Freitag, Juni 14, 2024

Um größer zu werden, ließ Leon sich beide Beine brechen

1. "Die Welt" beschäftigt sich in einem aktuellen Artikel mit dem Druck auf Männer, einem gewünschten Aussehen zu entsprechen – hier speziell, was die Körpergröße angeht.

Zwei Krankenpfleger ziehen ihn aus dem Rollstuhl. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Hochdrücken kann sich Leon Otremba nicht, allein stehen, geschweige denn gehen, auch nicht. Jeweils ein Pfleger hält einen seiner tätowierten Oberarme fest, damit er sich mit den Händen auf die Gehhilfe stützen kann, die vor seinem Rollstuhl steht. Mit schwarzen Adidas-Shorts, T-Shirt und nackten Füßen steht der schlanke Mann schließlich am Rollator.

Sein Blick ist konzentriert und starr nach vorn gerichtet, er atmet schwerfällig aus, während seine Hände die Griffe des Rollators umklammern. Mühsam nach vorn gebeugt versucht er, einen Schritt zu machen. Leon lernt wieder gehen – diese Szenen zeigt ein Video aus dem Jahr 2023. Entstanden sind die Aufnahmen in einem Klinikzimmer in der Türkei. Um größer zu werden, ließ sich der damals 21-Jährige beide Oberschenkel brechen.

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 wären 14 Prozent der befragten Männer in Deutschland gerne größer. Für ein paar Zentimeter mehr greifen manche Männer zu radikalen Mitteln. So auch Leon.


Hier geht es weiter.



2. Die Bundesregierung strebt einen geschlechtergerechten Wiederaufbau der Ukraine an:

Während in der Ukraine tausende junge Männer täglich um ihr Überleben kämpfen, steht bei der "Ukraine Recovery Conference" in Berlin das Thema "Gender Mainstreaming und weibliche Führung: Sicherstellung eines geschlechtergerechten und integrativen Wiederaufbaus in der Ukraine" auf der Tagesordnung. (…) Dazu soll eine "Allianz für den geschlechtergerechten Wiederaufbau" gegründet werden.

Teilnehmer des Panels sind unter anderem Iryna Postolovska, die stellvertretende Ministerin der Ukraine für Sozialpolitik, Kateryna Levchenko, die Beauftragte der ukrainischen Regierung für Genderpolitik, Kirsi Madi, führende Direktorin der Vereinten Nationen, Lenna Koszarny, CEO des US-amerikanischen Private-Equity-Fonds Horizon Capital und Vertreter von internationalen NGOs.

Mehrere dieser zivilgesellschaftlichen Lobbygruppen pochten bereits am Montag in einem offenen Brief darauf, dass die "Gender-Gleichberechtigung" beim Wiederaufbau des Landes stärker berücksichtigt werden müsse. Die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle von Frauen und Mädchen sei auf den beiden vorangegangenen Konferenzen in Lugano (2022) und London (2023) nur unzureichend berücksichtigt worden.

Die Wiederaufbauplanung müsse "gerecht, inklusiv und geschlechtsspezifisch" sein, hieß es in dem Brief. Deshalb sei es gut, dass nun auf der Konferenz "ein spezielles Panel zum Thema Gender Mainstreaming und weibliche Führung" abgehalten werde und die Gründung einer "Allianz für einen geschlechtergerechten und integrativen Wiederaufbau" der Ukraine kurz bevorstehe.




3. Kaum kündigt sich an, dass Gleichberechtigung einmal zu Lasten von Frauen geht, protestieren die ersten Journalisten: "Wehrpflicht für Frauen? Das ist nicht gerecht" heißt es in der Rheinischen Post, "Warum eine Wehrpflicht für Frauen falsch ist" auf Spiegel-Online, wo eine "Pflichtelternzeit für Männer" gefordert wird.



4. Das populärwissenschaftliche Magazin beschäftigt sich mit dem Denken autoritärer Linker: jener Gruppe, von der die Männerbewegung stärker und hassvoller angefeindet wird als jeder anderen. Ein Auszug aus dem Artikel, der auch diese Attacken erklärt:

Linksautoritäre Einstellungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Bestrafung derjenigen bevorzugen, die von der Gruppenmeinung abweichen, dass sie bestehende Hierarchien umstürzen wollen, dass sie erwarten, dass jeder die gleichen linken Ansichten vertritt, dass sie glauben, dass es nur eine richtige moralische Perspektive gibt, dass sie sich nur auf ihre eigenen Normen und Grenzen konzentrieren und dass sie starre Gewissheit brauchen. Mit anderen Worten: Menschen mit einem hohen linksautoritären Wert haben möglicherweise Schwierigkeiten mit Fähigkeiten wie Perspektivenübernahme, flexiblem Denken und dem Umgang mit anderen Menschen mit unterschiedlichen moralischen oder persönlichen Überzeugungen.

(…) Extremismus jeglicher Couleur kann Schaden anrichten. Die Wahrheit ist jedoch, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Frage recht begrenzt sind. In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde die aktuelle Literatur zu linksautoritären Einstellungen untersucht. Anstatt offener zwischenmenschlicher Gewalt werden in dieser Studie subtilere Formen der Schädigung und sozialen Kontrolle in den linksautoritären Bewegungen hervorgehoben. So werden in den Studien beispielsweise Strategien wie Mobbing oder Ausgrenzung von Personen mit abweichenden Standpunkten sowie die Durchsetzung von linksautoritären Einstellungen durch Zensur anderer hervorgehoben. Diese zwischenmenschlichen Zurückweisungen können darin begründet sein, dass man überall Bedrohungen sieht und dogmatisch an der eigenen Ideologie festhält.

Interessanterweise zeigte dieselbe Studie, dass linksautoritären Einstellungen durch emotionale Reaktionen und Kränkungen anderer angetrieben werden können. linksautoritären Einstellungen werden auch mit Anzeichen von psychischen Problemen, wie Angstzuständen und Depressionen, in Verbindung gebracht.

Eine andere europäische Studie über Nutzer sozialer Medien untersuchte, wie linksautoritäre Einstellungen speziell mit wahrgenommener Kränkung und Vorurteilen zusammenhängen kann. Linksautoritäre Einstellungen steht im Zusammenhang mit der Tendenz, Sexismus und das Privileg der Weißen im Alltag zu sehen, sowie mit negativen Ansichten über Männer.

(…) Linksautoritäre Einstellungen zeigen mögliche Zusammenhänge mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen, schlechterer psychischer Gesundheit, subtiler zwischenmenschlicher Diskriminierung und Gewalt sowie sozial-emotionaler Reaktivität.

Eine Sache, die wir tun können, ist, Lehren aus dem Umgang mit hassmotiviertem Verhalten zu ziehen. So wie wir heimtückisches Verhalten im Zusammenhang mit rechtsautoritären Einstellungen behandeln, können wir Psychologie, Bildung, Politik und andere Lösungen anwenden, um den potenziellen Schaden, den linksautoritäre Einstellungen anrichten, zu mindern.




Donnerstag, Juni 13, 2024

UN-Bericht enthüllt Israels sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer

1. Wenige Tage nachdem die Londoner Times in Zweifel zog, ob es am 7. Oktober in Israel wirklich Massenvergewaltigungen durch die Hamas gegeben hat, legen die Vereinten Nationen einen Bericht vor, der Kriegsverbrechen beider Seiten in diesem Konflikt anspricht. Dazu gehört auch sexuelle Gewalt der Hamas am 7. Oktober. Der britische Guardian fasst zusammen:

Der Bericht beschuldigt den militärischen Flügel der Hamas und sechs weitere bewaffnete palästinensische Gruppen - die in einigen Fällen von palästinensischen Zivilisten unterstützt wurden - des Mordes, der Folter, der sexuellen Gewalt und der systematischen Entführung.

"Viele Entführungen wurden mit erheblicher physischer, psychischer und sexueller Gewalt und erniedrigender und demütigender Behandlung durchgeführt, in einigen Fällen wurden die Entführten sogar vorgeführt", heißt es in dem Bericht. "Frauen und Frauenkörper wurden von den männlichen Tätern als Siegestrophäen benutzt."

In einer Erklärung erklärte das Gremium, es habe ein Muster sexueller Gewalt durch die Hamas festgestellt und sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht um isolierte Vorfälle, sondern um ähnliche Ereignisse an verschiedenen Orten handele.


Für ein maskulistisches Blog wie Genderama ist sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer von besonderem Interesse. Hierzu enthält ein detaillierter Bericht einer Untersuchungskommission des Hohen Rats für Menschenrechte der Vereinten Nationen relevante Informationen über die militärischen Operationen Israels.

In einigen Fällen wurden primär die Frauen und erst sekundär die Männer Opfer sexuellen Übergriffe israelischer Soldaten:

Die Kommission stellt insbesondere fest, dass die weiblichen Opfer gezwungen wurden, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen und ihren Schleier in der Öffentlichkeit und vor einer Gemeinschaft abzulegen, die strenge religiöse und kulturelle Bekleidungsvorschriften hat, insbesondere für Frauen und Mädchen. Mehrere dieser Frauen wurden sexuell belästigt und körperlich und verbal misshandelt schutzlos und entblößt, und sie wurden verhört, während sie körperlich misshandelt wurden und mit Drohungen gegen ihr Leben und ihre Person konfrontiert waren. In einem Fall wurden die Männer aus der Umgebung gezwungen, bei der Entkleidung und Belästigung von weiblichen Mitgliedern der Gemeinschaft zuzusehen.


