Sonntag, September 22, 2019

Genderama ist heute 15 Jahre alt

Heute vor fünfzehn Jahren ging der erste Genderama-Blogbeitrag online – ein Verweis auf einen Artikel der "Welt", der selbst nicht mehr online steht:

Unter der Überschrift "Wenn Männer zu Verlierern im Geschlechterkampf werden. Klagen über Benachteiligung und Gewalt - Gleichstellungspolitik konzentriert sich bisher auf Frauen - Forderung nach Bewusstseinswandel in der Gesellschaft" berichtet die "Welt" über die aktuell vom Bundesfrauenministerium vorgestellten Gewaltstudien. Obwohl sechs von sieben Männern bereits einmal Gewalterfahrungen gemacht haben, liegt der Schwerpunkt des Ministeriums noch immer bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Da auch Männer einen Recht auf Schutz und Unversehrtheit hätten, fordert der Geschlechterforscher Hans-Joachim Lenz einen Bewusstseinswandel und eine Gleichstellungspolitik, die auch die Probleme von Männern berücksichtigt. Diese Forderung unterstützt unter anderem Reiner Wanielik von der Fachstelle für Jungenarbeit des Paritätischen Bildungswerkes Rheinland-Pfalz/Saarland: Männer sterben in Deutschland sieben Jahre früher als Frauen, haben häufiger mit Herz-Kreislaufproblemen und Süchten zu kämpfen und begehen drei von vier Selbstmorden. Leider laute die Maxime immer noch: "Ein Mann klagt nicht und beißt die Zähne zusammen." Der Grundstein für die verfehlten Entwicklungen werde schon in der frühen Kindheit gelegt.


Wahnsinn, oder, was sich seit damals alles für uns verbesert hat?

All diese gigantischen Veränderungen wären nicht möglich gewesen, ohne

- politische Parteien, die darum wetteiferten, wie sie auch der männlichen Hälfte der Wählerschaft ein überzeugendes Angebot machen können,

- die "Qualitätsmedien", die sich den Anliegen der Männerbewegung voller Interesse widmeten: nicht nur wegen ihrer Pflicht zur ausgewogenen Berichterstattung, sondern auch weil nach einem halben Jahrhundert einseitiger Sicht auf das Geschlechterthema die Perspektive von Männern frischen Wind in die Debatte brachte,

- ein akademischer Sektor, wo im Fach Genderstudien feministische und maskulistische Literatur gleichermaßen gelesen und kritisch besprochen wurden, damit die Studenten dort einen so breiten Horizont wie möglich vermittelt bekamen,

- ein staatliches Bundesforum Männer, das weit entfernt von jeder Korrumpierbarkeit dadurch, dass die Geldtöpfe in feministischer Hand waren, sich zügig mit der Basis der Männerbewegung vernetzte und mit ihr konstruktiv zusammenarbeitete, um Benachteiligungen von Männern konsequent immer wieder zum Thema zu machen.

Wenn es diesen Aufbruch nicht gegeben hätte, dann hätte sich die Lage der Männer in den letzten Jahren auch nicht so entschieden verbessert, wie es glücklicherweise der Fall gewesen ist.

Okay ...

Natürlich habe ich mir zum 15jährigen Jubiläum dieses Blogs noch etwas anderes überlegt als meinen berüchtigten Sarkasmus.

Stattdessen habe ich mich für ein eher launiges Thema entschieden: Was waren in den letzten 15 Jahren eigentlich die Genderama-Blogbeiträge, die am meisten angeklickt wurden, euch also am meisten interessiert haben? Blogspot macht die Erstellung einer solchen Top Ten ja problemlos möglich. Schauen wir uns doch an diesem Jahrestag einmal die Charts der meistgelesenen Genderama-Beiträge an. Es waren oft weder meine persönlichen Lieblingstexte hier, noch Beiträge, von denen ich eine so hohe Aufmerksamkeit erwartet hatte.

Auf Platz 10 etwa, was die Zugriffszahlen angeht, liegt der Beitrag Was die Grünen in Bayern wollen, der am 7. Oktober 2018 kurz vor der bayrischen Landtagswahl die geschlechterpolitischen Pläne dieser Partei auflistete. Ob diese Darstellung wohl ein klein wenig dazu beitrug, dass die Grünen wider Erwarten keine Mitglieder der aktuellen bayrischen Landesregierung geworden sind?

Auf Platz 9 liegt ironischerweise der Beitrag, den ich am schnellsten von allen geschrieben habe: Neue Regierung: Das ist in den nächsten vier Jahren für Männer drin vom 8. Februar 2018. Offenbar mögen es zahlreiche Leser, wenn man etwas ohne viel Worte auf den Punkt bringt.

Auf Platz 8 liegt vom 18. Mai 2015 einer dieser Beiträge, bei denen ich keine Ahnung habe, warum sie zu tausenden angeklickt worden sind: Verfasser der Vergleichstudie Feminismus/Maskulismus bietet Vorträge und Artikel an. Mit diesem Eintrag wollte ich einem vielversprechenden jungen Politikwissenschaftler nur mal einen kleinen Gefallen tun, aber irgendjemand muss Links darauf sehr fleißig verteilt haben. Das Blogpost, auf das darin verwiesen wird, finde ich für eine breite Leserschaft sehr viel spannender, schaffte es aber eben nicht in die Top Ten. (Kommt jetzt bitte nicht alle auf die Idee, mir ähnliche Gesuche zuzuschicken; Genderama ist normalerweise nicht als Schwarzes Brett für die Jobsuche gedacht.)

Auf Platz 7 liegt am 5.4.2018 der verblüffende Hinweis darauf, dass eines der geschlechterpolitisch einseitigsten Blätter unseres Landes plötzlich entdeckt hat, dass vielleicht doch nicht nur die weibliche Perspektive zählen sollte: Es ging um die "Zeit"-Titelgeschichte: "Schäm dich, Mann!" Allerdings traute sich "Die Zeit" natürlich nicht, etwas derart Kühnes zu veröffentlichen, ohne einen Gegen-Artikel nachzuschieben, und der Journalist, der auch einmal über die Befindlichkeiten von Männern sprechen wollte, erhielt von vielen Feministinnen in den Leitmedien Gruppenkeile, wobei viele Schläge unter die Gürtellinie gingen. Lucas Schoppe hat sich mit dem Artikel und den Reaktionen darauf hier und hier beschäftigt und dabei herausgearbeitet, wie bizarr die Geschlechterdebatte im "Qualitätsjournalismus" mittlerweile geführt wird. Rückblickend zeigt diese Kontroverse die wahren Machtverhältnisse im "Frauen unterdrückenden Patriarchat".

Platz 6 führt uns zurück in jene Zeiten, als ein Genderama-Beitrag auch mal zum Großteil in englischer Sprache verfasst sein konnte. Am 20. August 2014 schlagzeilte Genderama Debatte: "Die künstliche Gebärmutter wird den Feminismus für immer verändern" Die hier skizzierte Entwicklung und ihre Bedeutung für die Rechte von Männern in unserer Gesellschaft sind immer noch spekulative Zukunftsmusik, faszinierten aber offenbar zahlreiche Leser.

Platz 5 beleuchtete am 9. September 2018 die Folgen von MeToo in den USA unter einer für Genderama typisch boulevardesken Schlagzeile: "Irre: So haben junge New Yorker inzwischen Sex". Das hätte man natürlich auch feinsinniger und weniger reißerisch formulieren können, aber das wäre dann eben nicht der fünfte Platz für einen lesenswerten Text gewesen.

Der Beitrag auf Platz 4 stammt vom 5. Dezember 2017: "Frauen stocksauer, weil Facebook gegen Hate Speech einschreitet". Eine hübsche ironische Volte: Feministinnen hatten gefordert, dass Facebook gegen aggressive Wortmeldungen eingreifen sollte, aber nicht bedacht, dass der Konzern das ohne Ansehen des Geschlechts und der Zugehörigkeit zu einem politischen Lager tun würde, weshalb auch viele Rüpeleien von Frauenseite zensiert wurden. Das führte zu einiger Verstörung, aber wenig Einsicht: Noch heute poltern im Gender-Bereich viele gegen "Antifeminismus", während ihnen "Antimaskulismus" reichlich schnuppe ist, und männerfeindliche Hate Speech ist diesem Lager kaum die Rede wert. Das schützenswerte Geschlecht ist auch für viele Feministinnen der Gegenwart immer noch weiblich. Dieses Messen mit zweierlei Maß fanden viele von euch so bezeichnend, dass ihr diesen Beitrag massenhaft angeklickt und verbreitet habt.

