Freitag, Oktober 09, 2026

Juli Zeh: "Ich würde nicht mit Männern tauschen wollen"

1. Die Autorin und Richterin Juli Zeh, die als denkbare Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch ist, glaubt zwar, dass wir in einem "Patriarchat" leben, zeigt in einem Interview mit dem STERN aber viel Einsicht in die Lebenswirklichkeit von Männern:

"Patriarchale Privilegien werden oft als eine Ressource angesehen – etwas Begrenztes, das Männer und Frauen wollen und um das ein Verteilungskampf ausgebrochen ist. Aber mal genau hingeschaut: Sind diese vermeintlichen Segnungen wirklich erstrebenswert? Das Patriarchat hat dazu geführt, dass Männer früher sterben als Frauen und ein höheres Suchtpotenzial haben. Mehr Selbstmorde und mehr Depressionen. Männer werden in Kriegen verheizt. Von Männern wird erwartet, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz aufopfern, weil sie sonst als Versager gelten. Sie können gar nicht Hausmann sein, selbst wenn sie das wollten, weil alle anderen, denen sie davon erzählen, betroffen zu Boden schauen und das Thema wechseln. Männer werden nach wie vor dazu erzogen, Sicherheitsabstand zur eigenen Emotionalität zu halten. Ich würde nicht mit Männern tauschen wollen."


Wenn einem das klar ist, dann ist "Patriarchat" zu einem Wieselwort geworden, das alles und nichts bedeuten kann. Die Sonnenseite des Lebens bietet dieses ominöse "Patriarchat" Männern gerade nicht.



2. Feitani Keilani beschäftigt sich mit dem Streik der Gender-Ideologen im Auswärtigen Amt (Genderama berichtete).

Wie lange es wohl dauert, bis im Büro des Außenministers überhaupt bemerkt wird, dass Akten nicht ankommen? Irgendwann jedenfalls fiel dort auf, dass Vorgänge stockten. Wie sich dann herausstellte, hatten zwei Abteilungsleiterinnen die Akten nicht weitergeleitet, weil darin auf Gender-Sonderzeichen verzichtet worden war.

(…) Die beiden Beamtinnen wurden dem Bericht zufolge noch zur Ampel-Zeit von Außenministerin Annalena Baerbock auf ihre B9-Posten gehievt (gut 14.000 Euro monatliches Grundgehalt). Damals wurde natürlich gegendert, was das Zeug hielt, auch in anderen grünen Ministerien, etwa dem für Familie. Man erinnere sich an die gescheiterte Ministerin Anne Spiegel ("noch gendern, dann Freigabe").

Der amtierende Außenminister Johann Wadephul (CDU) wies im Juli seine Bediensteten darauf hin, dass das Gendern mit Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt, Mediopunkt oder Tiefstrich nun nicht mehr toleriert werde. (…) Den beiden Leiterinnen der Abteilungen Kultur und Globale Ordnung soll diese Kurskorrektur missfallen haben. Laut "Bild" genehmigten sie Vorgänge ohne Gender-Sprache nicht, sondern ließen sie liegen, statt sie an Staatssekretäre und Minister weiterzureichen. Diese Art der Obstruktion ist im Beamtenverhältnis jedoch nicht vorgesehen und kann als Dienstvergehen bestraft werden.

(…) Dabei geht es nicht um Untertanengeist, sondern um demokratische Gewaltenteilung. Die politische Richtung wird von der gewählten Regierung vorgegeben. Die Verwaltung liefert den Sachverstand, die Kontinuität und den Gesetzesvollzug. Würde jeder Abteilungsleiter nur jene Vorgaben umsetzen, die seinem eigenen politischen Weltbild entsprechen, regierte nicht mehr das parlamentarisch verantwortliche Kabinett, sondern eine Bürokratie ohne Mandat.




3. Der Bayrische Rundfunk berichtet über den vom Bundeskabinett gebilligten Gesetzentwurf zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt:

Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf gebilligt, wonach Gerichtsverfahren nicht mehr zwingend am Wohnort der Betroffenen stattfinden müssen. So soll der Aufenthaltsort von Frauen geschützt werden können.


Der Hütchenspielertrick bei häuslicher Gewalt, bei dem man "Opfer" gegen "Frauen" tauscht, wird niemals alt.



4. Die Tochter von Collien Fernandes hat eine Unterlassungserklärung gegen ihre Mutter erwirkt.



5. Russland schickt auch offensichtlich untaugliche Männer in den Krieg. Einen Bericht darüber hat die "taz" übernommen.



6. Die israelische Oppositionszeitung Haáretz beschäftigt sich noch einmal mit dem Horror, dem tausende Häftlinge – weit überweigend Männer – in den dortigen Folterlagern ausgesetzt sind. Zwei Journalisten, ein Menschenrechtsaktivist und zwei Bewohner der West Bank berichten von den Dingen, die ihnen angetan wurden.



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Donnerstag, Oktober 08, 2026

"Ein fairer Prozess ist kein Frauenhass / Was Männer tun können"

Der Männerrechtler Sage Synclair hat vorgestern einen Beitrag veröffentlicht, der als erstes Zwischenfazit zum Fall der angeblichen Vergewaltigung an der Universität Cornell eine vollständige Übersetzung wert ist, zumal er Parallelen zu anderen Fällen zieht und mit konkreten Verhaltenstipps für Männer in solchen Situationen endet. Ich selbst habe in vielen Büchern sowohl gegen sexuelle Gewalt als auch gegen Falschbeschuldigungen Position bezogen; dieser Text führt beides bestens zusammen. Quellen zu Belegen finden sich im verlinkten Original.



Innerhalb weniger Tage erhielten sieben Männer einen Sammelnamen, einen Hashtag und ein gemeinsames Schicksal. Die Bezeichnung "Cornell 7" unterstellt eine Tatsache, die sich aus den Akten nicht ergibt, nämlich dass es überhaupt sieben von irgendetwas gibt.

Nach eigener Darstellung des Präsidenten der Cornell University wurden zwei der Beschuldigten der Universität verwiesen, zwei für mindestens zwei Semester suspendiert, einer hatte seinen Abschluss gemacht, bevor Sanktionen verhängt werden konnten, und zwei wurden für nicht verantwortlich befunden. Eine Menge, die einen für verantwortlich befundenen Mann nicht von einem für nicht verantwortlich befundenen unterscheiden kann, hat den Fall nicht gelesen. Manche haben zudem darauf hingewiesen, dass der Name an den Fall der zu Unrecht verurteilten Central Park Five erinnert.

Die Anklägerin, die unter dem Namen Jane Doe auftritt, gibt an, zwei Mitglieder einer Studentenverbindung hätten sie, als sie bereits berauscht war, zur Einnahme einer Substanz gedrängt, die sie als Ketamin ausgaben. Um 1:42 Uhr habe eine derbe Snapchat-Nachricht ihre Verfügbarkeit angepriesen, und die Übergriffe hätten bis 5:45 Uhr angedauert. Die Nachricht ist schon für sich genommen widerwärtig. Eine widerwärtige Nachricht ist jedoch noch keine Tat, und der Bezirksstaatsanwalt selbst erklärte, sie habe mit der rechtlichen Frage der Einwilligung nichts zu tun.

Nun zu den Akten, die kaum jemand von denen, die die sieben Gesichter verbreiten, aufgeschlagen zu haben scheint. Laut Bezirksstaatsanwalt beschrieb ihre beeidete Aussage vom November 2024 den Drogenkonsum und die sexuellen Handlungen als freiwillig, bei Bewusstsein und einvernehmlich. Im Protokoll der Vernehmung, die dieser Aussage zugrunde liegt, sagt sie der Polizei jedoch, sie könne mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sie vergewaltigt worden sei. Dieses Protokoll hat den Bezirksstaatsanwalt nach dessen Angaben nie erreicht. Dieselbe unterschriebene Aussage beschreibt sie außerdem als stark beeinträchtigt und unfähig, Entscheidungen zu treffen. Zwei Tage später schrieb sie einem der Beschuldigten, keine der sexuellen Handlungen sei illegal gewesen, und scherzte darüber, wieder einmal zusammen zu kiffen, diesmal ohne die zusätzlichen Männer und ohne das Ketamin. Ihre Anwältin deutet das als Verdrängung und Trauma. Eine Mitbewohnerin erinnert sich, dass sie lachend von der Nacht erzählte, ohne sie als Vergewaltigung zu bezeichnen; eine andere erinnert sich, dass sie sagte, sie habe sich unwohl gefühlt.

Jeder Satz in diesem Absatz lässt sich von beiden Seiten zitieren.

Echte Wut verdient das institutionelle Versagen. Der Bezirksstaatsanwalt gibt an, die Campuspolizei von Cornell habe ihm eine sechsseitige Aussage und ein Snapchat-Video übergeben, sonst nichts. Cornell erklärt, die Weitergabe der Aussage und eines Screenshots entspreche dem etablierten Verfahren. Die Title-IX-Unterlagen hat der Bezirksstaatsanwalt nie gesehen, und er hat nach eigenen Worten keinen Hinweis darauf, dass die Campuspolizei die Beschuldigten vernommen hat. Zwei Institutionen gingen jeweils davon aus, die andere erledige die Arbeit. Eine Frau, die eine mögliche Gruppenvergewaltigung angezeigt hatte, bekam dadurch ein Verfahren, für das sich niemand zuständig fühlte. Gouverneurin Hochul hat inzwischen Generalstaatsanwältin Letitia James zur Sonderermittlerin ernannt.

Gut so.

Man lasse sie arbeiten.

Unterdessen wurde einer unbeteiligten Familie nach Recherchen von The Free Press die 101-seitige Klageschrift zugestellt. Anschließend wurde sie belästigt, weil ihre Adresse im Prozessregister unter einem Namen auftauchte, den sie mit einem der Beschuldigten teilt. Davon unabhängig startete ein ehemaliger Autor von "South Park" eine Website, auf der er die sieben namentlich nennt. Er erklärte, er finde gerade heraus, wo sie arbeiten, und warnte, als Nächstes seien die Cornell-Mitarbeiter dran, die sie "geschont" hätten. Rechenschaft folgt auf eine Feststellung. Hier kommt die Strafe zuerst, während die Beweise für später versprochen werden.

Niemand sollte etwas dagegen haben, dass Männer über eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung entsetzt sind. Die meisten sind es. Problematisch wird es, wenn Entsetzen zum Treueschwur wird und jeder Zweifel an einer einzelnen Tatsache als Charakterfehler gilt.

Der Rausch zieht sich durch jede Darstellung.

Sie sagt, sie sei nie zuvor so berauscht gewesen. Einer der beschuldigten Männer schrieb, seine Erinnerung sei verschwommen, er und ein anderer Mann seien zu betrunken gewesen, um die Sache abzubrechen. Sie antwortete, auch ihre Erinnerung sei getrübt.

Daraus folgt zweierlei.

Erstens die Rechtslage.

Der eigene freiwillige Rausch entschuldigt einen Angeklagten in der Regel nicht. Im Fall Montana v. Egelhoff, 518 U.S. 37 (1996), bestätigte der Supreme Court ein bundesstaatliches Gesetz, das es Geschworenen untersagte, ihn zu berücksichtigen. New York ist weniger absolut: Rausch ist zwar keine Verteidigung als solche, doch ein Angeklagter darf Beweise dafür vorlegen, wenn sie geeignet sind, ein Tatbestandsmerkmal des angeklagten Delikts zu widerlegen (Penal Law § 15.25). Ich plädiere nicht für eine Ausnahme.

