"Die Linke hat die Krise der Männer angeheizt – jetzt ist sie schockiert"
1. In der auflagenstarken amerikanischen Tageszeitung "USA Today" heißt es unter der Schlagzeile "Die Linke hat die Krise der Männer angeheizt – jetzt ist sie schockiert":
Als Mutter von zwei Söhnen, die die MeToo-Bewegung miterlebt haben, habe ich die berühmte Provokation der feministischen Autorin Camille Paglia aus dem Jahr 1990 schon lange geschätzt: "Wenn die Zivilisation den Frauen überlassen worden wäre, würden wir noch immer in Grashütten leben." Dieser Satz hat Bestand, weil er auf eine unangenehme Wahrheit hinweist: Männer sind für eine funktionierende Gesellschaft nicht entbehrlich.
Doch über Jahre hinweg hat ein großer Teil unserer Kultur – insbesondere die politische Linke – die Botschaft vermittelt, dass Männlichkeit grundsätzlich veraltet, räuberisch und unnötig sei. Nun, da sich die Hinweise häufen, dass Männer in Bildung, Beruf und psychischer Gesundheit zurückfallen, wirken viele derselben Stimmen ratlos angesichts einer Krise, die sie selbst mit verursacht haben.
Ich bin es nicht.
Eine Kultur, die Männer immer wieder abwertet, sollte nicht überrascht sein, wenn viele von ihnen Schwierigkeiten haben, Sinn, Selbstvertrauen und Orientierung zu finden.
Nehmen wir eine kürzlich erschienene Diskussion im Podcast "The Opinions" der New York Times, an der die Kulturredakteurin Nadja Spiegelman sowie die Autoren Ruth Whippman und Frederick Joseph teilnahmen. Thema war die Frage, wie eine gesündere Form von Männlichkeit aussehen könnte.
"Junge Männer befinden sich in einer Krise", heißt es in der Einleitung. "Während die Linke Männern sagt, sie sollten ihren Platz kennen, empfangen die Manosphere und die extreme Rechte sie mit offenen Armen."
Eine Schlussfolgerung daraus lautet: Die politische Rechte bietet jungen Männern eine klarere Identität und Gemeinschaft, während die Linke sie beschimpft und verleumdet – oft allein deshalb, weil sie Männer sind.
Spiegelman formuliert es unverblümt: "Wenn Männer auf der Linken ständig hören: ‚Männer sind Müll‘ – ergibt es dann nicht Sinn, dass die Rechte für sie zu einem sicheren Ort wird?"
Sie verweist auf die wachsende politische Kluft zwischen den Geschlechtern – Männer bewegen sich nach rechts, Frauen nach links – und fragt sich, wie die Linke Männer wieder zurückgewinnen kann.
Auch ich habe diese Entwicklung beobachtet. Umso ironischer fand ich es, dies ausgerechnet von der Times zu hören, einer verlässlich mitte-links orientierten Zeitung, die über Jahre hinweg eine männerfeindliche Stimmung geschürt hat. Nun beklagt sie das Verschwinden gesunder Männlichkeit und tut sich schwer zu erklären, wie es dazu kommen konnte.
Konservative haben diese Entwicklung seit Jahren kommen sehen. Unser links geprägtes Bildungssystem, die etablierten Medien und Hollywood übernahmen das feministische Mantra, Männer würden nicht mehr gebraucht – Frauen könnten alles allein schaffen und besitzen. Eine Generation später wundert man sich nun darüber, dass die Männer, die man an den Rand gedrängt hat, Schwierigkeiten haben.
(…) Unabhängig von den Ursachen steht außer Frage, dass Männer Probleme haben. Männer erwerben heute deutlich seltener als Frauen einen Hochschulabschluss. Ihre Selbstmordrate ist viermal so hoch. Sie kämpfen häufiger mit Drogen-, Glücksspiel- und Pornografiesucht.
Eine Umfrage des Institute for Family Studies vom März bestätigte, dass junge Männer traditionelle Lebensschritte aufschieben – Heirat, Kinder, Vollzeitbeschäftigung und Studium. Die Studie widersprach jedoch den düstersten Schlagzeilen:
"Wir stellen fest, dass junge Männer auf ihren Status achten, einen Beitrag leisten möchten und unter der Diskrepanz zwischen ihren gegenwärtigen Lebensumständen und ihren Wünschen für ihr Leben leiden."
Besonders aufschlussreich war ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Junge Männer werden nicht in dem Ausmaß von Online-Influencern beeinflusst, wie häufig behauptet wird. Als wichtigste Einflussfaktoren nannten sie ihre Eltern; Andrew Tate landete auf dem letzten Platz. Auch ihre Definition von Männlichkeit fiel positiv aus: Opferbereitschaft, Stärke, Verantwortungsbewusstsein und Führungsfähigkeit.
Das ist ermutigend und könnte erklären, warum sich mehr junge Männer politisch nach rechts orientieren.
Während die Linke versucht hat, Männlichkeit umzudeuten und sie häufig als "toxisch" bezeichnet hat, würdigte die Rechte männliche Eigenschaften als natürliche und positive Kraft in der Gesellschaft – jene Kraft, die die Dinge geschaffen habe, die uns davor bewahren, in Grashütten zu leben.
Die Krise hat viele Ursachen – wirtschaftliche Veränderungen, Zerfall von Familienstrukturen und soziale Medien. Eine Ursache ist jedoch bewusst entstanden: die dauerhafte Botschaft der Linken, Männer seien austauschbar mit Frauen oder weniger wertvoll. Nach MeToo wurden Männer pauschal als sexbesessene Täter dargestellt.
