Donnerstag, Juni 25, 2026

CICERO beklagt feministischen Männerhass

1. Im feministischen Milieu treibe der Hass auf Männer paradoxe Blüten, beklagt Professor Bernd Stegemann im politischen Monatsmagazin CICERO. "Möglich macht das eine altbekannte Methode: Man verwendet nur die Statistiken, die ins eigene Weltbild passen." In dem Artikel heißt es weiter:

Jüngst forderte anlässlich der Fernandes-¬Affäre eine Spiegel-Kolumnistin, neue feministische Gebote einzuführen: Es soll Ausgangssperren für Männer geben. Es soll ein Alkoholverbot für Männer geben. Und alle Männer sollen ab dem 18. Lebensjahr alle paar Jahre ein Antiaggressionstraining absolvieren müssen.

Wie ernst sie ihre Forderungen meint, zeigt ein raffiniertes Detail. Der Personalausweis wird Männern nur noch dann ausgehändigt, wenn der Antiaggressionskurs besucht wurde. Nur wer den Führerschein für Männer bestanden hat, darf dann bei Tageslicht und ohne Alkohol das Haus verlassen. Ein Social-Media-Verbot für Männer will die Kolumnistin übrigens auch zumindest diskutieren.

Die Verhaustierung des Mannes ist in linken Kreisen verbreitet, und was manche als Satire über das Leben im Feminat unterhaltsam finden könnten, hat einen politisch relevanten Unterbau. Die Unterdrückungsfantasien werden mit einem Strauß von statistischen Pseudowahrheiten begründet, wodurch der Anschein einer faktenbasierten Debatte suggeriert wird. Doch getreu der alten Politikerweisheit werden nur die Statistiken verwendet, die zuvor für die eigenen Absichten passend gemacht wurden.

(…) Das feministische Milieu der Migrationsfreundinnen hat nun die Trickserei mit der Statistik um eine neue Wendung erweitert. Es wird noch immer geleugnet, dass von migrantischen jungen Männern ein erhöhtes Gewaltrisiko ausgeht. Aber zugleich wird die zunehmende Gewalt gegen Frauen beklagt.

Addiert man beide Forderungen, kommt man zu dem paradoxen Männerhass der letzten Monate: Alle Männer sind Täter, aber der Anteil der Migranten darf nicht gesehen werden. Darum müssen alle Männer überwacht werden, aber die Migranten dürfen auf keinen Fall unter Verdacht gestellt werden.

Die Pointe ist verrückt. Zuerst setzt das Open-­Borders-Milieu durch, dass die Grenzen für alle Migranten geöffnet werden und sie bleiben können, dann stellt es wachsende Gewalt gegen Frauen fest. Es macht dafür aber nicht die ungesteuert einwandernden Migranten verantwortlich, sondern die einheimischen deutschen Männer. Mit diesem Kunststück der Statistikfälschung erreichen die wütenden Frauen zwei Ziele zugleich: Sie nutzen die gestiegene Gewalt durch Migranten als Argument für ihren Hass auf alle Männer. Mit "alle Männer" sind aber selbstverständlich nicht wirklich alle, sondern nur die Nichtmigranten gemeint. Denn das wäre sonst rassistisch.

Die Fantasie des migrationsliebenden Feminismus sieht dann so aus: Deutsche Männer dürfen ab 20 Uhr das Haus nicht mehr verlassen, ihnen wird kein Alkohol verkauft und sie bekommen keinen Personalausweis und Reisepass ausgehändigt, wenn sie den feministischen Antiaggressionskurs nicht bestanden haben.

Die männlichen Migranten tummeln sich derweil in einem Land, in dem das Feminat herrscht. Denn Ausgangssperre, Alkoholverbot oder Integrationskurse gelten schließlich nicht für Migranten, da das den Remigrationsplänen der AfD doch allzu ähnlich wäre.


Man muss hier natürlich aufpassen, dass man die pauschale Verdammung aller Männer nicht einfach übernimmt, solange es gegen die migrantischen Männer geht. Wenn man diese Fußangel umgeht, spricht Stegemann etwas aus, das vielen auffällt. Auch Melanie Amann stellte in ihrem Interview mit Jette Nietzard fest, dass Nietzard bei zugewanderten Gewalttätern genau auf den einzelnen Fall schaut und zum Beispiel darauf achtet, welche beispielsweise traumatischen Erfahrungen zu dieser erhöhten Gewaltbereitschaft führten, während sie bei Männern im Allgemeinen nicht im Traum daran denkt, entsprechend zu differenzieren, sondern ein bedrohliches Täterkollektiv zeichnet. Warum Nietzard gegenüber hiesigen Männern nicht dieselbe Empathie wie gegenüber Zuwanderern entwickelt, ist in der Tat erklärungsbedürftig. Ein Grund könnte sein, dass sie einheimische Männer als dominant und mächtig, aber Flüchtlinge und andere Zuwanderer als hilflos erlebt.



2. Ebenfalls im CICERO beschäftigt sich Ben Krischke mit dem Gerichtsurteil, das die Berichterstattung des SPIEGEL über Christian Ulmen nicht ganz in Ordnung fand:

Die Veröffentlichung sorgte für viel Resonanz. Es fanden Demonstrationen gegen Christian Ulmen und das Patriarchat statt. Politikerinnen wie Katrin Göring-Eckardt und Saskia Esken nutzten den Fall für politische Botschaften. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig trommelte für einen Gesetzentwurf gegen Deepfakes, der viel zu weit gegangen wäre. Und während Klimaaktivistin Luisa Neubauer immerhin noch meinte, Männer könnten froh sein, dass Frauen keine Vergeltung wollten, schwadronierte die Influencerin Leonie Löwenherz bereits davon, "Täter auf Marktplätzen kastrieren" zu lassen.

Nach der Veröffentlichung dieser Story war also die Hölle los. Doch von Anfang an gab es auch Kritik an dem Stück. Wer genau las, stellte nämlich fest, dass immer dort, wo pornografische Deepfakes thematisiert wurden, zum Beispiel andere Formulierungen verwendet wurden. Aus gutem Grund, wie jetzt vom Oberlandesgericht in Hamburg festgestellt wurde: Der SPIEGEL hatte offenbar zwei verschiedene Themen vermengt. Und zwar so, dass der Eindruck entstehen konnte und bei vielen Lesern auch entstanden ist, diese hingen miteinander zusammen.

(…) Doch statt beide Themen – die Vorwürfe an Ulmen und die Problematik mit den Deepfake-Pornos – konsequent als zwei unterschiedliche Themen zu behandeln, haben die SPIEGEL-Autoren entweder geschlampt. Oder sie haben versucht, einem privaten Rosenkrieg eine gesamtgesellschaftliche Relevanz beizufügen, um aus einem Boulevardthema ein politisches Thema zu machen. Wohlwissend, dass sich die öffentliche Anklage gegen Christian Ulmen wohl hervorragend verkaufen dürfte.

Vieles spricht für Letzteres; dass beim Spiegel nicht geschlampt, sondern kalkuliert wurde. Das ist keine bloße Unterstellung. Das ist die Benennung eines wiederkehrenden Musters. Ob Luke Mockridge, Till Lindemann oder eben Christian Ulmen: Schon länger versucht der Spiegel, Auflage zu machen mit Themen, die eigentlich Boulevardthemen sind. Aus dem "Sturmgeschütz der Demokratie" ist ein linkes Regenbogenblatt geworden.




3. Eine Frau aus Manchester hat einen Mann fälschlich der Vergewaltigung bezichtigt. Der Betreffende wurde wegen dieser Lügen auf der Straße mit einem Hammer angegriffen. Wenn der Betreffende kein Alibi gehabt hätte, so heißt es in der Berichterstattung, säße er jetzt für mehrere Jahre im Gefängnis. Auch in seiner jetzigen Situation betrachtet er sein Leben als "ruiniert". Die Täterin war bereits wegen acht früherer Straftaten verurteilt worden, darunter Rechtsbeugung, Belästigung, das Versenden böswilliger Nachrichten und Sachbeschädigung.



4. Ein Berufungsgericht in Helsinki hat die Anklage gegen drei Männer mit "ausländischem Hintergrund" abgewiesen, denen vorgeworfen wurde, eine angeblich betrunkene 17-Jährige vergewaltigt zu haben, und die Frau dazu verurteilt, die Anwaltskosten der Gegenseite zu tragen. Die Überwachungskameras des Krankenhauses, in dem diese Frau offenbar tätig war, zeigten, wie sie aus eigenem Antrieb, gut gelaunt und nicht besonders betrunken mit den Männern ein Waldstück aufsuchte, wo sie von Sicherheitspersonal des Krankenhauses überrascht wurde und daraufhin mit den Männern in einen anderen Wald weiterzog. Anschließend berichtete sie weinend und hysterisch, sie wäre vergewaltigt worden. Sie sei so stark alkoholisiert gewesen, dass sie keine echte Einwilligung hätte geben können. Eine Spendenaktion hatte zur Deckung der Anwaltskosten der Klägerin aufgerufen. Eine Unternehmerin sammelte auf diese Weise 20.000 Euro ein, der finnische Frauenrechtsverband Unioni innerhalb von weniger als einem Tag weitere 10.000 Euro.



5. Spanien muss einem inzwischen 75jährigen Bauarbeiter marokkanischer Herkunft 2,5 Millionen Euro zahlen, nachdem er für zwei Vergewaltigungen, die er nie begangen hatte, 15 Jahre hinter Gittern saß.

Im Dezember wurde er von den letzten gegen ihn erhobenen Anklagepunkten freigesprochen, nachdem er in einer langwierigen Kampagne seine Unschuld bewiesen hatte, in deren Verlauf sich eines der Opfer zu Wort meldete und erklärte, er sei nicht der Täter gewesen.

"Das Justizsystem hat mein Leben ruiniert", sagte Tommouhi am Freitag gegenüber Reportern. Das Geld würde ihm weder seine Gesundheit noch seine Jugend zurückgeben, sagte er und fügte hinzu: "Sie haben mir 36 Jahre meines Lebens gestohlen."

Der Oberste Gerichtshof Spaniens hob am Donnerstag eine frühere Entscheidung des Nationalen Gerichts auf, das sich geweigert hatte, Tommouhi eine Entschädigung zu zahlen, obwohl er von den Vorwürfen freigesprochen worden war, und behauptet hatte, es habe in seinem ursprünglichen Verfahren keine Fehler gegeben.

Der Oberste Gerichtshof erklärte, Tommouhi sei Opfer eines "eindeutigen und qualifizierten" Justizirrtums im ursprünglichen Verfahren in Barcelona gewesen. Das Gericht hatte eine biologische Begutachtung nicht berücksichtigt, die zeigte, dass es sich bei dem wahren Täter nicht um Tommouhi gehandelt hatte.