Zweitens die Erkenntnislage. Wenn die Erinnerung aller Beteiligten beschädigt ist, kann keine unbestätigte Darstellung ein Urteil tragen, weder ihre noch die der Männer. Handys, Gruppenchats, toxikologische Befunde und Zeugen müssen leisten, was die Erinnerung nicht leisten kann. Das spricht für Ermittlungen. Es spricht weder dafür, dass sie nicht vergewaltigt wurde, noch dafür, dass die Männer es getan haben.

Autonomie ist nicht dasselbe wie Handlungsunfähigkeit

Zur Autonomie einer Frau gehört das Recht, zu trinken, Drogen zu nehmen, Sex zu haben, ihre Meinung zu ändern, unkluge Entscheidungen zu treffen und Risiken einzugehen, die andere meiden würden. Sie verliert ihre moralische Handlungsfähigkeit nicht dadurch, dass eine ihrer Entscheidungen später Scham, Reue, Peinlichkeit oder soziale Folgen nach sich zieht. Erwachsene haben keinen Anspruch darauf, als hilflos behandelt zu werden, sobald ihre Entscheidungen schlecht ausgehen.

Niemand ist verpflichtet, eine Erwachsene vor ihren eigenen Entscheidungen zu schützen.

Autonomie ist aber kein Freibrief, mit jemandem Sex zu haben, der handlungsunfähig ist. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Risikobereitschaft und Handlungsunfähigkeit. Ein Mensch kann freiwillig trinken oder Drogen nehmen und trotzdem so beeinträchtigt werden, dass er nicht mehr einwilligen kann. Ein anderer muss sie nicht "vor sich selbst schützen", wohl aber darf er niemanden sexuell ausnutzen, der nicht wissentlich und freiwillig zustimmen kann.

Dieses Prinzip gilt unabhängig vom Geschlecht.

Es sollte konsequent angewandt werden.

Das freiwillige Trinken einer Frau beweist keine Einwilligung, und das freiwillige Trinken eines Mannes beweist keine Schuld. Eine sexuelle Begegnung nach Alkoholkonsum ist nicht automatisch ein Übergriff, ebenso wenig ist Rausch eine universelle Verteidigung. Die Beweise müssen klären, was jeder Beteiligte wusste, was jeder kommunizierte und ob das vorgeworfene Verhalten die maßgebliche rechtliche Definition von Handlungsunfähigkeit oder fehlender Einwilligung erfüllt. Im Fall Cornell ist umstritten, auf welche Seite dieser Linie die Nacht fällt: Sie beschreibt, wie sie bereits berauscht zu einer Droge gedrängt wurde, während die Beschuldigten von ihrem eigenen Rausch berichten. Das ist ein Grund, es herauszufinden.

Was passiert, wenn Institutionen feste Überzeugungen mit Beweisen verwechseln

Brian Banks, Kalifornien.

2002 beschuldigte ihn eine Mitschülerin, Wanetta Gibson, der Vergewaltigung. Angesichts einer drohenden Höchststrafe von 41 Jahren plädierte er auf "no contest", verzichtete also darauf, die Anklage zu bestreiten, und verbrachte rund fünf Jahre im Gefängnis. Seine Verurteilung wurde am 24. Mai 2012 aufgehoben, nachdem sie zugegeben hatte, die Geschichte erfunden zu haben. 2013 erstritt der Schulbezirk ein Urteil über 2,6 Millionen Dollar gegen sie, nachdem sie zuvor eine Vergleichszahlung von ihm erhalten hatte.

William McCaffrey, New York.

Eine Frau behauptete 2005, er und zwei andere Männer hätten sie mit vorgehaltenem Messer vergewaltigt. Von seiner 20-jährigen Haftstrafe verbüßte er fast vier Jahre, bevor das Verfahren im Dezember 2009 eingestellt wurde. Sie gestand die Lüge zuerst einem Priester, dann den Behörden. Laut Staatsanwaltschaft wollte sie, dass ihre Freundinnen Mitleid mit ihr hatten, und fühlte sich danach in ihrer Geschichte gefangen. Neue DNA-Tests ergaben, dass das genetische Material von mindestens zwei Frauen stammte, nicht von McCaffrey. Sie wurde wegen Meineids zu einer Haftstrafe von einem bis drei Jahren verurteilt. Ihre Anwälte argumentierten, sie sei in jener Nacht so betrunken gewesen, dass sie begonnen habe, ihre eigenen Lügen zu glauben.

Die Lacrosse-Spieler von Duke.

2006 beschuldigte Crystal Mangum David Evans, Collin Finnerty und Reade Seligmann. Der Generalstaatsanwalt von North Carolina ließ alle Anklagen fallen und erklärte die drei für unschuldig. Er sprach von einer "tragischen, überstürzten Anschuldigung", und der zuständige Staatsanwalt verlor später seine Zulassung. DNA-Tests fanden genetisches Material mehrerer Männer an und um Mangum, jedoch von keinem der Lacrosse-Spieler. Jahre später erklärte Mangum öffentlich, sie habe falsch ausgesagt.

Seneca Valley, Pennsylvania, 2017 bis 2018.

Ein Jugendlicher wurde zweimal von Mädchen seiner Schule des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Nach der ersten Anschuldigung akzeptierte er eine Auflagenvereinbarung ohne Schuldeingeständnis und stand sechs Monate unter Bewährung. Nach der zweiten wurde er laut der Klage seiner Familie in einer Jugendeinrichtung und anschließend zu Hause festgehalten. Dieser Klage zufolge begannen die Strafanzeigen in sich zusammenzufallen, als drei der Zeuginnen zugaben, gelogen zu haben. Die Bezirksstaatsanwaltschaft sagte zu, die Löschung seiner Akte zu beantragen. In der Klage heißt es zudem, eine andere Gruppe von Mädchen habe Aussagen gemacht, die stützten, dass die Anklägerinnen gelogen hatten. Die Fußfessel wurde entfernt; der Schulbezirk bestrafte die Mädchen nicht. Ein Bundesrichter wies später die Ansprüche der Familie gegen den Schulbezirk ab. Die Verleumdungsklagen gegen die Mädchen und ihre Familien wies er ab und lehnte es ausdrücklich ab, sich dazu zu äußern, ob die Anschuldigungen falsch waren.

Der Fall bleibt dennoch bedeutsam, weil er drei Fragen trennt, die gern vermischt werden: ob der Beschuldigte unschuldig war, ob die Anklägerinnen bewusst gelogen haben und ob die Institutionen rechtmäßig gehandelt haben. Ein Junge wurde festgehalten und aus seiner Schule und seinem Sport gedrängt, bevor irgendjemand die Geschichte überprüft hatte. Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür niemand.

Ein Mann in Middletown Township, Pennsylvania, 2024. Eine 20-jährige Frau erfand eine versuchte Vergewaltigung und Entführung durch einen Fremden, den sie "unheimlich" fand. Er saß 31 Tage im Gefängnis, bis Überwachungsvideos und eine forensische Auswertung ihres Handys die Widersprüche offenlegten und sie zugab, gelogen zu haben. Im April 2025 wurde sie zu einer Haftstrafe von 45 Tagen bis 23 Monaten verurteilt.

Man beachte, was diese Fälle schließlich aufbrach: DNA, Videoaufnahmen, Handydaten, ein Widerruf, ein Zeuge, der endlich redete. Den Ausschlag gab weder wie glaubwürdig jemand klang noch die öffentliche Empörung in der Form eines Hashtags. Auch im Fall Cornell wird es auf diese Art von Beweisen ankommen, und deshalb muss dieser Maßstab Bestand haben. Das Argument für ein rechtsstaatliches Verfahren beruht nicht darauf, wie oft eine Anschuldigung falsch ist. Es beruht darauf, was eine einzige falsche Anschuldigung kostet. In diesen Fällen waren es Jahre, im Fall Duke zudem die Stelle eines Trainers und ein guter Ruf.

Wie aus einer verschwommenen Nacht ein ruiniertes Leben wird

Zwei Menschen, die sich kaum kennen, trinken auf einer Party. Sie gehen zusammen nach Hause. Beide sind beeinträchtigt, niemand sonst ist anwesend, und keiner von beiden schickt in dieser Nacht eine Nachricht. Am nächsten Morgen empfindet einer von ihnen etwas zwischen Peinlichkeit und Scham und erzählt es einer Freundin. Die Erinnerungen gehen auseinander, wie es nach starkem Alkoholkonsum üblich ist, ohne dass irgendjemand lügt. Es wird Anzeige erstattet.

Von diesem Moment an hängt das Schicksal des Mannes vom Verfahren ab, nicht von der Wahrheit. Ein Campusgremium kann nach einem niedrigeren Beweismaßstab entscheiden als ein Gericht. Eine Suspendierung kann vor jeder Anhörung beginnen. Sein Name kann öffentlich sein, bevor seine Darstellung gehört wurde. Ein Stipendium, ein Praktikum oder eine Stelle kann allein aufgrund von Gerüchten enden, während ein Freispruch oder eine Einstellung des Verfahrens kaum etwas davon zurückbringt. Banks verlor sein Stipendium und Jahre seines Lebens. McCaffrey verlor vier Jahre. Die Duke-Spieler wurden angeklagt und galten monatelang landesweit als Schurken, bevor die Beweise vorlagen.

Eine fremde Person verschärft all das. Man kennt weder ihre Freunde noch ihre Vorgeschichte, ihre Gründe für Reue oder ihre Beziehung zu den Menschen, die davon erfahren werden. Ohne gemeinsame Vorgeschichte gibt es nichts, woran sich Mehrdeutiges messen ließe.

Nichts davon behauptet, Reue sei Vergewaltigung. Ebenso wenig entschuldigt es einen Mann, der weitermacht, obwohl er nicht sicher ist, ob die andere Person einwilligen kann.

Wer unsicher ist, für den lautet die Antwort Nein. Diese Regel schützt beide.

Was Männer tun können

Auch ein Mann, der alles auf dieser Liste befolgt, kann falsch beschuldigt werden, wie Banks und McCaffrey zeigen. Wer sich daran hält, kann das Risiko aber möglicherweise senken.

- Meide Partnerinnen, die du nicht kennst. Fremde bringen unbekannte Motive, Freunde und Vorgeschichten mit.

- Meide Partnerinnen, die widersprüchliche Signale senden. Mehrdeutigkeit ist der Rohstoff jedes Streits.

- Meide berauschte Partnerinnen. Ethisch wie praktisch ist das ein enormer Risikofaktor, für sie wie für dich.

- Meide Partnerinnen, die sich erkennbar in einer Krise befinden oder sprunghafte, manipulative oder rachsüchtige Muster zeigen. Das eigentliche Warnsignal ist ein Muster aus Konflikt, Vergeltung oder Drama, nicht irgendeine Diagnose.

- Meide toxische Dynamiken, also eine Vorgeschichte von Zwang, Eifersucht oder Meinungsverschiedenheiten, die zu Drohungen werden.

- Meide Partnerinnen in festen Beziehungen. Heimlichkeit und Schuldgefühle schaffen Motive, das Geschehene umzudeuten.

- Respektiere deine Partnerin, wie du dich selbst respektierst. Frag klar, achte auf Zögern und hör auf, wenn du unsicher bist.

