche Tatsache eines "Kontaktes" mit zu Recht oder zu Unrecht politisch verdächtigten Personen als solchen heraus, ohne dass es dabei eine Rolle spielt, von welcher Art die Beziehungen waren oder welchen Inhalt die bei Gelegenheit des "Kontaktes" geführten Gespräche gehabt haben. Statt den Diffamierten selbst zu zitieren, sein Handeln zu charakterisieren, seine Beweggründe zu nennen, werden Orte, an denen er sich aufgehalten hat, oder Personen, mit denen er gesprochen hat, Publikationsorgane, in denen er geschrieben, Veranstaltungen, auf denen er gesprochen hat, Organisationen, in denen er mitwirkt, politisch verdächtigt und sodann ein Rückschluss auf die politische Einstellung des Angegriffenen selbst gezogen. Somit ist das Kontaktschuld-Konstrukt Teil des breiten Spektrums von argumentum ad hominem, das heißt, nicht die Sache wird angegriffen, sondern die Person. (…) In Form eines logischen Fehlschlusses ist die Kontaktschuld verwandt mit der Association Fallacy.


Als Vertreter der Männerrechtsbewegung zähle ich zu den hundert Erstunterzeichnern des Appells gegen die Cancel Culture. Während er tausende weiterer Unterschriften sammelt, können auch die Leitmedien ihn nicht mehr übergehen, sondern diskutieren ihn in etlichen Beiträgen.



2. September: Die Berliner "taz" berichtet, dass ein großer Teil der deutschen Lehrer unseren Medien kritisch bis ablehnend gegenüber steht. Beispielsweise befänden 19 Prozent der Befragten, dass "viele Nachrichten, die eigentlich wichtig sind, in den normalen Medien verschwiegen werden und man sie nur in sozialen Netzwerken, Foren oder Blogs findet".



4. September: Der Bundesvorstand des Väteraufbruchs für Kinder richtet einen Offenen Brandbrief an Bundesfrauenministerin Giffey (SPD). Das Schreiben beklagt Giffeys Untätigkeit insbesondere durch das Verschleppen dringend notwendiger Reformen im Familien- und Unterhaltsrecht: "Keine andere Partei hat aktiver an der Behinderung von Fortschritten hin zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen gewirkt als die SPD mit den von ihr besetzten Ministerien."



5. September: Die CSU-Politikerin Ulrike Scharf beklagt, dass die Corona-Pandemie Männerkarrieren befördert habe: "Die dominanten Akteure in der Krisenbewältigung in den Bereichen Virologie, Gesundheitspolitik, Wirtschaftsrettung und Medien waren doch mehrheitlich Männer."



6. September: Militante deutsche Feministinnen stellen eine Chronik ihrer Terroraktionen in der jüngeren Vergangenheit online und bewerben sie auf der linken Nachrichtenplattform Indymedia. Die Chronik bietet einen guten Überblick über die unterschiedlichsten Verbrechen, so etwa "Sozenbüros verschönert", "Auto von Pick up Arschloch Marko Polo zertrümmert" und "Farbattacke auf das Amtsgericht Lichtenberg". In den deutschen Leitmedien bleibt diese Chronologie des Terrors unerwähnt.



9. September: Die englische Universität von Sunderland kündigt an, den weltweit ersten Fachbereich für Männerpsychologie zu begründen: nicht in Form von pseudowissenschaftlich verbrämtem Männer-Bashing wie vor allem durch Michael Kimmel, sondern als ernstzunehmenden Forschungszweig, in dem auch Benachteiligungen von Männern benannt werden.



11. September: "Männerrechtler*innen: Brauchen wir die?" ist die neueste Folge der Podcast-Reihe "Freitag Abend" der trans Feministin Phenix Kühnert. Der erste Link auf der Seite dieses Podcasts führt zu meiner Website; ich darf in einem Telefoninterview die Positionen unserer Bewegung darstellen, wobei ich wieder versuche, zur feministischen Bewegung Brücken zu schlagen. Unter dem Link auf meine Website finden sich weitere Verlinkungen etwa zu Genderama und MANNdat.



15. September: Im Deutschlandfunk beschäftigt sich der "Philosoph" Florian Goldberg mit "einem Milieu, das darin aufgeht, sich selbst zu bemitleiden, und Frauen als Feinde zu betrachten", etwa die "eher normal deprimierten Männerrechtler". Goldberg polemisiert: "Sie können sich natürlich weiterhin ihrem Selbstmitleid und ihrem Hass ergeben. Glücklicher machen wird es sie nicht. Selbst wenn es ihnen gelänge, die ganze Welt in jenes Unglück zu stürzen, das sie ständig empfinden." An Menschen- und Bürgerrechtsgruppen wie Amnesty International und Black Lives Matter gehen solche Ermahnungen bezeichnenderweise nicht: Nur wer sich gezielt um Jungen und Männern kümmert, muss von Selbstmitleid und Frauenhass getrieben sein.



