Freitag, Januar 18, 2019

Uhrenfirma antwortet Gillette mit Männerrechtler-Video – News vom 18. Januar 2019

1. Die Kontroverse über die Gillette-Reklame wird noch immer heftg geführt. Neben neuen Artikeln, die allerdings im Wesentlichen die Argumente früherer Artikel wiederholen, sind inzwischen die ersten Video-Parodien online gegangen unter der Parole "Gillette – We Believe the Best WOMEN Can Be". Die Qualität ist dabei unterschiedlich (wobei das sicherlich auch eine Frage des persönlichen Geschmackes ist). Ihr findet diese Videos hier, hier, hier und hier.

Nun bekommen Einzelpersonen in so kurzer Zeit natürlich nur Videos zustande, die von der Produktion her ein wenig schrottig wirken. Überraschend schnell hat es allerdings die Uhrenfirma Egard geschafft, als Antwort an Gillette ein hochwertiges Video zu produzieren, das die Position der Männerrechtsbewegung vertritt. In dem Moment, da ich diese Zeilen schreibe, wurde es auf Youtube knapp 260.000 Mal aufgerufen. (Normalerweise erhalten Egad-Videos nur wenige hundert Zugriffe.) Die Resonanz unterscheidet sich stark von der auf das Gillette-Video: Knapp 30.000 Menschen signalisierten, dass ihnen das Video gefällt, nur 500 fanden es misslungen.



2. Im Vergleich dazu wirkt deutsche Männerpolitik besonders muffig: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble etwa ermahnt Männer zu mehr Hausarbeit.



3. Die liberale Feministin Judith Basad positioniert sich in der Neuen Zürcher Zeitung zum Thema "toxische Männlichkeit":

Wohin die Pathologisierung von Menschen je nach Hautfarbe und Geschlecht führt, kann man auch auf deutschen Twitter-Accounts nachlesen. Hier muss der "alte weisse Mann" mittlerweile für alles herhalten, was in der Gesellschaft schiefläuft. So machte ein Twitter-User Männlichkeit für das rassistische Attentat in Bottrop verantwortlich: "Das Problem heisst Männlichkeit, egal ob IS, Nazis oder anders krank", heisst es dort. Die ARD-Journalistin Anja Reschke twitterte indes, dass sie die "wütenden weissen Männer" gerne in den Arm nehmen und ihnen sagen würde, dass sie "immer noch tolle Hechte" seien. Und die SPD postete neulich auf Twitter eine Bundestagsrede von Katarina Barley, in der diese "den Brexit in einem Satz erklärt": Die Männer sind schuld. Wär’s doch so einfach! So zeigt sich eben nur: Die Idee der toxischen Männlichkeit ist selbst toxisch.




4. Im New Yorker Central Park soll Frauen ein Denkmal gesetzt werden – aber ist es rassistisch? fragt die New York Times.



5. Die feminismuskritische Bloggerin Janet Bloomfield zieht sich vom Bloggen zurück, nachdem ihre Kinder als Zielscheibe für Attacken genommen werden.

Donnerstag, Januar 17, 2019

Deutsche Medien beklagen "rechten Shitstorm" gegen Gillette – News vom 17. Januar 2019

1. Mehrere deutsche Leitmedien sind erbost darüber, dass sich in den sozialen Medien inzwischen mehrere Hunderttausend Männer ganz anders zum Thema "toxische Männlichkeit" positionieren, als es in der letzten Redaktionskonferenz beschlossen wurde. Dabei schaffen es die Artikel erneut nicht, Nachricht und Kommentar auseinander zu halten. So fabuliert die Stuttgarter Zeitung von einem "rechten Shitstorm" an "toxischer Kritik" (was man auch als die Botschaft verstehen kann: Wer einen sexistischen Werbespot kritisiert, soll bitte dem rechten Lager zuwandern, die haben dort noch nicht genug Unterstützer). Für die "taz" ist politisch unerwünschte Kritik sowieso "Hass", die "Süddeutsche Zeitung" schreibt von "selbst ernannten Männerrechtlern" (sind wir wirklich schon Hunderttausende?) und auch "Bento" (keine Verlinkung auf Hetze als Clickbait) sieht nicht ein, warum man sachlich diskutieren sollte, wenn man es auch persönlich werden kann, und ätzt bereits in der Schlagzeile: "Toxische Männer blamieren sich mit Reaktionen" auf die Gillette-Reklame.

Das alles wäre halb so schlimm, wenn nicht übermorgen viele Journalisten in den Leitmedien wieder von Weinkrämpfen durchschüttelt würden, weil in den sozialen Medien der Pöbel der Gesellschaft immer so aggressiv und unsachlich diskutiere und weil es so unerträglich sei, von all diesen stinkenden Primitivlingen umgeben zu sein, während man selbst zu den Hochwohlgeborenen des deutschen Qualitätsjournalismus gehört, die immer sachlich und fair berichten.

Überraschenderweise hat diesmal "Neon" einen Artikel hinbekommen, der nicht die Rezipienten von Reklame angreift, sondern die Verantwortlichen für diese Reklame: "Manche Themen kann man nicht mit Plattitüden abbügeln."

Einigen Männern allerdings reichen Platitüden aus: Nils Pickert stellt beim Deutschlandfunk klar, dass sich sein Verein "Pinkstinks" nur dann gegen sexistische Werbung engagiert, wenn man dort den Eindruck hat, dass Frauen sexistisch dargestellt würden.

Auch in der internationalen Presse ist die Gillette-Reklame nach wie vor Thema. Die Chicago Sun Times befindet, ihre Kritiker würden in die feministische Falle tappen, Männer gegen Frauen auszuspielen. Die britische Daily Mail berichtet, dass Feministinnen Gillette Heuchelei vorwerfen, weil Frauen für dieselben Produkte mehr bezahlen müssten als Männer. Auch der Sydney Morning Herald wirft Gillette früheres unmoralisches Verhalten vor, was seine Reklame unglaubwürdig mache. In einem weiteren Artikel des Sydney Morning Herald heißt es:

Während diese Reklame ein großartiges Beispiel für Marketing ist und dafür, wie transnationale Unternehmen wie Gillette die Tatsache verschleiern, dass sie nur existieren, um durch das Signalisieren von Tugend Gewinne zu erzielen, trägt sie nicht dazu bei, die Gleichberechtigung und den Respekt zwischen Frauen und Männern, Jungen und Mädchen zu fördern.

Indem sie Männer, mit wenigen Ausnahmen, als gewalttätig, frauenfeindlich, unsensibel und sexistisch präsentiert, verstärkt die Anzeige ein eindimensionales männliches Stereotyp, das von Feministinnen der zweiten und dritten Welle vertreten wird.

Eine Karikatur – wie die amerikanische Feministin Camille Paglia argumentiert –, die einen "verärgerten, zähneknirschenden Groll gegen Männer" fördert und "Männerfehler, Mängel und Schwächen aufgreift und zu grausamen Anklageschriften verdichtet". Anstatt Männer zu verteufeln, plädiert Paglia für "einen aufgeklärten Feminismus", in dem "wenn Frauen Freiheit suchen, sie auch Männer frei sein lassen müssen" und in dem "Frauen nicht gewinnen, wenn sie Männer schwächen".

Die australische Feministin Bettina Arndt argumentiert in ihrem jüngsten Buch #MenToo ebenfalls, dass sich der radikale Feminismus, in dem Männer als gewalttätig und sexistisch dargestellt werden, schuldig macht und das Band zerstört, das gegenseitige Akzeptanz und Respekt zwischen den Geschlechtern sichern sollte.

In ihrem Essay mit dem Titel "The demonisation of men - our anti-male society" weist Arndt darauf hin, dass es in Gesellschaft, Medien und Recht eine allgegenwärtige Parteilichkeit gegen Männer gibt - eine Parteilichkeit, die in Bereichen wie Scheidung, Krebsforschung und häuslicher Gewalt Frauen bevorzugt und gleichzeitig die Rechte von Männern verweigert.

Die Existenz von Schulprogrammen wie Respectful Relationships und das Safe Schools Gender- und Sexualitätsprogramm zeigen auch, wie radikaler Feminismus die Männlichkeit verzerrt. Beginnend in der Grundschule, wo Lehrerinnen dominieren und der Lehrplan feminisiert ist, wird Jungen beigebracht, dass Männer sexistisch und gewalttätig sind.

Nichts entschuldigt jemals häusliche Gewalt oder die Kommerzialisierung und sexuelle Ausbeutung von Frauen, aber gleichzeitig ist es wichtig, Männlichkeit anzuerkennen und zu feiern. Eine Männlichkeit, die Mut, Stärke, Empathie und Tapferkeit beinhaltet und akzeptiert, dass es für Männer in Ordnung ist, Frauen als feminin und verführerisch zu sehen.

Es besteht kein Zweifel, dass toxische Männlichkeit inakzeptabel und abstoßend ist. Toxischer Feminismus ist aber nicht die Lösung.


Das sieht Amnesty International anders und ergreift auf Twitter die Position von Gillette, erhält aber sofort die passenden Antworten.

Einer meiner privaten Freunde (kein Männerrechtler) ließ mir die Kopie eines Briefes zukommen, den er gestern Procter & Gamble geschickt hat

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit nun 35 Jahren benutze ich Rasierer und Klingen Ihrer Marke Gillette. Ich finde es traurig, dass ich als jahrzehntelanger, treuer Kunde mit einer Werbung voller Klischees pauschal in meiner Identität als Mann beledigt werde.

Mit Ihrer Werbung "We Believe in the Best in Men" haben Sie mir folgende Botschaft gesendet: Alle Männer sind schlechte, beschämende Wesen, die ertüchtigt werden müssen, bessere Menschen zu sein. Aus Kommentaren in der Presse und den sozialen Medien muss ich entnehmen, dass, wenn ich mich durch Ihre Werbung negative berührt fühle, wohl selbst ein toxischer Mann bin. Ich muss lesen, dass ich ein "getroffener Hund" bin, der bellt. Dass ich Teil eines "rechten Shitstorms" bin. Ist es dass, was Sie mir mit Ihrer Werbebotschaft mitteilen wollten? Dass ich ein rechter Hund bin, der was gegen seine männliche Toxizität tun muss?

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis wurde Ihr Werbespot "We Believe in the Best in Men" breit diskutiert. Die meisten Frauen fanden den Spot ganz lustig und meinten, wir Männer "sollten uns nicht so haben". Man verstehe: Trotz der ernsten und wichtigen Probleme, die der Werbespot aufgreift, kam auch bei den Frauen der Spot als "Tritt gegen Männer" an, den man aber als "echter Mann" eben aushalten müsse. Ja, wir sollen alles aushalten: #MenAreTrash.

Ihr Unternehmen hat in der Geschlechterdebatte nun auf eine Weisung Stellung bezogen, die wohl bei den meisten Männern negativ ankommt. Sie versenden eine Pauschalkritik, die sicherlich nicht die Lebenswirklichkeit der meisten Männer in den Industriestaaten wiederspiegelt (Ja, das sieht in vielen Ländern anders aus -ich bin nicht naiv-).

Ihr Unternehmen hätte sicherlich einen Spot machen können, der sich auf die Förderung guter Verhaltensweisen in positiver Weise konzentriert, ohne dass es zu negativen Verallgemeinerungen über Männer und das, was es heißt, männlich zu sein, kommt. Ihr Unternehmen hätte in der Geschlechterdebatte wichtige positive Impulse setzen können, hat sich aber statt dessen für einfaches male bashing entschieden.

Schon im Alltag und in vielen Medien sieht sich "der Mann" heute einer pauschalen ständigen Kritik ausgesetzt. Wir genügen in der Regel nie. Sie finden diese Wahrnehmung weinerlich und unmännlich? Ich dachte, der moderne Mann soll Gefühle zulassen. Entschuldigung, mein Fehler.

Wenn ich dann von Ihrem nordamerikanischen Markenchef Pankaj Bhalla auch noch höre, man habe eine Debatte erwartet, dann kann ich die Werbung noch nicht einmal als peinlichen Ausrutscher sehen.

Die Werbung "We Believe in the Best in Men" hat mich dazu bewogen, zukünftig keine Produkte mehr von P&G zu kaufen.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich Ihnen diese E-Mail schreiben soll. Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden, da ich denke, dass ich nicht wenigen Kunden aus dem Herzen spreche.


Klingt ein bisschen verbittert, hm? Und das ist vielleicht das Erstaunlichste: dass sich diese bei zahllosen Männern offenbar lange angestaute Verbitterung gerade jetzt Bahn bricht. Bisher konnte man sich darauf VERLASSEN, dass die Mehrheit der Männer ihre Herabsetzungen stoisch hinnehmen. Jetzt aber bricht ausgerechnet ein dämlicher Werbespot, der isoliert betrachtet und ohne den kulturellen Kontext so furchtbar schlimm nun auch wieder nicht wäre, diesen Stoizismus auf. DIESEN Teil der toxischen Männlichkeit ("ein Indianer kennt keinen Schmerz") legen etliche Männer tatsächlich ab, ganz wie Gillette es forderte – aber scheinbar ohne dass der Konzern davon profitieren kann. Im Gegenteil.

