Freitag, März 22, 2019

Terroristen, Akademiker, Feuerwehrmänner, Präsidentschaftskandidaten – News vom 22. März 2019

1. Endlich schreibt die Süddeutsche Zeitung zum Massaker in Christchurch das, was ich seit Tagen erwartet habe: "Es war das Hassverbrechen eines MÄNNLICHEN Rechtsterroristen." Ein bisschen vermisst habe ich diese ideale Gelegenheit zum Männer-Bashing diese Woche bei Margarete Stokowski. Die lässt so was doch sonst nicht liegen?



2. Die Neue Zürcher Zeitung hat den Historiker Niall Ferguson über den Verfall der Geisteswissenschaften interviewt. Ein Auszug:

NZZ: Der unterdrückende weisse Mann, der die Schuld trägt an allem Bösen in dieser Welt – das ist doch ein Klischee.

Ferguson: Klar. Aber der Topos hat sich in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten – jedenfalls der angelsächsischen Welt – durchgesetzt.

(...) NZZ: Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen?

Ferguson: Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. Der Rahmen des Sagbaren im akademischen und öffentlichen Raum hat sich in den letzten Jahren drastisch verengt. Evidenzbasierte Argumente spielen keine Rolle mehr. Es gewinnt, wer die lautesten Unterstützer hat, und es verliert, wer um seine Reputation fürchten muss.

(...) NZZ: Sie klingen – ehrlich gesagt – ziemlich resigniert.

Keineswegs. Ich analysiere bloss nüchtern. Ich habe es ja irgendwie geschafft, ich kann frei reden und Ihnen ein Interview geben. Aber jüngere konservative und liberale Kollegen werden es – so brillant und klug sie auch sein mögen – in der Akademie nicht mehr weit bringen. Und um sie tut es mir leid.




3. "Werden Sie als Frau am Arbeitsplatz diskriminiert?" möchte "Die Zeit" von ihren Leserinnen wissen. Weil es nun mal "Die Zeit" ist, werden Männer erst gar nicht gefragt. Diskriminierungserfahrungen von Männern interessieren nicht. Und unter welchem Label läuft diese Umfrage? Klar: "Gleichberechtigung".

Zu den ersten Antworten in der Kommentarspalte unter der Umfrage gehören übrigens "Nein, wurde ich nie. Eher im Gegenteil" sowie "Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass Frauen oft sehr positiv behandelt werden und sich auf ihrem Geschlecht ausruhen können" sowie "Nein in den letzten Jahren habe ich keinerlei Diskriminierung erlebt." sowie "Die Umfrage kann ich nicht mitmachen. Denn ich wurde und werde auf der Arbeit weder von Vorgesetzten noch von Kollegen diskriminiert." sowie "Befindlichkeiten und Wünsche von Frauen werden eher berücksichtigt" sowie "Ich als Mann habe genauso mit diesem Problem zu kämpfen" sowie "Ich bin nur ab und zu sexistisch, weil ich Männer schwere Sachen tragen lasse." sowie "Nein, ich habe nie Diskriminierung erlebt" sowie "Ich bin Geschäftsführende Gesellschafterin in einer eher männerdominierten Branche und kann nicht behaupten, als solche jemals Diskriminierung erfahren zu haben. Aber ich glaube, diese Art von Antwort interessiert hier nicht, oder?"

Ich bin gespannt, ob diese Rückmeldungen in den Artikel, den die "Zeit" aus dieser Umfrage schnitzen möchte, eingehen werden. Sie beeinträchtigen ja schon ein wenig den mühsam aufrecht erhaltenen Geschlechterkampf.



4. Der Sexismus-Aufschrei der Woche trifft eine britische Kindersendung, in der, so Spiegel-Online, der "veraltete Begriff" Feuerwehrmänner benutzt wurde.

Auch dass mit "Feuerwehrmann Sam" eine weitere Kinderserie einen männlichen Retter im Zentrum hat, stieß auf Kritik.


Ein Wunder, dass diese Sendungen noch nicht abgesetzt sind.



5. US-Politiker der Demokratischen Partei, die sich um die Präsidentschaftskandidatur bewerben, obwohl sie weiße Männer sind, werden dafür zunehmend scharf angegangen.

Donnerstag, März 21, 2019

Dies ist das glücklichste Land der Welt – News vom 21. März 2019

1. Die Huffington Post berichtet:

Zum zweiten Mal in Folge wurde Finnland vom World Happiness Report als glücklichstes Land der Welt ausgezeichnet. Darüber hinaus hat die nordische Nation die anderen Top-10-Länder im Bericht "deutlich übertroffen", die anhand von Daten aus Gallup World Poll-Umfragen die Glücksniveaus von 156 Ländern einstufen.

(...) Es ist nicht schwer zu verstehen, warum es Finnland so gut geht. Das nordeuropäische Land verfügt über ein starkes soziales Sicherheitsnetz, einschließlich eines progressiven, erfolgreichen Ansatzes zur Beendigung der Obdachlosigkeit. Es verfügt auch über ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem, und sein Engagement, die geschlechtsspezifische Kluft zu schließen, zahlt sich aus. Mit einer Bevölkerung von etwas mehr als 5,5 Millionen Menschen ist es das einzige Land der entwickelten Welt, in dem Väter mehr Zeit mit schulpflichtigen Kindern verbringen als Mütter.


Dass in Finnland sogar der Vatertag offiziell beflaggt wird, hatte ich hier ja schon vor ein paar Tagen erwähnt. Vor zwei Jahren berichtete der feministische Guardian über die finnische Väterpolitik:

Finnland ist der Ansicht, dass Väter eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Kindern spielen. Die Regierung bietet Vätern neun Wochen Vaterschaftsurlaub an, in dem sie 70% ihres Gehalts erhalten. Und um die Väter zu ermutigen, die Vorteile zu nutzen, hat sie kürzlich eine neue Kampagne gestartet - mit Flyern, die einen kräftigen Bauarbeiter zeigen, der freudig einen Kinderwagen schiebt - mit dem Titel "It's Daddy Time"!

"Wir wollen, dass Väter mehr von dem gemeinsamen Elternurlaub nehmen", sagt Saarikko. "Wir sind uns ziemlich sicher, wenn wir uns die Forschung ansehen, dass die Verbindung zwischen dem Baby und dem Vater wirklich wichtig ist - die frühen Jahre sind lebenswichtig und wir glauben daran, in sie zu investieren."




2. Im mürrischen Deutschland sieht der Umgang mit Männern anders aus. Nach Manspreading und Mansplaining hat jetzt beispielsweise "Die Zeit" ein neues Fehlverhalten erfunden: Mansclaiming: eine Unart, die darin besteht zu erklären, dass man stolz auf die Leistung einer Frau ist. In den Kommentaren unter dem Artikel können viele Leser seinem neurotischen Sexismus wenig abgewinnen.



3. Ein Bewerber der Demokratischen Partei um die Präsidentschaftskandidatur in den USA hat sich gegen Beschneidung ausgesprochen.



