"'Tötet Männer' – Ist das kriminell, Notwehr oder Kunst?"
Diese Woche sind wegen der beiden Langbeiträge und weil Genderama gestern aufgrund eines Arzttermins ausfallen musste, einige Meldungen liegengeblieben. Zeit, sie allesamt nachzuholen.
1. Unter der Schlagzeile "'Tötet Männer' – Ist das kriminell, Notwehr oder Kunst?" berichtet die Sächsische Zeitung über die Feministin Valerie Solanas, die den Künstler Andy Warhol niederschoss, nachdem sie in einer Kampfschrift Männer als genetisch minderwertig erklärte und ihre massenweise Vergasung forderte. In dem Artikel heißt es über ein Theaterstück in Dresden, das sich darum dreht:
Valerie Joan Solanas beging nicht nur diese Tat [die Schüsse auf Warhol – A.H.]. Sie veröffentlichte ein Jahr zuvor auch das "Scum Manifesto", in dem sie eine durch das Handeln der Männer unmenschliche Welt beschreibt und letztlich fordert, nicht nur das kapitalistische System, sondern auch "das männliche Geschlecht zu vernichten". Solanas wird von Sarah Schmidt als vielschichtige, extrem feinsinnige und zugleich sehr direkt auf ihre Umgebung reagierende Frau verkörpert. (…) Wie durch eine Ausstellung wird das Publikum durch die Szenen geführt, die so vielschichtig, anspielungsreich und zugleich oft auch humorvoll sind wie das Bühnenbild von Felix Remme.
Zentrale Elemente sind transparente Stelen, geformt wie Scherben oder die Zacken einer Krone, die Warhols Porträt in Pop-Art-Manier zitieren, aber offensichtlich verwüstet und besprüht worden sind. Auch ist da die schlichte Küche, in der Solanas von ihrer Mutter (Leonie Hämer) geopfert wird, die sich an den alten Rollenbildern festklammert. Dort laufen auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher Szenen aus Popeye-Trickfilmen, in denen Popeye von seiner Geliebten Olive vermöbelt wird.
(…) "I Shot A Pop Star" ist eine biografische Collage und Hommage an eine Frau, deren Geschichte viel mehr bereithält als jene Gewalttat. Über das "Scum Manifesto" und viele große Fragen, die daran anknüpfen, erfahren die Zuschauer nicht allzu viel. Doch die gezeigten Ausschnitte von Gesellschaft, die kurzweilig und mit viel bissiger Ironie bis in die Gegenwart reichen, geben dazu eine Menge Hinweise.
Natürlich erfahren die Zuschauer über die Inhalte dieses Manifests wenig. Eine "Hommage" an eine Frau, die forderte, in ihren Augen unwertes Leben massenweise zu vergasen, wäre sonst ein klein wenig heikel geworden.
2. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat vorgeschlagen, der ukrainischen Regierung Meldedaten über ukrainische Männer im wehrfähigen Alter weiterzugeben, die sich in Deutschland aufhalten. Im Podcast "Ronzheimer" von Bild-Vize Paul Ronzheimer sagte Wadephul am Dienstagabend: "Wir wissen ganz genau, wer hier lebt. Wer Sozialleistungen bezieht, wer bei den Behörden gemeldet ist, wer einen Aufenthaltsstatus hat." Diese Informationen könne Deutschland an Kiew übermitteln, damit die ukrainischen Behörden die Männer direkt über ihre Einberufung kontaktieren könnten.
Die Berliner Zeitung beurteilt dies unter der Überschrift "Wadephul will Ukrainer per Meldeamt zurück in den Krieg schicken" kritisch:
Nach Wadephuls Worten sollen solche Rückkehrstrategien "ohne Zwang" erfolgen. Doch genau an diesem Satz zerbricht der Vorschlag. Denn wofür sollen die rund 355.000 wehrfähigen ukrainischen Männer, die zum Stichtag 30. Mai 2026 in Deutschland registriert sind, kontaktiert werden? Wenn nicht für die Einberufung in einem Land, in dem ein Ausreiseverbot herrscht.
Eine Einberufung, die "ohne Zwang" erfolgt, ist in der Logik des ukrainischen Kriegsrechts, das Ausreiseverbote verhängt und Männer notfalls von der Straße weg mobilisiert, ein Widerspruch in sich. Freiwilligkeit endet dort, wo eine Wehrpflicht beginnt.
