Donnerstag, Februar 26, 2026

Sexismus der Woche: "Braune Haare, rehbraune Augen"

Viele von euch werden es mitbekommen haben, denn für etliche Blätter ist es ein Top-Thema: Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg, steht gerade im Zentrum eines "Sexismus-Skandals" – wohl kaum zufällig kurz vor der Landtagswahl. Grund für den Wirbel ist ein acht Jahre altes Interview, in dem er berichtete, wie er im Alter von 29 Jahren eine Schule besuchte und dabei eine Schülerin wegen ihrer braunen Haare und rehbraunen Augen besonders attraktiv fand. Ein Video dieses Interviews wurde jetzt von der Grünen-Politikerin Zoe Mayer hochgeladen, deren Partei die Herrschaft im Ländle zu verlieren droht, wenn man den aktuellen Meinungsumfragen glauben darf.

Mayer behauptet, ihr politischer Gegner habe mit seinen Worten eine Minderjährige zum Objekt gemacht: So etwas könne junge Frauen davon abschrecken, in die Politik zu gehen. Grünen-Bundesparteichef Felix Banaszak ist auch ganz betroffen: Mayer habe öffentlich gemacht, womit junge Frau regelmäßig konfrontiert seien. Der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmeier stimmt zu und bezeichnet die Äußerungen Hagels als "abnormal".

Wenig überraschend ist auch ein Großteil der Presse aus dem Häuschen: Vom Spiegel über die Zeit und Süddeutsche bis zur Berliner Morgenpost äußern alle Entsetzen und Abscheu über Hagels angeblichen "Sexismus" beziehungsweise die "Sexualisierung Minderjähriger". Die "Welt" zieht gar eine Parallele zur massenhaft erfolgten Vergewaltigung Gisele Pelicots und findet, die Wertschätzung rehbrauner Augen gehöre ins Jahr 1958. (Knapp vier von fünf Lesern können sich diesem Artikel nicht anschließen, was seltsam ist, wenn fast sämtliche großen Zeitungen in derselben Tonlage berichten.)

Der Furor ist einmal mehr derart übergreifend, dass man sich kaum traut eine abweichende Meinung zu äußern, denn dan wäre man ja "Teil des Problems", also anscheinend einer Form von sexueller Gewalt. Wenn jemand doch eine Gegenstimme erhebt, kann man es sich leisten, ihn argumentfrei niederzumachen. "Es ist natürlich unverzeihlich, dass er gesagt hat, dass Mädchen hatte braune Augen/war hübsch. Wie bescheuert seid ihr?" fragt fassungslos eine Frau namens Claudia Paddington auf X (Twitter) und erhält für diese Aufmüpfigkeit natürlich sofort die Antwort: "Der kognitive Verfall im Alter ist nie ein leichter Prozess. Hoffentlich haben Sie ein stabiles soziales Netz, welches Ihnen helfen kann. Reden Ihre Kinder noch mit Ihnen?" Damit gilt dieser Einwand als ausdiskutiert.

Einmal mehr habe ich den Eindruck, Teilnehmer eines besonders absurden Theaterstücks zu sein.

Die Skandalisierung von Manuel Hagels Äußerung offenbart mehr über den Zustand unseres politischen Diskurses als über den Politiker selbst. Was hier als Aufklärung über sexistisches Fehlverhalten verkauft wird, ist in Wahrheit ein Lehrstück in selektiver Empörung und der Kunst, aus einer harmlosen menschlichen Beobachtung eine Moralkeule zu schmieden. Hagel beschrieb vor acht Jahren eine Begegnung mit einer Schülerin durch ihre äußeren Merkmale – eine Erinnerung, die weder anzüglich noch herabwürdigend formuliert war, sondern lediglich den Versuch darstellte, einen persönlichen Moment lebendig zu schildern. Seine Äußerung war weder "sexuell" (dass bereits die Wahrnehmung der Haare einer Frau als anstößig gilt, kenne ich sonst nur aus dem arabischen Raum) noch war sie "abschreckend", sondern eine harmlose, jugendliche Anekdote ohne jegliche Schäden. Hagel, damals 29, schilderte 2018 einen Schulbesuch mit angeblichen 80 Prozent Mädchen begeistert als "schöner Termin". Er lobte die Atmosphäre und beantwortete eine Schülerfrage zur Politik. Keine direkte Ansprache, keine Nachstellung – die Betroffene ist bis auf ihren Vornamen anonym, und nach acht Jahren meldet sie sich nicht als traumatisiertes Opfer.