4. Gegen eine katholische irische Mutter wird polizeilich ermittelt, nachdem sie auf Twitter einem transsexuellen Mädchen das falsche Geschlecht zugeordnet hatte.

Mittwoch, März 20, 2019

Forbes: "Vielleicht fehlt Jungen Empathie, weil sie zurückgeben, was sie bekommen" – News vom 20. März 2019

1 Das Massaker von Christchurch hat die Debatte um "toxische Männlichkeit" noch einmal angeheizt. Da ist es höchste Zeit, dass im Magazin Forbes der Professor für Politikwissenschaft Evan Gerstmann diese Debatte vom Kopf auf die Füße stellt:

Da "toxische Männlichkeit" zu einem neuen Schlagwort geworden ist, haben viele darauf hingewiesen, dass es eine Empathielücke zwischen Jungen und Mädchen gibt, wobei Jungen zu wenig Empathie erhalten. Einige sprechen von einer evolutionären/genetischen Grundlage, während andere argumentieren, dass Empathie erlernt wird. Dies ist eine komplexe Debatte, aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Kinder im Allgemeinen das Verhalten spiegeln, das man auf sie richtet. Wenn wir Jungen mit weniger Empathie behandeln, ist es nicht verwunderlich, dass sie mit diesem Verhalten auf uns reagieren. Natürlich bedeutet nichts, was im Folgenden dargelegt wird, dass Mädchen nicht auch unter einer Vielzahl von Nachteilen leiden. Auch die unten beschriebenen Nachteile können sowohl Mädchen als auch Jungen schaden - Doppelstandards können beiden Geschlechtern schaden. Wenn die Gesellschaft jedoch hofft, einfühlsame Jungen großzuziehen, muss sie Jungen mit viel mehr Mitgefühl begegnen.

Beispiele gibt es viele. Gerade letzte Woche hat ein Bundesberufungsgericht eine Klage unterstützt, die die Verfassungsmäßigkeit von Minnesotas Ausschluss von Jungen beim Wettbewerbstanzen in Frage stellte. Die Minnesota State High School League bot eine politisch korrekte Erklärung für den Ausschluss: Sie versuchte nur, die sportlichen Möglichkeiten für Mädchen zu erweitern. Das Gericht wies diese Entschuldigung aus gutem Grund zurück und merkte an, dass in den letzten beiden Jahre Mädchen etwas überrepräsentiert im Minnesota High School Sport gewesen sind, und dass Geschlechtsunterschiede bei der Teilnahme am High School Sport schon für einige Zeit minimal gewesen sind.

Wie jeder Schüler, der dafür gemobbt wurde, Ballettschuhe oder Stepschuhe zur Schule zu bringen, bestätigen kann, wird Tanzen von vielen Menschen immer noch als femininin angesehen. Der Ausschluss von Jungen aus Tanzprogrammen spiegelt diese Verzerrung eher wider als ein Versuch, ein scheinbar nicht vorhandenes Geschlechterungleichgewicht bei der Sport-Teilnahme in Minnesota zu korrigieren.

Anstelle von Tanz werden Jungen zu anderen Sportarten gedrängt. Diese Sportarten, insbesondere Fußball, Basketball und Baseball, sind zufällig die Sportarten mit den bei weitem höchsten Verletzungsraten. (Baseball hat eine deutlich höhere Verletzungsrate als Softball.) Es sollte keine Überraschung sein, dass Jungen, wenn sie groß sind, in praktisch allen gefährlichsten und tödlichsten Jobs in Amerika weit überrepräsentiert sind und mehr als zehnmal häufiger als Frauen bei der Arbeit getötet werden.

Die Gesellschaft hat zu viele Schwierigkeiten, Schädigungen von Jungen zu sehen, auch wenn der Schaden für jeden erkennbar ist. Dieses Muster gilt auch im Kontext sexueller Übergriffe. Das Rechtssystem scheint deutlich weniger bereit zu sein, Jungen vor solchen Übergriffen durch Erwachsene zu schützen als Mädchen. Eine Studie über ein Jahrzehnt an Fällen im Schulsystem von New Jersey kam zu dem Schluss, dass, wenn Lehrer Sex mit minderjährigen Schülern haben, männliche Lehrer eher wegen dieser Übertretung ins Gefängnis gehen, und von den Lehrern, die ins Gefängnis gehen, männliche Lehrer längere Strafen erhalten. (Der Bericht hat das Geschlecht der Opfer nicht aufgeschlüsselt, aber aus der Diskussion geht hervor, dass es sich bei den untersuchten Fällen überwiegend um Lehrer und Schüler unterschiedlichen Geschlechts handelte.)

Dieses Missverhältnis sollte keine Überraschung sein. Zu oft fällt es den Gerichten schwer, Jungen als Opfer zu sehen, auch im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch. Im Bezirk San Luis entschied ein Berufungsgericht, dass ein 15-jähriger Junge, der von einer 34-jährigen Frau missbraucht worden war, ihr für viele Jahre Kindsunterhalt zu zahlen hatte. Das Berufungsgericht konnte den Jungen einfach nicht als Opfer sehen: "[H]ier besteht ein wichtiger Unterschied zwischen einer Partei, die ohne eigenes Verschulden verletzt wird, und einer geschädigten Partei, die bereitwillig an der Straftat teilgenommen hat, über die eine Beschwerde eingereicht wird. Wer durch kriminelles Verhalten, an dem er freiwillig teilgenommen hat, verletzt wird, ist kein typisches Verbrechensopfer. Es folgt nicht zwingend, dass ein Minderjähriger über 14 Jahre, der freiwillig Geschlechtsverkehr hat, Opfer von sexuellem Missbrauch ist." Das Gericht zitierte viele andere ähnliche Urteile von Gerichten, an denen Jungen im Alter von 13 Jahren beteiligt waren. Im Jahr 2014 berichtete USA Today über einen Fall, in dem ein Mann, der sexuell missbraucht worden war, als er gerade 14 Jahre alt war, vom Staat Arizona sechs Jahre später wegen Unterhalts für einen Sohn belangt wurde, von dessen Existenz er nie wusste.

Das mangelnde Einfühlungsvermögen für Jungen zeigt sich auch im Kontext der Schuldisziplin. Wie NPR letztes Jahr berichtete, werden Jungen (sowie Afroamerikaner und Schüler mit Behinderungen) "landesweit überproportional häufig bestraft". Laut Forschern des Government Accountability Office "waren diese Unterschiede konsistent, unabhängig von der Art der Disziplinarmaßnahmen, unabhängig von der Armut der Schule und unabhängig von der Art der Schule".

Wenn die Gesellschaft weniger "toxische" Jungen will, die zu guten, einfühlsamen Männern heranwachsen, sollte die Gesellschaft vielleicht sanfter mit ihnen umgehen. Schützen Sie Jungen vor sexuellen Übergriffen mit dem gleichen Eifer, mit dem wir Mädchen schützen, und sagen Sie ihnen nicht, dass sie an ihrem eigenen Missbrauch beteiligt sind. Drängen Sie sie nicht in die gefährlichsten Sportarten und Jobs. Bestrafen Sie sie nicht härter für ihre Vergehen als Mädchen. Und lassen Sie sie tanzen.


