Mittwoch, September 14, 2022

Ich bin dann mal weg: Warum Genderama für einige Zeit ausfallen muss

Im Laufe dieses Jahres habe ich in einigen Beiträgen darauf aufmerksam gemacht, dass meine gesundheitliche Situation momentan nicht gut ist. Inzwischen ist für mich eine mehrwöchige stationäre Behandlung notwendig geworden. In dieser Zeit muss Genderama zwangsläufig ausfallen. Grund dafür ist eine Form von Burn-Out: eine somatoforme Belastungsstörung, die durch hohe seelische Anspannung und Stresserleben verursacht wird.

Was einen krank macht

Schon als Genderama dieses Frühjahr zum ersten Mal kurz ausgefallen ist, haben in den sozialen Medien einige von euch darauf hingewiesen, dass mein jahrzehntelanges politisches Engagement mit einer besonderen Belastung verbunden ist. Seit fast einem Vierteljahrhundert beschäftige ich mich mit den Anliegen von Männern, spreche beispielsweise über die Benachteiligung von Vätern beim Sorgerecht und von Jungen in der Schule, setze mich für männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt ein. Das sind schon in sich belastende Themen. Für mein Engagement werde ich – werden wir alle – ebenfalls seit Jahren kontinuierlich massiven persönlichen Angriffen ausgesetzt. Wer Online-Content bereitstellt, ist zwar grundsätzlich feindseligen Attacken ausgesetzt; marginalisierte und verfemte Minderheiten trifft das aber besonders stark. Der Historiker Gunnar Kunz hat kürzlich eine gelungene Zusammenstellung des Hasses vorgelegt, der auf uns Männer-Aktivisten abgefeuert wird und der zunehmend unerträglich wird. Die ständige Konfrontation mit diesem Hass bedeutet auf Dauer erheblichen psychischen Stress. (Cyber-)Mobbing und soziale Ausgrenzung können bei zuvor kerngesunden Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen. Das gilt auch dann, wenn die Mobber von sich selbst überzeugt sind, die "Guten" zu sein und die Gemobbten Abschaum.

Allerdings ist dies sowohl meiner persönlichen Einschätzung nach als auch der Einschätzung verschiedener Fachärzte, mit denen ich in den letzten Monaten gesprochen habe, nur EIN Faktor für meine derzeit schlechte Verfassung. Mindestens genauso stark verantwortlich dürfte die insgesamt zehnmonatige fast völlige Isolation gewesen sein, die die Corona-Lockdowns für mich bedeutet haben. Man kann viele Menschen offenbar nicht weitgehend von Begegnungen mit anderen abschotten, ohne dass das zu gesundheitlichen Problemen führt (Näheres siehe etwa hier und hier).

Ich werde mal etwas ausführlicher, obwohl es mit Geschlechterpolitik nichts zu tun hat, weil das Problem, um die es geht, in vielen Medien deutlich zu kurz kommt. "Long Covid" ist dort ein Thema (Margarete Stowkowski etwa schildert ihr Leiden darunter auf Spiegel-Online), der sogenannte "Long Lockdown" beziehungsweise das "Post-Lockdown-Syndrom" allenfalls bei Kindern und Jugendlichen, obwohl es etlichen Erwachsenen ebenfalls zu schaffen macht.

Als die OECD letzten Sommer auf die Zunahme psychischer Probleme durch die Corona-Maßnahmen aufmerksam machte, schrieb ich einen Artikel dazu, den ich auch hier verlinkte. Auf diesen Artikel habe ich augenblicklich zornentbrannte Hasspost erhalten. Man brauche sich nicht zu wundern, wenn Männerrechtler als rechtsextrem verunglimpft würden, wenn ich immer wieder einen Fuß aus dem von Politik und Medien erlaubten Meinungskorridor hinaus schieben würde. Diese Mail zeigte allerdings nur, dass auch bei anderen die Nerven blank lagen. Immerhin wird auf medizinischen Websites inzwischen über das Post-Lockdown-Syndrom gesprochen:

Mindestens 20 % der Personen, die restriktiven Maßnahmen zur Bewältigung von Pandemie-Infektionen ausgesetzt waren, berichteten über ein so starkes Ausmaß an psychischer Belastung, dass es zu der Diagnose einer psychischen Krankheit ausreicht. Insbesondere Trauma-Folge-Störungen (PTBS ;21 %) und depressive Symptome (22,69 %) wurden dabei festgestellt. Heute besteht für fast jeden fünften Menschen aufgrund von Lockdowns und Isolation das Risiko einer psychischen Belastung, die einen Krankheitswert annimmt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine vielzitierte Studie am Kings College London in der herausgearbeitet wurde, welche psychische Konsequenzen Menschen davongetragen haben, während vorheriger Epidemien oder Pandemien in Quarantäne gewesen zu sein. Es zeigt sich, dass Quarantänemaßnahmen auch mittelfristig negative Auswirkungen auf die Psyche haben. Die Wahrscheinlichkeit steigt, Depressionen oder Angststörungen zu entwickeln. Das liegt vor allem an einem Anstieg von stressbezogenen Symptomen.


Ehrlich, Menschen entwickeln in großer Zahl Angststörungen, wenn man über lange Zeit ihre Kontakte mit Freunden unterbindet und sie dafür medial unentwegt Katastrophenszenarien aussetzt?

Während die allermeisten Erkrankten bis zum Eintritt der Epidemie ohne psychische Diagnosen waren, habe mit jedem zusätzlichen Monat des Lockdowns die mentale Gesundheit vieler Menschen abgenommen, berichtet die Neurowissenschaftlerin Tania Singer, die von einer "stillen Katastrophe" spricht: "Wenn man ein Gummiband zu lange und zu oft ausdehnt, dann geht das irgendwann nicht mehr zurück in seinen Ausgangszustand, es ist ausgeleiert. Und so ist das auch mit der mentalen Gesundheit." Leider, so Professor Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe, würden "die negativen Folgen der Maßnahmen, was psychische Erkrankungen aber auch andere Bereiche der Medizin angeht, nicht mit ausreichender Sorgfalt und Systematik erhoben und ausgewertet". Die Londoner Times bezeichnet die Lockdown-Politik inzwischen als Desaster. Wer dasselbe in Deutschland täte, würde als "Coronaleugner" und "Querschwurbler" rundgemacht, als "extrem rechts", "extrem links" oder "einer dieser FDP-Fuzzis, die ständig von Freiheit nölen".

Ich war ein wenig irritiert, dass ich die mentalen und gesundheitlichen Konsequenzen der Lockdowns in voller Härte erst nach ihrem Ende zu spüren bekommen habe. Offenbar sind die entsprechenden Auswirkungen aber schleichend und machen sich erst im Laufe der Zeit bemerkbar:

Psychische Erkrankungen treten in der Regel tatsächlich meist verzögert auf. Es gibt da den Vergleich mit dem Ertrinkenden. Der Ertrinkende ist dann erschöpft, wenn er Land erreicht hat, davor kämpft er. Das hat sich auch bei anderen Krisen, wie zum Beispiel auch damals in New York, bei Nine Eleven gezeigt, dass es noch bis zu zwei Jahre nach dem Ereignis vermehrt zur Aufnahme in die Psychiatrie gekommen ist und es eben vermehrt Angst und Depressionen gab.


So etwas kann also vielen von euch auch noch passieren, auch wenn es kein großes Thema in den Leitmedien ist. 20 Prozent der Bevölkerung sind offenbar unerheblich – vermutlich weil sie für unseren Gesundheitsminister auch keine große Rolle spielen. Oder hat jemand von euch Lauterbach schon mal mehr als einen Nebensatz über die psychischen Lockdown-Schäden sprechen hören? In Neuseeland fordert die Opposition gerade eine unabhängige Untersuchung der Covid-Maßnahmen der Regierung, um den Schaden, den die Beschränkungen verursacht haben, einschließlich des Schadens für die psychische Gesundheit, vollständig zu verstehen. Hierzulande ist das unvorstellbar.

Bei mir persönlich kommen also gerade mehrere Dinge zusammen: die teils schwierigen Themen, zu denen ich recherchiere und veröffentliche, die jahrelangen Anfeindungen und Unterstellungen und der Stress durch die Pandemie. Um meine psychische Überlastung zu beheben ist ein sogenannter multimodaler Ansatz sinnvoll, für den sich ein längerer Aufenthalt in einer Wiesbadener Spezialklinik anbietet

"Vom Dauerstress zur Depression"

Bei meiner Recherche dazu, ob bei mir eine depressive Verstimmung hineinspielen könnte, durfte ich immerhin feststellen, dass das, was ich vor zwanzig Jahren zu diesem Thema geschrieben habe, nämlich dass Männer auch beim Thema "Depression" ungesehen und vernachlässigt bleiben , inzwischen zumindest punktuell offen angesprochen wird:

Die überwiegende Mehrzahl depressiv Erkrankter wird von Allgemeinmedizinern behandelt, doch nur 30 bis 35 % der depressiv Erkrankten erhalten eine adäquate Diagnose, wobei der Anteil derjenigen, denen eine leitliniengerechte Therapie zukommt, sogar unter 10 % liegt. Männer scheinen hier noch deutlicher benachteiligt zu sein: Fehldiagnosen und inadäquate Behandlungen sind häufiger als bei Frauen. (…) Während Gender-Mainstreaming in Politik und Medizin im Wesentlichen auf Frauen und ihre Problemlagen fokussiert, sind Männer gesundheitswissenschaftlich, gesundheits- und sozialpolitisch, aber auch sozialpädagogisch das weitgehend vernachlässigte Geschlecht. (…) Konsequenzen für die klinische Praxis beinhalten eine männersensitive Depressionsdiagnostik bereits in der Primärversorgung, das Bemühen um eine männersensitive Arzt-Patienten-Kommunikation und um leitliniengerechte Behandlung insbesondere von Männern, was sowohl die Psychopharmaka- als auch die Psychotherapie und ihre Kombination betrifft.


Man kann also nicht einmal krank werden, ohne über eine Benachteiligung von Männern zu stolpern, die es angeblich nicht gibt, weil wir im "Patriarchat" doch "überall herrschen" würden.

In meiner weiteren Recherche habe ich mir dann Professor Anne Marie Möller-Leimkühlers Buch "Vom Dauerstress zur Depression. Wie Männer mit psychischen Krisen umgehen und sie besser bewältigen können" besorgt. Das Buch liest sich in weiten Teilen wie ein maskulistischer Klassiker, ist sehr wirklichkeitsnah und von der Scheinwelt, die unsere Leitmedien beständig zeichnen, meilenweit entfernt. Gleich der erste Satz des Vorworts lautet:

Im Gegensatz zu den Klischees, denen wir häufig in den Medien begegnen, ist der Mann weder ein "Defizit"- noch ein "Auslaufmodell", noch eine "genetische Minusvariante".