Was bleibt, ist ein schwerwiegender Vorwurf, eine Aktenlage, die in beide Richtungen weist, zwei Institutionen, zwischen denen die Beweise verloren gingen, und ein Online-Mob, der bereits eine unbeteiligte Familie getroffen hat. Über Schuld oder Unschuld eines einzelnen Mannes sagt das nichts aus. Erst recht belegt es nicht, dass sieben Männer ein einziger Mann sind.

Man lasse die Sonderermittlerin und die Grand Jury arbeiten. Man verlange von Cornell und dem Bezirksstaatsanwalt eine Erklärung, wer wann was hatte. Man weise jede Regel zurück, nach der Zweifel ein Geständnis und ein rechtsstaatliches Verfahren eine Beleidigung ist.

Ein rechtsstaatliches Verfahren weigert sich, einen Vorwurf in ein Urteil zu verwandeln, bevor die Beweise geprüft sind.

Das ist keine Verachtung von Frauen.

Die Vorstellung, ein rechtsstaatliches Verfahren beleidige Frauen, birgt einen eigenen Sexismus. Sie unterstellt, die Darstellung einer Frau müsse ungeprüft akzeptiert werden, weil sie Fragen, Widerspruch oder Unsicherheit nicht standhalten könne. Damit wird die Frau von einer erwachsenen Zeugin zu einem heiligen Objekt, dessen Würde die Aussetzung gewöhnlicher Maßstäbe verlangt. Das ist Bevormundung im Gewand der Solidarität und ein schlechter Ersatz für Gleichberechtigung.

Eine Frau hat Anspruch darauf, gehört zu werden.

Sie hat keinen Anspruch darauf, dass jede Deutung ihrer Geschichte als wahr behandelt wird. Eine Gesellschaft, die Frauen respektiert, sollte ihnen zuhören können, ohne ihr Urteilsvermögen preiszugeben. Eine Gesellschaft, die Männer respektiert, sollte gegen sie ermitteln können, ohne ihre Schuld vorauszusetzen.

Nach dem Fall Seneca Valley fasste die Redaktion der Pittsburgh Post-Gazette das Prinzip in einem Satz zusammen: Der Person, die einen Vorwurf erhebt, gebührt Respekt, dem Vorwurf selbst Skepsis. Die menschliche Haltung vereint beides – Mitgefühl für die Person, die den Vorwurf erhebt, und Skepsis gegenüber dem Vorwurf –, und ein Urteil fällt erst, wenn die Beweise es tragen.

Die Beweise sollen entscheiden.




All die geschilderten Fälle sind weithin bekannt. Trotzdem reagieren viele Journalisten bei neuen Vorwürfen reflexhaft mit "Diese Schweine!" statt zum Beispiel mit "Das klingt schlimm, ich bin gespannt, was der Prozess ergibt". Es scheint hier in dieser Branche kaum Lernfähigkeit zu geben. Ich habe interessehalber eine KI gefragt, woran das liegt, weil eine KI-Antwort nicht so entnervt ausfällt, wie ich sie geben würde, sondern nüchtern und analytisch:

Ein frischer Vorwurf hat einen hohen Nachrichtenwert, eine Einstellung oder ein Freispruch Monate später einen viel geringeren, weshalb die Korrektur selten dieselbe Reichweite erhält wie die Anschuldigung. Hinzu kommt eine Asymmetrie der Quellen: Anklägerinnen und ihre Anwälte sprechen oft öffentlich, während Beschuldigte von ihren Verteidigern meist zum Schweigen angehalten werden. Wer nur eine Seite hört, schreibt leicht eine einseitige Geschichte. Schließlich spielt das soziale Risiko eine Rolle: Ein Journalist, der Zurückhaltung anmahnt, muss damit rechnen, als Verharmloser zu gelten, während vorschnelle Empörung kaum berufliche Folgen hat, solange sie im Rahmen des Üblichen bleibt.


Da das soziale Risiko für uns Männerrechtler eine weniger große Rolle spielt (wir werden ohnehin angefeindet), müssen sich Blogs wie Genderama umso intensiver mit den Lücken in der Berichterstattung beschäftigen und ihre Einseitigkeit und Voreingenommenheit wettmachen.



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Mittwoch, Oktober 07, 2026

"Influencerin ruft zu Kastration auf – Was diese Kampagne über unseren Feminismus verrät"

1. Im Frauenmagazin "Desired" bricht Andrea Zschocher mit der in solchen Zeitschriften ungeschriebenen Regel, Unsäglichkeiten im Feminismus zu ignorieren, und macht einen konkreten Fall zum Thema:

"Kastrieren statt kontaktieren" – so wirbt Content-Creatorin Lisa Sophie Wolff zusammen mit der Mission Tierrettung für eine Kampagne für die Kastration rumänischer Straßenhunde. Die Idee: Mit einer Spende von 40 Euro kannst Du einem Hund diese tierärztliche Behandlung ermöglichen und dabei den Namen Deines Ex-Partners oder Deiner "Red Flag" symbolisch beisteuern. Was viele als humorvoll feiern, offenbart gesellschaftliche Abgründe, die feministische Gleichheit auf den Prüfstand stellen.

Mir ist klar, dass die Aktion nicht wörtlich gemeint ist. Die Kastration betrifft einen Hund, nicht den Expartner. Aber der implizite Kontext bleibt: die symbolische Verbindung von jemandem, der dich enttäuscht hat, mit einer Handlung, die historisch mit Gewalt, Bestrafung und Machtdemonstration assoziiert wird. Was auf den ersten Blick für viele auf Social Media witzig und erleichternd erscheint, sendet in meinen Augen eine gefährliche Botschaft. Klingt nach Spielverderberin, wenn ich sage: Gewalt ist nie okay, auch nicht gegen Männer. Ist aber eine Tatsache.

Stellen wir uns nur mal vor, dass Männer denselben „Scherz“ machen und dazu aufrufen würden, Ex-Freundinnen symbolisch sterilisieren zu lassen. Es gäbe einen Aufschrei, Empörung und Wut wären verständlicherweise groß. Warum also fällt es uns dann so leicht, genau diese Mechanismen umgekehrt zu akzeptieren?


Hier geht es weiter.



2. Mehrere Medien berichten über eine Entwicklung im Auswärtigen Amt unter Johann Wadephul, wobei sie sich offenbar auf folgenden Artikel der B.Z. beziehen, der nicht online steht:

Deutschlands Chefdiplomat hatte vor einigen Wochen das Gender-Regime seiner Vorgängerin Annalena Baerbock (45, Grüne) beendet. In einer Anweisung im Intranet erlaubte er allen Beamten ausdrücklich, auf die von Baerbock noch verlangten weiblichen Formen (u. a. Sternchen im Wort) zu verzichten. Einen Zwang zum Gendern gibt es seitdem nicht mehr.

Doch zwei Abteilungsleiterinnen geht dies offenbar gegen den Strich. Nach B.Z.-Informationen weigerten sich die Leiterinnen der Abteilungen Kultur und Globale Ordnung, Aktenvorgänge ohne gendergerechte Sprache zu genehmigen. Mehr noch: Sie ließen die Dokumente links liegen, anstatt sie an Staatssekretäre und Minister weiterzureichen. Der Gender-Streik fiel irgendwann auf, weil wichtige Dokumente nicht im Ministerbüro ankamen.

Das Auswärtige Amt bestreitet die Vorgänge auf B.Z.-Anfrage nicht. Ob die beiden Beamtinnen dienstrechtliche Konsequenzen fürchten müssen, ist offen. Insider sprechen von "Sabotage der Verwaltungsvorgänge".

Die Abteilungsleiterinnen ließen eine B.Z.-Anfrage unbeantwortet.




3. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat entschieden, dass alleinstehende, gesunde und erwerbsfähige Frauen, die in Griechenland bereits internationalen Schutz erhalten haben, nicht allein aufgrund ihres Geschlechts als besonders vulnerabel gelten und deshalb grundsätzlich dorthin zurücküberstellt werden können. Im konkreten Fall ging es um eine jesidische Irakerin, die zu ihren in Deutschland lebenden Eltern wollte; das Gericht sah trotz der schwierigen Lebensbedingungen in Griechenland keine hinreichende Gefahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung. Frauen müssten sich demnach grundsätzlich ebenso wie Männer auf wechselnde Unterkünfte, Hilfsorganisationen und die Aufnahme von Arbeit einstellen. Der Verwaltungsgerichtshof verwies sogar auf Beschäftigungsmöglichkeiten in Landwirtschaft, Tourismus, Gastronomie, Pflege und Reinigung sowie gegebenenfalls in der Schattenwirtschaft. Auch das Risiko sexualisierter Gewalt bewertete er in Griechenland nicht als außergewöhnlich hoch. Frühere Gerichtsurteile hatten in solchen Fällen Frauen einen besonderen Schutz zugesprochen, der Männern versagt blieb.



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Dienstag, Oktober 06, 2026

Klare feministische Ansage der taz: "Was wir dürfen, dürft ihr noch lange nicht"

1. In der Berliner tageszeitung ("taz") erklärt Lilly Schröder, dass "Objektifizierung" danach beurteilt werden sollte, von welchem Geschlecht sie ausgeht:

Es ist kein doppelter Standard, wenn Frauen Männer objektifizieren und sich gleichzeitig über die eigene Sexualisierung aufregen. Der Unterschied liegt im Kontext: Frauen werden seit Jahrhunderten strukturell objektifiziert, auf ihre Körper reduziert und ihr gesellschaftlicher Wert an ihre fuckability geknüpft.

Wenn Frauen nun den Spieß umdrehen und Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen, ist das Aneignung, nicht Diskriminierung. Wenn Ikkimel rappt: "Baby, du bist lecker, gibts den Pimmel auch in groß?" ist das Empowerment. Wenn Influencerin Maria Ludovica fordert, Männer sollten "sich doch entschuldigen, wenn die nicht anständig ficken" ist das Empowerment. Und wenn Influencerin Evil Suki für das Oktoberfest nach einem "Geldsklaven" sucht, der ihr den Besuch finanziert, ist auch das Empowerment.




2. An der Universität Cornell gibt es immer aggressivere Proteste zum angeblich nachlässigen Umgang mit sexueller Gewalt:

Vor dem Verwaltungsgebäude hielten Studenten ein Banner mit der Aufschrift hoch: "Burn Down the Patriarchy" ("Nieder mit dem Patriarchat").

Die Ivy-League-Universität bemüht sich seit Tagen, einen Sturm der Empörung – auf dem Campus und darüber hinaus – über ihren Umgang mit der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung aus dem Jahr 2024 einzudämmen. Am frühen Montagmorgen fand die Universität die Spuren dieser Wut direkt an den Wänden ihrer Verwaltung, die mit Graffiti besprüht worden waren.

In der Nacht zum Montag wurde auch eine Glastür beschädigt. Auf den Wänden daneben waren in Rot Botschaften geschrieben, die sich gegen ein Patriarchat und die Reaktion der Elite-Uni auf Vorwürfe des sexuellen Angriffs richteten, wie Fotos in Nachrichtenmedien zeigten.