Das beste Heilmittel gegen "toxische Männlichkeit" ist ein Schließen der Gender-Empathie-Lücke sowie weniger Diskriminierung von Jungen und Männern. Warum viele Feministinnen uns Männerrechtler immer noch beschimpfen, statt sich mit uns zu verbünden, bleibt ein Rätsel. Vielleicht weil es für sie leichter ist, Männer als von Natur aus schlecht zu phantasieren und sich damit selbst zu überhöhen.



2. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem Spiegel-Online-Interview, in dem die Mütterberaterin Katrin Wilkens folgendes fordert:

"Man könnte die Väter in die Verantwortung ziehen und fordern: Fahrt in eurer Elternzeit nicht mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich, sondern ermöglicht eurer Frau den Wiedereinstieg."


Hierzu schreibt mir ein Leser:

Wenn ich sowas lese, geht mir echt die Hutschnur hoch!

Was einem Mann passieren kann, der GENAU DAS macht, habe ich selbst am eigenen Leib erfahren dürfen.

Damals hat meine Frau nach der Geburt unseres zweiten Kindes gegen Ende des zweiten Babyjahres eine Anfrage ihres Chefs bekommen, ob sie wieder in ihren Job einsteigen möchte (genau gleiche Stelle mit der gleichen Tätigkeit). Sie könnte zuerst nur ein oder zwei Tage die Woche machen und das dann im Laufe der Zeit steigern, bis sie wieder drin wäre. Ein gutes Angebot und sehr entgegenkommend. Freudig erzählte sie mir das, und wir überlegten, wie wir das gemeinsam mit unseren Jobs arrangieren könnten. Ich war IT-Consultant und damit jobbedingt meist vier bis fünf Tage die Woche irgendwo in Deutschland auf Projekt eingesetzt.

Mein vormaliger Teamchef (zu dem Zeitpunkt, als ich in die Firma kam) hatte auch die vollen Babymonate Elternzeit genommen, die Firma schien also familienfreundlich zu sein. Dummerweise blieb mein damaliger Teamchef nicht allzu lange Teamchef, sondern wurde recht bald zum normalen Berater zurückgestuft, und an seiner statt war ein "junger, dynamischer" ehemaliger Kollege aus meinem Team plötzlich Chef. Teamchef und Mitarbeiter tauschten also faktisch die Plätze. Das hätte mich eigentlich schon stutzig machen sollen.

Ich schrieb dann an diesen, meinen neuen Teamchef und an unseren gemeinsamen (Abteilungsleiter)-Chef eine Mail, in der ich meine familiäre Situation umriss und ganz unverbindlich zaghaft anfragte (!), "ob es dazu eventuell in der Firma schon Erfahrungen mit solch einer Situation gäbe, bereits gelebte Best Practices etc.".

Die Antwort des Abteilungschefs: "??????????????????????"

Ein, zwei Wochen später hatte ich mein turnusmäßiges Zielerreichungsgespräch mit meinem Teamchef, welches relativ unspektakulär verlief. Nach Abschluss des Gespräches hakte ich nochmal nach, ob er mir zu der Antwort auf meine Anfrage etwas sagen könnte beziehungsweise vom Abteilungschef noch andere Infos bekommen hätte. Er erwiderte: "Das WAR die Antwort." Und ich solle da "nicht weiter nachhaken"!

Okay, etwas enttäuschend, aber so läuft das Leben halt, dachte ich mir. So musste meine Frau eben ihrem Chef erstmal absagen, weil wir das so zeitlich nicht handeln konnten.

Eine Woche später erhielt ich eine Mail meines Teamchefs, dass wir uns bezüglich meines Zielgespräches noch mal zusammensetzen müssten. Ich war perplex. "Wieso? Wir hatten doch alles geklärt." – "Nein, es gibt da noch offene Punkte." Ich begann, unruhig zu werden.

Am Tag des Gespräches verspätete er sich zum Termin, und ich erhielt 15 Minuten nach dem Termin einen Anruf: "Wir stehen im Stau, sind in etwa 20 Minuten da."

"WIR?!? Wer ist Wir?"

"Ja, der Abteilungsleiter und ich."

Bei mir schrillten alle Alarmglocken und ich rief sofort beim Betriebsrat an: "Ich bekomme wahrscheinlich gleich einen Aufhebungsvertrag vorgelegt!" Und GENAU SO war es dann auch!

Ein Aufhebungsvertrag "im gegenseitigen Einvernehmen" mit der freundlichen Drohung, wenn ich nicht unterschreibe, würde es eine betriebsbedingte Kündigung…

Eine Firma kann sich noch so "familienfreundlich" hinstellen: Es ist für Männer ein unkalkulierbares Risiko, wenn sie ihren eigenen beruflichen Einsatz in irgendeiner Form auf ein familienfreundlicheres Maß zurückschrauben wollen, oder – wie es ach so welterfahrene "Mütterberaterinnen" wie eine Frau Wilkens nassforsch von Männern einfordert – wenn sie ihre Frau in deren Work-Life-Balance mehr unterstützen wollen. Selbst wenn es nur auf einen bestimmten Zeitraum befristet wäre: Wenn es hart auf hart kommt, zieht man(n) IMMER den Kürzeren!

Ich selbst hatte damals zwar glücklicherweise relativ schnell wieder einen neuen Job gefunden, der Rechtsstreit wegen der Abfindung zog sich jedoch über ein halbes Jahr hin, und die Firma spielte eiskalt auf Zeit (und hinterher hat mich noch mein eigener Anwalt über den Tisch gezogen, es war quasi ein Nullsummenspiel zum ursprünglichen Angebot der Firma). Das war eine extrem zermürbende Zeit, was natürlich auch die Beziehung belastete.

Die Erkenntnis deckt sich übrigens auch wunderbar mit einer anderen von mir gemachten Erfahrung.

Damals hatte ich mich bei einem Frankfurter Beraterunternehmen beworben. Die ersten beiden Vorstellungsgespräche verliefen wunderbar, meine Unterlagen wurden begeistert aufgenommen. Das dritte Gespräch mit dem Seniorpartner sollte alles besiegeln. Und dann machte ich (als junger Vater) doch tatsächlich den Fehler, nachzufragen, ob eigentlich Gleitzeit möglich sei. (Ich kannte das aus meinen bisherigen Jobs als selbstverständlich bei Beraterjobs: Keine fixen Kommt/Geht-Zeiten, man kann an bestimmten Stunden länger machen und dafür im Gegenzug an stressfreien Tagen früher gehen, oder teilt sich die Arbeitszeit auf Montag bis Donnerstag auf und hat Freitag frei oder Homeoffice.) Die simple Frage nach etwas in diesem Milieu eigentlich Selbstverständlichen leitete eine buchstäbliche Metamorphose ein. Der eben noch begeisterte Seniorpartner kühlte innerhalb von Sekunden ab und teilte mir eiskalt mit einem Haifischlächeln mit, dass man "ja eigentlich jemanden suche, der ES WISSEN WILL ..!" – also übersetzt, einen anspruchslosen Arbeitssklaven, der beim Kunden mit maximalen Überstunden verheizt werden kann.

