Freitag, Oktober 16, 2026

Bundeswehr: Warum Ex-Soldaten künftig nicht mehr Nein sagen können

1. Der Bundestag berät über das von Verteidigungsminister Boris Pistorius geplante Reservestärkungsgesetz, das ehemalige Bundeswehrsoldaten künftig auch gegen ihren Willen und ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers zu Reservediensten verpflichten soll. Damit könnten Betroffene bis zum Alter von 65 Jahren herangezogen werden, in bestimmten Fällen auch zu Auslandseinsätzen in EU- und NATO-Staaten. Ein allgemeines Recht, eine Einberufung abzulehnen, ist nicht vorgesehen; lediglich bei bestimmten persönlichen, beruflichen oder wirtschaftlichen Härtefällen kann eine Zurückstellung beantragt werden. Für Frauen bliebe der Dienst freiwillig. Die Linke kritisiert das Vorhaben als eine "Wehrpflicht durch die Hintertür".



2. Eine neue Studie auf Basis von Angaben von rund 750.000 15-Jährigen in 61 Ländern zeigt, dass Jungen in nahezu allen untersuchten Ländern weniger positiv auf schulische Anstrengung blicken als Mädchen. Dieser Unterschied besteht unabhängig von sozioökonomischem Status, Familienstruktur oder Klassenwiederholung und fällt in wirtschaftlich entwickelten und geschlechtergleicher organisierten Gesellschaften größer aus.



3. In Großbritannien hat die Suizidrate bei Männern mittleren Alters einen historischen Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Männer sterben demnachweiterhin mehr als dreimal so häufig durch Suizid wie Frauen. Die Zahlen zeigen zudem, dass die erhöhte Suizidgefahr Männer der Generation X seit Jahrzehnten begleitet. Als mögliche Belastungsfaktoren nennen Experten finanzielle Schwierigkeiten, unsichere Arbeitsverhältnisse, hohe Wohnkosten, Einsamkeit und psychische Probleme. Vertreter von Hilfsorganisationen kritisieren, dass die Suizidprävention politisch nicht ausreichend priorisiert werde. Sie weisen außerdem darauf hin, dass Männer bei der Suche nach Unterstützung häufig auf Stigmatisierung stoßen oder sich nicht ernst genommen fühlen, und fordern passgenauere Hilfsangebote.



4. Die Akademiker-Plattform "Inside Higher Ed" fordert nach der angeblichen Vergewaltigung in Cornell, dass Hochschulen Männer verpflichtend über Geschlechterungleichheit, Macht und Sexismus unterrichten müssen, statt dies auf Wahlfächer, Workshops und einzelne Veranstaltungen zu begrenzen. Eine solche dauerhafte Integration dieser Themen geschehe an verschiedenen Hochschulen ja ohnehin schon. Da Männer ihre Vorstellungen von Männlichkeit über 18 Jahre hinweg erlernt hätten, brauche es ein ganzes Semester, um diese Normen zu hinterfragen. Von politischer Indoktrination könne nicht die Rede sein: "Der Zweck der Vermittlung von Wissen über Geschlechterungleichheit, Macht und Sexismus besteht nicht darin, Einigkeit herbeizuführen, sondern die Studierenden dazu zu befähigen, diese Kräfte zu verstehen, sie zu hinterfragen und sich ein eigenes Urteil darüber zu bilden."



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Donnerstag, Oktober 15, 2026

Die schleichende Ausweitung des Begriffs "fehlende Zustimmung"

Die angebliche Gruppenvergewaltigung in Cornell ist weiterhin ein starkes Medienthema. Es gibt auch weiterhin kritische Artikel über die damit verbundenen Vorverurteilungen, einen solchen Artikel von der Feminismuskritikerin Janice Fiamengo findet man hier in deutscher Übersetzung. Einen anderen Beitrag, der ebenfalls grundsätzlicher wird, habe ich heute für Genderama ausgewählt. Links zu Belegen findet ihr im Original.



Der Aktivismus für "affirmative Zustimmung" ("Nur Ja heißt Ja") hat die Bedeutung von dem, was wir unter einem sexuellen Übergriff verstehen, erweitert und dazu ermutigt, vergangene Begegnungen nachträglich umzudeuten – mit ernsten Folgen für Einzelne, für die Gesellschaft und für das Recht.

Die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen sieben Mitglieder einer Studentenverbindung an der Cornell University haben eine jahrzehntealte Debatte wiederbelebt, nämlich die Frage, ob es an amerikanischen Hochschulen eine Vergewaltigungskrise gibt. Eine ehemalige Cornell-Studentin, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt, gibt an, die Männer hätten sie 2024 während einer Nacht mit starkem Alkohol- und Drogenkonsum sexuell missbraucht.

Obwohl die Vorwürfe weiterhin umstritten sind, haben Journalisten, Aktivisten und Politiker der Demokraten sie bereits als Tatsache behandelt und den Fall als Beleg für ein größeres Problem an amerikanischen Colleges und Universitäten angeführt. Vox spricht von einer "Krise, die weit über Cornell hinausgeht". The Atlantic fragt, ob das College für Frauen unsicherer wird. Der Guardian erklärt, wir lebten in einer "vergewaltigungsanfälligen Gesellschaft". Zehntausende Frauen haben auf TikTok aus Solidarität mit der Klägerin von Cornell unter #IAmJaneDoe gepostet, was Vergleiche mit der #MeToo-Bewegung nach sich zog. Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, nutzt den Fall, um auf eine Änderung des Landesrechts zu drängen. Sie plädiert dafür, das "Schlupfloch der freiwilligen Berauschung" zu schließen, und hat Generalstaatsanwältin Letitia James beauftragt, die Vorwürfe erneut zu untersuchen.

Herkömmliche Kriminalitätsstatistiken stützen die Behauptung nicht, dass Amerika eine Vergewaltigungsepidemie erlebt. Der National Crime Victimization Survey des Bureau of Justice Statistics, der auch nie bei der Polizei angezeigte Straftaten erfasst, schätzt, dass die Rate von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen von 4,3 Viktimisierungen pro 1.000 Personen ab zwölf Jahren im Jahr 1993 auf 2,0 im Jahr 2024 gesunken ist.

Zugenommen hat in den letzten Jahren hingegen die Bandbreite der Erfahrungen, die heute als nicht einvernehmlich beschrieben werden. Diese von Aktivisten vorangetriebenen erweiterten Definitionen und die daran anschließende Ermutigung von Frauen, vergangene Erlebnisse in ihrem Licht neu zu deuten, haben ernste Folgen für Einzelne und die Gesellschaft – und womöglich bald auch für die rechtliche Bedeutung von Vergewaltigung und sexuellem Übergriff.

Der Psychologe Nick Haslam prägte den Begriff "Concept Creep", um zu beschreiben, wie sich schadensbezogene Begriffe "horizontal" ausgeweitet haben, sodass sie qualitativ andere Erfahrungen umfassen, und "vertikal", sodass sie auch weniger schwere Formen einschließen. Als er dieses Modell auf Begriffe wie Trauma, Mobbing, Rassismus und Missbrauch anwandte, stellte er fest, dass eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber wahrgenommenem Schaden am häufigsten mit einem linksliberalen Weltbild einherging.

Die Definition fehlender sexueller Zustimmung hat sich auf ähnliche Weise ausgedehnt. Früher verstand man sie im Sinne von Gewalt und Handlungsunfähigkeit, doch mit dem Aufstieg der "affirmativen Zustimmung" begann sie sich zu wandeln. Als dieses Konzept in den 1990er-Jahren an Hochschulen auftauchte, galt es noch als Randidee und wurde vielfach verspottet. Es ersetzte den vertrauten Grundsatz "Nein heißt Nein" durch die Forderung nach einer ausdrücklichen, fortlaufenden Einwilligung in sexuelle Handlungen.

Viele halten diesen Wandel für positiv, doch er hat weiteren Auslegungen von Zustimmung – und fehlender Zustimmung – die Tür geöffnet. Heute kann fehlende Zustimmung Schweigen, unzureichende Begeisterung, jeden Grad von Berauschung sowie das Gefühl umfassen, zu sexuellen Handlungen gedrängt, getäuscht oder beeinflusst worden zu sein.

Es dauerte weitere zwei Jahrzehnte, bis die affirmative Zustimmung im Mainstream ankam. Anfang der 2010er-Jahre hatten Aktivisten gegen sexuelle Übergriffe an Hochschulen auf Bundesebene durch die Ausweitung der Durchsetzung von Title IX unter der Obama-Regierung eine starke Stellung gewonnen. 2014 richtete die Regierung die White House Task Force to Protect Students from Sexual Assault ein und erklärte sexuelle Übergriffe an Hochschulen zur nationalen Priorität.

Politische Entscheidungsträger stellten die aufkommenden Richtlinien zur affirmativen Zustimmung überwiegend als Prävention dar, also als klarere Regeln für künftige sexuelle Begegnungen. Manche Aktivisten sahen jedoch noch einen anderen Nutzen darin. Eine weiter gefasste Definition fehlender Zustimmung könnte mehr Frauen als Opfer ausweisen, darunter auch solche, die ihre Erlebnisse bis dahin nicht als Vergewaltigung oder sexuellen Übergriff verstanden hatten.

Laura Dunn, Gründerin von SurvJustice, einer landesweiten gemeinnützigen Organisation, die Opfern sexueller Gewalt Rechtsbeistand und Unterstützung bietet, und die Harvard-Doktorandin Rory Gerberg vertraten genau dieses Argument in Stellungnahmen gegenüber der Task Force. Sie schrieben, dass "Überlebende Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe häufig nicht als solche erkennen", weil die Gesellschaft Zustimmung missverstehe. Als Abhilfe schlugen sie vor, "eine affirmative Definition von Zustimmung zu institutionalisieren", und zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, "einen rechtlichen Wandel in unserem gesellschaftlichen Verständnis von Zustimmung" herbeizuführen.

Die landesweite Hinwendung zum Standard der affirmativen Zustimmung vollzog sich um das Jahr 2015. In jenem Jahr rief Planned Parenthood zu einer landesweiten "Kultur der Zustimmung" auf und stellte im Jahr darauf sein FRIES-Modell vor, demzufolge Zustimmung "freiwillig erteilt, widerrufbar, informiert, enthusiastisch und spezifisch" sein muss. Frühere Richtlinien von Planned Parenthood hatten davor gewarnt, dass Alkohol Hemmungen senke und Menschen bei der Wahl ihrer Sexualpartner "weniger wählerisch" mache, was zu Reue führen könne. Die aktuellen Richtlinien besagen, dass eine Person keine Zustimmung geben kann, wenn sie betrunken oder high ist.

