Sonntag, August 02, 2020

Grüner Ministerpräsident gegen Tugendterror und Gendersprache – News vom 2. August 2020

1.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will sich den Mund nicht von "Sprachpolizisten" verbieten lassen. Auch wenn viele Behörden, Hochschulen und Organisationen längst verbindliche Leitfäden für geschlechtergerechte Sprache entwickelt haben: Den Trend zu sprachlicher und politischer Korrektheit beobachtet der Regierungschef mit großer Skepsis - und er warnt vor einem "Tugendterror" im Umgang mit der Geschichte.

"Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir in unserer Sprache niemanden verletzen, und Sprache formt unser Denken ein Stück weit", sagte Kretschmann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. "Aber jeder soll noch so reden können, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Von diesem ganzen überspannten Sprachgehabe halte ich nichts."


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2. Die Studie, über die ich vor einigen Tagen ausführlich hier unter Punkt 4 berichtet habe, hat es gestern auf die Titelseite der Süddeutschen Zeitung geschafft. Der Artikel steht auch online:

Über Männer darf im Prinzip alles gesagt werden, nur nichts Gutes. Jedoch schlägt es selbst den hartgesottenen Vertretern dieses Geschlechts irgendwann auf das Gemüt, wenn sie dauerhaft als toxische sowie anderweitig verderbte Kreaturen bezeichnet werden, die für alles Übel der Welt verantwortlich seien. Daher hier ein kleiner Seelenstreichler für gekränkte Kerle: Wissenschaftler haben festgestellt, dass Männer im Durchschnitt besser malen können als Frauen und auch noch seltener lügen. So schlimm sind diese Typen also gar nicht, oder? Aber ach, die Wirkung solcher Nachrichten verpufft sofort.


Hier geht es weiter. Zwar würde die "Süddeutsche" für einen Artikel über Frauenfeindlichkeit nicht denselben süffisant-ironischen Tonfall wählen, aber heutzutage freut man sich ja schon, wenn über solche Forschungserkenntnisse überhaupt berichtet wird.



3. Auf n-tv beschäftigt sich Sarah Bonfke mit der Sehnsucht, Vater zu werden:

Wenn von unerfülltem Kinderwunsch die Rede ist, geht es meist um Frauen, die gern ein Kind hätten. Doch was ist mit Männern, die dieser Wunsch umtreibt - und warum kommt dieses Thema in der Öffentlichkeit bislang kaum vor?


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4. Anlässlich des aktuellen Skandals um die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich das Blog Die Demokratie in den Zeiten des Feminismus genauer angeschaut, wie stark Ideologen auf diese Institution seit einiger Zeit Einfluss nehmen.



5. Hin zu einer maskulistischen Filmkritik: Das Blog Uepsilonniks bespricht den "Club der toten Dichter".



6. Die Tageszeitung "USA Today" stellt den mutmaßlichen Mörder Marc Angeluccis und seine Kontakte zur Männerbewegung ausführlicher vor.



7. Das auf das akademische Spektrum fokussierte Online-Magazin "The College Fix" berichtet über einen aktuellen Fall von Cancel Culture in den USA: Diesmal trifft sie einen Evolutionsbiologen, der aus dem akademischen Betrieb gemobbt wurde, weil er die These vertritt, dass Männer und Frauen keine sozialen Konstrukte, sondern biologische Tatsachen sind. Seitdem wird er als "transphob" und "rassistisch" angefeindet.

Eine Übersicht vieler Opfer der "Cancel Culture" und ihrer Vergehen findet man hier.

Samstag, August 01, 2020

Ein Vater mit Asperger lernt seine Familie verstehen – News vom 1. August 2020

Wie eigentlich immer im Hochsommer herrscht an echten geschlechterpolitischen Nachrichten im Sinne von "es ist etwas Spannendes passiert" momentan Mangelware. (Natürlich ist rein subjektiv, was ich als spannend empfinde, aber es ist eine Grundregel von Genderama, dass ich hier keine Dinge blogge, die mich selber langweilen.)

Ersatzweise zu solchen Nachrichten hier also einfach ein paar aktuelle Fundstücke von Beiträgen, die mir erwähnenswert erscheinen:

Auf der Schweizer Website "Wir Eltern" findet man mehrere solche Beiträge, unter anderem "Ein Vater mit Asperger lernt seine Familie verstehen" und "Die Tücken des Papaseins". Der Artikel über Autismus bietet mal eine andere als die übliche Genderma-Perspektive mit dem Schwerpunkt auf politischer Benachteiligung, während der zweite Artikel zeigt, wie schwierig es auch für Männer ist, Rollenbilder aufzubrechen.

Auf der Plattform Anchor berichtet Melanie in einem 24minütigen Podcast, wie es ist, wenn einen die Mutter von seinem Vater entfremdet und was sie sich von der Gesellschaft für betroffene Kinder in einer solchen Situation wünscht. Gruselig, bedrückend und gerade deshalb hörenswert.

Und schließlich beschäftigt sich eine aktuelle Studie damit, welche Rolle eine spezielle Form von Narzissmus bei Frauengewalt spielt:

Neue Forschungen haben wichtige Unterschiede in der Art und Weise aufgedeckt, wie sich Narzissmus bei Frauen und Männern darstellt und wie diese Unterschiede mit intimer Partnergewalt zusammenhängen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine weniger anerkannte Manifestation von Narzissmus - bekannt als verletzlicher Narzissmus - mit dem Verüben von physischem, sexuellem und psychischem Missbrauch durch Frauen in Verbindung gebracht wird.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Personality and Individual Differences" veröffentlicht.

"Wir waren an diesem Thema interessiert, weil der Narzissmus bei Frauen aufgrund einer übermäßigen Konzentration auf grandiose Merkmale des Narzissmus, die in der Literatur für Männer kennzeichnend sind, kaum verstanden wird", sagte Ava Valashjardi, Dozentin für forensische Psychologie an der City University of London und Hauptautorin der neuen Studie.

"Grandiose Merkmale des Narzissmus ähneln stereotyp männlichem Auftreten, darunter ein überhöhtes Selbstwertgefühl, körperliche Ausdrucksformen von Aggression, eine Anspruchshaltung, exzessives Machtbedürfnis und ein autoritärer Charakterstil".

"Obwohl Frauen seltener stereotyp männliche Merkmale des Narzissmus aufweisen, tendieren sie jedoch dazu, sich auf verletzliche Merkmale des Narzissmus auszurichten. Anfällige Merkmale ähneln eher weiblichem Auftreten, einschließlich offensichtlicher Schüchternheit, Neurotizismus, Scham, Überempfindlichkeit und geringem Selbstwertgefühl", erklärte Valashjardi.

