Dienstag, Mai 19, 2026

"Ich date nur noch unterwürfige Männer": Wie der Hass der Femosphäre immer weiter um sich greift

1. Unter der Schlagzeile "Ich date nur noch unterwürfige Männer" berichtet eine Kolumnistin des Berliner Tagesspiegels über ihren "Heteropessimismus", angeblich "das Beziehungsproblem moderner heterosexueller Frauen", aber eigentlich nur ein hübscheres Wort für Männerhass. Ihre Lösung sieht so aus:

"Soll ich dir morgen früh Croissants und Kaffee vorbeibringen?", steht in der Nachricht von dem Mann, den ich gerade date. "Heißt das, du willst zum Frühstück vorbeikommen?", frage ich zurück. "Nein, ich will dir nur was Gutes tun, bevor ich zur Arbeit gehe", bekomme ich zur Antwort. Was ich Besonderes gemacht habe, um das zu verdienen? Nichts. Außer vielleicht, mich auf einer Dating-App anzumelden, auf der man explizit devote Männer finden kann. Und seitdem ich solche Männer date, kann ich mir nicht mehr vorstellen, nochmal eine hetero Beziehung "auf Augenhöhe" zu führen.

Devot zu sein bedeutet, sich zu ergeben und unterwürfig zu verhalten. Etwas, das in Beziehungen historisch von Frauen erwartet wurde. Ich erwarte das heute von meinen männlichen Partnern.


Die Kolumnistin, die sich selbst als Feministin bezeichnet, behauptet, der Feminismus wolle eigentlich "eine gleichgestellte Partnerschaft". Das ist aber nur der Reklametext dieser Ideologie. Was sie eigentlich möchte, formuliert diese Feministin sehr offen:

Der devote Mann versteht die eigene Hingabe nicht als Bürde, sie turnt ihn meistens sogar an. Das macht ihn zwar nicht zum besseren Menschen, aber darum geht es auch nicht. Es geht nicht um ihn, es geht um seine Partnerin und die Tatsache, dass die Frau sich endlich einmal zurücklehnen und genießen kann, wenn ihr Partner ihr mit Demut begegnet. Demut ist die neue Augenhöhe.




2. Der Schweizer Tages-Anzeiger stellt eine weitere junge Frau vor: "Lena ist 26 und sagt: Ich hasse Männer". Hintergrund dafür ist, dass sie mehrere schlechte Erfahrungen machen musste. Seitdem ist die Hälfte der Menschheit bei ihr unten durch.

Mit ihrem Männerhass ist Lena nicht allein. In Internetforen haben sich Gemeinschaften gebildet, in denen Frauen solche und ähnliche Erfahrungen sammeln und diskutieren, um daraus praktische Schlüsse zu ziehen. «Eine der besten Arten, sich am Patriarchat zu rächen, ist es, Männer um deine Aufmerksamkeit buhlen zu lassen», steht etwa im Handbuch der "Female Dating Strategy" auf Reddit.

Die Forschung hat für solche männerhassenden Gruppierungen einen Begriff: Femosphere. Damit ist kein einheitliches Lager, sondern ein breites Spektrum mit oft widersprüchlichen Strömungen gemeint. Geprägt hat den Begriff die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Boyce Kay – in Anlehnung an den bereits etablierten Begriff der Manosphere, also frauenverachtende Online-Gruppierungen mit Figuren wie Andrew Tate.

Die Femosphere umfasst diverse Online-Communitys von Frauen, die sich zwar alle als feministisch verstehen, inhaltlich aber weit auseinanderliegen: radikalfeministische Foren, Anti-Trans-Gruppen, datingspezifische Influencerinnen-Bubbles. Teilweise werden auch die konservativen Tradwives dazugezählt.


Der Tages-Anzeiger stellt noch einmal klar, dass diese Frauen natürlich immer noch besser sind als Männer, die sich im Internet tummeln, um dann weiter auszuführen:

Stattdessen erklären glamouröse Influencerinnen mit Hunderttausenden von Followern, wie man Männer durchschaut und sich von ihnen nicht blenden lässt. Ein Beispiel ist die Australierin Kanika Batra, der auf Instagram über 280’000 Menschen folgen. Batra bezeichnet sich selbst als "diagnostizierte Soziopathin" und verkauft eine "Datingbibel", die Manipulation statt Empathie predigt.

(…) Weitere Ratschläge von Batra: "Männer können dich nicht ausnutzen, wenn du nutzlos bist – gib dich also unnütz." Und wenn ein Mann will, dass die Frau kocht, empfiehlt sie: "Serviere Poulet-Sashimi. Wenn er den Rest der Woche im Badezimmer verbringt, schweisst euch das zusammen." Auf Instagram erreichte dieses Video, in dem sie Frauen dazu auffordert, ihre Männer mit rohem Poulet zu vergiften, über 755.000 Menschen.

Männer muss man ausbeuten, manipulieren, notfalls vergiften – mehr haben sie nicht verdient: Diesen Eindruck gewinnt schnell, wer sich in einer dieser Online-Bubbles bewegt. Willkommen in der Femosphere.

Lena ist keine Femosphere-Influencerin, sie bezeichnet sich selbst als Männerhasserin. Sie folgt feministischen Accounts, liest über Femizide und das Recht auf Abtreibung. "Diese krassen Femosphere-Seiten? Sehe ich eher selten."


Der Tages-Anzeiger muss ein drittes Mal betonen, dass Männer im Internet wirklich VIEL SCHLIMMER sind.

Für Tamara Funiciello, SP-Nationalrätin und bekennende Feministin, ist die Gleichsetzung der beiden Phänomene Femo- und Manosphere eine gefährliche Relativierung: "Die Manosphere führt zu Vergewaltigungen, Tötungen und hat heute auch Anhänger im Weissen Haus." Die Femosphere sei eine Reaktion darauf, dass der Staat und die Gesellschaft Frauen zu wenig schützten – also Ausdruck von Selbstschutz, sagt Funiciello. Die Wut der Frauen sei verständlich und wichtig. Doch Aufrufe zur Vergiftung mit rohem Pouletfleisch seien nicht zu rechtfertigen und keine Lösung.

Für Frauen, die keine Männer mehr daten wollen, hat Funiciello hingegen Verständnis: "Die Statistiken sind erdrückend", sagt sie – Femizide, häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe seien für Frauen an der Tagesordnung. Lena fantasiert manchmal von einer Welt, in der Frauen regieren und die Männer dominieren.




3. "Männern wird emotionale Imkompetenz unterstellt", berichtet der Väter-Coach Carsten Vonnoh in der Stuttgarter Zeitung. Ein Auszug:

"Das tieferliegende Vorurteil ist: Männer seien grundsätzlich die zweite Wahl als primäre Bezugsperson. Das zeigt sich in Kita-Gesprächen ("Können wir Ihre Frau erreichen?"), bei Behörden und auch im Familienrecht. Hinzu kommt der Verdacht, dass etwas mit der Mutter nicht stimmen könne, wenn die Kinder beim Vater leben – eine Unterstellung, die alleinerziehende Mütter so gut wie nie erleben.

(…) Alleinerziehende Väter stehen unter demselben Versorgerdruck wie andere Männer – die gesellschaftliche Erwartung, wirtschaftlich zu performen, verschwindet nicht, nur weil sie jetzt auch die Care-Arbeit allein stemmen. Das ist ein strukturelles Dilemma: Sie sollen beiden Rollen gerecht werden: dem Ernährer und der fürsorgenden Bezugsperson – haben aber dieselben 24 Stunden wie alle anderen auch. Alleinerziehende Mütter haben oft ähnliche ökonomische Herausforderungen, aber nicht denselben gesellschaftlichen Druck, ihre Identität über Erwerbsarbeit zu definieren. Väter hingegen erleben oft eine innere Zerrissenheit: Reduzieren sie für die Kinder, gelten sie schnell als ,nicht mehr ambitioniert‘. Bleiben sie im Vollzeit-Job, sind sie daheim ,nicht präsent genug‘. Dieser doppelte Anspruch wird kaum anerkannt."


Dazu komme der Missbrauchsverdacht.

"Männer mit Kindern – besonders mit Töchtern – stehen unter latenter Beobachtung. Körperliche Nähe, Umkleidesituationen und Übernachtungspartys werden kritischer beäugt als bei Müttern. Dieses implizite Misstrauen ist für viele Väter verletzend und schränkt ihre natürliche Beziehung zu den Kindern ein."




4. Im Frankfurter Magazin Novo beschäftigt sich Georgina Mumford damit, warum junge Frauen Männer fürchten. Mumford stellt zunächst fest, "dass ein Geschlecht weitaus stärker in den 'Geschlechterkrieg' involviert zu sein scheint als das andere": Nur 35 Prozent der Frauen der Generation Z unter 25 Jahren haben eine positive Meinung vom anderen Geschlecht, während umgekehrt 72 Prozent der Männer Frauen zu schätzen wissen – "eine merkwürdig hohe Zahl, angesichts der angeblichen Misogynie-Epidemie, über die wir uns in letzter Zeit so aufregen." Mumford berichtet über eine Frau, die unter bestimmten Bedingungen zu einer Partnerschaft in der Lage ist:

Sie beschrieb ihren an Privatschulen ausgebildeten, heterosexuellen, weißen Freund als "verdammten Labrador" – ein Begriff, der an den Internet-Archetyp des Golden-Retriever-Freundes (GRBF) erinnert. Der GRBF ist ein hingebungsvoller und harmloser junger Mann, der bereit ist, die Rolle des emotionalen Begleiters zu übernehmen. Ähnlich wie sein Vorgänger aus der Millennial-Generation, der "Himbo", ist er liebevoll, albern und vor allem unproblematisch. Sein Mangel an Intellekt, gepaart mit dem verzweifelten Wunsch zu gefallen, macht ihn ausdrücklich zu keiner Bedrohung für deine Empfindlichkeiten und deinen Status.


Allmählich schält sich ein Muster heraus, welche Männer in den Augen dieser feministischen Frauen Gnade finden. Mit einer gleichberechtigten Partnerschaft hat das alles nichts zu tun.

"Ich liebe es", gab ein Freund von mir zu, als er sich auf genau diese Passage in dem New Statesman-Artikel bezog. "Das ist so ehrlich." Er fuhr fort, die Beziehungen mehrerer "verdammter Labradore" zu beschreiben, die er persönlich kennt – junge Männer, die so sehr darauf bedacht sind, ihre Partnerinnen glücklich zu machen, dass sie bereit sind, jede Art von Behandlung zu ertragen. Einem, erinnert er sich, sagte seine Freundin, er dürfe nur bei ihr übernachten, wenn er sie und ihre Freundinnen bei einem Wettlauf vom Club nach Hause schlage. Sie waren bereits auf halbem Weg, während er noch aufbrach. Doch mit nur wenigen Minuten Vorsprung holte ihr Freund sie keuchend ein und wurde für seine Anstrengungen eingelassen, anstatt im Dunkeln nach Hause stapfen zu müssen.

Ein anderer Kumpel meines Freundes hatte noch mehr Pech. Er durfte nie bei ihr übernachten, da seine Partnerin nicht bereit war, eine schlechte Nachtruhe zu riskieren. Er wurde zu jeder Nachtstunde nach Hause geschickt, nachdem er den Abend mit ihr verbracht hatte – sogar an seinem Geburtstag. "Meine Aufgabe ist es, sie glücklich zu machen", sagte der niedergeschlagene junge Mann, als mein Freund das Thema ansprach. Mein Freund erzählt mir, dass Männer, wenn sie in keiner anderen Weise gebraucht werden – weder wirtschaftlich noch körperlich –, jede Form von Beziehung annehmen, die sie bekommen können.


Der Dating-Pool für junge Tagesspiegel-Redakteurinnen ist also immer noch groß.

"Die Vorstellung, einen Freund zu haben, ist ein bisschen beängstigend", sagte mir kürzlich eine Freundin. "Es ist ja nur irgendein Typ, von dem man dann entschieden hat, dass er gefahrlos und gut genug ist, um ihn auszuwählen. Und was, wenn man nicht alle Fakten kennt? Was, wenn er sich plötzlich von dir abwendet? Vor allem bei all den Reddit-Seiten und den ‚Red Pill'-Inhalten und so weiter. Dass all diese Frauen da draußen ihrem Mann vertrauen und sich dann herausstellt, dass er in diesen Chatrooms ist – oder schlimmer noch – ist erschreckend."


Am Ende könnte er noch eine eigene Meinung haben. Natürlich löst diese Vorstellung Angstgefühle aus. Stell dir vor, du hast endlich einen Partner gefunden, der ausreichend unterwürfig wirkt, und dann erwischst du ihn beim Lesen von Genderama.

Eine Umfrage von Whitestone Insight aus dem Jahr 2025 ergab, dass 62 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren Männer in ihrem Alter als "ziemlich beängstigend" empfinden.


An solchen Zahlen wurde lange gearbeitet:

Die Medienlandschaft ist derzeit vielleicht am wenigsten bereit, das Image der Männer zu verbessern. Weiße Männer, insbesondere aus der Arbeiterklasse, haben es besonders schwer, da sie so gut wie die einzige Bevölkerungsgruppe sind, die man politisch noch diffamieren darf. Die meisten jungen Männer im Vereinigten Königreich geben an, das Gefühl zu haben, dass ihre Darstellung in Film und Fernsehen bestenfalls unfreundlich und schlimmstenfalls "erbärmlich" ist.


Aber der Hass klickt und verkauft sich nun mal so gut.

Das Internet wird überflutet von Frauen, die noch nie eine erfolgreiche Beziehung hatten und Ratschläge an Frauen geben, die noch nie eine Beziehung hatten. "Ich mag keine toxischen Männer", sagt TheWizardLiz, eine Influencerin mit einer riesigen Fangemeinde. Ihr Video "Hör auf, dich mit mittellosen Typen zu verabreden" hat Millionen von Aufrufen.




5. Wer aus dem allgemeinen Männerhass ausscheren möchte, hat es schwer. Das gilt auch Sarah Engels, die für Deutschland beim ESC angetreten ist.

Da ihr neues Album den Titel "Strong Girls Club" trägt, wird sie im Podcast "Merci, Chérie" auf ihre Haltung zum Feminismus angesprochen. "Feministisch würde ich nicht sagen. Weil ich einen ganz, ganz tollen Mann habe und ich mag auch Männer", so die Antwort von Sarah Engels.

