Freitag, Oktober 15, 2021

Forum Soziale Inklusion zwingt Familienministerium, geheim gehaltenes Gutachten zu veröffentlichen

Warum wird in letzter Zeit eigentlich so maßlos gegen das Forum Soziale Inklusion (FSI) gefeuert? Weil diese NGO Ergebnisse liefert.

Der aktuellste Fall: Das Bundesfamilienministerium stellt sich seit beträchtlicher Zeit quer, wenn es um die gemeinsame und gleichberechtigte Betreuung von Kindern durch beide Eltern nach deren Trennung geht (das sogenannte Wechselmodell). Dass der eigene wissenschaftliche Beirat genau diese Regelung für verträglicher und im Sinne der Kinder besser erachtete, war für die SPD-Ministerinnen Giffey und Lambrecht schwierig. Sie ließen das entsprechende Gutachten verschwinden, das ihre in den letzten Jahren gefahrene Politik in weiten Teilen als schädlich offenbarte. Gleichberechtigung ist für die beiden Ministerinnen offenbar nur dann wertvoll, wenn sie zugunsten von Frauen stattfindet – und keineswegs zugunsten von Männern.

Jetzt konnte das FSI das Mnisterium zwingen, das unter Verschluss gehaltene Gutachten zu veröffentlichen. Darüber informiert eine gestern online gestellte Pressemiteilung:



Der wissenschaftliche Beirat des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) präsentierte im März 2021 sein Gutachten "Gemeinsam getrennt Erziehen" und dokumentierte darin den überfälligen Reformbedarf im bundesdeutschen Familienrecht. "Seit Jahren werden die notwendigen Reformen im Familienrecht systematisch verhindert. Es wird spannend, wie konsequent nun die neue Regierungskoalition die Empfehlungen umsetzen wird", mahnt Gerd Riedmeier, Vorsitzender des Vereins Forum Soziale Inklusion (FSI) an.

Die beiden letzten Familienministerinnen, Franziska Giffey und Christine Lambrecht (beide SPD), verweigerten die Veröffentlichung des Gutachtens und fuhren eine Verhinderungs- und Verzögerungspolitik. Erst aufgrund der Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz eines engagierten Mitglieds des Vereins sah sich das Ministerium gezwungen, das Gutachten herauszugeben.

Die Ausführungen im Gutachten zeigen, "es besteht weitreichender Reformbedarf, um eine geteilte Betreuung von Kindern durch ihre getrennten Eltern in unserem Rechtssystem zu verankern." Dies betreffe "insbesondere die Unterhaltsregeln, die unterschiedlichen Ausprägungen geteilter Betreuung Rechnung tragen sollten", aber auch weitere Rechtsbereiche wie Melderecht und statistische Erhebung von Trennungsfamilien.

"Den Bemühungen um eine zukunftsorientierte Familienpolitik, welche die gemeinsame Elternverantwortung fördert", so der Beirat, stehe bislang "ein familienrechtliches Regelwerk gegenüber, das die Rollen beider Eltern nach Trennung und Scheidung ungleich verteilt und neben dem hauptbetreuenden einen lediglich umgangsberechtigten Elternteil vorsieht" und konkretisiert: "Der Änderungsbedarf ist offenkundig".

Der Beirat spricht sich weiter dafür aus, dass "die Betreuung und Erziehung der Kinder durch beide Eltern vor und nach einer Trennung und Scheidung Ziel einer zukunftsorientierten Familienpolitik sein sollte". Es sei "ein großes Anliegen, die geteilte Betreuung im Rechtssystem zu integrieren." Auch die Aufteilung von staatlichen Leistungen wie Kindergeld auf beide Haushalte der Trennungseltern müsse angemessen geregelt werden.

Inhalte und Empfehlungen liegen auf einer Linie mit früheren Beiträgen des Deutschen Juristentags, der Bundeskonferenz der Justizminister sowie der Entschließung 2079 des Europarats aus dem Jahr 2015. Auch FSI begrüßt grundsätzlich die Empfehlungen des Gutachtens des mit 21 Professorinnen und Professoren namhaft besetzten wissenschaftlichen Beirats.

Es stellt sich jedoch die Frage, warum das BMFSFJ die Studie des eigenen Beirats bisher nicht selbst veröffentlicht hat. Da die Empfehlungen zu großen Teilen der Argumentation als auch der Handlungslinie des Ministeriums widersprechen, steht der Verdacht im Raum, dass das Gutachten unsichtbar gemacht werden sollte. Eine ähnliche Verschleppungsstrategie ist bereits aus früheren Fällen bekannt. Dazu passt auch die Weigerung des Ministeriums, die Ergebnisse ihrer eigenen Studie "Kindeswohl und Umgangsrecht" (Petra-Studie) zu veröffentlichen, die 2017 beauftragt wurde.

Die Vorschläge zur zeitgemäßen Aufteilung von Betreuungs- und Barunterhaltsleistungen auf beide Haushalte in Trennungsfamilien gehen FSI und anderen familienpolitischen Initiativen jedoch nicht weit genug. Nicht immer ist der Leitgedanke zweier gleichwertiger und gleich wichtiger Eltern Basis aller Überlegungen im Gutachten.

FSI und viele weitere Stimmen aus der Mitte der Zivilgesellschaft fordern eine zügige Umsetzung der überfälligen Reformen im Familienrecht. Die Empfehlungen des Beirats können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten. FSI fordert einen breiten öffentlichen Diskurs zu den anstehenden Reformen.




Das Forum Soziale Inklusion hat eine zusammenfassende Analyse dieses Gutachtens online gestellt.

Das gesamte Gutachten findet man hier.

Mit dieser Aktion ist es dem Forum Soziale Inklusion gelungen, die Ansprüche der Bürger gegen Mauscheleien der Mächtigen durchzusetzen. Dass etwa die grüne Heinrich-Böll-Stiftung heftig gegen das Forum Soziale Inklusion poltert, befremdet vor diesem Hintergrund immer mehr.



Donnerstag, Oktober 14, 2021

Andrang männlicher Opfer: "Wir kommen kaum zum Atemholen" – News vom 14. Oktober 2021

1. Wie zuvor schon der SWR berichtet auch die Badische Zeitung über den großen Ansturm auf das Hilfstelefon für männliche Opfer häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg:

"Wir kommen zwischen den Gesprächen kaum zum Atemholen, schon meldet sich der nächste", erzählt Beraterin Edith Hasl. (…) Die Bedürfnisse der Anrufer sind sehr unterschiedlich: Manche Männer brauchen nur ein offenes Ohr, andere wollen Informationen, wie sie Verletzungen behandeln und dokumentieren lassen können. Weitere möchten wissen, wie sie ihren Kindern Aggression zu Hause ersparen können – etwa durch Verweis der Wohnung für die Peinigerin. Wenn die Situation eskaliert, gibt es auch eine Schutzwohnung mit zwei Plätzen.