Ähnlich erklärt das Rape, Abuse & Incest National Network, Zustimmung müsse "klar, freiwillig und enthusiastisch" erteilt werden, und zur Einwilligungsfähigkeit gehöre es, "nüchtern und wach" zu sein. Viele Organisationen, darunter die Centers for Disease Control and Prevention, nennen weitere Kategorien "sexueller Gewalt" wie etwa "sexuelle Nötigung", die beharrliches Drängen auf Sex umfassen kann oder den Umstand, so lange "bearbeitet" zu werden, bis man einwilligt.

Den Schwung für diese Veränderungen lieferten Behauptungen, an den Hochschulen herrsche eine Epidemie sexueller Übergriffe, die in den gewöhnlichen Kriminalstatistiken verborgen bleibe. Der Bericht der Task Force vom April 2014 begann mit der Feststellung, dass "jede fünfte Frau während des Studiums sexuell missbraucht wird", räumte später aber ein, dass viele Frauen, die Forscher als Opfer einer Vergewaltigung durch Bekannte einstuften, "das, was ihnen passiert ist, nicht als Vergewaltigung bezeichnen". Die Obama-Regierung wertete diese Lücke als Beleg dafür, dass Übergriffe unerkannt blieben. Gewöhnliche Anzeigen könnten nicht offenlegen, "was auf dem Campus wirklich passiert", argumentierte sie, weshalb Hochschulen Verhaltensumfragen durchführen sollten, mit denen sich Übergriffe erfassen ließen, die die Frauen selbst nicht als solche betrachtet hatten.

Die Zahl "eine von fünf" wurde zu einer der am häufigsten zitierten Schätzungen sexueller Übergriffe an Hochschulen und wird bis heute wiederholt. Sie stammte jedoch nicht aus einer landesweiten Studie über Vergewaltigungen an Hochschulen. Sie ging auf eine Umfrage aus dem Jahr 2007 unter Studierenden an lediglich zwei Universitäten zurück, und nur 42 Prozent der zur Teilnahme eingeladenen Frauen antworteten.

Bis 2014 waren zwei der an der Studie beteiligten Forscher, Christopher Krebs und Christine Lindquist, über die Verwendung der Zahl so besorgt, dass sie in einem Artikel für Time die Dinge richtigstellten. Sie räumten ein, dass die Zahl "keine landesweit repräsentative Schätzung" sei, warnten davor, sie als nationalen Ausgangswert für sexuelle Übergriffe an Hochschulen zu verwenden, und gaben zu bedenken, dass die niedrige Rücklaufquote ihre Ergebnisse verzerrt haben könnte. Zudem betonten sie, dass "eine von fünf" nicht bedeute, dass jede fünfte Frau vergewaltigt worden sei, da ihre Zahl auch unerwünschtes Küssen und Berühren einschloss.

Andere Forschung auf diesem Gebiet leidet an vielen derselben methodischen Mängel, auf die Heather Mac Donald vor fast zwei Jahrzehnten im City Journal hingewiesen hat. Dazu können weit gefasste Definitionen gehören, die Vergewaltigung mit weniger schweren Formen unerwünschten Körperkontakts vermengen, außerdem subjektive Selbstauskünfte sowie niedrige Rücklaufquoten, die zu verzerrten Stichproben führen können. Die Umfrage der Cornell University von 2025 etwa ergab, dass 35 Prozent der Studentinnen im Grundstudium "sexuelle Übergriffe" erlebt hätten. Ihre Rücklaufquote lag bei gerade einmal 13 Prozent, und sie stützte sich auf ein weit gefasstes Messinstrument, das sehr unterschiedliche Erfahrungen unter derselben Bezeichnung zusammenfasste.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, jungen Menschen zu raten, klarer zu kommunizieren und auf sexuelle Handlungen mit stark beeinträchtigten Partnern zu verzichten. Problematisch kann es jedoch werden, wenn man sie dazu ermutigt, einen neuen Maßstab für Zustimmung auf vergangene Erlebnisse anzuwenden. Als der Hashtag #MeToo im Oktober 2017 explodierte, begannen Millionen von Frauen, genau das öffentlich zu tun. Solche Online-Enthüllungen stoßen in der Regel auf Mitgefühl und Bestätigung, können Hunderttausende Aufrufe erzielen und eröffnen den Zugang zu einer "Überlebenden"-Gemeinschaft, die um eine positive soziale Identität herum aufgebaut ist.

Die nachträgliche Umdeutung sexueller Begegnungen wurde zu einem erkennbaren Genre. In einem Essay aus dem Jahr 2018 etwa deutete Laura Amy eine sexuelle Begegnung um, der sie ausdrücklich zugestimmt hatte. "Ich habe Ja gesagt", schrieb sie, und jahrelang hatte sie solche Erlebnisse einfach als schlechten Sex betrachtet. Nachdem sie jedoch #MeToo-Berichte von Frauen gelesen hatte, die sich zur Zustimmung gedrängt oder verpflichtet gefühlt hatten, dachte sie neu über das Geschehene nach und kam zu dem Schluss: "Das ist kein einvernehmlicher Sex." Eine Frau, die 2021 im Guardian schrieb, betrachtete ebenfalls eine Begegnung neu, die sie lange als "schlechten Sex" oder als Erlebnis in einer "Grauzone" angesehen hatte. Nach #MeToo sah sie es anders: "Das war ein sexueller Übergriff."

Forscher haben dasselbe Phänomen dokumentiert. Eine Studie aus dem Jahr 2021 begleitete 2.566 Studierende vor und nach #MeToo. Unter den 596 Teilnehmenden, deren Erlebnisse der weit gefassten Definition sexueller Übergriffe durch die Forscher entsprachen, bezeichneten die Teilnehmenden im Lauf der Zeit Begegnungen häufiger als sexuellen Übergriff, die sie ursprünglich nicht so beschrieben hatten. Die Autoren führten die veränderte Wahrnehmung der Teilnehmenden auf #MeToo zurück. Ebenso ergab eine Studie aus dem Jahr 2023, dass fünf von zehn Teilnehmenden angaben, #MeToo habe sie dazu gebracht, frühere Erlebnisse als sexuellen Missbrauch oder Übergriff neu einzuordnen. Die Forscher beschrieben diesen Vorgang als "Umdeuten oder Umetikettieren von Erlebnissen als sexuellen Übergriff".

In einer Studie aus dem Jahr 2025 mit 380 Studierenden, deren Erlebnisse die weit gefassten Kriterien der Forscher für sexuelle Übergriffe erfüllten, neigten 36 Prozent eher dazu, die Begegnung als sexuellen Übergriff zu bezeichnen, als sie sie in Erinnerung an die Zeit kurz nach dem Geschehen eingestuft hatten. Von dieser Gruppe gaben 43 Prozent an, andere Menschen hätten dazu beigetragen, dass sich ihr Verständnis des Geschehens verändert habe.

Frauen erfinden nicht unbedingt bewusst falsche Anschuldigungen. Eine Frau kann aufrichtig dazu gelangen, vergangene Begegnungen in einem anderen Licht zu sehen, nachdem sie sich einen neuen Deutungsrahmen dafür zu eigen gemacht hat. Das autobiografische Gedächtnis ist rekonstruktiv und keine wörtliche Aufzeichnung der Vergangenheit. Es ist in hohem Maß offen für Beeinflussung und Suggestion, was zu falschen Erinnerungen führen kann. In zwei 2026 veröffentlichten Experimenten regten die Psychologen Lawrence Patihis und Harry Carter einen zufällig ausgewählten Teil der Teilnehmenden dazu an, negativer über einen früheren Partner bei einem ersten Date nachzudenken, und baten sie anschließend, sich daran zu erinnern, wie sie sich während des Dates gefühlt hatten. Wer die negative Anregung erhalten hatte, erinnerte sich daran, sich weniger sicher und stärker bedrängt gefühlt zu haben als die übrigen Teilnehmenden.

Ob beabsichtigt oder nicht, falsche Anschuldigungen haben ernste Folgen. Wer mit falschen oder zweifelhaften Anschuldigungen konfrontiert wird, ist womöglich weniger bereit, echten Glauben zu schenken. In einem Experiment begegneten Männer, die einen Zeitungsbericht über eine falsche Vergewaltigungsanschuldigung gelesen hatten, einer anderen Frau, die sexuellen Missbrauch anzeigte, skeptischer und hielten ihr Erlebnis für weniger schädlich. Befürworter des Ansatzes "Glaubt den Frauen" sagen häufig, falsche Anschuldigungen seien selten. Eine aktuelle Analyse von Aporia hält die üblicherweise genannten niedrigen Quoten jedoch für irreführend. Solche Schätzungen zählen nur nachweislich falsche Anschuldigungen, während sie ungeklärte, zurückgezogene und als "unbegründet/haltlos" eingestufte Fälle in den Nenner aufnehmen. Dadurch können falsche Anschuldigungen untererfasst werden, sodass die Quote künstlich niedrig erscheint. Zudem stützen sich Studien zu Falschanzeigen in der Regel auf Polizeiakten. Damit eignen sie sich schlecht, um Anschuldigungen im Stil von #MeToo zu beurteilen, die nie bei der Polizei landen, für die Beschuldigten aber dennoch ernste soziale Folgen und Rufschäden nach sich ziehen können.

Die Ausweitung der Definitionen sexueller Übergriffe wirkt sich nicht nur auf Einzelne aus, sondern auch auf die Gesellschaft. Dazu gehört, dass gewöhnliches Dating und sexuelle Interaktionen schwieriger zu bewältigen werden. 2020 stellte Pew fest, dass 65 Prozent der Amerikaner (69 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen) glaubten, die verstärkte Aufmerksamkeit für sexuelle Belästigung und Übergriffe habe es Männern erschwert zu wissen, wie sie sich bei einem Date verhalten sollen. Fast die Hälfte der Amerikaner gab an, Dating an sich sei schwieriger als noch zehn Jahre zuvor.

Eine Sexualethik, die auf einem klaren "Nein" beruht, verlangt von Männern, die Entscheidungen von Frauen zu respektieren. Die sich ausweitende Definition fehlender Zustimmung legt einen neueren Maßstab an: Sie verlangt von Männern zu beurteilen, ob eine Frau nüchtern genug, begeistert genug und hinreichend frei von Druck ist und ob sie die Begegnung später voraussichtlich nicht anders bewerten wird. Sie kann Frauen zudem dazu ermutigen, bereute sexuelle Erlebnisse als Beleg dafür umzudeuten, dass ihnen jemand Unrecht getan hat. Wir sollten vorsichtig sein, Frauen beizubringen, ihre Entscheidungen im Nachhinein infrage zu stellen – und noch vorsichtiger, diese Unsicherheit ins Gesetz zu schreiben.