Ein männlicher Zeuge berichtete von sexuellem Missbrauch und Belästigung von Frauen in der Salah al-Din-Straße während der Evakuierung, wo die israelischen Soldaten Frauen aufforderten, sich auszuziehen und sie in ihrer Unterwäsche zurückließen. (…) Er sah auch, wie mehrere Frauen von den Soldaten sexuell belästigt wurden, während sie sich ausziehen mussten, darunter ein Mädchen im Alter von etwa 17 oder 18 Jahren. Die Soldaten verhöhnten und belästigten die Männer, weil sie nicht in der Lage waren, in die erzwungene Entkleidung der Frauen einzugreifen.


Männer und Jungen wurden vergleichbaren Prozeduren unterworfen:

Die Kommission stellt fest, dass palästinensische Männer ebenfalls unter erniedrigenden Umständen fotografiert und gefilmt wurden, während sie sexuellen Handlungen ausgesetzt waren, einschließlich erzwungener öffentlicher Nacktheit. Die Kommission dokumentierte neun Vorfälle, bei denen Hunderte von Männern von israelischen Soldaten unter solch erniedrigenden und entwürdigenden Umständen fotografiert und/oder gefilmt wurden. Die Männer wurden unbekleidet oder nur mit Unterwäsche bekleidet fotografiert, in untergeordnete Positionen gezwungen (an einen Stuhl gefesselt, auf dem Boden kniend oder auf dem Boden liegend mit verbundenen Augen und gefesselt) und/oder körperlichen Misshandlungen unterworfen. In mehreren Fällen werden den Männern die Augen verbunden und die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Die Kommission dokumentierte auch digitales Bildmaterial von Palästinensern, die von israelischen Soldaten gefangen genommen wurden, wobei einige Männer nackt ausgezogen und in einigen Fällen von Soldaten körperlich angegriffen wurden.

(…) Ein Opfer schilderte der Kommission seine Demütigung während der Evakuierung eines Wohngebiets in Beit Lahia Anfang Dezember 2023. Er war in seinem Haus, als Soldaten in das Gebiet eindrangen und die Menschen zur Evakuierung aufforderten. Im Verlauf der Evakuierung wurden Männer und Jungen gezwungen, sich vor Familienmitgliedern auszuziehen und auf die Knie zu gehen. Die Frau und die Kinder des Opfers wurden Zeuge seiner Entkleidung, bevor sie evakuiert wurden. Der Mann empfand es als demütigend, sich so in der Öffentlichkeit entblößen zu müssen. Er und etwa 50 anderen Männern wurde befohlen, in ihrer Unterwäsche und barfuß zum Ende der Straße zu gehen, wo sie gezwungen wurden, mit etwa 250 anderen Männern und Jungen nur in Unterwäsche niederzuknien. Diese Informationen wurden durch digitale Beweise bestätigt. Die befragte Person beschrieb, wie eine israelische Soldatin zwei Jungen im Teenager-Alter, die bis auf die Unterwäsche entkleidet waren, zum Tanzen aufforderte und ein Video von ihnen aufnahm, während sie lachte.

(…) An einem behelfsmäßigen Kontrollpunkt wurden Frauen, Männer, Mädchen und Jungen mit vorgehaltener Waffe aufgefordert, sich auszuziehen, aus ihren Kleidern einen Ball zu formen und sie den israelischen Soldaten zuzuwerfen. Sie wurden aufgefordert, ihre Ausweispapiere in die Luft zu halten und unbekleidet weiterzulaufen. Die ISF sagten, dass jeder, der den Befehlen nicht folgen würde, erschossen werde. Die Männer waren beim Gehen völlig nackt und die Frauen in ihrer Unterwäsche. Ein Opfer wurde von einem Soldaten aufgefordert, zur Seite zu gehen und während eines etwa 30 Minuten dauernden Verhörs durch drei Soldaten nackt zu bleiben. Während des Verhörs wurde er geohrfeigt und mit dem Tod bedroht.

"Sie befahlen uns allen, Männern und Frauen, unsere Kleidung auszuziehen und weiterzugehen und dabei nur nach vorne zu schauen. Ich ging nackt zwischen den Panzern, ich trug nicht einmal Unterwäsche. Ein israelischer Soldat spuckte in mein Gesicht. Ich zwang mich, nicht zu reagieren, weil ich wusste, dass sie mir alle Knochen in meinem Körper brechen würden, wenn ich es täte."

Mann aus Gaza


Die Kommission dokumentierte zwei besonders ungeheuerliche Fälle, die von Soldaten gefilmt und verbreitet wurden. In einem Fall lokalisierte die Kommission ein auf X und Telegram veröffentlichtes Video, das von Soldaten in Hebron im Westjordanland am 31. Oktober gefilmt wurde und schwere Misshandlungen und Missbrauch männlicher Häftlinge dokumentiert. In den Aufnahmen sind sechs Männer zu sehen, von denen zwei völlig nackt und ihre Genitalien entblößt sind. Alle Männer haben die Augen verbunden und liegen auf dem Boden. (...) Einer der völlig entkleideten Männer scheint bewusstlos oder leblos zu sein; der andere schreit vor Schmerzen, bevor er zu Boden gedrückt wird. Ein Soldat tritt auf das Gesicht eines Mannes, der nur eine Hose trägt und dessen Hände und Füße gefesselt sind.


Weiter heißt es in dem Bericht:

Der Kommission liegen keine Hinweise darauf vor, dass die israelischen Behörden Maßnahmen ergriffen haben, um sexuelle Gewalttaten zu verhindern oder zu beenden oder die Täter zu identifizieren und zu bestrafen. Die Kommission stellt fest, dass viele dieser Handlungen von Soldaten selbst gefilmt und in sozialen Medien veröffentlicht und weit verbreitet wurden. In den von der Kommission untersuchten Fällen von Massenverhaftungen und erzwungener öffentlicher Entkleidung hat die israelische Armee keine Erklärung über den Grund für die Anwendung eines solchen Verfahrens abgegeben. Die erniedrigende und entwürdigende Behandlung wurde während der Militäroperationen im Gazastreifen systematisch fortgesetzt und betraf Hunderte von Männern.


Ich habe hier allein die Passagen über sexuelle Gewalt aus dem langen Bericht herausgenommen. Er listet etliche weitere Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen auf.



2. Im "Focus" findet man folgende Meldung:

Wie die britische Zeitung "Daily Mail" berichtet, verloren kürzlich zwei Lehrerinnen an einer Highschool in Janesville in Wisconsin ihren Job. Sie werden beschuldigt, Schülern sexuelle Avancen gemacht und sie zum Gruppensex eingeladen zu haben. Die Lehrerinnen flogen wegen belastender Bilder und Nachrichten auf Snapchat auf.

Der "Daily Mail" zufolge gab eine von beiden zu, dem Schüler während der Reise fünf Fotos von sich in Unterwäsche geschickt und ihn während einer Klassenfahrt geküsst zu haben. Auch die andere gestand mit dem Schüler Nachrichten ausgetauscht zu haben, die Kuscheln, Flirten und den Gebrauch von Alkohol implizierten.

Laut der Zeitung kam es zwischen einer Lehrerin und einem Schüler zu Intimitäten in einem Schulbus, wobei der Schüler das Fahrzeug gefahren haben soll. Beide flogen schließlich auf, als ein dritter Lehrer eine Gruppe Schüler dabei erwischte, wie sie sich die Unterwäsche-Fotos ansahen.




3. Der "Tagesspiegel" berichtet über neuere Untersuchungen über die Jungenopfer der Maya.

Die Analyse widerlegt damit auch die Auffassung, dass vor allem Mädchen und junge Frauen geopfert wurden. (…) Alle 64 Personen, von denen jetzt Genproben untersucht worden sind, waren männlich.




4. Einer meiner Leser schreibt mir:

Ein Vorschlag für die morgige Presseschau: In einem Beitrag des ZDF zum Thema Kinderarbeit wird erwähnt, dass die meisten "Dienstbot*innen" Mädchen seien (Slide 5), aber verschwiegen, dass insgesamt hauptsächlich Jungs von Kinderarbeit betroffen sind.




Mittwoch, Juni 12, 2024

Neue Studie: Psychologie-Professoren zensieren sich bei kontroversen Themen selbst

1.
Eine kürzlich in der Zeitschrift "Perspectives on Psychological Science" veröffentlichte Studie hat ergeben, dass US-amerikanische Psychologieprofessoren sich häufig selbst zensieren, wenn es um die Erörterung kontroverser Forschungsthemen geht. Die Studie zeigt, dass es innerhalb der akademischen Gemeinschaft erhebliche Meinungsverschiedenheiten und Ängste in Bezug auf die Diskussion und Erforschung bestimmter sensibler Themen gibt. Obwohl ein breiter Konsens darüber besteht, dass die akademische Freiheit geschützt werden sollte, zögern viele Professoren, ihre Überzeugungen offen mitzuteilen, weil sie soziale und berufliche Auswirkungen befürchten.


