Samstag, März 06, 2021

Sprachwissenschaftler: "Darum ist Gendern männerfeindlich" – News vom 6. März 2021

1.
Der Braunschweiger Sprachwissenschaftler Martin Neef hält das Gendern für problematisch. Die Verwendung des sogenannten Binnen-I für die weibliche Form eines Wortes oder des Gendersterns für alle Geschlechter sei politisch motiviert, sagte Neef in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. „Es wird von gewissen Kreisen sehr erfolgreich gefördert. Und wenn man nicht gendert, kann man so verstanden werden, dass man nicht für Gleichberechtigung ist.“ Er selbst setze sich sehr wohl für Gleichberechtigung ein, halte aber Genderstern und Binnen-I für männerfeindlich.


Das berichtet aktuell "Die Welt". In dem Artikel heißt es weiter:

Das Wort "Teilnehmerin" etwa bezeichne eine Frau, erläuterte Neef: "Und wenn ich einen Stern einbaue oder einen Buchstaben großschreibe, bleibt es immer noch ‚Teilnehmer*in‘ oder ‚TeilnehmerIn‘, also eine Frau. Damit sind also strukturell nur Frauen gemeint, weder Männer noch Diverse."

(…) Neef selbst lehnt das Gendern aber nicht kategorisch ab: "Wenn ich eine Frau vor mir habe, spreche ich sie natürlich als Journalistin an." Wenn er Vorträge übers Gendern halte, sage er schon mal "Liebe Anwesende". "Ich möchte ja als respektvoll wahrgenommen werden und alle Menschen respektvoll ansprechen. Eine Form wie ‚Teilnehmer*in‘ ist für mein Empfinden aber nicht respektvoll."




2. Der Deutschlandfunk berichtet über die Probleme, die Blinde mit Texten im Gender-Deutsch haben, wenn sie sich zum Beispiel von einem Sprachprogramm Texte aus dem Internet vorlesen lassen:

Bis man da ankommt, wo man hinwill, sagt Robbie Sandberg, höre man jede Menge Information, die man nicht brauche. Da komme es erschwerend hinzu, wenn Gender-Zeichen mit vorgelesen würden. "Wenn eine sehende Person einen Text liest, in dem zum Beispiel ein Unterstrich vorkommt, dann denkt die sich ja nicht das Wort in den Text hinein, den sie liest, sondern sie sieht das Zeichen und deutet es entsprechend. Und das können Blinde so nicht, weil die Sprachausgabe das Zeichen eben ausspricht, damit man weiß, dass es da ist."

Immer mehr Webseiten und Apps benutzen die Schreibweisen mit dem Sternchen, dem Unterstrich oder dem Doppelpunkt, auch einige Zeitungen gendern. Für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich Texte von einer automatischen Sprachausgabe vorlesen lassen, kann das unpraktisch sein. Robbie Sandberg: "Dann sagt die zum Beispiel sowas wie: ‚Hörer Unterstrich innen‘. Und jetzt kann man natürlich sagen: Das sind ja nur drei Silben, was soll die Aufregung! Aber es läppert sich halt sehr schnell – und wenn Sie einen gegenderten Text lesen, wo das oft vorkommt, dann wird das sehr, sehr schnell nervig und stört einfach ungemein den Lesefluss."


Viele Sehende können berichten, dass die ständigen Störungen im Lesefluss für sie kaum weniger nervig sind.



3. Die Deutsche Sprachwelt meldet:

Der Duden schlägt gegen seine Kritiker zurück, indem er versucht, sie zu verleumden: "Sprachkampf – Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert" heißt ein Buch, das jetzt im Dudenverlag erschienen ist. Verfasser ist Henning Lobin, Direktor des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim. Demnach sei der Widerstand gegen politisch korrekte Sprache und Genderdeutsch Teil einer "neurechten Agenda". Dies sei ein "Thema, das alle Bürger*innen direkt oder indirekt betrifft", wirbt der Dudenverlag.




4. Unter der treffenden Überschrift "Wer schreit, gewinnt" beschäftigt sich René Pfister auf Spiegel-Online mit dem sogenannten "Cry Bullying", mit dem

Gruppen, die sich diskriminiert fühlen, jede Gegenrede zu ersticken versuchen. Es ist so effektiv, dass inzwischen Parteien und Unternehmen schon beim geringsten Protesthauch einknicken.


Pfisters Fazit:

Die Demokratien in den USA und Europa werden von rechten Populisten bedroht, aber auch von einer dogmatischen Linken, die glaubt, im Namen der Gleichberechtigung jeden aussortieren zu dürfen, der sich eine unabhängige Meinung leistet.




5. Klaus von Dohnanyi, ein weiteres SPD-Mitglied mit Rang und Namen, hat sich ein einem Interview mit der "Welt" (Bezahlschranke) in die Debatte um Wolfgang Thierse eingeschaltet. Einige Auszüge aus dem Gespräch:

WELT: Warum leidet die Demokratie, wenn wir verschiedene Meinungen nicht offen austragen?

von Dohnanyi: Weil es immer verschiedene Meinungen zu allen Fragen geben wird und die Demokratie deswegen vom Kompromiss lebt. Natürlich gibt es immer nationalistische, rassistische oder gewaltorientierte Meinungen, die wir nicht tolerieren dürfen und über die zu diskutieren es nicht lohnt. Aber eine Demokratie zerstört sich selbst, wenn sie demokratische Minderheitsmeinungen unterdrückt. Das gilt auch für die innerparteiliche Demokratie. Esken und Kühnert sollten keine Gespräche anbieten, sondern sich bei Thierse und der Partei für ihre Entgleisung entschuldigen.

WELT: Wie kommt die Gesellschaft aus dieser Kultur des Ausschlusses von unliebsamen Meinungen und Menschen heraus?

von Dohnanyi: Durch eine offene Debatte. Wir müssen ertragen, dass es unterschiedliche Meinungen in der Gesellschaft und in den Parteien gibt. Ein Teil unserer Probleme entsteht dadurch, dass dies nur unzureichend geschieht. So entstand auch das Phänomen Donald Trump. Die Debatten, die die Trump-Wähler führen wollten – immerhin fast die Hälfte der Wähler – wurden in den USA schon lange nicht mehr geführt. Eine solche Debatte muss aber geführt werden, sonst entstehen Gefahren für die Demokratie. (…) Uns fehlt manchmal der Mut zur klaren Meinungsäußerung, vielleicht weil es politisch riskant ist. Letztlich jedoch ist ein Land mit viel Meinungsfreiheit ein erfrischendes Land. Das darf uns nicht verloren gehen.


Gut, aber Leute wie Thierse, Dohnanyi und ich sind mit dieser Einstellung heute natürlich nur "alte weiße Männer" und machen alles verkehrt.



6. Unter der Überschrift "Die rechten Methoden einiger Linker" schlägt Ralf Bönt auf Telepolis den Bogen von den Attacken auf Thierse zu den Angriffen auf Menschen, die die Probleme von Männern ansprechen. Einleitend spricht Bönt hier von der "Härte, mit der um die heiligen Kühe Nation, Hautfarbe und Geschlecht gerungen wird":

Selbst Belange der Pandemie werden ihr untergeordnet. Als ich jüngst unter anderem im WDR darauf hinwies, dass die Ständige Impfkommission um den Virologen Thomas Mertens in ihren Empfehlungen nur einen Faktor unberücksichtigt ließ, nämlich das Geschlecht, hob sofort ein Sturm der Entrüstung an, der sich auf genau das stützte, was den Rechten immer vorgeworfen wird: Victim blaming, historische Kollektivschuld, Whataboutism und abstruse Relativierungen.

Häufiger Tod wurde mit langen Krankheitsverläufen aufgerechnet oder mit anderen, seltenen Risikofaktoren, die man natürlich auch berücksichtigen soll, die aber wegen kleiner Fallzahlen nicht den Erfolg der Impfkampagne beeinträchtigen. Zahlen wurden weglassen oder ohne jeden Beleg einfach bestritten. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Aggressivität vor allem Frauen auf eine von Frauen erstellte Metastudie zum Gender-Covid-Gap reagiert haben.

Welchen Schaden diese linke oder besser pseudolinke Cancel Culture anrichtet, sollte klar sein: Im selben Moment nämlich liegen Patienten, die längst hätten geimpft sein können, an Beatmungsschläuchen, kämpfen um ihr Leben und besetzen wochenlang Plätze, die andere auch benötigen. Zumeist sind das eben Männer, die ein beinahe dreifaches Risiko als Frauen haben, im Fall einer Covid-19-Erkrankung intensivpflichtig zu werden.

Wir könnten effektiver impfen, wenn das berücksichtigt würde. Doch auf das Thema angesprochen sagte Mertens, eine geschlechtergerechte Priorisierung sei kaum möglich. Das ist nichts als ein Kotau vor der zu erwartenden Empörung, denn beim Alter geht es ja selbstverständlich. Und zwei Faktoren zugleich zu berücksichtigen, das lernt man in der Grundschule.