(Die genannten "36 Jahre" resultieren offenbar aus der Haftzeit sowie den darauf folgenden Jahrzehnten Leben mit dem Stigma eines Vergewaltigers und juristischem Kampf um die Aufhebung der Urteile.)



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ich weiß nicht ob das für Sie interessant ist, aber für mich ist es ein Beweis, in was für einer frauenhassenden Welt wir doch angeblich leben. Auf etsy.com kann man unter Misandist mehrere Shirts kaufen auf denen Frauen einem Mann den Kopf abschneiden oder einen angetrennten Männerkopf auf dem Tablet servieren. Ein aquivalentes Shirt das Frauenhass nachweist suche ich noch vergeblich.

Hier mal ein Link zu einem von diesen Shirts auf einer bekannten Website, die damit Geld verdient. Mehrere Kontaktaufnahmen zu etsy, ob sie das so akzeptieren oder gegen Hass sind, so wie sie es behaupten, blieben unbeantwortet.


Das fragliche Shirt zeigt das bekannte Caravaggio-Gemälde "Judith und Holofernes", auf dem zu sehen ist, wie die Witwe Judith dem feindlichen Kriegsherrn Holofernes mit einem Schwert den Kopf abschlägt. Darüber prangen auf dem Shirt die Worte "Girls Will Be Girls". Das Kleidungsstück wird angeboten unter Rubriken wie "Misandrie", "Feministisches T-Shirt", "Frauenrechte-T-Shirt", "Brenne das Patriarchat", "Das Patriarchat zerschlagen", "Geschenke für Mama", "Geschenke für die Freundin" und dergleichen mehr. Käuferinnen posten begeisterte Reaktionen wie "Dieses Shirt ist der Hammer! Judith macht HolferDees Nüsse platt. Alle meine CaravaggiHoes sagen: HeeeeeY!"

Andere Shirts zeigen ähnliche Motive, zum Beispiel Bernardo Luinis Gemälde von Salome mit dem abgeschlagenen Kopf Johannes des Täufers mit der Aufschrift "Girl Power". Man kann sich die endlose Empörung in den Medien vorstellen, wenn Mitglieder der "Manosphäre" mit T-Shirts herumlaufen würden, die abgeschlagene Frauenköpfe zeigen. Im umgekehrten Fall ist es kein Skandal, sondern Alltag.



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Mittwoch, Juni 24, 2026

Gericht greift bei SPIEGEL-Berichterstattung ein, Kampagne gegen Männer geht weiter

1. Viele Medien berichten, so etwa die Weltwoche:

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat Christian Ulmen im Presserechtsstreit mit dem Spiegel teilweise recht gegeben. Das Gericht änderte einen Beschluss des Landgerichts Hamburg vom Mai ab und untersagte dem Nachrichtenmagazin weitere Passagen seiner Berichterstattung.

(…) Nach Angaben des Gerichts darf der SPIEGEL nicht länger den Eindruck erwecken, Ulmen habe Deepfake-Videos seiner früheren Ehefrau hergestellt oder verbreitet. Für einen solchen Verdacht fehle ein "Mindestbestand an Beweistatsachen", begründete das Oberlandesgericht seine Entscheidung.

Zudem untersagte das Gericht die Wiedergabe einzelner Zitate aus einer vertraulichen E-Mail Ulmens an seinen Strafverteidiger. Diese Äusserungen beträfen die besonders geschützte Privatsphäre des Schauspielers. (…) Ulmens Anwalt Simon Bergmann bezeichnete die zusätzlichen Verbote als "von besonderer Bedeutung". Der Deepfake-Verdacht habe zu einer "hochgradigen Stigmatisierung" seines Mandanten geführt.


Die Legal Tribune ergänzt, wie der SPIEGEL die Vorstellung überhaupt erzeugte, Ulmen habe Deepfake-Videos seiner Frau erstellt:

Der Spiegel betone nämlich gerade, "dass durch KI entstehende Bilder eine neue Dimension der sexuellen Gewalt geschaffen worden sei, die schwerer wiege und für die in Deutschland eine Strafbarkeitslücke bestehe". Ohnehin hatte Fernandes nach dem ursprünglichen Erscheinen der Spiegel-Berichterstattung geäußert, dass sie Ulmen nicht der Verbreitung von Deepfake-Pornovideos verdächtige. Einen Umstand, den der Spiegel in der Berichterstattung nicht erwähnt.


Alles in allem wurden in unseren Leitmedien ernstzunehmende Vorwürfe mal wieder auf fragwürdige Weise präsentiert. Warum dreht man derart unnötig auf? Rechtsanwalt Simon Bergmann nannte schon Jahre vor dem Fall Ulmen als möglichen Grund schlichtes Interesse an Profit:

Bergmann wird noch konkreter: "Der Spiegel beschäftigt mehrere Journalistinnen, die speziell zu MeToo-Fällen recherchieren. Mit dieser Verdachtsberichterstattung werden digitale Abos generiert, und zwar in erheblichem Maß."

Die MeToo-Berichterstattung also ein Geschäftsmodell der Medien? Das Thema sei attraktiv und das Interesse der Leserschaft garantiert. "Mir fällt auf, dass diese Geschichten meistens hinter einer Bezahlschranke sind. Diverse Artikel werden mit dem Schlagwort MeToo gelabelt, ob es sich um Mobbing oder sexuellen Missbrauch handelt." Ferner verrät Anwalt Simon Bergmann der NZZ: "Der Spiegel hat nie bestritten, dass dank seinen MeToo-Geschichten vermehrt Abos abgeschlossen werden. Wir wissen das von internen Quellen. Die Artikel zu Luke Mockridge und Till Lindemann gehören zu den meist abgerufenen Seiten bei Spiegel+."


Ein weiteres, eher ideologisch motiviertes Ziel könnte das Unterfüttern einer Kampagne sein, über die "Die Welt" berichtet:

"Die Straflosigkeit männlicher Gewalt muss endlich ein Ende haben." So steht es in einer Rundmail der Organisation "Campact", die vergangene Woche an ausgewählte Promis verschickt wurde. Es gehe um die "erschreckenden Taten, die Collien Fernandes öffentlich gemacht hat". In dieser Woche werde es dazu wieder eine Kampagne geben. Die angeschriebenen Promis – nach WELT-Informationen Künstler, Schauspieler und Medienleute – mögen sich daran doch bitte beteiligen.

"Campact" ist nicht irgendwer. Die Organisation macht geltend, ausschließlich von Spendern finanziert zu werden – in erklecklicher Dimension. 2024 kamen knapp 25 Millionen Euro zusammen. Und das, obwohl der Verein 2019 die Gemeinnützigkeit verlor. Das zuständige Berliner Finanzamt befand: "Im Vordergrund stand nicht die Information über politische Prozesse, sondern vielmehr die Einflussnahme auf diese." Nach eigenen Angaben beschäftigt "Campact" 120 Mitarbeiter. Bei ihren Erfolgen trägt die Organisation dick auf. So seien etwa das Gen-Mais-Verbot und der Atomausstieg das Ergebnis ihrer Kampagnen, heißt es in einem Werbevideo.

In der Mail an die Promis kündigt "Campact" an, am Mittwoch eine Petition an "die Fraktionsspitzen der demokratischen Parteien" zu übergeben. Es gebe zum Thema Plakatmotive und Aktionen auf Social Media. "Bist Du dabei?" Zum Mitmachen und Teilen habe "Campact" schon fertige Grafiken entworfen und "Textbausteine" formuliert. Das alles könne der geschätzte Promi als "Content Kit" herunterladen und für eigene Beiträge nutzen. Im Downloadordner finden sich vorgefertigte Phrasen: "Jetzt muss die Bundesregierung handeln. Wir brauchen eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt."

Inhaltlich geht es bei der Aktion nicht besonders differenziert zu. Eine Social-Media-Kachel, die man in den nächsten Tagen gewiss auf diversen Promi-Accounts auf X oder Instagram sehen wird, sieht jeden Mann wortwörtlich als Täter. "Mein Mann – Der Täter". "Mein Vater – Der Täter". "Mein Onkel – Der Täter". "Mein Nachbar – Der Täter". "Mein Freund – Der Täter".

(…) Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes und die allseits vernetzten Kampagnenportale pflegen schon länger bestes Einvernehmen. Für die NGO HateAid, die die Themen "digitale Gewalt" und "Deepfakes" weit oben auf die mediale und politische Agenda setzte, war die Schauspielerin schon 2024 als "PR-Magnet" im Einsatz, so die Marketing-Chefin der Organisation. Zu den Gesellschaftern von HateAid gehört "Campact".

(…) Worum geht es also? Eine "Campact"-Sprecherin sagte, die Petition fordere "bessere Maßnahmen" und "eine nationale Strategie gegen geschlechtsspezifische Gewalt und digitale sexualisierte Gewalt". Die Menschen, die es zu schützen gelte, nennt "Campact" in seiner Antwort an WELT nicht Frauen, sondern umschreibt sie so: "Damit sollen alle FLINTA*-Personen mehr Sicherheit und Schutz erhalten – dazu zählen selbstverständlich auch trans* Frauen."


Die Abkürzung FLINTA steht für "Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, transgeschlechtliche und agender Personen". Der offenkundige Vorteil gegenüber dem bekannteren Kürzel: LGBTQ: Männer gehören dezidiert nicht zu der Gruppe, für die man sich engagiert.



2. "Die Linke ist eine feministische Partei" stellt ebendiese nach ihrem Potsdamer Parteitag klar und fordert beispielsweise unter dem Motto "Gewaltschutz für alle" humanitäre Visa explizit "für queere Personen und von Gewalt betroffene Frauen". Männer als Opfer von Gewalt, denen man sich politisch ebenfalls widmen müsse, erscheinen auch in dieser Rhetorik nicht.



3. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Heute mal wieder ein kleiner Hinweis aus unserer beliebten Kategorie "Frauen sind das friedlichere Geschlecht":

"Frau stach Ex-Partner in Niederösterreich mit Messer in den Bauch"

"Eine 36-Jährige soll ihrem Ex-Lebensgefährten vergangenen Donnerstag in Eggendorf (Bezirk Wiener Neustadt) in Niederösterreich im Zuge eines Streits mit einem Küchenmesser in den Bauch gestochen haben. Nachbarn entdeckten den 37-Jährigen gegen 18 Uhr, er wurde mit einer Stichwunde ins Spital gebracht. Die Verdächtige aus Wiener Neustadt wurde an ihrer Wohnadresse festgenommen. Die Frau war nach Polizeiangaben von Montag nicht geständig und wurde in die Justizanstalt gebracht."