2.
In einem Gastbeitrag für die "Zeit" gibt WDR-Intendant Tom Buhrow zu, dass die ARD Fehler mache. Die Sender müssten eine Plattform für eine gute Streitkultur sein – also auch für kontroverse, unbequeme Meinungen.


"Die Welt" berichtet.



3. Die Mittelbayerische Zeitung stellt in eiinem fünfundzwanzig Minuten langen Video den Regensburger Jura-Professor Dr. Tonio Walter vor, der einst als heißer Anwärter der Regensburger SPD auf die OB-Kandidatur galt, heute Richter am Obersten Bayerischen Landesgericht ist und sich gegen Gendersterne sowie für die Meinungsvielfalt engagiert.



4. Der Schweizer "Tagesanzeiger" hat einen Artikel über die Todesstrafe gegen Frauen veröffentlicht. Der schönste Satz darin:

Im vergangenen Jahr sind neben 16 Frauen auch 467 Männer hingerichtet worden.


Aber für einen Artikel über "Todesstrafe gegen Männer" besteht damit natürlich noch lange kein Grund. Es gibt nur ein Opfergeschlecht.



5. Beim Nobelpreis wird es auch weiterhin keine Frauenquote geben.



Mittwoch, Oktober 13, 2021

Was ist aus dem männlichen Arbeiter geworden und warum ist das wichtig?

In einem weiteren Artikel, der aktuell im Magazin des Zentrums für Männer-Psychologie veröffentlicht wurde, beschäftigt sich Abe Unger mit dem Niedergang des männlichen Arbeiters und der Bedeutung dieser Entwicklung für unsere Gesellschaft. Weiterführende Links findet man im Originaltext, den ich für Genderama übersetzt habe.



Bei meinen Recherchen für ein 2019 erscheinendes Buch über die Schrumpfung der amerikanischen Mittelschicht stieß ich auf das, was ich damals im guten akademischen Sprachgebrauch den "sozioökonomischen Niedergang der Männer" nannte. Bereits 2013 schrieb das überparteiliche Pew Research Center von einem Verschwinden des männlichen Arbeiters. Daran hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert. Erst in diesem Jahr hat die ehrwürdige Denkfabrik Brookings Institute in Washington, D.C., dasselbe bestätigt. Führende Wirtschaftswissenschaftler haben den allgemeinen Trend in die Kernaussage zerlegt, dass männliche Arbeiter in den USA häufiger inhaftiert werden, jünger sterben, mehr Drogen konsumieren und weniger heiraten als je zuvor. Und warum? Weil Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie, die in Industrieländern wie den USA und Großbritannien einst leicht zu finden waren, verschwunden sind.

Aber es geht um mehr als um eine Reihe von Statistiken, die den sozialen und wirtschaftlichen Niedergang von Männern, die als Arbeiter tätig sind, belegen. Ich habe gelernt, dass es eine tiefe Traurigkeit gibt, die mit der Verschlechterung der Lebensaussichten von männlichen Arbeitern einhergeht. Der Pew-Bericht von vor 8 Jahren deckte auf, dass es für Männer nicht nur schwer ist, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern auch, ihn zu behalten.

Männer scheiden immer häufiger aus dem Erwerbsleben aus und erreichen nicht den Bildungsstand, den sie benötigen, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Ein kürzlich erschienener Artikel im Wall Street Journal bestätigt diese frühe Feststellung fast zehn Jahre später, und jetzt ist es eine Krise. Die American Economic Association nennt dieses Unbehagen unter Männern der Arbeiterklasse "The Blue Collar Blues".

Ich bin kein Psychologe. Mein Fachgebiet ist die öffentliche Politik, aber es ist klar, dass wir es hier nicht nur mit einer Unebenheit im keynesianischen Wirtschaftsplan der westlichen Nachkriegsdemokratie zu tun haben. Depressionen sind nachweislich in der Welt der Arbeiter stärker verbreitet als in der Welt der Angestellten. Auch die Zahl der Selbstmorde ist stark angestiegen. Einfach ausgedrückt: Wenn die Arbeitsplätze instabil werden, werden auch die sozialen Strukturen instabil, und die Menschen fallen aus den Familien und dem Arbeitsmarkt heraus. Sie werden depressiv und hoffnungslos. Die wirtschaftliche Manifestation dieser Krise bedeutet, dass wir uns auf eine erschreckende, mehrere Generationen umfassende Abwärtsmobilität einstellen müssen. Man braucht nicht mehr als eine Sekunde, um zu verstehen, dass der weit verbreitete Verlust von wirtschaftlich verlässlichen Zwei-Eltern-Haushalten in Verbindung mit Männern, die weniger Arbeit finden und mehr Drogen konsumieren, die Aussichten für Kinder, die in dieses Umfeld hineingeboren werden, verschlechtert. Wissenschaftler bestätigen den intuitiven Eindruck, dass der anfängliche Schock durch den Verlust von Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe vor einer Generation zu "männlichem Müßiggang, vorzeitiger Sterblichkeit und einem Anstieg des Anteils unverheirateter Mütter und des Anteils von Kindern, die in Haushalten mit nur einem Elternteil unter der Armutsgrenze leben" geführt hat.

Es gibt eine umfangreiche Literatur, die die schrecklichen sozioökonomischen Folgen dieses Verlusts der sicheren Mittelklassefamilie und des Rückgangs der regelmäßig beschäftigten Väter dokumentiert. Der liberale Harvard-Politologe Robert Putnam schreibt, dass "Kinder aus Elternhäusern mit Hochschulbildung zunehmend in stabilen Familien mit zwei Elternteilen leben, während eine wachsende Mehrheit von Kindern aus Elternhäusern ohne Hochschulbildung in instabilen Familien mit nur einem Elternteil lebt. Diese unterschiedlichen Startbedingungen bestimmen in hohem Maße ihren Lebensweg." Diese Kluft bei den Chancen trägt nur dazu bei, dass die Einkommensunterschiede noch größer werden und die Demokratie in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Universität ist ein notwendiger erster Schritt zu besseren Lebensperspektiven, aber Männer aus der Arbeiterklasse und ihre Kinder kommen einfach nicht dorthin.