Bönt sieht hier eine ähnliche Dynamik vorliegen wie bei dem aktuellen Unmut einiger Menschen gegen Wolfgang Thierse:

Ebenso erwartbar hoch ist Welle der Empörung, die den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) anbrandet, weil er zu bemerken wagte, dass nicht nur Rechte eine untaugliche Identitätspolitik betreiben, sondern auch Linke mit Ausgrenzung arbeiten. Die Erwischten toben ja noch immer am tollsten.

(…) Thierse bot seinen Austritt an. Sehr überraschend war das allerdings nicht, ist die pseudolinke Cancel Culture doch längst in der SPD und ihrem Umfeld zuhause.

Daran erinnerte mich auch ein sehr freundlicher Leserbrief, der mich nach meinem Verhältnis zum Feminismus fragte. Im Tumult der Impfdebatte würden hier und da Zweifel geäußert, ob ich denn nicht einfach nur ein Männerrechtler sei.

Ich zog das Bonmot von Esther Vilar, das sie in der legendären Talkshow mit Alice Schwarzer verwandte: Nein, Menschenrechtler. Schließlich ist schon der Versuch, eine durch die Entlastung der Intensivmedizin auch für Frauen günstigere Impfkampagne mit diesem Begriff zu verhindern Zeugnis des destruktiven Charakters auch dieser Hälfte der Doppelmasse.

Aber zum Beweis meiner vermeintlich schlimmen Männerrechtlerei, die die Zahlen von Toten und Intensivpatienten außer Kraft setzen soll, verwies der Leserbrief auf eine Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung, in dem eine Erzählung aus meinem Manifest wiedergegeben wird, das die Befreiung des Mannes aus seinem engen Selbstverständnis und immer gleichen Lebensentwurf postuliert, denn "als Junge wird man geboren, zum Übermann aber wird man gemacht."

Der Autor der Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung, Robert Claus, unterstellt mir, den Antifeminismus salonfähig zu machen. Um dies zu belegen schreibt er allerdings eine Szene aus meinem Buch so drastisch um, dass sie nicht wiederzuerkennen ist. Einen von mir erzählten autobiografischen Alptraum von einer Abtreibung, gibt Claus nicht als Alptraum wieder, sondern als eine von mir wertend erzählte reale Begebenheit.

Um seine Behauptung meines angeblichen Antifeminismus weiter zu stützen, veränderte er in seiner Wiedergabe aber noch weit mehr. So verbannt er den Erzähler von der Seite der schwangeren Frau, wo er während des Eingriffs die Hand hält, in den Nebenraum.

Statt der absurden Situation im Alptraum, in dem die Freundinnen von der Straße aus durch ein großes Fenster den Abbruch beobachten und dazu rauchen und lachen, ist der Icherzähler bei Robert Claus also in einem Nebenraum, vor dessen Fenster die Freundinnen warten.

Mal abgesehen von der immensen Verletzung der geschilderten Gefühle: Blank lügen, ist das links oder doch eher rechts? Und das ist nicht mal ein Tweet, sondern wird seit Jahren so von der Friedrich-Ebert-Stiftung vertrieben.




7. "Borowski und die Angst der weißen Männer" lautet der Titel der "Tatort"-Folge von morgen. Diesmal sind als die Bösen Menschen wie wir ausgeguckt:

Auf einer Brachfläche in der Nähe eines beliebten Kieler Clubs wird die misshandelte Leiche der jungen Meike (Johanna Dost, geb. 1987) aufgefunden. Die Videoüberwachung des Clubs liefert den Kommissaren ziemlich bald einen Verdächtigen: Mario (Joseph Bundschuh, 31). Der verschüchtert wirkende Außenseiter schaut sich regelmäßig im Internetforum des sogenannten Pick-Up-Artists und "Männerrechtlers" Hank Massmann (Arnd Klawitter, 52) frauenverachtende Videos an.


Wie bitte? Pick-up-Artist UND Männerrechtler? (Oder wie Ralf Bönt betonen würde: Menschenrechtler?) Und so jemand lässt man noch frei herumlaufen? Wo doch jeder weiß, dass deren Hauptbeschäftigung im Anschauen frauenverachtender Videos besteht?

Die propagandistische Aussage des Tatorts bringt Spiegel-Online gleich in der Einleitung seiner Besprechung des Krimis auf den Punkt:

Der Mann ist ein Raubtier. Die Frau seine Beute. An dieser Analogie aus der Bilderwelt eines infantilen Steinzeit-Machismo halten noch immer viele Männer fest.


Ja, vor allem diejenigen, die Krimis mit derartigen Szenen entwickeln:

"Wir sind viele!", schreien die Männer, während sie sich bei den Gruppenseminaren auf die Brust trommeln. Dieser Albtraum nimmt (…) die Form eines neuen Terrorismus an.


Schließlich

organisiert im Hintergrund eine nicht näher definierte Terrorgruppe eine Anschlagsserie. Stichtag für die fiktive militante Frauenhasserfraktion ist der Weltfrauentag – der tatsächlich am Montag nach der Ausstrahlung des "Tatorts" angesetzt ist.


Natürlich gibt es – im Gegensatz zum feministischen Terror - solche Terrorgruppen Frauen hassender Neandertaler in Wirklichkeit nicht. Spiegel-Online zufolge sind derartige Fieberphantasien allerdings "als dystopische Verdichtung schon zulässig". Der Beitrag wird endgültig skurril, wenn sein Autor lamentiert, nicht das Feindbild Mann sei in diesem "Tatort" ein Problem, sondern das dort gezeichnete Frauenbild:

Es reihen sich darin einfach zu viele weibliche Stereotype aneinander. So wurde das Opfer aus der Diskothek ohne Wissen von ihren dämlichen Freundinnen mit Liquid Ecstasy abgefüllt und auf diese Weise in die Arme des Täters getrieben, was eine gewisse Mitverantwortlichkeit der Frauen für den Tod der anderen suggeriert. Und Mario erhält nach dem gescheiterten Anbahnungsversuch an der Tanzfläche deshalb noch eine weitere Chance auf ein Date, weil er einer überforderten jungen Frau dabei hilft, das Auto auszuparken.


Nee, klar. Die gezeigten "weiblichen Stereotype" machen einen solchen Krimi schwierig …

Auch der "Tagespiegel" berichtet unter der Überschrift "Männer, die Frauen hassen" über den "Tatort" – um dann unter "Mehr zum Thema" auf den berüchtigten Beitrag über Männerrechtler wie die Leute von MANNdat und mich weiterzuleiten. Die wenig subtile Botschaft dahinter: Männer, die auf die gesellschaftlichen Anliegen ihres Geschlechts aufmerksam machen und solche, die sich in Gruppenseminaren schreiend auf die Brust trommeln, um danach Terroranschläge zu begehen, sind im Großen und Ganzen dieselbe Brut gemeingefährlicher Untermenschen, um die man sich rechtzeitig kümmern sollte.

Ja, es gibt hier ganz starken Hass. Der geht allerdings nicht von den im wahren Leben komplett friedlichen Männerrechtlern und Pick-up-Artists aus. Wie hieß es eben noch unter Punkt 4 der heutigen Medienschau:

Die Demokratien in den USA und Europa werden von rechten Populisten bedroht, aber auch von einer dogmatischen Linken, die glaubt, im Namen der Gleichberechtigung jeden aussortieren zu dürfen, der sich eine unabhängige Meinung leistet.


Die "heute show" hängt sich ebenfalls an dieses Thema, erhält auf Twitter allerdings auch das verdiente Feedback.

Freitag, März 05, 2021

Deutsche Regierung stoppt Trennungskinder-Studie – News vom 5. März 2021

1.
Seit Jahren warten Verbände und Politiker auf Ergebnisse einer Studie zu Trennungskindern. Nach SPIEGEL-Informationen muss die Arbeit an dem Projekt nun aus Datenschutzgründen unterbrochen werden.


Hier geht es weiter.



2. Justizministerin Lambrecht (SPD) möchte überprüfen lassen,

ob bei sexuell herabwürdigenden Belästigungen und Beleidigungen von Frauen eine "rechtliche Anpassungen" erforderlich ist. Es müsse klar sein, dass wir als Gesellschaft diese Verhaltensweisen nicht hinnehmen und strikt ablehnen, so Lambrecht.


Bei Belästigungen und Beleidigungen von Männern sieht die Sozialdemokratin diese Notwendigkeit offenkundig nicht. Auch beim Stalking verharrt sie in sexistischem Denken und sieht allein Frauen als Opfer und Männer als Täter – entgegen der weit komplexeren Realität.



3. "Frauen müssen bei den Covid-Rettungsplänen im Zentrum stehen", fordert Ursula von der Leyen (CDU).