"Negative Ausprägungen des Narzissmus, wie Ausbeutung, Anspruchshaltung und mangelndes Einfühlungsvermögen, spielen bei der Gewalttätigkeit von Partnern eine herausragende Rolle", erklärte Valashjardi. "Der Großteil der Forschung hat jedoch überwiegend grandiosen Narzissmus mit der männlichen Täterschaft bei partnerschaftlichem Gewaltverhalten in Verbindung gebracht. Ziel unserer Studie war es daher, das theoretische Wissen über narzisstische Frauen als Täterinnen intimer Partnergewalt zu erweitern".

(…) Sie stellten fest, dass Frauen auf der Skala des verletzlichen Narzissmus signifikant höhere Werte aufwiesen als männliche Teilnehmer.

Valashjardi und ihre Kollegen fanden auch heraus, dass grandioser Narzissmus voraussagt, dass Männer emotionalen Missbrauch begehen, während verletzlicher Narzissmus voraussagt, dass Männer körperlichen/sexuellen Missbrauch begehen. Unter den weiblichen Teilnehmern sagte jedoch nur der verletzliche Narzissmus die Täterschaft sowohl physischen/sexuellen als auch emotionalen Missbrauchs durch eine Partnerin voraus.

Mit anderen Worten: Frauen, die Aussagen wie "Wenn andere mich nicht wahrnehmen, fange ich an, mich wertlos zu fühlen" zustimmten, berichteten eher über Verhaltensweisen wie das Stoßen oder Schlagen ihres Partners, die Zerstörung von etwas, das ihrem Partner gehört, oder die verbale Verunglimpfung ihres Partners.

"Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede haben Auswirkungen darauf, wie Narzissmus in der Forschungsliteratur traditionell konzeptualisiert und bewertet wird", berichtet Valashjardi. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Narzissmus bei Frauen auf verstecktere und subtilere Weise ausdrückt (z.B. Abwertung, Verstecken hinter dem Selbst), die bei der Ausbeutung von Intimpartnern nicht als stereotyp 'narzisstisch' erkannt werden kann".


Freitag, Juli 31, 2020

Menschenrechtler beklagen sexuelle Gewalt gegen Männer in Syrien – News vom 31. Juli 2020

1. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet:

Staatliche sowie nicht-staatliche Akteure in Syrien haben gegen Männer, Jungen, Transgender Frauen und nicht-binäre Menschen sexuelle Gewalt angewendet. Die Betroffenen erlitten schwere physische und mentale Verletzungen, die durch mangelnde Hilfsangebot im Libanon noch verschärft werden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht.

Der 77-seitige Bericht "They Treated Us in Monstrous Ways": Sexual Violence Against Men, Boys, and Transgender Women in the Syrian Conflict dokumentiert, wie Männer und Jungen seit Beginn des Konflikts in Syrien sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Schwule und bisexuelle Männer, Transgender Frauen sowie nicht-binäre Menschen wurde immer stärker attackiert wegen ihrer tatsächlichen oder wahrgenommen sexuellen Orientierung oder Gender-Identität, so berichteten Gesprächspartner. Transgender Frauen werden in Syrien oft als schwule Männer gesehen und aus diesem Grund angegriffen.


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2. Der Deutschlandfunk berichtet (so wie viele andere Medien), dass Polen und andere osteuropäische Staaten die sogenannte "Istanbul-Konvention", die Frauen vor Gewalt schützen soll, nicht unterzeichnen wollen. Da der Appell des Deutschlandfunk-Intendanten, einseitige Berichterstattung zu vermeiden, schon ein paar Tage her ist, gilt er offenbar schon als veraltet, und Lesern wie Hörern wird schnell klar gemacht, wie hier Gut und Böse verteilt sind. Ein näher vorgestellter Kritiker der Resolution, "packt den ganz dicken, rhetorischen Hammer aus", "ereifert" sich und "wütet" herum. Klar, dass jemand bei klarem Verstand das nicht tun kann, denn die Resolution scheint auf sachlicher Ebene kaum zu beanstanden:

Die Istanbul-Konvention wurde 2011 von 13 Mitgliedstaaten des Europarats angenommen. Nach und nach unterzeichneten alle Mitgliedstaaten das Papier, außer Russland und Aserbaidschan. Die Konvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, durch Gesetze und politische Programme sicherzustellen, dass Frauen vor Gewalt geschützt werden und ganz allgemein häusliche Gewalt unterbunden wird. 34 der 46 Unterzeichnerstaaten haben die Konvention mittlerweile auch ratifiziert.

Nicht ratifiziert hingegen haben etliche osteuropäische Staaten. Und das vor allem wegen des Widerstands der katholischen Kirche, die gegen die Istanbul Konvention mobilmacht. Weil die angeblich eine verborgene Gender-Agenda verfolge, durch die das natürliche Verhältnis von Mann und Frau zerstört werden solle.


Offenbar haben die Osteuropäer und die Katholen mal wieder einen Sprung in der Schüssel, muss man nach der Lektüre dieses Beitrags denken. Phantasieren die doch glatt in eine Konvention, die lediglich Frauen davor schützen soll, grün und blau geschlagen zu werden, eine "Gender-Agenda" hinein! Lächerliche Verschwörungsphantasien. Und mit solchen Wirrköpfen muss man sich denselben Kontinent teilen!

Oder gibt es Teile der Istanbul-Konvention, über die unsere "Qualitätsjournalisten" die deutschen Hörer und Leser schlichtweg nicht unterrichten? Schauen wir mal, was wir aus der britischen Presse erfahren können, was Kritik an der Istanbul-Konvention angeht:

Ihre wichtigste Voraussetzung ist, dass ein Staat, wenn er sie ratifiziert, sich bereit erklärt, Gesetze zu erlassen, die Gewalt gegen Frauen, von Vergewaltigung bis hin zu Zwangsheirat, Zwangsabtreibung, weiblicher Genitalverstümmelung, Einschüchterung und sexueller Belästigung, verhindern und kriminalisieren. Aber all dies tun wir bereits, und zwar ohne die Hilfe eines internationalen Vertrags, der uns dazu zwingt.

(...) Wenn das einzige Argument gegen den Beitritt zur Istanbul-Konvention war, dass es sich dabei nur um eine weitere sinnlose, aber harmlose Geste handelt, die darauf abzielt, Druckgruppen zu besänftigen und den Professoren des Völkerrechts Arbeit zu verschaffen, könnte es ein Argument dafür geben, dass eine Regierung sich damit ein ruhiges Leben verschafft. Leider ist dem nicht so. In mehrfacher Hinsicht ist die Istanbul-Konvention schädlich, da das Kleingedruckte eine Reihe von Nebenverpflichtungen enthält, die jeder demokratischen Regierung eine Denkpause verschaffen sollten.