21. September: Der Journalist Kemal Hür wirft dem Deutschlandfunk vor, seine sexuelle Belästigung durch eine Vorgesetzte seit zwei Jahren zu vertuschen.



23. September: Ich stelle den Inhalt meines "Lexikon der feministischen Irrtümer" kostenlos online.



28. September: Ein von Markus Theunert erstelltes männerpolitisches Dossier des Bundesfrauenministeriums stößt unter anderem wegen Formulierungen wie, dass Männer "einfach mal die Klappe halten" sollten, vielfach auf scharfe Kritik. Begeistert hingegen zeigt sich das staatliche Bundesforum Männer: "Wir sehen darin auch ein direktes Resultat unserer eigenen politischen Arbeit als Interessenvertretung für Jungen, Männer und Väter."



2. Oktober: Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und jetzige CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz warnt anlässlich eines Festakts zum 30. Jahrestag des Freistaates Sachsens im dortigen Landtag vor einem "öffentlichen Konformitätsdruck" und einem "Alltagsrassismus" gegen den "alten weißen Mann". Grüne, SPD und Linke bleiben dem Festakt demonstrativ fern. Von den Anwesenden erhält die Rede stehende Ovationen.



5. Oktober: David Donschen teilt mir in einer Mail mit, dass er das Interview, das er im März mit mir aufgenommen hatte, aus seinem Feature zur Männlichkeit gestrichen habe. Es sei nicht lebendig genug gewesen und passe leider nicht in die Machart seines Films.

Ein paar Tage später wird das Feature ausgestrahlt und in die Mediathek des Senders gestellt. In den ersten Sätzen des Beitrags wird seine Stoßrichtung bereits deutlich: "Immer hart, immer stark und bloß keine Schwäche zeigen: Irgendwas läuft doch falsch bei uns Männern. (…) Problemfall Patriarchat: Die Kritik am System Mann wird immer lauter – und trotzdem benehmen sich viele Männer wie Arschlöcher. (…) Ich mache diesen Film, weil ich mich schon länger frage: Wieviel Mann-Sein ist gut und ab wann wird es schwierig?" Außerdem erfahren wir: "Fast neunundneunzig Prozent aller Sexualdelikte in Deutschland gingen 2019 laut Bundeskriminalamt von Männern aus."

In ähnlicher Weise geht es eine knappe Dreiviertelstunde weiter. Eine etwas ausführlichere Besprechung der Sendung findet man hier.



Ebenfalls 5. Oktober: Feministische Terroristinnen bekennen sich zu einem Anschlag auf die Berliner S-Bahn.



9. Oktober: Ein als "feministisches Wohnprojekt" bezeichnetes besetztes Haus in der Berliner Liebigstraße wird von der Polizei geräumt. In den Nächten davor und danach kommt es in Berlin zu Ausschreitungen, bei denen mehrere Autos in Brand gesetzt werden. In den Jahren vor der Räumung berichteten mehrere Nachbarn, dass von den Bewohnen der Hauses anhaltender Terror gegen sie ausgegangen sei. Linkspartei und Grüne trauern den Hausbesetzern nach: Bei dem Wohnprojekt habe es sich um einen "einzigartigen Schutzraum" gehandelt.



10. Oktober: Andreas Klamm, Parteimitglied der LINKEN, kritisiert die polizeiliche Räumung des besetzten Hauses in der Berliner Liebigstraße als inakzeptable Gewalt gegen Frauen.



12. Oktober: Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) legt einen Gesetzentwurf zum Insolvenzrecht vor, der mit Begriffen wie "Geschäftsführerin", "Verbraucherin" und "Schuldnerin" durchgehend in der weiblichen Form verfasst ist.



17. Oktober: Auf der Internationalen Konferenz für Männeranliegen, die wegen der Pandemie virtuell stattfindet, halten 110 Experten Vorträge über die verschiedensten männerpolitischen Themen.



23. Oktober: Auch in Brandenburg erklären die zuständigen Verfassungsrichter das feministische Wahlrecht als verfassungswidrig.



Noch 23. Oktober: Alice Schwarzers "Emma" kürt Christian Lindner zum sexistischsten Mann der Welt - unter anderem weil er jemanden wie mich mit offenen Armen in der FDP empfangen habe.



2. November: Die australische Abgeordnete Clare O’Neil (Labor Party) spricht in einer Rede an, dass Männer auch die wirtschaftliche Hauptlast der Corona-Pandemie tragen.



3. November: Johnny Depp verliert seinen Prozess gegen das britische Boulevardblatt "Sun", das ihn häuslicher Gewalt gegen Amber Heard bezichtigte.