Die deutschen Medien widmen sich immer noch intensiv diesem Thema, wobei die Berichterstattung massiv einseitig bleibt. Allein Shantanu Patni wagt im Magazin CICERO eine abweichende Perspektive:

Die Klägerin, die in den Gerichtsakten nur "Jane Doe" heißt, hat ihre Geschichte inzwischen dreimal erzählt, und die jüngste Fassung weicht von den früheren so weit ab, dass auch der bis vor kurzem zuständige Staatsanwalt von einer "dramatisch anderen" Darstellung spricht. Die früheren Fassungen erzählen von einer Nacht, auf die sie sich selbst eingelassen hatte. Zur Vergewaltigung wurde sie offenbar erst, als ihr Ruf auf dem Spiel stand.

Die erste Fassung entstand in den Tagen nach jener Nacht und lässt sich inzwischen gut nachzeichnen. Die New York Times hat die Akten des universitätsinternen Verfahrens ausgewertet, Hunderte Seiten mit Nachrichten, E-Mails und Befragungsprotokollen. Am Morgen danach erzählte die Studentin ihren Mitbewohnerinnen von Ketamin und Sex mit mehreren Männern. "Ist das nicht verrückt?", habe sie gesagt und dabei gelacht, gab eine von ihnen später zu Protokoll. Ihrer Mentorin in der Studentinnenverbindung erzählte sie, auf dem Campus heiße es, sie sei eine Schlampe. Leider seien die Gerüchte wahr, habe sie lachend hinzugefügt, so die Mentorin gegenüber den Ermittlern.

Kurz darauf entschuldigte sich einer der Männer bei ihr. Er und ein zweiter seien zu berauscht gewesen, um die Sache zu beenden, bevor sie völlig aus dem Ruder lief. Sie antwortete, nichts von dem Sexuellen sei illegal gewesen, sie sei gern mit den beiden zusammen gewesen, und schlug vor, wieder einmal gemeinsam zu kiffen, nur ohne "die zusätzlichen fünf Milliarden Männer und das Ketamin". Dem anderen schrieb sie zwei Tage später, ihr Ruf sei zerstört und sie schäme sich zutiefst. Zugleich versicherte sie ihm, sie werde jedem, der ihm deswegen Ärger mache, persönlich eine verpassen. Die Leute müssten eben erwachsen werden, Sexualität verändere sich. Dann folgte: "I love you, King."

(…) Was zwischen der ersten Fassung gegenüber dem unmittelbaren Bekanntenkreis und der zweiten Fassung gegenüber der Campuspolizei lag, steht ebenfalls in den Akten. Ende Oktober wurde Jane Doe von der Halloween-Party derselben Studentenverbindung ausgeladen. "Die Frau zieht immer den Kürzeren", schrieb sie demselben Mann, dem sie wenige Tage zuvor "I love you, King" geschrieben hatte. "Ihr seid nicht meine Freunde." Anfang November behauptete sie dann gegenüber dem Mann, der sich bei ihr entschuldigt hatte, gut 90 Prozent dessen, was in jener Nacht passiert war, seien nicht einvernehmlich gewesen.

(…) Mit der Klage wurden auch die Namen der sieben Männer öffentlich, kurz darauf kursierten ihre Gesichter. Einem von ihnen hat sein Arbeitgeber bereits gekündigt. Wie auch immer das Laiengremium entscheidet, das Netz hat sein Urteil längst gesprochen: Junge Frauen filmen sich unter dem Ruf "Ich bin Jane Doe" und erklären, es hätte jede von ihnen treffen können.

(…) Auch die Politik hat sich festgelegt. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sprach von sieben Männern, die eine Studentin betäubt und stundenlang vergewaltigt hätten. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul erklärte, die junge Frau habe "etwas völlig Unaussprechliches" erlitten und sei "bei jeder Gelegenheit von Menschen und Institutionen im Stich gelassen" worden. Die Gouverneurin ließ es nicht dabei bewenden. Sie hat den Fall nun dem Bezirksstaatsanwalt entzogen und ihn Generalstaatsanwältin Letitia James übertragen.

James wiederum hatte schon drei Tage vor ihrer Ernennung auf Facebook geschrieben, was die junge Frau habe ertragen müssen, sei "entsetzlich", und von einer "Überlebenden" gesprochen. Damit haben sowohl die Regierungschefin des Staates, dessen Justiz nun über eine Anklage entscheiden soll, als auch die Anklägerin, die die Ermittlungen übernimmt, das Ergebnis bereits vorweggenommen, bevor eine Grand Jury auch nur zusammengetreten ist.

Wer in diesem Klima nach Belegen fragt, macht sich verdächtig, zumal die Rollen von vornherein verteilt scheinen. Verbindungsstudenten einer Eliteuniversität sind seit Jahrzehnten die Schurken eines festen Erzählmusters. Es trug schon die Vorwürfe gegen die Lacrosse-Mannschaft der Duke University im Jahr 2006 und die Reportage des Magazins "Rolling Stone" über eine angebliche Gruppenvergewaltigung an der University of Virginia acht Jahre später. In beiden Fällen erwies sich die Geschichte als falsch.

Die Studentin hatte sich die Nacht zunächst mit der Sprache der sexuellen Befreiung zurechtgelegt. Doch diese Sprache hielt genau so lange, bis der Campus anfing, sie eine Schlampe zu nennen. Für etwas, in das man eingewilligt hat und dessen man sich am nächsten Morgen schämt, hat diese Sprache kein Wort. Also wurde daraus eine Gruppenvergewaltigung, und aus sieben Männern wurden Täter eines Verbrechens, für das sie bisher noch nicht einmal angeklagt worden sind.

(…) Für junge Männer ist das keine abstrakte Debatte. Sie sehen sieben Altersgenossen, deren Namen, Gesichter und Arbeitgeber im Netz kursieren, dazu einen Unbeteiligten, dem die Klage zugestellt wurde, weil er zufällig denselben Namen trägt. Sie sehen ein Video, in dem einer der Beschuldigten auf dem Campus beschimpft wird, und Beiträge, in denen es heißt, "Jungen beizubringen, nicht zu vergewaltigen, hat offensichtlich nicht funktioniert. Bringen wir also den Mädchen bei, zu töten." Und sie sehen, wie sich eine Gouverneurin und eine Generalstaatsanwältin festlegen, bevor ein Gericht es getan hat.


Menachem Rosensaft, Juraprofessor an der Universität Cornell zeigt sich erschüttert über die "Lynchmob-Mentalität", die in diesem Fall inzwischen herrscht: "Im Grunde genommen wurden die sieben betroffenen Studenten vor dem Gericht der öffentlichen Meinung bereits verurteilt, bestraft und verdammt."

"Von einer Vergewaltigungskultur zu sprechen, die über 20.000 Studenten in einen Topf wirft, die absolut nichts damit zu tun haben, ist einfach unverantwortlich und falsch", sagte Rosensaft weiter . Die Tendenz, "ohne Rücksicht auf Fakten oder Nuancen nur auf billige Schlagzeilen und den schnellen Moment der Publicity aus zu sein", bereite ihm Sorgen. "Wenn es in Midtown Manhattan zu einem Überfall kommt, ist der Verantwortliche der Räuber, nicht die gesamte Bevölkerung von Manhattan."

In einem ausführlichen Beitrag beschäftigt sich die konservative New Yorker Zeitschrift National Review mit dem Fall. Einige Auszüge daraus:

Gerechter Zorn kann etwas Gutes sein, wenn er aus den Beweisen erwächst, aber er darf nie zum Werkzeug werden, um die Beweise niederzuschreien oder das Gesetz zu ignorieren. Sowohl unser moralisches Empfinden als auch der Wert eines rechtsstaatlichen Verfahrens zählen mehr und nicht weniger, wenn sich die Leute in den sozialen Medien in einen Fieberrausch hineinsteigern.

(…) Natürlich kann auch etwas, das keine Vergewaltigung ist, auf vielerlei Weise moralisch abscheuliches Verhalten sein, aber es wird nicht dadurch zur Vergewaltigung, dass man hitzige Rhetorik darauf anwendet. (…) Das meiste von dem, was wir über diesen Fall zu wissen glauben, ist Hörensagen oder Spekulation. Tatsächlich liegen bislang nur sehr wenige Beweise öffentlich vor. Wir können also zwar darüber sprechen, was bekannt zu sein scheint oder umstritten ist, aber es ist durchaus möglich, dass die meisten Leute, die selbstsichere Behauptungen über diese Fakten aufstellen, in Wahrheit keine Ahnung haben, was geschehen ist.


In den folgenden Absätzen versucht der Autor des Artikels aufzudröseln, welche Fakten über den Fall als tatsächlich belegt gelten, was sich als extrem schwierig herausstellt, weil, wie gesagt, viele Informationen der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, weil man bei keinem der Beteiligten weiß, ob er zu unterschiedlichen Aspekten die Wahrheit sagt oder nicht und weil von dem angeblichen Opfer selbst stark widersprüchliche Darstellungen vorliegen.

Dann kommen wir zu dem Punkt, der die aktuelle Debatte beherrscht: Haben betrunkene junge Männer die Pflicht, auf betrunkene junge Frauen mit beeinträchtigtem Urteilsvermögen achtzugeben? Ich meine, ja. Doch wenn man es zu Ende denkt, ist diese Annahme im Kern patriarchalisch. Sie war jung, aber die Männer waren ebenfalls jung. Sie trank und nahm Drogen, aber das taten die Männer auch. Sie traf eine schlechte Entscheidung, die sie verfolgen mag, und die Männer taten dasselbe. Warum sollen sie die gesamte Verantwortung tragen? Ich für meinen Teil beantworte diese Frage gern damit, dass sie Männer sind und Männer bestimmte Pflichten haben, die Frauen nicht haben. Von Natur aus sind sie größer und stärker als sie. Von Natur aus haben Frauen unter den Folgen unbedachten Sex stärker zu leiden als Männer. Als Gesellschaft sollten wir von Männern ein gewisses Maß an ritterlicher Verpflichtung gegenüber Frauen verlangen. Doch dies von Männern zu verlangen, ist kein Schlag gegen das Patriarchat; es ist das Patriarchat. Es ist die Überzeugung, dass Männer Pflichten zum Schutz von Frauen haben, die darüber hinausgehen, Sex allein als Frage der Einwilligung zu behandeln, als handle es sich um ein Handelsgeschäft.

Und ja, das bedeutet auch, dass eine richtig geordnete moralische Gesellschaft von den Umstehenden hier verlangen würde, nicht einfach wegzugehen, sondern einzugreifen und das Mädchen nach Hause ins Bett zu bringen, wo es hingehörte, ob es das wollte oder nicht. Solche Männer bekommen wir aber nicht, wenn wir Männer nicht mit einem Sinn für patriarchalische Verantwortung erziehen und ihnen stattdessen einbläuen, dass das Sexleben einer Frau sie verdammt noch mal nie etwas angeht.

(…) Ist es wirklich Aufgabe des Gesetzes, Frauen zu sagen, dass sie sich nicht betrinken und keinen unverbindlichen Sex haben dürfen? Darauf liefe eine Änderung des Gesetzes in Bezug auf beeinträchtigtes Urteilsvermögen im Ergebnis hinaus. Und wenn eine Frau nicht für das verantwortlich ist, was sie nach ein paar Drinks zu viel tut, ist dann der Mann strafrechtlich verantwortlich, wenn er sich im selben Zustand befindet? Zwar wäre es nicht das Schlimmste, das Gesetz in dieser Hinsicht etwas paternalistischer zu gestalten, aber ich glaube nicht, dass wir so weit gehen wollen. Zudem ist es schwierig, im Recht zwei unterschiedliche Maßstäbe für beeinträchtigtes Urteilsvermögen zu haben, einen für Männer und einen für Frauen.