In einem Beitrag, der darüber berichtet, heißt es weiter:

Die Autoren der Studie versuchten, das Ausmaß und die Auswirkungen der Selbstzensur unter Psychologieprofessoren besser zu verstehen, insbesondere im Hinblick auf die wachsende Besorgnis über die akademische Freiheit und die möglichen sozialen Sanktionen für kontroverse Forschungsergebnisse. Historisch gesehen haben Konflikte und Wettbewerb den wissenschaftlichen Fortschritt vorangetrieben, aber übermäßige Feindseligkeit und die Angst vor Konsequenzen können eine offene Debatte und Innovation ersticken.

"Viele Professoren (darunter viele, die ich noch nie zuvor getroffen hatte) wandten sich an mich, um ihre Besorgnis über das erdrückende akademische Klima zum Ausdruck zu bringen, und ich wollte wissen, wie weit verbreitet dieses Gefühl ist. Es stellte sich heraus, dass die meisten Professoren die Verfolgung selbst der umstrittensten Schlussfolgerungen unterstützen und große Angst vor und Ressentiments gegenüber Kollegen haben, die die akademische Freiheit und das Streben nach Wahrheit beeinträchtigen wollen", so Studienautor Cory J. Clark, Gastwissenschaftler an der Wharton School der University of Pennsylvania.

Die Forscher begannen damit, durch qualitative Interviews mit 41 Wissenschaftlern, die in Psychologie oder verwandten Bereichen promoviert hatten, potenziell tabuisierte Forschungsergebnisse zu ermitteln. Diese Interviews, die Anfang 2021 durchgeführt wurden, halfen dabei, Themen zu identifizieren, die innerhalb des Fachgebiets als kontrovers gelten. Anhand der Erkenntnisse aus diesen Interviews entwarfen die Forscher eine umfassende Umfrage, um die Überzeugungen und Einstellungen einer größeren Stichprobe von Psychologieprofessoren quantitativ zu bewerten.

Ende 2021 wandte sich das Team an 4 603 Psychologie-Fakultätsmitglieder der 133 besten Universitäten und Psychologie-Studiengänge in den Vereinigten Staaten, die vom U.S. News & World Report aufgelistet werden. Auf die online durchgeführte Umfrage antworteten 470 Professoren.

Die Teilnehmer wurden nach ihrer Meinung zu zehn spezifischen kontroversen Forschungsergebnissen, ihrem Grad an Selbstzensur und ihrer Einstellung zur Verhinderung solcher Forschung befragt. Die Umfrage umfasste auch Fragen zu den potenziellen sozialen und beruflichen Auswirkungen, die die Professoren befürchten, wenn sie ihre empirischen Überzeugungen offen äußern würden.


Zu den Forschungsbereichen, bei denen sich Professoren davor fürchten, politisch unerwünschte Erkenntnisse vorzulegen, gehören auch mehrere, die in der Geschlechterdebatte eine Rolle spielen:

* Die Neigung zu sexuellem Zwang hat sich wahrscheinlich entwickelt, weil sie Männern, die sich so verhalten, evolutionäre Vorteile verschafft hat.

* Geschlechtsspezifische Vorurteile sind nicht der wichtigste Grund für die Unterrepräsentation von Frauen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (MINT).

* Das biologische Geschlecht ist für die große Mehrheit der Menschen binär.

* Männer und Frauen haben aufgrund der Evolution unterschiedliche psychologische Eigenschaften.

* Die Transgender-Identität ist manchmal das Ergebnis von sozialem Einfluss.

* Demografische Vielfalt am Arbeitsplatz führt oft zu schlechteren Leistungen.


Wie gehen Professoren mit solchen Themen um?

Viele Professoren berichteten, dass sie sich selbst zensieren, insbesondere diejenigen, die an die Richtigkeit der kontroversen Schlussfolgerungen glauben. (…) Selbst Professoren mit fester Anstellung, die in der Regel eine größere Arbeitsplatzsicherheit haben, berichteten über ein ähnlich hohes Maß an Selbstzensur und Angst vor Konsequenzen wie ihre Kollegen ohne feste Anstellung. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass eine Festanstellung nicht unbedingt vor sozialen und rufschädigenden Risiken schützt.

Die Mehrheit der Professoren lehnte die Unterdrückung von Forschungsergebnissen aufgrund moralischer Bedenken ab und betrachtete solche Maßnahmen als illegitim. Sie äußerten sich verächtlich über Kollegen, die aus diesen Gründen Petitionen zur Rücknahme von Arbeiten initiierten. Die Studie ergab jedoch demografische Unterschiede in diesen Einstellungen. Jüngere, eher links orientierte und weibliche Lehrkräfte waren im Allgemeinen eher gegen kontroverse wissenschaftliche Arbeiten und befürworteten eher Maßnahmen gegen Wissenschaftler, die solche Schlussfolgerungen vertraten. Dies deutet auf eine generationelle und ideologische Kluft innerhalb der akademischen Gemeinschaft in Bezug auf den Umgang mit kontroverser Forschung hin.

Die meisten Befragten unterstützten den Grundsatz, dass Wissenschaftler die Freiheit haben sollten, Forschungsfragen ohne Angst vor institutionellen Strafen zu verfolgen. Sie gaben auch der Wahrheit den Vorrang vor sozialer Gerechtigkeit, wenn diese beiden Ziele miteinander in Konflikt geraten. Dennoch gab es erhebliche Bedenken hinsichtlich des potenziellen Schadens, der aus bestimmten Forschungsergebnissen entstehen könnte. Die Mehrheit der Professoren war der Ansicht, dass nur zwingende Beweise für einen Schaden die Unterdrückung von Forschungsergebnissen rechtfertigen sollten, was auf eine hohe Schwelle für die Einschränkung der akademischen Freiheit hinweist.

Die Professoren äußerten erhebliche Bedenken hinsichtlich verschiedener sozialer und beruflicher Auswirkungen, wenn sie ihre kontroversen empirischen Überzeugungen offen mitteilen würden. Zu den am meisten befürchteten Folgen gehörten soziale Ächtung, Angriffe in sozialen Medien und abwertende Bezeichnungen. Die Besorgnis über schwerwiegendere Folgen wie körperliche Gewalt und Entlassung war weniger ausgeprägt, aber dennoch vorhanden.


Ich habe in meinem "Lexikon der feministischen Irrtümer" bekanntlich selbst einen Schwung politisch unerwünschter Forschungserkenntnisse vorgelegt und bin daraufhin selbst in den Genuss von sozialer Ächtung, Angriffen in sozialen und traditionellen Medien sowie abwertenden Bezeichnungen gekommen. Ob es mir beruflich geschadet hat, kann ich nicht sagen, weil Verlage Absagen bei vorgeschlagenen Buchprojekten selten begründen. Dem unbenommen haben Wahrhaftigkeit und Wissenschaftlichkeit für mich weiter Vorrang vor Politischer Erwünschtheit.



2. Ein Beitrag in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Psychology Today beschäftigt sich mit nachgeburtlichen Depressionen bei Vätern und schlägt Gegenmaßnahmen vor:

Etwa 1 von 10 Vätern leidet an einer nachgeburtlichen Depression. Das ist doppelt so hoch wie die Depressionsrate bei Männern in der Allgemeinbevölkerung. Nicht nur, dass wir postpartale Depressionen in der Regel mit Frauen in Verbindung bringen, sondern auch, dass die Symptome bei Vätern anders aussehen können als bei Müttern, was weiter dazu beiträgt, dass Väter unterdiagnostiziert und unbehandelt bleiben.

Väter zeigen seltener "traditionelle" Symptome einer postpartalen Depression, wie z. B. eine traurige Stimmung, die sich durch äußeres Weinen äußert. Stattdessen können die Symptome bei Vätern folgende sein

* Reizbarkeit, Feindseligkeit und Wut

* Isolation, Rückzug und Losgelöstheit, z. B. sich in die Arbeit stürzen

* risikoreiches Verhalten, wie z. B. erhöhter Drogenkonsum

* körperliche Symptome wie Schmerzen, Veränderungen von Appetit und Gewicht sowie Schlafstörungen

* negatives Beziehungs- und Erziehungsverhalten


Was kann man nun tun, um solchen Vätern zu helfen?

* Während Mütter während der Schwangerschaft und nach der Geburt häufig mit dem Gesundheitssystem in Berührung kommen, haben Väter während der Perinatalperiode in der Regel weniger mit dem Gesundheitswesen zu tun und stehen nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Darüber hinaus gibt es zwar etablierte Richtlinien für die Untersuchung der psychischen Gesundheit von schwangeren und postpartalen Müttern, aber keine solchen Richtlinien für Väter. Ein universelles Screening sollte nicht nur bei Müttern, sondern bei allen Eltern durchgeführt werden, die während der Schwangerschaft, nach der Geburt und bei Neugeborenen einen Termin beim Kinderarzt wahrnehmen. Hausärzte sollten ebenfalls auf diesen Lebensübergang aufmerksam gemacht werden, um Veränderungen der psychischen Gesundheit bei Vätern zu überwachen und zu behandeln. Ähnlich wie die psychischen Störungen von Müttern kann die nachgeburtliche Depression auch bei Vätern erfolgreich mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden.