Statt die Stärken von Männern zu fördern, hat die Linke Männer zurückgedrängt, beiseitegeschoben und über Jahre eine feministisch geprägte Rhetorik der Frauenförderung aufgebaut. Es braucht viel Dreistigkeit, dann zu fragen: Warum sind die Männer, die als dumm, unproduktiv und wertlos bezeichnet wurden, jetzt wütend, einsam und orientierungslos?
Über Jahre hat unsere Kultur Männlichkeit als etwas behandelt, für das man sich entschuldigen muss, statt sie zu fördern. Wenn Paglia recht hat, dass Männer eine zentrale Rolle beim Aufbau der Zivilisation spielen, überrascht es nicht, dass eine Gesellschaft, die Männer abwertet, Schwierigkeiten hat, genau die Eigenschaften hervorzubringen, die eine Zivilisation tragen.
2. In einer aktuellen Umfrage, die im Kontext des "Men’s Mental Health Month" unter rund 2000 Männern verschiedener Altersgruppen durchgeführt wurde, gab mehr als die Hälfte der Befragten an, sich durch finanzielle Probleme so unter Druck gesetzt zu fühlen, dass sie sich als "nicht ausreichend männlich" erleben, also daran "scheitern, ein Mann zu sein". Etwa 70 Prozent finden, dass es heute schwieriger ist, ihre Rolle als Versorger zu erfüllen als in der Generation ihrer Väter. Über ein Drittel berichtet, dass Geldsorgen täglich ihr mentales Wohlbefinden beeinträchtigen. Etwa 70 Prozent glauben, dass Männer finanziellen Stress still bewältigen sollen. Mehr als die Hälfte hat Geldprobleme schon einmal nicht angesprochen, um nicht als "unfähig" zu gelten, und fühlt sich dadurch sozial isoliert.
3. Ein aktueller Artikel hat acht Gründe zusammengestellt, warum der moderne Mann Frauen nicht mehr hinterher jagt. "Indem sie sich zurückziehen, entscheiden sich diese Männer dafür, diese Zeit und Energie stattdessen in ihr eigenes Leben zu investieren. Es ist eine stille Revolution, bei der sich der Fokus davon weg verlagert hat, die Anerkennung anderer zu gewinnen, hin zu einem Leben, in dem sie sich auf ihrem eigenen Weg wohlfühlen und zufrieden sind – ganz gleich, wer sie dabei beobachtet."
Zu den genannten Gründen gehören die folgenden:
Die Angst vor ständiger Zurückweisung
Da sich das Dating ins Internet verlagert hat, fühlt sich Zurückweisung häufiger und deutlich öffentlicher an als früher. Viele Männer kommen zu dem Schluss, dass das Risiko, auf sozialen Plattformen ignoriert oder öffentlich abgewiesen zu werden, den Schlag fürs Ego nicht wert ist, und vermeiden deshalb das Risiko vollständig.
Das Navigieren komplexer sozialer Normen
Modernes Dating ist voller ungeschriebener Regeln, und für viele ist die Angst, etwas falsch zu machen, lähmend. Es gibt eine echte Angst, als aufdringlich wahrgenommen zu werden oder Grenzen zu überschreiten, was viele Männer dazu bringt, zu entscheiden, dass die sicherste Option ist, gar keinen Schritt zu machen.
Der Aufstieg der Selbstbestätigung
Es gibt einen wachsenden Trend, dass Männer erkennen, dass sie keine Beziehung brauchen, um sich "vollständig" zu fühlen. Sie finden Glück in ihrer Fitness, ihren kreativen Projekten und ihren eigenen persönlichen Erfolgen, wodurch die Idee, jemand anderem zur Bestätigung hinterherzulaufen, völlig unnötig erscheint.
Schutz ihrer emotionalen Gesundheit
Dating, besonders nach einigen schlechten Erfahrungen, kann extrem anstrengend sein. Viele Männer entscheiden sich dafür, ihre Ruhe zu schützen, indem sie die unvermeidliche emotionale Achterbahnfahrt vermeiden, die mit Hinge, Tinder oder jeder anderen App einhergeht, und kommen zu dem Schluss, dass ein ruhiges, dramafreies Leben mehr wert ist als ein möglicher Flirt.
Der Artikel würdigt implizit die MGTOW (Men Going Their Own Way), die zu der von vielen Medien angefeindeten "Manosphäre" gerechnet werden.
4. Das Medienmagazin DWDL weist auf eine kommende Reihe hin, die sich der der Psyche junger Männer widmen soll. DWDL zufolge
hat der öffentlich-rechtliche Jugendkanal Funk gemeinsam mit NDR und RBB ein Format entwickelt, um diese Gleichberechtigungslücke der Geschlechter – nennen wir sie Mental Issue Gap – zu schließen. Sein Arbeitstitel heißt "GymBros" und kennzeichnet drei große Jungs um die 16 an einem Ort, den Gleichaltrige in Nord oder Süd, Stadt oder Dorf, Sozialwohnung oder Speckgürtelvilla häufig als zweites Zuhause betrachten: das Fitness-Studio.
5. Wie die "taz" berichtet, haben der UNO zufolge Polizeikräfte der Taliban im westafghanischen Herat am Dienstag auf überwiegend männliche Demonstranten geschossen, die für Frauenrechte auf die Straße gegangen waren. Dabei sei "mindestens ein Mensch, ein Junge, durch Schüsse getötet worden".
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!