Um das heute von Ihnen verlinkte Gespräch aufzugreifen: Kann man als Mann jetzt noch mit Frauen zusammenleben? Und wenn ja, wie? Wäre es vielleicht besser, man legte sich einen Rüden zu? Oder sollte man es doch - um die große Gegenwartsphilosophin Kira Müller zu zitieren - "aus Liebe zu Menschen insgesamt so gut wie es geht versuchen"? Zynismus aus.


Das kann ich mit einer aktuellen Meldung über einen Vorfall in Wiesbaden, also praktisch vor meiner Haustür, ergänzen:

Bei einem Einsatz in der Wiesbadener Bahnhofstraße sind am Samstagabend eine Polizistin und ein Polizist verletzt worden. Eine 17-Jährige hatte die beiden Beamten bei einem tätlichen Angriff geschlagen und getreten. Das meldet die Polizei.

Gegen 22:25 Uhr hatte ein Autofahrer die Einsatzkräfte im Bereich des Bahnhofs um Hilfe gebeten, da er einen Streit mit seiner Beifahrerin hatte. Noch bevor die Beamten sich der Sache annehmen konnten, eskalierte die Situation: Die 17-jährige Beifahrerin begann plötzlich, auf ihren Lebensgefährten einzuschlagen.

Die Polizisten wollten den Mann schützen und die Jugendliche aus dem Auto holen, um sie festzunehmen. Dabei wehrte sich die 17-Jährige, schlug und trat um sich und traf dabei beide Beamten im Gesicht. Die 22-jährige Polizistin erlitt eine Prellung an der Nase, ihr 38-jähriger Kollege eine Schürfwunde an der Stirn.




4. Mehr Post.

Ein weiteres Fundstück, bei dem ich sofort an Genderama dachte. Diesmal ein Podcast, das lange Interviewformat "Hotel Matze" mit dem Gast "Männerexperte" und Therapeut Björn Süfke:

Das Faszinierendste an diesem Interview war der Eindruck, einem aufmerksamen, engagierten und kompetenten Therapeuten zuzuhören, der gleichzeitig knallharter Genderideologe ist, Männlichkeit nur negativ definieren kann, und für den das Patriarchat realer ist als der Weihnachtsmann.

Seinen therapeutischen Ansatz, sich auf sein Inneres einzulassen, negative Gefühle zuzulassen, die in der Erziehung vielleicht abgewertet wurden, leuchtet mir ein. Vermutlich sagen die meisten Psychotherapeuten dasselbe, ohne den Fokus auf Männer. Daneben scheint sein Ding vor allem das Loslassen von anerzogenen Rollen und Erwartungen zu sein. 'Anerzogen' im Gegensatz zu 'angeboren' wurde nicht klar definiert. Es schien, als bezweifle er Hormonwirkungen und biologische Unterschiede in Empfinden und Verhalten. Diese Themen wurden im Interview nur gestreift, daher werde ich mir dazu sein Buch 'Männerseelen' anschauen.

In den Youtubekommentaren war viel Zustimmung, teils sehr emotional im Sinne von 'toll dass es einer sagt', 'jetzt verstehe ich Männer etwas besser' usw. Wiederspruch gab es recht wenig. Die Folge ist 12 Tage alt, hat über 85,000 Zugriffe und über 700 Kommentare auf Youtube.

Mein Fazit ist, dass manche Feministen nicht mit Hass und Schuldzuschreibungen um sich werfen, sondern einen liebevoll pathologisieren.




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Montag, Juni 22, 2026

"Diesen hässlichen Russen schmeiß ich morgen in den Keller"

1. Die Augsburger Allgemeine beschäftigt sich weiter damit, was bei dem Skandal um die JVA Gablingen nach und nach ans Licht kommt:

Neue Recherchen zeigen, wie massiv Häftlinge unter dem Regime gelitten haben, das die damalige stellvertretende Gefängnischefin Susanne B. errichtet haben soll. Da ist etwa ein Mann, der Anfang 2023 in Gablingen inhaftiert war und in einer Situation Drohungen gegen das Personal ausgestoßen haben soll, wohl auch ein Tischmesser zückte. Das ist ein Paradebeispiel für eine Einweisung in einen besonders gesicherten Haftraum, kurz bgH. In diese kargen Hafträume können Häftlinge gebracht werden, wenn etwa die Gefahr von Gewalttätigkeit oder des Suizids besteht. Dass sie dort eingesperrt werden, soll aber "ultima ratio" und zeitlich streng begrenzt sein. Doch in der JVA Gablingen sollen diese Zellen regelmäßig zur reinen Schikane genutzt worden sein.

In diesen Hafträumen gibt es als Toilette nur ein Loch im Boden, in der Regel eine Matratze und sonst nichts. Schon am Tag der Einweisung, heißt es, soll sich Ousman S. (Name geändert) wieder beruhigt haben. Besonders bemerkenswert ist, dass Susanne B. offenbar keinen Wert auf die Expertise eines Psychiaters legte. Dieser soll zu dem Schluss gekommen sein, dass der Häftling zurück in den normalen Vollzug gebracht werden solle. Doch dem Gefangenen half die positive Beurteilung offenbar nichts. Er musste im bgH bleiben – fast einen Monat lang, unfassbare 24 Tage, wie unsere Recherchen ergaben. Und das wohl weitgehend ohne Matratze und auch ohne Unterhose aus Papier, die zur normalen Ausstattung in der Spezialzelle gehört.

Eigentlich müssen Gefangene, sobald der Grund der Einweisung entfällt, aus dem bgH entlassen werden. Die Belegungen der Spezialzellen müssen ab drei Tagen dem Justizministerium gegenüber begründet und dokumentiert werden. Das wurde offenbar unzureichend bis gar nicht getan. Wie auch hätte Knast-Vizechefin Susanne B. unrechtmäßige Nutzungen der Zellen begründen sollen? Schließlich sollen sie und Angehörige der Sicherungsgruppe (SiG), eine Spezialeinheit im Gefängnis, willkürlich Gefangene dort hineingesteckt haben.

Ein weiteres Beispiel ist der Fall eines Kriminellen, der an Panikattacken litt. Ein Arzt kam zum Schluss, dass dieser Mann aus medizinischer Sicht in eine Gemeinschaftszelle gehöre, auf keinen Fall in die Isolation. Susanne B. interessierte das offenbar nicht. Im Gegenteil. Sie soll angeordnet haben, dass er in eine Einzelzelle gebracht wird. Als er auf dem Weg dahin eine Panikattacke erlitt, kam er den Ermittlungen zufolge in den bgH – nackt und ohne Matratze.

Und so ging es immer weiter, von 2023 bis Ende Oktober 2024, als Ermittler die mutmaßlichen Misshandlungen in der JVA dann durch eine Großrazzia beendeten. Inzwischen liegen zwei Anklagen gegen insgesamt 13 Ex-Beschäftigte vor. Sie sollen Gefangene aus nichtigsten Anlässen teils regelrecht gefoltert haben.

Eduard K. wurde offenbar auch sein Erscheinungsbild zum Verhängnis. Wie aus Chats hervorgeht, die unsere Redaktion einsehen konnte, kündigte ein SiG-Mitglied am Tag seiner Ankunft gegenüber Susanne B. an, "diesen hässlichen Russen" morgen "in den Keller" zu werfen. Es spricht manches dafür, dass die Wärter diesen Mann besonders auf dem Schirm hatten: Monate später sollen drei Mitglieder der Sicherungsgruppe ihn bei einer Kontrolle seines Haftraums festgehalten und gewürgt haben.

(…) Die Verteidiger der Ex-JVA-Chefinnen schweigen auf Anfrage. Anfangs hatten die Anwälte von Susanne B. die Vorwürfe scharf zurückgewiesen.




2. Tilo Jung hatte auf seinem Youtube-Kanal dieser Tage Colleen Fernandes in einem dreieinhalbstündigen Interview über "Männerherrschaft und Feminismus" zu Gast. Während Fernandes lediglich einen eingeschränkten Blick auf sexuelle Gewalt zeigt (etwas, das Männer Frauen antun), spult Jung eine Platte ab, die zeigt, wie stark er selbst ideologisiert ist. (Normalerweise lässt man bei Interviews den Befragten reden, aber Jung nutzt Interviews gerne, um zu zeigen, dass er mit seiner eigenen Meinung richtig liegt.) Unter anderem glaubt Jung, dass Männer in einem Paradies leben, und zeigt sich erschüttert darüber, dass ein großer Teil von ihnen ein "geschlossenes antifeministisches Weltbild" (also eine andere Meinung als er selbst) aufweisen. Das schraubt sich im Verlauf des Gesprächs immer weiter hoch, bis Jung sich irgendwann darüber entrüstet, dass auch ChatGPT bald eine Erotik-Funktion erhalten solle, was zeige, dass im Patriarchat alles auf Frauenfeindlichkeit aufgebaut sei. Selbst Erotik ist hier inzwischen zu etwas, das Männer Frauen antun, geworden.

Zuletzt übergibt Jung das Mikrofon seiner Mitarbeiterin Kira Müller, die Fernandes die eingetroffenen Zuschauerfragen stellt. Das führt zu folgendem Finale, das begleitet von ständigem Gekicher abläuft:

Kira Müller: Mehr oder weniger die letzte Frage. Vor einiger Zeit war bei uns die Philosophin Manon Garcia zu Gast und die hat den Pelicot-Prozess begleitet und danach ein Buch geschrieben, "Mit Männern leben" heißt das. (…) Und deshalb wäre meine Abschlussfrage genau die. Kann man noch mit Männern leben? Und wenn ja, wie?

Colleen Fernandes: Ich hoffe schon. Also ich habe mir jetzt erstmal einen Hund gekauft. Das war jetzt so mein nächster Schritt.

Kira Müller: Eine Hündin oder eine Rüde?

Colleen Fernandes: Eine Hündin. Ich habe auch jeden angeschrieben. Haben Sie eine HündIN? Ich möchte bitte eine HündIN. Ja. (…) Ja, das ist tatsächlich eine Frage. Also wirklich so eine Grundsatzfrage, weil ich natürlich schon gerne nicht nur mit der Hündin … die wird ja auch nicht so alt. (…) Ein Mann lebt ja länger als eine Hündin. Also hoffen wir.

Kira Müller: Für ihn? Weiß ich nicht. Manche stellen sich so dumm an, dass ich meine Zweifel hab. (…)

Colleen Fernandes: Ja, also, wir werden sehen, ob das funktioniert. Was ist denn da so die These des Buches?

Kira Müller: Also, aus Liebe zu Menschen insgesamt sollte man es versuchen, so gut wie es geht, aber es fällt schwer. (…) Ja, danke an euch da draußen fürs Zuschauen. Für eure Fragen, für die netten Kommentare, die sexistischen dafür nicht.