(...) Drei Beispiele sollten genügen. Zunächst einmal fordert eine Bestimmung, Artikel 12, die Regierungen auf, sich auf etwas einzulassen, das nur als offizielle Kulturmanipulation bezeichnet werden kann. Die Parteien, so heißt es, "treffen die erforderlichen Maßnahmen, um Veränderungen in den sozialen und kulturellen Verhaltensmustern von Frauen und Männern mit dem Ziel zu fördern, Vorurteile, Sitten, Gebräuche, Traditionen und alle anderen Praktiken zu beseitigen, die auf der Vorstellung von der Unterlegenheit der Frau oder auf stereotypen Rollenbildern für Frauen und Männer beruhen". Lesen Sie das noch einmal langsam durch. Die Istanbul-Konvention fordert, mit mehr als einem Hauch von Totalitarismus, eine vertragliche Verpflichtung der Regierung, nicht die Menschen von einer bestimmten Position zu überzeugen oder eine Auseinandersetzung darüber zu fördern, sondern administrative Schritte zu unternehmen, um ihre bestehenden Sitten, Gebräuche, Traditionen und Praktiken auszumerzen, soweit sie nicht einer offiziellen Linie entsprechen.

(...) Zweitens verlangt die Istanbul-Konvention von der Regierung, dass sie in großem Umfang in das Bildungswesen eingreift und sich darüber hinaus auf die Medien stützt. Man fragt sich, ob sich die ernsthaften und wohlmeinenden Befürworter der Ratifizierung jemals genau mit Artikel 14 befasst haben. Danach müssen die Regierungen auf allen Bildungsebenen vom Kindergarten bis zur Universität "die notwendigen Schritte unternehmen, um Lehrmaterial zu Themen wie Gleichstellung von Frauen und Männern, nicht stereotype Geschlechterrollen, gegenseitiger Respekt, gewaltfreie Konfliktlösung in zwischenmenschlichen Beziehungen, geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen ... aufzunehmen". Diese Bestimmung über die obligatorische Vermittlung einer durch und durch ideologischen Position sollte jeden beunruhigen, der sich mit dem Recht der Eltern beschäftigt, die Kinder nach ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen, ganz zu schweigen von der Fähigkeit der Gemeinschaften, Schulen einzurichten, um die Kinder in einem vernünftigen Rahmen nach ihren Normen zu erziehen. Ebenso alarmierend ist der zweite Teil desselben Artikels. All dies muss von der Regierung gefördert werden, nicht nur in der Bildung, sondern unter anderem auch in den Medien: Anders ausgedrückt, wird den Regierungen gesagt, dass sie Druck auf Nachrichten und Fernsehsender ausüben sollen, damit diese einer bestimmten ideologischen Linie folgen. Die Auswirkungen auf die Pressefreiheit sind für jeden klar ersichtlich.

(...) Drittens, und das ist noch beunruhigender, ist das, was die Istanbul-Konvention zum Gender-Thema sagt. Sie bezieht sich nicht nur häufig auf Dinge wie geschlechtsspezifische Gewalt und verlangt, dass Kindern beigebracht wird, dass Geschlechterrollen schlecht sind, sondern in Artikel 3 ist eine Aussage versteckt, die besagt, dass unter Gender "die gesellschaftlich konstruierten Rollen, Verhaltensweisen, Aktivitäten und Eigenschaften zu verstehen sind, die eine bestimmte Gesellschaft für Frauen und Männer als angemessen erachtet". Es ist schwer, dies als etwas anderes zu sehen als die Forderung, dass der Staat in der Gender-Debatte offiziell Partei ergreift. Im Rahmen der Konvention muss der Staat scheinbar als offizielle Ideologie die umstrittene und fast schon kultische Vorstellung, dass Geschlecht einfach ein soziales Konstrukt ist, als offizielle Ideologie durchsetzen und der Jugend als Tatsache vermitteln. Dies mag für diejenigen akzeptabel sein, die ihr Leben an Universitäten oder auf Konferenzen gleichgesinnter Fachleute verbracht haben: Es ist für niemanden akzeptabel, der der Meinung ist, dass solche Fragen frei und ohne offizielle Intervention diskutiert werden sollten.

(…) Es gibt einen noch wichtigeren Punkt. Die Istanbul-Konvention schafft ein Kader von 15 Personen namens GREVIO, oder "Expertengruppe für Aktionen gegen Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt", die in der Praxis aus ausgewählten Fachleuten besteht, denen man vertrauen kann, dass sie mit ihren Zielen übereinstimmen und die internationalistische Denkweise teilen. An dieses Gremium muss jeder Staat, ähnlich wie ein Arbeiter in seiner Bewährungszeit, regelmäßig über seine Fortschritte berichten, und enthält seinerseits Berichte darüber, was er nach der Meinung von GREVIO besser machen könnte.


Jetzt kann man diese Kritik für sich persönlich unterschiedlich beurteilen. Der eine mag hier schon eine "Gender-Diktatur" am Werk sehen, der andere die verschiedenen aufgeführten Punkte ganz vernünftig finden. Der eine mag den Kritikern der Konvention glauben, dass es ihnen vor allem um Demokratie und Pressefreiheit geht, der andere mag das für vorgeschobene Argumente halten. Nur möchte ich – und ich weiß, das ist von unseren Leitmedien in ihrem gegenwärtigen Zustand VIEL ZU VIEL VERLANGT – gerne konkret darüber informiert werden, dass es in der umstrittenen Vereinbarung eben nicht allein darum geht, Frauen vor Gewalt zu schützen, sondern dass sie viel weiter gehende Punkte enthält. Ich möchte gerne Konkretes über die beiden Positionen einer Debatte erfahren, statt dass die Position der einen Seite bei der Berichterstattung fast komplett ausgeklammert wird und jede Kritik so von vorneherein als Phantasterei irgendwelcher Hinterwäldler erscheint. Wie soll ich mir zu einem Thema eine informierte Meinung bilden, wenn ich von unseren Leitmedien nur einen Bruchteil der wesentlichen Fakten erhalte?

Und wenn mir solche Informationen vorenthalten werden, frage ich mich mit ganz besonderem Interesse: Warum?

In der Süddeutschen Zeitung ist es nicht anders. Über die tatsächlich umstrittenen Punkte der Vereinbarung erfahre ich nichts. Der Platz fehlt, weil die "Süddeutsche" ausführlich über das Martyrium einer Frau berichten muss, die von ihrem Ex-Partner in einem Eifersuchtsanfall bewusstlos geschlagen, erwürgt und zu verbrennen versucht wurde.