4. Mit ihrem Angriff aufs Ehegattensplitting mache die SPD Politik gegen ihre eigene Klientel, befindet das "Handelsblatt":

Die Partei ist überzeugt, mit ihrem Vorstoß für mehr Gleichberechtigung zu kämpfen. Doch sie verfolgt damit hauptsächlich Arbeitgeber-Interessen.


Hier geht es weiter.



5. Twitch möchte den geschlechtsneutralen Begriff "womxn", bei dem "man" sprachlich ausgemerzt wurde, jetzt doch nicht verwenden, nachdem es zahlreiche Kritik auch aus der LGBTQ+-Community gegeben hatte.



6. Das ZDF verbreitet ungeniert das Märchen, Frauen würden für dieselbe Arbeit um 19 Prozent schlechter bezahlt als Männer. Dass es sich dabei um Propaganda handelt, fällt aber immer mehr Menschen auf



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Wenn die Marketingabteilung bei Audi behauptet, die schlechte Resonanz auf das dort übernommene Gender-Deutsch gäbe es nur in den Kommentarspalten der "Welt" und auf Twitter sei das Feedback überragend positiv, dann hätte sie sich mal die miese Resonanz auf die Gilette-Werbung, vor allem aber auch die aktuellen Nachrichten zu diesem Thema anschauen sollen.


Mehr Post. Ein weiterer Leser schreibt:

Hi Arne,

dem Leser, der statt von geschlechtergerechter Sprache von separierender Sprache schreibt, kann man nur zustimmen. Ich sehe das schon länger genauso. Diese gekünstelt betonte Trennung macht die Menschen nicht gleich, sondern betont im Gegenteil zum generischen Maskulinum ständig einen Unterschied, wo es ja eigentlich keinen geben soll. Ich wundere mich ohnehin, weshalb die als divers bezeichneten Menschen nicht längst den Mund aufmachen, dass sie mit der geschlechtergerechten Sprache weder in schriftlicher, noch in mündlicher Form wirklich mitgemeint werden. Das man lediglich durch ein winziges Sonderzeichen repräsentiert sein soll und beim Sprechen durch auslassen desselben, das schreit doch geradezu danach, dass endlich jemand den Verfechtern diese Sprache ihren "der Kaiser ist ja nackt"-Selbstbetrug klarmacht.

Dieser Sprachmurks, wird an einem Zitat aus dem Programm der Linken in Baden-Württemberg deutlich.

"Die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit und die schlechtere Bezahlung von Berufen, in denen viele Frauen* und Migrant*innen arbeiten, führen zu ungleicher Bezahlung zwischen den Geschlechtern."

Abgesehen vom Vermischen von Ein- und Mehrzahl springt, beim Weglassen der männlichen Bezeichnung die Armseligkeit des Genderstern geradezu ins Auge. Frauen und Männer werden ausgeschrieben, Diverse sind es nicht wert ausgesprochen oder ausgeschrieben zu werden. Mal abgesehen davon, dass die Einbeziehung von "Migrant*innen" statistisch betrachtet ziemlicher Nonsens ist, frage ich mich, weshalb diese in drei Gruppen aufgeteilt werden müssen, wenn sie doch dasselbe Schicksal der Lohnbenachteiligung haben sollen.

Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Anhänger der Linken doch davon ausgehen, dass es nur sozial konstruierte Geschlechter gibt, dann stellt sich die Frage, weshalb hier biologische und selbstbestimmte bzw. gar nicht definierbare Geschlechteridentitäten vermischt werden?

Letzten Endes stolpern sie doch nur über den eigenen Sprachmurks.


Donnerstag, März 04, 2021

Professor Jürgen Falter: Wissenschaftsfreiheit durch Zensur und "Betroffenheitsperspektive" bedroht – News vom 4. März 2021

1. Der bekannte Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter äußert sich im Gespräch mit dem "Focus" zur gegenwärtigen Bedrohung der freien Wissenschaft. Ein Auszug:

Focus: Wo führt das hin, wenn diese Entwicklungen jetzt nicht gestoppt werden?

Professor Falter: Zu Zensur und innerer Unfreiheit. Der Druck geht aber diesmal nicht, wie im Nationalsozialismus oder stellenweise auch in der frühen Bundesrepublik, vom Staat aus, sondern von gesellschaftlichen Gruppen. Das führt zur Verengung von Fragehorizonten und zu einem Verlust von Erkenntnismöglichkeiten.

Focus: Was macht das mit Studenten?

Professor Falter: In den Sozialwissenschaften würde ein Student, der AfD-Mitglied ist, das bestimmt nicht an die große Glocke hängen. Zugleich kann man sich problemlos zur Linken bekennen, gar zur Kommunistischen Plattform. Das gilt als akzeptabel.

Focus: Was raten Sie Studenten, die wegen ihrer Überzeugungen in Konflikt mit Dozenten geraten?

Professor Falter: Standhaft bleiben und intelligent dagegen argumentieren. Aber wenn sie ihr Studium mit einer guten Note abschließen wollen, kann es leider schlauer sein, sich der Meinung seines Masterbetreuers anzuschließen. In kleinen Fächern kann man sonst nur die Uni wechseln.

(…) Focus: Wo ist die Wissenschaft konkret in Gefahr?

Professor Falter: Es gibt sehr besorgniserregende Entwicklungen gerade in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern. Nehmen Sie die sogenannte Betroffenenperspektive, die zwar nicht dominant ist, aber in einigen Disziplinen eine immer stärkere Rolle spielt. Danach sollen nur Betroffene erforschen, was etwa Kolonialismus, Rassismus oder Unterdrückung bedeutet. Der wissenschaftliche Wahrheitsbegriff besteht darin, dass eine Hypothese nur so viel zählt wie das hinter ihr stehende Argument. Das heißt, ob sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, egal, von wem sie kommt, und nicht, ob jemand vom Forschungsgegenstand betroffen ist.

Focus: Ist das noch Wissenschaft?

Professor Falter: Nein, das Gegenteil davon.

Focus: Wie kann Wissenschaft sich dagegen wehren?

Professor Falter: Wir müssen uns darüber einig sein, was die Methoden guter Wissenschaft sind. Genau das wird gerade durch übersteigerte Political Correctness, Cancel Culture und die Betroffenenperspektive unterwandert.




2. Der Deutschlandfunk hat einen neuen Beitrag zum Nürnberger Männerbeauftragten erstellt. Ein Auszug:

Matthias Becker stemmt sich dabei gegen die Kritik, dass die Hilfe für Männer und die damit verbundene Gleichstellungsarbeit zulasten der von Frauen geht.

"Männer haben sich 30 Jahre lang sich damit zufriedengegeben, dass sie die Frauen unterstützt haben bei ihren Forderungen, bei ihren Forderungen um ihre Rechte. Haben sich aber nie Gedanken über ihre eigenen Bedürfnisse und Rechte gemacht, wo sie eigentlich benachteiligt sind. Haben nie ihre eigenen Rollen angeschaut, haben Feminismus übernommen: Wir leben im Patriarchat – und haben dieses Polare übernommen. Das ist das Problem."


Zwischenstand also von März 2021: An die Verschwörungstheorie vom Patriarchat muss man immer noch glauben, wenn man politisch korrekt sein möchte – aber über die Benachteiligung von Männern darf man inzwischen sprechen.



3. Wie ich inzwischen erfahren habe, ist Wolfgang Thierse Schirmherr der Amadeu-Antonio-Stiftung, die in ihren "Belltower News" Männerrechtler mit Leidenschaft verleumdet:

Männerrechtler sind antifeministische bis frauenfeindliche Aktivisten, die sich von Frauen, Feministinnen und allen Bestrebungen, die eine Gleichberechtigung aller Geschlechter anstreben, bedroht sehen. Sie stilisieren Männer zu Opfern in jeder Lebenslage und reagieren mit Abwertung anderer.


Dass jetzt auch Thierse in eine rechte Ecke gerückt wird, zeigt überdeutlich: Inzwischen frisst die Revolution tatsächlich ihre Kinder. Selbst wenn du einen Verein unterstützt, der gegen Leute, die ihnen nicht passen, skrupellosen Rufmord begeht, kannst du dir noch lange nicht sicher sein, dass du als nächstes auf der Abschussliste stehst. Wenn selbst die braven Männerrechtler wegen fehlender politischer Linientreue als Frauenhasser diffamiert und weggebissen werden sollen, dürfte klar sein, dass auch sonst kaum mehr jemand sicher sein kann.



4. Der Literaturjournalist David Wonschewski hat das Buch "Der verkaufte Feminismus", verfasst von der österreichischen radikalen Feministin Beate Hausbichler, rezensiert: "Die Geister, die ich rief, das Monster, das ich schuf." Die Rezension zumindest ist durchdacht, erhellend und abgewogen.



5. Christian Schmidt hat sich das "Zukunftsprogramm der SPD" auf Geschlechterpolitik hin angeschaut und entdeckt dort – wenig überraschend – althergebrachten Sexismus.



