Montag, Mai 20, 2019

Politikerinnen finden Outfit von Turnerinnen sexistisch – News vom 20. Mai 2019

1. Die Schweiz hat eine neue Sexismusdebatte. Sozialdemokratische Abgeordnete und Frauenrechtlerinnen stören sich daran, dass Turnerinnen Bein zeigen müssen. Die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet.



2. Die Interessen von vielen Jugendlichen decken sich immer noch mit traditionellen Geschlechterrollen, meldet betrübt Felicitas Wilke in der "Zeit". So konnten sich 10,8 Prozent der an einer Untersuchung teilnehmenden jungen Frauen eine spätere Tätgkeit im pädagogischen Bereich vorstellen, aber ledglich 4,7 Prozent der jungen Männer. Einen technischen Beruf hingegen erwägen mehr als sechsmal so viele Männer wie Frauen. Es sei "erstaunlich, wie sehr die jungen Menschen Genderklischees reproduzieren", sagt dazu Kommunikationswissenschaftler Helmut Scherer, der die Untersuchung ausgewertet hat. Die Schere klafft sogar zunehmend weiter auseinander. Warum die Gender-Lehre auch nach Jahrzehnte langem Hinwirken die jungen Menschen immer noch nicht dazu bringt, sich endlich gleichförmig auf die verschiedenen Berufsfelder zu verteilen, beantwortet der Artikel nicht.



3. Vielleicht sollte man noch früher anfangen, die Leute angemessen zu erziehen? Inzwischen werden immer mehr "feministisch-engagierte Kinderbücher" für die Kleinsten veröffentlicht.

Samstag, Mai 18, 2019

Neue Studie: Frauen leiden immer stärker unter den Folgen von MeToo – News vom 18. Mai 2019

1. Was sich bisher schon in anekdotischen Berichten und einzelnen Umfragen abzeichnete, wird jetzt durch eine aktuell veröffentlichte Studie stärker belegt: Männer schrecken nach MeToo davor zurück, Frauen zu betreuen und zu unterstützen. Diese Tendenz nimmt stark zu.

60% der männlichen Manager berichten, dass sie zu viel Angst davor hätten, der Belästigung beschuldigt zu werden, um mit Frauen in "gemeinsamen Arbeitsabläufen" wie Mentoring, Sozialisierung und Einzelgesprächen zu interagieren.

Dies stellt gegenüber dem Jahr 2018 eine Steigerung von 32 Prozent dar, während weitere 36% der Männer sagen, dass sie jetzt aktiv Frauen in Junior-Positionen meiden - und damit ihre Chance, die Karriereleiter zu erklimmen, effektiv reduzieren.

"Die überwiegende Mehrheit der Manager und Senior Leader sind Männer", erklärte hierzu Sheryl Sandberg, Manager bei Facebook und Gründerin von LeanIn.org. "Wenn sie sich nur widerwillig mit Frauen treffen, gibt es keine Möglichkeit, dass Frauen eine gleichwertige Chance haben, sich zu beweisen."

(...) "Wir sind an einem schlechten Ort - niemand wurde jemals ohne ein persönliches Treffen befördert", sagt Sandberg. "Höher gestellte Männer zögern im Moment neunmal mehr, mit einer Frau zu reisen, und sechsmal mehr, ein Arbeitsessen zu haben."


Und zwölfmal mehr, sich zu einem Gespräch unter vier Augen zu treffen. Diese Gespräche finden statt mit jungen Frauen jetzt verstärkt mit jungen Männern statt.

Sandberg appelliert an Männer in hohen Positionen, die Risiken in Kauf zu nehmen, die mit solchen Treffen verbunden sind, um Frauen auf der Karriereleiter weiter hinauf zu helfen.

Ich weiß nicht ... ich werde von den Machthabern unserer Gesellschaft ja ignoriert, wenn ich solche Dinge sage, aber: Wäre es nicht doch eine bessere Idee gewesen, wenn Feministinnen und Männer-Aktivisten gemeinsam überlegt hätten, wie man das Problem "sexuelle Belästigung" angehen sollte? Männerrechtler haben längst schon dazu angeregt, MeToo vom Monolog zum Dialog werden zu lassen und eigene Vorschläge zu einer verantwortungsvolleren Bekämpfung sexueller Übergriffe vorgelegt. Sie wurden ignoriert. Stattdessen stellte man Männer lieber mit einem breiten Pinsel als potentielle Triebtäter dar, und an die Stelle der Unschuldsvermutung trat oft genug "Glaubt den Frauen!" Und jetzt ist man überrascht, dass das keinen guten Ausgang nimmt?



2. Der Deutsche Werberat veröffentlicht aktuell vier Rügen, Edeka ist nicht dabei.



3. Was keine deutsche Zeitung jemals tun würde: Anlässlich der Wahl zur US-Präsidentschaftskandidatur fragt der Miami Herald: Was sind eigentlich die Positionen der Bewerber zu Männeranliegen? Schließlich seien Männer ebenfalls Menschen.



4. Genderama hat seit gestern über zehn Millionen Seitenaufrufe erreicht.

Freitag, Mai 17, 2019

Sorgerechtsstreit: Frau legt falsche DNA-Spuren, um Ex-Mann zu schaden – News vom 17. Mai 2019

1.
Alles klar, Herr Kommissar? Nein! Ein Fall in München zeigt, dass Polizisten und Staatsanwälte immer schön misstrauisch bleiben sollten – selbst, wenn sie am Griff eines Tresors DNA-Spuren des Beschuldigten finden und jemand sein Auto am Tatort gesehen haben will. Denn in Wahrheit könnte alles ganz anders gewesen sein …


Hier geht es weiter.



2. In einem gelungenen Beitrag schildert das Blog "Ruhrbarone", wie Linke sexistische Klischees einsetzen, um einen CDU-Nachwuchspolitiker zu mobben: "Philipp Amthor vs. toxische Männlichkeit". Dabei sollte man aber auch einen der Kommentare unter dem Beitrag beachten:

Was das mit toxischer Männlichkeit zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Eine kurze Twittersuche bringt haufenweise diffamierende ad hominem tweets auch von weiblichen, vermeintlich feministisch-progressiv-toleranten Zeitgenössinnen zutage.




3. Das Blog Apokolokynthose äußert sich zu dem zentralen Denkfehler in der Forderung nach einem Sexstreik.



4. Auch die Gewerkschaft der Polizei macht inzwischen häusliche Gewalt gegen Männer zum Thema. Anders als viele Journalisten erkennt der Verfasser des Artikels, dass die laut BKA-Statistik fast 18 Prozent männlichen Opfer häuslicher Gewalt nur das Hellfeld darstellen: "Die tatsächliche Zahl der Männer, die Partnerschaftsgewalt erleiden müssen, liegt vermutlich deutlich höher. Denn viele Fälle werden aus Scham, Angst oder Hilflosigkeit nicht zur Anzeige gebracht." Insgesamt ein sehr guter Artikel.



5. Das feministische Magazin Edition F hat Hajo Schumacher interviewt. Schon eine der Fragen sagt viel darüber aus, warum wir Männerrechtler für manche als "antifeministisch" gelten:

Ein Klassiker, bei dem sich jede Frauenrechtlerin an den Kopf fasst, ist die Passage, in der es um häusliche Gewalt geht. Du schreibst, dass auch Männern häusliche Gewalt passiert, da würde nur keiner drüber reden; du zitierst irgendwelche neuen Studien, die besagen, dass Gewalt angeblich genau so häufig von Frauen ausgehen würde. In Deutschland wird jeden zweiten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, da frage ich mich: Warum machst du das? Angst vor der eigenen Courage? Willst du so Männer ins Boot holen, die den ganzen Frauenrechtekram lästig finden?


"Irgendwelche neuen Studien": Es sind über 500 kriminologische und soziologische Studien ab den achtziger Jahren. Aber wer sie vorlegt, muss sich als Frauenfeind anpampen lassen ...

Gute Nerven vorausgesetzt, ist das Interview durchaus aufschlussreich. Mir gefällt besonders gut, dass die Interviewerin einerseits so kenntnislos ist, andererseits aus ihrem festen Glauben daran, Andersdenkenden intellektuell Lichtjahre voraus zu sein, kein Geheimnis macht.



6. Die indische Afternoon Voice berichtet in einem Leitartikel sowohl über Männerrechtler als auch über Falschbeschuldigungen, die oft zum Tod führen, und tut das so sachlich und informativ, wie ich mir das von deutschen Medien wünschen würde.



7. Die Post. Einer meiner Leser in Wien schreibt mir zu dem Verbot von Piktogrammen von Herrenfahhrädern in Hannover:

Sehr geehrter Herr Hoffmann!