Währenddessen twittert die Grüne Ricarda Lang:

Die Unterzeichnung der #IstanbulKonvention ist noch keine Garantie für den umfassenden Schutz von Frauen vor Gewalt. Aber wenn Polen und die Türkei sie aufkündigen, senden sie ein klares Signal an Täter: wir tolerieren eure Taten, wir schützen euch.


Mit anderen Worten: Man muss schon ein Monster sein, um diese Konvention nicht zu unterzeichnen.

(Dass eine internationale Vereinbarung, die allein Frauen vor Gewalt schützt, für Männerrechtler nicht akzeptabel sein kann, ist ohnehin klar und war auf Genderama auch bereits Thema, wenn es um die Istanbul-Konvention ging.)



3. Dieser Tage ist das Buch "Abgründe: Spektakuläre Fälle aus dem Leben eines Psychotherapeuten" des Kinder- und Jugendtherapeuten Hans Hopf erschienen. Jeannette Hagen, eine der Autorinnen des von mir herausgegebenen wissenschaftlichen Sammelbands "Gleichberechtigung beginnt zu zweit", schreibt dazu:

Leseempfehlung für jede/n, die/der verstehen will, was Vaterentbehrung und damit oft einhergehende toxische Mutterverbindungen mit Kinderseelen anrichten. (…) Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es lässt wirklich in Abgründe blicken – allerdings in Abgründe, die wir selbst schaffen.




4. In einer Kleinen Anfrage erkundigte sich die FDP vergangene Woche nach dem Verfahrensstand der durch Bundesjustiz- und -frauenministerium seit Jahren verschleppten, von Experten angeratenen Reform des Sorge- und Umgangsrecht.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem "Zeit"-Online-Artikel "Unberührt und voller Hass", vor den die Redaktion inzwischen eine Bezahlschranke gesenkt hat:

Die Autorin ist sehr verallgemeinernd vorgegangen. Sie hat ohne weitere Reflektion den Begriff des Incels direkt mit dem des potentiellen Amokläufers, mindestens jedoch mit dem Typus des stets gegenüber Frauen als gewalttätig auftretenden Mannes gleichgesetzt. Zu keiner Zeit wurde versucht, diesen - zumindest in Worten - extrem gewaltbereiten Teil der Bewegung als Splittergruppe zu quantifizieren. Ohne belastbare Zahlen zu kennen, würde es mich persönlich sehr wundern, wenn der radikale Arm mehr als 1% jener ausmacht, die tatsächlich im "involuntary celibate" leben. Der Grund ist klar: Ein solcher, nach gewalttätigen Zitaten geradezu lechzender Artikel, wäre schwer möglich gewesen, wenn man vorab dargestellt hätte, dass der überwiegende Mehrteil der Incels nur still vor sich hin leidet und sich nicht in Gewaltfantasien ergeht.

Kommt bei der Autorin einmal Mitgefühl auf, wird nachfolgend klargestellt, dass die Incels nur sich selbst, durch ihre eigenen Probleme, im Wege stehen. Ein Nachweis hierfür wird nicht erbracht - überflüssig! Es fällt daher als uninformierter Leser leicht, diese Gruppe als Ganzes zu verdammen. Erwähnte Verweise in rechte Netzwerke tun ihr übrigens, um die Incels vollständig zu diskreditieren. Dabei verbringt niemand mit einem erfüllten Leben und ohne schwere psychische Probleme sein Leben des Nachts in Foren, um Hassnachrichten zu schreiben und andere Mitmenschen zum Selbstmord oder Amoklauf aufzufordern.

Ich möchte klarstellen, dass die im Artikel geschilderte radikale Untergruppe der Incels, wie sich sich in dem erwähnten Forum und anderen organisiert und äußert, vollständig abzulehnen ist. Gewalt darf niemals ein Mittel zum Erreichen egal welcher Ziele sein. Zudem sind die Äußerungen extrem frauen- und menschenverachtend. Es war korrekt diese Beiträge den Behörden zu melden, um auf Vorliegen eines Straftatbestandes zu prüfen.

Hiermit ist allerdings nicht zeitgleich das Recht gegeben, die Incel-Bewegung in einen Topf zu werfen. Beim Film "The Red Pill" war einer der schärfsten Kritikpunkte, dass nicht auch radikale, gewaltbereite "Männerrechtler" interviewt wurden. Diese Untergruppe dürfte allerdings weit in der Unterzahl sein und eine sachliche Einordnung in die Gesamtzahl der friedlich-konstruktiven Männerrechtler hätte dem Film sicherlich gut getan.

Wir können im Artikel der Zeit jedoch exakt eine diametrale "journalistische" Herangehensweisen zur Erreichung eines bestimmten Effektes beobachten. Und diese Absicht war es einfach, Jugendliche und Männer, traumatisiert, leidend, in Einsamkeit lebend, als Ziele zu markieren, ein "Selbst schuld!" hinterherzurufen und sich an Klickzahlen und zustimmenden Forenbeiträge zu ergötzen. Und das alles nur, um sich durch die Abwertung Anderer selbst aufzuwerten. In mir selbst löst diese allzu durchschaubare Handlungsweise nur Ekel aus.


Leider scheint "Zeit"-Online mit diesem Produzieren von Feindbildern kommerziell enorm erfolgreich zu sein. Vor einigen Tagen meldete das Branchenmagazin "kress", dass Zeit Online-Chef Jochen Wegner es mit seiner Redaktion geschafft habe, mehr als 100.000 voll bezahlte Digitalabos zu verkaufen. Schlüssel dazu sei die "Interaktion mit den Lesern", was sehr euphemistisch formuliert für die Löschungsorgien unliebsamer Kommentare klingt, für die "Zeit"-Online vor allem bekannt geworden ist. Solange es sich wirtschaftlich rechnet, dürfte Zeit"-Online also mit diesem Schüren von Hass weitermachen: Das machen Magazine im radikal rechten Lager ja auch nicht anders, um auf hohe Verkaufszahlen zu kommen.

Mittwoch, Juli 29, 2020

Ist das die nächste Cassie Jaye? – News vom 29. Juli 2020

1. Das Blog Alles Evolution berichtete vorgestern über die junge Filmemacherin Ava Brighton, die bislang vor allem durch ihren Youtube-Kanal bekannt wurde und jetzt Spenden für eine feminismuskritische Dokumentation sammelt. Damit tritt sie in gewisser Weise in die Fußstapfen von Cassie Jaye, die mit "The Red Pill" eine Dokumentation über die Männerrechtsbewegung und ihre Anliegen erstellte.

