Sachsen sei Dank: Medien berichten über fehlende Schutzplätze für männliche Opfer
1. Fehlender Schutz für männliche Opfer häuslicher Gewalt ist nicht länger nur in der Manosphäre Thema. Heute berichten mehrere Leitmedien darüber, auch der Videotext der ARD gehört dazu. Anstoß für diese Beiträge gibt aktuell das Bundesland Sachsen, das beim Schutz männlicher Opfer seit Jahren eine Vorreiterrolle einnimmt. Dafür dürfte zu einem großen Teil die dortige Familienministerin Petra Köpping (SPD, trotzdem kompetent) verantwortlich sein.
So berichtet der MDR:
Seit zehn Jahren finanziert Sachsen Projekte für Männergewaltschutz. Männerschutzwohnungen gibt es in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen. Auch in Ostsachsen besteht laut Experten Handlungsbedarf.
Laut sächsischem Sozialministerium ist der Freistaat Vorreiter in Deutschland beim Schutz für eine bislang wenig beachtete Gruppe von Betroffenen häuslicher Gewalt. Neun Bundesländer haben gar keine Schutzwohnungen für Männer.
Mirko Luckau von der Männerschutzeinrichtung des Vereins Männernetzwerk Dresden antwortet nach zehn Jahren Praxis auf die Frage, warum Männergewaltschutz weiterhin wichtig ist: "Weil Betroffene unsere Hilfe brauchen! Die Männer, die sich an uns wenden, stehen oft mitten im Leben." Luckaus Bilanz:
* In den letzten zehn Jahren fanden 76 Männer Schutz in einer Schutzwohnung.
* Die Betroffenen waren zwischen 24 und 60 Jahren alt.
* 250 Männer mussten abgewiesen werden, weil kein Platz frei war.
* Rund 1.300 weitere Männer im Alter zwischen 17 und 84 Jahren holten sich Rat ein.
Die Nutzungsstatistik in Sachsen bestätigt auch Trends auf Bundesebene. Jana Peters hat für die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) eine Statistik erstellt. Die zeige deutlich, "dass der Bedarf an Schutz und Unterstützung für gewaltbetroffene Männer wächst. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Meldungen bei den Männerschutzeinrichtungen nahezu verdoppelt - von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025." Gleichzeitig gebe es kaum mehr Schutzplätze.
Besonders alarmierend findet Peters, dass im selben Zeitraum vier Mal mehr Männer abgewiesen werden mussten, weil kein Platz war. "Hinter diesen Zahlen stehen Männer, die dringend Schutz benötigen, diesen aber nicht immer bekommen können." Die Statistik mache deutlich, wie wichtig es sei, Angebote auszubauen und abzusichern, "damit Spiralen häuslicher Gewalt wirkungsvoll unterbrochen werden."
Unter der Überschrift "Sachsen braucht mehr Männer-Schutzwohnungen" heißt es in einem anderen Beitrag:
Gewalt gegen Männer ist vielfältig. Sie passiert in der Partnerschaft, der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. "Nicht immer ist das physische Gewalt", sagt Mirko Luckau vom Verein Männernetzwerk Dresden. Psychischer Druck, gegenseitige Verletzungen (fast) - alles ist denkbar.
(…) "Wir werden 19,1 Millionen Euro für 2027 zur Verfügung stellen", so Sozialministerin Petra Köpping (67, SPD). 2028 sollen es sogar 20,4 Millionen Euro sein. Zudem wird das Gewalthilfegesetz mit Blick auf Männer angepasst. Eine Entscheidung dazu soll am Mittwoch im Landtag fallen.
Unter der Schlagzeile "Zu wenig Schutzplätze für Männer, die Gewalt erleben" kann man ergänzend lesen:
"Männer berichten in Dunkelfeldstudien von allen bekannten Gewaltformen", betonte Peters. Etwa 60 Prozent der Bewohner hätten Gewalt in oder nach einer Partnerschaft geltend gemacht, 38 Prozent Gewalt in der Familie erlebt - durch Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Bei 5,5 Prozent sei das im "sozialen Nahraum" passiert - etwa durch Vermieter oder Mitbewohner in WGs.
60 Prozent der mutmaßlichen Täter seien weiblich, hieß es. Wenn Männer unmittelbar in der Partnerschaft Gewalt erfuhren, ging sie zu 93 Prozent von Frauen aus.
(…) Laut Mirko Luckau, der Männer in einer Schutzeinrichtung in Dresden begleitet, sind die Bewohner oft wegen psychischer Gewalt eingezogen. Andere hätten physische und soziale Gewalt erfahren. "Sie werden körperlich misshandelt und diskriminiert aufgrund ihrer Meinung, ihrer Haltung oder ihrer Ethnie (...). Leider suchen sie sich oft erst sehr spät Hilfe oder ergeben sich ihrem Schicksal." In der Regel soll die Aufenthaltsdauer in der Schutzeinrichtung bei drei Monaten liegen, sie könne aber auch auf sechs Monate verlängert werden.
