Neues Strohfeuer in vielen Medien: "Jungen haben deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen"
1. Vor 17 Jahren habe ich mein Buch "Rettet unsere Söhne" über die Benachteiligung von Jungen in unserem Erziehungssystem veröffentlicht. Im selben Jahr hatte der Aktionsrat Bildung angemahnt, dass die Ungleichheit zu Lasten der Jungen "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren" klar überschreite. "Schulen benachteiligen Jungen massiv", hatte der SPIEGEL damals getitelt. Die Männerrechtsbewegung ist seitdem an dem Thema dran geblieben. Die Leitmedien hingegen vergaßen es und tobten stattdessen immer lauter über die "Manosphäre", einschließlich der Männerbewegung, die unverschämterweise ständig von der Benachteiligung der Männer spreche, diese Irren, statt dem einzigen anerkannten und würdigen Opfer Frau.
Heute, 17 Jahre später, tobt das mühevoll Verdrängte wieder durch die Schlagzeilen, als wäre es eine neue, überraschende Entdeckung. "Jungen haben deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen" titelt die Frankfurter Allgemeine, auch Bildzeitung, Tagesspiegel und wie sie alle heißen, berichten. Einmal kurz einen Artikel über die Diskriminierung darf man machen, aber wehe man beschäftigt sich ausdauernd damit und drängt auf ein Ende der Diskriminerung: Dann gilt man in solchen Blättern als gefährlicher Extremist. Schließlich haben de feministischen Wortführerinnen durchgegeben, dass unsere Gesellschaft ein "Patriarchat" sei, das Frauen und Mädchen unterdrücke; an diese Vorgabe fühlen sich die deutschen Medien gebunden.
Ich zitiere mal aus der FAZ, es steht sowieso überall fast dasselbe:
"Insofern lässt sich generell feststellen, dass sich die Ungleichheit der Bildungschancen in Deutschland über die drei Jahre weiter verfestigt hat", sagte der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom Ifo-Institut bei der Vorstellung am Dienstag in Berlin. Bei diesem Chancenmonitor legten die Wissenschaftler einen Schwerpunkt auf den sogenannten Gendergap, also Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Der Rückstand von Jungen bei der Schulbildung ziehe sich durch alle sozialen Schichten. Er verstärke sich im Verlauf der Schulzeit und betrage im Alter von 16 bis 18 Jahren sogar 9,6 Prozentpunkte.
Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich diese Schieflage in den nächsten 17 Jahren verbessern wird. Der einzige Silberstreif am Horizont: Immerhin gibt es von Frauenministerin Karin Prien heute Lippenbekenntnisse, sie nähme das Thema ernst. "Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen", sagte Prien. Eine Ankündigung konkreter Schritte, um das Thema anzugehen, eine Zusammenarbeit mit denjenigen gar, die diese Benachteiligung seit Jahrzehnten analysieren: Fehlanzeige. Es kann gut sein, dass es Prien gehe wird, wie der letzten Frauenministerin der CDU, Kristina Schröder, die von feministischer Seite vor allem angehasst wurde, bis wieder eine radikale Grüne den Posten übernahm, um sich in gewohnter Einseitigkeit allein Mädchen und Frauen hingebungsvoll zu widmen.
Der Journalist, Politikwissenschaftler und Volkswirt Dr. Jan-Martin Wiarda beschäftigt sich in seinem Blog ausführlicher damit, wie Jungen in unserem Bildungssystem abgehängt werden:
Wer meint, ein Geschlechterunterschied von 6,6 Prozentpunkten sei unerheblich, irrt gleich mehrfach. Erstens, weil diese paar Prozentpunkte bereits bedeuten, dass Jungs mit einer um 15,1 Prozent verringerten Wahrscheinlichkeit das Gymnasium besuchen. Zweitens, weil, worauf die Schweizer Bildungsforscherin Margit Stamm wiederholt hinwies, dahinter keine Intelligenzunterschiede liegen, sondern Jungen und Mädchen in Kita und Schule unterschiedlich angesprochen und gefördert werden: "Jungen fallen bereits im Kindergarten zurück, holen in der Primarzeit oft nicht auf – trotz vergleichbarer Intelligenz."
(…) Jungen hätten "deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen", resümieren die ifo-Autoren. Und weiter: Die Bildungsprobleme der Jungen würden "zunehmend Konsequenzen für ihre Lebenschancen haben." Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, warnt: "Mangelnde Bildungskompetenzen werden sich bei jungen Männern etwa in schlechteren Erwerbsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt und erhöhten Kriminalitätsrisiken widerspiegeln."
