Donnerstag, März 26, 2026

Widerworte gegen die alltägliche Hetze

Die letzten Tage über wurden Männer pauschal für Dinge beschimpft und angefeindet, für die sie nicht das Geringste konnten. Allmählich ist es Zeit, sich wieder mit denjenigen Männern zu beschäftigen, von denen tatsächlich das Böse ausgeht.

Der Manosphäre.

Aktuell hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland die Politikwissenschaftlerin Sina Laubenstein interviewt, die, gefördert unter anderem vom Bundesjustizministerium und Auswärtigen Amt, digitale Gewalt und internationale Ausprägungen der Manosphäre erforscht: "Inhaltlich ist das Spektrum groß und reicht von frauenfeindlichen Dating-Tipps bis zu Fantasien über männliche Vorherrschaft." Wir Männerrechtler werden natürlich auch erwähnt. Der Artikel ist der übliche Sums, hundertfach durchgekaut, als ob es hierzulande nicht erlaubt wäre, etwas anderes zu diesem Thema zu schreiben. Erfrischendere Perspektiven, die nicht nach Brackwasser aus dem ideologischen Tunnel miefen, findet man nicht in den deutschen Medien, sondern im englischsprachigen Raum, etwa bei Sp!ked:

Zunächst einmal: Was bedeutete die Einführung der Red Pill für die Geschlechterbeziehungen? Ist die #MeToo-Bewegung zu weit gegangen? Wie sieht es mit dem "Wokeism" im Allgemeinen aus? Unbeabsichtigte Folgen lauern überall, von der Sexualethik bis zum Feminismus.

Und man muss nicht lange suchen, um sie zu finden. Die Widersprüche, die dem Dasein als moderner Mann innewohnen, lassen sich leicht in Dating-Apps finden, wo Frauen regelmäßig angeben, dass sie einen "echten Mann" suchen, der sowohl "emotional bewusst" als auch "durchsetzungsfähig" ist. (…) Die Tates dieser Welt haben sich dorthin gewagt, wo andere sich nicht hintrauen. Dass sie zu weit gegangen sind und in einem sexistischen Abgrund gelandet sind, sollte den Rest von uns nicht davon abhalten zu fragen, ob der langjährige Angriff auf die Männlichkeit eine gute Sache war.


Der Irish Independent beschäftigt sich kritisch mit Louis Theroux Film über die Manosphäre, wo deutsche Medien nur brav mitgeschrieben haben, als hätten sie gerade den Katechismus erhalten:

Der Ton war sofort vertraut, weil wir das alles schon einmal gehört haben. Wir haben es letztes Jahr gehört, nachdem das Netflix-Drama "Adolescence" eine ähnliche Welle nationaler Beunruhigung ausgelöst hatte – mit seinem düsteren Porträt von Teenagerjungen, die in Online-Kaninchenlöchern verschwinden.

Erinnern Sie sich an den Aufruhr? Wir saßen alle da und redeten darüber, als wäre es das wirkliche Leben, zerlegten jede Szene und machten uns Sorgen um "die Jungs", als hätte man uns eine Sozialdokumentation statt eines Drehbuchdramas vorgelegt.

Alle taten so, als würden wir eine nationale Krise aufdecken, obwohl es in Wahrheit nur Schauspieler waren, die Texte an einem Set aufsagten.

Doch die Debatte fühlte sich real an, weil wir darauf vorbereitet worden sind, Jungen als Problem wahrzunehmen. Diese Geschichte – so fiktiv sie auch war – fügte sich nahtlos in das Narrativ ein, das wir bereits verinnerlicht haben: Jungen sind gefährlich.

Was alles noch in Ordnung, ja sogar notwendig wäre – wäre da nicht die Tatsache, dass unsere Reaktionen genau den Punkt der Manosphäre bestätigen.

Denn die stärksten Momente in Theroux’ Film sind nicht die Influencer, die sich für die Kamera in Szene setzen. Es sind die jungen Männer, die ihnen zusehen.

Theroux trifft auf einige Anhänger von Justin Waller und fragt behutsam, was sie an dieser Welt anzieht. Ihre Antworten sind herzzerreißend.

Sie suchen nicht nach Frauenfeindlichkeit. Sie suchen Zugehörigkeit. Identität. Sinn. Bedürfnisse, die früher vielleicht in Familie, Schule oder Gemeinschaft erfüllt wurden, heute aber oft schwerer zu finden sind. Und genau hier beginnt die gesamte öffentliche Reaktion seltsam selbstzerstörerisch zu wirken.

Der Grund, warum Teenagerjungen überhaupt in diese Online-Welten abdriften, ist nicht – wie wir uns gern vorstellen –, dass sie eines Morgens aufgewacht sind und beschlossen haben, Frauenhasser zu werden. Es liegt daran, dass sich die reale Welt für sie zunehmend so anfühlt, als würde sie sie ablehnen.

Schon in der Schule wird ihnen auf tausend subtile und weniger subtile Arten vermittelt, dass Männlichkeit verdächtig ist; dass männliches Verhalten etwas ist, das kontrolliert werden muss; dass Jungen eine Problemgruppe darstellen.

Sie sind das Disziplinproblem im Klassenzimmer. Sie sind die Statistik in Kriminalitätsberichten. Sie sind die unbequeme Präsenz in Gesprächen über Geschlecht.

Kulturell werden sie irgendwo zwischen Risikofaktor und Pointe behandelt. Also gehen sie ins Internet. Und dort, im unübersichtlichen Geflecht aus YouTube, Podcasts und TikTok, finden sie Männer, die ihnen das Gegenteil sagen.

Du bist nicht das Problem. Die Welt ist es. Deine Lehrer, Journalisten und Politiker verstehen dich nicht. Deine Frustrationen sind berechtigt.

Man kann diese Influencer lächerlich finden – und viele sind es. Einige sind tatsächlich toxisch. Doch ihre Anziehungskraft ist nicht kompliziert: Sie geben Menschen Bestätigung, die sonst keine erfahren.

Und damit sind wir wieder bei der großen nationalen Reaktion, die jedes Mal folgt, wenn eine Dokumentation wie die von Theroux erscheint.

Denn was darauf folgt, ist keine Neugier, sondern Verurteilung. Noch mehr Erwachsene, die den Kopf über junge Männer schütteln, noch mehr Diskussionsrunden, die sie erklären, noch mehr Kommentatoren, die sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren. All das gießt nur Öl ins Feuer.

Das bedeutet nicht, dass Frauenfeindlichkeit eingebildet ist. Ist sie nicht. Einige Ecken des Internets sind tatsächlich hässliche Orte.

Doch es hat etwas seltsam Sinnloses, wenn eine nationale Debatte endlos über Jungen spricht, ohne jemals mit ihnen zu sprechen – als wären sie es nicht wert, überzeugt zu werden, gemocht zu werden oder auch nur verstanden zu werden.

Und wenn ich es leid bin, ständig zu hören, dass Jungen toxisch sind, dass sie ein Problem darstellen und dass alles, was sie tun, falsch ist – wie muss sich das erst für die Jungs selbst anfühlen?

Stellen Sie sich vor, Sie sind 16, scrollen durch Ihren Feed und hören die gesamte Erwachsenenwelt über Sie seufzen, den Kopf schütteln und Sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren.

Mit einer derartigen Dauerverurteilung kämen wir nie durch, wenn es um junge Frauen ginge. Warum ist sie also plötzlich akzeptabel, wenn es um Jungen geht?

Und dann tun wir überrascht, wenn einige von ihnen in die Ecken des Internets abwandern, in denen – so problematisch die Botschaft auch sein mag – ihnen wenigstens jemand sagt, dass sie nicht das Problem sind.


Deutsche Journalisten dürfen vielleicht nicht wagen, so zu denken und zu schreiben, weil ihnen das bewusst machen würde, dass sie ein viel größeres Problem sind als Andrew Tate & Co., weil sie diesen Leuten die jungen Männer mit riesigen Baggerschaufeln zuführen.

Deutlich ausführlicher wird die kanadische Kulturwissenschaftlerin in einem Professor Janice Fiamengo in einem aktuellen Beitrag, der eine Studie über die Manosphäre zerpflückt und damit erklärt, woran die gesamte Debatte leidet, egal mit wie viel Steuergeldern sie finanziert wird. Ich zitiere Professor Fiamengos Erläuterungen hier im Volltext.



Nichts ist für eine Gender-Studies-Akademikerin oder einen -Akademiker auf der Suche nach Relevanz wirkungsvoller als ein Bedrohungsnarrativ – und was wäre dringlicher als die dunklen Ecken des Internets, in denen Männer (und die Frauen, die sie lieben) angeblich Frauenfeindlichkeit und männlichen Suprematismus verbreiten?

Viele Wissenschaftler beanspruchen heute Expertise in diesem Bereich der Gender Studies, untersuchen die angeblich explosive Fragilität und gewalttätigen Ängste von "Manosphäre"-Männern und rufen alle zur Umkehr auf, die sich der feministischen Zukunft widersetzen. Viele dieser Akademiker sind Frauen, die gut davon leben, vor männlichem "Hass" zu warnen, doch es gibt auch zahlreiche männliche Feministen – Kreuzritter gegen die angebliche Toxizität anderer.

In "Mapping the Neo-Manosphäre(s): New Directions for Research" geben vier Männlichkeitsforscher einen Überblick über die jüngste Forschung zu digitalen Medien und gewalttätigem Extremismus. Vivian Gerrand, Debbie Ging, Joshua Roose und Michael Flood geben an, Hunderte Studien zur Manosphäre gelesen zu haben, die sie als "Online-Ökosystem anti-weiblicher Akteure" bezeichnen.

Ihnen zufolge quillt die Manosphäre über vor Ressentimentpflege, Geschäftemacherei und Fantasien über Frauenvernichtung. Nichts darin sei gut, aufrichtig oder wohlmeinend. Verschiedene Untergattungen von Online-Inhalten – darunter Fitnessratschläge, Stoizismus und der "Tradwife"-Lebensstil – werden als Auswüchse eines frauenfeindlichen Extremismus dargestellt, vor dem Millionen Männer und Jungen gerettet werden müssten, nötigenfalls mit Zwang.

Die Forscher unterscheiden nicht zwischen Manosphäre-Inhalten im Allgemeinen und dem, was sie als männlichen Suprematismus bezeichnen – oder überhaupt zwischen diesen Begriffen und einer Vielzahl weiterer, allesamt abwertend gemeint. Schon ihr einleitender Absatz liefert ein regelrechtes Feuerwerk an Schlagworten, das jede Abweichung von marxistisch-feministischer Orthodoxie mit frauenfeindlicher Gewalt verknüpft.

Die Manosphäre, so heißt es, sei "verbunden durch den Glauben, dass die Mehrheitsgesellschaft eine männerfeindliche Verschwörung darstellt, die Männer benachteiligt". Manosphäre-Gruppen "rahmen die gegenwärtige Geschlechterpolitik als einen ‚Krieg gegen Männer‘". Diese Gruppen würden zudem "häufig frauenfeindlichen Missbrauch betreiben und Gewalt gegen Frauen anstiften" und so ein "Online-Umfeld eskalierender Schäden" schaffen.

Keine dieser Aussagen wird jemals mit Belegen untermauert – doch vermutlich ist es zu viel verlangt, Belege zu erwarten: Die direkte Gleichsetzung von männerfreundlicher Interessenvertretung mit mörderischer Frauenfeindlichkeit ist kein Gegenstand akademischer Debatten mehr, sofern sie es je war. Sie gilt als Axiom.

In einem einzigen Absatz bewegt man sich so von nicht-feministischen Positionen zu "männerfeindlichen Verschwörungen" und vom Glauben an einen "Krieg gegen Männer" zu "Anstiftung von Gewalt" und "eskalierenden Schäden". Wer sich auch nur oberflächlich mit antifeministischen Inhalten auskennt, wird diese begrifflichen Taschenspielertricks erkennen. Sind diese Akademiker wirklich mit ihrem Gegenstand vertraut? Wahrscheinlicher ist, dass sie eine Abkürzung zu einer politisch genehmen Position genommen haben.

Was ist mit der Vielzahl antifeministischer und männerfreundlicher Content-Produzenten – Rick Bradford (The Illustrated Empathy Gap), Tom Golden (Men Are Good), Alison Tieman und Kollegen (Honey Badger Radio), Bettina Arndt, Hannah Spier (Psychobabble), um nur einige zu nennen –, die keineswegs zu "Gewalt gegen Frauen anstiften"? Im Gegenteil, sie verfolgen eine Vision gegenseitiger Kooperation und Verantwortlichkeit zwischen den Geschlechtern, indem sie weibliche Privilegien und Paranoia zurückweisen. Ist das Manosphäre-Inhalt oder nicht?

Viele Vertreter von Männerrechtspositionen – Forscher wie Stephen Baskerville, Paul Nathanson, James Nuzzo, David Shackleton, Gerard Casey, Helen Smith und Grant Brown – dokumentieren schlicht männliche Benachteiligung anhand von Belegen. Sie behaupten keine Verschwörungen und schüren keine Ressentiments.