Pandemien sind auch nicht gerade hilfreich. Trotz des ganzen Geredes über die Umstrukturierung der Arbeit ist die tägliche Realität der wenigen, die tatsächlich in der Lage sind, einen verlässlichen Job als Arbeiter zu finden und aufrechtzuerhalten, sich in einer gefährlicheren Lage befinden als diejenigen, die einer Tätigkeit als Angestellte nachgehen. Ungeachtet des Aufschwungs der Fernbeschäftigung in der Zeit von COVID ist diese Art von Arbeit für Angestellte das Gegenteil des Wesens der praktischen Handarbeit. Die Financial Times berichtet, dass männliche Arbeiter "doppelt so häufig" an COVID-19 sterben. Nach Angaben des Office for National Statistics waren sie in Großbritannien für zwei Drittel der fast 2.500 Coronavirus-bedingten Todesfälle bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 64 Jahren verantwortlich, die bis April 2020 in England und Wales gemeldet wurden, d. h. 9,9 pro 100.000 Männer.

Das Bild mag also düster sein, aber genau dann ist eine gute öffentliche Politik am nötigsten. Da es um nichts Geringeres geht als um die Grundüberzeugung, dass die Demokratie die Chance bieten sollte, das individuelle Potenzial zu verwirklichen, muss dringend etwas getan werden. Hoffnungslosigkeit führt zu einer Politik der Verzweiflung, die sowohl der freien Meinungsäußerung als auch den freien Märkten schaden kann. Wir müssen diese Situation jetzt angehen. Der erste Schritt besteht darin, anzuerkennen, dass der männliche Arbeiter viel mehr Aufmerksamkeit verdient. In den USA beginnt man nun, die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Bildung anzuerkennen, dank Artikeln wie den oben zitierten aus dem Wall Street Journal und Organisationen wie The Boys Initiative. Es wird gefordert, dass der neu gegründete Rat für Geschlechterpolitik des Weißen Hauses stärker die hier erörterten Themen, die sich auf Männer auswirken, einbezieht. Weltweit sollten Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger zusammenkommen und einen Kongress gründen, der sich mit den sozialen Auswirkungen des Verlusts der Fertigungsindustrie befasst. Angesichts des "blue-collar blues" unter den Männern der Arbeiterklasse muss die Beschäftigung mit der Arbeitslosigkeit und dem Bildungsniveau von Männern ein wichtiger Teil dieser Forschungs- und Politikdenkfabrik sein. Die Zukunft gesunder Demokratien, in denen alle Beteiligten das Gefühl haben, dass sie das Potenzial haben, ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben zu verwirklichen, hängt von dieser Arbeit ab.



Dienstag, Oktober 12, 2021

Ein Tonikum gegen das toxische Narrativ über Männlichkeit

Im Magazin des Zentrums für Männer-Psychologie sind aktuell mehrere Beiträge erschienen, wovon mir der Beitrag des New Yorker Psychologie-Professors Miles Groth für eine Übersetzung ins Deutsche besonders reizvoll erscheint: "A tonic for the toxic narrative on masculinity".



Nach einer Periode großen Interesses am Leben der Frauen in den letzten vierzig Jahren ist nun die Sorge um das Leben von Jungen und Männern groß. Im Mittelpunkt steht die Männlichkeit, ein Phänomen, das meines Erachtens in einer Zeit, wo in der Wissenschaft und in den populären Medien eine oft verwirrende Rhetorik vorherrscht, die auf Kategorienfehlern in Bezug auf die Biologie (Geschlecht) und die psychosozialen und soziokulturellen Gegebenheiten (Gender) beruht, als dringend benötigtes Heilmittel dienen kann. Am ungeheuerlichsten ist vielleicht die Äußerung über die so genannte "toxische Männlichkeit".

Der Begriff der "toxischen Männlichkeit" ist das Stiefkind der "hegemonialen Männlichkeit", ein Ausdruck, der seit etwa 1980 vor allem in akademischen Kreisen verwendet wird. Er wurde von Robert W. Connell in seinem Buch "Masculinities" (1995) popularisiert, wobei der Begriff der Hegemonie von dem italienischen Marxisten Antonio Gramsci (1891-1937) übernommen wurde. In seiner Theorie der Geschlechter behauptete Connell (der in den 60er Jahren zum weiblichen Geschlecht übergetreten ist), dass, wie der Kapitalismus in Gramscis Analyse, die Männlichkeit, wie sie von Männern verkörpert wird, bewusst versucht hat, die Gesellschaft zu dominieren, vor allem das andere Geschlecht durch eine soziokulturelle Institution, die als "das Patriarchat" bekannt ist.

In dieser kurzen Mitteilung möchte ich für das plädieren, was ich als tonische Männlichkeit bezeichne, und dafür, was eine Dosis davon der Gesellschaft geben könnte, um einige der Mystifikationen und oft ironischen Zweideutigkeiten über Sex und Gender zu zerstreuen, die sich in den meisten westlichen Nationen und insbesondere in den USA entwickelt haben.

Das Wort "Tonic" hat zwei Bedeutungen, die ich auf die Männlichkeit anwenden möchte, wenn sie vollständig und richtig verstanden wird. Die eine findet sich in der Musik und bezieht sich auf die Grundtonart einer Komposition. Der andere bezeichnet eine belebende oder stärkende Substanz oder einen Einfluss. Ich glaube, dass die Männlichkeit aus der Notwendigkeit heraus wieder auftaucht, sowohl ein Gefühl der Harmonie als auch die dringend benötigte positive Energie zu liefern, um einen kränkelnden sozialen Körper zu heilen und den Alltag von Frauen und Männern in unserer unruhigen und beunruhigenden Zeit zu beleben.

Eine Finsternis der Männlichkeit, die bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann, ist beendet. Dies fällt mit dem Ende der Gender-Ära zusammen, die mit der Behauptung, das Geschlecht sei völlig fließend, das Konzept tatsächlich überflüssig machte. Wenn wir uns heute junge Männer ansehen, können wir eine gewisse Helligkeit in ihnen erkennen, die bei ihren Vätern und Großvätern verblasst war. Ich bin überzeugt, dass eine kleine, aber vitale Kerngruppe junger Männer mit vielfältigen Interessen und Talenten etwas sehr Positives und Nützliches verkörpert. Von ihnen werden wir bald Großes hören, das ihre männlichen Altersgenossen beleben und auf die Generation ihrer Väter ausstrahlend wirken wird. Tonische Männlichkeit wird sich auch auf das Leben von Mädchen und Frauen heilsam auswirken.