Ava Brighton berichtet so über ihr Vorhaben:

Das Projekt begann als ein Film, um das Bewusstsein für entfremdete Väter und ihre Kinder zu schärfen. Ich sah, wie Männer völlig zerstört wurden, ihrer Rechte und ihrer Kinder, ihres Besitzes, ihrer geistigen Gesundheit und in zu vielen Fällen auch ihres Lebens beraubt wurden. Ich fragte mich, warum dies Hunderttausenden von Männern auf der ganzen Welt geschieht. Deshalb wollte ich ihnen eine Stimme geben, vor allem, als ich bemerkte, dass Männer sich nicht trauen zu sprechen, dass ihnen nicht geglaubt wird und dass das System standardmäßig gegen sie ist: Das Austilgen von Männern, ein unsichtbares schwarzes Loch, von dessen Existenz die meisten Menschen nicht einmal wissen - bis man sich ihm nähert.

Dies wurde der Beginn einer langen und dunklen Reise in die verborgenen Gefilde hinter dem Feminismus - wenn dies überhaupt der richtige Begriff ist, denn das, was meine weiblichen Informanten beschrieben, klang tausendmal brutaler als der Kampf um Gleichberechtigung. (…) Mit mehr als 30 Stunden des wichtigsten Filmmaterials wird "A VOID" zu einem Film, in dem Frauen die Wahrheit hinter dem Geschlechterkampf aufdecken. Und wir werden Sie brauchen, um uns dabei zu helfen, diese Beweise in der ganzen Welt zu verbreiten.


Dabei soll die "Entlarvung" des Feminismus als aus Brightons Sicht destruktiver Ideologie vor allem durch Frauen geschehen: Aussteigerinnen, Mütter und Akademikerinnen. Aber auch "schikanierte Männer" und entfremdete Väter sollen "ihre tragischen Geschichten erzählen" können.

Wie auch in dem begleitenden Video deutlich wird, ist Ava Brightons Kritik um einiges schärfer als die der eher braven Cassie Jaye, die einfach nur einen männerfreundlichen Film drehte und verschiedene Seiten der Geschlechterdebatte, einschließlich überzeugter Feministinnen und Feministen wie Michael Kimmel, darin zu Wort kommen ließ – um trotzdem von Aktivisten und Journalisten zerfetzt zu werden, als ob sie eine entsetzliche Missetat begangen hätte.

Auf der männerpolitischen Website "A Voice for Men" ruft Mike Buchanan, Gründer und Vorsitzender der britischen Partei "Justice for Men and Boys", dazu auf, Ava Brightons Projekt zu unterstützen. Buchanan sieht in dem von Brighton geplanten Film noch größeres Potential, die Gesellschaft aufzurütteln, als in Cassie Jayes "The Red Pill".



2. Brauchen alle Männer Therapie? fragt das Politik-Magazin "The American Conservative":

Wenn Sie einen Account bei Twitter haben, haben Sie wahrscheinlich bemerkt, dass viele Frauen eine ungesunde Besessenheit von der Vorstellung haben, dass alle oder die meisten Männer in die Therapie gehören.

(...) Nun sagen Menschen in den sozialen Medien alles mögliche. Aber um die Popularität dieses Mems zu illustrieren, bedenken Sie, dass das Magazin "Vox" einen Artikel veröffentlicht hat, der so begann:

"Im Jahr 2020 gelobe ich, nur Männer zu daten, die sich verpflichten, ihrer emotionalen und psychischen Gesundheit Vorrang einzuräumen. Wenn er nicht zur Therapie geht, bin ich nicht an ihm interessiert."

Diese Frau hat das absolute Recht, ihre eigenen Entscheidungen darüber zu treffen, mit wem sie sich verabredet (ebenso wie die Männer, die sich mit ihr treffen). Aber ist eine Therapie die einzige Möglichkeit, der eigenen emotionalen und psychischen Gesundheit Priorität einzuräumen? Sie kann für viele depressive, traumatisierte oder anderweitig gestörte Menschen ein nützliches - ja, ein unschätzbares - Mittel sein. Aber für jeden?

Laut einem Artikel von Quartz aus dem Jahr 2018: ja, jeder. Sofia Barrett-Ibarria schreibt dort unter der Überschrift "Jeder Mann sollte einen Therapeuten aufsuchen":

"Sogar für Männer, die sich nicht in einer Krise befinden oder ein emotionales Trauma erleben, aber die Mittel dazu haben, kann der Besuch eines Therapeuten unglaublich nützlich sein - für sie selbst, für ihre Partnerinnen, und ich würde sagen, für die Gesellschaft als Ganzes."

(...) In einer Welt, in der es für Männer schwieriger ist, romantische Partner zu treffen, Beziehungen aufrechtzuerhalten, Freundschaften zu schließen, Jobs zu behalten und Sucht zu vermeiden, ist es kaum verwunderlich, wenn ihre psychische Gesundheit leidet und wenn man glaubt, dass dies eher durch ihre inneren Merkmale als durch technologischen Wandel, grassierende Vaterlosigkeit, verlorene bürgerliche Einrichtungen, wirtschaftlichen Niedergang und einen Boom billiger, harter Drogen erklärt werden kann.

(...) Ich sage nicht, dass es schlecht für Männer ist, in Therapie zu gehen, oder dass es keine Männer gibt, die davon profitieren würden. Was ich sage, ist, dass der Drang, Männer generell in die Therapie zu treiben, kein Verständnis oder den Wunsch zeigt, Männer zu verstehen, sondern hochmütige Gleichgültigkeit gegenüber den Kämpfen, mit denen viele von ihnen konfrontiert sind, und gegenüber der Natur ihrer Persönlichkeit.

Wenn Sie hier das Echo von Andrej Snezhnevsky hören, dem Psychiater, der Breschnevs pseudowissenschaftliche Rechtfertigung für die Inhaftierung von Dissidenten unter dem Deckmantel psychischer Gesundheit lieferte, kann ich Sie kaum als Verrückten bezeichnen. Zu seiner Scheindiagnose der "schleppenden Schizophrenie" könnten wir gezwungen sein, "toxische Männlichkeit" hinzuzufügen.

Dienstag, Juli 28, 2020

Universitäts-Dozentin: "Gender-Deutsch ist verfassungsfeindlich" – News vom 28. Juli 2020

1. Im Debatten-Magazin "European" vertritt die Universitätsdozentin Claudia Simone Dorchain die These, dass Gender-Sprachregelungen der Verfassung zuwiderlaufen:

Ich selbst gehöre zu den Dissidenten und weigere mich konsequent, zu "gendern", und sehe völlig davon ab, meine Studenten zum Gebrauch der neuen Normen zu nötigen. Sollten mir deswegen meine Lehraufträge gekündigt werden, würde ich hocherhobenen Hauptes aus der Akademie gehen und sagen "Das ist kein demokratischer Ort." Denn Gender-Deutsch ist nicht nur umständlich, sondern auch verfassungswidrig, da es weder demokratisch zustande kam, noch dem Geist des Grundgesetzes entspricht. Warum das so ist, erkläre ich hier.