* Ein weiteres Hindernis für Männer, die psychosoziale Dienste in Anspruch nehmen wollen, sind wahrscheinlich die gesellschaftlichen Botschaften, die sie darüber erhalten, was es bedeutet, sowohl Mann als auch Vater zu sein, eine Quelle der Stabilität und Unterstützung. Die Forschung zeigt, dass Männer eher dazu neigen, Normen zu übernehmen, die von anderen Männern vorgelebt werden. Angesichts der derzeit geringen Inanspruchnahme traditioneller psychosozialer Dienste und der positiven Ergebnisse, die für Peer-Support-Programme nachgewiesen wurden, sollten Anstrengungen unternommen werden, um das Engagement und die Unterstützung neuer Väter durch verschiedene Methoden des Peer-Supports (z. B. Gruppen und Einzelgespräche, persönlich, virtuell und telefonisch) zu erweitern.

* Wenn Sie ein frischgebackener Vater sind und eine dieser Informationen auf Sie zutrifft, sprechen Sie bitte mit einer vertrauten Person oder Ihrem Gesundheitsdienstleister, um den ersten Schritt auf der Suche nach zusätzlicher Unterstützung zu tun.


Wesentlich scheint mir hier zu sein, Bewusstsein dafür zu wecken, dass es dieses Problem überhaupt gibt.



3. Politiker von CDU und Grünen fordern einen Wehrdienst für Frauen.



4. Entwicklungsministerin Svenja Schulze will Flüchtlinge aus der Ukraine nicht zur Rückkehr drängen. Das ist nicht zuletzt für Männer, die vor dem Einsatz an der Front geflohen sind, von Bedeutung.

"Um das klarzustellen: Es bleibt die individuelle Entscheidung der Ukrainerinnen oder Ukrainer, die bei uns Zuflucht gesucht haben, ob und wann sie in ihre Heimat zurückkehren wollen", sagte Schulze dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Deutschland übt keinen Druck aus und zahlt auch keine Rückkehrprämien."




5. Vor den Olympischen Spielen werden in Paris systematisch Obdachlosencamps aufgelöst. Kritiker sprechen von einer "sozialen Säuberung".



6. Ein diese Woche vorgelegter Bericht der Vereinten Nationen über Kriegsverbrechen, die an Kindern begangen werden, wirft Israel unter anderem vor, bei militärischen Einsätzen Jungen als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu warf den Vereinten Nationen daraufhin vor, die Hamas zu unterstützen.



7. Immer wieder werden Männer-Aktivisten als "Frauenhasser" diffamiert, während man Feministinnen als Kämpferinnen für Gleichberechtigung würdigt. Macht das wirklich Sinn, oder verhält es sich nicht doch eher andersherum? Das fragt sich Tom Golden in seinem Video "Is Feminism a Hate Group?"



Dienstag, Juni 11, 2024

Neues Wehrpflicht-Modell: Werden Männer bald wieder zur Bundeswehr gezwungen?

1. Verteidigungsminister Pistorius will morgen sein Wehrpflicht-Modell vorstellen. Im Kern geht es um die Frage, wie viele Pflichten der neue Wehrdienst vorsieht – oder ob er ganz auf Freiwilligkeit setzt.

Kern des neuen Wehrdienstes soll ein Modell sein, das vor allem auf Freiwilligkeit und Anreize setzt. So sollen künftig alle 18-jährigen Männer und Frauen einen Online-Musterungsfragebogen zugeschickt bekommen. Darin sollen sie Fragen zu ihrer Fitness, ihrem grundsätzlichen Interesse an der Bundeswehr, aber auch zu ihren handwerklichen oder kognitiven Kompetenzen beantworten.

(…) Neben dem freiwilligen Teil soll es auch einen Pflichtteil geben. Wie groß der genau ausfällt, ist noch unklar. Klar ist hingegen: Das Ausfüllen und das Einsenden des Musterungsfragebogens werden für die jungen Männer verpflichtend. Sonst drohen Sanktionen, etwa Bußgelder.

Zudem: Wer sein Interesse für die Truppe bekundet, also etwa bei der entsprechenden Frage mit Ja antwortet, und danach von der Bundeswehr eingeladen wird, könnte dazu verpflichtet werden, dann auch zur Musterung zu gehen. Für einen Teil der jungen Männer könnte also eine Musterungspflicht gelten. Aus den erfolgreich Gemusterten bildet sich ein Pool, aus dem die Bundeswehr die Fähigsten auswählt.

(…) Auch Frauen erhalten den Fragebogen ab ihrem 18. Lebensjahr, sind allerdings zu nichts verpflichtet. Grund für die Ungleichbehandlung ist das Grundgesetz, das nur die Männer zu einem Dienst in den Streitkräften verpflichten kann.




2. Der Diplomsozialarbeiter Anton Pototschnig hat einen gelungenen Artikel in Österreichs "Die Presse" veröffentlicht:

Der gesellschaftliche Wahrnehmungsfokus richtet sich auf „toxische Männlichkeit“, also auf eine kleine Minderheit. Das Gros der Väter und deren positiver Einfluss auf ihre Kinder wird aber immer noch gern übersehen und unterschätzt.


Hier geht es weiter.



3. In Berlin wurden zwei sich küssende Männer angegriffen. Polizeiangaben zufolge

sollen sich die beiden Männer, 25 und 29 Jahre alt, am Samstagabend gegen 20 Uhr auf einer Wiese im Park geküsst haben. Daraufhin seien drei Männer aus einer Familiengruppe heraus auf sie zugegangen und hätten sie aufgefordert, das vor ihren Frauen und Kindern zu unterlassen und wegzugehen. Das Trio habe dann Zeugenaussagen zufolge auf die beiden Männer eingetreten und eingeschlagen und versucht, die am Boden sitzenden Männer wegzuschubsen.




4. Eine britische Bademeisterin, die ihren Partner krankenhausreif geschlagen hat, wird von einer Haftstrafe verschont. Die Richterin urteilte, sie betrachte die Tat "nicht als klassischen Fall von häuslicher Gewalt", da die Täterin aus einem überwältigenden Gefühlsausbruch heraus gehandelt habe und ihre Tat bereue.



5. Letzten Herbst habe ich hier mehrfach auf Artikel verwiesen, die die feministische Bewegung dafür anprangerten, dass ihre Wortführerinnen zögerten, die Massenvergewaltigungen anzusprechen, die Hamas-Terroristen am 7. Oktber begangen hätten. Das erschien mir sinnvoll: Ich engagiere mich in meinen Büchern für Opfer sexueller Gewalt unabhängig vom Geschlecht, und die Vorstellung, dass solche Opfer übergangen werden, weil sie jüdisch oder israelisch sind, ärgert mich. Auch sollen auch Männer am 7. Oktober Opfer sexueller Gewalt geworden sein. Jetzt aber gibt es Hinweise darauf, dass ich womöglich Falschmeldungen verbreitet habe, die hinterfragt werden sollten, zumal möglicherweise Kriegspropaganda hineinspielt. Da das Ziel von Genderama ist, so wahrhaftig und faktennah wie möglich zu sein, sollten die inzwischen sichtbar gewordenen Widersprüche auch hier gezeigt werden.

Die Londoner Times nämlich zweifelt inzwischen an, ob es am 7. Oktober diese angeblichen Massenvergewaltigungen wirklich gegeben hat. Ein Auszug aus dem Artikel:

Die Vorstellung, dass der arabische Mann eine explizite sexuelle Bedrohung für jüdische Frauen darstellt, entwickelte sich parallel zum Rechtsruck in der israelischen Politik. (…) Im Juli 2023 verabschiedete die Knesset ein von rechten und rechtsextremen Gesetzgebern vorgeschlagenes Gesetz, das schnell als "Sexualterrorismusgesetz" bezeichnet wurde und das die Strafe für sexuelle Übergriffe oder Belästigungen aus "nationalistischen Motiven" verdoppelt.

"Es bedeutet eindeutig, dass arabische oder palästinensische Männer, die der Vergewaltigung beschuldigt werden, nach einem völlig anderen Verfahren verurteilt werden könnten als jüdische Männer, die vergewaltigen“, sagt [Dr. Sarai Aharoni, Akademikerin an der Universität Ben Gurion]. Sie nennt diese Aussicht "undenkbar" und weist darauf hin, dass damit neben der rassistischen Implikation eine "Hierarchie der Opferschaft" unter den Überlebenden von Vergewaltigungen geschaffen werden soll. Der israelische Verband der Vergewaltigungskrisenzentren (ARCCI) bekämpfte das Gesetz aus denselben Gründen, jedoch ohne Erfolg.


