Freitag, Mai 08, 2026

"Der verschwindende männliche Student"

1. Im Akademiker-Magazin Minding the Campus beschäftigt sich die Sozialpsychologin Rebekah Wanic mit den Schäden, die das Pathologisieren von Männlichkeit anrichtet:

Viele haben über den rasanten Vertrauens- und Ansehensverlust von Hochschulen diskutiert. Die meisten kommen zu dem Schluss, dass es sich um ein selbst verursachtes Problem handelt. Das stimmt: exorbitante Kosten, Aktivismus, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Diskriminierung bei Zulassungen. All das sind Probleme, die aus dem Inneren der Institutionen entstanden sind. Dazu gehört auch die Leitideologie, die Männlichkeit als toxisch betrachtet.

Wie Helen Andrews angemerkt hat, fallen die schädlichen Auswirkungen der woken Weltanschauung mit der zunehmenden Präsenz von Frauen in institutionellen Führungspositionen zusammen. Universitäten waren einst Fabriken des Fortschritts – nicht zu verwechseln mit "progressiv" –, geführt von innovativen Risikobereiten. Heute funktionieren sie eher wie Umerziehungslager, die jeden Anflug von Männlichkeit ausmerzen sollen, indem sie ihn als toxisch brandmarken. Die Feminisierung der Hochschulbildung ist eine ideologische Machtübernahme, die den Eigenschaften des "Alpha-Mannes" den Krieg erklärt hat und dabei intellektuelle Neugier und Exzellenz im Säurebad der Cancel Culture auflöst.

Schauen wir auf die Zahlen, denn sie lügen nicht – selbst wenn Verwaltungsangestellte es tun.

Frauen dominieren inzwischen die Hochschulzulassungen, Graduiertenprogramme und ganze Fachbereiche wie Psychologie, Pädagogik und Geisteswissenschaften. Aktuelle Berichte zeigen zudem, dass auch der Frauenanteil in Hochschulleitungen kontinuierlich gestiegen ist. Gleichzeitig ist der Anteil der Männer auf dem Campus drastisch gesunken. Männer machen heute nur noch etwa 41 bis 44 Prozent der US-Studierenden aus, gegenüber einer gleichmäßigen Verteilung in den 1970er Jahren. Immer weniger Männer schreiben sich an Hochschulen ein, und jene, die es tun, brechen ihr Studium häufiger ab. Diese Entwicklung wird meist gefeiert, und jeder Bereich, in dem Frauen weniger als 50 Prozent ausmachen, gilt oft als Problem, das gelöst werden müsse. "Warum gibt es nicht mehr Universitätspräsidentinnen?", klagen Aktivisten. Stattdessen sollten wir fragen, was mit den fehlenden Männern geschehen ist.

Männer wenden sich anderen Räumen zu, weil sie im Hochschulbereich ständig unter Beschuss stehen. Jedes Semester sitzen männliche Studenten in meinem Büro und berichten frustriert davon, wie Professoren zulassen, dass Kommilitonen sie offen stereotypisieren und herabwürdigen. Sie fühlen sich unwohl, doch die meisten widersprechen dieser Diskriminierung nicht, weil sie riskieren würden, eine Untersuchung nach [dem Gleichstellungsgesetz] Title IX auszulösen. Einer Professorin oder Kommilitonin zu widersprechen birgt die Gefahr, Gefühle zu verletzen und Ziel einer Beschwerde zu werden. Wenn sich eine Frau unwohl fühlt, folgt die Inquisition. Passiert dasselbe einem Mann? Die gefühlsorientierte, anti-männliche Brigade zuckt mit den Schultern: Er wird es wohl verdient haben.

Ironischerweise halten gerade jene Männer dieses Umfeld aus, die Eigenschaften besitzen, die moderne Feministinnen verteufeln: die Fähigkeit, Meinungsverschiedenheiten auszuhalten. Männer tolerieren politische Gegner stärker als Frauen sogar Verbündete tolerieren. Man sollte sich überlegen, was das über die Inklusivität weiblich dominierter Räume aussagt.

Die männlichen Eigenschaften, die derzeit angegriffen werden, sind keine Fehler oder toxischen Merkmale, die in der "Manosphere" kultiviert wurden. Es sind wichtige Bestandteile von Männlichkeit, die Innovation und Erfolg antreiben. Risikobereitschaft, zielgerichtete Hingabe, körperlicher Mut und die Bereitschaft, Spott, Scheitern und körperliche Schäden auszuhalten – all das hat die moderne Welt aufgebaut.

Fortschritt entstand nicht durch "Safe Spaces". Er wurde in testosteronreichen Umfeldern geschmiedet, in denen Scheitern erwartet wurde, Konkurrenz brutal war und Ruhm den Mutigen zufiel. Derselbe Antrieb, der Männer in Gefängnissen und auf Schlachtfeldern überrepräsentiert sein lässt, sorgt auch dafür, dass sie bei Patenten, Start-ups und Nobelpreisen überrepräsentiert sind.

Und dennoch haben Universitäten die vergangenen Jahrzehnte mit einer grotesken Schatzsuche nach "vergessenen Frauen" der Geschichte verbracht. Ganze Lehrpläne wurden umgeschrieben, um obskure Figuren gewaltsam in den Kanon einzufügen oder zu behaupten, erfolgreiche Männer seien in Wirklichkeit Frauen gewesen. Währenddessen werden die Männer, die tatsächlich Fortschritt bewirkten, ausradiert oder zu Schurken reduziert. Uns wird gesagt, wir sollten so tun, als seien einige übersehene Erfinderinnen oder Wissenschaftlerinnen der geheime Motor des Fortschritts gewesen.

Auch wenn Frauen in der Geschichte womöglich nicht die Anerkennung erhalten haben, die ihnen zustand, hilft es niemandem, die Geschichte umzuschreiben und dabei die erstaunlichen Innovationen großer Männer zu ignorieren. Die Realität ist, dass die Geschichte bedeutender Entdeckungen und Innovationen überwiegend männlich geprägt ist. Frühere Diskriminierung zu korrigieren und Mädchen Chancen zu eröffnen ist gut, doch Selbstselektion bedeutet, dass Jungen vermutlich auch künftig einen Großteil der Innovatoren stellen werden – wie schon in der Vergangenheit.

Es gibt keinen sicheren Raum für Männlichkeit im modernen Bildungssystem. Manche argumentieren sogar, dass dies mit ein Grund dafür sei, dass Männer sich religiösen Organisationen zuwenden, wo sie zumindest derzeit noch stolz auf ihr Erbe sein können. In der akademischen Welt dagegen wird eine Generation potenzieller Alphas durch die Indoktrinationsmaschine gedreht und in Betas mit bunten Socken verwandelt, die es nicht wagen, einer Frau die Tür aufzuhalten, aus Angst, als Chauvinisten abgestempelt zu werden.

Das Feminisierungsexperiment ist gescheitert. Statt Geborgenheit hat es eine toxische Kultur der Auslöschung und Stagnation hervorgebracht und Männer vertrieben. Es wird Zeit, den Antrieb und das Unbehagen, die die moderne Welt aufgebaut haben, nicht länger zu pathologisieren, sondern wieder zu belohnen, damit junge Männer zurückkehren und unterstützt werden können – jene Männer, die entscheidend daran beteiligt sein werden, unsere Zukunft aufzubauen.




2. "Mittlerweile ist es peinlich, eine Freundin zu haben" titelt "Die Welt" heute Morgen über einem Artikel zum Thema "Herrischer Feminismus". Der Artikel nimmt Bezug auf den Roman "Fuckgirl", dessen Heldin mit Männern schlafen darf, während das ihrem Mann natürlich verboten ist. Früher galt so was als BDSM-Beziehung, heute wird es Frauen, ideologisch angereichert, als "Utopie" verkauft:

Autorin Jankovska zeichnet die Gedankenwelt einer selbstbewussten Frau nach, die Männer für ihr Lebensglück nicht mehr benötigt. Es ist damit ein getreues Abbild der gegenwärtigen Revolte von jungen Frauen in den sozialen Medien, die dem Mann eine lange Mängelliste in die Hand drücken. Jankovska nennt ihren Roman deshalb eine "Utopie". Wenn ein kaltherziger Rachefeldzug eine Utopie ist, die Liebe auf Augenhöhe verunmöglicht, bitteschön. Aber Fuckgirl ist sicher: "Gleichberechtigung bedeutet, dass zunächst das Minus, das Defizit, in dem Frauen aufwachsen und sozialisiert werden, in einer heterosexuellen Beziehung ausgeglichen wird, bevor wieder Anforderungen an uns gestellt werden."

Deshalb sollen die Männer ihr die Füße küssen, den Rücken massieren, Tee ans Bett bringen und auf dem Schirm haben, wann sie menstruiert. Die Liste ist noch viel länger. Fuckgirl beklagt das unsolidarische Verhalten vieler Frauen, sich zu lange mit dem "baren Minimum" zufriedengegeben zu haben. Dabei könnten sie doch auch wie eine Prinzessin behandelt werden: „Mehr noch als reiche Männer brauchen wir großzügige Männer“, sagt Fuckgirl.

Wir sind da auf Seite 83 und immer noch ist unklar, was Fuckgirl eigentlich bieten kann – außer Larmoyanz und Anspruchsdenken natürlich, das liefert sie en masse. Fuckgirl hat einen Gottkomplex. Unbeugsam und allwissend kommt sie daher. Aber um Frauen mögen zu lernen, sie eben nicht nur zu lieben, muss das wohl auch gelesen werden.


Wenigstens wissen wir jetzt, worauf Feministinnen in der Endstufe hin wollen, um unsere Gesellschaft endlich als gleichberechtigt anzuerkennen. Genderama hat in den letzten Wochen über mehr als genug Journalisten berichtet, die sofort dabei wären, wenn ihnen dadurch ihre Erbsünde, ein Mann zu sein, vergeben wird.



3. Österreichs Standard berichtet über Männer, die darüber sprechen, wie sehr sie unter ihrer Beschneidung leiden, und versuchen, ihre Vorhaut zurückzubekommen. Für den Standard ist das ein "Lifestyle-Trend einer Subkultur", also offenbar so etwas wie das Tragen punkiger Lederjacken. Wodurch wird diese Modewelle denn ausgelöst?

[Betroffene] berichten von verminderter Sensibilität beim Geschlechtsverkehr und damit einhergehend geringerem Lustempfinden. Manche leiden unter ihren Narben, andere treibt der Wunsch nach einem "intakten" Körperbild an. Gefühle von Unvollständigkeit und sexueller Frustration zählen zu den häufigsten Motiven.