Und das dürfte ein weiterer Grund für das momentanen Massenaufbegehren von Männern sein: dass man Procter & Gamble mit Widerspruch da treffen kann, wo es wehtut, nämlich in der Brieftasche. Das ist ein großer Unterschied zu radikalen Feministinnen, die im Internet ihren Hass auf Männer ausspeien und jeglichen Protest nur als Material benutzen, um sich als verfolgte Unschuld massenmedial in Szene zu setzen, also letztlich davon profitieren. Bei Letzteren glauben viele, dass Protest gar keinen Zweck hat; Procter & Gamble hingegen glaubt man noch durch Abwandern zu anderen Herstellern sanktionieren zu können.

Und in DIESER Situation beschimpfen Journalisten der Leitmedien die protestierenden Männer als "toxische Rechte". Wie eine Nomenklatura, die aufsässigen Bürgern mitteilt, dass ihr Verhalten absolut inakzeptabel sei.

Kann die Rechnung von Gillette trotzdem aufgehen? "Etwa drei Viertel der rund 880.000 Kommentare [auf Youtube] kritisierten das Video harsch" berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Das habe sich "allerdings nicht auf den Börsenkurs von Procter & Gamble, der Mutterfirma von Gillette, niedergeschlagen. Im Gegenteil: Seit der Veröffentlichung des Werbefilms ist der Kurs um ein Prozent gestiegen."

Etliche Menschen zu benutzen, damit die Börsenkurse steigen, ist nun wenig mehr als Alltag in unserem System. Vielleicht hat Gillette einfach nur einen Weg gefunden, dass einem Konzern dafür von linken Journalisten zugejubelt wird.

Auf Twitter schließlich erklärt Lucas Schoppe, was die Kontroverse um die Gillette-Reklame sichtbar macht:

Interessant an der #GilletteAd ist vor allem, warum Fans und - die vielen - Gegner sie so völlig unterschiedlich wahrnehmen.

Ihr Gegner sehen sie als mediale Konstruktion, eben als Werbung, die mit Klischees, Wünschen und hier auch mit Ressentiments operiert.

Ihre Fans hingegen sehen sie als gültige Aussage über die Welt an: Männer wären doch tatsächlich so wie dargestellt, und es wäre doch tatsächlich wichtig, dass sie sich ändern.

Damit ähnelt der Konflikt dem Konflikt zwischen Antirassismus und Rassismus.

Antirassisten sehen Rassismus zurecht als Konstruktion aus Ressentiments an.

Rassisten hingegen sehen sich selbst oft gar nicht als Rassisten, sondern glauben, einfach nur Aussagen über die Welt zu treffen: "Wieso soll das schlimm sein, das zu sagen, DIE sind doch wirklich so."

Es ist also eine Projektion, wenn z.B. Der Standard von einem "rechten Shitstorm" gegen die Ad schreibt. Tatsächlich schließen die Gillette-Werbung und ihre Unterstützer direkt an klassische Rechtsaußen-Positionen an. Auch wenn sie das nicht wahrnehmen.




2. Ein Jahr gibt es jetzt das Entgelttransparenzgesetz. Es erwies sich als Flop. Deshalb müsse es dringend nachgeschärft werden.



3.
Alle Parteien schwärmen für die Frauenquote. Nur FDP und AfD sind dagegen. Und die Vernunft. Die Quote hindert alle Wähler daran, sich schlicht für die Beste oder den Besten zu entscheiden.


Hier geht es weiter mit dem Artikel von Dorothea Siems, Chefkorrespondentin der "Welt" für Wirtschaftspolitik.



4. Die Partei der Demokraten in den USA unterstützt den Frauenmarsch gegen Trump nicht mehr, der für diesen Samstag geplant ist. Die verantwortlichen Feministinnen hatten zu viel toxische Weiblichkeit an den Tag gelegt.



5. Eine Britin, die in der Armee bei einem zentralen Fitnesstest versagte, wurde trotzdem durchgewinkt – bis die männlichen Soldaten rebellierten.



6. Australische Feuerwehrmänner müssen sich dafür entschuldigen, auf einem Schild erklärt zu haben, dass sie stolz darauf seien, Männer zu sein.



7. "Wie soll ich in einer derart männerfeindlichen Gesellschaft wie unserer meine Söhne großziehen?" fragt eine Mutter in den USA.



8. Der britische Guardian berichtet über eine Studie, der zufolge staatliche Gesetze den sexuellen Missbrauch von Jungen oft übergehen:

Die Studie, die Gesetze hinsichtlich der Vergewaltigung von Kindern in 40 Ländern untersuchte, ergab, dass knapp die Hälfte der Länder keinen Rechtsschutz für Jungen bot. In vielen Fällen waren die Gesetze spezifisch für Mädchen und erkannten Jungen nicht als Opfer an.

Die Forscher identifizierten auch eine Tendenz, der zufolge sich die Unterstützungsdienste, einschließlich Unterkünfte und Rechtsbeistand, auf Frauen und Mädchen konzentrieren.

"Oft wird dies zu einem Thema der Gewalt gegen Frauen zusammengefasst, und deshalb richtet es sich eher an Mädchen als an Jungen", sagte Katherine Stewart, eine Beraterin des Economist Intelligence Unit, der den Bericht erstellt hat.

Mittwoch, Januar 16, 2019

Professor für Marketing: Warum die neue Gillette-Reklame toxisch ist – News vom 16. Januar 2019

1. Die neue Gillette-Reklame (Genderama berichtete gestern) wird in den sozialen Medien hochkontrovers diskutiert. Offenbar steht sie im Rahmen einer größer angelegten Kampagne, die vor allem die junge Generation der Milennials erreichen soll. Die heftig umstrittene Reklame wurde von einer Feministin kreiert und trendet vor allem auf Twitter stark – bei anhaltend vernichtender Kritik.

Im Wirtschaftsmagazin Forbes erklärt der Professor für Marketing Charles R. Taylor, womit genau Gillette mit dieser Reklame einen Rohrkrepierer gelandet hat:

Die Reaktion auf "We Believe in the Best in Men" war überwältigend negativ, wobei die Kommentare auf dem eigenen Youtube-Kanal mit erstaunlichen zehn zu eins negativ ausfielen. Es gibt diejenigen, die die Anzeige wirklich mögen und argumentieren, dass sie einfach versucht, positives Verhalten zu verstärken. Die viel größere Gruppe, die sie nicht mag, umfasst jedoch viele Männer, die sagen, dass die Anzeige Männer beleidigt und voller Klischees steckt. Am gefährlichsten für Gillette ist jedoch die große Anzahl von Kommentatoren, die drohen, das Produkt nie wieder zu kaufen.

(...) Was hat Gillette hier falsch gemacht? Ich denke, es gibt drei wesentliche Punkte, die angesprochen werden müssen:

1) Während Appelle zur sozialen Verantwortung von Unternehmen wirksam sein können, müssen Unternehmen darauf achten, dass die Verbraucher skeptisch gegenüber ihren Motiven sind oder sich von einem gewinnorientierten Unternehmen nicht sagen lassen möchten, wie sie sich verhalten sollen.

Das von Marian Friestad und Peter Wright populär gemachte Überzeugungs-Wissen-Modell legt nahe, dass sich die Menschen der überzeugenden Absicht der Werbung bewusst sind: mit dem ultimativen Ziel, den Produktumsatz zu steigern. In diesem Zusammenhang hegen die Menschen eine gewisse Skepsis gegenüber den Motiven der Werbetreibenden. Das eigentliche Problem mit dem "Best a Man Can Be" aus der Sicht seiner Kritiker ist jedoch, dass viele Männer nicht denken, dass sie ein Unternehmen brauchen (vor allem keins, von dem sie Produkte kaufen), das ihnen sagt, was es heißt, männlich zu sein, oder sie maßregelt, weil sie nicht genug getan haben, um ein Problem anzugehen.

Pankaj Bhalla, Gillettes nordamerikanischer Markenchef, wird von CNN mit den Worten zitiert: "Wir haben eine Debatte erwartet. Eigentlich ist eine Diskussion notwendig. Wenn wir nicht diskutieren und nicht darüber reden, glaube ich nicht, dass es zu einer echten Veränderung kommen wird." Es ist nicht schwer zu erkennen, wie viele Männer es für anmaßend halten, dass Gillette sich als Führer oder Rollenmodell in der Männlichkeit darstellt, im Gegensatz zu einflussreichen anderen Menschen in ihrem Leben wie Geistlichen, Vätern, Müttern und Lehrern. Außerdem würden viele Männer argumentieren, dass es keine "Debatte" über die Moral der in der Anzeige dargestellten Verhaltensweisen gibt.

2) Das Kreative im "Best a Man Can Be" könnte effektiver sein, wenn es anders vorgebracht würde.

Wie Kim Elsesser, eine Mitarbeiterin von Forbes, eloquent argumentiert, vertritt die von Robert Cialdini populär gemachte Theorie des Konsumentenverhaltens die Auffassung, dass Menschen motiviert sind, sich anzupassen, indem sie Zustimmung erhalten und Missbilligungen vermeiden. Gesellschaftliche Akzeptanz ist oft mit der Anpassung an soziale Normen verbunden. Elsesser weist darauf hin, dass die Anzeige zwar das schlechte Verhalten, das sie darstellt, eindeutig ablehnt, gleichzeitig aber andeutet, dass die meisten Männer sich an diesem Verhalten beteiligen. Daraus folgt, dass man, um sich anzupassen oder "männlich" zu sein, Zustimmung suchen würde, indem man sich an den Verhaltensweisen der Mehrheit der Gruppen beteiligt - nicht an den "einigen Männern", die nach Ansicht von Gillette "nicht genug" sind. Letztendlich ist dies eine gemischte Botschaft, die verwirrt und es für einen jungen Mann unklar macht, was denn jetzt die Botschaft darüber ist, männlich zu sein und in diese Gesellschaft hinein zu passen.

3) Politisch aufgeladene Sprache sollte von Werbetreibenden vermieden werden.

Die Verwendung des Begriffs "toxische Männlichkeit" in der Anzeige war ein absoluter Fehler. Obwohl dieser Begriff nur kurz und schnell erwähnt wird, bringt seine Verwendung viele Männer mit einer einseitigen Kritik und Klischees hinsichtlich eines ganzen Geschlechts in Verbindung. Unabhängig davon, wie sehr einige ohne Marketinghintergrund glauben möchten, dass es in Ordnung ist, wenn Unternehmen politisch Stellung beziehen, ist es nie gut, einen wesentlichen Teil der Zielgruppe zu entfremden. Michael Jordans Aussage, dass er sich nicht an einem politischen Kommentar beteiligen wollte, weil "Republikaner auch Schuhe kaufen", bleibt weise. Unabhängig davon, welche politische Partei oder Gruppe entfremdet werden kann, ist es einfach eine schlechte Marketingpraxis, eine beträchtliche Anzahl der eigenen Kunden zu beleidigen.

Die Schande für Gillette besteht darin, dass der Konzern sicherlich eine Kampagne hätte entwickeln können, die sich auf die positive Förderung guter Verhaltensweisen konzentriert, ohne umfassende Verallgemeinerungen über Männer und das, was es heißt, männlich zu sein. Die Marke hätte eine Lehre ziehen können aus der berühmten "Always: Like a Girl"-Super- Bowl-Reklame von 2015, die eine fast überall gut aufgenommene Botschaft über die weibliche Ermächtigung auf positive Weise lieferte. Im Moment ist es "The Best a Man Can Be" gelungen, viele der Kunden des Unternehmens unnötig zu entfremden, darunter auch viele gute Männer, die die Probleme, die in der Anzeige angesprochen werden, weitgehend ebenfalls erkennt.

Während Gillette die Möglichkeit hat, die Kampagne zu modifizieren und sich zu erholen, wenn die Firma einen Fehler zugibt und einige Änderungen vornimmt, wird diese Kampagne, wenn sie auf dem aktuellen Weg weitergeht, als nichts anderes in Erinnerung bleiben als einer der größten Marketing-Fehler aller Zeiten.


Der Vergleich mit der verlinkten Always-Ultra-Werbung macht besonders deutlich, warum die Gillette-Reklame ein Griff ins Klo ist. Always Ultra sagt der weiblichen Zielgruppe: "Mädels, ihr seid viel besser als diese doofen Klischees über euch." Gillette hingegen sagt seiner Zielgruppe: "Jungs, die doofen Klischees über euch stimmen alle, aber WIR sagen euch jetzt, wie es richtig geht." Danach braucht man sich über die heftige Ablehnung nicht mehr zu wundern.

Es gibt allerdings auch Feministinnen, die die Gillette-Reklame entsetzlich finden:

Gillette hat die MeToo-Bewegung als kulturellem Trend zur Waffe gemacht und eine Werbekampagne erschaffen, die den Mann wieder in den Mittelpunkt stellt. In einer patriarchalischen und zutiefst sexistischen Gesellschaft, in der Männer in fast allen Lebensbereichen im Mittelpunkt stehen, sind sie nun auf die Bewegung aus, die Frauen für sich und einander geschaffen haben. Und diese Männer haben es getan, um die Gewinne für eines der am meisten gegenderten Produkte zu steigern, die es gibt.

