Sonntag, Juni 20, 2021

Sexismus trifft auf Klassismus: Armut schadet Jungen am meisten

Es ist bemerkenswert, dass sich viele Vertreter der Linken, die für benachteiligte Schichten eintreten, mit Maskulisten, die über die Benachteiligungen von Jungen und Männern sprechen, so schwer tun – denn auch hier trifft man auf das Prinzip der Intersektionalität: Mehrere Formen von Benachteiligung verstärken einander. Insofern erscheint es vernünftig, Klassismus (Diskriminierung, die auf wirtschaftlichen Unterschieden beruht) und Sexismus (Diskriminierung, die auf dem Geschlecht beruht) als Übel gleichermaßen anzugehen.

Das belegt ein aktueller Beitrag des Washingtoner Brookings-Instituts: Armut schadet Jungen am meisten: Ungleichheit an der Schnittstelle von Klasse und Geschlecht. Ich habe den Beitrag für Genderama übersetzt, wobei ich Begriffe wie "Klasse" (hierzulande spricht man ja eher von sozialer Schicht, wenn man kein Marxist ist) sowie "Rasse" in zusammengesetzten Fügungen wie "Rassengleichheit" verschiedentlich belassen habe, auch wenn der letzgenannte Begriff wissenschaftlich nicht korrekt ist. Weiterführende Belegquellen sowie anschauliche Diagramme finden sich im verlinkten Originaltext.



Einer der kognitiven Flüche des menschlichen Geistes ist die Tendenz, alles in zwei Teile zu zerhacken: schwarz und weiß, reich und arm, Männer und Frauen, Norden und Süden und so weiter. Instinktiv neigen wir dazu, Menschen in klare und eindeutige Kategorien einzuteilen, am liebsten in nur zwei. Die Welt scheint auf diese Weise einfacher zu sein.

Aber natürlich ist die Welt nicht so einfach. Menschen werden nicht in saubere Kisten sortiert. Eine bedauerliche Folge dieser binären Weltsicht ist das, was der Experte für öffentliche Gesundheit und Verfechter der "Faktizität", Hans Rosling, den "Lückeninstinkt" nennt... alle Arten von Dingen in zwei unterschiedliche und oft widersprüchliche Gruppen mit einer imaginären Lücke dazwischen einzuteilen (z. B. reiche gegen arme Länder).

In der realen Welt überschneiden sich die Verteilungen zweier verschiedener Gruppen bei den meisten Messgrößen fast immer, anstatt dass es eine klare Lücke zwischen ihnen gibt. So ist zwar der durchschnittliche Mann zwei Zentimeter größer als die durchschittliche Frau, aber nicht alle Männer sind größer als alle Frauen. Daher ist es oft ein Fehler, eine Art von Ungleichheit isoliert von einer anderen zu betrachten. Zum Beispiel können wir die geschlechtsspezifischen Unterschiede nicht isoliert von den Ungleichheiten nach ethnischer Zugehörigkeit und Klasse betrachten.

Dies ist die zentrale Einsicht, die das von Kimberlé Crenshaw entwickelte Intersektionalitätskonzept bietet. Die Position des Einzelnen in der Gesellschaft sollte unter Berücksichtigung einer Reihe von sich überschneidenden Identitäten und Verteilungen untersucht werden. Wie wir in einer früheren Analyse der einzigartigen Benachteiligung schwarzer Männer geschrieben haben, erfordert das Durchbrechen des Kreislaufs ihrer intergenerationalen Benachteiligung ein tieferes Verständnis der Vergeschlechtlichung ihrer Hautfarbe - und der Rassifizierung ihres Geschlechts.

In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die Überschneidung von Klasse und Geschlecht und darauf, wie das Aufwachsen in Familien auf unterschiedlichen Stufen der Einkommensleiter die Ergebnisse von Mädchen und Jungen beeinflusst. Unser Hauptergebnis ist, dass Jungen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen, im Hinblick auf ihre Leistungen als Erwachsene schlechter abschneiden als Mädchen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen. Am auffälligsten ist, dass Jungen, die in Familien im untersten Fünftel der Einkommensverteilung aufwachsen, eine geringere Wahrscheinlichkeit haben als Mädchen, erwerbstätig zu sein oder auf der Einkommensleiter aufzusteigen, sobald sie erwachsen sind.

Wenn Jungen aus dem untersten Fünftel der Einkommensverteilung Probleme haben, besteht die Gefahr von Folgewirkungen für die nächste Generation. Wie David Autor und Melanie Wasserman in einem anderen Beitrag, "Wayward Sons", warnen: "Es kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem die schlechten wirtschaftlichen Aussichten der weniger gebildeten Männer zu unterschiedlich großen Nachteilen für ihre Söhne führen und so möglicherweise die Entwicklung der Geschlechterkluft in der nächsten Generation verstärken."

Es ist besonders wichtig, die Überschneidung von Klassen- und Geschlechterungleichheiten zu untersuchen, weil sich die Verteilungen in den letzten Jahrzehnten in entgegengesetzte Richtungen bewegt haben. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern hat sich verringert, während sich die Einkommensungleichheit vergrößert hat. Es muss wohl kaum hinzugefügt werden, dass es natürlich noch viele Bereiche gibt, in denen viel mehr Fortschritte nötig sind, um die Kluft zwischen Männern und Frauen zu schließen - nicht zuletzt in Bezug auf die politische Repräsentation, wo ich die Einführung von Geschlechterquoten im Einklang mit vielen anderen Nationen gefordert habe.

Aber wie das Magazin "The Economist" richtig feststellt, "ist die Tatsache, dass die höchsten Sprossen von Männern bevölkert sind, ein schwacher Trost für die Männer am unteren Ende." Das ist ein Grund, warum wir hier bei Brookings ein neues Projekt über Jungen und Männer gestartet haben, um die Herausforderungen zu untersuchen, mit denen viele Jungen und Männer konfrontiert sind, und zwar im Kontext des Fortschritts bei der Gleichstellung der Geschlechter und möglicher Politiken und Normen, die ein größeres männliches Gedeihen und Handeln fördern. Unser besonderes Augenmerk liegt auf schwarzen Jungen und Männern sowie Jungen und Männern aus benachteiligten Verhältnissen.

Jungen scheinen besonders stark vom familiären Umfeld beeinflusst zu werden, ebenso wie von der Schulqualität oder der Armut in der Nachbarschaft. Diese Ergebnisse stimmen mit Forschungsergebnissen überein, die zeigen, dass sich Armut und Benachteiligung für Jungen besonders stark auswirken, was auch Auswirkungen auf die Rassengleichheit hat - da schwarze Jungen viel häufiger in einkommensschwachen oder sozial benachteiligten Haushalten aufwachsen.

Hier untersuchen wir anhand der Daten der Forschungsplattform "Opportunity Insights" die geschlechtsspezifischen Unterschiede im frühen Erwachsenenalter für Kinder, die von Eltern mit unterschiedlichem Haushaltseinkommen großgezogen werden, insbesondere die Raten für:

* Hochschulabschluss (BA) im Alter von 25 Jahren

* Beschäftigung im Alter von 30 Jahren

* Inhaftierung im Alter von 30 Jahren

* Heirat im Alter von 32 Jahren

* Aufwärtsmobilität aus dem untersten Fünftel im Alter von Mitte dreißig.

Der Übersichtlichkeit halber zeigen wir diese Ergebnisse nach Geschlecht für diejenigen aus Familien im untersten, mittleren und obersten Fünftel. (Die Trends sind die gleichen für die fehlenden zwei Fünftele, und die vollständigen Daten sind auf der Seite "Opportunity Insights" verfügbar). Bei allen fünf Maßnahmen schneiden Mädchen aus dem untersten Fünftel besser ab als Jungen aus dem untersten Fünftel. Mit anderen Worten: Klasse und Geschlecht überschneiden sich. Politische Entscheidungsträger sollten dies zur Kenntnis nehmen.