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Mittwoch, Oktober 14, 2026

Bundeswehr löscht kritische Kommentare zur Musterung

1. Das Hamburger Abendblatt berichtet:

Die Musterung ist vielen Männern insbesondere wegen eines Programmpunkts unangenehm in Erinnerung: die Untersuchung des Intimbereichs. Der sogenannte "Hodengriff" wird seit Inkrafttreten des neuen Wehrdienstgesetzes Anfang des Jahres und der steigenden Zahl an Musterungen wieder vermehrt durchgeführt.

Für Raphael Schulmeister-Dick ein Unding. In der Kommentarspalte des offiziellen Bundeswehr-Kanals bei Instagram „bundeswehrexclusive“ machte der Berufsschullehrer aus Bayern seine kritische Haltung deutlich. „Für so einen Eingriff in den Intimbereich aller 18-Jährigen brauchen wir gute Gründe, bisher konnte sie mir aber noch keiner liefern. Ihr vielleicht?“, schrieb er im Mai. Wenige Stunden später sind seine Kommentare gelöscht und sein Account blockiert, wie es in einer Klageschrift heißt, die dieser Redaktion vorliegt.


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2. In der Schleswig-Holsteinischen SHZ liest man unter der Schlagzeile "Schüler sagt Bundeswehr ab – und muss trotzdem mehrfach zur Untersuchung":

Mattis Jäger hat der Bundeswehr mehrfach mitgeteilt, dass er kein Interesse am Wehrdienst hat. Dennoch scheint das Prüfverfahren für den Schüler aus dem Raum Rendsburg kein Ende zu nehmen – verbunden mit Unterrichtsausfällen im Abiturjahrgang.

Wie Jäger berichtet, begann alles kurz nach seinem 18. Geburtstag im Februar mit einem Brief der Bundeswehr, dem sogenannten Fragebogen zur Wehrerfassung. Über einen QR-Code wurde er zu einer Befragung weitergeleitet – unter anderem zu seinem Interesse am Wehrdienst auf einer Skala von 0 bis 10. Er selbst betont, dort "0" angegeben zu haben.

Trotz seiner Absage erhielt er Monate später eine Ladung zur Musterung in Kiel. In den dortigen Gesprächen stellte er nach eigener Darstellung erneut klar, kein Interesse an der Truppe zu haben. Eine Bereitschaft zum Schießen oder zu Auslandseinsätzen verneinte er aus ethischen Gründen. Zudem gab er eine Laktoseintoleranz an. Zwar wurde er laut Bericht als "nicht dienstfähig" eingestuft – allerdings nur für sechs Monate.


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3. Das Overton-Magazin berichtet:

Die vierte Staffel der Netflix-Serie "Monster" befasst sich erstmals mit einer Serienmörderin. Prompt erfährt der Zuschauer, dass Frauen offenbar immer aus Notwehr töten.


Die Serie behandelt den historischen Fall von Lizzie Borden, die 1892 beschuldigt wurde, ihren Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt ermordet zu haben. Sie wurde freigesprochen. "Einer Frau war eine derart brutale Tat damals kaum zuzutrauen", heißt es in dem Artikel. "Fortan führte sie ein Leben in einigem Wohlstand, schließlich hatten die Eltern ein nicht unerhebliches Vermögen hinterlassen."

Die Netflix-Version ergänzt die historischen Fakten um weitgehend frei erfundene Elemente: Borden erhält ein Hausmädchen, das sie mit feministischen Ideen vertraut macht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine lesbische Beziehung, und gemeinsam töten sie die Eltern.

Die Serie stellt Borden damit als Frau dar, die sich gegen patriarchale Unterdrückung auflehnt und im Mord den einzigen Weg zu Freiheit und Selbstbestimmung sieht. Ähnlich wird die Serienmörderin Aileen Wuornos dargestellt, die Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre mehrere Männer tötete. Die Serie suggeriert eine geistige Verbindung zwischen beiden Frauen und deutet ihre Taten als Reaktion auf erlittenes Unrecht. Am Ende kommt es gar zu einer Zusammenkunft im Jenseits, bei der Borden ihrer Nachfolgerin erklärt, dass man ihnen alles verzeihen werde.

In dem Artikel heißt es dazu weiter:

Die Macher der Serie besitzen (…) die Impertinenz, ihrem Publikum eine Staffel vorzusetzen, die sich über weite Strecken in Vulgärfeminismus übt. Die Vorgängerstaffeln betonten bei aller biografischen Einordnung stets auch das Teuflische ihrer Protagonisten. Nun zeigen die Produzenten vor allem Mitgefühl und Verständnis.

Über die historische Lizzie Borden ist vergleichsweise wenig bekannt. Kulturschaffende interpretieren die Welt nach ihren Vorstellungen. Insofern ist es völlig legitim, dass sie der Lizzie ihrer Serie mehr Kontur verleihen, als die Geschichtsbücher hergeben. Unglaubwürdig wird das Ganze allerdings in dem Augenblick, in dem historische Figuren Denkweisen an den Tag legen, die eher in den akademischen Diskursen unserer Gegenwart zu Hause sind. Lizzie als Feministin, als starke Frau, die sich auflehnt und ein selbstbestimmtes, lesbisches, emanzipiertes Leben führen möchte? Eine Lizzie, die Einsichten pflegt, die im Jahr 2026 geläufig sind, aber nicht unbedingt im Jahr 1892?

(…) Das Zwanghafte dieser Filmschaffenden sticht inzwischen so unangenehm hervor, dass man kaum noch von einer Traumfabrik sprechen mag. Gesinnungsfabrik träfe es wohl eher.

Lizzie ist anders als die übrigen Schwerenöter, die uns diese Reihe bislang vorführte. Keine habgierige oder psychotische Persönlichkeit, sondern eine Frau, die angeblich gar nicht anders kann. Sie muss zur Axt greifen, weil dies die einzige Möglichkeit sei, die einer Frau Ende des 19. Jahrhunderts bleibt, wenn sie frei sein möchte. So jedenfalls lässt sich die Botschaft der zehn Folgen verstehen.

Sie und die viel später mordende Wuornos sind in dieser Lesart keine Täterinnen, sondern von der Gesellschaft vergessene Opfer. Auch die schwierigen Lebensumstände der zuvor porträtierten Serienkiller wurden ausführlich behandelt. Doch die letzte Entscheidung zum Unvorstellbaren schrieb man letztlich der Toxizität ihrer Persönlichkeiten zu. Als Männer schlummerte in ihnen offenbar eine Kraft, die sie zu Monstern werden ließ. Bei den Frauen hingegen scheint die Gesellschaft selbst die Axt zu führen.

Hatten die Damen denn keine Alternative? Diese Frage stellen sich die Macher offenbar zu keiner Sekunde. Stattdessen präsentieren sie eine Hagiographie, ein Sittenbild protofeministischer Säulenheiliger.

(…) "Monster" ist kein Einzelfall. Immer wieder fallen neue Produktionen durch vulgärfeministische Ansätze auf, die einem denkbar schlichten Weltbild folgen: Die Frau ist Opfer, gleichgültig, was sie tut. Der Mann hingegen verfällt beinahe zwangsläufig in Täterschaft; seine Motive sind dabei zweitrangig.

Netflix vermarktet mittlerweile seit Jahren eine weibliche Jammerkultur, die sich nicht scheut, ideologische Flachheit als Kulturleistung auszugeben. Dass darin im Kern sogar eine frauenfeindliche Haltung steckt, scheint niemandem aufzufallen. Denn Frauen sind keine passiven Wesen, die zwangsläufig Opfer werden müssen und denen man deshalb jede Verantwortung für ihr Handeln absprechen darf.




4. Die Frankfurter Allgemeine hat in ihrer Wochenendsbeilage (nicht online) "50 Gründe, warum wir Männer noch brauchen" zusammengestellt. Eine kleine Auswahl:

Damit man sich mühelos daran erinnern kann, dass wir vom Affen abstammen. // Weil es weniger Gelegenheiten gäbe, auf dumme Kommentare ("Du hast aber zugelegt!") schlagfertig zu antworten ("Und Du erst!"). // Weil irgendjemand als schlechtes Beispiel vorangehen muss. // Weil man sich an irgendwas abarbeiten muss. // Weil es eine Genugtuung ist, sie zurechtzuweisen. // Weil irgendjemand die ganzen Jobs erledigen muss, die niemand sonst machen will: Müllabfuhr, Maurer, Kanalarbeiter, Datenanalyst (und Müll rausbringen). // Für Umzüge allgemein. // Damit man beim Kickboxen als Frau mit durchschnittlicher Kraft mal keine Rücksicht auf das Schmerzempfinden des Gegenübers nehmen muss. // Zum Schutz vor anderen Männern, und sei es nur vor deren Blicken.




5. Eine kulturvergleichende Untersuchung der Psychologin Maryanne L. Fisher, wertete ethnografische Aufzeichnungen aus 19 Gesellschaften aus, in denen Männer mehrere Ehefrauen haben. In zwölf dieser Kulturen (63,2 Prozent) fanden sich Berichte über körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Ehefrauen, darunter Schlagen, Beißen und Haareziehen. Häufige Konfliktgründe waren Eifersucht und die Konkurrenz um die sexuelle und emotionale Aufmerksamkeit des gemeinsamen Ehemanns (14 Kulturen), materielle Ressourcen wie Nahrung, Vieh oder Land (sieben Kulturen) sowie der Status innerhalb der Ehegemeinschaft. Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Vorstellung, Frauen trügen Rivalitäten vorwiegend indirekt durch Klatsch und soziale Ausgrenzung aus. Auch direkte körperliche Aggression kann eine Rolle spielen.



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Dienstag, Oktober 13, 2026

Wegweisendes Urteil: Geschworene erkennen falschbeschuldigte Männer als Opfer sexueller Gewalt

1. Amanda Prestigiacomo berichtet über ein wegweisendes Urteil im US-Bundesstaat Maryland: Dort hat ein Gericht die University of Maryland dafür haftbar gemacht, einen Studenten nicht vor schwerer Belästigung geschützt zu haben, nachdem eine Kommilitonin ihn sexueller Übergriffe beschuldigt hatte. Eine universitätsinterne Untersuchung entlastete ihn; laut Klageschrift widersprachen auch Zeugenaussagen, Textnachrichten und forensische Befunde den Vorwürfen. Trotzdem wurde der Student öffentlich als Vergewaltiger diffamiert, in Bars angefeindet und durch eine organisierte Kampagne aus seinem Lacrosse-Team gedrängt. Die Universität ignorierte seine Beschwerden.