Die Grünen finden nun, Worte wie die von Hagel zeigten, womit junge Frau "regelmäßig konfrontiert" seien. Mit Komplimenten über ihr Aussehen? In der Erinnerung? Anonymisiert? Das schreckt Frauen davon ab, in die Politik zu gehen? Wie fragil sind Frauen eigentlich in der Vorstellung der Grünen?

Dass wir heute daraus einen Skandal konstruieren müssen, spricht nicht für gestiegene Sensibilität, sondern für eine alarmierende Tendenz zur Sprachreglementierung, bei der jede Beschreibung einer Frau durch einen Mann automatisch unter Verdacht der "Sexualisierung" steht.

Die politische Instrumentalisierung dieses Vorfalls ist dabei so durchschaubar wie zynisch. Dass ausgerechnet die Grünen – die erfundene Belästigungsvorwürfe in ihren eigenen Reihen immer noch nicht bewältigt haben – hier den Moralapostel spielen, entlarvt die ganze Operation als das, was sie ist: ein wohlkalkuliertes Wahlkampfmanöver. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung, knapp eine Woche vor der Landtagswahl, ist kein Zufall, sondern strategische Kalkulation. Wer glaubt, dass es hier um den Schutz von Minderjährigen oder um feministische Aufklärung geht, sollte sich fragen, warum dieselben Stimmen acht Jahre lang geschwiegen haben. Offenbar galt die angebliche Entgleisung erst dann als skandalträchtig, als sie sich politisch ausnutzen ließ.

Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Ein Politiker, der sich für einen unbedarften Satz aus seiner frühen Karriere entschuldigen muss, während echte strukturelle Probleme in der Debatte untergehen: von der Benachteiligung der Jungen (warum waren eigentlich 80 Prozent in dieser Schulklasse Mädchen?) über die Unterfinanzierung von Schulen bis zur prekären Lehrersituation. Die Hagel-Affäre ist kein Triumph des Feminismus: Sie ersetzt die Auseinandersetzung mit wirklicher Diskriminierung durch eine oberflächliche Semantikkontrolle, die letztlich nur jene entlastet, die sich auf die richtigen Schlagworte berufen können, ohne je Handlungsverantwortung zu übernehmen. Die spontane Rede wird von der Moralpolizei erstickt. Man darf mit einer 16jährigen Sex haben, wenn sie in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu einem steht, aber wehe man erwähnt gefühlsbeseelt, dass einem ihre rehbraune Augen gefallen haben.

Warum steigern sich zum wiederholten Mal etliche Medien in denselben Furor hinein, als ob sie gleichgeschaltet wären? Ich sehe da vor allem folgende Gründe:

1. Ökonomische Zwänge und Aufmerksamkeitsökonomie: Nicht zuletzt die Printmedien leiden stark unter der aktuellen wirtschaftlichen Stagnation. Deshalb kämpfen sie unter Bedingungen permanenter Konkurrenz um Reichweite. Ein "Skandal" mit klaren Gut-und-Böse-Figuren, visuellem Material (das Interview steht online) und Wahlkampf-Countdown ist ein narratives Hochglanzprodukt – unabhängig von seiner substanziellen Tragweite. Die Entscheidung, Hagels Aussage prominent zu platzieren, folgt dabei weniger einer moralischen Überzeugung als einer ökonomischen Notwendigkeit: Konflikt generiert Klicks, Klicks generieren Werbeeinnahmen.

2. Meidung von Akquisitionsrisiken: Medien, die die Skandalisierung ignorieren oder gar bestreiten würden, liefen Gefahr, selbst ins Visier der Kritik zu geraten. In einer Zeit, in der Redaktionen durch Social Media unmittelbar zur Rechenschaft gezogen werden, ist die sicherste Position die der Mitläufer. Die vermeintliche Mehrheitsmeinung ist daher oft eine selbstverstärkende Scheinmehrheit: Jeder vermutet, dass die anderen es ernst meinen, und schließt sich vorsichtshalber an. Wer hier als "Sexismus-Apologet" gebrandmarkt wird, riskiert nicht nur Anzeigenboykotte, sondern auch interne Konflikte in Redaktionen, die sich feministisch korrekt positionieren.

3. Ein spezielles Milieu: Die journalistische Zunft ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. In urbanen, akademischen Milieus, aus denen Reporter und Kommentatoren überproportional rekrutiert werden, haben sich spezifische Sprachnormen etabliert, die als selbstverständlich gelten – auch wenn sie außerhalb dieser Blasen als überzogen wahrgenommen werden. Hagels Formulierung mag für breite Bevölkerungsschichten unauffällig klingen; in bestimmten redaktionellen Räumen jedoch gilt sie als verstörend, weil dort eine spezifische akademische Feminismus-Rezeption vorherrscht. Die mediale "Mehrheit" ist hier möglicherweise eine Mehrheit einer Minderheit. (Dasselbe Phänomen gibt es in der rechten Presse auch: Statt "Sexismus" wird dort gerade diese Woche wie selbstverständlich das Wort "Antisemitismus" verwendet, sobald jemand die Greuel in Gaza anprangert. Es ist ein Kampf um die Deutungshoheit mit harten Bandagen, sonst nichts.)