Nach diesen Hintergrundinformationen beschäftigt sich die "Times" mit den Verbrechen des 7. Oktober:

Hamas-eigene Live-Streams von am Körper getragenen Kameras zeigten, wie sie rücksichtslos Männer, Frauen und Kinder niederschossen, Häuser abfackelten, Hunde erschossen und schreiende und weinende Zivilisten als Geiseln verschleppten. (…) Die Gerüchte über Vergewaltigungen begannen zu kursieren, fast bevor die Massaker selbst vorbei waren. Vieles davon stammte von - wie [Pramila Patten, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt] es später nannte – "Laien", die "ungenaue und unzuverlässige forensische Interpretationen" der Funde lieferten und so eine unmittelbare, aber fehlerhafte Darstellung des Geschehens schufen.


Der "Times" zufolge wurde ein Teil der Ermittlungen ultra-orthodoxen Juden überlassen, die sich mit weiblichen Körpern nicht gut auskannten und fälschlich sexuelle Gewalt erkannten.

"Das erste Bild von Vergewaltigung und sexueller Gewalt wurde automatisch mit der europäischen Geschichte in Verbindung gebracht", sagt sie, vor allem von denjenigen, die eine religiöse Erziehung haben. "So gibt es einen Zaka-Freiwilligen, dessen Hauptbildung religiös ist. Er hat eine Menge jüdischer Texte gelesen, in denen die Vergewaltigung von Frauen beschrieben wird. Diese Texte tauchen in jüdischen Geschichten immer wieder auf, und sie tauchen jedes Mal auf, wenn es ein größeres Ereignis gegen jüdische Gemeinschaften gibt."

Yossi, ein Freiwilliger einer anderen religiösen Gruppe namens Vereinigte Hatzalah, erzählte den Reportern, er habe eine "Pyramide von Leichen" gesehen, obwohl nichts dergleichen gefunden wurde. Seine Beschreibung schien einem Foto eines Leichenbergs im Krematorium des Konzentrationslagers Dachau zu ähneln. Die inzwischen entlarvte Geschichte von der schwangeren Frau und ihrem geschlachteten Fötus ist aus Pogromen gut bekannt. Viele andere falsche Geschichten handelten von Babys - eine Zaka-Figur behauptete, sie habe ein Baby gefunden, das lebendig in einem Ofen gebacken wurde.

Aber auch Frauen gaben forensische Einschätzungen ab, für die sie bei weitem nicht qualifiziert waren, während andere Geschichten wiederholten, nachdem sie sich als falsch erwiesen hatten. Eine von ihnen war die Rechtsexpertin Cochav Elkayam-Levy, die nach den Angriffen eine, wie sie es nannte, "zivile Kommission" bildete, um Beweise für sexuelle Gewalt zu sammeln. (…) Elkayam-Levy brachte Fotos von ermordeten Soldatinnen in Umlauf, die sich als Bilder von kurdischen Kämpferinnen in Syrien herausstellten. (…) Elkayam-Levy ist dennoch die prominenteste öffentliche Stimme zur sexuellen Gewalt vom 7. Oktober geblieben und wurde im April mit der höchsten zivilen Auszeichnung des Landes, dem Israel-Preis, geehrt.

Aharoni zeigt sich besorgt darüber, dass sowohl führende Politiker als auch andere, die mit der Likud-Partei des Premierministers verbunden sind, "die feministische Agenda auf sehr opportunistische Weise für ein ganz bestimmtes politisches Narrativ im Zusammenhang mit der Netanjahu-Regierung genutzt haben", ohne sich um die tatsächlichen Opfer zu kümmern. "Die Politisierung der Vergewaltigung durch die israelische Regierung war Teil der politischen Agenda dieser Regierung", warnt sie. "Die Frage, ob man den Überlebenden glaubt, ist zu einem Test der Loyalität gegenüber der Nation geworden." Am 11. November startete das Außenministerium eine Kampagne unter dem Hashtag #BelieveIsraeliWomen. "Ich hielt das nicht für sinnvoll", sagt [Orit Sulitzeanu, Direktorin des israelischen Verbands der Vergewaltigungskrisenzentren (ARCCI)]. "Sie meinten nicht ‚believe Israeli Women‘. Sie meinten 'believe Israel'."

Kritiker behaupten, dass israelische Beamte die Vergewaltigungsbehauptung regelmäßig als Knüppel benutzen, um Kritiker des Angriffs auf Gaza zum Schweigen zu bringen. Am 11. November, dem Tag, an dem die Hashtag-Kampagne ins Leben gerufen wurde und mehr als 300.000 Menschen in London für einen Waffenstillstand demonstrierten, twitterte der israelische Regierungssprecher Eylon Levy ein Foto, auf dem zu lesen ist: "Ich glaube nicht, dass London jemals zuvor eine so große Demonstration von Vergewaltigungs-Apologeten gesehen hat."

(…) Am 14. November hielt die Polizei ihre erste Pressekonferenz für die internationalen Medien über ihre Ermittlungen zu sexuellen Übergriffen ab. Trotz des Versprechens, neue Beweise für den systematischen Charakter der Übergriffe zu liefern, wurden keine vorgelegt. (…) Am 24. Dezember erließ die Polizei einen Erlass an die Krankenhäuser, in dem sie diese aufforderte, die Berichte aller Überlebenden der Vergewaltigung, die sich in Behandlung begeben hatten, herauszugeben. Am 4. Januar veröffentlichte die Polizei einen erneuten Aufruf zur Suche nach Zeugen, in dem sie mitteilte, dass es ihr gelungen sei, nur drei Zeugen zu befragen, und dass es ihr nicht gelungen sei, deren Aussagen mit den am Ort des Massakers gefundenen Leichen abzugleichen.


Am 4. März legte Pramila Patten einen Bericht vor, der ihrer Einschätzung nach deutliche Hinweise dafür lieferte, dass es am 7. Oktober sexuelle Gewalt gegeben habe, was weitere Ermittlungen notwendig mache. Die "Times" schreibt hierzu weiter:

Der Bericht bestätigte auch, dass die israelischen Behörden nicht in der Lage waren, einen Großteil der Beweise vorzulegen, auf deren Existenz die politische Führung bestanden hatte. In allen Hamas-Videos, die Pattens Team gesehen hatte, und in allen Fotos, die sie gesehen hatten, gab es keine Vergewaltigungsdarstellungen. Wir beauftragten einen führenden israelischen Dark-Web-Forscher, nach Beweisen für diese Bilder zu suchen, einschließlich aus öffentlichen Quellen gelöschter Aufnahmen. Es konnte nichts gefunden werden.

(…) Patten forderte Israel außerdem auf, "glaubwürdige Anschuldigungen" von Vergewaltigungen und sexueller Gewalt gegen palästinensische Frauen und Mädchen zu untersuchen, die von der UN-Mandatsmission in den palästinensischen Gebieten gesammelt wurden. Israel wies Pattens Forderung umgehend zurück und bezeichnete sie als "ein spöttisches und absichtliches palästinensisches Manöver, das darauf abzielt, die schrecklichen Verbrechen, die von der Hamas begangen wurden und weiterhin begangen werden, mit böswilligen und unbegründeten Behauptungen gegen Israel und Israelis gleichzusetzen".

Zu Pattens weiteren Empfehlungen gehörte die Forderung nach einem Waffenstillstand, um die Rettung von Geiseln zu erleichtern, von denen sie befürchtete, dass sie weiterhin sexuell missbraucht werden, und sie forderte die israelische Regierung auf, einen Rahmen für die Zusammenarbeit mit ihrem Büro zu unterzeichnen, damit eine umfassende juristische Untersuchung mit internationaler Unterstützung durchgeführt werden kann. Israel lehnte dies rundheraus ab und richtete seinen Zorn gegen Patten und den UN-Generalsekretär, dem es vorwarf, den Bericht unterdrücken zu wollen - was Patten vehement bestritt - und die Benennung der Hamas als systematische Anwender sexueller Gewalt zu blockieren, obwohl Patten selbst gesagt hatte, dass ein solcher Schritt eine umfassende rechtliche Untersuchung erfordern würde.


Inzwischen bezweifeln Frauenrechtlerinnen in Israel, dass die Wahrheit über sexuelle Gewalt am 7. Oktober jemals bekannt werden wird.

In ihrem Bericht sagte Patten, dass das Ausmaß des Geschehens vielleicht nie ganz klar werden wird. Aber sie fügte hinzu: "Ich habe keine Zahlen in dem Bericht, weil für mich ein Fall mehr als genug ist. Der erste Brief, den ich von der israelischen Regierung erhielt, sprach von Hunderten oder Tausenden von Fällen brutaler sexueller Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder. So etwas habe ich nicht gefunden."

(…) Dr. Reut Plonsker, leitende Psychologin bei SafeHeart, glaubt, dass die Fokussierung auf sexuelle Gewalt für Überlebende des Nova-Festivals, die mit ihrem Trauma ringen, nicht hilfreich war. "Ich glaube nicht, dass es viele sexuelle Übergriffe gab", sagt sie. "Es gab viele Ermordungen. Das ist es, was dort passiert ist. Die Menschen versteckten sich und sahen sehr schreckliche Dinge." Sie ist skeptisch, dass die politisch Verantwortlichen die Interessen der Opfer im Blick haben. "Therapeuten sind an den Opfern und den Überlebenden interessiert", sagt sie. "Ich glaube, die Politiker sind am Image Israels interessiert."