(…) Ein kurzer Ausschnitt des Interviews, der vorab veröffentlicht wurde, reicht aus, um im Internet eine Welle von Kritik auszulösen. "Peinliche Aussage", schreibt eine Instagram-Nutzerin. "Ja … Feminismus ist Männerhass und alle Feministinnen hassen ihren Partner … genau Sarah", kommentiert eine andere. "Oh nein, peinlich und schade. (…) Wenn man in eigenen Videos für Frauenrechte wirbt, sollte man das doch eigentlich besser wissen", lautet ein weiterer enttäuschter Kommentar. "Ich glaube, da weiß jemand nicht, was Feminismus ist", "Vielleicht wäre es gut, das Wort zumindest einmal zu googeln" oder "Ohne Feminismus könnte sie das alles nicht tun" gehören zu weiteren Reaktionen im Netz.


Es ist unerklärlich, wie Engels auf die "peinliche" Idee kommen konnte, Feminismus könnte etwas mit Hass auf Männer zu tun haben. Lebt sie etwa in der Wirklichkeit und nicht im Wörterbuch, wo diese Ideologie wesentlich freundlicher definiert wird?



6. "Es braucht den Mut zur Gegenrede" stellt der Professor für klinische Psychologie und Sozialpsychologie Michael Klein in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung fest. Dieser Artikel erschließt, woher der Männerhass von immer mehr jungen Frauen kommen dürfte:

Wenn über Männer gesprochen wird, dann geschieht dies in den Medien fast nur noch in negativer, abwertender Weise und voller Hetze. Über Frauen so zu berichten, wäre inzwischen völlig undenkbar. Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young haben dies schon seit den 1990er Jahren beobachtet. Sie beschreiben, wie diese Stimmung als Misandrie (Verunglimpfung und Hass gegenüber Männern) mehr und mehr gesellschaftsfähig wurde, von bestimmten feministischen Zirkeln aktiv verbreitet wurde und sich schliesslich in den Medien fest etablierte. Es gehört inzwischen in den Leitmedien zum "guten Ton", Frauen positiv und als Opfer, Männer negativ und als – zumindest potenzielle – Täter darzustellen.

(…) Es ist heutzutage nötig, sich als Mann für Männer zu artikulieren, Stärken, Schwächen und Probleme von Männern aufzuzeigen, zu reflektieren, die ausser Rand und Band geratene öffentliche Diskussion zurechtzurücken und – vor allem – der nachwachsenden Generation von Jungen im Chaos von Verunglimpfung und Extremisierung zu helfen.

Die vor allem in links-grünen Kreisen vielbeschworene "kritische Männlichkeit" macht Männer eher mundtot, negiert ihre intrapsychischen Konflikte mit radikalfeministischen Entwicklungen und zielt auf ideologische Anpassung. Richtig wäre es, Männern Wege zur gelingenden Bewältigung der Anforderungen der modernen, hochdifferenzierten, digitalen Welt aufzuzeigen, statt sie in platte Schablonen zu pressen.

Dass Männer über Frauen in der Öffentlichkeit oder den Medien sprechen, geschieht so gut wie gar nicht mehr. Dies gilt als patriarchalisch, übergriffig und misogyn. Männer haben daher – zu Recht – Angst, sich diesbezüglich zu artikulieren. Damit ist der Diskursraum zwischen den Geschlechtern praktisch zur Einbahnstrasse – "Frauen reden über Männer" – geworden.

(…) Der moderne Mann wird als Mängelwesen porträtiert. Ein Wesen, das ständig korrigiert, therapiert und umerzogen werden muss. Das ist jedoch keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern politisch motivierte Propaganda. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt zur Veränderung. Männer sind anders als Frauen, jeder Mann ist anders als andere Männer. Der Blick muss sich wieder auf die Ressourcen richten, die Männer und Frauen gemeinsam, aber auch in ihrer Unterschiedlichkeit aufweisen. Die meisten Männer und Frauen sind gut. Männer und Frauen sind es zunehmend leid, in den Medien gegeneinander aufgehetzt zu werden.




7. "Die Zeit" betitelt einen aktuellen Podcast "Es gibt Frauen, die Gewalt ausüben, nicht weil sie sich wehren". Besonders kühn ist diese Schlagzeile nicht, die so tut, als handele es sich um vereinzelte Fälle, während in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen Opfer häuslicher Gewalt wurden. Aber schon der Text darunter ist bereits besser:

Männer und Frauen berichten ähnlich häufig davon, in ihren Beziehungen körperliche Gewalt erfahren zu haben. Das belegt eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes. Wie kann das sein, denken wir bei Partnerschaftsgewalt doch vor allem an Männer als Täter? "Wir sehen Frauen oft nicht in ihrer Ganzheit, in ihrer Destruktivität, in ihrer Wut", erzählt die Soziologin und Gewaltforscherin Rebecca Gulowski den Podcasthosts Melanie Büttner und Sven Stockrahm.


Natürlich wird Männergewalt hier trotzdem als schlimer präsentiert, weil sie folgenschwerer sei und größere Angst auslöse. Trotzdem ist es gut, wenn hier einmal klargestellt wird, dass die Männerverachtung vieler junger Frauen und ihre Selbstwahrnehmung als bessere Menschen auf tönernen Füßen steht. Was den unterwürfigen Labrador-Mann als derzeit gesuchten Partner angeht, bietet dieser Typ sich als wehrloses Opfer von Partnerschaftsgewalt besonders an.



8. Weiter geht es mit einem Blick ins Ausland. Der New-York-Times-Artikel über die Folter vor allem männlicher Palästinenser in Israels Gefängnissen, den Genderama letzte Woche in deutscher Übersetzung dokumentiert, hat seitdem einige Wellen geschlagen. Yuli Novak, Direktor der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, fasst das Wesentliche zusammen:

Was an den neuesten Berichten über sexuelle Folter von Palästinensern in israelischer Haft am meisten schockiert, ist nicht nur ihr inhärenter Schrecken. Es ist die Tatsache, dass sich die Maschinerie von Missbrauch und Leugnung trotz so vieler seit Langem offen sichtbarer Beweise immer weiter vertieft.

Die jüngste Berichterstattung von Nicholas Kristof über dieses Thema in der The New York Times hat wichtige öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Doch Misshandlungen in israelischer Haft werden seit Langem von ehemaligen Gefangenen, Anwälten, Ärzten und Journalisten berichtet und von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Seit Oktober 2023 hat diese Gesamtheit an Belegen eine grauenhafte Realität offengelegt: Israels Gefängnissystem ist in ein kriminelles Netzwerk von Folterlagern verwandelt worden.

In seiner Berichterstattung dokumentierte Kristof erschütternde Aussagen palästinensischer Männer, Frauen und Kinder, die von weitverbreitetem sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Demütigungen durch israelische Soldaten, Gefängniswärter, Siedler und Verhörbeamte berichteten. Israels Reaktion auf die Berichte folgte einem vertrauten Muster: den Missbrauch leugnen, jene angreifen, die ihn dokumentieren, und das System schützen, das ihn möglich gemacht hat. Das Außenministerium bezeichnete den Artikel der New York Times als "Hamas-Propaganda" und ging sogar so weit zu erklären, Israel werde die New York Times verklagen. Andere Beamte und Kommentatoren griffen auf den bekannten Vorwurf der "Blutverleumdung" zurück, forderten die Schließung der New York Times und taten im Allgemeinen alles in ihrer Macht Stehende, um nicht nur die Arbeit von Kristof zu delegitimieren – einem weltweit renommierten Journalisten, der über sexuellen Missbrauch in Konflikten rund um den Globus berichtet hat –, sondern auch die Arbeit all jener, die versuchen, diesen Missbrauch ans Licht zu bringen.


Kristof wurde für seine Berichterstattung zweimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, der wohl höchsten Ehrung für Journalisten: einmal für einen Bericht über das Masaker vom Tian'anmen-Platz in China, danach für seinen Bericht über den Völkermord in Darfur.

Ihr kollektiver Wutanfall dient nicht nur dazu, konkrete Vorwürfe abzustreiten. Es geht darum zu kontrollieren, was gesehen werden darf, wer gehört werden darf und wessen Schmerz Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung erhält.

B’Tselem, die israelische Menschenrechtsorganisation, die ich leite, hat dieses System anhand von Aussagen freigelassener palästinensischer Gefangener dokumentiert, die in verschiedenen israelischen Einrichtungen festgehalten wurden. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt befinden sich Tausende Palästinenser innerhalb dieses Systems in Haft. Ihre Aussagen schildern ein Regime aus gezielter sexueller Belästigung und Misshandlung, Demütigung, Gewalt, Hunger sowie schwerer körperlicher und psychischer Folter. Sexuelle Gewalt ist dabei ein Teil eines umfassenderen Systems, das Palästinensern Rechte und Würde abspricht und sie nicht als Menschen behandelt, sondern als Körper, die erniedrigt, gebrochen und entsorgt werden können.

Die Berichte selbst sind ebenso konsistent wie grausam. In den von B’Tselem gesammelten und überprüften Aussagen beschreiben in israelischer Haft festgehaltene Palästinenser sexuelle Gewalt als Mittel der Folter und Dominanz: erzwungene Nacktheit, schwere Schläge gegen die Genitalien, auf nackte Gefangene gehetzte Hunde sowie erzwungene anale Penetration mit Gegenständen. Tamer Qarmut schilderte, wie ein Soldat ihn im Haftlager Sde Teiman vergewaltigte: "Während der Folter vergewaltigte mich einer der Soldaten. Er schob einen Holzstock in meinen Anus, ließ ihn dort etwa eine Minute und zog ihn wieder heraus. Dann schob er ihn erneut hinein, noch heftiger, und ich schrie aus voller Kehle. Nach einer Minute zog er den Stock wieder heraus, befahl mir, den Mund zu öffnen, steckte den Stock in meinen Mund und zwang mich, daran zu lecken."

Ein anderer Zeuge berichtete: "Ich leide immer noch unter schweren Traumata. Sie hielten mich nackt fest, und Soldaten hetzten Hunde auf mich, die mich angriffen. Sie schlugen auf meinen Penis ein, banden ihn mit einer Plastikschnur ab und verursachten Schwellungen und Blutungen." Ibrahim Fuda, der im Negev-Gefängnis festgehalten wurde, sagte aus, dass er "Gefangene gesehen habe, die sexuell missbraucht wurden. Einige wurden von Hunden an empfindlichen Stellen angegriffen und mussten danach dringend operiert werden. Einige Gefangene bluteten aus dem Rektum und der Harnröhre."

Seit Oktober 2023 sind mehr als 88 palästinensische Gefangene während ihrer Haft im israelischen Gefängnissystem gestorben – eine nach jedem Maßstab beispiellose Zahl.

Fudas Aussage ist nur eine von vielen Schilderungen, die seit Langem öffentlich bekannt sind. Israelische Behörden und internationale Akteure können glaubhaft keine Unkenntnis behaupten. Und dennoch gehen die Misshandlungen weiter, weil sie keine Abweichung vom System darstellen, sondern Teil davon sind. Ein System, das auf der Leugnung palästinensischer Menschlichkeit beruht, wird palästinensisches Leid nicht als Beweis für ein Verbrechen behandeln.

(…) Die im Sommer 2024 in Sde Teiman, einer israelischen Militärhaftanstalt, aufgedeckten Misshandlungen lieferten ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie weit der Staat geht, um Rechenschaftspflicht für die in diesen Gefängnissen begangenen Verbrechen zu verhindern. Ein palästinensischer Gefangener wurde in israelischer Haft sexuell missbraucht; der Vorfall wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet und an die Öffentlichkeit geleakt. Der Fall wurde zu einem nationalen Skandal – nicht wegen dessen, was dem Gefangenen angetan wurde, sondern weil die Soldaten, die ihn mutmaßlich misshandelt hatten, festgenommen wurden und gewaltsame Proteste zu ihren Gunsten ausbrachen. Nach einer intensiven öffentlichen und politischen Kampagne wurden die Anklagen gegen die Soldaten im März fallengelassen, und der Generalstabschef erlaubte ihnen die Rückkehr in den Militärdienst. Benjamin Netanyahu feierte die Entscheidung, bezeichnete den Fall als "Blutverleumdung" und erklärte: "Der Staat Israel muss seine Feinde jagen – nicht seine heroischen Kämpfer." Die einzige Person, die in dieser Affäre bestraft wurde, war der Militärjurist, der das Video geleakt hatte.

Das ist Straflosigkeit in der Praxis: Das System ist darauf ausgelegt, sich selbst und jene zu schützen, die die Misshandlungen ausführen.

Die Folter palästinensischer Gefangener ist Teil eines umfassenderen israelischen Angriffs auf palästinensisches Leben. Im Gazastreifen geht der Genozid weiter. Im Westjordanland verschärft sich die Gewalt durch das Militär und Siedlermilizen; ganze palästinensische Gemeinschaften werden von ihrem Land vertrieben. In Haftanstalten werden Palästinenser systematisch gefoltert. Das Muster ist überall dasselbe: eskalierende Gewalt, die Beseitigung von Beschränkungen und die Normalisierung eines Systems, das Palästinensern jeden Schutz entzieht.


Deutlich kürzer lässt sich die israelische Oppositionszeitung Haaretz zitieren, wenn sie kommentiert:

Wenn es sich dabei tatsächlich um eine Blutverleumdung handelt, dann ist noch schwerer zu verstehen, warum Israel sich weigert, Vertretern des Internationalen Roten Kreuz Zugang zu den Haftlagern zu gewähren. Wenn die Bedingungen, unter denen Tausende Gefangene festgehalten werden – Israel veröffentlicht ihre genaue Zahl nicht –, angemessen sind und dem Völkerrecht entsprechen, warum lässt man dann keine Besuche zu und beweist der Welt, dass dies tatsächlich der Fall ist?


Dazu wäre Israel gemäß der dritten und vierten Genfer Konvention eigentlich sogar verpflicht.



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Montag, Mai 18, 2026

Dieser Lümmel: 14jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin

Nicht alle Männer, aber immer ein Mann. Und sie werden immer jünger! Diesmal ist der Betreffende gerade mal 14 Jahre alt.