Auch in Österreich hat man teilweise Fahrradpiktogramme ohne Oberrohr verwendet, was ich aus mehreren Gründen für völlig absurd halte:

1. Sogenannte "Damenräder" ohne oder mit geschwungenem Oberrohr sind eigentlich nur deshalb gebaut worden, damit Damen, die mit Rock fahren, auf das Rad aufsteigen können. Diese Räder haben im Gegensatz zu denen mit herkömlichem Diamantrahmen aber den Nachteil, daß sie weniger stabil sind und zum Flattern neigen. Das Verwenden solcher Piktogramme zementiert daher wieder mal Geschlechtsstereotype, gegen die die Vertreter solcher Maßnahmen eigentlich zu sein vorgeben.

2. Auch bei Mountainbikes oder bei Rennrädern gibt es spezielle Damenversionen. Diese unterscheiden sich aber von den Herrenversionen nicht in einem fehlenden Oberrohr, weil das der Stabilität schaden würde und außerdem beim sportlichen Fahren üblicherweise auch von Damen eine entsprechende Radhose getragen wird, sondern die Proportionen des Rahmens sind andere, bspw. ist das Oberrohr kürzer, damit die Rahmen den etwas anderen Proportionen des weiblichen Körpers entgegenkommen.

3. Ich gehöre als Radler einer besonderen Minderheit an: Ich fahre ein Liegerad. Diese Räder sind nicht nur auf Piktogrammen nicht berücksichtgt, sondern auch in wesentlich wichtigeren Bereichen, nämlich beispielsweise der österreichischen Fahrradverordnung, die zum Beispiel noch immer auch für diese Räder Pedalreflektoren vorschreibt, obwohl die in diesem Fall vollkommen sinnlos sind. Ich finde es daher schon bezeichnend, daß man anscheinend für diesen Unsinn Geld hat, aber für wichtigere Dinge nicht.


Zuletzt: Eine weitere Autorin ist glücklich.

Donnerstag, Mai 16, 2019

"Geschlechtergerechtigkeit": Keine Herrenfahrräder auf Hannovers Straßen – News vom 16. Mai 2019

1.
Es ist ein ungewöhnliches Bild: Ein Mitarbeiter einer Baumfirma, der gerade ein Fahrradpiktogramm auf einer Straße in Limmer aufgebracht hat, kratzt das Oberrohr der Fahrrad-Abbildung wieder heraus. Aus dem Herren- wird ein Damenrad. "Das ist nur in Hannover so, die Fahrräder dürfen hier keine Stange haben", sagt der Mitarbeiter, als er von einem Radfahrer darauf angesprochen wird.

Dass das Oberrohr aus dem Fahrrad-Piktogramm getilgt wird, ist in Hannover im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit tatsächlich gelebte Praxis, bestätigt Stadt-Sprecher Dennis Dix. Auf fast allen Fahrrad-Piktrogramm ist ein Damenrad abgebildet. In anderen Städten ist das nicht der Fall. Denn: "Vorgefertigte Piktogramme gibt es nicht ohne Oberrohr", stellt Dix klar.


Hier geht es weiter.



2. Vor knapp zwei Wochen wurde auf "jetzt", dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung", der Artikel "Der linke Diskurs ist kaputt" veröffentlicht. Darin heißt es zu einem Instagram-Posting:

Nun hätte es passieren können, das darunter Maskulinisten Ekelhaftigkeiten loslassen und Frauen herabwürdigen, was mal wieder bewiesen hätte, dass der Kampf für Gleichberechtigung ein harter ist. Solche Kommentare habe ich dort zum Glück nicht gesehen.


(Wir Männerrechtler bezeichnen uns als "Maskulisten" nicht "Maskulinisten", aber von vielen Außenstehenden werden beide Begriffe oft synonym verwendet, als ob sie austauschbar wären.)

Die Rhetorik der von mir zitierten Passage ist irritierend: Obwohl es KEINE bedenklichen Kommentare von "Maskulinisten" gab, werden "Maskulinisten" mit "Ekelhaftigkeiten" in einen Zusammenhang gebracht, als ob das völlig selbstverständlich wäre.

Objektiv betrachtet, ist dieser Satz so sinnvoll wie "Nun hätte es passieren können, dass mein in Mainz geparktes Auto von Türken gestohlen worden wäre, aber als ich zurückkehrte, war es gottseidank noch da." In diesem Satz wird das vorurteilsbeladene Ressentiment des Sprechers deutlich. Leider fürchte ich, dass dies bei Ressentiments gegen "Maskulinisten" nicht der Fall ist: Es handelt sich um eine überschaubare Gruppe, über die in den Leitmedien zumeist gar nicht und wenn doch, dann negativ berichtet wird. Die gedankliche Verknüpfung von "Maskulinisten" und "ekelhaft" wird durch die Polemik in dem "jetzt"-Artikel weiter etabliert.

Nun bin ich in den sozialen Medien seit 20 Jahren unter Männer-Aktivisten auf Facebook und Twitter unterwegs und habe dort nie frauenfeindliche Sprüche mitbekommen. Auch Journalisten, die mich vor Jahren einmal für das Magazin "Kulturzeit" interviewt hatten, vertrauten mir während der Aufnahmen an, sie hätten nach solchen Ausfällen gesucht, aber keine gefunden. Und wenn es solche Fendseligkeiten gäbe, würden sie dann nicht in diversen Artikeln empört ausgestellt werden? Schließlich wird das ja schon gemacht, sobald ein Mann in der U-Bahn breitbeinig sitzt.

Aber gut, dachte ich mir, vielleicht gibt es ja irgendwelche Vorfälle, von denen ich schlicht nichts weiß. Also schrieb ich die Autorin des Artikels, Nadja Schlüter, an, um mich danach zu erkundigen:

Sehr geehrte Frau Schlüter,

in Ihrem aktuellen Artikel "Der linke Diskurs ist kaputt" schreiben Sie: "Nun hätte es passieren können, das darunter Maskulinisten Ekelhaftigkeiten loslassen und Frauen herabwürdigen ..."

Ich gehöre selbst zur maskulistischen Bewegung, habe aber von solchen Dingen bislang nichts mitbekommen. Mich würde interessieren, wer aus unseren Kreisen in den sozialen Medien welche "Ekelhaftigkeiten" hinterlässt. Könnten Sie mir bitte ein paar Links darüber schicken, was genau Sie meinen, damit ich mir ein Bild davon machen kann?

Freundliche Grüße

Arne Hoffmann


Das war am 6. Mai. Wenig überraschend habe ich bis heute keinerlei Antwort erhalten.

Insofern frage ich mich schon, wo derartige Polemik herrührt. Wird jeder frauenfeindliche Kommentar im Internet "Maskulinisten" zugeordnet? Gehen in manchen Köpfen verschiedene Dinge einfach wild durcheinander nach der Maxime "frauenfeindliche Sprüche nerven ... kritisches Hinterfragen einer einseitigen Geschlechterpolitik nervt ... eigentlich ist das ja dieselbe ekelhafte Soße"? Und muss ich im nächsten "jetzt"-Artikel mit der Behauptung rechnen, man bekomme von mir ekelhafte Mails?



3. Die Aaargauer Zeitung interviewt einen Familienrichter: "Manipulierte Kinder übernehmen die Sicht ihrer Mutter".

Siehe zum selben Thema in der Mittelländischen Zeitung: "Eltern-Kind-Entfremdung – Der (noch) tolerierte Kindesmissbrauch"



4. Das Deutsche Historische Museum hat das Magazin "Cuncti" zu einer Blogparade mit dem Thema "Was bedeutet mir Demokratie?" eingeladen. Im Rahmen dieser Blogparade erörtert ein aktueller Beitrag Bertha Steins, warum der moderne Feminismus nicht nur sich selbst gefährdet.



5. US-amerikanische Studenten drehen den Spieß um und verklagen ihre Hochschule wegen "sexueller Belästigung", weil diese Hochschule gegen Falschbeschuldigungen, die Studenten seien Vergewaltiger, nicht eingeschritten war. Der Hochschule wird auch Voreingenommenheit gegenüber Männern vorgeworfen. Die Klage ist Teil einer sehr großen Klagewelle solcher Studenten in den USA, aber der erste mir bekannte Fall, bei dem eine Falschbeschuldigung als sexueller Übergriff definiert wird.



6. Geht der Kampf gegen "alte weiße Männer" inzwischen nicht ein bisschen weit?



7. Feedback: Die Psychologin Sandra Hermann, eine der Autorinnen des von mir herausgegebenen Sammelbandes "Gleichberechtigung beginnt zu zweit", schreibt mir heute auf Facebook:

Habe gestern mein Buch in der Post gehabt und bin halb durch ... muss sagen: WOW. Echt gelungen! Richtig gut! Und ich bin wirklich stolz darauf, dass ich daran mitwirken durfte!! Danke Arne Hoffmann!