6. Emma Brown, Mitarbeiterin der "Washington Post", hat vorgestern das Buch "To Raise a Boy" herausgebracht und eine Passage daraus online veröffentlicht:

In dieser Debatte geht es um so viel mehr als nur um das Spielzeug, mit dem Jungen spielen. Die Stereotypen und der Druck, dem Jungen ausgesetzt sind, bedrohen ihre körperliche und geistige Gesundheit, ihre Fähigkeit, ihr Innenleben und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu meistern, und sogar ihren schulischen Erfolg.

Bedenken Sie, wie Jungen in der Schule abschneiden. Der durchschnittliche Junge liegt im Lesen hinter dem durchschnittlichen Mädchen zurück. Jungen brechen häufiger die Highschool ab und besuchen seltener ein College. Journalisten und Aktivisten machen seit zwei Jahrzehnten auf diese "Jungenkrise" in der Bildung aufmerksam und führen sie auf Unterrichtsstile zurück, die für Jungen ungeeignet sind, und ganz allgemein auf die Annahme von Feministinnen und Pädagogen, dass die Schüler, die am meisten Aufmerksamkeit und Hilfe brauchen, Mädchen sind.

Die Forschung legt jedoch nahe, dass Jungen zum Teil durch den weit verbreiteten Glauben eingeschränkt werden, dass Mädchen besser im Lesen sind als Jungen. In Klassenzimmern, in denen viele Kinder fest an dieses Stereotyp glauben, haben Jungen weniger Vertrauen in ihre eigenen Lesefähigkeiten, eine geringere Lesemotivation und schwächere Lesefähigkeiten, so eine Längsschnittstudie, die mehr als fünfzehnhundert Schüler beim Übergang von der fünften zur sechsten Klasse verfolgte. Ein Stereotyp über Jungen wurde in diesem Fall zu einer Prophezeiung.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wir, um unseren Söhnen zum Erfolg zu verhelfen, der Annahme den Kampf ansagen müssen, dass Jungen von Natur aus weniger gut lesen können. Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch den Rest der negativen Annahmen, die Menschen über Jungen mit sich herumtragen, angehen und zerstören: Sie sind gewalttätig, schmutzig, unhöflich, gefühllos, unengagiert. Das sind schädliche, zerstörerische Verallgemeinerungen, die einen realen Einfluss auf unsere Söhne haben.


Man wird jedoch diese Abwertungen von Jungen nur erfolgreich bekämpfen können, wenn man auch den allseits beliebten Abwertungen von Männern insgesamt den Kampf ansagt.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zum Durchsetzen des Gender-Deutsch bei Audi:

Hi Arne,

ich muss da bitte anonym bleiben, aber ich arbeite bei Audi. Wir haben ein internes Internet mit Kommentarfunktion. Die Kommentarfunktion brennt wie selten dagewesen. Geschätzt 80% negativ. Es wird wenig zensiert, außer einem Link zu einer Rede der AFD auf Youtube, die den Gendersprech verballhornt.

Die verantwortliche Abteilung hat auf diesen Unmut mit einem Text reagiert, in dem es unter anderem heißt: "Dass das Thema Gendersensible Sprache die Gemüter erhitzt, haben wir nun festgestellt. (…) Genau das wollen wir erreichen: Einen bewussten Umgang mit Sprache. Wir freuen uns, dass dieses Thema so einen großes Widerhall erfährt und sich so viele Audianer_innen einbringen. (…) Natürlich macht Audi bei der Gendersensiblen Sprache keinen Rückzieher - wir stehen dazu. Vor einiger Zeit war es noch selbstverständlich, dass eine Frau nur mit dem Einverständnis ihre Mannes/ihres Vaters arbeiten gehen konnte. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen und trotzdem war es eine Selbstverständlichkeit. Selbstverständlichkeiten ändern sich."

Das Marketing hat dann, nachdem viele besorgt waren, dass uns die Aktion Kunden kostet ( wobei sie das extrem schlechte Feedback in den Kommentarbereichen der Zeitungen verlinkt haben), glatt behauptet, man solle sich da keine Gedanken machen, das sei nur in der "Welt" so, man kenne seine Kunden, und auf Twitter und Linkedin, sei das Feedback überragend positiv. Auf die Frage der gestörten Wahrnehmung gab es bisher keine Antwort.


Klar, die studentische Pomo-Bubble auf Twitter ist garantiert begeistert – aber ob das als Audi-Kundschaft ausreicht? Im Kommentarbereich von Spiegel-Online hagelten gestern die Boykott-Ankündigungen. Und die Bild-Zeitung schlagzeilt: "Wut-Posts im Netz nach Gender-Gaga bei Audi". Sieht so ein Marketing-Erfolg aus? Hauptsache, man ist im Gespräch?

Mehr Post. Ein weiterer Leser schreibt mir zum selben Thema:

Lieber Herr Hoffmann,

zum Gendern bei Audi und im Bundestag beschleicht mich schon sehr lange immer mehr ein mulmiges Gefühl. Ein Deja vu jagt das andere. Aufgewachsen in der DDR fällt mir immer öfter dieses unangenehme Muster auf, welches sich "vorauseilender Gehorsam" nennt.

Es war ja doch so, dass die SED ganz oft gar nicht anweisen musste, was passieren soll, wie Dinge zu betrachten sind und welche Sprachregelung zu verwenden ist, denn es gab immer genügend Willfährige, die "von selbst drauf kamen" und eben als besonders "progressiv" erscheinen wollten.

Nicht wenige versuchten gar, die Orthodoxie der SED noch zu übertreffen. Sich gegen dieses Phänomen zu wehren, war und ist in einer Diktatur allerdings kaum einfach zu bewerkstelligen.

Umso mehr entsetzt es mich, dass hierzulande in einer ja freien Gesellschaft wieder überall die Speichellecker auftauchen, die jetzt unbedingt gendern müssen, penibel auf den "richtigen" Sprachgebrauch achten und mit "avantgardistischen" Vorschläge der neuen Zeit vorangehen und bei der Schaffung des "neuen Menschen" (oder heißt es jetzt Menschin?) ganz vor dabei sein wollen. Auch hier wird vorauseilender Gehorsam geübt, und dabei kommt eine Unerbittlichkeit gegenüber den politischen Gegner (oder besser: Feinden) zutage, die gut in eine totalitäre Gesellschaft passt.

Der Respekt vor der konträren Meinung anderer, ja allein schon der Respekt vor jedem einzelnen Individuum ist gegenwärtig nicht sehr populär. Man wird in Schubladen gesteckt – oft mit dem Ziel, die geäußerte Meinung durch die hervorgehobene Gruppenidentität (die nebenbei bemerkt vielen Leuten so ursprünglich gar nicht immanent ist) zu diskreditieren.

Erschreckend ist hier vor allem, dass das in einer – selbst postulierten – freien Gesellschaft stattfindet, wo insbesondere auch politisches und wirtschaftliches Führungspersonal engagiert dabei ist, mittelbar unsere Freiheiten einzuschränken. Die öffentlichen Personen, die sich diesem Gehorsam entgegenstellen, werden immer weniger – wenn es sie überhaupt noch gibt. Individuelle Freiheiten, insbesondere die Meinungsfreiheit und das Recht, als Individuum wahrgenommen zu werden und nicht für irgendetwas einer von anderen definierten Gruppe Zugeschriebenem verantwortlich gemacht zu werden, sind Grundlagen einer freien Bürgergesellschaft – andernfalls ist diese tot.

Auch in diesem Sinne: Machen Sie weiter mit Ihrer äußerst wichtigen Arbeit!


Noch mehr Post. Ein dritter Leser schreibt mir:

Hallo Herr Hoffmann,

vielen Dank für Ihre Arbeit.

Wie die Meldungen auf Ihren Blog zeigen, ist die separierenden Sprache im Vormarsch. Das ist, denke ich, vor allem dem Framing mit Namen wie "geschlechtergerecht" oder "gendersensibel" zu verdanken. Ich denke deswegen, dass man ein anderes Framing entgegensetzen sollte.

Ich verwende stattdessen den Ausdruck "separierende Sprache". Dieser Begriff is vor allem beschreibend, so dass man mir nicht vorwerfen kann, ich würde abwertend betiteln. Passt er?

Nun, zum einen verwendet die Sprach ganz offensichtlich Trenn- also Separationssymbole; sei es der Stern, der Doppelpunk, Unter- oder Schrägstrich, Binnen-I oder eben "und" bei ständiger Doppelnennung. Dass also eine Separierung im Formalen vorliegt, kann nicht abgestritten werden. Ebenso trennt die Sprache ja auch bewusst die Geschlechter voneinander. Es sollen eben nicht mehr alle Menschen mit einem Wort bezeichnet werden, sondern die jeweiligen Gruppen immer schön getrennt voneinander. Deswegen finde ich "separierende Sprache" sehr passend.