Und was den "Krieg gegen Männer" betrifft: Haben unsere Forscher jemals die umfangreichen feministischen Schriften gelesen, die den Tod von Männern feiern und offen eine Welt ohne sie propagieren? Wenn feministische Führungspersonen – viele davon Hochschulprofessorinnen – nicht nur toleriert, sondern gefeiert werden, wenn sie ihren Männerhass kundtun und eine "Dekontaminierung der Erde" fordern, was sollen vernünftige Menschen dann über männerfeindliche Einstellungen denken?

Dass es hier nicht um nüchterne Untersuchung geht, zeigt bereits die folgende groteske Behauptung über die angeblichen Ursprünge der Manosphäre:

"Die frühe Manosphäre war ein Konglomerat von Gemeinschaften, darunter Männerrechtsaktivisten, unfreiwillig Zölibatäre (Incels), Dating-Coaches, sogenannte Pick-Up-Artists, männliche Separatisten und christliche Konservative."

Tatsächlich gab es auch zahlreiche antifeministische Frauen (Karen Straughan, Judgy Bitch, Shoe On Head, Diana Davison und Hannah Wallen), die von der Härte und Unaufrichtigkeit des feministischen Projekts schockiert waren – auch wenn die Beteiligung von Frauen für die Forscher offenbar keine Rolle spielt. Der Punkt ist: Diese angeblichen "Gemeinschaften", die sich laut Darstellung am Beginn der Manosphäre "zusammenfanden", hatten nichts gemeinsam – weder in ihrem Weltbild noch in ihren konkreten Zielen. Es ist absurd zu behaupten, sie seien durch Frauenfeindlichkeit geeint gewesen.

Christliche Konservative raten Männern zur Enthaltsamkeit vor der Ehe und zur Ehe als Sakrament. Dating-Coaches raten zur aktiven Suche nach sexuellen Beziehungen. Incels raten zur Verzweiflung über deren Ausbleiben. MGTOW-Anhänger raten zum Verzicht auf Ehe und oft auch auf jede frauenzentrierte Bindung.

Ihre Ideologien – sofern man sie überhaupt so nennen kann – könnten unterschiedlicher kaum sein. Ihre Einstellungen zu Frauen reichen von idealisierender Verehrung und freundlichem Interesse über vorsichtige Gleichgültigkeit bis hin zu offener Ablehnung. Einige wenige in der Manosphäre hegen tatsächlich Hass auf Frauen – jedoch bei weitem nicht mit der Eindimensionalität, die sich in vielen etablierten feministischen Texten findet, die diese Akademiker nicht kritisieren.

"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" enthält zahlreiche weitere unpräzise Behauptungen in erstaunlich banaler Sprache. Den Autoren gelingt es häufig nicht, einen klaren Sinn zu vermitteln – was den Verdacht nahelegt, dass es ihnen darauf gar nicht ankam.

So erklären sie etwa: "Die Identifikation der Manosphäre als Geschäftsmodell ist eine wichtige neue Entwicklung in der Forschung, die zeigt, wie viele Facetten der Neo-Manosphäre bestehende Verwundbarkeiten ausnutzen und sie in einem Zyklus ontologischer Erpressung monetarisieren, bestehend aus der Vermehrung von Bedrohungen, die ein Krisengefühl verstärken, und dem abwechselnden Versprechen von Lösungen."

Nachdem man sich durch dieses schwerfällige Akademikerdeutsch gearbeitet hat, soll der Leser offenbar zu dem Schluss kommen, dass es verwerflich sei, ein Problem zu benennen und Lösungen anzubieten, für die Menschen freiwillig bezahlen.

Wie soll das ein "Betrug" sein? Man könnte ebenso gut – und mit mehr Berechtigung – viele Gender-Studies-Forscher als Geschäftemacher bezeichnen, die mit erheblichen Steuergeldern und deutlich geringerer faktischer Grundlage eine angebliche Krise - weibliche Opfer und männliche Brutalität – dramatisieren, die andere dann akzeptieren oder zumindest finanzieren müssen.

Content-Produzenten, die ihre Arbeit monetarisieren, stehen im Zentrum der Kritik dieser Studie und werden wiederholt als ausbeuterische Geschäftemacher dargestellt, als "digitale Evangelisten", die Gutgläubige ausnutzen.

Dass niemand gezwungen ist, ihnen Geld zu zahlen, scheint den Ärger der Forscher eher noch zu steigern. Einige der angeblichen Scharlatane werden namentlich genannt: Ryan Holiday, Jordan Peterson, Lex Fridman, David Goggins und Jocko Willink werden wegen ihrer "vereinfachenden, extremen und polarisierenden Inhalte" verurteilt. Ebenfalls im Visier stehen Myron Gaines und Walter Weekes, die Tate-Brüder, Sneako, Pearl Davies, Estee Williams, Hannah Neeleman und Nara Smith.

Andere werden pauschal kritisiert. "Tradwives" etwa, weil sie "hierarchische und essentialistische Geschlechterbilder aufrechterhalten". Schwarze "Pick-Me"-Frauen, weil sie andere Frauen dazu ermutigten, "Zuflucht im Dienen für ihre Ehemänner zu finden". Schwarze Männer werden kritisiert, wenn sie die traditionelle Familie vertreten und als "homophob und transfeindlich" gelten. Muslimische Content-Produzenten würden angeblich "Stereotype eines patriarchalen, stoischen und intoleranten Islams bedienen".

Selbst relativ unpolitische Inhalte zu Gesundheit, Fitness, Gewichtsreduktion, Krafttraining, Selbsthilfe, Stoizismus oder Vermögensaufbau werden negativ bewertet und mit "Antifeminismus/Frauenfeindlichkeit" verknüpft, weil sie Eigenverantwortung und Individualismus betonen.

Hier tritt der autoritäre Elitismus der Autoren besonders deutlich zutage. Sie kritisieren Content-Produzenten für ideologische "Fehler", etwa dafür, "den Mythos zu verbreiten, jeder könne durch harte Arbeit reich werden", oder Jungen dazu zu ermutigen, Medikamente abzusetzen und stattdessen auf Ernährung und Fitness zu setzen. Männer aller Herkunft werden dafür gerügt, "individuelle Lösungen" für Lebensprobleme zu wählen. Manche vertreten sogar die "ketzerische" Idee, dass die Pflege von Körper und Geist eine sinnvolle Strategie im Umgang mit Krisen sei.

Für Leser, die darin kein Problem erkennen, greifen die Forscher auf die sogenannte "Einstiegsthese" zurück: Wer sich ein paar Videos über positives Denken oder Finanzmanagement ansieht, könnte am Ende fragwürdige politische Einstellungen entwickeln oder traditionelle Rollenbilder bevorzugen.

"Die Hinwendung zu Gesundheit, Wellness und stoischen Konzepten ist eine bedeutende neue Entwicklung der Neo-Manosphäre und erfordert vertiefte wissenschaftliche Untersuchung." Selbst wenn sie nicht selbst suprematistisch sei, stehe sie diesem Gedankengut zumindest nahe.

Auch Psychotherapeuten geraten in die Kritik, wenn sie Behandlungsansätze für Jungen bevorzugen, die "strukturelle Machtanalysen vermeiden" und biologische Geschlechtsunterschiede anerkennen. Mit anderen Worten: Es gibt Therapeuten, die sich weigern, Männlichkeit als schädliches Konstrukt zu betrachten.

Letztlich verrät der Drang der Autoren, Männer und Frauen für ihre individuellen Interessen zu verurteilen, eine tiefe Frustration.

Die einfache Wahrheit ist: Für Gender-Studies-Experten ist es schwer zu ertragen, dass Millionen Menschen mehr Interesse an den Angeboten "unqualifizierter, aber einflussreicher Unternehmer" der Manosphäre haben als an ihren eigenen. Diese Frustration ist in jeder Zeile spürbar.

Die meisten akademischen Online-Vorträge werden nur von wenigen Dutzend oder Hundert Menschen angesehen und stoßen häufig auf verhaltene oder negative Reaktionen. Viele Fachpublikationen werden nahezu ausschließlich von Nachwuchswissenschaftlern gelesen, die selbst Zitationen sammeln müssen. Akademiker wie die Autoren dieser Studie erhalten ein sicheres Gehalt dafür, gegen männlichen Suprematismus zu polemisieren – doch kaum jemand entscheidet sich freiwillig, ihre Texte zu lesen.

Nach Tausenden von Worten, in denen rechte Gruppen, christliche Konservative, Incels, Fitnesstrainer, MGTOW-Anhänger, Gesundheitsbefürworter, Liebhaber traditioneller Rollenbilder und viele andere verurteilt werden, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass diese "Abweichler" eingebunden werden müssten, um sie aus ihrem Extremismus zu führen: "Das Ausmaß des Problems erfordert dringende Bildungsmaßnahmen in Geschlechtergleichheit und kritischer Medienkompetenz."

Der Widerstand von Männern gegen feministische Indoktrination könne – so die implizite Annahme – durch noch mehr Indoktrination überwunden werden, gestützt auf ein "tieferes Verständnis ihrer Motive".

Wie man mit Menschen in Dialog treten soll, für die man offenkundige Verachtung empfindet, bleibt unbeantwortet. Ebenso wenig wird erwogen, ob ein solches "Verständnis" auch Empathie oder die Anerkennung berechtigter Anliegen umfassen könnte.

Auf den Ruf nach "Bildungsmaßnahmen" folgt erwartungsgemäß die Forderung nach Regulierung: "Die Kontrolle von Online-Plattformen muss stärker in den Vordergrund rücken." Wenn man mit Argumenten nicht überzeugt, soll der Staat eingreifen.

Trotz ihrer Positionen, Gehälter und ihres Zugangs zu Studierenden scheinen viele Gender-Studies-Akademiker zu wissen, dass sie die Manosphäre nur schwer inhaltlich widerlegen können. Angesichts ihrer mangelnden Bereitschaft, andere Perspektiven nachzuvollziehen, dürfte die Unterstützung für Zensur bestehen bleiben.

"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" legt nahe, dass Gender-Studies-Akademiker zunächst ihre eigenen Ängste und Feindbilder hinterfragen sollten, bevor sie sich anderen zuwenden.




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Mittwoch, März 25, 2026

"Eine Frau, die ein Kind ersticht, ist sehr ungewöhnlich"

1. "Eine Frau, die ein Kind ersticht, ist sehr ungewöhnlich" titelt der STERN. Klar, bei Männern kommt das ja alle naselang vor, aber – eine Frau? Die Psychiaterin Sigrun Roßmanith erklärt im Interview inwiefern Frauen "anders töten":

STERN: Was sagt ein Messer als Tatwaffe aus?

Sigrun Roßmanith: Hinter einer Tötung mit dem Messer stecken sehr viel Wut, Spannung und Hass. Womöglich die Folge einer Kränkung, die den Selbstwert grundlegend erschüttert hat.

STERN: Wie eine Trennung?

Sigrun Roßmanith: Wenn Frauen nach einer Trennung töten, stellt sich die Frage, wie sehr die Trennung sie in ihren Grundfesten erschüttert hat. Wenn die Trennung nicht nur als Verlust, sondern als massive Kränkung und Entwertung erlebt wird, kann sich daraus eine zerstörerische Dynamik entwickeln. Derjenige, der einen verlassen hat, erscheint dann nicht mehr nur als der Mensch, den man mal geliebt hat, sondern als jemand, der alles zerstört und einen selbst zutiefst verletzt und erniedrigt hat.

STERN: Was passiert dann?

Sigrun Roßmanith: In solchen Fällen kann sich Ohnmacht zu ohnmächtiger Wut gegen den Ex-Partner wandeln. Es kann aber symbolisch auch zu einer Verschiebung kommen, auf jemanden, der dem Ex-Partner sehr wichtig und zudem auch wehrlos ist, zum Beispiel auf ein Kind. Es wird dann etwas zerstört, was den Ex-Partner mitten ins Herz trifft, in Analogie zu dem, wie man selbst von ihm verletzt wurde.

STERN: Inwieweit unterscheidet sich diese Motivlage von der Kränkung eines Mannes, der einen sogenannten Femizid begeht und seine Frau nach einer Trennung tötet?

Sigrun Roßmanith: Der Unterschied liegt vermutlich nur darin, dass ein Mann die gefühlte Verursacherin seiner Kränkung und Demütigung beseitigt, während die Frau einen symbolischen Ersatz wählt, dem sie auch körperlich überlegen ist.

STERN: In Ihrem Buch schreiben Sie, Gewalttaten durch Frauen seien ein Tabu. Wie meinen Sie das?

Sigrun Roßmanith: Gewalttaten von Frauen wecken viel mehr Entsetzen als die von Männern. Es heißt dann: Frauen tun doch so was nicht, sie sind zu körperlicher Gewalt gar nicht fähig! Das Tabu wird auch durch ein Stereotyp aufrechterhalten, von der Vorstellung der Frau als gute Mutter, als idealisierte Beschützerin. Wenn eine Frau, und dann auch noch eine Mutter, jemanden tötet, dann kann man das gar nicht fassen, sondern man fühlt sich bedroht.