Welche Formen nimmt die tonische Männlichkeit bei Männern an? Ich stelle die männliche Männlichkeit dem gegenüber, was Judith Halberstam als weibliche Männlichkeit bezeichnet hat. Hier haben wir es mit einer beträchtlichen Minderheit von Frauen mittleren Alters und jungen Frauen zu tun, die eine falsche Männlichkeit an den Tag legen, was an sich schon ein Beweis für das hier diskutierte Wiederaufleben der Männlichkeit in der Gesamtbevölkerung ist. Die Männlichkeit bei Männern (essentielle Männlichkeit) ist jedoch qualitativ anders, da ihre Hauptmerkmale aus der Anatomie und Physiognomie stammen. Ich werde das erklären.

Wer sind die Männer, deren tonische Männlichkeit sich herausbildet? In den Diskussionen über die hegemoniale Männlichkeit wurde viel Wert auf den homo faber (der Mann, der die Dinge herstellt) und den homo furens (der Mann, der Eroberer und Krieger) gelegt. Ich schlage vor, dass wir das Leben der Jungen und Männer, die Teil dieser Renaissance der Männlichkeit sind, als Ausdruck des homo ludens (spielerischer Mann) betrachten. Sie ist zentrierend und belebend und zeigt sich in der verbissenen Intensität, mit der eine Aufgabe bis zum Ende verfolgt wird, aber auch in einer gewissen Ungeduld gegenüber der Verzögerung der Befriedigung, die sich einstellt, wenn ein Projekt abgeschlossen ist.

Tonische Männlichkeit zeigt sich in der kreativen Risikobereitschaft, d. h. darin, etwas auszuprobieren, was bisher noch nicht versucht wurde, auch wenn dies mit Gefahren verbunden sein könnte. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass es nichts gibt, was Jungen mehr abtötet als die Bemühungen, sie in der heutigen Schulzeit, von der Vorschule bis zum Ende der High School, dazu zu bringen, "sesshaft" zu werden. Die meisten männlichen Jugendlichen ziehen es vor, aus Erfahrungen zu lernen, statt Informationen als gegeben hinzunehmen. Jungen wenden sich letzterem natürlich zu, aber sie tun dies einige Jahre später als Mädchen. Wie die Phänomenologen misstrauen auch Jungen und heranwachsende Männer dem, was bekannt ist (was man ihnen gesagt hat), und achten lieber auf das, was sie sehen. Dies ist eine der Quellen der tonischen Männlichkeit.

Ich denke hier nicht an die Art von Herausforderungen, wie sie in Ringkämpfen vorkommen, die für das griechische Ideal, auf dem die westliche Zivilisation beruht, so zentral waren. Stattdessen beziehe ich mich auf die Tatsache, dass wir uns vielleicht immer noch Sorgen machen, dass wir beim Erreichen des Horizonts über den Rand der Welt fallen könnten, wenn Kopernikus die ptolemäische Vorstellung von der Struktur des Universums nicht in Frage gestellt hätte. Hätte Einstein die euklidische Ordnung von Räumlichkeit und Zeitlichkeit nicht in Frage gestellt, würden wir wahrscheinlich immer noch in Pferdestärken denken. Damit verbunden ist die Konzentration auf ein Problem und die Weigerung, es in Ruhe zu lassen, bis es gelöst ist. Hier sehen wir einen weiteren Ausdruck der tonischen Männlichkeit. Sie zeigt sich auch in der Abenteuerlust, die Normen in Frage stellt, und in den ordnenden Prozessen der Erhaltung von Normen, der Durchführung von Ritualen und der Formulierung von Regeln und Gesetzen, die das Leben in großen Gemeinschaften erfordert.

Tonische Männlichkeit ist nicht die Männlichkeit des amerikanischen Cowboys, der allgemein als Stereotyp für hegemoniale Männlichkeit dient. Wie deutlich werden sollte, ist tonische Männlichkeit nicht gewalttätig. Einige Beispiele mögen als Ausgangspunkt dienen, um dies deutlich zu machen. Wir sehen sie in der hingebungsvollen Ernsthaftigkeit des Pfarrers oder Priesters, der seinen Gemeindemitgliedern dient, ebenso wie in dem Sportler, der mit seinem eigenen Körper um eine hart erkämpfte Leistung konkurriert, die einem Ideal der Perfektion nahe kommt. Die Verfechter der hegemonialen Männlichkeit haben einige Mannschaftssportarten wie Eishockey und American Football als beispielhaft für Männlichkeit herausgegriffen. Sie übersehen dabei das internationale Beispiel des Fußballs und des Basketballs, wo Kraft und Anmut kombiniert werden. Dem Turner und dem Ringer wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Stattdessen stehen Boxen und Mixed Martial Arts (MMA) im Rampenlicht, deren Popularität die Werte einer Gesellschaft widerspiegelt, in der der Mann keinen anderen Weg findet, auf sich aufmerksam zu machen, als seinen Gegner zu verletzen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass dies eine Reaktion auf die Unterdrückung der wesentlichen Männlichkeit ist. Männlichkeit in der Leichtathletik hat damit nichts zu tun.

Man muss sich mit der Unterhaltungsform des professionellen Wrestling befassen, das in den USA mehr Zuschauer hat als jedes andere Theaterspektakel, sowohl persönlich als auch über die Medien. Es mag den Leser überraschen, dass dies in einer "gelehrten" Diskussion erwähnt wird, aber ich würde behaupten, dass man viel über den Zustand der Männlichkeit in der westlichen Kultur lernen kann, wenn man es untersucht. Seine Popularität erstreckt sich weltweit, von Japan bis zu den meisten europäischen Ländern. Es ist eine Parodie der Brutalität. Die ironische Inszenierung besteht darin, dass Männer aufeinander aufpassen, damit es nicht zu wirklichen Verletzungen kommt, und gleichzeitig der Öffentlichkeit etwas über die Bedeutung der Gewalt verkünden, die der wesentlichen Männlichkeit zugeschrieben wird. Hier sehen wir eine Inszenierung des Stereotyps der gewalttätigen Männlichkeit, die ihre Absurdität verkündet.

Tonische Männlichkeit ist auch bei so genannten "schwulen" Männern zu beobachten. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen (Schätzungen gehen von 3 bis 8 % der Bevölkerung aus), sind homosexuelle Männer nicht mehr weiblich, ein Phänomen, das im 20. Jahrhundert eine kurze Phase hatte. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft und Intimität. Das sexuelle Element ist von untergeordneter Bedeutung. Denken wir an David und Jonathan, an Jesus und seine geliebten Jünger, an Vater und Sohn und an andere tiefe männliche Bindungen, die wir bei Paaren wie den "Kumpels" aus der Kindheit und älteren männlichen Paaren sehen, die sich seit einem halben Jahrhundert oder länger kennen, die Karriere gemacht haben und in der Regel verheiratet sind.

