Montag, August 08, 2022

Gregor Gysi gegen Gendern: "Bin nicht bereit, in jedem Satz viermal 'Ugh' zu machen" – News vom 8. August 2022

1. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" äußert sich Gregor Gysi auch zur Gendersprache:

Gysi: Ich bin für einen hohen Grad an politischer Liberalität. Die Linke muss begreifen, dass Toleranz ein ungeheuer wichtiger Wert ist. Das Unangenehme an Linken ist, dass sie manchmal intolerant sind und sich für die besseren Menschen halten – weil sie Armut bekämpfen. Das stimmt aber nur ein bisschen.

WELT AM SONNTAG: Ist das das zentrale Problem junger Linker?

Gysi: Die sind nicht alle gleich. Es gibt Junge, die mir zustimmen, dass man sich auf einige zentrale Inhalte fokussieren muss. Aber es gibt auch die, für die Doppelpunkt und Sternchen das zentrale Thema ihres Gefühlslebens sind. Das ist für mich nicht nachvollziehbar, aber es ist so.

WELT AM SONNTAG: Für diese Feststellung wurden Sie auf dem Parteitag kritisiert.

Gysi: Ja, aber ich bleibe dabei: Man muss die Zustände ändern und nicht die Schreibweise. Ich bin nicht bereit, in meinem hohen Alter noch in jedem Satz viermal "Ugh" zu machen. (ahmt Sprechpause bei Binnen-I nach). Man kann sich damit beschäftigen – aber nicht als Partei in der Existenzkrise.




2. Einem Gutachten des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier zufolge ist staatlich verordnetes Gendern verfassungsrechtlich unzulässig, da es einen unverhältnismäßigen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht darstellen würde.

Weder aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz nach Artikel 3 des Grundgesetzes noch aus dem Schutz der geschlechtlichen Identität als Ausfluß des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ergibt sich eine absolute verfassungsrechtliche Verpflichtung zu geschlechtergerechter Rechts- und Amtssprache.

(…) In Auftrag gegeben hat das Gutachten die in Düsseldorf ansässige Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache. Es widmet sich grundsätzlich der Frage, ob Gendern eine verfassungsrechtliche Verpflichtung sei. (...) Wie bereits aus dem Urteil zur Rechtschreibreform hervorgeht, enthalte das Grundgesetz kein grundsätzliches Verbot, die Sprache zum Gegenstand staatlicher Regelung zu machen. Dennoch billige das Bundesverfassungsgericht dem Staat "keine unbegrenzte Regelungsbefugnis" zu: "Begrenzungen ergeben sich aus der Eigenart der Sprache für Art und Ausmaß einer Regelung." Von Relevanz seien besonders Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten.

Zu beachten sei hier die Feststellung des Rates für deutsche Rechtschreibung, daß die Nutzung von Gendersternen und anderen typographischen Zeichen innerhalb von Wörtern die Verständlichkeit, Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten beeinträchtigt. Papier: "Das Verständlichkeitsgebot im Hinblick auf die Amts- und Rechtssprache genießt als Ausfluss des Rechtsstaatsprinzips Verfassungsrang und kann einem Gebot geschlechtergerechter Sprache entgegenstehen."

Darüber hinaus wäre eine staatliche Regelung, welche die Privatpersonen zu einer geschlechtergerechten Sprache verpflichtete, unverhältnismäßig und verfassungsrechtlich unzulässig. Auch eine Rechtschreibreform, welche die Schüler zu Genderschreibweisen zwingt, wäre verfassungsrechtlich unangemessen und somit unzulässig, da sie nicht den allgemein üblichen Sprachgebrauch nachzeichnete.




3. In Folge 7 seines Podcasts "Unter Freunden" interviewt Bernhard Lassahn den Historiker Gunnar Kunz. Ab Minute 26 geht es die restliche halbe Stunde lang um den Gender-Empathy-Gap und Feminismuskritik.



Freitag, August 05, 2022

Warum schweigen die Männer? – News vom 5. August 2022

1. Das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today beschäftigt sich in einem aktuellen Beitrag mit dem Schweigen der Männer in heterosexuellen Partnerschaften. Vieles daraus lässt sich auf die Geschlechterpolitik übertragen: Warum zum Beispiel ist die Zahl derjenigen Männer, die sich für ihre Rechte einsetzen, noch immer verhältnismäßig klein? Und warum versucht ein Bundesforum Männer, Konflikte mit Feministinnen so weit wie irgend möglich zu vermeiden, und schaut auf uns Männerrechtler, als hätten wir nicht mehr alle Tassen im Schrank?

The preacher asked her

And she said I do

The preacher asked me

And she said yes, he does too

And the preacher said

I pronounce you 99 to life

Son she's no lady she's your wife

— Lyle Lovett, "She’s No Lady"

Dieser Text von Lyle Lovett ist einer von vielen Witzen, in denen Frauen als dominierend und kontrollierend dargestellt werden und Männer als nachgiebig und ängstlich, wenn es darum geht, zu sagen, was sie wollen. Die Psychologin Dana Jack ist bekannt für ihre Arbeit über den patriarchalen Druck auf Frauen, in intimen Beziehungen zu schweigen, und die daraus resultierenden emotionalen, physiologischen und soziokulturellen Kosten. Jack stimmt der These zu, dass auch Männer damit zu kämpfen haben, in intimen Beziehungen nicht zu schweigen, auch wenn die Ursachen und Kosten unterschiedlich sind. Meine klinische Erfahrung bestätigt, dass Männer sich eher dabei zurückhalten, sich über ihr Innenleben zu öffnen, als ihre Partnerinnen. In den meisten Therapien mit heterosexuellen Paaren ist es die Frau, die die Führung übernimmt und sich emotional mehr öffnet. Wenn die Therapie gut verläuft, folgt der Mann ihrem Beispiel und passt sich ihrer Verletzlichkeit an.

Zwei wesentliche Probleme hindern Männer daran, in intimen Beziehungen mit Frauen zu sprechen.

Der erste ist die Scham. Männer zögern besonders stark, über ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche in Beziehungen mit Frauen zu sprechen, weil sie dazu erzogen wurden, emotional selbständig zu sein und sich zu schämen, wenn sie etwas von jemandem brauchen.

Das zweite Problem für Männer ist die Angst vor Konflikten und letztlich die Angst vor dem Verlassenwerden. Männer zögern, ihre Bedürfnisse in einer Beziehung anzusprechen, weil sie befürchten, dass sich die Situation dadurch verschlimmert, vielleicht sogar sehr.

Die Angst der Männer vor dem Verlassenwerden in einer Beziehung zeigt sich vielleicht am deutlichsten darin, dass Männer alles tun, um Konflikte in ihren Beziehungen zu vermeiden. Männer beobachten den emotionalen Zustand ihrer Partnerin ständig und sorgfältig und halten Ausschau nach Anzeichen für mögliche Konflikte, Kritik oder Missbilligung. Jedes Anzeichen von Unzufriedenheit oder Missbilligung wird von Männern oft als mangelnde Anerkennung oder Versagen interpretiert. Sie gehen sofort davon aus, dass sie etwas falsch gemacht haben, dass sie "in Ungnade gefallen" sind und nicht eher zurückkehren werden, bis sie herausgefunden haben, was sie falsch gemacht haben, und es korrigieren. Die Zusicherung ihrer Frauen, dass sie nicht "in Schwierigkeiten" sind, reicht selten aus, damit Männer das Gefühl haben, vom Haken gelassen zu werden.

Männer sind oft bereit, sich bis zu einem gewissen Grad zu verbiegen, um zu vermeiden, dass Frauen wütend auf sie sind. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Männer in ihren intimen Beziehungen so konfliktscheu werden, dass das Beschwichtigen ihrer Partnerinnen zu ihrer Daseinsberechtigung, zum Wichtigsten in ihrer Beziehung wird. Das Mantra "Wenn Mama nicht glücklich ist, ist niemand glücklich" aus ihrer Kindheit wird durch "Glückliche Frau, glückliches Leben" ersetzt. Männer können durch die Wut oder Missbilligung ihrer Partnerin so verunsichert werden, dass alles andere unwichtig wird, bis das Problem gelöst ist. Alles, was sie jetzt wollen, ist, dass sie aufhört, wütend auf sie zu sein.