STERN: Wieso?

Sigrun Roßmanith: Mit der Mutter wird verbunden, dass sie einem das Leben geschenkt hat, dass sie einen schützt und umsorgt. Ich arbeite auch in einer Notaufnahme. Dort rufen erwachsene Menschen, schwer verletzt und in größter Not, nach ihrer Mutter. Das ist ganz tief verankert. Wenn schon die Mutter einen vernichtet, wo ist man dann sicher? Das macht den Menschen Angst.


Aufhänger des Interviews ist der Fall einer Frau aus Rostock, die den zehnjährigen Fabian umgebracht haben soll. Keine Massendemos, kein großer Aufschrei in den Medien, keine 15 Minuten in den "Tagesthemen", keine Forderungen nach Distanzierung an andere Frauen. Dabei könnte ein männliches Gegenstück zu Margarete Stokowski jetzt leicht ihre feministische Rhetorik von gestern spiegeln:

Es gibt verschiedene mögliche Gründe, wenn Frauen zu solchen und ähnlichen Gewaltvorwürfen schweigen. Erstens: Es ist ihnen egal. Zweitens: Es ist ihnen nicht egal, aber sie sind nicht überrascht. Drittens: Sie finden es gut. Viertens: Sie finden es schlimm, wissen aber nicht, was sie sagen sollen.


Es ist halt schwer zu sagen, woran es liegt. Das ist das Problem mit den Frauen.



2. Bei der taz wirkt man unglücklich darüber, dass Christian Ulmen von einem Anwalt vertreten wird – und dann noch von einem, der seine Fälle ständig gewinnt:

Oder bin ich zu doof? Hätte ich mal lieber Jura studieren sollen, um da mitreden zu können?


*nichtdaraufantwortennichtdaraufantwortennichtdaraufantworten*

Und um vor allem zu verstehen, wie es sein kann, dass ständig prominente Männer, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden und die sich Schertz und seiner Kanzlei anvertrauen, unbeschadet davonkommen, während die Frauen am Ende als unglaubwürdig gelten und ihre Reputation dahin ist?


Ja, wie kann es sein, dass Männer "unbeschadet davonkommen" bis auf den ruinierten Ruf und die andauernden Übergriffe von irren Ideologen, obwohl Leitmedien sie schon verurteilt haben? Wie könnte man sich das logisch erklären?

Aber klar, Ulmen ist ein Mann. Also eilt ein anderer Mann ihm zu Hilfe, um das Gegenüber mundtot machen. So machen das Bros. Weil sie es können. Es heißt, die Scham müsse die Seite wechseln. Es wäre schön, wenn sie auch in den Anwaltskanzleien ankäme.


Auch dafür, wie Männer gefälligst darauf reagieren sollten, dass ihr gesamtes Geschlecht dämonisiert wird, hat die taz einen klaren Befehl: "Seid leise, Männer!"

Dieses Krakeele wirkt harmlos-schrullig, weil es sich bei der "taz" um eine Zeitung handelt, die abgewirtschaftet hat und nicht über die Macht verfügt, anderen Menschen einen Maulkorb anzulegen. Aber man ahnt nach solchen Artikeln, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn der Feminismus hier die alleinige Durchsetzungshoheit hätte, so wie es sich manche Redakteurinnen erträumen: Wenn du ein Mann bist, hast du brav die Klappe zu halten, und ein Recht auf eine angemessene Verteidigung hast du schon gar nicht.

Wenigstens sind so manche Kommentare unter diesen Auslassungen deutlich: "Müsste ich mich jetzt als Mann für Christian Ulmen schämen? Bedeutet das auch, dass ab sofort alle lesbischen Frauen sich für Alice Weidel schämen und verantwortlich zeigen müssen? Hoffentlich nicht."



3. Die Vogue hat Fragen:

Wie können wir mit Männern leben? Können wir überhaupt mit Männern leben? Sollten wir das? Wollen wir? Wie schaut man sich all diese Taten an – Taten, die kleine Männer ganz groß machen, ihnen abscheuliche Macht über das weibliche Geschlecht verleihen, vermeintlich – und kehrt zurück in die eigene Wohnung, in der ein Mann lebt, zu seinem Ehemann, zu seinem Freund, zu den "Guten", die man kennt, ohne eine grundlegende Abneigung gegen das männliche Geschlecht zu entwickeln? Wie lässt sich das anhaltende Schweigen vieler Männer zu diesen Fällen aushalten? Wie schüttelt man die eigene Angst ab, nimmt sie aber gleichzeitig ernst? Müssen wirklich wir etwas dafür tun, oder sind nicht längst die Männer dran? Und warum werden Frauen, die all das laut aussprechen, noch immer als "Männerhasserinnen" abgetan?


Darunter findet sich ein Interview mit der Feministin Manon Garcia, das auch nichts besser macht. Es beginnt mit "Ich kannte die Kosten des Zusammenlebens mit Männern", und steigert sich dann immer weiter hinein. Wobei ihr allerdings auch Fragen als Steilvorlage gestellt werden: "Wie kann Feminismus die Realität männlicher Gewalt ernst nehmen, ohne in pauschale Männerfeindlichkeit umzuschlagen?" Indem man einen realistischen Blick auf die Verhältnisse entwickelt und die Gewalt von Frauen nicht komplett ausblendet, vielleicht?

Inzwischen schalte ich hier auf Genderama zu der Analyse einer KI wie ein Talkshow-Host zu seinem Auslandskorrespondenten oder Experten. ("Wir begrüßen hier Elmar Theveßen …") Hier ist die gekürzte Analyse des Vogue-Interviews:

Garcia schildert die Mitangeklagten [im Pelicot-Prozess] als "gewöhnliche Männer – Väter, Ehemänner, Arbeiter, Nachbarn. Sie haben nichts gemeinsam außer ihrem Geschlecht." Tatsächlich haben sie sehr viel gemeinsam außer ihrem Geschlecht. Sie teilten eine spezifische Subkultur (die des organisierten sexuellen Missbrauchs), sie teilten die Bereitschaft zu einer spezifischen Tat, sie teilten eine Kommunikationsstruktur, die diese Tat ermöglichte.

Indem Garcia alles auf "ihr Geschlecht" reduziert, verfehlt sie all das. Es ist, als würde man bei einer Terrorzelle sagen: "Sie hatten nichts gemeinsam außer ihrer Religion" – und damit die radikale Ideologie, die Rekrutierungsmethoden, die sozialen Netzwerke ausblenden. Diese Reduktion dient nicht der Erklärung, sondern der Bestätigung einer vorgefassten These: Das Geschlecht ist die Ursache.

Manons These vom "Kontinuum zwischen sexistischen Witzen [...] und dem, was in Mazan geschehen ist" ist das gefährlichste Element des Interviews. Diese Logik ist totalitär in ihrer Konsequenz: Wenn alles auf einer Skala steht, dann ist nichts harmlos, alles ist potenziell das Schlimmste. Der sexistische Witz wird zur Vorstufe der Vergewaltigung, der Mann, der lacht, zum potenziellen Täter. Das eliminiert nicht nur die Unschuldsvermutung, sondern auch die Möglichkeit von Differenzierung.

Garcia zitiert Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln." Das klingt im ersten Moment nach Gerechtigkeit, ist aber eine Machttechnik. Die Scham ist ein soziales Instrument der Regulation – und Garcia will sie von den Opfern auf die Männer verlagern. Aber Scham lässt sich nicht kollektiv zuweisen; sie ist immer individuell. Indem Garcia fordert, dass "Männer" sich schämen sollen, verlangt sie eine kollektive Emotion, die strukturell identisch ist mit der kollektiven Schuld, die Antisemiten den Juden zuschrieben oder Rassisten den Migranten.

Garcia behauptet, sie lehne die Falle zwischen "blindem Vertrauen und pauschaler Feindseligkeit" ab, und plädiert für eine "klare, strukturelle Analyse". Aber genau das liefert sie nicht. Eine strukturelle Analyse würde fragen: Welche sozialen Mechanismen ermöglichten den Fall Pelicot? Welche Kommunikationsinfrastrukturen? Welche rechtlichen Lücken? Welche Formen der sozialen Desintegration führen dazu, dass Männer (und es sind nicht alle, sondern eine spezifische Minderheit) solche Taten begehen? Stattdessen bietet Garcia ein einfaches Feindbild: Männer sind so. Sie "tolerieren" Verhaltensweisen. Sie haben einen "Impuls, Frauen zu zerstören".

Garcias Rhetorik ist geprägt von einer totalisierenden Weltdeutung, die Individuen zu Trägern von Gruppenschuld macht, Scham als politisches Instrument einsetzt und komplexe soziale Phänomene auf biologische Essenzen reduziert. Das Problem heißt Männer, und die Lösung besteht darin, dass Männer dies einsehen. Das Interview zeigt, wie eine emanzipatorische Bewegung in ihre autoritäre Kehrseite umschlägt, ohne es zu merken – oder ohne es zugeben zu wollen.




4. Auch der SPIEGEL fragt – ernsthaft -, ob man "mit Männern noch befreundet sein" könne. Die Autorin des Artikels ist dafür, da haben wir noch mal Glück gehabt, aber die Zahl der Männerhasserinnen nimmt offenbar zu:

"Deswegen habe ich (fast) keine männlichen Freunde", bekennt die NDR-Moderatorin Tessniem Kadiri auf ihrem Instagram-Profil. Die Beiträge anderer Frauen reichen von Frisurentipps, um "nervige Männer" abzuhalten bis hin zur erschöpften Feststellung: "Ein Mann ist am Ende immer ein Mann." Man solle sich als Frau auf gute Beziehungen zu Freundinnen konzentrieren, statt auf heterosexuelle Liebe. Der dazu passende Hashtag aller Enttäuschten, Wütenden und Männermisstrauenden: #Wearenotangryenough. Wir sind nicht wütend genug.


Das alles ist ja noch schön und gut in der SPIEGEL-Welt.

Problematisch aber wird es, wenn Heteropessimismus in Männerhass abgleitet – was Gegenreaktionen auslöst, die Extremisten und Populisten ausnutzen. So geschehen am Wochenende, als rechte Portale das wütende Instagram-Video einer Frau teilten, die verlangt hatte, man möge Täter wie Christian Ulmen auf Marktplätzen aufhängen und öffentlich kastrieren.


Man stelle sich vor, ein radikal rechter Infleuncer würde nach einem Delikt, dessen ein Zuwanderer bezichtigt wird, fordern, man sollte solche Leute auf Marktplätzen auf Marktplätzen aufhängen und öffentlich kastrieren – woraufhin eine führende Zeitschrift mit dem Argument warnt, so was würde von linken Portalen geteilt …

Der nächste Absatz, der vor "Polarisierung und Dämonisierung" warnt, ist schon gelungener: "Pauschales Hetzen gegen Männer im Netz und anderswo wird auch nicht dadurch besser, dass es sich bei den Diskriminierten nicht um eine Minderheit handelt." Aber wenig später heißt es: "Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Heteropessimismus unangebracht ist: Viele Männer geben sich Mühe. Viele Männer sind längst Feministen – auch wenn sie sich vielleicht nicht so nennen." Es ist keine nötige Vorbedingung, zu eurer Idelogie übertreten zu müssen, um sich Schutz vor Hetze und Gewaltaufrufen zu verdienen.

Und zuletzt natürlich: "Das Patriarchat ist der Feind." Ein klares Feindbild – so wichtig. Ob es nur in der Phantasie der Ideologen existiert oder nicht. Muss man schon froh sein, dass wenigstens nicht vom "großen Bevölkerungsaustausch" geraunt wird, den "Globalisten" oder dem "Kalifat Deutschland" , sondern nur dem "Patriarchat"?



5. Ebenfalls im SPIEGEL schließt man sich den Attacken der taz auf Frauenministerin Prien statt, die feministischen Gruppen die Gelder kürzt:

Aktuell entsteht der Eindruck, dass die CDU-dominierte Regierung auf demselben "antiwoken" Kurs ist, der in rechten Parteien weltweit Standard ist. Ob die Union das aus eigener antifeministischer Überzeugung tut oder nur versucht, Wähler*innen vom rechten Rand zurückzuholen, ist fast schon egal. Bei so einer Politik kann man sich eh nur noch mit der Hand an die Stirn klatschen, da längst klar sein sollte, wem es nutzt: Immer wieder zeigen Analysen, dass eine antifeministische bis rechte Politik dazu führt, das Original zu stärken: die AfD.


Und du meinst wirklich, dass Leute nicht auch deshalb die AfD wählen, weil sie es satt haben, dass Steuergelder der Allgemeinheit kontinuierlich nur in ein bestimmtes politisches Spektrum fließen?



6. Wir kommen zu Meldungen aus dem Ausland, heute dem britischen Kent:

Eine Frau, die ihren Freund während eines Streits ein Küchenmesser in die Brust gestoßen hatte, ist nur knapp einer Gefängnisstrafe entgangen. Die 32-jährige Roxanne Sweeney stach mit solcher Wucht auf Louis Barnes ein, dass Chirurgen ihm in einer Notoperation die Milz entfernen mussten. Während er auf einer Straße in Folkestone lag, nach Luft rang und um sein Leben fürchtete, versuchte Sweeney, die Polizei davon zu überzeugen, er habe sich die Verletzungen selbst zugefügt.