3. Das Magazin Aporia beschäftigt sich ungewöhnlich tiefgehend mit der häufig zitierten Behauptung, lediglich 2–8 Prozent der Vergewaltigungsanzeigen seien falsch. Die Autoren überprüfen dazu mehrere Studien, auf denen diese Zahl beruht, und argumentieren, dass dort häufig Fälle, bei denen die Ermittler weder Wahrheit noch Falschheit feststellen konnten, in den Nenner einbezogen wurden, während nur ausdrücklich als falsch eingestufte Fälle in den Zähler gelangten. Bei einer Neuberechnung der von ihnen untersuchten Datensätze kommen sie deshalb auf deutlich höhere Werte: je nach Studie und Umgang mit zurückgezogenen Anzeigen etwa 14 bis 30 Prozent, in einer australischen Untersuchung sogar 42,4 Prozent. Sie betonen allerdings selbst, dass diese eigenen Berechnungen wegen der subjektiven Klassifizierung der Fälle nicht als verlässliche neue Prävalenzschätzungen verstanden werden sollten. Der zentrale Punkt des Artikels ist letztlich nicht, eine belastbare neue Quote von 20–30 Prozent zu beweisen: Die Autoren erklären ausdrücklich, dass sich aus der vorhandenen Literatur keine seriöse genaue Rate ableiten lasse. Das ist seit über 25 Jahren auch meine eigene Einschätzung der Datenlage. Wenn etwa der auf Sexualstraftaten spezialisierte Rechtsanwalt Alexander Stevens über den Stand der Forschung schreibt, "Studien und Schätzungen aus dem Bereich der Justiz und Strafrechtspflege zufolge dürften zwischen 25 und 75 Prozent aller Vergewaltigungsanzeigen unbegründet sein", dann zeigt schon diese irrwitzig große Spannbreite, dass man hier kaum verlässliche Aussagen treffen kann.



4. In Bolivien, Chile, Argentinien und Peru liegen Gesetzesvorhaben vor, die härtere Strafen oder neue Verfahren für nachweislich falsche Anzeigen wegen häuslicher, sexueller oder "geschlechtsspezifischer" Gewalt vorsehen. "Ich möchte die erste Ministerin in der Geschichte des Westens sein, die sich für Männer einsetzt", bekundete in diesem Zusammenhang die chilenische Senatorin Vanessa Kaiser. "Ich möchte euch gegen die Vorstellung verteidigen, dass ihr schuldig seid, nur weil ihr als Mann geboren wurdet. Denn jetzt müssen wir – zusätzlich zu all den Belastungen, die wir ohnehin schon hatten – dank dieser schrecklichen Ideologien, die man Feminismus und Gender-Perspektive nennt, auch noch unsere Männer verteidigen."



5. Unter jungen Männern in Kanada kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung der seelischen Gesundheit. Zwischen 2012 und 2022 stieg bei Männern zwischen 15 und 24 Jahren der Anteil mit Stimmungserkrankungen von 11 auf 16 Prozent und der Anteil mit generalisierten Angststörungen von 4 auf 10 Prozent; zugleich sank der Anteil, der seine psychische Gesundheit als "sehr gut" oder "ausgezeichnet" bezeichnete, von 70 auf 52 Prozent. Suizid ist bei 15- bis 34-jährigen Jungen und Männern die zweithäufigste Todesursache. Als verantwortlich für diese Entwicklung wird von einigen "die Manosphäre" gemacht. Die kanadische Bundesregierung plant jetzt erstmals eine eigene Strategie zur seelischen Gesundheit von Jungen und Männern, die unter anderem Mentoring, Peer-Unterstützung, Sport und Freizeitangebote, gesunde Beziehungen und positivere soziale Normen fördern soll.



6. Vergangene Woche wurde in Texas eine Vierjährige von ihrer Mutter erschossen. Nach Angaben der Polizei hatte am selben Tag eine Sorgerechtsanhörung stattgefunden, bei der dem Vater des Mädchens die hauptsächliche Betreuung zugesprochen worden war; sie sollte noch am Abend zu ihm zurückkehren. Die Familie identifizierte das erschossene Mädchen und erklärte, der Vater habe alle gerichtlichen Vorgaben befolgt und darauf vertraut, dass das Sorgerechtsverfahren seine Tochter schützen würde. Des weiteren erklärte die Familie: "Wir bitten die Öffentlichkeit, sich daran zu erinnern, dass es überall Väter gibt, die still, geduldig und im Rahmen des Gesetzes dafür kämpfen, ihre Kinder zu schützen. Ihre Geschichten werden selten erzählt, das sollte man aber tun."



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Montag, Oktober 05, 2026

Spiegel-Online: "Männer brauchen radikales Mitgefühl"

1. In einem aktuellen Beitrag befindet Spiegel-Online zwar nicht selbst, dass Männer "radikales Mitgefühl" brauchen – Empathie für Männer wäre ein Bruch mit der langjährigen Redaktionslinie – , berichtet aber über die Autorin Sophia Fritz, die in ihrem neuen Buch entsprechend argumentiert:

Ab Oktober wird Fritz auf Lesereise gehen, um aus ihrem neuen Sachbuch vorzulesen. Der provokante Titel: "Der Mann, das Opfer". (…) Mit "Toxische Weiblichkeit" veröffentlichte sie vor zweieinhalb Jahren einen Bestseller. Ihr Ansatz, die Aufrechterhaltung des Patriarchats nicht nur den Männern, sondern auch den Frauen anzulasten, sorgte zunächst für Irritationen. Dann aber verbreiterte Fritz mit ihrem Blick auf Konflikt meidende, sich selbst optimierende und es allen Recht machende Frauen die Diskussion. Und wurde, auch wegen ihrer darin verarbeiteten Selbstkritik, zu einem Shootingstar in der feministischen Debatte.

Der Erfolg von "Toxische Weiblichkeit" habe alle überrascht, sagt Fritz. Ihren Verlag, der mittlerweile die 16. Auflage des Sachbuchs druckte, ihr Umfeld, am meisten vielleicht Fritz selbst. Sie wisse, dass der Titel "auf die Zwölf" war. Aber dass sie plötzlich in bekannte Podcasts und zu Interviews eingeladen wurde, dass ihr bei Instagram mittlerweile mehr als 21.000 Accounts folgen, damit habe sie nicht gerechnet. (…) "Der Mann, das Opfer" könnte das sogar noch übertreffen, schließlich zielt das Buch wieder auf eine erregt geführte Debatte.

(…) 2023, zwei Monate nach dem Unterzeichnen des Buchvertrags für "Toxische Weiblichkeit", starb Fritz’ jüngerer Bruder Chrissi an den Folgen einer Medikamentenabhängigkeit. Lange hatte der Anfang Zwanzigjährige pedantisch im Fitnessstudio gepumpt und leistungssteigernde Mittel genommen. "Das Krafttraining meines Bruders", so schrieb es Fritz mal in einem Gastbeitrag für den SPIEGEL, "habe ich lange als 'Männerding' belächelt." Die Diskurse darüber, wie sehr Menschen unter Schönheitsnormen leiden, würden ausschließlich mit Frauen geführt. Obwohl Männer oft ebenfalls viel Energie in die künstliche Verformung ihrer Körper stecken, "wird dies selten von Männern als gesellschaftlich bedingter Zwang reflektiert".

(…) Der Kern von "Der Mann, das Opfer" ist Fritz’ Mitgefühl mit Männern. Es ist ein bisschen wie bei "Toxische Weiblichkeit": Fritz’ Haltung ist dermaßen gegensätzlich zur vorherrschenden ihrer Generation, dass man erst mal irritiert ist. Denn waren es nicht die Männer, die das Patriarchat – sich selbst zum Vorteil – erschaffen haben? Und soll man sie dafür auch noch bemitleiden?

Auch sie sei eine wütende Feministin, sagt Fritz im Gespräch. (…) Sie sei, sagt sie, wütend auf Männer, die anderen Gewalt antun, wütend auf die individualisierende Erzählung über diese Täter und wütend auf die Verhältnisse, die all das hervorbringen. Wut sei wichtig für aktivistische Arbeit, auf jeden Fall. Zu ihrer Wut sei aber Mitgefühl hinzugekommen. Sie nennt es radikales Mitgefühl.

(…) Diese Sprach- und Gefühlsarmut falle ihr bei Männern immer wieder auf, sagt sie. Manche fänden kaum Worte für das, was in ihnen vorgeht, könnten ihre Gefühle nur schwer einordnen und erlebten ihren Körper eher als Werkzeug, das funktionieren soll. Und, auch das spielt hinein, dieser fehlende Zugang zu seinen Gefühlen habe ihrem Bruder womöglich das Leben gekostet. Auch über sein Leben schreibt sie in "Der Mann, das Opfer". Denn dass ihr Bruder eines war, auch wenn der Opferdiskurs ihn so gern übersieht, das steht für sie außer Frage.

In dem Buch zeichnet sie auch nach, wie gefährlich diese Spracharmut werden kann. Weil Gefühle nicht einfach verschwinden, nur weil man dafür keine Worte hat. Fritz schreibt, dass es dringend eine neue Sprache für Männlichkeit brauche, "bevor sich Verletzung weiter in Wut, Polarisierung und neue Formen patriarchaler Gewalt übersetzt". Auch darauf zielt ihr Konzept des Mitgefühls: Sie glaubt nicht, dass Männer sich vom Patriarchat emanzipierten, wenn sie sich dabei permanent beschämt fühlten. Männer, so sagt es Fritz an ihrem Küchentisch, bräuchten mehr Zugänge zu emotionaler Verbundenheit.

(…) Fritz’ Idee ist es, dass sich die Menschen verbinden, auch physisch. Sie will die Schwesternschaft, die Feministinnen im Kampf gegen das Patriarchat errichteten, um Männer erweitern. "Aktuell", sagt sie, "fehlen mir die Männer. Ich vermisse die Hälfte der Menschheit." Aber, und das ist wohl der Knackpunkt: Männer müssen erst zu dieser vermissten Hälfte werden wollen. Sie müssen sich und ihr Männlichkeitsbild hinterfragen.


In Österreich berichtet "Die Presse" unter der Schlagzeile "Der Feminismus hat die Jungs allein gelassen" über Sophia Fritz: "Mit Wut allein könne toxische Männlichkeit nicht bekämpft werden", heißt es im Teaser. Mit "Der Ansatz, Männer als Opfer des Patriarchats zu sehen, ist heute eigentlich mutig" eröffnet ein Interview mit der Autorin, die darin ausführt: "Wenn ein Mann einen Rock trägt, sich die Fingernägel lackiert und offen über seine Gefühle spricht, wird sein Mannsein viel schneller infrage gestellt."

Die zahlreichen weiteren Benachteiligungen, die Männer betreffen, bleiben auch in diesem Buch offenbar unerwähnt.



2. "Dass wir immer noch im Patriarchat leben, finde ich unterkomplex" befindet die Feministin und Philosophin Svenja Flasspöhler, die zu diesem Thema ebenfalls gerade ein Buch geschrieben hat. Flasspöhler war schon durch Widerworte in der MeToo-Debatte mit vielen anderen Feministinnen in den Konflikt geraten.