Privat (aber natürlich zur Veröffentlichung auf Genderama freigegeben) schreibt mir Sandra Hermann: "Hey... das Buch ist so was von klasse!!" Sie habe kurz überlegt, ob sie ihre Mitarbeit an dem Sammelband zurückzieht, weil sie sich eine Zeitlang nicht mehr in diesem Bereich engagiert habe, sei jetzt aber "echt froh, dass ich nicht gekniffen habe. Hat wieder ein Feuer in mir entfacht und ich habe schon wieder 100 neue Ideen zu dem Thema ..."

Das ist großartig, Sandra! Ich danke DIR, denn, wie du weißt, finde ich deinen Buchbeitrag herausragend gut. Hoffen wir, dass unser Sammelband auch in vielen andere Lesern Begeisterung und Engagement entfacht.

Mittwoch, Mai 15, 2019

Feministischer Sex-Streik: Ja oder Nein? – News vom 15. Mai 2019

1. Gestern hatte ich vor allem die Stimmen zitiert, die den von der Schauspielerin Alyssa Milano ausgerufenen Sex-Streik kritisch sehen – beispielsweise weil ihnen Sex Spaß macht. Durchaus für den Streik ist Julia Bähr in der Frankfurter Allgemeinen:

Ein Streik darf auch den Streikenden etwas abverlangen. Es ist jedenfalls keine große feministische Geste, abends Geschlechtsverkehr mit jenen Männern zu haben, die tagsüber die Rechte von Frauen einschränken.


Die Website "The Babylon Bee" greift den Streik satirisch auf. Darüber hinaus ist er Diskussionsthema bei Christian Schmidt.



2. Lucas Schoppe blickt in einem neuen Beitrag auf die vergangene Woche zurück:

"Gleichberechtigung beginnt zu zweit": Es hat einen guten Grund, dass Arne Hoffmann sein neues Buch nicht allein geschrieben hat, sondern dass er als Autor und Herausgeber ganz verschiedene Menschen dafür gewonnen hat. Feministinnen, Maskulisten, Paartherapeuten, Mediatoren und andere, einer der Autoren ist sogar Lehrer und Blogger – der Anspruch, dass zur Gleichberechtigung mindestens zwei gehören, lässt sich eben aus einer Perspektive allein nicht einlösen.

Der Ansatz, Gruppen und Akteure nicht gegeneinander auszuspielen, sondern eine Kooperation zwischen ihnen zu organisieren, mag im Rahmen der heutigen Medienlandschaft und Politik ganz neu und ungewöhnlich erscheinen. Er ist aber zugleich für viele Menschen in vielen Arbeitsverhältnissen, Familien und anderen persönlichen Beziehungen tägliche, selbstverständliche Realität.

Dass sich eine medial vermittelte, sich über Konflikte und Ausgrenzungen organisierende virtuelle Realität weit von dem Alltag vieler Menschen entfernt hat, zeigte sich auch an einer der großen Aufregungen der letzten Woche. Wenn ich nun noch einmal über die Reaktionen auf die Edeka-Reklame (wenn ich an den Spot denke, kommt mir immer das antiquierte Wort "Reklame" in den Sinn, warum auch immer) schreibe, die hier schon in der letzten Woche Thema war, dann vor allem aus einem Grund: An diesem Beispiel wird deutlich, dass viele Menschen ganz selbstverständlich und ohne viel Wirbel darum zu machen schon viel weiter sind als die Profis der öffentlichen Meinung.

Und viel ziviler.


Hier geht es weiter mit dem lesenswerten Beitrag.

Inzwischen hat mir einer meiner Leser die Antwort eines EDEKA-Vorstandsmitglieds auf seine Beschwerde weitergeleitet. Dieser Darstellung nach habe man bei EDEKA eine derart negative Reaktion nicht vorhergesehen, zumal es bei den Preview-Tests im Vorfeld keinerlei Warnsignale gegeben habe. Geplant sei ein ironischer Spot gewesen; von der negativen Botschaft, die von vielen Zuschauern interpretiert wurde, distanziere man sich. Die "aktive Bewerbung" des Spots habe man schon vor dem Muttertag gestoppt. Man wolle den Spot für diejenigen, die von sich aus danach suchten, aber auch nicht offline nehmen, sondern sich der geäußerten Kritik stellen und eine Plattform für Diskussionen anbieten.



3. Auf Spiegel-Online widmet sich ein Podcast von Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann der Diskriminierung von Vätern.



4. Die linke Jungle World beschäftigt sich mit der Diffamierung von Islamkritik als "rechtspopulistisch" durch das Gender-Lager. Entsprechende Unterstellungen, so heißt es in dem Artikel, werden "so oft wiederholt, bis sich das Gerücht verselbständigt hat – in der Hoffnung, die damit Gemeinten auf Dauer zu diskreditieren." Auch ich als Männerrechtler habe mit diesen unfeinen Methoden Erfahrung gesammelt.



5. Tadschikistans Präsident Rachmon zufolge sollten Männer keine Banker werden:

Rachmon riet den Männern in den schlecht bezahlten Bankjobs, ihren Unterhalt lieber auf dem Bau zu verdienen. Ihm sei nicht klar, wie 100 Kilo schwere Männer den ganzen Tag am Bankschalter für ein geringes Gehalt von umgerechnet monatlich rund 70 Euro sitzen könnten. Zugleich sagte der Präsident, dass die Arbeit besser zu Frauen passe und diese auch weniger anfällig für Korruption seien.




6. Deutsche Frauen arbeiten einer aktuellen Studie zufolge, über die "Die Zeit" natürlich berichtet, täglich 4,5 Stunden unbezahlt: etwa wenn sie den Haushalt erledigen oder sich um ihre Kinder kümmern. Wie viel unbezahlte Arbeit Männer in Deutschland leisten, hat die Studie nicht untersucht.

Die Kommentare, die unter dem "Zeit"-Artikel stehen bleiben durften, äußern sich wenig anerkennend zu der Studie. Auch die US-amerikanische Autorin Ashley McGuire erklärt mit Bezug auf einen Artikel der Psychologin Darcy Lockman, diese vorwurfsbefrachteten Debatten, wer wieviel im Haushalt tut, nicht mehr hören zu können:

Warum? Weil es meine Entscheidung ist. Was Lockman übersieht, wie so viele Feministinnen, die sich über Lohnunterschiede und häusliche Unterschiede beklagen, ist die Realität, dass die meisten Männer und Frauen sehr unterschiedliche Dinge vom Leben wollen, und diese Unterschiede werden erheblich vergrößert, wenn kleine Kinder zu Hause sind. Das Forschungsinstitut Pew hat immer wieder festgestellt, dass die Mehrheit der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren es vorziehen würde, Teilzeit zu arbeiten oder gar nicht. Nur eine von drei Müttern will einen Vollzeitjob. Diese Frauen wollen die primären Betreuerinnen für ihre Kinder sein und freuen sich, wenn sie Prioritäten setzen können, was sie zu Hause tun.

(...) Möglicherweise ist Lockmans größter Lapsus ihr Versagen, Männer für die großen Schritte angemessen zu erkennen und zu loben, die sie unternommen haben, um zu Hause und an ihren Kindern mehr beteiligt zu sein als vielleicht jemals zuvor in der Geschichte. Denkt Lockman wirklich, dass das Ausschimpfen von Männern der Geschlechtergerechtigkeit dient? Sollte sie als Psychologin nicht wissen, dass das Niedermachen von Männern ihr nicht weiterhilft?

Die Kriege um die Verteilung von Hausarbeit wirken besonders rückwärtsgerichtet im Hinblick auf meine Generation, die in Bezug auf die Arbeitsteilung traditioneller orientiert ist. Mütter der jüngsten Erwachsenengenration, der Milennials, bleiben häufiger mit ihren Kindern zu Hause als die Mütter der Vorgängergeneration, und Millennials finden deutlich häufiger als die Vorgängergeneration, dass das Modell des männlichen Ernährers das ideale Arrangement ist – obwohl es erwähnenswert ist, dass die Rate der Väter, die zu Hause bleiben, auch bei den Millennials auf einem historischen Höchststand liegt. Ich würde sagen, dass der Grund dafür, warum die Millennials zu traditionelleren Arrangements übergehen, einfach ist: Frauen haben jetzt die Möglichkeit dazu; wir können frei wählen, was für unsere Familien und uns selbst am besten funktioniert.




7. Das US-amerikanische Politik-Magazin Townhall erörtert, inwiefern es Frauen in unserer Gesellschaft längst besser als Männer haben, ohne dass sich die gewohnten Diskurse dadurch nur einen Deut ändern.