(...) Gillette hätte den Wert der Frage nach den Geschlechternormen erkennen können, die mit den Produkten verbunden sind, die diese Firma verkauft. Sie hätten ein geschlechtsneutrales Produkt oder sogar eine von MeToo inspirierte Marketingkampagne entwickeln können, die sich auf die Frauen konzentriert, die von einer langen Geschichte der Unterdrückung betroffen sind, die mit geschlechtsspezifischen Slogans beginnt und zu der Art von sexuellem Missbrauch eskaliert, den sie angeblich verurteilen.

Diese Art von Produkten und die Kampagnen, die sie uns seit Jahrzehnten aufzwingen, haben zu einer Kultur beigetragen, in der der Körper von Frauen als Ware wahrgenommen wird, die Männer genießen können. Eine Bewegung, die darauf abzielt, dies zu ändern, auszunutzen, um dieselben Produkte zu verkaufen, ist nicht nur geschmacklos, sondern auch heuchlerisch und grausam.

Sie wertet die Bedeutung der MeToo-Bewegung ab - und macht sie nicht zu einer unverzichtbaren Kampagne für das Recht der Frauen auf körperliche Autonomie, sondern zu einem modischen Slogan, den sie Männern anbieten können, damit sie sich besser fühlen. Und sie benutzt die Geschichten von Frauen, die mutig genug sind, um über ihre Übergriffe, Belästigungen und Verunglimpfungen zu sprechen, um dadurch mehr Geld zu verdienen. Dies ist eine beschämende Anklage gegen die Welt, in der wir leben, die immer den Mann in den Mittelpunkt gestellt hat und scheinbar immer stellen wird.


Derweil spricht sich der Autor Peter Lloyd im britischen Fernsehen gegen die Gillette-Reklame aus:

Der Journalistin Harriet Minter blieb der Mund offen stehen, als Peter Lloyd argumentierte, dass die Rasiermessermarke eine Anzeige herausbringen sollte, die die "schlimmsten Frauen" zeige - einschließlich gefälschter Vergewaltigungsvorwürfe.

(...) Peter Lloyd argumentierte: "Man könnte Frauen lehren, keine falschen Vergewaltigungsvorwürfe zu erheben, keinen Vaterschaftsbetrug zu begehen, die Rechte der Väter auf ihre Kinder nach der Scheidung nicht zu verweigern. Diese Anzeige ist wirklich gefährlich. Dieser politisch motivierte Krieg gegen Männer ist sehr bösartig."


(Auf der Diskussionsplattform Reddit findet man übrigens ein Drehbuch, wie eine vergleichbare Gillette-Reklame für Frauen konkret aussehen würde.)

Der Autor und Moderator Piers Morgan, ein weiterer Teilnehmer der erwähnten TV-Debatte, hatte sich schon in der Daily Mail ähnlich klar geäußert:

Die unterschwellige Botschaft der Reklame ist klar: Männer, ALLE Männer, sind schlechte, beschämende Menschen, die in die Lage versetzt werden müssen, bessere Menschen zu sein.

Das ist eines der erbärmlichsten und am meisten die eigene Tugend signalisierenden Dinge, die ich je gesehen habe.

Gillette erklärte, der Zweck der Anzeige sei es, Männer zu drängen, sich gegenseitig für schlechtes Verhalten "verantwortlich" zu machen.

Klar doch, denn das Einzige, was im Moment in der Welt nicht passiert, ist, dass Männer für schlechtes Verhalten verantwortlich gemacht werden!

Jesus, es ist schwer, an eine einzige Minute eines Tages zu denken, an dem Männer nicht irgendwo wegen angeblich schlechten Verhaltens aufgehängt, gefoltert und gevierteilt werden - ihre Karriere und ihr Leben werden zerstört. In den meisten Fällen nicht durch ein ordentliches Verfahren vor einem Gericht, sondern oft auf die bloße Behauptung in einem Facebook-Posting einer wütenden Ex-Freundin, die Behauptungen aufgestellt hat, die wahr sein könnten oder auch nicht.

Ich möchte die Bedeutung der #MeToo-Kampagne nicht mindern, die ein wichtiges und längst überfälliges Licht auf völlig inakzeptable sexuelle Belästigung, Mobbing und Missbrauch geworfen hat. Aber warum sollten alle Männer mit der gleichen monströsen Bürste geteert werden, wie es diese Gillette-Kampagne vorsieht?

Wenn ich einen Werbespot für weibliche Kunden mache, der auf der allgemeinen Vorstellung basiert, dass Frauen Lügnerinnen, Betrügerinnen, Psychopathen und Mörderinnen sind (es gibt solche Frauen; ich habe viele von ihnen für meine Killer-Women-Krimiserie interviewt) und deshalb müsse jeder Frau beigebracht werden, dass sie all das nicht sein soll, würde die Hölle losbrechen und das zu Recht.

Wie immer bei solchem Irrsinn wird die Freude radikaler Feministinnen in den sozialen Medien über solchen männerhassenden Unsinn nur von der erbärmlichen Heuchelei bestimmter Männer übertroffen, die darum wetteifern, ihnen ihre Unterstützung zu zeigen und sich jeden Mann vorzuknöpfen, der etwas dagegen sagt.

(...) Die Twitter-Antwort eines männlichen Kunden ging schnell viral: "Ich habe gerade eine Gillette-Rasierklinge benutzt, um mir die Hoden abzuschneiden. Keine toxische Männlichkeit mehr für mich. Danke, Gillette!"

(....) Gillette - die so sehr an die Rechte der Frauen glaubt, dass sie nur zwei Frauen in ihrem Vorstand mit neun Direktoren hat - dachte, sie sei klug, indem sie den radikalen feministischen Angriff auf Männer und Männlichkeit anzapfte.

Tatsächlich war es unaussprechlich dumm.

Indem Gillette ihren männlichen Kunden sagte, dass wir im Grunde genommen alle ein Haufen ungebildeter, abscheulicher, sexistischer und belästigender Raubtiere sind, haben sie es auf unverzeihliche Weise überzogen.


Immerhin positionieren sich auch Frauen gegen das Männerbashing:

So befand Clare Dalliday online: "Schämen Sie sich, @Gillette. Einen Schritt zu weit. Der eine Mann hält seinen Freund davon ab, einer Frau auf der Straße hinterher zu gehen. Warum? Er sah sie an, mochte sie, wollte sie um ein Date bitten. Was ist daran falsch? Ist dies das Ende von Verabredungen? Ich fürchte um meine 2 Teenager-Söhne, die gerne ein Date haben. @GMB #GilletteAd."

Eine Frau namens Annette schrieb: "Ich denke, wenn man die gleiche Anzeige über Gillette-Frauen machen würde, wäre das empörend!"

Und eine andere Frau stellte fest: "Männer sind noch immer Freiwild, wie ich sehe."


Derart heftige, breitflächige und lautstarke Entgegnungen auf Männer-Bashing sind neu. Müssen wir Gillette am Ende noch dankbar sein?

Die Kontroverse wird heute auch bei Christian Schmidt diskutiert.



2. "Ich bin eine Quotenfrau!" erklärt CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und fordert, dass die CDU in einem "ersten Minimalschritt" ihre Wahllisten so aufstellt, dass sie die selbst gesetzte Frauenquote von 30 Prozent einhält, und in einem zweiten Schritt für einen Anteil von 50 Prozent sorgt. Wenn die CDU dabei versage, mehr Frauen in den Bundestag zu schicken, werde man Diskussionen über das Wahlrecht bekommen.

Viel zu oft habe sie das Vorurteil gehört, dass wegen irgendwelcher Quoten Frauen auch ohne Qualifikation vorankämen. Das sei mitnichten der Fall, sagt Kramp-Karrenbauer. Dass sie selbst heute an der Spitze der CDU stehe, habe sie auch der Quote zu verdanken: "Wir brauchen das Bekenntnis: Ich bin eine Quotenfrau."




3. Auch Thomas Oppermann (SPD) möchte das Wahlrecht ändern, damit der Bundestag weiblicher wird. Der aktuelle "niedrige" Frauenanteil liege

nicht an Grünen und Linken jedenfalls, die haben mehr weibliche als männliche Abgeordnete. Auch nicht an der SPD, die hat mit 64 Mandaten die meisten Frauen im Bundestag. Total unterrepräsentiert sind Frauen bei CDU/CSU (19,9 Prozent), FDP (22,5 Prozent) und AfD (10,8 Prozent). So ergibt sich der niedrige Frauenanteil von insgesamt nur 30,7 Prozent. Damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Der Ausgangspunkt für Reformen beim Wahlrecht ist Artikel 38 Grundgesetz. Der garantiert das gleiche aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen. Aber unsere Verfassung enthält in Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 auch die Verpflichtung des Staates, auf die tatsächliche Gleichberechtigung hinzuwirken. Das ist der Rahmen, in dem wir uns bei der Gestaltung des Wahlrechts bewegen. (...) Das Parlament repräsentiert bei einem Frauenanteil von 31 Prozent nicht die deutsche Bevölkerung.

(...) Die Chancen von Frauen sind auch deshalb geringer, weil die Kandidatenaufstellung in den Wahlkreisen von Männern dominiert wird. Deshalb schlage ich vor, dass die verbliebenen 240 Wahlkreise geteilt werden. Diese Wahlkreise würden dann deutlich größer, aber dort könnten dann jeweils zwei Kandidaten gewählt werden – ein Mann und eine Frau. Die Optionen der Wähler werden also erweitert: Sie können einen Mann, eine Frau und eine Partei wählen. Wir hätten also quasi ein Dreistimmenwahlrecht.




4. MANNdat erklärt, wie die "Tagesschau" die Menschen beim Thema "häusliche Gewalt" manipuliert.



5. Tristan Rosenkranz, Genderama-Lesern als engagierter Aktivist gegen häusliche Gewalt und mittlerweile Verleger der "Edition Outbird" bekannt, bittet mich darum, hier auf eine Anfrage der Berliner Videojournalistin Valentina Repetto hinzuweisen. Repetto sucht Betroffene, die bereit sind, sich mit ihr für ein Video-Projekt zum Thema "häusliche Gewalt" für ZEIT ONLINE zu unterhalten.

Nun gilt ZEIT ONLINE als nicht gerade männerfreundlich, Repetto allerdings bekundet: "Es ist für mich sehr wichtig, sowohl Männer als auch Frauen zu interviewen. Es besteht natürlich die Möglichkeit die Personen anonym zu filmen. Mein Wunsch ist kein Film über die Betroffenen zu machen, sondern mit ihnen. Denn ich finde es wichtig dieses Thema, dass so versteckt und verheimlicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, nach außen zu tragen und die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren."

Wer mit Repetto Kontakt aufnehmen möchte, kann sie telefonisch erreichen unter 0178/ 65 92 786 oder per Mail unter mail@valentinarepetto.com.



6. Ich freue mich darüber, dass Genderama nach seiner Rückkehr aus der Winterpause sofort wieder dieselben Zugriffsraten hat wie zuvor. Vergangenes Jahr gab es eine leichte Verzögerung, im Jahr davor hat es noch ziemlich lange gedauert, das alte Level wieder zu erreichen.

Dienstag, Januar 15, 2019

#Unfollowpatriarchy, Frauenstreik, Beschneidung, Gillette – News vom 15. Januar 2019

1. Die BILD-Zeitung versucht, sich mit einer betont frauenfreundlichen Plakatkampagne zu profilieren. Das erregt den Unmut der feministischen Gruppe #unfollowpatriarchy, die die Plakate austauscht.



2. In der Schweiz planen Feministinnen immer noch einen Streik, bei dem eine halbe Million Frauen ihre Arbeit niederlegen sollen. Der Tages-Anzeiger unterstützt dies mit dem Artikel "Der Streik wird schmerzen", in dem er die Verantwortlichen ihre Position darlegen lässt.



3. Auf den Seiten der "Zeit" äußert sich Patrik Schwarz auch zum Thema Jungenbeschneidung. Der Menschenrechtler Victor Schiering kommentiert diesen Artikel auf Facebook:

Sexistische Kackscheisse hoch zehn:

"Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wiederum ist natürlich ein hohes Gut, und mit Recht ist etwa jede Form von weiblicher Genitalverstümmelung nicht durch religiöse Praxis oder Überlieferung zu rechtfertigen. Bei der männlichen Beschneidung der Vorhaut liegen die Fakten allerdings anders: Weder geht damit eine Herabsetzung des Lustempfindens einher, noch erschwert der Eingriff den normalen Gebrauch des betroffenen Körperteils, wie Millionen beschnittener Männer gerne bestätigen werden."

Wenn Patrik Schwarz, ein geschäftsführender Redakteur, Fake News und Sexismus in Reinform verbreitet, muss man sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Menschen in Leitmedien sinkt und sinkt ... Beides eine gefährliche Entwicklung! Ist halt die Frage, ob man zu ihr beiträgt oder ihr entgegenwirkt. In der ZEIT findet offensichtlich überhaupt keine Prüfung auf Fakten und Recherche mehr statt. Echt erschreckend.