Noch 3. November: Eine Umfrage zeigt, dass die Nachwuchsjournalisten der ARD zu 92 Prozent Grüne, Linke und SPD wählen.



5. November: Eine vom Institut der Deutschen Wirtschaft erstellte Studie zeigt, dass hierzulande Frauen und Männer beruflich gleich stark von Corona betroffen sind.



10. November: Das Bundesfrauenministerium startet mit Parolen wie "Jede dritte Frau in Deutschland ist von Gewalt betroffen" und "Alle 45 Minuten wird eine Frau Opfer von gefährlicher Körperverletzung in der Partnerschaft" eine neue Kampagne, die männliche Opfer unsichtbar macht.



Mitte November: Im Buchhandel erscheinen Susanne Kaisers "Politische Männlichkeit" und Pauline Harmanges "Ich hasse Männer": zwei Titel, die einander wunderbar ergänzen und in den Leitmedien große Aufmerksamkeit erhalten.



16. November: Wie eine neue Studie zeigt, verdienen in den Dax-Vorständen Frauen mittlerweile mehr als Männer.



20. November: Die Regierungskoalition einigt sich auf einen Zwang zur Frauenquote in Firmenvorständen.



ab 11. Dezember: Das Bundesfrauenministerium fördert mit dem Forum Soziale Inklusion erstmals einen nicht dezidiert feministischen Verein, der die politischen Anliegen von Jungen und Männern vertritt. In diversen Medien spucken Patricia Hecht ("taz"), Ann-Katrin Müller (Spiegel-Online), Ulle Schauws (Grüne), Thomas Gesterkamp (Neues Deutschland), Andreas Kemper und das Bundesforum Männer ein paar Tage lang Gift und Galle. Dabei kommt einmal mehr der logische Fehlschluss einer angeblichen "Kontaktschuld" zum Einsatz. Darüber hinaus wird mit derart vielen Falschbehauptungen hantiert, dass der Gymnasiallehrer und Blogger Lucas Schoppe sie gesammelt richtigstellen muss.



Ein roter Faden, der sich (außer Corona) durch dieses Jahr hindurch gezogen hat, war, dass Vertreter der Leitmedien noch stärker als sonst auf unsere neue Bürgerrechtsbewegung eingeprügelt haben. In den letzten Wochen war hier der kampagnenartig durchgeführte Rufmord am Forum Soziale Inklusion ein besonderes Ärgernis. Darüber hinaus bin ich persönlich wenig begeistert, wenn ich, wie in diesem Jahr ebenfalls geschehen, viele Stunden in die Vorbereitung, Durchführung und Nachbearbeitung eines ARD-Interviews stecke, auf dessen Ausstrahlung die Sendung dann unter einem windigen Vorwand verzichtet. MANNdat und die "IG Jungen, Männer, Väter" haben mit dem SPIEGEL Ähnliches erlebt. Ein zweistündiges Interview, das ein ARD-Mitarbeiter für einen Beitrag mit mir führte und in dem die Männerrechtsbewegung offenbar als "rechts" dargestellt werden sollte, ist schon vor einigen Jahren auf einen halben Satz verkürzt worden, nachdem ich partout nichts dafür Verwertbares sagen wollte.

Gleichzeitig wundern sich die Journalisten der etablierten Medien darüber, dass die Mehrheit der Bürger wenig oder kein Vertrauen in sie haben und Begriffe wie "Lügenpresse" Hochkonkunktir haben. Schließlich lügen sie ja nicht wirklich. Sie schneiden nur eine eigene Version der Wirklichkeit zusammen, indem sie den Bürgern etliche relevante Informationen vorenthalten und gleichzeitig Nebensächlichkeiten zur gesellschaftlichen Bedrohung hochjazzen. Der Kommunikationsforscher Hans Mathias Kepplinger hat diese Maxime, die unsere Leitmedien nicht nur beim Männerthema zeigen, in dem Titel seines letzten Buches treffsicher zusammengefasst: "Totschweigen und Skandalisieren".

Wie Kepplingers Analyse zeigt, ist dieses Problem also nicht nur auf den Umgang der Leitmedien mit der Männerrechtsbewegung begrenzt. Beispielsweise meldet der Bundesverband der Kommunikatoren Folgendes:

In den letzten Jahren häufen sich Berichte von PR-Verantwortlichen über zweifelhafte Recherchemethoden. Journalisten scheinen mehr und mehr mit vorgefertigten Storylines zu operieren. Die Recherche dient dann nurmehr dazu, die These einseitig zu stützen. Fakten und Auffassungen, die diesen Zweck nicht erfüllen, werden ausgeblendet. (…) Das Thema ist auf Veranstaltungen des Verbandes und im Kollegengespräch omnipräsent.