(…) Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Beschneidungen erfolgen häufig im Säuglingsalter – ohne Einwilligung. Einige Männer interpretieren das im Nachhinein als Eingriff in ihre körperliche Selbstbestimmung. Die Wiederherstellung der Vorhaut wird für sie zu einem Akt der Selbstermächtigung – und zur Rückgewinnung von Kontrolle über den eigenen Körper. (…) Diese Dynamik folgt bekannten Mustern digitaler Subkulturen: Ein Thema wird algorithmisch verstärkt, Erfahrungsberichte führen zu Nachahmung, aus Einzelnen wird eine Community. Man kennt das aus der Manosphere nur zu gut. (…) Kritiker sehen darin die Gefahr einer Fixierung, bei der körperliche Optimierung als Lösung für tieferliegende Unsicherheiten erscheint.


Irgendwie bezweifle ich, dass man über Frauen ähnlich schreiben würde, die versuchen, mit ihrer Genitalverstümmelung zurecht zu kommen.



4. Die Zeitschrift "Eltern" weist darauf hin, wie sehr Frauen heute noch unterdrückt werden: "Alle haben Hobbys, nur die Mama, die hat keine!" Das sei der sogenannte Gender-Leisure-Gap. Er beruht immerhin auf ermittelbaren Zahlen: "Frauen ab 18 Jahren arbeiteten 2022 im Schnitt fast 46 Stunden pro Woche. Bei Männern waren es 44,5 Stunden." Für diese anderthalb Stunden pro Woche wäre in einer Partnerschaft ein Ausgleich angemessen. Aber wiegt diese Zeitspanne derart schwer, dass Frauen "Raum für eigene Interessen, Freundschaften oder einfach mal Nichtstun" fehlt, was ihrer Gesundheit schade?



5. Unter der Überschrift "Im Patriarchat geht es immer um die Nutzbarmachung anderer" hat die Süddeutsche Zeitung die feministische Medientheoretikerin Sarah Sharma aus Toronto interviewt. Das Gespräch führt zu folgendem Fazit:

Süddeutsche Zeitung: Als Alternative zum Big-Tech-Feminismus schlagen Sie eine "feministische Techno-Logik" vor – was beinhaltet die?

Sarah Sharma: Ich bin nicht Jordan Peterson, ich habe keine zwölf Regeln für ein vermeintlich besseres Leben. Deshalb ist mein Buch auch eher eine Art Freiraum, um die Idee einer feministischen Techno-Logik überhaupt erst einzuführen. Zunächst müssen wir klarstellen: Das hier sind patriarchale Technologien – geprägt von Nutzbarmachung im Haushalt, am Arbeitsplatz, in der normativen Familie, in heterosexuellen Austauschökonomien. Eine feministische Techno-Logik würde genau diese Mechanismen aufbrechen. Sie würde die Verknüpfung von Nutzbarkeit von der Art und Weise lösen, wie wir uns durch Raum bewegen, Zeit erleben, arbeiten und Beziehungen gestalten.

Süddeutsche Zeitung: Sie schreiben, wir Nutzer sollten selbst zu einer "defekten Maschine" werden.

Sarah Sharma: Wir müssen uns fragen, wie wir weniger kompatibel mit dieser patriarchalen Technologie sein und trotzdem in ihr leben können. Denn wir können ja nicht so tun, als stünden wir außerhalb. Die Frage ist also: Wie lässt sich diese Teilhabe so gestalten, dass wir mit dem System nicht reibungslos funktionieren? Es geht darum, die enge Verflechtung von Technologie und Geschlecht ernst zu nehmen. Daraus ergibt sich eine feministische Strategie der Inkompatibilität – die Idee, sich selbst als unvereinbar mit der maschinellen Logik des Patriarchats zu begreifen. Es wäre natürlich angenehm zu sagen: "Befolge diese fünf Regeln und du kannst außerhalb des Systems leben." Aber so funktioniert es nicht. Und dennoch liegt darin auch etwas Hoffnungsvolles. Dieses feministische Denken verlangt eine gewisse List im Umgang mit der Welt – und genau darin kann auch eine Form von Freude liegen. Vielleicht ist Verweigerung sogar interessanter als bloßer Widerstand.


Und da gibt es Leute, die meinen, der Feminismus hätte nichts Konstruktives mehr zu bieten.



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Donnerstag, Mai 07, 2026

taz fordert "Poller gegen Männer"

1. Ein Artikel von Gereon Asmuth in der "taz" zur Amokfahrt in Leipzig beginnt so:

Da haben wir aber noch mal Glück gehabt. Denn man stelle sich vor, der Amokfahrer von Leipzig hätte auch nur eine Spur von Migrationshintergrund. Oder präziser formuliert: eine Fluchtgeschichte aus einer irgendwie islamisch geprägten Region der Welt. Dann hätte Deutschland wieder eine Asyldebatte am Hals, die vor Rassismus nur so strotzen würde. Ganz nach dem Motto: Alles muss raus, was irgendwo anders verwurzelt ist als im urdeutschen Sumpf. Dann würden die üblichen Verdächtigen (Innenminister und so) wieder irgendwelche Gesetze schneller schärfen, als das jeder Messerschleifer könnte.


Nun könnte man sich denken: Ein Journalist, der die Strukturen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit so gut durchschaut wie Gereon Asmuth, der ist bestimmt immun dagegen. Der handelt bestimmt nicht selbst nach dem Motto: Alles muss raus aus mir, was in meinem eigenen Sumpf verwurzelt ist und was vor Sexismus so strotzt, damit irgendwelche Gesetze schnell geschärft werden können.

Falsch gedacht: Gereon Asmuth beschreibt sich selbst, nur bei ihm sind es Männer, die seine Einstellung zum Ausbruch bringen. Viele rhetorische Versatzstücke sind da, die einen Rassisten ausmachen würden, wenn sie gegen Menschen einer bestimmten Hautfarbe gerichtet wären statt gegen Menschen eines bestimmten Geschlechts: "Männer sind das Problem", sie litten unter einer "Psychose", der Begriff "toxische Männlichkeit" sei zu schwach, "tödliche Männlichkeit" sei besser und nach dem Muster Ich-kann-kein-Rassist-sein-mein-bester-Freund-ist-Ausländer heißt es zuletzt beschwichtigend, dass ja "nicht alle" so wären. Aber eine "gesamtgesellschaftliche Reflexion" sei natürlich dringend notwendig.

Scrollt man weiter, findet man von Gereon Asmuth einen weiteren Artikel mit der Schlagzeile "Die Verbrecher sind alle Männer". Mehr habe ich zu ihm nicht recherchiert, es war mir zu abstoßend und gruselig. Man findet bei der "taz" aber auch einen Artikel, der nicht von Gereon Asmuth stammt: "Taxifahrer und Geflüchteter überwältigen wohl Fahrer". Auf einen männlichen Täter kamen also mal wieder zwei männliche Helden. Nein, es sind mehr als zwei, denn aus diesem Artikel erfährt man: "Mehrere junge Männer hätten das Fahrzeug umstellt und eine Flucht des Täters verhindert."

Bemerkenswert, dass die "taz" hier keine "gesamtgesellschaftliche Reflexion" fordert. Die will man nur, wenn man die Leserschaft damit gegen andere Menschen aufhetzen kann – so wie ein strammer Rassist Zuwanderer auch nur als Bedrohung sieht und nicht ebenso als Gewinn.

Zumindest einige Leser zeigen in den Kommentaren unter Gereon Asmuths Artikel, dass sie durch dieses ständige Aufstacheln nicht blind vor Hass geworden sind. Einige kurze und treffende Beispiele:

Der Täter war zumindest derart selbstreflektiert, dass er sich aufgrund seiner psychischen Probleme selbst in eine Psychiatrie eingewiesen hatte. Dass die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung nicht erkannt wurde, scheint mir das eigentliche Problem zu sein. Typisch-Frau-Debatten haben sich übrigens als ebensowenig zielführend erwiesen als die hier losgetretene Typisch-Mann-Debatte und wird dem Leid der Opfer des Amoklaufs nicht gerecht.


Wenn migrantische Männer Attentate begehen, dann verweist die taz zurecht auf deren hohe psychische Belastung durch Traumata in ihrem Heimatland, während der Flucht und in Deutschland. Wenn das gleiche durch mutmaßlich biodeutsche Tätet geschieht, wird lieber die (...) "toxische Männlichkeit"-Karte gezückt. Nicht wirklich konsistent in der Argumentation.


Wer hier die Tat eines offenbar psychotisch beeinflussten Mannes zum Anlass nimmt, auf Männer per se zu schließen, hat den einen oder anderen Zusammenhang nicht wirklich verstanden. Wenn dann hier noch die Rede davon ist, das "Jede ungeschützte Fußgängerzone (…) eine Einladung zu Mord" sei, sollte der Autor mal überlegen, ob der nicht in der Yellow Press besser aufgehoben ist.


Ich denke, der Autor ist bei der "taz" bestens aufgehoben. Dass man "taz" und Boulevardschund nicht mehr auseinanderhalten kann, ist das eigentliche Problem.



2. Natürlich gibt es ein allgemeines gesellschaftliches Klima, das solche Artikel möglich macht: "Männer sind schlecht für den Planeten" will eine Gruppe von Wissenschaftlern herausgefunden haben. Wie man diese Schädlinge am besten bekämpfen und ausrotten kann, erfährt man nicht.



3. Die New York Times wird von der US-Behörde Equal Employment Opportunity Commission wegen Männerdiskriminierung verklagt. Die Behörde wirft der Zeitung vor, einen weißen männlichen Mitarbeiter bei einer Beförderung diskriminiert zu haben, um interne Diversitätsziele zu erfüllen. Im Zentrum steht eine Stelle als stellvertretender Redakteur im Immobilienressort. Der Gleichstellungsbehörde zufolge sei ein erfahrener interner Kandidat übergangen worden, obwohl er besser qualifiziert gewesen sei als die schließlich ausgewählte nicht-weiße Frau. Die Behörde argumentiert, die Entscheidung habe gegen den Civil Rights Act von 1964 verstoßen, der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder Hautfarbe verbietet.

Die Gleichstellungsbehörde hat sich so zu diesem Fall geäußert:

"Niemand steht über dem Gesetz – auch keine ‚Elite‘-Einrichtungen. Es gibt keine sogenannte ‚umgekehrte Diskriminierung‘; jede Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder des Geschlechts ist nach den seit langem etablierten Grundsätzen der Bürgerrechte gleichermaßen rechtswidrig. Die EEOC ist bereit, Diskriminierung überall dort auszumerzen, wo sie auftritt. Unabhängig von der Größe oder Macht des Arbeitgebers wird die EEOC unter meiner Führung keine Kompromisse eingehen, um eine unparteiische, farbenblinde Durchsetzung von Titel VII zum Schutz der amerikanischen Arbeitnehmer, einschließlich weißer Männer, sicherzustellen", sagte EEOC-Vorsitzende Andrea Lucas. "Das Bundesgesetz ist eindeutig: Einstellungs- oder Beförderungsentscheidungen, die ganz oder teilweise durch Hautfarbe oder Geschlecht motiviert sind, verstoßen gegen das Bundesgesetz. Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel aufgrund von Diversität."