(…) "Als ich das Thema in Israel ansprach, erhielt ich kein positives Feedback", erklärt Patten. "Der Ball liegt bei der israelischen Regierung." Die Familien einiger der am 7. Oktober getöteten und als Geiseln genommenen Menschen sind über die Haltung der israelischen Regierung verärgert und haben sich an den Internationalen Strafgerichtshof gewandt, obwohl Israel sich weigert, mit diesem Gremium auf staatlicher Ebene zusammenzuarbeiten. In der Zwischenzeit hat Patten erlebt, wie ihre Ergebnisse von beiden Seiten instrumentalisiert wurden: von den Leugnern, die sich auf die Mängel in der israelischen Version der Ereignisse konzentrieren, und von denen, die die Behauptungen zur Unterstützung des brutalen Feldzugs gegen den Gazastreifen und seine Zivilbevölkerung nutzen. "Auf der einen Seite haben wir den Nebel des Krieges, der Verbrechen der sexuellen Gewalt oft zum Schweigen bringt. Aber wir haben in der Geschichte auch gesehen, dass sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt werden kann", sagte sie vor Reportern. "Die Wahrheit ist der einzige Weg zum Frieden."




Montag, Juni 10, 2024

US-Abgeordnete: "Weißen Männern geht es heute wie Schwarzen vor 100 Jahren"

1. Die US-amerikanische Abgeordnete Candace Owens, die dem republikanischen Trump-Lager zugerechnet wird, hat die Situation heterosexueller weißer Männer in bestimmten Aspekten mit der Situation von Schwarzen zwischen 1880 und 1960 verglichen. Während diese Rhetorik erkennbar überrissen und für eine sachliche Diskussion wenig hilfreich ist, zeigt sich hier auch, dass immer mehr Politiker die Krise der Männer aufgreifen und versuchen, damit ihre Wähler zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, dass sich verantwortungsvolle Politiker dieses Themas annehmen, bevor es von Demagogen besetzt wird. In meinem Buch "Feindbild weiße Männer" habe ich diese Entwicklung vorhergesagt und davor gewarnt.



2. Ein Beispiel für eine sachlichere Auseinandersetzung mit demselben Thema liefert die Washingtoner Zeitung The Hill. "Unser Niedermachen von Jungen und Männern hat toxische Konsequenzen" warnt dort Andrew Weiner:

Das Internet und die sozialen Medien sind seit langem voll von Memes und sogar Artikeln, die Männer und die meisten Formen der traditionellen Männlichkeit verunglimpfen. Viele der Menschen, die hinter diesen Beiträgen stehen, bestehen darauf, dass es sich lediglich um bissige Sticheleien handelt, die sich an Menschen mit den meisten "Privilegien" richten, die keinen Witz vertragen.

Falls es jemals Zweifel am Wahrheitsgehalt oder an der Ehrlichkeit einer solchen Aussage gegeben hat, scheint ein wachsender Trend den Schleier zu lüften.

Kürzlich veröffentlichte das Online-Magazin "Slate" eine aufschlussreiche Geschichte, die enthüllte, dass viele junge Paare In-vitro-Fertilisation nutzen, um sicherzustellen, dass sie Töchter statt Söhne zeugen. In anderen Ländern ist die künstliche Befruchtung nur als Screening-Maßnahme erlaubt, um die Wahrscheinlichkeit genetischer Krankheiten zu ermitteln. Nicht so in den USA, wo die Zahl der IVF-Kliniken in den letzten zwei Jahrzehnten wie Pilze aus dem Boden geschossen ist, weil werdende Eltern die freie Wahl haben wollen.

In einer amerikanischen Studie entschieden sich weiße Eltern in 70 Prozent der Fälle für einen weiblichen Embryo. Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass amerikanische Adoptiveltern mit 30 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit ein Mädchen als einen Jungen bevorzugen und bereit sind, zusätzlich 16 000 Dollar zu zahlen, um sicherzustellen, dass sie ein Mädchen bekommen.

Eine 31-jährige Frau, die für diesen Artikel interviewt wurde und in der Personalabteilung arbeitet (einer Branche, die sich für Gleichberechtigung und Parität einsetzt), sagte: "Wenn ich daran denke, ein Kind zu haben, das ein Junge ist, ist es fast so, als ob ich mich davor ekeln würde, wie: Oh mein Gott, nein."

Solche beunruhigenden Gefühle sind in den USA weit verbreitet und sind Teil eines wachsenden Trends in westlichen Kulturen - im Volksmund Gender Disappointment genannt. Ein australischer Psychologe, der sich auf die Betreuung von Schwangeren und Müttern spezialisiert hat, führte eine Facebook-Umfrage durch und stellte fest, dass Gender Disappointment vor allem bei Frauen auftritt, die sich unbedingt Töchter und keine Söhne wünschen. Eine Frau schrieb in einem Mütter-Chatforum, dass die "große Mehrheit" der Frauen auf "jeder Social-Media-Seite (Facebook, Instagram) oder allgemeinen Website (Netmums, Mumsnet, Reddit)" diese geschlechtsspezifische Voreingenommenheit äußert. "Es gibt Websites wie ingender und genderdreaming, die sich nur mit Gender-Enttäuschungen beschäftigen... einige von ihnen sind regelrechtes Boy-Bashing oder Anti-Boy-Posts."

Das wirft die Frage auf: Was genau ist so abstoßend daran, Jungen zu haben? Viele der Frauen in dem "Slate"-Artikel, selbst Mütter von Jungen, verwiesen auf die pauschale, verdammende und vage Bezeichnung "toxische Männlichkeit". Sie sprachen vom "grenzenlosen Potenzial" der Mädchen im Gegensatz zu dem der Jungen. Mädchen ziehen früher aus dem Haus, erzielen größere akademische Erfolge, besuchen mit größerer Wahrscheinlichkeit ein College und machen dort ihren Abschluss, finden leichter einen Arbeitsplatz als männliche Gleichaltrige und haben einen höheren emotionalen IQ.

Eine Frau betonte, dass Jungen "weniger fürsorglich gegenüber ihren Eltern sind". Diese Frau sehnt sich nach einer "engen Freundschaft" mit ihrem zukünftigen Kind, die "nur mit einem weiblichen Kind möglich schien".

Das gilt nicht nur für Frauen. Eine andere Befragte gab die Meinung vieler jüngerer Männer wieder, als sie sagte, ihr Mann schätze Eigenschaften, die "eher [stereotyp] mit Mädchen in Verbindung gebracht werden", wie "Einfühlungsvermögen, soziale Fähigkeiten und Freundlichkeit". (…) Eine solche geschlechtsspezifische Voreingenommenheit ist bezeichnend für den Trend zur selektiven Empathie, bei dem die Menschen nur denjenigen Toleranz, Mitgefühl und Kontext anbieten, die sie für würdig halten. (…) Und der Mangel an Empathie, der die Wahrnehmung von Jungen und Männern durch viele Mädchen und Frauen prägt, ist problematisch. Es ist eine Fehlanpassung und beraubt Männer - die Hälfte der Bevölkerung - ihrer Menschlichkeit und ihrer sehr realen Kämpfe.

Ein Grund für diesen Mangel an Empathie ist, dass sich zu viele Männer ihrer Verantwortung entzogen haben. Die Männer, die durch diese Art von toxischen Botschaften verletzt werden, melden sich nicht zu Wort, weil sie Angst vor den Gegenreaktionen haben, insbesondere davor, dass sie in den sozialen Medien "gecancelt" oder massiv angegriffen werden. Sie fürchten, (zu Unrecht) als extremistische "Männerrechtler" abgestempelt zu werden.


Ganz zu Unrecht scheint diese Befürchtung ja nicht zu bestehen, wenn das Engagement für Männer auch hier ganz selbstverständlich mit "Extremismus" verknüpft wird. Männerrechtler haben exakt gemerkt, wohin der Hase läuft – nur 25 Jahre früher als Politik und Medien in den USA. (Deutschland tut sich heute noch schwer damit.) Warten wir noch ein paar Jahre, dann wird hoffentlich das Männerrechtler-Bashing genauso wie das Männer-Bashing hinterfragt. In dem Artikel heißt es weiter:

Es ist auch an der Zeit, dass Frauen in sich gehen - dass sie innehalten und ihre vorherrschenden, einschränkenden Vorstellungen über Männer und Männlichkeit überdenken. Ihre persönlichen Erfahrungen mit Männern gelten nicht für alle, und solche mutwilligen Angriffe auf Jungen und Männer und deren pauschale Ablehnung führen nur dazu, dass eine unkritische und selbstmitleidige Reaktion aufrechterhalten und normalisiert wird.




