Professorin für Sozialwissenschaft beklagt feministischen Männerhass
1. "Die Welt" hat die Professorin für Angewandte Sozialwissenschaften Claudia Rahnfeld zum Geschlechterkonlikt interviewt. Ein Auszug aus dem Gespräch:
WELT: Haben sich die Ansprüche an Väter verändert?
Rahnfeld: Elternschaft ist insgesamt sehr herausfordernd geworden. Und auch die Anforderungen an Männer und Väter wachsen immer weiter. Tendenziell ist es den meisten Männern immer noch sehr wichtig, erst einmal wirtschaftlich abgesichert zu sein. Denn trotz des Wandels der Geschlechterrollen ist die Erwartung, als Mann für die materielle Absicherung einer Familie sorgen zu können, nach wie vor erstaunlich stabil. Gleichzeitig zeigen unterschiedliche Daten, dass Männer wie Frauen glauben, ein guter Vater solle emotional und organisatorisch genauso präsent sein wie die Mutter. Es ist nachvollziehbar, dass viele da ins Straucheln kommen.
WELT: Was genau muss ein moderner Vater leisten?
Rahnfeld: Von modernen Vätern wird heute erwartet, dass sie wirtschaftliche Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig emotional präsent sind, sich aktiv an der Erziehung beteiligen und Verantwortung für die alltägliche Sorgearbeit übernehmen. Das ist anspruchsvoll, weil traditionelle und moderne Rollenanforderungen nebeneinander bestehen. Der Väterreport 2023 zeigt, dass sich jeder zweite Vater eine hälftige Aufteilung der Kinderbetreuung wünscht. Tatsächlich gelingt das aber nur jedem fünften. Wir erleben also einen Wandel der Erwartungen, der sich in der gesellschaftlichen Realität noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Männer sollen heute fürsorgliche, gleichberechtigte Väter sein, werden beruflich aber häufig noch an traditionellen Vorstellungen von Leistungsbereitschaft und Verfügbarkeit gemessen.
WELT: Also Doppelbelastung für alle.
Rahnfeld: Genau. Eigentlich ist das ja die Idealvorstellung, mit der wir in die Zukunft wollen: Alles ist wirklich gleich aufgeteilt. Aber hier spielen gesellschaftliche Anerkennungsmechanismen eine große Rolle. Was wir von Männern fordern und wofür sie Anerkennung bekommen, sind zwei Paar Schuhe. Männer, die in ihrer Firma sagen, dass sie länger als ein oder zwei Monate in Elternzeit gehen wollen, werden nicht selten schräg angeschaut. Wer eine Führungsposition hat, muss bangen, ob er seinen Posten danach noch so hat. (…)
WELT: Welche Rolle spielt die Digitalisierung zwischenmenschlicher Kontakte?
Rahnfeld: Auch die Digitalisierung ist ein Punkt: Wir verlernen, aufeinander zuzugehen. Und junge Menschen, Frauen wie Männer, verlernen immer mehr, mit ihrem Körper sinnvoll in Interaktion zu treten. Das sollte man ernst nehmen. Dazu kommt: Was wir auf den feministischen Social-Media-Kanälen beobachten, ist sehr kämpferisch. In einigen feministischen Kreisen gibt es manchmal fast schon Männerhass.
WELT: Was genau meinen Sie?
Rahnfeld: Meine subjektive Einschätzung ist, dass der Feminismus an einigen Stellen zu weit geht: Diese grundsätzliche Aggression und der Generalverdacht, unter den Männer gestellt werden, sind aus meiner Sicht problematisch. Einerseits ist es gut, dass wir gegenüber einem Alltagssexismus sensibler geworden sind. Andererseits sind Männer durch den sehr aggressiven Feminismus stark verunsichert. Viele Männer wissen oftmals nicht mehr genau, wie sie sich verhalten sollen. Das trägt auch dazu bei, dass die Geschlechter nicht mehr richtig zueinanderfinden. Auch Sätze wie "Wir müssen das Patriarchat abschaffen" höre ich oft von meinen Studierenden. Das sind utopische Pauschalforderungen, die einer empirischen Wirklichkeit widersprechen. Unsere Gesellschaft ist patriarchal geprägt, aber würden wir noch im Patriarchat leben, gäbe es mich in meiner Rolle zum Beispiel nicht.