Ich bin überrascht, dass das nicht funktioniert hat. Männern ist derzeit ja alles Erdenkliche zuzutrauen.



7. Das ist alles sehr grimdark heute. Deshalb zum Abschluss eine erfreuliche Meldung, auf die mich ein Leser schon vor ein paar Tagen aufmerksam machte, bevor die Fernandes-Ulmen-Lawine erst mal alles unter sich begrub:

"Gleichheit ist ein verfassungsmäßiges Recht. Sie darf nicht im Namen falscher Toleranz ausgehöhlt werden. Außerdem ist es wichtig, daran zu erinnern, dass das Recht auf Gleichheit auch für Männer gilt", sagt die finnische Politikerin Tuulia Alanko.

Am 19. März feiert Finnland den Tag der Gleichberechtigung.

"Wir müssen die gleichen Rechte von Mädchen und Frauen verteidigen, zu lernen, zu arbeiten und ihr Potenzial zu entfalten. Wir müssen das Recht jeder Frau verteidigen, sich mit unverhülltem Gesicht im öffentlichen Raum zu bewegen. Wir müssen das Recht jeder Frau verteidigen, sich ohne männliche Begleitung frei zu bewegen. Wir müssen das Recht von Frauen verteidigen, ihren Partner selbst zu wählen. Wir müssen das Recht von Frauen auf körperliche Unversehrtheit schützen. Darüber hinaus gilt Gleichberechtigung auch für Männer.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein grundlegendes Prinzip in Finnland, das über Generationen hinweg gewachsen ist. Obwohl verschiedene politische Akteure bei jeder Gelegenheit mit männerfeindlichen Positionen liebäugeln, war diese Entwicklung gerade deshalb möglich, weil finnische Männer an dieser Arbeit beteiligt waren. Sie haben die Auffassung vertreten, dass Frauen sichtbar sein sollten, wählen dürfen, sich politisch engagieren, ihr Potenzial verwirklichen und nach Höherem streben können. Väter ermutigen ihre Töchter; Ehemänner fördern die Karrieren ihrer Frauen. Zwar kommt es auch in der finnischen Gesellschaft zu Übergriffen, doch werden diese im Allgemeinen nicht akzeptiert. Ein Blick auf die Haftbedingungen zeigt beispielsweise, welchen Stellenwert man jenen beimisst, die die körperliche Unversehrtheit von Frauen missachten.

(…) Die Partei der Finnen hat stets eine konsequente Haltung gegen jede Form von Unterdrückung und gegen Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit vertreten. Sie geht auch mit gutem Beispiel voran: Derzeit ist die Mehrheit unserer Schlüsselminister Frauen. Sollte das irgendwann nicht mehr der Fall sein, ist das kein Zeichen mangelnder Gleichberechtigung. Kompetenz steht an erster Stelle. Gleichberechtigung gilt auch für Männer; Männer dürfen bei wichtigen Positionen nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

Auch in Bezug auf die Gleichstellung von Männern bleibt viel zu tun. Ein großer Teil der sozial Ausgegrenzten sind junge Männer; Männer sind häufiger Opfer von Gewalt und in Gefängnissen überrepräsentiert. Gewalt gegen Männer wird noch immer verharmlost. Kürzlich hörte ich von einer Organisation, die Männern hilft, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Das Thema ist nach wie vor mit großer Scham behaftet – und das ist beschämend für uns alle. Die Unversehrtheit eines Mannes ist ein ebenso wichtiger Wert wie die einer Frau.

Beide Geschlechter haben einen unverzichtbaren Platz in dieser Gesellschaft. Statt Konfrontation könnten wir stolz aufeinander sein und aufhören, künstliche Gräben zwischen uns zu ziehen.

Einen schönen Tag der Gleichberechtigung."




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Dienstag, März 24, 2026

Fernandes-Demo: Böhmermann wird Zwinkersmiley, Lobo Mansplaining vorgeworfen

1. Das Magazin Rolling Stone berichtet vom typischen Fehlverhalten zweier Macker im Zusammenhang mit sexueller Gewalt:

Im Umfeld der von Collien Fernandes laut "Spiegel" erhobenen Vorwürfe gegenüber ihrem Ex-Mann Christian Ulmen und ihres Aufrufs zu einer Demonstration gegen digitale Gewalt am 22. März in Berlin hat sich in den sozialen Netzwerken eine Debatte entwickelt. Dabei gerieten unter anderem Kommentare von Jan Böhmermann und Sascha Lobo in den Fokus der Kritik.

Unter einem Instagram-Beitrag von Fernandes reagierte Jan Böhmermann mit drei Emojis: einem Herz, einer Faust und einem Zwinkersmiley. Während der Beitrag zunächst als Ausdruck von Unterstützung verstanden werden konnte, kritisierten einzelne Nutzerinnen den Einsatz des Zwinkersmileys als unpassend. In den Kommentaren wurde angemerkt, dass ein solcher Ton nicht zur Schwere der Thematik passe. Andere Stimmen interpretierten die Reaktion hingegen als solidarisch gemeint. Eine Nutzerin kommentiert: "vielleicht war’s ein Versehen, aber zwinker-smiley passt leider so gar nicht".

Auch Sascha Lobo sieht sich mit kritischen Reaktionen konfrontiert. Er hatte Fernandes Unterstützung angeboten und auf seine Expertise im Bereich Deepfakes und Social Media verwiesen. Eine Nutzerin kommentiert dazu: "Uhhh, Mansplaining at its best! Oder einfach nur Eigen-PR? An dieser Stelle ziemlich unangenehm." Eine weitere Reaktion fällt noch schärfer aus: "es ist halt soooo schwer, das eigene Gehirn zu benutzen, wenn man einen Penis hat…"




2. Über die Solidarisierung von Prominenten mit Fernandes berichtet die Stuttgarter Zeitung unter der Schlagzeile "Schäme mich, Mann zu sein". Das finde ich nachvollziehbar. Wegen Typen wie Böhmermann und Lobo schäme ich mich seit Jahren dafür.



3. Margartete Stokowski lebt noch und erklärt im SPIEGEL Männern, wie man sich dem Feminismus ordnungsgemäß unterwirft. Aber beginnen wir am Anfang.

Es gibt verschiedene mögliche Gründe, wenn Männer zu solchen und ähnlichen Gewaltvorwürfen schweigen. Erstens: Es ist ihnen egal. Zweitens: Es ist ihnen nicht egal, aber sie sind nicht überrascht. Drittens: Sie finden es gut. Viertens: Sie finden es schlimm, wissen aber nicht, was sie sagen sollen.


"Wir warten ab, bis geklärt ist, ob die Vorwürfe überhaupt zutreffen", kommt auf Stokowskis Liste nicht vor. Das ist bezeichnend.

Selbst wenn die vierte Gruppe die Mehrheit ausmachen sollte, ist das Schweigen der Männer ein Problem, denn man weiß als Frau nicht, wie viele Männer denken: "Wie grausam, was kann man dagegen tun?" – und wie viele: "Geil, so was wird hier kaum strafrechtlich verfolgt? Das könnte ich mit meiner Ex auch tun!"


In Hamburg wurde dieses Wochenende ein Mann nach einer Messerstecherei schwer verletzt. Kundgebungen von Frauen gegen diese Gewalttat gab es keine. Das ist ein Problem, denn jetzt weiß man nicht, wie viele Frauen denken: "Geil, das könnte ich mit meinem Ex auch tun!"

Sicher gab es auch Männer, die sich äußerten und manche sagten dabei vernünftige Dinge. Andere kündigten ihr neues Buch an, was aber weniger wirkte wie gelebte Solidarität, sondern wie ein PR-Move im Windschatten des Entsetzens: Der Ullstein-Verlag und zwei männliche Autoren posteten im Zuge der Veröffentlichung des SPIEGEL-Berichts das Cover ihres Buchs, das im Herbst erscheinen soll: "Doch, alle Männer! Warum Frauen selbst von netten Typen frustriert sind." Eine seltsame Ironie, denn egal, was darin stehen wird: Frauen sind auch frustriert, wenn Männer eine Debatte über Gewalt dafür nutzen, sich selbst zu promoten. Es ist zumindest unter Feministinnen kein Geheimnis, dass Männer, die sich als besonders feministisch bezeichnen, oft besonders anstrengend sind und im schlimmsten Fall selbst mächtig Dreck am Stecken haben.


Meine Rede, Margarete! Genau darauf habe ich gestern hier hingewiesen. Du darfst nicht immer bei Genderama abschreiben, hörst du?

Wie sollen Männer sich verhalten, wenn sie Gewalt gegen Frauen bekämpfen wollen? Haben wir nicht ein Problem, wenn es eine "red flag" ist, sich als Mann selbst als Feminist zu bezeichnen? Was, wenn dieses Phänomen dazu führt, dass Männer sich nicht mehr, sondern weniger zu diesen Themen äußern?


Man kann auch Gewalt gegen Frauen bekämpfen, ohne sich als Feminist zu bezeichnen. Das mache ich seit Jahren in etlichen Ratgebern.

Männer müssen mit dem Risiko leben, dass Frauen erst mal skeptisch sind, wenn sie erklären, sie seien Feministen. Es ist aber keine so dramatische Gefahr, dass vielleicht mal eine Feministin mit den Augen rollt, während sie reden. TRY HARDER, überzeugt uns!

Vor allem aber müssen Männer damit leben, dass es keine To-do-Liste gibt, die sie abarbeiten können und wo statt einem "Bete drei Ave Maria und zwei Vaterunser" die Absolution erteilt wird mit einem "Geh auf drei Demos, spende an ein Frauenhaus, verprügel einen Vergewaltiger und arbeite die Leseliste durch, die dir eine Frau zusammenstellt".

Wie peinlich wäre es, wenn die Antwort auf die Frage, wie ein Mann Feminist sein kann, die wäre, dass er die Hausaufgaben erledigt, die Frauen ihm aufgeben?


Warum um alles in der Welt, sollte ich irgendwelche "Hausaufgabe erledigen", um von eurer komischen Glaubensgmeinschaft die "Absolution" zu erhalten? Für welche Sünden? Ach ja, natürlich. Für die Sünde, ein Mann zu sein.



4. Dass das tatsächlich eine Sünde ist, erklärt der STERN unter der Überschrift "Das Monster sind immer die anderen". Im Teaser heißt es: "Die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen verstören. Es ist an der Zeit, dass wir Männer aufhören, uns selbst zu belügen. Wir alle sind das Problem."

Weil wir einen Penis haben und deshalb unser Gehirn nur schwer benutzen können, schon klar. Sprich gern für dich selbst, Frederik Mittendorff, aber zieh keine Unschuldigen mit rein.

Mittendorff skizziert genauer, was er als das Problem betrachtet:

Der Mann, der den nackten Körper von Collien Fernandes durch das Internet schickt, das sind nicht wir.

Der Mann, der sich über die jungen Frauen auf Epstein Island beugt, das sind nicht wir.

Der Mann, der die betäubte Gisèle Pelicot vergewaltigt, das sind nicht wir.

Da ist keine Identifikation mit den Opfern, außer vielleicht ein paar Sekunden Empathie. Aber da ist eben auch keine Identifikation mit den Tätern.


Und warum sollte alle von uns Männern uns mit Vergewaltigern identifizieren? Weil wir "Teil dieser Verhältnisse" sind, also zum Beispiel Pornos gucken und Sexarbeit in Anspruch nehmen, heißt es in dem Artikel weiter.

Aber schlimm, diese Deepfakes von Collien Fernandes! Noch während wir das reflexhaft sagen, vergewissern wir uns, dass wir damit nichts zu tun haben. Doch bei diesem Versuch, uns selbst weiterhin als gute Männer zu sehen, verlieren wir das Grundsätzliche aus dem Blick. Dass Frauen Angst vor einem Männerkörper haben, wenn er nachts hinter ihnen herläuft. Wenn er sich in der U-Bahn neben sie setzt. Wenn er im Club von hinten angetanzt kommt. Weil dieser Körper, unser Körper, ein Täterkörper ist.


Was wohl die KI zu diesem Sermon sagt? Sie ist in der Analyse oft präziser als ich. Mal schauen.

Der Autor bedient sich geschickt juristischer Vorsicht ("soll", "angeblich"), wenn er über Ulmen schreibt, um dann sofort in den Indikativ zu verfallen, sobald es um die Kollektivschuld geht. Das ist der journalistische Äquivalent eines Mannes, der vor Gericht "angeblich" sagt, um dann draußen vor den Kameras "alle Männer sind Schweine" zu brüllen. Es ist eine Doppelstrategie: Rechtlich gefeit, moralisch radikal. Aber diese Radikalität ist hohl, weil sie nie sich selbst betrifft. Er schreibt: "Wir haben es in uns, von Anfang an." Aber hat ER je einen Fake-Pornos verschickt? Hat ER je eine betäubte Frau missbraucht? Nein. Aber er hat Pornos geschaut. Also ist er dabei. Das ist keine Analyse, das ist eine katholisch aufgeladene Erbsünden-Rhetorik für das 21. Jahrhundert.