Mit der Zeit können Männer so viel Angst vor Konflikten in ihren Beziehungen haben, dass sie es einfach nicht mehr versuchen. Wenn Männer mit mir über die Aspekte ihrer Ehen sprechen, in denen sie unglücklich sind, frage ich sie, ob sie jemals mit ihrer Partnerin über die Probleme gesprochen haben, von denen sie mir erzählen. In der Regel sehen sie mich an, als ob ich verrückt wäre. Wie könnte ich nicht verstehen, dass ein Gespräch mit dem Partner alles nur noch schlimmer machen würde?


Ich selbst habe mich bei meinem politischen Verhältnis zu Frauen immer an dem orientiert, was Mithu Sanyal und Monika Ebeling in unserem Buch "Gleichberechtigung beginnt zu zweit" sagen: "Widerspruch ist gut. So kommen wir weiter!" befindet Mithu Sanyal, und Monika Ebeling teilt Männern mit: "Macht euer eigenes Ding! Es wird schon Schnittmengen geben – und da, wo keine sind, ist es auch okay. Das können wir Frauen schon aushalten."

Natürlich gibt es andererseits im raidkal feministischen Lager Frauen, die empört zu schnauben beginnen, wenn Männer "ihr eigenes Ding" machen und sogar noch widersprechen.

Hier muss Mann sich eben entscheiden, an welchen Frauen man sich orientiert.



2. Das Magazin Psychologie heute hinterfragt den inflationären Gebrauch des Begriffs "toxisch":

Der Begriff "toxisch" ist spätestens seit Ende der 90er Jahre in die Popkultur eingezogen: toxische Junggesellen, toxische Männlichkeit, toxische Positivität. (…) Eine Recherche auf "Google Trends" zeigt, dass die Suchanfragen im Internet dazu seit einigen Jahren mit nahezu ungebremster Kraft explodieren, ebenso gibt es eine Inflation entsprechender Berichte, Fragebögen und Selbsttests in den Medien. Gleichzeitig fällt auf, dass die Begrifflichkeit in der akademischen Debatte keine Rolle spielt. (…) Andererseits birgt der allzu leichtfertige Umgang mit dem Begriff des "Toxischen" vielfältige Risiken und Nebenwirkungen. Vordergründig geben Selbsttests Sicherheit. In Wahrheit hat die gegenwärtige Verwendung des Begriffs des "Toxischen" auch das Potenzial, für mehr Verunsicherung, eingeengte Sichtweisen und einseitige Schuldzuweisungen zu sorgen.




3. In Schleswig-Holstein wurde eine Firma wegen Männerdiskriminierung verurteilt. Das Gericht befand eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern für angemessen.



Donnerstag, August 04, 2022

Geschlechterklischees zertrümmert: Die Wahrheit über Incels, Frauenhass und Männerverhalten nach Trennungen - News vom 4. August 2022

Eine ganze Reihe aktueller Beiträge zeigen, dass der aktuelle Forschungsstand (von mir in der Überschrift zu "die Wahrheit" verkürzt) bei mehreren Themen der Geschlechterdebatte wenig mit den populären Vorurteilen zu tun hat, wie sie in den Medien verbreitet werden.



1. Der britische Youtube-Kanal Triggernometry hat ein einstündiges Interview mit dem Londoner Evolutionspsychologen William Costello geführt, der seine Dissertation über Incels verfasste. Wenig überraschend stellte er dabei fest, dass das in Leitmedien propagierte Bild von Incels als hochaggressive Rechtsradikale wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Einige zentrale Erkenntnisse aus dem Gespräch:

* 39 Prozent der Incels verorten sich im rechten Spektrum, 17 Prozent in der Mitte und 45 Prozent im linken Lager.

* Weniger als etwa zehn Prozent der Incels machen durch feindselige Online-Kommentare auf sich aufmerksam, körperliche Gewalt geht lediglich von seltenen Einzelfällen aus. Dass diese Einzelfälle von Journalisten immer wieder hochgekocht werden [oft um damit Männerrechtler und andere Mitglieder der "Manosphere" zu treffen - A.H.], ist fragwürdig, denn das zeigt psychisch instabilen Personen, dass sie große Beachtung finden, sobald sie Gewalttaten begehen.

* Sehr viele Incels sind Zuwanderer und kritisieren "Rassismus in der Datingkultur". Schon deshalb hat der Glauben an eine Vorherrschaft der Weißen in der Incel-Community keinen guten Nährboden.

* Auch Klassismus spielt für viele Incels eine Rolle: Bis zu ihren Dreißigern verdienen Frauen inzwischen im Schnitt mehr als Männer, sind aber noch immer vor allem an besserverdienenden Männern als Partner interessiert.

* Viele Incels teilen ihre Selbstwahrnehmung als ewige Opfer bei gleichzeitiger moralischer Überlegenheit mit anderen gesellschaftlichen Lagern.

Alles in allem sind die Überschneidungen zwischen Incels und den sogenannten "Social Justice Warriors" groß.

Bei Interesse am Thema empfehle ich, sich das gesamte Gespräch anzuhören. Auch andere spannende Themen werden angeschnitten: etwa dass das Internet mittlerweile einen "männerfeindlichen Ort" darstellt und dass laut einer Studie von Morgan Stanley im Jahr 2030 die meisten Frauen in ihren Mittvierzigern single und kinderlos sein werden.



2. Der britische Mobilfunkanbieter EE verbreitet in einer großangelegten Werbekampagne die Behauptung, sexistischer Hass beginne und ende allein mit Männern. Das Magazin des Zentrums für Männerpsychologie widerspricht mit Nachdruck (Links zu den Quellen für die einzelnen Fakten im Original):

Die EE-Kampagne scheint den Eindruck zu erwecken, dass nur Männer Sexismus begehen und dass nur Frauen ihn erleiden, aber das ist einfach nicht der Fall. Als Reaktion auf die EE-Kampagne haben viele Menschen eine Studie aus dem Jahr 2016 zitiert, die zeigt, dass die Hälfte der frauenfeindlichen Tweets von Frauen stammen. Ebenfalls 2016 stellte Digital Awareness UK fest, dass "jüngste Studien zeigen, dass Mädchen doppelt so häufig Opfer von Cybermobbing werden wie Jungen - aber auch doppelt so häufig selbst zu den Mobbern gehören". Der tragische Selbstmord der 15-jährigen Phoebe Prince in den USA im Jahr 2010 wurde mit einer dreimonatigen Kampagne des emotionalen und physischen Mobbings durch neun Gleichaltrige, darunter sieben Mädchen, in Verbindung gebracht. Im Vereinigten Königreich gab das Model Sasha Attwood 2021 bekannt, dass sie während der Euro 2020 täglich 200 Morddrohungen erhielt, "viele davon von Mädchen im Teenageralter". Das Workplace Bullying Institute hat herausgefunden, dass es sehr häufig vorkommt, dass Frauen andere Frauen schikanieren.

Andere Untersuchungen zeigen, dass das Klischee "Männer sind Täter und Frauen sind Opfer" nicht der Realität des Online-Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung entspricht. In Schweden wurde in einer Studie festgestellt, dass Männer in höherem Maße Cybermobbing ausgesetzt sind als Frauen. Studien in den USA, Norwegen und Australien haben ergeben, dass Männer eher Opfer von Online-Belästigung werden als Frauen.

Obwohl es schwierig sein kann, das Geschlecht der Täter von Cybermobbing zu bestimmen, gibt es Hinweise darauf, dass beide Geschlechter eher Cybermobbing durch das andere Geschlecht erfahren. Neben abwertenden Begriffen wie "Mansplaining" und "Manspreading" ist der Satz "Kill All Men" auf Twitter und TikTok nach wie vor weitaus häufiger zu finden als "Kill All Women".