1. Jungen haben eine geringere Wahrscheinlichkeit, an der Hochschule einen BA-Abschluss zu machen, besonders wenn sie in Armut aufwachsen

Es ist bekannt, dass der College-Besuch und -Abschluss bei Frauen viel höher ist als bei Männern. Laut den Zahlen des National Student Clearinghouse sank die Zahl der männlichen Studenten im Herbst 2020 um 5,1 % und damit um ein Vielfaches mehr als die der weiblichen Studenten (0,7 %). Es gibt auch ein sehr steiles Klassengefälle beim College-Abschluss. (…) Es gibt also sowohl ein Klassengefälle als auch ein Geschlechtergefälle. Es ist jedoch bemerkenswert, dass die Kluft zwischen den Geschlechtern am unteren Ende am größten ist. Nur 14% der Jungen aus einkommensschwachen Familien (unterstes Fünftel) werden einen BA-Abschluss machen. Die größte Herausforderung besteht eindeutig darin, die gähnende Klassenkluft in der Hochschulbildung zu verringern, nicht zuletzt angesichts des Zusammenhangs zwischen einem niedrigeren Bildungsniveau und niedrigeren Beschäftigungsquoten und schlechterer Gesundheit. Aber die besonders schlechten Ergebnisse für die am stärksten benachteiligten Männer verdienen vielleicht besondere Aufmerksamkeit.

2. Jungen, die in Armut aufwuchsen, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit als Mädchen, als Erwachsene einer bezahlten Arbeit nachzugehen

Während Mädchen und Frauen inzwischen auf jeder Stufe des Bildungssystems deutlich besser abschneiden als Jungen und Männer, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männer als Erwachsene einer bezahlten Arbeit nachgehen, im Allgemeinen immer noch größer als bei Frauen. Mit einer Ausnahme: Jungen aus dem untersten Fünftel. (…) Obwohl der umgekehrte Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den Beschäftigungsquoten gering ist, ist er dennoch auffällig angesichts der Größe der Unterschiede in die andere Richtung für die anderen Fünftel. Auch hier stellen die Klassenunterschiede die Geschlechterunterschiede in den Schatten - Männer und Frauen, die im mittleren und obersten Einkommensfünftel aufgewachsen sind, haben viel höhere Beschäftigungsquoten (interessanterweise sind sie im obersten Fünftel etwas niedriger als im mittleren, insbesondere bei den Männern). Aber auch hier ist die Überschneidung von Klasse und Geschlecht ein wichtiger Teil der Geschichte. Das Gesamtbild der höheren Beschäftigungsquoten für Männer gilt nicht für diejenigen, die am unteren Ende der Einkommensleiter aufgewachsen sind.

3. Inhaftierung ist ein Problem für arme Jungen

In den letzten drei Jahrzehnten gab es einen erheblichen Anstieg der Inhaftierungsrate bei Männern - vor allem bei schwarzen Männern - und fast keinen Anstieg der Inhaftierungsrate bei Frauen. Es gibt eine große Kluft zwischen den Geschlechtern bei den Inhaftierungsraten. Aber auch hier ist es wichtig, neben der Hautfarbe und dem Geschlecht auch die Gesellschaftsschicht zu betrachten. Inhaftierungen sind am häufigsten bei Jungen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen. So werden Jungen, deren Eltern im untersten Fünftel der Einkommensverteilung der Elternhaushalte leben, zehnmal häufiger inhaftiert als einkommensschwache Mädchen, aber 22-mal so häufig wie Jungen, deren Eltern im obersten Fünftel leben. Tatsächlich gibt es für das oberste Fünftel im Wesentlichen keine geschlechtsspezifische Diskrepanz, da die Inhaftierungsrate in jedem Fall gegen Null tendiert:

4. Der Heiratsgradient nach Klasse und nach Geschlecht

Es gibt ein Klassengefälle bei den Heiratsraten, wobei Kinder aus verschiedenen Schichten unterschiedliche Chancen haben, als Erwachsene verheiratet zu werden. Kinder aus einkommensschwachen Familien sind seltener verheiratet als Kinder, die in einkommensstarken Familien aufwachsen. Männliche Kinder aus einkommensschwachen Familien haben jedoch die geringste Wahrscheinlichkeit, im Alter von 32 Jahren verheiratet zu sein, auch im Vergleich zu Mädchen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen. So ist die Heiratsrate für Jungen, die in Familien im untersten Fünftel aufwachsen, bei 29 % liegt, verglichen mit 33 % für Mädchen, die im gleichen Fünftel aufwachsen.

Auch hier ist das Klassengefälle das große Thema, und in der Tat ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei den Heiratsraten bei verschiedenen Einkommensstufen im Hintergrund ähnlich. Aber auch hier gilt, dass die Gruppe mit den niedrigsten Raten die Jungen aus dem untersten Fünftel sind.

5. Jungen, die in Armut aufwachsen, entkommen seltener der Armut als Mädchen

Die Verringerung der Armut zwischen den Generationen ist ein wichtiges politisches Ziel, das einen Großteil unserer eigenen Arbeit hier im Center on Children and Families beflügelt hat. Die Frage, wer auf der Einkommensleiter auf- und absteigt, ist ein wichtiger Faktor für die Beurteilung der Fairness und Offenheit unserer Gesellschaft. (…) Männer, die im untersten Fünftel aufgewachsen sind (29%), haben eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, als Erwachsene in diesem Fünftel zu bleiben als Frauen (26%).

Die Schlüsselbotschaft all dieser Erkenntnisse ist eine doppelte. Erstens: Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern kann in beide Richtungen gehen. Es gibt viele Dimensionen, in denen Mädchen und Frauen nach wie vor hinter Jungen und Männern zurückbleiben (z.B. beim Einkommen), aber es gibt auch eine wachsende Zahl von Dimensionen, in denen das Gegenteil der Fall ist (z.B. Bildung). Zweitens variieren diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer Richtung je nach sozialer Schicht stark. Für diejenigen, die in wohlhabenden Elternhäusern aufwachsen, tendieren viele geschlechtsspezifische Unterschiede immer noch zu Gunsten von Jungen und Männern, obwohl sie natürlich abnehmen. Aber für diejenigen, die in Armut aufwachsen, besteht die Geschlechterungleichheit fast ausschließlich darin, dass Jungen und Männer schlechter abschneiden als Mädchen und Frauen.

Diese Benachteiligungen für Jungen und Männer haben lebenslange, möglicherweise generationenübergreifende Auswirkungen. Wie Chetty und seine Co-Autoren feststellen: "Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Erwachsenenalter haben ihre Wurzeln in der Kindheit, vielleicht weil die Benachteiligung in der Kindheit besonders schädlich für Jungen ist."

Die jüngste Ausweitung des Kinderfreibetrags wird die Armut von Frauen stärker reduzieren als die von Männern, da Frauen viel häufiger Kinder allein erziehen. Es wird auch erwartet, dass sie die Kinderarmutsrate um die Hälfte reduzieren wird. In Anbetracht des größeren Schadens, den die Armut bei Jungen anrichtet, könnte es sein, dass diese Politik besonders für sie von Vorteil ist und dazu beiträgt, die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei denjenigen zu verringern, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen.