Kurz nach der freundlichen Verabschiedung erhielt ich dann die Absage, dass es "leider doch nicht gepasst hätte." Na so was. Auch junge, frischgebackene Familienväter werden von Firmen als reine Arbeitsbienen angesehen. Work-Life-Balance? Gibt’s nach wie vor nur für Frauen!

Aber mir so etwas kann man als "Mütterberaterin" wahrscheinlich nicht so gut (Frauen)bücher verkaufen ...

Dienstag, März 19, 2019

Massaker von Christchurch: Mutiger Vater stellte sich dem Schützen in den Weg – News vom 19. März 2019

1. Unter der Überschrift "Mutiger Vater stellte sich dem Schützen in den Weg" berichtet Die Welt über einen der zumeist männlichen Helden, die es bei solchen Vorfällen immer wieder gibt. Ein Auszug:

Abdul Aziz hat Mut bewiesen. Als er mit seinen vier Söhnen und rund 80 weiteren Gläubigen zum Gebet in der Linwood-Moschee in Christchurch war, hörte er plötzlich Schüsse. Statt sich zu verstecken, lief der 48-Jährige dem mutmaßlichen Attentäter Brenton Tarrant entgegen und stellte sich ihm in den Weg. Während der Schütze schwer bewaffnet war, hatte Aziz lediglich eine kleine Kreditkartenmaschine in der Hand.

Er lockte den Angreifer auf den Parkplatz und versteckte sich zwischen Autos - eine Verfolgungsjagd begann. Aziz verhinderte so ein größeres Bluttat in der Moschee. Mehr noch: Als der Angreifer bei seinem Auto war, griff Aziz nach einer am Boden liegenden Waffe des Täters. Sie war zwar leer, aber Aziz warf sie auf die Windschutzscheibe des Autos. "Das hat ihn wohl erschreckt", erzählte er im Interview mit "Dailymail". Der Angreifer ergriff daraufhin die Flucht.


Also ein Moslem und ein Vertreter der "toxischen Männlichkeit" zugleich. Das dürfte keines der beiden politischen Lager glücklich machen.

Währenddessen nutzt CNN das Massaker, um weiße Männer anzuprangern, die viel im Internet unterwegs sind. Firmen wie Google, Facebook usw. sollten hier viel stärker eingreifen. Wir werden zu diesem Thema etwas weiter unten noch zurückkehren.

In Neuseeland gibt es als Reaktion auf die Gewalttat erste Zensurmaßnahmen.



2. Was in der gestrigen Debatte über den "Equal Pay Day" von den Leitmedien weitgehend "übersehen" wurde: Westfrauen verdienen mehr als Ostmänner sowie Frauen mit Ost-Biographie sind erfolgreicher als Ost-Männer. War bestimmt reiner Zufall, dass das in den Leitmedien irgendwie unterging, und hat nichts mit politischem Agenda-Setting zu tun. Unsere Medien sind von jeglicher politischen Gleichschaltung bekanntlich weit entfernt.



3. Auf Tippelschritten voran: Justizministerin Barley befürwortet die steuerliche Entlastung von Trennungsfamilien. An der Überschrift des verlinkten Beitrags gefällt mir, dass sich der unter anderem vom Väteraufbruch propagierte Begriff "getrennt Erziehende" statt "Alleinerziehende" allmählich durchsetzt.



4. Die Berliner Morgenpost ist nicht sehr angetan davon, dass die Berliner Verkehrsbetriebe Frauen am vermeintlichen "Equal Pay Day" ein um 21 Prozent verbilligtes Ticket angeboten haben:

Nehmen wir an, es säßen plötzlich AfD-affine Zeitgenossen an den entsprechenden Schaltstellen. Kommt dann das "Weiße Männer fahren billiger"-Ticket? Ein alberner Gedanke? Nun ja: Ist erst mal die Legitimation geschaffen, ein Nahverkehrsunternehmen als Vehikel in gesellschaftspolitischen Fragen einzusetzen, muss man damit rechnen, dass sich Kräfte seiner bemächtigen, die andere "Sachen" für erstrebenswert halten.

Hinzu kommt: BVG-Sprecher Hannes Schwentu spricht davon, man wolle auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam machen, "aber niemanden auf lange Sicht diskriminieren. Deshalb führen wir das Ticket nur für einen Tag und nicht dauerhaft ein." Das ist bemerkenswert: Die BVG spricht offen selbst davon, eine Gruppe ihrer Nutzer zu "diskriminieren"? Das aber "nur für einen Tag"? Im Dienste einer "guten Sache" diskriminieren, das ragt ins Totalitäre.




5. Die Junge Union Gießen kritisiert die Einführung von Gender-Deutsch in die Verwaltungssprache ihrer Stadt:

Zwar habe das Bundesverfassungsgericht die positive Eintragung einer dritten Option "divers" in das Personenstandsregister gefordert und den Gesetzgeber dazu in die Pflicht genommen. "Die nunmehr aber quer durch die Bundesrepublik und auch schon in Gießen einsetzende Hysterie zur gender-gerechten Sprache in einer Verwaltung schießt über diese Verpflichtung weit hinaus und ist unnötig", erklärt JU-Pressesprecher Maximilian Roth. Die JU-Stadtverbandsvorsitzende Kathrin Schmidt fordert die Oberbürgermeisterin zugleich auf, "sich auf die wirklich wichtigen Themen zu konzentrieren".




6. In seinem aktuellen Buch (ich fand's insgesamt eher mäßig) argumentiert Francis Fukuyama gegen linke Identitätspolitik und äußert sich dazu auch in einem Interview mit dem Schweizer Tages-Anzeiger. Ein Auszug:

Tages-Anzeiger: Nehmen wir die sogenannten "alten weissen Männer", die zunehmend selbst beklagen, diskriminiert zu werden – obwohl immer noch vor allem Menschen aus dieser Bevölkerungsgruppe an den Schaltstellen in Wirtschaft, Politik und Kultur sitzen.

Fukuyama: Diese Identitätsgruppe besteht aber eben nicht nur aus den Eliten, sondern auch aus Angehörigen der Arbeiterklasse, die in die Armut abrutschen und sich weder in der Politik noch in den Medien oder in der Unterhaltungsindustrie repräsentiert sehen. Daher ist es wichtig, Identitätsgruppen zu zerlegen: Es gibt mächtige "alte weisse Männer" und machtlose, das Gleiche gilt für Frauen oder Homosexuelle. Stammesdenken zersetzt unsere demokratischen Gesellschaften.




7. Procter & Gamble reagiert auf die Kritik an dem Gillette-Werbespot – hier geäußert von MANNdat – ein ganz kleines bisschen pampig.