Na schau, es sind nicht nur Männerrechtler, denen solche menschenfeindlichen Diskurse auffallen! Einige weitere Passagen aus dem Buch:

Für die Mehrzahl der Männer kommt Teilzeit nicht in Frage (weil der Arbeitgeber oft nicht mitspielt) – und überhaupt halten sie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen längst für erreicht.


Bei der Evakuierung von Passagierschiffen gilt seit dem Untergang der Titanic im Jahr 1912 ein ungeschriebenes Gesetz: Frauen und Kinder zuerst! Bei den Rettungsaktionen des Terroranschlags am 11. September 2001 sind in New York ausschließlich männliche Helfer gestorben. Es gehört zu den impliziten Männernormen, das Männer Hilfsbedürftigen und Schwächeren helfen, ohne selbst jemals als hilfsbedürftig zu erscheinen.


Das Schicksal von geschiedenen Vätern existiert in der öffentlichen Wahrnehmung nicht, vielmehr werden sie auch hier als "Täter" abgestempelt, die an allem schuld sind.Für Mütter und Kinder gibt es zahlreiche private und staatliche Hilfen, Väter stehen oft allein da und werden nicht selten von Jugendamt und Familiengericht im Sorge- und Umgangsrechtsverfahren hingehalten und als Väter entwertet, indem ihre Rechte weniger berücktsichtigt werden als die der Mütter.


Da das Stresserleben von der subjektiven Bewertung der Stressoren abhängt, ist die höhere Stressvulnerabilität von Männern in Bezug auf Status und Leistung deshalb plausibel, weil der durch Leistung erworbene soziale Status und die damit verbindene Anerkennung eine zentrale Rolle für die männliche Identität spielen. Nicht zuletzt beim weiblichen Geschlecht verschaffen sie ihnen Vorteile: Frauen wollen, auch wenn sie emanzipiert und sozial unabhängig sind, meist einen Mann mit höherem sozialen Status – theoretisch könnten sie sich heute auch einen attraktiven, muskelbepackten Arbeiter leisten. Wenn sie selbst Karriere machen, finden sie häufig keinen passenden Partner, der alles noch besser kann, als sie selbst. Und wenn der Mann plötzlich von der Karriereleiter stürzt, dauert es oft nicht lange, bis die Frau ihn verlässt.


Etwa die Hälfte der Arbeitnehmer gibt an, psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz zu erleben, Männer häufiger als Frauen.


Die verbreitete Vorstellung, dass Frauen im Vergleich zu Männern mehr Stress und einen schlechteren Gesundheitszustand haben, könnte also ein Mythos sein.


Aufrecht erhalten wird dieser Mythos vor allem von unseren Massenmedien. Bestes Beispiel hierfür ist die inzwischen berüchtigte Kachel des WDR-Magazins "Quarks", das die Frau als mental völlig überlastet zeigt und den Mann, wie er ein fröhliches Liedchen pfeift. NATÜRLICH spielen Männer angesichts solcher Propaganda psychische Belastungen herunter! Sie würden ja als komplette Waschlappen wahrgenommen werden, wenn sie von seelischen Problemen berichten, obwohl ihr Leben im Gegensatz zu dem der leidenden Frauen eine Dauerparty ist. Männer, die doch über ihr Leiden sprechen, bekommen als erstes ein höhnisches "Mimimimi!" und Geläster über "fragile Männlichkeit". zu hören Bleiben einige Kerle hartnäckig, engagieren sie sich vielleicht sogar dafür, ihre Situation zu verbessern, geht es nahtlos zu Vergleichen mit Massenmördern über. Das letzte Mal, als im Öffentlich-Rechtlichen fabuliert wurde "Es ist ein schmaler Grat zwischen Männerrechtlern, Frauenhassern, und dem Extremfall, Attentätern." war erst vergangene Woche.

In dem von mir herausgebenen Buch Gleichberechtigung beginnt zu zweit postuliert die Feministin Mithu Sanyal, es sei "jetzt die Aufgabe von Männern, den Frauen, anderen Männern und der Gesellschaft zu erklären, was ihre Probleme sind", auch wenn die andere Seite dabei noch häufig die Augen verdrehe. Ja, wenn es nur beim "Augen verdrehen" bleiben würde! Stattdessen werden Assoziationen mit Anders Breivik konstruiert.

Einerseits sollen Männer also über ihre Gefühle sprechen, aber das gefälligst nur in einem vorgegebenen Rahmen. Andernfalls solle man ihnen "die Plattform entziehen". Gut, vielleicht erleidet ein zum Schweigen gebrachter Mann einen frühen Herztod oder springt aus dem Fenster, scheint manche Feministin zu denken, aber Hauptsache, er tut das still und leise und belästigt mich nicht mit seinen lächerlichen Male Tears!.

Weitere Passagen aus Möller-Leimkühlers Buch:

Was gar nicht in diesem Zusammenhang gefragt wird, ist, ob Männer mit einer psychischen Störung nicht unterversorgt werden. Dies belegt wiederum, dass das Interesse für männliche Versorgungsbedürfnisse nicht besonders ausgeprägt ist. Ziehen wir andere Daten hinzu (…), dann zeigt sich eine deutliche Unterversorgung depressiv erkrankter Männer mit Antidepressiva. Und noch etwas wird deutlich: Mit steigendem Alter steigt auch der Anteil der männlichen Versicherten mit einer Depressionsdiagnose, aber die Verordnungen von Antidepressiva und Psychotherapie tendieren gegen Null!


Wären es die Frauen, die derart häufig Selbstmord begehen, ginge ein Aufschrei durch unsere Gesellschaft, da es aber die Männer sind, wird ihre Suizidrate mehr oder weniger stillschweigend zur Kenntnis genommen, sie erscheint fast als eine anthropologische Konstante.


All diese Passagen entsprechen grundlegenden Positionen von Männerrechtlern (Maskulisten). Ob Professor Anne Marie Möller-Leimkühler weiß, dass zwischen ihr und Attentätern "nur ein schmaler Grad" verläuft?

Geschlechterklischees und Tabus aufbrechen tut Not

Ich war zwiespältig, ob ich hier so ausführlich über meine eigene psychische Verfassung berichten soll. Die Gefahr liegt natürlich nahe, dass die Sebastian Eders der Medienbranche daraus Artikel zimmern wie "Durchgeknallter Männerrechtler lässt sich in Irrenanstalt einweisen". Allerdings gehörte ich noch nie zur Scheinbar-unverwundbarer-Haudrauf-Fraktion. Die Vorstellung vom unkaputtbaren Mann trägt nur dazu bei, dass unsere Gesellschaft männliche Opfer im Stich lässt. Auch beim Thema "psychische Erkrankungen" müssen wir das Tabu und die Stigmatisierung, von denen wir Männer besonders betroffen sind, durchbrechen. Ich habe in diesem Blog ja ohnehin immer wieder mit verschiedenen Beiträgen zum Thema "Männer und geistige Gesundheit" auf ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein hingewirkt.

Wie geht es mit mir weiter – und wie mit Genderama?

Mein Klinikaufenthalt ist von den Ärzten für acht Wochen angelegt, kann aber um einige weitere Wochen verlängert werden, falls das sinnvoll erscheint. Wie es danach weitergeht, kann ich noch nicht absehen. Dass der Klinikaufenthalt die vollständige Heilung bringt ist nicht gesagt. Mein Wiesbadener Schmerztherapeut, der seit Ausbruch der Pandemie mit einer Welle von Somatisierungsstörungen zu tun hat, ist sich zwar sicher, dass sich diese Problematik gibt, sobald sich die Lage insgesamt normalisiert. Aber diese Normalisierung lässt ja – trotz hoffnungsvoller Prognosen - länger auf sich warten, als viele von uns gedacht haben. Vermutlich dürfte sich an meinen Klinikaufenthalt eine ambulante Behandlung anschließen.

Während meines Aufenthalts in der Klinik werden dankenswerterweise die "Geschlechternews", denen ich ebenso wie MANNdat vor einem Monat den kommenden Ausfall von Genderama mitgeteilt habe, die Vertretung für dieses Blog übernehmen. Ihr findet sie hier.

Mein Buch über sexuelle Gewalt gegen Männer ist nach dem letzten Interview mit einem Betroffenen gerade fertig geworden, so dass ich es direkt nach meiner Rückkehr aus der Klinik den Verlagen anbieten kann. Da das Manuskript jetzt ohnehin für mehrere Wochen ruhen muss, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn es jemand von euch in dieser Zeit inhaltlich gegenlesen möchte. Infrage kämen hier aber aus nachvollziehbaren Gründen nur eine vertrauenswürdige Person, mit der ich bereits erfolgreich zusammengearbeitet habe und die trotz der letzten zweieinhalb Corona-Jahre emotional stabil geblieben ist. Ein fachmännisches Lektorat von Sprache und Stil ist auf der jetzigen Stufe noch nicht erforderlich; darum wird sich vermutlich eine professionelle Lektorin kümmern. Wer mir hier helfen möchte, sollte sich allerdings bitte heute noch melden, denn ab morgen bin ich per Mail und über die sozialen Medien nur begrenzt erreichbar, da ich auch ein wenig Digital Detox machen möchte.

Bleibt die Frage, was es für ein spendenfinanziertes Blog wie Genderama bedeutet, wenn es über eine gewisse Zeit ausfällt. Bei meiner einwöchigen Zwangspause im Frühjahr war es so, dass ein Unterstützer schon am Tag meiner Krankmeldung seine Spenden einstellte, während andere erklärt haben, Genderama erst mal weiterhin die Treue zu halten. Das kann natürlich jeder entscheiden, wie er möchte. Ich muss dann nach meiner Rückkehr evaluieren, ob die finanzielle Unterstützung für Genderama noch stark genug ist, dass das Fortführen dieses Blog für mich sinnvoll ist, oder ob ich nach anderen Möglichkeiten suchen muss, mein Einkommen zu sichern. Möglichkeiten sind für professionelle Texter und Autoren ja vorhanden.