Hier findet man den vollständigen Artikel.



2. Wie die männerpolitische Website "A Voice for Men" berichtet, fordert die Regierung Haitis von den Vereinten Nationen, auch die Anliegen von Jungen und Männern zu thematisieren. Bisher gibt es zu der Abteilung "UN Women" kein Gegenstück, weshalb vor den Vereinten Nationen auch Feministinnen wie Emma Watson sprechen durften aber keine Männerrechtler. Dieses Ungleichgewicht wird in feministischen Kreisen gemeinhin als "Patriarchat" bezeichnet.



3. Endlich kommen die wahren Probleme zur Sprache, die durch die Corona-Pandemie verursacht werden: Britische Frauen beklagen einen immer häufigeren aggressiven Augenkontakt durch Männer, seitdem Mund- und Nasenbedeckungen getragen werden müssen.

Viele Frauen haben online Geschichten über "aggressiven Augenkontakt" und "hartes Anstarren" durch maskierte Männer ausgetauscht und twittern Dinge wie: "Erwachsene Männer, die einen mit Maske anstarren, sind schlimmer, als wenn sie keine Maske tragen".

Die Exekutivdirektorin von UN Women UK, Claire Barnett, sagte gegenüber FEMAIL: "Da wir daran arbeiten, unsere Gesellschaft nach dem Lockdown wieder besser aufzubauen, müssen wir verhindern, dass es aufgrund weniger bevölkerter öffentlicher Räume und der Anonymität, die Gesichtsbedeckungen bieten können, zu einem Mangel an Zeugen unsozialen Verhaltens kommt, was zu einem weiteren Anstieg von Belästigungen und Drohaktionen gegenüber Frauen, Mädchen und Minderheitengruppen führt."

(...) Frauen beschweren sich über eine Zunahme des Einschüchterungsverhaltens von maskierten Männern, wobei viele von ihnen soziale Medien nutzen, um ihre Geschichten zu erzählen.

Eine Person kommentierte: "Hat noch jemand das Gefühl, dass Männer viel aggressiver Augenkontakt in der Öffentlichkeit fordern, seit wir alle Masken tragen? So viel hartes Anstarren findet statt. Und ich kann die Aufmerksamkeit nicht zerstreuen, indem ich lächle, wie man es Frauen beigebracht hat. Das ist seltsam."

Eine andere schrieb: "Im Ernst, wir alle tragen Masken, und einige Männer starren uns immer noch an. WTF läuft hier falsch?"

'Merken Männer, dass Masken ihre Augen nicht verdecken, so dass wir sie immer noch ****** sehen können, wie sie starren, wie die gruseligen Stücke S***, die sie sind??????' fügte eine andere hinzu.

"Bei einem Ausflug in die Innenstadt stellte sich heraus, dass Männer die Anatomie von Masken nicht verstehen", schrieb eine andere. "Die Masken bedecken eure Augen nicht. Ich kann immer noch sehen, wie ihr starrt, Idioten."

Claire Barnett sagte der FEMAIL, dass die Krise weiterhin "schädliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sozialen Erfahrungen und die Gesundheit von Frauen" habe, so dass es "wichtiger denn je sei, dass sich Frauen frei und ohne Einschüchterung im öffentlichen Raum bewegen können".


In Großbritannien wurden vor einigen Jahren die Gesetze gegen "sexuelle Belästigung" verschärft. Bloßer Augenkontakt zählt bislang noch nicht dazu.



4. Ein aktueller Artikel des Magazins "Quilette" beschäftigt sich mit dem "Mythos allgegenwärtiger Frauenfeindlichkeit". Der Beitrag zweier Sozialwissenschaftler erklärt sehr gut, warum der Feminismus erfolgreicher als der Maskulismus ist und warum Männerrechtler allein dadurch, dass sie auf wissenschaftliche Fakten hinweisen, als "frauenfeindlich" etikettiert werden. Ein Auszug aus dem Artikel (Quellenangaben zu Studien im Original):

Viele Feministinnen und Progressive argumentieren, dass der Westen von allgegenwärtiger Frauenfeindlichkeit geplagt ist. Tatsächlich wird diese Behauptung so häufig aufgestellt und so selten in Frage gestellt, dass sie Teil des Opferkatechismus der Linken geworden ist, der auswendig gelernt und gedankenlos abgespult wird. Die einzige wirkliche Frage ist, wie mächtig und verderblich die Frauenfeindlichkeit sei. Daten aus der realen Welt legen jedoch eine andere Erzählung nahe, die durch die Tatsache kompliziert wird, dass Männer in vielen Bereichen schlechtere Ergebnisse haben. Zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie inhaftiert sind, von der Polizei erschossen werden, Opfer von Gewaltverbrechen werden, obdachlos sind, Selbstmord begehen und am Arbeitsplatz oder im Kampf sterben, viel höher als bei Frauen. Darüber hinaus haben sie eine kürzere Lebenserwartung und die Wahrscheinlichkeit, eine Hochschulausbildung zu erhalten, ist geringer als bei Frauen. Obwohl diese (und ähnliche) Daten mit der allgegenwärtigen Theorie der Frauenfeindlichkeit in Einklang gebracht werden können, sollten sie den Aufgeschlossenen zumindest eine Denkpause bescheren. Die besten Daten aus der zeitgenössischen Sozialwissenschaft erzählen eine ganz andere Geschichte und legen nahe, dass gerade die Beharrlichkeit der allgegenwärtigen Frauenfeindlichkeits-Erzählung selbst eine Manifestation des Gegenteils ist: Die Gesellschaft ist weitgehend zugunsten von Frauen voreingenommen.