(...) Es ist erwähnenswert, dass die Advertising Standards Authority (ASA, 2022) feststellt, dass Anzeigen "keine geschlechtsspezifischen Stereotypen enthalten dürfen, die wahrscheinlich Schaden anrichten oder eine ernsthafte oder weit verbreitete Beleidigung darstellen". Es ist schwer zu erkennen, wie die EE-Werbung nicht mit dem Stereotyp der "Frau als Opfer" und des "Mannes als Täter" spielt, wenn es heißt: "Sexistischer Hass beginnt mit Männern, also wird er mit Männern enden."

Es scheint unwahrscheinlich, dass die Botschaft von EE dem Online-Sexismus ein Ende setzt, aber da sie mit der modischen negativen Sicht auf Männer übereinstimmt, werden viele Menschen nichts gegen die Darstellung von Männern einwenden. In einer egalitäreren Welt würden Unternehmen wie EE einen Schritt zurücktreten und darüber nachdenken, wie sie tatsächlich dazu beitragen könnten, sexistisches Mobbing zu verringern, anstatt das Misstrauen zwischen Männern und Frauen zu schüren.




3. Eine aktuelle Studie widerlegt Klischees über das vermeintliche Verhalten von Männern nach einer Trennung:

Laut John Oliffe, Professor für Krankenpflege und kanadischer Lehrstuhlinhaber für die Förderung der Gesundheit von Männern, erhöht das Scheitern einer intimen Partnerbeziehung das Risiko von Angstzuständen, Depressionen und Selbstmord bei Männern. Diese Auswirkungen sind hinlänglich bekannt, doch ist wenig darüber bekannt, wie Männer Hilfe suchen und wie sie mit einer Trennung umgehen.

Oliffe, Hauptautor einer neuen Studie über die Bewältigung von Trennungen durch Männer, sagt, dass Männer trotz gesellschaftlicher Stereotypen sehr kreativ sind, wenn es darum geht, Unterstützung für ihre psychische Gesundheit zu suchen: "Lange Zeit war das Klischee, dass Männer nicht zum Arzt gehen, meiner Meinung nach nicht hilfreich. Und abgesehen davon, dass es nicht hilfreich ist, ist es empirisch nicht wahr."

Die Studie zeigt, dass Männer drei Hauptkategorien der Unterstützung nutzen: einsame Arbeit wie das Lesen von Selbsthilfebüchern und das Anzapfen bestehender Kontakte, das Knüpfen neuer Kontakte und die Inanspruchnahme professioneller psychologischer Betreuung.

"Diese beiden Dinge haben wir nicht immer klassifiziert und wir zählen sie sicherlich nicht in den offiziellen Statistiken über die Gesundheitssuche von Männern. Ich dachte also, dass es sich um eine Lücke handelt, und wir sollten den Wert sozialer Kontakte nicht unterschätzen."

Für Oliffe kann diese Studie dazu beitragen, die Gesellschaft von der Ansicht abzubringen, dass Männer Gewalt oder Drogenmissbrauch anwenden, um mit einer Trennung fertig zu werden. Hinter diesen Verhaltensweisen können depressive Emotionen stecken, sagt er.

Der nächste Schritt in seiner Forschung ist eine laufende Studie, für die derzeit noch Teilnehmer gesucht werden, und in der Männer aufgefordert werden, über die Art und Weise zu berichten, wie sie intime Partnerbeziehungen aufbauen. Diese Studie wird auf der vorherigen aufbauen, indem sie untersucht, wie Männer Beziehungen aufrechterhalten, und Erkenntnisse liefert, die anderen helfen könnten.

"Ich glaube, was uns fehlt, ist eine Vorlage für gute Männer in guten Beziehungen, die aus diesen Partnerschaften einen echten Nutzen gezogen haben", so Oliffe. "Ich glaube, dass es für viele Männer sehr, sehr hilfreich sein kann, wenn sie diese Werte artikulieren können."




4. Der Blick auf die Situation von Jungen und Männern in fernen Ländern geht diesmal nach Nigeria:

Die Nationale Agentur für das Verbot des Menschenhandels (NAPTIP) rät Männer und Jungen, sich vor Personen in Acht zu nehmen, die versuchen, sie mit Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Ländern zu locken, worauf die Jungen und Männer stattdessen Opfer sexueller Ausbeutung werden.

In einem Interview mit Radio Nigeria in Awka anlässlich des diesjährigen Welttages gegen den Menschenhandel erklärte die Leiterin der Agentur für den Bundesstaat Anambra, Frau Ibadin Judith-Chukwu, dass Menschenhändler es auf Männer und Jungen abgesehen haben, um sie in asiatischen Ländern sexuell auszubeuten, und dass das Verbrechen eskaliere.

Sie erklärte, dass die "Raffinesse" des Menschenhandels als direkte Folge des technischen Fortschritts zunehme.

Sie sagte: "Männer und Jungen aus Anambra werden in die asiatischen Länder verschleppt. Sie werden in Bordellen gehalten, und ältere Frauen kommen und nehmen sie mit nach Hause, um ihr sexuelles Verlangen zu befriedigen, wonach sie sie wieder in die Bordelle zurückbringen. Leider geht der Erlös an die Betreiber der Bordelle".

"Erinnern Sie sich: Bevor sie Nigeria verließen, wurden ihnen über Reisebüros Jobs versprochen. Aber wenn sie dort ankommen, werden ihre Pässe beschlagnahmt und sie sind schutzlos. Sie versetzen ihr Essen und ihr Wasser mit Drogen, damit sie so viele Frauen wie möglich bedienen können. Nach den Informationen, die wir erhalten haben, sterben viele von ihnen dabei", bedauerte sie.




Mittwoch, August 03, 2022

Barbara Schöneberger & Co: Immer mehr Menschen von Feminismus und Gender genervt - News vom 3. August 2022

1. Die Moderatorin Barbara Schöneberger geht auf Distanz zum Feminismus:

"Ich bin wirklich für die großen Kriegsschauplätze der Gleichberechtigung, wie gleicher Bezahlung, Hortplätzte, Ganztagesschulen, dass die Frauen, die Frauen die gerne arbeiten wollen oder, und das sind 80 Prozent, die arbeiten müssen, das alles abgedeckt haben", erklärt die Blondine in ihrem eigenen Podcast "Waffeln einer Frau". Doch dann kommt das große "Aber": "Ich finde jetzt manchmal, da geht es schon los: wir sollen Menstruationsurlaub nehmen, ich soll mir vom Staat meine Tampons bezahlen lassen."

(…) Auch die Frauenquote in der Arbeitswelt stört die laute Blondine. "Es wird so getan, als könnte jede Frau an die Spitze eines Unternehmens kommen", kritisiert Schöneberger. "Ich glaube, es wird nicht aus jeder Frau eine Führungsposition", teilt sie ihre deutliche Meinung mit, dann fügt sie noch an: "Bei Männern ist das übrigens genauso."




2. Der Schauspieler Til Schweiger steht für eine Fortsetzung von "Manta Manta" vor der Kamera:

Er sagt auf die Frage, ob das Drehbuch der Kultfilmfortsetzung "der heutigen Zeit angepasst", also "politisch korrekt und durchgegendert" sei: "Hört mir auf mit dem Gender-Wahnsinn! 'Manta, Manta 2' ist nicht angetreten, um dem Gender-Wahnsinn den roten Teppich auszurollen." Näher geht der 58-Jährige nicht auf das Thema ein.




3. Der preisgekrönte Musikproduzent Phil Rötgens hat sich zum Erfolg des aktuellen Sommerhits "Layla" geäußert, dessen Spielen mehrfach wegen angeblichem Sexismus unterbunden worden war:

Letztlich sieht der Kölner Produzent das Problem in der Sexismus- und Genderdebatte. "Ich war diese Woche selbst auf der Playa de Palma. Mein Eindruck war, dass überwiegend Frauen den ‚Layla‘-Song stärker mitgesungen haben. Die hat das überhaupt nicht interessiert."