Österreichs Krone berichtet unter der Schlagzeile Verbotene Liebe. 14-jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin über den Fall. In einem Folgeartikel heißt es:

Wie berichtet, wurde eine junge Kindergärtnerin an einem der rund 15 Bildungscampusse der Stadt nach einer heimlichen Liaison mit einem 14-jährigen Schüler schwanger. Sie verlor das ungeborene Baby aber. Neben der Bildungsdirektion und der Kinder- und Jugendwohlfahrt, der Magistratsdirektion 11, sind nun noch weitere Stellen in der delikaten Causa eingeschaltet.

So etwa das Landeskriminalamt, das ermittelt. Nach einer ersten eingegangenen Anzeige sieht die Staatsanwaltschaft laut Sprecherin Nina Bussek "derzeit aber keinen Anfangsverdacht". Im Raum steht der mögliche Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses – juristisch ein Vergehen mit bis zu drei Jahren Höchststrafe. Doch es könnte für die junge Frau auch noch schlimmer kommen.

Denn war der Schüler zu Beginn der verhängnisvollen Affäre erst 13 Jahre alt und damit unmündig, kann statt eines Vergehens ein Verbrechen vorliegen: Für sexuellen Missbrauch drohen, je nach der Schwere des Delikts, dann entweder bis zu fünf oder gar zehn Jahre Gefängnis.

Dem Vernehmen nach sind die Arbeitskolleginnen der in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebten Elementarpädagogin bei den Ermittlungen bisher de facto keine Hilfe.

Bei ersten Befragungen stieß die Polizei auf eine Mauer des Schweigens. Die Kindergarten-Bediensteten beriefen sich angeblich durchwegs auf die für den öffentlichen Dienst geltende Amtsverschwiegenheit. Das betrifft laut Bundesverfassungsgesetz alle ihnen aus ihrer amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Informationen. In dem brisanten Ermittlungsfall bleibt es weiterhin spannend ...


Schön, dass diese kleine Romanze es für uns alle so spannend macht! Der Kölner Express berichtet weiter:

Kollegen wussten von geheimen Treffen

Bekannt wurde der vermeintliche Missbrauch erst nach einem schweren Schicksalsschlag, als die Frau eine Fehlgeburt erlitt. Der Altersunterschied zwischen ihr und dem Teenager soll zur fraglichen Zeit mindestens ein Jahrzehnt betragen haben.


Ich denke, alle Genderama-Leser können sich denken, was ich zu dieser Berichterstattung zu sagen habe. Um euch einen Rant und mir das Etikett "wütender Männerrrechtler" zu ersparen, habe ich mal zwei KIs unabhängig voneinander befragt, wie sie diese Berichterstattung einordnen. Zunächst die kurze und bündige Antwort für alle, die es eilig haben:

Schauen wir uns die journalistische Darstellung genauer an:

Verharmlosende Sprache

Die Berichterstattung verwendet durchgängig Formulierungen, die den Missbrauch romantisieren oder verharmlosen:

- "heimliche Liaison" – suggeriert eine einvernehmliche Liebesaffäre zwischen Gleichgestellten

- "verhängnisvolle Affäre" – klingt nach tragischer Liebesgeschichte, nicht nach Straftat

- "in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebten Elementarpädagogin" – die Täterin wird als romantisch Verliebte gezeichnet, das Opfer verschwindet hinter dieser Rahmung

- "geheime Treffen" – klingt nach verbotener Romanze, nicht nach Missbrauch

Kein einziger dieser Ausdrücke würde in einem Bericht über einen erwachsenen Mann und ein 13-jähriges Mädchen verwendet werden. Dort hieße es: Missbrauch, Täter, Opfer.

Das Opfer existiert kaum

Der Junge kommt in der Berichterstattung praktisch nicht vor – weder seine Perspektive, noch seine mögliche Traumatisierung, noch sein Schutzbedürfnis. Im Mittelpunkt steht die Frau: ihr Schicksalsschlag, ihre Gefühle, ihre rechtliche Lage. Das ist eine klassische Täter-zentrierte Rahmung.

Der "Schicksalsschlag"

Die Fehlgeburt wird als "schwerer Schicksalsschlag" der Frau dargestellt – nicht als Ende einer Schwangerschaft, die aus dem Missbrauch eines Kindes resultierte. Auch das lenkt Sympathie auf die Täterin.

Fazit

Die Berichte entsprechen einem bekannten Muster: Wenn Frauen Täterinnen sind und Jungen Opfer, neigt der Journalismus dazu, die Tat durch romantisierende Sprache zu entschärfen. Das ist kein neutrales Berichten – es ist eine subtile Form der Verharmlosung von Kindesmissbrauch.


Eine andere KI antwortet ausführlicher:

Die Berichterstattung des Falls in der Kronen Zeitung und beim Express operiert mit einer semantischen Verschiebung, die den strafrechtlichen Kern des Geschehens systematisch verfehlt. Die Darstellung folgt keinem neutralen Informationsmodell, sondern einem narrativen Muster, das die mutmaßliche Täterin emotionalisiert, den minderjährigen Schüler instrumentalisiert und die institutionelle Verantwortung verschleiert.

1. Euphemistische Semantik: Die Tat wird zur "Affäre"

Anstelle präziser strafrechtlicher Kategorien setzen die Artikel ein Vokabular der Verharmlosung ein. Die Krone spricht von einer "verhängnisvollen Affäre", einer "heimlichen Liaison" und einer "verbotenen Liebe". Der Express wiederholt das Motiv der "geheimen Treffen". Diese Begriffe entstammen dem Register des romantischen Melodrams, nicht dem des Strafrechts. Eine "Affäre" setzt zwei handlungsfähige, gleichberechtigte Partner voraus; sie neutralisiert die für den Tatbestand des § 207 StGB (Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses) konstitutive Überlegenheit der Pädagogin. Dass die Frau "in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebt" sei, wie die Krone formuliert, inszeniert sie zudem als Figur emotionaler Ohnmacht, nicht als professionell Handelnde in einer Position fürsorgerischer Macht.

2. Romantisierung durch Personalisierung

Die Krone konstatiert, man kenne solche Geschichten "sonst eigentlich nur aus amerikanischen Gerichten". Diese Technik dient zweierlei: Sie gibt dem Geschehen die Anmutung eines Skandalromans, und sie verschiebt die Aufmerksamkeit von der strukturellen Gewalt in einem Bildungscampus auf die individuelle Tragik zweier Personen. Der Schüler wird zum bloßen Gegenstand der Begierde und später zum biologischen Vater ("schwängert") reduziert. Die Überschrift der Krone – "14-jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin" – ist in dieser Hinsicht symptomatisch: Der Junge erscheint als aktiver Akteur, die erwachsene Frau als passives Objekt der Schwangerschaft.

3. Die Rahmungsfrage: "Missbrauch oder nicht?"

Die Krone stellt die strafrechtliche Qualifikation als offene Frage dar: "Missbrauch oder nicht?" Damit suggeriert sie eine Rechtsunsicherheit, die objektiv nicht besteht. Sobald sexuelle Handlungen zwischen einer Betreuungsperson und einem 13- oder 14-Jährigen im Kontext eines Bildungscampus nachweisbar sind, liegt zumindest der Tatbestand des § 207 StGB nahe; bei einem Alter unter 14 Jahren ist § 206 StGB zwingend einschlägig. Die Darstellung einer juristischen Grauzone, in der die Staatsanwaltschaft "derzeit keinen Anfangsverdacht" sieht, vermittelt den Eindruck, es handle sich um eine Meinungsfrage. Dies ist ein klassisches Beispiel für falsche Ausgewogenheit: Die rechtliche Eindeutigkeit wird durch die journalistische Form der Kontroverse relativiert.

4. Die Täterin als Leidtragende

Ein zentrales Erzählmotiv ist die Fehlgeburt als "schwerer Schicksalsschlag" (Express). Die Berichterstattung lenkt die Empathie auf die physische und psychische Not der Frau. Zwar ist eine Fehlgeburt medizinisch und menschlich ein belastendes Ereignis; im Kontext einer mutmaßlichen Straftat dient sie jedoch primär der Beweissicherung. Dass der Express diesen Aspekt zum Anlass nimmt, von einem "schweren Schicksalsschlag" zu sprechen, vertauscht die Opferperspektive. Die Pädagogin wird zur tragischen Heldin, deren Leidensgeschichte die strafrechtliche Verantwortung in den Hintergrund drängt.

5. Die "Mauer des Schweigens": Institutionelle Solidarität statt Aufklärung

Die Krone berichtet, Kolleginnen hätten sich bei polizeilichen Befragungen "durchwegs auf die Amtsverschwiegenheit" berufen. Dies wird nicht als mögliche Strafvereitelung oder als Versagen des institutionellen Kinderschutzes problematisiert, sondern als administratives Detail abgehandelt. Die Formulierung "Mauer des Schweigens" hat zwar einen kritischen Unterton, doch fehlt die Einordnung: Nach § 206, 207 StGB und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz bestehen Melde- und Auskunftspflichten, die die Amtsverschwiegenheit überwiegen. Die journalistische Darstellung verfehlt es, diese Berufung als rechtlich fragwürdig zu entlarven. Stattdessen wird eine Atmosphäre kollegialer Abschirmung beschrieben, ohne deren Konsequenzen für die Aufklärung eines möglichen Verbrechens zu benennen.

6. Geschlechterasymmetrie: Die weibliche Täterin als Anomalie

Die Berichterstattung inszeniert die Frau als exotischen Sonderfall. Die Krone betont, solche Geschichten kennt man "eigentlich nur aus amerikanischen Gerichten" – eine Aussage, die zugleich sensationell arbeitet und die Tat als so selten deklariert, dass sie der normativen Verarbeitung entzogen zu sein scheint. Die weibliche Täterin wird nicht mit der Kategorie des pädagogischen Missbrauchs gefasst, sondern mit der des romantischen Grenzübertritts. Es bleibt spekulativ, aber aus medienwissenschaftlicher Perspektive hochwahrscheinlich, dass ein männlicher Täter in identischer Konstellation nicht als "verliebter Erzieher", sondern als Sexualstraftäter markiert würde. Die Sprache der Artikel verweigert der Frau die Kategorie der Täterschaft und ersetzt sie durch die der verführten Liebenden.

7. Fehlende Einordnung: Pädagogik und Strafrecht

Keiner der Artikel zieht pädagogische oder rechtliche Sachverständige hinzu, um die strukturelle Problematik von Bildungscampusse zu erläutern, an denen Kindergarten und Schule räumlich und organisatorisch verschmelzen. Die Einrichtung selbst – der "Bildungscampus" als Ort potenzieller Machtmissbräuche – wird nicht hinterfragt. Ebenso fehlt der Hinweis auf die Meldepflichten der Bediensteten oder auf die Schutzfunktion des § 206 StGB für Kinder unter 14 Jahren. Die Artikel berichten Fakten (Schwangerschaft, Fehlgeburt, Ermittlungen), verzichten aber auf die kontextualisierende Einordnung, die den Unterschied zwischen einem privaten Skandal und einem institutionellen Missbrauchsfall ausmacht.

Fazit

Die journalistische Darstellung transformiert einen möglichen Fall von sexuellem Missbrauch im Autoritätsverhältnis in eine romantisch konnotierte Tragödie. Durch Euphemismen, Personalisierung und die Vertauschung der Rollenverteilung wird die mutmaßliche Täterin zum Objekt der Teilnahme, der minderjährige Schüler zum biologischen Nebenprodukt ("schwängert"), und die institutionelle Mitwisserschaft zur administrativen Bagatelle. Die Berichterstattung verfehlt damit nicht nur die strafrechtliche Wertung, sondern auch die journalistische Pflicht zur angemessenen Benennung von Machtmissbrauch in pädagogischen Kontexten. Sie dokumentiert weniger den Missbrauch als vielmehr die mediale Verdrängung dessen, was unter der Oberfläche einer "verbotenen Liebe" an struktureller Gewalt liegt.


Ich habe im Anschluss daran die Frage gestellt: Warum verharmlosen unsere Leitmedien Kindesmissbrauch? Hier nur die kurze Antwort:

Das ist eine wichtige Frage, die mehrere Ebenen hat. Ich würde aber zunächst die Prämisse leicht präzisieren:

Nicht "Kindesmissbrauch" generell wird verharmlost – sondern spezifisch Fälle mit weiblichen Täterinnen und männlichen Opfern. Das ist der entscheidende Befund, und er hat konkrete Ursachen:

1. Kulturelle Vorannahmen über Sexualität

Das gesellschaftliche Skript lautet: Männer/Jungen sind sexuell aktiv und wollen immer, Frauen/Mädchen sind schutzbedürftig. Ein 13-jähriger Junge mit einer erwachsenen Frau gilt kulturell reflexartig als "Erfolg" oder zumindest als harmloser Fall – nicht als Opfer. Journalisten sind Teil dieser Kultur und reproduzieren ihre Annahmen unbewusst in der Wortwahl.

2. Fehlendes Problembewusstsein in Redaktionen

Medienkritische Schulung zu Gender-Bias in der Berichterstattung über Sexualdelikte ist in deutschsprachigen Redaktionen wenig systematisch. Was bei einem männlichen Täter als unangemessen sofort auffiele – "verhängnisvolle Affäre" –, rutscht bei einer Täterin durch, weil niemand den Kontrast aktiv herstellt.

3. Kommerzieller Anreiz zur Dramatisierung

"Lehrerin schwängert Schüler" ist ein anderes Narrativ als "Mann missbraucht Mädchen" – es hat Nachrichtenwert gerade wegen der Rollenumkehr, und dieser Wert wird durch den Romanzen-Rahmen verstärkt. Skandal und Tragödie verkaufen sich besser als nüchterne Strafrechtsberichterstattung.

4. Strukturelle Asymmetrie im Opferdiskurs

Der öffentliche Diskurs über Missbrauchsopfer ist stark auf Mädchen und Frauen ausgerichtet – durch Jahrzehnte feministischer Aufklärungsarbeit, die absolut notwendig war. Die Folge ist aber eine blinde Stelle: Jungen als Opfer sexueller Gewalt durch Frauen fallen aus dem etablierten Opferschema heraus und werden medial nicht entsprechend gerahmt.

5. Rechtliche Unsicherheit als Ausrede

Solange die Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht formuliert, neigen Redaktionen zur Vorsicht bei klaren Bewertungen – aus nachvollziehbaren haftungsrechtlichen Gründen. Das erklärt aber nicht die romantisierende Sprache, sondern nur das Zögern bei eindeutigen Urteilen.