Aber es gibt auch gute Argumente für politische Maßnahmen, die speziell darauf abzielen, den am stärksten benachteiligten Jungen, insbesondere schwarzen Jungen, zu helfen, nicht zuletzt im Bildungsbereich. Es ist auffällig, dass eine kürzlich durchgeführte Evaluierung von qualitativ hochwertiger Vorschulerziehung einen viel stärkeren positiven Effekt für Jungen als für Mädchen ergab. Jungen und Männer fallen auf jeder Stufe der Bildung weit hinter Mädchen und Frauen zurück, bis hin zur College-Einschreibung und zum College-Abschluss. Obwohl wir keine Hypothesen darüber aufstellen, warum arme Jungen schlechter abschneiden als arme Mädchen, legen Untersuchungen von Opportunity Insights nahe, dass Jungen empfindlicher auf das Aufwachsen in armen Vierteln und auf ihr familiäres Umfeld, einschließlich familiärer Instabilität, zu reagieren scheinen. In den kommenden Monaten werden wir uns der Frage zuwenden, warum Jungen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen, im Erwachsenenalter schlechter abschneiden als Mädchen, die in einkommensschwachen Familien aufwachsen.

Die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, über die man sich am meisten Sorgen machen muss, sind die Bereiche, in denen Frauen immer noch hinter den Männern zurückbleiben - in der Politik, bei der Karriereentwicklung während der Kindererziehungsjahre, bei den Managerpositionen in Unternehmen und so weiter. Aber die krassesten Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern am unteren Ende der ökonomischen Leiter sind die, bei denen Jungen und Männer jetzt die Zurückgebliebenen sind.




Ich persönlich würde mir ja eher Sorgen um die Benachteiligung von Menschen aus den unteren Schichten machen als darum, ob jemand in eine Managerposition aufrücken kann oder nicht, aber so gewichtet eben jeder unterschiedlich.



Samstag, Juni 19, 2021

CDU-Landesverbände schließen sich Kampf gegen Gendersprache an – News vom 19. Juni 2021

1. In verschiedenen Bundesländern hat sich die CDU der Positionierung der Hamburger CDU gegen die geschlechterseparierende Sprache angeschlossen – so etwa in Thüringen:

Der Landesvorsitzende der CDU Thüringen, Christian Hirte, nimmt besorgt die Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten Allensbach-Umfrage zur Kenntnis, wonach nur noch 45 Prozent der Deutschen glauben, man könne hierzulande seine Meinung frei äußern...

Große Vorbehalte gebe es insbesondere gegenüber dem verpflichtenden Gebrauch sogenannter Gendersprache: "Dieses Gendergeschwurbel, wie es in einigen Hochschulen, Medien und öffentlichen Einrichtungen propagiert wird, hat mit der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung nichts zu tun. Je mehr ihre Verfechter auf dieser künstlichen Sprache beharren, desto stärker werden sie sich von der großen Mehrheit der Bürger entfremden."

Denn Gendersprache sei weit mehr als nur ein Ärgernis, betont Hirte: "Ihr liegt ein Weltbild zugrunde, das die Gesellschaft nach Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und anderen Merkmalen in Gruppen einteilt. Diese Spaltung soll auch sprachlich immer und überall zum Ausdruck kommen. So einem Gesellschaftsbild treten wir als Union aktiv entgegen. Wir setzen uns dafür ein, dass Gendersprache nicht über die Köpfe der Bürger hinweg verordnet wird und niemand Nachteile erleidet, wenn er nicht gendert."


Klar positioniert man sich auch in Mecklenburg-Vorpommern:

Die CDU Mecklenburg-Vorpommerns will auf einem Parteitag am Freitag in Güstrow (Landkreis Rostock) ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl auf den Weg bringen. (…) Zudem hat sie sich gegen Gender-Sternchen in der deutschen Schriftsprache ausgesprochen. Dies sei kein sinnvoller Beitrag zur Förderung der Gleichberechtigung, argumentiert die Partei.


Etwas anders sieht es in Hessen aus:

Die hessische AfD hat im Landtag ein Verbot von Gendersprache eingebracht – und wurde von den übrigen Parteien abgewatscht. Auch die CDU stimmte dagegen. Allerdings war der Antrag fast wortgleich mit einem der Christdemokraten.




2. Die deutschen Innenminister möchten Gewalttaten dann stärker als Problem sichtbar machen, wenn die Opfer dieser Gewalt weiblich sind:

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen Gewalt gegen Frauen verstärkt bekämpfen. Diese Straftaten müssten "aus dem Dunkelfeld" herausgeholt werden, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thomas Strobl (CDU), im badischen Rust. "Scham ist keine Lösung. Sie hilft nur den Tätern, die dann ungeschoren davonkommen", erklärte der CDU-Politiker zum Abschluss des Treffens der Minister. Deswegen wolle man frauenfeindliche Straftaten in den Polizeistatistiken genauer erfassen.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) begrüßte diese Ankündigung. "Auch das Dunkelfeld – gerade bei Gewalt in Paarbeziehungen – muss deutlich stärker ausgeleuchtet werden." Mit genaueren Daten sei es möglich, Präventionsstrategien weiterzuentwickeln und für eine effektive Strafverfolgung zu sorgen.


Tatsächlich ist dieses Dunkelfeld bei männlichen Opfern weitaus größer.



Freitag, Juni 18, 2021

Neue Studie: Männer, die nicht im Haushalt helfen, haben ein höheres Einkommen – News vom 18. Juni 2021

1. Eine aktuelle Studie wirft einen Blick auf die Verteilung von Hausarbeit in einer Partnerschaft:

Es zahlt sich aus, egoistisch zu sein, zumindest für Ehemänner. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie, die gerade von Forschern der University of Notre Dame veröffentlicht wurde. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass "unsympathische" verheiratete Männer, die es vermeiden, im Haushalt mitzuhelfen, in der Regel ein höheres Einkommen haben als Ehemänner, die fleißig im Haushalt mithelfen.

Die Studie, die sich ausschließlich auf heterosexuelle Ehen konzentriert, zeigt, dass egoistische Ehemänner, die sich vor der Hausarbeit drücken, "mehr Ressourcen" haben, die sie für ihre Karriere einsetzen können. Folglich verdienen sie in der Regel auch mehr Geld.

Die Verwendung des Begriffs "unsympathisch" ist hier eine Anspielung auf "Verträglichkeit" - eine der "Big Five"-Dimensionen, die in der Psychologie zur Beschreibung der Persönlichkeit eines Menschen verwendet werden. Während jemand, der verträglich ist, normalerweise freundlich, großzügig und sympathisch ist, zeichnen sich unverträgliche Personen durch Egoismus und Konkurrenzdenken aus.

"In zwei Studien fanden wir Hinweise darauf, dass unverträgliche Männer im Vergleich zu ihren verträglichen männlichen Kollegen tendenziell mehr Geld verdienen, weil sie egoistischer und weniger hilfreich für ihre Frauen zu Hause sind, was ein größeres Engagement im Job und letztlich eine höhere Bezahlung ermöglicht", sagt die Hauptautorin Brittany Solomon, eine Management-Professorin am Mendoza College of Business von Notre Dame, in einer Universitätsmitteilung. "Dieser Effekt ist noch stärker bei unzufriedenen Männern mit traditionellerem Geschlechterrollenverhalten und wenn ihre Frauen sehr gewissenhaft sind, vermutlich weil in diesen Fällen ihre Frauen mehr Haushaltsmanagement übernehmen und die Aufgaben nahtloser ausführen."


Nicht im Haushalt zu helfen bringt einem Mann also Vor- und Nachteile: Der Nachteil: Er wird in solchen Studien als übler Egoist dargestellt. Der Vorteil: mehr Geld auf dem Konto. Die Wahl liegt jetzt bei jedem Mann selbst.