8. Werden sogenannte Rachepornos entgegen aller Geschlechterklischees vor allem von Frauen verbreitet?



9. Ein Redakteur von Newsweek ist sauer:

Donald Trump Jr. verfasste eine Kolumne für [das Politik-Magazin] The Hill und beschwerte sich darüber, dass "Big Tech"-Unternehmen Konservative "zensieren", indem ihre Algorithmen unter anderem die Verwendung der rechten Begriffe "Social Justice Warriors" und "Red Pill" bestraften. Das Konzept der "Red Pill" ("roten Pille") hat seine Wurzeln im legendären Science-Fiction-Film The Matrix von 1999, in dem die Hauptfigur mit einer blauen Pille zur seligen Unwissenheit zurückkehren oder sich über die rote Pille für Wahrheit und Wissen entscheiden kann. Aber das Konzept wurde von Männerrechtsgruppen und anderen rechtsextremen Online-Kulten übernommen.


Schön, dass man regelmäßig daran erinnert wird, wie manche Journalisten Menschen wahrnehmen, die sich für die Anliegen von Jungen und Männern einsetzen. Mich wundert allerdings, dass US-Journalisten immer noch nicht begriffen haben, dass das wahllose Etikettieren großer Teil der US-Bürger als rechtsradikal einer der Faktoren war, die Trump zur Macht verholfen haben. Überraschend viele Menschen reagieren bockig, wenn sie beschimpft werden.

Derweil führt das Politikmagazin The American Spectator in einem aktuellen Artikel das Aussieben konservativer Stimmen in den sozialen Medien und das Etikettieren abweichender Meinungen als "Hass" auf den wachsenden Einfluss feministischer "Ideologinnen" wie Amanda Marcotte in diesen Medien zurück. In dem verlinkten Artikel heißt es weiter:

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, was die Linke mit diesen Taktiken erreichen will. Das Overton-Fenster kann verschoben werden, indem man nicht nur die Öffentlichkeit davon überzeugt, dass bisher als extrem geltende Politikvorschläge nun "akzeptabel" sind, sondern auch die Menschen davon überzeugt, dass die Ablehnung solcher Politik inakzeptabel ist. Wenn es der Linken gelingt, ihre Gegner als "radikal" oder "extremistisch" darzustellen – also Konservative als hasserfüllte Fanatiker zu diskreditieren - dann wird es für Demokraten einfacher, die linke Politik voranzubringen. (...) Der Zweck dieser Taktik ist es, jeden zu stigmatisieren, der mit der Republikanischen Partei als "außerhalb des Mainstreams" assoziiert wird, um die effektivsten und beliebtesten Kritiker der Demokraten vor der Präsidentschaftskampagne 2020 zum Schweigen zu bringen. (....) Weil die Linke auf dem Markt der Ideen nicht gewinnen kann, versuchen sie, ihre Kritiker auszuschalten, Gegner als "Faschisten" oder "weiße Rassisten" zu bezeichnen, totalitäre Kontrolle über den öffentlichen Diskurs auszuüben, so wie linke Professoren und Studentenmobs der "Antifa" jetzt die Universitätsgelände kontrollieren.


Statt generalisierend von "der Linken" und "den Universitätsgeländen" sollte man allerdings besser von einigen Linken und einigen Universitäten sprechen. Es beteiligt sich ja nicht jeder Linke an den Versuchen, Andersdenkende niederzubrüllen. Und nicht zuletzt zerfleischen sich Linke auch selbst, wenn sie etwa Männerrechtler, von denen viele selbst politisch links stehen, als "rechtsextrem" etikettieren. Apropos Selbstzerfleischung ...



10. Beto O’Rourke, Bewerber der Demokratischen Partei zum Kandidaten für die US-Präsidentschaft, wird von anderen Parteimitgliedern als "rassistisch" und "sexistisch" beschimpft. Beto O’Rourke hatte erklärt, er fühle sich "wie dafür geboren, an diesem Wettbewerb teilzunehmen", was ihm Vorwürfe weißer Privilegiertheit einbrachte. Seine Statement, seine Frau erziehe die gemeinsamen Kinder "manchmal mit seiner Hilfe", brachte ihn den Vorwurf des Sexismus und der männlichen Privilegiertheit ein.



11. Nach den Debatten um die MeToo-Wortführerinnen Amber Heard (die Ex von Johnny Depp) und Asia Argento fragt das Politik-Magazin "The Federalist": Was passiert, wenn angebliche Opfer lügen?



12. Die Post. Einer meiner Leser weist mich auf dieses Interview hin, das Spiegel-Online mit der Mütterberaterin Katrin Wilkens führte, die, so formuliert es mein Leser,

Werbung für ihr Buch macht und sich natürlich über allerlei angebliche Ungerechtigkeiten beklagt, denen sich Frauen (und selbstredend nur die) gegenübersehen.

Abgesehen von der Frage, wie sich die ach so benachteiligten Mütter eine Beratung für 1500€ leisten können (steht da etwa ein gut verdienender Partner im Hintergrund?) fand ich folgende Stelle aufschlussreich:

SPIEGEL ONLINE: Frau Wilkens, Sie beraten Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Babypause. Kehren Mütter nach der Elternzeit denn nicht einfach in ihren alten Job zurück?

Wilkens: Ganz wenige. Bei unserer Zielgruppe - verheiratete Akademikerinnen, die irgendwann Kinder bekommen und erst mal eine Weile Pause machen - steigen die Frauen entweder in Teilzeit wieder ein, oder sie stellen ihren alten Beruf infrage. Sie möchten entweder etwas mit mehr Sinn machen. Oder sie sagen, wenn sie ihre Zeit schon zwischen Kind und Job aufteilen müssen, dann nur für etwas, was wirklich Spaß macht. Mit Kind denkt man anders. Das Wertekorsett der Mütter hat sich verändert.


Mit Kindern denken Frauen anders? Wählen einen Job, der wirklich Spaß macht? Konterkariert das nicht das allgegenwärtige Gejammer über die benachteiligten Frauen, die "in die Teilzeitfalle" rutschen? Handelt es sich hier nicht im Gegenteil um einen Ausdruck massiver Privilegierung, einfach mal so seine Arbeits- und Lebensplanung komplett zu überdenken, während der Partner durch seine Arbeit (und die meist damit verbundenen Überstunden, die den Männern dann natürlich ob der angeblich unfair aufgeteilten Hausarbeit angekreidet werden) eine solche Umorientierung erst ermöglicht?

Natürlich nicht, stattdessen: "Man könnte die Väter in die Verantwortung ziehen und fordern: Fahrt in eurer Elternzeit nicht mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich, sondern ermöglicht eurer Frau den Wiedereinstieg. Und wir brauchen neue Anreize, einen Väterurlaub etwa. Ein extra Urlaubskontingent von 20 Tagen, das sie nur nutzen dürfen, wenn das Kind krank ist. Denn sonst bleibt wieder die Frau daheim."