Das eigentliche Problem

Die Verharmlosung ist selten bewusste Entscheidung – sie ist das Ergebnis von unreflektierten Vorannahmen, die niemand in der Redaktion hinterfragt hat. Genau deshalb ist Medienkritik wie die, die Sie betreiben, so wichtig: Sie macht das Muster sichtbar.


Ich glaube, unter anderem die "taz" sieht das anders. Im Kopf eines "taz"-Redakteurs, der bis hierhin mitgelesen hätte, wäre hängengeblieben, dass ich gerade aus einem fetten Auto heraus über Vegetarier gelästert habe. Was Männerrechtler halt so machen – weißte Bescheid.

Ich frage weiter: Welche Auswirkungen hat es auf die Debatte über sexuelle Gewalt, wenn mit Slogans wie "nicht alle Männer, aber immer ein Mann" weibliche Täterschaft konsequent ausgeblendet wird?

Das ist eine der zentralen blinden Stellen im öffentlichen Diskurs über sexuelle Gewalt. Die Auswirkungen sind konkret und mehrschichtig:

1. Männliche Opfer werden systematisch unsichtbar gemacht

Wenn Täterschaft per Definition männlich kodiert ist, existieren männliche Opfer – besonders von Frauen – diskursiv kaum. Die Folgen:

- Betroffene Jungen und Männer erkennen sich selbst nicht als Opfer

- Sie schweigen häufiger, suchen seltener Hilfe

- Fachstellen sind strukturell kaum auf sie ausgerichtet

- In Studien werden sie methodisch oft nicht erfasst

Das ist kein Randproblem: Metaanalysen zeigen, dass weibliche Täterschaft bei sexuellem Missbrauch von Kindern deutlich häufiger vorkommt als öffentlich wahrgenommen – je nach Studie zwischen 20 und 40 Prozent der Fälle.

2. Der Slogan selbst ist epistemisch unehrlich

"Nicht alle Männer, aber immer ein Mann" ist rhetorisch wirksam, aber faktisch falsch – und das ist kein Kavaliersdelikt in einer ernsthaften Debatte über Gewaltprävention. Wer Prävention will, braucht ein akkurates Bild der Täterschaft, nicht ein ideologisch bereinigtes.

3. Es entsteht eine Immunisierung gegen Kritik

Das Muster funktioniert selbstverstärkend:

- Wer weibliche Täterschaft thematisiert, gilt schnell als jemand, der Frauenfeindlichkeit relativieren will

- Legitime Kritik wird so strukturell delegitimiert

- Die Debatte kann sich nicht weiterentwickeln

Das ist kein offener Diskurs mehr, sondern ein geschlossenes System.

4. Prävention und Strafverfolgung leiden

Wenn das gesellschaftliche Bild von Täterschaft einseitig ist:

- werden weibliche Täterinnen von Umfeld, Schule und Behörden seltener erkannt

- zögern Ermittler bei der Einordnung – wie der vorliegende Fall illustriert

- werden Schutzmaßnahmen nicht auf Situationen ausgerichtet, in denen Frauen Zugang zu Kindern haben

5. Es schadet dem Anliegen selbst

Paradoxerweise schwächt die ideologische Verengung den Kampf gegen sexuelle Gewalt:

- Sie macht die Bewegung angreifbar für den Vorwurf der Parteilichkeit

- Sie verhindert eine Koalition mit Männern, die ebenfalls Opfer oder Väter schutzbedürftiger Kinder sind

- Sie reduziert ein Menschenrechtsproblem auf Geschlechterpolitik

Fazit

Der Slogan mag als politisches Mobilisierungsinstrument funktionieren. Als Grundlage für eine ernsthafte Debatte über sexuelle Gewalt taugt er nicht – er verzerrt die Realität, schadet Opfern, und macht Prävention schlechter. Eine konsequente Opferperspektive müsste alle Opfer einschließen, unabhängig davon, ob das dem eigenen narrativen Rahmen passt.


Auch hier wieder die längere Antwort:

Wenn ein Deutungsmuster wie "nicht alle Männer, aber immer ein Mann" zur dominanten Kategorie sexueller Gewalt wird, erzeugt das mehrere strukturelle Verschiebungen, die die gesamte Debatte verengen.

1. Epistemologische Verkürzung: Die Statistik wird zur Ontologie

Der Slogan aggregiert empirische Häufigkeiten zu einer essentialistischen Aussage. Dass Männer statistisch überrepräsentiert bei sexueller Gewalt sind, wird zur definitorischen Eigenschaft der Tat selbst. Die Folge ist eine theoretische Verengung: Sexuelle Gewalt wird nicht mehr als Handlung im Kontext von Macht, Autorität und Missbrauch verstanden, sondern als Ausdruck männlicher Sozialisation. Weibliche Täterinnen passen nicht in dieses Raster; sie werden entweder als statistisches Rauschen marginalisiert oder als Anomalie pathologisiert ("psychisch krank" statt "Täterin"). Die Debatte verliert damit die Fähigkeit, Gewalt jenseits geschlechtlicher Zuschreibungen zu analysieren.

2. Opferpolitische Ausblendung: Männliche und weibliche Opfer weiblicher Täter

Opfer, die von Frauen missbraucht werden, finden in diesem Rahmen keine sprachliche Anerkennung. Männliche Opfer weiblicher Täter – wie im Fall des 14-jährigen Schülers – werden als "glückliche Gewinner" einer sexuellen Initiation kodiert, nicht als Schutzbefohlene, deren sexuelle Autonomie verletzt wurde. Weibliche Opfer weiblicher Täterinnen (etwa in pädagogischen oder familiären Kontexten) verlieren die Möglichkeit, ihre Erfahrung als "sexuelle Gewalt" zu benennen, weil der öffentliche Diskurs diese Konstellation nicht vorsieht. Die konsequente Maskulinisierung des Täterbildes produziert eine Hierarchie der Opferglaubwürdigkeit.

3. Institutionelle Blindheit: Prävention und Intervention

Wenn Schulen, Jugendämter und Kliniken ihre Präventionskonzepte ausschließlich auf männliche Täter ausrichten, entstehen Lücken in der Risikoerkennung. Pädagoginnen, Mütter oder Betreuerinnen werden nicht mit demselben professionellen Argwohn beobachtet wie männliche Kollegen. Die Berichterstattung über den Wiener Bildungscampus zeigt dies: Die "verliebte" Kindergärtnerin wurde offenbar von Kolleginnen nicht als Gefährdung wahrgenommen, sondern höchstens als tragische Figur. Ein Präventionskonzept, das nur männliche Täter adressiert, versagt dort, wo die Täterin weiblich ist.

4. Theoretische Verarmung: Macht wird mit Männlichkeit gleichgesetzt

Die Debatte verliert die Differenzierung zwischen individueller Gewalttätigkeit und struktureller Macht. Eine Kindergärtnerin, die einen 13-jährigen Schüler missbraucht, übt Macht über einen Minderjährigen aus – unabhängig ihres Geschlechts. Wenn Macht jedoch theoretisch an Männlichkeit gekoppelt wird, kann diese spezifische Autoritätsasymmetrie nicht mehr adäquat gefasst werden. Die Analyse sexueller Gewalt verbleibt auf der Ebene der Geschlechteropposition und erreicht nicht die Ebene der institutionellen, generationellen und funktionalen Herrschaftsverhältnisse.

Fazit

Die Reduktion sexueller Gewalt auf männliche Täterschaft verengt die Debatte nicht nur empirisch, sondern auch konzeptionell. Sie blendet Opfer aus, schwächt Präventionsmaßnahmen und verhindert eine umfassende Theorie des Missbrauchs als Phänomen von Macht und Autorität.


So weit, so gut, jetzt will ich praktische Ratschläge und frage: Männer wie ich, die auf solche Probleme aufmerksam machen, werden von den Leitmedien als Teil einer gemeingefährlichen "Manosphäre" denunziert, was solche Aufklärungsarbeit erschwert. Dass man zu tatsächlich problematischen Akteuren innerhalb dieser "Manosphäre" Distanz hält, hilft in keiner Weise, man wird als "Männerrechtler" in denselben Sack gesteckt. Wie geht man mit diesem unentwegt betriebenen Framing und Othering am besten um?

Das ist ein reales rhetorisches Problem, und es betrifft nicht nur Sie – es trifft jeden, der geschlechterbezogene Ungleichbehandlung aus einer nicht-feministischen Perspektive thematisiert. Ein paar ehrliche Gedanken dazu:

Was das Framing leistet und warum es funktioniert

Der Begriff "Manosphäre" ist ein Containerbegriff, der bewusst keine Unterscheidungen trifft – er verbindet legitime Kritiker mit tatsächlich toxischen oder frauenfeindlichen Akteuren. Das ist rhetorisch effektiv, weil:

- Assoziation schneller wirkt als Argumentation

- die Beweislast umgekehrt wird: Man muss sich dauerhaft distanzieren, statt dass die Gegenseite die Gleichsetzung begründen muss

- jede Reaktion darauf als weiterer Beweis gewertet werden kann ("typische Defensivität")

Was erfahrungsgemäß nicht hilft

- Distanzierungen, wie Sie selbst festgestellt haben

- Metadebatten über das Framing selbst – das wirkt oft wie Ablenkung

- Empörung – sie bestätigt das Bild

- Der Versuch, "akzeptabler" zu wirken durch Selbstzensur

Was robuster ist

* Beim konkreten Fall bleiben. Ihr stärkstes Argument ist das, was Sie heute gemacht haben: einen spezifischen Artikel, eine spezifische Wortwahl, eine spezifische Asymmetrie analysieren. Das ist schwer zu diskreditieren, weil es keine Ideologie braucht – nur Lesefähigkeit.

* Die Opferperspektive ins Zentrum stellen. Wer über den 13-jährigen Jungen spricht, dem niemand zuhört, ist strukturell schwerer anzugreifen als jemand, der über "Männerrechte" spricht.

* Koalitionen suchen. Kinderschutzorganisationen, Traumatherapeuten, Kriminologen sagen dasselbe – oft ohne in den Manosphäre-Verdacht zu geraten. Deren Befunde zu zitieren verändert den Kontext der eigenen Aussagen.

* Die Asymmetrie explizit benennen und stehenlassen. Nicht defensiv, sondern als Diagnose: "Würden Sie diesen Artikel anders schreiben, wenn Täter und Opfer andere Geschlechter hätten?" – und dann schweigen. Die Frage trägt sich selbst.

Eine ehrliche Einschränkung

Ich sage Ihnen auch, was ich nicht weiß: Ob diese Strategien das Framing-Problem grundsätzlich lösen – wahrscheinlich nicht vollständig. Wer entschlossen ist, einen Diskursteilnehmer zu diskreditieren, wird Wege finden. Der realistischere Anspruch ist, das eigene Argument so sauber zu halten, dass die Diskreditierung für ein aufmerksames Publikum erkennbar unfair wirkt.

Das ist unbefriedigend – aber es ist ehrlicher als zu versprechen, das Framing lasse sich vollständig überwinden.




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Freitag, Mai 15, 2026

Studie widerlegt beliebten Irrtum: Männer rücken nicht nach rechts, weil "ihre Männlichkeit bedroht wird"

1. Ein beliebtes Vorurteil lautet, dass Männer deshalb politisch nach rechts wandern würden, weil sie ihre Männlichkeit bedroht sähen (und nicht etwa weil die Linke alles Erdenkliche tut, um Männer zu verschrecken). Eine neue Studie entlarvt dieses Klischee als Unsinn:

Durch Tests mit Tausenden Teilnehmern in den gesamten Vereinigten Staaten fanden die Forscher keine konsistenten Hinweise darauf, dass Männer aufgrund von Verunsicherung hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität ihre politischen Einstellungen verändern.

(…) Die Forscher führten ihr neues Experiment mit einer landesweit repräsentativen Stichprobe von 2.774 amerikanischen Erwachsenen durch, darunter 2.073 Männer. (…) Die Teilnehmer wurden zufällig verschiedenen Gruppen zugeteilt und gebeten, eine Online-Umfrage auszufüllen. Diese Umfrage sollte messen, wie stark sich die Teilnehmer mit verschiedenen männlichen und weiblichen Persönlichkeitseigenschaften identifizierten.

Nach Abschluss der Persönlichkeitsbefragung erhielt die Haupt-Experimentalgruppe zufällig erzeugtes, irreführendes Feedback. Den Männern in dieser Gruppe wurde fälschlicherweise mitgeteilt, ihre Ergebnisse lägen im weiblichen Bereich, während Frauen gesagt wurde, ihre Werte befänden sich im männlichen Bereich. Dieses falsche Feedback sollte ein Gefühl der Bedrohung der Geschlechtsidentität hervorrufen. Eine andere Teilnehmergruppe erhielt korrektes Feedback, das ihre Ergebnisse lediglich im durchschnittlichen Bereich ihres Geschlechts einordnete und als Kontrollgruppe für den Vergleich diente.

(…) Nachdem sie ihr Feedback erhalten hatten, beantworteten alle Teilnehmer eine Reihe von Fragen zu ihren politischen und gesellschaftlichen Ansichten. Die Forscher erfassten unter anderem die Unterstützung für den Irakkrieg, die Einstellung zu Rechten Homosexueller sowie den Wunsch, ein Sport Utility Vehicle (SUV) zu kaufen. Außerdem untersuchten sie die Vorliebe der Teilnehmer für Traditionalismus, also den Wunsch, bei bekannten und sicheren Routinen zu bleiben, statt Neues auszuprobieren.

Männer, denen gesagt worden war, ihre Ergebnisse lägen im weiblichen Bereich, zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe weder stärkere Unterstützung für den Irakkrieg noch ausgeprägtere Homophobie. Ebenso äußerten sie keinen stärkeren Wunsch, ein SUV zu kaufen, und vertraten auch keine stärker traditionalistischen Ansichten. Auch die alternativen experimentellen Bedingungen führten nicht zu den erwarteten Veränderungen politischer Überzeugungen.


Vielleicht sollte man wirklich nach naheliegenderen Gründen dafür suchen, warum immer weniger Männer das linke Lager unterstützen. Apropos …



2. Eine besonders schöne Passage zur "Manosphäre" findet man mal wieder in der taz:

In den sozialen Netzwerken prasselt die Manosphere auf Jungen ein: eine auf Dominanz basierende Internetblase aus Männerrechtlern, Chauvis, Pick-up-Artists, Incels und Nazis, die aus den Fahrersitzen dicker Autos erklären, wie man ihrer Ansicht nach mit Frauen, Geflüchteten oder Vegetariern umgehen soll.