8. US-Senatorin Kirsten Gillibrand, die für den Wettstreit um die Präsidentschaft kandidiert, erreicht in den Umfragen lediglich 3 Prozent der Wählerstimmen. Ihre Erklärung dafür: Frauenfeindlichkeit. Der Daily Wire ist skeptisch, was diese Erklärung angeht: Alle anderen Kandidatinnen haben deutlich bessere Werte als Gillibrand, und von einer Benachteiligung von Frauen im politischen Wettstreit könne auch keine Rede sein: Über die weiblichen Kandidaten werde in den Medien um mindestens 50 Prozent häufiger berichtet als über ihre männlichen Konkurrenten.

Siehe zum selben Thema auch: "Ich würde Gillibrand nicht wählen – das macht mich noch nicht zur Sexistin."



9. Spoiler-Warnung zur aktuellen "Game-of-Thrones"-Folge. Wer sie noch sehen möchte, ohne vorher über Teile der Handlung Bescheid zu wissen, sollte die nächsten beiden Absätze überspringen.

In der vorletzten Folge unterwandert die Fantasy-Serie "Game of Thrones" einmal mehr alle beliebte Klischees: diesmal das von der weiblichen Erlöserin und Befreierin aus einer "patriarchalen" Gesellschaft (als ob Frauen an dieser Gesellschaft nie sehr aktiv mitgewirkt hätten). Stattdessen begeht die erhoffte Erlöserin, auf deren Namen viele Zuschauer der Serie inzwischen ihre Kinder hatten taufen lassen, einen Massenmord und wird damit sozusagen zum Endgegner. Die ersten Kritiker versuchen bereits, einen Ansatz zu finden, der diese Handlung rechtfertigt: Auch Daenerys Targaryen ist ein Opfer des Patriarchats!

Einen weniger ideologisierten Artikel findet man hier. Beide Beiträge sind aber nur für Fans der Serie interessant. Bei allen anderen entschuldige ich mich für die Störung; "Game of Thrones" ist ja nächste Woche vorbei.



10. Zuletzt in eigener Sache: Ganz herzlichen Dank an alle von euch, die mir ein Geschenk zu 50. Geburtstag gemacht haben! Ihr seid großartig, und ich bin sehr gerührt: Ich hatte gar nicht mit viel gerechnet; tatsächlich stand aber unser Postbote mit einem Bottich voller Päckchen vor der Tür. Manche Bücher waren sehr hübsch verpackt, mache anonym, manche außer mit dem Namen des Schenkenden mit einer starken Botschaft an mich versehen. ("Vielen Dank für den jahrelangen mutigen Einsatz für Männer und Väter, der mir eine große Hilfe in schlimmen Zeiten war." Das freut mich.) Außerdem dachte ich bislang, Genderama hätte so wenige weibliche Leser, dass ich sie alle persönlich kenne; offensichtlich ist das aber nicht der Fall. Ganz herzlichen Dank noch mal, ihr seid super!

Dienstag, Mai 14, 2019

Erste Mondfahrer waren weiße Männer: Sollte man sie deshalb weniger bewundern? – News vom 14. Mai 2019

1.
In diesem Jahr feiern wir mit fünfzig Jahren Mondlandung ein so männliches Jubiläum, dass Frauen die Geschichte einklagen möchten. Manche weisen darauf hin, dass im Raumschiff auch Schwarze, Homosexuelle und Pazifisten fehlten. Was soll das?


Hier geht es weiter mit dem Artikel von Birgit Schmid in der Neuen Zürcher Zeitung.

In diesem Zusammenhang weist mich einer meiner Leser auf diesen Artikel hin und schreibt:

Darin erklärt der NASA-Chefwissenschaftler James Green: "Geplant ist, dass 2024 eine bemannte Landung auf dem Mond stattfinden soll. Diesmal soll aber kein Mann, sondern eine Astronautin zuerst aussteigen – und zwar am dortigen Südpol."

Dieses Interview wird von anderen Medien (etwa der WELT) unter der Headline "NASA will Frau auf den Mond schicken" verbreitet. Interessant ist, dass auch im Interview keinerlei Begründung dafür genannt wird. Implizit geht es wahrscheinlich mal wieder um "Gerechtigkeit", war der erste Mensch (und alle Folgenden) auf dem Mond doch ein Mann. Qualifikation spielt keine Rolle, wenn es um die Verbreitung der progressiven Ideologie auch auf dem Erdtrabanten geht.




2. Auch die Frankfurter Allgemeine berichtet über den Protest gegen die EDEKA-Reklame: "Feministinnen wissen nicht genau, ob sie sich aufregen sollen, weil das die Maskulisten schon tun." Dabei dürfe man nicht vergessen, dass dieser Werbespot vor allem auf Kosten der Kinder gehe.

Aber sind diejenigen, die die Reklame scharf kritisieren, vielleicht nur eine kleine Minderheit von Spaßbremsen? Dieser Frage ist das Forschungsinstitut System1 Research nachgegangen und stellt die Ergebnisse im Werbemarkt-Magazin "Horizonte" vor.

"Das Ergebnis dürfte den Verantwortlichen bei Edeka und Jung von Matt nicht gefallen", berichtet Kathrin Posnanski, Country Director Germany bei dem Marktforscher. Lediglich einen von maximal fünf erreichbaren Sternen erziele der Spot. Damit zeige sich dasselbe Bild wie in den Online-Kommentaren: Die Reklame erzeuge kurzfristige Aufmerksamkeit, sei aber nicht geeignet, um langfristiges Markenwachstum aufzubauen:

"Völlig bescheuerte Werbung", "stumpfe Klischees", "männerverachtend" und sogar "nicht einkaufen bei Edeka" sind einige der Aussagen bei denjenigen, die bei diesem Spot negative Gefühle verspüren. 17 Prozent der Befragten empfinden bei dieser Werbung "Verachtung", " Wut" oder "Ekel" und weitere sieben Prozent macht die Werbung einfach traurig.


Langfristig gesehen könne durch derartige Reklame das Vertrauen in EDEKA leiden, da die dadurch erzeugten negativen Gefühle einen enormen Schaden für das Firmen-Image anrichteten. Dies gelte insbesondere, wenn EDEKA häufiger Spots dieser Art zeigen würde.



3. Schweden nimmt die Ermittlungen gegen Julian Assange wegen Vorwürfen der Vergewaltigung wieder auf:



4. Wie die New York Times berichtet, hat der Juraprofessor Ronald S. Sullivan nach monatelangem Druck von Studenten seine Funktion als Haus-Dekan an der Universität Harvard verloren, weil er den Filmproduzenten Harvey Weinstein anwaltlich vertritt, der Anstoß zu der MeToo-Kampagne gegeben hatte.

Den Studenten zufolge disqualifiziere sich jemand, der einen Menschen vertritt, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, dafür, Studenten zu beraten und ihnen als Mentor zur Seite zu stehen. Es kam zu Sitzstreiks und mit Graffiti beschmierten Wänden der Universität. Vergangenes Wochenende informierte der Vorsitz der Hochschule ihre studenten dahingehend, dass Sulivan einem angenehmen Klima an der Hochschule offenkundig abträglich sei, weshalb man ihn nicht mehr länger als Dekan halten werde. Daraufhin erklärte Sullivan, dass er sich aus dem Team von Weinsteins Verteidigern zurückziehen werde.

In dem Artikel heißt es weiter:

Die Kontroverse um Mr. Sullivans Vertretung von Mr. Weinstein verdeutlichte einen Konflikt zwischen dem Rechtsgrundsatz, dass jede beschuldigte Person eine energische Verteidigung verdient, und den Forderungen der Studenten, dass Hochschulbeamte Unterstützung für Opfer sexueller Gewalt zeigen sollten. "Auf welcher Seite bist du?" verlangte eine der an die Wände gesprühten Botschaften, die sich Anfang des Jahres an Mr. Sullivan richtete.

Aber eine Reihe von Kollegen Sullivans kamen zu seiner Verteidigung; 52 Professoren an der juristischen Fakultät unterzeichneten einen Brief, der ihn unterstützte und befanden, dass sein Engagement für die Vertretung unbeliebter Mandanten voll und ganz mit seinen Rollen als Juraprofessor und Dekan der Fakultät übereinstimmte, und dass Harvard ihn nicht zum Rücktritt zwingen sollte.


Der weltbekannte US-amerikanische Strafverteidiger, Juraprofessor und Publizist Alan Dershowitz kommentiert:

Der neue McCarthyismus kommt nach Harvard. Die Entlassung von Dean Sullivan erinnert mich an die schlechten alten Zeiten, in denen Anwälte entlassen wurden, weil sie Kommunisten, Schwule, Bürgerrechtsdemonstranten und Frauen, die Abtreibungen anstreben, vertreten haben.