4. Nach drei misslungenen islamischen Beschneidungen muss ein israelischer Arzt aus Bochum 7500 Euro an die Eltern von drei kleinen Kindern zahlen (also 2500 an jedes Opfer.) Die Beschneidungen wurden offenbar mit einem "Elektro-Kauter" vorgenommen, eine operative Schneidemethode mit Strom. Verbrennungen seien "deutlich sichtbar". Danach gab es so große Probleme mit Entzündungen, dem Absterben von Gewebe und bläulichen Verfärbungen, dass die Kinder starke Schmerzen hatten und die Eltern sie zum Notarzt brachten. Eines der Kinder musste stationär behandelt werden.



5. Der Daily Mail zufolge florieren in Großbritannien Do-it-yourself-Vaterschaftstests. 20 Prozent der Männer würden dabei erfahren, dass sie nicht der Vater des untersuchten Kindes sind. In Deutschland hatte vor vielen Jahren Justizministerin Zypries (SPD) solche Tests per Gesetz erheblich erschweren lassen.



6. Mit dem Aufhänger "100 Jahre Frauenwahlrecht" stellt die STERN-Zweigstelle NEON den Kondom-Produzenten Waldemar Zeiler vor, Lebenspartner der Mitbegründerin des feministischen Magazins EditionF:

Der beste Weg, den Frauenanteil auf Bühnen und Panels zu erhöhen, wäre, Frauen statt Männer zu buchen. Und Männer nur noch im Vulva-Kostüm auf Bühnen und Panels zu lassen. Klingt vernünftig.


Zeiler fordert die Kennzeichnung von "Antifeministen" mit "hat-den-Gong-nicht-gehört", "Mittelalter-ist-sein-Ding" oder einfach nur "Penis", verlangt "Gehaltstransparenz" und findet, "das (letzte) Aufbäumen der alten weißen Männer zwingt uns (Feministen) alle, unsere Energie nochmal richtig zu mobilisieren". Man sei "kurz vorm tipping point in dieser Sache".



7. Die Firma Gillette (Procter & Gamble), die vor allem durch ihre Rasierapparate bekannt ist, fordert Männer auf, ihre toxische Männlichkeit wegzurasieren. Diese neue Kampagne zieht neben Zustimmung auch massive Kritik in den sozialen Medien auf sich; das sie begleitende Youtube-Video hat derzeit knapp 23.000 positive und über 210.000 negative Bewertungen erhalten. "Das Video ist traurig und deprimierend, weil es ALLE Männer in ein schlechtes Licht rückt", zitiert das Wall Street Journal einen Twitter-Nutzer. "Es gab immer gute Männer. Böse auch, ja, aber das Gleiche kann man über Frauen sagen."

In dem Artikel des Wall Street Journal heißt es weiter:

Die neue Gillette-Anzeige sollte positives Verhalten inspirieren, verbringt aber zu viel Zeit damit, das Verhalten aufzudecken, für das Männer kritisiert wurden, sagte Susan Cantor, Chief Executive der Branding-Firma RedPeak. "Männer sagen: Wir fühlen uns ausgegrenzt, kritisiert und beschuldigt, anstatt inspiriert, befähigt und ermutigt."


Der Darstellung des feministischen Guardian zufolge werde Gillette indes nur von "Männerrechtlern und rechten Publikationen" kritisiert.



8. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Schön, dass Genderama aus der Winterpause gekommen ist. Kurze Ergänzung zu der Anwältin, die Mädchen in Knabenchöre bringen will. Du hast Radio Dresden zitiert, es lohnt aber, den Original-Artikel im Tagesspiegel noch mal anzuschauen.

In den Kommentaren diskutiert nämlich Frau Bräcklein, die Anwältin, geduldig mit den Kommentaristen, die mehrheitlich nicht ihrer Ansicht sind. Bemerkenswert sind zwei Dinge: Unter den Diskussionsteilnehmern sind viele Frauen, die sich Frau Bräckleins Standpunkt nicht zu eigen machen, und Frau Bräcklein will einfach nicht verstehen, dass es musikalische Gründe für reine Knabenchöre gibt, dass ein Knabenchor schlichtweg anders klingt als ein Mädchenchor oder ein gemischter Chor. Hier ist ein sehr interessanter Artikel aus der New York Times, mit welchen Problemen die von Frau Bräcklein gescholtenen Elite-Knabenchöre so zu kämpfen haben.


Ein anderer Leser schreibt mir zu meiner Meldung das männer.ch die Konkubinatsproblematik angehen will:

Dein Kommentar liest sich etwas sarkastisch - das das Thema brennt in der Schweiz wirklich, und das auch gleich in beide Richtungen, wobei Männer - wie fast üblich - am stärksten betroffen sind:

Das Konkubinat ist, wie die "eingetragene Partnerschaft", rechtlich anerkannt und an sich (gesellschaftlich) problemlos, NUR: Konkubinats-Väter bekommen beim Arzt keine Auskünfte, wenn dem Kind etwas fehlt; nur Mütter dürfen (bezüglich Behandlungen) entscheiden, trägt das Kind ja den Namen der Mutter (Familienrecht; Namen des Vaters NUR bei Ehe oder Adoption). Bringt der Vater das Kind ins Krankenhaus, muss die Mutter antraben um Behandlungsentscheide fällen zu können (ausgenommen lebensrettende Sofort-Massnahmen, natürlich) – der Konkubinatsvater hat schlicht nichts zu melden. Ist ein Problem des "Vaterschaftsrechts", also eines der Männerrechtsbewegung.

Auch für die "Konkubinats-Partner" selbst gibt es Probleme; meine Tante lebte im Konkubinat mit meinem "Onkel". Als er damals ins Krankenhaus kam, wurde meiner Tante - trotz vorgelegtem Konkubinats-Vertrag – die Auskunft über seinen Zustand verweigert, sie war ja nicht die Ehefrau; sie musste warten, bis er bei Bewusstsein war und Besuch empfangen durfte, um zu erfahren was/wie/wo - und um das mit den Auskünften klären zu können. Umgekehrt genau so, als meine Tante im Krankenhaus landete, bekam er keine Auskunft. Ein Anliegen nicht nur für die Männerechtsbewegung, sondern allgemein der Gleichstellung an sich.

Allerdings stimme ich mit Dir überein - männer.ch sollte sich dringenderen Problemen zuwenden, davon haben wir ja auch mehr als genug.

Montag, Januar 14, 2019

Super-Giga-Phallo-O-Gott-ist-der-groß!-Jahresanfangs-Blogbeitrag: Alle wichtigen News, die ihr vielleicht verpasst habt

Ein frohes neues Jahr euch allen – und erst einmal ganz herzlichen Dank allen Spendern, die dieses Blog in den letzten Wochen unterstützt haben! Einige von euch waren ausgesprochen geoßzügig, so dass der über das vergangene Jahr feststellbare Rückgang an Spenden komplett wieder aufgefangen wurde. Es wird also nicht nötig sein, dass ich hier unter meine Beiträge regelmäßig einen Spendenbutton einbaue.

Mit eurer Unterstützung habt ihr drei Dinge erreicht: Ihr habt mir das finanzielle Backing gegeben, dieses Blog überhaupt fortführen zu können. Ihr habt ein klares Vorum dafür abgegeben, dass ihr an dieser Fortführung sehr interessiert seid. Und ihr habt mich mit der Motivation versorgt, das mindestens ein Jahr lang weiterhin täglich zu tun. (Auch an Tagen, an denen kein Blogbeitrag erscheint, recherchiere ich zu interessanten News, aber ich blogge halt nichts, wenn ich nur auf Dinge stoße, die mich selber langweilen.) Generell habe ich für das kommende Jahr so einiges geplant.

Einer meiner Leser hat mir ein supersupersüßes Neujahrsgeschenk gemacht, indem er mich auf diesen putzigen Kalender mit Social-Justice-Warrior-Kätzchen aufmerksam machte. Katzenfreunde könnten sich zum Beispiel jeden Monat eine dieser Aufnahmen als Bildschirmhintergrund einrichten. Auch dafür – so wie für jeden Linktipp – ganz herzlichen Dank!

Damit kommen wir sofort zu den aktuellen News der letzten Wochen. Wer viel in der "Mannosphäre" des Internets unterwegs war, hat einiges davon sicher längst selbst entdeckt, aber das trifft ja nicht auf jeden Genderama-Leser zu.



1. Das unter anderem von Anne Wizorek betriebene feministische Blog "kleinerdrei" hört auf, meldet die "Süddeutsche Zeitung"..Dem von zehn Leuten verfassten Abschiedsbeitrag zufolge verteile sich die Arbeit an diesem Blog schlicht "auf zu wenig Schultern". Im letzten Jahr etwa waren es 40 Blogbeiträge, also vier pro Mitarbeiterin. Zugegeben, das artet in die für unser Patriarchat leider typische Ausbeutung von Frauen aus. Nur weil eine Frau bekanntlich so viel leistet wie zig Männer, war es wohl überhaupt möglich, diese Schufterei zu stemmen.

Vermutlich sehe ich nur zu schwarz, aber irgendetwas sagt mir: Wenn Genderama jemals eingestellt wird, wird darüber kein eigener Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" erscheinen.



2. Auch ein weiteres feministisch geprägtes Projekt stirbt: die deutsche Ausgabe der Huffington Post.



3. Eine Meldung, die in der ersten Januarwoche in mehreren englischsprachigen Zeitungen verbreitet und daraufhin auch von dem Blog "Alles Evolution" aufgegriffen wurde, blieb von fast allen deutschen Leitmedien zwar ignoriert – überraschenderweise berichtete immerhin die Süddeutsche Zeitung: Genderforscher hatten endlich auch das gemerkt, worauf Maskulisten seit mehreren Jahrzehnten aufmerksam machen, nämlich dass man beim Thema Diskriminierung nur dann eine "patriarchale" Benachteiligung von Frauen feststellen kann, wenn man sämtliche Benachteiligungen, die Männer erleiden, von Anfang an ausblendet. Tut man das nicht, sind Männer in sämtlichen europäischen Nationen außer Italien sogar ein wenig im Nachteil. Nicht neu für uns, aber ein Unding für den Filz aus Leitmedien, Politik und den feministischen "Genderstudien", weshalb man dort wohl auch weiterhin so tun wird, als ob es diese Erkenntnisse nicht gäbe.



4. Gerne mache ich auf Nachrichten aufmerksam, die bisher auf Genderama Gemeldetes korrigieren oder zumindest in Frage stellen. Kommt nicht oft vor, aber diesmal schon: So hatte ich einen Artikel der "Ostsee-Zeitung" verlinkt und zitiert, dem zufolge in Rostock 80 Prozent der Vergewaltigungen vorgetäuscht seien, es sich also um Falschbeschuldigungen handele. Im Rest des Landes sehe es ähnlich aus. Dazu meldet die Tagesschau:

Auf Anfrage dementierte ein Sprecher der Polizei Rostock die Zahl von 80 Prozent. "Dass acht von zehn Vergewaltigungen vorgetäuscht sind, wurde seitens der Polizei nicht gesagt." Allerdings bestätigte der Sprecher die Darstellung, wonach die Zahl der vorgetäuschten Sexualdelikte seit etwa fünf Jahren steige.


Die "Ostsee-Zeitung" hat ihren Artikel weder zurückgezogen, noch ergänzt oder korrigiert. Hier auf Genderama möchte ich aber auf das Dementi der Rostocker Polizei hinweisen, denn mit unsauberen Daten kann man politisch nicht sinnvoll arbeiten.



5. "Die Welt" wirft einen Blick zurück auf die Entwicklung der Löhne im letzten Jahrzehnt: "Männlich, Facharbeiter, Vollzeitjob – das sind die Verlierer". Dabei heißt "verlieren" allerdings "weniger stark gewinnen": Unter dem Strich sind die Gehälter von Männern zwischen 2007 und 2017 um real 10,9 Prozent gestiegen. Frauen kamen hingegen auf 14,4 Prozent Zuwachs.



6. Der bekannte Staatsrechtler Udo di Fabio hält ein Gesetz für mehr Frauen im Parlament für verfassungswidrig. Dieses Gesetz wird vor allem von Justizministerin Katarina Barley (SPD) vorangetrieben, findet aber etwa auch bei Kramp-Karrenbauer (CDU) Anklang.



7. In der Frankfurter Allgemeinen analysiert Frank Pergande, wie das Bundesfrauenministerium zum sozialdemokratischen Basislager wurde.



8. Der "enttäuschte und missachtete ostdeutsche Mann" dürfte im Wahljahr 2019 eine große Rolle spielen.



9. Jörg Kachelmann hat Grund, sich freuen. Er kehrte nicht nur unter großem Applaus und Rekord-Zuschauerzahlen auf den Bildschirm zurück, sondern triumphierte auch ein weiteres Mal juristisch gegen die Springer-Presse: diesmal vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. (Ausführlicher berichtet die Legal Tribune.)