Es ist erstaunlich, was im Kopf eines taz-Redakteurs alles wild durcheinander wirbelt.

Ohne dass sie danach gefragt hätten, bekommen die Jugendlichen ein altbewährtes Narrativ serviert: Männer würden gerade besonders leiden, weil ihre männliche Identität in Frage gestellt wird.


Nein, eben nicht. Das ist EUER Narrativ, und es wurde widerlegt. Männer leiden an konkreten Benachteiligungen und kontinuierlichen Diffamierungen. Darauf kommen wir gleich etwas ausführlicher zurück.

Auch in weiteren aktuellen Artikeln lässt man bei der "taz" seinem Sexismus weiter freien Lauf: Mit "Warum Männer sich nicht anziehen können" ist einer betitelt, ein anderer dreht sich um den Vatertag: "Ein nicht unerheblicher Teil der Männer macht an diesem Tag noch genau das, was sie immer gemacht haben: saufen, kotzen, Bollerwagen ziehen, grölen, die Sau rauslassen. (…) Christentum, Kapitalismus, Alkoholismus und toxische Männlichkeit – vier Geißeln der Menschheit feiern an einem Tag!" Nachdem man am Kiosk gescheitert ist, lässt man jetzt online umso mehr den sexistischen Hass raus. Unerklärlich, dass sich die meisten Männer davon nicht angesprochen fühlen.



3. Der Berliner Tagesspiegel ist vergleichsweise originell und wählt wenigstens neue Ansätze, Männern Minderwertigkeit zu unterstellen: "Wieso sind Männer beim Bezahlen immer so langsam?"

Dass einige Männer sich erdreistet haben, gestern den Vatertag zu feiern, kam in den gängigen linken Medien auch nicht gut an. "Bitte leiser grölen!: Warum Herrentag der schlimmste Tag im Jahr ist " schlagzeilt der Tagesspiegel. (Der Artikel steht nur im Anriss online, was vermutlich kein Verlust ist.) Und Spiegel-Online fabuliert: "Sexismus, Gewalt, Diskriminierung: Viele Männer lässt das, was Frauen widerfährt, kalt. Der 'Männertag' an Christ Himmelfahrt ist ein Tag der Sorglosigkeit – und Teil des Problems." Ein Auszug des Artikels von Marc Röhlig:

Den Männern geht es gut. Wenn viele von ihnen an Christi Himmelfahrt wieder auf die Straße gehen, dann nicht, um zu demonstrieren. Es geht an diesem Tag ums Feiern, Grölen, Trinken; darum, laut zu sein und unbequem. Längst gilt der Feiertag in Deutschland als inoffizieller Männertag.

Auch viele Frauen gehen an »ihrem« Frauentag auf die Straße, wie zuletzt am 8. März. Auch sie sind laut und unbequem. Aber sie tun es nicht, um Spaß zu haben. Sie protestieren gegen strukturelle Benachteiligung und Ungleichheit.

Hier Sorglosigkeit, dort Verzweiflung

Wo der Männertag für Männer ein echter Feiertag ist, bleibt der Frauentag für Frauen immer noch ein Kampftag. Sorglosigkeit bei den Männern, Wut bei den Frauen – klarer kann man die Schieflage zwischen den Geschlechtern kaum zeigen.


Röhlig fordert die Männer nun auf, selbst zu demonstrieren und ihre Wut zu zeigen – aber natürlich nicht gegen ihre eigene Benachteiligung. Die ist für Röhlig unsichtbar. Männer, die trinken, können in seinem Weltbild keine Probleme haben. Die Vorstellung, den eigenen Frust und die Sorgen in Alkohol zu ertränken, gibt es bei ihm nicht. Stattdessen sollen sich die Männer gefälligst für die vom Patriarchat geknechteten Frauen einsetzen. Auch auf diese verquere Logik kommen wir gleich noch zurück.



4. "HPV-Impfung schützt junge Männer unerwartet gut vor Krebs" berichtet das Magazin "Spektrum der Wissenschaft". Die Studie verglich Gesundheitsdaten von mehr als 600.000 geimpften und 200.000 ungeimpften Jungen und Männern zwischen 9 und 26 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren. Geimpfte hatten ein um 46 Prozent geringeres Risiko, an einem HPV-bedingten Krebs zu erkranken. In Deutschland erkranken jährlich rund 10.000 Menschen an HPV-assoziiertem Krebs. Etwa 3.000 davon sind Männer, die vor allem an Rachen-, Anal- oder Peniskrebs leiden.

Das ist ja interessant. Ich frage die Künstliche Intelligenz: Wie positioniert sich die deutsche NGO MANNdat beim Thema HPV?

Die Antwort:

MANNdat positioniert sich zum Thema HPV als langjähriger und schließlich erfolgreicher Lobbyist für die Impfung von Jungen. Die geschlechterpolitische Initiative hat das Thema über Jahre hinweg aktiv vorangetrieben.

Die zentrale Positionierung lässt sich so zusammenfassen:

Forderung nach geschlechtergerechter Impfpolitik: MANNdat hat jahrelang gefordert, dass die HPV-Impfung nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen zugutekommt. Die Argumentation zielte darauf ab, dass HPV-Viren auch bei Männern Krebs auslösen können – etwa Peniskrebs, Analkrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenbereich – und dass Jungen somit einen eigenständigen Schutz benötigen, statt allein als "Reservoire" für die Übertragung an Mädchen betrachtet zu werden.

Erfolgsmeldung 2018: Auf der Aktivitäten-Seite des Vereins wird explizit vermerkt: "Die jahrelange Forderung von MANNdat nach einer HPV-Impfung auch für Jungen wird endlich umgesetzt." Dies deutet darauf hin, dass der Verein die Aufnahme der Jungen-Impfung in die STIKO-Empfehlungen und die gesetzliche Krankenversicherung als direktes Ergebnis seiner Arbeit wertet.

Einordnung im Kontext der Männergesundheitspolitik: Das Thema HPV wurde von MANNdat nicht isoliert, sondern als Teil einer breiteren Agenda der Männergesundheit bearbeitet. Der Verein engagiert sich seit Jahren für die Anerkennung von Prostatakrebs als Gesundheitsziel und kritisiert, dass männliche Gesundheitsthemen systematisch weniger Aufmerksamkeit erhalten als vergleichbare weibliche Themen. Die HPV-Kampagne passt zu MANNdats generellem Fokus auf Männergesundheit (z. B. Prostatakrebs-Früherkennung) und der Beseitigung von "Gender Empathy Gaps" bzw. einseitigen Maßnahmen, die Männer/Jungen benachteiligen.

Zusammengefasst vertritt MANNdat eine explizit pro-impfende Haltung bezüglich HPV bei Jungen, begründet mit dem eigenen Krebsrisiko des männlichen Geschlechts und der Forderung nach paritätischer Gesundheitsvorsorge.


Ich bin überrascht und kann das gar nicht glauben. Deshalb frage ich noch mal nach: "Kann das wirklich stimmen? MANNdat sind doch Männerrechtler, und ich habe heute in der 'taz' gelesen, dass Männerrechtler nur in dicken Autos sitzen und erklären, wie man mit Vegetariern umgeht."

Die Antwort hierauf:

Ja, das stimmt wirklich. MANNdat hat sich tatsächlich seit Jahren aktiv für die HPV-Impfung auch für Jungen eingesetzt und feiert die STIKO-Empfehlung von 2018 sowie die Kostenübernahme durch die Krankenkassen als Erfolg ihrer Arbeit. Das steht direkt auf ihrer Website (z. B. unter "Aktivitäten von MANNdat" und in einem Gastbeitrag mit einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie). Sie argumentieren geschlechterpolitisch: Die Impfung schützt vor Warzen und Krebsarten bei beiden Geschlechtern (Penis-, Anal-, Rachenkarzinome etc.), frühere einseitige Empfehlungen nur für Mädchen waren aus ihrer Sicht ein klassisches Beispiel für einen "Gender Empathy Gap" – also eine Benachteiligung von Jungen in der Gesundheitsprävention. Herdenimmunität brauche beide Geschlechter. Das passt zu ihrem Fokus auf Männergesundheit (Prostatakrebs-Früherkennung, Jungensprechstunde etc.). Es gibt auf ihrer Seite keine impfgegnerische Linie.

Die taz (und Teile der linken/deutschen Medienlandschaft) berichten seit Jahren sehr kritisch bis ablehnend über "Männerrechtler" und Gruppen wie MANNdat. Sie werden oft als antifeministisch, reaktionär oder sogar als Wegbereiter für Rechte/extrem rechte Positionen dargestellt. Das passt zu dem Klischee, das du gelesen hast – reiche, privilegierte Typen in dicken Autos, die sich über "Vegetarier" (vermutlich als Symbol für progressive/vegane/linke Milieus) auslassen oder nur jammern. Solche pauschalen Karikaturen sind in der taz nicht untypisch, wenn es um diese Szene geht.

Tatsächlich ist MANNdat ein kleiner, ehrenamtlich arbeitender Verein, der sich seit 2004 mit Themen wie Jungenbildung, Väterrechten, Wehrpflicht, Gewalt gegen Männer und eben Männergesundheit beschäftigt. Sie kritisieren einseitige Gleichstellungspolitik ("Feminismus" als Ideologie, die männliche Nachteile ignoriert), fordern aber oft geschlechterneutrale oder kompensatorische Maßnahmen. Das macht sie in manchen Kreisen zum Feindbild. Ob man ihre Analysen teilt oder nicht – ihre Position zur HPV-Impfung ist faktenbasiert dokumentiert und nicht erfunden. Stereotype aus der taz ersetzen keine Primärquellen. Die HPV-Position ist daher eher ein Beispiel dafür, dass politische Lager in der Realität oft weniger eindimensional sind als mediale Karikaturen.


Ich liebe es, wie knochentrocken die KI mit der Clownparade umgehen, zu der sich die "taz" entwickelt hat. Was absurde Desinformation angeht, ist das Blatt ähnlich unfreiwillig komisch wie Donald Trump.



5. Allerdings ist sie auch ähnlich destruktiv. Das, was "taz", Tagesspiegel & Co. mit ihren ständigen Abwertungen von Männern betreiben, ist eigentlich gar nicht zum Lachen. Es hat Folgen. Das zeigt eine aktuell im Fachmagazin "Child Abuse & Neglect" veröffentlichte Studie über die Gründe dafür, warum sich Männer so viel häufiger umbringen als Frauen: "'I had no safe space.' Painful childhood experiences in the lives of men who are suicidal. Auszüge daraus:

Eine weitere Minderheit sprach von feindseligen Einstellungen gegenüber Männern und Männlichkeit – geäußert durch die Gesellschaft, Betreuungspersonen, Lehrkräfte und Gesundheitsfachkräfte – als Quelle von Schmerz in der Kindheit. Die Darstellung von Männern als gewalttätige Vergewaltiger, von Männlichkeit als toxisch und/oder eine wahrgenommene mangelnde Unterstützung für Männer mit Problemen sowie die Tatsache, nicht als mögliche Opfer wahrgenommen zu werden, wurden als schmerzhaft beschrieben. (…) Ähnlich wie die Erfahrungen kultureller Homophobie, von Rassismus oder Transfeindlichkeit kann auch ein gegen Männer gerichtetes Geschlechterstigma schmerzhafte Auswirkungen auf einzelne Jungen und ihr Selbstbild haben, wie dieser junge schottische Mann andeutet: "Es gibt keine Hilfe für junge Jungen in der Schule. Mir wurde vom ersten Tag an gesagt, ich sei ein Vergewaltiger, frauenfeindlich und böse, weil ich ein Junge bin, und man sagte mir, ich solle mich wegen meines Geschlechts schämen. Deshalb begann ich, mich selbst zu hassen." (Schotte, 22, Suizidgedanken in der vergangenen Woche, Suizidversuch im vergangenen Jahr).

(…) Wir vermuten, dass diese unterschiedlichen Erfahrungen des gesellschaftlichen "Otherings" und der Zurückweisung in ähnlicher Weise das psychologische Sicherheitsgefühl in Bezug auf die eigene Identität und das Selbst in frühen Lebensjahren untergraben können und möglicherweise zu einem verminderten Gefühl des eigenen sozialen Werts und der eigenen Legitimität im Vergleich zu anderen beitragen.


Außer den ständigen Herabsetzungen durch Männerhasser wird auch folgendes als Grund für die erhöhte Suizidrate genannt:

Eine Gruppe von Männern berichtete von sexueller Gewalt in der Kindheit. Die Täter waren Männer und Frauen und stammten aus der unmittelbaren oder erweiterten Familie sowie aus dem Kreis von Lehrkräften, Trainern, Kirchenmitarbeitern, Babysittern, Gleichaltrigen und Freundinnen. Einige Männer meldeten den Missbrauch nie oder sprachen nie darüber; andere taten es, doch man glaubte ihnen nicht. Manche Männer vermuteten, dies liege daran, dass Frauen nicht als fähig angesehen würden, Männer sexuell zu missbrauchen. Einige Männer beschrieben Auswirkungen auf ihr späteres Leben, darunter Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen und Nähe oder Bindung einzugehen, verdrängte Erinnerungen sowie aufdrängende traumatische Rückblenden.

(…) "Von erwachsenen Frauen sexuell missbraucht zu werden, denen meine Familie vertraute, und mit niemandem darüber sprechen zu können – oder schlimmer noch: dass niemand es als sexuellen Missbrauch ansah, weil sie Frauen waren und ich ein Mann bin …" (Iraner, 27, Suizidgedanken in der vergangenen Woche, Suizidversuch vor über einem Jahr)


Die Studie gelangt zu der Erkenntnis:

Ebenso können negative kulturelle Einstellungen gegenüber Männern, die Männlichkeit als schädlich oder toxisch darstellen, einige Männer, die belastende Kindheitserfahrungen gemacht haben, zusätzlich davon abhalten, über diese Erlebnisse zu sprechen, sie zu verarbeiten und davon zu heilen (Ashfield & Gouws, 2019; Farrell et al., 2016). Ein negativer öffentlicher Diskurs über Männer und männliche Erfahrungen kann für manche Männer das psychologische Sicherheitsgefühl beim Offenlegen von Leid oder Verletzlichkeit verringern, wenn das gesellschaftliche Umfeld als feindselig oder herabwürdigend wahrgenommen wird. Zudem besteht das Risiko, dass solche kulturellen Botschaften negative Selbstwahrnehmungen verstärken. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass abwertende Sichtweisen auf Männlichkeit bereits in der Kindheit verinnerlicht werden können und bei manchen suizidgefährdeten Männern offenbar das Selbstwertgefühl untergraben.