Wie man bisher schon gesehen hat, stammen die meisten Beiträge dieser Charts aus der jüngeren Gegenwart, selbst das Jahr 2014 war ein radikaler Ausreißer. Auf Platz 3 der meistgelesenen Blogposts liegt sogar ein Eintrag, den ich erst vor wenigen Tagen veröffentlicht habe: Professor gesteht: "Ich habe mir die Grundlagen der Genderstudien nur ausgedacht" vom 18. September dieses Jahres. Kritik an den pseudowissenschaftlichen Zügen der Genderstudien gibt es ja zuhauf, aber das ist einer der seltenen Fälle, wo es in diesem Fachbereich auch einmal Selbstkritik von innen gab: ungewöhnlich genug für den dritten Platz.

Nun würde Genderama nicht seit 15 Jahren mit mehreren tausend Lesern pro Tag bestehen, wenn es nicht eine Lücke schließen würde, die die Leitmedien sperrangelweit offen lassen: Gerade "Zeit", "taz", Spiegel-Online und "Süddeutsche Zeitung" wetteifern oft darin, Männer so negativ wie möglich darzustellen und ihre Anliegen beiseite zu wischen. Platz 2 der Genderama-Charts verät, welches Blatt in diesem kuriosen Wettstreit zeitweise die Führung übernommen hatte – die "Süddeutsche Zeitung" nämlich mit ihrer Geheimwaffe Julian Dörr. Einen besonders schäbigen Artikel von ihm habe ich am 12.6.2017 unter der Überschrift Süddeutsche Zeitung zu den Problemen der Männer: "Mimimi" zerpflückt, und diese Analyse war einer eurer Lieblingsbeiträge. Immerhin zeigen so heftige Reaktionen wie Dörrs Artikel, dass unsere Leitmedien den Maskulismus, obwohl sie ihn weitgehend totschweigen, als so bedrohlich wahrnehmen, dass sie einen solchen Backlash gegen die Emanzipation der Männer notwendig finden. Denn online, abseits der gedruckten Zeitungsartikel, hat sich der Geschlechterdiskurs in den letzten 15 Jahren ganz erheblich gewandelt, und immer mehr Menschen sehen, dass es zwei Seiten bei einer Medaille gibt. (Auch mit Julian Dörr hat sich übrigens Lucas Schoppe näher beschäftigt: Hier und hier.)

Und schließlich kommen wir zu PLATZ 1, dem meistgelesenen und -verlinkten Genderama-Beitrag überhaupt. Dieser Blogpost greift den Blogpost von Platz 9 dieser Charts auf, aber ernsthaft statt satirisch zugespitzt: Konkreter: Was verspricht der neue Koalitionsvertrag Frauen und Männern? vom 8. Februar 2018. In diesem Beitrag habe ich einfach nur gegenübergestellt, was die aktuelle schwarz-rote Regierung weiblichen und was sie männlichen Wählern anzubieten hat. Dieser Kontrast (seitenweise Versprechungen an Frauen, eine knappe leere Floskel für Männer) ist so aussagestark, dass er für den Top-Genderama-Beitrag überhaupt sorgte. Gleichzeitig veranschaulicht diese eklatante Vernachlässigung einer riesigen Wählergruppe die großen Entwicklungen, die in den letzten Jahren in der deutschen Politik stattgefunden haben: der Abschied von SPD und demnächst vielleicht auch der CDU von ihrem Status als Volksparteien hin zu Parteien, die die einflussreichsten Lobbygruppen befriedigen möchten (und das sind nun mal Feministinnen statt Männerrechtlern), was wiederum zum Aufstieg der AfD und einer immer zynischeren Einstellung vieler Bürger gegenüber der deutschen Regierungspolitik führte. Leitmedien und Politik haben eine enorme Schlagseite, und das tut diesem Land nicht wirklich gut. Der meistgelesene Gendera,a-Beitrag von allen machte diese schlagseite, wenn es um ie Geschlechterdebatte geht, jedem mit einem Blick sichtbar.

15 Jahre Genderama bedeutet übrigens auch, dass man 15 Jahren lang den Leitmedien dabei zusah, wie sie immer wieder neue Feministinnen mit Artikeln und Lobpreisungen nach vorne pushten, die danach in der Geschlechterdebatte keine große Rolle mehr spielten. Wer kennt denn heute wirklich noch Jana Hensel, Meredith Haaf, Thea Dorn, Bascha Mika: alles Feministinnen, deren Bücher in Artikeln vorgestellt wurden, die durch die Talkshows wanderten ... und die keine großen Spuren hinterlassen haben. Oder erinnert sich noch jemand der Jüngeren beispielsweise an Lisa Ortgies, die als Kronprinzin Alice Schwarzers aufgebaut worden und 2008 kurzzeitig sogar Chefredakteurin der "Emma" war? Selbst von Anne Wizorek hat man seit Jahren nichts mehr gehört, und von Sibel Schick kam nach "Männer sind Arschlöcher" auch keine nur annähernd so brillante geistige Leistung mehr. Heute huldigen viele Margarete Stokowski, aber auch da wird man sich in fünf bis zehn Jahren fragen, was ihre große geistige Hinterlassenschaft eigentlich gewesen ist. Echtes Neuland zu beackern verschafft einem da größere Befriedigung, auch wenn die Leitmedien davor zurückschrecken, Themen wie "sexuelle Gewalt und andere Menschenrechtsverletzungen gegen Männer" oder "rassistischer Sexismus gegen weiße Männer" breit aufzugreifen. Das Aufkommen einer Bewegung für Männerrechte hat die Geschlechterdebatte aber tatsächlich verändert, auch wenn dies bislang hauptsächlich im Internet stattfindet.

Zuletzt möchte ich euch allen dafür danken, dass ihr Genderama die Treue gehalten und mich mit Hinweisen auf interessante Meldungen, mit Feedback und mit Spenden für dieses Blog immer wieder unterstützt habt. Der Leser, der mich auf die Idee gebracht hat, die Arbeit an diesem Blog aufrecht zu erhalten, indem ich euch um finanzielle Unterstützung dabei bitte, hat womöglich dafür gesorgt, dass es Genderama in dieser Form überhaupt noch gibt. (Und der Leser, der mich auf eine Übersetzungsmaschine im Internet aufmerksam gemacht hat, hat dafür gesorgt, dass viele potentielle Leser nicht aufgrund einer Sprachbarriere außen vor geblieben sind.) Also noch einmal: Ganz herzlichen Dank!

Freitag, September 20, 2019

Darf man Renate Künast beschimpfen, weil man sich über ihre Einstellung zu Sex mit Kindern ärgert? – News vom 20. September 2019

1. Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass auch heftige Rüpeleien gegen die Grünen-Abgeordnete Renate Künast straffrei bleiben dürfen, wenn sie in einem bestimmten Zusammenhang erfolgt sind. Künast selbst rahmt das Urteil sofort und durchaus geschickt im feministischen Kontext: Es "sende ein katastrophales Zeichen, insbesondere an alle Frauen im Netz, welchen Umgang Frauen sich dort gefallen lassen sollen". Dass das Urteil in einem bestimmten Kontext erfolgte, kommt in Künasts Polemik nicht vor. Andere Politikerinnen schlossen sich dem Sexismus-Framing rasch an.

Christian Schmidt hat sich das Urteil mit seinen einzelnen Begründungen genauer angeschaut. Die Kommentarspalte unter dem Beitrag leistet das, was unsere Qualitätsmedien nicht hinbekommen: eine kontroverse Debatte.



2. Der Deutsche Bundestag informiert:

Für das "Bundesprogramm zur Förderung von Innovationen im Hilfesystem zur Unterstützung gewaltbetroffener Frauen mit ihren Kindern" stehen in den Jahren 2020 bis 2022 vorbehaltlich der Zustimmung durch den Bundestag jeweils 35 Millionen Euro im Bundeshaushalt zur Verfügung. Dies teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/12873) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/12400) mit.


Schön, dass unsere Politiker sich wenigstens um die Hälfte der Opfer kümmert, die das richtige Geschlecht hat.



3. Die Demokratische Partei in den USA scheint darauf versessen, Donald Trump eine zweite Amtszeit zu gönnen. Eine ihrer Spitzenkandidatinnen versucht, ausgerechnet mit Spitzen gegen Männer zu punkten. In der New York Post berichtet Miranda Devine unter der Schlagzeile "Elisabeth Warrens Krieg gegen Männer ist eine beleidigende Verlierer-Strategie":

Elizabeth Warren kam diese Woche zu dem Schluss, dass sie keine Männer braucht, um die Präsidentschaft zu erringen.

"Wir sind heute nicht wegen (...) berühmter Männer hier", sagte sie am Montagabend bei einer Kundgebung im Washington Square Park.