Der Bundesverband der Kommunikatoren hat dazu eine Studie erstellen lassen:

Die Ergebnisse zeigen klare Trends: Über alle Medien hinweg gehört es inzwischen zum journalistischen Standard, thesengeleitet zu recherchieren und Storys zuzuspitzen. Probleme bereiten den Pressesprechern dabei vor allem Situationen, in denen die Journalisten nicht bereit sind, ihre Ausgangseinschätzungen zu ändern – auch wenn sie in der Recherche neue Informationen bekommen, die die Storyline widerlegen.


Wie ich inzwischen selbst mehrfach erlebt habe, lassen Journalisten neue Informationen in solchen Fällen unter den Tisch fallen.

Was speziell Männerrechtlern hier geschieht, bezeichnet die Kommunikationswissenschaft als "symbolische Vernichtung": die "mediale Unterrepräsentierung einer Gruppe von Menschen, um soziale Ungleichheit aufrecht zu erhalten". Dem Soziologen Gaye Tichmann zufolge zerfällt dieser Vorgang in drei Aspekte: "Auslassung, Trivialisierung und Verdammung. Dieser vielschichtige Ansatz der Berichterstattung verunglimpft nicht nur Identitätsgemeinschaften, sondern wirkt auch darauf hin, Mitglieder durch den expliziten Mangel an Repräsentation in allen Medien unsichtbar zu machen."

Wenn ich mir die Hintergründe dafür ansehe, gewinne ich immer stärker folgenden Eindruck: Viele Medien scheinen geradezu Angst vor uns zu haben. Nicht "die Männer", sondern vor allem Journalisten sind es, die den Verlust ihrer Privilegien befürchten – in erster Linie des Privilegs, die eigene Sicht der Wirklichkeit der Bevölkerung als "Wahrheit" zu vermitteln. Um das zu tun, lädt man in Ausnahmefällen mal einen Männerrechtler ein, weil man durch die Lektüre anderer Medienberichte glaubt, man könne diese Leute als besonders weltfremd und ahnungslos darstellen. Dann zeigen sie sich aber stattdessen vor laufender Kamera besonders gut informiert. Was macht man jetzt mit dem Interview? Es gibt einen alten Journalisten-Spruch: "Man kann sich die schönste Story kaputtrecherchieren". Zum Beispiel die Story von der "toxischen Männlichkeit" oder den dumpfen Männerrechtler-Trollen.

Das ist meine Einschätzung der Dinge. Die Journalisten der Leitmedien werden natürlich darauf beharren, dass sie entweder Männerrechtlern aus guten Gründen nicht erlauben, sich und ihre Positionen selbst darzustellen, oder dass in den seltenen Fällen, in denen von Leitmedien einmal ein Männerrechtler interviewt wurde, irgendetwas leider nicht gepasst hat. Und jetzt beweisen Sie mal, dass NICHT zufällig immer die Beleuchtung falsch war oder es Tonprobleme gab. Das ist halt einfach Pech, wenn regelmäßig nur die Interviews gelingen, die mit der politischen Haltung der Journalisten übereinstimmen.

Das alles findet statt in einem Jahr, in dem es den Leitmedien aufgrund einer weltweiten Pandemie daran gelegen sein sollte, als besonders glaubwürdig und zuverlässig zu gelten, statt weiter an Vertrauen zu verlieren.

Das alles zeigt aber auch, wie wichtig das Internet und andere Kanäle für unsere Aufklärungsarbeit sind. Meine Autoren-Website und die kostenlose Online-Fassung meines "Lexikon der feministischen Irrtümer" habe ich dieses Jahr erstellt, weil das Versagen unserer Leitmedien eine Gegenöffentlichkeit immer dringender notwendig macht. Gleichzeitig erlaubt mir Amazon, Bücher wie "Feindbild weiße Männer" alle paar Monate für mehrere Tage kostenlos anzubieten, was in der Folge jedesmal langfristig für Aufmerksamkeit auch außerhalb unserer Community sorgt. Genderama selbst ist das Kernstück in diesem Verbund und erreicht mit seinen Nachrichten und Kommentaren kontinuierlich zahllose ganz unterschiedliche Leser, darunter Professoren, Journalisten und Politiker. Um nur das aktuellste Beispiel zu nehmen, kann sich jeder selbst fragen, was er etwa über das Forum Soziale Inklusion wüsste, wenn er allein die Leitmedien als Quelle hätte. Wie der obige Jahresrückblick zeigt, verhält es sich in zahllosen anderen Fällen genauso.

Die Journalisten der etablierten Medien suchen oft den bequemsten Weg und berichten bei vielen Themen dementsprechend einseitig oder gar nicht. Wir müssen uns selbst um eine Berichterstattung kümmern, die stärker an der Wahrheitsfindung orientiert ist: zur Not mittels einer neuen Form von Samisdat. Das alles kostet jedoch Zeit und Geld. Während ich blogge oder mich um andere Formen von Aufklärungsarbeit kümmere, kann ich kein berufliches Einkommen erzielen. Insofern ist eure Unterstützung durch Spenden besonders wichtig und wertvoll: nicht allein für die politischen Anliegen von Männern, sondern insgesamt für den Erhalt einer meinungsfreien und demokratischen Gesellschaft.