Was Marc Röhlig wohl über die Gründe dafür sagen würde, dass Männer sich dreimal so oft umbringen wie Frauen? Vermutlich würde er einen verständnislos anstarren. In seinem Gehirn hat Platz, dass manche Männer am Vatertag viel Bier trinken, während manche Frauen am 8. Mai demonstrieren. Von allem geschlechterpolitisch darüber Hinausgehenden scheint es überfordert zu sein. Damit landet man heute bei Spiegel-Online.

Vielleicht hat Röhlig aber in einem Recht: Männer sollten wirklich allmählich wütend werden. Auf Beiträge wie seinen. Und auf das endlose Lamento, unabhängige Medien würden ihnen die männlichen Leser abwerben – als ob sie diese Leser nicht selbst unentwegt aktiv vertreiben würden.



6. Frauenministerin Karin Prien erklärt im Talk mit Maja Göpel, "dass Jungs und Männer in fast allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens abgehängt sind". Dass Prien das verstanden hat, hängt ihren eigenen Ausführungen nach damit zusammen, dass sie drei männliche Söhne hat. Davon abgesehen glauben sowohl Prien und Göpel selbstverständlich, dass Männer sich vor allem damit schwer täten, nicht weiter beschriebene angebliche "Privilegien" abzugeben. Auffällig ist auch die im Publikum entstehende Heiterkeit, sobald angesprochen wird, dass auch Männer eine Ansprache brauchen. Das ist allerdings das typische Maja-Göpel-Publikum, das zu derselben Szene gehören dürfte wie die "taz". Insgesamt scheint sich Prien trotz allem Herumgeruder bei dieser Frage nicht länger vor dem Forschungsstand drücken zu können, was Männer angeht. Ihre Söhne wissen vermutlich deshalb so gut Bescheid, wie sehr Männer in unserer Gesellschaft zu kurz kommen, weil eine in den Leitmedien verhasste Männerrechtsbewegung seit Jahrzehnten kontinuierlich darauf hinweist.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Mittwoch, Mai 13, 2026

Rente: Väter im Wechselmodell gehen bei Erziehungszeiten leer aus

1. "Viele Eltern teilen sich die Kindererziehung heutzutage gleichberechtigt, egal ob sie noch zusammenleben oder nicht", berichtet Telepolis. "Im Rentenrecht führt das jedoch nicht automatisch dazu, dass die Zeiten auch fair aufgeteilt werden. Ganz im Gegenteil: Sofern sich Mutter und Vater nicht explizit darauf verständigen, wem sie in welchem Umfang zugerechnet werden, erhält sie die Mutter automatisch. Ob sich der Kindesvater intensiv in die Erziehung eingebracht hat, spielt dann keine Rolle mehr. Die Folgen für die Rente sind oft erheblich."



2. Rund zehntausend junge Männer haben trotz eines drohenden Bußgelds nicht auf die Fragebögen zum Wehrdienst reagiert, die ihnen zugeschickt wurden, berichtet Samira El Ouassil auf Spiegel-Online:

Man könnte sagen: Dieses schweigsame Zehntel der Befragten ghostet den Staat. Das Ghosten, also das Verhalten während der modernen Beziehungsanbahnung, bei dem ein Mensch aus dem Leben eines anderen verschwindet, ohne dass eine Erklärung den Vorgang einrahmen würde, führt bei den Ignorierten typischerweise zu einer Mischung aus Verwirrung und ratloser Selbstbefragung. Weil das Schweigen, anders als die formulierte Absage, keinerlei Anhaltspunkt zur Bewältigung liefert.

In dieser Lage findet sich nun die Bundesrepublik wieder, als verlassene Werbende, die vergeblich auf jenes Lebenszeichen wartet, das ihre Existenz als kommunikatives Gegenüber überhaupt erst bestätigen würde. (…) Ein Staat, der geghostet wird, erfährt eine unbequeme Wahrheit, die keine formelle Absage hätte artikulieren können: dass man als Adressat im Leben dieser Menschen niemals wirklich anwesend gewesen war.


Es fällt immer wieder auf, wenn Medien, die das Geschlecht sonst ständig betonen, es außen vor lassen, wenn es ihnen nicht in den Kram passt. Es war im Leben all dieser MÄNNER, in dem der Staat als Adressat niemals existiert hat.



3. "Es wird jeder Mist gegendert", schreibt mir ein Leser, der mich auf einen taz-Artikel mit der Überschrift "Kein Sorgerecht für gewalttätige Väter" aufmerksam macht. "Aber hier schreiben Sie nicht von gewalttätigen Eltern oder nennen Mütter und Väter, sondern explizit und nur die Väter. Ausdruck des selbstverständlichen Männerhasses."

Zu diesem Vorstoß von Justizministerin Hubig (SPD), die das Recht eines Kindes auf Kontakt zu beiden Eltern nach einer Trennung einschränken möchte, wenn es vorher zu Gewalt (auch "wirtschaftliche Gewalt") kam, gibt es Kritik:

So mahnt die Familienanwältin Eva Becker, Vorsitzende des Ausschusses Familienrecht im Deutschen Anwaltverein, zu Augenmaß. "Natürlich gibt es grauenhafte Fälle, in denen ein schwer gewalttätiger Elternteil über den Umgang mit dem Kind weiterhin Macht über das Opfer ausübt und es beständig weiter triggert. In solchen Fällen muss ein Umgang selbstverständlich ausgesetzt werden können", sagt Becker. Diese Fälle seien aber glücklicherweise relativ selten.

"Wegen dieser Fälle sollte nicht pauschal für alle anderen jede Art von Gewalt gegen einen Elternteil generell zum Ausschlusskriterium für den Umgang mit dem Kind werden. Das greift im Sinne des Kindeswohls viel zu weit", sagte Becker WELT. Sie warnt zudem vor Missbrauch. "Immer wenn Menschen die Möglichkeit gegeben wird, strategische, taktische Erklärungen vorzubringen, um Kontaktrechte zu reduzieren, dann werden die genutzt."

Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" mahnt in seinem Positionspapier "Gewalt und Umgangsrecht" zu einer sorgfältigen Prüfung in jedem Einzelfall. "Dabei soll das Kind weder der Gefahr eines wiederholten Gewalterlebens ausgesetzt werden noch der Gefahr eines Beziehungsabbruchs aufgrund falscher Vorwürfe allein durch Zeitablauf."




4. Viel wird über die angeblich so große "Mental Load" von Frauen gesprochen. Mirna Funk fragt: Was ist eigentlich mit der "Financial Load" des männlichen Hauptverdieners in einer Partnerschaft? Ein Auszug aus ihrem Artikel:

Der "Financial Load" zum Beispiel hat keinen Begriff. Und das ist kein Zufall. Er hat keinen, weil er historisch mit Männern verbunden war. Und was Männer tun, braucht keine Sprache – es ist Pflicht. Pflicht wird nicht kartografiert, nicht beklagt, nicht mit Infografiken illustriert. Sie wird einfach erfüllt. Oder nicht erfüllt – und dann schweigt man darüber, weil Männer das eben so machen.

(…) Das Problem ist die Konsequenz: Denn würde man den Financial Load benennen, müsste man ihn auch anerkennen. Wer ihn anerkennt, kann nicht mehr so leicht behaupten, dass derjenige, der ihn trägt, keine Nachteile erlebt. Keine Belastung erfährt. Und das passt nicht in eine Erzählung, die die Last auf einer Seite monopolisiert hat.

Dabei ist der Financial Load real, messbar und macht etwas mit Menschen. Es sind all die Gedanken, die einen morgens wecken: Wenn ich heute nicht funktioniere, gibt es kein Backup. Die Erkenntnis, dass das eigene Leben aufgehört hat, einem alleine zu gehören. Dass man nicht mehr einfach krank sein kann, einen schlechten Monat haben, eine Entscheidung treffen darf, ohne dass sofort andere dafür bezahlen. Das ist keine abstrakte Bürde. Das ist ein permanenter Bewusstseinszustand, der sich in den Körper einschreibt.

Männer sterben in Deutschland im Durchschnitt sieben Jahre früher als Frauen. Die Suizidrate unter Männern liegt laut Statistischem Bundesamt bei 17,9 pro 100.000 Einwohnern, bei Frauen liegt sie bei 6,6. Über 70 Prozent aller Suizide in Deutschland werden von Männern begangen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit chronischem Stress stehen, betreffen Männer signifikant häufiger. Das sind keine Zufälle. Das sind die somatischen Konsequenzen finanzieller Verantwortung.




5. "Die Diagnose toxische Männlichkeit greift zu kurz" erklärt der Soziologe Alexander Yendell vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. "Das Problem ist nicht Männlichkeit, sondern eine narzisstische Dynamik aus Dominanz, Abwertung und Angst – an der auch Frauen mitwirken."

Ein Mann inszeniert sich als unerschütterlich, zeigt keine Schwäche und macht Gegner verächtlich. Stärke wird zur Härte, Kontrolle zur Tugend. Oft gehört auch eine demonstrative Sexualität dazu – viele Frauen, viel Inszenierung von Potenz und Überlegenheit, wie bei Donald Trump. Oder als aggressive Form von Männlichkeit, die Härte und die Abwertung von Schwäche betont, wie bei Wladimir Putin.

Aber das ist nur ein Teil des Bildes. Denn diese Dynamik beschränkt sich nicht auf Männer. Fälle wie Ghislaine Maxwell oder Beate Zschäpe zeigen, dass auch Frauen solche Muster tragen und weitergeben. Auch politisch zeigt sich das, etwa bei Giorgia Meloni oder Alice Weidel.

(…) Wer das Problem nur bei Männern sucht, greift zu kurz. Was es braucht, ist etwas anderes: ein gemeinsames Aufbegehren gegen Narzissmus, Autoritarismus und Dominanz – unabhängig vom Geschlecht.




6. Unter der Schlagzeile "Sind sie am Ende einfach zu faul?" berichtet die Frankfurter Allgemeine über den Bildungsrückstand männlicher Schüler. Dieselbe Schlagzeile würde sich verbieten, wenn es darum geht, dass Frauen etwa im höheren Management unterrepräsentiert sind. Der Artikel selbst ist besser als das sexistische Clickbait in der Überschrift:

Der wachsende Vorsprung der Mädchen ist hier in allen untersuchten Subgruppen sichtbar, unabhängig von Schulformen, Bildungsniveau der Eltern und elterlichem Berufsstatus. Mädchen erreichen heute nicht nur bessere Schulabschlüsse als Jungen, auch ihre Berufsziele sind inzwischen deutlich ambitionierter. Aber woran liegt das alles?

Zur Erklärung wird angebracht, dass Jungs entweder aus biologischen Gründen benachteiligt sind, gegen die die Schule machtlos sei, oder sie gelten einfach als zu faul und uneinsichtig für den Wert von Bildung, aber nicht benachteiligt im Sinne einer Verhinderung ihrer Ambitionen durch äußere Widerstände. Jungen zeigten erheblich häufiger Krankheitsbilder und Störungen wie ADHS, die nicht gerade als "lernförderlich" gelten. Festgestellt wurde aber auch, dass Jungs schon im Kindergarten benachteiligt würden, sie blieben "underachiever", weil man von Anfang an weniger von ihnen erwarte und sie insofern eben doch diskriminiert würden. Jungs müssten darum in der Schule mehr leisten, um dieselbe Note zu bekommen wie die Mädchen.


Über all diese Dinge schreiben Männerrechtler seit Jahrzehnten, ohne dass sich etwas ändert. Dass die Verantwortlichen hier die Hände in den Schoß legen, fällt auch der Frankfurter Allgemeinen auf:

Das sind alles bedenkenswerte Befunde, aber trotzdem wirkt die Forschung – das ifo-Institut sei hier ausdrücklich ausgenommen — insgesamt eher lustlos und ohne viel Empathie für diese inzwischen längst schon "alten Verlierer" des deutschen Bildungssystems. Aus dem Fach heißt es, dass sie immerhin als Teil der Forschung zu den Nachteilen von Schülern mit Migrationshintergrund mitbedacht würden, schließlich konzentrierten sich diese gerade bei muslimischen Jungen. Und natürlich forsche man lieber zu weiblichen Bildungsgewinnern als männlichen Verlierern.

(…) Es ist rührend, wenn man dann zum Schluss kommt, dass Eltern "gerade auch ihren Söhnen" mehrmals wöchentlich vorlesen sollten. Auch das weiß man seit mehr als hundert Jahren. Zielführender dürften da pädagogische Programme sein wie die Förderung von solchen Kompetenzen wie der Selbstregulation im Unterricht. Wo dies nicht gelänge, wie eben bei Jungen, steht aber eigentlich die heutige Präferenz für Selbststudium und Gruppenarbeit in Verdacht, den Jungen nicht gerecht zu werden.




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Dienstag, Mai 12, 2026

Großer New-York-Times-Artikel: Das Schweigen angesichts der Vergewaltigung von Palästinensern

Eigentlich wollte ich heute an meinem Geburtstag das Bloggen einmal ausfallen lassen, aber dann kam ein Artikel rein, der mir zu wichtig dafür ist.

Wie die meisten meiner Leser wissen, gehört es zu meinen Hauptanliegen, sexuelle Gewalt insgesamt zu bekämpfen (das tue ich in vielen meiner Ratgeber), insbesondere aber auch das Tabu zu brechen, wenn es um sexuelle Gewalt gegen Männer geht. Mein Buch speziell hierzu heißt nicht ohne Grund mit vollständigem Titel "Sexuelle Gewalt gegen Männer: Was wir darüber wissen und warum wir dazu schweigen". In diesem Buch erörtere ich nicht nur das erschreckende Ausmaß dieser Gewalt, sondern auch, warum das Schweigen darüber derart hartnäckig ist.