Die Geschworenen stellten fest, dass die Belästigung den gleichberechtigten Zugang des jungen Mannes zu Bildungsangeboten beeinträchtigte und die Universität dem Geschehen gegenüber bewusst gleichgültig blieb. Der Student verlangte lediglich einen Dollar Schadensersatz, um die Verantwortlichkeit der Universität feststellen zu lassen. Sein Anwalt bezeichnete das Urteil als ersten Fall, in dem eine Jury falsche Vergewaltigungsvorwürfe als geschlechtsbezogene Belästigung anerkannte und eine Universität dafür haftbar machte. Der Student hatte nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Dollar für seine Verteidigung ausgegeben; diese Kosten sind nicht automatisch durch das Urteil gedeckt.

Die Autorin des Beitrags zieht Parallelen zu den Entwicklungen an der Universität Cornell und sieht in dem Urteil ein Signal an amerikanische Hochschulen: Sie müssen männliche Studenten vor Belästigung und öffentlichen Rufschädigungskampagnen schützen, wenn sich Anschuldigungen als falsch erweisen.



2. Die Kriminologin Lara Christensen warnt in einem Beitrag für die britische Tageszeitung "Telegraph" vor einem gesellschaftlichen blinden Fleck beim sexuellen Missbrauch durch Lehrerinnen. Mehrere aktuelle Fälle in Großbritannien und Australien zeigen, dass Frauen Schüler sexuell missbrauchen, manipulieren und mitunter durch Schwangerschaften dauerhafte Folgen für ihre Opfer verursachen.

Eine britische Untersuchung von 71 Frauen, die in institutionellen Zusammenhängen sexuellen Missbrauch begangen hatten, ergab, dass diese im Durchschnitt 31 Jahre alt waren, meist allein handelten, häufig keine Vorstrafen hatten und überwiegend ältere männliche Jugendliche missbrauchten. Weitere Studien unterstreichen die Bedeutung des Problems: In einer australischen Polizeidatenanalyse gingen 12,2 Prozent der erfassten Sexualstraftaten auf Frauen zurück; in den USA entfielen mehr als 20 Prozent der bestätigten Fälle von Kindesmissbrauch auf weibliche Haupttäterinnen, während in einer Untersuchung sexuellen Fehlverhaltens von Schulbeschäftigten 33 Prozent der Täter Frauen waren. Da viele Opfer ihren Missbrauch nicht anzeigen, bleibt ein großer Teil der Täterinnen unerkannt.

Christensen kritisiert, dass Warnsignale bei Lehrerinnen häufig verharmlost und Beschwerden nicht ernst genommen werden. In einer von ihr mitverfassten Untersuchung von 40 Fällen sexuellen Fehlverhaltens durch Lehrkräfte waren mehr als ein Drittel der männlichen Lehrer zuvor wegen auffälligen Verhaltens gegenüber Schülern gewarnt worden, bei den Lehrerinnen dagegen keine einzige. Als mögliche begünstigende Faktoren nennt sie unter anderem frühere Traumata, problematische Beziehungen, psychische Schwierigkeiten, verzerrte Denkmuster und mangelnde Aufsicht. Diese Faktoren erklärten das Verhalten allenfalls, entschuldigten den Missbrauch aber nicht.

Die Folgen für männliche Opfer könnten ebenso schwerwiegend sein wie bei männlichen Tätern, würden jedoch durch Geschlechterklischees und die Angst, nicht ernst genommen zu werden, zusätzlich verschärft. Christensen fordert deshalb klare Regeln für den Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülern, verlässliche Beschwerdewege, eine konsequente Reaktion auf Warnsignale und verbindliche Richtlinien für digitale Kommunikation. Bloße Einstellungsüberprüfungen reichten nicht aus, da Täterinnen seltener vorbestraft seien und der Missbrauch laut ihrer Forschung häufig außerhalb der Schule stattfinde. Entscheidend sei eine Präventionskultur, die problematisches Verhalten unabhängig vom Geschlecht der Lehrkraft erkennt und verfolgt.



3. In der hier auf Genderama gern zitierten populärwissenschaftlichen Zeitschrift "Psychology Today" warnt die Psychologin Lisa Pescara-Kovach davor, weibliche Täter bei Amokläufen und gezielten Massenangriffen zu unterschätzen. Geschlechterklischees, eine verzerrte Medienberichterstattung und unterschiedliche Definitionen von Massenschießereien führten dazu, dass die Gewalt von Frauen häufig übersehen werde. Während weniger als drei Prozent der Massenschießereien von Frauen verübt würden, seien Frauen laut der Autorin an 25 Prozent der Amokläufe und gezielten Angriffe beteiligt. Behauptungen, Frauen übernähmen bei gemeinsam geplanten Anschlägen mit Männern nahezu immer die führende Rolle, stützt sie ebenfalls auf ihre Erfahrungen und Auswertungen. Als Beispiele nennt sie die 16-jährige Brenda Spencer, die 1979 an einer kalifornischen Schule den Schulleiter und einen Hausmeister erschoss und acht Kinder sowie einen Polizeibeamten verletzte, weil sie keine Montage mochte, sowie Elizabeth Lecron, deren geplante Anschläge 2019 durch Ermittlungen vereitelt wurden. Weibliche Täterinnen hätten häufig ähnliche Motive wie männliche: Sie suchten Aufmerksamkeit, sammelten persönliche Kränkungen und wollten sich rächen. Auch die Faszination für frühere Amokläufer und Suizidgedanken spielten eine Rolle. Besonders problematisch sei, dass Menschen gefährliches Verhalten bei Frauen weniger schnell als Bedrohung wahrnähmen und deshalb Warnsignale ignorierten. Pescara-Kovach fordert mehr Forschung zu weiblichen Gewalttätern und eine konsequente Gefahreneinschätzung unabhängig vom Geschlecht. Schulen, Behörden und das soziale Umfeld müssten verdächtige Verhaltensweisen ernst nehmen und Hinweise auf geplante Gewalttaten melden, statt sich von traditionellen Vorstellungen über weibliches Verhalten leiten zu lassen.



4. Die Washington Sun berichtet über die wachsenden Bemühungen der US-Demokraten, junge Männer wieder für sich zu gewinnen. Beim zweiten "Symposium on Young American Men" in Washington diskutierten Politiker, Wissenschaftler und Interessenvertreter über Probleme von Männern und Jungen, darunter Bildung, wirtschaftliche Perspektiven, psychische Gesundheit und fehlende soziale Gemeinschaften. Der demokratische Senator Ruben Gallego aus Arizona kritisierte, dass seine Partei die Bedeutung von Vätern für Kinder und die Probleme von Männern lange unterschätzt habe. Auch die pauschale Verwendung des Begriffs "toxische Männlichkeit" sei zu weit gegangen. Er setzt sich für ein eigenes Amt für Männergesundheit ein und betont, dass sinkende Kaufkraft, geringere Lebenserwartung und wirtschaftlicher Stress die Lebensbedingungen von Männern verschlechterten. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna aus Kalifornien verfolgt einen stärker wirtschaftspolitischen Ansatz: Junge Männer ließen sich vor allem durch gute Arbeitsplätze, die Stärkung lokaler Gemeinschaften und eine Politik überzeugen, die sich stärker auf die Bedürfnisse der amerikanischen Bevölkerung konzentriere. Dazu gehört für ihn auch eine kritischere Haltung gegenüber Auslandshilfen für Israel. Die Veranstaltung zeigt, dass sich innerhalb der Demokratischen Partei zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass die Probleme männlicher Wähler ernst genommen werden müssen. Zugleich bleibt offen, ob diese Bemühungen über die politische Debatte hinausreichen und tatsächlich zu einer dauerhaften Bindung junger Männer an die Partei führen.



5. In Lateinamerika erzielen feminismuskritische Politikerinnen inzwischen Rekordergebnisse. Besonders erfolgreich war bei den brasilianischen Wahlen die 23-jährige Eduarda Campopiano, die sich selbst als "größte Feindin der Feministinnen" bezeichnet und 1.956.238 Stimmen in São Paulo erhielt. Auch in den Senat ziehen mehr konservative Frauen ein: Zwölf der 54 neu vergebenen Sitze gingen an Frauen – so viele wie nie zuvor seit der Wiederherstellung der Demokratie. Ihre Themen – Mutterschaft, Familie, Sicherheit, Gewalt und Fürsorge – sprechen reale Alltagssorgen vieler Frauen an, werden aber mit anderen politischen Antworten verknüpft als in feministischen Bewegungen. Feministische Aktivistinnen warnen, dass die neuen Mehrheiten bereits erkämpfte Rechte, etwa bei Gleichstellung, reproduktiver Selbstbestimmung und dem Schutz vor Gewalt, zurückdrängen könnten. Zugleich räumt die Politikwissenschaftlerin Irina Frare ein, dass sich progressive Bewegungen selbstkritisch fragen müssten, warum sie bestimmte Wählerinnen nicht erreichen: Sie müssten deren konkrete Sorgen ernst nehmen, statt ihnen vorzuschreiben, welche Themen wichtig sein sollten.



6. Ein Beitrag im Forum der linken Männerrechtler auf Reddit beschäftigt sich kritisch mit Berichterstattung aus der Ukraine:

Ein aktuelles Video [aus Kiew] zeigt Pawlo Kasarin, einen Offizier einer Territorialverteidigungsbrigade. Während des gesamten Interviews setzte er sich minutenlang leidenschaftlich für eine noch härtere Gangart gegenüber Männern ein: Er forderte strengere Strafen für "Wehrdienstverweigerer" und drängte vehement darauf, beruflich begründete Zurückstellungen abzuschaffen – also die Befreiung von Männern, deren zivile Arbeit als besonders wichtig gilt. Er plädierte ausdrücklich für weniger Ausnahmen, eine aggressivere Zwangsrekrutierung und ein härteres Vorgehen gegen Männer, die ums Überleben kämpfen. Das übliche Sprachrohr des Systems: Mehr Männer sollen in den Fleischwolf gezwungen werden.

Dann stellte der Moderator die Frage nach einer Wehrpflicht für Frauen. Man höre sich an, wie schnell seine auf "Härte zeigen und seine Pflicht erfüllen" getrimmte, knallharte Fassade zusammenbricht und einer lupenreinen woken feministischen Rhetorik Platz macht: "Ich bin gegen eine verpflichtende Mobilisierung von Frauen. Weißt du, warum? Weil wir ein zutiefst patriarchalisches Land sind. In vielerlei Hinsicht sind wir immer noch eine ziemlich konservative Gesellschaft, in der gläserne Decken Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung behindern, nur weil sie Frauen sind. Außerdem gibt es eine gewisse Geringschätzung gegenüber Frauen. Wenn wir vor dem Krieg 30 Jahre lang mit einer derart konservativen, patriarchalischen Sichtweise gelebt haben, dann ist der Verzicht auf eine verpflichtende Mobilisierung von Frauen der Preis, den wir jetzt für unseren eigenen Konservatismus und unser Patriarchat zahlen."