10. Im Zusammenhang mit Kachelmanns Rückkehr beschäftigt sich Don Alphonso unter anderem mit der Feministin Juliane Leopold:

Früher war sie Teil des Blogs "kleiner_3", das von Anne Wizorek betrieben wurde, eine andere Feministin, die durch die sogenannte Oktoberfestlüge bekannt sein könnte: Da ging es um krass überhöhte Vergewaltigungszahlen, um die Silvesternacht von Köln zu relativieren. Wie auch immer, Frau Leopold arbeitet bei der ARD, genauer beim NDR, und sie leitet Tagesschau.de, das Digitalangebot der vermutlich wichtigsten Nachrichtensendung in jenem Rundfunk, den man landläufig "öffentlich-rechtlich" nennt. Und sie zitiert gerade jetzt, da Jörg Kachelmann auch von diesen Sendern ein klein wenig rehabilitiert wird, indem er eine Sendung des MDR moderieren kann, das Urteil der ersten Instanz im Prozess gegen ihn. Dieses von Misstrauen gegen Kachelmann durchtränkte Urteil gilt heute zusammen mit dem ganzen Prozess gemeinhin als Justizskandal, denn im weiteren Verlauf bewies Kachelmann nicht nur seine Unschuld: Die Frau, die ihn belastet hatte, wurde rechtskräftig wegen der Falschaussagen verurteilt. Und daneben zahlten auch noch einige Medienhäuser, die falsche Behauptungen verbreitet hatten. Natürlich kann man das vollkommen ignorieren, nur das Skandalurteil zitieren und auf den letzten Satz verweisen. Aber das macht nicht irgendwer. Das macht die Leiterin der Abteilung, die für den Online-Bereich der "Tagesschau" zuständig ist. Sie ist da noch nicht mal allein, eine Journalistin der "taz" hat das auch vor Kurzem getan.

Man kann also unschuldig im Gefängnis sitzen, man kann sich vor der ganzen Republik durch parteiische Medien fertigmachen lassen, sich wehren, seine Ehre vor Gericht verteidigen und ein Urteil gegen die Falschbeschuldigerin erwirken. Man kann absolut sauber aus der Sache herauskommen, aber da draußen ist dann immer noch eine, die denkt, sie könnte, wenn sie es nur richtig formuliert, einem noch was mitgeben. So, dass doch noch etwas haften bleibt, und so, dass gegen sie keine Anzeige möglich ist. Das, liebe Leser, macht die im NDR tätige Leiterin von Tagesschau.de, und Sie können sich nun überlegen, ob dafür die Zwangsabgaben, von denen Frau Leopold sicher nicht schlecht lebt, angemessen sind. Vor allem aber müssen Sie bedenken: Mit solchen Methoden arbeitet die Leiterin. Was sagt das über die anderen Nachrichten, die durch ihre Hände gehen, und wie sicher muss man in diesem Sender sein, dass man einen Mann mit solchen Methoden kompromittieren kann? Wer schützt diese Person, und was sagt das über den gesamten Betrieb, in dem sie arbeitet? Vor allem, weil das nicht der erste Fall ist, schon 2010 schrieb Frau Leopold zum Thema Kachelmann Unsägliches.

(...) Das Beispiel zeigt doch recht deutlich, was man sich mit der ARD als Arbeitgeber und mit einer radikal-feministischen Einstellung heutzutage alles so leisten kann – gegenüber einem, der sich nichts vorzuwerfen hat, wohlgemerkt. In der Folge versuchten viele, mit Frau Leopold zu argumentieren, aber ich denke, zwei Aspekte sind klar erkennbar: Eine gewisse Gruppe der Aktivisten wird es Kachelmann nie verzeihen, dass er überlebt und danach auch noch gewonnen hat – sie wollten ihn im Staub sehen, und nicht als Held erleben, der gezeigt hat, dass man gegen Staatsanwalt, Intrige, Gericht und weite Teile der Medien bestehen kann. Und: Sie werden weiter versuchen, ihren Spin durchzusetzen. Weil sie genau wissen, dass ihnen dabei nichts passiert, solange sie nur vorsichtig genug angreifen. Der "Spiegel" beispielsweise hat Margarete Stokowski von der "taz" übernommen, obwohl sie in einem Stück Kachelmann offen unterstellt hat, er sei durch den Prozess "heftig traumatisiert" und "paranoid": So etwas ist kein Karrierehindernis beim Relotius-Haltungsjournalismus-Magazin. Man kann das so über ein Opfer der Justiz und einer Straftäterin schreiben und wird dann trotzdem zu 100 Jahre Frauenwahlrecht von Frau Barley ins Justizministerium eingeladen – selbst wenn man kurz davor in einer Kolumne darüber nachdachte, politisch unpassende Männer mit Falschbehauptungen zu ruinieren. Das alles geht ohne Probleme, zumindest in Hamburg bei NDR und "Spiegel".




11. Mehrfach in den sozialen Medien empfohlen wurde Lucas Schoppes aktueller Beitrag Sascha Lobo und die Freude am Blocken. Ein Auszug:

Wenn Akteure wie Lobo aus einer weit überlegenen Position im Diskurs Tausende anderer blocken oder gar, wie Böhmermann, Blocklisten veröffentlichen, dann maßen sie sich an, andere Menschen nach eigenem Gutdünken aus wichtigen Aspekten des allgemeinen Diskurses auszuschließen. Blocken ist dann, anders als Lobo behauptet, nicht Freiheit, sondern Ausdruck von Macht und Willkür.

Das gilt mehr noch für Politiker und öffentliche Institutionen – und auch das streift der Netzexperte Lobo gelangweilt nur ganz nebenbei. Der Blogger "Lotosritter" beispielsweise veröffentlicht in seinem Blog, unter anderem, beeindruckende Texte über Erfahrungen als männlicher Überlebender sexuellen Missbrauchs, auch des Missbrauchs durch die eigene Mutter. Er wirft dabei politischen Institutionen vor, den Einsatz für die Überlebenden des Missbrauchs insbesondere dann zu vernachlässigen, wenn sie dem etablierten Schema des männlichen Täters und des weiblichen Opfers nicht entsprechen.

Politisch wäre eigentlich, neben dem Justizministerium, vor allem das Jugend- und Familienministerium für die Diskussion zuständig, die der Lotosritter anzustoßen versucht. Das Ministerium ist für ihn jedoch nicht über soziale Medien erreichbar – dort ist er geblockt.

(...) Ich selbst habe ebenfalls, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab als der Lotosritter, Erfahrungen mit dem politischen Blocken gemacht. Ich bin zum Beispiel von der Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, geblockt.

Ich hatte sie natürlich niemals gestalkt, sie vor dem Blocken lediglich in einem Artikel erwähnt und sie per Twitter in einem einzigen Tweet unaggressiv (wenn auch womöglich etwas ironisch) auf eine Geschichte von mir hingewiesen. Dass ich geblockt bin, habe ich einfach nur daran gemerkt, dass ich Zitate von ihr nicht mehr lesen konnte – ich hatte nie wieder versucht, sie zu kontaktieren, habe weder gewütet noch geschimpft noch gedroht, und sie musste gewiss nicht das Gefühl haben, sich vor mir schützen zu müssen. Ich vertrete wohl einfach nur Positionen, von denen sie prinzipiell nichts mitbekommen möchte.




12. Ein Teil des von Gunnar Kunz in seinem Blog veröffentlichten, mehrteiligen Rückblicks auf das "feministische Jahr 2018" ist heute ebenfalls bei Lucas Schoppe erschienen. Er trägt den Titel Medien, Zensur und Manipulation. Eine Leserin kommentierte den Text bereits auf Twitter mit dem Hinweis darauf, dass er nicht nur für eingefleischte Männerrechtler von Interesse ist:

Diese nüchterne und gründliche Auflistung von Angriffen auf die Meinungsfreiheit und Manipulation der Bevölkerung lässt bei mir ein extrem beunruhigtes Gefühl aufkommen. Das sollte eigentlich allen Demokraten so gehen. Man braucht ein bisschen Lesezeit, aber es lohnt sich.




13. Die wichtigste Sexismus-Debatte des zurückliegenden Wochen: Eine Rechtsanwältin fordert einen Zugang für Mädchen bei Knabenchören.



14. Die kirchliche Missbrauchsaufarbeitung ist laut dem Münchner Sozialpsychologen Heiner Keupp noch äußerst defizitär. Ein Grund: Frauen – etwa Nonnen und Diakonissen – seien als Täterinnen bislang kaum im Blick.



15. Mit Frauen an wichtigen Schaltpositionen wird die Welt viel friedlicher, glauben viele. Und das weibliche Geschlecht macht ja auch wirklich große Schritte voran. Inzwischen werden zum Beispiel die größten US-Rüstungskonzerne mehrheitlich von Frauen geführt.



16. Der NDR berichtet in einem hörenswerten, knapp fünfminütigen Podcast über eine neue Studie zum Leiden vieler Väter nach Scheidungen. Aus der Untersuchung ergibt sich ein Plädoyer für das gemeinsame Sorgerecht.



17. Bei einer Beschneidung in Bayern ist das Baby fast verblutet. Die Ermittlungen gegen den Arzt wurden jetzt eingestellt. Erstens gebe es keine bleibenden Schäden, zweitens darf man nach dem vor einigen Jahren von allen Bundestagsparteien beschlossenen Beschneidungsgesetz bei Jungen solche Risiken in Kauf nehmen. Wie der Bayrische Rundfunk in dem verlinkten Artikel berichtet, müssen einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zufolge jedes Jahr mindestens 400 Kinder nach einer Beschneidung stationär in einem Krankenhaus in Deutschland behandelt werden. Der Sender zitiert hierzu den Menschenrechtler Victor Schiering:

"Dieser Fall zeigt wieder, dass Jungen mit ihrem Körper, mit ihren Schmerzen, mit ihrem lebenslang reduzierten Sexualempfinden, mit all den Konsequenzen, die das haben kann, allein den Preis dafür zahlen, dass Erwachsene sich einer dringend notwendigen Menschenrechtsdebatte entziehen."




18. Einen besonders gravierenden Fall toxischer Weiblichkeit gibt es in Österreich: Dort drehte eine Sonderschul-Lehrerin Pornos mit ihrer 13jährigen Tochter.



19. Der Schweizer Verband Männer.ch hat unter Markus Theunert ein neues soziales Anliegen entdeckt: die Ehe Light für Unverheiratete. Schön, dass in der Schweiz sämtliche männerspezifischen Probleme gelöst sind, so dass man sich jetzt auch anderen Themen zuwenden kann.



20. Das Medienprojekt Wuppertal sucht für einen Dokumentarfilm Frauen und Männer, die in ihrer Familie oder Partnerschaft Gewalt erfahren haben. Während in der öffentlichen Debatte häusliche Gewalt durch den Druck der feministischen Lobby häufig auf "Mann prügelt seine Partnerin" reduziert wird, nimmt dieses Projekt die tatsächliche Gesamtheit dieser Problematik in den Blick, also auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen.



21. Ein netter Gastartikel im FOCUS: "Mein Leben als Vollzeitpapa: Was mich am meisten nervt, sind andere Mütter".



22. Der politisch enorm einflussreiche US-Psychologenverband APA (117.500 Mitglieder, 115 Millionen Dollar Jahresbudget) hat verkündet, dass traditionelle Männlichkeit psychologisch schädlich" sei:

Männer hätten allgemein wegen ihres Geschlechts Vorteile und größere Macht, aber es gebe auch viele negative Folgen. Sie würden unverhältnismäßig harter Disziplin unterworfen, scheitern häufiger an der Universitätsausbildung, haben mehr psychische Probleme (vollendeter Suizid), mehr körperliche Probleme (Herz-Kreislauf) oder andere Probleme wie Gewalt, Gefängnis, Drogen, früher Tod oder Beziehungsprobleme. Aus psychologischer Sicht kommt dazu auch noch, dass Männer oft nicht Hilfe suchen, wenn sie das brauchen, und es viele Hürden gibt, geschlechtsspezifische Behandlung anzunehmen.


Toby Young erklärt im britischen Spectator welches Gewicht solche Formulierungen wegen des immensen Einflusses von APA haben:

Dieses Edikt wird von den Universitätsverwaltungen bei der Überwachung sexueller Interaktionen auf dem Campus herangezogen werden, von den Gerichten bei der Entscheidung, wem das Sorgerecht zuerkannt wird, und von den Personalabteilungen bei der Beurteilung von Beschwerden über männliche Mitarbeiter. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese neue Anleitung das Leben von Millionen von Männern und Jungen für die kommenden Jahre beeinflussen wird.


Insofern besteht bei diesem Edikt das erhebliche Problem, dass tatsächlich selbstschädigendes Verhalten (Schmerzen und Probleme ignorieren, weil man den harten Kerl spielen möchte) und gesellschaftlich bedingte Probleme (etwa Diskriminierung im Erziehungswesen) wild zusammengewürfelt werden. Vorhersehbar war auch, dass sich feministische Plattformen sofort mit obskuren Therapieaufforderungen für Männer auf diese Botschaft stürzten, um sie für die eigene Ideologie auszuschlachten. Ist etwa "Erkennt eure Privilegien an" wirklich ein therapeutischer Ratschlag an beispielsweise depressive Männer oder nicht doch eine kaum verhüllte ideologische Parole?