Davon abgesehen habe ich den Eindruck, dass hier Korrealtion und Kausalität mal wieder verwechsrlt wurden: Wenn ich im Beruf ständig Überstunden mache, um mir und meiner Partnerin ein angenehmes Leben zu finanzieren, kann ich mich natürlich nicht in derselben Zeit auch um den Haushalt kümmern. Warum ich dann von Wissenschaftlern als Egoist dargestellt werde, könnte ich nicht nachvollziehen.



2. Das Bundesforum Männer hat den DITIB-nahen Verein Sozialverband muslimischer Frauen aufgenommen. Lucas Schoppe kommentiert:

Wenn (…) das Bundesforum Männer einerseits eine Gruppe wie das Forum Soziale Inklusion öffentlich hart angreift, die für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen eintritt, und wenn es dann gleichzeitig eine Zusammenarbeit mit einer knallreaktionären Erdogan-Anstalt beginnt – dann kann es seinen Anspruch, für gleiche Rechte von Frauen und Männern zu stehen, vergessen.




3. Das Wirtschaftsmagazin Forbes beschäftigt sich mit dem Verschwinden von Männern in den Colleges der USA. (Der Rückgang der Zahlen von Männern an Hochschulen ist ein internationales Problem.)

Wenn sich die jüngsten Trends fortsetzen, werden wir bald einen Meilenstein erreichen: Auf zwei männliche Studenten kommen mehr als drei weibliche. Studentinnen werden es schwer haben, Dates mit Jungs zu bekommen!!! Ironischerweise war das Gegenteil ein halbes Jahrhundert zuvor der Fall; fast 60 % der Schüler im Schuljahr 1969-70 waren männlich. Damals war die brennende Frage: Sollten Eliteschulen der Ivy League weibliche Studenten aufnehmen! Sie taten es, und die Zahl der reinen Männerschulen geht gegen Null.

(...) Junge Männer haben zunehmend das Gefühl, dass die Colleges sie nicht wollen. Professoren und Studentenaktivisten schimpfen über das "weiße männliche Privileg". Colleges versuchen, prominente tote weiße männliche Alumni buchstäblich vom Campus zu werfen, ihre Namen von Gebäuden zu entfernen oder sogar Statuten zu beseitigen. Eine Gruppe an der Washington and Lee versuchte (erfolglos), sogar den Namen eines weißen Mannes (Lee) aus dem Namen der Universität zu entfernen.

Bei all dem wird angenommen: Unsere männlichen Vorfahren, besonders die weißen, haben viele böse Dinge getan, die die heutige, moralisch aufrechtere und sensiblere Generation korrigieren muss. Unsere weitgehend männlich dominierte Vergangenheit ist keine gute. Die Diversity- und Inklusionsbürokratie auf dem Campus beschäftigt sich vor allem mit "Rassenfragen", gibt sich aber auch alle Mühe, Frauen zu fördern. Männer werden von angehenden College-Administratoren zunehmend als notwendiges Übel betrachtet, als Cash Cows, die helfen, die Rechnungen zu bezahlen. Infolgedessen sagen sich einige junge Männer vielleicht: "Zum Teufel damit, ich werde einen guten Job auf dem Bau, als Computerprogrammierer oder als medizinischer Techniker mit einer begrenzten nicht-universitären Berufsausbildung bekommen und so die implizite Ächtung auf dem Campus vermeiden, während ich gleichzeitig einer Tonne von Studentenschulden entkomme." Ich habe keine umfassenden geschlechtsspezifischen Aufschlüsselungen der Einschreibungen in Kodierakademien oder Schweißerschulen gesehen, aber ein Verwandter von mir, der kürzlich seinen Abschluss in der LKW-Fahrschule gemacht hat, war in einer Klasse, die zu 81% männlich war. Ich wette, das ist ziemlich typisch. Ich vermute, dass die Berufsschulen die Erbsenzählerei der Studenten nach Hautfarbe und Geschlecht weniger ernst nehmen als die Universitäten, die versuchen, ihre Weltoffenheit und ihr politisch korrektes Engagement für die Beseitigung von Ethnien- und Geschlechterbarrieren zu zeigen.

Es gibt vielleicht noch andere gute Gründe für den Anstieg der weiblichen Immatrikulationen im Vergleich zu den männlichen. Mädchen schneiden zum Beispiel im Durchschnitt besser in der Schule ab und sind daher vielleicht besser auf das College vorbereitet. Ich vermute auch, dass solche traurigen modernen Trends wie der Rückgang von Zwei-Eltern-Familien eher zu Dysfunktionalitäten bei männlichen Teenagern als bei Mädchen geführt haben. Es werden zum Beispiel weniger junge Frauen zu Drogendealern als Männer.

Wäre ich ein College-Präsident an einer Schule, die um Studenten kämpft, würde ich die Anmeldetrends nach Geschlecht untersuchen und, wenn die Zahl der Männer stärker zurückgegangen ist als die der Frauen, fragen: Was tun wir, um Männer von unserer Schule abzuhalten? Sollte "Vielfalt und Inklusion" eine zahlenmäßige Gleichstellung von Männern und Frauen bedeuten? Sollten wir mehr Bilder von glücklichen männlichen Studenten in unsere Broschüren und der Internetwerbung zeigen?




Donnerstag, Juni 17, 2021

Meinungsfreiheit: Hälfte der Bevölkerung fühlt sich gegängelt – News vom 17. Juni 2021

1. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine berichtet der Kommunikationswissenschaftler und Meinungsforscher Dr. Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie Allensbach über die ergebnisse einer aktuellen Umfrage seines Instituts:

Heute klagen auffallend viele Bürger über eine starke soziale Kontrolle, haben den Eindruck, dass versucht werde, ihnen bis ins Detail vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten, und viele haben das Gefühl, sich nicht dagegen wehren zu können. (…) Der Druck geht nicht von der Mehrheit, sondern von einer Minderheit aus.


Einige wesentliche Erkenntnisse der Umfrage:

* Seit dem Jahr 1953 fragt Allensbach die Bürger: "Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?" Während noch niemals eine Mehrheit den Eindruck bekundete, die Meinungsfreiheit sei hierzulande eingeschränkt, ist diese Zahl seit Jahren rückläufig. Während bis ins vergangene Jahrzehnt die Bürger fanden, ihre Meinung frei äußern zu können, hat sich das inzwischen "dramatisch verändert": Aktuell sind nur noch 45 Prozent der Auffassung, sie könnten freiheraus sagen, was sie denken.

* Mit Abstand am wenigsten Druck, ihre Meinung zurückhalten zu müssen, empfanden Anhänger der Grünen. (Hier liegt die Vermutung nahe, dass von diesem Lager ja auch der Druck ausgeht.)

* "Dramatisch zugenommen" habe auch die Zahl der Themenfelder, bei denen man sich durch unbotmäßige Äußerungen leicht den Mund verbrennen könne.

* Beim Thema Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen ist ein Anstieg von drei auf 19 Prozent zu verzeichnen.

* Gut veranschaulichen lässt sich das am Beispiel des Gender-Deutsch. Nur 19 Prozent der Befragten hielten es für wichtig, neben der männlichen auch immer die weibliche Form zu benutzen. 71 Prozent hielten das für übertrieben, Frauen zu 65 Prozent. Ebenfalls 65 Prozent sind es bei den Unter-30-Jährigen. Am größten war die Begeisterung für die Gendersprache noch bei den Grünen: Aber auch hier waren lediglich 25 Prozent dafür und 65 Prozent dagegen.