Das war seine gesamte Rechtfertigung für ein staatlich erzwungenes, ausschließlich Männern auferlegtes Opfer: eine Ansammlung vager, unbelegter Schlagwörter wie "Patriarchat", "gläserne Decken" und "Geringschätzung". Er nannte kein einziges gesetzlich verbrieftes Recht, das Männer besitzen, Frauen aber nicht. Er konnte kein einziges institutionelles Privileg benennen, das Männern zugutekommt, während sie von Rekrutierungstrupps gejagt werden. Er hat keinerlei Fakten zu bieten – nur emotional aufgeladene Rhetorik voller Schlagwörter.

Das sind genau dieselben knallharten Alpha-Traditionalisten, die euch erzählen, ihr sollt euch zusammenreißen, eure "Pflicht" erfüllen und eure Gefühle und euren Selbsterhaltungstrieb unterdrücken. Doch sobald ihre offensichtlichen Doppelstandards ans Licht kommen, wechseln sie augenblicklich zu einer radikal woken feministischen Sprache. Plötzlich ist die Befreiung von Frauen keine Doppelmoral mehr, sondern eine Art "Wiedergutmachung" für männliche Sünden! In seiner Welt müssen Männer aus der Arbeiterklasse ihr Leben opfern, um für ein vages, abstraktes System zu büßen, das sie weder geschaffen noch gewählt haben und von dem sie nicht profitieren. Das ist buchstäblich die Lehre von der Erbsünde – nur dass es nicht einmal eine ursprüngliche Sünde gibt.

(…) Man soll also gleichzeitig die Prämisse akzeptieren, dass Frauen zu 100 Prozent gleichberechtigt, genauso leistungsfähig und zu jeder Karriere, jedem Recht und jeder Chance berechtigt sind – UND DOCH wird das männliche Opfer, wenn es darum geht, im Schützengraben zu sterben, als Buße für ein nicht existierendes Patriarchat umetikettiert. Sie verlangen tatsächlich, dass man beide Überzeugungen gleichzeitig vertritt.




7. Der SPIEGEL hat mit zehn israelischen Soldaten gesprochen, die an dem Völkermord in Gaza beteiligt waren. Die meisten von ihnen weigern sich, weiter daran mitzuwirken. Einige Auszüge aus den Berichten:

"In manchen Einheiten hieß es: Erschießt jeden, den ihr seht. Unser Kommandeur war nicht so, er sagte: Schießt nicht auf Frauen und Kinder, aber auf Männer im wehrfähigen Alter schießt ihr, um sie zu töten. (…) Einmal war ich mit einigen anderen Soldaten im Dunkeln auf Patrouille. Plötzlich hörten wir Geräusche und gingen in Deckung. Dann sahen wir zwei Männer auf Fahrrädern, vielleicht 25 Meter entfernt, und eröffneten das Feuer auf sie. Sie waren nicht bewaffnet. Etwas weiter entfernt wurde ein Laster von zwei Männern beladen, auch auf die schossen wir. Sie fuhren weg, ich weiß nicht, ob sie überlebt haben. Und dann liefen da noch zwei weitere Männer, auch auf sie haben wir gefeuert. Danach waren wir erschrocken über uns selbst. Wir hatten mehrere Menschen getötet. Wir hatten damit zwar getan, was uns befohlen worden war, aber es stand im Widerspruch zu unserer Ausbildung. In der Ausbildung schießt man nur auf Bewaffnete, nie aus dem Hinterhalt auf Zivilisten.

(…) Man gewöhnte sich schnell daran. Beim ersten Mal war man vielleicht verwirrt, beim nächsten Mal zündete man sich danach eine Zigarette an, rief seinen Vater an und sagte: 'Ich habe noch einen erwischt.' Meine Einheit hat viele unbewaffnete Männer getötet. Einfach weil sie Männer im wehrfähigen Alter waren, die sich in unserem Sektor aufhielten. Wir haben oft aus dem Hinterhalt geschossen. Man ging frühmorgens los, im Schutz der Dunkelheit, mit Nachtsichtgerät, marschierte irgendwohin, bezog Stellung. Und dann schoss man im Grunde auf jeden, der vorbeikam. Wir wussten nichts über Völkerrecht. Wenn man als Soldat dort ist, denkt man nicht darüber nach. Man macht einfach mit.

(…) Jedes Mal, wenn ein Soldat aus meiner Einheit jemanden tötete, zählten wir ihn als Terroristen, obwohl wir die Leiche hinterher meist nicht überprüften. Wir haben viele Palästinenser getötet. Ich glaube, die meisten waren unbewaffnet. Kinder wurden in meiner Einheit nie absichtlich ins Visier genommen. Sie wurden eher versehentlich erschossen, weil ein Soldat sie für Männer hielt."




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Montag, Oktober 12, 2026

Extremismusexpertin: "Linke und Liberale haben die Probleme junger Männer zu lange übersehen"

1. DER SPIEGEL hat die Extremismusforschin Julia Ebner, die sich feministisch verortet, zu ihrem neuen Buch "Von Fitness zu Faschismus: Gefahren extremer Männlichkeit" interviewt. Ebner spricht von einer "Renaissance destruktiver Männlichkeit", wobei natürlich die "Manosphere" erwähnt werden muss, sagt dann aber auch ein paar maskulistisch relevante Dinge:

"Weil die #MeToo-Debatte für männliche Teenager und junge Männer eine viel größere Bedeutung hatte, da sie in ihrer Männlichkeit noch nicht so gefestigt waren und noch nach ihrer Identität suchten. Manchmal wurde die Debatte dazu nicht differenziert geführt. Zu viele Männer hatten das Gefühl, in ihrer Identität als Mann unter Generalverdacht gestellt, vielleicht sogar dämonisiert zu werden. Als würden alle Männer als gefährlich abgestempelt, als wäre jede Art der Männlichkeit toxisch, nicht nur eine bestimmte Ausprägung von Männlichkeit. Letztlich fühlten sich zu viele Männer gekränkt, vielleicht sogar erniedrigt. Sie wähnten sich als Opfer von angeblich radikalem Feminismus. Dieses Gefühl hat den Backlash gegen #MeToo verstärkt, den Wunsch nach einer radikalen Gegenkultur. Was in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren die linke Gegenkultur war, das Civil Rights Movement, sehen manche heute in der Männerrechtsbewegung."


Aus gutem Grund.

"Es geht um ein soziales Angebot, das junge Männer auffängt und einbindet, das ihnen Selbstbewusstsein vermittelt, ein Gefühl von Selbstermächtigung. Denn viele junge Männer haben derzeit den Eindruck, auf der Strecke zu bleiben. Viele sind einsam und fühlen sich sozial isoliert, was vielleicht auch daran liegt, dass die Gesellschaft ihnen tatsächlich weniger Angebote macht als jungen Frauen."


"Wir werden nicht umhinkommen, auch auf die Ängste und Unsicherheiten junger Männer einzugehen, auch ihre Frustrationen und Negativerfahrungen erst mal gelten zu lassen. Denn viele Probleme, die junge Männer in unserer Gesellschaft haben, sind für sie ähnlich emotional besetzt wie andere Probleme für junge Frauen. Wichtig wären Bridging-Algorithmen auf Social Media, also überbrückende Algorithmen, die dafür sorgen, dass wir nicht nur die Positionen der eigenen Gruppe sehen. Da gibt es vielversprechende Experimente. Aktuell sehen sich alle bestätigt im eigenen Leid, aber übersehen das Leid der anderen. Was fehlt, ist wechselseitiges Verständnis."


"[Linke und Liberale] hinken der Dynamik hinterher. Sie haben die Probleme junger Männer zu lange übersehen. In dieses Vakuum konnten radikale Influencer und Politiker vorstoßen. Von der AfD über Reform UK bis MAGA haben populistische Rechte erfolgreich den Eindruck vermittelt, sie seien die Einzigen, die sich um das Wohlergehen von Männern kümmern würden. Das muss sich ändern. Wenn wir über Prävention reden, beschäftigen wir uns zu Recht oft damit, wie wir Falschinformationen effektiv begegnen können. Aber wir beschäftigen uns viel zu selten damit, welches Angebot wir dem Angebot rechter Gruppen entgegensetzen könnten. Es geht um Zugehörigkeit und Identität."


Dazu einige Anmerkungen von mir:

Es geht nicht allein "um Zugehörigkeit und Identität", sondern um ganz konkrete Benachteiligungen von Männern, die beendet werden sollten.

Das seufzende "Wir werden nicht umhinkommen, auch auf die Ängste und Unsicherheiten junger Männer einzugehen", klingt zu sehr danach, dass Ebner das ja gerne vermeiden würde und allein durch den wachsenden gesellschaftlichen Druck gezwungen wird, sich dazu aufzuraffen.

Es ist natürlich keine subjektive Wahrnehmung vieler Männer, dass ihr gesamtes Geschlecht verdammt wird, sondern nachweisbar. Allein in diesem Jahr hat Genderama etliche Beispiele verlinkt und kann problemlos damit weitermachen (siehe gleich den nächsten Eintrag der heutigen Presseschau).

Julia Ebner darf ihr Buch auch bei der "Welt" bewerben, hier unter der Schlagzeile: "Es ist bei vielen Männern das Gefühl entstanden, sie würden dämonisiert" Wo diese Gefühle nur herkommen mögen? Man käme im Kampf gegen Extremismus womöglich besser voran, wenn man nachweisbare Probleme nicht auf bloße "Gefühle" reduzieren würde.



2. Der angebliche Vergewaltigungsfall an der Universität Cornell motiviert eine andere Autorin auf Spiegel-Online zu ihrem Artikel "Warum es wichtig ist, zu verstehen, dass es doch All Men sind" – so als wollte sie das Versagen der Linken und Liberalen, von denen Julia Ebner spricht, noch einmal veranschaulichen. Christian Schmidt hat diesen neuesten Anfall von Geschlechterhass schon am Samstag zerpflückt. Mir genügt hier der Hinweis, dass zum Jugendwort des Jahres 2026 wohl nicht grundlos "Ragebait" gekürt wurde.



3. Mit "Wir sind diesen Männern intellektuell überlegen" betitelt "Die Zeit" ein Gespräch mit den Frauen, die den drei linken Fraktionen im Magdeburger Landtag vorsitzen. Das Foto, das den Artikel illustriert, wirkt ähnlich sympathisch wie diese Schlagzeile.