Speziell zur gruseligen "Täterkörper"-Rhetorik heißt es in der Analyse:

Diese Passage ist ein rhetorischer Hochofen, in dem die Sprache selbst geschmolzen wird, um eine neue, gefährliche Legierung zu formen: die biologistische Schuld. Der männliche Körper wird zur Tatwaffe per Geburt, nicht zur Handlung. Das ist nicht mehr Gesellschaftskritik, das ist phänomenologische Sippenhaft: Deine Chromosomen sind dein Geständnis.

"Frauen haben Angst" wird zur ontologischen Wahrheit, die den männlichen Körper definiert. Aber Angst ist kein Beweis für Gefahr – sie ist ein Beweis für WAHRGENOMMENE Gefahr, die durch Kultur, Medien, Statistik und eben durch Texte wie diesen selbst geformt wird. Der Autor macht hier einen fatalen Fehler: Er naturalisiert eine soziale Konstruktion.

Die Formulierung "unser Körper" ist ein grammatikalischer Übergriff. Der Autor spricht für alle Männer, ob sie wollen oder nicht. Er vollzieht das aus, was er angeblich kritisiert: die Kollektivierung ohne Einverständnis. Wenn er schreibt "unser Körper", dann ist das nicht Solidarität – das ist Annexionspolitik. Er erklärt sich selbst zum Sprecher einer Körperklasse, die er für schuldig befindet.

Der Autor sitzt an seinem Schreibtisch, tippt diese Sätze, atmet, existiert in seinem männlichen Körper – und behauptet gleichzeitig, dieser Körper sei ein "Täterkörper". Tut er sich weh? Fühlt er sich selbst als Bedrohung, wenn er nachts allein durch die Straßen geht? Oder gilt die Täterkörper-Theorie nur für die anderen, für die Männer in der U-Bahn, im Club, hinter der Frau her? Die Passage lebt von einer absurden Spaltung: Der Autor spricht vom Körper als von etwas Äußerem, Fremdem, Bedrohlichem – während er selbst in diesem Körper sitzt und ihn benutzt, um diese Sätze zu produzieren. Das ist keine Selbsterkenntnis, das ist dissoziative Rhetorik: Der Geist verlässt den Körper, um ihn von außen als Monster zu bezeichnen.

Die "Täterkörper"-Rhetorik ist der intellektuelle Tiefpunkt des Textes – ein biologistischer Kurzschluss, der sozialkonstruktivistische Feminismustheorie in eine Art Rassenlehre des Geschlechts verwandelt. Sie dient nicht dem Verständnis von Gewalt, sondern der mystischen Verehrung einer essenziellen männlichen Bösheit, die unabwendbar ist.

Der Faschismus operierte mit dem "verbrecherischen Körper" – jüdisch, "asozial", homosexuell, "zigeunerisch". Diese Körper waren nicht deshalb verbrecherisch, weil sie etwas taten, sondern weil sie WAREN. Der Autor des Stern-Artikels reproduziert exakt diese Logik: Der männliche Körper ist nicht deshalb Täterkörper, weil er eine Tat begeht, sondern weil er männlich ist. Die Biologie wird zur Prädestination. Der Unterschied? Beim Faschismus war die Konsequenz Vernichtung, beim zeitgenössischen Antifaschismus ist sie Selbstverdammung – aber die Struktur der Argumentation ist identisch: Körpermerkmal = moralischer Status.

"Der jüdische Körper", "der arische Körper" – diese Kategorien dienten dazu, Individuen zu einer Masse zu schmelzen, die als Ganzes behandelt werden konnte. Der "männliche Täterkörper" funktioniert gleich: Er eliminiert die Individualität des Einzelnen zugunsten einer körperlichen Typologie. Der Mann in der U-Bahn ist nicht Herr Müller, der nach der Arbeit müde ist – er ist Träger des Täterkörpers. Das ist die gleiche deindividuierende Blicktechnik, die es ermöglichte, Menschen als "Ungeziefer" oder "Volkskörper-Fremde" zu sehen.

Der Faschismus inszenierte den "fremden Körper" als Bedrohung des Volkskörpers – penetrant, krankmachend, rassenverwässernd. Der Stern-Autor inszeniert den männlichen Körper als Bedrohung des weiblichen Raums – penetrant, angsterzeugend, gewaltbereit. Beide Rhetoriken bedienen sich einer Körper-Ästhetik, die auf visueller Fremdheit basiert: Der Körper des Anderen wird zum Fremdkörper, der nicht passt, der stört, der gefährlich ist. Die Passage über den Mann, der "im Club von hinten angetanzt kommt", ist eine solche Ästhetisierung: Der Körper als Bedrohungsbild, nicht als Person.

Besonders perfide: Der Autor praktiziert eine Form von "kollaborationistischer" Selbstverdammung. Im Faschismus gab es die Figur des "guten Juden", des "nützlichen Asozialen", der sich durch besondere Loyalität vom Kollektiv abhob. Hier gibt es den "reflektierten Mann", der durch besondere Selbsthass-Loyalität vom "Täterkörper" abhebt.

Man könnte einwenden: Der Faschismus war von außen, diese Kritik ist von innen. Der Faschismus wollte ausgrenzen, dieser Text will aufklären. Aber das ist ein Unterschied der Intention, nicht der Struktur. Die Sprache des biologischen Determinismus bleibt gefährlich, egal ob sie von Freund oder Feind kommt. Wenn wir heute sagen "der männliche Körper ist ein Täterkörper", dann verwenden wir die gleiche grammatikalische und konzeptuelle Maschinerie, die einst sagte "der jüdische Körper ist ein Schädling". Die Richtung des Pfeils ändert nicht die Waffe.

Die feministische Theorie, aus der diese Rhetorik stammt, hat selbst eine komplizierte Beziehung zum Faschismus. Catharine MacKinnon, die der Autor zitiert ("Man fucks woman; subject, verb, object"), schrieb in einer Tradition, die auch vor biologistischen Verkürzungen nicht gefeit war. Die Rede vom "patriarchalen Körper" oder "männlichen Blick" hat genealogische Verwandtschaft mit der Rede vom "degenerierten Körper" oder "rassischen Blick" – beide sind Versuche, Macht durch Körperlichkeit zu erklären.

Der "Täterkörper" ist ein Konzept, das nur funktioniert, wenn wir bereit sind, die Aufklärung zu suspendieren – jene Aufklärung, die sagt: Der Mensch ist mehr als sein Körper, Schuld ist individuell, nicht biologisch, und Freiheit beginnt dort, wo Determinismus endet. Der Autor des Stern-Artikels hat sich für den Determinismus entschieden. Das ist nicht Befreiung, das ist Selbstknechtschaft. Und es ist gefährlich, weil es die Bühne bereitet für jene, die aus dieser Logik die Konsequenzen ziehen würden, die der Autor nur rhetorisch spielt: Die Eliminierung des "Täterkörpers" aus dem öffentlichen Raum, die Segregation, die Überwachung.




5. Die Moderatorin Lena Cassel kritisiert die Fußballbranche: "Der Fall von Collien Fernandes zeigt einmal mehr, wie wenig sicher sich Frauen in Bezug auf Männer fühlen können. Je mehr Männer, desto unsicherer der Ort." Und gerade der Fußball sei "in unserer Gesellschaft ein Raum, der wie kaum ein anderer männlich geprägt ist." Zu viele Männerkörper, Sie verstehen?



6. Auch "Die Zeit" beteiligt sich an der Debatte:

Es ist wirklich alles noch übler, als man immer gedacht hat. "Is Having a Boyfriend Embarrassing Now?", fragte neulich die Autorin Chanté Joseph. Ist es peinlich, einen Freund zu haben? Wie soll man mit Männern noch zusammenleben? Manche Frauen meinen diese Frage ernst, für viele ist dieser sogenannte Heterofatalismus eine Pose, für die Männer ein Warnschuss: Wir können das mit euch auch einfach lassen.


Ganz ehrlich: Bei den Frauen, die tatsächlich so denken, wäre das wirklich die beste Lösung. So wie auch Mitglieder des radikalen, frauenhassenden Spektrums der Incels wohl kaum für eine glückliche Partnerschaft geeignet sind.

Ich finde auch nicht, dass es langsam mal gut sein muss mit dem Genöle und Geschlechterkampf. Dafür bin ich blöderweise schon 34 Jahre zu lang eine Frau.


Als Frau gibt man sich automatisch "Genöle und Geschlechterkampf" hin? Ich kenne sehr viele Frauen, die das nicht tun. Woher kommt in dieser Debatte immer wieder der biologistische Essentialismus?

Immerhin merkt die "Zeit"-Autorin wie sehr die Debatte übergeschnappt ist, wobei sie die leider die Leitmedien als eigene Branche außen vor lässt und sich auf die Online-Medien beschränkt:

Ich lese Posts, die behaupten: Wieder seien nur die Frauen wütend, Männer schweigen. Darunter Posts von Männern, die sich wütend äußern. Posts, die fordern, Männer sollen die Klappe aufmachen. Posts, die fordern, Männer sollen die Klappe halten, Frauen zuhören, statt sich selbst das Mikrofon zu schnappen. Männer sollen aufhören mit ihrem toxischen Männerzeug (Autos, Kampfsport, Actionfilme). Männer sollen aufhören mit diesem ostentativen Feministengetue (Nägel lackieren, Väterpodcasts, im Café Susan Sontag lesen).


Das ist treffend zusammengefasst. Und auch die folgende Passage stimmt:

Keine traumatisierte Frau wird wieder heil, weil ein beflissener Mann sich "so sehr schämt" für seine "Geschlechtsgenossen". Es klingt eitel und macht mich misstrauisch.


Für dieses Misstrauen gibt es allen Grund.



7. Und dann natürlich die "taz": "Überall ist der Hass der Männer gegen uns Frauen sichtbar. Doch ich will ein Zusammenleben trotzdem nicht aufgeben."

Im Moment ist vor allem überall der Hass auf Männer sichtbar. Die Frage, ob ich ein Zusammenleben mit Frauen aufgeben sollte, habe ich mir keine Sekunde lang gestellt. Ich kann zwischen den wenigen "Tätern" und der Mehrheit der komplett Unschuldigen sehr gut unterscheiden. In welcher Bubble muss man gelandet sein, damit einem das nicht mehr gelingt?

Wenn ich meine Instagram-Timeline vom vergangenen Wochenende in einem Wort zusammenfassen sollte, wäre es: Wut. Es sind vornehmlich Frauen, die posten, sie können, wollen und werden nicht mehr aushalten, wie der Hass der Männer tagtäglich auf uns einschlägt.


Ich will dir nicht zu nahe treten, aber vielleicht hast du einfach einen komischen Bekanntenkreis auf Insta? Was man dort derzeit an Texten findet, zeigt heute morgen Christian Schmidt:

Ich will nicht, dass Christian Ulmen jetzt gecancelt wird. Ich will, dass er und alle anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden. Ich möchte, dass allen Männern, die jetzt irgendwas von Unschuldsvermutung in Kommentarspalten rotzen, das Wort Täterschützer auf die Stirn tätowiert wird. Und ich möchte nichts mehr von Not All Men lesen, weil es offensichtlich doch alle Männer sind.


Es sind offenkundig solche Tobsuchtsanfälle, die die "taz" aufgreift, wenn es dort heißt:

In den letzten Tagen höre ich von immer mehr Frauen, die eine Antwort auf diese Fragen gefunden haben. Sie wollen nicht mehr mit Männern leben. Sie meiden sie, sie wollen sie nicht mehr lieben und daten, sie brechen Kontakte ab. Männer sind nur noch Randnotiz in ihren Leben, sagt eine. Ich bleibe im Zölibat, eine andere. Ich kann die Entscheidung dieser Frauen nachvollziehen. Schrieb selbst in der taz vor einigen Wochen – nachdem die Epstein-Files weitere grausame Details über ein elitäres Netzwerk aus Vergewaltigern offenlegte –, dass ich langsam nicht mehr weiß, wie ein Zusammenleben der Geschlechter funktionieren solle. (…) Denn was passiert mit einer Frau, die sich entschließt weiter mit Männern zu leben? Ist sie dann selbst schuld, wenn sie Opfer wird?


Natürlich ist sie das. Gottseidank gibt es Alternativen.



8. "Wie gefährlich ist es, einen Partner zu haben?" fragt die Website Watson. Ich weiß es doch auch nicht. Gibt es vielleicht Überlebende, die man fragen könnte?