~ Ich bin froh, dass die Sendung von jeglichem Sexismus freigehalten wurde. ~

Sie merken es wirklich nicht. In einer der nächsten Folgen werden sie wieder fassungslos darüber sein, dass viele Männer diesem Denken nichts abgewinnen können.



3. Christian Schmidt hat Melanie Amanns Interview mit Jette Nietzard zu ihrem Männerhass genauer analysiert.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, Juni 19, 2026

"Wie sehr hassen Sie Männer, Jette Nietzard?"

1. Die Journalistin Melanie Ammann hat Jette Nietzard (Grüne) zu ihrem Hass auf Männer interviewt. Wer keine Stunde Zeit dafür hat: Die Berliner Morgenpost hat Nietzards Ressentiments zusammengefasst:

Auf die Frage, ob ein Mann sich also ständig "beweisen" müsste, antwortet die ehemalige Chefin der Grünen Jugend: "Natürlich muss er das." Kritik, sie würde Männer mit ihren Aussagen pauschalisieren und so selbst für Stereotype sorgen, erteilt Nietzard eine Absage: "Ich bin nicht hier, um Männer zu pleasen."




2. Anina Ritscher erklärt, warum sie die Schweizer Väterbewegung hasst.



3. Das kanadische Gender-Establishment erklärt, warum es die Manosphäre hasst. Der Antifeminismus gewinne inzwischen "zunehmend an Bedeutung für die nationale Sicherheitslage Kanadas".

"Hass, Extremismus und Diskriminierung haben in unserer Gesellschaft keinen Platz, insbesondere wenn sie sich gegen Frauen richten", sagte die konservative Abgeordnete Anna Roberts am Dienstag in Ottawa. Das Wort "insbesondere" wegzulassen, wäre ehrlicher gewesen.

Der konservative Abgeordnete Dominique Vien, Vorsitzender des Ausschusses, erklärte gegenüber Reportern, dass die Zeugen, die vor dem Ausschuss aussagten, Schwierigkeiten hatten, einen einzigen Grund für den Anstieg des Antifeminismus zu benennen.

Dann sind die Zeugen entweder inkompetent oder haben den Ausschuss ganz schön getrollt.

Was die kanadischen Politiker übersehen, ist, dass die Manosphäre nicht hier ist, um Frauen zu pleasen. So etwas scheint als Antwort ja auszureichen, wenn es gegen Männer geht.



4. In diesen Zeiten, wo feministische Ressentiments zu einer neuen Blüte gelangen, beschäftigt sich die kanadische Kulturwissenschaftlerin Professor Janice Fiamengo mit einer der zentralen Schriften dieser Bewegung. Ihr Beitrag kann den ideologischen Untergrund des Männerhasses beleuchten, der bis heute von einigen mit glühendem Eifer gepredigt wird. Fiamengo ist rhetorisch in manchem ein wenig drüber – der Feminismus insgesamt als "Todeskult" ist genauso quatschig wie die "Manosphäre" als Bedrohung der nationalen Sicherheit –, aber mehrere von ihr angesprochenen Punkte treffen ins Schwarze. Ich dokumentiere die Analyse im Volltext:



Valerie Solanas, die Todesgöttin des Feminismus

Die Wiederveröffentlichung des Films "I Shot Andy Warhol" (1996) von Regisseurin Mary Harron in diesem Monat zeigt einmal mehr die anhaltende feministische Faszination für gewalttätige, männerhassende Frauen.

Die Entschuldigung von Feministinnen für ihren Männerhass war schon immer unaufrichtig. Wenn Frauen Männer hassen, so behaupten Feministinnen, verletze das lediglich die Gefühle der Männer. Der Hass von Männern auf Frauen hingegen könne tödlich sein. Wenn Männer Frauen hassen, töten sie sie.

Das wäre selbst dann Unsinn, wenn Männer das einzige Geschlecht wären, das tötet. Hass hat abgesehen von Blutvergießen viele schädliche Auswirkungen. Politisierter Hass verletzt seine Opfer durch soziale Stigmatisierung, Diskriminierung sowie ungerechte Gesetze und Richtlinien.

Frauen töten und verletzen Männer in erheblicher Zahl. Doch wenn feministischer Hass zu Gewalt gegen Männer führt, zeigen sich Feministinnen unbeschämt. Sie zucken mit den Achseln und behaupten, die Gewalt sei nicht repräsentativ für den Feminismus im Allgemeinen. Oder sie rechtfertigen die Gewalt, indem sie die Mörderin als Möchtegern-Befreierin darstellen.

Letzteres bietet uns Mary Harron, die Co-Autorin und Regisseurin von "I Shot Andy Warhol", einem Biopic aus dem Jahr 1996 über die radikale Feministin Valerie Solanas. Diese erlangte Berühmtheit durch den Versuch, den Pop-Art-Künstler Andy Warhol zu ermorden – nur wenige Monate nach der Fertigstellung ihrer männerhassenden Abhandlung, dem "SCUM Manifesto". SCUM stand für die "Society for Cutting Up Men" [Vereinigung zur Vernichtung von Männern].

Regisseurin Mary Harron schwärmte in Interviews von Solanas’ Genialität: "Ich bin ein großer Fan des SCUM Manifesto."

Vom Guardian anlässlich der Wiederveröffentlichung ihres Films am 12. Juni interviewt, zeigte sich Harron erfreut darüber, dass Solanas wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie behauptete, dass unsere gegenwärtige Epoche, die angeblich voller "männlicher Dominanz und autoritärer Regimes" sei – gegen die Solanas angeblich "kämpfte" –, ihren Film relevanter denn je mache.

Tatsächlich hat Solanas gegen nichts Bestimmtes "gekämpft", da ihr jegliches kohärente Programm oder auch nur eine einzige nützliche Strategie für gesellschaftlichen Wandel fehlte. Aber Harron und der Guardian sind darauf bedacht, Solanas interessanter und bewundernswerter darzustellen, als sie tatsächlich war.

Wer zumindest pro forma Ausdrücke des Entsetzens über Solanas’ Gewalt erwartet, wird von dem Artikel im Guardian enttäuscht, der die "triumphale Rückkehr" des Films anpreist. Während Harron gesteht, dass Solanas "tief sitzende Vorurteile" gegenüber Transfrauen hatte, verliert sie kein Wort über Solanas’ alles überlagernden Männerhass.

Tatsächlich bekundet Harron Mitgefühl für Solanas und lobt deren "komische Präzision und eisige literarische Stimme", die sie wie ein "Blitzschlag" getroffen habe, als sie Solanas’ SCUM Manifesto in den 1980er Jahren zum ersten Mal las. Harron, die damals als Musikjournalistin arbeitete, behauptet, sie habe aufgrund "all meiner Jahre, in denen ich dem erbärmlichen männlichen Ego diente", sofort eine Verbindung zu Solanas gespürt.

Der Guardian leitet die Leser dazu an, Harrons feministische Sichtweise zu übernehmen, indem er Solanas’ "gerechten Zorn auf die patriarchale soziale Kontrolle" beschreibt und Harrons Worte zitiert: "Ich liebe Valerie, aber man muss sie nicht zu einer hundertprozentigen Heldin machen."

Das nennt man wohl moralische Rechtschaffenheit. Verherrliche die Möchtegern-Mörderin nicht – zumindest nicht vollständig.

I Shot Andy Warhol machte Solanas stattdessen zu einer attraktiven Antiheldin, einer brillanten, aber zerrütteten Frau, deren Fanatismus durch Verletzlichkeit gemildert wird (Szenen, in denen sie auf der Straße schläft und ihren Körper für Geld verkauft), und deren rührselige Schriften als gegenkulturelle Kunst gerahmt werden.

Viele der einprägsamsten Szenen des Films zeigen Solanas, die in der Darstellung der Schauspielerin Lili Taylor kampflustig und selbstbewusst kurze Passagen aus SCUM rezitiert. In diesen sepiafarbenen Tableaus wirkt Solanas wie aus der Gegenwart des Films herausgehoben, ihre prägnanten und pikanten Worte unsterblich gemacht. Andere romantisierte Szenen zeigen sie an der Schreibmaschine, die Zigarette auf den Lippen, unbeeindruckt von den schmuddeligen Umständen; oder wie sie ihre hektografierte Broschüre in den Straßen von Greenwich Village wie eine Ein-Frau-Stand-up-Routine anpreist.

Solanas’ Mordversuch in den Anfangs- und Schlusssequenzen des Films ist stilisiert und unblutig, wobei die Kamera sich hauptsächlich auf Solanas’ fesselndes, trotziges Gesicht konzentriert. Warhols Leiden wird überhaupt nicht dargestellt.

Vom Hass zerfressen

In der Realität war Valerie Solanas eine Menschenfeindin und ihr Versuch, einen unschuldigen Mann zu töten, war das einzig Bemerkenswerte an ihr. Ihr SCUM Manifesto ist nur als Einblick in das schwarze Herz ihres pathologischen Narzissmus lesenswert.

Das Buch nimmt viele feministische Behauptungen über männliche Gewalt und männliche Unzulänglichkeit vorweg. Solanas schrieb: "Männlich zu sein bedeutet, unvollständig zu sein" (S. 35). "Einen Mann als Tier zu bezeichnen, bedeutet, ihm zu schmeicheln; er ist eine Maschine, ein wandelnder Dildo" (S. 37). Frauen hätten keinen Penisneid, behauptete sie: "Männer haben Fotzenneid" (S. 38). "Jeder Mann weiß tief im Inneren, dass er ein wertloses Stück Scheiße ist" (S. 39).

Männer reduzierten Frauen zu Objekten, behauptete Solanas, weil "der Mann bloß ein Mitglied der Spezies ist, austauschbar mit jedem anderen Mann. Er besitzt keine tief verwurzelte Individualität" (S. 46). "Der Mann ist nur ein Bündel konditionierter Reflexe, unfähig zu einer geistig freien Reaktion" (S. 45). "Obwohl er ein Individuum sein möchte, hat der Mann Angst vor allem in sich selbst, das sich auch nur im Geringsten von anderen Männern unterscheidet" (S. 50).

Und so weiter und so fort, unerbittlich in anklagender Wiederholung.

Solanas’ grundlegende Behauptung über Männer war, dass sie sich selbst hassten und Frauen sein wollten, aber wussten, dass sie es niemals sein könnten. Sie beschrieb den Mann als "zerfressen von Frustration darüber, nicht weiblich zu sein" und "zerfressen von Hass – nicht von rationalem Hass, der sich gegen diejenigen richtet, die einen missbrauchen oder beleidigen –, sondern von irrationalem, wahllosem Hass … im Grunde Hass auf das eigene wertlose Selbst" (S. 64).