4. Das Problem der nachträglichen Rationalisierung: Einmal in Gang gesetzt, entwickelt eine Skandalisierung eigene Dynamiken. Medien, die zunächst zurückhaltend berichteten, müssen sich der vermeintlichen "Entwicklung der Geschichte" anpassen, um nicht als "zu spät" oder "außerhalb des Diskurses" wahrgenommen zu werden. Was als vorsichtige Meldung beginnt, wird durch die bloße Wiederholung in anderen Medien zur selbstbestätigenden Wahrheit. Die scheinbare Einigkeit ist dann nicht das Ergebnis unabhängiger Urteilsbildung, sondern einer kollektiven Eskalation, aus der einzelne Akteure nur schwer aussteigen können.

Der vertraute Gleichschritt vieler Medien erklärt sich so aus einer Mischung aus ökonomischen Zwängen, sozialen Dynamiken und der Vereinfachungslogik des Zeitungsgeschäfts. Die Häufigkeit einer Meinung beweist nicht automatisch ihre Richtigkeit – sie zeigt manchmal vor allem, unter welchen Bedingungen sie verbreitet wird.



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Dienstag, Februar 24, 2026

Neue Studie: Warum ist unsere Gesellschaft derart auf Incels fixiert?

1. Aktuelle Forschung beschäftigt sich mit dem großen Interesse, das Incels in unserer Gesellschaft auslösen:

Incels ziehen eine außergewöhnliche öffentliche Aufmerksamkeit auf sich – nicht, weil sie besonders zahlreich oder gewalttätig wären, sondern weil ihre Erzählungen tief verwurzelte psychologische Verzerrungen ansprechen, die sie besonders einprägsam und leicht weiterverbreitbar machen. Zu diesem Schluss kommt eine in der Fachzeitschrift "Evolutionary Psychological Science" veröffentlichte Übersichtsstudie.

Incels (Kurzform für "involuntary celibates", also unfreiwillig Enthaltsame) sind eine Online-Subkultur, deren Mitglieder sich über die als unabänderlich empfundene Unfähigkeit definieren, sexuelle oder romantische Beziehungen einzugehen. Häufig stützen sie sich dabei auf die sogenannte „Black-Pill“-Überzeugung, wonach körperliche Attraktivität maßgeblich über den Paarungserfolg von Männern entscheidet und kaum veränderbar ist. In den vergangenen Jahren sind Incels zu einem wiederkehrenden Gegenstand wissenschaftlicher Forschung in Psychologie, Soziologie, Kriminologie, Politikwissenschaft und Medienwissenschaft geworden.

Auch in Dokumentarfilmen, Serienformaten, Podcasts und politischen Debatten spielen sie eine auffällige Rolle. Diese Sichtbarkeit überrascht angesichts der vergleichsweise kleinen Größe entsprechender Gemeinschaften und der begrenzten Zahl dokumentierter, weltweit mit Incels in Verbindung gebrachter Tötungsdelikte. Das Missverhältnis zwischen tatsächlichem Umfang und öffentlicher Aufmerksamkeit bildet den Ausgangspunkt der Studie: Warum nehmen Incels im öffentlichen Diskurs einen derart prominenten Platz ein?

Für den Erstautor William Costello begann das Projekt aus wissenschaftlicher Neugier und persönlicher Verbundenheit. "Es war sehr erfüllend, gemeinsam mit dem Wissenschaftler zu publizieren, der mir diese Theorie erstmals nahegebracht hat. Während meines Masterstudiums machte mich mein Ko-Autor Alberto Acerbi mit der Theorie kultureller Attraktion vertraut. Als er mir das Modell erläuterte, wurde mir klar, dass Incel-Narrative nahezu sämtliche Merkmale aufweisen, die Ideen kulturell ‚haftfähig‘ machen: Sie handeln von Sexualität, Status, moralischer Empörung, Koalitionsdenken, Bedrohungsvorstellungen gegenüber Frauen und Normverletzungen."

Er ergänzt: "Damals war das zunächst eine Intuition, doch es zeigte sich rasch, dass sie zutraf. Incels zogen weiterhin enorme Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Politik, Medien und Kultur auf sich – in einem Ausmaß, das in keinem Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem tatsächlichen Gefährdungspotenzial zu stehen scheint."