Allerdings fände ich ein solches Ende für dieses Blog betrüblich. Nächste Woche wird Genderama 18 Jahre alt. Manche Männer sind mit diesem Blog groß geworden. Seit langer Zeit läuft es bis auf die Pause zwischen Weihnachten und Mitte Januar kontinuierlich durch, während feministische Multi-Autorinnen-Blogs wie "kleiner drei" und "Edition F" kamen und gingen. Auch so etwas wie einen Sommerurlaub mache ich nicht. (Ja, auch das mag zum Burn-Out beigetragen haben.) Die Zahl derjenigen, die sich für Jungen und Männer einsetzen, ist so überschaubar, dass wir wenigen Aktiven uns allen Anfeindunngen zum Trotz unentwegt ins Zeug legen, um das wieder wettzumachen. Genderama vernetzt die Männerrechtsbewegung sowie andere anerkennenswerte geschlechterpolitische Initiativen wie das Forum Soziale Inklusion, und viele Leser fühlen sich dadurch mit Informationen versorgt, die sie anderweitig nur schwer erhalten. Damit trägt dieses Blog dazu bei, öffentliches Bewusstsein auch für die Probleme und Notlagen des männlichen Geschlechts zu schaffen. Hoffentlich führt das langfristig zu einer Gesellschaft, in der die Anliegen beider Geschlechter gesehen werden und in der Jungen und Männer mehr Schutz und Hilfe erhalten.

Obwohl es mir in den letzten Monaten schlecht ging, glaube ich nicht, dass die Qualität dieses Blogs dadurch abgestürzt ist. Deshalb gehe ich davon aus, dass ein Weiterführen auf demselben Level auch nach meinem Klinikaufenthalt möglich sein wird. Eventuell wird es dann tatsächlich etwas holpriger, so dass zum Beispiel nicht jeden Werktag verlässlich ein neuer Blogpost erscheint. Das kann ich noch nicht absehen. Wenn man sich gerade in einem brennenden Haus befindet, weiß man oft noch nicht, wo in der nächsten Wohnung das Sofa hinkommt. Wünschenswert wäre es, wenn ich mir mit fachkundiger Hilfe psychologische Techniken aneignen könnte, die ständige Hetze gegen uns Männer-Aktivisten nicht so sehr an mich rankommen zu lassen.

Ich freue mich gerade in meiner momentanen Situation sehr über jede Spende. Das ist die einzige Möglichkeit, wie ihr mir aktiv helfen könnt, da es zu meiner Entlastung beitragen wird. Wer statt auf mein Bankkonto zu überweisen lieber Paypal nutzen möchte, findet einen Link dazu rechts auf der Blogroll. Herzlichen Dank an alle Unterstützer!

Zum Schluss noch etwas Positives

Falls jemand in den nächsten Wochen doch gerne etwas Neues von mir zum Lesen hätte: Die Endlos-Isolation in den Lockdowns mag zu meiner Belastungsstörung beigetragen haben, hat mir zuvor aber die Möglichkeit gegeben, das zu tun, was ich schon seit 35 Jahren tun wollte, nämlich meine ersten Romane aus dem Genre Phantastik zu verfassen und schließlich im Eigenverlag herauszubringen:

"Die Orks in den Schatten",

"Stufen der Zeit"

sowie (deutlich vor der Pandemie geschrieben)

"Hetzjagd nach Shornar".

Die Romane sind sehr unterschiedlich: Jeder von ihnen führt den Leser in eine andere außergewöhnliche Welt. Mit Männerpolitik haben sie nichts zu tun. Weitere Bücher, die das Spektrum der Phantastik noch stärker ausloten, habe ich geplant, sobald es mir wieder besser geht. Während mir bei den Druckausgaben ein Mindestpreis von Amazon vorgegeben wird, bin ich bei den E-Books im Preis so niedrig wie sinnvoll möglich gegangen. Wer mit diesem Genre etwas anfangen kann: Viel Spaß damit!



Dienstag, September 13, 2022

Politologin entrüstet: "Universität Basel betreibt mit ihrer Toilettenpolitik Frauenhass" – News vom 13. September 2022

1. Die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet:

An der Universität Basel können alle Menschen das WC benutzen, das der eigenen Geschlechtsidentität entsprechen würde. "Für alle, die genderneutrale Toiletten bevorzugen, gibt es das Angebot von All-Gender-WCs", schreibt die Uni Basel über das neue Angebot auf ihrer Website und auf Instagram.

Mit den Unisex-WCs wolle sie einen wichtigen Beitrag für die Diversität und Inklusion an der Uni leisten. "Für trans, inter und non-binäre Personen kann es in Toiletten, die entweder für Frauen oder für Männer ausgeschildert sind, zu diskriminierenden und ausgrenzenden Erlebnissen kommen. Sie erfahren nicht selten Beleidigungen, Raumverweise und sogar Gewaltandrohungen", heisst es vonseiten der Universität Basel.

(...) Der Politologin Regula Stämpfli stösst das Basler Modell sauer auf. Sie stört sich daran, dass einige All-Gender-WCs mit Pissoirs ausgestattet sind. "Männerprivilegien: Sie kriegen ein Pissoir, während bei Frauen alles sozialisiert wird", schreibt sie auf Twitter. Die Universität betreibe mit ihrer Toilettenpolitik Sexismus und Frauenhass und begünstige Männer, so Stämpfli hässig.

Auf Twitter steht Stämpfli mit ihrer Kritik nicht alleine da. "Ein Pissoir für 'All Genders'. Die machen sich lächerlich. Das ist ein Missbrauch der Begrifflichkeit Diversity", schreibt eine Userin etwa.

Dass die Einführung von Unisex-Toiletten auch anders geht, zeigt Zürich. Die Stadt verzichtet künftig in allen Neubauten oder Renovationen, in bestehenden Schulhäusern in Zürich, auf Pissoirs.

(…) Die Mehrheit der Userinnen und User auf Twitter kann mit der Kritik nichts anfangen. Die Toiletten seien völlig in Ordnung. Solange für niemanden ein Problem durch die neue WC-Situation entstehe, solle sich niemand darüber aufregen müssen. "Die Welt ist verrückt. Da sind wir uns einig. Aber aus meiner Sicht sind WCs marginal schuld am Wahnsinn", schreibt eine Basler Journalistin zur Diskussion.

Die Universität Basel war für Rückfragen nicht zu erreichen.




2. Die Frankfurter Allgemeine berichtet:

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock will Grundlagen einer "feministischen Außenpolitik" als Querschnittsaufgabe im Auswärtigen Amt verankern. Es gehe darum, die Anliegen von Frauen auf allen außenpolitischen Politikfeldern zu beachten, sagte Baerbock auf einer Konferenz im Außenministerium, die Leitlinien für eine feministische Außenpolitik definieren soll. Die feministische Sicht gehöre genauso in die neue nationale Sicherheitsstrategie wie in die Klimapolitik, sagte sie. (…) Baerbock sagte, es gehe darum, "von Anfang an den Genderblick in Ressourcen und Köpfen zu verankern".


In einem weiteren Artikel desselben Blattes heißt es:

Der Begriff der "feministischen Außenpolitik", den die Ministerin auch in kaum einer ihrer Reden auslässt, ist mit Stereotypen und mit starken Unschärfen behaftet. Das Stereotyp bezieht sich darauf, dass die Komposition aus Feminismus und Politik als Kampfbegriff gemeint und verstanden werden kann, der sich gegen einen herrschenden (weißen) patriarchalischen Imperialismus richte und damit zur Schlussfolgerung führe, dass Frauen besser Frieden stiften und halten könnten. Zu den Repräsentantinnen dieser Stoßrichtung zählt unter anderen Kristina Lunz, die bislang am gründlichsten den Umbau der Außenpolitik nach feministischen Maximen ausbuchstabiert hat, und zu deren Vorschlagskatalog unter anderem gehört, es gelte, "das männliche Verständnis von Frieden" zu verändern und beispielsweise das Verteidigungsministerium in "Friedensministerium" umzubenennen.

(…) Sie wolle mit ihrer Politik "nicht nur Frauen voranbringen", erläuterte die Ministerin, sie wolle vielmehr "gleiche Rechte, gleiche Repräsentation und angemessene Ressourcen für alle Menschen, die marginalisiert sind", erreichen, "sei es aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung". Feministische Außenpolitik sei also "kein Frauenthema".

(…) Andererseits ka­men ihr unfreiwillig Männer zu Hilfe, die einen emanzipatorischen Kampfbegriff ins Lächerliche ziehen wollten, etwa der Oppositionsführer Friedrich Merz, der im Bundestag verlangte, das 100-Milliarden-Programm der Bundeswehr dürfe ausschließlich für neue Waffen und Ausrüstung verwendet werden, keinesfalls aber für solche Unternehmungen wie "eine feministische Außenpolitik". Die könne die Ministerin ja "sonst wo" treiben, schlug Merz vor. Baerbock konterte damals den Oppositionsführer in der fraglichen Bundestagsdebatte sogleich aus, indem sie von einem kürzlichen Besuch bei den Vergewaltigungsopfern im bosnischen Srebrenica berichtete, die von ihrem Leid erzählt hätten und von den Folgen, die es für sie gehabt habe, dass damals solche Massenvergewaltigungen noch nicht als Kriegsverbrechen klassifiziert worden seien.


Es würde der Debatte sehr helfen, wenn der von Baerbock geforderte "Genderblick" nicht so stark in eine Richtung schilen würde – und wenn sich mehr Menschen als die beharrlich aus dieser Debatte ausgegrenzten Männerrechtler in diesem Gebiet auskennen würden. Dann könnte man darauf hinweisen, dass die Grundschwäche einer feministischen Außenpolitik darin besteht, männliche Opfer unsichtbar zu machen. So gab es in Srebrenica eben nicht nur das bekannte Massaker, dem allein Männer zum Opfer fielen. Es wurden im Bosnienkrieg auch tausende von Männern vergewaltigt, die in Baerbocks Rhetorik befremdlich unsichtbar bleiben. (Näheres siehe etwa hier und hier.) Leider scheinen der CDU kenntnisreiche Fachleute zu fehlen, die Baerbock auf diese Sehschwäche hinweisen könnten.



3. Das Blog Schwulissimo hat dieser Tage einen Beitrag veröffentlicht, der mir in weiten Teilen aus der Seele spricht und sich auf den unsäglichen Umgang einiger Eiferer mit Kritikern bestimmter feministischer Konzepte übertragen lässt:

Einen solchen Text beginnt man heutzutage am besten damit, klarzustellen, dass man weder homophob, noch queerphob, noch transfeindlich oder rechtsradikal ist. Natürlich werden einem trotzdem binnen kürzester Zeit diverse Phobien vorgeworfen werden, aber wenigstens erlaubt die Klarstellung einen kurzen Atemzug der Ruhe vor dem (Shit-)Sturm.