Im Endeffekt habe das Verbot etwas bewirkt in der Gesellschaft. "Ich glaube, es gibt unter den jungen Leuten so etwas wie eine Gegenbewegung, die sich in dieser Diskussion, zum Beispiel beim Gendern, einfach nicht wiederfinden." Für ihn steht fest: "Diejenigen, die das Verbot ausgesprochen haben, merken wahrscheinlich, dass es ein Eigentor war."




4. "Gendern ist für Wichtigtuer" befindet Deutschlands führender Sprach- und Stil-Experte Wolf Schneider.



5. Einer meiner Leser hat mich auf ein siebzehnminütiges Youtube-Video hingewiesen, das ein soziales Experiment zum Thema "weibliche Golddigger" schildert: Der junge Mann, der das Experiment durchführte postete in einem feministischen Forum unter der Vorgabe, er sei eine Frau, die von einem Date sehr entttäuscht sei, weil der Mann, mit dem sie sich verabredete nicht über seinen Beruf sprechen wollte: "Es stellte sich heraus, dass er einer dieser parnaoiden Männerrechtler ist, die glauben, dass Frauen Männer nur wegen des Geldes daten." Daraufhin wurden die Kommentare zu diesem Posting ausgewertet. Wenig überraschend: Die allermeisten Kommentare gegenüber diesem Mann waren vernichtend. Eine Frau, die die männliche Perspektive ins Feld führte, wurde so lange unter schweren Beschuss genommen, bis ihre Wortmeldung vom Moderationsteam des Forums entfernt wurde. Die vernünftigsten Kommentare ernteten am meisten Ablehnung durch Downvoting.



6. Auf den Aufruf der Sprachwissenschaftler, auf den Genderama vorgestern hinwies, berichteten inzwischen auch die Frankfurter Allgemeine, RP-Online, Deutschlandfunk Kultur, Focus, die Oldenburger Onlinezeitung, der Merkurist, das Medienmagazin Pro, die Märkische Allgemeine, Nordbayern, die Tagesstimme, die Internetzeitung Mainz&, das Theoblog und die Finanznachrichten. Was auffällt, ist das fast flächendeckende Nicht-Berichten im linken Spektrum.



Dienstag, August 02, 2022

Mutter berichtet: Was geschah, als mein 13jähriger Sohn als Vergewaltiger gebrandmarkt wurde

In der britischen Tageszeitung Daily Mail findet man aktuell den erschütternden Bericht einer Mutter über die Situation ihres Sohnes. Er ist recht lang, beleuchtet aber sehr gut die Problemlage, in der sich inzwischen offenbar viele Jungen und junge Männer befinden:



Als ich ein Teenager war, war die Disco am Samstagabend ein wöchentliches Ritual. Der Höhepunkt war, wenn am Ende des Abends die langsamen Tanzmelodien gespielt wurden.

Man hoffte, dass der Junge, den man mochte, einen zu der klagenden Melodie von "Careless Whisper" zum Tanzen aufforderte. Noch besser wäre es, wenn man die Chance bekäme, sich in die kalte Nachtluft hinauszuschleichen und das zu erreichen, was die Amerikaner "second base" nennen würden - einen leidenschaftlichen Kuss.

Ich schätze diese Erinnerungen an jugendliche Leidenschaft. Der Weg der wahren Liebe verlief nicht immer reibungslos, aber das Navigieren durch die unruhigen Gewässer der jungen Romantik lehrte mich so viel über Jungs, Beziehungen und darüber, was ich mochte und was nicht. Leider habe ich auf die harte Tour gelernt, dass diese Art von unbeholfener Jugendschwärmerei der Vergangenheit angehört.

Denn während die MeToo-Bewegung und "Everyone's Invited" - eine Website, die Schlagzeilen gemacht hat, weil sie die "Vergewaltigungskultur" in Schulen und Universitäten durch anonyme Aussagen, in der Regel von Mädchen, aufgedeckt hat - zweifellos dazu beigetragen haben, beunruhigendes übergriffiges männliches Verhalten zu entlarven, haben sie auch dazu beigetragen, eine Generation junger Frauen und Mädchen heranzuziehen, die alle Jungen als Täter betrachten.

Heutzutage scheinen viele junge Frauen darauf vorbereitet zu sein, jeden winzigen Fehltritt ihrer männlichen Altersgenossen als sexuellen Übergriff zu betrachten - von einem unbedachten Kuss bis hin zu einem Versuch, Händchen zu halten. Alles, was ihnen auch nur ein bisschen Unbehagen bereitet, wird - oft erst lange nach der Tat - als Übergriff gewertet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der betreffende Junge genauso ahnungslos ist wie sie selbst, was die Feinheiten von Beziehungen angeht oder wie man neue, aufkeimende sexuelle Gefühle ausdrücken kann.

Ich habe Söhne - ich traue mich nicht zu sagen, wie viele es sind, falls es zur Identifizierung meiner Familie beiträgt - und während ihres jungen Lebens wurde ihnen von ihren jungen Freundinnen regelmäßig gesagt, dass sie "Männer hassen" und dass "alle Männer Vergewaltiger sind". Die Stimmung unter jungen Frauen ist so aufgeheizt, dass heute schon etwas so Unschuldiges wie ein Tippen eines Mannes auf die Schulter als Übergriff gewertet werden kann.

Um es klar zu sagen: Ich verabscheue die Tatsache, dass Gewalt gegen Frauen immer noch ein solches Problem in unserer Gesellschaft ist. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich von der neuesten jungen Frau lese, die auf unseren Straßen überfallen, vergewaltigt und sogar ermordet wurde. Ich habe meinen Söhnen immer beigebracht, Frauen zu respektieren und dafür zu sorgen, dass ihre Freundinnen sicher nach Hause kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mädchen das Recht haben, schlechtes Verhalten anzuprangern und dass ihnen zugehört wird.

Ich bedaure jedoch, dass dadurch eine neue, erschreckende Doppelmoral entstanden ist. Wenn Mädchen Fehler machen und sich schlecht benehmen, wird das als verzeihlicher Übergangsritus angesehen. Aber wenn unerfahrene Jungen das Gleiche tun, werden sie oft mit giftigen Anschuldigungen konfrontiert, die buchstäblich Leben zerstören können.

Ich muss es wissen. Mein Sohn ist ein solcher unerfahrener Junge, und deshalb war unser Leben in den letzten drei Jahren die Hölle auf Erden.

Im Jahr 2019 war mein Sohn 13 Jahre alt und begann gerade, sich für Mädchen zu interessieren. Er ließ sich auf Flirts mit einigen Mädchen ein, und eines schickte ihm per Telefon ein Oben-ohne-Foto (das ist eine schockierend häufige Praxis unter jungen Teenagern). Mit einem anderen Mädchen gab es freche SMS und gegenseitige Berührungen.

Ich mag dieses Verhalten vielleicht nicht gutheißen, weiß aber auch, dass dies für die meisten Teenager im 21. Jahrhundert üblich ist. Bemerkenswert ist auch, dass die Beteiligten im gleichen Alter waren, dass von Sex keine Rede sein konnte und dass das gesamte Verhalten auf Gegenseitigkeit beruhte und - soweit mein Sohn wusste - einvernehmlich war.

Als die Mutter eines der Mädchen das Handy ihrer Tochter beschlagnahmte und die Nachrichten fand, wurde die Schule auf all dies aufmerksam und der krasse Unterschied zwischen der Behandlung von Mädchen und Jungen wurde deutlich - zum Nachteil meines Sohnes.

Die Mädchen, die sich ebenfalls schuldig gemacht hatten, da das Versenden von Nacktfotos sowohl eine Straftat als auch einen Verstoß gegen die Schulordnung darstellt, wurden diskret behandelt. Ein ruhiges Gespräch mit ihnen und ihren Eltern, und damit war die Sache erledigt.

Mein Sohn hingegen, der noch nie in Schwierigkeiten geraten war, wurde für zwei Tage suspendiert - die letzte Stufe vor dem Schulverweis. Die Schule begründete dies damit, dass die anderen Schüler dies als "Gerechtigkeit" empfinden würden.