Der Artikel schließt mit folgender Passage:

Eine interessante Frage ist, wie die Diskrepanz zwischen den Sprach- und Verhaltensnormen der Bürger und der Wahrnehmung dessen zustande kommt, was gesellschaftlich geduldet wird und was nicht. Wer (…) es sich erspart, im privaten Gespräch "Gendersternchen" mitzusprechen, wird kaum jemals auf den Unmut seiner Mitmenschen stoßen. Woher kommt also der Eindruck, man dürfe dies nicht tun? Dies ist nur erklärbar, wenn man die Rolle der Massenmedien in diesem Prozess mitberücksichtigt. Ohne sie könnte ein solcher öffentlicher Druck gegen die Einstellungen der Mehrheit nicht aufgebaut werden. Es spricht einiges dafür, dass sich die intellektuellen Diskussionen um solche Themen – einschließlich der Diskussionen in maßgeblichen Massenmedien – teilweise von der Lebenswirklichkeit der Bürger entkoppelt haben.

Dies aber bedeutet für die Gesellschaft Konfliktpotential. Für die beteiligten Medien ist es problematisch, weil Zuspruch und Glaubwürdigkeit in Gefahr sind. Und auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich sprachlich gängeln zu lassen, ist nicht grenzenlos. Es mag ein gewisses Maß an Selbsttäuschung dahinterstecken, dennoch ist es bemerkenswert, dass 55 Prozent der Befragten der Aussage zustimmten: "Ich weigere mich mit Absicht, meine Ausdrucksweise anzupassen und mich politisch korrekt auszudrücken, weil es mich nervt, wenn andere versuchen, mir ihre Sprachregelungen aufzudrängen." Nur 19 Prozent stimmten der Aussage ausdrücklich nicht zu. Und auch hier zieht sich diese Haltung durch das gesamte gesellschaftspolitische Spektrum. Lediglich die Grünen-Anhänger zeigten sich in dieser Frage gespalten. Wer aber versucht, Regeln zu setzen, denen zu folgen sich die Mehrheit weigert, ist am Ende machtlos.


Diese Machtlosigkeit dürfte erklären, dass überzeugte Vertreter der Gendersprache immer wieder erklären, man müsse das einfach durchziehen, die Nörgler würden das irgendwann einfach akzeptieren. Entsprechende Wortmeldungen habe ich hier ja immer wieder mal verlinkt.

Der Journalist Marc Felix Serrao, der für die Neue Zürcher Zeitung arbeitet, kommentiert:

Jeder zweite Deutsche sorgt sich um die Meinungsfreiheit. So viele waren es noch nie – seit Beginn der statistischen Erhebungen 1953. Der zunehmende Eifer, auch von vielen Journalisten, Andersdenkende mit rufschädigenden Etiketten auszugrenzen, dürfte ein Hauptgrund sein.


Das stimmt zweifellos. Hier sollte sich gerade die Frankfurter Allgemeine an die eigene Nase greifen.



2. Ein Vater mit Depressionen berichtet, wie es ihm damit geht.



3. Die Tagespost sieht in dem Wort "Femizid" einen feministischen Kampfbegriff und erörtert, warum er problematisch ist.



Mittwoch, Juni 16, 2021

Apple gendert, FOCUS flippt aus vor Begeisterung – News vom 16. Juni 2021

1. "Apple zeigt es allen Kritiker:innen und macht Gendern zur normalsten Sache der Welt" berichtet aktuell der FOCUS. Wie der Titel des Beitrags bereits zeigt, bekommt sich sein Verfasser gar nicht mehr ein vor Begeisterung darüber, dass Apple die geschlechterseparierende Sprache übernimmt, die von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

Die Beta zeigt, dass es Apple ernst meint. Keine öffentlichen Diskussionen, dafür aber konkretes Handeln. Ein schöner Gruß in Richtung aller Kritiker:innen der Gendersprache. Es ist nicht das erste Mal, dass Apple vorneweg marschiert und der Konkurrenz zuvorkommt. Vor einigen Jahren war es schon das Unternehmen aus Cupertino, das verschiedenfarbige Emojis eingeführt hat.

Der Aufruhr damals war groß. Während die eine Seite groß Kritik übte und erklärte, sowas bringe doch nichts für Gleichberechtigung und Akzeptanz, freuten sich Milliarden Menschen weltweit darüber, endlich repräsentiert und gesehen zu werden. (…) Es ist normal. Ebenso normal, wie in naher Zukunft das Gendern im Deutschen sein wird. (…) Heute schreibt jeder "dass" mit zwei "s", ohne sich auch nur einen Gedanken darüber zu machen, warum es nicht mit "ß" geschrieben wird. (…) Wenn wir als Gesellschaft wollen, dass sich alle wohlfühlen, müssen wir auch handeln – die vielen Diskussionen sind langfristig doch meist Zeitverschwendung. (…) Wenn es das amerikanische Unternehmen Apple schafft, zu gendern, dann schaffen wir es im deutschsprachigen Raum wohl auch. (…) Unvorstellbar, wie es wäre, sprächen wir alle noch die gleiche Sprache wie unsere Urururgroßeltern. Ich finde es gut, was Apple macht. Ein klares Zeichen zu Weltoffenheit und Akzeptanz, ohne großes Plem-Plem.


Dementsprechend heißt es in einer fettgedruckten Zwischenüberschrift ergriffen: "Danke Apple!"

Ich kann nicht beurteilen, ob es sich bei dem Artikel um provokatives Clickbaiting handelt, um bezahlte Reklame oder eine neue Form religiöser Verzückung. Ein Leser, der mich auf diese Ideologisierung bei Apple hinwies, schreibt mir dazu: "Ich fürchte, mein aktuelles iPhone wird mein letztes gewesen sein ..."



2. Hamburgs CDU sagt Nein zum Gendern:

Bei einem virtuellen Landesparteitag stimmten die Delegierten am Dienstagabend mit großer Mehrheit für die Vorlage des Landesvorstandes, der das Gendern ablehnt. "Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird", heißt es darin.


Die Entscheidung erscheint überfällig: "Hamburgs Verwaltung lässt den Gender-Stern erstrahlen" titelt die "Welt":

Dafür, dass Hamburg schon seit sechs Jahren von SPD und Grünen regiert wird, kommt dieser Leitfaden beinahe überraschend spät – aber am Dienstag war es nun so weit. Die beiden Parteien, die den Hamburger Senat tragen, beschlossen einen Gender-Leitfaden, der insbesondere in der Hamburger Verwaltung Anwendung finden soll. (…) Zudem wird darauf verwiesen, dass mehr als 70 Landkreise und kreisfreie Städte – wie beispielsweise Köln, München, Frankfurt, Bremen, Stuttgart, Hannover, Lübeck oder Kiel – bereits seit mehreren Jahren gendersensible Formulierungen verwenden würden.




3. Eine gute Nachricht:

Baden-Württemberg beteiligt sich jetzt auch beim Hilfetelefon für Männer, die von Gewalt betroffen sind. Bisher wurde die Hotline von Augsburg in Bayern und Bielefeld in Nordrhein-Westfalen betrieben. Jetzt kommen auch Anlaufstellen in Stuttgart und Tübingen dazu. Nach den bisherigen Erfahrungswerten rufen den Angaben zufolge pro Tag im Schnitt sechs bis neun Männer an, Tendenz steigend. Die meisten Anrufer waren demnach zwischen 31 und 50 Jahren alt - der überwiegende Teil litt unter psychischer Gewalt, körperlichen oder sexualisierten Übergriffen, häufig von aktuellen oder ehemaligen Partnerinnen. Das Hilfetelefon bietet Beratung per Telefon, E-Mail oder Chat. Im ersten Jahr des Bestehens wurden mehr als 1.800 Hilfesuchende beraten. Das Projekt wird durch das Ministerium für Soziales und Integration mit Landesmitteln unterstützt.