Im weiteren Schritt muss dieser Sprache der Anschein von Progressivität und "Gerechtigkeit" genommen werden. Dies geschieht durch zwei Überlegungen:

Zum einen ist diese Sprache schwerer verständlich als vereinendes Deutsch. Das fiel mit vor allem in dieser Zeit auf, als die Schule unseres Kindes uns mit notwendigen Briefen in dieser nicht notwendigen Sprache überschüttete. Schon mir fiel es schwer, in diesem Symbolwust zügig die wichtigsten Informationen herauszulesen. Als ich mitbekam, dass unser Kind einer Mitschülerin diese Briefe erklären musste, weil deren Eltern Deutsch eben nicht als Muttersprache sprechen (oder lesen), war mir klar, dass die separierende Sprache fremdenfeindlich ist.

Das sollte man ganz klar so sagen. Eventuell verfolgen ja die verwendenden Institutionen auch das Ziel, unsere migrierten Mitbürger so zu benachteiligen und dadurch vielleicht aus der entsprechenden Organisation (Schule, Unternehmen, Verein ...) herauszumobben. "Was, sie haben den Prüfungstermin verpasst? Wir haben Ihnen aber einen Brief dazu geschrieben."

Zum anderen ist diese Sprache auch frauenverachtend. Haben sie schon einmal das Argument gehört, dass wir auch auf Worte wie "Person", "Koryphäe", "Ikone" oder "Gestalt" verzichten sollten, weil Männer sich bei diesen weiblichen Begriffen "nicht mitgemeint" füllen würden? Nein? Wahrscheinlich, weil die Befürworter der separierenden Sprache davon ausgehen, dass Männer das Abstraktionsvermögen besitzen, das grammatische Geschlecht vom biologischen zu unterscheiden. Frauen und Mädchen jedoch wird von den Befürwortern der separierenden Sprache diese Fähigkeit abgesprochen.

Zusammengefasst: Die separierende Sprache ist fremdenfeindlich und frauenverachtend und verdient wohl eher das Label "rechts" statt "links".

Dieses Narrativ sollten die Befürworter des vereinenden Deutschs vielleicht versuchen zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen und nochmaligem Dank für Ihre Arbeit.


Mittwoch, März 03, 2021

Bei Audi arbeiten jetzt "Audianer_innen" – News vom 3. März 2021

1.
"Vorsprung beginnt im Kopf": So heißt die neue Richtlinie bei Audi, die Mitarbeiter anhält, in der internen und externen Kommunikation gendergerechte Sprache zu nutzen. Auch Mutterkonzern VW prüft nun, wie sich "diversitysensible Sprache" umsetzen lässt.


Mehrere Medien berichten, darunter "Die Welt".

In einem Artikel der Augsburger Allgemeine, der für diese Entwicklungen tüchtig Reklame macht, heißt es:

Zahlen, wie viele Unternehmen in Deutschland bereits gendern, konnten auch verschiedene angefragte Verbände nicht liefern. Weder die Industrie- und Handelskammern noch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU). Eine Empfehlung zur Verwendung gendersensibler Sprache geben die Verbände ihren Mitgliedern nicht.


Der Artikel schließt mit dem Fazit:

Petra Weitzel von der [Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität] wird in ihrer Forderung deutlicher: "Bei den meisten Unternehmen endet das Thema ‘divers’ in der Stellenausschreibung. Bei formellen Dokumenten und in der gesamten Kommunikation nach innen und außen muss gendersensible Sprache berücksichtigt werden." Sprache sei ein mächtiges Instrument. "Entweder sie symbolisiert weiter das Patriarchat oder sie hilft, es aufzubrechen."


Die neuen Sprachregelungen bei Audi sind heute auch Thema bei Christian Schmidt.



2. Der Deutsche Bundestag erlaubt fortan Gender-Sternchen, Doppelpunkte mitten im Wort und andere Marotten des feministischen Deutschs. Wie Britta Haßelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, berichtet, habe man bei der Bundestagsverwaltung durchgesetzt, dass sie aus Anträgen und Gesetzesentwürfen künftig nicht mehr herauskorrigiert werden.



3. Als Männerrechtler, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, von skrupellosen Eiferern als "rechts" verleumdet wurden, dachten viele: "Und wenn schon". Inzwischen hat diese Kultur der Denunziation Wolfgang Thierse erreicht: Der bietet nach wachsenden Anfeindungen für seinen FAZ-Artikel gegen die Identitätspolitik und sein Interview mit dem Deutschlandfunk Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD, seinen Parteiaustritt an:

Thierse bittet in dem Schreiben (…) darum, ihm öffentlich mitzuteilen, ob sein "Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich" sei. Er selbst habe Zweifel, "wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren".

Auslöser war eine Einladung zu einer parteiinternen Diskussion, die im Namen von Esken und ihrem Vize Kevin Kühnert an ausgewählte Mitglieder versandt worden war. Darin zeigten sich beide "beschämt" über nicht näher genannte SPD-Vertreter, die ein "rückwärtsgewandtes Bild der SPD" zeichneten.

Damit dürfte auch ein Gastbeitrag über Identitätspolitik gemeint sein, den Thierse kürzlich in der "FAZ" veröffentlicht hatte. Darin hatte er bestimmte Entwicklungen in identitätspolitischen Debatten über Rassismus und Gender scharf kritisiert. Es gebe "Radikalisierungen des Diskurses, die eher die Konfrontation verschärfen" und "das Leben von Gemeinsamkeiten erschweren", sagte Thierse im Deutschlandfunk.


Thierse blickt auf eine politische Karriere als Bürgerrechtler in der DDR, Bundestagspräsident, Vorsitzender der Grundwertekommission seiner Partei sowie Kämpfer gegen Rechtsextremismus und für Überlebende des Holocaust zurück. Oder wie man heute sagt: Er ist "ein alter weißer Mann".



4. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wie die britische Regierung an Universitäten das Recht auf Redefreiheit gegen ein zunehmend intolerantes Klima durchsetzen möchte:

Moralisch verabsolutierte Argumente führen dazu, dass abweichende Meinungen nicht mehr geduldet werden. Intellektuelle, die zu Universitätsdiskussionen eingeladen werden und eine Haltung einnehmen, die nicht mit den politisch korrekten Auffassungen der Studierenden übereinstimmt, laufen Gefahr, wieder ausgeladen zu werden in einem Akt des sogenannten "no platforming", der meint: Wessen Meinung nicht passt, soll keine Auftrittsmöglichkeit erhalten. Das "no platforming" wird von der Regierung als eine wesentliche Bedrohung der akademischen freien Meinungsäusserung aufgefasst.

Als Reaktion darauf legte der britische Bildungsminister Gavin Williamson Pläne zu einem Gesetz vor, das die Redefreiheit an britischen Universitäten schützen soll. Damit will er die Diskriminierung bestimmter Standpunkte rechtlich eindämmen. Der Minister hatte sich «tief besorgt» über die Zensur im höheren Bildungswesen geäussert. Denn gerade Universitäten seien Orte, an denen Meinungsfreiheit erprobt und geübt werden könne. Das von Williamson entworfene neue Gesetz soll gecancelten Sprechern ermöglichen, die Veranstalter auf Entschädigung zu verklagen.

Das Spektrum der Betroffenen ist vielfältig. Es umfasst Extremisten wie den Schriftsteller und Holocaust-Leugner David Irving auf der einen Seite. Es trifft aber auch die feministische Autorin Germaine Greer, die für ihre kritische Haltung gegenüber der MeToo-Bewegung eine Absage kassierte.

Tatsächlich nahmen die Auseinandersetzungen mitunter drastische Ausmasse an. In Oxford geriet die Geschichtsprofessorin Selina Todd im Januar 2020 in einen Streit über Genderfragen. Danach musste sie den Weg in den Hörsaal unter dem Schutz von Sicherheitskräften antreten. Und bloss einen Monat später war sie Mitorganisatorin einer Konferenz zum Thema Frauenbefreiung und wurde am Abend zuvor als Sprecherin ihres eigenen Events ausgeladen.




5. Auf der radikal linken Seite des politishen Spektrums ist man indes ganz unbefangen: So feiert die Antifa im Vorgriff auf den Weltfrauentag "revolutionäre Frauen" wie die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof.



6. Jeffrey Burl, außerordentlicher Professor für Elektro- und Computertechnik an der Michigan Technological University, spricht sich in einem Offenen Brief gegen die wachsende Männerfeindlichkeit im akademischen Betrieb aus:

An der Michigan Tech habe ich in meinen 28 Jahren hier keine Anzeichen von Diskriminierung von Frauen und Farbigen gesehen. Umgekehrt hat Michigan Tech während dieser ganzen Zeit weiße Männer aktiv diskriminiert.

Als ich an der Michigan Tech angestellt wurde, gab es zwei offene Stellen. Eine war für jeden verfügbar, und eine war nur für eine Frau verfügbar. Ich schätze, dass etwa 10 % der Bewerber Frauen waren, also war diese Einstellung eindeutig diskriminierend. Zu dieser Zeit war die offene Diskriminierung legal und wurde "Affirmative Action" genannt. Aber es handelte sich immer noch um Diskriminierung.