Die Welt ist natürlich ein chaotischer Ort, und Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen können viele Ursachen haben. Aus diesem Grund ist eine sorgfältig kontrollierte Sozialwissenschaft nützlich, um das Ausmaß, die Richtung und die Art der geschlechtsspezifischen Vorurteile zu untersuchen. Obwohl die Details kompliziert werden können, ist die Grundidee hinter den meisten Verzerrungsstudien ziemlich einfach. Die Forscher präsentieren den Teilnehmern identische Informationen, die einen gewissen Einfluss auf die Fähigkeiten von Männern oder Frauen haben, während sie gleichzeitig manipulieren, um welches Geschlecht es sich bei den Informationen handelt. Sie könnten zum Beispiel zwei Gruppen von Personen bitten, identische Aufsätze zu bewerten, wobei sie der einen Gruppe sagen, dass sie von einem Mann und der anderen Gruppe sagen, dass sie von einer Frau geschrieben wurden. Wenn Teilnehmer, die glaubten, der Aufsatz sei von einem Mann geschrieben worden, ihn als überzeugender, intelligenter, aufschlussreicher usw. bewerteten als Teilnehmer, die glaubten, er sei von einer Frau geschrieben worden, würden Psychologen dies als eine Voreingenommenheit zugunsten von Männern ansehen.

(…) Im Gegensatz zu den Erwartungen, die sich aus der Theorie von einer weit verbreiteten Frauenfeindlichkeit ergeben, deuten die jüngsten Erkenntnisse der Psychologie darauf hin, dass solche Vorurteile häufig Frauen begünstigen. So wurde beispielsweise in einer soeben im British Journal of Psychology unter der Leitung von Steve Stewart-Williams veröffentlichten Arbeit festgestellt, dass Menschen auf Forschungen über Geschlechtsunterschiede in einer Weise reagieren, die Frauen begünstigt. In zwei Studien wurden die Teilnehmer gebeten, einen populärwissenschaftlichen Artikel zu lesen, der experimentell manipuliert wurde, um den Eindruck zu erwecken, dass entweder Männer oder Frauen eine wünschenswertere Qualität haben (z.B. sind Männer/Frauen besser im Zeichnen oder Männer/Frauen lügen seltener). Die Teilnehmer bewerteten die frauenfreundliche Forschung günstiger als die männerfreundliche Forschung. Insbesondere fanden die Teilnehmerinnen die frauenfreundlichere Forschung wichtiger, plausibler und besser durchgeführt und die männerfreundlichere Forschung beleidigender, schädlicher, verstörender und von Natur aus sexistischer. Diese pro-weibliche Voreingenommenheit wurde sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Teilnehmern beobachtet, und in Studie zwei replizierten die Forscher die Ergebnisse in einer südostasiatischen Stichprobe.

In einigen unserer eigenen Arbeiten fanden wir ein ähnliches Muster für die gesellschaftlich erwünschte Eigenschaft der Intelligenz. In zwei Studien lasen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von einer (fiktiven) wissenschaftlichen Studie, in der ein Gen identifiziert wurde, das mit höherer Intelligenz assoziiert ist und angeblich erklären soll, warum entweder (1) Männer bei Intelligenztests besser abschneiden als Frauen, (2) Frauen bei Intelligenztests besser abschneiden als Männer oder (3) Männer und Frauen bei Intelligenztests etwa gleich gut abschneiden. Die Teilnehmer bewerteten die wissenschaftliche Studie als ähnlich glaubwürdig, als sie die Schlussfolgerung zog, dass Männer und Frauen bei Intelligenztests gleich gut abschneiden, und als es hiess, dass Frauen bei Intelligenztests besser abschneiden als Männer, aber die Teilnehmer fanden die Studie weniger glaubwürdig, als sie nahelegte, dass Männer bei Intelligenztests besser abschneiden als Frauen.

In einer verwandten Studie lasen die Teilnehmer von einer College-Aufnahmeprüfung, die bemerkenswert genau die akademischen Leistungen im College vorhersagen kann. Es wurde ihnen gesagt, dass entweder Männer dazu neigen, Frauen zu übertreffen, oder dass Frauen dazu neigen, Männer bei der Prüfung zu übertreffen. Die Teilnehmer befürworteten die Verwendung des Examens eher, wenn Frauen angeblich Männer übertreffen, als wenn Männer Frauen übertreffen sollten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Menschen eher die Vorstellung akzeptieren, dass Frauen klüger als Männer sein könnten als umgekehrt. Wissenschaftler beobachteten ein ähnliches Muster unter Akademikern im Fachbereich Psychologie. Im Jahr 2017 schickten die Sozialwissenschaftler William von Hippel und David Buss eine Umfrage per E-Mail an eine Stichprobe von Psychologen und fragten sie nach ihren Überzeugungen zu einer Vielzahl von evolutionären Behauptungen und Erkenntnissen. Diese Psychologen befürworteten mit größerer Wahrscheinlichkeit einen weiblich bevorzugten Geschlechtsunterschied als einen männlich bevorzugten. Insbesondere akzeptierten sie eher, dass Frauen sich zu mehr verbaler Begabung als Männer entwickelt haben könnten, als dass Männer sich zu mehr mathematischer Begabung als Frauen entwickelt haben könnten. Obwohl diese Geschlechtsunterschiede nicht vollkommen symmetrisch sind (einer betrifft die verbale und der andere die mathematische Begabung), gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass eine evolutionäre Erklärung für einen Geschlechtsunterschied plausibler ist als für den anderen. Wie Nicht-Akademiker können auch Wissenschaftler selbst Präferenzen für frauenfreundliche Informationen gegenüber männerfreundlichen Informationen haben.

Wir haben auch festgestellt, dass die Menschen einen stärkeren Wunsch haben, Wissenschaft zu zensieren, die Frauen benachteiligt. In dieser Studie wurden die Teilnehmerinnen gebeten, eine Reihe von Passagen aus Büchern zu lesen und zu entscheiden, ob der Text zensiert werden soll (z.B. ob er aus der Bibliothek entfernt werden soll, ob ein Professor ihn nicht für den Unterricht verlangen darf). In einer Passage wurde argumentiert, dass entweder Männer oder Frauen bessere Führungskräfte sind. Die Ergebnisse zeigten, dass die Leute das Buch stärker zensieren wollten, wenn es argumentierte, dass Männer bessere Führungspersönlichkeiten abgeben als Frauen, als wenn es das Gegenteil behauptete.

Ironischerweise erklären diese frauenfreundlichen Präferenzen vielleicht, warum die Mainstream-Narrative so eifrig auf die Möglichkeit frauenfeindlicher Vorurteile setzen: Die Gesellschaft kümmert sich mehr um das Wohlergehen von Frauen als von Männern und ist daher weniger tolerant gegenüber Ungleichheiten, die diese Frauen benachteiligen. Eine Reihe von Studien unter der Leitung von Katharina Block ergab, dass den Menschen die Unterrepräsentation von Frauen in der beruflichen Laufbahn wichtiger ist als die Unterrepräsentation von Männern. In einer solchen Studie wurde den Teilnehmern beispielsweise gesagt, dass eine bestimmte Karriere entweder von Männern oder von Frauen dominiert wird. Die Teilnehmer wurden dann gefragt, ob Richtlinien und Programme eingeführt werden sollten, um die jeweils unterrepräsentierte Gruppe zu ermutigen, diese Karriere einzuschlagen, und ob Anstrengungen unternommen werden sollten, um die unterrepräsentierte Gruppe aktiv anzuwerben. Die Teilnehmer waren eher bereit, diese soziale Aktion zu unterstützen, wenn Frauen unterrepräsentiert waren, als wenn Männer unterrepräsentiert waren.