3. Die Berliner Zeitung titelt: "Alter weißer Mann: Wer Männer schlechtredet und diskriminiert, hilft dem Patriarchat". Ein Auszug aus dem in weiten Teilen maskulistischen Artikel von Anselm Neft:

Bücher, Artikel und Postings über "toxische Männlichkeit" liegen im Trend. "Alte weiße Männer" hat sich als abwertender Begriff längst etabliert. Frauen wollen laut TikTok-Umfrage mehrheitlich lieber im Wald einem Bären als einem fremden Mann begegnen. Und überhaupt: men are trash. In der Regel verstehen sich die Attacken auf althergebrachte Männlichkeitsbilder und typisch männliches Fehlverhalten als progressiv. Allerdings ist die Abwertung des männlichen Geschlechts uralt und erfüllt im Patriarchat wichtige Funktionen.

2020 erschien das Buch "Ich hasse Männer" von Pauline Harmange. (...) Das Buch wurde in deutschen Zeitungen häufig besprochen, löste aber keine Proteste von Männern aus. Hätte das Buch "Ich hasse Frauen" geheißen und wäre von Paul Harmange geschrieben worden, wäre die Reaktion mit großer Wahrscheinlichkeit eine andere gewesen. Warum aber gab es zumindest in Deutschland von den Männern und ihren Allies keinen Aufschrei?

(…) Tatsächlich ist trotz aller Privilegien die Abwertung des männlichen Geschlechts so allgegenwärtig, dass man sie in der Regel gar nicht wahrnimmt. Es ist normal, dass man im Kino lacht, wenn auf der Leinwand eine Frau einem Mann ins Gesicht schlägt, es registriert, wenn Männer sich prügeln, und erschreckt zusammenzuckt, wenn ein Mann eine Frau schlägt.

Es ist völlig okay, dass man Männer als Luschen oder Schwächlinge bezeichnet, wenn sie nicht "ihren Mann stehen", oder dass man Witze über die Länge ihres Gliedes oder ihre Impotenz macht. Es ist nichts Besonderes, dass Männer und Frauen ihre Töchter vor Männern warnen, aber nicht ihre Söhne. Es interessiert viele, dass die Mehrheit der Täter in Fällen körperlicher Gewalt männlich ist. Es interessiert niemanden, dass auch die Opfer größtenteils Männer sind.


Vor diesem Hintergrund vertritt Neft die These, "dass die Abwertung des Mannes ein stützender Pfeiler des Patriarchats ist." Wie er das begründet, kann man hier nachlesen.



4. Nach der BBC, CNN und der New York Times hat jetzt auch der SPIEGEL intensiv zu Vorwürfen der Folter in israelischen Militärlagern recherchiert, über das erstmals das israelisch-palästinensische Magazin +972 berichtet hatte. Der Artikel ist auch in der aktuellen Druckausgabe des SPIEGEL enthalten; die Website des Magazins veranschlagt eine Lesezeit von 19 Minuten. Infolge ihrer Recherche gelangen die SPIEGEL-Reporter zu dem Schluss, "dass Misshandlungen und Folter von Gefangenen aus dem Gazastreifen systematisch erfolgen". Ein Auszug:

Jawad Sakhir Obaid will zunächst nicht darüber sprechen, was ihm angetan wurde. Er schäme sich zu sehr. Dann redet der 17-Jährige doch: "Sie haben mir meine Männlichkeit genommen." Was die israelischen Soldaten mit ihm gemacht hätten, belaste ihn bis heute: Beleidigungen, Schläge – und sexualisierte Gewalt. So erzählt er es beim Treffen in einem Flüchtlingslager in Deir al-Balah in der Mitte des Gazastreifens.

Sein Vater, seine fünf älteren Brüder und er seien Ende Februar vom israelischen Militär festgenommen worden. Die Soldaten hätten in der Nähe ihres Hauses in Zaitoun, einem Viertel von Gaza-Stadt, einen Tunnel entdeckt und sie daraufhin festgesetzt. Zunächst habe man sie im Nachbarhaus eingesperrt. Nach ein paar Stunden hätten sie sich ausziehen und in einem Erdloch ausharren müssen. Es sei kalt gewesen, die Soldaten hätten Wasser auf sie gekippt und auf sie uriniert. Dann, erzählt Obaid, hätten sie ihn gefesselt, ihm die Augen verbunden, seine Unterhose mit einem scharfen Gegenstand aufgetrennt und einen Holzstock in seinen Anus geschoben. Er habe sie angefleht aufzuhören.


Hier geht es weiter. Der Artikel ist keine leichte Kost.

Wie Genderama mehrfach betonte, sind fast ausschließlich männliche Gefangene Opfer dieser Gewalt. Weiblichen Gefangenen wird offenbar vor allem verbal zugesetzt: "Frauen berichten von Drohungen mit Vergewaltigung und der Bombardierung ihrer Familien in Gaza, wenn sie kein Geständnis ablegten."

In dem SPIEGEL-Artikel heißt es auch: "Vielen Quellen zufolge finden Misshandlungen und Folter nicht nur in [dem Militärlager] Sde Teiman statt, sondern sind weit verbreitet." Auch palästinensische Häftlinge in regulären Gefängnissen haben demnach kaum noch Rechte. Tal Steiner vom Öffentlichen Komitee gegen Folter in Israel (PCATI), einer israelischen Menschenrechtsorganisation, erkennt "systematische Folter in dieser Größenordnung" als "ein Ergebnis der Besatzung der palästinensischen Gebiete seit 1967 – fast sechs Jahrzehnte, in denen sich viele Israelis längst an die Entmenschlichung von Palästinenserinnen und Palästinensern gewöhnt hätten."



Freitag, Juni 07, 2024

New York Times berichtet über "Israels Guantanamo"

1. In einem gestern veröffentlichten Artikel beschäftigt sich die New York Times mit Israels mutmaßlichem Folterlager für männliche Gefangene Sde Teiman, bei dem immer wieder Vergleiche zu Guanatanamo gezogen werden. Ein Auszug aus dem sehr langen Artikel:

Einst eine unscheinbare Kaserne, ist Sde Teiman heute ein behelfsmäßiger Verhörort und steht im Mittelpunkt von Vorwürfen, das israelische Militär habe Gefangene misshandelt, darunter auch Personen, bei denen später festgestellt wurde, dass sie keine Verbindungen zur Hamas oder anderen bewaffneten Gruppen hatten. In Interviews berichteten ehemalige Häftlinge über Schläge und andere Misshandlungen in der Einrichtung.

(…) Eine dreimonatige Untersuchung der New York Times, die sich auf Interviews mit ehemaligen Gefangenen und mit israelischen Militärs, Ärzten und Soldaten, die dort Dienst taten, sowie auf den Besuch des Stützpunkts und vom Militär zur Verfügung gestellte Daten über freigelassene Gefangene stützte, ergab, dass 1200 palästinensische Zivilisten in Sde Teiman unter erniedrigenden Bedingungen festgehalten wurden, ohne die Möglichkeit zu haben, ihren Fall bis zu 75 Tage lang einem Richter vorzutragen. Außerdem wird den Gefangenen bis zu 90 Tage lang der Zugang zu Anwälten verweigert, und ihr Aufenthaltsort wird sowohl Rechtsgruppen als auch dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz vorenthalten, was nach Ansicht einiger Rechtsexperten einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt.

Acht ehemalige Häftlinge, von denen das Militär bestätigt hat, dass sie in der Anlage festgehalten wurden und die sich inoffiziell äußerten, gaben an, dass sie während ihrer Haft mit Schlagstöcken, Gewehrkolben und einem Handmetalldetektor geschlagen und getreten wurden. Einem Gefangenen wurden nach eigenen Angaben die Rippen gebrochen, nachdem man ihm in die Brust gekniet hatte, und ein zweiter gab an, dass ihm die Rippen gebrochen waren, nachdem er mit einem Gewehr getreten und geschlagen worden war; ein dritter Gefangener sagte, er sei Zeuge dieses Angriffs gewesen. Sieben Personen gaben an, dass sie während des Verhörs gezwungen wurden, nur eine Windel zu tragen. Drei sagten, sie hätten während ihrer Verhöre Elektroschocks erhalten. Ein israelischer Soldat, der dort Dienst tat, sagte, dass seine Kameraden regelmäßig damit geprahlt hätten, Gefangene zu schlagen, und er habe Anzeichen dafür gesehen, dass mehrere Personen auf diese Weise behandelt worden seien.

(…) Yoel Donchin, ein Militärarzt, der an diesem Ort Dienst tut, sagte, es sei unklar, warum israelische Soldaten viele der von ihm behandelten Personen gefangen genommen hätten, von denen einige höchstwahrscheinlich nicht an dem Krieg beteiligt waren. Einer von ihnen war querschnittsgelähmt, ein anderer wog etwa 300 Pfund und ein dritter atmete seit seiner Kindheit durch einen Schlauch, der in seinen Hals eingeführt wurde, sagte er. "Warum sie ihn mitgenommen haben - ich weiß es nicht", sagte Dr. Donchin. "Sie nehmen jeden", fügte er hinzu.

(…) Mehrere Gefangene sagten, sie seien militanter Aktivitäten verdächtigt worden, weil Soldaten sie in Gebieten angetroffen hätten, von denen das Militär annahm, dass sie Hamas-Kämpfer beherbergten, darunter Krankenhäuser, UN-Schulen oder entvölkerte Stadtteile.