Darauf ging ein Shitstorm auf Flasspöhler nieder, da konnte sie noch so betonen, wie viel Gutes #MeToo bewirkt habe. Man warf ihr eine Täter-Opfer-Umkehr vor. Dasselbe erfährt sie jetzt wieder, bloss viel milder. Diesmal geht es um Gisèle Pelicot, an deren Fall sie in ihrem neuen Buch aufzeigt, wie Frauen manchmal Alarmsignale nicht sehen wollen und an ihrem idealisierten Mann, dem zweifellos Schuldigen, festhalten.

Auch wenn dieser Befund stimmt, wird sie in den sozialen Netzwerken erneut als Antifeministin beschimpft. Andere nennen sie "pick-me girl", also eine Frau, die absichtlich Dinge sagt und tut, oft auch auf Kosten anderer Frauen, um es mit Männern gut zu haben. Sie weiss von den Anwürfen, obwohl sie seit längerem raus ist aus X oder Instagram.




3. Der FOCUS hat zusammengetragen, in welchen Berufen Frauen besser verdienen als Männer: "Bis zu 7000 Euro mehr" oder auch "bis zu 16 Prozent". Leider Bezahlschranke.



4. Über Männer in der Krise berichtet der Therapeut Andreas Haase, der als Berater bei der "man-o-mann männerberatung" in Bielefeld auch mit männlichen Opfern häuslicher Gewalt zu tun hat. Die gänige feministische Weltsicht hat aber auch Haase verinnerlicht:

"Wir haben bis vor Kurzem in einer absolut klar patriarchalen Gesellschaft gelebt: Bis 1957 fiel das Vermögen der Frau durch Heirat automatisch an ihren Mann; bis 1977 musste sie ihn nach Ende der Kinderzeit um Erlaubnis fragen, wieder arbeiten zu gehen; bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar. Männer erleben seit wenigen Jahrzehnten, wie peu à peu diese Ungerechtigkeiten abgebaut werden – ein Verlust von Privilegien, wenn man so will."


Das ist alles arg verkürzt. Zutreffend ist: Im gesetzlichen Güterstand blieb die Frau auch vor 1958 Eigentümerin; aber der Ehemann hatte weitgehende Verwaltungs- und Nutzungsrechte. Die Erwerbstätigkeit der Ehefrau musste vor 1977 nicht erbettelt werden; der Ehemann konnte ihre Berufstätigkeit aber verhindern, wenn darunter Ehe und Familie gelitten hätten. (Stockreaktionär natürlich, aber auch ein halbes Jahrhundert her.) Und erzwungener Geschlechtsverkehr innerhalb der Ehe war auch vor 1997 strafbar, es wurde aber nicht als Vergewaltigung erfasst, sondern als Nötigung und gegebenenfalls als Körperverletzung.

Haase berichtet über seine Klienten:

"Oft sagen die Männer nach der ersten Beratungsstunde, so hätten sie sich noch nie gefühlt. Sie erwarten, bewertet zu werden und gesagt zu bekommen, was sie alles falschgemacht haben. Mit ihren Problemen beachtet, respektiert und gesehen zu werden, ist diesen Männern oft fremd. Sie haben gelernt, zu funktionieren, und wenn das nicht klappt, werden sie häufig aus Hilflosigkeit laut.

Oft geht es darum, den Männern Mut zuzusprechen, die Dinge, die sie uns erzählen, auch ihrem Umfeld gegenüber anzusprechen – vor allem, wenn das Gegenüber nicht offen dafür ist. Wenn zum Beispiel die Ehefrau bei jeder Kritik sofort abwinkt, fällt es schwer, am Ball zu bleiben. Männer sind oft nicht gut darin, mit Kränkungen umzugehen. Viele werden dann aggressiv und schneiden sich damit unter Umständen ins eigene Fleisch.

Trennungsväter zum Beispiel, die den Eindruck haben, Ex-Partnerin oder Behörden würden den Kontakt zu den Kindern erschweren, werden schnell laut, weil sie keine Konfliktlösungsstrategie haben. Die Konsequenz ist dann häufig, dass der Kontakt zu den Kindern ganz wegfällt. Wir müssen also schauen: Wie kannst du deine Interessen, Wünsche und Bedürfnisse vertreten, sodass sie beim anderen ankommen, ohne dass Grenzen überschritten werden?"


Nach "toxischer Männlichkeit" befragt, nennt Haase Strategien wie Schweigen und Liebesentzug. Dass mitunter Frauen in einem Konflikt dieselben Mittel anwenden, bleibt ungesagt.



5.
Die perfideste Taktik im Kampf ums Kind heisst: Entfremdung. Wer den Partner im Verlauf der Trennung einer Untat beschuldigt, kann eine Suspendierung des Besuchsrechts erwirken – mit tiefgreifenden Folgen. Jetzt will der Bundesrat die Verfahren beschleunigen.


Aus der Schweiz berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Der Artikel erwähnt auch die Schutzräume für männliche Gewaltopfer, die der maskulistische Verein "Zwüschehalt" anbietet.



6. "Packt sie beim Geld!" fordert die "taz" in einem Plädoyer dafür, die politisch gewünschten Wahlergebnisse durch finanziellen Druck herbeizuführen:

Im politisch-parlamentarischen Raum aber stagniert die Gleichstellung. Der Frauenanteil in Bundestag und Landtagen verharrt seit Längerem bei etwa einem Drittel, obwohl eine Mehrzahl der Wahlberechtigten weiblich ist. Zu beobachten sind sogar immer wieder Rückschritte. So sank im neu gewählten Landtag von Sachsen-Anhalt der Frauenanteil bei den Abgeordneten von schon niedrigen 28 Prozent auf nur noch 22 Prozent. (…) Mehr Frauen in Parlamenten heißt meistens auch, dass Themen, die Frauen besonders betreffen, wie Sorgearbeit, Gewalt gegen Frauen oder weibliche Gesundheit, mehr Bedeutung zugemessen wird.


~ Kennt man ja: Weil weit überwiegend Männer in den Parlamenten sitzen, wird auch allein häusliche Gewalt gegen Männer als Thema ernst genommen. ~

Woran man ansetzen könnte, um Parteien künftig eine höhere Repräsentanz von Frauen bei der Kandidatenaufstellung für Parlamente nahezulegen, wäre beim Geld. (…) Die zur Parteienfinanzierung staatlicherseits zur Verfügung gestellten Mittel sind erheblich. Für 2025 etwa waren es 225 Millionen Euro. Mein Vorschlag ist: Die Erstattung für eine Partei sei künftig davon abhängig zu machen, dass wenigstens die Hälfte der von ihr nach einer Wahl gewonnenen Parlamentssitze von Frauen besetzt wird. Andernfalls wird der Zuschuss proportional gekürzt.

(…) Eine mit dem Frauenanteil atmende Wahlkampfkostenerstattung belässt den Parteien alle Rechte der Kandidatenaufstellung, es kommt sie nur teuer zu stehen, setzt sie weiter auf Geschlechtsungleichheit. (…) Die Regelung muss auch nicht symmetrisch sein. Fraktionen mit einem Frauenüberschuss sollen von Kürzungen unbehelligt bleiben.


Die Kommentare unter dem Artikel sind vernichtend.



7. Aus einem neuen Spiegel-Online-Artikel über die Vergewaltigungsvorwürfe an der Universität Cornell:

Zumal einige der beklagten Männer laut US-Medienberichten an der Darstellung festhalten, sie habe den sexuellen Handlungen zugestimmt. So könnte passieren, dass sie am Ende straffrei davonkommen.


~ Es ist sogar noch viel schlimmer: Männer kommen zuhauf "straffrei davon", weil ihre Partnerin mit dem Sex einverstanden war (Rape Culture). ~

Im Ernst: Ich finde es bezeichnend, dass der Autor des Artikels offenbar gar nicht erst ernsthaft in Erwägung zieht, dass die Darstellung der Männer zutreffend sein könnte.



8. Olivier Martinez hat am 1. Oktober 2026 vor einem Gericht in Los Angeles eine einstweilige Schutzanordnung gegen seine Ex-Frau Halle Berry erwirkt, nachdem er ihr vorgeworfen hatte, ihren zwölfjährigen Sohn Maceo körperlich misshandelt zu haben. Martinez behauptet unter anderem, Berry habe den Jungen am Hals gepackt und gewürgt und ihn in den vergangenen Jahren mehrfach körperlich sowie ihn selbst verbal und emotional misshandelt. Das Gericht untersagte Berry nicht den Kontakt zu ihrem Sohn, schränkte ihre Besuchszeiten aber vorläufig auf montags und dienstags sowie samstags und sonntags jeweils von 10 bis 20 Uhr ein.



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Freitag, Oktober 02, 2026

New York Times zu Universität Cornell: Entpuppt sich das "Opfer" als Täterin?

1. Die New York Times hat zu der angeblichen Gruppenvergewaltigung an der Universität Cornell weitergeforscht und sich damit beschäftigt, was die Beschuldigten dazu zu sagen haben. Ein Auszug:

Ein weiteres Mitglied der Studentenverbindung, Gillio Lopes, der zusammen mit Herrn Newell in dem Zimmer wohnte, in dem die sexuellen Handlungen stattfanden, sagte, er habe "eine ziemlich klare Erinnerung" an diese Nacht, da er seiner Ansicht nach nicht so viel getrunken habe – nach seiner Schätzung etwa sechs Getränke, bestehend aus drei Keystone-Bieren und drei Mixgetränken aus Wodka und Hawaiian Punch.

Auf die Frage nach seiner Beteiligung an den Vorgängen mit Jane Doe sagte Herr Lopes, dass sie den sexuellen Kontakt initiiert und ihn nicht um seine Zustimmung gebeten habe – eine Aussage, die in krassem Widerspruch zu ihrer Schilderung des Abends steht.

Herr Lopes ging gegen 2 Uhr morgens, wie er sagte, nachdem er sich "unwohl" gefühlt habe, und begab sich mit drei Freunden zu McDonald’s. Er sagte, er habe ihnen nichts von dem erzählt, was sich zugetragen hatte, unter anderem, weil es ihm laut den Vernehmungsprotokollen "zugegebenermaßen ein bisschen peinlich war, was passiert war".

Herr Lee sagte ebenfalls, dass Jane Doe sexuelle Handlungen initiiert habe, ohne zu fragen. Er gab an, eine Line Ketamin von ihrem Körper geschnupft zu haben, und dass sie versucht habe, Sex zu initiieren.

"Ich habe mich irgendwie zurückgezogen, weil ich mich nicht auf so etwas wie Sex einlassen wollte", sagte Herr Lee. "Ich dachte, es sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür."


Wenn die als "Jane Doe" bezeichnete Studentin ihrerseits sexuelle Handlungen ohne die Zustimmung des betreffenden Mannes eingeleitet hat, stehen ihre Vorwürfe auf einem noch wackligeren Boden als ohnehin schon.

Alles in allem schält sich das Bild heraus, dass es hier um kaum mehr als eine Extremvariante des Falles handelt, bei dem eine Frau und ein Mann beide betrunken sind, in diesem Zustand miteinander Sex haben und sie ihn danach der Vergewaltigung beschuldigt, weil er sich ihr bemächtigt habe, als sie nicht zu einer reflektierten Einwilligung in der Lage gewesen war. Nur die Art der Droge und die Anzahl der Männer macht hier den Unterschied aus. Dass ein männlicher Beteiligter am Sex den Vorwurf genauso gut umkehren könnte, scheint vielen gar nicht erst in den Sinn zu kommen.