Ein anderer Leser schreibt mir zu dem gestern von der Neuen Zürcher Sonntagszeitung veröffentlichten Artikel über die Feministin Sophie Passmann:

In Ihrem heutigen Beitrag zu Sophie Passmanns Buch ist ein Link der Sonntags-NZZ als solcher der NZZ benannt.

Mir sind in der jüngeren Vergangenheit häufiger Artikel der Sonntagsausgabe dieser Zeitung aufgefallen, die eine deutliche Neigung aufweisen: ressentimentgeladen gegen Männer, unkritisch positiv gegenüber Feminismus. Das kennt man ja aus vielen deutschen Medien. Die tägliche NZZ dagegen ist meist distanziert/kritisch/sachlich gegenüber dem Feminismus (zum Frauentag gab es unangenehme Ausreißer, allerdings sind mir nur zwei bis drei Artikel derart aufgefallen, die meisten waren qualitativ gut und sachlich) und bringt viele kritische Analysen insbesondere zu den Freiheitseinschränkungen durch die politisch korrekte Bewegung und die Gender Studies.

Hat die Sonntags-NZZ unter Umständen eine ganz andere Redaktion? Das weiß ich nicht, auf jeden Fall ist die Qualität, insbesondere in der Geschlechterdebatte, deutlich schlechter.

Die NZZ lese ich sehr gerne. Bezeichnend allerdings, dass ich für eine sachliche, nicht feministisch eingefärbte Berichterstattung auf eine nichtdeutsche Zeitung zurückgreifen muss.


Ja, wenn ich eine überregionale Tageszeitung ins Abo nehmen würde, könnte ich mich auf nur für die NZZ entscheiden, was einiges über die deutsche Presselandschaft aussagt.

Sonntag, März 17, 2019

Equal Pay Day: Was man vor der Propagandawelle wissen sollte – News vom 17. März 2019

1. Kurz vor der drohenden Propaganda zum vermeintlichen "Equal Pay Day", die von etlichen Medien unterstützt werden wird, plädiert die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft für einen sachlichen Umgang mit dem Thema Entgeltgleichheit: "Die unbereinigte Lohnlücke liefert keine seriöse Aussage über den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Aussagekräftiger ist die bereinigte Lohnzahlungslücke, die unter Berücksichtigung beruflicher Auszeiten von Frauen rund zwei bis vier Prozent ausmacht." Diese Lücke lasse sich am ehesten angehen, wenn man auf einen Ausbau der staatlichen Betreuungsangebote für Kinder, Jugendliche und pflegebedürftige Angehörige sowie flexible Öffnungszeiten setze.

In einem ausführlichen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (leider nicht online) erklärt heute auch Patrick Bernau, dass die Darstellung, "die Frauen eine Opferrolle zuweist", zwar die Debatte dominiert, die alternative Erklärung (Frauen entscheiden sich bewusst für schlechter bezahlte Berufe und heiraten oft Männer mit einem lukrativeren Beruf) "näher an der Wahrheit" liege.

Zwar haben die Unternehmen sich schon längst zum Ziel gemacht, Frauen zu fördern – hat nicht selbst Google gerade erst festgestellt, dass Frauen auf vergleichbaren Positionen mehr verdienen als Männer? Doch im Karriere-entscheidenden Alter zwischen 30 und 40 haben sich viele gute Frauen selbst aus dem Rennen genommen, sie arbeiten ja nur noch 60 Prozent. So werden zur allgemeinen Überraschung trotzdem immer wieder die Männer befördert.


Bernau erklärt sachkundig weiter, dass die bereinigte Lohnlücke von "höchstens sechs Prozent" die Gehaltsunterschiede "kolossal" überschätze und bei der Berücksichtigung weiterer relevanter Faktoren eine Gehaltslücke von rund zwei Prozent zurückbleibe. Dass junge Mütter lieber zu Hause bleiben habe auch weniger mit fehlenden Kinderhorten zu tun als mit den Wünschen dieser Frauen:

Es zeigt sich ein großer Unterschied zwischen den Forderungen von Familienpolitikerinnen und den Prioritäten der Westdeutschen. Mancher ist erst zufrieden, wenn Frauen genauso viel verdienen, also auch genauso arbeiten wie Männer. Dabei ist das vielen Frauen offenbar gar nicht so wichtig, wenn sie im Gegenzug Zeit mit der Familie haben können. Vor zwei Jahren hat die SPD durchgesetzt, dass Unternehmen auf Anfrage Gehaltsvergleiche zwischen Männern und Frauen offenlegen müssen. Das fällt nicht immer leicht, aber bis heute haben die Deutschen diese Möglichkeit kaum genutzt. Eine Evaluation des Gesetzes steht noch aus, doch von großen Diskriminierungen weiß das Familienministerium bisher nicht zu berichten. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund nennt keine.


Tatsächlich, führt Bernau aus, seien Frauen nicht benachteiligt, wenn es um die Besetzung von Vorständen gehe, sondern hochbegehrt.

"Frauen können an der Spitze der Unternehmen inzwischen teilweise mehr verdienen als Männer", sagt Christian Böhnke, der als Headhunter bei "Hunting Her" speziell nach Frauen sucht, "jedenfalls wenn sie gut verhandeln." Nur die Verhandlung laufe nicht immer gut. Er erzählt: Vor kurzem rief ihn eine Frau an, die auf ihrer alten Stelle mehr als 300.000 Euro im Jahr verdient habe. Als er sie gefragt habe, was sie künftig verdienen wolle, rückte sie in einem fünfminütigen Monolog von ihren Gehaltsvorstellungen immer weiter ab – bis sie bei 200.000 Euro ankam, "wenn wirklich alles andere passt".


Männerrechtler wie Warren Farrell wissen von diesem Mechanismus seit Jahren zu berichten: Frauen achten bei der Berufswahl auf andere Vorteile als den finanziellen Ertrag – und werden daraufhin als benachteiligt bemitleidet.

Die statistische Lohnlücke werde sich ohnehin nicht so bald ändern, stellt Bernauer abschließend fest.

Die zeigt nämlich die Löhne sämtlicher arbeitender Deutscher, auch der 60-jährigen, deren Karriereentscheidungen schon vor Jahrzehnten gefallen sind. Am Statistischen Bundesamt hat der zuständige Gruppenleiter Martin Beck ausgerechnet: Selbst wenn junge Männer und Frauen von jetzt an immer gleich viel verdienen und man die Lohnlücke in fünf Jahren noch mal ermittelt – "da wird sich nicht viel verändern."


Da beispielsweise die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, wenn Männer tatsächlich diskriminiert werden, gerne argumentiert, es handele sich um "positive Diskriminierung" als Ausgleich zu der himmelschreienden Benachteiligung von Frauen, bedeutet das wohl, dass auch die echten Probleme von Männern für lange Zeit ignoriert bleiben werden.