In einem weiteren Artikel über diesen Fall heißt es ergänzend:

Nach einer mehrmonatigen Untersuchung hatte die EEOC zunächst versucht, eine aussergerichtliche Einigung mit der Zeitung zu erzielen. Diese Gespräche – sogenannte "conciliation"-Verfahren – scheiterten jedoch. Daraufhin wurde die Klage in Manhattan eingereicht. Die Behörde fordert unter anderem finanzielle Entschädigung für den betroffenen Mitarbeiter, einschliesslich entgangener Gehälter, sowie mögliche Strafzahlungen. Zudem soll das Gericht der Zeitung untersagen, künftig Personalentscheidungen zu treffen, die auf Grundlage von Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit diskriminierend sein könnten.




4. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Großbank JP Morgan Chase wirft einer Managerin dort sexuellen Missbrauch und Nötigung vor. Die Managerin soll den verheirateten Mitarbeiter über Monate hinweg zu sexuellen Handlungen gedrängt und dabei berufliche Konsequenzen angedroht haben. Der Kläger behauptet außerdem, sie habe ihn mehrfach unter Drogen gesetzt ("roofies") und ihn mit rassistischen Bemerkungen über seine indische Herkunft erniedrigt. Dies habe seine Karriere und seinen Aufenthaltsstatus bedroht und schließlich psychische Schäden ausgelöst. Vor der öffentlichen Klage soll die Bank versucht haben, den Fall mit einer Zahlung von einer Million Dollar beizulegen.

Eigentlich müsste irgendwann mal jemand wie Dieter Nuhr daherkommen, auf solche Fälle hinweisen und Carolin Kebekus parodieren, indem er "Nicht alle Frauen, aber immer eine Frau" ins Mikro plärrt.



5. Singapur hat an den Schulen die körperliche Züchtigung mit dem Rohrstock wieder eingeführt, natürlich nur gegen Jungen (Patriarchat).



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Beim Leserbeitrag zum Spiegel-Artikel, nach dem besonders Frauen von Bürgerkriegen betroffen sind sollen, musste ich an diese Studie denken. Männer werden nicht als Opfer gesehen, obwohl sie den Großteil der zivilen Todesopfer ausmachen (in Syrien etwas 90%).




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Mittwoch, Mai 06, 2026

SPD warnt: "Aufbau einer Anti-Gender-Weltordnung" droht uns allen

1. Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung warnt vor einer großen Weltverschwörung gegen Gender.

Wie gut, dass man sachlich bleibt, statt sich in eine Hysterie hineinzusteigern. Apropos …



2. Kristina Lunz glaubt: " Die Hexenverfolgungen von damals sind die digitalen Hetzjagden gegen Frauen von heute." Denn: "Dass soziale Medien zunehmend zum Scheiterhaufen insbesondere für Frauen werden, ist längst keine zugespitzte Metapher mehr."



3. Alan Posener setzt sich in der "Welt" für die benachteiligten Jungen ein. Inhaltlich nichts Neues oder Zitierenswertes, aber schön, dass er's tut.



4. Tamara Wernli fragt in ihrem aktuellen Video: "Warum dürfen Frauen über Männer in einer Weise sprechen, für die Männer umgekehrt gecancelt würden?"



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu einem Artikel des SPIEGEL:

Der alltägliche Sexismus: "Zeit für die Bundesregierung, legale Wege für besonders Schutzbedürftige zu schaffen: vor allem für Frauen und Kinder.“

Das Asylrecht ist ein individuelles Grundrecht.

Mehr Männer engagieren sich politisch und daher werden auch mehr Männer individuell politisch verfolgt.

Frauen werden von repressiven Regimen deutlich weniger hart für vermeintliches Fehlverhalten bestraft.

Im Iran werden im Moment jeden Tag Todesurteile gegen Protestler vom Januar vollstreckt – fast ausschließlich Männer.

"Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Hungersnöte treffen vor allem Frauen und Kinder hart."

Unbelegt. Menschen leben in Familien.

Auch Männer verhungern, auch Männer ersaufen, auch Männer werden massakriert – oder bei Lichte: insbesondere.




6. Mehr Post. Ein Leser, dessen Mail über gewalttätige Mädchen ich vorgestern veröffentlicht hatte, schreibt mir:

Servus Herr Hoffmann,

bleiben wir vielleicht noch etwas in Österreich. Heute wurde dort der Verfassungsschutzbericht vorgestellt. Für Ihren Blog interessant daran erscheint mir der folgende Artikel – so nämlich präsentierte man im "Standard" den Bericht: "Extremismus wächst: Frauenhass, Granaten-Anschlags-Plan auf Juden und neue IS-Auslandskämpfer"

"Frauenhass" kommt in dieser Schlagzeile nicht bloß als übergreifende Herausforderung rüber, sondern als extremismusbezogenes Problem Nr. 1. So zumindest nach der Reihung (und der damit verbundenen Gewichtung). Doch gibt dies das Lagebild tatsächlich her? Gibt dies der Rest des Artikels überhaupt her?

Liest man weiter, hätte man sinniger den (zumindest von der Behörde so wahrgenommenen) starken Anstieg bei islamistischem Extremismus und Rechtsextremismus als Ausgangspunkt nehmen können:

"Die Gefährdungslage im vergangenen Jahr wurde von fünf Phänomenen geprägt, die auch 2026 relevant bleiben.

1. Islamistischer Extremismus

2. Rechtsextremismus

3. Linksextremismus

4. Spionage

5. Illegaler Waffenhandel

"Frauenhass" wird dagegen im Artikel eigentlich nur als Teilaspekt innerhalb des Rechtsextremismus-Abschnitts behandelt (linken oder islamistischen "Frauenhass" scheint es nicht zu geben – und "Männerhass" interessiert sowieso niemanden). Dort liest man:

"Und auch diese Szene sammelt sich zunehmend in Online-Subkulturen, in denen Ideale des Rassismus, Antisemitismus und einer weißen Vorherrschaft geteilt werden. Jörg Leichtfried, Staatssekretär für Staatsschutz (SPÖ), beobachtet zudem eine Verquickung der Rechtsextremen mit der sogenannten 'Incel'-Szene, die sich über Frauenhass definiert. Aber es wurden auch Verbindungen etwa zu selbsternannten 'Pedo-Huntern' deutlich."

Das ist also einerseits ein Zusatz ("zudem") – eine Szene, die hinter anderen Subkulturen zu rangieren scheint. Und andererseits ist es die Beobachtung des Staatssekretärs einer gewissen Partei, die obendrein reichlich zugespitzt und uninformiert daherkommt. Leichtfried schreinert nämlich aus einer komplexen, heterogenen Szene einen einfachen Deutungsrahmen, um nicht zu sagen ein dienliches Feindbild: der gefährliche Incel, der mit Rechtsextremen kungelt und dabei auf gleicher Ebene mit Rassisten und der White-Power-Bewegung steht. Die Forschungslage, die Sie auf Genderama immer wieder präsentiert haben, ist dagegen deutlich nuancierter. Weder ist die Incel-Szene durchgehend rechtsextrem, noch einheitlich gewaltaffin. (Von der begrifflichen Unschärfe des Terminus mal ganz zu schweigen.)

Mich stört dieses harte Verdikt genauso wie der Aufbau der Schlagzeile. Hier wird klar Stimmung gemacht und vor allem eine bestimmte moralische Nordung vorgenommen. Das kann man natürlich tun, es wirkt aber nicht sonderlich seriös oder gar souverän. Währenddessen vermag es die Konkurrenz von der "Presse" die tatsächlich zentralen Felder direkt zu benennen: "Verfassungsschutzbericht: Starker Anstieg bei islamistischem Extremismus und Rechtsextremismus"

Die "Presse" ist Mitte-rechts-orientiert und sicher alles andere als neutral und wertungsfrei. Aber zumindest kommt sie in dem Fall der Logik des Lageberichts deutlich näher und muss nicht die Rangfolge der präsentierten Bedrohungen künstlich verschieben. Sie berichtet deutlich neutraler als der "Standard", der sowas wohl nur – wie vorgestern verlinkt – bei gewaltaffinen Mädchengruppen vermag. Zum "Frauenhass"-Aspekt liefert die "Presse" ansonsten noch ein paar interessante Details:

"Bindeglied sei hier der Hass auf Frauen, dieser sei auch Treiber für politische Gewaltfantasien. Laut Mayer gibt es eine zunehmende Vermischung bei den Motiven: eine Gemengelage aus persönlicher Kränkung und Ideologie. Deshalb, so Leichtfried, werde – wie schon vom Nationalrat beschlossen – künftig die Online-Verbreitung von Frauenhass in den Verfassungsschutzbericht mitaufgenommen. Wenn sich Frauen aufgrund von Misogynie im Netz nicht mehr trauen in der Öffentlichkeit etwas zu sagen, dann sei das auch ein Problem für die Demokratie, so Leichtfried.“"

Ich bin gespannt wie solcher "Frauenhass" definiert wird und was man am Ende alles darunter bündelt. Und ob Männer sich aufgrund von Misandrie nicht mehr ins Netz trauen, scheint in Österreich freilich genauso wenig zu interessieren wie die Frage, ob es nicht auch ein "Problem für die Demokratie" und das allgemeine gesellschaftliche Leben darstellen könnte, wenn feministische Gruppen "aus persönlicher Kränkung und Ideologie" zum Männerhass aufrufen oder "Alle Männer sind Monster" skandieren.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, Mai 05, 2026

Deutschland: Alle 71 Minuten bringt sich ein Mann um. Wen interessiert's?

Alle 71 Minuten ein Mann. Das ist die stille, inakzeptable Arithmetik des heutigen Deutschlands.

Im Jahr 2024 verzeichnete das Statistische Bundesamt 7.414 Suizide bei Männern – weit mehr als drei Viertel aller Suizidtoten. Fast alle 71 Minuten nimmt sich hierzulande ein Mann das Leben. Die altersstandardisierte Suizidrate bei Männern liegt bei rund 19 pro 100.000 – mehr als dreimal so hoch wie bei Frauen. Suizid bleibt die häufigste Todesursache bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren.

Das sind keine Randstatistiken. Es sind die Daten des Statistischen Bundesamtes. Dennoch entspricht keine bundespolitische Maßnahme dem Ausmaß des Problems, und unsere gesellschaftliche Debatte über Gewalt in Familie und Partnerschaft – wichtig, notwendig, dringend – tendiert dazu, Männer im schlimmsten Fall als Täter und im besten Fall als Randerscheinung zu betrachten.

