Nach erfundener Vergewaltigung in Stuttgart: Warum denkt sich jemand so etwas aus?
1. In den letzten Tagen ging der Fall einer 16-Jährigen durch die Medien, die eine Vergewaltigung am Stuttgarter Charlottenplatz erfand. Der SWR befragt nun die Kriminalpsychologin Elsa Gewehr nach den Hintergründen solcher Geschichten.
Gewehr erklärt zunächst, man müsse sich bewusst machen, dass es sich bei solchen Fällen "nicht immer um Lügen handelt. Was wir aber auch gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr häufig sehen, sind unabsichtliche Falschaussagen. Das sind Falschaussagen, bei denen Menschen selbst davon überzeugt sind, dass etwas passiert ist oder zur Überzeugung gebracht werden, dass etwas passiert ist und dann Angaben zu einem Geschehen machen, das sich eigentlich so nie ereignet hat." Gewehr kommt dann auch Fehlerinnerungen zu sprechen, die durch eine suggestive Befragung beispielsweise von Therapeuten ausgelöst werden können. Das ist tatsächlich gut belegt, ich habe mich im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) ausführlich mit diesem Thema beschäftigt.
Aber wie ist es nun mit absichtlichen Falschaussagen? Gewehr erklärt hierzu: "Bei der Suche nach Motiven sollte man sich immer die Frage stellen, welche Funktion oder Vorteil eine solche Aussage für eine Person hat. Das kann zum einen bedeuten, dass man der anderen Person schaden will. Wenn jetzt aber die Person, die die Aussage macht und die Beschuldigte sich vorher gar nicht kannten, dann muss man sich eher die Frage stellen, welche Funktion könnte eine Falschaussage sonst noch für die Person selbst gehabt haben."
Auch das ist nachvollziehbar. Dieser Tage beispielsweise erfand eine Polizistin eine Vergewaltigung, weil sie zu spät zur Arbeit kam.
Elsa Gewehr führt weiter aus: "Aufmerksamkeit kann ein Motiv sein, was wir diskutieren. Zum Beispiel dann, wenn eine Person aus einer absichtlichen Falschaussage Selbstwert ziehen kann. Oder: Steckt die Person in Beziehungen, in denen sie vielleicht positive Erfahrungen machen kann, wenn sie sich als Opfer von einer Straftat darstellt?"
~ Gut, dass wir eine Expertin gefunden haben, die uns all das erklärt, auf das wir nicht selbst gekommen wären. ~
Klar, Leute tun Dinge, wenn es ihnen nützt. Weshalb einer Frau, die zu spät zur Arbeit kommt, als erstes eine Vergewaltigung einfällt, weiß ich immer noch nicht.
2. Die Hasstiraden gegen Männer, die "Die Zeit" veröffentlicht, werden zunehmend durchgeknallter. Auch aktuell hat das Blatt wieder eine Autorin gefunden, die so viel Schaum vorm Mund hat, dass sie fast daran erstickt:
Wenn wir dem Kassandra-Chor der Frauen vor uns lauschen, hören wir ihre Warnungen: Seid wachsam! Rüstet euch! Weltweit, auch in unseren Breiten, ist eine aggressive Maskulinität wieder unverkennbar auf dem Vormarsch. Wir sehen sie überall: Männer in überbordend goldenen Amtszimmern, Männer an lächerlich langen Tischen, Männer mit grotesk aufgepumpten Muskeln; Männer, die sich in die Stratosphäre schießen lassen; Männer, die mit Kettensägen hantieren; Männer, die uns unentwegt die Welt erklären. Männer, die zunichtemachen wollen, was Frauen erreicht haben. (…) Autokraten, Erzkonservative, Islamisten, Incels, Manosphere-Propagandisten, Männerrechtsaktivisten, Rechtsextremisten und andere Vertreter toxischer Maskulinität sind sich bei allen weltanschaulichen Differenzen einig darin, dass es männliche Privilegien zu sichern gilt. Und sie wenden durchaus ähnliche Methoden an.
Ich bin mir sicher, dass man sich noch mehr in pauschalen Hass hineinsteigern kann, wüsste aber aus dem Stand nicht wie. Wie man Männer damit für den Feminismus gewinnen will, die nicht selbst längst massiv ideologisiert sind, ist mir schleierhaft. Derartig wildes Um-sich-Schlagen dürfte viele stark abschrecken.