Derzeit sind die Einstellungspraktiken der Michigan Tech illegal. Ich habe beobachtet, wie Verwaltungsbeamte Quoten bei der Einstellung auferlegen, was gegen das Gesetz und die Auslegung des Gesetzes durch den Obersten Gerichtshof der USA verstößt. Darüber hinaus wird eine einfache statistische Analyse zeigen, dass die Einstellungspraxis der Michigan Tech weiße Männer benachteiligt. Bevor ich an die Michigan Tech kam, wurde mir die Chance verweigert, mich um meinen Traumjob zu bewerben, weil ich aufgrund meines Geschlechts diskriminiert wurde. Diese diskriminierenden Praktiken gehen weit über einfache Diskriminierung hinaus und tragen zu einem Umfeld bei, das die Möglichkeiten weißer Männer einschränkt.

An der Michigan Tech habe ich mich vor kurzem entschieden, mich nicht für eine Interimsposition als Abteilungsleiter zu bewerben, weil die Übernahme dieser Position erfordert, dass ich mich an den illegalen Einstellungsaktivitäten der Michigan Tech beteilige. Als Abteilungsleiter müsste ich damit rechnen, gefeuert zu werden, wenn ich mich diesen illegalen Aktivitäten widersetze. Selbst wenn ich nicht gefeuert werden würde, wäre ich ein schlechter Fürsprecher für meine Abteilung und ich würde erwarten, dass meine Abteilung darunter leiden würde, wenn ich mich für faire und legale Einstellungen einsetzen würde. Aus demselben Grund lehne ich es seit einigen Jahren ab, in einem Suchausschuss mitzuarbeiten.

Beachten Sie, dass diese rassistische und sexistische Politik den Karrieren von Menschen an der Michigan Tech schadet. Ich bezweifle sehr stark, dass ich der Einzige bin. Zuerst habe ich gezögert, diesen Brief zu schreiben, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen. Da dies aber ein wichtiges Thema für die Menschheit und die Michigan Tech ist, habe ich mich entschlossen, diese Bemerkungen trotzdem zu machen. Ich rechne fest damit, dass ich Vergeltungsmaßnahmen erlebe, wenn ich diese Fakten ans Licht bringe. Die Tatsache, dass ich mit Vergeltungsmaßnahmen rechne, ist ein Hinweis darauf, für wie feindselig ich das Umfeld an der Michigan Tech halte.

Frauen und farbige Menschen sollten ermutigt werden und einen fairen Zugang und eine faire Chance erhalten. Aber sobald jemand aufs College geht (ich habe wenig Erfahrung außerhalb dieser Gruppe), werden weiße Männer sowohl an der Michigan Tech als auch in der Nation insgesamt systematisch diskriminiert. Ich glaube, dass jeder, der aufgeschlossen und ehrlich ist, dieser Behauptung zustimmen wird. Viele mögen denken, dass diese Diskriminierung aufgrund der Geschichte gerechtfertigt ist. Darüber lässt sich streiten. Aber ich glaube auch, dass es keine weißen Männer an der Michigan Tech gibt, die jemals einen Sklaven besessen haben. Für mich kann ich ehrlich sagen, dass ich nie eine Frau oder einen Kandidaten aus einer Minderheit diskriminiert habe. Im Diversity Literacy Training wird über die Akkumulation von Benachteiligung gesprochen. Da ich ein weißer Mann bin, habe ich diese Anhäufung von Benachteiligung seit über 40 Jahren erlitten. Diskriminierung bei der Einstellung, Diskriminierung bei der Vergabe von Zuschüssen, Diskriminierung bei der Beförderung und so weiter.


Selbstverständlich gibt es bereits eine Petition, die fordert, dass Jeffrey Burl für dieses Schreiben gefeuert werden soll:

Sein Brief war voll von rassistischen Ansichten und ignoranten Aussagen, die viele, wenn nicht sogar die meisten angehenden Studenten die Anwesenheit in seinem Klassenzimmer unangenehm machen würden. Ich fühlte mich angewidert, als ich ihn zu lesen versuchte. Ich kann mir nur vorstellen, wie sich seine Studenten in Zukunft fühlen werden, wenn sie stundenlang mit ihm in Vorlesungen sitzen müssen.


Die Petition erreichte bislang unter 1500 Unterschriften.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

ich bin erstaunt, dass Sie entgegen ihrer Art den Sexismus in Anmerkung Nr. 4 vom gestrigen Dienstag nicht aufgespießt haben. Wörtlich:

"Zweitens denke ich, dass es für jeden wichtig ist, zu verstehen, dass väterliche Depression ein ernstes Problem darstellt, das Aufmerksamkeit erfordert. Sie betrifft Väter und wirkt sich dadurch auf die gesamte Familie aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir es ernst nehmen."

Mit anderen Worten: Würden nur die Väter alleine leiden, der Rest der Familie aber nicht, müsste man die Depressionen eines Vaters nicht ernst nehmen. Tja. Nichts Neues von der Geschlechterempathielücke.

Machen Sie weiter mit Ihrer großartigen Arbeit.


Dienstag, März 02, 2021

ARD berichtet über "propagandistische Totalverblödung" in unserer Gesellschaft – News vom 2. März 2021

1. Die ARD-Sendung "titel thesen temperamente" beschäftigt sich mit der Frage "Ist die Meinungsfreiheit an Hochschulen in Gefahr?" Ein Auszug aus dem verschriftlichten Text der Sendung:

Wie kommt es, dass einige Studierende den freien Meinungsaustausch mittlerweile für unzumutbar halten? Bernd Stegemann ist Dramaturg am Berliner Ensemble und Professor an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". In seinem gerade erschienen Buch "Die Öffentlichkeit und ihre Feinde" untersucht er den zunehmend gereizten Ton in öffentlichen Debatten und kommt zu dem Schluss:

"Es gibt eine starke Fokussierung auf die eigene Befindlichkeit. Bei Habermas ist noch von der 'gewaltlose Gewalt des besseren Arguments' die Rede, die heute aber tatsächlich als Gewalt empfunden wird. Ein besseres Argument, das einem gegen das eigene Gefühl geht, wird nicht mehr als etwas wahrgenommen, dem ich mich auf einer Rationalitätsebene stellen muss, sondern es wird als Angriff genommen auf meine eigene Identität."

Einen der Gründe sieht Stegemann in der Aufsplitterung der Gesellschaft nach Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung: "Nicht jeder darf sich noch zu allem äußern, sondern nur noch bestimmte Gruppen dürfen sich zu bestimmten Themen äußern – und das auch nur in einer ganz bestimmten Art und Weise", so Stegemann. Und: "Es gibt sehr enge Geländer, an denen entlang sich das Gespräch bewegt und es wird sehr fein darüber gewacht, dass diese Korridore nicht verlassen werden. Und wer das dennoch tut, der muss mit starken Sanktionen rechnen." Ja, mit Ächtung und sozialer Ausgrenzung, "mit Stigmatisierungen als ein schlechter Mensch, ein rechter, ein gefährlicher ... ein Sexist, Rassist usw.".

In dieser Woche ist es der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der in die Untiefen der Identitätspolitik gerät. In einem Zeitungsartikel forderte er zu mehr Gemeinsinn auf und löste damit einen Shitstorm aus. Denn seine Verteidigung bestimmter Begriffe entlarvte ihn in den Augen mancher als die möglicherweise einzige Gattung, die weiterhin bedenkenlos diskriminiert werden darf: "der alte weiße Mann".

Bernd Stegemann spricht in diesem Zusammenhang gar von "einer Art von propagandistischer Totalverblödung", die aber gerade im Netz und in den Sozialen Netzwerken "unglaublich wirkungsvoll" sei. Dabei werde mehr auf bestimmte Triggerworte reagiert, die "skandalisiert" würden. Für ihn sei das "das Gegenteil einer vernünftigen Diskussion".


Der neueste Fall dieser Art bestand in dem Versuch, das Forum Soziale Inklusion in eine radikal rechte Ecke zu schieben, weil es in einem von unzähligen Texten von "Altparteien" geschrieben hatte. Massen an Texten nach einem potentiellen Triggerwort zu durchkämmen, um eine Sachdebatte von Anfang an zu unterbinden, scheint die Vorstellung vieler Linker von einer sinnvollen Auseinandersetzung mit unerwünschten Themen zu sein.

Gegen Männerrechtler greift der Mechanismus von Stigmatisierung und Ausgrenzung genauso stark: Ein Diskussionsabend mit ihnen in der Heinrich-Böll-Stiftung, dem SPD-Magazin "Vorwärts" oder unseren Leitmedien ist nach wie vor utopisch. Wer sich für "die möglicherweise einzige Gattung, die weiterhin bedenkenlos diskriminiert werden darf", einsetzt, darf in dieser feinen Gesellschaft keine Stimme haben.