Dienstag, Dezember 22, 2020

"Neues Deutschland" steigt in Rufmord am Forum Soziale Inklusion ein – News vom 22. Dezember 2020

1. Die Wut auf das Forum Soziale Inklusion, das erstmals als ein nicht-feministischer männerpolitischer Verein staatliche Förderung erhält, reißt nicht ab. Gestern ist der dem Bundesforum Männer nahestehende Publizist Thomas Gestkamp mit einem Artikel im "Neuen Deutschland", der ehemaligen Staats- und Parteizeitung der DDR, in die Kampagne gegen den Verein eingestiegen. Schon in seiner Schlagzeile wettert der Artikel gegen angebliche "Staatlich geförderte Frauenfeinde". In Gesterkamps Artikel selbst indes fehlt für diese verleumderische Beschimpfung jeglicher Beleg. Als Ersatz wird den Lesern der Zeitung folgendes angeboten: Das Forum Soziale Inklusion setze sich für die Rechte von Scheidungsvätern ein, und in diesem Bereich gäbe es "dezidiert frauenfeindliche" Interessensverbände – was ebenfalls belegfreie Behauptung bleibt.

Der Kern des Unmuts wird im Verlauf des Artikels hinreichend klar: Die Förderung des Vereins entspreche in etwa derjenigen, die das "dialogisch orientierte" Bundesforum Männer erhält. Allerdings habe ich in den letzten zehn Jahren von einer solchen angeblichen Ausrichtung zu einem konstruktiven Dialog das Bundesforum Männer nie erlebt. Stattdessen schickte dessen ehemaliger Vorsitzender Martin Rosowski vor dem Ersten Deutschen Genderkongress 2015 – veranstaltet von Gerd Riedmeier, dem Vorsitzenden des Forusm Soziale Inklusion mit dem Ziel, einen echten Geschlechterdialog anzustoßen sollte – rufmörderische Schreiben an die Parteien, die ihre Teilnahme an dem Kongress zugesagt hatten: Schreiben, in denen Rosowski selbst mich als "Frauenfeind" verleumdete. Dass die Parteien darauf mit einer Reihe von Absagen reagierten, davon saugt Gesterkamp noch in seinem gestrigen Artikel Nektar. Mit Dialogfähigkeit oder auch nur -bereitschaft haben derartige Manöver nichts zu tun.

Auch in dem Artikel des "Neuen Deutschland" kommt vom Gegenstand der Berichterstattung, dem Forum Sozialer Inklusion, niemand zu Wort. Verbreitet werden stattdessen die bekannten Falschbehauptungen eines angeblichen Versagens parlamentarischer Kontrolle aufgrund einer "übermüdeten Opposition" und einer "geschickten Verschleierungstaktik". Wäre DIE LINKE nicht "übermüdet" gewesen, diesen Eindruck erweckt der Artikel, hätte sie den Förderungsbeschluss durch die Regierungskoalition gestoppt. Dafür, das nicht getan zu haben, bat dem Neuen Deutschland zufolge der LINKEN-Politiker Michael Leutert um Verzeihung, was von einem Foto Leukerts vor dem Poster "Nazis blockieren" begleitet wird. In der Diktion des Neuen Deutschland handelte es sich insofern auch nicht um einen regulären politischen Vorgang, sondern um einen "Coup", die verantwortliche SPD-Abgeordnete habe sich "hinters Licht führen" lassen. Beim Leser soll so offenbar weiterhin der Eindruck erzeugt werden, dass es sich bei den Vereinsmitgliedern um eine Form von Polit-Kriminellen handelt, die lediglich "harmlos klingen". Einen einzigen konkreten Vorwurf, was das Forum Sozialer Inklusion Schlimmes verbrochen habe, nennt Gesterkamp nicht. Stattdessen bleibt es bei dem altbekannten Gepolter, dass "Maskulinisten", wenn sie von "Freiheit" und "Zivilgesellschaft" sprächen, "meist rückwärtsgewandte geschlechterpolitische Positionen" im Sinne hätten. Auch für diese Unterstellung fehlt jeder Beleg.