Ich werde mir nie verzeihen, dass ich mich nicht gegen die Entscheidung der Schule, ihn zu suspendieren, gewehrt habe. Ich war naiv - ich hatte noch nie einen Anruf wegen schlechten Benehmens erhalten, eine Suspendierung lag also jenseits all meiner Erfahrungen.

Ich glaubte, die Schule wisse es am besten. Das tat sie aber nicht. Eine solch öffentliche und harte Bestrafung überzeugte seine Mitschüler davon, dass es "keinen Rauch ohne Feuer" gab.

Was folgte, war eine gnadenlose Kampagne der Einschüchterung und des Mobbings. Mein Sohn wurde als "Vergewaltiger" und "Schwachkopf" beschimpft und ihm wurde gesagt, er solle kastriert werden. Er wurde täglich dazu aufgefordert, sich umzubringen. Auf dem Spielplatz wurde er von einem Mob angegriffen, und ein Junge drohte, ihn abzustechen. Wir machten die Schule auf all diese Vorfälle aufmerksam, aber sie reagierte nicht - zu groß war die Angst, einen Jungen zu verteidigen, der nun den Ruf eines Sexualstraftäters hatte.

Kurz darauf kam der kleine Sohn einer Freundin nach Hause und erzählte ihr, er habe gehört, dass mein Sohn drei Mädchen in der Schule in einen Schrank gesperrt und vergewaltigt habe, was mich zutiefst erschütterte. Doch kein einziger so genannter Freund setzte sich für meinen unschuldigen Jungen ein, da niemand beschuldigt werden wollte, mit einem "Vergewaltiger" zu verkehren.

Ich hatte das Gefühl, in einem Horrorfilm gefangen zu sein. Ich hatte Sexismus in meinem Haus nie geduldet, aber ich stellte meine eigenen mütterlichen Fähigkeiten in Frage. Hatte ich ihr nicht eingehämmert, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit Mädchen ist?

Ich schämte mich zu sehr und hatte Angst, mit Freunden und Verwandten zu sprechen, weil ich befürchtete, dass sie meinen Sohn genauso verurteilen würden wie seine Schule. Mein Mann war ebenso bestürzt. Er war ein freundlicher und sanfter Mann und hatte seine Söhne mit den gleichen Werten erzogen.

Wir sprachen mit meinem Jungen darüber, was passiert war, aber er war genauso verwirrt wie wir. Er sagte, das Mädchen habe für ihn geschwärmt, und er hatte den Eindruck, dass sie mindestens so sehr wie er an ihren unschuldigen Experimenten interessiert war.

Bald wurde mein Sohn immer isolierter und zurückgezogener, seine Freunde distanzierten sich, und wir standen allein da, verlegen und beschämt, und versuchten, die Scherben aufzusammeln. Kurz vor dem Ausbruch der Pandemie erreichten die Dinge einen neuen dramatischen Tiefpunkt. Ich fand meinen wunderbaren Jungen, inzwischen 14 Jahre alt, zusammengerollt auf dem Boden und schluchzend. Er wiegte sich hin und her vor Schmerzen - nicht körperlicher, sondern emotionaler Natur.

Ein ganzes Jahr, in dem er unerbittlich schikaniert wurde, hatte sein seelisches Wohlbefinden zerstört. Nichts, was er sagte oder tat, änderte etwas daran, dass er in den Augen seiner gesamten Schule ein "Vergewaltiger" war.

Wir brachten ihn zu einer Psychiaterin, die bei ihm schwere Angstzustände und Depressionen diagnostizierte und ihm sofort Antidepressiva und Medikamente gegen Angstzustände verschrieb. Sie empfahl auch eine Therapie, aber dann wurden wir im Lockdown eingeschlossen und das ganze System brach zusammen.

Ich habe vieles aus dieser Zeit verdrängt, in der wir von einer psychischen Krise in die nächste gerieten und ein System um Hilfe anflehten, das durch den Lockdown lahmgelegt war. Meinem Sohn ging es so schlecht, dass wir Angst hatten, er würde sich das Leben nehmen.

Es wurde zur Routine, dass er Zusammenbrüche hatte, die seine Geschwister in Angst und Schrecken versetzten; dass er aus dem Haus ging und wir ihn telefonisch anflehen mussten, zurückzukommen.

Während dieser ganzen Zeit waren wir von Familie und Freunden abgeschottet und schämten uns zu sehr, um mitzuteilen, warum unsere Familie auseinandergerissen wurde.

Aber wenn wir dachten, dass die Dinge besser werden würden, wenn die Schulen wieder geöffnet werden, haben wir uns getäuscht. Ende 2021 beschloss eines der Mädchen, die Polizei anzurufen und meinen Sohn der sexuellen Nötigung zu beschuldigen. Ich habe keine Ahnung, warum, aber mein Sohn erfuhr von einem Bekannten, dass sie sich "gelangweilt" hatte. Die Polizei wurde zu seiner Schule gerufen und er wurde in Abwesenheit seiner Eltern befragt. Niemand dachte daran, uns zu alarmieren, damit wir bei unserem Sohn sein konnten.

Ich war zu dieser Zeit geschäftlich unterwegs und erhielt einen Anruf von meinem Mann, dessen Stimme seine Angst verriet, kurz bevor ich das Flugzeug nach Hause bestieg. Der Flug schien endlos zu sein, denn in meinem Kopf spielten sich immer mehr Schreckensszenarien ab.

Als ich landete, war ich davon überzeugt, dass die Zukunft meines aufgeweckten und liebenswürdigen Sohnes durch einen kindlichen Fauxpas für immer verdorben sein würde.

Zum Glück war die Polizei viel einfühlsamer als die Schule. Der Beamte, der den Fall untersuchte, sagte uns, dass zu Recht jede Anschuldigung ernst genommen werde. Allerdings teilte er auch mit, dass die Polizei in den letzten Jahren mit ähnlichen Anrufen von Teenagermädchen überschwemmt wurde, die durch die MeToo-Bewegung in Aufruhr geraten waren.

Während der Ermittlungen sprachen wir mit mehreren Strafverteidigern, um uns auf den Fall vorzubereiten, dass wir ihre Dienste in Anspruch nehmen könnten. Alle erzählten uns die gleiche Geschichte über den exponentiellen Anstieg der Anschuldigungen gegen junge Schüler in den letzten Jahren.

Wir waren nicht allein.

Als ich schließlich begann, mit Freunden und Familienangehörigen zu sprechen, gaben zwei meiner Freundinnen zu, dass ihre Söhne in ähnliche Situationen geraten waren. Einer wurde von allen seinen Freunden geächtet und musste aus der Gegend wegziehen, nachdem eine Ex ihn der Vergewaltigung beschuldigt hatte, nachdem er eine neue Beziehung begonnen hatte.

Ein anderer wurde aus demselben Grund auf einer Website mit der Beschimpfung als Vergewaltiger abgebildet. Beide Jungen waren junge Teenager. Anstatt mich zu trösten, fühlte ich mich hoffnungslos, als ich erfuhr, dass das, was mein Sohn erlebte, weit verbreitet war.

Wir standen auf der Verliererseite eines Kulturkriegs, und jeder Versuch, uns oder unsere Söhne zu verteidigen, hätte uns nur noch mehr Verleumdung eingebracht. Alle Eltern wissen, dass es eines der schlimmsten Gefühle ist, machtlos zu sein, um sein Kind zu schützen.

Nach zwei quälenden Wochen voller zermürbender Gespräche mit Anwälten erhielten wir schließlich den Anruf, auf den wir gewartet hatten. Die Polizei hatte die Klage abgewiesen, da es keine Beweise dafür gab, dass der Kontakt nicht einvernehmlich gewesen war.

Unsere Freude war jedoch nur von kurzer Dauer.