Hier fand sich der dauerhafte feministische Grundsatz, dass Frauen das Recht haben, Männer zu hassen, die sie angeblich missbrauchen und beleidigen, während Männer, die Frauen hassen, auf ihre eigene Abscheulichkeit reagieren. Die einzig vernünftige Reaktion der Männer auf ihren Zustand war laut Solanas, sich in das Vergessen zu fügen.

Einige von Solanas’ SCUM-Texten haben trotz ihres banalen Inhalts eine gewisse aphoristische Wirkung. "So wie Menschen aufgrund ihrer höheren Entwicklung und ihres überlegenen Bewusstseins ein vorrangiges Existenzrecht gegenüber Hunden haben", erklärte Solanas, "so haben Frauen ein vorrangiges Existenzrecht gegenüber Männern" (S. 67). Doch selbst wenn man diesen doppelten Syllogismus akzeptieren würde, folgt daraus ihr Schluss – "Die Eliminierung jedes Mannes ist daher eine rechtschaffene und gute Tat" (S. 67) – keineswegs. Es ist nicht rechtschaffen, ein lebendes Wesen zu vernichten, bloß weil es nicht hochentwickelt ist.

Der größte Teil von SCUM ist langweilig und repetitiv; er offenbart einen begrenzten Wortschatz, klischierte Äußerungen und vage Vulgaritäten. Solanas’ radikale Vision für eine bessere Gesellschaft, wenn man es überhaupt so nennen kann, war nicht komplizierter als der kindliche, ad nauseam wiederholte Wunsch, "die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die vollständige Automatisierung einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten" (S. 35).

Wie das erreicht werden sollte, dazu sagte Solanas lediglich, dass SCUM-Frauen "innerhalb weniger Wochen die vollständige Kontrolle über dieses Land erlangen könnten, indem sie sich einfach aus der Erwerbsbevölkerung zurückziehen und dadurch die gesamte Nation lähmen. Zusätzliche Maßnahmen, von denen jede einzelne ausreichen würde, um die Wirtschaft und alles andere vollständig zu ruinieren, bestünden darin, dass Frauen sich vom Geldsystem lossagen, nichts mehr kaufen, einfach plündern und sich schlicht weigern, Gesetze zu befolgen, die sie nicht befolgen wollen" (S. 69).

Solch ein kindischer Brei mag für den Verstand eines rebellischen Fünfzehnjährigen attraktiv sein (und war gewiss attraktiv für Mary Harron, die Solanas mit Malcolm X verglich und ihre Gesellschaftsanalyse als "wirklich ziemlich brillant" bezeichnete), aber es ist peinlich, wenn es als quasi-seriöser oder rhetorischer Aufruf zur Revolution präsentiert wird.

Die Gründe für Solanas’ obsessiven Männerhass werden nie klargestellt, da im gesamten Text verschiedene Anschuldigungen und Urteile auftauchen. Zu Beginn beschrieb sie Männer als "psychisch passiv", weil sie "völlig egozentrisch, unfähig zu Beziehungen, Empathie oder Identifikation und erfüllt von einer enormen, allgegenwärtigen, diffusen Sexualität" seien (S. 37).

Sie drückte jedoch auch Ekel über die Erfindung von Philosophie und Religion durch den Mann aus – Systeme des moralischen Denkens, die ihrer Behauptung nach geschaffen wurden, weil er, "da er leer ist, nach außen blickt, nicht nur um Führung und Kontrolle zu finden, sondern auch um Erlösung und den Sinn des Lebens" (S. 52). Gewiss neigen "egozentrische" Menschen eher dazu, nach innen als nach außen zu blicken, und "psychisch passive" Menschen sind wohl kaum der Typ, der von komplexen religiösen und philosophischen Strukturen fasziniert ist, geschweige denn Lebenszeiten damit verbringt, diese auszuarbeiten, zu verfeinern und darüber zu debattieren, wie Männer es getan haben. Die Einfalt von Solanas’ eigenem Denken tritt im Gegensatz dazu eklatant hervor.

Selbst Frauen, die überlegenen Wesen, die die Erde erben werden, werden nicht konsistent dargestellt. Von der Frau wird gesagt, sie "wisse instinktiv, dass das einzige Unrecht darin besteht, anderen wehzutun, und dass der Sinn des Lebens Liebe ist" (S. 53). Die Sentimentalität ist herbeigeredet. Dennoch wetterte Solanas auch gegen "Papa-Mädchen", also Frauen, die Männer lieben und verehren (S. 55), und erklärte: "Alle Frauen haben eine Verräterader in sich, in höherem oder geringerem Maße" (S. 74). Im Gegensatz zu ihrem Punkt über das Liebeswissen der Frauen lobte sie "hasserfüllte, gewalttätige Schlampen, die dazu neigen, denjenigen, die sie unangemessen irritieren, mitten in die Fresse zu schlagen, die einem Mann eher ein Messer in die Brust jagen oder einen Eispickel in den Arsch rammen würden, als ihn anzusehen" (S. 61).

Manch eine wütende Fünfzehnjährige könnte das ebenso gut formulieren.

Es hat keinen Zweck, nach einer zum Nachdenken anregenden Einsicht oder einem Muster von Themen zu suchen. Das SCUM Manifesto verdient es nicht, wegen seiner ühnheit oder seines Witzes verehrt zu werden, und schon gar nicht wegen seiner Wortkunst. Erfüllt von bitteren Tiraden, versteht man es vielleicht am besten als den kleinen Mein Kampf des Feminismus – insbesondere Solanas’ Geißelung des Mannes dafür, dass er "Sündenböcke braucht, auf die er seine Fehler und Unzulänglichkeiten projizieren kann" (S. 53). Sündenbock-Schöpfer, heile dich selbst.

Feministinnen rechtfertigen versuchten Mord

Es traf sich so, dass auf den flippigen Straßen von New York City niemand daran interessiert war, SCUM beizutreten oder über die vorgeschlagenen Heldentaten zu lesen. Solanas war weder in der Lage, viele Exemplare des Buches zu verkaufen, noch fand sie Gefolgsleute, die ihren Tiraden zuhörten. Ihr Fokus verlagerte sich auf von Paranoia inspirierte Gewalt. Am 3. Juni 1968 betrat Solanas Andy Warhols Studio, The Factory, und schoss dreimal aus nächster Nähe mit einer Beretta-Pistole vom Kaliber .32 auf ihn – Berichten zufolge, weil sie glaubte, er plane, den Inhalt eines Theaterstücks zu stehlen, mit dessen Inszenierung sie ihn bedrängt hatte.

Sie schoss auch auf den Kunstkritiker Mario Amaya, der nicht schwer verwundet wurde, und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes zu erschießen, der dadurch gerettet wurde, dass die Waffe klemmte.

Warhol erlitt lebensgefährliche Verletzungen und erholte sich nie wieder vollständig. Zwei Kugeln durchbahrten seinen Magen, seine Leber, seine Milz, seine Speiseröhre und beide Lungen. Er wurde auf dem Operationstisch kurzzeitig für tot erklärt, musste sich zahlreichen Operationen unterziehen und für den Rest seines Lebens ein medizinisches Korsett tragen, um seine Organe an Ort und Stelle zu halten.

Seine Genesung war schmerzhaft und traumatisch. Er bekam schreckliche Angst vor Krankenhäusern und exzentrischen Menschen und war von Todesgedanken besessen. Seine Kunst veränderte sich, wurde weniger verspielt, dafür makaberer, und seine Politik der offenen Tür in der Factory wurde aufgehoben. Er suchte Sicherheit durch Leibwächter und Überwachungssysteme.

Man kann Solanas’ Mordversuche mit der Begründung herunterspielen, sie sei psychisch krank gewesen. Bei Solanas wurde eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, und sie verbrachte Monate in einer psychiatrischen Anstalt.

Die Reaktion angeblich vernünftiger feministischer Ideologinnen und Verfechterinnen auf Solanas’ Tat – einschließlich Mary Harron – ist jedoch eine andere Geschichte. Im Großen und Ganzen zeigten sich Feministinnen unbeeindruckt – ja, sogar befriedigt – von den offensichtlichen Parallelen zwischen Solanas’ schriftlicher Rechtfertigung für den Mord an Männern als "eine rechtschaffene und gute Tat" und ihren tatsächlichen Schüssen auf Männer.

Die damalige Präsidentin der New Yorker Sektion der National Organization for Women, Ti-Grace Atkinson, feierte Solanas zum Zeitpunkt der Schüsse als Symbol für den berechtigten Zorn der Frauen und engagierte einen prominenten Anwalt für ihre Verteidigung. Einer von Andy Warhols Filmstars (bekannt als Ultra Violet) schrieb eine Biografie (Famous for 15 Minutes: My Years with Andy Warhol), in der sie Solanas als Visionärin lobte und sagte: "Denn am Anfang, jenseits ihrer überhitzten Rhetorik, hatte sie eine wahrhaft revolutionäre Vision von einer besseren Welt, die von Frauen und zum Nutzen von Frauen geführt wird."

Das SCUM Manifesto startete durch; es wurde kurz nach Solanas’ Festnahme von der Olympia Press veröffentlicht und schließlich in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Es wurde in Kursen für Frauenstudien ausgiebig gelehrt, fand Aufnahme in feministische Anthologien wie Robin Morgans Sisterhood is Powerful (1970) und wurde 2004 vom Nischenverlag Verso Books neu aufgelegt – versehen mit einer langen, bombastischen Einleitung der Philosophieprofessorin Avital Ronell von der New York University, die später der sexuellen Belästigung eines männlichen Doktoranden für schuldig befunden wurde. Ronell lobte die angebliche Weitsicht des Buches und erklärte über Solanas: "Vielleicht wurde sie hierher geschickt, um das Unaussprechliche auszusprechen, oder, weniger dramatisch, um den Weckruf zu ertönen zu lassen […], um die Dialektik des weiblichen Empowerments zu fördern" (24).

Im Jahr 2014 veröffentlichte Breanna Fahs eine bewundernde Biografie, die Solanas sowohl als missbrauchtes unschuldiges Opfer als auch als Widerstandskämpferin darstellte. Fahs hält ein Gespräch zwischen Solanas und ihrem Freund Jeremiah Newton fest, der sie fragte, ob ihr Manifest wörtlich zu nehmen sei. "Ich will nicht alle Männer töten", hatte sie angeblich geantwortet. "Ich denke, Männer sollten sterilisiert oder kastriert werden, damit sie nicht noch mehr Leben ruinieren können."

Im Jahr 2018 schwärmte Julie Bindel: "Was ich an diesem Buch [SCUM Manifesto] liebe, ist, wie es ganz unumwunden den Männerhass fördert."