Wegen dieser Gefahr des Missbrauchs ist beispielsweise der linke schwule Journalist Andrew Sullivan sehr skeptisch, was die aktuelle Erklärung des Psychologenverbandes angeht:

"Wenn wir Männer verändern können", gibt einer dieser Psychologen zu, "können wir die Welt verändern." Wenn das für Sie eher nach einem politischen Projekt als nach einem Therapieleitfaden klingt, liegen Sie nicht falsch. (...) Wenn Sie die Richtlinien lesen, erkennen Sie, dass die APA glaubt, dass Psychologen Männer darüber informieren sollten, dass das, was sie für ihre Natur halten könnten, eigentlich nur eine Reihe von sozialen Konstrukten ist, die sie verletzen, Tausende ermorden und die Gesellschaft als Ganzes tief verwunden.

(...) Die Rolle der Psychologie? Soweit ich sagen kann, ist es die Indoktrination der kritischen Gendertheorie: "Psychologen können Klienten helfen, ein Bewusstsein für Systeme zu entwickeln, die davon ausgehen, dass der Ausdruck von cisgender Männlichkeit die erwartete Norm ist, und zu identifizieren, wie sie durch die Diskriminierung von Menschen, die geschlechtsunkonform sind, geschädigt wurden. Angesichts der Zusammenhänge zwischen Sexismus und anderen Formen von Vorurteilen können Psychologen es nützlich finden, Unterdrückungen als pädagogische Strategie zu verbinden, insbesondere bei der Arbeit mit Jungen und Männern in Gruppen." Viel Glück dabei.

Und ja, die ideologische Männerfeindlichkeit ist unverkennbar. Informieren Sie sich über die gleichwertigen Richtlinien für Frauen und Mädchen, die 2007 veröffentlicht wurden. Wo Stoizismus eine schlechte Sache für Männer ist, besonders für schwarze Männer, funktioniert er bei Frauen: "In Therapie, Lehre, Forschung und Supervision werden Psychologen ermutigt, sich nicht nur der Herausforderungen bewusst zu werden, mit denen Frauen und Mädchen konfrontiert sind, sondern auch der Belastbarkeit und Stärke, die Frauen und Mädchen als Reaktion darauf gezeigt haben." Bei Männer ist "Durchsetzungsvermögen" Teil einer Krankheit, bei Frauen ist es eine Tugend.

(...) So viele der Geisteswissenschaften haben sich der kritischen Race- und Gendertheorie ergeben, das Individuum ausgelöscht und natürliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern geleugnet, dass es töricht erscheinen mag, von Psychologen zu erwarten, dass sie es besser machen. Aber für diejenigen von uns, die fest an die Bedeutung der Psychotherapie glauben und die denken, dass viele Männer viel zu zögerlich dabei sind, Hilfe und Unterstützung zu suchen, ist die Entscheidung der APA, die Hälfte der Menschheit zu pathologisieren, eine schreckliche Nachricht. Es gibt in der Tat Probleme, bei denen Männer heute Hilfe brauchen, und die Unterdrückung von Gefühlen ist definitiv ein Teil davon. Männlichkeitsaspekte - Aggression ohne Tugend, Gewaltverherrlichung, Kommunikations- und Kooperationsschwierigkeiten - sind es wert, besser verstanden zu werden, wenn sich Männer mit einem wirtschaftlichen und sozialen Umfeld auseinandersetzen sollen, in dem sie zunehmend zurückgelassen werden.

Aber das hier? Es fühlt sich erniedrigend an, das zu lesen. Um ehrlich zu sein, erinnerte es mich an die Art und Weise, wie Psychologen schwule Männer behandelten: als pathologisch, gefährlich und auf der Suche nach einer Reparatur- und Konversionstherapie. Als Homosexuelle haben wir lange Zeit gelernt, sehr vorsichtig mit Psychologen und Psychiatern umzugehen, weil sie uns routinemäßig als Individuen sahen, deren Wesen und Verhalten grundlegend verändert werden mussten - um unser selbst und um der anderen willen. Was einst gegen schwule Männer verwendet wurde, wird heute gegen alle Männer verwendet.

Wenn dieses Dokument dazu gedacht wäre, Männer zu ermutigen, eine Psychotherapie zu besuchen, dann ist es eine Katastrophe.


Ähnlich bewertet es der bereits erwähnte britische "Spectator":

Wenn Sie Zweifel an der Übernahme des amerikanischen Psychologenberufs durch Professoren der Jammerstudien haben, suchen Sie nicht weiter als bis zu diesen Richtlinien. Es gibt kaum einen Satz, der nicht mit der Ideologie der Social-Justice-Bewegung belastet ist. Das Geschlecht ist sozial konstruiert und nicht binär; das Geschlecht wird bei der Geburt zugewiesen und nicht ermittelt und aufgezeichnet; die dominante Männlichkeit ist historisch bedingt durch die Ausgrenzung von Männern, die nicht weiß, heterosexuell, cisgender, körperlich gesund und privilegiert sind; Psychologen sollten sich über die Auswirkungen von Rassismus und Homophobie auf das Verhalten und die psychische Gesundheit von Jungen und Männern informieren und den schädlichen Auswirkungen von Mikroaggressionen begegnen; weiter geht es mit Rassismus, Homophobie, Biphobie, Transphobie, Altersdiskriminierung, Ablehnung ... blah, blah, blah, blah. Das Wort "Transgender" kommt häufiger vor (56) als "männlich" (53). Das ist kein unparteiischer, evidenzbasierter Ratschlag. Es ist ein politisches Manifest.

(...) Was wirklich psychologisch schädlich erscheint, ist dieser unendliche Krieg gegen die Männlichkeit. Der Effekt, Männern zu sagen, dass ihr Wunsch, zu schützen und zu versorgen, "sexistisch" ist, und Frauen davon zu überzeugen, dass sie ohne uns besser dran sind, hat eine Epidemie des Zusammenbruchs von Familien ausgelöst. Atemberaubende 25 Prozent der amerikanischen Kinder werden von alleinerziehenden Müttern erzogen. Zweifellos denkt die APA, dass Jungen, die ohne Väter aufwachsen, besser dran sind. Schließlich wurde ihnen der Kontakt mit schädlichen männlichen Vorbildern erspart. Aber die düstere Realität sieht so aus, dass dise Jungen eher die Schule abbrechen, Alkohol- und Drogenabhängige werden und im Strafrechtssystem landen.

In der Zwischenzeit verbringen die Männer, denen gesagt wurde, dass sie nicht mehr gebraucht werden, ihr Leben mit Videospielen, werden süchtig nach Opioiden und begehen in zunehmender Zahl Selbstmord. Die durchschnittliche Lebenserwartung der amerikanischen Männer lag im vergangenen Jahr bei 76 Jahren und damit zum zweiten Mal in Folge niedriger. Wenn die APA nach Toxizität sucht, sollte sie als erstes sich selbst in den Blick nehmen.


Auch im politisch links stehenden, britischen Independent kommt Patricia Casey in einem ausführlichen Artikel aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Das Fazit ihres Artikels lautet:

Wenn Männer, die psychologische Hilfe benötigen, eingeschüchtert und untergraben werden, als wären sie politische Marionetten oder weibliche Klone, dann werden sie dagegen reagieren. Der Versuch, den männlichen Geist zu unterdrücken, kann die Probleme, die den Autoren zufolge so schädlich für Männer sind, nur verschlimmern. Eine Verbesserung kann man nicht dadurch erreichen, dass man einfach so tut, als ob Männer und Frauen dasselbe wären.


Ja dann mach's doch besser! könnten Sie nach all dieser vernichtenden Kritik zu Recht einwenden. Erfreulicherweise gibt es konkrete, vernünftige Verbesserungsvorschläge von Dr. John Barry, Mitbegründer des Netzwerks für männliche Psychologie der British Psychological Society. Ein Auszug:

Leitlinie 3 [der APA] besagt, dass "Männer insgesamt ein höheres Maß an sozialer und wirtschaftlicher Macht haben als Mädchen und Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft". Diese Aussage ist ein Beispiel für das, was wir als Gamma-Bias in der Psychologie identifiziert haben, eine Art kognitive Verzerrung, bei der Beispiele männlicher Privilegien vergrößert werden und weibliche Privilegien ignoriert oder wegerklärt werden. Beispiele für männliche Benachteiligungen sind der Bildungsabschluss der Jungen und die hohe Selbstmordrate der Männer, Beispiele für weibliche Vorteile leichtere Haftstrafen und Geschlechterquoten in wissenschaftlichen Berufen. Tatsächlich haben jüngste Erkenntnisse ergeben, dass Männer in vielen Ländern weltweit benachteiligt sind, insbesondere in Ländern mit mittlerem bis hohem Entwicklungsstand.

Therapeuten, die glauben, dass die Leitlinie 3 für ihre männlichen Klienten zutrifft, könnten verständlicherweise damit zu kämpfen haben, viel Mitgefühl für sie zu empfinden, und ein männlicher Klient könnte es schwer haben zu glauben, dass er bei solchen Therapeuten auf viel Mitgefühl stoßen wird.

Als Alternative (...) schlage ich vor anzuerkennen, dass Männlichkeit in gewissem Maße angeboren und potenziell positiv für die psychische Gesundheit ist, und die Verletzlichkeiten männlicher Klienten für uns als Therapeuten wichtiger ist als jede hypothetische patriarchale Macht. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass das schlechte Verhalten der Minderheit der Männer für einen grundlegenden Aspekt der Männer im Allgemeinen repräsentativ ist, und wir sollten erkennen, dass ein negatives Männerbild ein Hindernis für ein angemessenes Maß an therapeutischem Mitgefühl darstellt.

Ich möchte die [APA] ermutigen, ihre Leitlinien zu überarbeiten, um sie mit den Forschungsergebnissen und dem gesunden Menschenverstand in Einklang zu bringen. Ich möchte auch die Autoren anderer Leitlinien zur psychischen Gesundheit von Männern auffordern, ähnliche Änderungen vorzunehmen. Schließlich suchen Männer weniger Therapie als Frauen, auch wenn sie selbstmordgefährdet sind, weshalb wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um die Therapie männerfreundlicher zu gestalten.


Auch das populärwissenschaftliche Magazin Psychology Today kritisiert die Richtlinien des APA und gelangt schließlich zu dem Fazit:

Psychologie entwickelt sich zunehmend zu einem Beruf und einer Branche mit mehr Frauen, und Richtlinien wie diese wären eine wichtige Möglichkeit für Klinikerinnen, besser zu verstehen, wie man Patienten mit unterschiedlichen Geschlechtererfahrungen behandelt. Diese besonderen Richtlinien stellen einen schlechten Präzedenzfall dar, was darauf hindeutet, dass Psychologen ganz locker mit Fakten umgehen können und Forschungen ignorieren, wenn ideologische Werte für wichtiger gehalten werden. So wurde ich nicht ausgebildet, weder in der Psychologie noch als Mann.


Die neuen Richtlinien der APA waren gestern auch Diskussionsthema bei Christian Schmidt.



23. Das Europaparlament hat Wörtern wie "mankind", "manpower" und "layman" den Kampf angesagt.



24. Gegen einen der Forscher, die letztes Jahr auch für eine größere Öffentlichkeit den pseudowissenschaftlichen Charakter der "Genderstudien" aufdeckten, werden jetzt disziplinarische Maßnahmen ergriffen. Dem Chronicle of Higher Education zufolge wird der Betreffende bereits von weltbekannten Wissenschaftlern wie Stephen Pinker, Richard Dawkins und Alan Sokal verteidigt.



25. Eine Rechtsanwältin konnte durchsetzen, dass die Tulane-Universität im US-Bundesstaat Louisiana bei der Vergabe von Stipendien Männer nicht mehr finanziell diskriminiert.



26. Einen ähnlichen Sieg für die Gleichberechtigung von Männern gibt es an der britischen Universität Oxford.



27. Mitte Dezember wurde auch in deutschen Medien wie "Zeit" und "Stern" ausführlich über die sexistische Kaderschmiede "The Wing" berichtet, die Männer aus ihren Netzwerken ausschloss und eine weltweite Expansion plant. Inzwischen lässt The Wing stillschweigend auch Männer zu – nach einer zwölf Millionen Dollar schweren Diskriminierungsklage.

Kein Wunder, dass Feministinnen wegen dem Maskulismus in Aufruhr sind: Wer erklärt diesen Drecks-Männerrechtlern endlich, dass Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von FRAUEN gemacht worden sind, von FRAUEN?

Es gibt allerdings auch Stimmen, die behaupten, die Entscheidung von The Wing, sich auch Männern zu öffnen, sei eigentlich der Transgender-Lobby zu verdanken. Bezeichnenderweise heißt es in einer am Freitag von The Wing herausgebenen Erklärung, das Netzwerk werde zukünftig "keine Vermutungen über die Geschlechtsidentität von Bewerbern mehr anstellen oder diese Bewerber danach fragen, welchem Geschlecht sie sich zugehörig betrachten". Ich zum Beispiel hätte demnach auch gute Chancen auf Mitgliedschaft, denn wer weiß, vielleicht bin ich ja insgeheim eine Frau.