In den letzten Absätzen des Artikels wird die Hoffnung laut, dass dem Forum Soziale Inklusion zugesagte Zahlungen doch noch zurückgezogen werden. Offenbar soll der momentan angeschlagene Krawall zu genau dieser Entwicklung führen. Der LINKEN-Politiker Leutert äußert unverhohlen seine Erwartung, dass die zugesagten Gelder nicht ausbezahlt würden, da der Verein ja nun als "Trojanisches Pferd" kenntlich gemacht worden sei. Gesterkamp selbst scheint es besondere Sorge zu bereiten, dass das Forum Soziale Inklusion die Fördergelder für einen neuen Genderkongress im Jahr 2021 einsetzen wird. In diesem Zusammenhang raunt er davon, dass mögliche Zahlungen verhindert werden könnten, wenn sie Förderrichtlinien widersprächen. Inwiefern das für einen Genderkonkgress gelten sollte? Auch darüber erfährt der Leser wenig.

Alles in allem ist Gesterkamps Artikel zunächst einmal Ausdruck hilfloser Wut. Die Flut solcher rufmörderischer Artikel in den letzten Tagen legt indes den Verdacht nahe, dass das Forum Soziale Inklusion in den Köpfen so vieler Menschen wie möglich grundsätzlich mit Begriffen wie "Frauenfeindlichkeit" und "Heimtücke" assoziiert werden soll. Durch die Rhetorik der letzten beiden Wochen schimmert ja immer wieder das Argument durch: Kerle, die Frauenhass verbreiten, sind schlimm, aber Aktivisten, die von einem zivilgesellschaftlichen Dialog sprechen, sind noch viel schlimmer, denn diese Schweine verbergen den Frauenhass, von dem sie ganz bestimmt insgeheim besessen sind, sogar noch! Frauenhasser UND verlogen, wie ekelhaft ist DAS denn?

Ich fürchte mit Menschen, die auf dieser Schiene polemisieren, ist ein vernünftiger Dialog wirklich schwer möglich. Eigentlich bräuchte jeder nur den mit Hass durchtränkten Artikel Thomas Gesterkamps und die Veröffentlichungen des Forums Soziale Inklusion selbst miteinander vergleichen, und es ist offensichtlich, wer auf welcher Schiene unterwegs ist.

Die gute Nachricht ist, dass die Leserschaft des Neuen Deutschlands allmählich wegstirbt. Viel mehr Plattformen hat Gesterkamp nicht, bei denen er seine absurde Hetze loswerden kann. Ich schätze, schon jetzt erreicht sie fast nur noch die Leute, die die Berliner Mauer ernsthaft für einen "antifaschistischen Schutzwall" gehalten haben.

Die "Fairness-Stiftung" beschäftigt sich eingehender mit der Problematik des Rufmords nicht nur bei politischen Auseinandersetzungen.



2. Auf Youtube wurde gestern ein Radiobeitrag online gestellt, in dem ab Minute 22 ein männlicher Teilnehmer einer Talkrunde von seiner Vergewaltigung durch eine Frau spricht. Manch einer würde wohl auch diesen Beitrag als klar frauenfeindlich etikettieren.



3. Ähnlich "frauenfeindlich" ist ein halbstündiges Feature in der ARD-Mediathek, das sich erschreckenderweise ebenfalls für Scheidungsväter einsetzt und dabei auch die gängigen Vorurteile gegen sie erwähnt – von weiblicher wie von männlicher Seite: Alleinerziehende Väter - "Sieh zu, wie du klarkommst!"



4. Der SWR-Intendant Kai Gniffke lehnt den Genderstern als "künstlich und irritierend" ab:

"Bei der gesprochenen Variante des Gendersterns – also der kurzen Pause innerhalb des Wortes – sind wir im SWR sehr kritisch", teilte Intendant Kai Gniffke am Montag mit. "Es wirkt künstlich und ist aus meiner Sicht dazu angetan, große Teile unseres Publikums zu irritieren, vielleicht sogar zu verärgern." Dann wirke die Sprache nicht mehr integrierend, sondern schließt Menschen eher aus.




5. Der Rapper Bushido berichtet in einem Gerichsprozess über seine familiäre Situation:

Überhaupt habe seine Frau eine sehr dominante Rolle in der Beziehung. "Meine Frau verwaltet die Haushaltskasse" gab er zur Erklärung an. Als nach dieser Aussage verhaltenes Gelächter zu hören war, fügte er noch hinzu: "Alle machen immer auf harte Kerle, aber zu Hause hat die Frau die Hosen an."




6. Das US-amerikanische Zentrum für die Integrität von Staatsanwälten beschäftigt sich in einem aktuellen Beitrag mit einem Tabuthema: der Häufigkeit von Falschbeschuldigungen häuslicher Gewalt und ähnlichen Delikten.

Eine kürzlich von YouGov durchgeführte nationale Umfrage zeigt, dass 8 % der Amerikaner angeben, fälschlicherweise häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch, sexueller Übergriffe oder anderer Formen von Missbrauch beschuldigt worden zu sein. Die 2.407 Umfrageteilnehmer waren repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung der USA. Die Zahl von 8 % repräsentiert 20,4 Millionen Erwachsene.