"Tatsächlich sind wir überhaupt nicht wegen Männern hier", sagte sie und sprach das Wort mit "M" wie ein Schimpfwort aus.

Großartig. Dann hat sie wohl nichts dagegen, wenn Männer nicht für sie stimmen – und auch keine Frauen, die Männer mögen.

Es ist eine Verliererstrategie, die direkt aus dem Playbook von Hillary Clinton entnommen wurde, von der Warren unerklärlicherweise Ratschläge angenommen hat.

Millionen von amerikanischen Frauen zeigten 2016, dass sie nicht bereit waren, für Clinton zu stimmen, nur weil sie ein zweites X-Chromosom hatte. Vor allem weiße, nicht an der Hochschule ausgebildete Frauen stimmten 2016 fast 2:1 für Donald Trump.

Wahrscheinlich haben sie die Verunglimpfung ihrer Männer als "bedauernswert" nicht gutheißen können, die ihr "weißes männliches Privileg" missbrauchten, während die Männer, die sie liebten, ihr Bestes gaben, auch wenn die Jobs knapp waren und sie an Drogen starben.

Wenn also eine Harvard-Professorin in New York auf einer Bühne steht und sagt: "Wir sind nicht wegen Männern hier", dann ist viel ideologisches Gepäck dabei. Warrens Anhänger in der 10.000 Zuschauer starken Menge verstanden das, kaum dass die Worte überhaupt aus ihrem Mund gekommen waren, und spendeten ihr den größten Applaus des Abends.

Aber wenn du nur ein Gramm Demut besitzt, musst du zugeben, dass wir wahrscheinlich alle wegen Männern hier sind, ob berühmt oder nicht. Männer, die in Kriegen kämpften, Männer, die nach Öl bohrten, Männer, die Denkmäler bauten, Männer, die Krankheiten heilten, oder Männer wie Christoph Kolumbus, der über den Ozean segelte und dessen Statue wegen des Verbrechens, männlich zu sein, aus dem Central Park entfernt werden wird, wenn bestimmte Stadtbeamte ihren Willen bekommen.

Es ist schwer vorstellbar, dass Warren selbst "hier" wäre, ohne dass ein Vater seine männliche DNA geliefert hätte, obwohl die Demokratische Partei unserer Tage Ihnen sagen wird, dass Männer für den Befruchtungsprozess nicht mehr von Bedeutung sind.

(...) Das Problem für Warren ist, dass, wie Hillary Clinton entdeckte, die meisten Frauen kein Teil einer Identitätspolitik sein wollen, die sie gegen Männer aufbringt.

Sie wollen nicht, dass Männer Verlierer sind, weil sie keine Verlierer heiraten wollen, und sie wollen ganz sicher nicht, dass ihre Söhne Verlierer sind.

Die meisten Frauen lieben Männer. Sie lieben ihre Ehemänner, ihre Söhne, ihre Väter. Sie hatten männliche Mentoren und männliche Trainer und männliche Lehrer, die gute Menschen waren.

(...) Selbst nach der Niederlage in der "unverlierbaren" Wahl gegen Donald Trump hatte Clinton nicht die Würde oder das Selbstbewusstsein, um zuzugeben, dass sie selbst das Problem war.

Stattdessen beschuldigte Amerikas oberste Feministin Frauen. Wenn sie nicht für sie stimmten, dann deshalb, weil sie zu schwach und dumm waren, um selbst zu denken. Frauen waren von "Vätern und Ehemännern und Freunden und männlichen Arbeitgebern unter Druck gesetzt worden, nicht für das "Mädchen" zu stimmen", sagte Clinton unbekümmert zu CBS News nach der Wahl.

Das ist die neue feministische Sichtweise auf die Demokratie.


Die Demokraten kiegen es tatsächlich noch hin und vermasseln es gegen Donald Trump ein zweites Mal.

Donnerstag, September 19, 2019

"Frauen bekommen ein Viertel weniger Rente": Was hinter dieser Meldung steckt – News vom 19. September 2019

1. "Frauen bekommen ein Viertel weniger Rente" schlagzeilte vorgestern die Süddeutsche Zeitung, wo man die vermeintliche Diskriminierung des weiblichen Geschlechts regelmäßig zum Thema zu machen versucht. Andere Medien, etwa der "Focus" und t-online griffen diese Berichterstattung sofort auf. Dabei müsste das in diesem Fall sogar eine positive Nachricht sein, denn noch vor zwei Jahren hatte es auf Spiegel-Online, wo man die selbe geschlechterpolitische Agenda wie bei der Süddeutschen fährt, geheißen: "Frauen erhalten in Deutschland nur halb so viel Rente wie Männer". Von nur die Hälfte bis lediglich ein Viertel weniger in zwei Jahren – bei diesem Tempo dürfte das Problem ja bald vom Tisch sein?

Stattdessen wird hier, Genderama-Leser ahnen es schon, mit der Rhetorik von der Frauendiskriminierung einmal mehr Politik betrieben. Um im einzelnen zu erläutern, wie hier gearbeitet wird, müsste man eigentlich diesen gesamten Beitrag des Professors für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften Stefan Sell lesen. Für die Genderama-Presseschau kann ich nur einige Absätze herausgreifen, die zumindest grob umreißen, was hinter der fragwürdigen Berichterstattung unserer "Qualitätsjournalisten" steckt:

Eine zentrale Kritik (...) bezieht sich auf den Tatbestand, dass sich der Gender Pay Gap ausschließlich auf individuelle Alterseinkünfte bezieht und daher den für Wohlstandsanalysen indizierten Haushaltskontext negiert. Außerdem führt der GPG-Index sogar in die Irre, weil er die Hinterbliebenenrenten außer Acht lässt. Und weiter: "Die Grundüberlegung des Gender Pension Gaps ist von der Konzeption des Gender Wage Gaps abgeleitet: Die empirisch belegbaren durchschnittlich höheren Löhne von Männern gegenüber Frauen." Die sich dann auch in entsprechend höheren bzw. niedrigeren Renten niederschlagen. [Die Wirtschaftswissenschaftler] Faik und Köhler-Rama weisen dann darauf hin, dass der "Gender Wage Gap in der Diskussion über die Benachteiligung von Frauen bislang eine sehr erfolgreiche Rolle gespielt (hat). Es liegt (aus frauenpolitischer Sicht) also nahe, einen solchen Index auch für die wichtiger werdende Alterssicherungsdiskussion zu nutzen."

(...) "Eine Lohnlücke ist allerdings nicht vergleichbar mit einer Rentenlücke", behaupten die Autoren. Wie das? "Alterssicherungsansprüche subsumieren nicht nur Einkommensverläufe, sondern sämtliche Entscheidungen und Schicksale im Laufe eines Erwerbs- und Familienlebens von Frauen und Männern. Frauen würden sich vermutlich nicht freiwillig für einen geringeren Lohn bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation entscheiden. Sie dürften sich aber in nicht wenigen Fällen freiwillig und einvernehmlich mit ihrem Partner für eine Heirat oder Nichtheirat, für Kinder oder Kinderlosigkeit, für Vollzeiterwerbstätigkeit oder eine Phase der Teilzeitarbeit entscheiden, in der sie ihre Kinder zu Hause betreuen."

Und eine weitere Zumutung halten Faik und Köhler-Rama bereit: "Sozialpolitisch führt der Indikator in die Irre, da er eine Benachteiligung von Frauen im Alterssicherungssystem suggeriert." Ja, eine Benachteiligung ist doch offensichtlich. Die beiden Autoren sehen das anders: "Eher das Gegenteil ist der Fall: Frauen erhalten für denselben Beitrag mehr Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) und weisen aufgrund ihrer durchschnittlich deutlich höheren Lebenserwartung signifikant höhere Beitragsrenditen in der gesetzlichen Rentenversicherung auf. Sie profitieren in weit höherem Maße als Männer von Elementen des sozialen Ausgleichs im Rentenrecht. So wurde z.B. die rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungsleistungen – die überwiegend von Frauen erbracht werden – in den vergangenen Jahren stark aufgewertet, und dies führt zu einer nennenswerten Verbesserung der Alterssicherungsansprüche von Frauen in den jüngeren Kohorten."

Hinzu kommt: "Verheiratete Frauen verfügen zwar vielfach über relativ geringe eigenständige Rentenanwartschaften. Der Versorgungsausgleich und die Hinterbliebenenrente sind aber Elemente in der Alterssicherung, die sie faktisch gegen das Scheidungs- und das Verwitwungsrisiko absichern" sollen. "Hinterbliebenenrenten beinhalten eine Anerkennung der Familien- und Erziehungsleistungen von Frauen. Sie in einem Index unberücksichtigt zu lassen, der für sich beansprucht, eine Aussage über die Fairness der Alterssicherung von Frauen (im Vergleich zu Männern) zu treffen, unterschlägt eine wesentliche Dimension und ist daher nicht sinnvoll."