Ausführlicher berichtet die New York Times über Fadi Bakr, einen Jurastudenten, der am 5. Januar von israelischen Soldaten verschleppt wurde, als er in der Nähe seines Zuhauses nach Mehl suchte:

Nach der Fahrt nach Sde Teiman war Herr Bakr erschöpft und schlief kurz nach seiner Ankunft ein, woraufhin ihn ein Offizier in einen nahe gelegenen Kommandoraum rief, sagte er. Der Offizier begann ihn zu schlagen, sagte Herr Bakr. "Das ist die Strafe für jeden, der schläft", erinnerte er sich an die Worte des Beamten.

Andere beschrieben ähnliche Reaktionen auf kleinere Vergehen. Rafiq Yassin, 55, ein im Dezember inhaftierter Bauunternehmer, sagte, er sei wiederholt in den Unterleib geschlagen worden, nachdem er versucht hatte, unter seiner Augenbinde hervorzuschauen. Er sagte, er habe angefangen, Blut zu erbrechen und sei in einem zivilen Krankenhaus in der nahe gelegenen Stadt Beersheba behandelt worden. Auf Nachfrage verwies das Krankenhaus die New York Times an das Gesundheitsministerium, das eine Stellungnahme ablehnte.

(…) Die in Sde Teiman tätigen Ärzte, die mit der Times sprachen, sagten, sie seien angewiesen worden, ihre Namen nicht auf offizielle Dokumente zu schreiben und sich vor den Patienten nicht mit Namen anzusprechen. Dr. Donchin sagte, dass die Beamten befürchteten, sie könnten identifiziert und vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden.

(…) Herr al-Hamlawi, ein leitender Krankenpfleger, sagte, ein weiblicher Offizier habe zwei Soldaten befohlen, ihn hochzuheben und sein Rektum gegen einen Metallstab zu drücken, der am Boden befestigt war. Herr al-Hamlawi sagte, der Stock sei etwa fünf Sekunden lang in sein Rektum eingedrungen, habe es zum Bluten gebracht und ihm "unerträgliche Schmerzen" bereitet.

Ein durchgesickerter Entwurf des UNRWA-Berichts enthielt ein Interview, das einen ähnlichen Bericht enthielt. Darin wird ein 41-jähriger Häftling zitiert, der sagte, dass die Vernehmungsbeamten "mich auf etwas wie einen heißen Metallstab setzen mussten, der sich wie Feuer anfühlte", und dass ein anderer Häftling "starb, nachdem sie ihm den Elektrostab in den Anus gesteckt hatten".

Herr al-Hamlawi erinnerte sich daran, dass er gezwungen wurde, auf einem Stuhl zu sitzen, der mit Stromleitungen versehen war. Er sagte, er sei so oft geschockt worden, dass er zunächst unkontrolliert uriniert habe, dann aber mehrere Tage lang nicht mehr urinieren konnte. Herr al-Hamlawi sagte, auch er sei gezwungen worden, nur eine Windel zu tragen, um zu verhindern, dass er den Boden beschmutzt.

Ibrahim Shaheen, 38, ein Lkw-Fahrer, der Anfang Dezember fast drei Monate lang festgehalten wurde, sagte, er sei etwa ein halbes Dutzend Mal geschockt worden, während er auf einem Stuhl saß. Die Beamten beschuldigten ihn, Informationen über den Aufenthaltsort der toten Geiseln zu verheimlichen, so Shaheen.

Herr Bakr sagte auch, dass er gezwungen wurde, in einem Stuhl zu sitzen, der mit Elektrizität verkabelt war, so dass Strom durch seinen Körper pulsierte, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ.

Nach mehr als einem Monat in Haft, so Bakr, schienen die Beamten seine Unschuld zu akzeptieren.

Eines frühen Morgens im Februar wurde Herr Bakr in einen Bus gesetzt, der zur israelischen Grenze im südlichen Gazastreifen fuhr: Nach einem Monat Inhaftierung sollte er entlassen werden.

Er sagte, er habe um sein Telefon und die 7.200 Schekel (etwa 2.000 Dollar) gebeten, die ihm bei seiner Festnahme in Gaza abgenommen worden waren, bevor er Sde Teiman erreichte. Daraufhin habe ihn ein Soldat geschlagen und angeschrien. "Niemand sollte nach seinem Telefon oder seinem Geld fragen", sagte der Soldat Herrn Bakr zufolge.


Israels Militär bestreitet sämtliche Vorwürfe. Nach anhaltender internationaler Kritik soll das Lager nun geschlossen werden .



2.
Ein junger Ukrainer flieht, bricht sich den Rücken, schafft es nach Deutschland. Jetzt will ihn seine Heimat in die Armee holen. Aber er will nicht sterben für sein Land.


"Die Zeit" berichtet unter der Überschrift "Von mir aus nennt mich feige."



3. Spiegel-Online hat die Psychologin Heide Glaesmer zu Depressionen von Männern interviewt.



Donnerstag, Juni 06, 2024

Ukraine: Gewalt durch Mobilisierungskommandos sorgt für Empörung

1.
Die Mobilisierung in der Ukraine wird für die Gesellschaft im kriegsgebeutelten Land zur Zerreißprobe. Denn immer mehr Bürger widersetzen sich der Polizei und Mitarbeitern der Einberufungsämter. Es kommt zu Gewaltszenen. Das rabiate Vorgehen der ukrainischen Behörden sorgt derweil für Bestürzung und Wut in Odessa, Charkiw oder Kiew. In den sozialen Netzwerken spricht niemand mehr nur von Einzelfällen.

/…) Ein Vorfall im südukrainischen Odessa wurde im Netz rege diskutiert. In dem Video wird ein potenzieller Soldat von zwei Militärs getreten, geschlagen und in den Bus gedrängt. Doch der Bürger wehrt sich und schreit laut um sich: "Helfen Sie mir" Mehrere Passanten gehen daraufhin auf die Rekrutierer zu und fragen, was sie da machen. Ein Militär reagiert erbost und schreit die Passanten an. Schlussendlich zog sich der Festgenommene mit der Hilfe der Passanten aus der Bredouille und entkam.

(…) In der Hauptstadt Kiew, an der Metro-Station Demiivska, wollten Mitarbeiter eines Einberufungsamtes die Dokumente eines Passanten überprüfen. Während der Kontrolle widersetzte sich der Mann den Behördenmitarbeitern – es kam zu einer Schlägerei, bei der sich mehrere Fußgänger mit dem ukrainischen Mann solidarisierten. Er entkam.

Wenige Stunden später, die ukrainischen Medien haben den Vorfall da schon längst aufgegriffen, äußerte sich auch das Rekrutierungsbüro in Kiew: "In der Nähe der U-Bahn-Station Demiivska entdeckte die Nationalpolizei der Ukraine bei einer Dokumentenkontrolle Personen, die sich dem Militärdienst entzogen", heißt es. Zivilisten hätten der Person bei der Flucht geholfen. Doch die ukrainischen Behörden warnen ihre Bürger: "Die Behinderung von Mobilisierungsmaßnahmen ist gemäß Artikel 114-1 des Strafgesetzbuches der Ukraine strafbar", so das Statement. Im schlimmsten Fall drohen Personen, die solche Mobilisierungsmaßnahmen behindern, bis zu acht Jahre Gefängnis.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Das Neue Deutschland berichtet, auf welche lebensgefährliche Weise junge Männer aus der Ukraine zu entkommen versuchen.



3. Die Tagesschau beschäftigt sich ausführlich mit Sextortion: einem internationalen Verbrechen, dem vor allem junge Männer zum Opfer fallen. Die Polizei zeigt sich schon durch die hohe Zahl der Fälle überfordert – und die Dunkelziffer dürfte noch weit größer sein.



4.
Seit Jahren vertrödelt es die Regierung, Vätern zu ermöglichen, nach einer Geburt zwei Wochen bei ihrer Familie zu bleiben. Jetzt protestieren sogar die Arbeitgeber.


Hier geht es weiter.



5. In Spanien protestieren Feministinnen gegen eine Gruppe, die sich für von häuslicher Gewalt betroffene Männer einsetzt. Christian Schmidt berichtet.



6. Eva Reisingers Buch "Männer töten" wurde zu einem der schönsten Bücher Österreichs gekürt und bekam einen entsprechenden Staatspreis verliehen.



7. Nach all diesen eher bedrückenden Nachrichten, zum Schluss etwas Positives: Der US-amerikanische Männerrechtler Richard Reeves hat es in die MSNBC-Sendung "Morning Joe" geschafft, die ein linksliberales Publikum anspricht und deren Macher noch vor wenigen Jahren mit Sicherheit die Vorstellung weit von sich gewiesen hätten, einen Männer-Aktivisten einzuladen. Ein Grund für diese Entwicklung ist natürlich, dass die Krise der Männer unübersehbar geworden ist (trotzdem gibt man sich in deutschen Medien noch alle erdenkliche Mühe), ein weiterer, dass inzwischen immer mehr Frauen von dieser Krise betroffen sind, weil sie niemand "Würdiges" mehr zum Daten finden.



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