Bemerkenswert ist vor allem, was Wadephul nicht gesagt hat. Wie sollen Meldedaten – ein hochsensibler Datenbestand, der Menschen betrifft, die in Deutschland als Kriegsflüchtlinge Schutz gefunden haben – rechtssicher an eine ausländische Regierung übermittelt werden? Auf welcher Rechtsgrundlage? Mit welchen Kontrollen gegen Missbrauch? Und was geschieht mit jenen, die dem "Aufruf" aus Kiew nicht folgen? Bleibt es für die Betroffenen dann tatsächlich folgenlos?
(…) Wadephuls Vorschlag bedient vor allem eine Erwartungshaltung, die in Teilen der Union wächst: dass Deutschland als Aufnahmeland – mehr als 1,1 Millionen Kriegsflüchtlinge, so viele wie kaum ein anderes Land außer Polen und Tschechien – aktiv an der ukrainischen Mobilisierung mitwirken solle.
3. Währenddessen beschäftigt sich der Kyiv Independent mit der Frage, ob die Ukraine angesichts ihres zunehmenden Personalmangels künftig Frauen zwangsweise zum Militärdienst einziehen sollte. Der frühere Verteidigungsminister Oleksii Reznikov hatte im August gefordert, Militärdienst für Männer und Frauen verpflichtend zu machen. Wenn mehr Frauen im Hinterland eingesetzt würden, könnte man mehr Männer an die Front schicken. Der US-Sondergesandte Keith Kellogg sprach sich ebenfalls dafür aus. Das ukrainische Parlament stellte allerdings unmittelbar klar, dass eine Mobilisierung von Frauen derzeit weder durchgeführt noch vorbereitet oder erwogen werde. Selenskyj hatte schon 2023 erklärt, er werde eine solche Regelung nicht unterzeichnen.
Der Politologe Ihor Reiterovych hält Reznikovs Äußerung für politisch motiviert. Er vermutet, dass aus dem Umfeld des Präsidenten ein Interesse daran bestanden haben könnte, mit dem Thema von anderen Problemen abzulenken – unter anderem von einem Korruptionsskandal und einer politischen Krise. Eine tatsächliche Mobilisierung von Frauen hält er derzeit für unwahrscheinlich, denn die Ukraine habe noch andere Möglichkeiten, bevor sie diesen Schritt gehen müsse. Er verweist unter anderem auf schätzungsweise 2,5 bis 3 Millionen Männer, die ihre militärischen Registrierungsdaten nicht aktualisiert hätten. Außerdem könnten Befreiungsregeln überprüft und mehr Zivilisten eingesetzt werden, ohne sie formal zu Soldaten zu machen.
Die Reserveoffizierin Yuliia Mykytenko, die selbst nicht grundsätzlich gegen Frauen im Militär ist, stellt die Frage andersherum: Warum ist die Ukraine überhaupt in eine Situation geraten, in der sie nun über eine Zwangsmobilisierung von Frauen nachdenkt? Sie kritisiert unter anderem den Umgang mit den Rechten der Soldaten, die Regelungen für wirtschaftlich begründete Befreiungen und die Tatsache, dass sich manche Männer der Mobilisierung entziehen. "Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass Frauen mobilisiert werden, werde ich das als Zeichen dafür werten, dass unser Land verloren hat", sagte Mykytenko.
4. Aus Angst vor einer neuen Mobilisierungswelle nach der Parlamentswahl am 20. September verlassen immer mehr Männer Russland. Das berichtet die New York Times. Während Putin beteuert, die befürchtete neue Massenmobilisierung werde es nicht geben, vertrauen viele Menschen den offiziellen Dementis des Kremls nicht mehr. Der Grund ist die Erfahrung von 2022: Damals hatte der Kreml ebenfalls wiederholt dementiert, dass eine Invasion beziehungsweise später eine Mobilisierung bevorstehe.
Westliche Geheimdienstangaben und ukrainische Politiker behaupten, Russland verliere derzeit mehr Soldaten, als es durch Rekrutierung ersetzen könne. Der russische Militäranalyst Dmitri Kusnez widerspricht dieser Einschätzung. Nach seiner Auswertung von russischen Haushaltsdaten, Notariatsdaten und Todesanzeigen rekrutiere Russland nach wie vor mehr Menschen, als es auf dem Schlachtfeld verliere.