Die New York Times bricht genau dieses Schweigen auf so noch nicht dagewesene Weise in einem gestern veröffentlichten Artikel zum Thema: "The Silence That Meets the Rape of Palestinians" – ein Verbrechen, auf das ich hier in diesem Blog immer wieder hingewiesen habe. In diesem Artikel zeigt sich, dass diese Vergewaltigungen zwar nicht auf Männer begrenzt, die meisten Opfer aber männlich sind. Deshalb und weil ds Schweigen über männliche Opfer sexueller Gewalt stärker ist, bleibt dies ein maskulistisches Thema. Da ich nicht damit rechne, dass ein deutsches Leitmedium diesen New-York-Times-Artikel zügig ins Deutsche übersetzt – aus Sicht der deutschen Staatsräson wäre das ohnehin "antisemitisch" –, dokumentiere ich ihn hier im Volltext. Vielleicht ist er ein Türöffner, auch über andere männliche Opfer sexueller Gewalt mehr zu berichten; das Problem ist ja nun wahrlich nicht auf Israel begrenzt. Die New York Times erklärt nicht nur den Ablauf der Gewalt sondern auch, warum darüber kaum offen gesprochen wird und unter welchen Umständen dieses Schweigen aufbrechen kann.



Das Schweigen angesichts der Vergewaltigung von Palästinensern

Es ist eigentlich ein einfacher Grundsatz: Unabhängig davon, wie wir zum Nahostkonflikt stehen, sollten wir uns darin einig sein, Vergewaltigung zu verurteilen.

Unterstützer Israels betonten diesen Punkt nach den brutalen sexuellen Übergriffen auf israelische Frauen während des von der Hamas angeführten Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023. Donald Trump, Joe Biden, Benjamin Netanyahu und viele US-Senatoren, darunter Marco Rubio, verurteilten diese sexuelle Gewalt, und Netanyahu forderte zu Recht "alle zivilisierten Staatsführer" auf, "ihre Stimme zu erheben".

Und dennoch haben mir Palästinenser in erschütternden Interviews von einem Muster weitverbreiteter israelischer sexueller Gewalt gegen Männer, Frauen und sogar Kinder berichtet — durch Soldaten, Siedler, Vernehmer des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet und vor allem durch Gefängniswärter.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass israelische Führungsfiguren Vergewaltigungen anordnen. Doch in den vergangenen Jahren haben sie einen Sicherheitsapparat aufgebaut, in dem sexuelle Gewalt, wie ein Bericht der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr formulierte, zu einem von Israels "Standardverfahren" geworden ist und "ein zentrales Element der Misshandlung von Palästinensern" darstellt. Ein im vergangenen Monat veröffentlichter Bericht des Euro-Med Human Rights Monitor, einer in Genf ansässigen Organisation, die Israel häufig kritisiert, kommt zu dem Schluss, Israel setze "systematische sexuelle Gewalt" ein, die "weitverbreitet als Teil einer organisierten staatlichen Politik praktiziert" werde.

Wie sieht dieses Standardverfahren aus? Sami al-Sai, 46, freier Journalist, sagt, dass ihn eine Gruppe von Wärtern zu Boden geworfen habe, als er nach seiner Festnahme 2024 in eine Gefängniszelle gebracht wurde.

"Sie schlugen alle auf mich ein, und einer trat mir auf Kopf und Hals", sagte er. "Jemand zog mir die Hose herunter. Sie zogen meine Boxershorts herunter." Dann zog einer der Wärter einen Gummiknüppel hervor, der zum Schlagen von Gefangenen verwendet wird.

"Sie versuchten, ihn in meinen Enddarm einzuführen, und ich stemmte mich dagegen, aber ich konnte es nicht verhindern", sagte er mit zunehmend angespannter Stimme. "Es tat so weh." Die Wärter hätten dabei gelacht. "Dann hörte ich jemanden sagen: ,Gebt mir die Karotten‘", erinnerte er sich und fügte hinzu, dass sie daraufhin eine Karotte benutzten. "Es war unerträglich schmerzhaft", sagte er. "Ich betete um den Tod."

Al-Sai sagte, er sei mit verbundenen Augen gewesen und habe auf Hebräisch, das er verstehe, jemanden sagen hören: "Keine Fotos machen." Das habe ihn vermuten lassen, dass jemand eine Kamera hervorgeholt habe. Einer der Wärter sei eine Frau gewesen, die ihn am Penis und an den Hoden gepackt und scherzhaft gesagt habe: "Die gehören mir", bevor sie so fest zudrückte, dass er vor Schmerzen schrie.

Die Wärter ließen ihn gefesselt auf dem Boden liegen, und er roch Zigarettenrauch. "Mir wurde klar, dass sie Rauchpause machten", sagte er.

Nachdem man ihn in seine Zelle geworfen hatte, kam er zu dem Schluss, dass der Ort seiner Vergewaltigung schon früher benutzt worden war, denn er fand Erbrochenes, Blut und zerbrochene Zähne anderer Menschen, die in seine Haut gedrückt worden waren.

Al-Sai sagte, man habe versucht, ihn als Informanten für den israelischen Geheimdienst anzuwerben, und er glaube, dass seine Verhaftung und Inhaftierung im Rahmen der Administrativhaft dazu dienen sollte, ihn unter Druck zu setzen. Da er stolz auf seine journalistische Professionalität gewesen sei, habe er abgelehnt.

Ich habe einen großen Teil meiner Karriere über Krieg, Völkermord und Gräueltaten einschließlich Vergewaltigungen berichtet — manchmal an Orten, an denen das Ausmaß sexueller Gewalt weit größer war als alles, was entweder Hamas-Kämpfer oder israelische Wärter oder Siedler begangen haben. Im Tigray-Konflikt in Äthiopien vor einigen Jahren wurden womöglich 100.000 Frauen vergewaltigt. Im Sudan finden derzeit Massenvergewaltigungen statt.

Und dennoch finanzieren unsere amerikanischen Steuergelder den israelischen Sicherheitsapparat mit, sodass die Vereinigten Staaten an dieser sexuellen Gewalt mitschuldig sind.


Israel wird auch von Deutschland unterstützt.

Ich begann mich für sexuelle Übergriffe gegen palästinensische Gefangene zu interessieren, nachdem Issa Amro, ein gewaltfreier Aktivist, der manchmal "der palästinensische Gandhi" genannt wird, mir bei einem früheren Besuch erzählt hatte, dass er von israelischen Soldaten sexuell missbraucht worden sei und glaube, dies sei verbreitet, werde jedoch aus Scham zu selten gemeldet.

Nach einer Zählung hat Israel allein im Westjordanland seit den Angriffen vom 7. Oktober 20.000 Menschen festgenommen, und mehr als 9.000 Palästinenser befanden sich noch in diesem Monat in Haft. Viele wurden nie angeklagt, sondern unter vage definierten Sicherheitsgründen festgehalten; seit 2023 wird den meisten der Zugang zum Roten Kreuz und zu Anwälten verweigert.

"Israelische Kräfte setzen Vergewaltigung und sexuelle Folter systematisch ein, um palästinensische Gefangene zu demütigen", heißt es im Euro-Med-Bericht. Darin wird eine 42-jährige Frau zitiert, die angab, nackt an einen Metalltisch gefesselt worden zu sein, während israelische Soldaten sie über zwei Tage hinweg wiederholt vergewaltigt hätten, während andere Soldaten die Übergriffe filmten. Danach habe man ihr Fotos der Vergewaltigungen gezeigt und gedroht, sie zu veröffentlichen, falls sie nicht mit dem israelischen Geheimdienst kooperiere.

Es ist unmöglich zu wissen, wie verbreitet sexuelle Übergriffe gegen Palästinenser tatsächlich sind. Meine Recherchen für diesen Artikel beruhen auf Gesprächen mit 14 Männern und Frauen, die angaben, von israelischen Siedlern oder Angehörigen der Sicherheitskräfte sexuell missbraucht worden zu sein. Außerdem sprach ich mit Familienmitgliedern, Ermittlern, Beamten und anderen Personen.

Ich fand diese Opfer, indem ich bei Anwälten, Menschenrechtsgruppen, Helfern und gewöhnlichen Palästinensern nachfragte. In vielen Fällen ließen sich Teile der Aussagen bestätigen — entweder durch Zeugen oder, häufiger, durch Personen, denen sich die Opfer anvertraut hatten, etwa Familienmitglieder, Anwälte oder Sozialarbeiter. In anderen Fällen war das nicht möglich, möglicherweise weil Scham dazu führte, dass Menschen selbst engen Angehörigen gegenüber keine Misshandlungen eingestehen wollten.

Save the Children beauftragte vergangenes Jahr eine Umfrage unter Kindern zwischen 12 und 17 Jahren, die sich in israelischer Haft befunden hatten; mehr als die Hälfte berichtete, sexuelle Gewalt erlebt oder beobachtet zu haben. Die Organisation erklärte, die tatsächliche Zahl liege vermutlich höher, weil das Stigma manche davon abhalte, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Das Committee to Protect Journalists, eine angesehene amerikanische Organisation, befragte 59 palästinensische Journalisten, die nach den Angriffen vom 7. Oktober von israelischen Behörden freigelassen worden waren. Drei Prozent gaben an, vergewaltigt worden zu sein, und 29 Prozent berichteten von anderen Formen sexueller Gewalt.

Die israelische Regierung weist Vorwürfe sexuellen Missbrauchs an Palästinensern zurück, ebenso wie die Hamas bestritt, israelische Frauen vergewaltigt zu haben. Israel begrüßte einen Bericht der Vereinten Nationen über sexuelle Übergriffe auf israelische Frauen durch Palästinenser, wies jedoch dessen Forderung zurück, auch israelische Übergriffe gegen Palästinenser zu untersuchen. Netanyahu sprach von "haltlosen Vorwürfen sexueller Gewalt" gegen Israel.

Israels Ministerium für Nationale Sicherheit lehnte eine Stellungnahme zu diesem Artikel ab. Der Gefängnisdienst "weist die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs kategorisch zurück", sagte ein Sprecher, der anonym bleiben wollte, und fügte hinzu, Beschwerden würden "von den zuständigen Behörden geprüft". Der Sprecher wollte nicht sagen, ob jemals Mitarbeiter des Gefängnisdienstes wegen sexueller Übergriffe entlassen oder angeklagt worden seien.

Die von mir interviewten Palästinenser berichteten auch von anderen Formen des Missbrauchs jenseits von Vergewaltigung. Viele sagten, ihnen seien wiederholt die Genitalien verdreht oder die Hoden geschlagen worden. Hand-Metalldetektoren seien zwischen die nackten Beine von Männern gehalten und dann gegen ihre Genitalien geschlagen worden; einigen Männern hätten Ärzte nach Misshandlungen die Hoden amputieren müssen, so der Euro-Med Monitor.

Ein Grund dafür, dass diese Übergriffe wenig Aufmerksamkeit erhalten, sind Drohungen israelischer Behörden, die freigelassenen Gefangenen laut Aussagen entlassener Palästinenser wiederholt einschärften zu schweigen. Ein weiterer Grund sei, wie Überlebende mir sagten, dass die arabische Gesellschaft Diskussionen über dieses Thema scheue — aus Angst, die Moral der Familien von Gefangenen zu schwächen und das palästinensische Narrativ heroischer und standhafter Häftlinge zu beschädigen.

Konservative soziale Normen erschweren die Diskussion zusätzlich: Zwei Opfer erklärten mir, ein Gefangener, der eine Vergewaltigung eingestehe, gefährde die Chancen seiner Schwestern und Töchter auf eine Heirat.

Ein Bauer hatte zunächst zugestimmt, dass ich seinen Namen in diesem Artikel verwende. Nachdem er Anfang dieses Jahres nach Monaten in Administrativhaft — ohne Anklage — freigelassen worden war, schilderte er, was ihm eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr widerfuhr: Ein halbes Dutzend Wärter habe ihn festgehalten, ihm Hose und Unterwäsche heruntergezogen und einen Metallknüppel in seinen Anus eingeführt. Die Täter hätten dabei gelacht und gejubelt.

Mehrere Stunden später sei er ohnmächtig geworden und in die Gefängnisklinik gebracht worden. Nach dem Aufwachen sei er erneut mit dem Metallknüppel vergewaltigt worden.

"Ich blutete", erinnerte er sich. "Ich war völlig gebrochen. Ich weinte."

Nachdem er in seine Zelle zurückgebracht worden sei, habe er einen Wärter um Papier und Stift gebeten, um Beschwerde einzureichen. Der Antrag sei abgelehnt worden. Am Abend sei eine Gruppe Wärter in die Zelle gekommen.

"Wer von euch will eine Beschwerde einreichen?", habe einer höhnisch gefragt, erinnerte er sich, und ein anderer habe auf ihn gezeigt. "Die Schläge begannen sofort", sagte er. Dann hätten sie ihn an diesem Tag ein drittes Mal mit dem Knüppel vergewaltigt.

Er erinnerte sich an die Worte eines Wärters: "Jetzt hast du noch mehr Stoff für deine Beschwerde."

Einige Tage nach meinem Interview rief der Bauer an und sagte, er wolle doch nicht namentlich genannt werden. Shin Bet habe ihn besucht und davor gewarnt, Ärger zu machen, außerdem fürchte er die Reaktion seiner Familie.

"Massiver sexueller Missbrauch palästinensischer Gefangener ist Realität; er wurde normalisiert", sagte Sari Bashi, israelisch-amerikanische Menschenrechtsanwältin und Geschäftsführerin des Public Committee Against Torture in Israel. "Ich sehe keine Hinweise darauf, dass er angeordnet wurde. Aber es gibt anhaltende Hinweise darauf, dass die Behörden wissen, dass er stattfindet, und nichts dagegen unternehmen."

Ein weiterer israelischer Anwalt, Ben Marmarelli, sagte mir, nach den Erfahrungen palästinensischer Häftlinge, die er vertreten habe, finde die Vergewaltigung palästinensischer Gefangener mit Gegenständen "flächendeckend" statt.

Bashi erklärte, ihre Organisation habe Hunderte Beschwerden über grausame Misshandlungen palästinensischer Gefangener eingereicht — und in keinem einzigen Fall habe dies zu Anklagen geführt. Diese Straflosigkeit, sagte sie, sende ein "grünes Licht" an Täter.

Ein palästinensischer Gefangener aus Gaza soll im Juli 2024 mit einem Riss im Enddarm, gebrochenen Rippen und einer punktierten Lunge ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Ermittler beschafften ein Gefängnisvideo, das den Missbrauch zeigen soll. Die Behörden nahmen neun Reservisten fest — doch Israels Rechte reagierte empört, und ein wütender Mob, darunter Politiker, stürmte das Gefängnis, um die Wärter zu unterstützen. Die letzten Anklagen gegen die Soldaten wurden im März fallen gelassen; im vergangenen Monat genehmigte das Militär ihre Rückkehr in den Dienst.