Nur einen Monat später beschuldigte ihn ein Mädchen, mit dem mein Sohn seit der 7. Klasse befreundet war, der sexuellen Nötigung, nachdem er sie am Rücken berührt hatte, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Wieder reagierten seine Lehrer aggressiv, indem sie ihn aus dem Unterricht holten und damit seinen Ruf als sexuelles Raubtier zementierten und jede noch so kleine Chance auf ein normales Leben in der Schule zerstörten.

Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die Lehrer auf einen Rat der Regierung reagierten, der im September letzten Jahres im Anschluss an eine "Schnellüberprüfung von sexuellem Missbrauch in Schulen und Colleges" durch die Aufsichtsbehörde Ofsted im Zuge der Einführung von "Everyone's Invited" veröffentlicht wurde.

Darin wird jeder, der eines sexuellen Vergehens beschuldigt wird, als "Täter" bezeichnet und den Schulen empfohlen, ihn aus allen Klassen oder Räumen zu entfernen, die er mit dem "Opfer" teilt.

Als mein Sohn kurz vor seinem Abitur stand, versuchten wir, ihn wieder in die Schule zu schicken, aber der Schulleiter teilte uns mit, dass einige Mädchen mit einem Protest gedroht hätten, falls er nicht ausgeschlossen würde. Der Schulleiter hat einfach dem Druck nachgegeben.

Ich verstehe zwar die Angst der Mädchen - aufgrund von Gerüchten und Vermutungen glaubten sie wirklich, dass er ein Vergewaltiger sei, und hatten natürlich Angst, mit ihm in einer Schule zu sein -, aber wo waren die Erwachsenen in dieser Situation?

Wo war die ausgewogene, rationale Reaktion, die auf Beweisen und nicht auf Gerüchten beruhte? Wir kamen uns vor wie in den Hexenprozessen von Salem.

In den nächsten Monaten musste unser Junge einen Flickenteppich von Erziehungsmaßnahmen über sich ergehen lassen, zum Teil in einer anderen Schule, in der die Fenster verdunkelt waren, so dass er sich wie ein Gefangener fühlte; zum Teil wurde er zu Zeiten in die Schule geschleust, zu denen die anderen Schüler ihn nicht sehen konnten.

Es kam uns so vor, als wäre unser Sohn wie Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer", ein hochgefährlicher Krimineller, der jeden Moment angreifen könnte. In Wirklichkeit ist er ein verletzlicher junger Mann, der als Folge dieses Umgangs mit ihm unter schweren psychischen Problemen leidet.

Ein Erwachsener, der mit all dem konfrontiert worden wäre, wäre daran zerbrochen. Doch mein Sohn hat mich mit seinem Mut verblüfft, und obwohl es ihn zutiefst verletzte, diese grausame Strafe so lange ertragen zu müssen, war er fest entschlossen, sich von seinen Anklägern nicht von seiner Ausbildung abbringen zu lassen.

Wir hatten auch das große Glück, dass die Aufsichtspersonen, die ihn auf Schritt und Tritt beobachteten, bald Mitleid mit seiner Notlage hatten. Jeder sagte uns, was für ein wunderbarer und höflicher junger Mann er war und wie sehr sie seine Gesellschaft genossen.

Das war ein schwacher Trost in einer trostlosen Situation. Es gab mir auch die Gewissheit, dass ich nicht verrückt wurde oder eine verblendete Mutter war, die ihren Jungen nicht so sehen konnte, wie er wirklich war.

Mein Sohn hat in diesem Sommer seine Prüfungen in Isolation abgelegt und freut sich nun auf einen Neuanfang an einer neuen Schule, wo wir beten, dass niemand seine Vergangenheit aufdecken wird.

Dennoch tragen wir alle die Narben dessen, was geschehen ist. Ich habe Angst, dass der böswillige Klatsch und Tratsch ihn verfolgen wird. Er hat inzwischen eine Heidenangst vor Mädchen. Er sagt mir oft, er glaube nicht, dass er jemals eine Freundin haben werde, und ich frage mich, ob er jemals den Mut haben wird, die Liebe zu finden. Selbst wenn er es tut, haben wir doch alle Angst vor den Konsequenzen, wenn es wieder schief geht.

Natürlich sollte sich jedes Mädchen über körperliche Berührungen beschweren können, die ihr unangenehm sind, aber ich frage mich, warum man von einem 13-jährigen Jungen erwartet, dass er alle Nuancen von Beziehungen versteht, die erwachsene Männer oft verwirren.

Vielleicht hat mein Sohn Fehler gemacht, durch die sich das Mädchen, das die Polizei gerufen hat, unwohl fühlte, und wenn das der Fall ist, tut es mir aufrichtig leid für sie. Aber ist es die beste Reaktion, sein Leben zu zerstören, indem man ihn als Vergewaltiger abstempelt und ihn von der Schule schikaniert, oder ihn zu unterstützen und zu erziehen, damit er nicht noch einmal dieselben Fehler macht?

Wenn wir alle für unreife Fehler, die wir im zarten Alter von 13 Jahren begangen haben, zur Rechenschaft gezogen würden, wären nur sehr wenige von uns ohne Schuld.




Montag, August 01, 2022

"Sozialer Unfriede": Über hundert Sprachwissenschaftler üben scharfe Kritik am Gendern bei ARD und ZDF – News vom 1. August 2022

1. "Die Welt" berichtet:

In Sachen Gendersprache wird es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusehends ungemütlich. Erst im Dezember kritisierten Gremienmitglieder des ZDF-Fernsehrats die Gendersprechpause scharf und forderten von der Intendanz "eine Leitungsentscheidung" zum Thema. Bei einem immer größeren Teil der Gebührenzahler sorgt die Sprachpraxis für Unmut.

Der Bayerische Rundfunk stand vergangene Woche massiv in der Kritik, weil ein Video vom "Diversity Tag" der ARD bei vielen Zuschauern den Eindruck hinterließ, beim Sender arbeite man an der sprachlichen Umerziehung der Bevölkerung.

Und nun sehen sich ARD und ZDF mit Kritik aus der Fachwelt konfrontiert: Rund 70 Sprachwissenschaftler und Philologen fordern in einem aktuellen Aufruf ein Ende des Genderns im ÖRR. Darunter: Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung, der Gesellschaft für deutsche Sprache, des PEN Deutschland, des Leibniz-Zentrums Allgemeine Sprachwissenschaft sowie eine ganze Reihe linguistische Schwergewichte.

(…) Der Germanist und Buchautor Fabian Payr ("Von Menschen und Mensch*innen", Springer-Verlag) ist Initiator des Aufrufs. "Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend", sagt er WELT. "Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch." Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.

(…) Scharfe Kritik üben die Sprachexperten auch an der Berichterstattung der Sender zum Thema Gendersprache. Die Beiträge seien unausgewogen, vielfach tendenziös und würden "im Wesentlichen der Legitimation der eigenen Genderpraxis" dienen, urteilen sie.

(…) Der Sprachwissenschaftler Martin Neef zählt zu den Unterzeichner des Linguistenaufrufs und ist Kritiker der viel zitierten Studien. Über den ÖRR ärgere er sich massiv, sagt Neef zu WELT. "Gendern heißt für viele, ein Zeichen zu setzen. Dabei wird nur selten wirklich über Sprache nachgedacht." Personenbezeichnungen mit der Endung "-in" oder "-innen" meinen sprachstrukturell nur Frauen – egal, ob ein Sternchen davorstehe oder nicht, erläutert Neef. "Mit solchen Wortformen werden weder Männer noch Diverse angesprochen", so der Sprachwissenschaftler.

Für Neef steht fest: "Das Deutsche hat mit dem generischen Maskulinum eine gewachsene geschlechtsneutrale Form, die von Zuschauern und Zuhörern genutzt wird. Dazu sollten die Öffentlich-Rechtlichen wieder zurückkehren."


In der Erklärung, die von über hundert Sprachwissenschaftlern beiderlei Geschlechts unterzeichnet worden ist (ich selbst bin Nr. 87 auf der Liste), heißt es unter anderem:

Seit 2020 hat die Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) in erheblichem Maße zugenommen. Ausgangspunkt dieser Sprachpraxis ist die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen. Wir fordern eine kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage.