2. Die Frankfurter Allgemeine fabuliert in einem aktuellen Artikel:

Eine aktuelle Studie vergleicht männliche Privilegien mit Mundgeruch: "Wie man den eigenen Mundgeruch nicht wahrnimmt, so nehmen die meisten jungen Männer ihre Machtstellung in der Gesellschaft nicht wahr, weil sie ein anderes Selbstbild haben", heißt es darin. Die Untersuchung "Macht und Ohnmacht junger Männer" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend nennt das "kognitive Dissonanz". Sie zeigt, wie weit Wahrnehmung und Fakten voneinander entfernt sein können. Befragt wurden Männer zwischen 18 und 29 Jahren.

Kognitive Dissonanz beschreibt den Spannungszustand, der entsteht, wenn eigene Gedanken, Werte oder Handlungen im Widerspruch zueinander stehen. Oder wenn die Selbstwahrnehmung nicht mit gesellschaftlichen Strukturen übereinstimmt. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der sogenannten Mannosphäre (englisch Manosphere) wider, in der Influencer wie Andrew Tate Frauenhass propagieren.


Wie plump wollt ihr die Leute eigentlich verarschen?

Als kognitive Dissonanz bezeichnet man einen unangenehmen psychischen Spannungszustand, der entsteht, wenn ein Mensch gleichzeitig widersprüchliche Überzeugungen, Einstellungen oder Gedanken hat oder wenn sein Verhalten im Widerspruch zu seinen Überzeugungen steht. Ein Beispiel: Ein Mensch ist überzeugt, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, raucht aber selbst. Er weiß also, dass sein Verhalten seiner Überzeugung widerspricht.

Kognitive Dissonanz ist natürlich NICHT, wenn ein junger Mann nicht die Auffassung des Frauenministeriums teilt, selbst wenn das Ministerium diese Auffassung als "Fakten" bezeichnet. Man darf in Deutschland eine andere Meinung als eine Regierungsstelle haben, ohne dass das darauf hinweist, man würde irgendwie falsch denken. Man darf sogar eine andere Ansicht als Bundeskanzler Friedrich Merz haben, ohne dass das zeigt, dass mit einem irgendetwas nicht ganz stimmt.

Bemerkenswert ist, wie unkritisch die Frankfurter Allgemeine die Rhetorik des Ministeriums übernimmt, so als ob die Aufgabe der Leitmedien im Wesentlichen darin bestünde, ein Sprachrohr für die Regierung zu sein. Welche angeblichen Privilegien ein Mann gegenüber einer Frau haben soll, geht aus dem Artikel natürlich an keiner Stelle hervor.



Donnerstag, Oktober 01, 2026

Universität Cornell: Terror des Lynchmobs trifft jetzt auch Unbeteiligte

1. Die "taz" beschäftigt sich weiterhin mit der mutmaßlichen Vergewaltigung an der Universität Cornell und schreibt in diesem Zusammenhang von "Tätern und Mitwissenden":

57 Männer wussten davon, dass sich eine Frau dort befindet. Und 57 Männer haben nicht gehandelt, sich nicht erkundigt, ob es ihr gut geht, ob sie das will. 57 Männer haben einander geschützt und kein Wort darüber verloren, dass das, was dort geschieht, womöglich nicht in Ordnung ist. 57 Männer haben die Tat nicht verhindert und sie vielleicht sogar erst möglich gemacht.

"Not all men", sagen diejenigen, die es falsch finden, alle Männer gleichzusetzen. Und es stimmt, "nur" 7 der 57 sollen Täter geworden sein. Doch was Frauen meinen, wenn sie verallgemeinernd von Männern als Gefahr sprechen, dann meinen sie auch die anderen 50. Diejenigen, die feierten, was dort passierte, auch wenn sie selbst nicht mitmachten. Und diejenigen, die mitlasen und schwiegen.


Das Problem bei dieser Mischung aus Vorverurteilung und Sippenhaft besteht darin, dass bis jetzt nicht einmal klar ist, ob überhaupt eine Vergewaltigung stattgefunden hat. Christian Schmidt legt heute Morgen ausführlich dar, wie schwierig das zu beurteilen ist. Ähnlich sieht es die ehemalige Staatsanwältin Sunny Hostin, die sich um die Verfolgung von Sexualverbrechen verdient gemacht hat::

"Auch wenn wir diese Angelegenheit sehr ernst nehmen müssen, wäre es laut [der Aussage des mutmaßlichen Opfers] aus dem Jahr 2024 auf keinen Fall möglich gewesen, dass ein Staatsanwalt Anklage erhoben hätte", sagte Hostin.

(…) Hostin verwies auf das veraltete und umstrittene Gesetz des Staates New York, wonach Staatsanwälte, um einen Fall von Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen erfolgreich zu begründen, physische Gewalt, eine ausdrückliche Weigerung oder den Umstand nachweisen müssen, dass das [mutmaßliche] Opfer durch Bewusstlosigkeit oder unfreiwillige Verabreichung von Drogen "körperlich hilflos" gemacht wurde. Da das [mutmaßliche] Opfer vor dem Übergriff freiwillig Alkohol getrunken hatte und bei Bewusstsein war, erklärte die Staatsanwältin, dass eine strafrechtliche Anklage nicht aufrechterhalten werden könne.

(…) "Sie hat anderen Jungen erlaubt und zugestimmt, dass diese Ketamin von ihrem Körper schnupfen", sagte Hostin. "Und nach New Yorker Recht stellt freiwillige Berauschung oder Drogenkonsum, der lediglich das Urteilsvermögen beeinträchtigt, rechtlich keine Unfähigkeit dar, sexuellen Handlungen zuzustimmen."

"Das bedeutet also: Wenn man freiwillig Drogen einnimmt, freiwillig Alkohol trinkt, kann man einem Dreier zustimmen", fuhr die Expertin fort. "Und laut ihrer Aussage hat sie zwei separaten Dreiern zugestimmt."

(…) Hostin, die erklärte, sie befasse sich "mit den Fakten", bekundete zudem Mitgefühl für die sieben männlichen Studenten, gegen die in der Klage Vorwürfe erhoben wurden, und verteidigte sie. "Die Bilder dieser jungen Männer, gegen die weder Anklage erhoben noch ein Urteil gefällt wurde, werden überall im Internet verbreitet", sagte Hostin. "Ich glaube, dass die Medien ungenau über diese Geschichte berichten. Ich glaube, sie berichten unfair darüber."


Auch der US-amerikanische Journalist und Rechtsanwalt Glenn Greenwald zeigt sich besorgt:

Die Nutzung von Mob-Justiz, um Menschen für schreckliche Verbrechen schuldig zu sprechen und ihr Leben darüber zu zerstören – ohne ordentliches Verfahren, bevor sie überhaupt angeklagt, geschweige denn verurteilt werden –, wird von der Meute als gerecht und edel dargestellt. Tatsächlich ist sie unheimlich und gefährlich.


Auf der Website Unherd, die es sich zum Ziel gemacht hat, aus der Herdementalität vieler Medien auszubrechen, beschäftigen sich Sohrab Ahmari and Valerie Stivers mit dem Fall. Über die Aussagen des mutmaßlichen Opfers, hier als "Jane Doe" bezeichnet, heißt es dort:

In ihrer ursprünglichen Anzeige bei der Polizei der Cornell University finden sich zahlreiche entlastende Umstände, die zugunsten der Beschuldigten sprechen. Die Aussage beschrieb "Mann Nummer 1" als ihren Freund, mit dem sie verabredet gewesen sei. Ihren Rauschzustand bei der Ankunft im Verbindungshaus bewertete sie mit "5 von 10". Sie gab an, dem ursprünglichen Dreier zugestimmt zu haben, ebenso der Einnahme von Ketamin, während sie verschiedenen sexuellen Handlungen zustimmte oder ihre Zustimmung verweigerte. Die Ketamin-Line schnupfte sie vom Penis von "Mann Nummer 2", weil es "unausgesprochen klar" gewesen sei, dass er das wollte. Zudem willigte sie mündlich ein, dass weitere Lines Ketamin von ihrem Körper geschnupft wurden. Gegen Ende des Abends lag ihr Rauschzustand nach eigener Angabe bei "8 von 10". Sie habe sich beim Sex mit Mann Nummer 1 und einem weiteren Mann wiedergefunden, könne sich aber nicht erinnern, "wie es angefangen hat".

Der Zustand der jungen Männer steht nicht im Mittelpunkt der Aussage. Dass "Mann Nummer 1" während des Dreiers keine Erektion aufrechterhalten konnte und ein "Nickerchen" brauchte, ganz zu schweigen vom Würgereiz von "Mann Nummer 2", deutet jedoch darauf hin, dass auch die beiden Männer, die anfangs beteiligt waren, stark beeinträchtigt waren.

Inzwischen sind weitere augenscheinliche Anzeichen von Einvernehmen ans Licht gekommen, darunter eine Textnachricht, die Doe einige Tage nach dem Vorfall an einen der Männer schickte. Darin räumte sie ein, dass "nichts von dem sexuellen Kram illegal" gewesen sei, und schlug ein weiteres Treffen vor, "aber halt ohne die zusätzlichen 5 Milliarden Männer und das Ketamin".

Was Doe widerfahren ist, war eine Tragödie, daran besteht kein Zweifel. Die Rechtslage ist allerdings ziemlich eindeutig: Sofern nicht noch neue Tatsachen bekannt werden, wurde sie nicht sexuell missbraucht, jedenfalls nicht nach der gesetzlichen Definition des Bundesstaats. Die Versuche, den Fall wieder aufzurollen, sind offenkundig durch die aufbrandende öffentliche Empörung motiviert. Does eigene Zivilklage stützt sich zudem auf das schwache Argument, sie sei aufgrund ihres Rauschzustands "nicht einwilligungsfähig" gewesen, ohne irgendeinen der erforderlichen Beweisstandards zu erfüllen, die weit über die bloße Tatsache einer Berauschung hinausgehen.

(…) Die amerikanische Universität und letztlich die gesamte US-Gesellschaft brauchen dringend eine neue Sexualethik. Es geht nicht an, nur eine Seite der sexuellen Gleichung zu bestrafen, nämlich die jungen Männer, und schon gar nicht in verfahrensrechtlich mangelhaften Quasi-Prozessen, die einem Rechtsstaat zur Schande gereichen. Die Öffentlichkeit ist aus Gründen wütend, die kein Strafverfahren, keine Klage und keine Verwaltungsanhörung beheben kann.


In der New York Post kommentiert Miranda Devine den Fall so:

Der Fall der Gruppenvergewaltigung der "Cornell 7“ artet in dieselbe Lynchmob-Hysterie aus wie die berüchtigten Duke-Lacrosse- oder "Matratzenmädchen"-Falschmeldungen von früher – nur dass die sozialen Medien alles noch verschlimmern. Es scheint, als hätten wir aus den Ungerechtigkeiten der Vergangenheit nichts gelernt.

(…) Wie zu erwarten war, wurden die Verbindungsstudenten vor dem Gericht der männerfeindlichen öffentlichen Meinung für schuldig befunden.