3. Andererseits sind solche Feindseligkeiten in Politik und Medien bereits gut etabliert. Die britische Politikerin Baronin Harriet Harman fordert, dass bei der nächsten Wahl des Labour-Parteivorsitzes keine Männer kandidieren dürfen. Ziel sei, zu erzwingen, dass Labour eine Frau zur Parteivorsitzenden wählt.
Harriet Harman ist keine Hinterbänklerin, sondern eine der prägendsten Figuren der Labour Party der letzten vier Jahrzehnte. Ihre Aussagen haben deshalb in der britischen Politik erhebliches Gewicht. Sie war 42 Jahre lang Abgeordnete (1982–2024) und gehörte damit zu den dienstältesten Labour-Politikern, von 2007 bis 2015 war sie stellvertretende Vorsitzende der Labour Party, dabei auch übergangsweise Parteivorsitzende und damit Oppositionsführerin sowie als Ministerin für Frauen und Gleichstellung tätig. Seit 2025 ist sie Sonderbeauftragte der britischen Regierung für Frauen und Mädchen. Besonders bekannt wurde Harman als treibende Kraft hinter den "all-women shortlists": Wahllisten beziehungsweise Auswahlverfahren, bei denen ausschließlich Frauen als Kandidaten zugelassen werden. Diese Regel trug wesentlich dazu bei, den Frauenanteil der Labour-Fraktion zu erhöhen. Harmann gilt seit Jahrzehnten als eine der einflussreichsten feministischen Stimmen innerhalb der Partei.
4. Eine aktuelle Studie der Universitäten Cambridge und Bristol zeigt eine systematische Benachteiligung von Jungen bei der Benotung durch Lehrkräfte in England. So schätzen Schulen schätzen die künftigen A-Level-Noten (Abituräquivalent) von Jungen systematisch schlechter ein als die von Mädchen, die letztlich dieselben Prüfungsergebnisse erzielen. Mädchen haben eine um 3 bis 11 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass ihre Noten von Lehrkräften zu hoch vorhergesagt werden. Umgekehrt liegt die Wahrscheinlichkeit für Jungen, zu ihrem Nachteil fehleingeschätzt zu werden, um 15 bis 41 Prozent höher als bei Mädchen. Da das britische Zulassungssystem (UCAS) stark von den von Lehrkräften prognostizierten Noten abhängt, verschlechtern sich die Chancen von Jungen auf Studienplätze erheblich. Insbesondere bei stark umkämpften Studiengängen wie Medizin, Jura oder Tiermedizin führt dies zu spürbaren Nachteilen bei der Zuteilung von Studienangeboten.
5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:
Servus Herr Hoffmann,
haben wir es aktuell mit einer Epidemie weiblicher Gewalt und toxischer Feminität zu tun? Hier nur ein paar Meldungen der vergangenen Tage:
Meldung 1, 30.07.2026
"Im Vorarlberger Hohenems ist in der Nacht auf Mittwoch ein Beziehungsstreit eskaliert. Eine Frau soll ihren Lebensgefährten schwer verletzt haben, dieser wies Schnitte an Hals, Armen und Beinen auf. Das Opfer kam ins Spital, die Verdächtige wurde wenig später von der Polizei festgenommen und in die Justizanstalt überstellt."
Wäre es umgekehrt gewesen, wäre diese Tat sicher nicht bloß unter "Beziehungsstreit" gepackt, sondern wohl als "versuchter Femizid" oder Ähnliches eingeordnet worden.
Meldung 2, 31.07.2026
"Mutter und Großmutter ließen laut Anklage autistischen Teenager verhungern
Der 16-Jährige kam mit massivem Untergewicht ins Krankenhaus – doch die Ärzte konnten nicht mehr helfen: In New York ist ein Teenager verhungert. Nun gibt es schwere Anschuldigungen gegen engste Verwandte. (...) Medienberichten zufolge wog der Junge zum Zeitpunkt seines Todes 27 Kilogramm. Sein Zwillingsbruder sei in einem ähnlichen Zustand gewesen, habe aber überlebt. Beide Jungen konnten laut US-Medien nicht sprechen und waren komplett auf Hilfe angewiesen. Der überlebende Bruder befindet sich in einer Reha-Behandlung und soll bereits mehr als 13 Kilogramm zugenommen haben, wie CBS News berichtet. (…) Neben dem Mordvorwurf gibt es noch zahlreiche weitere Anschuldigungen gegen die beiden Frauen. 'Diese beiden Personen haben ihre Pflicht und Verantwortung gegenüber den Jungen missachtet. Ein Kind ist tot, das andere hat einen langen Genesungsprozess vor sich', sagte Darcel Clark von der Staatsanwaltschaft der Bronx."