Wann immer ich in den letzten Jahren Gesetzideen und Initiativen von Bündnis 90 / Die Grünen hinterfragt oder auch nur partiell nachgefragt habe, war der Vorwurf nicht weit, ein Feind zu sein. Nicht nur ein Feind der Partei, nein, ein Feind der gesamten LGBTI*-Community. Ich bin mit diesem Los natürlich nicht allein, wesentlich prominenteren Zeitgenossen, die sich zeitweise seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung und Akzeptanz für Schwule, Lesben, Bisexuelle und queere Menschen einsetzen, kann der eigne Lebenslauf binnen einer Sekunde aberkannt werden, denn die neuen Inquisitoren mit der scheinbar allein gültigen Interpretationshoheit lassen aktuell keine Grautöne mehr zu. Entweder bist du demütig nickend für uns und für alles, was wir beschließen, oder du bist das ultimative Böse und natürlich rechtsextrem. Bemerkenswert ist, dass in all den Jahren journalistischer Tätigkeit und verstärkt seit der neuen Ampel-Koalition dieser Vorwurf immerzu nur von Vertretern einer Partei kommt, die selbst dafür einsteht, die Vielfalt hochzuhalten. Nur nicht die Vielfalt der Meinungen eben, Pluralität ist anscheinend nur gewünscht, wenn sie bunt ist und auf ein Pressefoto passt, nicht wenn sie verbal ist und Fragen stellt.

Und immer wieder schwingt dann auch dieser eine Satz mit, mal direkt im Gespräch geäußert oder auch gerne via Twitter in die Welt geschrieben: Wie kann ein schwuler Journalist oder ein LGBTI*-Medienunternehmen es wagen, kritische Fragen zu Gesetzesvorhaben von Bündnis 90 / Die Grünen zu stellen? Sind das nicht allesamt dann Nestbeschmutzer? Vielleicht muss man es noch einmal klarstellen, einfach nur, damit es gesagt worden ist: Die Grünen sind nicht die LGBTI*-Community und die LGBTI*-Community sind nicht die Grünen. Klingt simpel, ist es aber offensichtlich für viele nicht. Ja, die Partei hat viele Errungenschaften für Schwule, Lesben, Bisexuelle und queere Menschen vorangetrieben und das ist großartig und auch nicht klein zu reden. Darf sich eine Partei deswegen trotzdem nicht auch einmal verrennen? Können deswegen nicht auch Gesetzesvorhaben vorangetrieben werden, die vielleicht in letzter Konsequenz nicht ausreichend durchdacht sind? Und dürfen deswegen kritische Stimmen außerhalb wie innerhalb der Partei gar nicht erst nachfragen?

Wer immer noch behauptet, Cancel Culture gäbe es nicht, kann sich gerne die letzten internen Diskussionen der Grünen um das geplante neue Selbstbestimmungsgesetz zu Gemüte führen. Der Bitte sowie dem darauffolgenden Antrag einer grünen Delegierten, darüber noch einmal demokratisch offen zu diskutieren, sachlich und ohne Diffamierung wohlgemerkt, folgte ein verbales Gemetzel, in dem 70 Grünen-Delegierte als "Rassisten mit Rechtsdrall" beschimpft wurden. Ihr Vergehen? Sie wollten über ein geplantes neues Gesetz diskutieren, das noch viele offene Fragen aufwirft und immer mehr Menschen in Deutschland auch Angst macht, darunter Frauen und Jugendliche. Das zu sagen, ein solches Gespräch zu erbitten, ist nach Aussagen anderer Grüner transphob, menschenfeindlich, Nazi-Slang und wird mit den Worten goutiert: Fuck off! Darauf mehrfach angesprochen, reagiert weder die Pressestelle der Partei noch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann – und über Nacht sind plötzlich alle Hassbotschaften kommentarlos gelöscht.

(…) Jetzt wollen einige selbstgewählten Vertreter unserer Community offensichtlich von oben herab bestimmen, was gut sein soll – und wer dagegen ist oder nachfragt, richtig, ist scheinbar schon ein Nazi. Dabei sollten wir gerade dies sofort unterlassen, jeden dieser unsäglichen Nazi-Vergleiche. Wir führen diesen Vergleich durch die inflationäre Verwendung nicht nur ad absurdum, gerade wenn wir solche Menschen damit anklagen, die ihr Leben lang für linke Ideale und LGBTI*-Rechte eingestanden sind, nein, wir nehmen dem Rechtsradikalismus auch sein tatsächliches Gefahrenpotenzial. Wenn jeder binnen Sekunden rechtsradikal geframt werden kann, hören wir irgendwann nicht mehr hin, wenn eine wirklich rechtsextreme Person spricht. Wer leichtfertig andere Menschen als rechts und radikal beschimpft, betreibt nicht nur Geschichtsfälschung, er relativiert auf eine dermaßen perfide und gefährliche Weise, dass er jeder LGBTI*-Bewegung automatisch mehr Schaden als Nutzen zufügt. Wer heute indes erneut Sprachverbote erteilt, der Auffassung ist, LGBTI*-Medien oder Redakteure dürften nicht, auch schmerzhaft kritisch nachfragen, wenn es um neue Gesetzespläne für eine LGBTI*-Community geht, der versteht den Wert der freien Presse und das wesentliche Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit nicht. Der pervertiert es. Wenn heute Organisationen, Vereine oder Aktivisten verlangen, man dürfe mit gewissen kritischen Stimmen aus dem demokratischen Spektrum gar nicht mehr reden und man dürfe nur noch pro-positiv zu einer Thematik berichten, leistet dies weder einen Dienst für das ursprüngliche Anliegen, noch für die LGBTI*-Community. Es verengt nur den Diskurs ins fanatisch Diktatorische und vergisst, dass in einem solch engen Kontext kein Platz für Meinungsvielfalt, Pluralität und letzten Endes auch nicht für Demokratie oder menschliche Vielfalt ist. Am Ende solcher Entwicklungen bedarf es dann nur noch eines politischen Wechsels, sodass der Wind sich dreht und dieser allen LGBTI*-Menschen plötzlich brutal ins Gesicht fährt. Wir erleben diese Entwicklungen bereits in Polen, Ungarn oder auch in Florida und Texas. Wenn wir zulassen, dass kritische Stimmen unterdrückt und Sprechverbote en vogue werden, haben wir als Community verloren.




4. "Die Welt" kommentiert die Entscheidung der CDU für eine Frauenquote:

Die erste Klatsche gab es direkt noch am Freitag, als sich die Delegierten nach langer und hitziger Debatte für die Frauenquote entschieden. (…) Ein Sieg der rüstigen Ladys der Frauen-Union, der auf dem Rücken der jungen, aufstrebenden Frauen der Partei erkämpft wurde. Eine Quotierung degradiert diese nun zum hilfsbedürftigen Kollektiv, reduziert sie auf ihr Geschlecht.

Teilen der CDU ist es offensichtlich unmöglich, sich den Versuchungen der linken Identitätspolitik zu entziehen. So oft, wie man auf dem Parteitag das Wort "Parität" vernehmen konnte, hatte man zeitweise den Eindruck, bei der Linkspartei in Brandenburg zu sein, nicht bei einer bürgerlichen Volkspartei.

Die Quote widerspricht dem liberalen Leistungsgedanken. Vor allem wenn man bedenkt, dass die CDU einen Frauenanteil von rund 25 Prozent hat, künftig aber die Hälfte der Führungsämter mit Frauen besetzt werden soll. Man muss diesen Umstand als groteske innerparteiliche Wettbewerbsverzerrung bezeichnen.

Die Absurdität dieses Umstands schien den Delegierten am Ende jedoch egal zu sein. Feministische Zwangsbeglückung, eiskalt durchgedrückt von älteren Damen, deren politische Karriere sich nicht ganz zu Unrecht dem Ende neigt.

Das zweite Erdbeben des Parteitags gab es dann am Samstagvormittag. Die CDU will jetzt nicht nur eine Quotenpartei sein, sondern auch die Partei der "Gleichstellung". So steht es jetzt immerhin in der durch den Parteitag verabschiedeten Grundwertecharta zum neuen Grundsatzprogramm.

Gleichstellung als gesellschaftspolitischer Ansatz geht vom Kollektiv und nicht von Individuen aus. Ein zutiefst anti-bürgerliches Denken liegt hier zugrunde. Gleichstellung ist zudem als ein schwerer staatlicher Interventionismus in alle Lebensbereiche zu verstehen. Als bürgerliche politische Kraft sollte man sich klar gegen ideologische Ansätze stellen, die aktiv in private Lebensentwürfe eingreifen.




5. Für die stellvertretende Polizeipräsidentin Maggie Blyth, die in Großbritannien für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zuständig ist, stellt es sexuelle Belästigung dar, wenn in einem Raum mehr männliche Beamte als Frauen sitzen:

In einer BBC-Frühstückssendung sagte Maggie Blyth, die nach dem Mord an Sarah Everard in dieses Amt berufen wurde, dass alle weiblichen Polizeibeamten im Laufe ihrer Karriere in irgendeiner Form sexuell belästigt worden seien.

Auf die Frage, ob sie während ihres Dienstes bei der Polizei sexistischem Verhalten ausgesetzt gewesen sei, antwortete sie: "Ich denke, jede Frau in jedem Beruf wird sagen, dass sie überall sexuelle Belästigung erlebt hat. Aber ich bin in meiner Rolle massiv unterstützt worden. Ich würde meinen Beruf nicht ausüben, wenn ich nicht an die Polizeiarbeit glauben würde.

Auf die Frage, welche Vorfälle sie erlebt habe, sagte sie: "Es geht hier nicht um mich, aber ich denke, sexuelle Belästigung hat damit zu tun, dass man in Räumen sitzt, in denen es mehr männliche Beamte als Frauen gibt. Wenn man sich als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld befindet, ist das immer eine Herausforderung."




Montag, September 12, 2022

Sieg der alten weißen Frauen: CDU wird zur Quotenpartei – News vom 12. September 2022

1. Junge Frauen waren dagegen, alte dafür: Am Freitag setzte Friedrich Merz die Frauenquote in der CDU durch. Näheres über den Verlauf der Debatte erfährt man aus den Stuttgarter Nachrichten:

Insbesondere die einflussreiche Mittelstandsvereinigung und die Junge Union hatten es Merz schon im Vorfeld übel genommen, dass er sich nicht gegen die Frauenquote gestemmt hatte.

Generalsekretär Mario Czaja hatte zum Auftakt der Debatte noch gefragt: "Wollen wir uns nur noch am Lagerfeuer der Stammwählerschaft wärmen?" Dem Argument, die Frauenquote helfe, neues Personal und neue Mehrheiten zu gewinnen, wollten in der knapp zweistündigen Diskussion am Freitagabend jedoch viele nicht folgen – darunter vor allem jüngere Frauen. Zuvorderst Franziska Dezember, die Vorsitzende der Frauenunion Berlin-Pankow, die im Vorfeld mehr als 1100 Mitglieder hinter einem Antrag gegen die Quote versammelt hatte. Die Quote helfe nicht dabei, engagierte Frauen für die CDU zu gewinnen, sondern sei ein "Ausdruck von Identitätspolitik", meinte die 29-Jährige. Auch Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, stellte sich gegen den Quotenvorschlag und betonte, der Union "ging es immer um das Individuum, nicht um Proporz".