Der Artikel berichtet darüber, wie sich verschiedene russische Männer in Sicherheit bringen. Manche planen ihren Urlaub gezielt so, dass sie während der Parlamentswahl und der Zeit danach im Ausland sind. Ein 26-jähriger Ingenieur verlässt Russland, weil die einzige Pro-Friedens-Partei von der Wahl ausgeschlossen wurde. Manche ziehen Geld von ihren Konten ab, weil sie befürchten, dass es nach einer elektronischen Einberufung eingefroren werden könnte. Andere können sich eine Ausreise nicht leisten und versuchen beispielsweise, ihren offiziellen Wohnsitz in Moskau zu registrieren, weil sie glauben, dort besser vor einer Einberufung geschützt zu sein.
5. Dem US-Arbeitsmarktbericht für August zufolge fielen von 162.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen 158.000 auf Frauen – rund 98 Prozent. Männer kamen nur auf etwa 4.000 zusätzliche Jobs. Der strukturelle Grund: Branchen mit hohem Frauenanteil wachsen derzeit relativ stark, insbesondere Gesundheitswesen, Bildung, Gastronomie und andere Dienstleistungen. Gleichzeitig stagnieren bzw. schrumpfen einige traditionell männerdominierte Bereiche. Frauen profitieren außerdem davon, dass sie inzwischen mehr Hochschulabschlüsse erwerben als Männer und deshalb in bestimmten wachsenden akademischen Berufen gut vertreten sind.
6. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 zeigen einen deutlichen Rückgang der Lesekompetenz (im OECD-Durchschnitt um etwa 14 Punkte gegenüber 2022 bzw. 28 Punkte gegenüber 2015). Der seit Langem bestehende Gender-Gap beim Lesen bleibt bestehen bzw. wird in mehreren Ländern hervorgehoben: Mädchen schneiden deutlich besser ab als Jungen.Wie das Deutsche Schulportal in seiner ausführliche Auswertung für Deutschland berichtet, erreichen Mädchen beim Lesen im Schnitt 478 Punkte, Jungen 453 Punkte. 32 Prozent der deutschen 15-Jährigen verfehlen das Mindestniveau beim Lesen. Die Männerrechtsbewegung macht seit Jahrzehnten auf diese Misere aufmerksam, ohne dass sich politisch etwas tut.
Im Magazin Spektrum der Wissenchaft heißt es:
Wo das Lesen schwerfällt, sind Mathe und Naturwissenschaft mitbetroffen. Die Jugendlichen haben Probleme, einfache Texte zu verstehen und einfache Zahlen, Daten oder Grafiken zu interpretieren, erläutert der PISA-Koordinator Andreas Schleicher im Vorwort. (…) Die Leistungen im Lesen sind zwischen 2015 und 2025 im OECD-Mittel um 28 Punkte gesunken – mehr als ein Schuljahr Unterschied. Und das ausgerechnet in jener Kompetenz, "auf die es im Zeitalter der künstlichen Intelligenz besonders ankommt: Informationen bewerten, Bezüge zwischen verschiedenen Quellen herstellen und das Gelesene kritisch hinterfragen", wie Schleicher schreibt. (…) "PISA zeigt uns, dass sich die Welt nicht mehr in reiche Länder mit guten Schulen und arme Länder mit schwachen Schulen teilt", sagt Schleicher. Allerdings teilt sie sich weiterhin in Mann und Frau.
7. In Großbritannien hat die selbsternannte "stolze Feministin" und Labour-Abgeordnete Stella Creasy (Nord-London) eine geschlechtergetrennte muslimische Parade in ihrem Wahlkreis verteidigt. Sie nahm am Wochenende am Milad-Al-Nabi-Marsch (Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed) teil und bezeichnete ihn als "laute jährliche Feier unserer lokalen muslimischen Gemeinde". In ihrem Social-Media-Video waren jedoch keine Frauen zu sehen. Nach darauf erfolgter Kritik gab Creasy offen zu, dass die Frauen getrennt waren. Sie argumentierte: "Viele Religionen haben getrennte Veranstaltungen und Strukturen." Da Creasy wenige Jahre zuvor einen privaten Männerclub als "Old-Boys’-Club" kritisiert hatte, der Frauen zurückhalte, warfen ihr andere Politiker Heuchelei vor.