(…) Väter würden die Konflikte oft anders aushandeln. "Nur wenige trauen sich gemeinsam mit ihren Kindern den Weg in eine Schutzwohnung. Deren Lösungsstrategien sehen oft anders aus. Sie bleiben lange in den gewaltvollen Beziehungen und versuchen es auf eigene Faust zu klären."
Die Zugangswege zu den Männerschutzhäusern sind unterschiedlich. Laut Statistik kamen 2025 etwa 40 Prozent aus eigenem Antrieb, 21 Prozent wurden von Beratungsstellen vermittelt, 8,6 Prozent durch die Polizei. Eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Zusammenarbeit mit diversen Fachstellen sei absolut notwendig, genau wie eine sichere Finanzierung, hieß es weiter.
2. Eine 23-jährige Britin wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, nachdem sie über einen Zeitraum von drei Jahren wiederholt einen ihr bekannten Mann fälschlich schwerer Sexual- und Gewaltdelikte beschuldigt hatte.
Sie erstattete unter falschen Namen Anzeige bei der Polizei, behauptete unter anderem, der Mann habe sie sexuell missbraucht und ein Mädchen vergewaltigt, und schickte Fotos von Verletzungen, die sie sich selbst zugefügt hatte. Zweimal stach sie sich sogar selbst mit einem Messer in den Oberschenkel beziehungsweise die Wade und behauptete, der Mann habe sie angegriffen. Um ihre Darstellung glaubwürdiger erscheinen zu lassen, überredete sie außerdem eine Freundin zu einer falschen Zeugenaussage.
Der Mann wurde mehrfach festgenommen, angeklagt und zeitweise in Untersuchungshaft genommen, bevor Videoaufnahmen seine Unschuld bestätigten. In einer Erklärung schilderte er die verheerenden psychischen und sozialen Folgen der Anschuldigungen: Er habe Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, und müsse sein Leben mühsam wieder aufbauen.
Der Richter bezeichnete die Täterin als äußerst manipulative Frau, die bewusst darauf hingearbeitet habe, das Leben eines anderen Menschen zu zerstören. Zusätzlich zur Haftstrafe erhielt sie ein zehnjähriges Kontaktverbot. Die Polizei betonte, der Fall verdeutliche nicht nur die Notwendigkeit, männliche Opfer häuslicher Gewalt ernst zu nehmen, sondern auch, dass bewusst erfundene Anschuldigungen tatsächlichen Opfern schaden können, weil sie das Vertrauen in entsprechende Anzeigen untergraben.
3. Vergangene Woche hatte Genderama bereits über absurde Alarmmeldungen von "UN Women" berichtet, in denen es etwa hieß 1 VON 4 ZIVLISTEN, DIE 2025 IN EINEM KONFLIKT GETÖTET WURDEN, WAR EINE FRAU ODER EIN MÄDCHEN. Die Publizistin Lisa Britton kommentiert:
UN Women erklärte kürzlich in den sozialen Medien unter Berufung auf einen neuen Bericht, dass jeder vierte zivile Todesfall in Konfliktgebieten ein Mädchen oder eine Frau betreffe, dass dies entsetzlich sei und wir Mädchen und Frauen Vorrang einräumen müssten. Der Beitrag erinnerte an einen früheren von vor einigen Jahren, in dem es hieß, elf Prozent der im Dienst getöteten Journalisten seien Frauen, weshalb wir "aufhören müssen, Journalistinnen ins Visier zu nehmen!" Diese frühere Behauptung wurde zum Meme, weil Mädchen und Frauen selbst dann die Priorität bleiben und Jungen und Männer ignoriert werden, wenn Letztere ganz offensichtlich die überwiegende Mehrheit der Opfer stellen. Das ist anscheinend "Gleichberechtigung".
Die Gegenreaktion auf den jüngsten Beitrag folgte unmittelbar. Kommentatoren wiesen auf das Offensichtliche hin: Das bedeutet, dass drei von vier zivilen Todesopfern in Kampfgebieten Jungen und Männer sind. UN Women wirkt völlig unsensibel. Ihre Voreingenommenheit ist fast schon zum Witz geworden – zu einem, über den niemand lachen sollte.
Natürlich wollen wir alle Mädchen und Frauen in Konfliktgebieten schützen, aber wir müssen uns ebenso bemühen, Jungen und Männer zu schützen und ihr Leben als gleichwertig zu betrachten.