Für die Quote trat Annette Widmann-Mauz, die Vorsitzende der Frauenunion, an: Nach Merkels Abtritt sei offenbar geworden, dass die CDU in puncto Frauenbeteiligung hinter ihren Ansprüchen zurückbleibe. Es gebe immer noch "tote Winkel für das Mitwirken für Frauen" – doch in der Wirtschaft sei es selbstverständlich, solche toten Winkel mit gemischten Teams zu vermeiden. Zuspruch erhielt sie von der ehemaligen Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und den Ministerpräsidenten Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Hendrik Wüst aus NRW.

Friedrich Merz hatte die Quote in seiner Eröffnungsrede noch weiträumig umschifft. In der abendlichen Debatte stellte er sich jedoch als letzter Redner hinter die Quote und forderte die Delegierten auf, diesem "winzigen Schritt", den der Vorschlag in seiner Ausgestaltung darstelle, zuzustimmen. Am Ende konnte er aufatmen.


Das Kernargment der Debatte sei von Serap Güler gekommen:

"Bitte lasst es uns vermeiden, dass morgen irgendwo steht, CDU ist gegen Gleichstellung."


Die Neue Zürcher Zetung sieht hier allerdings einen Pyrrhussieg für Merz:

In Zeiten, wo ohne die Grünen meist keine Regierungsperspektiven auf Bundes- oder Landesebene in Sicht sind, schadet es nicht, sich dem potenziellen Koalitionspartner eben auch bei der innerparteilichen Organisation anzugleichen. Dafür nimmt man die Beschädigung der internen Demokratie offenbar gerne in Kauf. Denn tatsächlich widerspricht es eklatant der Gerechtigkeit und dem Gleichheitsgrundsatz, wenn 50 Prozent der Ämter automatisch 26 Prozent der Mitglieder – so hoch ist der Frauenanteil in der CDU derzeit – gehören sollen.

Parteichef Friedrich Merz, vor einigen Monaten aus dem Lager der Quoten-Gegner in das der Befürworter konvertiert, kann sich über einen Sieg freuen. Mutmasslich wollte er sich durch den Schwenk eine Niederlage ersparen. Der geschickte Kniff, die Quote vorerst nur auf fünf Jahre befristet einzuführen, dürfte bei Unentschlossenen ausschlaggebend gewirkt haben. Dennoch ist der Preis hoch. An der Basis, aber auch bei Mittelstandsunion oder der Jugendorganisation JU ist man zu Recht enttäuscht. Mancher, der gehofft hatte, die Partei würde unter Merz ihr Profil selbstbewusst schärfen, sieht sich eines Besseren belehrt.

Auch auf bürgerliche Wähler dürfte die Einführung der Quote kaum anziehend wirken. Denn nichts widerspricht Bürgerlichkeit mehr als eine Quote. Sie macht den Erfolg des Einzelnen als Individuum unsichtbar und reduziert ihn auf seine Gruppenzugehörigkeit oder seinen Chromosomensatz.


Mitglieder der CDU-Basis haben auf die Entscheidung für eine Frauenquote verärgert und frustriert reagiert. So befand etwa Noëlle Drtil vom Landesvorstand des RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) Baden-Württemberg: "Mich hat die CDU heute Abend einmal wieder enttäuscht. Die Delegierten haben erneut über die Basis hinweg entschieden. Als junge und engagierte Frau in der CDU nun künftig eine Quotenfrau zu sein, wertet meine bisherige Arbeit massiv ab."

Vermutlich damit die CDU geschlechterpolitisch doch noch irgendwie von den Grünen unterscheidbar bleibt. wandte sich Merz auf dem Parteitag gegen die Gendersprache:

"Universitäten, meine Damen und Herren, und öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind keine Volkserziehungsanstalten." Sie hätten einen staatlichen Bildungs- und Informationsauftrag. Er forderte die Sender auf, sich an Regeln zu halten, "die wir uns alle in diesem Land gegeben haben - auch für die Verwendung der deutschen Sprache". Wenn man einen Auftrag ausführe, der mit Gebühren finanziert werde, dann könne man erwarten, dass man sich an die "allgemein anerkannten Regeln in der Nutzung der deutschen Sprache" hält, ergänzte Merz unter aufbrausendem Applaus auf dem Parteitag.




2. Frauenministerin Lisa Paus kündigt neue Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap an:

So sollen etwa das Führungspositionengesetz und das Entgelttransparenzgesetz überprüft und gegebenenfalls verschärft werden. Um alle künftigen Gesetze und Maßnahmen daraufhin zu prüfen, ob sie sich positiv auf die Gleichstellung auswirken, wird ein Gleichstellungscheck eingeführt. Betreuungsangebote in Kita und Schule sollen ausgebaut und die Bedingungen für haushaltsnahe Dienstleistungen verbessert werden.




3.
Heute glauben viele, die Männer seien an allem schuld. Der Ökonom Boris von Heesen hat gar die Kosten für das "typische" Fehlverhalten berechnet – und wird dafür gefeiert. Doch dieser versnobbte Identitätskult einer elitären Klasse ignoriert eine fatale Erkenntnis.


Mit diesem Teaser beginnt ein starker Artikel von Jörg Wimalasena, der zeigt, dass eine Widerrede aus linker Perspektive gegen das zeitgemäße Männerbashing immer noch ebenso sinnvoll wie notwendig ist:

Es gehört zu den kulturellen Errungenschaften moderner Gesellschaften, schädliches Verhalten nicht an mehr oder minder stumpfsinnige Gruppenzuschreibungen zu knüpfen. Macht man es sich mit komplexen Zusammenhängen unter Verweis auf Genetik und ethnische Herkunft allzu einfach – wie seinerzeit Thilo Sarrazin mit "Deutschland schafft sich ab" – muss man auch mit (berechtigter) Kritik umgehen können, womit nicht in Abrede gestellt werden soll, dass Kriminalität stets auch einen Milieubezug aufweist. Die Frage ist nur, was einen in dieses Milieu bringt: die Gene oder die Umstände? In jedem Fall nahm die publizistische Öffentlichkeit die Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators nicht einfach hin, sondern bestand zu Recht auf einer differenzierteren Debatte.

Vor diesem Hintergrund ist es umso bedenklicher, dass dieser gesellschaftliche und publizistische Konsens neuerdings ausgerechnet von "progressiver" Seite infrage gestellt wird. Während Herbert Grönemeyer mit "Männer" noch den kommerziellen Durchbruch feierte, lässt sich mit Mann heutzutage allenfalls als Negativbeispiel Geld verdienen – so jüngst geschehen in dem im Mai erschienen Buch "Was Männer kosten" des Ökonomen Boris von Heesen. Von Heesen unternimmt in seinem Werk den Versuch einer Quantifizierung der Kosten, die "Männer" (hier darf man den Begriff wohl ausnahmsweise biologisch verstehen) der Gesellschaft aufbürden.

Der Autor lässt den Leser wissen, dass diese Kosten bis zu 63 Milliarden Euro jährlich betragen – verursacht durch "typisch" männliches Fehlverhalten wie etwa Behandlungskosten (verursacht durch ungesunde Ernährung), Justizressourcen (überproportionale Beteiligung von Männern an Gewaltdelikten und im Justizvollzug) und Polizeieinsätze bei Fußballspielen – denn Hooligans sind auch meist Männer. Diese Vorlage ließen sich die Kollegen in der Redaktion des ARD-Magazins "Monitor" selbstverständlich nicht entgehen und betitelten den Bericht zum Buch mit "Problem Männer“ und „Sie kosten uns Milliarden".

Ob die "Monitor"-Redaktion den Beitrag ebenso enthusiastisch gepusht hätte, wenn man die "Männer" durch "Migranten" ersetzt hätte? Das wäre für jeden halbwegs in Zusammenhängen denkenden Menschen (zu Recht) als eine Zumutung empfunden worden – plumpe gruppenbezogene Stereotype zu reproduzieren, hilft bekanntlich beim Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Phänomenen eher wenig, wenngleich das der Beliebtheit der Strategie keinen Abbruch tut. Interessanterweise gibt es solche Stereotype auch bei von Heesen, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: wenngleich das Buch sich ausführlich mit männlicher Gewalt gegen Frauen beschäftigt, tauchen Themen wie Missbrauch und Gewalt unter Migranten oder Ehrenmorde höchstens am Rande auf.

Das viel zitierte Patriarchat findet offenbar nur in der bürgerlichen weißen Mehrheitsgesellschaft statt und auch der sozioökonomische Kontext gesellschaftsschädlichen Verhaltens spielt bei von Heesen nur eine untergeordnete Rolle – vermutlich deshalb, weil der Autor ganz von der Dekonstruktion des vermeintlichen "Patriarchats" in Anspruch genommen wird, "das gesellschaftliche System, dass von Männern geprägt, beherrscht und noch immer vorwiegend repräsentiert wird". Knapp 80-mal taucht das Wort auf knapp 280 Seiten auf – dann muss es wohl so sein.

Der Grundfehler dieser und ähnlicher "Analysen" liegt in der Annahme, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse in erster Linie eine Frage von Geschlecht seien. In diesem Teil der Welt war dies gewiss bis vor nicht allzu langer Zeit der Regelfall, aber bereits diese Regeln kannten Ausnahmen und die neu entdeckte Leidenschaft der kulturellen und wirtschaftlichen Eliten für "Diversity" sorgt zunehmend dafür, dass diese Gleichung – die schon immer etwas zu einfach war – nicht mehr aufgeht. Was zählt, sind die Handlungen und das System, in dem sie stattfinden. Selbst wenn der Vorstand von Goldman Sachs so "bunt" wie das Ensemble einer Benetton-Werbung aussehen sollte (was voraussichtlich in einigen Jahren der Fall sein wird), würde Goldman Sachs weiterhin Goldman Sachs bleiben.

Konzerne, Thinktanks und Politiker, die kein Interesse an materieller Umverteilung haben, konnten noch jede modische Sprachakrobatik und jeden Twitter-Antidiskriminierungsdiskurs problemlos absorbieren. Wer angesichts der Kontinuitäten materieller Ungleichheiten auf "toxische Männlichkeit" verweist, zeigt, dass man auf der "progressiven" Seite des politischen Spektrums offenbar das Denken in Zusammenhängen verlernt hat. Besitzt ein armer weißer Minenarbeiter in West Virginia ohne Arbeit und Krankenversicherung – dafür mit Staublunge – so etwas wie "white privilege"?