Dies könnte die schlimmste Verletzung der akademischen Freiheit während meiner 55-jährigen Zusammenarbeit mit Harvard sein. Jeder Student, der sich in Anwesenheit von Dean Sullivan und seiner Frau "unsicher" fühlt, gehört nicht an eine Universität.




5. Der Stadtrat des schottischen Glasgow hat erklärt, ein Taxiunternehmen von Frauen für Frauen, also ausschließlich weibliche Fahrgäste, nicht zulassen zu wollen – wegen Sexismus gegen Männer.



6. Die Schauspielerin Alyssa Milano, eine der Wortführerinnen der MeToo-Bewegung, hat zu einem Sexstreik aufgerufen, weil im US-Bundesstaat Georgia Abtreibungen verboten werden sollen, sobald ein Herzschlag des Fötus zu hören ist. Der Sexstreik solle Leute daran erinnern, dass Frauen die Kontrolle über ihre eigenen Körper hätten "und wie wir sie einsetzen".

Viele Frauen reagierten auf diese Aufforderung kritisch: Der Streik vermittle die Botschaft, Sex sei etwas, das nur Männern gefalle und was man ihnen entziehen könne, um sie zu bestrafen. Auch sei das Leben im Patriarchat für Frauen eine so entsetzliche Zumutung, dass man jetzt nicht auch noch auf Sex verzichten wolle. Die Journalistin Katherine Timpf bezeichnet den Streik sogar als "antifeministisch":

Ich weiß, dass Milano sich als eine Art Heldin der Linken sieht, aber hier hat sie das Ziel verfehlt. Ihre Idee behandelt die weibliche Sexualität nicht als etwas, das an sich akzeptiert und gefeiert werden muss, sondern als billiger Verhandlungsvorteil, als etwas, das Frauen nur ungern tun, um Männern zu gefallen oder etwas aus ihnen herauszuholen. Zu suggerieren, wie sie es tut, dass du eine minderwertige Feministin bist, wenn du dich entscheidest, Sex zu haben, ist kein Unterschied zu der typischen, veralteten puritanischen Beschämung, die behaupteet, dass du eine minderwertige Frau bist, wenn du dich entscheidest, Sex zu haben.


Milano stört diese Kritik nicht. Immerhin werde jetzt wieder "über den Krieg gegen Frauen geredet".



7. "#MenToo ist so wichtig wie #MeToo" befindet der Times of India zufolge die indische Filmemacherin und Männerrechtlerin Deepika Narayan Bhardwaj:

Am 10. Mai bat ein Gericht in Rohtak, Haryana, die Polizei, eine Beschwerde gegen eine Basketballspielerin einzureichen, die mehrere Männer der Vergewaltigung beschuldigt hat, um Geld von ihnen zu erpressen. Der Richter sagte bei der Kautionsanhörung eines Kabaddi-Spielers, der der Vergewaltigung durch die Frau beschuldigt wird: "Es ist erwiesen, dass die Beschwerdeführerin eine Erpresserin ist und es üblich ist, falsche Fälle von Vergewaltigung zu registrieren, Geld zu erpressen und dann den Fall zurückzuziehen oder keinen Einwand zu erheben". Bei der Lektüre dieses Urteils lernte ich den Namen des Angeklagten kennen, aber nicht des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, da sie gesetzlich anonym bleiben muss.

Als der Fall eingereicht wurde, wurde der Name des Spielers in Zeitungen veröffentlicht, genau wie der des Schauspielers Karan Oberoi, der kürzlich wegen des angeblichen Eheversprechens einer Frau, die in einer Beziehung zu ihm stand, wegen Vergewaltigung angeklagt wurde. Viele Männer werden namentlich benannt und beschämt, sobald eine Beschwerde gegen sie registriert wird. Vergiss sogar eine Beschwerde, sie werden benannt und beschämt, selbst wenn ein anonymer Tweet auftaucht, der sexuelle Belästigung behauptet, wie wir es bei so vielen während der #MeToo-Bewegung gesehen haben. Es spielt keine Rolle, ob es in den Behauptungen kein Jota an Wahrheit gibt, aber das Wort einer Frau wird von der Gesellschaft und den Medien als Heilige Wahrheit behandelt, und der Angeklagte wird sozial gelyncht, was seinem sozialen Status und seinem Leben irreparablen Schaden zufügt. Niemand zwinkert auch nur, wenn ein Mann als "Vergewaltiger, Sexualraubtier, Sextäter" und Schlimmeres bezeichnet wird, ohne dass etwas gegen ihn spricht, nur weil eine Frau ihn beschuldigt hat.

Während die Verfassung besagt, dass keine Person aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Kaste oder Religion diskriminiert werden darf, sind unsere Gesetze eine äußerst diskriminierende Maßnahme gegen Männer. Während einerseits Männer nicht einmal als Opfer häuslicher Gewalt, Vergewaltigung oder sexueller Belästigung anerkannt werden, steht andererseits, wenn sie von einer Frau fälschlicherweise beschuldigt werden, kaum ein Regress zur Verfügung.

(...) Ich habe kürzlich mit einem der Angeklagten bei dem von den Medien als "Rohtak- doppelten Gruppenvergewaltigung" bezeichneten Fall gesprochen. Der Fall machte vor einigen Jahren Schlagzeilen, als TV-Moderatoren mit lauter Stimme schrien, das Gesicht dieser Männer zeigten, sie als "Vergewaltiger" bezeichneten und Fragen nach Recht und Ordnung aufwarfen, dass dieselben Männer dieselbe Frau wieder vergewaltigen könnten. Alle diese Männer hatten mehrere Beweise, einschließlich Videoaufnahmen, die deutlich zeigten, dass keiner von ihnen während des angeblichen Vorfalls überhaupt in dieser Stadt anwesend war, aber es war niemandem wichtig. Wegen des Medienprozesses verbrachten drei der Angeklagten drei Monate hinter Gittern, obwohl die Polizei eindeutig wusste, dass sie zu Unrecht angeklagt waren. Heute wurde die zweite von der Frau eingereichte Klage gegen Gruppenvergewaltigung von der Rohtak-Polizei abgewiesen, nachdem der erste von ihr eingereichte Fall ebenfalls zu einem ehrenhaften Freispruch der beiden Angeklagten geführt hat. Aber niemand in den Medien hat über eines der beiden endgültigen Urteile berichtet.

Einer der Angeklagten in diesem Fall, mit dem ich gesprochen habe, sagte mir, dass die Öffentlichkeit sie lynchen wollte, als sie nach dem sensationellen Medienprozess vor Gericht gestellt wurden. Alle schrien nach ihrem Blut. Aber jetzt, wo seine Unschuld bewiesen ist, weiß niemand mehr davon. Ich habe mehrere Männer getroffen, die zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt wurden. Das emotionale Trauma dieser Männer ist nicht weniger schlimm als das Trauma echter Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Belästigung. Die Demütigung in den Medien verstärkt den Schmerz, zu Unrecht angeklagt zu werden, und hinterlässt eine Narbe für immer. In meinem Dokumentarfilm "Märtyrer der Ehe" habe ich mehrere Fälle von Männern diskutiert, die wegen falscher Anschuldigungen Selbstmord begangen haben.

(...) Bis und solange eine Person nicht schuldig befunden wird, sollte ihr Ruf nicht beschädigt werden. Wenn ein Gericht zweifelsfrei feststellt, dass eine Frau einen Mann fälschlicherweise beschuldigt hat, sollte über sie die gleiche Strafe verhängt werden, die ein Mann erhalten würde, wenn er das Verbrechen tatsächlich begangen hätte, und ihr Name sollte ebenfalls öffentlich bekannt gegeben werden. Dies wird falsche Ankläger weitgehend abschrecken. Das Fehlen dieser Mechanismen hat dazu geführt, dass Erpressungsbanden in allen Teilen des Landes aktiv werden, in denen die gleiche Frau mehrere Männer der Vergewaltigung oder Belästigung beschuldigt, um Geld zu erpressen.

(...) Bei der Gleichstellung der Geschlechter kann und sollte es nicht nur um die Rechte der Frauen gehen. Wenn Vergewaltiger genannt und beschämt werden sollten, sollten auch Frauen, die falsche Fälle einreichen, genannt und beschämt werden. Wenn Männer, die häusliche Gewalt ausüben oder Frauen belästigen oder vergewaltigen, sollten auch Täterinnen ähnlicher Verbrechen zur Rechenschaft gerufen werden. Wenn die Medien mit Begeisterung über Verbrechen von Männern gegen Frauen berichten, sollten sie die gleiche Sorge für Verbrechen von Frauen gegen Männer zeigen. Wenn wir ständig von der Wahrung der Würde, des Respekts und der Ehre einer Frau sprechen, müssen wir auch über die Würde, den Respekt und die Ehre eines Mannes nachdenken. Das Schweigen von Gesellschaft, Medien und Gesetzgebern über Themen, mit denen Männer konfrontiert sind, schürt langsam und stetig eine große Menge Unruhe.