Doch laut Matthew Van Houten, dem Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, der sich auf die eidesstattliche Aussage [des mutmaßlichen Opfers] gegenüber den Ermittlern des Campus im November 2024 beruft, "beschrieb sie ihre Beteiligung am Drogenkonsum und an sexuellen Handlungen als freiwillig, bewusst und einvernehmlich". Als sie die jungen Männer aufforderte, aufzuhören, taten sie dies auch.

(…) Seitdem die Nachricht von der Klage vor zwei Wochen bekannt wurde, wurde er mit Drohungen und Beschimpfungen bombardiert und hat nun die Ermittlungen wieder aufgenommen. Er erklärte, dass ihre aktuelle Klage und ihre ursprüngliche eidesstattliche Erklärung, die sie drei Wochen nach dem Vorfall im Jahr 2024 unter Androhung von Meineid unterzeichnet hatte, sehr unterschiedliche Geschichten erzählen.

Die mutmaßlichen "Vergewaltiger" wurden von der Cornell-Campuszeitung "Daily Sun" namentlich genannt und bloßgestellt sowie online gedoxt.

Einer der Männer hat bereits seinen Job verloren, und wie die "Post" berichtet, wenden sich zukünftige Studierende aufgrund der Handhabung des Falls von der Cornell University ab.

(…) Keiner von uns kennt die ganze Wahrheit, aber die junge Frau verdient Mitgefühl. Sie war gerade einmal 20 Jahre alt und betrunken. Als sie am nächsten Tag aufwachte und merkte, dass sie zum Gegenstand von Campus-Klatsch geworden war, schämte sie sich.

(…) Auch die jungen Männer haben falsche Entscheidungen getroffen, und ich würde mich schämen, Söhne zu haben, die sich so verhalten. Aber sie waren genauso jung und genauso benebelt wie sie und verdienen es nicht, dass ihr Leben ruiniert wird, wenn die Beweise zeigen, dass sie kein Verbrechen begangen haben.


Miranda Devine befindet, die aktuelle Stimmung passe nahtlos in die "Me-Too"-Erzählung "wonach alle Männer Vergewaltiger seien und wir 'allen Frauen glauben' müssten. Das Leben ist komplizierter als das."

Besonders bedenklich ist, dass auch ein gänzlich Unbeteiligter, der nicht an Cornell studierte und dem man wegen einer Namensgleichheit aus Versehen fälschlich eine Klageschrift zugestellt hatte, zur Zielscheibe des Hasses wurde:

Die Familie stellte bald fest, dass das Gericht den falschen Matthew Ingalls zugestellt und die Adresse der Familie Ingalls in das offizielle Aktenverzeichnis aufgenommen hatte.

Online-Selbstjustizler, die die mutmaßlichen Täter der angeblichen Gruppenvergewaltigung ins Visier nahmen, wussten das nicht. Sobald die Klage eingereicht war, begannen sie, nach dem Namen Matthew Ingalls zu suchen. Als sie Details über Sergeant Ingalls und seine Familie fanden, posteten sie die Angaben der Familie – einschließlich ihrer Telefonnummern – im Internet.


Die Mutter des Betreffenden, Victoria Ingalls, berichtet, sie sei auf Beiträge mit dem Namen ihres Sohnes gestoßen, die Bilder von Häckslern und Bildunterschriften wie "Wir können nicht erwischt werden, wenn man die Leichen nicht findet" enthielten.

Victorias 26-jährige Tochter erhielt eine Textnachricht mit einem Foto des Cornell-Studenten Matthew Ingalls und einem Screenshot eines Google-Earth-Bildes vom Haus ihres Bruders. Ihre Mutter sagte, sie habe damals keine Ahnung gehabt, was das bedeuten sollte, verstehe es aber inzwischen als eindeutige Drohung. Dann, so Victoria, seien die Nachrichten immer extremer geworden: "Tu der Welt einen Gefallen und bring dich um", stand in einer. "Lass dich in den Arsch ficken, bis du tot bist, Schlampe" und "Bring dich um", stand in anderen.

"Meine Familie wurde terrorisiert, bedroht und belästigt", sagte Victoria. "Ich bin einfach fassungslos, wie sich die Leute verhalten. Ich kann nicht glauben, dass Menschen jemanden einfach im Internet nachschlagen, eine Telefonnummer nehmen und dann anfangen, jemandem zu schreiben oder anzurufen und die widerlichen Dinge zu sagen, die sie sagen. Man weiß noch nicht einmal, ob man die richtige Person hat. Man schafft noch mehr Opfer."

Obwohl die Namen der sieben Männer, die der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, in der am 16. September eingereichten Zivilklage öffentlich gemacht wurden, wurde gegen keinen von ihnen formell Anklage erhoben. Doch online, wo Lynchjustiz herrscht, haben Leute geschworen, die Männer "berühmt" zu machen.

In einem Fall hat Toby Martin, ein ehemaliger Autor der TV-Show South Park, eine Website namens cornellseven.com erstellt, "um die in diesem Fall genannten Männer im öffentlichen Blickfeld zu halten". Die Startseite zeigt die Namen und Bilder der ehemaligen Studenten. Er nimmt Spenden für seine Bemühungen entgegen, zu denen er sagte, auch "Plakatwände" gehören würden. "Die Geschichte bleibt. Die Namen bleiben. Und auch die Forderung nach Rechenschaft", schrieb Martin auf der Seite. Die sieben Namen wurden auch in einem Leitartikel der studentischen Zeitung der Universität, The Cornell Daily Sun, abgedruckt, der sich an die Männer wandte und erklärte: "Wir wissen, wer ihr seid, und wir weigern uns, zuzulassen, dass ihr von der Vertuschung dieser Universität profitiert."

Online-Kommentatoren haben die Namen, Fotos und in einigen Fällen Adressen, Telefonnummern und Informationen über Familienangehörige der sogenannten Cornell 7 in den sozialen Medien geteilt. Die Beschuldigten wurden in Videos, die millionenfach angesehen wurden, als "Teufel", "Vergewaltiger" und "Monster" bezeichnet. Online-Kommentatoren haben sich gefreut, dass einige von ihnen angeblich ihren Job verloren haben – ein Ergebnis ihres Internet-Aktivismus, wie die Kommentatoren behaupteten. Die Schauspielerin Jameela Jamil postete auf Instagram den Vorschlag, die sieben beschuldigten Männer zu kastrieren. (Genderama berichtete.)

(…) Victoria sagte, sie verstehe die "Wut" der Öffentlichkeit über die Vorwürfe in diesem Fall. Aber der Internet-Mob, sagte sie, "muss sich besser verhalten". "Man kann nicht einfach wahllos auf jemanden losgehen, nur weil er denselben Namen hat."


Kaum etwas von alldem dringt in die Berichterstattung der deutschen Leitmedien vor. Hier herrscht die übliche Einheitsmeinung, und was man dem Publikum mitteilt, wird entsprechend gesiebt. Besonders dämliche Artikel tragen Schlagzeilen wie "Gratis" – Studenten luden in Chat zu Vergewaltigung ein . Die oben ausgebreiteten Informationen und Perspektiven, die ein differenzierteres Bild erlauben, findet man hierzulande allein in der von diesen Medien angefeindeten "Manosphäre".



2. Eine landesweite Umfrage in Irland ermittelte, dass 48% aller jungen Männer (18 bis 24 Jahre) glauben, dass es viele falsche Vergewaltigungsvorwürfe gibt. 40 % meinen, dass Vergewaltigung und sexuelle Gewalt von den Medien häufig übertrieben dargestellt werden. In der Berichterstattung über diese Umfrage wird das selbstverständich als "alarmierend" und "Besorgnis erregend" bezeichnet, ohne sich damit zu beschäftigen, welche Belege es für diese Einschätzung der jungen Männer gibt. Als Schuldige werden "dunkle Orte des Internets" wie "die Manosphäre" ausgemacht. Ein neues Pilotprogramm solle Männer zu "positiver Männlichkeit" führen.



3. Eine Frauensauna in Bad Salzelmen (Sachsen-Anhalt) wird "nach wiederholten Ausschweifungen und mindestens einer bekanntgewordenen sexuellen Belästigung" beendet. In dem verlinkten Artikel, der für Nicht-Abonnenten nur im Anriss online steht, heißt es dazu weiter:

So gebe es mehrere Frauentrüppchen, die es sich regelmäßig am Dienstag zwischen 10 und 21 Uhr in der Damensauna bequem machten – und das in einer schon anmutenden "königlichen Hofmentalität", wie es Sibylle Schulz beschreibt. So lägen die Frauengruppen mit einem Glas Sekt in der Hand in der Warmwassersauna, im Saunabereich würden sogar kleine Imbissbankette aufgebaut, und einzelnen Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen die Sauna besuchten, würde teilweise vulgär deutlich gemacht, dass sie dort nichts zu suchen hätten.

Andere Frauen seien demnach diszipliniert worden, was sie zu machen hätten und was nicht. "Es herrscht in der Damensauna oftmals ein rauerer Ton als auf dem Fußballplatz", so die Leitern. Am Abend oder am nächsten Tag, wenn sie die Papierkörbe entleerten, würden die an eine Flaschen-Annahmestelle erinnern.

"Ein männlicher Mitarbeiter, der in der Sauna war, um einen Aufguss vorzunehmen, wurde unerwünscht mit sexuellen, anstößigen Bemerkungen belästigt", muss Sibylle Schulz weiter mitteilen. Nur aus dem Grund, dass der Mitarbeiter in diesem Moment in guter Verfassung war, ist es zu verdanken, dass die Damen keine Strafanzeigen bekommen hätten. Dies alles, so die Leiterin des Soleparkes, sei leider kein Einzelfall.


Wo waren nur die Pilotprogramme, die diese Frauen zu "positiver Weiblichkeit" hätten führen können?



4. Morgen findet in Berlin der bisher wohl größte Protest gegen Wehrpflicht und Aufrüstung statt. Die taz berichtet:

Bis zu 30.000 Menschen werden laut Berliner Polizei am Freitag zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor erwartet. (…) Besonders richtet sich die Kundgebung dagegen, dass die Bundeswehr bereits inzwischen erste verpflichtende Musterungen durchführt, auch bei jungen Männern, die keinen Wehrdienst leisten wollen. (…) Neben den Schüler:innen rufen auch die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstverweiger:innen (DFG-VK) und Medico International zur Teilnahme auf. Redebeiträge werden unter anderem von Sea Watch und israelischen Kriegsdienstverweiger:innen erwartet. (…) Von Anfang an trugen die Proteste eine deutliche Handschrift des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW). (…) Erneut fehlt eine klare Benennung der imperialen Ambitionen Russlands. Stattdessen wird die Verantwortung für den Krieg in der Ukraine allein der EU und der Nato zugeschrieben.




5. Eine Studie mit 40 Säuglingen im Alter von fünf bis zwölf Monaten zeigt, dass der Körpergeruch des Vaters die soziale Interaktion von Babys mit fremden Erwachsenen erleichtern kann. Wurde während einer Begegnung mit einem unbekannten Mann ein vom Vater getragenes T-Shirt in der Nähe des Babys platziert, synchronisierte sich dessen Gehirnaktivität stärker mit der des Fremden als ohne den väterlichen Geruch. Zugleich zeigten die Kinder mehr positive Reaktionen wie Lächeln, Lachen und Brabbeln. Der Effekt war besonders ausgeprägt, wenn sich die Väter stärker an der täglichen Betreuung beteiligten.



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