Meldung 3, 31.07.2026
"Vergewaltigung am Charlottenplatz: 16-Jährige hat Tat erfunden
Eine angebliche Vergewaltigung am Charlottenplatz in Stuttgart hat nie stattgefunden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam mitteilen, hat eine 16-Jährige die Tat erfunden. Im Laufe der Ermittlungen hätten sich Widersprüche im Tatablauf ergeben, sodass Zweifel an der Tat aufkamen. In einer Vernehmung habe die 16-Jährige dann eingeräumt, dass die Vergewaltigung vorgetäuscht war. (...) Damals wie jetzt hatten die angeblichen Vergewaltigungen jeweils eine neue Sicherheitsdebatte in der Stadt ausgelöst. Im Zentrum stand die Frage, ob vor allem die Videoüberwachung ausgeweitet werden könne. Im Fall der angeblichen Tat am Charlottenplatz hatte die Polizei kurzfristig als Maßnahme ergriffen, vor Ort mehr Präsenz zu zeigen."
Als Gegner der Massenüberwachung finde ich es immer wieder interessant, wie schnell "Sicherheitsdebatten" wieder eingepackt werden, wenn die Falschen der Täter sind. Müsste man nicht angesichts solcher Falschbeschuldigungen dringend genauer hinschauen, was junge Frauen da so treiben? Brauchte es nicht härtere Gesetze gegen "weibliche Kriminalität"? Oder zumindest eine Analyse der Wurzeln "toxischer Feminität"?
Meldung 4, 01.08.2026
"Gegen 2.40 Uhr war in Höhe des Plankenkopfes ein Streit zwischen mehreren Frauen gemeldet worden. Eine Streife des Polizeireviers Mannheim-Innenstadt schlichtete den Streit zunächst. Während die Beamten den Vorfall aufnahmen, störte die 18-Jährige, die an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen war, die Arbeit der Polizei aggressiv und ging schließlich mit den Fäusten auf eine 28-jährige Polizeibeamtin los. Bei dem Versuch, sie zu schlagen, verletzte sie die Beamtin leicht. Die Beamten unterbanden den Angriff und nahmen die 18-Jährige fest. Ein Alkoholtest auf dem Polizeirevier ergab einen Atemalkoholwert von über 1,8 Promille. Die Teenagerin wurde später in die Obhut ihrer Eltern übergeben."
Ob ein 18-Jähriger Junge auch einfach nur der Obhut seiner Eltern übergeben worden wäre ..?
Meldung 5, 03.08.2026
"Eine 14-Jährige soll versucht haben, eine 16-Jährige bei Obersulm-Willsbach (Kreis Heilbronn) umzubringen. Die Tat soll bereits am 23. Juli geschehen sein. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag bekannt. Die 14-Jährige habe die 16-Jährige nicht gekannt, soll sie aber unter einem Vorwand auf einen Feldweg am Ortsrand von Willsbach gelockt haben. Dort habe sie ihr Opfer mit einem Messer bedroht, um an ihr Handy zu kommen, heißt es von den Behörden. Nachdem die 16-Jährige ihr Smartphone herausgegeben hatte, soll die Tatverdächtigen mit dem Messer auf sie losgegangen sein. Das Opfer erlitt Schnittverletzungen - und musste nach SWR-Informationen auch im Krankenhaus behandelt werden."
Mein abschließendes Verdikt: Wären das jeweils Männer gewesen, müsste man angesichts dieser Nachrichten wohl stark verunsichert sein, endgültig das Vertrauen in das "toxische Geschlecht" verlieren und sich auf YouTube oder Instagram lauthals fragen, "ob Liebe mit ihnen überhaupt noch möglich ist". Zum Glück wissen "wir" aber, dass die meiste Gewalt "ganz klar von Männern gegenüber Frauen ausgeht" und können deshalb beruhigt weiterklicken.
Das Bild wird noch düsterer, wenn man einen Überblick über internationale Medien hat. In New York etwa steht gerade eine Frau unter Anklage, die ihrem Vater das Herz herausgeschnitten und seiner Leiche auf den Bauch gelegt haben soll.
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