Oder ist er nicht ebenso machtlos und ausgezehrt, wie die Frau aus derselben Klasse neben ihm? Laufen die Interessengegensätze tatsächlich zwischen den beiden, oder nicht vielmehr zwischen ihrer gesellschaftlichen Klasse und der darüber? Eine Kolumnistin mit Migrationshintergrund aus wohlhabendem Hause dürfte auch in Deutschland in der gesellschaftlichen Hierarchie weit über dem unterbezahlten Handwerker aus der Dresdner Vorstadt stehen – ist das dann "toxische Weiblichkeit"?

Wäre man ernsthaft an einer klassenbasierten Analyse von "toxischer Männlichkeit" interessiert, würde man Männer nicht pathologisieren, sondern Verhaltensweisen als Reaktion auf Ausbeutungsverhältnisse deuten, die in der Verwertungslogik unseres Wirtschaftssystems liegen und unter der alle noch immer genauso stark leiden werden, wenn Dax-Vorstände in 30 Jahren nur noch mit BIPOC-FLINTA*s besetzt sind.

Doch nur am Anfang des Buchs erwähnt von Heese den Kapitalismus als Problem – und auch nur, weil dieser durch Männer geschaffen worden sei ("patriarchalisch geprägter Turbokapitalismus") und männliche Herrschaft reproduziere. An allen Missständen scheint der sprichwörtliche "alte weiße Mann" Schuld zu sein, der Frauen und Minderheiten unterdrückt, um seinen Status zu erhalten.

Das Phänomen des "progressiven Neoliberalismus" blendet von Heesen dabei aus. Bei einigen der größten Waffenunternehmen der USA sitzen mittlerweile Frauen an den wichtigen Schaltstellen. Arbeiterfeindliche Großkonzerne werben mit feministischen Slogans und Regenbogenfahnen, selbst bei der CIA überzeugt man den Nachwuchs jetzt mit Diversity. All die platten Feindbilder des "Männerkapitalismus" verstellen den Blick darauf, dass sich der "progressive" Teil der Gesellschaft auffällig problemlos in die bestehenden Verhältnisse einfügt.

Es ist kein Zufall, dass die Managerklasse Diversity, Frauenförderung und den Kampf gegen toxische Männlichkeit längst für sich entdeckt hat. So kann man billig sozialen Fortschritt suggerieren, indem man einer Handvoll weiblichen Elitenmitgliedern zu einem kleinen Karrieresprung verhilft. Warum wohl konnte sich die Große Koalition auf Frauenquoten in DAX-Aufsichtsräten und -Vorständen einigen, nicht aber auf höhere Sozialleistungen für Hunderttausende alleinerziehende Mütter und deren Kinder? (…) Am Ende ist alles eine Frage der Maßstäbe: wenn man weder friert noch Hunger leidet, ist die Ansprache mit dem falschen Pronomen vielleicht wirklich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.

Bliebe noch zu erwähnen, dass eine auf die Prämisse "Männer sind böse" gestützte Gesellschaftsanalyse mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso wenige Mitstreiter finden wird, wie der "progressive" Feminismus, mit dem die meisten Frauen (zu Recht) nichts anfangen können. Denn auch Frauen außerhalb der herrschenden Kultur- und Wirtschaftseliten dürfte sehr klar sein, dass der Feminismus wohlstandsverwöhnter Bürgertöchter mit ihren eigenen Problemen nichts zu tun hat.

Immerhin fällt von Heesen im Verlauf des Buchs auf, dass jenseits von Twitter kaum jemand jemals von #metoo gehört hat – aber das ist für ihn nur ein Problem ungenügender Erleuchtung: So bemitleidet von Heesen unter anderem "Mädchen, die länger in ihren gelernten Rollenmustern verharren, als Menschen, die früher lernen, dass sie in ungerechten Strukturen leben." Früher gelernt haben das vermutlich vor allem die Akademikertöchter, die dem Kampf gegen das Patriarchat ihr Leben gewidmet haben. Da kommt die Arbeiterschaft leider nicht mit. Es geht doch nichts über einen versnobbten Erweckungskult.




4. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen äußert der Kabarettist Dieter Nuhr Beobachtungen, die sich auf die Geschlechterdebatte übertragen lassen, sobald sich kritische Männer zu Wort melden:

Ich empfinde diese Aufregung um meine Arbeit als Satiriker als ein extrem bedrohliches Zeichen unserer Kultur, weil ich denke, dass die Unfähigkeit des Hinnehmens vom Standard abweichender Meinungen bei uns ein bedrohliches Ausmaß erreicht hat. Menschen glauben, sie kennen die absolute Wahrheit und die darf nicht mehr angezweifelt werden. (…) Dieses "Ich darf keine Witze machen über bestimmte Themen" – dahinter steckt doch der Anspruch auf absolute Wahrheit. Ich finde, die Lösungen, die bei uns angeboten werden, (…) zu großen Teilen einfach extrem lächerlich, unwirksam, dumm, selbstzerstörerisch, extrem am Ziel vorbei. Und wenn man darüber spricht, wird man wie vor hunderten von Jahren exkommuniziert. Diese Art von religiösem Umgang mit Problemen finde ich ganz widerlich. Er motiviert mich dazu, diesen Ärger auszuhalten und weiterzumachen.




Freitag, September 09, 2022

Entscheidung heute: Führt die CDU eine Frauenquote ein? – News vom 9. September 2022

1. Die Einführung einer Frauenquote für die Partei ist ein zentrales Thema des CDU-Parteitags, der heute und morgen stattfindet. Dabei sorgen sich Unionspolitiker, dass diese Debatte, die heute Abend stattfinden soll, andere Themen überschattet. Rita Süssmuth indes erhöht den Druck:

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) hat ihre Partei vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Streits auf dem anstehenden CDU-Parteitag zur Einführung einer Frauenquote aufgefordert. "In dieser schwierigen europäischen und weltpolitischen Situation muss eine breite politische Beteiligung der Frauen sichtbar werden", sagte die 85-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Frauen würden "dringend gebraucht bei der Suche nach Problemlösungen, konkreten Hilfen und Alternativen zum Krieg".

(…) Der Wirtschaftsflügel und der Parteinachwuchs von der Jungen Union (JU) lehnen eine Quote ab. Um den Gegnern entgegenzukommen, hat Parteichef Friedrich Merz eine zeitliche Befristung bis Ende 2029 vorgeschlagen. In der Partei wird mit einem knappen Ausgang der Abstimmung gerechnet. Würde Merz sich mit seinem Kompromissvorschlag nicht durchsetzen, hätte er die erste Schlappe in seiner seit Ende Januar dauernden Amtszeit erlitten.

Süssmuth erklärte, SPD, Grüne und Linke hätten per Satzungsrecht einen hohen Frauenanteil im Bundestag erreicht. Das sei auch in der CDU notwendig und müsse möglich sein. Zur Verbesserung der Beteiligung von Frauen gehöre die Verbesserung der strukturellen Bedingungen: "Soziale Sicherung, berufliche Arbeitszeiten in bestimmten Lebensphasen von Frauen und Männern, Veränderung der Angebote in den Parlamenten und außerhalb, um einseitige Belastungen abzubauen", verlangte sie.

Zugleich warnte Süssmuth ihre Partei vor negativen Auswirkungen des Quotenstreits. "Die nicht endenden Querelen spalten und schwächen uns – jetzt kommt es auf alte und neue Stärken an", sagte sie und ergänzte: "Dieser Parteitag muss unseren Zusammenhalt stärken und Polarisierung verringern."


Aber natürlich, indem man Süßmuths Wünsche erfüllt, nicht indem man sie ablehnt.

Insidern zufolge stehen die Chancen eher gegen die Quote. Damit droht dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz, der sich pro Quote positioniert hat, eine Schlappe:

Laut "The Pioneer" äußern Mitglieder aus dem CDU-Präsidium, dem Vorstand und den Landesverbänden Zweifel, ob Merz mit der Initiative Erfolg haben wird. Das Vorhaben soll gehörig wackeln. Die geheime Abstimmung auf dem Bundesparteitag könnte scheitern. Wenn es dafür keine Mehrheit unter den 1001 Delegierten gibt, dann "haben wir ein Problem", so ein CDU-Funktionär laut "The Pioneer".




2. Die Briten sind da schon weiter. Im Kabinett der neuen Premierministerin werden gar keine weißen Männer mehr sitzen.



3. Der Kabarettist und Autor Vince Ebert berichtet, was man als männlicher Autor inzwischen vom deutschen Fernsehen zu hören bekommt: "Nee, für Herbst/Winter nehmen wir grundsätzlich keine Männer mit Buch."



4. Das Bundesforum Männer berichtet von der Tagung "Jenseits der Gewalt - Erweiterte Möglichkeiten des Opferschutzes für Männer". Dr. Ralf Puchert habe dort vorgeschlagen, dass Männerschutzwohnungen für akut Bedürftige "Krisenübernachtungen" anbieten sollten, um Übernachtungen in Autos zu umgehen und Hilfekorridore aufzuschließen.



5. Das Neueste aus Kiew:

Ein aktueller Vorschlag im ukrainischen Parlament, der Werchowna Rada, sieht vor, die Registrierung von Frauen beim Militär völlig freiwillig zu machen und sie nicht zu zwingen, sich zu registrieren, wie es bei der männlichen Bevölkerung geschieht.

In öffentlichen Äußerungen wies die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maliar darauf hin, dass Minister Rezkov angedeutet habe, dass die ursprüngliche Ankündigung des Ministeriums für Verwirrung gesorgt habe. Die stellvertretende Verteidigungsministerin sagte, dass "der Erlass die Normen der geltenden Gesetzgebung nicht ändert, sondern dem Ausschuss und dann dem Parlament als Ganzem die Möglichkeit gibt, die Gesetzgebung abzuschließen und zu ändern, um dieses Problem zu lösen. Wir können im Rahmen unserer Befugnisse die Fristen nur verschieben. Daher werden sie um ein weiteres Jahr - bis zum 1. Oktober 2023 - verschoben, und in dieser Zeit können die Parlamentarier auf legislativer Ebene festlegen, dass die militärische Registrierung von Frauen in den betreffenden Berufen/Fachrichtungen ausschließlich freiwillig ist. Die Arbeit im Ausschuss der Werchowna Rada wird aktiv fortgesetzt. Es gibt also keine Panik und keinen Verrat. Es gibt keine Beschränkungen für Frauen."




6. Mit Andrew Tate als Aufhänger berichtet CNN über die Schrecken der "Manosphäre":

Die Bekämpfung dieses gefährlichen Phänomens erfordert Muskelkraft an mehreren Fronten. In den USA und auf der ganzen Welt setzen Organisationen auf Technologie und Lehrmethoden, um jungen Männern und Jungen einen besseren Weg aufzuzeigen. Sie wenden auch eine eher unerwartete Zutat an: Mitgefühl.