8. Mehr Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu der Debatte über die EDEKA-Reklame:

Am 10.05.2018 liefen um 19:00 Uhr zur besten Zeit, um das Familienwochenende einzuleiten in einem Kino in München-Schwabing vor einem Kinder- und Jugendfilm mit FSK 6 zu Beginn des Werbeblocks zwei Filme zum Merchandising rund um den asiatischen Film. Soweit so kommerziell, geliefert wie bestellt. Auf Platz 3 kam der Edeka-Spot und ich habe mir die Reaktionen der anwesenden Personen angeschaut - Getuschel, negativ konnotierte Diskussionen. Not amused ...


Ein anderer Leser berichtet zum selben Thema:

Der Edeka-Spot steht nicht nur bei Youtube noch immer online, sondern auch auf der Website edeka.de. Ich habe das zum Anlass genommen, mich an Edeka mit der schlichten Mitteilung zu wenden, dass ich von Einkäufen dort konsequent absehen werde, bis ein vergleichbarer Werbespot zum Vatertag veröffentlicht wird.


Ein dritter Leser schreibt:

Es scheint etwas in Bewegung zu kommen. Nicht nur der EDEKA-Spot hat das gezeigt. In der Sendung "Nuhr im Ersten" vom 9.5. spricht Dieter Nuhr das Gender-Thema an (ab Minute 34). Mir ist nicht bekannt, das das Thema in den Öffentlich-Rechtlichen vorher schon einmal so offen und kritisch angesprochen wurde.

Montag, Mai 13, 2019

Wissenschaftliches Fachbuch fragt: Können Feministinnen und Maskulisten zusammenarbeiten?

Neues Fachbuch erschienen - ab heute im Handel erhältlich; Titel: Gleichberechtigung beginnt zu zweit. Tectum Verlag, ISBN-Nr. 3828843301, Preis: 28,-- €"



Als ich 2001 mein Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" veröffentlicht habe, war das noch ein sehr kühnes Buch. Damals stand ich mit der These, dass in unserer Gesellschaft auch Männer benachteiligt werden, ziemlich allein. Erst Jahre später entdeckten auch die Leitmedien zunächst einzelne Themen wie die "Jungenkrise" und häusliche Gewalt gegen Männer. Inzwischen werden – wenn auch nur punktuell in den Leitmedien, sondern vor allem online – Diskriminierungserfahrungen von Männern breit diskutiert.

Der Feministin Angela Nagle zufolge sind in der sogenannten "Mannosphäre" des Internets sogar derart viele weltanschaulich und politisch vielfältige Websites und Subkulturen aus dem Boden geschossen, "dass dies zweifellos als 'digitale Revolution' verzeichnet worden wäre, wenn es sich um andere kulturelle und politische Milieus gehandelt hätte". Diese "digitale Revolution" erzeugt ganz allmählich Wirkung: Beispielsweise erkennen auch die ersten Feministinnen, dass sie die Männer bislang im Stich gelassen haben. Und eine Studie des Frauenministeriums zeigt, dass inzwischen vor allem junge Männer (68 %) eine offensive und systematische Gleichstellungspolitik für ihr eigenes Geschlecht fordern. Die Debatte hat meine damals so steil klingenden Thesen lediglich zwei Jahrzehnte später eingeholt.

Leider bedeutet das, dass ich in den letzten Jahren immer weniger die Aufgabe erledigt habe, die ein Autor eigentlich ausfüllen sollte.

Statt erneut mehrere Jahre in die Zukunft vorauszudenken und völlig neue Ideen einzubringen, habe ich als Chronist hier auf Genderama vor allem die laufende Debatte begleitet, euch mit aktuellen Informationen versorgt, Vernetzungen unterstützt und darauf gehofft, mit genügend Beharrlichkeit irgendwann sogar die Bockigkeit der deutschen Leitmedien mit ihrem demonstrativen Desinteresse an der Männerbewegung aufzubrechen. Ich habe aber keine Veröffentlichung mehr vorgelegt, die so gewagt neue Sichtweisen vermittelte, wie es "Sind Frauen bessere Menschen?" 2001 getan hat.

Es ist höchste Zeit, das zu ändern.

Zumal eine immer größere Notwendigkeit dafür besteht.

Die Neue Zürcher Zeitung schrieb dazu vor ein paar Wochen:

Wer in den sozialen Netzwerken diskutiert, der weiss, wie Auseinandersetzungen typischerweise ablaufen. Jemand beginnt eine Diskussion über Gewalt gegen Frauen, schon schaltet sich ein Feminismus-Kritiker ein und sagt: Aber Gewalt gegen Männer gibt es auch! (...) Man fordert Gerechtigkeit für dieses, man fordert Gerechtigkeit für jenes – wo aber bleibt die Synthese? Wo bleibt der Wille, die Anliegen sinnvoll zu koordinieren? Bunt durcheinander wirbelndes Gerechtigkeitskonfetti mag ästhetisch eindrücklich sein, gesellschaftspolitisch ist es allenfalls ein Anfang.


Die geforderte Synthese hin zu einer Geschlechterpolitik für alle soll das Konzept des "Integralen Antisexismus" darstellen, das den Kern des von mir vertretenen Maskulismus darstellt. In meinen Büchern definiere ich diesen Maskulismus bekanntlich so:

Maskulisten geht es darum, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf ALLE Menschen einschließlich der Männer zu erforschen, herauszufinden, was die möglicherweise vielfältigen Ursachen dafür sind, und realistische Lösungsstrategien zu entwickeln, die dann in einer gerechten Politik zur Anwendung kommen.


Allerdings wurde dieser Anspruch in meinen bisherigen geschlechterphilosophischen Veröffentlichungen kaum erfüllt. Darin ging es noch überwiegend darum, Fakten über die Nachteile zusammenzustellen, die Männer in unserer Gesellschaft erleiden – eben weil dafür noch immer vielfach das nötige Bewusstsein fehlt. Wären Leitmedien, Politik und der akademische Sektor hier weniger vernagelt, könnten wir schon längst viel weiter sein.

Ich habe aber keine Lust mehr, noch länger zu warten. Inzwischen ist es höchste Zeit für ein neues Projekt, das noch stärker auf eine ganzheitliche Geschlechterpolitik zusteuert, statt die verschiedenen Fronten weiter aufeinander prallen zu lassen.

Nur gibt es bei so einem Buchprojekt ein Problem: Es wäre meines Erachtens hochgradig vermessen, wenn ich als einzelner männlicher Autor ein solches Buch schreiben würde, in dem ich für Frauen das Wort ergreife. So etwas kann sinnvoll nur durch ein Autorenkollektiv geschehen: eine Gemeinschaft aus Feministinnen, Männerrechtlern plus am besten noch ein paar Paartherapeuten, Konfliktberater und Mediatoren. Eine Geschlechterpolitik für alle zu entwickeln ist schließlich ein hehres Vorhaben und verdient auch einen entsprechend großen Wurf.

Dabei verfüge ich über ein besonderes Privileg – nicht wegen meines y-Chromosoms, sondern aufgrund zwei Jahrzehnten Arbeit am Geschlechterthema: Ich weiß, wer zu den klügsten Feministinnen, Männerrechtlern und anderen Autoren beim Geschlechterthema zählt. Und ich bin bekannt genug, um diese Menschen für ein solches Buchprojekt zu gewinnen: Menschen, die über die Opfer von Diskriminierung bei BEIDEN Geschlechtern sprechen und zugleich die immer weiter eskalierende Polarisierung dieser Debatte überwinden möchten – ohne Kritik dort zurückzuhalten, wo sie nun einmal angebracht ist.

Dieses Buch erscheint heute im Wissenschaftsverlag Tectum unter dem Titel Gleichberechtigung beginnt zu zweit. Auf feministischer Seite stammen die Beiträge dieses Buches von deutschen und US-amerikanischen Autorinnen, die beispielsweise für die "taz", das "Missy Magazin" und Alice Schwarzers "Emma" geschrieben haben. Die maskulistische Seite wird unter anderem von der "IG Jungen, Männer, Väter", Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Psychologie und Soziologie sowie mir selbst vertreten.

Es war mir eine große Freude, statt wie sonst Fehlentwicklungen im Feminismus zu kritisieren, mit Feministinnen zusammenzuarbeiten, die keine Abneigung gegen Männer haben und die dem Maskulismus auf Augenhöhe begegnen möchten. Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein wissenschaftliches Fachbuch, ein politischer Grundlagentext und ein Kunstwerk zugleich.