Wenn es in der tonischen Männlichkeit etwas gibt, das wir als Wut bezeichnen können, dann ist es die Art, die in Melvilles Ahab zum Ausdruck kommt. Hier sehen wir die Triebhaftigkeit der tonischen Männlichkeit angesichts der Geheimnisse der Natur, einen tiefen Drang, die Natur nicht zu kontrollieren (ein weiteres Merkmal, das gemeinhin als Beispiel für hegemoniale Männlichkeit angeführt wird), sondern sich ihrer absoluten Macht zu stellen. Es ist nicht die Wut des Säuglings, der seine Ohnmacht spürt und gleichzeitig seinen Narzissmus behauptet, die als Merkmal der so genannten toxischen Männlichkeit aufgegriffen wurde.

Tonische Männlichkeit zeigt sich bei Männern, die eine Karriere im öffentlichen Dienst anstreben, wie z. B. Rettungssanitäter und Männer, die im Militär dienen. Es ist bekannt, dass die meisten Männer wenig Interesse daran haben, andere zu verletzen, wenn sie für die immer seltener werdende Konfrontation zwischen "Feinden" im Nahkampf eingezogen werden. Wie die Vergewaltiger sind auch die Eroberer nur ein winziger Bruchteil der männlichen Bevölkerung. Am Ende sind ironischerweise die meisten, die von männlichen Tyrannen geschädigt werden, Männer, und zwar in der Regel junge, arme und ungebildete.




Gut, irgendein Fazit oder anderer Schlusspunkt dieses Artikels wäre nett gewesen; so liest sich das, als bräche er mittendrin ab. Dem unbenommen ist in einer Geschlechterdebatte, in der Männlichkeit beständig mit Negativem in Verbindung gebracht wird (und zwar sogar von Leuten, die sich als Fürsprecher der Männlichkeit ausgeben) das Konzept einer "tonischen", positiven Männlichkeit bedenkenswert und wird diese Debatte hoffentlich weiter voranbringen.



Montag, Oktober 11, 2021

Vorsitzende der Grünen Jugend: "Alle Männer sind scheiße" – News vom 11. Oktober 2021

1. Kaum wurde Sarah-Lee Heinrich (20) zur Vorstandssprecherin der Grüneen Jugend gewählt, trendet ihr Name auf Twitter unter dem Hashtag "Rassistin". Schuld daran sind frühere Tweets von ihr mit unterschiedlichen Ausprägungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Hate Speech.

Relevant für Genderama ist ein männerfeindlicher Tweet Heinrichs, in dem es heißt: "NICHT ALLE MÄDCHEN MÖGEN BLUMEN DU SEXISTISCHES SCHWEIN ICH WILL DICH VERBRENNEN ALLE MÄNNER SIND SCHEISSE."

Nun stammt der Tweet aus dem Jahr 2015. Damals war Sarah-Lee Heinrich 14 Jahre alt. Heinrich hat sich inzwischen von einigen Tweets im Teenager-Alter distanziert und diese Äußerungen bedauert, sowie angeblich über tausend Tweets gelöscht.

Ich persönlich finde, man könnte es damit gut sein lassen, und halte die Debatte zu einem großen Teil für die tägliche Sau, die mal wieder durchs Twitter-Dorf getrieben wird. Es gibt mehr als genug Erwachsene, die mit der Botschaft "Männer sind scheiße" die Geschlechterbeziehungen vergiften; wir haben mit denen genug zu tun.

Allerdings ist nicht jeder meiner Meinung, und es gibt auch Gegenargumente. So merken manche an, dass es von Doppelmoral zeuge, wenn die Grüne Jugend einerseits befindet, politische Äußerungen in diesem jungen Alter könne man doch unmöglich ernst nehmen, aber andererseits das Wahlrecht für 14jährige fordert. Ist man mit 14 nun ein unreifes Kind, oder sollte man dasselbe Stimmrecht wie ein Erwachsener haben?

Der Journalist Marc Felix Serrao merkt zu Heinrichs Tweets an:

Wahr ist: 15- und 16-Jährige muss man vor Twitter schützen, nicht umgekehrt. Was einer in dem Alter schreibt, zählt nicht.

Wahr ist auch: Hätten die Chefs der Jungen Liberalen oder Jungen Union solche Tweets geschrieben, wäre die Empörung hier grenzenlos.


Sein Kollege Marcel Peithmann befindet zu der Debatte auf Twitter:

Ich habe mich im Alter von 13/14 Jahren weder homophob, rassistisch oder sexistisch geäussert, noch Morddrohungen abgesetzt. Ich kannte auch niemanden, der das tat. Nun lerne ich, das sei alles völlig normal und man müsse dafür Verständnis haben.


Und im Tweet von "Christiane", die sich als "alte weiße Frau" bezeichnet, heißt es:

Die #Gruenen möchten Teenager bereits mit 16 Jahren wählen lassen. Das Beispiel #sarahleeheinrich zeigt: 1. Sie sind in diesem Alter diffamierend-pubertär, haben noch keine Reife. 2. Mit welchem Menschenbild ist sie aufgewachsen?


Letzteres würde mich auch interessieren. Es fällt mir schwer, mich über den Tobsuchtsanfall einer Vierzehnjährigen zu empören oder eine Jungpolitikerin dafür nachträglich zu verurteilen. Aber ich wüsste wenigstens gerne, welches kulturelle Umfeld dafür verantwortlich war, dass sie sich in diesem und vielen anderen Tweets derart bizarr geäußert hat. Welche Einflüsse haben damals auf Heinrich eingewirkt, wie stark wirken sie immer noch und wie sehr hat sie solcher Radikalität ihren Aufstieg in der Grünen Jugend zu verdanken?



2. Allerdings werden auch unsere Jungen immer radikaler. Am Samstag erst mussten Polizisten in Gelsenkirchen einem Zwölfjährigen ein Spielzeuggewehr wegnehmen. Da sie das Plastikspielzeug für "täuschend echt" erachteten, wurde gegen den Jungen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.



3. Die Zeitschrift USA Today schildert die "dramatischen" Ausmaße der Jungenkrise an unseren Schulen und gibt dann Vorschläge, wie man den Jungen helfen könnte:

Ein Bericht der American Sociological Association aus dem Jahr 2016 kam zu dem Schluss, dass die Art und Weise, wie Lehrkräfte auf das Verhalten von Jungen reagieren, eine wichtige Rolle bei der Gestaltung ihrer späteren Bildungsergebnisse spielt. Die Studie ergab, dass Jungen in der Grundschule im Vergleich zu Mädchen viel häufiger einem negativen schulischen Umfeld ausgesetzt waren. Und in der High School berichteten Jungen über eine deutlich höhere Rate an Klassenwiederholungen und geringere Bildungserwartungen.