8. Aktuellen US-amerikanischen Umfragedaten zufolge stimmen 66 Prozent der Frauen im Alter von 18–29, die zur Partei der Demokraten zählen, der Aussage zu, dass die Herausforderungen von Frauen "in hohem Maße auf das Verhalten oder die Handlungen von Männern" zurückzuführen sind. Bei republikanischen Frauen derselben Altersgruppe liegt der Wert bei nur 18 %. Auch bei älteren demokratischen Frauen ist die Zustimmung höher als bei republikanischen (z. B. 54 % vs. 23 % bei 30- bis 49-Jährigen). Diese Ablehnung gegenüber Männern besteht trotz aller Fortschritte von Frauen (höhere Hochschulabschlüsse, steigender Anteil an Führungspositionen) besteht. Als mögliche Ursachen werden der Einfluss von Feminismus und kritischer Geschlechtertheorie ebenso genannt wie politische Polarisierung sowie Gender-Polarisierung durch Social-Media-Algorithmen, die negative Botschaften über das jeweils andere Geschlecht verstärken.
9. Die New York Post berichtet über eine Welle von Verschwörungstheorien gegen Patrick Clancy, den Ex-Mann von Lindsay Clancy, nachdem deren Prozess wegen der Tötung ihrer drei Kinder mit einem nicht eindeutigen Juryergebnis ("mistrial") endete.
Patrick Clancy lässt über seinen Anwalt Howard Cooper erklären, dass er und seine Familie seit Monaten einer zunehmend aggressiven Desinformations- und Verleumdungskampagne ausgesetzt seien. Influencer, kleinere Prominente und Verschwörungstheoretiker behaupten demnach, Patrick selbst sei in den Tod der Kinder verwickelt gewesen oder habe Lindsay die Tat angelastet. Die Behauptungen seien unbelegt und hätten inzwischen reale Konsequenzen: Cooper spricht von Bedrohungen gegen Patricks Leben, seine Existenzgrundlage und seinen Ruf. Die Polizei sei eingeschaltet worden; rechtliche Schritte gegen Verantwortliche werden erwogen.
Der New Yorker beschreibt die Unterstützer von Lindsay Clancy als überwiegend weibliches Online-Milieu. Ein Teil dieser Unterstützer stellt nicht nur die psychiatrische Erklärung für die Kindstötungen in den Mittelpunkt, sondern entwickelt alternative Erklärungen für die Tat. Der britische Guardian schildert Verschwörungstheorien, nach denen Patrick Clancy Lindsay die Tat zugeschoben haben könnte. Dass etwa Überwachungskameras ihn fern vom Tatort zeigen, als Lindsay die Kinder umbrachte, wird mit einem "body double" erklärt.
"Ist es möglich, dass sie gar nicht psychotisch war?", spekulierte kürzlich ein TikToker mit 100.000 Followern über Lindsay und fügte hinzu: "Hat Patrick oder jemand anderes Umstände geschaffen, um Lindsay tatsächlich in den Wahnsinn zu treiben, damit sie verrückt wirkte?" Der TikToker hat mehrere Videos über den Clancy-Prozess gepostet, von denen einige Millionen Aufrufe verzeichnen.
Eine Recherche von PJ Media dokumentiert einen TikTok-Beitrag einer feministischen Lindsay-Unterstützerin, die behauptete, Patrick habe Lindsay telepathisch zum Töten der Kinder angewiesen. Außerhalb des "Patriarchats" der westlichen Welt, heißt es, würden Frauen wegen ihrer Empfänglichkeit für telepathische Botschaften verehrt. Andere Feministinnen ziehen Parallelen zwischen der Strafverfolgung Lindays und den Hexenprozessen früherer Jahrunderte. In weiteren Berichten über die TikTok-Szene werden "Witchcraft"- und "Justice Spell-Aktivitäten zugunsten Lindsay Clancys beschrieben, wobei negative Energie gegen Patrick gerichtet wird.
Wer also geglaubt hat, dass schon die feministischen Attacken gegen die Männerbewegung und die "Manosphäre" jeglichen klaren Verstand verloren haben, muss damit klar kommen, dass es noch wesentlich irrer zugehen kann.