Im Jahr 2020 wurde in der New York Times ein feierlicher Artikel veröffentlicht, der Solanas als "eine wichtige LGBTQ-Figur" bezeichnete. Er erschien im Rahmen der Serie Overlooked über "bemerkenswerte" Personen, deren Tod in der Times nicht gemeldet worden war (obwohl er es hätte sein sollen). Der Artikel hob ihre "gewagten Argumente im SCUM Manifesto, ihr Plädoyer für eine Welt ohne Männer" hervor und schien zu bedauern, dass der Angriff auf Warhol dazu beigetragen hatte, "ihr Leben zu definieren".

Es ist unvorstellbar, dass das Online-Manifest von Elliot Rodger, der in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen tötete, in Universitätskursen gelesen und mit einer glühenden Einleitung eines akademischen Superstars veröffentlicht würde.

Der Feminismus als Todeskult<7B>

Vielleicht ist es möglich, irgendwo im Internet eine oder zwei vereinzelte Stimmen zu finden, die die willkürliche Tötung von Frauen oder die Beinahe-Ausrottung des weiblichen Geschlechts fordern.

Es ist jedoch unvorstellbar, dass eine Gruppe von Vordenkern in unserer Gesellschaft die Tötung von Frauen – zum Wohle der Erde und der Männer – nicht nur toleriert, sondern in vielen Fällen aktiv fördert und lobt.

Die vorgeschlagene Tötung von Männern wird vollauf toleriert und gelobt. Wenn sie mit den Beweisen konfrontiert werden, reagieren feministische Verfechterinnen ungläubig, defensiv und abweisend – letztlich verärgert, ja sogar empört darüber, dass ihnen die extremistischen Dogmen ihres erklärten Glaubens vorgehalten werden. Ihr Glaube an die eigene Rechtschaffenheit bleibt unerschüttert.

Der Feminismus des 21. Jahrhunderts bleibt einer der populärsten Todeskulte der Welt, und Valerie Solanas wird in diesem Sommer seine Fahnenträgerin sein.




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Donnerstag, Juni 18, 2026

Verheiratete Männer besonders häufig von Kündigungen betroffen

1. Allright, das sich in einer Pressemitteilung an die Braunschweiger Zeitung als das "führende Portal zur Durchsetzung von Verbraucherrechten" bezeichnet, zeigt mit seinem aktuellen Kündigungsatlas 2026: Männer sind weiterhin häufiger von Kündigungen betroffen als Frauen. Verheiratete Männer machen in der aktuellen Auswertung den größten Anteil der Gekündigten aus. Das sei "besonders belastend sein, da häufig nicht nur die eigene finanzielle Situation betroffen ist, sondern auch familiäre Verpflichtungen eine Rolle spielen".



2. Die Stuttgarter Zeitung stellt eine Vätergruppe vor, die sich damit beschäftigt, wie man nach einer Trennung ein guter Vater bleiben kann.



3. Der NDR lässt über Männer diskutieren und gibt dabei von Anfang an ein kurioses Framing vor, in dem Männer folgendermaßen unterteilt werden: sie seien entweder "ganz selbstverständlich Feministinnen" oder "verunsichert" oder setzten auf die "Abwertung von Frauen". Ich finde mich in keiner dieser Gruppen wieder, und ein Großteil aller anderen Männer mit Sicherheit auch nicht.



4. Nora Eckert sieht auf literaturkritik.de Alice Schwarzer im intellektuellen Sinkflug mit ihrem aktuellen Buch. Ein Auszug:

Das hört sich selbstbewusst und ehrgeizig an, hat nur den Nachteil, dass die adressierten jungen Frauen dabei Schwarzers Feminismus als alleinseligmachender Wahrheit folgen sollen, der einmal sehr einflussreich war, aber längst Geschichte geworden ist. Von Weiterentwicklung darin keine Spur.

(…) Würden wir außerdem die jungen Frauen fragen, ob sie überhaupt wüssten, wer Alice Schwarzer ist, dürfte wohl eine gewisse Ernüchterung zu erwarten sein. Dass sie die Zeitschrift EMMA lesen, die 2027 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, dürfen wir wohl ebenso ausschließen. Die Auflagenhöhe sank seit Bestehen kontinuierlich, lag einst im sechsstelligen Bereich und liegt heute bei geschätzten unter 30.000 verkauften Exemplaren. Aber immerhin, es gibt sie noch. Vor allem aber gibt es noch den Feminismus, für den Alice Schwarzer steht, dem jedoch die Anschlussfähigkeit in weiten Teilen verlorengegangen ist und der klar von "alten weißen Frauen" dominiert wird.

(…) Grundsätzlich fällt auf, wie sauber sortiert Schwarzers Feminismus daherkommt, um trennscharf in Gut und Böse zu unterscheiden. Auch verspricht der Buchtitel den Feminismus als "pur", was immer das heißen mag, und würde doch bei manchen Themen gut die Ergänzung puritanisch vertragen. Und das sind die altbekannten Kampfgebiete mit den Namen Pornografie und Prostitution. Dass letztere für diejenigen, die sie ausüben, selbstbestimmte Sexarbeit bedeuten kann, nimmt der arg verengte Blick der Autorin natürlich nicht wahr. Gewiss, wer über dieses Thema spricht, darf die Ausbeutung und den kriminellen Menschenhandel nicht ausblenden. Aber ebenso wenig die Hurenbewegung, die seit den 1980er Jahren für faire Arbeitsbedingungen und gegen die Stigmatisierung kämpft. Denn auch hier geht es am Ende um Gleichberechtigung und elementare Persönlichkeitsrechte.


Auf die Frage, inwiefern Schwarzer männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt weiterhin unsichtbar macht, geht die Buchvorstellung nicht ein. Frühere Veröffentlichungen Schwarzers waren in dieser Hinsicht haarsträubend.



5. Noch ein feministischer Irrweg:

Dass die Grammatik der deutschen Sprache die Frauen diskriminiere, ist ein Mythos, den die Linguistin Luise Pusch in die Welt gesetzt hat. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Gendern erweist sich als unwissenschaftlich sowie als ideologie- und ressentimentgetrieben.


Hier geht es weiter mit dem Artikel " Wider die Legende von der Männersprache – Deutsch ist frauenfreundlich".



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Mittwoch, Juni 17, 2026

Schweiz: "Jeder dritte Mann hat ein problematisches Männerbild"

1. Einer Studie der Universität Zürich zufolge hat fast jeder dritte junge Mann in der Schweiz ein "problematisches Männerbild". Zudem befürchte rund die Hälfte der jungen Männer, dass die "echte Männlichkeit" zunehmend verdrängt und marginalisiert wird.

Was ein "problematisches Männerbild" sein soll, legen offenbar die Forscher fest, und die Medien übernehmen das dann als Tatsache. Kennzeichnend für dieses Problem ist dem Beitrag zufolge, dass diese Männer die traditionellen Geschlechterrollen bevorzugen und der Gleichstellung gegenüber skeptisch eingestellt sind. Auch "maskulistische Bedrohungsgefühle" werden hier genannt. Diese Haltung wird in der Studie mit einer Akzeptanz von Gewalt sowie frauen- und queerfeindliche Einstellungen zusammengerührt und als "Faktor M" bezeichnet. "Faktor M" meint mithin alles, was von feministischer Seite unerwünscht ist. Wenn also jemand etwa traditionelle Rollenbilder befürwortet, skeptisch gegenüber bestimmten Gleichstellungspolitiken ist und zugleich keine Gewalt billigt, kann er trotzdem einen erhöhten Faktor-M-Wert erhalten.

Der Beitrag untersucht nicht, warum viele junge Männer Gleichstellung kritisch sehen und welche Erfahrungen dahinter stehen, die dieses Gefühl erklären. Dass fast die Hälfte der jungen Männer ein Bedrohungsgefühl äußert, wird als "überraschend" vermerkt – was auf eine gewisse Weltfremdheit deutet – aber nicht ernsthaft inhaltlich aufgenommen. Stattdessen wird er als Symptom des "problematischen" Bildes eingeordnet: Wer sich bedroht fühlt, stellt demnach selbst eine Bedrohung dar.

Die Studie wurde von männer.ch unter Markus Theunert durchgeführt. Theunert hatte 2020 maßgeblich an einem Gleichstellungsdossier des deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mitgearbeitet, das forderte, Jungen und Männer Frauenemanzipation unterstützen, zurückstehen, Verzicht leisten und "einfach mal die Klappe halten" sollten.

Ich habe die Studie überflogen und danach von einer KI auslesen und analysieren lassen. Das führte zu folgendem Befund:

1. Die Studie verwendet eine sehr starke Sprache

Besonders auffällig ist diese Passage:

> Die 20 % der Männer mit den höchsten Faktor-M-Werten werden als "Hochrisikogruppe" verstanden.

Und weiter:

> Sie wird als besonders gefährdet eingeschätzt, problematisches oder gar strafrechtlich relevantes Verhalten zu zeigen (z. B. Gewalt, Hassrede, Diskriminierung, Radikalisierung).

Das ist eine sehr weitreichende Aussage.

Aus dem Material geht hervor, dass die Studie vor allem Einstellungen misst.

Die Bezeichnung "Hochrisikogruppe" suggeriert dagegen eine erhebliche Verhaltensprognose.

Für eine solche Zuschreibung würde man normalerweise starke longitudinale Nachweise erwarten.

2. Die Studie enthält auch normative Wertungen im Methodenteil

Ein Beispiel ist die Fußnote zum Maskulismus.

Dort wird Maskulismus definiert als Bewegung, die Männer als Verlierer der Emanzipation betrachte.

Anschließend heißt es:

> "Dieser Anspruch setzt einen einseitig quantitativen, ahistorischen und unzulässig selektiven Gleichstellungsbegriff voraus."

Das ist keine empirische Beschreibung mehr.

Das ist eine explizite wissenschaftliche Bewertung.

Damit ist klar, dass die Studie nicht aus einer strikt neutral-deskriptiven Perspektive geschrieben wurde.

3. Wo man kritisch werden sollte

Die größte wissenschaftliche Frage lautet:

Misst der Faktor M eine reale gemeinsame Grundhaltung – oder wurden unterschiedliche politische und soziale Einstellungen zu einem einzigen Problemkomplex zusammengefasst?

Wenn man traditionelle Geschlechterrollen, Ablehnung von Gleichstellungspolitik, Queerfeindlichkeit, Misogynie, Gewaltlegitimation in einem Faktor bündelt, dann ist es nicht überraschend, dass anschließend ein statistisch zusammenhängendes "Syndrom" entsteht.


Eine weitere von mir herangezogene KI bewertet den Beitrag folgendermaßen:

Was der SRF-Beitrag korrekt wiedergibt

Die Zahlen stimmen weitgehend: 31 Prozent der 18- bis 24-jährigen Männer in der High-Score-Gruppe, 20 Prozent über alle Altersgruppen, 7 Prozent bei Frauen. Auch die sieben Empfehlungen und die Herkunftsdaten sind korrekt übernommen.