4. Anja Reschke, Moderatorin des ARD-Magazins "Panorma" trifft auf einen kritischen Zuschauer und zeigt sich komplett überfordert von dieser Begegnung: Der Youtube-Kanal "Massengeschmack TV" zeigt und kommentiert die Szene hier ab Minute 27.



5. "Der Rat des Weißen Hauses zur Geschlechterpolitik lässt Jungen und Männer im Stich" berichtet das populärwissenschaftliche Magazin "Psychology Today":

Wie viele westliche Nationen hat auch die Regierung der Vereinigten Staaten viele Untersuchungen, Strategien, Räte, Ämter und Büros implementiert, die sich auf das Wohlergehen von Frauen und Mädchen konzentrieren. So schuf die Clinton-Regierung ein Office of Women's Initiatives and Outreach (Büro für Fraueninitiativen und Öffentlichkeitsarbeit), während die Obama-Regierung den White House Council on Women and Girls (Rat für Frauen und Mädchen) ins Leben rief.

Solche Initiativen sind zu begrüßen, da sie ein Schlaglicht auf Probleme werfen können, von denen Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen sind. Dazu kann auch die Diskussion von Fragen der psychischen Gesundheit gehören, da Untersuchungen zeigen, dass Frauen häufiger unter Angstzuständen, Depressionen und Essstörungen leiden.

Solche Räte und Büros können die zugrundeliegenden Ursachen untersuchen und gleichzeitig mögliche Lösungen und Minderungsstrategien aufzeigen.

Verschiedene Wissenschaftler und Befürworter der psychischen Gesundheit haben festgestellt, dass es keine analogen Räte, Ämter oder Büros gibt, die sich mit Fragen des Wohlbefindens von Männern und Jungen befassen. Dies ist besorgniserregend, da Forschungsergebnisse zeigen, dass Männer erhöhte Raten verschiedener psychischer Gesundheitsprobleme aufweisen, einschließlich hoher Raten von Selbstmord, Drogenmissbrauch und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass verschiedene andere negative Auswirkungen Männer und Jungen unverhältnismäßig stark betreffen. Zum Beispiel brechen Männer viel häufiger die High School ab und erleben "Misserfolge beim Start". Es gibt auch erhöhte Raten von Einsamkeit unter jungen Männern, sowie hohe Raten von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Inhaftierung unter Männern ohne postsekundäre Bildung.

Diese Themen werden nur selten von Gesetzgebern, Bürokraten oder Akademikern diskutiert, was bedeutet, dass sie typischerweise unter dem Radar der Gesellschaft vorankommen, ohne dass die breite Öffentlichkeit es merkt.


Diese Themen werden vor allem von Männerrechtlern diskutiert, was bedeutet, dass diese Aktivisten verfemt und stigmatisiert werden müssen, damit diese Themen unter dme Radar der Gesellschaft bleiben und eine breite Öffentlichkeit nichts davon mitbekommt.

Ein Wechsel des Präsidenten ist immer ein Zeichen für neue Hoffnung auf politische Veränderungen. Daher begrüßten viele, denen psychische Gesundheit ein Anliegen ist, die jüngste Ankündigung, dass der neue Präsident per Durchführungsverordnung einen "Rat für Genderpolitik im Weißen Haus" geschaffen hat. Die Verwendung des Oberbegriffs "Gender" implizierte, dass sich der Rat sowohl mit Fragen befassen würde, die Männer betreffen, als auch mit solchen, die Frauen betreffen, was einen bedeutenden Fortschritt gegenüber früheren Bemühungen darstellen würde, die sich ausschließlich auf Frauen und Mädchen konzentrierten.

Ein genauerer Blick auf die Durchführungsverordnung zeigt jedoch, dass dieser neue "Gender Policy Council" einen ausschließlichen Fokus auf Frauen und Mädchen beibehält. So heißt es in der Anordnung, dass der Rat die Aufgabe hat, "eine regierungsweite Strategie zu entwickeln, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben ... bei der Entwicklung der Strategie soll der Rat die besonderen Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen berücksichtigen."

Bemerkenswert ist, dass in der 2.000 Wörter umfassenden Durchführungsverordnung regelmäßig von "Frauen" und "Mädchen" die Rede ist, aber "Männer" oder "Jungen" nirgends erwähnt werden. Traurigerweise versäumt es die Durchführungsverordnung, die vielen Probleme anzuerkennen, denen Männer und Jungen unverhältnismäßig stark ausgesetzt sind, geschweige denn, Wege vorzuschlagen, um sie anzugehen. Wie so oft ist der Name des Rates irreführend und spiegelt nicht die Kernaktivitäten des Rates wider.

Die Hoffnung, dass dieser neu geschaffene Rat für Geschlechterpolitik sich mit Themen befassen würde, die Männer und Jungen betreffen, verblasste schnell nach der Veröffentlichung der Durchführungsverordnung. Dennoch gab es zahlreiche Forderungen, den Aufgabenbereich dieses Rates zu erweitern, damit er sich gleichermaßen um die Belange von Männern und Jungen kümmert. Diese Forderungen müssen ernst genommen werden.

Wenn eine solche Erweiterung nicht machbar ist, dann wäre ein alternativer Ansatz die Schaffung eines analogen Rates, der sich auf das Wohlergehen von Männern und Jungen konzentriert. Dies könnte eine kritische Prüfung von Politiken und Programmen in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und Gesundheitsfürsorge beinhalten.

In der Tat muss das Erkennen und Angehen der Probleme, mit denen eine alarmierende Anzahl von Männern und Jungen konfrontiert ist, ein wesentlicher Bestandteil der nationalen öffentlichen Politik sein. Andernfalls laufen immer mehr unserer Söhne, Väter, Brüder, Ehemänner, Kollegen und Freunde Gefahr, sich zu entfremden und von der Gesellschaft zu isolieren, was zu vergeudetem Potenzial, zerstörten Familien und ruinierten Leben führt.

Hören Sie zu, Mr. President?




Dienstag, Juni 15, 2021

Tamara Wernli: "Wie Männer im Alltag DISKRIMINIERT werden: Die 20 heftigsten Benachteiligungen" – News vom 15. Juni 2021

1. In einem neuen Youtube-Video berichtet die Schweizer Publizistin Tamara Wernli über die größten Benachteiligungen für Männer und kündigt in der Einleitung zu diesem Beitrag an: "Einige Diskriminierungen dürften die männlichen Zuschauer hier überraschen." (Kommt drauf an, wie sehr man im Thema drin steckt.) In dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, wurde das Video mit über 3000 Likes und 18 Dislikes bewertet: Deutlicher kann sich kaum zeigen, wie sehr die Leitmedien am Interesse der Bevölkerung vorbei schreiben und senden.



2. Auf der Internet-Nachrichten-Plattform "Mads" berichtet Nina Hoffmann über die Youtube-Influencerin Sashka, ihre aufgeklärte Haltung in der Geschlechterdebatte und die ablehnenden Reaktionen, die sie darauf von einigen Leuten erhält:

"Hier in Deutschland oder sonst irgendwo gibt es kein Patriarchat und keine patriarchalen Strukturen", sagt die Youtuberin in ihrem Video "Toxische Body Positivity". Patriarchat meint eine Gesellschaft, in der vor allem die Männer herrschen und Frauen unterdrücken. Ihre Begründung: Bei Männern gebe es eine höhere Suizidrate und große Nachteile im Sorgerecht. Männer als Nutznießer des Systems? Sicher nicht, findet die Studentin und löste damit vor rund vier Wochen die Diskussion auf ihrem Kanal aus.