10. Zu den nächsten großen US-amerikanische Bestsellern dürfte der Roman "Honey" von Imani Thompson gehören. In einer Buchvorstellung etwa heißt es darüber:
Imani Thompsons Debütroman "Honey" beleuchtet die heikle Seite dessen, was es bedeutet, eine Frau in einer Welt voller Männer zu sein, die Frauen praktisch ignoriert. Yrsa hat genug von ihrem Schulalltag und langweilt sich, also tötet sie. Zunächst, weil sie es kann, aber im Grunde genommen, weil sie es für eine wichtige Aufgabe hält, die Erde von der Art von Männern zu befreien, die es Frauen schwer machen, hier zu leben. Männer, die ihr, ihren Freundinnen und Frauen im Allgemeinen wehtun. Thompsons Roman ist witzig, mitreißend, spannend und regt zum Nachdenken an. Sie verwebt Themen wie Frauenfeindlichkeit, Narzissmus, Rasse und Klasse mühelos miteinander und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Leser weiterhin die Sanftheit und Menschlichkeit der Protagonistin Yrsa erkennen kann.
In einem Interview mit der Autorin kann sich die Verfasserin dieser rezension kaum noch beherrschen vor Euphorie. "Incredible, incredible work you’re doing here with this novel." Man könne der Serienmörderin nicht böse sein, weil ihre Opfer den Tod wahrlich verdient hätten.
In einer aktuellen Buchvorstellung des auflagenstarken Magazins The Nation erfährt man Näheres:
Lange bevor sie sich auf ihre eigenen mörderischen Streifzüge begibt, schwelgt Yrsa – eine schwarze britische Doktorandin an der Universität Cambridge – bereits in der krassen Ästhetik des Todes. Nachdem es ihr nicht gelungen ist, einem Professor bei einer schließlich tödlichen allergischen Reaktion auf einen Bienenstich einen EpiPen zu reichen, wird Yrsa von Freude überwältigt: "Arterien, Venen, Kapillaren. Plopp! Ein Orchester der Gerechtigkeit. Er hatte sich auf sie gestürzt – das war schockierend gewesen. Aufregend. Die Theatralik des keuchenden Mannes. Das glühend rote Himbeerrot seines Gesichts." (…) Nachdem sie Zeugin seines Todes geworden ist, führt die Euphorie, die sie empfindet, zu einer Reihe von Morden, die sie in Cambridge und im Großraum London begeht.
"Honey" ist rasend verworren und sarkastisch düster. Yrsa ist eine Serienmörderin, die sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis als tugendhafte schwarze Feministin inszeniert und Rassismus und Sexismus unmissverständlich und lautstark verurteilt. Aufgrund ihrer selbsternannten moralischen Überlegenheit fühlt sie sich berechtigt, das Leben von Männern zu beenden, deren Verhalten sie als verwerflich erachtet – akademische Frauenhelden, Finanzbro-Typen, amerikanische Sportler. Sie macht diese Männer nicht nur für die Probleme der Gesellschaft verantwortlich, sondern glaubt auch, das Recht zu haben, die "Manosphäre" einen nach dem anderen auszuschalten – und das alles unter dem Banner der Critical Race Studies. Ihre Rache ist nicht nur instinktiv – sie ist akademisch fundiert.
Mit anderen Worten: Es ist der neueste Aufguss von Valerie Solanas, und Feministinnen können sich mal wieder gar nicht einkriegen vor Begeisterung.
11. Die Post. Einer meiner Leser weist mich auf das neueste taz-Machwerk hin, das unter dem Titel "Wozu Männer?" erschienen ist und auf dessen Cover selbstverständlich ein Steinzeitmensch abgebildet ist. Das Inhaltsverzeichnis präsentiert nach dem Teaser "Patriarchat, Unterdrückung, Gewalt, Ehrenmorde, AfD" Beiträge wie diese:
Harald Welzer: Wozu Männer? Man fragt es sich immer noch. Der Titelessay.
Heike-Melba Fendel, Schriftstellerin: Frauen haben Männer aufgegeben. Warum bloß arbeiten sie sich weiter so verbissen an ihnen ab?
Christina Clemm, Strafrechtlerin: Wie können Männer das strukturelle Patriarchat als ihr Problem behandeln?
Rahel Gubser und Maxim Keller: Wie junge Männer in die Manosphere geraten und was man dagegen tun kann.
Arno Frank: Meinetwegen kann der Mann weg! Die Kolumne
Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass es keine Beiträge über telepathische Frauenunterdrückung, Hexerei und die Lobpreisung feministischer Serienmörderinnen gibt. Vermutlich ist aber auch das nur eine Frage der Zeit.
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