In 62 % der Fälle waren die falschen Ankläger nach eigenen Angaben weiblich. Häufig wurde die falsche Anschuldigung im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit erhoben - in 27 % der Fälle.

Ähnliche Prozentsätze von fälschlich beschuldigten Personen wurden in den verschiedenen Altersgruppen, ethnischen Kategorien und geografischen Gebieten beobachtet. In anderen demografischen Kategorien wurden jedoch erhebliche Unterschiede festgestellt.

Die Umfrage ergab ein starkes geschlechtsspezifisches Gefälle - 11 % der Männer gegenüber 6 % der Frauen gaben an, fälschlicherweise beschuldigt worden zu sein.

Abnehmende Prozentsätze von Falschbeschuldigungen wurden je nach Bildungsgrad beobachtet. Personen ohne Hochschulabschluss meldeten höhere Zahlen (8 %) als Personen mit Hochschulabschluss (7 %) oder postgradualem Abschluss (3 %).

Eine Ausnahme von diesem rückläufigen Trend bildeten Personen mit "etwas" Hochschulbildung, von denen 11 % angaben, fälschlicherweise beschuldigt worden zu sein. Dieser höhere Prozentsatz spiegelt möglicherweise die Tatsache wider, dass viele beschuldigte Studenten von der Schule verwiesen werden oder sich dazu entschließen, diese zu verlassen, bevor sie ihren Abschluss machen können.

Weitere Analysen der Daten zeigen:

Höhere Zahlen wurden bei Personen mit einem Einkommen unter 40.000 Dollar (12%) festgestellt, verglichen mit Erwachsenen mit einem Einkommen von 40.000 bis 80.000 Dollar (7%) oder über 80.000 Dollar (8%).

Ein wesentlich höherer Prozentsatz falscher Anschuldigungen wurde bei Personen in einer Lebenspartnerschaft (15 %) festgestellt, verglichen mit Personen, die ledig (9 %), geschieden (9 %) oder verheiratet (7 %) waren.

Falsche Anschuldigungen waren ziemlich gleichmäßig auf die vier Missbrauchskategorien verteilt. Auf die Frage: "Wurde jemand, den Sie kennen, jemals fälschlicherweise beschuldigt?", antworteten die Befragten wie folgt:

Häusliche Gewalt: 17%

Kindesmissbrauch: 17%

Sexuelle Übergriffe: 16%

Andere Form des Missbrauchs: 11%

Falsche Anschuldigungen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Justiz dar. Laut dem National Registry of Exonerations (Nationales Register für Entlastungen) sind falsche Anschuldigungen und Meineide der häufigste Faktor für ungerechtfertigte Verurteilungen und machen 59 % dieser Fälle aus.

Falsche Anschuldigungen schaden dem sozialen Ansehen, den Karriereaussichten und der psychischen Gesundheit der Angeklagten, mindern die Glaubwürdigkeit zukünftiger Opfer und untergraben die Integrität unseres Rechtssystems.

(…) Die vollständigen Umfrageergebnisse können online eingesehen werden. Das Center for Prosecutor Integrity (Zentrum für die Integrität von Staatsanwälten) fordert Staatsanwälte, Gesetzgeber, College-Administratoren und andere auf, daran zu arbeiten, die aktuelle Epidemie falscher Anschuldigungen zu beenden.




7. Das liberale Magazin Reason berichtet über aktuelle Forschung zu der Geisteshaltung, sich selbst vor allem als Opfer wahrzunehmen:

Viele Kommentatoren haben argumentiert, dass eine aufkommende "Opferkultur" Menschen dazu anregt, sich selbst als schwach, traumatisiert und geschädigt zu sehen. In der Hochschulbildung wurde dies mit verstärkten Forderungen nach spezifischen Vorkehrungen wie Trigger-Warnungen (die nicht funktionieren) und der Überwachung von Mikroaggressionen (die schlecht durchdacht ist) in Verbindung gebracht.

Was aber, wenn dies nicht nur ein Trend ist, sondern ein ganzer Persönlichkeitstyp? Eine neue Arbeit in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Personality and Individual Differences" postuliert eine Tendenz zur interpersonellen Opferrolle (TIV), einen Archetyp, der durch mehrere wirklich toxische Eigenschaften definiert ist: ein pathologisches Bedürfnis nach Anerkennung, eine Schwierigkeit, sich in andere einzufühlen, Gefühle der moralischen Überlegenheit und, was besonders wichtig ist, ein Durst nach Rache.

"Die Ergebnisse ... deuten darauf hin, dass die Opferrolle eine stabile und bedeutsame Persönlichkeitstendenz ist", schreiben die Autoren der Studie, ein Quartett von Wissenschaftlern der Tel Aviv University, der Hebrew University of Jerusalem und der University of Pennsylvania.