Wenn es hieß, dass die Karriere mit einem hohen Gehalt einhergeht, sagte man zudem eher, dass prohibitive Normen Frauen daran hindern, eine männlich dominierte Karriere einzuschlagen, als dass prohibitive Normen Männer daran hindern, eine weiblich dominierte Karriere einzuschlagen. Es wird also eher geglaubt, dass externe Barrieren die Unterrepräsentation von Frauen in wünschenswerten Karrieren erklären, als die Unterrepräsentation von Männern. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, wenn in der realen Welt Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bestehen, eher dazu neigen, sich um Frauen zu kümmern, und eher versuchen, ein korrigierendes Verhalten an den Tag zu legen, wenn Frauen benachteiligt sind.

Eine Erklärung für diese frauenfreundlichen Vorurteile ist, dass die Menschen möglicherweise eine allgemeine Schutzfunktion gegenüber Frauen entwickelt haben. Tatsächlich haben zahlreiche Berichte in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass die Menschen mehr Mitgefühl für weibliches als für männliches Leid haben. Um nur einige Beispiele zu nennen: Menschen sind weniger bereit, einer Frau zu schaden als einem Mann, Frauen erhalten mehr Hilfe als Männer, diejenigen, die Frauen schaden, werden härter bestraft als diejenigen, die Männern schaden, und Frauen werden für dieselben Verbrechen weniger hart bestraft als Männer.

(...) Der Mainstream vertritt die Ansicht, dass wir in einem sexistischen Patriarchat leben, das Frauen gegenüber beharrlich ungerecht ist und Männer in fast jeder Hinsicht privilegiert. Und alle gegenteiligen Behauptungen werden als Proteste geistig umnachteter Konservativer oder anderer maskulinistischer Spinner behandelt. Eine Google Scholar-Suche nach Frauenfeindlichkeit ergab 114.000 Ergebnisse, während eine Suche nach Männerfeindlichkeit nur zu 2.340 Treffern führte. Wir vermuten, dass dieses unterschiedliche Interesse an Frauenfeindlichkeit gegenüber Männerfeindlichkeit nicht die relative Prävalenz jeder Art von Vorurteilen widerspiegelt, sondern vielmehr eine größere Sorge um das Wohlergehen von Frauen als von Männern. Alle Argumente, Anekdoten und Daten, die zur Untermauerung der Behauptung übermittelt wurden, dass wir in einer unerbittlich frauenfeindlichen Gesellschaft leben, könnten in der Tat das genaue Gegenteil beweisen.


Schön, dass die wissenschaftliche Forschung inzwischen so weit ist. Jetzt bleibt "nur noch" die Aufgabe, die immense Kluft zwischen dem Forschungsstand einerseits und der Geschlechterdebatte in den "Qualitätsmedien" andererseits zu schließen.

Montag, Juli 27, 2020

MANNdat: Bildungsbericht 2020 macht Jungenprobleme unsichtbar – News vom 27. Juli 2020

1. In einem offenen Brief macht die männerpolitische NGO MANNdat darauf aufmerksam, dass im aktuellen Bildungsbericht die Benachteiligung der Jungen einmal mehr verschleiert wird.



2.
Will ein Mann seine Vaterschaft nachweisen, muss die Abstammung des Kindes geklärt werden. Auch Mutter und Kind haben ihren Teil dazu beizutragen.


Die Westdeutsche Zeitung berichtet über ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt.



3. "Ich war schwer depressiv und möchte anderen Männern sagen: Holt euch Hilfe!" berichtet der "Stern" in einem Artikel, der auch die hohe Selbstmordrate von Männern erwähnt, bevor er hinter einer Bezahlschranke verschwindet.



Wie so oft im Hochsommer ist die Nachrichtenlage aktuell dürftig.

Sonntag, Juli 26, 2020

Bundeswehr entschädigt diskriminierte Soldaten – News vom 26. Juli 2020

1.
Nicht befördert, teilweise in den Ruhestand versetzt: Schwule in der Bundeswehr mussten lange Zeit Nachteile befürchten. Nun soll es eine Wiedergutmachung geben, das Verteidigungsministerium plant Entschädigungen.


Die Tagesschau berichtet.



2.
Eine politische Agenda zu vertreten, ist für privatwirtschaftliche Medien zulässig, findet Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue. In den Öffentlich-Rechtlichen dagegen habe das nichts zu suchen. Denn deren Aufgabe sei es, Vielfalt zu sichern.


Ob nach diesem Statement ein Großteil der öffentlich-rechtlichen Journalisten ihre Arbeitsweise ändert, darf bezweifelt werden. Wir haben gerade erst gesehen, wie weit diese Medien von derart hehren Ansprüchen entfernt sind: Wer eine politisch nicht opportune Auffassung vertritt, wird von den Öffentlich-Rechtlichen als Witzfigur dargestellt.

Deutschlandradio-Intendant Raue will indes an den Grundsätzen journalistischer Ethik festhalten:

Denn Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen sei es – auch nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts – Vielfalt zu sichern. "Wir haben nicht die Gesellschaft eindimensional oder zweidimensional darzustellen, sondern wir haben viele Einschätzungen, Meinungen, Überzeugungen auch zu spiegeln und zu diskutieren", sagt der Deutschlandradio-Intendant. Ganz ohne Grenzen ist diese Vielfalt gleichwohl nicht, allein schon aus Gründen des Persönlichkeitsrechts: "Schmähkritik ist natürlich verboten."




3. Eine Statistik aus Großbritannien zeigt: Die meisten Arbeitnehmer, die während der Corona-Pandemie nicht die Möglichkeit haben, zu Hause zu arbeiten, sind Männer:

Unter den 20% der Spitzenverdiener sind diejenigen, die am ehesten von zu Hause aus arbeiten können, gleichmäßig nach Geschlecht aufgeteilt: 49% von ihnen sind weiblich. Am unteren Ende der Skala sind jedoch im Fünftel der Arbeitnehmer, die am wenigsten wahrscheinlich von zu Hause aus arbeiten können, überwiegend Männer: 75% der Arbeitnehmer in diesen Berufen sind Männer, verglichen mit 48% der Gesamtbelegschaft.


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