2. "Mehr Rechte für Väter, die nach der Trennung für die Kinder sorgen? Gehört das wirklich an Top 1 der Familienpolitik?" fragt die Feministin Hatice Akyün im Tagesspiegel ablehnend unter der Überschrift "Ach du lieber Vater". Die Entlastung von Männern klinge wie Hohn, auch das Wechselmodell gehe "an der Lebensrealität vorbei". Warum dieses Modell in anderen Ländern seit Jahren funktioniert, erklärt Akyün ihren Lesern nicht.

Was eine Neuregelung des Unterhaltsrechts angeht, verteidigt Giffey ihre Haltung heute in einem Interview mit der "Welt am Sonntag":

Ich habe lediglich beschrieben, dass wir einen gesellschaftlichen Wandel beobachten. Immer mehr Väter übernehmen mehr Verantwortung, entscheiden sich für Elternzeit und wollen Partnerschaftlichkeit. Das endet auch nicht unbedingt mit einer Trennung. Unser Rechtssystem berücksichtigt diese Veränderungen aber oft noch nicht. Es folgt noch immer dem klassischen Modell: Einer betreut, der andere zahlt. Wir erleben aber, dass es zunehmend andere Wünsche gibt. Damit müssen wir uns auseinandersetzen.

(...) Das Wohl des Kindes muss an erster Stelle stehen. Und wir brauchen einen Weg, der sowohl für Mütter als auch für Väter gangbar ist. Uns geht es darum, getrennte Eltern, die gemeinsam oder allein erziehen, zu unterstützen.




3. Ist es völlig harmlos oder vielleicht sogar eine geile Einführung in die Welt der Erotik, wenn ein immerhin 18jähriger Schüler von seiner attraktiven "Sex-Lehrerin verführt" wird, wie es in manchen Zeitungen heute noch heißt? Im US-Bundesstaat Nevada hat sich ein junger Mann, der Opfer dieses Missbrauchs wurde, kürzlich erschossen. Die Täterin wurde inzwischen verurteilt, gegen die Schule, die mehrfache Hinweise ignoriert haben soll, läuft derzeit ein Verfahren.



4. Bei Kindesmissbrauch seien 30 Prozent der Täter weiblich: So betitelt die Hannoversche Allgemeine ein Interview mit der Psychologin Safiye Tozdan. Diese erklärt, wie sehr sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen ein gesellschaftliches Tabu darstellt, das noch überwunden werden muss.

Unter Forschern ist die Rede von einer "Verleugnungskultur" gegenüber Frauen, die Kinder missbrauchen. Unsere Gesellschaft beginnt erst jetzt, sich damit auseinanderzusetzen, die mediale Berichterstattung beispielsweise greift das Thema vermehrt auf. Diese Verleugnungskultur hat zur Folge, dass Frauen als Täterinnen nicht sichtbar werden: Sie tauchen nicht in offiziellen Kriminalstatistiken auf, weil sie nicht angezeigt werden, und wir erreichen sie nicht mit Präventionsprogrammen für Menschen mit pädophilen Neigungen.

(...) Menschen, die Angst davor haben, zum Täter zu werden, können sich anonym an uns wenden und sich in Behandlung begeben. Es melden sich fast ausschließlich Männer. Es gab nur vereinzelt Kontaktaufnahmen von Frauen, zum Beispiel per E-Mail. Bis zum persönlichen Gespräch oder einer Therapie kam es aber nicht. Auch auf anonymisierte Umfragen in entsprechenden Foren im Internet haben bisher nur Männer reagiert.

(...) Wir gehen davon aus, dass der Anteil weiblicher Täter bei sexuellem Kindesmissbrauch bei etwa 20 bis 30 Prozent liegt. Vielleicht sogar höher, das können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz genau sagen. In offiziellen Statistiken allerdings finden Sie Prävalenzen von ein bis zwei Prozent für weibliche Täter.


Das Interview ist in Gänze lesenswert.



5. Bei der etliche Leitmedien umfassenden Werbekampagne für Sophie Passmanns Buch "Alte weiße Männer" will auch die Neue Zürcher Zeitung nicht fehlen. Ein Auszug aus der umfangreichen Reklame:

Die anstrengendsten Männer seien die Linken, sagt Passmann, selbst Mitglied der SPD, "weil viele von sich denken, sie seien die Retter der Welt und Teil der Befreiung." Dabei sei "jeder Mann ein Sexist", weil die Gesellschaft nun mal patriarchalisch sei. "Wer sich als Mann Mühe gibt, kein Sexist zu sein, ist auch nicht automatisch ein Vorkämpfer für Gleichberechtigung. Er profitiert noch immer von den Strukturen. Denn anders als wir Frauen haben weisse Männer noch nie Diskriminierung erfahren."


Mit anderen Worten: "Ich hab mich noch nie mit der Diskriminierung von Männern beschäftigt, also gibt es auch keine." Ahnung vom Thema wäre dem Bucherfolg offenkundig abträglich gewesen; das zu schreiben, was Journalisten lesen möchten, hilft hingegen enorm.

Samstag, März 16, 2019

Massaker in Neuseeland, US-Vorwahlkampf, "Hart aber fair" – News vom 16. März 2019

1. Die feministische Reaktion auf das Massaker in Neuseeland ist überraschend: Die Männer sind schuld.



2. Schlechte Nachrichten für viele Feministinnen im US-Vorwahlkampf: Im Lager der Demokratischen Partei bewerben sich viele Frauen, doch in den Umfragen führen zwei weiße Männer. Die Erziehung der Wählerschaft klappt also immer noch nicht.



3. Talkshowwarnung für kommenden Montag: "Hart aber fair" beschäftigt sich mit der Frage "Frauen unter Druck, Männer am Drücker – Alles so wie immer?" An der Ankündigung der Sendung sieht man bereits, dass auch einzelne Redaktionen der ARD politisches Framing sehr ernst nehmen, um die ideologische Marschrichtung vorzugeben – in diesem Fall mit der bekannten Botschaft vom Opfer Frau und Täter Mann:

Weniger Gehalt, weniger Führungspositionen – dafür mehr Hausarbeit: Warum verlieren Frauen immer noch gegenüber Männern? Muss der Staat eingreifen: Mit Quoten und Gesetzen? Oder reicht etwas weibliche Geduld, weil sich selbst Männer auf Dauer bewegen?




4. Wie Trennungsväter e.V. berichtet, wurde in Finnland der Vatertag aufgewertet. Er steht jetzt gleichberechtigt neben dem Muttertag und wird offiziell beflaggt.



5. Eine der britischen Hochschulen für Frauen wird ab 2021 auch Männer aufnehmen. Die Studentinnen sind darüber "wütend" und "jenseits der Trauer". Sie hätten "das verloren, was sie besonders macht".

Freitag, März 15, 2019

Bundestag sperrt Väterverbände erneut aus – News vom 15. März 2019

1. Eine Pressemitteilung der "IG Jungen, Männer, Väter" berichtet:

Zur Anhörung des Rechtsausschusses des Bundestages am 18. März 2019 über die Neuregelung des Abstammungsrechts werden Väterverbände von CDU/CSU und SPD nicht eingeladen. "Es stehen eindeutig die Interessen der Reproduktionsmedizin und von Lesbenverbänden im Mittelpunkt" stellt Gerd Riedmeier fest, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV). Der Diskurs über die berechtigten Belange der Minderheiten sei wichtig, meint Riedmeier, zuvor müsse jedoch offen und umfassend über die Wünsche der breiten Mehrheit der Bevölkerung gesprochen werden. Das müsse sich in der Einladungspraxis des Ausschusses wiederfinden.