Die letzten drei Absätze dieses Blogebeitrags stammen nicht von mir, zumindest nicht alleine. Ich habe den Beginn eines Artikels des australischen Rechtsanwalts und Kriminologen Tony Nikolic ins Deutsche übertragen, die australischen Zahlen durch deutsche ersetzt. Das habe ich getan, weil sich für australische Zahlen hierzulande vermutlich niemand großartig interessiert. (Gut, für deutsche auch nicht, wie man an der ausbleibenden Reaktion von Politik und Medien sieht.) Die folgenden Absätze übernehme ich aus dem Original-Artikel.

Männer stellten 80 Prozent aller Mordopfer. Und täglich sterben sieben Männer durch Suizid – in Umständen, bei denen einer der am häufigsten dokumentierten Risikofaktoren, erfasst aus Coroner-Daten von Suicide Prevention Australia, "Probleme in der Paarbeziehung" ist – vorhanden bei mehr als einem Viertel der männlichen Suizide. Wir kennen das Muster. Wir haben uns entschieden, es nicht zu benennen.

Ein Grund dafür ist, dass die verfügbare Sprache zur Diskussion dieser Thematik von einem Vokabular vereinnahmt wurde, das mehr verschleiert als erhellt. "Toxische Männlichkeit" ist ein Begriff, den viele Australier – Männer wie Frauen – nicht vollständig verstehen, den Institutionen, Lobbygruppen und Kampagnen jedoch mit zunehmender Häufigkeit verwenden. Der Ausdruck wird in den Materialien, die ihn benutzen, fast nie definiert. Er ist funktional eine Bezeichnung der Herabsetzung auf der Suche nach einer Definition.

Der ursprüngliche akademische Gebrauch, entstammt der Männerarbeit der 1980er-Jahre, war eng gefasst: ein Bündel schädlicher Verhaltensweisen – Unterdrückung von Gefühlen, Dominanzstreben, Widerwille, Hilfe zu suchen – die den Männern selbst und ihrem Umfeld schaden. In dieser engen Verwendung ist das Konzept unstrittig und deckt sich mit dem, was jeder gute Kliniker über die psychische Gesundheit von Männern sagen würde. Im zeitgenössischen öffentlichen Gebrauch hat der Begriff jedoch eine Drift erfahren. Er wird auf männliche Durchsetzungsfähigkeit, Wettbewerbsgeist, Risikobereitschaft angewendet, auf jede Eigenschaft, die mit traditionellen männlichen Rollen verbunden ist – und im schlimmsten Fall auf Männlichkeit an sich. Es ist ein Wort, das als Diagnose beginnt und als Anklage endet.

Die rhetorische Struktur ist bezeichnend. In einer Kultur, die einen Begriff wie "toxische Weiblichkeit" im allgemeinen Sprachgebrauch – zu Recht – niemals akzeptieren würde, wird ein Ausdruck, der die Hälfte der Bevölkerung pathologisiert, beiläufig in Grundsatzdokumenten, Schulungsmodulen und Pressemitteilungen von Ministern verwendet. Viele Männer hören den Begriff zu Recht so: als Botschaft, dass das Problem sie selbst sind. Nicht dieser Mann, für diese Taten, auf Grundlage dieser Beweise, vor diesem Gericht. Ein Mann. Irgendein Mann. Der Mann, der zufällig im Raum ist. Es ist das sprachliche Gegenstück zu dem verfahrenstechnischen Muster, das dieser Artikel beschreibt: nicht alle Männer, lautet die Formulierung – aber immer ein Mann.

Das Royal Australian and New Zealand College of Psychiatrists hat unter anderem davor gewarnt, dass stigmatisierende Sprache zu den bedeutendsten Hindernissen gehört, die Männer davon abhalten, psychische Unterstützung zu suchen. Männer nutzen Versorgungsangebote unterdurchschnittlich – die ABS erfasst, dass Männer weniger als vier von zehn durch Medicare finanzierten psychischen Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, obwohl sie mehr als drei Viertel der Suizidtoten ausmachen – und sie werden nicht dadurch unterstützt, dass ihnen in vielen Kampagnen des öffentlichen Gesundheitswesens gesagt wird, ihre Männlichkeit sei das Problem. Eine Suizidpräventionsstrategie kann nicht auf einem Vokabular beruhen, das die Bevölkerungsgruppe beschämt, die sie zu retten sucht. All dies leugnet nicht, dass männliche Gewalt existiert oder dass sie benannt werden muss, wo sie auftritt. Es geht darum zu betonen, dass die öffentliche Politik zwischen dem Verhalten einzelner Männer und dem Charakter von Männern als Gruppe unterscheiden muss.


Nikolic berichtet aus Fällen seiner anwaltlichen Praxis, die dabei helfen zu erklären, warum Männer derart gequält sind, dass sie so viel öfter ihrem Leben ein Ende machen als Frauen:

Eine Apprehended Domestic Violence Order (ADVO) in New South Wales ist dazu bestimmt, Schutzbedürftige zu schützen, und tut dies in der großen Mehrheit der Fälle auch. In einer Minderheit von Fällen jedoch wird eine einstweilige ADVO genutzt, um in nachfolgenden familienrechtlichen Verfahren einen prozessualen Vorteil zu erlangen. Eine einstweilige Anordnung entfernt einen Elternteil – typischerweise den Vater – aus dem Haushalt. Die Kinder verbleiben beim anderen Elternteil. Die ADVO liegt auf der Liste des Local Court. Ein Antrag auf Sorgerecht wird beim Federal Circuit and Family Court eingereicht, der – zu Recht vorsichtig – langsam darin ist, bedeutenden Umgang für einen Elternteil anzuordnen, gegen den eine ungelöste Schutzanordnung besteht. Zwölf Monate vergehen. Manchmal achtzehn.

Bis die ADVO inhaltlich entschieden wird – oft zurückgezogen, abgewiesen oder ohne Schuldeingeständnis beigelegt –, hat das Kind ein Jahr oder länger in der alleinigen Obhut eines Elternteils verbracht. Das Familiengericht sieht sich dann dem Status-quo-Problem gegenüber: Es liegt in der Regel nicht im besten Interesse eines Kindes, eine gefestigte Regelung zu erschüttern. Selbst wenn ein Gericht akzeptiert, dass der Vater keine häusliche Gewalt ausgeübt hat oder das vorgeworfene Verhalten nicht schwerwiegend war, hat die Verzögerung die Arbeit getan, die die Beweise nicht konnten. Der Prozess ist zur Strafe geworden – und obwohl nicht alle Männer, ist es fast immer ein Mann.

In einem Fall wurde ein Vater der häuslichen Gewalt beschuldigt. Nach fast acht Monaten Ermittlung wurden die Vorwürfe fallen gelassen. Fast unmittelbar danach wurden Vorwürfe des sexuellen Kindesmissbrauchs erhoben. Weitere zwölf Monate vergingen, in denen staatliche und föderale Ressourcen für Ermittlungen aufgewendet wurden – auch diese Vorwürfe wurden letztlich fallengelassen: kein Befund, keine Strafverfolgung, keine Bestätigung. Das familienrechtliche Verfahren lief die ganze Zeit. Als die Sache zur Verhandlung kam, hatten die Kinder ihren Vater zweieinhalb Jahre lang nicht gesehen. Sie waren zu der Überzeugung gelangt, er habe sie verlassen – und, wie es bei längerem Entfremdungsgeschehen oft geschieht, hatte sich das Narrativ der Vorwürfe verinnerlicht. Selbst nach eindeutiger Rehabilitierung ließ sich die Beziehung nicht einfach wiederherstellen. Die Verzögerung hatte bewirkt, was die Beweise nicht konnten – Entfremdung durch den Stellvertreter der Rechtsverfahren.

In einem anderen Fall wurde ein Mann ohne Familie in Australien durch eine einstweilige ADVO aus seiner Wohnung entfernt. Er hatte nirgendwo hinzugehen. Er schlief in seinem Auto, geparkt in Wohnstraßen und auf öffentlichen Parkplätzen; er nutzte öffentliche Toiletten zum Waschen; er aß allein in öffentlichen Parks. Das war keine Woche oder ein Monat – das war sein Leben, so lange sein Verfahren andauerte. Er ist kein Einzelfall. Unsere Kanzlei hat viele Männer in vergleichbaren Umständen unterstützt und hat seitdem – mit Unterstützung medizinischer Netzwerke, die die Bedeutung gleichwertiger psychischer Gesundheitsversorgung anerkennen – eine informelle Gruppe gebildet, um Männern in dieser Lage praktische und klinische Hilfe zu leisten. Wir würden es vorziehen, dass die staatliche Antwort nicht auf den guten Willen Einzelner ausgelagert wird. Solange das so ist, muss es dennoch so sein.

(…) Entfremdung ist Missbrauch. Gatekeeping – der bewusste, systematische Ausschluss eines Kindes von einem Elternteil ohne echte Risikobegründung – ist Missbrauch. Das sind keine strittigen Aussagen in der klinischen Literatur. Die Australian Association for Infant Mental Health, das Royal Australian and New Zealand College of Psychiatrists und jede vergleichbare Spitzenorganisation erkennt an, dass eine langanhaltende, ungerechtfertigte Unterbrechung der Beziehung eines Kindes zu einem geeigneten Elternteil messbaren Entwicklungsschaden verursacht. Ein Rechtssystem, das eine solche Unterbrechung ermöglicht – selbst unbeabsichtigt, als Nebenprodukt von Verfahrensverzögerungen – dient nicht dem Kindeswohl. Es untergräbt es.

Unsere Institutionen bleiben nur in dem Maße glaubwürdig, wie sie Männer, Frauen und Kinder als gleichberechtigte und integrale Mitglieder unserer Gesellschaft anerkennen. In dem Moment, in dem das Familienrechtssystem als geschlechtsspezifisches Instrument wahrgenommen wird statt als neutraler Schiedsrichter, verliert es das Vertrauen genau der Menschen, denen es zu dienen bestimmt ist. Ein System, das geeigneten Vätern, geeigneten Müttern und ihren Kindern vorhersehbare, prinzipientreue Ergebnisse liefert, ist das System, das allen dreien am besten dient.


Nikolic und seine Mitstreiter haben einer Reihe von Politikern einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das möglich machen soll (und darauf nur von einem einzigen Senator eine Antwort erhalten):

Die zentrale Reform ist eine Drei-Monats-Regel für ein beschleunigtes Verfahren. Wo eine ADVO-Beantragung ein Kind betrifft, umfasst oder wesentlich berührt – auch weil sie eine Sorgerechtsentscheidung verdrängt –, muss die Sache innerhalb von drei Monaten nach dem ersten Gerichtstermin inhaltlich entschieden werden. Eine Verlängerung ist nur unter außergewöhnlichen Umständen, für den kürzest möglichen Zeitraum und mit schriftlicher Begründung zulässig. Wird eine einstweilige Anordnung über drei Monate hinaus fortgeführt, führt der Gesetzesentwurf eine Beweisschwelle ein: Das Gericht muss auf der Grundlage zulässiger Beweise von einem realen und unmittelbaren Risiko überzeugt sein; die Bedingungen der Anordnung dürfen nicht restriktiver sein als notwendig; und die Fortsetzung darf die Beziehung eines Kindes zu einem Elternteil nicht unnötigerweise unterbrechen, wenn das behauptete Risiko nicht innerhalb angemessener Zeit inhaltlich nachgewiesen werden kann. Der neue Section 25F verpflichtet das Gericht, jede bestehende bundesrechtliche Sorgerechtsentscheidung zu berücksichtigen. Die Immunität für gutgläubige Meldungen bleibt uneingeschränkt erhalten.