Die Sprachverwendung des ÖRR ist Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern. Daraus erwächst für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch – der ÖRR sollte den Wunsch der Mehrheit respektieren.

(…) Als Sprachwissenschaftler und Philologen kritisieren wir ferner, dass an Stelle von sprachsystematischen und sprachlogischen Betrachtungsweisen zunehmend psycholinguistische Studien herangezogen werden, um Veränderungen des Sprachgebrauchs zu legitimieren. Diese Studien liefern keinen belastbaren Beleg dafür, dass generische Maskulina mental vorrangig "Bilder von Männern" erzeugen. Vielmehr zeigt sich, dass die Kontextbindung, die zur Unterscheidung eines generischen von einem spezifischen Maskulinum entscheidend ist, in solchen Studien in wissenschaftlich unzulässiger Weise ausgeblendet wird. Es kann mithin aufgrund fehlerhafter Studiendesigns nicht als empirisch gesichert gelten, dass generische Maskulina (Genus) vorrangig im Sinne von "männlich" (Sexus) gelesen werden (Zifonun 2018, Payr 2022, Kurfer 2022). Die pauschalisierende Bewertung des generischen Maskulinums als grundsätzlich diskriminierende Sprachform ist auf wissenschaftlicher Basis nicht begründbar.

Auch andere zentrale Thesen der "gendergerechten Sprache" halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand, etwa die abwegige Behauptung von der angeblichen "Unsichtbarkeit" der Frau in der deutschen Sprache (Pusch: "Das Deutsche als Männersprache") oder die These, mit einem Eingriff in sprachliche Strukturen könnten gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden (sprachidealistische Position).

Wir weisen auch darauf hin, dass Gendern zu einer ausgeprägten Sexualisierung der Sprache, also zu einer permanenten Betonung von Geschlechterdifferenzen führt. Daher wird das wichtige Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konterkariert und Gendern von einigen Debattenteilnehmern auch als sexistisch bezeichnet. (Pollatschek 2020). Im Hinblick auf das angestrebte Ziel – Geschlechtergerechtigkeit – ist Gendern also dysfunktional.

Der Rat für Deutsche Rechtschreibung hat im März 2021 explizit darauf hingewiesen, dass Gender-Sonderzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt oder Unterstrich nicht dem amtlichen Regelwerk entsprechen, da diese Formen Verständlichkeit sowie Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten beeinträchtigen. Diese Missachtung der gültigen amtlichen Rechtschreibregeln ist nicht mit dem im Medienstaatsvertrag formulierten Bildungsauftrag der Sender vereinbar. Statt ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, praktizieren und propagieren die Sender in ihrer Schriftnutzung (vor allem in den Online-Formaten) orthografische Freizügigkeit jenseits der verbindlichen Regeln. Auch die gesprochene Realisierung des Gendersterns – mit Glottisschlag – entspricht nicht der geltenden Aussprachenorm.

Wir fordern die Abkehr von einem Sprachgebrauch, der stark ideologisch motiviert ist und überdies – so zeigen es alle aktuellen Umfragen – von der Mehrheit der Bevölkerung (ca. 75-80 %) eindeutig abgelehnt wird (…). Es ist bedenklich, wenn immer mehr Journalisten in Unkenntnis der sprachwissenschaftlichen Fakten den Jargon einer lautstarken Minorität von Sprachaktivisten in der Öffentlichkeit verbreiten und sich hierbei fälschlicherweise auf "Sprachwandel" berufen.

Nicht zuletzt sorgt die vielfach mit moralisierendem Gestus verbundene Verbreitung der Gendersprache durch die Medien für erheblichen sozialen Unfrieden und das in Zeiten, in denen ohnehin zahlreiche gesellschaftliche Spaltungstendenzen zu beobachten sind. Auch diesen gefährlichen Partikularisierungs- und Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft leistet Gendern Vorschub.

Der forcierte Gebrauch gegenderter Formen befindet sich nicht im Einklang mit dem Prinzip der politischen Unparteilichkeit, zu der alle Sender gemäß Medienstaatsvertrag verpflichtet sind. So stammt das Projekt der "gendergerechten Sprache" ursprünglich aus der feministischen Linguistik und wird heutzutage vorrangig von identitätspolitisch orientierten universitären Gruppierungen rund um die Social-Justice-Studies vorangetrieben (Ackermann 2022, S. 143). Gendersprache ist ein akademischer Soziolekt, der die Diskursvorherrschaft anstrebt. Zu dieser ideologisch begründeten Sprachform muss der ÖRR kritische Distanz wahren.

Die Berichterstattung des ÖRR über den Themenbereich Gendersprache ist unausgewogen, vielfach tendenziös und dient im Wesentlichen der Legitimation der eigenen Genderpraxis:

* Befürworter erhalten einen deutlich größeren Redeanteil

* Werden "Experten" konsultiert, so stammen diese vorrangig aus dem Lager der Befürworter.

* Moderatoren bekennen sich zum Gendern

In den Medien des ÖRR überwiegt eine positive Darstellung des Genderns. Kritiker werden nicht selten als reaktionär, unflexibel und frauenfeindlich geschildert.


Beispiele dafür nennt eine weitere Seite, wo es etwa heißt:

Als nur ein Beispiel für tendentiöse Berichterstattung möchten wir hier hier die Sendung “Leschs Kosmos” vom 5.10.2021 (…) herauspicken, die mit dem Gestus von Wissenschaftlichkeit klar eine Pro-Gendern-Position bezieht. Zur Gendersprache gibt es sehr unterschiedliche wissenschaftliche Einschätzungen, Harald Lesch referiert lediglich die Argumente der einer Seite und suggeriert damit einen wissenschaftlichen Konsens, den es in dieser Sache nicht gibt. Sowohl aus journalistischer Sicht als auch aus wissenschaftlicher ist dieser Beitrag mangelhaft.


Ich bin gespannt, ob die Öffentlich-Rechtlichen über diese Kritik der Wissenschaft berichten werden. Vorfälle, die ihnen ideologisch zupass kommen, etwa die abgewiesene Klage eines VW-Mitarbeiters gegen Gendern bei Audi, landen schließlich sogar in der Tagesschau.

Bislang finde ich Berichterstattung über die Kritik der Sprachwissenschaftler in "Welt", "Bild", "Focus", der "Berliner Zeitung", der "Jungen Freiheit", der "Frankfurter Allgemeinen", bei "idea" und bei "Tichys Einblick". Die Presse des linken Lagers hingegen scheint sich nur für für genderfreudige Sprachwissenschaftler wie Anatol Stefanowitsch zu interessieren. Eine Ausnahme ist der "Tagesspiegel", der ebenfalls berichtet.



2. "Die Welt" kommentiert die abgewiesenen Klage eines VW-Mitarbeiters gegen das Gendern bei Audi so:

Wer sich als Kunde oder Angestellter durch Gendersprache belästigt fühlt, dem steht es frei, sich darüber bei seinem Unternehmen zu beschweren – oder gleich zur Konkurrenz zu wechseln.

Doch genau an dieser Handlungsbereitschaft fehlt es. Die Deutschen lehnen den Umbau ihrer Sprache zwar mit deutlicher Mehrheit ab, auch in der jungen Generation – und allen Anstrengungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Trotz, wie eine Podiumsdiskussion mit Schülern erst kürzlich eindrucksvoll belegte.

Aber: Sie tun nichts dagegen. Wenn gefühlt nur ein Prozent aller Gender-Befürworter und null Prozent aller Gender-Gegner ihre wirtschaftlichen Entscheidungen vom Sprachgebrauch abhängig machen, dann liegt die betriebswirtschaftlich sinnvolle Entscheidung für Unternehmen auf der Hand.

Der richtige Weg, um sich gegen den von einer lautstarken Minderheit betriebenen Sprachumbau zu wehren, führt deshalb nicht über die Gerichte – sondern über Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten, Briefe an Redaktionen und Unternehmen, Elternabende und soziale Medien.