2. SPIEGEL-Online berichtet:
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt muss wegen einer Äußerung gegenüber der Linkenabgeordneten Kathrin Gebel ein Ordnungsgeld bezahlen. Reichardts Einspruch gegen die Entscheidung hat der Bundestag nun zurückgewiesen.
Was war passiert? Reichardt hatte im Bundestag am Donnerstag nach Zwischenrufen in seiner Rede in Richtung von Ralf Stegner (SPD) und Gebel gemeint: "Sie beide haben mir sehr geholfen – Sie mit Ihrer unqualifizierten Zwischenbemerkung und Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris."
Damit hatte Reichardt Bezug genommen auf einen Kommentar von Linkenpolitikerin Gebel. Sie hatte in einer Bundestagsdebatte im März auf einen Zwischenruf von Reichardt in ihre Rede geantwortet: "Herr Reichardt, die Klitoris hat 3000 Nervenenden, aber Sie sind trotzdem empfindlicher – das muss man echt mal schaffen." Videos der Szene gingen viral. Später korrigierte sich Gebel in den sozialen Medien: "Die Klitoris hat gar keine 3000 Nervenenden – die hat 10.000."
Die am Donnerstag amtierende Bundestagspräsidentin Andrea Lindholz (CSU) monierte Reichardts nun getätigte Äußerungen. "Auch wenn der Kollege Reichardt damit auf eine Rede der Abgeordneten Gebel vom März dieses Jahres angespielt haben mag, so stellt seine heutige Bemerkung nicht nur einen äußerst geschmacklosen und herabwürdigenden, sondern auch einen zutiefst beleidigenden verbalen Übergriff in die Intimsphäre einer Kollegin dar", sagte Lindholz laut Sitzungsprotokoll : "Ich will an dieser Stelle sagen: Es reicht!" Sie verhängte das Ordnungsgeld.
Reichardt setzte sich dagegen zur Wehr, mit einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) legte er Einspruch ein. Als Begründung gab Reichardt dem Bundestag zufolge an , seine Aussage sei eine "sachliche Feststellung" gewesen und er habe den Begriff "Klitoris" lediglich deswegen verwendet, weil Gebel diesen Begriff ihm gegenüber in einer früheren Plenardebatte verwendet habe. Es erschließe sich ihm nicht, weshalb er ein Ordnungsgeld erhalte, Gebel aber für die Verwendung des Begriffs "nicht einmal einen Ordnungsruf" bekommen habe.
Bundestagspräsidentin Klöckner zitierte am Freitag bei der Aufsetzung des Tagesordnungspunkts noch einmal Reichardts Äußerung. Diese reihe sich ein in Vorwürfe an Frauen "hier im Parlament", dass sie kinderlos seien. "Frauen und Männer sind gleichberechtigt", sagte Klöckner. "Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten." Nur 32 Prozent der Abgeordneten seien Frauen. Wenn man das ändern wolle, "dann müssen wir uns auch so verhalten, dass Frauen Lust auf diesen Beruf hier haben". In Zukunft werde es sofort mit einem Ordnungsruf geahndet, "wenn so respektlos mit und über Frauen geredet wird".
Reichardts Einspruch gegen das Ordnungsgeld wurde dem Bundestag zufolge nun zurückgewiesen. Demnach stimmten CDU/CSU, SPD, Die Grünen und Die Linke für die Zurückweisung des Einspruchs, die AfD dagegen.
Linkenpolitiker Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags, begrüßte die Entscheidung auf X. "Zwei starke Frauen stellen sich schützend vor Frauen im Bundestag, gegen Übergriffigkeit! Ich danke der Präsidentin Julia Klöckner und der Vizepräsidentin Andrea Lindholz. So geht Solidarität."
Einmal unabhängig von der Parteizugehörigkeit des Mannes: Was für ein unwürdiges Schmierentheater ist das denn bitte? Eine Politikerin bringt den Begriff "Klitoris" an unpassender Stelle im Bundestag ein und attackiert einen politischen Gegner, weil sie ihn als sensibel empfindet. Der revanchiert sich mit einer Retourkutsche. Daraufhin erhält ER einen Ordnungsruf, und alle halten ein obskures Schauspiel ab, als ob man damit eine große Leistung gegen Frauenfeindlichkeit erbracht und es den Rechtsextremen so richtig gezeigt hätte? Man braucht sich wirklich nicht zu wundern, dass viele Bürger das satt haben und Kritik an der AfD von vielen nicht mehr richtig ernst genommen wird.