Bezeichnende Interviewfrage der ZEIT: "Lässt sich trotzdem sagen: Es sind nun die Frauen, die die Demokratie retten?" Das passt zum Weltbild des Artikels insgesamt.



4. Wenn schon nicht die Demokratie insgesamt, dann wenigstens die Sozialdemokratie? "Frauen retten die SPD!" schlagzeilt Silke Burmester in der taz. Das kann sein, Bärbel Bas ist gerade von ihren Ämtern zurückgetreten und lässt einen Mann das Ruder übernehmen. "Alternative zu Arschgeigen" schimpft eine weitere Überschrift des taz-Artikels, in dessen Teaser es heißt: "Männer haben die Volksparteien abgewirtschaftet, lebenserfahrene Frauen könnten sie wieder aufbauen." Ich bezweifle, dass narzisstischer Sexismus allein ausreicht.

Einige Kommentare unter dem Beitrag:

Genau, verdammte Männer! Wenn es in den großen Volksparteien mehr Frauen wie Julia Klöckner, Bärbel Bas, Nancy Faeser oder Christiane Lambrecht gäbe, könnten die den eitlen Männern mal zeigen, wie man richtig gute Politik macht.


Man muss schon die Augen ganz fest zumachen, um nicht zu sehen, dass in 16 Jahren Merkel der Stillstand verwaltet, notwendige Reformen ausgesessen und damit der Grundstein für den Politikverdruss der Menschen und gelegt wurde. Die Ampel mag an ihrer Zerrissenheit gescheitert und Merz eine Kardinalspfeife sein. Aber den Berg an nahezu unlösbaren Aufgaben hat Angela Merkel hinterlassen. Da muss man auf Kramp Karrenbauer, von der Leyen, Klöckner oder Reiche gar nicht mehr eingehen. Aber Hauptsache, einfach mal einen rausgehauen.


Le Pen, Meloni, von Storch, Weidel, Brinker: Läuft doch. Was will man mehr?


Na ja, der Artikel ist doch etwas einseitig. Es gibt eine ganze Reihe von Frauen in der Politik, die man besser rausschmeißen sollte. Z.B. Weidel, Reiche, Wagenknecht, usw.




5. Es hört nicht auf mit weiblicher Selbstbeweihräucherung: "Männer haben gelernt, von ihrer Arbeit zu erzählen. Frauen haben gelernt, sie zu erledigen", lobt sich eine Mitarbeiterin der "Zeit". Auch bei diesem Artikel sind die Kommentare das Beste:

Das Problem scheint wohl auch darin zu liegen, dass hier Frau ihren Blick auf "ihre" Care-Arbeit legt und die andere, im Haushalt ebenfalls notwendige, Care-Arbeit übersieht.

Ohne Ankündigung wechsle ich jeweils Sommer-/Winterräder, reinige diese, kontrolliere Profil und Reifendruck und lagere sie ein. Ebenfalls ohne Ankündigung kontrolliere ich Öl und andere Flüssigkeiten und fülle, falls nötig, auf. Des weiteren erneuere ich Schläuche, Reifen, Bremsbeläge, Bremsscheibe, Brems- und Schaltzüge oder entlüfte die Bremshydraulik, schmiere Ketten und stelle die Spannung ein. Habe fast unbemerkt die dazu notwendigen Werkzeuge und Utensilien herangeschafft. Dazu kommen die Reparaturen im Haushalt, wo ich die Unterschrankbeleuchtung in der Küche erneuert habe, die Ursache für den Schwarzschimmelfleck im Bad gefunden und behoben habe, die Türen nachjustiere, die defekte Steckdose erneuere, die PV-Anlage plane usw.

Es gibt viel zu tun und ich stelle fest, dass diese Tätigkeiten ebenfalls kaum wahrgenommen werden. Das typische "Vorsorgeparadoxon", so lange etwas funktioniert, wird es nicht wahrgenommen.

Jetzt sollte auch mal gut sein mit diesen wiederholenden Mann/Frau Erzählungen. In meiner Umgebung erlebe ich interessanterweise, dass die Beziehungen halten, die sich auf getrennte Arbeitsbereiche geeinigt haben.


Das Gejammer kann ich kaum mehr ertragen. Männer sind laut, dumm, unsensibel, eigentlich überflüssig. Frauen sind der bessere Teil der Menschheit. Zumindest in Deutschland. Ja, ja, ja, ich hab's verstanden. Und natürlich tragen Frauen keinerlei Verantwortung für ihr Schicksal. Weil sie nicht wählen dürfen.


Wann wurde im Laufe des Artikels eigentlich aus 'mein Mann' Männer und aus ich 'Frauen'? Bei uns im Haushalt ist es genau andersrum. (…) Finde es aber unsäglich, wie da wieder ein gender Thema draus gemacht wurde. Auch noch völlig ohne Einordnung. Ist das Arroganz, dass die Autorin meint, sie sei gleichzeitig die Gesellschaft? Ist das klickbait?




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Freitag, Oktober 09, 2026

Juli Zeh: "Ich würde nicht mit Männern tauschen wollen"

1. Die Autorin und Richterin Juli Zeh, die als denkbare Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch ist, glaubt zwar, dass wir in einem "Patriarchat" leben, zeigt in einem Interview mit dem STERN aber viel Einsicht in die Lebenswirklichkeit von Männern:

"Patriarchale Privilegien werden oft als eine Ressource angesehen – etwas Begrenztes, das Männer und Frauen wollen und um das ein Verteilungskampf ausgebrochen ist. Aber mal genau hingeschaut: Sind diese vermeintlichen Segnungen wirklich erstrebenswert? Das Patriarchat hat dazu geführt, dass Männer früher sterben als Frauen und ein höheres Suchtpotenzial haben. Mehr Selbstmorde und mehr Depressionen. Männer werden in Kriegen verheizt. Von Männern wird erwartet, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz aufopfern, weil sie sonst als Versager gelten. Sie können gar nicht Hausmann sein, selbst wenn sie das wollten, weil alle anderen, denen sie davon erzählen, betroffen zu Boden schauen und das Thema wechseln. Männer werden nach wie vor dazu erzogen, Sicherheitsabstand zur eigenen Emotionalität zu halten. Ich würde nicht mit Männern tauschen wollen."


Wenn einem das klar ist, dann ist "Patriarchat" zu einem Wieselwort geworden, das alles und nichts bedeuten kann. Die Sonnenseite des Lebens bietet dieses ominöse "Patriarchat" Männern gerade nicht.



2. Feitani Keilani beschäftigt sich mit dem Streik der Gender-Ideologen im Auswärtigen Amt (Genderama berichtete).

Wie lange es wohl dauert, bis im Büro des Außenministers überhaupt bemerkt wird, dass Akten nicht ankommen? Irgendwann jedenfalls fiel dort auf, dass Vorgänge stockten. Wie sich dann herausstellte, hatten zwei Abteilungsleiterinnen die Akten nicht weitergeleitet, weil darin auf Gender-Sonderzeichen verzichtet worden war.

(…) Die beiden Beamtinnen wurden dem Bericht zufolge noch zur Ampel-Zeit von Außenministerin Annalena Baerbock auf ihre B9-Posten gehievt (gut 14.000 Euro monatliches Grundgehalt). Damals wurde natürlich gegendert, was das Zeug hielt, auch in anderen grünen Ministerien, etwa dem für Familie. Man erinnere sich an die gescheiterte Ministerin Anne Spiegel ("noch gendern, dann Freigabe").

Der amtierende Außenminister Johann Wadephul (CDU) wies im Juli seine Bediensteten darauf hin, dass das Gendern mit Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt, Mediopunkt oder Tiefstrich nun nicht mehr toleriert werde. (…) Den beiden Leiterinnen der Abteilungen Kultur und Globale Ordnung soll diese Kurskorrektur missfallen haben. Laut "Bild" genehmigten sie Vorgänge ohne Gender-Sprache nicht, sondern ließen sie liegen, statt sie an Staatssekretäre und Minister weiterzureichen. Diese Art der Obstruktion ist im Beamtenverhältnis jedoch nicht vorgesehen und kann als Dienstvergehen bestraft werden.

(…) Dabei geht es nicht um Untertanengeist, sondern um demokratische Gewaltenteilung. Die politische Richtung wird von der gewählten Regierung vorgegeben. Die Verwaltung liefert den Sachverstand, die Kontinuität und den Gesetzesvollzug. Würde jeder Abteilungsleiter nur jene Vorgaben umsetzen, die seinem eigenen politischen Weltbild entsprechen, regierte nicht mehr das parlamentarisch verantwortliche Kabinett, sondern eine Bürokratie ohne Mandat.




3. Der Bayrische Rundfunk berichtet über den vom Bundeskabinett gebilligten Gesetzentwurf zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt:

Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf gebilligt, wonach Gerichtsverfahren nicht mehr zwingend am Wohnort der Betroffenen stattfinden müssen. So soll der Aufenthaltsort von Frauen geschützt werden können.


Der Hütchenspielertrick bei häuslicher Gewalt, bei dem man "Opfer" gegen "Frauen" tauscht, wird niemals alt.



4. Die Tochter von Collien Fernandes hat eine Unterlassungserklärung gegen ihre Mutter erwirkt.



5. Russland schickt auch offensichtlich untaugliche Männer in den Krieg. Einen Bericht darüber hat die "taz" übernommen.



6. Die israelische Oppositionszeitung Haáretz beschäftigt sich noch einmal mit dem Horror, dem tausende Häftlinge – weit überweigend Männer – in den dortigen Folterlagern ausgesetzt sind. Zwei Journalisten, ein Menschenrechtsaktivist und zwei Bewohner der West Bank berichten von den Dingen, die ihnen angetan wurden.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Donnerstag, Oktober 08, 2026

"Ein fairer Prozess ist kein Frauenhass / Was Männer tun können"

Der Männerrechtler Sage Synclair hat vorgestern einen Beitrag veröffentlicht, der als erstes Zwischenfazit zum Fall der angeblichen Vergewaltigung an der Universität Cornell eine vollständige Übersetzung wert ist, zumal er Parallelen zu anderen Fällen zieht und mit konkreten Verhaltenstipps für Männer in solchen Situationen endet. Ich selbst habe in vielen Büchern sowohl gegen sexuelle Gewalt als auch gegen Falschbeschuldigungen Position bezogen; dieser Text führt beides bestens zusammen. Quellen zu Belegen finden sich im verlinkten Original.