Das Sammelsurium von Gruppen und Philosophien, die sich um Vorstellungen von toxischer Männlichkeit drehen, wird gemeinhin als "Manosphäre" bezeichnet. In ihr tummeln sich Incels (unfreiwillige Zölibatäre), Männerrechtsaktivisten, Pick-up-Artists und die Urheber von Inhalten, die diese Ideen in der breiten Masse verbreiten. Brette Steele, Senior Director für Preventing Targeted Violence am McCain Institute, sagt, dass Männer in der Regel in die Manosphere strömen, weil sie in irgendeiner Weise unglücklich sind und nach einem Gefühl der Zugehörigkeit suchen, und dass jüngere Zielgruppen von einem ähnlichen Bedürfnis angezogen werden.

(...) Wenn junge Männer erst einmal mit gefährlichen Teilen der Manosphäre in Kontakt gekommen sind, wird laut Steele die Umlenkung zur Hauptstrategie.

Diverting Hate, ein Projekt des Middlebury Institute of International Studies, Equity and Justice, unterhält eine Datenbank mit Begriffen, die in der Manosphere verwendet werden. Durch die Programmierung gegen diese Wörter können sie Anzeigen auf Personen ausrichten, die sich an gefährlichen Unterhaltungen im öffentlichen Online-Raum beteiligen.

"Die Idee ist, die Leute auf pro-soziale Männerorganisationen und positivere Darstellungen von Männlichkeit, die nicht gewalttätig oder erniedrigend sind, umzuleiten", sagt Steele.

Ted Bunch, der Mitbegründer von A Call to Men, sagt, dass einer der Schlüssel dazu, Männer und Jungen aus der gefährlichen Pipeline der Frauenfeindlichkeit herauszuholen, darin liegt, zu verstehen, wo sie beginnt. A Call to Men arbeitet mit Schulen, Unternehmen und professionellen Sportorganisationen zusammen, um das zu fördern, was als "gesunde Männlichkeit" bezeichnet wird: Konzepte wie Freundlichkeit, Respekt für andere und das Verständnis, dass Männer in einer patriarchalischen Gesellschaft die Möglichkeit haben, ihre Macht zum Schutz einzusetzen.

"(Misogynie) lehrt Männer, dass Aggression, Gewalt und die Beherrschung anderer irgendwie in ihrer DNA verankert sind", sagt Bunch. "Das ist nicht der Fall. Es ist die Art und Weise, wie Männer sozialisiert werden. In einer von Männern dominierten patriarchalischen Gesellschaft wird allen beigebracht, dass Frauen und Mädchen weniger wert sind oder dass sie in gewisser Weise das Eigentum sind."

Eine der ersten Prioritäten von A Call to Men ist es immer, den Schaden, den solches Denken anderen zufügt, zu mindern, sagt Bunch. Aber wenn man Frauenfeindlichkeit als eine erlernte Erfahrung ansieht, bietet sich auch eine Gelegenheit für Mitgefühl. Bunch betont, dass ACTM und ähnliche Organisationen für Männer nicht den Standpunkt vertreten, dass Männlichkeit von Natur aus toxisch ist oder dass Männlichkeit bestraft werden sollte. Vielmehr will seine Organisation Männern die Möglichkeit geben, anders darüber nachzudenken, was genau es bedeutet, ein Mann zu sein.

Bunch sagt, dass die effektivste Arbeit von ACTM darin besteht, eine Gruppe von Männern in einen Raum des Vertrauens zu bringen und sie einfach miteinander reden zu lassen - über Dinge, die sie traurig machen, über Dinge, die sie belasten, und über Dinge, von denen sie sozialisiert wurden, dass sie sie nicht ansprechen sollten. "Wenn wir in einem Raum mit Männern sind und auspacken, wie wir sozialisiert wurden, sind sie durstig nach diesen Informationen", sagt er.

(…) "Wir weisen auch darauf hin, dass gesundes Mannsein sowohl eine innere als auch eine äußere Angelegenheit ist", sagt Bunch. "Männer haben eine höhere Selbstmord- und Frühsterberate. Sie kämpfen im Stillen mit Angstzuständen und Depressionen. Manchmal verzichten sie auf eine medizinische Grundversorgung. Hart aussehen, hart sein - diese Art von Erwartungen schaden auch Männern."


Diese Initiativen, die Männerrechtler stigmatisieren, tun also – abgesehen von der bizarren Vorstellung, in unserer Gesellschaft werde allen Männern beigebracht, dass Frauen ihr Eigentum sind – dasselbe was Männerrechtler tun: Sie stoßen an zum Mitgefühl für andere: der Grundstein, auf dem die Männerrechtsbewegung überhaup erst errichtet wurde. Sie bewerben ein positives Männerbild. Sie machen darauf aufmerksam, wo Männer in unserer Gesellschaft zu kurz kommen. Aber trotzdem betrachten sie Männerrechtler als ihre Feinde. Ist diese Kontroverse noch irgendetwas anderes als "Judäische Volksfront" gegen "Volksfront von Judäa"?



7. Sean Kullman, Präsident der Globalen Initiative für Jungen und Männer, beschäftigt sich mit dem Tod vieler (amerikanischer) Männer durch legale Drogen:

Laut dem Department of Health and Human Services ist das am schnellsten wachsende Drogenproblem in den Vereinigten Staaten nicht Kokain, Heroin oder Methamphetamine. Es sind verschreibungspflichtige Medikamente, und sie beeinflussen das Leben von Teenagern nachhaltig."

(...) Todesfälle durch Überdosierung sind ein wichtiger Faktor bei den verschiedenen Todesursachen von 18- bis 24-Jährigen, aber die Jahre 2020 und 2021 sind besonders besorgniserregend in einem Zeitalter, in dem junge Menschen sich selbst behandeln und in den sozialen Medien nach Drogen oder Medikamenten suchen.

(...) Obwohl der Tod durch Fentanyl ein wichtiger Faktor bei den 18- bis 24-Jährigen ist, sind es auch Selbstmord, Mord, Alkohol und Autounfälle. Von 2001 bis 2020 sind fast 400.000 junge Männer und fast 135.000 junge Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren gestorben. Diese Todesfälle umfassen alle Ursachen, und 75 % dieser Todesfälle entfallen auf Männer.

(...) Viele dieser Todesfälle könnten mit den richtigen Maßnahmen verhindert werden, aber zu wenige politische Entscheidungsträger sind sich dieser Daten bewusst, zum großen Teil deshalb, weil dies die Anerkennung der Notwendigkeit der Interessenvertretung von Männern erfordern würde. (…) Doch einige sind aufmerksam geworden und melden sich zu Wort. Die Abgeordneten Mary Dye, Gina Mosbrucker, Jenny Graham und Tom Dent arbeiten in der Legislative des Bundesstaates Washington daran, diese Probleme anzugehen, indem sie versuchen, eine Washington State Commission on Boys and Men (HB1917) einzurichten.

Die USA und die einzelnen Bundesstaaten benötigen dringend einen jährlichen Bericht über den Status von Jungen und Männern, damit sie aktiv daran arbeiten können, Ressourcen effizient einzusetzen. Die Globale Initiative für Jungen und Männer (GIBM) hat Berichte für die einzelnen Bundesstaaten erstellt, und ihre Untersuchungen stoßen auf großes Interesse. Der Kansas City Star veröffentlichte einen Meinungsbeitrag über den Bericht der GIBM über die Situation von Jungen und Männern in Missouri, und weitere Berichte sind in Arbeit. Das GIBM hat gerade einen Bericht über West Virginia veröffentlicht und steht mit politischen Entscheidungsträgern in Kontakt, um die Daten zu prüfen.


Das sind die Männerrechtler, vor denen wir junge Menschen angeblich unbedingt schützen müssen.



Donnerstag, September 08, 2022

Sogar bei Studenten: Zustimmung für Gendersprache sinkt weiter – News vom 8. September 2022

1.
Immer weniger Arbeitnehmer legen Wert auf eine geschlechtsneutrale Sprache ihres Arbeitgebers. Zu dem Schluss kommt der aktuelle "HR Monitor" des HR-Researchers Trendence , für den deutschlandweit 3.954 Beschäftigte befragt wurden. Demnach ist der Anteil der Gender-Befürworter im Vergleich zum Juli 2021 um zehn Prozent auf 35 Prozent gesunken. Unter den Studenten ging die Zahl der Befürworter auf 22 Prozent zurück.


Hier geht es weiter.



2. "Die Welt" berichtet:

Die Kündigung eines Geschäftsführers, der nicht gendern wollte, bleibt nach einem Vergleich vor Gericht bestehen. Zur Zulässigkeit solcher Sprachvorgaben im Wirtschaftsleben ist damit aber nichts entschieden. Der Kläger kann dem Urteil etwas Gutes abgewinnen.

„Wir würden dem Kläger mit Nachdruck raten, den vorgeschlagenen Vergleich anzunehmen. Mit Nachdruck. Mehr können wir dazu nicht sagen“, fasst Arbeitsrichter David Poguntke den Überzeugungsstand seiner Kammer nach der Verhandlung am Arbeitsgericht Bonn zusammen. Mehr muss er auch nicht sagen: Wenn ein Gericht eine so deutliche Empfehlung ausspricht, ist klar, dass sein Urteil nicht zugunsten des Klägers ausfallen wird.

Also akzeptiert Klaus Roggenthin den Vergleich, der freilich auch auf eine Niederlage hinausläuft: Die Kündigung seines Arbeitgebers, der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe (BAG-S), zum 30. September bleibt bestehen; bis dahin ist Roggenthin freigestellt.

Zu dem Verfahren, über das zuerst WELT berichtet hatte, waren zahlreiche Journalisten angereist. Die BAG-S hatte Roggenthins Kündigung – nach elf Jahren Betriebszugehörigkeit und acht Monate vor seinem Renteneintritt – unter anderem damit begründet, dass er sich weigere, die vom Vorstand beschlossene Pflicht zur Verwendung von Gendersprache umzusetzen.

Davon will die Beklagtenanwältin vor Gericht zwar nichts mehr wissen, die im Lauf der Verhandlung erklärt:"„Es war keine Kündigung wegen des Genderns. Auch noch mal in aller Öffentlichkeit und für die Presse: Es hat nichts mit dem Gendern zu tun." Das klang im Schriftsatz der Beklagten noch anders: Dort wird die Weigerung, den Vorstandsbeschluss zum Gendern umzusetzen, als "weiterer einleuchtender Grund" für die Kündigung bezeichnet.

Doch aus Sicht des Gerichts kommt es darauf letztlich nicht an, weil andere Gründe vorlägen, die für sich genommen die Kündigung rechtfertigen könnten. Dass der Kläger Termine versäumt, Fehler bei der Haushaltsführung gemacht oder sonst wie schlechte Arbeit geleistet habe, sei von der BAG-S zwar "nicht gerade substantiiert" vorgetragen worden. Aber letztlich genügt es aus Sicht des Gerichts bereits, dass das Verhältnis zwischen Roggenthin und dem Vereinsvorstand sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat, sodass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht weiter möglich sei.