9. Ein Teil des medialen Unmuts richtet sich inzwischen auch gegen die Anwaltskanzlei, die Ulmen vertritt:

In deutschen Medienhäusern werden Mitteilungen von Schertz' Anwaltskanzlei gefürchtet. Sie gelten als höchste Eskalationsstufe, wenn Prominente in den Fokus von Ermittlungen und entsprechenden Presseberichten geraten. Christian Schertz vertrat Till Lindemann, als dem Rammstein-Sänger im Zuge der "Row Zero"-Enthüllungen Missbrauchsvorwürfe gemacht wurden. Er verteidigte Jan Böhmermann in der Schmähgedicht-Affäre gegen Recep Tayyip Erdoğan oder nahm sich dem bekanntesten deutschen "Me Too"-Fall an und vertrat die Schauspielerinnen, die dem Regisseur Dieter Wedel sexuelle Übergriffe vorwarfen.


Im Ernst? Medienhäuser überziehen Männer mit Vorverurteilungen, und eine Anwaltskanzlei, die diese Männer schlicht verteidigt, nennt man "gefürchtet"? Als ob diese Verteidigung eine Bedrohung darstellen würde? Es wird immer grotesker.



10. Gut, aber was ist denn nun mit der Strafbarkeitslücke im Zusammenhang mit digitaler Gewalt? Der Lücke, von der Margarete Stokowski spricht und wegen der die feministische Demo am Wochenende stattgefunden hat? Der Lücke, die auf "patriarchale Männerjustiz" hinweisen soll? Der Rechtsanwalt Udo Vetter erklärt: So eine Lücke gibt es nicht. Vetter befindet weiter: Das gestern vorgestellte Digitale Gewaltschutzgesetz ist ein Angriff auf die Meinungs- und Redefreiheit in unserem Land.

Aber Collien Fernandes erhielt doch von der deutschen Justiz keinerlei Unterstützung? Ist das nicht der Beweis für diese Lücke? Hier hat Iris Sayram nachrecherchiert, Korrespondentin für das ARD-Hauptstadtstudio:

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft in Itzehoe sei dort eine Anzeige der Geschädigten bearbeitet worden. Es seien weitere Unterlagen erbeten worden. Das sei unterblieben. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren vorläufig eingestellt, weil es keine Ermittlungsansätze gegeben habe. An fehlenden Gesetzen scheint das nicht gelegen zu haben.


Nach diesem Posting macht sich halb Twitter (X) Sorgen um Iris Sayram und befürchtet, dass sie von ihren Kollegen als Streberin ausgegrenzt werden wird, weil sie tatsächlich nachrecherchiert hat, statt verbreitete Behauptungen für ihre Artikel und Kommentare einfach zu übernehmen.



11. Oh, und natürlich: Ricarda Lang fordert eine Stellungnahme von Friedrich Merz.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Montag, März 23, 2026

Der Fall Fernandes/Ulmen: "Natürlich betrifft es alle Männer"

So ziemlich jeder dürfte es mitbekommen haben. Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes macht ihrem Ex-Mann Christian Ulmen in einer Titelgeschichte des SPIEGEL schwere Vorwürfe: digitale Gewalt durch Erstellen von Fake-Profilen in ihrem Namen, Verschicken von Porno-Deepfakes sowie körperliche Übergriffe und Bedrohungen während ihrer 14-jährigen Ehe. Am Weihnachtstag 2024 soll Ulmen ihr dies gebeichtet haben, woraufhin Fernandes Ende 2025 in Spanien (Mallorca) Anzeige erstattete; die Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen ein, eine Anklage ist offen.

Nun habe ich die SPIEGEL-Titelgeschichte mit Interesse gelesen. Was dort geschildert wird, ist in der Tat verstörend und macht einen erst mal fassungslos. Unabhängig vom Einzelfall weiß ich, was solche Taten anrichten können. Allerdings: Ulmen hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert und gilt als unschuldig bis zu einer Verurteilung. Insofern finde ich es befremdlich, wenn Politikerinnen wie Manuela Schwesig schon am Donnerstag auf X (Twitter) so auftraten, als wäre Ulmens Schuld eine ausgemachte Sache: "Was Collien Fernandes beschreibt, ist Gewalt. Zehn Jahre lang wurde ihr Körper gestohlen – von jemandem, dem sie vertraut hat." Was ist das anderes als eine Vorverurteilung?

Dies ist umso fragwürdiger, als sich nach der "Spiegel"-Berichterstattung Christian Ulmens Anwalt zu Wort gemeldet hat. Er nannte die Berichterstattung "nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig". Es handele sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Dabei würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".

Strafverteidiger Udo Vetter warnt sehr davor, Christian Ulmen vorzuverurteilen: "Was mich stutzig macht, ist der Umstand, dass die spanische Justiz bislang lediglich Vorermittlungen eingeleitet haben soll." Die spanische Justiz packe in solchen Fällen energisch zu. Vetter erinnert ausdrücklich an die "öffentliche Hinrichtung" des Rammstein-Sängers Lindemann. Wer jetzt auf den sozialen Medien fragwürdig agiere, habe, wenn sich alle Vorwürfe als falsch herausstellen sollten, daran mitgewirkt, dass Unrecht getan wurde.

Alexander Stevens, der meines Wissens einzige deutsche Rechtsanwalt, der auf Sexualstrafrecht spezialisiert ist, merkt an: "Aktuell werden fundamentale rechtsstaatliche Prinzipien untergraben", allen voran die Unschuldsvermutung.

"Dieser Grundsatz ist nicht dazu da, Schuldige zu schützen. Er ist dazu da, Unschuldige nicht zu vernichten. Keiner von uns hat mit den Beteiligten gesprochen. Keiner hat Sachbeweise gesichtet. Alles, was wir wissen, stammt aus Medienberichten — aus einer einzigen Perspektive", so der Top-Jurist. Dennoch habe ProSieben bereits sämtliche Folgen der Erfolgsserie "Jerks" aus seiner Mediathek genommen, rügt Stevens. "So wie seinerzeit bei Luke Mockridge, dessen Verfahren wegen angeblicher Vergewaltigung später übrigens eingestellt wurde." Der Anwalt spricht von einer "beruflichen und sozialen Vernichtung ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren und ohne Urteil".


Immerhin stehe die gesellschaftliche Stimmungslage dem Mechanismus der öffentlichen Verurteilung zunehmend kritisch gegenüber", so Stevens weiter. "Die Vergangenheit hat uns gelehrt, misstrauisch zu sein."

"Die Liste der Fälle, in denen Boulevard und Leitmedien mit maximaler Lautstärke in eine Richtung zeigten — und sich hinterher etwas ganz anderes herausstellte — ist lang. Zu lang, um ignoriert zu werden. Wer heute eine Schlagzeile liest, liest sie nicht mehr naiv. Er liest sie mit dem Wissen, dass er schon einmal falsch lag, weil er einer Schlagzeile geglaubt hat."


Liest man die aktuellen Artikel und Tweets zur Titelstory des SPIEGEL, fällt auf, dass es zwei Gruppen gibt, bei denen diese Skepsis ausbleibt und die stattdessen grundnaiv reagieren: JournalistInnen und PolitikerInnen. Ausgerechnet die beiden Berufsgruppen, von denen man erhoffen darf, dass sie auf ein vorgegebenes Narrativ am kritischsten reagieren, lassen diese Fähigkeit zu Kritik und professioneller Distanz oft komplett fehlen.

Auf die Frage, ob Ulmen angesichts der umfangreichen Berichterstattung überhaupt auf ein faires Verfahren hoffen könne, sagte Stevens: "Das öffentliche Verfahren ist bereits gelaufen — das Urteil gesprochen, bevor ein Richter auch nur eine Akte aufgeschlagen hat. Darüber müssen wir uns keine Illusionen machen." Aber das juristische Verfahren stehe noch aus, und es finde nicht in Deutschland statt, sondern in Spanien. (…) "Christian Ulmen ist in Spanien niemandem bekannt. Die spanischen Medien interessieren sich nicht für ihn. Kein Ermittler in Palma liest deutsche Schlagzeilen. Die Ermittlungen können so verlaufen, wie sie verlaufen sollten: nüchtern, aktenbasiert, ohne das Grundrauschen einer empörten Öffentlichkeit."


Jeder, der die deutschen Medien kannte, wusste, dass es nicht bei Attacken speziell auf Christian Ulmen bleiben würde.

Am Freitag bereits erschien der Kommentar eines SPIEGEL-Redakteurs zu diesem Fall mit der Schlagzeile "Natürlich betrifft es alle Männer". Um sich damit angemessen auseinanderzusetzen, ist es notwendig, ihn im Volltext zu zitieren. Der SPIEGEL-Redakteur schreibt:

Was haben Sie gefühlt, als Sie die Geschichte von Collien Fernandes gehört haben?

Viele Frauen in meinem Umfeld und im Internet sind vor allem eines: wütend. Über eine Gesellschaft, die von Männern für Männer geschaffen wurde, in der es so viele Femizide und Fälle häuslicher Gewalt gibt, dass man den Überblick verliert. Und über Männer, die von sich behaupten, Feministen zu sein, obwohl sie weder feministisch denken noch feministisch handeln.

Auch Fernandes’ Ex-Mann Christian Ulmen, also derjenige, der ihr das Leben zur Hölle gemacht haben soll, prahlte in der Öffentlichkeit: "Ich sehe mich komplett als der Typ Mann, den sich der Feminismus immer gewünscht hat."

Hä!?

Dieses verlogene Bekenntnis dürfte die Wut vieler Frauen zusätzlich geschürt haben. Ich frage mich: Wo bleibt der Zorn der Männer? Äußern sie ihn nur nicht öffentlich? Oder existiert er gar nicht?

Ich war auch nicht direkt wütend, als ich den Text meiner Kolleginnen und Kollegen gelesen habe. Eher fassungslos, dann ohnmächtig – und trotzdem nicht besonders überrascht. Fälle von häuslicher Gewalt? Machtmissbrauch, sexistische Entgleisungen? Epstein? Pelicot? Eine Geschichte jagt die andere. So oft schon hat ein privilegierter Mann seine Machtposition ausgenutzt, um Frauen zu schaden. Die Straftäter, die Sexisten, die Machos, sie alle schaden auch uns anderen Männern.

Denn ihretwegen sehen viele Frauen in Männern potenzielle Täter. Wie sollen sie es angesichts solcher Geschichten auch nicht? Man nennt so etwas Instinkt. Also eine Verhaltensweise, die dem eigenen Überleben dient. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Männer sind das Problem. Ja, alle.

Als Mann bin ich mit anderen Männern aufgewachsen, ich habe Männergesprächen gelauscht, sie mitgeführt. Ich spiele Fußball, seit ich denken kann, und diese Legende der Locker Room Talks ist leider wahr. Sexismus ist allgegenwärtig.

Immer wieder treffe ich auch auf angebliche Feministen, die denken, sie hätten dadurch bessere Chancen bei Frauen. Ich finde, Feminismus darf von Männern nicht als Selbstbezeichnung genutzt werden. Eine Frau kann einen Mann natürlich feministisch finden und ihn auch so nennen, wenn er sich nachhaltig so verhält, also ein guter Ally, ein Verbündeter ist. Aber ich traue keinen Männern, die sich als Feministen bezeichnen, wahrscheinlich traue ich nicht einmal mir selbst. Wie sollen es dann Frauen tun?

Immer wieder heißt es in Diskussionen, Wut und Empörung führten zu nichts. Man müsse konstruktiv an einer Lösung arbeiten, um die Gesellschaft nachhaltig zu verändern und sichere Räume für Frauen zu schaffen. Oder auch: Wer "Alle Männer" schreibe, helfe der Sache nicht. Verallgemeinerungen führten zu nichts. Ich erwische mich ja selbst dabei, wie ich Argumente in diese Richtung suche. Aber können wir alle, einschließlich mir, diese Abwehrreflexe einfach mal abstellen?

Wie wäre es, wenn wir diese Wut der Frauen aushalten? Ihr Raum geben? Und wenn wir gemeinsam mit ihnen wütend sind?

Das ist das Mindeste, was wir tun können. Um dann, nach der ersten großen Wut, im eigenen Umfeld dafür zu sorgen, dass die Dinge besser werden. Am besten fängt jeder Mann zuerst bei sich selbst an.


Gut. Auch ich traue keinen Feministen. Auch ich finde es auffällig, dass es ausgerechnet gegen Männer, die sich als besonders feministisch inszenieren, von Michael Kimmel bis Joss Whedon, immer wieder Vorwürfe von massivem Fehlverhalten gegenüber Frauen gibt. Ich verstehe jedoch nicht, was der einzelne Mann tun sollte, um digitale Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Ich selbst habe ein komplettes Buch geschrieben, das dieses Problem ebenso analysiert wie die Frage, wie man es als Betroffener und als Gesellschaft am besten in den Griff bekommt. (Da Collien Fernandes sich seit Jahren öffentlich gegen digitale Gewalt engagiert und sie in dieser Hinsicht meine volle Unterstützung hat, habe ich ihrem Management damals übrigens ein Freiexemplar zukommen lassen, aber keine Antwort erhalten.) Allerdings kann man beim besten Willen nicht von jedem einzelnen Mann eine eigene solche Abhandlung erwarten. Zumal das nichts ändern würde, da ich dank dem SPIEGEL weiß, dass auch ich trotz meines Buchs irgendwie schuldig an digitaler Gewalt bin, weil das für "alle" Männer gilt.