Das hier sind die Autoren und ihre Beiträge.

In meinem ersten eigenen Kapitel "Feminismus und Maskulismus: Feinde oder Partner?" lote ich einige Ursachen dafür aus, dass sich beide Lager in einer Frontstellung zueinander befinden, und erörtere die Chancen und ersten Ansätze einer lagerübergreifenden Zusammenarbeit.

Kritisieren Männerrechtler den Feminismus, weil sie gegen die Gleichberechtigung sind und ein Rollback in frühere Jahrzehnte wünschen? So zu denken wäre bequem, aber falsch. Der Gymnasiallehrer und maskulistische Blogger Lucas Schoppe erläutert in dem Beitrag "Wie sollten Männerrechtler mit Männerhass umgehen?", was maskulistische Ethik tatsächlich am vorherrschenden Feminismus zu beanstanden hat, und plädiert für "Foren der zivilen Verständigung" als Gegengewicht zu einer Eskalation an Radikalität.

Mithu Sanyal ist nach einem Magna-cum-Laude-Abschluss in der Kulturwissenschaft Journalistin und Dozentin mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung und Feminismus. Sie ist feste Autorin für den WDR und veröffentlicht zudem bei NDR, BR, Frankfurter Rundschau, Literaturen, taz, junge Welt, Emma, Missy Magazin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Ihr Beitrag "Feminism is good for you – und zwar auch oder gerade wenn du ein Mann bist" trägt entscheidend dazu bei, den längst überfälligen Dialog zwischen dem feministischen und dem maskulistischen Lager zu eröffnen. In diesem Text antwortet Sanyal auf häufig an ihre Bewegung gerichtete Vorwürfe und gelangt in der Gesamtsicht zu dem Fazit, es sei "jetzt die Aufgabe von Männern, den Frauen, anderen Männern und der Gesellschaft zu erklären, was ihre Probleme sind", auch wenn die andere Seite dabei noch häufig die Augen verdrehe.

Gerd Riedmeier ist zertifizierter Mediator, Vorsitzender des "Forums Soziale Inklusion" und Sprecher der "Interessensgemeinschaft Jungen, Männer, Väter", einem bundesweiten Zusammenschluss männerpolitischer Organisationen wie MANNdat, der Trennungsväter und der Väterbewegung Köln. In seinem Beitrag "Ein Land, geprägt von Frauen" liefert er einen Insider-Einblick in die deutschen Ministerien und Parteien und berichtet, wie einseitig Geschlechterpolitik hinter den Kulissen heute noch stattfindet. Riedmeier fordert dazu auf, die Ungleichbehandlung, Geschlechtertrennung und Polarisierung in diesem Bereich zu überwinden.

Die Psychologin Sandra Hermann berichtet in ihrem Beitrag "Warum ich mich als Frau für männliche Opfer einsetze" über ihre langjährige Erfahrung als Mitarbeiterin eines Notruf-Telefons. Sie legt dar, welche Schieflagen es bis heute bei einer zielführenden Bekämpfung von häuslicher Gewalt gibt, und schlägt aufgrund ihrer Erfahrungen ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept vor, das tatsächlich Aussichten hat, häusliche Gewalt zu reduzieren. Dabei wirft sie die zentrale Problematik bisheriger Ansätze auf: "Wie kann ein menschliches und partnerschaftliches Miteinander funktionieren, wenn ein geschlechtliches Gegeneinander propagiert und praktiziert wird?"

In meinem Beitrag "Warum es auch Frauen nutzt, wenn männliche Opfer Hilfe erhalten" unterstütze ich Sandra Hermanns Ausführungen mit einer Darstellung des aktuellen Standes wissenschaftlicher Forschung, was die geschlechtsübergreifende Verkettung von häuslicher und sexueller Gewalt betrifft, und argumentiere, dass Männer eher für die Bekämpfung solcher Gewalt gewonnen werden können, wenn man ihre eigenen Opfererfahrungen nicht mehr konsequent beiseite wischt.

Der Soziologe Ingbert Jüdt, der unter dem Nick "djadmoros" Beiträge auf den Seiten des Blogs "Geschlechterallerlei" veröffentlicht, arbeitet gerade an einem Buch, in dem er feministische Geschichtsklitterung analysiert. Einen Vorgeschmack darauf liefert er mit seinem Beitrag "Abschied vom Patriarchatsmythos. Für eine überfällige Historisierung des Feminismus". Dieser Beitrag zeigt, dass maskulistische Akademiker – ganz im Gegensatz zu dem, was manche ihnen unterstellen – keineswegs kenntnisfrei sind, was feministische Literatur angeht, sondern diese Literatur im Gegenteil intensiv studiert haben und gerade deshalb zu einer kritischen Einschätzung verschiedener im vorherrschenden Feminismus geäußerter Thesen gelangt sind.

Maike Wolf ist Feministin, Studentin der Politikwissenschaft und war bis zum September 2018 Vorsitzende der Jungliberalen (FDP) in Rheinland-Pfalz. Vor wenigen Wochen ist sie wegen der Frauenquote aus der FDP ausgetreten. Sie kam durch ihren Freund zum Thema Männerrechte ("Durch die Medien erfährt man ja NICHTS darüber!"), bevor sie sich durch eigene Recherche in dieses Thema hinein arbeitete, und gibt ihren Dozenten regelmäßig Kontra, wenn diese wie selbstverständlich mit dem Begriff "Patriarchat" hantieren. ("In der Wissenschaft möchte ich gerne sachlich unterrichtet werden und nicht mit einer ideologischen Bias.") In "Die notwendige Rückeroberung des Feminismus: Ein Plädoyer für mehr Mut und weniger Rückzug" macht Wolf sich dafür stark, dass Feministinnen ihre inzwischen gewonnene Macht endlich dafür einsetzen, ihr ursprüngliches Versprechen zu halten und sich für die Gleichberechtigung beider Geschlechter zu engagieren.

Die Kanadierin Wendy McElroy ist die wohl bekannteste Vertreterin der liberalen "individualist feminists". Sie verfasste mehrere Bücher zur Geschlechterdebatte, so etwa "Liberty for Women: Freedom and Feminism in the 21st Century" (Dee 2002). In ihrem Beitrag für diese Anthologie legt McElroy dar, welchen Gewinn die feministische Bewegung daraus ziehen kann, dass sie sich auch dem Thema "Männerrechte" annimmt.

Robin Urban ist Netzfeministin und hat unter anderem bei Alice Schwarzers "Emma" veröffentlicht. In ihrem Beitrag "Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte", erklärt sie, warum "der Feminismus eben nicht ausreicht, um alle Ungerechtigkeiten zu eliminieren, weil das Problem von den meisten Feministinnen weder erkannt, noch behandelt wird." Dies sei aber nicht nur angesichts des Leidens, das Beschneidungen oft zur Folge haben, notwendig, sondern weil "gewisse männerrechtliche Belange auch eine Auswirkung auf Frauen haben und nicht nur deswegen sehr berechtigt sind." Beschneidung bei Frauen zu verdammen und bei Männern zu verharmlosen, zeuge von Doppelmoral, und Angriffe auf Betroffene spiegelten frauenfeindliche Kommentare: "Das ist kein Feminismus mehr, sondern Antimaskulismus."

Dr. Hanna Milling ist seit vielen Jahren in Forschung und Lehre an verschiedenen Universitäten im Bereich internationale Zusammenarbeit, interkulturelle Kommunikation und internationales Konfliktmanagement tätig. Zu diesen Themen hat sie zahlreiche Fachartikel und Bücher veröffentlicht und arbeitet als Mediatorin und Trainerin im In- und Ausland, insbesondere im interkulturellen Kontext. Im August 2018 stellte sie für "Authentic Love Berlin" eine Botschaft von Frauen an Männer auf Youtube online, die sofort für große Begeisterung sorgte: Völlig konträr zum herrschenden Zeitgeist erklären darin Frauen unterschiedlicher ethnischer Hintergründe den männlichen Rezipienten des Videos ihre Zuneigung und ihren Respekt. In einem Interviewbeitrag erklärt Milling, was hinter dieser Botschaft steckt und wie man den Konflikt zwischen Feministinnen und Maskulisten sinnvoller angehen kann als bisher.