In Anbetracht der Tatsache, dass Jungen eher zurückgehalten und bestraft werden, ist es leicht zu verstehen, warum Lehrer männlichen Schülern mit bestimmten unbewussten Vorurteilen begegnen, die sich in selbst erfüllenden Ergebnissen niederschlagen können.

Stellen Sie sich vor, Sie werden mit einem ständigen Refrain bombardiert: "Pass auf. Hör auf zu zappeln. Fass das nicht an!" Doch genau das ist es, was viele unserer Jungen jeden Tag in der Schule erleben.

Ich will damit nicht sagen, dass die Schulstruktur gelockert werden sollte. Ein strukturiertes Lernumfeld ist für Jungen sehr wichtig, aber dies kann in Verbindung mit der Anwendung von Unterrichtstechniken erreicht werden, die besonders gut für Jungen geeignet sind.

Wir wissen, dass Jungen davon profitieren, wenn der Unterricht durch dramatische Einstiegspunkte eingeleitet wird, die ihre Aufmerksamkeit wecken. Wir wissen, dass Jungen kinästhetische Lerner sind, die von praktischen Aktivitäten profitieren, bei denen sie durch Berührung, Erkundung und Manipulation lernen.

Das Fehlen dieser Möglichkeiten während der Pandemie, als so viele Schüler online lernten, hatte erhebliche Auswirkungen auf den Bildungsfortschritt, insbesondere bei Jungen.

(…) Was ich damit sagen will, ist, dass es in fast jedem schulischen Umfeld Möglichkeiten gibt, unsere Praktiken zu verbessern, um sicherzustellen, dass Jungen nicht ungewollt an den Rand gedrängt oder ausgeschlossen werden. Ein wichtiger Schritt zur Lösung der Krise, mit der junge Männer in unserem Land konfrontiert sind, besteht darin, unsere Klassenzimmer jungenfreundlicher zu gestalten.




Sonntag, Oktober 10, 2021

Vergewaltigte Häftlinge, Luke Mockridge, Genderpflicht an Hochschulen und Weihnachtsmenschen – News vom 10. Oktober 2021

1. Mehrere Medien haben Meldungen über die vergewaltigten Männer in russischen Gefängnissen aufgegriffen, darunter die Frankfurter Rundschau:

Folterszenen aus Gefängnissen in Russland sind keine Neuigkeit. Aber massive Hackerangriffe legten das Portal der Gefangenenrechtsgruppe Gulagu.Net lahm. Sie hatte dort die oben beschriebenen Aufnahmen sowie mehrere andere Videos ins Netz gestellt, auf denen Häftlinge heftig sexuell misshandelt werden. Und das sind nach Angaben von Gulagu.Net-Gründer Wladimir Ossetschkin nur Bruchteile eines 40 Gigabyte großen Archivs von Foltervideos, die ein ehemaliger Programmierer der russischen Strafvollzugsbehörde aus Russland heraus geschmuggelt hat.

(…) Nach Ossetschkins Angaben werden die Opfer von "Sonderkommandos" gefoltert, von gewalttätigen Häftlingen, die mit der Strafvollzugsbehörde FSIN zusammenarbeiten und von Vollzugsbeamten kontrolliert werden. Unverzichtbar sei, das Opfer dabei mit einem der Videokontrollgeräte zu filmen, die eigentlich dazu dienen sollen, Fehlverhalten der Beamten im Gefängnisalltag festzuhalten. Und die Aufnahmen danach auf FSIN-Computern abzuspeichern, um die Opfer auf unbestimmte Zeit erpressen zu können. Wer in russischen Gefängnissen vergewaltigt worden ist, landet dort in der niedrigsten Kaste, die jeder erniedrigen darf. "Manchmal waren die Videos untauglich, weil die Kameras veraltet waren. Dann wurde die Folter wiederholt."

Ossetschkins Kronzeuge ist ein ehemaliger Häftling, ein Programmierer, der nach Angaben des Menschenrechtlers selbst misshandelt wurde, danach fünf Jahre das Computersystem eines FSIN-Sicherheitsstabs managte, dann begann, die dort angesammelten Folterdateien zu duplizieren. Laut Ossetschkin nahm sein Informant einen Teil dieses Parallelarchivs bei seiner Freilassung mit, einen anderen Teil kaperte er danach aus dem FSIN-System. Der Mann soll nun in Europa und in Sicherheit sein.

Die meisten kremlnahen Medien schweigen zu Ossetschkins Enthüllung. "Wir wissen auch aus Gefängnissen im Nischegorodsker Gebiet, dass Vollzugsbeamte Foltervideos aufbewahren, um die Opfer weiter zu erpressen", meint Igor Kaljapin, Chef von Pytkam.net, einer Gefangenenrechtsinitiative. "Durchaus möglich, dass solche Videos zentral gespeichert worden, etwa in Saratow." Dort wie anderswo verschlechtere sich die Lage der Häftlinge, weil man die Beobachterkommissionen, die den Alltag in den Strafanstalten kontrollierten, seit einiger Zeit statt aus Menschenrechtlern aus pensionierten FSIN-Angehörigen rekrutiere.


Vorgestern hatte ich in einem Artikel für "Publikum" die Geschehnisse in Russland in einen größeren Zusammenhang weltweiter sexueller Gewalt gegen Männer gestellt.



2. Unser Engagement für männliche Opfer häuslicher Gewalt scheint sich in einigen deutschen Bundesländern allmählich auszuzahlen. So berichtet der SWR – wenig überraschend – von einem großen Ansturm auf das Hilfstelefon in Baden-Württemberg:

Immer mehr Männer trauen sich, Hilfe zu holen, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt werden. Eine vergleichbare Infrastruktur wie für betroffene Frauen - etwa rund um die Uhr besetzte Notruftelefone und Frauenhäuser - gibt es für Männer jedoch nicht. Aber seit April beteiligt sich Baden-Württemberg an einem Projekt aus Bayern und Nordrhein-Westfalen - am "Hilfetelefon Gewalt an Männern", das von den drei Bundesländern finanziert wird.

Sie und zwei weitere Mitarbeiter der Sozialberatung Stuttgart sowie ein Kollege des Tübinger Vereins Pfunzkerle richten sich jeden Donnerstagnachmittag auf einen Ansturm verzweifelter Männer aus allen drei Ländern ein. Die Gewalt, die die Anrufer schildern, gehe zu 90 Prozent von Frauen aus, erklärte Beraterin Hasl. "Häufiger als körperliche Übergriffe sind die psychischen wie Bedrohungen, Beleidigungen, Erpressung und Stalking."