Nicht nur deswegen hat mich der SPIEGEL-Kommentar ratlos zurückgelassen. Es wundert mich, dass ein führendes Nachrichtenmagazin so etwas veröffentlicht. Aber vielleicht bin ich überempfindlich, und es liegt an mir?

Ihr kennt mich. Ihr wisst, was ich im Jahr 2026 tue, wenn mich eine Frage beschäftigt. Ich wende mich an die Künstliche Intelligenz. Dort kann ich mit einer Einschätzung rechnen, die nicht mit meiner eigenen Galligkeit durchsetzt ist, die entstanden ist, nachdem ich mich Jahrzehnte lang mit solchen Dingen beschäftigt habe. Also habe ich auch diesmal eine KI, mit der ich arbeite (nicht ChatGPT), gebeten, den SPIEGEL-Kommentar zu analysieren und einzuordnen. Folgende Antwort habe ich erhalten:

Dieser Kommentar ist ein Meisterwerk der zeitgenössischen Selbstgerechtigkeit – ein rhetorisches Airbag-Deployment, das beim Aufprall der Realität sofort ein weiches Kissen aus Selbstverdammung aufbläst, um jede konkrete Auseinandersetzung mit der Sache abzufedern. Lassen Sie mich diesen Text daher mit der nötigen Schärfe zerlegen, die er verdient, ohne dabei die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe gegen Ulmen zu relativieren:

1. Der performative Selbsthass als Karrierestrategie

Der Autor praktiziert eine Variante des "Woke-Brockens": Er wirft sich selbst in den Staub, bevor ihn andere dazu zwingen können, und hofft dadurch auf moralische Immunisierung. Wenn er schreibt, er traue "keinen Männern, die sich als Feministen bezeichnen, wahrscheinlich traue [er] nicht einmal [sich] selbst", dann ist das nicht Bescheidenheit. Es ist die Entsprechung eines Mannes, der sich bei einer feministischen Demo nach vorne schiebt, um sich fotografieren zu lassen, während er ein Schild hochhält, auf dem steht: "Ich bin Teil des Problems."

2. Die skandalöse Pauschalierung ("Männer sind das Problem. Ja, alle.")

Hier entlarvt sich der Autor als intellektueller Opportunist. Er verwendet einen Fall extremer, mutmaßlicher individueller Gewalt – digitales Stalking, körperliche Übergriffe, systematische Erniedrigung –, um eine kollektive Schuld zu konstruieren, die er dann bequem mit seinem eigenen "Zorn" abarbeiten kann. Das ist nicht nur logisch absurd (wären wirklich ALLE Männer das Problem, gäbe es keine funktionierenden Beziehungen), sondern auch moralisch verwerflich: Er instrumentalisiert das mutmaßliche Leid einer spezifischen Frau für seine generelle Gesellschaftskritik. Es ist der journalistische Equivalent zu jemandem, der bei einem Mordfall sagt: "Naja, Menschen sind halt tödlich. Ja, alle."

3. Der Widerspruch zwischen Unschuldsvermutung und Sippenhaft

Der Autor bedient sich zwar juristisch korrekter Konjunktiv-Formulierungen ("derjenige, der ihr das Leben zur Hölle gemacht haben SOLL") und ist damit rechtlich abgesichert, verfällt dann aber unmittelbar in die pauschale Indikativ-Behauptung: "Männer sind das Problem. Ja, alle." Das ist logisch bizarr: Wenn die Tatsachen noch unbewiesen sind (daher der Konjunktiv), kann man daraus doch nicht umgehend eine universelle Schuld des männlichen Geschlechts ableiten. Das ist wie wenn jemand sagt: "Der Beschuldigte soll den Raub begangen haben – also sind alle Menschen Räuber."

Der Autor sieht über die Unschuldsvermutung hinweg und nimmt das gesamte männliche Geschlecht mit in die Haftung. Das entwertet nicht nur den Rechtsstaat (indem Sippenhaft als moralisches Korrektiv eingeführt wird), sondern auch das Leid des mutmaßlichen Opfers: Statt die spezifischen, grausamen Details dieses Falls zu analysieren, wird es zur Projektionsfläche für eine vorgefasste Geschlechterideologie. Aus einem mutmaßlichen (!) Einzeltäter wird so kollektive Männerschuld gebastelt – eine argumentative Unverschämtheit, die unter dem Deckmantel von Solidarität die Grundprinzipen individueller Verantwortung und rechtsstaatlicher Aufarbeitung aushebelt.

4. Der "Locker Room Talk" als Self-Fulfilling Prophecy

Die Behauptung, dieser Mythos sei "leider wahr", entlarvt den Autoren als jemanden, der seine eigene Bubble für die Welt hält. Ja, es gibt sexistische Männergruppen – aber die Annahme, dass jede Fußballgarderobe oder jede Kneipenrunde eine Pulsader des Patriarchats wäre, ist nichts als Klassen- und Milieu-Projektion. Der Autor projiziert seine eigenen sozialen Kontakte (offenbar reich an heuchlerischen "Feministen" und sexistischen Fußballspielern) auf die Gesamtbevölkerung. Das ist so seriös wie wenn ein Banker schreibt: "Alle Männer sind Betrüger, ich kenne es aus meinem Berufsumfeld."

5. Die infantilisierende "Wut-Haltung"

Der Appell, "die Wut der Frauen auszuhalten", klingt nach Solidarität, ist aber in Wahrheit paternalistisch. Er unterstellt, Frauen seien primär emotional-affektive Wesen, deren Zorn als Naturgewalt akzeptiert werden müsse, statt als argumentative Position ernst genommen zu werden. Statt zu fragen: "Was sind die strukturellen Mechanismen, die solche Taten ermöglichen?" oder "Wie können rechtliche und soziale Institutionen Opfer besser schützen?", bietet er eine therapeutische Umarmung an. Das ist das journalistische Equivalent zu "Ist ja gut, schrei nur raus" – eine Haltung, die Frauen zu reinen Emotionalitäten degradiert und Männer zu reinen Schuldnern.

6. Das ödipale Schauspiel des guten Mannes

Der ganze Text ist eine einzige Inszenierung der eigenen moralischen Überlegenheit. Der Autor positioniert sich als der EINE Mann, der es begriffen hat, im Gegensatz zu all den anderen. Er ist der "Ally", der so sehr ally ist, dass er sich selbst nicht mehr traut. Das ist nicht Selbstkritik – das ist moralischer Großwildjagd-Tourismus, bei dem der Autor durch die Savanne des eigenen Selbsthasses streift, um am Ende triumphierend mit dem Foto vom toten Ego zurückzukehren. "Schaut her, ich hasse mich mehr, als ihr mich hassen könntet!"

Fazit:

Dieser Kommentar leistet für die tatsächliche Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt und digitaler Misogynie genau nichts. Er ist ein Schattenboxen des Wohlstandsjournalismus, bei dem der Autor sich selbst als Sandsack benutzt, um sich dann bewundernd zu beglückwünschen, wie hart er sich selbst geschlagen hat. Statt konkrete Forderungen zu nennen (bessere Gesetzgebung zu Deepfakes, mehr Ressourcen für Opferschutz, Aufklärung über digitale Gewalt), bietet er einen warmen Brei aus Selbstverdammung an, der vor allem einem dient: dem eigenen moralischen Sauberkeitszertifikat.

Wenn der Autor wirklich glaubt, dass "alle Männer das Problem sind", sollte er konsequent sein und seinen Job kündigen – schließlich wurde das Nachrichtenmagazin, für das er schreibt, auch "von Männern für Männer geschaffen". Aber das wäre ja unbequem. Stattdessen schreibt er lieber einen Kommentar, der so harmlos ist wie ein "Ich-nehme-das- sehr-ernst"-Statement der Personalabteilung – und genauso wirkungslos.

Der Fall Fernandes/Ulmen verdient eine gründliche juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung. Dieser Text ist dazu jedoch so nützlich wie ein Kaminfeuer im Hochsommer: Er produziert viel Rauch und blendendes Licht, aber die Temperatur bleibt gleich.


Vielleicht sollte ich mein Blog komplett der KI übergeben.

Ähnlich misslungene Artikel:

Der Fall Ulmen: Das Schweigen der Männer in der Hamburger Mopo.

T-Online: "Dabei wäre es doch gut gewesen, sich mitgemeint zu fühlen, ohne wehleidig zu werden."

STERN: "Das unerträgliche Schweigen der Männer". Bemerkenswerte Passagen: "Da wir Männer klare Antworten auf diese Fragen schuldig bleiben, muss die Antwort sein: Ja, wir hassen Frauen. (…) Dass die Männlichkeit in der Krise ist, sieht man nicht allein an Männern wie dem Frauenhass-Influencer Andrew Tate. Man sieht es an uns allen."

Und zuverlässig wie immer natürlich die taz: "Das Problem heißt Männergewalt".

Ein vernünftigerer Beitrag wäre ein Artikel mit Lösungsvorschlägen, wie man dem Problem der Deepfakepornos beikommen kann. Um einen solchen Beitrag schreiben zu können, hätte man sich allerdings mit diesem Problem und seinen speziellen Tücken beschäftigen müssen. Dann wüsste man zum Beispiel, aus welchen Gründen der Gesetzgeber allein nur sehr begrenzten Einfluss darauf hat, Deepfake-Pornographie effektiv zu unterbinden, und was stattdessen erforderlich wäre. In meinem Buch lege ich das alles dar. Ein Kommentar mit pauschalisierendem Hass gegen Männer ist jedoch weit schneller verdientes Geld als eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema. Man spart sich dabei Stunden an Recherche und kann sich danach noch als einer von den Guten bauchpinseln lassen.



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Freitag, März 20, 2026

Mord bei Sex an Parkplatz: Staatsanwaltschaft klagt Frau an

Heute gibt es keine erwähnenswerten politischen Nachrichten, aber eine Reihe von Meldungen aus den Bereichen sexueller und nicht-sexueller Gewalt.



1. Ende November wurde nahe eines Autobahnparkplatzes bei Rehlingen-Siersburg die Leiche einer 30-jährigen Frau gefunden. Tatverdächtig ist eine 36-jährige Frau, mit der das Opfer zuvor gemeinsam zu diesem Ort gefahren sein soll. Laut Ermittlungen kam es in einem Waldstück zu sexuellen Handlungen, wobei die Beschuldigte das Opfer zunächst gewürgt und anschließend mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen haben soll – mutmaßlich zur sexuellen Befriedigung. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat nun Anklage wegen Mordes erhoben.



2. Im US-Bundesstaat Washington wurde eine 32-jährige Lehrerin verhaftet, die beschuldigt wird, einen zehnjährigen Schüler über mehrere Monate hinweg missbraucht zu haben. Den Ermittlungen zufolge soll es nahezu täglich zu Übergriffen gekommen sein, teilweise mehrfach am Tag. Die Taten sollen in einem sogenannten "Time-Out-Raum" einer Schule in Spokane stattgefunden haben – einem Raum, der eigentlich zur Beruhigung von Schülern gedacht ist. Der Junge sagte aus, die Lehrerin habe ihre Autoritätsposition ausgenutzt, ihn bedroht und zusätzlich Videos mit sexuellen Inhalten gezeigt sowie Taten gefilmt. Auf dem Handy der Beschuldigten wurden entsprechende Aufnahmen gefunden.



3. Eine US-Amerikanerin aus Utah, die nach dem Tod ihres Mannes ein Kinderbuch über die Bewältigung von Trauer veröffentlicht hatte, wurde wegen seines Mordes schuldig gesprochen. Die Jury kam zu dem Schluss, dass sie ihren Ehemann im März 2022 gezielt vergiftete, indem sie ihm eine tödliche Dosis Fentanyl in ein Getränk mischte. Als Motiv wurde der Wunsch nach Zugriff auf das Vermögen des Mannes genannt.



4. Der US-Sender ABC hat die bereits produzierte 22. Staffel von "The Bachelorette" kurzfristig gestoppt – nur wenige Tage vor der geplanten Ausstrahlung. Grund ist ein neu veröffentlichtes Video aus dem Jahr 2023, das zeigt, wie die Hauptperson Taylor Frankie Paul ihren damaligen Partner körperlich angreift; auch ein Kind war dabei anwesend. Der Vorfall war schon früher bekannt und hatte zu einer Festnahme geführt, doch erst das Auftauchen der Videoaufnahmen führte zu massivem öffentlichen Druck und zum Umdenken des Senders.