Die Forscher baten mehrere hundert Teilnehmer um eine Reihe von psychologischen Experimenten, um ihre Annahmen zu testen. Die Ergebnisse sollten mit Vorsicht genossen werden - die sozialpsychologische Forschung leidet unter den notorisch heiklen Replikationsproblemen, da diese Art von Experimenten nicht immer ein guter Ersatz für die untersuchte Sache ist. In einem der Experimente dieser Arbeit teilte zum Beispiel ein Computer einen Geldtopf zwischen sich selbst und einem menschlichen Teilnehmer auf; diese Person wurde in dem Glauben gelassen, der Computer sei ebenfalls ein menschlicher Teilnehmer. Manchmal wurde der Topf ungleichmäßig aufgeteilt, und der menschliche Teilnehmer hatte die Möglichkeit, sich zu rächen, indem er den Topf des Computers verkleinerte, ohne seinen eigenen zu bereichern. Die Forscher entdeckten, dass Teilnehmer, die mit höheren TIV-Werten klassifiziert wurden, in diesem Szenario "stark mit Racheverhalten assoziiert" waren.

TIV war auch "mit einem erhöhten Erleben von negativen Emotionen und der Berechtigung zu unmoralischem Verhalten verbunden".

Die Studie unterscheidet TIV von Narzissmus. Narzisstische Personen erleben auch moralische Überlegenheit und Rachegelüste, aber diese Gefühle entspringen eher dem Glauben, dass ihre Autorität, ihre Fähigkeiten oder ihre Grandiosität untergraben werden. TIV hingegen ist mit einem niedrigen Selbstwertgefühl verbunden. Und während Narzissten nicht zum Opfer gemacht werden wollen, schlagen Personen mit hoher TIV um sich, wenn ihre Opferrolle in Frage gestellt wird.

"Die Selbstdarstellung von High-TIV-Personen ist die eines schwachen Opfers, das verletzt wurde und deshalb Schutz braucht", schreiben die Autoren. "Bedrohungen für High-TIV-Individuen beziehen sich auf alles, was ihr Selbstbild der moralischen Überlegenheit untergraben kann; oder was bei ihrer Umgebung Zweifel hervorruft, ob das Vergehen stattgefunden hat, die Intensität des Vergehens, oder ihre Exklusivität als Opfer."

Der Psychologe Scott Barry Kaufman schreibt im Scientific American, dass "die Forscher das Erleben von Trauma und Viktimisierung nicht mit dem Besitz einer Opferhaltung gleichsetzen. Sie weisen darauf hin, dass sich eine Opferhaltung entwickeln kann, ohne ein schweres Trauma oder eine Viktimisierung zu erleben."

Kaufman fährt fort:

"Wenn Sozialisationsprozesse Individuen eine Opferhaltung einflößen können, dann können sicherlich dieselben Prozesse den Menschen eine persönliche Wachstumshaltung einflößen. Was wäre, wenn wir alle in jungen Jahren lernen würden, dass unsere Traumata uns nicht definieren müssen? Dass es möglich ist, ein Trauma erlebt zu haben und dass die Opferrolle nicht den Kern unserer Identität ausmacht? Dass es sogar möglich ist, an einem Trauma zu wachsen, ein besserer Mensch zu werden und die Erfahrungen, die wir in unserem Leben gemacht haben, dazu zu nutzen, anderen, die in einer ähnlichen Situation waren, Hoffnung und Möglichkeiten zu geben? Was wäre, wenn wir alle lernen würden, dass es möglich ist, einen gesunden Stolz auf die eigene Gruppe zu haben, ohne Hass auf die andere Gruppe zu empfinden? Dass es sich auszahlt, selbst freundlich zu sein, wenn man Freundlichkeit von anderen erwartet? Dass niemand ein Recht auf irgendetwas hat, aber wir alle es wert sind, als Menschen behandelt zu werden?"

Menschen zu ermutigen, sich nicht durch ihre Traumata - ob real oder eingebildet - zu definieren, scheint ein guter Rat zu sein. Aber wenn die traumatisierte Person es ablehnt, ihren Opferstatus in Frage zu stellen und diejenigen bestrafen will, die ihn ihr wegnehmen wollen, könnte es eine Herausforderung darstellen, diesen Ratschlag zu vermitteln.


Die Website Psypost, die sich den jüngsten psychologischen Erkenntnissen widmet, berichtet ebenfalls über diese Untersuchungen und fügt abschließend hinzu:

Die Autoren schlagen vor, dass es für zukünftige Studien besonders interessant wäre, zu untersuchen, was passiert, wenn Menschen mit hoher TIV in Machtpositionen gelangen. Die Forscher fragen sich, ob Führungspersonen mit dieser anhaltenden Tendenz, sich selbst als Opfer zu sehen, sich eher geneigt fühlen könnten, sich "auf rachsüchtige Weise" zu verhalten.


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