In der australischen Praxis bedeutet dies, dass ein Elternteil, der einstweilig eingeschränkt wird, innerhalb von drei Monaten eine inhaltliche Entscheidung auf Beweisbasis erhalten würde – nicht eine zwölf- oder achtzehntmonatige Fortführung ohne absehbare Verhandlung. Die Beziehung eines Kindes zu einem Elternteil würde nicht allein durch den Kalender verloren gehen.


Meine Stärke im Bereich Männerpolitik ist eindeutig nicht das Sorgerecht. Ich habe deswegen eine KI gefragt, inwiefern dieser Vorschlag auf Deutschland übertragbar ist. Die zentrale Antwort lautet:

Belastbare deutsche Zahlen zum Ausmaß des Problems – also wie häufig einstweilige Schutzanordnungen faktisch den Kindesumgang blockieren – sind dünn. Das ist selbst Teil des Problems: Was nicht systematisch erfasst wird, wird auch nicht politisch adressiert.

Die Prinzipien des australischen Entwurfs – Fristsetzung, Wiederherstellungsmechanismus, Eskalationsstufen bei Verstößen gegen Umgangsregelungen – wären für Deutschland diskutabel und zum Teil überfällig. Die konkreten Mechanismen müssten jedoch erheblich an das deutsche Rechtssystem angepasst werden. Und politisch fehlt in Deutschland bislang weitgehend der Wille, diese Debatte überhaupt zu führen – aus ähnlichen Gründen wie in Australien, die der Artikel beschreibt.


Vor diesem Hintergrund zitiere ich den australischen Entwurf mal ausführlicher:

Erstens ersetzt der Gesetzesentwurf das derzeitige Ermessens-Vollstreckungsregime durch eine dreistufige, gestufte Vollstreckungsstruktur. Ein erster Befund eines Verstoßes ohne vernünftige Entschuldigung löst obligatorische Konsequenzen aus: 5 Strafeinheiten, 1:1 Nachholzeit innerhalb von sechs Monaten, eine Kostenentscheidung und eine schriftliche Verwarnung. Ein zweiter Befund innerhalb von sieben Jahren: 15 Strafeinheiten, Nachholzeit innerhalb von vier Monaten, eine richterliche Verwarnung, obligatorische Überprüfung der Sorgerechtsentscheidung und Schadensersatzkosten. Ein dritter Befund: 30 Strafeinheiten, Überweisung an den Commonwealth DPP für ein neues strafbares Vergehen der schwerwiegenden Beeinträchtigung einer Sorgerechtsentscheidung (bis zu 12 Monate Gefängnis), eine Überprüfung, die eine Umkehrung der primären Obhut einschließen kann, und beaufsichtigte Zeit auf Kosten der nicht konformen Partei. Das Ermessen bleibt nur in engen, begründeten Ausnahmen erhalten, die mit dem Kindeswohl verknüpft sind.

In der australischen Praxis gibt dies einer Sorgerechtsentscheidung den Rechtscharakter, den sie derzeit nur nominell besitzt. Entscheidungen des Federal Circuit and Family Court können derzeit mit relativer Straflosigkeit ignoriert werden; Konsequenzen sind unvorhersehbar und oft geringfügig (wenn überhaupt). Nach dem Gesetzesentwurf sind die Konsequenzen den Parteien, Praktikern und dem Gericht im Voraus bekannt. Vorhersehbarkeit ist selbst ein Abschreckungsmittel. Kinder – die eigentlichen Nutznießer – würden unter Sorgerechtsentscheidungen leben, die tatsächlich das bedeuten, was sie sagen, und entsprechend durchgesetzt werden.

Zweitens schafft der Gesetzesentwurf einen Wiederherstellungsmechanismus. Wo die Zeit eines Elternteils mit einem Kind wegen nicht bestätigter Vorwürfe ausgesetzt oder verloren wurde – wo kein Gericht, keine Wohlfahrtsbehörde und keine Polizeibehörde einen Befund von Schaden oder unvertretbarem Risiko getroffen hat –, muss das Gericht wiederherstellende Elternzeit auf 1:1-Basis anordnen, die innerhalb von zwölf Monaten wahrzunehmen ist, sofern dies nicht dem Kindeswohl widerspricht. Wo die Ausnahmeregelung gilt, ist eine gleichwertige Abhilfemaßnahme obligatorisch. Der neue Section 70NAC-2 sieht vor, dass wissentlich falsche oder irreführende Anschuldigungen, aufgebauschte Anschuldigungen, die nach dem Gleichgewicht der Wahrscheinlichkeiten bewiesen werden und nachweislich eine wesentliche Ursache für eine Aussetzung der Elternzeit waren, Schadensersatzkosten und eine Überweisung an den DPP nach sich ziehen. Der gute Glaube bleibt vermutet.

In der australischen Praxis bedeutet dies, dass die zuvor beschriebenen Fälle nicht mit dem perversen Ergebnis "freigesprochen, aber immer noch bestraft" enden würden. Die einem rehabilitierten Elternteil entzogene Zeit würde wiederhergestellt. Das Gericht hätte eine ausdrückliche Pflicht, den durch die Verzögerung selbst verursachten Schaden zu beheben.

Drittens schafft der Gesetzesentwurf ein nationales Register für die Einhaltung von Sorgerechtsentscheidungen, das gerichtsbarkeitsübergreifend wirkt, vom Principal Registrar des Federal Circuit and Family Court verwaltet wird, eine Aufbewahrungsfrist von sieben Jahren hat und der Justiz, tätigen Praktikern, Parteien und dem Justizministerium auf de-identifizierter Basis zugänglich ist. Zum ersten Mal hätte ein Richter ein zuverlässiges, nationales Bild über etwaige frühere Verstoßbefunde.

Der Gesetzesentwurf ist ausdrücklich geschlechtsneutral formuliert. Section 4 verlangt, dass keine Bestimmung so ausgelegt oder angewendet wird, dass eine Partei aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt wird. Eine Mutter, die von einem Vater von ihren Kindern ferngehalten wird, hat genau dieselbe Rechtsbehelfsgrundlage wie ein Vater in der umgekehrten Situation. Er ist mit Artikel 3 und 9(3) der UN-Kinderrechtskonvention und dem Vorrang des Kindeswohls nach Section 60CA vereinbar.


In anderen Ländern ist das machbar:

Die Vereinigten Staaten haben entschlossen gehandelt. Am 1. September 2025 verabschiedete Texas Senate Bill 2794 – das "Drei-Verstöße"-Besuchsrecht-Gesetz –, das die wiederholte vorsätzliche Beeinträchtigung gerichtlich angeordneter Elternzeit zu einem eskalierenden Straftatbestand macht, der gleichermaßen für sorge- und nicht sorgeberechtigte Elternteile gilt. Ein dritter Befund wegen Missachtung löst obligatorische Nachholzeit aus (verdoppelt), verbietet Bewährungsstrafen, verpflichtet die verstoßende Partei zur Übernahme der Anwaltskosten der anderen Partei ohne Verzicht und erlaubt dem Gericht, das Muster als wesentliche Änderung zu behandeln, die eine Änderung der primären Obhut rechtfertigt.

(…) Artikel 26 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, den Australien 1980 ratifiziert hat, garantiert Gleichheit vor dem Gesetz ohne Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Artikel 23 schützt die Familie. Artikel 9(3) der UN-Kinderrechtskonvention schützt das Recht des Kindes, das von einem Elternteil getrennt ist, regelmäßigen direkten Kontakt zu beiden Elternteilen aufrechtzuerhalten, sofern dies nicht dem Kindeswohl widerspricht. Wo unsere inländischen Verfahren auf systematische und vorhersehbare Weise durch Verzögerung statt auf Beweisbasis zur Trennung von Vater-Kind-Beziehungen führen, läuft Australien Gefahr, diesen Verpflichtungen nicht gerecht zu werden. Der UN-Menschenrechtsausschuss hat in den Allgemeinen Kommentaren 18 und 28 klargestellt, dass Gleichheit vor dem Gesetz nicht nur formaler Natur ist: Gesetze und Verfahren, die in der Praxis zum Nachteil eines Geschlechts wirken, können selbst eine Diskriminierung darstellen.

All dies leugnet nicht, was die Daten ebenfalls zeigen. Frauen sind nach wie vor unverhältnismäßig häufig Opfer tödlicher Partnerschaftsgewalt. Das stimmt. Es stimmt auch, dass mehr als drei Viertel der Mordopfer insgesamt männlich sind. Der ABS-Zensus 2021 erfasste Obdachlosigkeit bei Männern mit 55 pro 10.000 – deutlich höher als die 42 pro 10.000 bei Frauen – und 62 Prozent der Befragten in der Journeys Home-Studie der University of Melbourne nannten Familienzerfall oder -konflikte als Hauptgrund für ihre erste Obdachlosigkeitsepisode. Wenn ein Vater durch eine einstweilige Anordnung aus seiner Wohnung entfernt wird, landet er häufig auf der Couch eines Freundes, in seinem Auto oder auf der Straße. Es gibt kein vergleichbares nationales Netzwerk von Männerobdächern, Männerkrisenunterkünften oder männlichen Familienunterstützungsdiensten. Die Asymmetrie ist nicht ideologisch. Sie ist eine Finanzierungs- und Gesetzgebungsentscheidung.

(…) Frauenhäuser retten Leben. Spezialisierte Dienste für weibliche Opfer retten Leben. Das Argument lautet schlicht, dass Männergesundheit, Männer-Suizidprävention und der Zugang von Männern zu ihren Kindern nach einer Trennung nicht länger als Restanliegen behandelt werden sollten, nachrangig gegenüber einem geschlechtsspezifischen Rahmen, der nicht erklären kann, warum täglich sieben australische Männer durch eigene Hand sterben.

Die Gesetzesentwürfe sind in Text, Anwendung und Absicht geschlechtsneutral. Eine Mutter, die von einem Vater von ihren Kindern ferngehalten wird, wird vom Drei-Stufen-Regime in genau der gleichen Weise profitieren wie ein Vater in der umgekehrten Situation. Ein Vater, der wissentlich eine falsche Anschuldigung erhebt, wird denselben Konsequenzen gegenüberstehen wie eine Mutter. Diese Reformen sind keine Männerrechtsagenda. Sie sind Verfahrensgerechtigkeit, gleichmäßig angewandt, in einem Bereich, in dem die derzeitige Rechtspraxis systematisch ungerechte Ergebnisse produziert – und wo sich diese Ungerechtigkeit nun in einer Sterblichkeitsstatistik niederschlägt, die wir zählen können.