Und dann legen Faik/Köhler-Rama (...) den Finger auf eine immer wiederkehrende Debatte, die sich zentrieren lässt um das Argument, dass man zwischen der Individual- und der Haushaltsperspektive unterschieden sollte: "Es ist … eine seit Jahrzehnten bekannte Binsenweisheit, dass kleine Renten von Frauen nicht gleichbedeutend mit dem Vorhandensein von Altersarmutsrisiken sind. Im Gegenteil: Kleinstrenten von Frauen sind oftmals mit relativ hohen Haushaltseinkommen bei Ehepaaren verbunden."


Also alles wie gehabt in der Genderdebatte: Es ist eher das Gegenteil dessen der Fall, was uns von interessierter Seite verkauft wird. Mitleid für die "armen, benachteiligten Frauen" ist häufig fehl am Platz, ja Frauen profitieren per saldo sogar mehr von unserem Rentensystem als Männer. Warum schreibt das die Süddeutsche Zeitung nicht? (Anschlussfrage: Warum hat diese Zeitung die Kommentarspalte unter ihren Online-Beiträgen abgeschafft, wo man auf derartig irreführende Berichterstattung zumindest hätte hinweisen können? Zweite Anschlussfrage: Wollen unsere Leitmedien ihre Leser eher informieren oder eher von ihrer politischen Weltsicht überzeugen?) Professor Sell führt weiter aus:

Nun wieder zurück zu dem aktuellen Beitrag von Hendrik Munsberg [in der Süddeutschen Zeitung]: Frauen bekommen ein Viertel weniger Rente als ihre Partner. Dem ganz aufmerksamen Leser wird hier übrigens auffallen, dass sich die Überschrift des Artikels im Vergleich zum Anfang des Beitrags verändert hat – denn da hieß es noch: "Frauen bekommen ein Viertel weniger Rente". Offensichtlich hat man innerhalb weniger Stunden den Titel in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung entsprechend verändert, ohne dass darauf hingewiesen wurde. Aber der neue Titel macht es auch nicht besser, eher im Gegenteil. Der nicht mit der Materie vertraute Leser muss den Eindruck bekommen, dass die Frauen an sich bestraft werden bei der Rente.


Ich lehne mich mal ganz kühn aus dem Fenster und behaupte, dass dieser Eindruck beim Leser auch erzeugt werden soll. Zu dieser Vermutung komme ich durch die Stoßrichtung der Süddeutschen Zeitung beim Geschlechterthema insgesamt. Professor Sell indes verfolgt noch eine andere Spur. Eine "differenzierte Darstellung" der Faktenlage sei vielleicht gar nicht das Ziel der Studie gewesen, die die Süddeutsche so interessiert aufgegriffen hatte, weil es ihr so gut ins Konzept von den armen, diskriminierten Frauen gepasst haben könnte:

Möglicherweise geht es hier um einen ganz anderen Mechanismus, den man ansteuern möchte: die Risikoaversion (gerade in Deutschland), die Angst vor der Altersarmut und darauf aufsetzend dann ein "hilfreicher" Bewältigungsvorschlag. So berichtet Munsberg in seinem Artikel: "Niessen-Ruenzi betont die Bedeutung ihrer Ergebnisse: „Das ist gesellschaftspolitisch wichtig, wenn man sich die aktuellen Scheidungsraten ansieht, sind viele Frauen nicht mehr über ihre Männer abgesichert. Sie sollten frühzeitig anfangen, selbst vorzusorgen.“"

Die Frauen "sollten frühzeitig anfangen, selbst vorzusorgen"? Da werden bei einigen die Alarmlampen angehen. Davon sprechen bekanntlich gerne diejenigen, die den Menschen zusätzliche Altersvorsorgeprodukte verkaufen wollen. Sollte es hier einen Zusammenhang geben?

Hendrik Munsberg selbst beendet seinen Artikel mit diesem nicht ganz unwichtigen Hinweis: "Dass die aktuelle Studie von einem Finanzdienstleister wie Fidelity in Auftrag gegeben wurde, ist kein Zufall. Fondsgesellschaften, Banken und Versicherungen verdienen Milliarden mit Vorsorgeprodukten, die Lücken der gesetzlichen Rentenversicherung schließen sollen. Für Unkundige ist es bei oft intransparenten Gebühren aber schwierig, passende Angebote zu finden." Wie dem auch sei – aber Fidelity kann sich über eine viele beunruhigende "Rentenlücke" freuen, denn das könnte den einen oder anderen dazu bewegen, sich dem (angeblich) "weißen Ritter" der privaten Altersvorsorge in die Arme zu werfen. Möglicherweise aber kommt man dabei unter die Hufen, was schmerzhaft enden würde.


Auf solche Dinge weist in der öffentlichen Debatte allerdings kaum jemand hin – außer uns bösen Männerrechtlern natürlich, die man besser aus der Debatte ausgrenzt, weil wir mit Beiträgen wie diesem so gemein "frauenfeindlich" sind.



2. Es gibt neue Erkenntnisse dafür, dass es kein böses "Patriarchat" ist, das Frauen von der Karriere abhält:

Für Frauen wie Männer gilt: Wettbewerb spornt zu besseren Leistungen an. Sind Frauen jedoch zusätzlich erhöhtem Stress ausgesetzt, haben Wettbewerbssituationen auf sie den gegenteiligen Effekt: Ihre Leistung nimmt ab. Folglich vermeiden gestresste Frauen verstärkt den Wettbewerb. Diese Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten ökonomischen Studie könnten erklären, warum Frauen in gut bezahlten Berufen sowie in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind und stellen so manche Management-Methode infrage.


Die Max-Planck-Gesellschaft berichtet.



3. Nachdem es Medienberichten zufolge geheißen hatte, dass die Stadt Salzburg auf das Gendern verzichte, kam es dort zu einiger Verwirrung, was diese Frage anging. Die aktuelle Tageslosung lautet: "Nach außen gendern wir, nach innen nicht."



4. "Wie feministische Social Justice Warriors Männer töten" schlagzeilt das konservative Online-Magazin "The American Thinker". Wie schon seine Überschrift verrät, ist der Tonfall des Beitrags (er stammt offenbar von einem weiblichen Autor) deutlich schärfer als Beiträge, die normalerweise auf Genderama verlinkt werden. Aber auch auf diese neue Schärfe lohnt es sich hinzuweisen. Bislang wurde der feministische Furor a la "Männer sind Arschlöcher" (Sibel Schick, Missy Magazine) in politischen Magazinen ja nicht mit derselben Heftigkeit erwidert, und mir persönlich liegt der krawallige Stil ja auch nicht so. Einige Auszüge aus dem Artikel:

Warum sind Feministinnen der Neuzeit so wütend auf Männer? Wir leben in einer Welt, in der alle wirklichen Probleme und Anliegen gelöst werden, so dass das Signalisieren von Tugend und soziale Gerechtigkeit entstanden sind, um Themen zu erzeugen, über die man sich empören kann. Stellen Sie sich vor, Sie wachen jeden Tag auf und suchen nach Dingen, die Sie verärgern, und entscheiden dann, ob Männer die Ursache für alles Böse sind? Stellen Sie sich vor, Sie verwandeln die Probleme von Männern in eine Möglichkeit für Frauen, weiter Opfer zu spielen? Solchen Unsinn findet man bereits in vielen Medien, zum Beispiel in diesem Artikel aus Harpers Bazaar "Männer haben keine Freunde und Frauen tragen die Last" . Isolierte Männer sind die Last einer Frau? Diese unaufhörliche Umschmeicheln von Frauen, indem man sie als die ultimativen Opfer einer unterdrückerischen Gesellschaft darstellt, muss wirklich beseitigt werden.

Männer fühlen sich hoffnungslos und unerwünscht. Sie verlieren die Fähigkeit, einen Sinn im Leben zu finden, da sie immer wieder von den Medien darüber aufgeklärt werden, wie schlecht sie allein durch ihre bloße Existenz sind. Wenn du keinen Sinn im Leben findest, was nützt es dann, einfach zu leben, um zu existieren? Das ist ein echtes Problem, mit dem Männer heute konfrontiert sind, und es sind Frauen, die es verursacht haben.