Höhere Kriminalität wird Feministinnen vielfach Gelegenheit geben, dagegen zu wettern, wie minderwertig und bösartig Männer wären.
Dr. Wiarda schlägt die bekannten Lösungswege für dieses Problem vor, die ich schon 2009 präsentiert hatte, hält allerdings fest:
Vieles davon ist nicht neu. Schon 2012 forderte Klaus Hurrelmann, es wäre "viel gewonnen, wenn wir mehr Männer für Erziehungs- und Bildungsberufe gewinnen könnten". Seitdem hat sich der Anteil männlicher Erzieher zwar erhöht, bleibt aber niedrig; an Grundschulen ist der Mangel an männlichen Bezugspersonen weiter besonders auffällig. Auch die Forderung nach geschlechtersensibler Förderung ab der Kita, nach mehr Leseförderung und nach einem Unterricht, der Jungen nicht vorschnell als störend, unkonzentriert oder weniger schutzbedürftig etikettiert, liegt seit Jahren auf dem Tisch. Neu ist also weniger die Diagnose als die Dringlichkeit, endlich Konsequenzen daraus zu ziehen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), die bei der Vorstellung der Chancenmonitor-Ergebnisse am Dienstagvormittag einen Impulsvortrag halten sollte, hat die Schieflage zuletzt klar benannt. (…) Bei Jungs gebe es eine höhere Selbstmordrate, sie würden häufiger krank, eher kriminell und neigten mehr zur Gewalttätigkeit." Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen", sagte Prien, die neben Bildung für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zuständig ist, jetzt anlässlich der Veröffentlichung des Chancenmonitors.
Wenn ich hier immer wieder auf mein Buch von 2009 hingewiesen habe, ist das sogar noch beschönigend. MANNdat weist seit 2004 auf diese schieflage hin, ich selbst erstmals 2001 in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" Ein Viertlejahrhundert hat die Geschlechterpolitik unseres Landes lediglich dabei zugesehen, wie die Situation immer schlimmer und schlimmer wurde.
2. "Männer bitte mal das Maul aufmachen" fordern zwei Feministinnen mit dem üblichen unwiderstehlichen Charme ihres Lagers auf den Seiten des STERN. Sie seien "leider immer noch auf Männer angewiesen", die ihre Ideologie unterstützen. Auf die Frage warum Frauen und Männer politisch auseinander driften, antwortet Prigge:
"Weil Feminismus immer sichtbarer wird. Für viele Männer fühlt es sich so an, als würde ihnen etwas weggenommen. Dieses Gefühl darf da sein – problematisch wird es, wenn es sich in Bubbles verstärkt und Menschen sich radikalisieren. Viele Männer merken nicht, dass sie selbst vom Feminismus profitieren könnten, weil auch sie unter dem Patriarchat leiden."
Das ist doch schön, dass unser Unmut über Diskriminierung wenigstens "da sein" darf, solange er nicht zu dem nötigen politischen druck anwächst, der wirklich etwas ändern könnte.
Ich bin drauf und dran, den STERN zu fragen, ob ich in einem Artikel auf diese Asulassungen antworten und den beiden Damen entgegegnen darf: Wie wär's damit, wenn ihr euer Maul aufmacht, was die Benachteiligung von Jungen angeht? Aber das wäre natürlich verschwendete Zeit. Dem STERN geht es darum, Aufmerksamkeit für ein neues feministisches Buch der beiden Frauen herzustellen, und nicht um eine ausgewogene Geschlechterdebatte.
Prigge führt weiter aus:
"Ich meinte auch zu meinem Partner: Du kannst eigentlich gerade nicht richtig reagieren. Ich werde erstmal sauer sein. Und das müssen wir jetzt gemeinsam aushalten."
Das muss ihr Freund natürlich keineswegs. Wenn er eine solche Partnerin hat, hat er durchaus Alternativen.
Prigge plappert unverdrossen weiter:
"Wir Frauen sind darauf trainiert zu fragen: Wie geht es meinem Umfeld? Was denkt die andere Person? Und Männer laufen einfach durchs Leben, ohne sich diese Fragen stellen zu müssen."
Ohne eigene Selbsterhöhung und Abwertung des anderen Geschlechts geht es im Feminismus einfach nicht.
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