Es ist fast schon komisch, wenn ein Kriminologe Forderungen aufstellt, die teilweise noch über die von Männerrechtlern hinausgehen, um dann zu beteuern, das sei "keine Männerrechtsagenda", weil er weiß, dass Männerrechtler in der herrschenden Geschlechterpolitik als Feindbild Nummer eins gezeichnet werden. Auch abschließende Passagen seines Artikels sind klar maskulistisch:

Männersuizid hat kein parteipolitisches Gesicht. Die altersstandardisierte Rate männlicher Suizide (…) überschreitet jede Wahlkreisgrenze. (…) Berufstätige Männer in Handwerks- und Technikberufen machen mehr als ein Viertel der männlichen Suizide aus: die Menschen, die die Häuser, die Infrastruktur und die Minen des Landes bauen.

Die Koalition kann Reformen, die die Durchsetzung von Gerichtsentscheidungen stärken, nicht ablehnen, ohne einer Generation ihrer eigenen Rhetorik über persönliche Verantwortung und Rechtsstaatlichkeit zu widersprechen. Labor kann Reformen, die die Beziehungen von Kindern zu beiden Elternteilen schützen, nicht ablehnen, ohne seinen Verpflichtungen im Rahmen des National Plan zu widersprechen. Die Grünen können Reformen, die ausdrücklich in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind, nicht ablehnen. (…) Das sind im strengen Sinne des Wortes überparteiliche Vorschläge – sie verlangen von keiner Partei etwas, das den eigenen veröffentlichten Grundsätzen widerspricht.

Das Argument für Reformen ist administrativ, evidenzbasiert und human. Es ist kein Kulturkampf. Es geht um eine sieben-Tage-die-Woche-Statistik vermeidbarer Todesfälle; ein Wohnungssystem, in dem ein verbannter Elternteil keine eigene Tür hat; ein Gerichtssystem, in dem Verzögerung zur Entscheidung geworden ist; ein öffentliches Vokabular, das Männlichkeit als Pathologie behandelt; und eine nationale Politikagenda, die männliche Not nicht anerkennen kann, ohne sie zunächst zu relativieren.

Wir haben jeden Minister und jeden Senator gebeten, unsere Gesetzesentwürfe zu prüfen – die öffentlich zugänglich, professionell ausgearbeitet und von Erklärungen zur Vereinbarkeit mit Menschenrechten und Folgenabschätzungen begleitet sind. Wir werden jeden Parlamentarier, jeder Partei, zu jedem Aspekt der Ausarbeitung informieren. Wir verlangen keine Annahme ohne Änderung. Wir bitten darum, dass das Gespräch beginnt.

Australien ist stolz darauf, jedem eine faire Chance zu geben. Die Männer, die unsere Häuser bauen, unsere Kinder unterrichten, unsere Grenzen verteidigen und jedes Jahr im Takt von sieben pro Tag begraben werden, verdienen ihn ebenfalls. So auch ihre Kinder, die das Recht auf zwei Elternteile haben, wo immer es sicher ist, sie zu haben. Der Prozess sollte nicht die Strafe sein. Stille sollte nicht die herrschende Politik sein. Das Vokabular der öffentlichen Gesundheit sollte nicht die Anklage sein. Und das sollte, im Jahr 2026, kein Thema sein, auf das nur ein einziger Senator geantwortet hat.




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Montag, Mai 04, 2026

Angriff auf das "Heteropatriarchat": SPD-Nachwuchs will Ehe abschaffen

1.
"Die Ehe dient dem chauvinistischen, kapitalistischen Nationalstaat als Durchsetzungsinstrument frauenfeindlicher, queerfeindlicher, klassistischer und rassistischer Politik", heißt es in einem aktuellen Antrag der Berliner Jusos, über den zuerst die Bild-Zeitung berichtete. Darin plädiert der SPD-Nachwuchs dafür, die Ehe als staatliche Institution mitsamt aller Privilegien und Gesetze ersatzlos zu streichen.

Aus Sicht der Jungsozialisten ist die Zivilehe ein Relikt, das "patriarchische Machtstrukturen" verstärkt und die individuelle Freiheit durch ihren Anspruch auf Dauerhaftigkeit einschränkt. Bei der Berliner SPD findet der Antrag keine Unterstützung. Für eine Realisierung müsste das Grundgesetz geändert werden.


Hier geht es weiter.



2. "Die meisten Männer sind nicht toxisch" stellt Professor Dr. Michael Klein im politischen Magazin CICERO klar. Ein Auszug:

Wenn über Männer gesprochen wird, dann geschieht dies in den Medien fast nur noch in negativer, abwertender Weise und voller Hetze. Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young (McGill University) haben dies schon seit den 1990er Jahren beobachtet. Sie beschreiben, wie diese Stimmung als Misandrie (die Verunglimpfung und der Hass gegenüber Männern) mehr und mehr gesellschaftsfähig wurde, von bestimmten feministischen Zirkeln proaktiv verbreitet wurde und sich schließlich in den Medien fest etablierte. Es gehört inzwischen in den Leitmedien zum guten Ton, Frauen positiv und als Opfer, Männer negativ und als – zumindest potentielle – Täter darzustellen.

Der Prozess der Entfaltung von Misandrie dauerte Jahrzehnte und ist heute in seiner kritischen Endstufe angekommen, in der Mannsein in weiten Bereichen ein Geschlechtsstereotyp für Toxizität, mangelnde Sensibilität, Gewalttätigkeit und emotionale Zurückgebliebenheit darstellt. Männlichkeit wird automatisch negativiert, obwohl gerade in einer klaren, reflektierten Männlichkeit viele prosoziale Chancen stecken können. Wenn heutzutage Männer pauschal verunglimpft werden, wie in vielen Medien zuletzt anlässlich der Fernandes-Kampagne, ist es Zeit, Misandrie sichtbar zu machen und dagegen einen Standpunkt zu beziehen.


Der Artikel ist in Gänze lesenswert.



3. Das evangelische Magazin "Chrismon" stellt Hartmut Dihm vor, der Männer in Krisen berät. Auch hieraus ein Auszug:

Chrismon: Warum machen Sie das?

Hartmut Dihm: In den letzten zehn Jahren meines Berufslebens war ich Richter am Familiengericht. Als es auf die Pension zuging, erzählte mir eine Anwältin von ihrem Engagement in der Frauenberatung und dass es so ein Angebot für Männer nicht gebe. Sie fragte mich, ob ich mir das vorstellen könnte. Vor circa 20 Jahren war das, und sehr lange war ich in Bayern ziemlich der Einzige.

Chrismon: Welche Eigenschaften sollte Ihr Nachfolger mitbringen?

In dem Fall sollte es tatsächlich ein Mann sein. Die Betroffenen sitzen im gerichtlichen Verfahren meist mehrheitlich oder ausschließlich zwischen Frauen. Vielen fällt es leichter, sich einem Mann anzuvertrauen. Außerdem: Geduld, Kenntnis im Familienrecht, und zuhören sollte man können.

Chrismon: Was berührt Sie?

Wie machtlos manche Väter gegenüber den Müttern sind, die beim Sorgerecht ihre Macht ausspielen – genau wie natürlich umgekehrt viele Männer beim Unterhalt. Aber mich erschüttert immer wieder, wenn Männer berichten, dass sie von ihren Frauen auch körperliche Gewalt erfahren, sich aber nicht wehren, aus Angst, dann ins falsche Licht zu geraten und als Aggressor dazustehen.


~ Offenkundig schließen sich auch CICERO und Chrismon mit solchen Artikeln der Manosphäre an. Schlimm, wie diese monströse Krake immer weiter wächst. ~



4. In Wien schiebt man unerwünschten Äußerungen aus dieser Ecke jetzt einen Riegel vor:

Der Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher Rudolf Taschner hätte anlässlich des 50. Jahrestages seiner Promotion von der Universität Wien mit dem Goldenen Doktordiplom ausgezeichnet werden sollen. Nun wurde die Ehrung jedoch kurzfristig zurückgezogen. (…) Wie der ORF berichtet, verwies [der Vorsitzende des Uni-Senats Stefan] Krammer darauf, dass Taschners wissenschaftliche Verdienste außer Frage stünden, dass er jedoch mit seinen kontroversen Äußerungen wiederholt angeeckt sei.


Einen Wissenschaftler, der mit "kontroversen" Äußerungen "aneckt", kann sich unsere Gesellschaft wirklich nicht leisten. Wenn man solche Menschen nicht ausgrenzt, könnten die Leute sonst noch glauben, sie dürften sagen, was sie für richtig halten.

2012 schrieb Taschner in einer "pädagogisch unkorrekten Notiz" über die Watsche als Gewitter mit "kurzem, reinigendem Schmerz" und stellte diese der seelischen Gewalt gegenüber. Im letzten Jahr sorgte er im Parlament für Diskussionen, als er ein Forschungsprojekt im Bereich Kunst, Gender Studies und Dekolonisation als "verbranntes Geld" bezeichnete.


Zugegeben, das erste ist eine Ansicht aus dem letzten Jahrtausend, die man heute als überholt betrachtet, unter anderem weil körperliche Gewalt von seelischer untrennbar ist. Der zweite Vorwurf ist ominös. Taschner hat sich offenbar dagegen ausgesprochen, ein bestimmtes Forschungsprojekt finanziell zu bezuschussen. Da wüsste man schon gerne, welches Projekt derart sakrosankt ist, dass man das nicht darf. Wo genau wird bei der Freiheit der Wissenschaft die Grenze gezogen, und wer legt das fest?

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti übte scharfe Kritik an der Absage und bezeichnete sie als "im Wissenschaftsbetrieb untragbare ideologische Zensur". Wissenschaft müsse objektiv bleiben und dürfe nicht zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie werden, so Marchetti. Er forderte die Universität Wien auf, "ideologische Scheuklappen" abzulegen.


Andererseits scheint Taschner auf demselben Trip zu sein: Das fragliche Projekt wurde von ihm der Berichterstattung zufolge belegfrei niedergemacht. Er wisse nicht, "ob die Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft stark genug sind", um "scheinbare Wissenschaften" auszusortieren.

Offenbar treffen die aussortierenden "Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft" nun Taschner selbst.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Servus Herr Hoffmann,

im österreichen "Standard" stieß ich die Tage auf diesen Beitrag aus unserer beliebten Kategorie "Mädchen und Frauen sind die besseren Menschen". Falls Sie ihn noch nicht kennen, hier ein paar längere Auszüge:

"Im Verhandlungssaal 201 des Straflandesgerichts Graz herrscht an diesem Donnerstagvormittag dicke Luft. Wortwörtlich, wie auch im übertragenen Sinn. Nur wenige Stühle in dem etwa 50 Quadratmeter großen Raum sind leer, die drei Fenster müssen aufgrund des Straßenlärms geschlossen bleiben – andernfalls könnte die Richterin die kleinlauten Geständnisse der sechs Angeklagten nicht hören: Die sorgfältig zurechtgemachten, schmalen Mädchen, die vor ihr und den Schöffinnen aussagen, geben sich geknickt.