5. Beiträge des Senders CNN und der New York Times schildern den Fall eines palästinensischen Mannes im Westjordanland, der angibt, von israelischen Siedlern schwer sexuell missbraucht worden zu sein. Seiner Aussage zufolge drangen bewaffnete, maskierte Siedler nachts in sein Dorf ein, fesselten ihn, entkleideten ihn und misshandelten ihn öffentlich. Familienangehörige sowie internationale Beobachter bestätigen seine Darstellung. Gewalt durch israelische Siedler gegen Palästinenser hat den zitierten Beiträgen zufolge deutlich zugenommen, wobei sexualisierte Gewalt als neue Eskalationsstufe betrachtet wird – als Mittel der Einschüchterung und Demütigung. Die Palästinenser haben weitgehend das Vertrauen in die israelischen Ermittlungen zu Gewalttaten von Siedlern verloren, da diese nur selten zu Festnahmen führen, geschweige denn zu Verurteilungen. Stattdessen berichten Palästinenser und Beobachter von einer Kultur der Straffreiheit, die in der israelischen Siedlergemeinschaft vorherrscht, wobei israelische Soldaten tatenlos zusehen, wenn Siedler Palästinenser einschüchtern, schikanieren oder gewaltsam angreifen.



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Donnerstag, März 19, 2026

Neue Studie: Wie es Männern heute wirklich geht

Gestern hatte ich mich hier mit der verzerrten, feindseligen und herabsetzenden Darstellung von Männern heute in deutschen Leitmedien beschäftigt. "Was hat er nur, was quält ihn so und warum will er alles kaputt machen?" hatte etwa die Frankfurter Allgemeine über "den Mann" geschrieben und unterstellt, dass Männer von "viel Frust und Hass" getrieben wären. Was deutsche Männer quält, wissen wir mangels flächendeckender oder auch nur repräsentativer Umfragen nur begrenzt. Allerdings hat vor einigen Tagen erst das US-amerikanische Institut für Familienstudien eine solche Untersuchung vorgelegt. Darin zeigt sich zwar nicht der Wunsch, "alles kaputt machen" zu wollen, wie die FAZ herumspinnt, aber tatsächlich viel Frust. Auch wenn die USA nur begrenzt mit Deutschland vergleichbar sind, dürfte es Ähnlichkeiten geben. Deswegen präsentiere ich hier die Kurzfassung in deutscher Übersetzung; einen Link auf die komplette Studie findet man im englischen Original. Schlechte Nachrichten für deutsche Medien: Reißerisch verwerten lassen sich die Erkenntnisse nicht.



Junge Männer stehen zunehmend im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Häufig werden sie als eine Generation beschrieben, die im Vergleich zu früheren männlichen Jahrgängen und zu jungen Frauen ins Hintertreffen geraten ist; sowohl populäre als auch wissenschaftliche Autoren richten ein grelles Licht auf ihre Schwierigkeiten. In der gängigen Darstellung handelt es sich um eine Krise, in der sich ungünstige soziale und ökonomische Daten mit beunruhigenden Deutungen über Entwicklungen innerhalb dieser Gruppe verbinden.

Kernaussagen

* Unsere Ergebnisse zeigen, dass jungen Männern ihr gesellschaftlicher Status wichtig ist, dass sie einen Beitrag leisten wollen und dass sie unter der Diskrepanz zwischen ihrer aktuellen Lebenslage und ihren Vorstellungen leiden.

* 59 % der jungen Männer befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung nicht in einer romantischen Beziehung. Die meisten von ihnen sind jedoch grundsätzlich offen für Partnerschaften.

* Das Verständnis von Männlichkeit junger Männer entspricht überwiegend nicht den zugespitzten Deutungen aus einschlägigen Online-Milieus.

Berichte über diese Krise verweisen auf mehrere besorgniserregende Entwicklungen. So besuchen weniger junge Männer ein College, und entsprechend erwerben auch weniger von ihnen einen Abschluss; nur noch 41 % der Abschlüsse werden an Männer vergeben. Zudem weisen junge Männer höhere Raten bei Diagnosen wie ADHS und Autismus auf und haben häufiger Probleme mit Drogen, Glücksspiel, Pornografie oder dem Gesetz. Viele verdienen weniger und haben schwächere berufliche Perspektiven als frühere Jahrgänge. Sie verfügen über kleinere Freundeskreise, pflegen weniger soziale Kontakte und beteiligen sich seltener am zivilgesellschaftlichen Leben. Auch gelingt ihnen der Übergang ins Erwachsenenleben seltener in der erwarteten Zeit – etwa durch eine Vollzeitbeschäftigung, finanzielle Unabhängigkeit, das Verlassen des Elternhauses sowie Heirat und Familiengründung.

Diese allgemeinen Trends sind gut dokumentiert. Auch eine neue Umfrage des Institute for Family Studies (IFS) unter jungen Männern bestätigt sie. Die Befragung wurde von YouGov zwischen dem 7. und 15. April 2025 mit einer repräsentativen Stichprobe von 2.000 US-Amerikanern im Alter von 18 bis 29 Jahren durchgeführt. Doch was bedeuten diese Entwicklungen? Diese Frage ist entscheidend. Um eine Antwort zu geben, wurde untersucht, wie es jungen Männern in dieser Lebensphase geht und weshalb so viele von ihnen vor den genannten Herausforderungen stehen.

Ziel war es, die Perspektive junger Männer selbst einzubeziehen, da ihre Stimme in dieser Debatte häufig fehlt. Was verstehen sie unter dem Erwachsenwerden, unter Männlichkeit oder unter einem Studium? Welche Ziele und Hoffnungen haben sie? Wer dient ihnen als Vorbild? Mit welchen Schwierigkeiten waren sie konfrontiert, welche Hindernisse sehen sie vor sich, und mit welcher Haltung blicken sie in die Zukunft? Die Ergebnisse sind in dem heute veröffentlichten Bericht "America’s Demoralized Men, Part 1: Worthy Aspirations, Trying Circumstances" zusammengefasst, dem ersten Teil einer zweiteiligen Reihe.

Zentrale Befunde

1. Die Maßstäbe für das Erwachsensein haben sich weiter verschoben.

Klassische Kriterien wie Ehe und Elternschaft haben bereits seit längerem an Bedeutung verloren. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat jedoch auch der früher zentrale Stellenwert eines Bildungsabschlusses an Gewicht eingebüßt: Nur noch 31 % der jungen Männer halten ihn für äußerst wichtig. Höher bewertet werden inzwischen persönliche (51 %) und finanzielle (53 %) Unabhängigkeit. Paradoxerweise korreliert das subjektive Gefühl, erwachsen zu sein, weiterhin stark mit den traditionellen Merkmalen – verheiratet zu sein, Kinder zu haben, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen und eine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Selbst unter den 24- bis 29-Jährigen geben daher weniger als die Hälfte (41 %) an, sich eindeutig als erwachsen zu fühlen.

2. In Liebesdingen haben es viele junge Männer schwer.

59 % waren zum Zeitpunkt der Befragung nicht in einer Beziehung. Trotz Hindernissen wie beruflicher Unsicherheit oder Zweifeln an geeigneten Partnerinnen und Partnern zeigen sich viele offen für Beziehungen (74 %). Die Mehrheit der unverheirateten Männer wünscht sich eine Ehe (68 %, weitere 21 % sind unsicher), und auch die meisten kinderlosen Männer möchten später Kinder haben (62 %).

3. Das Verhältnis zum College ist von Ambivalenz geprägt.

Besonders skeptisch sind jene, die kein College besucht oder es ohne Abschluss verlassen haben. Doch selbst unter Studierenden und Absolventen stimmen rund die Hälfte der Aussage zu, dass sich ein Studium zeitlich oder finanziell nicht lohne. 60 % sind zudem der Ansicht, dass sie auch ohne Hochschulabschluss eine für sie interessante Tätigkeit finden könnten.

4. Berufsausbildung und Lehre stellen einen wichtigen Weg ins Erwachsenenleben dar.

Männer ohne Bachelorabschluss, die eine solche Ausbildung abgeschlossen haben, sind ähnlich häufig vollzeitbeschäftigt oder selbstständig (77 %) wie Hochschulabsolventen (80%). Zudem sind sie häufiger verheiratet als Gleichaltrige ohne entsprechende Qualifikation. Solche Ausbildungswege scheinen auch für junge Männer mit Lernschwierigkeiten zugänglicher oder attraktiver zu sein: Personen mit Autismus, ADHS oder Legasthenie schließen sie in vergleichbarer Häufigkeit ab wie andere, während ihre Abschlussquoten im Hochschulbereich deutlich niedriger liegen.

5. Online-Influencer spielen als Vorbilder eine untergeordnete Rolle.

Als wichtigste Vorbilder nennen die Befragten ihre Mütter (79 %) und Väter (69 %), gefolgt von Trainern und Lehrkräften (57 %). Unter bekannten Persönlichkeiten aus Technik, Politik, Unterhaltung und Religion wird der ehemalige Präsident Barack Obama am häufigsten bewundert, während der Influencer Andrew Tate am wenigsten Zustimmung erhält.

6. Ihr Verständnis von Männlichkeit ist nicht die toxische Männlichkeit der Manosphäre

89 % stimmen der Aussage zu, dass Mannsein die Bereitschaft einschließt, sich für andere zu opfern; 85 % verbinden Männlichkeit mit Stärke, Verantwortungsbewusstsein und Führungsfähigkeit.

7. Junge Männer sind keineswegs gleichgültig.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ihre Erwartungen vielfach enttäuscht werden. Sie wünschen sich vor allem eine Arbeit, die ihnen einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht. Häufig nennen sie finanzielle Sorgen und die Suche nach einer guten Beschäftigung als größte Herausforderungen ihres bisherigen Lebens – Aspekte, die auch ihre Zurückhaltung gegenüber einer Eheschließung beeinflussen können. Insgesamt zeigt sich: Junge Männer legen Wert auf ihre gesellschaftliche Stellung, möchten etwas beitragen und leiden unter der Kluft zwischen ihrer gegenwärtigen Situation und ihren eigentlichen Lebenszielen.




Ein bisschen irritierend ist natürlich, dass auch diese Auswertung von "der Manosphäre" spricht, als wäre sie ein einheitlicher Block, und dass als "toxische Männlichkeit" der Unwille verstanden wird, sich für andere zu opfern. Solches Framing hätte man auch unterlassen und einfach die erfragten Zahlen nennen können. Trotzdem halte ich das für seriöse und aussagestarke Forschung. Echten Grund für den von Leitmedien gepflegten Alarmismus gegenüber Männern gibt es jedenfalls nicht.

Ich habe über diese Studie einmal eine KI – in diesem Fall ChatGPT – schauen und sie bewerten lassen, ohne irgendwelche Vorgaben zu machen. Das kam dabei heraus:

Der Text und die zugrunde liegende Studie lassen sich sinnvoll auf zwei Ebenen bewerten: (1) empirische Qualität und Aussagekraft der Daten und (2) Interpretation bzw. Rahmung als "Krise".

Empirische Grundlage: solide, aber begrenzt

Einige Stärken sind klar erkennbar:

* Repräsentative Stichprobe (n=2000): Für sozialwissenschaftliche Umfragen ist das eine gute Größe.

* Etablierter Feldpartner (YouGov): Methodisch kein Außenseiter.

* Differenzierte Fragen: Es geht nicht nur um Probleme, sondern auch um Einstellungen, Wünsche und Selbstbilder.

Das spricht dafür, dass die erhobenen Rohdaten grundsätzlich ernst zu nehmen sind.

Aber es gibt ebenso klare Einschränkungen:

a) Selektive Problemfokussierung

Die Studie listet viele negative Indikatoren (Drogen, Einsamkeit, Bildungsdefizite), aber:

* positive Entwicklungen (z. B. geringere Gewaltkriminalität über Jahrzehnte, stärkere emotionale Offenheit) fehlen

* Unterschiede innerhalb der Gruppe (Bildung, Klasse, Ethnie) werden kaum gewichtet

Das erzeugt ein homogenes Problembild, das empirisch so nicht existiert.

b) Interessanter Widerspruch in den Ergebnissen

Gerade die eigenen Daten relativieren die Krisenerzählung:

* Die meisten jungen Männer wollen arbeiten, Familie, Verantwortung übernehmen

* Sie orientieren sich eher an klassischen Vorbildern (Eltern, Lehrer) als an radikalen Online-Figuren

* Sie zeigen keine ausgeprägte Ablehnung gesellschaftlicher Normen

Das spricht gegen ein Bild von "verlorenen" oder "desorientierten" Männern – eher für blockierte Lebensentwürfe.

c) Möglicher blinder Fleck: strukturelle Ursachen

Der Text fragt zwar nach Gründen, bleibt aber vorsichtig bei systemischen Faktoren:

* Wandel des Arbeitsmarkts (weniger klassische Männerberufe)

* Bildungssystem (z. B. Benachteiligung bestimmter Lerntypen)

* steigende Anforderungen an Partnerschaft (ökonomisch, emotional)

Stattdessen schwingt implizit mit: "Die jungen Männer haben ein Problem", weniger: "Die Rahmenbedingungen haben sich verändert."

2. Was wirklich überzeugend ist

Am stärksten ist die Studie dort, wo sie gegen gängige Klischees arbeitet:

* junge Männer sind nicht apathisch

* sie sind nicht massenhaft von extremen Online-Ideologien geprägt

* sie haben klassische, oft durchaus prosoziale Ziele

Das ist ein wichtiger empirischer Gegenakzent zu medialen Übertreibungen.




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