2. Der "Nordkurier" widmete schon vor einigen Tagen einen Artikel der Frage "Warum Lehrerinnen mit Schülern schlafen".

In Medienberichten ist oft von "Sex-Lehrerinnen" die Rede. Das aber verkennt die Lage nach Einschätzung eines Experten völlig. Provoziert würden damit lediglich Kommentare von Männern in sozialen Netzwerken, die darüber fantasieren, wie gerne sie früher von ihrer Lehrerin verführt worden wären, sagte der Psychologe Tim Watson-Munro der Zeitung "Daily Mail Australia". Die Realität sei anders: "Wenn man sexuellen Missbrauch durch eine Lehrkraft erlebt, egal welchen Geschlechts, fühlt man sich betrogen, erniedrigt und ausgenutzt."

Doch warum schlafen Lehrerinnen mit Schülern? "Viele dieser Frauen missbrauchen, weil ihre eigenen Intimitätsbedürfnisse unerfüllt sind, die sich beispielsweise aus Beziehungsproblemen und Einsamkeitsgefühlen ergeben", schreibt die britische Kriminologin Andrea Darling von der Universität Durham in einer Analyse.


Bei männlichen Missbrauchstätern würde niemand von "unerfüllten Intimitätsbedürfnissen" aufgrund von "Beziehungsproblemen und Einsamkeitsgefühlen" sprechen. Während Männer monströs sind, schwingt bei Frauen immer mit, dass man eigentlich Mitleid und Empathie für sie empfinden sollte. Immerhin wird gleich im nächsten Absatz klargestellt:

Frauen werde aus sozialen und kulturellen Normen seltener sexuelle Aggressivität zugetraut. "Das bedeutet, dass Missbrauch durch eine Frau als weniger schädlich als durch einen Mann betrachtet wird", stellt Darling fest. "Das verniedlicht nicht nur das verletzende Verhalten, sondern spielt auch die Konsequenzen für die Opfer unfair herunter. Solch ein Verhalten ist Missbrauch und muss als solcher betrachtet werden."




3. In den letzten Tagen machte der Popstar Madonna durch ein bizarres Posting auf Twitter von sich reden.

Madonna hat eine außerordentliche Karriere gehabt und dabei ein ziemliches Vermögen von ca 850 Millionen Dollar angesammelt. Dennoch sieht sie sich anscheinend, wenn man diesem Tweet glauben darf, als Opfer des Patriarchats, welches "ihren Hals mit seinem schweren Stiefel zertrümmert".

Immer wieder erstaunlich, wie einfach es ist, sich als Opfer zu sehen, wenn man in der richtigen Gruppe ist, obwohl man eine der privilegiertesten Personen auf dieser Erde ist. Der männliche Obdachlose ist privilegiert, Madonna aber als Frau ein Opfer des Patriarchats.


Christian Schmidt berichtet über die neueste Form der Patriarchatskritik von Menschen, die ihren Hals nie voll genug bekommen können.



4. Einer neuen Studie zufolge weisen Väter, die sich von Anfang an beim Aufziehen ihrer Kinder beteiligen (können), weniger Depressionen auf.

"Im Allgemeinen denke ich, dass es zwei große Erkenntnisse gibt", erklärte der Leiter der Studie: "Erstens ist die Beschäftigung mit Ihrem Kind nicht nur besser für das Kind, sondern auch besser für den Vater. Also, Väter, engagiert euch früh und oft mit euren Kindern! Zweitens denke ich, dass es für jeden wichtig ist, zu verstehen, dass väterliche Depression ein ernstes Problem darstellt, das Aufmerksamkeit erfordert. Sie betrifft Väter und wirkt sich dadurch auf die gesamte Familie aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir es ernst nehmen."

Montag, März 01, 2021

Arbeitnehmerflügel der Union fordert Vaterschaftsurlaub – News vom 1. März 2021

1.
Unionspolitiker wollen drei Tage Familienzeit für Väter einführen. In einem neuen Papier fordert der Arbeitnehmerflügel von der Partei, das Thema im Bundestagswahlkampf aufzugreifen.


Hier geht es weiter.

Ich bin etwas überrascht, zu welcher teils heftiger Ablehnung läppische drei Urlaubstage in den Kommentaren des Artikels stoßen.



2. Mit ihrem Beitrag "Der Wahn der Gleichmacherei" stößt Christine Richter, Chefredakteurin der "Berliner Morgenpost", zu den vielen Frauen, die die Gendersprache ablehnen. Ein Auszug:

Es gibt kein Halten mehr: Das Gendern wird auch in Berlin immer mehr vorgeschrieben und angewandt, jeden Tag gibt es E-Mails, Presseerklärungen oder Formulare, in denen von Teilnehmenden, Mitwirkenden oder Demonstrierenden die Rede ist, von Bürger*innen oder Aktivist*innen, von Radfahrer:innen oder Politiker:innen. Eine Journalistin der "Welt" schrieb in dieser Woche, das Gendern erinnere sie an einen Fleischwolf. Wie wahr. So fühle ich mich auch – durch den Fleischwolf gedreht, unsere schöne Sprache gleich mit. (…)

Das Gendern wird als politisch richtig vorgegeben, es entsteht ein Zwang, dem sich viele Medien nicht mehr meinen entziehen zu können. Das verschluckte Gendersternchen hat Einzug gehalten in zahlreiche Rundfunk- und Nachrichtensendungen. Mir tut es körperlich weh – und ich wünschte mir, die Moderatoren würden sich wenigstens die Zeit nehmen, von Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zu sprechen.

Aber offensichtlich denken viele Politiker oder Journalisten, es trage zur Emanzipation bei, wenn man das generische Maskulin abschafft. Wenn statt von Lehrern nun von Lehrenden die Rede ist oder von Lehrkräften. In unserer Zeitung fanden sich kürzlich neben den Studierenden auch die Dozierenden wieder, wobei der Unterschied zwischen Dozierenden und Dozenten einfach ignoriert wurde. Und weil es kein Halten mehr gibt, war an anderer Stelle von "abends Ausgehenden" die Rede, wo doch Partygänger in Kreuzberg gemeint waren, oder von "Arbeitgebenden", als es um Arbeitgeber ging. Woher kommt er nur, der Wahn zur Gleichmacherei?




3. Einer neuen Studie zufolge machen vor allem Menschen mit Merkmalen von Persönlichkeitsstörungen wie Narzissmus ihre "tugendhafte Opferrolle" zur Waffe, um Vorteile gegenüber anderen zu gewinnen:

Neue Forschungsergebnisse belegen, dass Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus - maladaptive Persönlichkeitsmerkmale, die als "Dunkle Triade" bekannt sind - mit offenkundigen Tugend- und Opfersignalen verbunden sind. Die Studie legt nahe, dass Menschen mit dunklen Persönlichkeiten diese Signale der "tugendhaften Opferrolle" nutzen, um auf betrügerische Weise Ressourcen von anderen zu erhalten.

Die Ergebnisse wurden im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

"Das Schicksal und die menschliche Unvollkommenheit sorgen dafür, dass jeder irgendwann im Leben Leid, Benachteiligung oder Misshandlung erfährt", schreiben die Autoren der neuen Studie. "Wenn dies geschieht, wird es einige geben, die sich ihren Belastungen schweigend stellen und es als eine private Angelegenheit behandeln, die sie selbst verarbeiten müssen, und es wird andere geben, die ihr Leiden öffentlich zur Schau stellen, sich selbst als Opfer bezeichnen und eine Entschädigung für ihren Schmerz fordern. Diese letztere Reaktion ist es, die uns interessiert."

In einer Reihe von Studien, an denen insgesamt 3.536 Personen teilnahmen, untersuchten die Forscher, wie Signale der Tugendhaftigkeit und der Opferrolle mit Merkmalen der Dunklen Triade und betrügerischen Verhaltensweisen zusammenhängen.

Die Forscher fanden zunächst heraus, dass die Wahrnehmung einer Person als tugendhaftes Opfer dazu führte, dass Menschen eher bereit waren, ihr zu helfen, was darauf hindeutet, dass die Verwendung von Tugend- und Opfersignalen eine gültige Strategie ist, um Ressourcen von anderen zu erhalten. Zum Beispiel waren die Teilnehmer eher bereit, einem Opfer einer zufälligen Gewalttat zu helfen, das so beschrieben wurde, dass es bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung angeschossen wurde, als einem Opfer, das vor einem Lebensmittelgeschäft angeschossen wurde oder einem Opfer, das in einem Stripclub angeschossen wurde.

In weiteren Studien stellten die Forscher fest, dass es eine positive Beziehung zwischen den Merkmalen der Dunklen Triade und dem Aussenden von Signalen sowohl der Opferrolle als auch der Tugendhaftigkeit gibt. Von den drei Merkmalen der Dunklen Triade war Machiavellismus - der sich durch die Bereitschaft zu Manipulation und Betrug auszeichnet - der stärkste Prädiktor für tugendhaftes Signalisieren der eigenen Opferrolle.