(…) Einige der Beitragstäterinnen – alle Angeklagten waren zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 17 Jahre alt und sollen deshalb anonym bleiben – sagen heute, sie hätten nicht gewollt, dass es derart eskaliere. Eingeschritten sind sie trotzdem nicht. Stattdessen hielten sie die Handykameras drauf, als die beiden Hauptangeklagten das Opfer mit Eisen- und Kunststoffstangen traktierten und demütigten. "Folterartige Misshandlungen", nennt die Staatsanwältin das, mehr als eine Stunde andauernde "Martyrium".

(…) Tags darauf locken sie das Mädchen ins leerstehende Chill-Haus. Dort wartet bereits der Rest der Truppe. In einem ehemaligen Büro nehmen sich die Schwester des Burschen mit dem Herzstillstand und deren beste Freundin das Mädchen mit Eisen- und Kunststoffstangen vor. Über etwa eine Stunde hinweg wird das Opfer geschlagen, getreten, die Spitzen ihrer hüftlangen Haare versengt. Sie demütigen, verhöhnen und bedrohen sie, zwingen sie, Oberteil und BH auszuziehen. Mehrere Mädchen filmen die Tat. Die anderen sitzen im Vorraum und halten Wache – so die Meinung der Staatsanwältin.

Den meisten der Mädchen tut das, was passiert ist, heute leid, sagen sie. Entschuldigt hat sich aber keine bei dem Opfer oder seiner Familie. Überhaupt wollen die meisten heute nichts mehr davon gewusst haben, dass die Tat geplant war.

Die Stunde, in der das Opfer traktiert wird, vertreiben sie sich mit Tik Tok-Clips, Kopfhörer in den Ohren, um die Schmerzens- und Hilfeschreie nicht zu hören. "Ich hätte nie gedacht, dass etwas passieren wird", behauptet eine der Beitragstäterinnen, die sich nur teilschuldig bekennt. "Bei mir war das noch nie so" und meint damit, dass sie, die aus einem Grazer Vorort stammt und ein Gymnasium besucht, üblicherweise nicht mit Gewalttäterinnen verkehre. "Aber alle anderen sagen, es war schon klar, was passieren wird", stellt die Richterin fest. Tränen bei der Angeklagten. "Ich weiß nicht, was mit mir los ist, dass ich nicht geholfen habe.

(…) Vollgepumpt mit Adrenalin laufen die Angeklagten zum nächsten Supermarkt, wo sie sich Getränke kaufen. Dann gehen sie nach Hause. Eine kehrt jedoch zum Tatort zurück, holt Eisenstange und die zerrissene Kleidung des Opfers und versenkt sie in der Mur."


Tja – wenn das jetzt ein paar heranwachsende Jungs gewesen wären…? Hätte die Frau Staatsanwältin dann auch bloß von "folterartigen Misshandlungen" gesprochen? Oder klarere Begriffe gewählt? Hätte man es so en passant stehen lassen, dass keiner der Beteiligten um Entschuldigung bat – oder hätte man das vielmehr als "typisch männlich" bewertet und entsprechend sanktioniert? Zumindest moralisch? Hätte man nicht allgemein ein Rudel Talkshows und mindestens zwei Forderungen pro Tag nach härteren Strafen, Senkung der Strafmündigkeit und irgendwelchen Programmen zur Senkung "toxischer männlicher Aggression" oder Bekämpfung "männlicher Intensivtäter" auf Sendung gehabt? Inklusive der notwendigen Verweise auf "Patriachat", "Manosphere" und natürlich "die allgegenwärtige männliche Gewaltkultur"? Wäre die ganze Tat nicht der endgültige Beweis dafür gewesen, dass alle Jungen "Monster" sind und jeder im Mutterbauch heranwachsende XY-Träger bereits ein "designierter Folterknecht" oder zumindest ein "Quälgeist in spe"?

So aber die – durchaus interessante und erklärungskräftige – Darstellung von Gruppendruck und Unsicherheit, Jungendkultur-Dynamiken, Zugehörigkeitsfragen oder sozialen Problemen. Die Frage nach Ursachen – nicht die reflexhafte Verteilung von Schuld. Es ist wirklich auffallend, dass der breitere Deutungsrahmen des Artikels eher erklärend-suchend als anklagend gehalten ist – und natürlich Mädchengewalt immer noch irgendwie als "Abweichung" oder "Novität" rübergebracht wird denn als "strukturelles Problem". Als "brutaler Ausreißer", als "Milieudelikt" (eine Einordnung, die freilich auch hinterfragt werden müsste). Zumindest hat sich mir dieser Eindruck aufgedrängt. Interessant auch, wie erwähnt (und gerahmt) wird, dass die Mädchen "vollgepumpt mit Adrenalin" herumliefen. Wie das im Falle von Jungen und Männern rübergebracht worden wäre, können sich langjährige Blogleser denken.

Kurzum: Ich würde mir einfach wünschen, dass auch im Falle männlicher Straftäter so analytisch und fast schon ruhig-neutral berichtet würde wie in diesem Fall. Dass es Berichterstattung gäbe – statt der üblichen verdammenden Suaden, moralintriefenden Einordnungen und so empathielosen wie sexistischen Selbstprofilierungen. Aber bevor das geschieht holt der HSV vermutlich erst noch ein paar Mal verlustpunktfrei das Triple.




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Donnerstag, April 30, 2026

Kinderschützer: "Über Täterinnen bei sexueller Gewalt wird zu wenig gesprochen und geforscht"

1. Österreichs Standard berichtet:

Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen spielt sich so im Verborgenen ab, dass Statistiken und Forschung nur einen marginalen Bruchteil der Realität erfassen. Um den Betroffenen zu helfen und künftige Taten zu verhindern, muss der Kinderschutz auf der Basis dieses Bruchteils quasi im Blindflug arbeiten. Bei der Pressekonferenz, die am Mittwoch im Vorfeld der Kinderschutztagung des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren stattfand, machten Expertinnen und Experten mit aktuellen Daten und Forschungsergebnissen auf das Ausmaß des Problems und die bestehenden strukturellen Defizite aufmerksam.

(…) Hinzukommt die erdrückende Last des Tabus. Auf missbrauchten Buben wiegt diese besonders schwer. "Buben können sich gegen sexualisierte Gewalt nicht besser wehren als Mädchen", sagt Peter Caspari, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung in München. Betroffen sind sie jedoch ebenfalls in erheblichem Ausmaß. Studien gehen davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Männer in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erfahren haben. Dennoch halten sich stereotype Vorstellungen, die das Erkennen erschweren, ebenso der fälschliche Glaube, sie würden Missbrauch leichter wegstecken.

(…) Auch die Rolle von Frauen als Täterinnen wird noch immer unterschätzt. Internationale Untersuchungen legen nahe, dass Frauen einen relevanten Anteil der sexuellen Übergriffe gehen. Man könne davon ausgehen, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Mädchen und zehn bis zwanzig Prozent der Buben von Frauen sexualisiert missbraucht würden, sagt Dirk Bange, Leiter des Amtes für Familie der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung Hamburg. "Das passt aber nicht zum allgemeinen Frauenbild, dem Bild der liebenden Mutter und der Annahme, dass Frauen keine aggressive Sexualität haben können." Für betroffene Kinder kann das bedeuten, dass ihnen weniger geglaubt wird. "Über Täterinnen bei sexualisierter Gewalt wird zu wenig gesprochen und geforscht", kritisiert Bange.




2. In der Stuttgarter Zeitung thematisiert Stefanie Unbehauen häusliche Gewalt gegen Männer vor dem Hintergrund eines konkreten Falls. Ein Auszug:

Wieso er sich nie gewehrt habe? "So bin ich einfach nicht. Ich bin kein Frauenschläger, da bin ich nicht der Typ für." Das Gericht bezweifelte das. "Der Rechtsanwalt hat zur Richterin gesagt: Also bitte, diese 54 Kilogramm schwere Fee hat den 90 Kilo schweren Bären verprügelt? Das glauben Sie doch selbst nicht." Schmitt ist 1,80 Meter groß und 88 Kilogramm schwer. Er wirkt jedoch nicht aggressiv, macht einen ruhigen, eher zurückhaltenden Eindruck. Auch den beiden Kindern habe niemand geglaubt. "Manchmal haben sie im Kindergarten erzählt: Die Mama hat gestern schon wieder den Papa geschlagen", erinnert sich Schmitt. Doch die anderen Kinder und die Erzieherin hätten ihnen das nicht abgenommen. Wieso auch? Ein Mann lässt sich doch nicht von seiner Frau schlagen, so das Narrativ.


Ein Narrativ, das fleißig verbreitet wird, während man diejenigen, die Aufklärung betreiben, denunziert.



3.
In Deutschland können Väter nach Geburt Elternzeit oder Erholungsurlaub nehmen – aber keinen "Vaterschaftsurlaub", wie es die EU vorsieht. Verfahren laufen, doch der Fall eines Soldaten landete direkt beim BVerwG.


Die Legal Tribune berichtet darüber.



4. Für "Die Welt" beschäftigt sich Mirna Funk mit dem Female Gaze, als dem weiblichen Blick auf Männer. Ein Auszug:

Wenn man popkulturelle Geschehen aufmerksam verfolgt, dann stellt man schnell fest, die Körpergröße ist unter Frauen eine der härtesten Währungen überhaupt. Männer unter 1,75 werden auf Dating-Apps systematisch weggeklickt. Und wenn man Frauen danach fragt, kommt die Antwort meistens mit einem Schulterzucken: Präferenz eben. Geschmackssache. Darf man doch wohl noch haben. Stimmt. Darf man. Das Problem? Wenn ein Mann auf dieselbe Frage antwortet – Frauen über 65 Kilo interessieren mich nicht –, dann heißt das nicht Präferenz. Dann heißt das Misogynie. Dann heißt das Male Gaze. Dann heißt das Patriarchat.

Auf Instagram schlagen Männer inzwischen zurück. Unter Videos, in denen Frauen offen über ihre körperlichen Anforderungen sprechen – Größe, Kiefer, Körperbau, Handspanne – tauchen seit Monaten Kommentare auf, die die Doppelmoral benennen. Dieselben Frauen, die den Male Gaze als strukturelle Gewalt verurteilen, praktizieren ihn täglich mit umgekehrtem Vorzeichen und nennen es Selbstbewusstsein, Empowerment, Feminismus. Auf die Kommentare der Männer folgt Empörung. Der vorgehaltene Spiegel wird als Incel-Rhetorik abgetan. Damit ist das Gespräch beendet, bevor es angefangen hat. Was dabei verloren geht, ist nicht nur die Debatte. Es ist die Glaubwürdigkeit.