28. Vorbildlich: Der Frauenmarsch im kalifornischen Eureka wurde wegen einer unverhältnismäßig großen Zahl weißer Frauen abgesagt.



29. "Mobs von Frauen protestieren gegen die großen Holzfirmen und fordern gleiche Arbeit" lautet eine Schlagzeile der Satire-Website The Babylon Bee. In dem Artikel heißt es:

USA - Verschiedenen Quellen zufolge protestierten heute im ganzen Land Tausende von Frauen gegen die geschlechtsspezifische Diskriminierung bei den Holzfirmen des Landes.

"Überwältigende 99,1% der Arbeiter, die gefährliche Holzarbeiten ausführen, sind Männer! Das ist unerhört", schrie eine Frau durch ein Megaphon, als Streikposten vor den Timber Mainline Contractors im Norden Michigans aufmarschierten. "Wir fordern gleiche Einstellung in allen Berufen, sei es bei Holzfällerarbeiten, der Wartung von Starkstromkabeln oder tödlichem Hochseefischen!"

"Wir wollen auch unglaublich gefährliche Jobs machen! Wir wollen auch unglaublich gefährliche Jobs machen!" skandierten sie.

Eine Frau in Oregon kettete sich an eine Forstmaschine und erklärte, dass sie nicht herunterkommen werde, bis Beaver Lumber Mill einer zu 50 Prozent weiblichen Arbeiterschaft zustimme. "Es ist 2019, und Frauen sind immer noch nicht in gleicher Weise in den körperlich anspruchsvollsten und potenziell tödlichsten Berufen vertreten. Wie können wir sagen, dass dies ein freies Land ist, wenn Frauen nicht in dieser brutalen Art von Arbeit vertreten sind?"

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hatten die Sägewerke des Landes zugestimmt, die Demonstrantinnen einzustellen, aber diese erklärten dann, sie wollten, dass ANDERE Frauen in dieser unglaublich gefährlichen Branche das weibliche Geschlecht vertreten sollen, nicht sie selbst.




30. Da wir gerade beim Thema sind:

Eine Wissenschaftlerin hat ein dramatisches Diversitätsdefizit bei der Feuerwehr festgestellt. Heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht seien hier unter sich. Brauchen wir eine Löschdebatte?


Und das ist KEINE Satire, sondern ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen.



31. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zum neuen Jahr:

Lieber Herr Hoffmann,

schon länger hatte ich mir vorgenommen, Ihnen zu schreiben, und jetzt zum neuen Jahr und angesichts Ihrer Weihnachtsgrüße auf Genderama fand ich es passend. Zunächst möchte ich Ihnen herzlich für Ihre Aufklärungsarbeit danken. Ich lese Genderama nun schon seit mehreren Jahren, und ich muss sagen, dass wenige (oder vielleicht gar keine) Menschen so sehr dazu beigetragen haben, meinen Blick auf die Welt im Hinblick auf Geschlechterpolitik zu ändern, wie Sie!

Früher war ich selbst stolz darauf, ein "moderner Mann" zu sein, Frauen überall als benachteiligt und förderungsbedürftig wahrzunehmen, mich selbst von allzu viel Männlichkeit abzugrenzen und Quoten für eine gute Idee zu halten. Das hat sich vollständig geändert. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass eine Politik, die gefühlte und behauptete Ungleichheiten zu struktureller Diskriminierung umdeutet, den Mann als das Übel der Welt sieht und Frauen "empowern" will, indem er sie in einem kollektiven Opfernarrativ gefangen hält, kontraproduktiv und letztendlich gesellschaftsschädigend ist. Ich freue mich, dass Sie so viel Wert legen auf eine faktenbasierte Berichterstattung, die sich trotz der ein oder anderen berechtigten Spitze nicht in Polemik ergeht und immer konstruktiv auf eine positive Entwicklung für Männer UND Frauen hinarbeitet.

Nach und nach habe ich mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt und bin auf weitere wichtige Stimmen wie etwa Christina Hoff Sommers, Janice Fiamengo, Jordan Peterson, Steven Pinker, Don Alphonso, Science-Files, Hadmut Danisch etc. gestoßen. Als Stabsoffizier der Bundeswehr bin ich natürlich auch persönlich betroffen von den Bemühungen der Leitungsebene, Frauen zu "fördern", "Gleichstellung" zu institutionalisieren und Diversity und Inklusion medienwirksam zu huldigen. (Dass die Bundeswehr durchaus andere, wohl drängendere Probleme hat, lässt sich regelmäßig den Medien entnehmen.) Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass sich der gemeinsame Dienst mit Frauen in der Regel völlig unproblematisch gestaltet, die meisten mit der "von oben" vorgegebenen Gleichstellungspolitik auch nicht wirklich zufrieden sind und keine Extrabehandlung wollen. Ab und zu trifft man jedoch immer wieder mal auf eine Dame, die sämtliche Klischees in Bezug auf den "Kampf gegen das Patriarchat" und die "Unterdrückung der Frau" erfüllt.

Auch dort habe ich jedoch schon häufig "double standards" wahrgenommen und mich in der ein oder anderen Situation auch schon selbst hinterfragt, ob ich einem männlichen Untergebenen mit ebensoviel Nachsicht begegnet wäre, wie der Frau im konkreten Fall. Letztendlich gehe ich mittlerweile bewusster mit solchen Situationen um, und trotz all der berechtigten Kritik an einer Männerbewegung, die vor allem viele Texte schreibt, aber praktisch wenig sichtbar ist, glaube ich, dass schon viel gewonnen ist, wenn viele Ihrer Leser (Männer und Frauen) ihr tägliches Handeln diesbezüglich reflektieren und gegebenenfalls auch ändern. Ich persönlich würde mich mit einer analog zum vorherrschenden Feminismus lauten und aktivistischen Männerbewegung auch eher unwohl fühlen, auch wenn es weiter herausfordernd bleibt, politisch Einfluss geltend zu machen. Trotzdem glaube ich, dass sich die Dinge langsam ändern – und die zunehmend überdreht wirkenden Äußerungen von Feministinnen und Vertretern der Gender-Studies werte ich da als Bestätigung.

Ich habe Ihren Blog auch schon Freunden empfohlen, immer dann, wenn sich Diskussionen über Geschlechterthemen ergaben und sie von meiner Sichtweise überrascht waren. Ich habe diese Empfehlungen immer als Hinweis, nie laut oder rechthaberisch ausgesprochen und konnte feststellen, dass der Effekt bei denen, die sich darauf einließen, immer zu merken war. Deshalb möchte ich Sie herzlich bitten, mit Ihrer Arbeit weiterzumachen, die ich für sehr wertvoll und unbedingt notwendig halte, um insbesondere Männer auf die Einseitigkeit der deutschen wie auch der internationalen Geschlechterpolitik aufmerksam zu machen. Ich habe mich dementsprechend auch entschlossen, dieser Bitte mit einer bescheidenen monatlichen Spende für Ihre Arbeit mehr Nachdruck zu verleihen.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf einen Artikel in der WELT: Gisela Friedrichsen schreibt über die Geschichte hinter der "ZEIT"-Berichterstattung zum Fall Dieter Wedel. Neben den merkwürdigen journalistischen Praktiken fiel mir eine Tatsache besonders ins Auge: Die Protagonistin der Geschichte, die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel, war ausdrücklich nur zu einer Äußerung bereit, wenn sichergestellt sei, dass der behauptete Übergriff verjährt sei. Das ist nicht gelungen, und Friedrichsen schildert die Konsequenzen: "Sie musste auch bereits jene von ihr erwähnten Frauen namhaft machen, die anonym bleiben wollten. Denn auch diese sind nun potenzielle Zeuginnen in der Causa Wedel. Sollte es zu einem Strafprozess kommen, stünden sie alle wider Willen im Licht der Öffentlichkeit. Wie es heißt, ermittle die Münchner Staatsanwaltschaft in dem heiklen Fall überaus gründlich."

Nun darf man hoffen, dass die Münchner Staatsanwaltschaft hier gründlich ermittelt, denn es geht immerhin um einen behaupteten schweren sexuellen Übergriff! Viel erstaunlicher finde ich hingegen, dass es ausdrücklich nicht zum Prozess kommen sollte. Es geht also nicht um Aufklärung und Bestrafung, sondern um die mediale Verarbeitung von Behauptungen schwerster Straftaten, ohne dass diese jemals gerichtlich überprüft worden wären. Welch eine perfide Vorgehensweise! Dementsprechend bin ich froh, dass es dann doch ganz anders kam. Man darf auf die Ermittlungsergebnisse gespannt sein.

Wie immer können Sie diese Zuschrift gerne veröffentlichen, jedoch (Sie denken es sich) bitte ohne Namensnennung.

Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr, viel Energie für die weitere Recherchearbeit und Genderama noch ein langes Bestehen!

Freitag, Dezember 21, 2018

Weihnachtsgrüße, Bitte um Spenden und Jahresrückblick 2018

Ich wünsche allen Genderama-Lesern eine frohe Weihnacht mit allem, was euch glücklich macht! Damit auch ich ein paar entspannte Tage verlebe, wird Genderama bis Mitte Januar wieder in eine kleine Pause gehen.

Die meisten Leser dieses Blogs kennen es schon: Das ganze Jahr über kann jeder Genderama kostenlos lesen, der das möchte; an Weihnachten bitte ich um Spenden, die es mir ermöglichen, die Arbeit an diesem Blog aufrecht zu erhalten. Genderama und der zeitliche Aufwand, der dafür nötig ist, wird allein von Spendengeldern getragen, um in jeder Hinsicht unabhängig zu bleiben. Dabei bewerte ich anhand der Höhe der eingegangenen Spenden, wie stark das Interesse am Erhalt von Genderama überhaupt noch ist.

Im zurückliegenden Jahr waren die Botschaften, die ich in dieser Hinsicht erhalten habe, zwiegespalten. Während Genderama-Beiträge stärker als zuvor von anderen Blogs und Websites aufgegriffen wurden und das Feedback der Leser gleichbleibend freundlich ist, ist die Zahl der Spender im Vergleich zu 2017 spürbar gesunken. Allerdings sind in den letzten Tagen mehrere Spenden eingetroffen – herzlichen Dank dafür! –, also ist bei vielen von euch diese Unterstützung vielleicht gedanklich stark an die Weihnachtszeit gekoppelt? Oder besteht inzwischen tatsächlich weniger Interesse am Aufrechterhalten dieses Blogs, weil ihr euch beim Geschlechterthema durch die Leitmedien ausreichend informiert fühlt?

Jedenfalls freue ich mich über jede Form der Unterstützung. (Am meisten natürlich über Daueraufträge, weil sie mir langfristig Sicherheit geben.) Wenn jeder, dem dieses Blog gefällt, dabei hilft, es zu finanzieren, wird es Genderama auch weiterhin geben.

Spenden könnt ihr entweder durch eine reguläre Banküberweisung oder mit einer Überweisung via PayPal. Den Button für letzteres findet man rechts auf der Blogroll. Ganz herzlichen Dank im Voraus!

Werfen wir abschließend einen Blick darauf, was sich 2018 männerpolitisch getan hat.

14. Januar: Das Tabu um Missbrauch durch Mütter wird ein Stück weit durchbrochen, als viele Medien über eine Freiburger Mutter berichten, die ihren Sohn europaweit im Internet zur Vergewaltigung angeboten hatte. Zuvor hatten fast nur Männerrechtler immer wieder beharrlich auf diese Form der sexuellen Gewalt aufmerksam gemacht.

15. Januar: Auf der Grundlage eines Interviews mit mir veröffentlicht die "Welt" einen Artikel darüber, wie männliche Opfer häuslicher Gewalt ganz allmählich von der deutschen Politik entdeckt werden.

23. Januar: Der deutsche Regisseur Dieter Wedel erleidet eine Herzattacke, die er auf die Angriffe auf ihn im Zusammenhang mit MeToo zurückführt. Darauf wird die Debatte hierzulande etwas weniger einseitig. "Die #meetoo-Kampagne öffnet das Tor zur Hölle" titelt die Hessische/Niedersächsische Allgemeine; "Hexenjagd ist was anderes, ihr Memmen" kontert Margarete Stokowski auf Spiegel-Online. Davon unbeeindruckt bewerten Rechtsexperten den medialen Umgang mit Dieter Wedel als verfassungsfeindlich.

26. Januar: Der Wirtschaftsgipfel in Davos wird von den Themen Gender, Diversity und MeToo beherrscht.

Anfang Februar: Aktionen wie das Entfernen eines angeblich sexistischen Ölgemäldes von 1896 aus einer britischen Gallerie sowie des Gedichtes "Avenidas" von der Fassade einer Berliner Hochschule führen zu einer Debatte darüber, ob MeToo nicht in eine Herrschaft der Sittenwächter sowie eine antiaufklärerische Prüderie umschlage.

8. Februar: Der zwischen den Unionsparteien und der SPD ausgehandelte Koalitionsvertrag enthält lange Seiten darüber, was alles für Frauen getan werden soll, und einen dürren Satz darüber, dass es in Deutschland auch Männer gibt.