3. Die Sendung des Bayrischen Rundfunks, die Zuschauer offenbar zum Gendern motivieren sollte, wird inzwischen auch von der bayrischen Staatsregierung kritisiert:

"Gebührenfinanziertes Zwangsgendern" nennt Florian Herrmann (CSU), der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Minister für Medien, das BR-Format deshalb. "Es ist nicht Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Kampagnen für Mindermeinungen zu führen", sagt er. Herrmann irritiere, dass der BR veranlasst, Gender-Sprache von oben vorzugeben, bis sie "unten ankommt". Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich zuletzt in einem Interview kritisch gegenüber dem Thema Gendern geäußert. Der Rundfunkrat, sagt er, müsse den Vorgang in der nächsten Sitzung zwingend aufklären.

Der BR wehrt sich: "Die Behauptung, es handle sich um eine Gender-Sendung, mit der Schüler überzeugt werden sollten, ist schlichtweg falsch", sagt BR-Sprecher Markus Huber. Ziel sei ein Meinungsaustausch über Gender-Sprache gewesen. Das sagt auch Claudia Stamm im Gespräch mit unserer Zeitung. "Keineswegs wollte ich damit ausdrücken, dass wir so lange reden müssen, bis alle einer Meinung sind." Außerdem, sagt sie, gendere sie im Alltag kaum.




Freitag, Juli 29, 2022

Studentenrat will Frauen- und Männerklos abschaffen, Audi-Urteil, Johnny-Depp-Drink – News vom 29. Juli 2022

1. Der Studentenrat der TU Dresden fordert, alle bisherigen Männer-Toiletten an der Hochschule in sogenannte "All-Gender-Toiletten" und alle Frauen-Klos in "FINTA*-Toiletten" umzubauen. (FINTA* steht für: Frauen, Inter-, Nichtbinäre-, Trans- und Agender-Personen.) Ähnliches soll für Klos und Umkleiden in Sportanlagen gelten, "damit sich alle auf den Toiletten wohlfühlen können." Solange es nur Damen und Herren-Toiletten gibt, werde hingen "allen Menschen, die nicht in die Kategorien 'Mann‘ oder 'Frau' passen, der Gang zur Toilette erschwert oder sogar ganz verwehrt", befinden die Studentenvertreter. Konkret sollen etwa Urinale von verschließbaren Kabinen umfasst oder Trennwände eingezogen werden. In neuen Gebäuden sei zu prüfen, "ob sich die Möglichkeit für ausschließlich abschließbare All-Gender-Einzeltoiletten bietet, wie es bereits für das neue Bürogebäude 'Lehmann-Zentrum' in Planung ist"



2. Das Landgericht Ingolstadt soll heute Vormittag entscheiden, ob es der Klage eines Audi-Mitarbeiters gegen die Gendersprache des Konzerns stattgibt. Erwartet wird, dass die zuständige Kammer nur den Urteilstenor öffentlich verkündet, also lediglich bekannt geben wird, ob sie der Klage stattgibt oder sie abweist. Die Urteilsgründe würden den beiden Parteien, der Audi AG und dem klagenden VW-Manager, im Nachgang per Post zugehen.



3. Die Ukraine hat unter anderem die Radikalfeministin Alice Schwarzer auf eine Schwarze Liste gesetzt. Ihr wird dem Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheitsrat der Ukraine vorgeworfen, die russischen Narrative "Deutschland sollte auf die Waffenlieferung in die Ukraine verzichten" und "Selenskyj provoziert Putin" verbreitet zu haben.



4. Eine US-amerikanische Bar bietet Männern jetzt einen Johnny-Depp-Drink an, den ein Gast bestellen kann, wenn er sich "unsicher oder verängstigt" fühlt. Wenn ein Kunde einen "Neat Johnny Depp Shot" bestellt, wird er von einem Angestellten sicher aus der Bar begleitet. Bei zwei anderen Varianten, "On The Rocks" und "With Lime", wird das Personal entweder ein Taxi rufen oder die Polizei verständigen. Nachdem die Reklame für diesen Service online ging, erntete sie begeisterte Reaktionen. Ein Leser reagierte auf den Beitrag mit den Worten: "Wirklich toll! Misshandlung ist nicht geschlechtsspezifisch." Ein anderer meinte: "Das ist der richtige Schritt"



5. Der Boston Globe fordert, das Antidiskriminuerungsgestz "Title IX", das bislang Frauen vor Benachteiligung schützen soll, jetzt auf Männer anzuwenden:

In den letzten Wochen gab es zahlreiche Berichte, in denen Titel IX und seine Auswirkungen analysiert wurden. Oft wird behauptet, das Gesetz sei nicht weit genug gegangen. Aber ich bin erstaunt, wie wenig anerkannt wird, dass sich die relative Stellung der Geschlechter in der Hochschulbildung fast vollständig umgekehrt hat. Wenn junge Frauen vor einem halben Jahrhundert auf dem Campus und in der Arbeitswelt nach dem Studium weit hinter ihren männlichen Altersgenossen zurücklagen, ist heute das Gegenteil der Fall.

In einem kürzlich erschienenen Beitrag in seinem Blog "Carpe Diem" für das American Enterprise Institute wandte sich der Wirtschaftswissenschaftler Mark J. Perry den Daten des Bureau of Labor Statistics vom Oktober 2021 zu, um die erstaunlichen Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen in den Vereinigten Staaten von heute aufzuzeigen.

Er stellte beispielsweise fest, dass im Jahr 2021 auf 100 junge Frauen, die die High School abschlossen und ein College besuchten, nur 89 junge Männer mit ähnlichen Voraussetzungen kamen.

Auf 100 junge Frauen unter 25 Jahren, die an einem College eingeschrieben sind und arbeiten, kommen nur 69 junge Männer.

Auf 100 junge Frauen mit einem Bachelor-Abschluss kamen nur 80 junge Männer.

Und auf 100 junge Frauen in ihren 20ern mit einem höheren Abschluss und einem Arbeitsplatz kamen nur 30 junge Männer.

Im Gegensatz dazu kamen auf 100 junge Frauen, die die Schule ohne Abschluss verließen, 238 junge Männer in derselben Position.

Nach zahlreichen Bildungsmaßstäben sind es die Männer, nicht die Frauen, die heute weit zurückliegen. In den meisten akademischen Bereichen - Biologie, Kommunikation, Kunst, öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen, Psychologie, Englisch - erwerben Frauen heute die Mehrheit der Bachelor-Abschlüsse.

"Es sind eher die jungen Männer als die jungen Frauen, die gefährdet sind und vor ernsthaften bildungs- und arbeitsbezogenen Herausforderungen stehen", so Perry. Diese geschlechtsspezifischen Ungleichheiten gehen weit über den akademischen Bereich hinaus. Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer als bei Frauen, dass sie in einer Reihe von Bereichen wie (a) Verhaltensstörungen und psychische Erkrankungen, (b) Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und Überdosis, (c) Selbstmord, Mord, Gewaltverbrechen und Inhaftierung sowie (d) Obdachlosigkeit enden.

Trotz alledem, schreibt Perry, werden Mädchen und Frauen auf allen Ebenen des Bildungswesens mit "unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, Ressourcen und finanzieller Unterstützung" bedacht - z. B. mit Nachmittags- und Sommerprogrammen für Mädchen, Stipendien nur für Frauen und Hunderten von Frauenzentren und Frauenkommissionen.

Es sei daran erinnert, dass Titel IX keine ungleiche Bevorzugung von Frauen vorschreibt. Er schrieb keine ungleichen Bevorzugungen für irgendeine Person aufgrund des Geschlechts vor. In den 50 Jahren, die seit der Unterzeichnung von Titel IX vergangen sind, wurde das Ungleichgewicht, das Mädchen und Frauen so sehr benachteiligte, durch ein Ungleichgewicht ersetzt, das Jungen und Männer in hohem Maße benachteiligt. Das ist keine Verbesserung. Es ist sogar illegal.




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