Die IG-JMV fordert die Neudefinition von Vaterschaft über die biologische Abstammung analog zur Definition von Mutterschaft: Gleichbehandlung für Frauen und Männer, Mütter und Väter. Heute ist in Deutschland derjenige Mann Vater eines Kindes, der mit der Mutter verheiratet ist - eine Definition über den Ehestand und den Vermutungsgedanken. Dieser Anachronismus ist vor dem Hintergrund heutiger wissenschaftlicher und medizinisch-diagnostischer Möglichkeiten zu korrigieren, so die IG-JMV.

Ihre diesbezügliche Stellungnahme liegt seit Dezember 2018 dem zuständigen Bundesministerium der Justiz (BMJV) sowie den Mitgliedern (m/w) des Rechtsausschusses des Bundestages vor. Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD verweigern jedoch der IG-JMV die Einladung zum Vortrag. Geladen sind überwiegend Lobbyvertreter von Minderheiten: der Reproduktionsmedizin und von Frauenverbänden.

Besonders ärgerlich sei dabei nach Riedmeier der weitgehende Ausschluss der Öffentlichkeit: Die Obleute der Regierungsfraktionen verweigern Transparenz: Sie verhindern zum wiederholten Male durch ihr Mehrheitsvotum die Übertragung der Anhörung via Bundestags-TV. Grüne, Linke, FDP und AfD stimmten für die Übertragung der Anhörung, unterlagen aber in der Abstimmung im Ausschuss. Dabei seien Übertragungen bei öffentlichem Interesse üblich, so die IG-JMV.

Die Definition von Vaterschaft über die biologische Abstammung sorgt laut IG-JMV für Wahrheit und Klarheit. Damit stehe endlich das Recht des Kindes im Mittelpunkt: Das Kind hat das Recht zu wissen, woher seine Gene stammen, welche familiären Beziehungen bestehen, welche Krankheiten oder Anlagen es geerbt haben könnte oder welche Erbrechte entstehen. Gleichzeitig wird das Recht des biologischen Vaters gewürdigt, zu wissen, wer sein leiblicher Nachkomme ist.

Naheliegend ist dabei die Einführung eines verpflichtenden Abstammungstests, durchzuführen bei jeder Geburt, so die IG-JMV. Im 21. Jahrhundert seien die Kenntnisse in medizinischer Gendiagnostik so weit fortgeschritten, dass dieser Nachweis leicht und kostengünstig zu erbringen ist.

Das SPD-geführte Bundesjustizministerium unter Frau Dr. Barley zeigt sich mit dieser Forderung noch ein wenig überfordert. In seiner Stellungnahme beharrt es auf dem Recht für Frauen auf ungerechtfertigte Bereicherung, Betrug und Personenstandsfälschung mit der Begründung, einer Frau sei nicht zuzumuten, Auskünfte erteilen zu müssen über ihren "intimen Mehrverkehr". Das sei ein zu großer Eingriff in ihre autonome Lebensführung. Für Männer gilt jedoch das Gegenteil: Sie haben jederzeit mitzuwirken bei der Aufklärung von Vaterschaft und sind gesetzlich zur Preisgabe der Daten bezüglich ihres "intimen Mehrverkehrs" und zur Durchführung eines Abstammungstests verpflichtet. Die IG-JMV kritisiert die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern.

Bedauerlich und gefährlich sieht die IG-JMV Gesetzesinitiativen aus den SPD-geführten Ministerien und von den Grünen, die den Begriff "Vater" weiter verwässern und ihn durch "2. Elternteil" oder "Mitmutter" ersetzen wollen. Dieser Ansatz ignoriert weitgehend den Blick aus der Kinderperspektive. Anstelle des Blickes aus Kindersicht werden Erwachsenenpositionen vertreten. Es gäbe, so lautet die Botschaft, ein "Recht am Kind" oder ein "Recht auf ein Kind". Besonders irreführend ist dabei die angeführte Argumentation über das "Kindeswohl".

Es ist Aufgabe der Politik, rechtliche Rahmen zu schaffen, die das Wohl des Kindes stärken: Die Kenntnis seiner leiblichen Eltern und den größtmöglichen Umgang mit ihnen. Die zeitgemäße Definition von Vaterschaft über die biologische Abstammung ist dazu Voraussetzung.


Die Stellungnahme der IG-JMV zur Anhörung findet man hier, die inhaltliche Stellungnahme zur Definition von Vaterschaft hier.



2. "Das Familienrecht hat Väter lange stark benachteiligt" erklärt die Familienanwältin Eva Becker im Deutschlandfunk.



3. In die Grünen kommt zumindest ein bisschen Bewegung: Sie fordern jetzt Steuererleichterungen für Unterhaltspflichtige.



4. Warum die "geschlechtergerechte Sprache" ein Irrweg ist, erklärt Thomas Steinfeld nachvollziehbar in der Süddeutschen Zeitung.



5. Unter der Überschrift "Bricht gleich der Krieg aus? Gender-Studies auf metaphorischen Abwegen" kommentiert die Neue Zürcher Zeitung das immer martialerische Gepolter des Genderlagers, wenn es darum geht, Kritik abzuwehren. Derartige Rhetorik bediene sich ironischerweise an rechtspopulistischen Zeitgenossen in den USA, die mit ihren Polemiken beispielsweise alle paar Jahre von einem "War on Christmas" sprächen:

Als Metaphern könnten Pseudo-Kriege nie enden, sie seien darum ein strategisches Mandat zur Ausweitung der Macht. Beim "New War on Gender Studies" ist die Sachlage nicht unähnlich.




6. Zwei offenbar homophobe Brüder in Regensburg prügelten einen Heterosexuellen krankenhausreif, den sie für einen Schwulen hielten, weil er ein lila T-Shirt trug. So grotesk wie dieser Vorfall war ein Statement der Richterin: "Mehr kann man einen heterosexuellen Mann nicht provozieren, als ihn schwul zu nennen." Mir würden ein paar hundert Äußerungen einfallen, die ich provozierender fände.



7. Forscher aus Dänemark haben künstliche Intelligenzen wie "Siri" und "Alexa" aus dem sexistischen Korsett befreit, indem sie für die Software eine geschlechtsneutrale Stimme entwickelten.



8. Der Nationalfeiertag der Schweiz liegt auf dem 1. August. Diesen Tag wollen Schweizer Grüne durch einen Frauenstimmrechtstag ersetzen. Dass man mit solchen Vorschlägen als "verquere Linke im Dauer-Provokations-Modus wahrgenommen werden könnte", sieht man bei den Grünen nicht als Problem.

kostenloser Counter