Was der SRF-Beitrag weglässt oder vereinfacht

* Methodische Einschränkungen werden komplett ausgespart. Der Bericht erwähnt nicht, dass Menschen mit höherer Bildung in der Stichprobe übervertreten sind – und da Bildung negativ mit Faktor M korreliert, unterschätzen die Ergebnisse die tatsächliche Verbreitung restriktiver Einstellungen. Das ist ein erheblicher methodischer Hinweis, der für die Einordnung der Zahlen zentral ist.

* Die Gewaltbefunde werden einseitig präsentiert. Der SRF-Beitrag schreibt: "Männer mit hohen Faktor-M-Werten [sind] überdurchschnittlich oft von konflikthaften Partnerschaften betroffen." Das stimmt, aber der Studienbericht zeigt ein komplexeres Bild: Bei niederschwelliger, situativer Gewalt (Ohrfeigen, Schubsen, Beschimpfungen, Smartphone durchsuchen) berichten Männer 1,7- bis 2,5-mal häufiger von Gewalterfahrungen als gleichaltrige Frauen, und die Autoren sprechen von "hoher Wechselseitigkeit" sowie "gewaltbelasteten Beziehungsdynamiken". Der SRF-Beitrag lässt diesen Befund komplett weg und suggeriert stattdessen ein klassisches Täter-Opfer-Schema zugunsten von Frauen.

* Das "Bedrohungsgefühl" wird als Symptom behandelt, nicht als Befund. Fast die Hälfte der jungen Männer sieht "Männlichkeit" bedroht. Der SRF-Beitrag nennt dies "überraschend", geht aber nicht auf die möglichen Gründe ein. Die Studie selbst verweist auf "abnehmenden Bildungserfolg von jungen Männern" als "soziale und gleichstellungspolitische Tatsache" – ein Aspekt, der im SRF-Beitrag fehlt.

* Die "Manfluencer"-These ist im Bericht stärker als in der Studie. Der SRF-Beitrag präsentiert Tiktok und YouTube als plausible Erklärung. Die Studie verweist zwar auf unterschiedliche digitale Nutzungsmuster (41 Prozent der jungen Deutschschweizer haben "Bezüge zur digitalen Manosphere", in der Westschweiz 29 Prozent, im Tessin 21 Prozent), aber sie nennt dies als eine mögliche Erklärung unter mehreren und betont die Komplexität. Der SRF-Beitrag verstärkt die mediale Erklärung.

* Die Herkunftsdaten sind statistisch brisant. Die Darstellung nach "Herkunftsregion des Vaters" mit dem Extremwert "Ex-Jugoslawien 49,7 Prozent" ist sozialpolitisch hochsensibel. Die Autoren nennen plausible alternativen Erklärungen (Sozialisationskontexte, Ausgrenzung, prekäre Lebenslagen), aber die grafische Darstellung im SRF-Beitrag lässt den kulturellen Faktor visuell dominieren. Dass "Herkunftsländer mit sehr kleinen Fallzahlen nicht berücksichtigt wurden", wird im SRF-Beitrag nicht erwähnt.




2. In einem Beitrag des SPIEGEL spricht der Schauspieler Christoph Letkowski über seinen Umgang mit starken Emotionen, beruflich und privat. Im privaten Bereich ging es um einen schmerzhaften Sorgerechtsstreit:

"Nach einer Trennung erlebte ich jahrelang Grenzen im Familienrecht, die mit meinem Verständnis von Gleichberechtigung kollidierten. Ich musste vor Gericht dafür kämpfen, dass ich mein Kind in zusammenhängenden Zeitabschnitten sehen darf. Ich erlebte ein tiefes Gefühl von Ohnmacht. Schließlich musste ich in die Psychiatrie, weil mich die traumatischen Erlebnisse bei Gericht so mitgenommen haben, dass ich eine Panikstörung entwickelte. Die Angst, mein Kind zu verlieren, und der wachsende Druck, daran zu zerbrechen, erreichten in dieser Zeit ihren Höhepunkt."


~ Diese Schilderung weist auf einen hohen M-Faktor hin. Ich hoffe, Herr Letkowski wird gut überwacht. ~



3. Die Sängerin Shania Twain erklärt, warum sie sich nicht als Feministin betrachtet: "Es heißt dann so etwas wie: ‚Ach, der Junge braucht weniger Schutz als das Mädchen, weil er ein Junge ist.‘ Das stimmt überhaupt nicht und ist auch nicht fair. Schutzbedürftige Männer brauchen genauso viel Schutz wie schutzbedürftige Frauen." Sie ziehe es vor, sich in ihrem Engagement auf schutzbedürftige Menschen aus dem gesamten Geschlechtsspektrum zu konzentrieren.



4. Ebenfalls eines hohen "Faktor M" verdächtig dürfte die US-amerikanische Psychologin und Autorin Dr. Helen Smith sein, die in ihrem neuen Buch "His Side" die Position von Männern darlegt. Smith wurde jetzt zu diesem Buch interviewt. Ein Auszug aus dem entstandenen Artikel:

Smith verwebt Dutzende Interviews mit Männern aller Altersgruppen und Lebensbereiche – ihre Gedanken, Schwierigkeiten, Sorgen und Erfahrungen –, um ein Bild davon zu zeichnen, wie sich ihre Situation in der heutigen Landschaft darstellt, die Männer als Frauenfeinde darstellt und Männlichkeit als toxisch und etwas beschreibt, das zu meiden sei.

In einem Interview in diesem Monat (…) sprach Dr. Smith darüber, wie die Themen des Buchs in der heutigen Gesellschaft widerhallen und wie es hilft, eine Seite der Geschichte zu erzählen, die Hochschulen, Mainstream-Medien und Popkultur nur selten sichtbar machen.

Interviewer: Wie ist die bisherige Resonanz?

Dr. Helen Smith: Was die Männer betrifft, die es lesen, war das Feedback, das ich bekommen habe, wirklich gut. Die Männer, die es lesen, gewinnen meiner Ansicht nach viel daraus. Sie erkennen sich selbst oder jemanden, den sie kennen, in den Geschichten wieder und können sich mit einigen der im Buch behandelten Themen identifizieren.

Was mich vor allem überrascht hat, ist, dass viele Frauen es lesen. Eine Frau hat mir gesagt, sie kaufe es für ihren Buchclub. Eine andere sagte, sie habe das Buch gelesen, um "Männer zu verstehen und mir zu helfen, meinen Mann zu verstehen". Ich denke, es gibt heute viel mehr Interesse an Männerthemen als noch zu der Zeit, als ich mein Buch "Men on Strike" geschrieben habe [2013].

Sydney Sweeney hatte kürzlich einen Artikel über einen neuen Film, in dem sie mitspielt, und sie sprach dabei sogar darüber, dass Männer in unserer Gesellschaft auf Zehenspitzen laufen müssten und nicht offen über alles sprechen könnten. Und ich denke, viele Frauen mögen das ebenfalls nicht.

Interviewer: Halten Sie es für zutreffend, dieses Buch als eine Widerlegung der Vorstellung männlicher Privilegien zu beschreiben, die an Hochschulen und Universitäten sowie von Feministinnen heute häufig vertreten wird?

Dr. Helen Smith: Ja. Eines der Probleme, das Menschen nicht sehen, ist, dass Frauen in bestimmten Kontexten Privilegien haben.

Sicherlich sind Männer im Hochschulbereich klar im Nachteil. Ich hatte immer überwiegend Männer in meiner Praxis, und diese Männer erzählten mir, besonders die jungen Männer im College-Alter, von den Dingen, mit denen sie zu tun hatten, dass sie sich im Unterricht nicht äußern könnten. Dass sie Angst hätten, sich zu äußern. Statistiken zeigen heute, dass immer weniger Männer studieren und immer weniger Männer studieren wollen. Sie verdienen einen Ort, der ihnen gegenüber nicht feindlich ist.

[Das Gleichstellungsgesetz] Title IX wurde 1972 verabschiedet, aber es ist zunehmend schlimmer geworden. Ursprünglich war es eine gute Idee, dass nicht nach Geschlecht diskriminiert wird, aber inzwischen ist daraus geworden: Frauen zuerst, nur Frauen. Frauen bekommen die Stipendien. Früher war es: "Die Fakultät besteht nur aus Männern." Das stimmt tatsächlich nicht. Studien haben gezeigt: "Wenn alle anderen Faktoren zwischen hochqualifizierten Kandidaten für Einstiegs-Fakultätsstellen gleich sind, bevorzugen Professoren in den akademischen Naturwissenschaften überwältigend Frauen gegenüber Männern." Es ist heute sehr schwierig für einen weißen Mann, insbesondere in Fächern wie Englisch und Psychologie, eingestellt zu werden. Viele meiner Interviewpartner und Leser haben das bestätigt. Viele Männer haben aufgehört, in diese Bereiche zu gehen.

(…) Man muss sich also fragen: Wo passen Männer noch hinein? Und noch wichtiger: Wie schaffen wir einen gleichberechtigten und einladenden Ort für Männer, an dem sie lernen und ihre Ziele erreichen können, wie es eine freie Gesellschaft anstreben sollte?

Interviewer: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die meisten Männer seit Geburt darauf konditioniert worden seien, ihr Leben und die amerikanische Kultur ohne Fokus auf echte Männlichkeit zu sehen, sondern durch die Linse von "toxischer Männlichkeit" oder gar keiner Männlichkeit. Was haben Sie darüber gelernt, was Männer erleben und wie sie in diesem Paradigma überleben können?

Dr. Helen Smith: Was ich gelernt habe, ist, dass Männer letztlich das Gefühl haben, dass ihre Lebensziele nicht wichtig sind.

Es ist heute viel schwieriger, ihren Sinn im Leben zu finden, weil es so etwas wie einen alten Vertrag gibt, nach dem Männer weiterhin versorgen und all das tun sollen, was man früher von Männern erwartet hat. Gleichzeitig sollen Frauen berufstätig sein, sie sollen sich fast wie Männer verhalten, sie sollen "Girl Boss" sein und alles. Und ich denke, die Männer in meinem Buch hatten das Gefühl von Sinnverlust.

Sie hatten das Gefühl, dass es schwierig ist, in einem normalen Arbeitsumfeld zu sein, viele mussten ihren Arbeitsplatz sehr sorgfältig auswählen. Ich hatte einen Mann in den Zwanzigern, der Perfusionist ist – das bedeutet, man bedient eine Herz-Lungen-Maschine – und er sagte, er habe seinen Arbeitsplatz im Krankenhaus bewusst so gewählt, dass der Chirurg ein Mann sei und dort überwiegend Männer arbeiteten. Er sagte, wenn Frauen anwesend seien, werde es oft eher eine Situation, in der es darum gehe, ob er jemanden beleidigt habe. Mit Männern könne er einfach er selbst sein. Er könne Witze machen oder offener sprechen und habe weniger das Gefühl, dass jemand gegen ihn vorgeht. Und ich denke, viele der von mir interviewten Männer hatten dieses Empfinden.