(...) Stellen Sie sich vor, Sie wären ein junger Mann, und Sie hören nur, wie schrecklich, grausam, räuberisch und geradezu böse Männer sind. Führt dieser ununterbrochene Schwall von erniedrigender Sprache zu gesundem Selbstwertgefühl oder psychischer Gesundheit? Nein. Eine ganze Gruppe von Menschen wird jeden Tag misshandelt und seelisch zusammengeschlagen, und dann fragen wir uns, warum der männliche Selbstmord auf dem Vormarsch ist? Wenn es um psychische Gesundheit geht, ist es für Social Justice Warriors und insbesondere Feministinnen der Dritten Welle wichtig zu verstehen, dass sie buchstäblich Männer töten.

(...) Wie wäre es, wenn wir die Schuldzuweisung für schlechte Entscheidungen, nachträgliches Bedauern und das Gefühl der Überlegenheit durch Verteufelung von anderen bleiben lassen? Das wäre ganz sicher mal eine schöne Abwechslung. Vielleicht wird dann die erdrückende Depression dadurch, dass man sich in unserer Gesellschaft wertlos fühlt, zurückgehen und dringend benötigter Anstand wird zurückkehren.


Der Artikel endet mit einem Hinweis auf die nationale Notrufstelle für selbstmordgefährdete Menschen.

Mittwoch, September 18, 2019

Professor gesteht: "Ich habe mir die Grundlagen der Genderstudien nur ausgedacht" – News vom 18. September 2019

1. Im Magazin "Quillette" schildert der kanadische Kultur- und Politik-Historiker Professor Christopher Dummitt, wie er sich vor Jahrzehnten Phantasien ausdachte, die inzwischen die Grundlagen des Bereichs "Genderstudien" bilden:

Wenn ich vor 20 Jahren gewusst hätte, dass meine Seite in den ideologischen Kriegen um soziales und biologisches Geschlecht so entschieden gewinnen würde, wäre ich ekstatisch gewesen. Damals verbrachte ich viele Abende in der Kneipe oder auf Dinnerparties, um mit anderen Studenten über Geschlecht und Identität zu diskutieren; oder mit wirklich jedem, der mir zuhören würde - meiner Schwiegermutter, meinen Verwandten oder einfach einer zufälligen Person, die das Pech hatte, in meiner Gegenwart zu sein. Ich bestand darauf, dass es so etwas wie ein biologisches Geschlecht nicht gibt. Und ich wusste es. Ich wusste es einfach. Weil ich ein Genderhistoriker war.

Dies war in den 90er Jahren das große Ding in den Instituten für Geschichtswissenschaft in Nordamerika. Die Geschlechtergeschichte - und dann die Geschlechterforschung, allgemeiner gesagt, über die gesamten Fachbereich hinweg - war Teil einer breiteren Gruppe von identitätsbasierten Subdisziplinen, die die freien Künste übernahmen. Die Geschichtsabteilungen auf dem gesamten Kontinent wurden verändert. Als die American Historical Association 2007 und dann wieder 2015 die Trends in den wichtigsten Spezialgebieten untersuchte, war das größte Feld die Frauen- und Geschlechtergeschichte. Das war gleich da oben mit der Sozialgeschichte, der Kulturgeschichte, der Geschichte der "Rasse" und der Sexualität. Jedes dieser Felder teilte die gleiche Weltanschauung wie ich - dass fast jede Identität eine soziale Konstruktion war. Und bei dieser Identität ging es nur um Macht.

Damals waren einige Leute anderer Meinung als ich. Fast niemand, der an einer Universität nicht solchen Theorien ausgesetzt war, konnte sich dazu durchringen zu glauben, dass das biologische Geschlecht ein rein soziales Konstrukt sei, weil solche Überzeugungen gegen den gesunden Menschenverstand verstießen. Das ist es, was es so verblüffend macht, dass der kulturelle Wandel in dieser Frage so schnell stattgefunden hat. Vernünftige Menschen mögen bereitwillig zugeben, dass etwas - und vielleicht sogar ein großer Teil geschlechtsspezifischer Identität - sozial konstruiert ist, aber bedeutete das wirklich, dass das biologische Geschlecht überhaupt keine Rolle spielt? Basierte das Geschlecht ausschließlich auf Kultur? Ja, ich würde darauf bestehen. Und dann würde ich noch mehr darauf bestehen. Nichts ist so selbstsicher wie ein Doktorand, der mit wenig Lebenserfahrung und einer großen Idee ausgestattet ist.

Und jetzt ist meine große Idee überall. Sie zeigt sich vor allem in den Diskussionen über die Rechte von trans Personen und die Politik gegenüber trans Athleten im Sport. Sie wird in Gesetze geschrieben, die im Wesentlichen die Auswirkungen für jeden bedrohen, der meint, dass das Geschlecht eine biologische Realität sein könnte. Eine solche Aussage ist für viele Aktivisten gleichbedeutend mit Hate Speech: Hassrede. Wenn Sie die Position vieler meiner Diskussionsgegner in den 90er Jahren vertreten, nämlich dass das soziale Geschlecht zumindest teilweise auf dem biologischen Geschlecht beruht und dass es wirklich zwei Geschlechter (männlich und weiblich) gibt, wie Biologen seit Beginn ihrer Wissenschaft wissen, werden Überprogressive behaupten, dass Sie die Identität einer trans Person verweigern, d.h. ontologischen Schaden für einen anderen Menschen anstreben.

(...) Das Problem ist: Ich lag falsch. Oder, um genauer zu sein, ich habe die Dinge teilweise richtig gemacht. Aber den ganzen Rest habe ich es im Grunde genommen nur erfunden.

Zu meiner Verteidigung, sei gesagt: Ich war damit nicht allein. Jeder hat sich das ausgedacht (und denkt es sich heute noch aus). So funktioniert das Feld der Genderstudien. Aber das ist keine gute Verteidigung. Ich hätte es besser wissen sollen. Wenn ich mich rückwirkend psychoanalysieren würde, würde ich sagen, dass ich es wirklich besser wusste. Und deshalb war ich so wütend und selbstbewusst, was die Dinge angeht, die ich glaubte zu wissen. Es ging darum, die Tatsache zu verbergen, dass ich auf einer sehr grundlegenden Ebene keine Beweise für einen Teil dessen hatte, was ich sagte. Also hielt ich mich mit Leidenschaft an die Argumente und verurteilte alternative Standpunkte. Intellektuell gesehen war es nicht schön. Und das macht es so enttäuschend zu sehen, dass die Standpunkte, für die ich früher so leidenschaftlich und grundlos argumentiert habe, jetzt von so vielen in der Gesellschaft akzeptiert werden.

Meine Methodik funktionierte so: Zunächst würde ich darauf hinweisen, dass ich als Historiker wusste, dass es eine große kulturelle und historische Variabilität gibt. Geschlecht war nicht immer in gleicher Weise zu jeder Zeit und an jedem Ort definiert. Es war (...) "eine sich historisch verändernde Reihe von Konzepten und Beziehungen, die den Unterschieden zwischen Männern und Frauen einen Sinn geben". Wie kannst du sagen, dass das Wesen eines Mannes oder einer Frau in der Biologie verwurzelt ist, wenn wir Beweise für Veränderungen im Laufe der Zeit haben? Außerdem habe ich darauf bestanden, dass es "keine ahistorischen Grundlagen für sexuelle Unterschiede gibt, die auf biologischen oder anderen soliden Grundlagen beruhen, die existieren, bevor sie kulturell verstanden werden".

Und ich hatte meine Lieblingsbeispiele, die ich schließlich in prägnante Anekdoten verwandelte, die ich in Vorträgen oder Gesprächen verwenden konnte - über Ludwig XIV. und seine typische Pose, die damals im 16. Jahrhundert als die Höhe der Männlichkeit angesehen worden wäre, aber für heutige Verhältnisse eher feminin aussieht. Oder ich würde über die Farben Blau und Pink sprechen und Zitate aus den 1920er Jahren herausziehen, denen zufolge kleine Jungs Pink tragen sollten, weil es feurig und erdig war, und Mädchen Blau, weil es luftig und ätherisch war. Und diese Beispiele würden ein Lachen ernten und meinen Standpunkt darlegen. Was wir als die absolut sichere Wahrheit des Geschlechts betrachteten, hatte sich mit der Zeit tatsächlich verändert. Das Geschlecht war nicht binär: Es war variabel und vielleicht unendlich.