(…) Der Psychologe Gordon Hodson beschreibt Lookism (auf Männer angewendet) als eine der letzten gesellschaftlich akzeptierten Formen der Diskriminierung. In einer Welt, in der man nicht mehr offen über Rasse, Geschlecht oder Sexualität urteilen darf, ohne Konsequenzen zu riskieren, ist der Körper des Mannes – seine Größe, sein Haaransatz, sein Bauch – nach wie vor freies Gelände. Es gibt Memes dazu, Rankingvideos, kollektive Lachsalven in Gruppenchats. Das kulturelle Klima stellt dafür keine Rechnung aus. Und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Diskursentscheidung: Der männliche Körper wurde nie unter denselben Schutz gestellt wie der weibliche.

(…) Dass Frauen genauso visuell urteilen wie Männer, ist kein Skandal. Es ist eine Erkenntnis. Der Skandal ist, dass diese Erkenntnis nicht in einen notwendigen Diskurs übergeht. Stattdessen passiert das Gegenteil. Frauen, die offen über ihre körperlichen Anforderungen an Männer sprechen, gelten als selbstbewusst. Sie kennen ihren Wert. Die identische Haltung bei Männern heißt: toxisch. Das ist keine Analyse. Das ist Doppelmoral mit feministischem Anstrich.

Ich kenne das von mir. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich kenne es aus Gesprächen, in denen Frauen über Männer sprechen wie Casting-Direktoren über ungeeignete Bewerber – präzise, ungnädig, ohne schlechtes Gewissen. Und ich kenne das Schweigen, das einsetzt, wenn man diese Gespräche benennt. Weil das Benennen als Verrat gilt. Als würde man dem falschen Team helfen. Aber es gibt kein falsches Team. Es gibt nur eine Frage, die sich der Feminismus seit Jahrzehnten nicht stellt: Was machen wir mit unserem eigenen Blick? Was machen wir mit diesem harschen, vernichtenden, verurteilenden Blick?




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Mittwoch, April 29, 2026

Neues Strohfeuer in vielen Medien: "Jungen haben deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen"

1. Vor 17 Jahren habe ich mein Buch "Rettet unsere Söhne" über die Benachteiligung von Jungen in unserem Erziehungssystem veröffentlicht. Im selben Jahr hatte der Aktionsrat Bildung angemahnt, dass die Ungleichheit zu Lasten der Jungen "die Grenzen des rechtlich und moralisch Hinnehmbaren" klar überschreite. "Schulen benachteiligen Jungen massiv", hatte der SPIEGEL damals getitelt. Die Männerrechtsbewegung ist seitdem an dem Thema dran geblieben. Die Leitmedien hingegen vergaßen es und tobten stattdessen immer lauter über die "Manosphäre", einschließlich der Männerbewegung, die unverschämterweise ständig von der Benachteiligung der Männer spreche, diese Irren, statt dem einzigen anerkannten und würdigen Opfer Frau.

Heute, 17 Jahre später, tobt das mühevoll Verdrängte wieder durch die Schlagzeilen, als wäre es eine neue, überraschende Entdeckung. "Jungen haben deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen" titelt die Frankfurter Allgemeine, auch Bildzeitung, Tagesspiegel und wie sie alle heißen, berichten. Einmal kurz einen Artikel über die Diskriminierung darf man machen, aber wehe man beschäftigt sich ausdauernd damit und drängt auf ein Ende der Diskriminerung: Dann gilt man in solchen Blättern als gefährlicher Extremist. Schließlich haben de feministischen Wortführerinnen durchgegeben, dass unsere Gesellschaft ein "Patriarchat" sei, das Frauen und Mädchen unterdrücke; an diese Vorgabe fühlen sich die deutschen Medien gebunden.

Ich zitiere mal aus der FAZ, es steht sowieso überall fast dasselbe:

"Insofern lässt sich generell feststellen, dass sich die Ungleichheit der Bildungschancen in Deutschland über die drei Jahre weiter verfestigt hat", sagte der Bildungsökonom Ludger Wößmann vom Ifo-Institut bei der Vorstellung am Dienstag in Berlin. Bei diesem Chancenmonitor legten die Wissenschaftler einen Schwerpunkt auf den sogenannten Gendergap, also Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Der Rückstand von Jungen bei der Schulbildung ziehe sich durch alle sozialen Schichten. Er verstärke sich im Verlauf der Schulzeit und betrage im Alter von 16 bis 18 Jahren sogar 9,6 Prozentpunkte.


Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich diese Schieflage in den nächsten 17 Jahren verbessern wird. Der einzige Silberstreif am Horizont: Immerhin gibt es von Frauenministerin Karin Prien heute Lippenbekenntnisse, sie nähme das Thema ernst. "Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen", sagte Prien. Eine Ankündigung konkreter Schritte, um das Thema anzugehen, eine Zusammenarbeit mit denjenigen gar, die diese Benachteiligung seit Jahrzehnten analysieren: Fehlanzeige. Es kann gut sein, dass es Prien gehe wird, wie der letzten Frauenministerin der CDU, Kristina Schröder, die von feministischer Seite vor allem angehasst wurde, bis wieder eine radikale Grüne den Posten übernahm, um sich in gewohnter Einseitigkeit allein Mädchen und Frauen hingebungsvoll zu widmen.

Der Journalist, Politikwissenschaftler und Volkswirt Dr. Jan-Martin Wiarda beschäftigt sich in seinem Blog ausführlicher damit, wie Jungen in unserem Bildungssystem abgehängt werden:

Wer meint, ein Geschlechterunterschied von 6,6 Prozentpunkten sei unerheblich, irrt gleich mehrfach. Erstens, weil diese paar Prozentpunkte bereits bedeuten, dass Jungs mit einer um 15,1 Prozent verringerten Wahrscheinlichkeit das Gymnasium besuchen. Zweitens, weil, worauf die Schweizer Bildungsforscherin Margit Stamm wiederholt hinwies, dahinter keine Intelligenzunterschiede liegen, sondern Jungen und Mädchen in Kita und Schule unterschiedlich angesprochen und gefördert werden: "Jungen fallen bereits im Kindergarten zurück, holen in der Primarzeit oft nicht auf – trotz vergleichbarer Intelligenz."

(…) Jungen hätten "deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen", resümieren die ifo-Autoren. Und weiter: Die Bildungsprobleme der Jungen würden "zunehmend Konsequenzen für ihre Lebenschancen haben." Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, warnt: "Mangelnde Bildungskompetenzen werden sich bei jungen Männern etwa in schlechteren Erwerbsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt und erhöhten Kriminalitätsrisiken widerspiegeln."


Höhere Kriminalität wird Feministinnen vielfach Gelegenheit geben, dagegen zu wettern, wie minderwertig und bösartig Männer wären.

Dr. Wiarda schlägt die bekannten Lösungswege für dieses Problem vor, die ich schon 2009 präsentiert hatte, hält allerdings fest:

Vieles davon ist nicht neu. Schon 2012 forderte Klaus Hurrelmann, es wäre "viel gewonnen, wenn wir mehr Männer für Erziehungs- und Bildungsberufe gewinnen könnten". Seitdem hat sich der Anteil männlicher Erzieher zwar erhöht, bleibt aber niedrig; an Grundschulen ist der Mangel an männlichen Bezugspersonen weiter besonders auffällig. Auch die Forderung nach geschlechtersensibler Förderung ab der Kita, nach mehr Leseförderung und nach einem Unterricht, der Jungen nicht vorschnell als störend, unkonzentriert oder weniger schutzbedürftig etikettiert, liegt seit Jahren auf dem Tisch. Neu ist also weniger die Diagnose als die Dringlichkeit, endlich Konsequenzen daraus zu ziehen.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), die bei der Vorstellung der Chancenmonitor-Ergebnisse am Dienstagvormittag einen Impulsvortrag halten sollte, hat die Schieflage zuletzt klar benannt. (…) Bei Jungs gebe es eine höhere Selbstmordrate, sie würden häufiger krank, eher kriminell und neigten mehr zur Gewalttätigkeit." Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen", sagte Prien, die neben Bildung für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zuständig ist, jetzt anlässlich der Veröffentlichung des Chancenmonitors.


Wenn ich hier immer wieder auf mein Buch von 2009 hingewiesen habe, ist das sogar noch beschönigend. MANNdat weist seit 2004 auf diese schieflage hin, ich selbst erstmals 2001 in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" Ein Viertlejahrhundert hat die Geschlechterpolitik unseres Landes lediglich dabei zugesehen, wie die Situation immer schlimmer und schlimmer wurde.



2. "Männer bitte mal das Maul aufmachen" fordern zwei Feministinnen mit dem üblichen unwiderstehlichen Charme ihres Lagers auf den Seiten des STERN. Sie seien "leider immer noch auf Männer angewiesen", die ihre Ideologie unterstützen. Auf die Frage warum Frauen und Männer politisch auseinander driften, antwortet Prigge:

"Weil Feminismus immer sichtbarer wird. Für viele Männer fühlt es sich so an, als würde ihnen etwas weggenommen. Dieses Gefühl darf da sein – problematisch wird es, wenn es sich in Bubbles verstärkt und Menschen sich radikalisieren. Viele Männer merken nicht, dass sie selbst vom Feminismus profitieren könnten, weil auch sie unter dem Patriarchat leiden."


Das ist doch schön, dass unser Unmut über Diskriminierung wenigstens "da sein" darf, solange er nicht zu dem nötigen politischen Druck anwächst, der wirklich etwas ändern könnte.

Ich bin drauf und dran, den STERN zu fragen, ob ich in einem Artikel auf diese Auslassungen antworten und den beiden Damen entgegegnen darf: Wie wär's damit, wenn ihr euer Maul aufmacht, was die Benachteiligung von Jungen angeht? Aber das wäre natürlich verschwendete Zeit. Dem STERN geht es darum, Aufmerksamkeit für ein neues feministisches Buch der beiden Frauen herzustellen, und nicht um eine ausgewogene Geschlechterdebatte.

Prigge führt weiter aus:

"Ich meinte auch zu meinem Partner: Du kannst eigentlich gerade nicht richtig reagieren. Ich werde erstmal sauer sein. Und das müssen wir jetzt gemeinsam aushalten."


Das muss ihr Freund natürlich keineswegs. Wenn er eine solche Partnerin hat, hat er durchaus Alternativen.

Prigge plappert unverdrossen weiter:

"Wir Frauen sind darauf trainiert zu fragen: Wie geht es meinem Umfeld? Was denkt die andere Person? Und Männer laufen einfach durchs Leben, ohne sich diese Fragen stellen zu müssen."


Ohne eigene Selbsterhöhung und Abwertung des anderen Geschlechts geht es im Feminismus einfach nicht.



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