Netanyahu bezeichnete die Einstellung des Verfahrens als Ende einer "Blutlüge". "Der Staat Israel muss seine Feinde jagen — nicht seine heldenhaften Kämpfer", sagte er.

Bashi kommentierte das Ergebnis so: "Die Einstellung der Anklagen bedeutet für mich: Das ist eine Erlaubnis zur Vergewaltigung."

Der Gefangene, der danach Berichten zufolge einen künstlichen Darmausgang benötigte, wurde nach Gaza zurückgebracht; ein Bekannter sagte, er habe Monate im Krankenhaus verbracht, um sich von den inneren Verletzungen zu erholen. Der Bekannte erklärte, der ehemalige Gefangene wolle kein Interview geben.

Strafverfolgung und öffentliche Aufmerksamkeit können solche Gewalt eindämmen. 1997 vergewaltigten Polizisten in New York den haitianischen Einwanderer Abner Louima mit einem Stock so brutal, dass er ins Krankenhaus musste und operiert werden musste. Die Öffentlichkeit reagierte empört, Bürgermeister Rudy Giuliani besuchte Louima im Krankenhaus, und die Beamten wurden in einem aufsehenerregenden Verfahren angeklagt. Das sandte eine deutliche Botschaft an die Polizei: Wer Gefangene misshandelt, kann bestraft werden. Genau diese Botschaft müsse auch an die israelischen Sicherheitskräfte gesendet werden.

Wenn die Trump-Regierung auf der Wiederaufnahme von Besuchen des Roten Kreuzes bei Gefangenen bestehen würde, wenn der US-Botschafter Überlebende sexueller Gewalt öffentlich besuchen würde, wenn Waffenlieferungen an ein Ende sexueller Übergriffe geknüpft würden, könnte das eine moralische und praktische Botschaft senden: Sexuelle Gewalt ist niemals akzeptabel — unabhängig davon, wer das Opfer ist. Der Botschafter könnte zumindest sicherstellen, dass jene Palästinenser, die für diesen Artikel gesprochen haben, nicht erneut für ihren Mut misshandelt werden.


Wenn der deutsche Außenminister Wadephul bei seinem Israelbesuch und seinen Solidarätsbekundigungen dasselbe täte … Ach vergesst es, wir wären hier im Fantasy-Land. Die Springerpresse von BILD bis "Welt" würde jahrelang kopfstehen vor Empörung, Wadephul oder welcher Politiker auch immer würde bis an sein Lebensende als "Judenhasser" beschimpft werden. Insofern ist man in Deutschland gerne bereit, lieber massenhaft begangene Vergewaltigungen hinzunehmen.

Wie kommt es zu solcher Gewalt? Jahrzehnte der Berichterstattung über Konflikte haben mich gelehrt, dass eine Kombination aus Entmenschlichung und Straflosigkeit Menschen in einen hobbesianischen Naturzustand treiben kann. Ich habe dieses Abrutschen in Barbarei auf Schlachtfeldern vom Kongo bis Sudan bis Myanmar gesehen — und ich glaube, es erklärt auch ungefähr, wie amerikanische Soldaten Gefangene in Abu Ghraib im Irak sexuell missbrauchen konnten.

Die harte Realität lautet: Wenn Konsequenzen fehlen, sind wir Menschen zu enormer Grausamkeit gegenüber jenen fähig, die man uns als minderwertig darstellt.

Itamar Ben-Gvir, Israels Minister für Nationale Sicherheit, bezeichnete Gefangene als "Abschaum" und "Nazis" und prahlte damit, die Haftbedingungen für Palästinenser verschärft zu haben. Wenn solche Einstellungen vorherrschen, kann sexueller Missbrauch zu einem weiteren Mittel werden, Schmerz und Demütigung zuzufügen.

Ben-Gvir lehnte über eine Sprecherin eine Stellungnahme zu sexuellen Übergriffen durch Sicherheitskräfte ab.

B’Tselem, eine israelische Menschenrechtsorganisation, dokumentierte "ein schwerwiegendes Muster sexueller Gewalt" gegen Palästinenser. Die Organisation zitierte den Bericht des Gaza-Gefangenen Tamer Qarmut, der angab, mit einem Stock vergewaltigt worden zu sein. Folter, so B’Tselem, sei "zu einer akzeptierten Norm geworden".

Ein ehemaliger israelischer Offizier in einer Gefängnisklinik schilderte in einer Aussage gegenüber der israelischen Organisation Breaking the Silence, was diese Normalisierung praktisch bedeutet: "Man sieht normale, ziemlich gewöhnliche Menschen an einen Punkt gelangen, an dem sie Menschen zu ihrer eigenen Unterhaltung misshandeln — nicht einmal für Verhöre oder Ähnliches. Zum Spaß, um den anderen etwas erzählen zu können oder aus Rache."

Der Großteil der Vergewaltigungen und anderer sexueller Gewalt richtete sich gegen Männer — schon deshalb, weil mehr als 90 Prozent der palästinensischen Gefangenen männlich sind. Aber ich sprach auch mit einer Palästinenserin, die im Alter von 23 Jahren nach dem Hamas-Angriff im Oktober 2023 festgenommen wurde. Sie sagte, die Soldaten hätten damit gedroht, sie, ihre Mutter und ihre kleine Nichte zu vergewaltigen. Ihr Gefängnisalbtraum habe mit einer Leibesvisitation durch Wärterinnen begonnen. "Aber dann kam ein männlicher Soldat herein, während ich völlig nackt war", sagte sie.

In den folgenden Tagen sei sie wiederholt nackt ausgezogen, geschlagen und von Gruppen männlicher und weiblicher Wärter durchsucht worden. Das Muster sei immer gleich gewesen: Mehrere Wärter, Männer und Frauen gemeinsam, seien in ihre Zelle gekommen, hätten sie gewaltsam entkleidet, ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt und sie nach vorne gebeugt, manchmal mit dem Kopf in die Toilette gedrückt. In dieser Position sei sie geschlagen und am ganzen Körper begrapscht worden.

"Ihre Hände waren überall an meinem Körper", sagte sie. "Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob sie mich vergewaltigt haben", sagte sie, weil sie durch die Schläge zeitweise das Bewusstsein verlor.

Der Zweck der Misshandlungen sei ihrer Ansicht nach zweifach gewesen: ihren Willen zu brechen und israelischen Männern zugleich zu ermöglichen, ungestraft eine nackte palästinensische Frau zu missbrauchen.

"Ich wurde mehrmals am Tag ausgezogen und geschlagen", sagte sie. "Es war, als würden sie mich jedem vorstellen, der dort arbeitete. Zu Beginn jeder Schicht brachten sie die Männer, damit sie mich ausziehen konnten."

Kurz vor ihrer Freilassung sei sie in einen Raum mit sechs Beamten gebracht und eindringlich gewarnt worden, niemals Interviews zu geben.

"Sie drohten, mich zu vergewaltigen, mich zu töten und meinen Vater zu töten, falls ich spreche", sagte sie. Wenig überraschend wollte sie in diesem Artikel anonym bleiben.

Einige der schlimmsten sexuellen Übergriffe scheinen sich gegen Gefangene aus Gaza gerichtet zu haben. Ein Journalist aus Gaza schilderte mir die Misshandlungen, die er nach seiner Festnahme 2024 erlitten habe.

"Niemand entkam sexuellen Übergriffen", sagte er. "Nicht jeder wurde vergewaltigt, würde ich sagen, aber alle erlebten erniedrigende, widerwärtige sexuelle Misshandlungen." Bei einem Vorfall hätten Wärter seine Hoden und seinen Penis stundenlang mit Kabelbindern abgeschnürt und dabei seine Genitalien geschlagen. Danach habe er tagelang Blut uriniert.

Ein anderes Mal sei er festgehalten und nackt ausgezogen worden; während er mit verbundenen Augen und gefesselten Händen dalag, habe man einen Hund herbeigerufen. Durch Zurufe eines Hundeführers auf Hebräisch sei das Tier auf ihn gehetzt worden.

"Sie machten Fotos mit Kameras, und ich hörte ihr Lachen und Kichern", sagte er. Er habe versucht, den Hund abzuwehren, doch dieser habe ihn penetriert.

Auch andere palästinensische Gefangene und Menschenrechtsbeobachter berichteten von Polizeihunden, die darauf trainiert worden seien, Gefangene sexuell zu missbrauchen. Der Journalist sagte, ein israelischer Beamter habe ihn bei seiner Freilassung gewarnt: "Wenn du am Leben bleiben willst, rede nicht mit den Medien."

Warum sprach er dennoch?

"Es gibt Momente, in denen die Erinnerung unerträglich erscheint", sagte er. "Während ich gerade mit Ihnen darüber sprach, hatte ich das Gefühl, mein Herz könnte stehen bleiben. Aber ich denke an die Menschen, die noch dort sind. Deshalb rede ich."

Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass sexuelle Gewalt sogar gegen palästinensische Kinder eingesetzt wurde, die typischerweise wegen Steinwürfen inhaftiert werden. Ich fand und interviewte drei Jungen, die festgenommen worden waren; alle beschrieben sexuellen Missbrauch.

Einer, ein schüchterner Junge im Hilfiger-Shirt, der bei seiner Festnahme 15 Jahre alt war, wollte nicht sagen, ob er auch tatsächliche Vergewaltigungen gesehen hatte. Aber er sagte, Drohungen seien alltäglich gewesen: "Sie sagten: ,Mach das, oder wir stecken dir diesen Stock in den Hintern.‘"

Die anderen Jungen erzählten sehr ähnliche Geschichten sexueller Gewalt im Rahmen von Misshandlungen und berichteten, dass Vergewaltigungsdrohungen nicht nur gegen sie, sondern auch gegen ihre Mütter und Geschwister gerichtet worden seien.

Israelische Siedler sind nicht in derselben Weise offizieller Teil des Staates wie das Gefängnissystem, doch die israelischen Streitkräfte schützen Siedler zunehmend, während diese palästinensische Dorfbewohner angreifen und sexuelle Gewalt einsetzen, um Palästinenser zur Flucht zu zwingen. "Sexualisierte Gewalt wird genutzt, um Gemeinschaften unter Druck zu setzen", ihre Gebiete zu verlassen, heißt es in einem neuen Bericht des West Bank Protection Consortium, einem Zusammenschluss internationaler Hilfsorganisationen unter Leitung des Norwegian Refugee Council.

Das Konsortium befragte palästinensische Bauern und stellte fest, dass mehr als 70 Prozent der vertriebenen Haushalte angaben, Drohungen gegen Frauen und Kinder — insbesondere sexuelle Gewalt — seien der ausschlaggebende Grund für ihre Flucht gewesen. "Sexuelle Gewalt", sagte Allegra Pacheco von der Koalition, "ist einer der Mechanismen, mit denen Menschen von ihrem Land vertrieben werden."

In einem abgelegenen Weiler beduinischer Bauern im Jordantal traf ich den 29-jährigen Bauern Suhaib Abualkebash, der schilderte, wie eine Gruppe von etwa 20 Siedlern durch die Häuser seiner Familie zog, Erwachsene und Kinder schlug, Schmuck und 400 Schafe stahl — und ihm außerdem mit einem Jagdmesser die Kleidung vom Leib schnitt, dann seinen Penis mit Kabelbindern abschnürte und daran zog.

"Ich hatte Angst, sie würden meinen Penis abschneiden", sagte Abualkebash. "Ich dachte, das ist mein Ende."

Manche mögen sich fragen, ob Palästinenser Vorwürfe sexueller Gewalt erfunden haben, um Israel zu verleumden. Für mich erscheint das weit hergeholt, weil niemand der von mir Befragten mich selbst aufsuchte oder wusste, mit wem ich sonst sprach, und weil sie nur widerwillig redeten. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Israels sexueller Missbrauch inzwischen so häufig geworden ist, dass sich Normen verändern und palästinensische Opfer etwas eher bereit sind zu sprechen.

"Sechs Monate lang konnte ich darüber mit niemandem reden, nicht einmal mit meiner Familie", sagte Mohammad Matar, ein palästinensischer Beamter, der mir erzählte, Siedler hätten ihn entkleidet, geschlagen und mit einem Stock zwischen die Gesäßbacken gestoßen, während sie darüber sprachen, ihn zu vergewaltigen. Während des Angriffs veröffentlichten die Täter ein Foto von ihm mit verbundenen Augen und nur in Unterwäsche in sozialen Medien.

Mit der Zeit entschied sich Matar zu sprechen, um das Stigma zu brechen. Heute hängt eine vergrößerte Version des Fotos in seinem Büro.

Um zu verstehen, was ich entdeckt hatte, rief ich Ehud Olmert an, der von 2006 bis 2009 israelischer Ministerpräsident war. Olmert sagte, er wisse wenig über sexuelle Gewalt gegen Palästinenser, sei von den Berichten jedoch nicht überrascht.

"Glaube ich, dass das passiert?", fragte er. "Definitiv."

"In den besetzten Gebieten werden täglich Kriegsverbrechen begangen", fügte er hinzu.

Damit kehren wir zu dem Punkt zurück, den ich zu Beginn dieser Kolumne erwähnt habe: Israels Unterstützer hatten 2023 recht damit, dass wir ungeachtet unserer Haltung zum Nahen Osten Vergewaltigung verurteilen sollten.

"Wo zum Teufel seid ihr?", fragte Netanyahu damals die internationale Gemeinschaft und verlangte eine Verurteilung sexueller Gewalt durch das, was die israelische Regierung als "Vergewaltigerregime der Hamas" bezeichnete.

Die Hamas hat tatsächlich auf brutale Weise Menschenrechte verletzt. Doch israelische Behörden sollten auch ihre eigenen Verstöße betrachten — insbesondere das, was ein 49-seitiger Bericht der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr als Israels "systematische" Unterwerfung von Palästinensern unter "sexualisierte Folter" bezeichnete, die zumindest "mit stillschweigender Ermutigung durch die zivile und militärische Führung" begangen werde.

Man kann es auch so ausdrücken: Die schrecklichen Misshandlungen, die israelischen Frauen am 7. Oktober zugefügt wurden, widerfahren nun Palästinensern Tag für Tag. Sie dauern an wegen Schweigen, Gleichgültigkeit und des Versagens amerikanischer wie israelischer Behörden, Netanyahus Frage zu beantworten: Wo zum Teufel seid ihr?




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