Innerhalb weniger Tage erhielten sieben Männer einen Sammelnamen, einen Hashtag und ein gemeinsames Schicksal. Die Bezeichnung "Cornell 7" unterstellt eine Tatsache, die sich aus den Akten nicht ergibt, nämlich dass es überhaupt sieben von irgendetwas gibt.

Nach eigener Darstellung des Präsidenten der Cornell University wurden zwei der Beschuldigten der Universität verwiesen, zwei für mindestens zwei Semester suspendiert, einer hatte seinen Abschluss gemacht, bevor Sanktionen verhängt werden konnten, und zwei wurden für nicht verantwortlich befunden. Eine Menge, die einen für verantwortlich befundenen Mann nicht von einem für nicht verantwortlich befundenen unterscheiden kann, hat den Fall nicht gelesen. Manche haben zudem darauf hingewiesen, dass der Name an den Fall der zu Unrecht verurteilten Central Park Five erinnert.

Die Anklägerin, die unter dem Namen Jane Doe auftritt, gibt an, zwei Mitglieder einer Studentenverbindung hätten sie, als sie bereits berauscht war, zur Einnahme einer Substanz gedrängt, die sie als Ketamin ausgaben. Um 1:42 Uhr habe eine derbe Snapchat-Nachricht ihre Verfügbarkeit angepriesen, und die Übergriffe hätten bis 5:45 Uhr angedauert. Die Nachricht ist schon für sich genommen widerwärtig. Eine widerwärtige Nachricht ist jedoch noch keine Tat, und der Bezirksstaatsanwalt selbst erklärte, sie habe mit der rechtlichen Frage der Einwilligung nichts zu tun.

Nun zu den Akten, die kaum jemand von denen, die die sieben Gesichter verbreiten, aufgeschlagen zu haben scheint. Laut Bezirksstaatsanwalt beschrieb ihre beeidete Aussage vom November 2024 den Drogenkonsum und die sexuellen Handlungen als freiwillig, bei Bewusstsein und einvernehmlich. Im Protokoll der Vernehmung, die dieser Aussage zugrunde liegt, sagt sie der Polizei jedoch, sie könne mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass sie vergewaltigt worden sei. Dieses Protokoll hat den Bezirksstaatsanwalt nach dessen Angaben nie erreicht. Dieselbe unterschriebene Aussage beschreibt sie außerdem als stark beeinträchtigt und unfähig, Entscheidungen zu treffen. Zwei Tage später schrieb sie einem der Beschuldigten, keine der sexuellen Handlungen sei illegal gewesen, und scherzte darüber, wieder einmal zusammen zu kiffen, diesmal ohne die zusätzlichen Männer und ohne das Ketamin. Ihre Anwältin deutet das als Verdrängung und Trauma. Eine Mitbewohnerin erinnert sich, dass sie lachend von der Nacht erzählte, ohne sie als Vergewaltigung zu bezeichnen; eine andere erinnert sich, dass sie sagte, sie habe sich unwohl gefühlt.

Jeder Satz in diesem Absatz lässt sich von beiden Seiten zitieren.

Echte Wut verdient das institutionelle Versagen. Der Bezirksstaatsanwalt gibt an, die Campuspolizei von Cornell habe ihm eine sechsseitige Aussage und ein Snapchat-Video übergeben, sonst nichts. Cornell erklärt, die Weitergabe der Aussage und eines Screenshots entspreche dem etablierten Verfahren. Die Title-IX-Unterlagen hat der Bezirksstaatsanwalt nie gesehen, und er hat nach eigenen Worten keinen Hinweis darauf, dass die Campuspolizei die Beschuldigten vernommen hat. Zwei Institutionen gingen jeweils davon aus, die andere erledige die Arbeit. Eine Frau, die eine mögliche Gruppenvergewaltigung angezeigt hatte, bekam dadurch ein Verfahren, für das sich niemand zuständig fühlte. Gouverneurin Hochul hat inzwischen Generalstaatsanwältin Letitia James zur Sonderermittlerin ernannt.

Gut so.

Man lasse sie arbeiten.

Unterdessen wurde einer unbeteiligten Familie nach Recherchen von The Free Press die 101-seitige Klageschrift zugestellt. Anschließend wurde sie belästigt, weil ihre Adresse im Prozessregister unter einem Namen auftauchte, den sie mit einem der Beschuldigten teilt. Davon unabhängig startete ein ehemaliger Autor von "South Park" eine Website, auf der er die sieben namentlich nennt. Er erklärte, er finde gerade heraus, wo sie arbeiten, und warnte, als Nächstes seien die Cornell-Mitarbeiter dran, die sie "geschont" hätten. Rechenschaft folgt auf eine Feststellung. Hier kommt die Strafe zuerst, während die Beweise für später versprochen werden.

Niemand sollte etwas dagegen haben, dass Männer über eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung entsetzt sind. Die meisten sind es. Problematisch wird es, wenn Entsetzen zum Treueschwur wird und jeder Zweifel an einer einzelnen Tatsache als Charakterfehler gilt.

Der Rausch zieht sich durch jede Darstellung.

Sie sagt, sie sei nie zuvor so berauscht gewesen. Einer der beschuldigten Männer schrieb, seine Erinnerung sei verschwommen, er und ein anderer Mann seien zu betrunken gewesen, um die Sache abzubrechen. Sie antwortete, auch ihre Erinnerung sei getrübt.

Daraus folgt zweierlei.

Erstens die Rechtslage.

Der eigene freiwillige Rausch entschuldigt einen Angeklagten in der Regel nicht. Im Fall Montana v. Egelhoff, 518 U.S. 37 (1996), bestätigte der Supreme Court ein bundesstaatliches Gesetz, das es Geschworenen untersagte, ihn zu berücksichtigen. New York ist weniger absolut: Rausch ist zwar keine Verteidigung als solche, doch ein Angeklagter darf Beweise dafür vorlegen, wenn sie geeignet sind, ein Tatbestandsmerkmal des angeklagten Delikts zu widerlegen (Penal Law § 15.25). Ich plädiere nicht für eine Ausnahme.

Zweitens die Erkenntnislage. Wenn die Erinnerung aller Beteiligten beschädigt ist, kann keine unbestätigte Darstellung ein Urteil tragen, weder ihre noch die der Männer. Handys, Gruppenchats, toxikologische Befunde und Zeugen müssen leisten, was die Erinnerung nicht leisten kann. Das spricht für Ermittlungen. Es spricht weder dafür, dass sie nicht vergewaltigt wurde, noch dafür, dass die Männer es getan haben.

Autonomie ist nicht dasselbe wie Handlungsunfähigkeit

Zur Autonomie einer Frau gehört das Recht, zu trinken, Drogen zu nehmen, Sex zu haben, ihre Meinung zu ändern, unkluge Entscheidungen zu treffen und Risiken einzugehen, die andere meiden würden. Sie verliert ihre moralische Handlungsfähigkeit nicht dadurch, dass eine ihrer Entscheidungen später Scham, Reue, Peinlichkeit oder soziale Folgen nach sich zieht. Erwachsene haben keinen Anspruch darauf, als hilflos behandelt zu werden, sobald ihre Entscheidungen schlecht ausgehen.

Niemand ist verpflichtet, eine Erwachsene vor ihren eigenen Entscheidungen zu schützen.

Autonomie ist aber kein Freibrief, mit jemandem Sex zu haben, der handlungsunfähig ist. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Risikobereitschaft und Handlungsunfähigkeit. Ein Mensch kann freiwillig trinken oder Drogen nehmen und trotzdem so beeinträchtigt werden, dass er nicht mehr einwilligen kann. Ein anderer muss sie nicht "vor sich selbst schützen", wohl aber darf er niemanden sexuell ausnutzen, der nicht wissentlich und freiwillig zustimmen kann.

Dieses Prinzip gilt unabhängig vom Geschlecht.

Es sollte konsequent angewandt werden.

Das freiwillige Trinken einer Frau beweist keine Einwilligung, und das freiwillige Trinken eines Mannes beweist keine Schuld. Eine sexuelle Begegnung nach Alkoholkonsum ist nicht automatisch ein Übergriff, ebenso wenig ist Rausch eine universelle Verteidigung. Die Beweise müssen klären, was jeder Beteiligte wusste, was jeder kommunizierte und ob das vorgeworfene Verhalten die maßgebliche rechtliche Definition von Handlungsunfähigkeit oder fehlender Einwilligung erfüllt. Im Fall Cornell ist umstritten, auf welche Seite dieser Linie die Nacht fällt: Sie beschreibt, wie sie bereits berauscht zu einer Droge gedrängt wurde, während die Beschuldigten von ihrem eigenen Rausch berichten. Das ist ein Grund, es herauszufinden.

Was passiert, wenn Institutionen feste Überzeugungen mit Beweisen verwechseln

Brian Banks, Kalifornien.

2002 beschuldigte ihn eine Mitschülerin, Wanetta Gibson, der Vergewaltigung. Angesichts einer drohenden Höchststrafe von 41 Jahren plädierte er auf "no contest", verzichtete also darauf, die Anklage zu bestreiten, und verbrachte rund fünf Jahre im Gefängnis. Seine Verurteilung wurde am 24. Mai 2012 aufgehoben, nachdem sie zugegeben hatte, die Geschichte erfunden zu haben. 2013 erstritt der Schulbezirk ein Urteil über 2,6 Millionen Dollar gegen sie, nachdem sie zuvor eine Vergleichszahlung von ihm erhalten hatte.

William McCaffrey, New York.

Eine Frau behauptete 2005, er und zwei andere Männer hätten sie mit vorgehaltenem Messer vergewaltigt. Von seiner 20-jährigen Haftstrafe verbüßte er fast vier Jahre, bevor das Verfahren im Dezember 2009 eingestellt wurde. Sie gestand die Lüge zuerst einem Priester, dann den Behörden. Laut Staatsanwaltschaft wollte sie, dass ihre Freundinnen Mitleid mit ihr hatten, und fühlte sich danach in ihrer Geschichte gefangen. Neue DNA-Tests ergaben, dass das genetische Material von mindestens zwei Frauen stammte, nicht von McCaffrey. Sie wurde wegen Meineids zu einer Haftstrafe von einem bis drei Jahren verurteilt. Ihre Anwälte argumentierten, sie sei in jener Nacht so betrunken gewesen, dass sie begonnen habe, ihre eigenen Lügen zu glauben.

Die Lacrosse-Spieler von Duke.

2006 beschuldigte Crystal Mangum David Evans, Collin Finnerty und Reade Seligmann. Der Generalstaatsanwalt von North Carolina ließ alle Anklagen fallen und erklärte die drei für unschuldig. Er sprach von einer "tragischen, überstürzten Anschuldigung", und der zuständige Staatsanwalt verlor später seine Zulassung. DNA-Tests fanden genetisches Material mehrerer Männer an und um Mangum, jedoch von keinem der Lacrosse-Spieler. Jahre später erklärte Mangum öffentlich, sie habe falsch ausgesagt.