"Es stimmt natürlich, dass es Spannungen zwischen mir und dem Vorstand gab; aber die folgten immer nur aus meiner Haltung, dass ich nicht gezwungen sein will, in Texten zu gendern, in denen ich selbst als Autor in Erscheinung trete", sagt Roggenthin. Also genau aus jener Frage, die das Gericht "juristisch interessant" findet, aber nicht für entscheidungserheblich hält.

(…) Ein Gutes kann Roggenthin der Sache trotzdem abgewinnen: "Das Positive an diesem Prozess ist, dass er sichtbar gemacht hat, dass Gendern keineswegs, wie gern behauptet wird, immer nur freiwillig ist, sondern dass es auf subtile oder auch rabiate Art erzwungen wird."


Auch Christian Schmidt erörtert heute diesen Fall aus juristischer Perspektive.



3. Diplompsychologe Stefan Rücker spricht im Interview mit dem Bremer Weser-Kurier über Kinder, die sich von einem Elternteil distanzieren: "Das werden in der Regel seelisch Kranke"



4.
Seit August 2022 sieht eine EU-Vereinbarkeitsrichtlinie vor, dass Väter direkt nach der Geburt 10 Tage vom Job freigestellt werden. Aber jedes Land geht anders mit dieser Vereinbarung um, wie unser Überblick zeigt. Plus: Was Deutschland von anderen europäischen Nationen lernen kann.


Das Magazin Dad, das zu "Men's Health" gehört, berichtet.



Mittwoch, September 07, 2022

Trans-Aktivisten geben Feministinnen Mitschuld an Tötung von Malte C. – News vom 7. September 2022

1. Es sind nicht mehr allein Männerrechtler, denen mit bizarren Konstruktionen Mitschuld an Mordtaten unterstellt wird: In einer immer stärker aufgeheizten Debatte sind jetzt Frauenrechtler an der Reihe.



2. Elon Musk kritisiert die neue Amazon-Serie zu in Tolkiens "Herr-der-Ringe": "Fast jeder männliche Charakter ist bisher ein Feigling, ein Idiot oder beides. Nur Galadriel ist mutig, klug und nett."



3. Am 15. September findet das Symposium von Twogether Wien zur Geschlechtergerechtigkeit statt. Es wird ab 13 Uhr live gestreamt, so dass jeder online teilnehmen kann: hier.



Dienstag, September 06, 2022

Warum es wichtig ist, über die geistige Gesundheit von Männern zu sprechen

Vor einigen Tagen veröffentlichte der Psychologe Steve George Verghese auf einer Website für Sprt und Fitness einen gelungenen Artikel über die geistige Gesundheit von Männern. Ich habe ihn für Genderama ins Deutsche übersetzt.

Das Bewusstsein für psychische Gesundheit ist so groß wie nie zuvor, denn die Menschen suchen nach Informationen, Unterstützung und Therapien für verschiedene Erkrankungen. Trotz des ermutigenden Trends können bestimmte Aspekte übersehen werden, zum Beispiel die Frage, mit welchen Herausforderungen der psychischen Gesundheit Männer konfrontiert sind.

Das Geschlecht spielt bei der Entwicklung von psychischen Erkrankungen eine gewisse Rolle, und die Symptome, die Diagnose und die Behandlung sind daher unterschiedlich. Es kann mehrere Faktoren geben, die Menschen davon abhalten, Hilfe zu suchen. Bei Männern ist der wichtigste Grund jedoch die gesellschaftliche Auffassung, dass sie Leiden still erdulden und männliche Stärke zeigen sollten, statt über ihre emotionalen Schwierigkeiten zu sprechen.

- Warum sollten wir über die psychische Gesundheit von Männern sprechen? -

Männer machen Erfahrungen und reagieren mit Verhaltensweisen, die sie emotional auslaugen können. Anstatt sie mit ihren Problemen allein zu lassen, schafft das Ansprechen ihrer psychischen Probleme einen Rahmen der Unterstützung, der ihnen bei der Bewältigung der Herausforderungen helfen und sie ermutigen kann, professionelle Hilfe und Behandlung in Anspruch zu nehmen.

1. Verursachende Faktoren

Die Ursachen und Auslöser für psychische Probleme bei Männern unterscheiden sich von denen, die Frauen betreffen. Finanzielle Sorgen, Probleme mit der beruflichen Entwicklung, Probleme am Arbeitsplatz, Scheidungen und Probleme mit anderen Familienmitgliedern sind einige der Faktoren, die bei Männern Angst auslösen. Diese Unsicherheiten können zu einem schlechten Selbstbild führen, das sie zu Alkohol und anderen Süchten treiben kann.

Von Männern wird erwartet, dass sie ungesunden Vorstellungen von Männlichkeit entsprechen, wie zum Beispiel ihre Gefühle zu unterdrücken, ihre Emotionen zu verbergen und sich nur auf sich selbst zu verlassen, anstatt mit anderen zu sprechen.

In vielen Gesellschaften sind Männer eher die Alleinverdiener. Nach der Pandemie fügt der finanzielle Druck den Familien und ihrer Zukunft unermesslichen Schaden zu. Es ist ganz natürlich, sich verzweifelt und hilflos zu fühlen. Männer sind auch eher harten und riskanten Arbeitsbedingungen ausgesetzt.

Traumatische Ereignisse wie Unfälle, Mobilitätsverlust, gewalttätige Auseinandersetzungen, lebensbedrohliche Ereignisse und sexueller Missbrauch können bei Männern ebenfalls zu psychischen Problemen führen, aber sie zögern eher, Hilfe für ihre Situation zu suchen.

2. Haltung bei der Suche nach Hilfe

Frauen suchen viel eher Hilfe, wenn sie mit psychischen Problemen konfrontiert sind, während Männer ihren Schmerz in sich hineinfressen. Sie leiden im Stillen, da sie befürchten, dass ihre Verletzlichkeit lächerlich gemacht oder sie sozial isoliert werden könnten. Von Männern wird nicht erwartet, dass sie ihre tiefsten Gefühle zum Ausdruck bringen, weshalb selbst diejenigen, die Hilfe suchen, ihre Symptome oder Probleme oft herunterspielen.

Männer halten sich eher an das Sprichwort "Männer kümmern sich um ihre eigenen Probleme" und suchen daher eher nach anderen Wegen, um Hilfe zu bekommen. Dies führt häufig zu einer Selbstmedikation durch den Gebrauch verschiedener Substanzen.

Männer finden Trost in der Vertrautheit, so dass sie glauben, ihre Freunde könnten ihnen helfen, aus dem Loch zu klettern, weshalb sie eine Therapie vermeiden.

3. Anzeichen für psychische Störungen

Viele der Anzeichen für psychische Störungen sind bei Männern anders und werden oft als Anzeichen dafür abgetan, dass "Männer eben Männer sind". Während die körperlichen und emotionalen Symptome psychischer Erkrankungen darauf hinweisen können, dass mit einem Mann etwas nicht stimmt, werden die Verhaltens- und Gefühlssymptome als Männlichkeit fehlinterpretiert.

Männer maskieren ihre Traurigkeit und Frustration mit Aggression. Sie geben sich impulsiven Handlungen, Drogenmissbrauch, Glücksspiel und so weiter hin, um den Umständen zu entfliehen, die ihren geistigen Frieden stören könnten.

4. Prävalenz von psychischen Störungen

Es gibt erhebliche Unterschiede darin, wie anfällig Männer für psychische Störungen und Syndrome sind und wie sie versuchen, diese zu bewältigen. Untersuchungen zeigen, dass bei mehr Frauen Depressionen diagnostiziert werden, Männer sich aber weitaus seltener in Behandlung begeben.

Ähnlich verhält es sich mit Angststörungen: Männer sind weitaus seltener betroffen, unterziehen sich aber auch seltener einer Behandlung, wenn die Krankheit diagnostiziert wird.

Schizophrenie ist ein häufiges Syndrom, das bei Männern häufiger auftritt. Menschen mit Schizophrenie haben aufgrund von Halluzinationen, Denkstörungen und Wahnvorstellungen Probleme mit der Wahrnehmung der Realität. Drogenmissbrauch, riskantes Verhalten unter Alkoholeinfluss und sexuelles Fehlverhalten sind weitere häufige Handlungen, denen Männer nachgeben.

5. Ansätze zur Sensibilisierung

Viele der bestehenden Strategien zur Sensibilisierung für psychische Gesundheit sind darauf ausgerichtet, bei Frauen wirksamer zu sein als bei Männern. Da Männer darauf trainiert sind, sich in männliche Normen einzufügen und nicht auf ihre emotionalen Bedürfnisse zu achten, können sie selbst dann, wenn sie merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, dies nicht zum Ausdruck bringen.

Männer fühlen sich bei den derzeitigen Sensibilisierungskampagnen für psychische Gesundheit oft fehl am Platz oder ausgegrenzt. Die Aufklärungskampagnen müssen modifiziert werden, um sie für Männer ansprechender zu gestalten.

6. Selbstmordraten

Ein weiterer wichtiger Grund, warum die psychischen Probleme von Männern erörtert werden sollten, ist, dass diese Probleme mit tödlichen Folgen von Selbstmordversuchen in Verbindung gebracht werden. Laut einer Studie weisen Frauen eine höhere Rate an Selbstmordversuchen auf; allerdings sterben mehr Männer an den Folgen eines Selbstmordes, vielleicht weil sich selbstmordgefährdete Männer in einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand befinden.

Selbstmord steht in engem Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen, und es ist weitaus wahrscheinlicher, dass es Männern gelingt, ihr Leben zu beenden. Selbstmord bei Männern aufgrund von psychischen Erkrankungen ist ein Risikofaktor für alle Altersgruppen. Alle oben genannten Faktoren führen zusammen zu einer hohen Selbstmordrate bei Männern.

- Zusammenfassung -

Das wachsende Bewusstsein für psychische Probleme ist eine willkommene Veränderung in der heutigen Zeit. Millionen von Menschen finden nach entsprechenden Maßnahmen zu einem erfüllten und glücklichen Leben zurück. Es ist an der Zeit, dass wir die Unterschiede in der Art und Weise anerkennen, wie emotionale Herausforderungen Männer betreffen. Wir müssen diese Themen ansprechen, damit die Männer um uns herum verstehen, dass sie nicht allein sind und sich ohne Angst vor Stigmatisierung behandeln lassen können.




Ich werde nächste Woche mit einem weiteren Beitrag auf dieses Thema zurückkommen.



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