Ricarda Lang zur nächsten Bundespräsidentin: "Diese Debatte macht mich als Frau so aggressiv"
1. Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang hat die Suche nach einem Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scharf kritisiert:
Auf die Frage, ob das nächste Staatsoberhaupt eine Frau sein solle, antwortete Lang mit "Ja" – fügte aber hinzu: "Als Frau: Diese Debatte macht mich so aggressiv." Ihr Vorwurf: Das Geschlecht werde zur Vorbedingung erklärt, ohne dass zuvor über die inhaltlichen Anforderungen an das Amt gesprochen worden sei. "Da legt man im Vorhinein fest, dass es eine Frau sein muss, ohne einmal darüber zu reden, welche Anforderungen gerade an dieses Bundespräsidentenamt gestellt werden."
Monatelang seien weder der Prozess noch die Verantwortlichkeiten geklärt worden. Die Folge sei nun, dass die Namen einzelner Frauen in den Raum gestellt würden – nach Langs Eindruck weniger mit dem Ziel, diese Frauen ins Amt zu bringen, als vielmehr, sie zu beschädigen.
Selbst die Fixierung darauf, dass der nächste Bundespräsident zwingend eine Frau sein muss, schadet also den Frauen. Die Ärmsten. Man kann es ihnen aber auch nicht recht machen, ohne dass sie stocksauer werden müssen.
2. In Luxemburg verdienen die Frauen pro Stunde bereits mehr als Männer. Feministinnen sind natürlich trotzdem unzufrieden: "Wichtige Faktoren wie Boni, ungleiche Rentenansprüche oder der hohe Anteil an Teilzeitarbeit unter Frauen würden dabei nicht berücksichtigt. Zudem gebe es Branchen, in denen Männer nach wie vor deutlich mehr verdienten als Frauen."
3. Ein neuer Bericht, veröffentlicht in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet", fordert, die Manosphäre als Problem der öffentlichen Gesundheit zu behandeln – vergleichbar mit dem Rauchen oder dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel.
Die Autoren definieren die Manosphäre als loses Netzwerk kommerzieller Online-Communities, die durch gemeinsame Vorstellungen von Männlichkeit, Frauenfeindlichkeit und einer vermeintlichen Benachteiligung von Männern verbunden seien. Die Wissenschaftler fordern ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen, Schulen, Gesundheitsdiensten und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dazu gehörten bessere Bildungs- und Berufschancen für junge Männer, ein leichterer Zugang zu psychologischer Versorgung sowie eine strengere Regulierung der Onlineplattformen und ihrer Algorithmen, vergleichbar mit Einschränkungen der Tabakwerbung.
Dabei betonen sie ausdrücklich, dass weder Männlichkeit an sich noch Jungen und Männer grundsätzlich als problematisch betrachtet werden sollten; vielmehr seien die kommerziellen Strukturen und gesellschaftlichen Bedingungen zu bekämpfen, die den Erfolg der Manosphäre begünstigten. Der britische Minister für Männer und Jungen, Jake Richards, bezeichnete das Thema als gesamtgesellschaftliche Herausforderung und kündigte an, den Einfluss solcher Online-Inhalte zurückdrängen und jungen Männern positive Vorbilder und Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu wollen.
4. Die irische Hilfsorganisation Men’s Aid Ireland berichtet von einer steigenden Zahl von Männern, die häusliche Gewalt durch ihre Partnerinnen erleben, aber aus Scham, Verlegenheit und Angst vor gesellschaftlicher Ablehnung lange keine Hilfe suchen. Besonders besorgniserregend sei, dass Mitarbeiter zunehmend von Männern berichteten, denen ihre Partnerinnen zum Suizid geraten und gesagt hätten, alle wären ohne sie besser dran. Die Betroffenen seien zwischen 18 und 80 Jahre alt und erlebten neben körperlicher Gewalt vor allem emotionale und psychische Misshandlungen, Demütigungen, Kontrolle, Isolation und wirtschaftliche Einschränkungen. Shane Kelly, Geschäftsführer der Hilfsorganisation, berichtet, viele Männer betrachteten sich selbst nicht als Opfer und hofften zunächst lediglich, jemand könne ihnen helfen, ihre Beziehung zu retten. Hinzu komme, dass es in Irland bislang keine Frauenhäuser vergleichbaren Einrichtungen für männliche Betroffene gebe. Die Organisation fordert deshalb mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit, Aufklärung über Gewalt in Beziehungen und sichere Zufluchtsorte für Männer.