Dass Nina Hoffmann vor alem den ablehnenden Reaktionen auf Sashkas Positionen viel Raum gibt, könnte vermuten lassen, dass die "Mads"-Autorin diese Ablehnung teilt. Tatsächlich ist unter Sashkas aktuellem Video die Zahl der Likes sehr viel höher als die Zahl der Dislikes. (Bei ihren beiden Vorgänger-Videos zu diesem Thema war es nicht anders.) Zustimmende Reaktionen auf Sashkas Videos werden von Nina Hoffmann allerdings nicht zitiert.



3. Ebenfalls um die Benachteiligung von Männern in unserer Gesellschaft geht es in einem aktuellen Beitrag des Blogs Asemann, der mir so gut gefällt, dass ich ihn hier gerne ausführlich zitiere, um so die Gesamt-Argumentation deutlich zu machen. Ich hoffe, dass das für "Asemann" okay geht. (Falls nicht, genügt ein Hinweis per Mail.)

Feministinnen verdächtigen Männerrechtler wegen ihrer Forderungen häufig, frauenfeindlich zu sein. Oft wird als eines der ersten Argumente dann aufgeführt, es sei frauenfeindlich, dass die Männerrechtler die tatsächlichen Benachteiligungen von Frauen ignorierten, indem sie sich nicht auch für die Beseitigung von Benachteiligungen von Frauen einsetzten.

Feministinnen glauben, dass der Feminismus sowohl für Frauen- als auch Männerrechte kämpfe, und darum eine Männerrechtsbewegung unnötig sei. Tatsächlich aber zeigt die Existenz der Männerrechtsbewegung, dass diese Innensicht von vielen Männern nicht geteilt wird, und der Vorwurf, sich nicht auch um das andere Geschlecht zu kümmern, ein wechselseitiger Vorwurf ist.

Forderungen von Männerrechtlern werden als frauenfeindlich deligitimiert, nur weil diese Forderungen eben Forderungen für Männer sind, und nicht immer auch irgendeine "ausgleichende" Forderung für Frauen beinhalten.

Beschweren sich allerdings Männer über feministische Forderungen, die die Situation nur für Frauen verbessern sollen, wird dies als böswillige Ablenkung von einem wichtigen Punkt interpretiert bzw. geframed ("Whataboutism").

Ein Beispiel: Wenn Männerrechtler Schutzwohnungen für Männer fordern, empören sich Feministinnen, wie Männer soetwas fordern könnten, solange noch immer mehrheitlich Frauen Opfer häuslicher Gewalt seien. Umgekehrt aber gilt eine Forderung nach mehr Schutzwohnungen für Frauen als vollkommen okay, und niemand findet es angebracht zu fragen, warum es faktisch keine Finanzierung für Schutzwohnungen für die mindestens 20% männlichen Opfer häuslicher Gewalt gibt.

Tatsächlich glaube ich, Feministinnen sollten in sich gehen und sich fragen, warum es neben ihrer angeblichen Gleichberechtigungsbewegung überhaupt eine Männerrechtsbewegung gibt. Man kann diese Tatsache doch nicht anders interpretieren als als Zeichen, dass der Feminismus seinen Anspruch, für Gleichberechtigung einzutreten, nur so unvollkommen erfüllt, dass immer mehr Männer die Notwendigkeit sehen, eine eigene, unabhängige Bewegung für ihre Rechte zu unterstützen.

Warum ist es für Feministinnen überhaupt ein Problem, dass es eine Männerrechtsbewegung gibt? Wie könnte es überhaupt illegitim sein, dass eine Männerrechtsbewegung nicht nur existiert, sondern auch vor allem Dinge für Männer fordert?

Niemand würde verlangen, dass eine Bewegung für die Rechte der Inuit sich auch für Schwarze einsetzt, oder dass die Umweltbewegung auch an die Wirtschaft denkt. Ist die Ablehung der Männerrechtsbewegung einfach nur Folge der narzisstischen Kränkung, dass viele Männer mit dem aktuellen Feminismus nichts anfangen können? Müsste der Feminismus nicht auf die Männerrechtsbewegung zugehen und versuchen sie zu integrieren, ginge es ihm wirklich um Gleichberechtigung und angemessene Vertretung der Rechte von Frauen und Männern?

Ausgehend von diesen Überlegungen glaube ich, dass Männer in Deutschland tatsächlich insofern benachteiligt sind, als dass Männerrechtler häufig als frauenfeindlich und möglicherweise rechtsextrem diskreditiert werden.

Hier besteht ein deutliches Ungleichgewicht bei der Beurteilung von Frauen- und Männerrechtlern, was ein Ungleichgewicht in der Repräsentation und Kampagnenfähigkeit nach sich zieht. Ein Ungleichgewicht, das nur in Bezug auf Männer einfach hingenommen wird, während bei anderen Gruppen stets auf eine angemessene Sichtbarkeit, Parität etc. gepocht wird.




4. Die Bildzeitung berichtet über befremdliche Entwicklungen im Auswärtigen Amt unter Heiko Maas (SPD):

Das Mitarbeitermagazin des Auswärtigen Amtes (AA) "InternAA" forderte seine Mitarbeiter in der aktuellen Juni-Ausgabe auf, "woke" zu werden!

Das heißt: Die Mitarbeiter sollen sich einer Bewegung anschließen, die vor allem in den USA für ihre umstrittenen Methoden bekannt ist. So stören besonders "woke" Aktivisten Veranstaltungen, wenn ihnen die Redner nicht passen, beschimpfen Weiße als Rassisten oder organisieren Uni-Tage, an denen Weiße zu Hause bleiben sollen.

Jetzt ist diese Ideologie auch im Auswärtigen Amt angekommen.

Wenn zu viele „weiße Männer“ in dem Amt arbeiteten, dann entspreche das einem "pale & male"-Phänomen ("blass & männlich"), das man nur mit Quoten und einer "woken" Geisteshaltung bekämpfen könne, liest man in der Zeitschrift.


Konkret kündige das Auswärtige Amt an, "Menschen mit Migrationshintergrund, Ostdeutsche und Frauen" beim Auswahlverfahren so lange zu bevorzugen, bis "der Anteil dieser Menschen in allen Laufbahnen auf dem gleichen Niveau liegt wie in der deutschen Gesellschaft". Der Anteil solcher Gruppen unter den Bewerbern auf eine Stelle spielt offenkundig keine Rolle, was nur bedeuten kann: Wenn sich auf zwei freie Positionen zwanzig Männer und zwei Frauen bewerben, hat eine weibliche Bewerberin eine Chance von fünfzig und ein männlicher Bewerber eine Chance von fünf Prozent, hier zu landen. (Wenn für das Auswärtige Amt bislang überweigende Männer arbeiten, sind die Erfolgsaussichten für eine Bewerberin noch größer, denn es soll ja ein "Ausgleich" hergestellt werden.)

Die Bildzeitung fasst korrekt zusammen: "Im AA sollen Mitarbeiter für ihre Hautfarbe, (Ost-)Herkunft und Geschlecht bevorzugt oder benachteiligt werden!"



5. In der "Zeit" stellt die Feministin Jana Hensel die in wenigen Tagen erscheinende Autobiographie der Feministin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vor. Der Beitrag enthält auch eine geschlechterpolitisch interessante Passage:

Über ihren Vater allerdings erfährt man überraschenderweise nicht mehr, als dass er seiner Tochter beigebracht hat, wie man einen Autoreifen wechselt. Baerbock erzählt auf den wenigen Buchseiten allein über die matriarchale Seite der Familie.


Ich finde das gar nicht so überraschend, sondern absolut nachvollziehbar, dass Baerbock von einer matriarchalen Familie in eine andere gewechselt ist.



Montag, Juni 14, 2021

CSU warnt CDU vor Genderdebatte – News vom 14. Juni 2021

1. Die CDU Hamburg will ihr Nein zur Gendersprache in staatlichen Institutionen auf einem Landesparteitag formell absegnen lassen.

"Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird", heißt es in einem Antrag des Landesvorstands für die Online-Veranstaltung am Dienstag (18.30 Uhr). Auch dürfe es keine Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen geben, die keine gendergerechte Sprache verwenden möchten.

Sprache als eines der wichtigsten Ausdrucksmittel präge die Kultur, heißt es in dem Antrag. "Eine Überfrachtung der Menschen mit der Einführung neuer Sprachregeln im Kontext gesellschaftspolitisch geforderter Neujustierungen verunsichert Menschen und führt damit auch immer zu kulturellen Konflikten." Sprache sollte jedoch zusammenführen und nicht ausschließen, ist die CDU überzeugt.




2. Diese Entwicklung bei den Christdemokraten führt zu folgender Reaktion von der CSU:

CSU-Generalsekretär Markus Blume warnt die Schwesterpartei CDU vor einer Genderdebatte. "Ein Wahlkampf kann und darf sich in einer Genderdebatte nicht erschöpfen. Klar ist, dass wir für Frauen in unserer Gesellschaft noch mehr tun müssen", sagte Blume der "Welt am Sonntag".

Zwar treffe der Ärger über die "Auswüchse der Genderideologie" ein Grundgefühl in der Bevölkerung, aber "über Identität zu theoretisieren, führt nur zur Spaltung, von der zwei Parteien profitieren: die kosmopolitisch-elitären Grünen, die jeden Tag von Weltgerechtigkeit träumen; und die nationalistische AfD, die sich von allem und jedem am liebsten mit einer Mauer abschotten würde". Beides sei grundfalsch. "Identitätsthemen muss man lösen, nicht monatelang darüber debattieren."


Der Journalist Robin Alexander berichet in Kapitel 3 seines gerade erschienenen Buchs Machtverfall, dass die CSU vor ein paar Jahren erschrocken darüber war, wie sehr die Partei vor allem weibliche Wähler verloren hatte. Die Gegenreaktion bestand in einer betont frauenfreundlichen Politik und Söders Selbstinszenierung während der Corona-Krise als streng, aber fürsorgend zu großer Vorsicht mahnende Vaterfigur. Die Strategie war erfolgreich, und die CSU legte bei Wählerinnen stark zu. Ich vermute, dass Statements wie "dass wir für Frauen noch mehr tun müssen" diese Strategie ebenfalls bedienen sollen.



3. Währenddessen verbreitet der ehemalige Gender-Studies-Professor Lann Hornscheidt über die "Tagesthemen" die Forderung, man solle sprachlich zukünftig mit "ens" gendern: Die Endung "ens", der Mittelteil von "Mensch", könnte für alle stehen, wenn man anstatt "Ein Käufer und sein Einkaufskorb", lieber "ens Käufens und ens Einkaufskorb" sagt. Die sei eine "neue Form" des Sprechens, die "die Gesellschaft zusammenführt".

Im Moment mag sich das noch bizarr anhören. Aber sobald Anne Will einmal damit anfängt, werden das viele Kollegens übernehmen, und wen das stört, wird zu hören bekommen, Sprache ändere sich nun mal, man spreche schließlich auch kein Althochdeutsch mehr.



4. Nur 36 Prozent der Grünen stimmten für den Antrag, in ihr Wahlprogramm die Forderung aufzunehmen, dass man Allein- und Getrennterziehenden den Rücken stärken solle, berichtet der Journalist Oliver Hinz auf Twitter. Der Pädagoge Johannes Schölch-Mundorf fügt unter dem Tweet hinzu: "Mein Antrag auf paritätische Erziehung durch beide Eltern nach Trennung/Scheidung erreichte das notwendige Quorum, wurde aber da 'zu konkret' von Vorstand nicht angenommen."



5. In einem Beitrag für das Magazin CICERO erörtert Professor Bernd Stegemann, welche rhetorische Strategie Carolin Emncke fährt, wenn sie auf dem Parteitag der Grünen Feministinnen, Klimaforscher und Virologen mit verfolgten Juden vergleicht. Ein Auszug:

Die Schlechten haben nicht nur eine andere Meinung als die Guten, sondern sie sind auch gefährlich. Der logische Kurzschluss, der dieser Drohkulisse zugrunde liegt, besteht in einem atemberaubenden Zirkel: Wer die Guten kritisiert, muss schlecht sein. Und wer schlecht ist, der ist eine Bedrohung für die Guten. Darum haben die Kritiker der Guten nicht einfach eine andere Meinung, sondern sie sind aufgrund ihrer abweichenden Meinung gefährliche Menschen. Und davor müssen die Guten Angst haben.

Mit dieser Argumentation erringen Carolin Emcke, die Guten und die Grünen seit einigen Jahren immer mehr politische Macht. Das Erfolgsgeheimnis besteht darin, dass sie selbst als gefährdete Opfer erscheinen und zugleich die Diskursmacht besitzen. Damit folgen sie der alten politischen Wahrheit, dass derjenige, der herrschen will, dieses am besten im Gewand des Dieners tut.

Die gegenwärtig erfolgreichste Variante des Dieners ist die Opferrolle, die mit der realen gesellschaftlichen Machtverteilung nichts zu tun haben muss. Denn wer würde ernsthaft glauben, dass eine bekannte Autorin oder eine Parteivorsitzende der Grünen das schwere Schicksal eines Opfers in dieser Gesellschaft erdulden müssen? Der Trick besteht also darin, dass man es auch ohne ausreichenden Grund schafft, in die Opferrolle zu schlüpfen.

Wie dieser Trick funktioniert, hat Carolin Emcke auf dem Parteitag der Grünen in seltener Offenheit klargemacht. Ihre prophetischen Worte über den kommenden Wahlkampf lauteten: "Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feminist:innen und die Virolog:innen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher:innen."

Der offensichtliche Skandal dieser Aufzählung liegt darin, dass hier eine direkte Verbindung vom Antisemitismus zu jeder Art von Elitenkritik gezogen wird. So wird der Unterschied eingeebnet, der zwischen dem mörderischen Antisemitismus und einer Kritik an Feministen, Virologen und Klimaforschern beiderlei Geschlechts liegt. (…) Was will sie damit erreichen?

Die Antwort ist interessant, da sie ins Herz der Grünen Partei und ihrer linksidentitären Ideologie trifft. Deren Prämisse lautet, dass man selbst zu den Guten und damit zu den Opfern gehört. In ihrer radikalsten Ausprägung identifizieren sich die heutigen Opfer so sehr mit den Opfern des Antisemitismus, dass sie sich selbst in der gleichen gesellschaftlichen Position wähnen. Jana aus Kassel identifizierte sich mit einer Widerstandskämpferin, das ist verboten. Die Guten von heute identifizieren sich mit den Opfern der Nazis, das sollte allen eine Mahnung sein.

(…) Indem [Carolin Emcke] Moraleliten und Funktionseliten miteinander vermischt, wird der Begriff so unscharf, dass man damit nun alle meinen kann, die "irgendwie über den Menschen" stehen und dafür angegriffen werden. Dadurch gelingt ihr das Kunststück, dass alle, die zu der von ihr definierten Elite gehören, verteidigt werden müssen gegen eine ebenso große Bedrohung, wie es der Antisemitismus für die Juden ist. Damit hat sie sich selbst und ihrem politischen Milieu den ultimativen Opferstatus zugesprochen. Und je mehr dieser Opferstatus geglaubt wird, desto mehr entsteht eine politische Öffentlichkeit, in der Kritik am Feminismus oder an der Klimaforschung ebenso mörderisch wirkt wie Antisemitismus. Ist eine solche gefühlte Gleichsetzung einmal durchgesetzt, sind die Grünen unkritisierbar.




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