Seneca Valley, Pennsylvania, 2017 bis 2018.

Ein Jugendlicher wurde zweimal von Mädchen seiner Schule des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Nach der ersten Anschuldigung akzeptierte er eine Auflagenvereinbarung ohne Schuldeingeständnis und stand sechs Monate unter Bewährung. Nach der zweiten wurde er laut der Klage seiner Familie in einer Jugendeinrichtung und anschließend zu Hause festgehalten. Dieser Klage zufolge begannen die Strafanzeigen in sich zusammenzufallen, als drei der Zeuginnen zugaben, gelogen zu haben. Die Bezirksstaatsanwaltschaft sagte zu, die Löschung seiner Akte zu beantragen. In der Klage heißt es zudem, eine andere Gruppe von Mädchen habe Aussagen gemacht, die stützten, dass die Anklägerinnen gelogen hatten. Die Fußfessel wurde entfernt; der Schulbezirk bestrafte die Mädchen nicht. Ein Bundesrichter wies später die Ansprüche der Familie gegen den Schulbezirk ab. Die Verleumdungsklagen gegen die Mädchen und ihre Familien wies er ab und lehnte es ausdrücklich ab, sich dazu zu äußern, ob die Anschuldigungen falsch waren.

Der Fall bleibt dennoch bedeutsam, weil er drei Fragen trennt, die gern vermischt werden: ob der Beschuldigte unschuldig war, ob die Anklägerinnen bewusst gelogen haben und ob die Institutionen rechtmäßig gehandelt haben. Ein Junge wurde festgehalten und aus seiner Schule und seinem Sport gedrängt, bevor irgendjemand die Geschichte überprüft hatte. Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür niemand.

Ein Mann in Middletown Township, Pennsylvania, 2024. Eine 20-jährige Frau erfand eine versuchte Vergewaltigung und Entführung durch einen Fremden, den sie "unheimlich" fand. Er saß 31 Tage im Gefängnis, bis Überwachungsvideos und eine forensische Auswertung ihres Handys die Widersprüche offenlegten und sie zugab, gelogen zu haben. Im April 2025 wurde sie zu einer Haftstrafe von 45 Tagen bis 23 Monaten verurteilt.

Man beachte, was diese Fälle schließlich aufbrach: DNA, Videoaufnahmen, Handydaten, ein Widerruf, ein Zeuge, der endlich redete. Den Ausschlag gab weder wie glaubwürdig jemand klang noch die öffentliche Empörung in der Form eines Hashtags. Auch im Fall Cornell wird es auf diese Art von Beweisen ankommen, und deshalb muss dieser Maßstab Bestand haben. Das Argument für ein rechtsstaatliches Verfahren beruht nicht darauf, wie oft eine Anschuldigung falsch ist. Es beruht darauf, was eine einzige falsche Anschuldigung kostet. In diesen Fällen waren es Jahre, im Fall Duke zudem die Stelle eines Trainers und ein guter Ruf.

Wie aus einer verschwommenen Nacht ein ruiniertes Leben wird

Zwei Menschen, die sich kaum kennen, trinken auf einer Party. Sie gehen zusammen nach Hause. Beide sind beeinträchtigt, niemand sonst ist anwesend, und keiner von beiden schickt in dieser Nacht eine Nachricht. Am nächsten Morgen empfindet einer von ihnen etwas zwischen Peinlichkeit und Scham und erzählt es einer Freundin. Die Erinnerungen gehen auseinander, wie es nach starkem Alkoholkonsum üblich ist, ohne dass irgendjemand lügt. Es wird Anzeige erstattet.

Von diesem Moment an hängt das Schicksal des Mannes vom Verfahren ab, nicht von der Wahrheit. Ein Campusgremium kann nach einem niedrigeren Beweismaßstab entscheiden als ein Gericht. Eine Suspendierung kann vor jeder Anhörung beginnen. Sein Name kann öffentlich sein, bevor seine Darstellung gehört wurde. Ein Stipendium, ein Praktikum oder eine Stelle kann allein aufgrund von Gerüchten enden, während ein Freispruch oder eine Einstellung des Verfahrens kaum etwas davon zurückbringt. Banks verlor sein Stipendium und Jahre seines Lebens. McCaffrey verlor vier Jahre. Die Duke-Spieler wurden angeklagt und galten monatelang landesweit als Schurken, bevor die Beweise vorlagen.

Eine fremde Person verschärft all das. Man kennt weder ihre Freunde noch ihre Vorgeschichte, ihre Gründe für Reue oder ihre Beziehung zu den Menschen, die davon erfahren werden. Ohne gemeinsame Vorgeschichte gibt es nichts, woran sich Mehrdeutiges messen ließe.

Nichts davon behauptet, Reue sei Vergewaltigung. Ebenso wenig entschuldigt es einen Mann, der weitermacht, obwohl er nicht sicher ist, ob die andere Person einwilligen kann.

Wer unsicher ist, für den lautet die Antwort Nein. Diese Regel schützt beide.

Was Männer tun können

Auch ein Mann, der alles auf dieser Liste befolgt, kann falsch beschuldigt werden, wie Banks und McCaffrey zeigen. Wer sich daran hält, kann das Risiko aber möglicherweise senken.

- Meide Partnerinnen, die du nicht kennst. Fremde bringen unbekannte Motive, Freunde und Vorgeschichten mit.

- Meide Partnerinnen, die widersprüchliche Signale senden. Mehrdeutigkeit ist der Rohstoff jedes Streits.

- Meide berauschte Partnerinnen. Ethisch wie praktisch ist das ein enormer Risikofaktor, für sie wie für dich.

- Meide Partnerinnen, die sich erkennbar in einer Krise befinden oder sprunghafte, manipulative oder rachsüchtige Muster zeigen. Das eigentliche Warnsignal ist ein Muster aus Konflikt, Vergeltung oder Drama, nicht irgendeine Diagnose.

- Meide toxische Dynamiken, also eine Vorgeschichte von Zwang, Eifersucht oder Meinungsverschiedenheiten, die zu Drohungen werden.

- Meide Partnerinnen in festen Beziehungen. Heimlichkeit und Schuldgefühle schaffen Motive, das Geschehene umzudeuten.

- Respektiere deine Partnerin, wie du dich selbst respektierst. Frag klar, achte auf Zögern und hör auf, wenn du unsicher bist.

Was bleibt, ist ein schwerwiegender Vorwurf, eine Aktenlage, die in beide Richtungen weist, zwei Institutionen, zwischen denen die Beweise verloren gingen, und ein Online-Mob, der bereits eine unbeteiligte Familie getroffen hat. Über Schuld oder Unschuld eines einzelnen Mannes sagt das nichts aus. Erst recht belegt es nicht, dass sieben Männer ein einziger Mann sind.

Man lasse die Sonderermittlerin und die Grand Jury arbeiten. Man verlange von Cornell und dem Bezirksstaatsanwalt eine Erklärung, wer wann was hatte. Man weise jede Regel zurück, nach der Zweifel ein Geständnis und ein rechtsstaatliches Verfahren eine Beleidigung ist.

Ein rechtsstaatliches Verfahren weigert sich, einen Vorwurf in ein Urteil zu verwandeln, bevor die Beweise geprüft sind.

Das ist keine Verachtung von Frauen.

Die Vorstellung, ein rechtsstaatliches Verfahren beleidige Frauen, birgt einen eigenen Sexismus. Sie unterstellt, die Darstellung einer Frau müsse ungeprüft akzeptiert werden, weil sie Fragen, Widerspruch oder Unsicherheit nicht standhalten könne. Damit wird die Frau von einer erwachsenen Zeugin zu einem heiligen Objekt, dessen Würde die Aussetzung gewöhnlicher Maßstäbe verlangt. Das ist Bevormundung im Gewand der Solidarität und ein schlechter Ersatz für Gleichberechtigung.

Eine Frau hat Anspruch darauf, gehört zu werden.

Sie hat keinen Anspruch darauf, dass jede Deutung ihrer Geschichte als wahr behandelt wird. Eine Gesellschaft, die Frauen respektiert, sollte ihnen zuhören können, ohne ihr Urteilsvermögen preiszugeben. Eine Gesellschaft, die Männer respektiert, sollte gegen sie ermitteln können, ohne ihre Schuld vorauszusetzen.

Nach dem Fall Seneca Valley fasste die Redaktion der Pittsburgh Post-Gazette das Prinzip in einem Satz zusammen: Der Person, die einen Vorwurf erhebt, gebührt Respekt, dem Vorwurf selbst Skepsis. Die menschliche Haltung vereint beides – Mitgefühl für die Person, die den Vorwurf erhebt, und Skepsis gegenüber dem Vorwurf –, und ein Urteil fällt erst, wenn die Beweise es tragen.

Die Beweise sollen entscheiden.




All die geschilderten Fälle sind weithin bekannt. Trotzdem reagieren viele Journalisten bei neuen Vorwürfen reflexhaft mit "Diese Schweine!" statt zum Beispiel mit "Das klingt schlimm, ich bin gespannt, was der Prozess ergibt". Es scheint hier in dieser Branche kaum Lernfähigkeit zu geben. Ich habe interessehalber eine KI gefragt, woran das liegt, weil eine KI-Antwort nicht so entnervt ausfällt, wie ich sie geben würde, sondern nüchtern und analytisch:

Ein frischer Vorwurf hat einen hohen Nachrichtenwert, eine Einstellung oder ein Freispruch Monate später einen viel geringeren, weshalb die Korrektur selten dieselbe Reichweite erhält wie die Anschuldigung. Hinzu kommt eine Asymmetrie der Quellen: Anklägerinnen und ihre Anwälte sprechen oft öffentlich, während Beschuldigte von ihren Verteidigern meist zum Schweigen angehalten werden. Wer nur eine Seite hört, schreibt leicht eine einseitige Geschichte. Schließlich spielt das soziale Risiko eine Rolle: Ein Journalist, der Zurückhaltung anmahnt, muss damit rechnen, als Verharmloser zu gelten, während vorschnelle Empörung kaum berufliche Folgen hat, solange sie im Rahmen des Üblichen bleibt.


Da das soziale Risiko für uns Männerrechtler eine weniger große Rolle spielt (wir werden ohnehin angefeindet), müssen sich Blogs wie Genderama umso intensiver mit den Lücken in der Berichterstattung beschäftigen und ihre Einseitigkeit und Voreingenommenheit wettmachen.



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