Zweitens würde ich argumentieren, dass es bei jeder Begegnung mit jemandem, der sagt, dass etwas männlich oder etwas weiblich ist, nie nur um das Geschlecht ging. Es ging immer auch um Macht. Und Macht war und bleibt eine Art Zauberwort in der Wissenschaft - vor allem für einen Absolventen, der Michel Foucault in der ersten Lesung besuchte. Erinnern wir uns, dass wir damals inmitten endloser Diskussionen über "Handlungsmacht" waren (wer besaß sie? wer nicht? wann? wo?). Wenn also jemand leugnete, dass biologisches und soziales Geschlecht variabel sind, wenn er vorschlug, dass es wirklich etwas Zeitloses oder Biologisches am Geschlecht gibt, dann entschied er sich in Wirklichkeit für die Macht. Er rechtfertigte die Unterdrückung. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Und dann, drittens, suchte ich nach einer Erklärung im historischen Kontext, die in einem bestimmten geschichtlichen Moment zeigte, warum Menschen in der Vergangenheit über etwas entweder als männlich oder weiblich gesprochen haben. Die Geschichte ist ein großer Ort. Und so gab es immer etwas zu finden. Ich habe über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, so dass man immer sagen konnte, dass die Menschen um eine Rückkehr zur Normalität nach dem Krieg besorgt waren. Frauen hatten beim Militär gedient und in "Männer"-Jobs gearbeitet. Bei der Fokussierung auf Geschlechterdifferenzen ging es also darum, Frauen nach ihrer Arbeit während des Krieges wieder ins Haus zu holen. Es ging um Kontrolle und Unterdrückung.

Und natürlich waren die Menschen über diese Entwicklungen in den späten 1940er Jahren besorgt. Ich könnte die Forschung anderer in diesem Bereich zitieren und damit wirklich zeigen, dachte ich, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt sei, und es auf diese Weise konstruiert wurde, um Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an ihren Platz zu verweisen.

Sie könnten sich andere kontextuelle Details aussuchen. Und in der Tat, meiner Meinung nach, habe ich genau das getan. Ich war fasziniert von der Lektüre über die Modernisierung des Lebens in der Mitte des Jahrhunderts, und so wies ich auf all die Möglichkeiten hin, wie die Menschen in den Nachkriegsjahren das Reden über die Moderne mit dem Reden über Männlichkeit verbanden. Es war, als wissenschaftliche Arbeit, ziemlich elegant gemacht, wenn ich das so sagen darf. Das Problem war: Es war auch, teilweise, intellektuell bankrott.

Hier lag ich nicht falsch: Die Archivforschung, glaube ich, war solide. Ich ging zurück zu den Dokumenten aus dieser Zeit und konnte so die Art und Weise wiederherstellen, wie die Leute darüber sprachen und schrieben, dass sie ein Mann seien. Ich habe die Zeit wirklich kennengelernt. Dies ist der wunderbare voyeuristische Teil des Historikerdaseins.

(...) Aber die größte Frage von allen - die Wichtigste - ist die letzte: "Warum?" Warum ist ein bestimmtes Ereignis so abgelaufen, wie es stattgefunden hat? In meinem Fall bedeutete das: Warum haben die Kanadier der Nachkriegszeit so über Männer und Frauen gesprochen wie sie es getan haben?

(...) Die Menschen sprachen über Männer in der von mir beschriebenen besonderen Weise, argumentierte ich, weil Geschlecht eine soziale Konstruktion war, deren Umrisse auf Macht und Unterdrückung zurückzuführen waren: Kanadier nutzten geschlechtsspezifisches Denken, um einige Männer zu bevorzugen und Frauen zu benachteiligen, um Männlichkeit als besser als Weiblichkeit zu strukturieren.

(...) Natürlich wäre es möglich, sich das gleiche Material anzusehen und völlig plausible alternative Erklärungen abzugeben. Hätten die Kanadier der Nachkriegszeit die Idee, dass Männer Risiken eingehen, sozial konstruieren können? Ja, das ist plausibel. Aber es ist auch plausibel, dass sie so über Männer gesprochen haben, weil Männer ... im Durchschnitt einfach mehr Risiken eingegangen sind. Männer könnten einfach so gestrickt sein. Meine Nachforschungen haben weder in die eine, noch die andere Richtung gedeutet. Ich nahm einfach an, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt sei und ging auf dieser Grundlage vor.

(...) Ich habe mich nie - zumindest nicht ernsthaft - mit jemandem auseinandergesetzt, der etwas anderes behauptet hat. Und niemand hat zu irgendeinem Zeitpunkt meines Graduiertenstudiums oder im Peer Review jemals einen anderen Vorschlag gemacht - außer in Gesprächen, meist außerhalb der Wissenschaft. Und so war ich nie gezwungen, mich mit alternativen, biologisch orientierten Erklärungen auseinanderzusetzen, die mindestens so plausibel waren wie die Hypothese, die ich mit der Aura von Gewissheit herausgeputzt hatte. Steven Pinkers Kritik am Sozialkonstruktionismus, "Das unbeschriebene Blatt: Die moderne Leugnung der menschlichen Natur", wurde 2002 veröffentlicht, bevor ich meine Doktorarbeit beendete und bevor ich mein Buch veröffentlichte. Doch ich hatte noch nicht einmal davon gehört, und niemand schlug jemals vor, dass ich mich mit seinen Argumenten und Beweisen befassen müsse. Das allein sollte Ihnen viel über das Silo sagen, das wir alle bewohnt haben.

Die einzige wirkliche Kritik, die ich erhielt, waren Ermahnungen, das Paradigma zu stärken oder für andere Identitäten zu kämpfen und gegen andere Formen der Unterdrückung vorzugehen. (Die Idee, dass es auf der Grundlage dieser intersektionellen Identitäten Unterdrückung gibt, wurde einfach angenommen, nicht demonstriert oder bewiesen.) Also wurde ich vielleicht gefragt, warum ich nicht mehr über soziale Klassen gesprochen habe. Oder warum ich so viel Zeit damit verbracht habe, über Männer und nicht über Frauen zu reden? Auch wenn ich die Männlichkeit dekonstruierte und zeigte, dass es sich um ein soziales Konstrukt handelte, musste ich doch auch auf die Frauen achten. Oder wie sieht es mit der Sexualität aus? Habe ich nicht mehr Hinweise auf Männer gesehen, die nicht heterosexuell waren, und sollte ich auch nicht darauf achten, wie Männlichkeit im Zusammenhang mit Sexualität konstruiert war? Sie können solche Kritiken auf vielfältige Weise erweitern. Aber der Punkt ist, dass alle von ihnen innerhalb des Paradigmas operierten, das ich bereits angenommen hatte.

(...) Einige der ersten Zweifel, die ich an meiner Graduiertenausbildung zu haben begann, begannen sich zu diesem Zeitpunkt einzuschleichen. Wie lange könnte dieser Beruf noch wachsen, indem er einfach immer mehr Arten von Unterdrückung hinzufügt? Sicherlich wäre die Geschichte irgendwann vollständig umfassend. Tatsächlich war ich mir ziemlich sicher, dass das bereits der Fall war. 2009 veröffentlichte ich ein Buch mit einem Essay mit dem Titel "After Inclusiveness", in dem ich diesen Punkt hervorhob. Glücklicherweise war ich an meiner Hochschule bereits fest angestellt, als das Buch herauskam. Viele in der Branche gaben privat zu, dass ich Recht hatte, aber fast niemand würde das in einem gedruckten Text sagen.

(...) Das Problem war und ist, dass ich mir das alles ausgedacht habe. Das waren begründete Vermutungen, die ich anbot. Es waren Hypothesen. Vielleicht hatte ich Recht. Aber weder ich noch sonst jemand dachte jemals daran, das, was ich geschrieben habe, zu hinterfragen.

Einige grundlegende Fragen stellen sich. Gab es wirklich sehr unterschiedliche und variable Erwartungen an die beiden Geschlechter je nach Zeit und Ort? Das ist nichts, was mit den prägnanten Anekdoten beantwortet werden kann, die ich früher lieferte, und die die Leute auch heute noch austeilen. Es sollte systematisch und vergleichend untersucht werden. In meiner damaligen Lesart muss ich nun zugeben, dass ich eine geringe Variabilität mit einer gewissen zentralen Konsistenz sah. Die Vorstellungen von Männern als Versorger, Risikoträgern und Personen mit besonderer Verantwortung für Schutz und Kriegsführung scheinen in der Geschichte und den Kulturen ziemlich einheitlich zu sein. Ja, es gibt Unterschiede im Laufe des Lebenszyklus und einige kulturelle und historische Besonderheiten. Aber wenn Sie Ihre Forschung nicht begonnen haben, in der Annahme, dass die kleinen Unterschiede sehr wichtig sein müssen, ist es nicht klar, dass Sie dies aus den Beweisen schließen würden.

Und ging es wirklich immer um Macht? Vielleicht. Und vielleicht auch nicht. Um zu beweisen, dass es um Macht ging, habe ich andere Gelehrte zitiert, die sagten, es sei so. Es half, wenn ihre Namen französisch waren und sie Philosophen waren. Auch die Arbeit des australischen Soziologen R. W. Connell half. Er hatte argumentiert, dass es bei der Männlichkeit in erster Linie um Macht geht - um die Behauptung der männlichen Dominanz über Frauen und andere Männer. In Wirklichkeit hat seine Arbeit das nicht bewiesen; sie wurde nur plausibel aus kleinen Fallstudien extrapoliert, genau wie ich es getan hatte. Also habe ich Connell zitiert. Und andere zitierten mich. Und so "beweist" man, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist und alles um Macht geht. Oder irgendwas anderes.