Das baden-württembergische Sozialministerium unterstützt ihre Arbeit mit 50.000 Euro im Jahr. Das Ressort von Manfred Lucha (Grüne) ist mit der ersten Bilanz sechs Monate nach dem Start des Hilfetelefons zufrieden: "Das Angebot wird sehr gut angenommen." Im Durchschnitt rufen pro Werktag acht bis neun Männer an.

(…) Die Telefonberaterinnen und Telefonberater verstehen sich als Lotsen im Hilfesystem, die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Denkanstöße geben. Die meisten Anrufer seien zwischen Mitte 40 und Ende 50 Jahre alt, also in einem Lebensalter, in dem es vielen schwer falle, Karriere und Familie unter einen Hut zu kriegen, so Hasl.

Wegen des starken Andrangs sollen die Sprechzeiten des Hilfsangebots in allen drei Bundesländern, Baden-Würtemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen verlängert werden. Die Förderung des Männerhilfetelefons von 115.000 Euro durch Nordrhein-Westfalen ist bis Ende des Jahres 2022 gesichert, die Förderung von baden-württembergischer Seite von 50.000 Euro ist bis zum 31. März 2022 gesichert. Eine Verlängerung prüft das baden-württembergische Sozialministerium.




3. Die Schauspielerin und Autorin Joyce Ilg äußert sich einem 35 Minuten langen Instagram-Video zur Situation ihres verfemten Kollegen Luke Mockridge. (Mockridge war sexuell übergriffiges Verhalten vorgeworfen worden; die zuständige Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren mangels Tatverdacht eingestellt. Seitdem wird Mockridge Opfer von Hate Speech in den sozialen Medien.)

Joyce Ilg nimmt Luke Mockridge in dem Video nicht in Schutz. Möglichst neutral wägt sie sowohl seine als auch Ines Aniolis (34) Seite in ihrem langen und emotionalen Statement ab. Sie möchte aber daran erinnern, dass Luke "kein Monster" sei, "dem vorgeworfen wird, eine Frau ins Gebüsch gezerrt und vergewaltigt zu haben". Sie habe dieses Video aufgenommen, weil "Luke gerade nichts sagen kann": "Ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Mensch, der wie gesagt kein Monster ist, sondern ein Mensch ist mit Gefühlen, dass auch der seine Grenzen hat." Für Joyce steht fest, dass Lukes Grenze des Aushaltbaren "weit überschritten" ist.

(…) Joyce spielt auf den Hashtag #konsequenzenfürluke an, der schon länger in den sozialen Medien kursiert: "Welche Konsequenzen fordert ihr noch? Denn in meinen Augen hat dieser Mensch gerade so gut wie alle Konsequenzen zu tragen. Seine Karriere, seine körperliche und psychische Gesundheit sind im Arsch. Viele wissen gar nicht, welche Konsequenzen dieser Mensch gerade zu tragen hat. Ob zu Recht oder Unrecht."

Sie sei nicht die Einzige, die sich zurzeit große Sorgen um Luke mache. Sie erreiche ihn zur Zeit auch nicht, glaube aber, dass er "in sichere Umgebung" sei.

An alle gerichtet, die fordern, dass er sich jetzt noch einmal selber zu Wort meldet und Stellung bezieht, sagt sie "Lasst ihm Zeit, er kann gerade nicht." Am Ende hat Joyce noch eine Botschaft an alle: "Seid euch einfach bewusst, das alles, was auf Social Meidia passiert, Konsequenzen hat. Für euch und andere."


Zur Berichterstattung des SPIEGEL, die im Fall Mockridge zusätzlich Öl ins Feuer gegossen hatte, äußert sich in diesem Podcast ab Minute 23:30 Medienanwalt Ralf Höcker, der vor einigen Jahren den als Sexualstraftäter verleumdeten Meteorologen Jörg Kachelmann verteidigt hatte. Höcker erachtet die Praktiken des SPIEGEL als "skandalös und rechtswidrig und journalistisch-ethisch falsch". Der SPIEGEL falle hier in die Zeit noch vor den fünfziger Jahren zurück.

Den Auftritt der Schauspielerin Maren Kroymann, die bei der kürzlichen Verleihung des Comedy-Preises gemeinsam mit Hazel Brugger und Thomas Spitzer gegen Mockridge Stimmung gemacht hatte, kommentiert Höcker angesichts der Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft nicht einmal Anlass zu Ermittlungen gegen Mockridge sah, ungewöhnlich scharf:

"Was Maren Kroymann da gesagt hat, ist unter aller Sau. Ich weiß nicht, was in dem Kopf dieser Frau nicht stimmt. (…) Den Preis für ihr Lebenswerk müsste man ihr zurücknehmen. Wer so etwas sagt, in dem Alter, wo man eigentlich seine Sinne noch beieinander haben sollte, den kann ich nicht ernst nehmen. Das ist widerwärtig. Ich finde es wirklich schlimm. Irgendjemand hat gesagt, das ist eine Hexenjagd, und genau das ist es. (…) Man kann so etwas mit einem Menschen nicht machen."


Eine konträre Haltung vertritt Nils Pickert unter der Überschrift "Mockridges heimliche Helfer" auf der feministischen Plattform "Pinkstinks". Pickert zufolge sei es "nicht ganz ungefährlich", sich kritisch zu Mockridge zu äußern, denn dieser habe durch das Einschalten eines Medienanwalts "entsprechende Berichterstattung" entfernen lassen. Im übrigen habe der "böse, böse Internetmob" lediglich "Konsequenzen" für Mockridge gefordert, "keine (Vor-)Verurteilung". Zuletzt bemängelt Pickert, dass der Comedian Thomas Spitzer einer von nur wenigen Männern sei, die "ihren Hals, ihren Ruf und ihre Karrieren riskieren, um zu sagen, was Sache ist". Von Leuten wie Joko und Klaas etwa sei in dieser Angelegenheit bedauerlicherweise nichts zu hören.



4. Deutschlandfunk Kultur hat ermittelt, ob es tatsächlich eine Genderpflicht an Hochschulen gibt, wie der bayrische Ministerpräsident Markus Söder behauptet hatte:

"Söders Gender-Strafzettel ist eine reine Erfindung!", wettert Markus Rinderspacher von der bayerischen SPD. Der Landtags-Vizepräsident wirft Söder vor, "einen Umstand vorzugeben, der so gar nicht existiert – das ist eine Politik der alternativen Fakten!" Söder habe die bayerischen Universitäten in einen Schmutz-Wahlkampf hineingezogen, um noch ein paar letzte Stimmen zu holen, beklagt Rinderspacher.