20. Februar: Die AfD überholt die SPD erstmals in den Umfragen zur Parteipräferenz.

8. März: Anlässlich des Weltfrauentages bringen Politikerinnen von CDU und SPD erneut eine Frauenquote für deutsche Parlamente ins Gespräch. Es sei zu prüfen, "welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können", sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD). Dabei wird sie etwa von der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer unterstützt. In Berlin stimmt die rot-rot-grüne Landesregierung für die Frauenquote im Parlament und in Ämtern.

16. März: Eine Bundestagsdebatte zum Wechselmodell löst in der Väterbewegung aufgrund ener Reihe väterfeindlicher Statements Befremden aus.

19. März: In den USA verliert der Frauenmarsch gegen Trump wegen der Nähe seiner Anführerinnen zu dem Schwulenhasser, Rassisten und Antisemiten Louis Farrakhan wichtige Unterstützerinnen.

26. März: "Die Zeit" trennt sich von Bundesrichter Thomas Fischer als Autor, nachdem dieser die Berichterstattung der "Zeit" im Zusammenhang mit Dieter Wedel kritisiert hatte.

2. April: Das Blog "Maskulismus für Anfänger" legt eine Liste der bisherigen Todesopfer von MeToo vor.

13. bis 15. April: An der Universität Frankfurt findet der Wissenschafts-Kongress Familienkonfilte gewaltfrei austragen statt und behandelt den aktuellen Stand der Gewaltforschung, dem zufolge häusliche Gewalt oft in Form einer wechselseitigen Eskalation erfolgt, was das sexistische Vorurteil vom "Prügler Mann" widerlegt. Die Veranstalter dieses Kongresses werden von Ideologen verleumdet, mehrere Zeitungen übernehmen die üble Nachrede und sprechen von einem "Anti-Homo-Kongress". Genderama berichtet ausführlich über die Verleumdungen, veröffentlicht Gegendarstellungen und Pressemitteilungen der Opfer und weist auf deren juristisch errungenen Siege über die Denunziationen hin, nachdem mehrere Medien strafbewehrte Unterlassungserklärungen unterzeichnet haben.

15. Mai: Die "IG Jungen, Männer, Väter" erläutert in einem Pressegespräch, wie Abgeordnete und Minister der führenden Parteien Versuche konsequent abblocken, über männerpolitische Anliegen zu sprechen. Insbesondere die neue SPD-Familienministerin Giffey habe sich als Enttäuschung herausgestellt.

27. Mai: Sat1 und Pro7 strahlen einen von der "Welt" und n-tv produzierten Kurzbeitrag aus, der sich mit männlichen Opfern häuslicher Gewalt beschäftigt. Zu Wort kommen darin Hartmut Wolters (Väteraufbruch für Kinder), Rainer Wendt (Deutsche Polizeigewerkschaft) sowie ich selbst als Vertreter von MANNdat.

Ende Mai: Das Cornelia-Goethe-Centrum und das Gleichstellungsbüros der Goethe Universität Frankfurt führen eine Veranstaltung durch, die als Erwiderung auf Professor Gerhard Amendts Kongress "Familienkonflikte gewaltfrei austragen" angelegt war. Einer meiner Leser berichtet mir, dass Genderama dort als "Bedrohung" wahrgenommen worden sei.

1. Juni: Der SPIEGEL stellt in einem mehrseitigen Artikel die deutsche Männerrechtsbewegung vor und konstatiert: "Vielleicht ist es Zeit für Maskulismus". In der Recherche für diesen Beitrag wurden Interviews mit den Sprechern von Männerrechtsvereinen wie MANNdat und der "IG Jungen, Männer, Väter" geführt; diese Gespräche und diese Initiativen bleiben jedoch unerwähnt. Der Leser erhält so den Eindruck, dass Zeit für eine Männerrechtsbewegung wäre, es diese Bewegung jedoch nicht gibt.

1. Juli: In Schweden tritt ein umstrittenes Gesetz in Kraft, wie man mit seinem Partner Sex haben darf.

11. Juli: Nachdem der 11. Juli von dem Blogger Gunnar Kunz zum Tag der Geschlechter-Empathielücke ausgerufen wurde, erscheinen auf zahlreichen männerpolitischen Blogs Beiträge zu diesem Thema.

15. Juli: Genderama zitiert Auszüge eines aktuell in der akademischen Fachzeitschrift "Journal of Information Ethics" veröffentlichten Aufsatzes über die Unterdrückung maskulistischer und feminismuskritischer Publikationen.

20. bis 22. Juli: In London findet die diesjährige internationale Konferenz für Männerrechte statt. (Einen weiteren gelungenen Artikel über die Konferenz findet man hier.)

3. August: Dem männerfeindlichen Männerforscher Michael Kimmel werden jetzt auch Sexismus und übergriffiges Verhalten zu Lasten von Frauen sowie Homo- und Transphobie vorgeworfen.

14. August: Sat.1 hat seine Untersuchungen zum Fall Dieter Wedel abgeschlossen und kann so wie zuvor ZDF, NDR und Bavaria Film keine Belege für missbräuchliches Verhalten des Regisseurs finden.

15. August: Der sexuelle Missbrauch tausender von Jungen durch hunderte katholische Geistliche wird zum Medienthema.

16. August: Auf Twitter trendet die vor allem von Sibel Schick und dem Missy Magazin propagierte Parole #MenAreTrash – allerdngs nicht zuletzt wegen des Widerspruchs auch vieler Frauen auf diese Hate Speech. Bald wird auch in den Leitmedien diskutiert, ob man Menschen aufgrund biologischer Merkmale wie ihrer Geschlechtszugehörigkeit als "Abfall" bezeichnen darf. Ein besonders eifriger Anhänger solcher Parolen positioniert sich dabei mit dem Bekenntnis "Ja, ich bin Abfall". Im Nordkurier erklärt Natalie Meinert, dass Schicks Geschlechterhass "radikal aber notwendig" sei. "Hierbei sollte für viele Männer gelten: Einfach mal die Klappe halten." Meinert bedauert dass der Hashtag stattdessen zu einem trotzigen Verhalten führe.

20. August: Medienberichten zufolge hat Asia Argento, eine der Vorkämpferinnen von MeToo, einem jungen Mann, der ihr sexuellen Missbrauch vorwirft, ein Schweigegeld in Höhe von 380.000 Dollar gezahlt. Feministinnen warnen vor einer Vorveruteilung, solange Argentos Schuld nicht erwiesen ist. Später wird sich Argento als das eigentliche Opfer präsentieren: Hierzulande berichtet der "Stern" mit dem Artikel "Das geile Kind sprang mich an."

23. August: Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) kündigt Fahrverbote für Unterhaltssäumige an

25. August: Beim australischen "Marsch für Männer", der gegen die Dämonisierung des männlichen Geschlechts protestiert, nehmen etwa 500 Menschen teil.

20. September: Die Bundesregierung kündigt an, ein über 30 Millionen Euro schweres Förderprogramm für Frauenhäuser und Beratungsstellen für Frauen aufzulegen.

21. und 22. September: An der Universität Düsseldorf findet ein von Professor Matthias Franz ausgerichteter Männerkongress zum Thema Männergesundheit statt. Besucher berichten, die Veranstaltung sei unter anderem von Professor Rolf Pohl dazu benutzt worden, männerpolitische Aktivisten massiv abzuwerten und zu pathologisieren. Professor Franz antwortet nicht auf meine Anfrage, ob diese Vorwürfe gegen seinen Kongress zutreffen und was er dazu zu sagen hat.

27. September: Brett Kavenaugh wird vor seiner Berufung in den Obersten Gerichtshof der USA ebenso vor dem Senat befragt wie die Professorin für Psychologie Christine Blasey Ford, die ihm belegfrei vorwirft, sie vor mehreren Jahrzehnten sexuell bedrängt zu haben. Kavenaugh erleidet ebenso wie Ford heftige Angriffe bis hin zu Todesdrohungen, wird aber später durch ein Mehrheitsvotum zum Richter benannt. Über die Todesdrohungen gegen Ford wird in den deutschen Leitmedien berichtet.

Ein von der L.A. Times vorhergesagter "feministischer Volksaufstand" bleibt nach Kavenaughs Ernennung zum Bundesrichter aus. Wohl aber kommt es nach dieser Kontroverse zu einem rapiden Anstieg von Spendenzahlungen und Mitgliederzuwachs bei Männerrechtsgruppen. Insbesondere schwarze Männer identifizieren sich stark mit Kavanaugh.

27. September: "Funk", ein Medienangebot von ARD und ZDF für 14- bis 29jährige, verhöhnt mit dem Spottvideo "Ein Herz für weiße, heterosexuelle Männer" die Vorstellung, dass man auch Mitgliedern dieser Gruppe Empathie entgegen bringen könnte.

2. Oktober: Der beim europäischen Kernforschungszentrum CERN tätige Physiker Prof Alessandro Strumia von der Universität Pisa beklagt in einem Vortrag die Diskriminierung von Männern in seinem Fachbereich. CERN bezeichnet den Vortrag als "sehr beleidigend" sowie "inakzeptabel", suspendiert augenblicklich die Zusammenarbeit mit dem Professor und löscht ein Video dieses Vortrags sowie den von Professor Strumia verwendeten Präsentationsfolien von seiner Website. Diese Folien kann man allerdings noch auf Google Drive nachlesen.

2. Oktober: Satiriker blamieren die Genderwissenschaften weltweit, indem sie aufdecken, dass von ihnen verfasste ebenso absurde wie menschenfeindliche pseudo-wissenschaftliche Artikel von "Gender-Experten" gepriesen und in Fachjournalen veröffentlicht wurden.

3. Oktober: US-Präsident Trump spricht von einer "beängstigenden Zeit für junge Männer in Amerika". Die Mehrheit der US-Amerikaner stimmt Trump zu.

4. Oktober: Die New York Times, die sonst kein gutes Haar am US-Präsidenten lässt, befindet erstmals, Donald Trump dankbar zu sein: wegen seines Verhaltens in der Kontroverse um Brett Kavenaugh.

4. Oktober: "Die Zeit" bringt Männerrechtler mit Faschismus in Verbindung.

11. Oktober: Die "IG Jungen, Männer, Väter" erklärt in einem neuen Pressegespräch: "Väter sind keine Unterhaltspreller".

13. Oktober: Der Prozess gegen Harvey Weinstein droht wegen aktiver Rechtsbeugung der Ermittlungsbehörden zu platzen.

3. November: Eine linke Aktivistin gibt zu, Kavenaugh angedichtet zu haben, er hätte sie vergewaltigt, weil sie "wütend" war, seiner Karriere schaden und selbst öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wollte. Die deutschen Leitmedien greifen diese Entwicklung nicht in ihrer Berichterstattung auf.

6. November: Durch den Einfluss der neu in die Landesregierung eingezogenen FDP erstellt das nordrhein-westfälische Ministeriums einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt auch gegen Jungen, Männer und LSBTTI : "Zur Entwicklung und Durchführung der Initiativen zum Schutz von Jungen und Männern vor Gewalt sind im Landeshaushalt 2018 und 2019 jeweils 100.000 Euro veranschlagt. Im Juli dieses Jahres wurde bereits die Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männer eingerichtet."

9. November: In der Frankfurter Rundschau fragt die Feministin Antje Schrupp, ob der Feminismus nicht mehr "Militanz", also Gewalt, brauche – auch um sich mit neuen "antifeministischen" Bewegungen auseinander zu setzen.

11. November: Die FDP kritisiert Justizministerin Barleys Pläne, das Wahlrecht zu ändern, um mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen, als verfassungswidrig.

11. November: "In den USA soll das Geschlecht bald anhand der Genitalien bestimmt werden", berichtet die "Süddeutsche Zeitung" verstört.

12. November: Akademiker, die wegen des möglichen rufschädigenden Shitstorms inzwischen Angst haben, sich mit politisch unerwünschte Meinungen oder Erkenntnissen zu äußern, gründen ihre eigene Fachzeitschrift, in der sie unter Pseudonym veröffentlichen können.

um den 19. November: Zahlreiche Leitmedien beteiligen sich an einer Kampagne von Frauenministerin Giffey (SPD), in der häusliche Gewalt verzerrend als massiv zunehmende Männergewalt gegen Frauen dargestellt wird.

30. November bis 2. Dezember: Mit der Parole "Das Menschenrecht gilt zuerst mal für die Frau und dann für alles andere" fordern die Jusos auf ihrem Bundeskongress 2018 die vollständige Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

13. Dezember: Die geschlechterpolitische NGO MANNdat fordert die deutsche Bundesregierung, die Bundestagsfraktionen der Parteien und die Integrationsbeauftragte des deutschen Bundestages in einer Petition auf, männliche Migranten nicht länger auszugrenzen.

18. Dezember: In Nordrhein-Westfalen soll eine regierungsamtliche Studie zur häuslichen Gewalt auch männliche Opfer erfassen.

21. Dezember: Genderama geht in die Weihnachtspause und bittet um Spenden.

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