Mit anderen Worten: Personen mit einem hohen Maß an Machiavellismus berichteten häufiger, dass sie "darauf hingewiesen haben, dass ich aufgrund äußerer Faktoren nicht in der Lage bin, meine Ziele und Träume zu verfolgen", "erklärt haben, dass ich mich aufgrund meiner Identität in der Gesellschaft nicht akzeptiert fühle" und "zum Ausdruck gebracht haben, dass Menschen wie ich in den Medien und in der Führung unterrepräsentiert sind." Sie berichteten auch häufiger von "virtue signaling", wie dem Kauf von Produkten, um ihre positiven moralischen Eigenschaften zu kommunizieren.

Wichtig ist, dass diese Beziehung auch nach Berücksichtigung von demografischen und sozioökonomischen Merkmalen bestehen blieb. Anders ausgedrückt: Menschen mit dunkleren Persönlichkeiten gaben eher an, Opfer zu sein, unabhängig von ihrem tatsächlichen Status in der Gesellschaft.

Teilnehmer, die angaben, mehr tugendhafte Opfersignale zu geben, waren auch eher bereit, gefälschte Produkte zu kaufen und schummelten eher bei einem Münzwurfspiel. Schließlich waren Teilnehmer, die angaben, mehr tugendhaftes Victim Signaling zu betreiben, eher bereit, wahrgenommene Misshandlungen durch einen Kollegen zu übertreiben, um sich einen Vorteil gegenüber diesem zu verschaffen, ein Zusammenhang, der durch die Merkmale der Dunklen Triade vermittelt wurde.

"Zusammengenommen präsentieren unsere Studien konvergierende Beweise dafür, dass das tugendhafte Opfersignal ein effektiver Mechanismus ist, um andere davon zu überzeugen, ihre Ressourcen in einer Weise zu teilen, die dem Signalgeber zugute kommt, und dass Menschen, die zu amoralischer sozialer Manipulation neigen, um ihre Ziele zu erreichen, eher dazu neigen, sie auszusenden", erklärten die Forscher.

Aber die Forscher "warnen eindringlich davor", die Ergebnisse so zu interpretieren, dass jeder, der tugendhafte Opfersignale aussendet, maladaptive Persönlichkeitsmerkmale wie Machiavellismus aufweist.

"Unsere Schlussfolgerung ist einfach, dass Opfersignale effektive Werkzeuge des sozialen Einflusses sind und maximal effektiv, wenn sie mit Signalen der Tugendhaftigkeit eingesetzt werden. Wir liefern auch Beweise, die unsere Behauptung unterstützen, dass diese Signale bei manchen Menschen als doppelzüngige Taktik eingesetzt werden können, um persönliche Vorteile zu erlangen, die sie sonst nicht erhalten würden", schreiben sie.


Sonntag, Februar 28, 2021

Warum Frauen und trans Personen die Gendersprache ablehnen – News vom 28. Februar 2021

1. Der bekannte Leipziger Sexualwissenschaftler Professor Kurt Starke geht in der linken Wochenzeitung "Freitag" auf die Reaktionen einer von ihm verfassten Kritik an der Gendersprache ein.

Der Artikel ist in Gänze lesenswert, hier nur ein Auszug:

Und genau das sind die Frauen, die mit dem Gendern nichts am Hut haben und darin nichts Positives, nicht wirklich Verbesserndes sehen, Frauen die mich jetzt anrufen und mir sagen, dass ihnen all die Sternchen, Unterstriche, großen I, Doppelpunkte und ähnliche Künstlichkeiten zuwider sind, auf den Keks gehen oder einfach peinlich sind. Sie fühlten sich veralbert und bevormundet, und ihnen werde ungefragt etwas aufgedrückt, das sie gar nicht wollen. Ich nehme das ernst.

(…) Krasser noch sind die Reaktionen von Transpersonen. Noch am Erscheinungstag meines Artikels rief mich ein transidenter Mann in Sachen Sternchen* an. Ich hätte das ganz gut gesagt, aber vergessen, dass das Sternchen auch eine Aus- und Abgrenzung sei. Nicht jede Markierung sei harmlos, was man aus der deutschen Geschichte mit dem gelben Stern wissen müsste. Da erschrak ich richtig. Inzwischen habe ich von Fachleuten, die sich mit Transidenten auskennen, erfahren, dass diese das Sternchen vehement ablehnen: Ich bin ich und kein Sternchen, ich fühle mich als Mann (als Frau) und nicht als Sternchen. Die Sternchenform folgt eben nicht der Realität, nicht der Haltung der Betroffenen, sondern ist weit davon entfernt und gekünstelt.

(…) Viele Gendern-Aktivistinnen betonen, sie machten nur Vorschläge, sie wollten keinen Zwang. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Behörden, Betriebe, Vereine, Verlage verordnen das Gendern und Einzelpersonen von hohem Status auch. Eine Professorin schrieb: „Bei Hausarbeiten an der Uni verlange ich, dass die Studierenden gendern.“ Das habe sich trotz erheblicher Widerstände auch durchgesetzt. Was ist das? Eine Hausarbeit als unterwürfiges Bekenntnis? Die Durchsetzung der eigenen Ideologie kraft des Amtes?

Ein Journalist sagte mir: "Wenn ich einen Artikel über die grauenhafte Situation von weiblichen Arbeitskräften schreibe, habe ich die freie Wahl: Entweder ich gendere, und er wird gedruckt oder ich gendere nicht, dann wird er nicht gedruckt. Das Gendern wird zum entscheidenden Kriterium, nicht die Qualität des Artikels, und der beschriebene Zustand auch nicht."

(…) Die meisten Mails zu meinem Artikel habe ich von Frauen erhalten. Männer sind zurückhaltender und resignativer. Die Frauen zeigen sich erleichtert, dass "endlich mal einer" das sagt, was sie schon lange denken. Sie seien empört darüber, dass ihnen von irgendwelchen Leuten etwas aufgedrückt wird, was für sie albern und peinlich sei.




2. Horst Seehofer möchte frauenfeindliche Straftaten gesondert erfassen, berichtet "Die Zeit":

Zuletzt hatte sich das Bundesinnenministerium noch dagegen ausgesprochen. Nun aber sollen frauenfeindlich motivierte Taten in der Kriminalstatistik sichtbar werden.


Hier geht es weiter.

"Ich dachte Gleichberechtigung heisst das Ziel" wendet der erste Kommentator schüchtern ein, wird aber sofort mit einer Reihe von pfiffigen Erwiderungen wie "Bei Ihnen sollte das Ziel Nachdenken heissen" rundgemacht. Da ist dann bezeichnenderweise auch keiner der "Zeit"-Zensoren aktiv, die solche Kommentare, wenn sie aus dem antisexistischen Lager kommen, sonst gerne mit ""Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion" ersetzen.



3. Christian Schmidt kommentiert den FAZ-Artikel Wolfgang Thierses, der seinem vorgestern auf Genderama verlinkten Interview mit dem Deutschlandfunk zugrunde lag.

Viele Reaktionen auf Thierses Positionen waren nicht sehr erwachsen. Unterstützung erhält Thierse inzwischen von Gesine Schwan (SPD) in der Süddeutschen Zeitung (Bezahlschranke). Schwan kritisiert in ihrem Artikel

gegeneinander abgeschottete Communitys, also kollektive Identitäten, die mit ihrer feindseligen Abschottung nach außen über Feindbilder nur ihre jeweils eigene innere Zerrissenheit verdecken. Kollektive Identitäten oder identitäre Kollektive – egal ob sie sich als rechts oder links begreifen – verstehen andere nicht und: Sie wollen andere auch nicht verstehen. Sie wollen sich "fassungslos" über deren "Abartigkeit" empören. So wird die Auseinandersetzung durch moralische Verurteilung vergiftet und Verständigung unmöglich.


Das ist, nebenbei bemerkt, eine wunderbar prägnante Analyse des Umgangs mit Männerrechtlern, also Antimaskulismus.

(Mit "Antimaskulismus" werden auf Genderama Gegenbewegungen zu maskulistischen, emanzipatorischen Forderungen von Männern im Bereich der Geschlechterpolitik bezeichnet. Von Antimaskulismus lässt sich sprechen, wenn mit einem homogenen Feindbild gearbeitet wird und keine inhaltliche Auseinandersetzung mit maskulistischen Forderungen stattfindet. Antimaskulismus ist nicht gleichbedeutend mit jeder Form von Sexismus, baut aber auf dieser Form von Diskriminierung auf.)



4. Joe Bidens Alma Mater, der Universität von Delaware, wird die Diskriminierung von Männern vorgeworfen.



5. Der Psychologe Aman Siddiqi (Chicago) hat seine Dissertation online gestellt: "A Clinical Guide to Discussing Prejudice Against Men".



6. Off-topic: Ich lese gerade Sebastian Wessels Buch "Im Schatten guter Absichten", das sich nicht mit Gender- sondern mit Antirassismus-Politik beschäftigt und kann es sehr empfehlen.

kostenloser Counter