(…) Nach Deutschlandfunk-Kultur-Recherchen gibt es zumindest an einer bayerischen Hochschule tatsächlich eine Art Gender-Strafzettel. Uns liegt ein Dokument vor, das die Pflicht zum Gendern belegt. Und die betroffene Uni schreitet nicht dagegen ein.

Die Münchner Jurastudentin, RCDS-Vorsitzende in Bayern und Mitglied im CSU-Vorstand Anna-Maria Auerhahn sagt, dass in Hausarbeiten explizit auf die Richtlinien verwiesen wurde, was unterschwellig das Gefühl vermittelt hätte, dass eine Umsetzung davon für eine gute Note Pflicht gewesen sei.

Diese Richtlinie ist ein Gender-Leitfaden, der den Gebrauch geschlechtergerechter Sprache vorschreibt. Etwa die Verwendung eines Gendersternchens, die Umwandlung von "Studentinnen und Studenten" in "Studierende". Oder die Aussprache "Student-innen" statt "Studentinnen". Fast alle bayerischen Universitäten haben einen solchen Leitfaden.

Darunter auch die Uni Würzburg: "Die Universität Würzburg legt großen Wert auf Toleranz in jedweder Hinsicht. Deshalb halten wir auch geschlechtersensible Sprache für wichtig. Wir haben einen Leitfaden, der besagt, dass in allen Richtlinien, Verordnungen und offiziellen Texten der Universität geschlechtergerechte Sprache zu verwenden ist. Aber es gibt keine Verpflichtung für Studierende zu gendern", so Esther Knemeyer, Pressesprecherin der Hochschule.

Sie weist darauf hin, dass es bisher keine Beschwerden gegeben habe. Anders an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die regelt das Thema "Gendern" nicht so trennscharf. An der LMU gibt es keinen eigenen Gender-Leitfaden – man richte sich nach der Verordnung der bayerischen Staatsregierung für Ämter und Behörden, sagt die Uni. Diesen Leitfaden hatte Bayerns Ministerpräsident Söder höchstpersönlich vorgestellt – mit den Worten:

"Wir brauchen eine geschlechtersensible Sprache. Deswegen ist für uns wichtig, dass sich in der Weiterentwicklung aller staatlichen Vorhaben – ob das Geschäftsordnungen oder Leitfäden sind – Frauen und Männer gleichberechtigt wiederfinden." In derselben Pressekonferenz hatte Söder aber auch gesagt: "Wir sind gegen Übermaß, wir sind für die richtige Balance und nicht für die Überforderung."

An der Ludwig-Maximilians-Universität München fühlen sich manche Studentinnen und Studenten überfordert vom Gendern. In einem Politikwissenschaftsseminar zum Thema "Wissenschaftliches Arbeiten" verschickte die LMU-Dozentin Lisa K. einen "Bewertungsbogen" für die Benotung der Klausuren und Hausarbeiten der Seminarteilnehmer. Dieses interne PDF-Dokument liegt Deutschlandfunk Kultur vor. Laut diesem Bewertungsbogen wird jeder, der oder die keine genderneutrale Sprache benutzt, mit Punktabzug bestraft.

Die Note verschlechtert sich dadurch im selben Maße wie etwa bei Rechtschreibfehlern oder falscher Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit. Auf die Frage, ob die Dozentin den Bewertungsbogen selbst entwickelt oder von ihrem Institut bekommen hat, verweigert sie die Aussage – sie sei derzeit nicht im Dienst.

Ihr vorgesetztes Institut verweist auf die Pressestelle der LMU. Und die weicht aus. Auf die Frage von Deutschlandfunk Kultur, ob die wissenschaftliche Mitarbeiterin schlechtere Noten vergeben durfte, weil Studenten nicht genderten, antwortet die Uni: "Es ist darauf hinzuweisen, dass Lehrende an Hochschulen im Rahmen der Wissenschaftsfreiheit grundsätzlich in der Gestaltung ihrer Lehre frei sind."

Aber widerspricht diese Vorgehensweise nicht eindeutig den Leitlinien des Freistaates Bayern? Muss die Uni dann nicht einschreiten? Antwort: "Sollten Beschwerden von Studierenden mit konkreten Anhaltspunkten für eine Benachteiligung an die Universität herangetragen werden, würde diesen – je nachdem, wie sich der jeweilige Fall darstellt – nachgegangen werden."

Aber genau das ist nie passiert. Denn nach Deutschlandfunk-Kultur-Informationen hatten mehrere Studenten im Seminar offen Kritik am Gender-Zwang geübt. Und mindestens eine Studentin hatte einen Beschwerdebrief an die Uni geschickt. Allerdings anonym – aus Angst vor Repressionen der Dozentin. Die Uni reagierte nicht. Der Bewertungsbogen ist an der LMU weiterhin gültig.

Warum also schrieb Markus Rinderspacher von der Bayern-SPD, es gebe an Bayerns Universitäten keinen Gender-Strafzettel? Rinderspacher verweist auf die Antwort des bayerischen Wissenschaftsministeriums auf seine parlamentarische Anfrage. Dort steht wörtlich:

"Aus dem Kreis der Studierenden wurden an die Staatsregierung Hinweise herangetragen, dass Sprach-Leitfäden zu gendergerechter Sprache durch Korrekturhinweise Bewertungsmaßstäbe setzen und sich negativ auf die Prüfungsergebnisse auswirken könnten."

Wie Rinderspacher daraus die Schlussfolgerung ziehen konnte, es gebe an Bayerns Unis keinen Gender-Strafzettel, bleibt sein Geheimnis.


Der Beitrag von Deutschlandfunk Kultur endet mit der Einschätzung, dass Söder sich nach der Bundestagswahl nicht mehr für die Studenten einsetze, die sich vom Genderzwang belastet fühlen, weil er befürchte, mit diesem Thema Wechselwähler abzuschrecken.



5. Wo Männlichkeit zunehmend als "toxisch" gilt, muss der Schokoladen-Weihnachtsmann natürlich auch allmählich seinen Platz räumen. So verkauft eine Berliner Firma stattdessen einen geschlechtsneutralen Weihnachtsmensch, von dem sich hoffentlich niemand getriggert fühlt.



Samstag, Oktober 09, 2021

Videos des Grauens: Hunderte Männer in Putins Gefängnissen vergewaltigt

Aktuell sorgen geleakte Aufnahmen von massenhaft vergewaltigten Häftlingen in Russland für Entsetzen. Allerdings sind Massenvergewaltigungen von Männern weltweit ebenso verbreitet wie tabuisiert.


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