Der nächste Tag brachte etwas noch Schlimmeres. UN Women erklärte, dass Mädchen und Frauen in Konfliktgebieten fünfmal so viele Stunden mit "unbezahlter" Haus- und Pflegearbeit verbringen und dass dies ungerecht sei. Jungen und Männer müssten sich stärker einbringen! Die Frage drängt sich geradezu auf: Warum verbringen Mädchen und Frauen in Kriegsgebieten mehr Zeit mit Hausarbeit und Pflege? Könnte es daran liegen, dass Jungen und Männer in genau diesen Gebieten sterben? Diese Rhetorik grenzt an das Böse. Sie behandelt die unverhältnismäßig hohe Zahl männlicher Todesopfer nicht als Tragödie, die Aufmerksamkeit verlangt, sondern als Hintergrund, vor dem die zusätzliche Hausarbeit der Frauen als die eigentliche Ungerechtigkeit erscheint.
Nichts davon ist neu bei UN Women. Die Organisation wurde 2010 von der UN-Generalversammlung gegründet und bündelte frühere Einrichtungen mit dem erklärten Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen voranzubringen. In der Praxis ist sie zu einer Organisation geworden, die ausschließlich Mädchen und Frauen unterstützt, während Jungen und Männer zurückgelassen werden. Ihre Voreingenommenheit ist inzwischen in jeden Zweig der Vereinten Nationen eingesickert.
Das Ergebnis heizt den Geschlechterkampf an, statt ihn abzukühlen. Kontakte, die innerhalb der UN arbeiten, haben mir erzählt, dass viele Mitarbeiter die spalterische Rhetorik und die Absurditäten von UN Women im Stillen ablehnen, genau wie viele Beobachter von außen, und dass sie hoffen, jemand werde die Organisation zügeln.
Das Muster erstreckt sich über die gesamte Institution und geht über Beiträge in sozialen Medien hinaus. Die UN begeht offiziell dreizehn Tage für Mädchen und Frauen und keinen einzigen für Jungen und Männer. Das diesjährige Motto des Internationalen Männertags am 19. November lautet "The Future is Everyone" ("Die Zukunft sind alle"), eine sehr inklusive Botschaft. Ich wünschte, UN Women und das gesamte System würden ihre schädlichen Taktiken wenigstens für einen Tag beiseitelegen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Jungen und Männer Unterstützung brauchen: bei Suizidraten, die bei Männern viermal so hoch liegen, bei schlechteren Bildungsleistungen, bei tödlichen Arbeitsunfällen und angesichts der von der UN selbst festgestellten Tatsache, dass Männer in den meisten Kriegen die überwiegende Mehrheit der militärischen wie zivilen Opfer stellen.
Ich hatte gehofft, die UN würde an diesem 19. November endlich den Internationalen Männertag anerkennen, und ich habe mich mit Nachdruck dafür eingesetzt. Da Generalsekretär António Guterres sich in seinem letzten Amtsjahr befindet, bevor er Ende 2026 abtritt, wurde mir von höchster Stelle gesagt, dass er sich darauf konzentriere, sein Vermächtnis zu sichern, das zu einem großen Teil auf dem beruht, was er für Mädchen und Frauen getan hat. Jegliche Unterstützung für Jungen und Männer sei daher in diesem Jahr wohl nicht drin.
Wenn die Rhetorik und das Handeln von UN Women das sind, wofür er in Erinnerung bleiben will, wird das kein gutes Vermächtnis sein. Echte Gleichberechtigung der Geschlechter kann nicht bedeuten, eine Hälfte der Bevölkerung aus der Debatte zu tilgen oder die Probleme und Todesfälle von Männern als weniger dringlich zu behandeln.
Ich bin nicht die Einzige, der sich für die Anerkennung des Internationalen Männertags durch die UN einsetzt. Viele engagierte Einzelpersonen und Organisationen auf der ganzen Welt tun dies seit Jahren. Mein Mitstreiter Ed Bartlett vom International Council for Men and Boys (ICMB) hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht und ist dabei auf zahlreiche Ausreden gestoßen. Seine Organisation erklärt: "Die UN-Charta bekräftigt unmissverständlich die ‚Gleichberechtigung von Mann und Frau‘. Doch zahlreiche UN-Initiativen und -Programme ignorieren dreist die Rechte und Bedürfnisse von Männern, und das muss sich ändern." Dem kann ich nur zustimmen.
Wenn die UN und UN Women relevant bleiben wollen, sind Veränderungen längst überfällig. Sie sollten den Internationalen Männertag würdigen, damit beginnen, spezifisch männliche Benachteiligungen mit derselben Ernsthaftigkeit anzugehen wie weibliche, und aufhören, Jungen und Männer in jeder Erzählung als Bösewichte oder entbehrliche Statisten zu behandeln. Mehr Menschen innerhalb der UN müssen aufwachen und darauf bestehen, dass alle gleich viel wert sind. Alles andere ist keine Gleichberechtigung, sondern schlicht Sexismus und Diskriminierung mit dem Logo der Vereinten Nationen.
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