Männer mit Geschlechtsorganen vergleichen, Widerworte sanktionieren und sich dann selbst als Bannerträger von Frauenpower feiern … So geht es inzwischen zu im Deutschen Bundestag.
3. Die SPD-Frauen werfen der CDU "Sexismus mit System" vor, nachdem Friedrich Merz Manuela Schwesigs Beschuldigungen zurückwies, die CDU hätte sich Bärbel Bas gegenüber "unmenschlich" verhalten. Er wolle nicht akzeptieren, erklärte Merz, wenn der Koalitionspartner "ohne jeden erkennbaren Grund unsere Politik und unser Miteinander als unmenschlich bezeichnet".
"Die Union hat Angst vor starken SPD-Frauen wie Manuela Schwesig", formulierte hierzu die Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, Carmen Wegge, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das Muster sei alt, führte Wegge weiter aus. "Wenn Frauen Macht haben, werden sie nicht politisch gestellt, sondern persönlich angegriffen. Ihr wird die Kompetenz abgesprochen, ihr Ton kritisiert, ihre Glaubwürdigkeit untergraben." Bei Männern heiße das Führungsstärke, bei Frauen sei es plötzlich ein Problem. "Das ist kein Ausrutscher, das ist Sexismus mit System."
Wie man Beschuldigungen einer Politikerin zurückweisen darf, ohne dass dies als "sexistisch" geframet wird, erklären die SPD-Frauen nicht.
4. Der Lehrer Gerald Ehegartner legt dar, wie Gendern das Lesen-Lernen behindert:
In einem Bereich der Sprachvermittlung galt die Aufmerksamkeit in den letzten beiden Jahrzehnten jedoch weniger der Lesekompetenz als vielmehr der Ideologiekompetenz: dem "korrekten" Gendern. Der moralische Eifer an Bildungsinstitutionen führt längst zu bedenklichen Auswüchsen – von ideologischem Druck auf angehende Lehrkräfte bis hin zu Grundschullehrern, die bereits beim Erlernen der Schriftsprache das Gendern vermitteln.
(…) Es stellt sich die Frage, warum in weit verbreiteten Unterrichtsmaterialien nach wie vor mit Sonderzeichen gegendert wird – und warum Lehrkräfte selbst erstellte Unterlagen verwenden, die dem amtlichen Regelwerk nicht entsprechen.
(…) Gendern (…) schafft gerade für leistungsschwache Schüler und jene, die sich die deutsche Sprache erst erarbeiten, zusätzliche Hürden. (…) An unseren Schulen haben wir (…) völlig andere Sorgen als die Inszenierung einer postgrammatischen Geschlechterfragmentierung. Gerade die Schule sollte die geltenden grammatischen Regeln vermitteln, statt sie ideologiegetrieben umzubauen.
Selbsternannten "Sprachmoralisten" sei ins Stammbuch geschrieben: Lernen Sie Grammatik, statt sie unter falschen Annahmen korrigieren zu wollen! Denn die Grammatik besitzt kein Weltbild, und die Stellung der Frau lässt sich aus ihr nicht ablesen. Man denke nur an Island: Isländisch unterscheidet auch im Plural zwischen drei grammatischen Geschlechtern und kennt im Singular ein geschlechtsneutrales Maskulinum – zugleich nimmt das Land seit 17 Jahren ununterbrochen Platz eins im Global Gender Gap Index ein.
5. Der MDR beschäftigt sich mit Klischees über den ostdeutschen Mann, der als "arbeitslos, rechtsradikal und demokratieunfähig" phantasiert wird.
6. Donald Trumps Zustimmung unter Männern ist auf einem Tiefststand:
Die Zustimmung für Präsident Donald Trump unter Männern ist in der jüngsten Umfrage von The Economist/YouGov um acht Punkte auf einen Saldo von minus 19 gesunken. Das ist sein schwächster Wert in fünf vergleichbaren Erhebungen unter registrierten Wählern seit September. Eine Analyse von Newsweek ergab, dass Trumps Ansehen bei Männern nicht kontinuierlich gesunken ist: Seine Zustimmungswerte schwankten innerhalb einer engen Spanne, bevor sie in der jüngsten Umfrage deutlich einbrachen.
7. Das Blog Apokolokynthose zerpflückt einen Spiegel-Online-Artikel, der alle Männer zu Mitschuldigen an sexueller Gewalt erklärt.
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!