An Hochschulen berichteten viele Männer mir gegenüber, dass Frauen vor ihnen abwertende Dinge sagen würden. Sie gingen davon aus, dass jeder Mann so etwas verdiene. Daher gehen Männer mit dieser Feindseligkeit um, indem sie bestimmte Umfelder und Institutionen meiden und andere Wege suchen. Ein Mann hat sein eigenes Gesundheitsunternehmen gegründet, ein anderer wurde Personal Trainer.

Es hing also von den einzelnen Männern ab, welche Art von Überlebensstrategie sie wählten, aber ich habe definitiv festgestellt, dass die meisten Männer sich auf irgendeine Weise anpassen.

Interviewer: Sie widmen ein Kapitel den Interviews mit Studentenverbindungs-Mitgliedern. Was lernen wir darüber, wie die Ausgangslage für sie ist, als öffentliches Feindbild Nummer eins: männlich und heterosexuell?

Dr. Helen Smith: Sie waren sehr offen und sehr ehrlich. Viele denken, diese jungen Männer seien gefühllos oder gleichgültig, aber viele Burschenschaften sind tatsächlich recht moralisch geprägt.

Sie äußern ihre Meinung jedoch nicht. Sie versuchen einfach, durchzukommen und keine Szene zu machen, weil sie wissen, dass sie in einem Konflikt vermutlich nicht gewinnen würden. Und ich denke, die Dating-Situation ist sehr schwierig, besonders auf dem Campus, wo es überwiegend linksliberale Studentinnen gibt. Es gibt einige konservative Studentinnen, aber die Mehrheit der Frauen und alle von mir befragten Verbindungs-Mitglieder hatten linskliberale Freundinnen. Die jungen Männer sahen diese Unterschiede hauptsächlich als Wertkonflikt. Sie wollten es nicht als Politik betrachten, weil sie vermutlich nicht glauben wollten, dass das zu schlechten Ergebnissen in ihrer Beziehung führen könnte.

Frauen verstehen Grenzen heute nicht mehr. Ihnen wird gesagt "You go girl", Hochschulen vermitteln ihnen, dass alles, was sie tun, richtig sei. Die Kultur sagt ihnen, sie hätten Anspruch auf alles. Aber ich denke, das verändert sich. Und ich sehe immer mehr Männer, die das nicht mehr mitmachen.

Interviewer: Was war ein besonders wichtiger Aspekt des Mannseins, den Sie herausgefunden haben?

Dr. Helen Smith: Männer haben keine männlichen Vorbilder mehr. Sie haben weniger Vaterfiguren, und sie sehen auch weniger Männer in Schulen oder im weiterführenden Bildungsbereich. Und ich denke, wenn man die eigene Geschlechtsrolle in jungen Jahren kaum repräsentiert sieht, ist das sehr belastend.

Die meisten Männer sagten, dass eines der wichtigsten Dinge für sie eine männliche Beziehung war, sei es ein Stiefvater oder eine Vaterfigur oder sogar ein männlicher Lehrer – jemand, irgendwo auf dem Weg, der sie unterstützt oder ihnen geholfen hat zu verstehen, was es bedeutet, ein Mann zu sein und wie man seinen Lebenssinn findet.

Ich denke, das war für sie sehr wichtig, und ich glaube, vielen Männern fehlt das heute.




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Dienstag, Juni 16, 2026

"Es kommen immer wieder die gleichen Männer in Haft": Kriminologe will Gefängnisse abschaffen

1. Der ehemalige JVA-Leiter Thomas Galli, Jurist, Kriminologe und Psychologe, fordert die Abschaffung von Gefängnissen zugunsten von anderen Formen der Bestrafung. Der Justizvollzug richtet nach seiner Erfahrung mehr Schaden an, als dass er hilft. Ein Interview Gallis mit der "Welt" (nur im Anriss online) leidet zwar darunter, dass bei ihm alle Kriminellen männlich zu sein scheinen. Es unterläuft aber zugleich die Propaganda vom Tätergeschlecht Mann und die Vorstellung, Männer würden gewalttätig werden, weil das die Folge einer herrschenden Position in einem "Patriarchat" wäre. Ein Auszug aus dem Gespärch:

WELT: Herr Galli, Sie fordern die Abschaffung von Gefängnissen. Wieso?

Thomas Galli: Es herrscht die Idee vor, man könne mit Strafvollzug etwas Positives erreichen. Nach gut 25 Jahren Arbeit mit Straftätern bin ich davon überzeugt, dass das falsch ist. Meine Kritikpunkte liegen auf der Hand und sind nicht neu. Aber der Strafvollzug ist ein veränderungsresistentes System, das aus der Zeit gefallen ist.

Im Zuge meiner Arbeit habe ich gemerkt: Es kommen immer wieder die gleichen Männer in Haft. Sie kommen fast alle aus dem gleichen prekären, sozial schwachen und bildungsfernen Milieu und haben ein Suchtproblem. Durch die Haft werden sie gesellschaftlich noch weiter an den Rand gedrängt, mitten hinein in eine Subkultur. Nach der Haft haben sie genauso geringe, wenn nicht noch geringere Chancen im Leben als vorher – und werden oft erneut straffällig. Damit erreicht die Haft das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erreichen soll. In der theoretischen Auseinandersetzung gibt es verschiedene Strafzwecke: Vergeltung, Abschreckung, Schutz und Resozialisierung. In der Praxis stellt Vergeltung aber alles andere in den Schatten. Das muss sich ändern – weil es nichts bringt.

WELT: Haben Sie noch andere Kritikpunkte?

Galli: Auch die Familien, die an diesen Männern hängen, leiden enorm unter der Haft, besonders die Kinder. Die haben außerdem eine höhere Wahrscheinlichkeit, selbst später straffällig zu werden und in Haft zu kommen. Das heißt: Haft produziert Kriminalität. Wenn neue Kriminalitätsfelder auftauchen, wird immer ein neuer Straftatbestand geschaffen oder eine härtere Freiheitsstrafe gefordert. An dem Problem selbst ändert das aber nichts. Im Zweifelsfall verdrängen wir als Gesellschaft sogar bestimmte Themen, statt uns mit ihnen zu beschäftigen: Die Täter werden ja weggesperrt; es ist ja alles gut. Das ist aber nicht der Fall.

WELT: Haben Sie ein Beispiel?

Galli: Wir gehen davon aus, dass das Dunkelfeld im Bereich häusliche Gewalt bei über 80 Prozent liegt. Allein mit Strafe kommen wir hier also nicht weit. Wir müssten uns viel stärker darauf konzentrieren, mehr Fälle aufzudecken oder sogar zu verhindern. Erwachsenen Männern, die häufig fragwürdig sozialisiert wurden, mit Haft zu drohen, hilft dabei sehr wenig.

Schauen wir die einander unglaublich ähnelnden Lebensläufe an, sehen wir, dass an einem viel früheren Punkt investiert werden muss, schon im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule. Das würde die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder auf den falschen Weg gelangen, tatsächlich verringern.

(…) Von den Mandanten, die ich als Rechtsanwalt vertrete, sagt kaum einer, die Haft habe ihn zum Umdenken gebracht. Das Gefühl, unverhältnismäßig behandelt worden zu sein, ist hingegen weit verbreitet und führt zu einer Abwendung von Staat und Gesellschaft. Immer wieder sagen mir Eltern, sie hätten jahrzehntelang für den Staat gearbeitet – durch die Haft ihres Kindes aber das Vertrauen in diesen verloren.

WELT: Ist dieses Misstrauen gerechtfertigt?

Galli: Ein Teil davon ist unumgänglich: Wenn der Staat über mich entscheidet, werde ich wahrscheinlich immer eine Abwehr spüren. Ein anderer, nicht gerade kleiner Teil aber rührt daher, wie es in den Anstalten zugeht. Wieso ein Häftling seine Kinder nur zweimal im Monat sehen darf, ist schwer vermittelbar. Wer hat etwas davon? Niemand. Das als ungerecht zu empfinden, halte ich für nachvollziehbar. Mir erscheint es auch so.




2. Die Legal Tribune beschäftigt sich mit der Frage, ob der SPIEGEL Korrespondenz von Christian Ulmen mit seinem Rechtsanwalt veröffentlichten durfte, um sein Bild als Täter in den Köpfen der Leser zu zementieren. Das Landgericht Hamburg hatte diese Veröffentlichung in einem ersten Urteil durchgewinkt. Im Fazit des Beitrags der Legal Tribune allerdings heißt es:

Das LG Hamburg hat die Nachricht an den Strafverteidiger wie ein beliebiges privates Dokument behandelt. Sie ist aber Teil der Rechtsverteidigung. Wer sich an einen Anwalt wendet, muss darauf vertrauen dürfen, dass gerade diese Kommunikation nicht später zur publizistischen Ressource wird; erst recht, wenn dort intime Selbsteinschätzungen preisgegeben werden. Entgegen der insoweit zu strikt anmutenden Rechtsprechung des BVerfG muss es aber in Ausnahmesituationen Veröffentlichungsspielräume für Medien geben. Eine solche Ausnahmesituation liegt hier jedoch nicht ansatzweise vor.


Mit dem Urteil einer höheren Instanz in diesem Fall dürfte in den nächsten Wochen zu rechnen sein.



3. 76 Prozent der jungen Männer in Irland berichten, mindestens einige Male pro Jahr Diskriminierung zu erleben. Zu dieser Erkenntnis gelangt eine neue Studie des irischen Forschungsinstituts Economic and Social Research Institute (ESRI). Ihr zufolge berichteten junge Männer im Alter von 17 Jahren häufiger von solchen Erfahrungen als junge Frauen.

Nach Angaben der Forscher zeigte sich dieser Unterschied vor allem bei zwei Arten von Erfahrungen:

* Andere Menschen verhielten sich ihnen gegenüber, als hätten sie Angst vor ihnen.

* Sie fühlten sich bedroht, schikaniert oder belästigt.

Die Autoren der Studie vermuten, dass dies mit gesellschaftlichen Stereotypen über junge Männer zusammenhängt, etwa der Vorstellung, sie seien aggressiv oder verhielten sich antisozial.

Die häufigsten Gründe, die die 17-Jährigen selbst für diese Erfahrungen nannten, waren Alter (63 %), Aussehen (54 %) und Geschlecht (40 %).



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