5. In Rostock stürmten schwer bewaffnete Beamte mit gezogenen Maschinenpistolen ein Geschäft, nachdem sie von einer Frau alarmiert wurden, die sah, wie ein Mann einen "länglichen Gegenstand" aus dem Kofferraum nahm. Dieser entpuppte sich dann als Staubsauger. "Klar ist, die Frau hat nichts falsch gemacht", beteuerte die Pressesprecherin der Beamten. "Lieber einmal zu viel anrufen, als einmal zu wenig."
6. Mein neuestes Fundstück auf X: Jede dritte Frau kennt eine andere, die schon mal jemanden wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffs falsch beschuldigt hat.
7. Ein Podcast des SPIEGEL erörtert, warum ausgerechnet Frauen das Missbrauchsystem von Jeffrey Epstein am Laufen gehalten haben.
8. Über die Themen Männerpolitik, die Manosphäre und weit verbreiteten Männerhass wurde gestern Nacht auch bei Markus Lanz diskutiert: Hier ab Minute 46.
Immerhin wird dabei erkannt, dass Männer heute unter einem "unfassbaren Leidensdruck" stehen, wie es Juli Zeh formuliert. "Wenn Sie das so sagen, geht der Shitstorm jetzt schon los", warnt Markus Lanz. Das Thema sei "so vergiftet". Als er kürzlich dasselbe in einem Podcast angesprochen habe, habe er "ordentlich auf die Mütze" bekommen. Vielsagend ist, dass das alles für den ebenfalls anwesenden Politiker (CSU) ein völlig neues Thema ist und es ihn verstört, "dass jetzt schon eine Gegenbewegung einsetzt" nach gerade mal einem halben Jahrhundert einseitiger Geschlechterpolitik.
9. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu einem Beitrag, den ich gestern in meiner Medienschau verlinkt habe:
Als ich dem Link auf Ihrer Seite folgte, las ich mit grossem Befremden:
"Campaigns that have drawn praise in the past – which could be funded nationwide – are Transport for London’s poster campaigns and adverts that encouraged other men to intervene when they saw abusive behaviour taking place, including the 'Have a Word' and 'Say Maaate to a Mate' campaigns to challenge misogyny."
Theorie:
1. Feministinnen früherer Zeiten war es gerade im Rahmen der Gleichberechtigung wichtig, dass Männer NICHT per se Beschützer von Frauen sein sollten, während eine altmodische Minderheit der Meinung war, Frauen seien zu schwach, gleiche Belastungen wie Männer auszuhalten. Mir leuchtete und leuchtet immer noch die damalige feministische Position ein.
2. Für das Verfolgen von Straftaten sind Polizei und Justiz zuständig.
Praxis:
1. Nicht jeder Mann ist in der Lage, als Beschützer aufzutreten. Ich zum Beispiel habe noch nie Autorität ausgestrahlt.
2. Einmischungen der oben genannten Art können in mehrerlei Hinsicht böse enden:
(a) Der angesprochene Rüpel prügelt den edlen Ritter ins Krankenhaus oder in die Leichenhalle.
(b)Vor Gericht darf man(n), sofern man(n) bei einer körperlichen Auseinandersetzung erfolgreich ist, nicht immer mit Verständnis rechnen.
(c) Das Opfer stellt sich nicht immer auf die Seite eines edlen Ritters, insbesondere bei eher geringfügigen Übergriffen.
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