Die Frankfurter Allgemeine erntete vor mehreren Jahren wegen ihrer Berichterstattung zum Thema Homosexualität erhebliche Kritik bis hin zu einer Rüge des Presserates wegen eines schweren Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot. In meiner Diskursanalyse "Frankfurter Allgemeine & Co: Denunziation statt Aufklärung" erläutere ich anhand eines Artikels des FAZ-Mitarbeiters Sebastian Eder, dass es in dieser Zeitung bei der Darstellung maskulistischer Anliegen ein ähnliches Versagen journalistischer Ethik gibt. Das Kapitel zeigt auf, mit welchen sozialen Sanktionen Männer rechnen müssen, die tatsächlich aus der klassischen Männerrolle ausbrechen, erörtert, ob Schwule, männliche Opfer und Männeraktivisten aus ähnlichen Gründen herabgesetzt werden, wie es zu dieser Entwicklung kommt, welche Folgen sie hat und wie man ihr begegnen kann. Darüber hinaus ist dieser Beitrag Teil der Debatte über das verlorene Vertrauen vieler Bürger in die Seriosität unserer Leitmedien – insbesondere nach dem Fall des "Spiegel"-Reporters Claas Relotius, der ebenfalls in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichte.

Die ehemalige Goslarer Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling wurde auf feministischen Druck hin aus diesem Amt entlassen, weil sie, statt sich ausschließlich um Frauen zu kümmern, auch die Anliegen von Jungen und Männern ernst zu nehmen begann. In einem Interviewbeitrag erklärt Ebeling, inwiefern bei solchen Fragen gerade ein Umdenken stattfindet. Ebeling fordert einen "intergeschlechtlichen Abgleich und Gedankenaustausch zwischen Frauen- und Männergruppen" – und zwar auch wenn diese Männergruppen nicht feministisch ausgerichtet sind – statt des bisherigen Geschlechterkampfes, bei dem Feministinnen "zunehmend die Unterstützung von den eigenen Geschlechtsgenossinnen" fehle. Die bestehende "mediale Filterblase" schaffe "eine Sicht auf Frauenthemen, die an der weiblichen Realität und den vielfältigen Anforderungen an einen Frauenalltag und ein Frauenleben oft vorbei geht." Gleichzeitig dürften auch Männerrechtler "nicht müde werden in ihrem Engagement." Sie seien oft "die einzige Stimme, die Männer in Not haben, und das ist sehr wertvoll."

Eilert Bartels ist Paar- und Sexualtherapeut; im März 2019 erschien sein Buch "huMANNoid: Männer sind Menschen". In Bartels Beitrag für den vorliegenden Sammelband verrät schon die Überschrift seine zentrale These: "Wenn Gleichstellung das Ziel ist, müssen sich Frauen- und Männerbewegung selbst überwinden". In diesem Beitrag entwickelt Bartels die feministische Sprachkritik weiter, indem er Vorschläge liefert, wie man so über die Geschlechter sprechen kann, dass jeder integriert und niemand ausgegrenzt wird. Bartels warnt vor einer Radikalisierung, die dadurch eintreten könne, dass man sich vom Gegenüber nicht gehört fühle, daraufhin nur unter Leidensgenossen Allianzen bilde und sich kollektiv vom Gegenüber abgrenze.

Professor Christina Hoff Sommers ist eine US-amerikanische Feministin, Videobloggerin und Publizistin zahlreicher Artikel unter anderem für die New York Times und das Magazin "Time". Sie positioniert sich gegen die Männerfeindlichkeit vieler anderer zeitgenössischer Feministinnen und machte in ihren Büchern auf feministische Mythen sowie auf die Benachteiligung von Jungen in unserer Gesellschaft aufmerksam. In ihrem Text "Würde, Fairness und persönliche Freiheit für alle" bewirbt sie ihr Konzept des Freiheitsfeminismus als politische Lager und weltweit Kulturen verbindende Emanzipationsbewegung.

In ihrem zweiten Artikel für diesen Sammelband, "Wenn Individualisten quotieren: FDP und Frauenquote – Ein Tanz am Abgrund", setzt sich die liberale Feministin Maike Wolf mit den alarmierenden Entwicklungen in ihrer Partei auseinander, Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit ein Amt zu verleihen, und erklärt, warum gerade viele Frauen solche Manöver als kränkend empfinden. Dieses Kapitel ist nach dem aktuellen Parteitagsbeschluss der FDP besonders aktuell.

Astrid von Friesen ist Erziehungswissenschaftlerin, Trauma- und Paar-Therapeutin sowie Autorin von Büchern wie "Schuld sind immer die anderen! Die Nachwehen des Feminismus: frustrierte Frauen und schweigende Männer" (2006). Sie unterrichtet an der Freiberger Universität und kommentiert bei Deutschlandradio-Kultur. In ihrem Beitrag "Paarkonflikte: Warum die Bürger-Kriege sich verschärfen" analysiert sie die gemeinsamen psychologischen Ursachen sowohl für eskalierende Konflikte in Partnerschaften als auch die sich verschärfende Aggression im Internet. Dabei stellt sie die Frage, "wie Frauen und Männer in einer 'gegenderten' Welt friedlich, liebevoll und geborgen zusammenleben können", und entwickelt konkrete Ratschläge, damit sich unsere Gesellschaft zu einer echten "Geschlechterdemokratie" entwickelt und Frauen wie Männer den Kreislauf wechselseitiger Schuldzuweisungen durchbrechen können.

Elinor Petzold ist Paar- und Sexualtherapeutin (auch als Kink-Aware-Professional) jüdischer Abstammung und mit mehrfachem Migrationshintergrund. Sie lebte einige Jahre in Israel und stellte fest, dass die Geschlechter dort unbefangener und zugleich selbstbewusster miteinander umgehen als hierzulande. Auf der Grundlage dieser und anderer biographischer Erfahrungen ist ihr Beitrag "Das ganze Land braucht eine Therapie" entstanden, in dem sie darlegt, was Frauen und Männer tun können, um zu "Gleich-Wertschätzung" und gegenseitigem Respekt zu gelangen.

Geht man nach der Häufigkeit, mit der Frauenanliegen in den Leitmedien vorkommen, sind die wichtigsten Themen für Frauen die Gehaltslücke, die Quote und sexuelle Belästigung. Aber ist das wirklich so oder liegt das nur daran, dass es zu diesen Themen feministische Kampagnen gibt? Für den Beitrag "Welche Probleme haben Frauen heute? Eine Befragung" habe ich ein Experiment durchgeführt, das ich jedem Leser (geschlechtsunabhängig) empfehlen kann: Ich habe die verschiedensten Frauen in meinem privaten Bekanntenkreis gefragt: "Was ist eigentlich DEIN größtes Problem als Frau?" Die Antworten, die ich erhalten habe, sind immer aufschlussreich und durchdacht, oft überraschend und vielfach lebensnäher als die bekannten ideologischen Botschaften vom Unterdrücker Mann und Opfer Frau.

Dr. Katja Kurz ist Feministin, Anthropologin und Expertin für Menschenrechte. Sie lebt als Program Officer der American India Foundation (AIF), die das William J. Clinton Fellowship for Service in India leitet, teils in New York, teils in Indien. Ihr Beitrag "Welche Probleme haben Frauen heute? Eine interkulturelle Perspektive" knüpft an das vorangegangene Kapitel an und schildert eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Geschlechterrollen in verschiedenen Regionen dieser Erde sind, und wie stark sie sich gerade weltweit verändern. Dabei kommt Kurz auch auf die in Indien bekannte Frauenrechtlerin Kamla Bhasin zu sprechen, für die der Neoliberalismus die Schuld daran trägt, dass die Interessen von Frauen und Männern antagonistisch gegenüber gestellt werden.

Jeannette Hagen schließlich ist Autorin mehrerer Bücher unter anderem zum Thema Vaterentbehrung, Dozentin, Coach und engagiert sich darüber hinaus im Kampf gegen Rechtsradikalismus und für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik. In ihrem Beitrag "Das Potential der Unterschiede" legt sie dar, warum die so beliebte Abwertung von Männern in unserer Gesellschaft problematisch ist, und gibt Anregungen, wie man den Geschlechterkonflikt überwinden kann.

Es würde mich freuen, wenn der Dialog, den wir alle hier aufgenommen haben, Früchte trägt. Dieses Buch kann nur ein Anfang sein. Die hier angestoßene lagerübergreifende Zusammenarbeit kann und sollte auch von anderen Menschen weitergeführt werden als uns.

Ich danke ganz herzlich der geschlechterpolitischen Initiative Manndat dafür, dass sie Produktion dieses Buches in erheblicher Weise finanziell gefördert hat. Das allein zeigt, welcher starke Wille zum Dialog bei Manndat und anderen Männerrechtlern besteht. Dabei bedeutet diese Förderung natürlich nicht, dass die Mitwirkenden an diesem Sammelband deshalb in irgendeiner Form mit Manndat politisch verbandelt sind (wenn man von Gerd Riedmeier und mir einmal absieht). Es handelt sich bei allen Autorinnen und Autoren um unabhängige Denker – geeint durch den Wunsch nach einer Geschlechterpolitik für alle sowie einen konstruktiven Dialog, zu dem auch ihr herzlich eingeladen seid.

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