Meine fehlerhafte Argumentation und andere akademische Texte, die dasselbe fehlerhafte Denken aufweisen, werden jetzt von Aktivisten und Regierungen aufgegriffen, um einen neuen moralischen Verhaltenskodex zu erlassen. Es war eine Sache, als ich mit anderen Studenten einen trinken gegangen bin und wir uns in der unwichtigen Welt unseres eigenen Egos mit solchen Dingen auseinandersetzten. Aber jetzt geht es um viel mehr. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das Studium besser geworden ist - dass die Regeln für Evidenz und Peer Review anspruchsvoller geworden sind. Aber die Realität ist, dass die gegenwärtige fast vollständige Akzeptanz des Sozialkonstruktivismus in bestimmten Kreisen eher das Ergebnis des demographischen Wandels innerhalb des akademischen Sektors zu sein scheint, wobei bestimmte Standpunkte noch stärker dominieren als in meiner Blütezeit.

Dieses Geständnis sollte nicht so interpretiert werden, dass das Geschlecht in vielen Fällen nicht sozial konstruiert ist. Aber die Kritiker der Sozialkonstruktionisten haben Recht, wenn sie ihre Augenbrauen angesichts der so genannten Beweise der angeblichen Experten heben. Meine eigene fehlerhafte Argumentation wurde nie herausgearbeitet - und in der Tat durch den Prozess des Peer Reviews lediglich ideologisch stärker beeinflusst. Solange wir keine ernsthaft kritische und ideologisch divergierende Wissenschaft über biologisches und soziales Geschlecht haben, kann Peer Review kaum mehr als eine Form des ideologisch bedingten gruppeninternen Screenings sein – und dann sollten wir in der Tat sehr skeptisch sein, was viel von dem betrifft, was als "Expertenwissen" über die soziale Konstruktion des Geschlechtes gilt.




2. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu der gestern hier veröffentlichten Lesermail zum Vorschlag der CDU zum Gender-Wahlrecht:

Die Sichtweise des Lesers dürfte auf einem Mißverständnis beruhen. Die schon länger virulente Idee ist, je zwei der bestehenden Wahlkreise zusammenzulegen und in jedem der so gebildeten Großwahlkreise einen Direktkandidaten und eine Direktkandidatin zu wählen. Auf diese Weise läßt sich erreichen, daß auch die Direktmandate "geschlechtergerecht" vergeben werden, was ja zunächst an der Unabhängigkeit der Abstimmungen in den einzelnen Wahlkreisen scheitert. Das wird überdies als ein Zuwachs an Demokratie verkauft, weil damit jeder Wähler, Wählerin oder Wählix (oder wie man das "geschlechtergerecht" zu benennen hat) sogar an zwei Direktmandaten, und nicht nur wie bislang einem, mitwählen darf.


Ein anderer Leser schreibt mir:

Ich lese regelmäßig Genderama. Nun habe ich deine Post "Die Leiden der jungen Männer" gelesen. Deine Auszüge habe ich einer Mutter von drei Kindern gesandt. Die Mutter als auch die Kinder sind Gewaltopfer des Mannes und Vaters und profeministisch und engagiert in Beziehungsgewalt. Nach einigen offenen und kontroversen Gesprächen mit dieser Mutter haben wir ein gemeinsames Ziel gefunden, dass wir als Eltern nicht zwischen Geschlechtern, sondern zwischen guten und schlechten Eltern trennen müssen, vor allem für die Kinder.

Ich denke, dass dich ihre Antwort interessiert.

Sie hat zwei ihrer Kinder, ein Junge und ein Mädchen 13 und 18, gefragt, wie sie die Schule erlebt haben. Die Antwort ihrer eigenen Kinder hat sie bestürzt. Beide Kinder sagen das Gleiche, dass Mädchen bevorzugt und milder behandelt werden und Jungs von vorneherein Gewaltpotenzial unterstellt wird. Die Mutter ist Elternbeirat und wird dies an den Elternabenden ansprechen.

Vielen Dank für deine Arbeit.

Dienstag, September 17, 2019

Warum die große Koalition die Unterhaltsreform verschleppt – News vom 17. September 2019

1.
Nach einer Trennung muss ein Elternteil oft viel Unterhalt zahlen – auch wenn das Kind viel Zeit mit ihm verbringt. Die große Koalition will das ändern, doch passiert ist kaum etwas. Die FDP sieht "nur Ankündigungen, Vertröstungen und hohle Phrasen".


Hier geht es weiter.



2. Unter der Überschrift "Frauen dominieren in Brandenburgs Führungsetagen" berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg:

Beim Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und den Landesbehörden schneidet Brandenburg gut ab. Das geht aus dem Landesgleichstellungsbericht hervor, den das Frauenministerium auch als Broschüre veröffentlicht hat. Demnach sind 60 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen - das ist der vierthöchste Wert im Ländervergleich. (...) Frauenministerin Susanna Karawanskij (Linke) erklärte dazu am Sonntag, Gleichstellung müsse ernst genommen werden. Noch sei sie nicht selbstverständlich. Nach der Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes im Jahr 2013 setzten bislang über 70 Prozent der öffentlichen Dienststellen Gleichstellungspläne mit konkreten Maßnahmen um. "Diese Zahl wollen wir weiter steigern."




3. Bei den "Salonkolumnisten" beschäftigt sich Dr. Christian Honey mit "Akademischer Esoterik", wie sie sich beispielsweise im Bereich der sogenannten "Genderstudien" findet. Ein Auszug aus dem insgesamt lesenswerten Artikel:

Dass gelebte Erfahrung nicht nur unter Esoterikern als hinreichender Beleg für die eigenen Thesen und Forderungen gilt, zeigt ein Blick in die Literatur der sozialaktivistischen "Studies"-Fächer, etwa der Gender-, Women’s, Cultural Studies. (...) Dabei ähnelt die Denk- und Arbeitsweise der Beschwerde-Fächer oft der der Esoteriker. In beiden Welten existieren Kräfte, die sich zwar der Messung entziehen, trotzdem aber eine starke Wirkung entfalten. Homöopathen etwa erklären die Wirkung ihrer Globuli mit einem vermeintlichen "Wassergedächtnis"; die Information des Wirkstoffs wird durch Verdünnen und Schütteln (irgendwie) an den Trägerstoff übertragen und dabei sogar verstärkt (potenziert). Experimentell konnte dieser Effekt noch nie belegt werden. Aber die Patienten berichten von "guten Erfahrungen". In den Beschwerde-Fächern gibt es analog dazu das Konzept der Mikroaggression. Es beschreibt als übergriffig wahrgenommene Äußerungen oder Verhaltensweisen. Gehört ein Sprecher einer "dominanten" Gruppe an (z.B. weiß, männlich, alt) und sagt etwas, das ein Mitglied einer "marginalisierten" Gruppe (z.B. nicht-weiß, weiblich, jung) als beleidigend erlebt, ist die Aussage per Definition übergriffig. (...) Je weniger gemeinte Beleidigung in einer Aussage enthalten ist, desto beleidigender wird sie — eine Art von Potenzierung durch Verdünnung.

Eine weitere Parallele liegt in der gleichartigen Reaktion von Beschwerde-Akademikern und Esoterikern auf den Hinweis, dass sich ihre Aussagen womöglich nicht durch systematische Beobachtung und statistische Analyse belegen lassen. Oft werden dann dominierende Mächte und ihre Privilegien angeführt. Diese wollten verhindern, dass die "Wahrheit" herauskommt und politisch umgesetzt wird. Bei der Homöoapthie sind das die Mächte die Schulmedizin und die Pharmaindustrie, im Genderseminar "der alte weiße Mann" und sein "Patriarchat". Mittlerweile haben sich Esoteriker und Beschwerde-Theoretiker eine große Zahl scheinbar wissenschaftlicher Journale geschaffen, die gelebte Erfahrung und politische Forderungen als Forschungsergebnisse verkaufen. Wenn Journalisten solche Ergebnisse dann noch unhinterfragt als "Forschung" berichten, verschwimmt ein entscheidender Unterschied: der zwischen Wissenschaft und politischem Aktivismus.




4. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Der Vorschlag der CDU zum Gender-Wahlrecht hat was für sich. Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen pro Wahlkreis je ein Mann und eine Frau aufgestellt werden und der Wähler entscheidet sich für einen. Das dürfte am Geschlechter Quotienten im Parlament so gut wie nichts ändern Die Leute werden denjenigen wählen, der mehr Zeit und Biss hat und nicht angibt, dass er 18 Uhr zu Hause sein muss.

Die Vorschläge der anderen Parteien greifen da schon tiefer ein, oder? Zum Beispiel dass Landeslisten abwechselnd besetzt werden sollen, wie bei den Grünen, also Position 1 = Frau, Position 2 = Mann, Position 3 = wieder Frau.

Montag, September 16, 2019

Tages-Anzeiger: "Die Leiden der jungen Männer" – News vom 16. September 2019

1. Mehrere Leser haben mich heute Morgen begeistert auf einen Beitrag im Schweizer "Tages-Anzeiger" über die Diskriminierung junger Männer im Bildungssystem aufmerksam gemacht. "Der Artikel könnte von Ihnen stammen", schreibt mir einer von ihnen. "Aber er kommt – man staune! – aus der Feder von Michelle Binswanger." (Binswanger schreibt häufig feministische Artikel.) Der Artikel steht im Ranking der meistgelesenen "Tages-Anzeiger"-Beiträge gerade an erster Stelle. Er ist allerdings nur für Abonnenten des Blattes freigeschaltet. Einige Auszüge:

Zwei Gymnasiasten sitzen an einem der Tische, beide im Maturjahr, und beide haben eine klare Meinung. Die Frage war: Wird man heute in der Schule als junger Mann gegenüber den Mädchen benachteiligt? Die Antwort: Ja, definitiv. "Feminismus hiess einmal Gleichstellung. Jetzt wollen die Frauen einfach so viel für sich herausholen, wie es nur geht", sagen sie.

Beide Buben betonen, dass sie für Gleichstellung sind, beide haben Schwestern und Mütter, die arbeiten. Sie wurden erzogen, dass man Frauen ehren und wertschätzen soll. Umgekehrt scheine dies aber nicht der Fall zu sein. Zumindest nicht in der Schule. "Wir werden damit bombardiert, dass man sich als Mann schuldig fühlen muss", sagen sie. Der Druck komme von Lehrerinnen und Mitschülerinnen. "Dauernd wird man in ein schlechtes Licht gerückt." Und besonders die feministisch orientierten Lehrerinnen würden die Buben strenger bewerten.

(...) "Man spricht immer von Mansplaining", sagt Grolimund, "aber in der Erziehung betreiben auch sehr viele Frauen Womansplaining." Frauen, die ihren Männern nicht zugestehen können, dass sie es anders machen, aber nicht unbedingt schlechter. Dieses Womansplaining kennen auch die beiden Gymnasiasten. Und sie haben genug davon. "Echt, wir haben keinen Bock mehr, wenn wir so behandelt werden."


Tatsächlich fühlen sich viele junge Männer überfordert – und lehnen zunehmend ab, was sie als "radikalen Feminismus" wahrnehmen. Wenn man sie fragt, erzählen sie von Lehrerinnen, die es sich nach schlechten Erfahrungen mit Männern zur Aufgabe gemacht hätten, ihren Schülern solches Verhalten auszutreiben. Von einem Artikel über Alkoholsucht, den sie lesen mussten und aus dem im Unterricht ein männliches Vergewaltigersyndrom hergeleitet wurde. Als wäre jeder Mann ein Vergewaltiger. "Wenn ein Lehrer einen Witz über Feminismus macht, rennen die Mädchen sofort zum Rektor, weil das sexistisch sei. Aber bei solchen Aussagen über Männer wehrt sich niemand."


Gerade in den sprachlich orientierten Fächern gehe es immer wieder um die gesellschaftliche Stellung der Frau. "Es ist, als wäre Sexismus ein eigenes Schulfach geworden." Männliche Lehrpersonen könnten immerhin ein bisschen nachvollziehen, wie es ihnen als jungen Männern gehe, und hätten mehr Verständnis. Wobei die Mädchen auch dort den Vorteil hätten, sich besser "einschleimen" zu können.


Ein Lehrer unter meinen Lesern merkt zu dem Artikel an:

Ich kann dies mit eigenen Erfahrungen aus deutschen Schulen bestätigen. Die neue Lehrerinnenschaft der letzten fünf bis zehn Jahre hat definitiv ein Problem mit Jungs (nicht alle, aber es sind nicht wenige).


Der Feminismus scheint ein ernsthaftes Image-Problem zu haben. Während Blätter wie "Zeit", "Süddeutsche" und "taz" ständig "Feminismus yay!" schreiben und Feministinnen von Geistesverwandten ulkige Preise verliehen bekommen, stehen diese Jubelrufe in starkem Kontrast mit dem Alltagserleben vieler Jungen und Männer, die noch dazu den Eindruck haben dürften, dass über diese Probleme in den Leitmedien kaum eine offene Debatte erlaubt ist.



2. Spiegel-Online bleibt dran am Thema "Feministinnen in der CDU und ihre Forderung nach einem Gender-Wahlrecht". In einem aktuellen Beitrag heißt es:

Auf den Kandidatenlisten für Parlamentswahlen sollen künftig zur Hälfte Frauen und Männer vertreten sein. Das haben die Mitglieder der Frauen Union auf ihrem 33. Bundesdelegiertentag in Leipzig einstimmig beschlossen. (...) Am Samstag hatte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sich bei der Veranstaltung bereits für einen höheren Anteil von Frauen in politischen Ämtern ausgesprochen.


Sogar wenn man dem Feminismus selbst weder aufgeschlossen noch ablehnend gegenüber steht, wird der ideologische Einheitsbrei in den Parteien allmählich etwas schwierig für die Demokratie. Lediglich acht Prozent der Deutschen positionieren sich selbst im feministischen Lager, ermittelte eine Umfrage des Instituts Yougov im Jahr 2018. Gleichzeitig hat jemand, der dem Feminismus nicht nur gleichgültig oder zwiegespalten gegenüber steht, sondern der ihn wirklich nicht mag, inzwischen große Probleme, eine einflussreiche Partei zu wählen, die nicht stark feministisch ausgerichtet ist. Insofern können Feministinnen einerseits triumphieren, weil sie die Leitmedien, die politischen Parteien und den akademischen Sektor gut im Griff haben. Andererseits: Das alles im Griff zu haben und nur acht Prozent der Bevölkerung ins eigene Lager ziehen zu können, sollte einem schon sehr zu denken geben.

Sonntag, September 15, 2019

"Die Feministinnen-Union": CDU-Frauen fordern Gender-Wahlrecht – News vom 15. September 2019

1. Wie Spiegel Online berichtet, wollen sich Frauen der CDU bei ihrem Bundestreffen für quotierte Wahllisten einsetzen. In der Union gäbe es ohnehin immer mehr Frauenrechtlerinnen. In dem Artikel heißt es:

Mehr Frauen als Mittel gegen die AfD? Zumindest haben in Sachsen laut Wahlanalysen deutlich mehr Frauen als Männer die CDU gewählt - mit mehr Politikerinnen ließen sich vielleicht noch mehr Wählerinnen gewinnen.


Einer meiner Leser schreibt mir hierzu:

Ist das nun Frauenlogik? Die großen Volksparteien verschrecken mit ihrer Politik immer mehr Männer. Um diesen Trend aufzuhalten, soll die Politik noch feministischer werden, damit Frauen als Wähler gewonnen werden? Dass damit noch mehr Männer verloren gehen, scheint egal zu sein. Sollte die CDU tatsächlich diesen Weg gehen, wird sie der SPD wohl in die Bedeutungslosigkeit folgen.


Ohnehin droht die feministische Wunschvorstellung an der Realität zu scheitern, berichtet Spiegel-Online:

Bereits 1996 hatte die Frauen-Union ein Quorum in der Partei erstritten: Demnach müssen ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt werden. Auf höchster Ebene hat das teilweise funktioniert. In der Kommunalpolitik war das nicht so einfach. Es gab zu wenige Kandidatinnen.




2. Am Mittwoch, dem 18. September 2019, spricht um 18:30 Uhr im Erfurter Restaurant Classico Katja Suding (Stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, familienpolitische Sprecherin der FDP) über das von der FDP geforderte Wechselmodell (gemeinsame Kinderbetreuung als Regelfall). Gastgeber sind der Internationale Vatertag Deutschland und die Aktion Kinderschuhe.Sorgerecht. Weitere Informationen findet man auf Facebook.

Währenddessen haben sich die grünen Frauen gegen das Wechselmodell ausgesprochen.



3. Obwohl Frauen in den Ingenieurswissenschaften nach wie vor deutlich in der Minderheit sind, machen immer mehr Frauenstudiengänge dicht.

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