Das Ziel des Beitrags sei gewesen zu erklären, warum dies geschieht und welche Folgen es haben könnte, eine so randständige Gruppe kulturell derart aufzuwerten. Mit einem Augenzwinkern bemerkt Costello: "Manchmal denke ich, ich bin womöglich der einzige Forscher, der einen Artikel über die möglichen Schattenseiten der starken medialen Präsenz seines eigenen Forschungsthemas veröffentlicht."

(…) Nach Auffassung der Autoren bündeln Incel-Diskurse mehrere psychologisch wirkmächtige Themen zugleich. Erstens stehen Sexualität und Status im Zentrum – zwei evolutionsbiologisch bedeutsame und kulturell stark aufgeladene Bereiche. Da Paarungserfolg eng mit Vorstellungen von Rang und Männlichkeit verbunden ist, ziehen Berichte über männlichen sexuellen Ausschluss von sich aus Aufmerksamkeit auf sich. Zweitens ist die Incel-Identität "minimal kontraintuitiv": Incels erscheinen als gewöhnliche junge Männer, organisieren ihre Identität jedoch offen um sexuelles Scheitern herum und widersprechen damit verbreiteten geschlechtsspezifischen Erwartungen – was ihre Einprägsamkeit erhöht.

Hinzu kommen moralisch aufgeladener Ekel und ein Schutzimpuls gegenüber Frauen, insbesondere wenn frauenfeindliche Rhetorik oder Gewalt im Spiel sind. Ergänzt man dies um den Negativitätsbias – also die Tendenz, bedrohliche oder negative Informationen überproportional zu beachten – sowie koalitionspsychologische Muster des Denkens in "Wir gegen sie", entsteht ein narratives Bündel mit erheblicher medialer Durchschlagskraft.

(…) "Eine zentrale Lehre lautet, dass wir genauer reflektieren sollten, warum bestimmte Themen die öffentliche Aufmerksamkeit dominieren", sagt Costello. "Mediale Erzählungen setzen sich oft nicht deshalb durch, weil sie am zutreffendsten sind, sondern weil sie tief verankerte psychologische Mechanismen aktivieren – etwa gruppenbezogenes Denken, moralische Empörung oder Bedrohungswahrnehmungen. Wer diese Dynamiken erkennt, kann sich eher davor schützen, in moralische Erregungswellen hineingezogen zu werden."

Zugleich betont er die Bedeutung evidenzbasierter Entscheidungen: "Politische Maßnahmen sollten auf nüchterner, empirischer Forschung beruhen und nicht auf emotional wirksamen Dramatisierungen – etwa der Serie Adolescence."

Weiter führt er aus: "Als Forscher bereitet es mir Sorge, wenn öffentliche Debatten gelegentlich den Anschein von Wahrheit höher gewichten als überprüfbare Evidenz. Fiktion kann Diskussionen anstoßen, doch wirksame Interventionen oder politische Maßnahmen müssen fest in soliden Daten verankert bleiben und dürfen sich nicht allein von kultureller Viralität leiten lassen."

Für die Zukunft sehen die Autoren mehrere offene Fragen. "Eine zentrale Frage betrifft die Wirksamkeit – und mögliche unbeabsichtigte Nebenfolgen – vorgeschlagener Maßnahmen wie der Vorführung der Serie Adolescence in Schulen. Derzeit gibt es keine Belege dafür, dass dieser Ansatz Schaden verringert; zugleich besteht die Möglichkeit kontraproduktiver Effekte."

Pädagogen, Eltern und Fachleute für psychische Gesundheit hätten Bedenken hinsichtlich altersgerechter Vermittlung, möglicher Störungen des Unterrichts sowie fehlender strukturierter Begleitung oder Evaluation geäußert. Zudem bestehe das Risiko, dass stark moralisierende Darstellungen manche junge Männer eher entfremden, als einen offenen Dialog zu fördern.

(…) Auf mögliche Einwände angesprochen, stellt Costello klar: "Zu erklären, warum Incel-Narrative Aufmerksamkeit anziehen, bedeutet nicht, die durch Frauenfeindlichkeit verursachten Schäden oder die reale Belastung durch entsprechende Rhetorik zu relativieren. Vorsicht gegenüber Gruppen, die mit frauenfeindlicher Sprache assoziiert werden, ist angesichts historischer Gewaltmuster nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte man im Blick behalten, dass die meisten Incels nicht gewalttätig sind, sondern in erster Linie mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben."




2. Bei der Berichterstattung über häusliche Gewalt veranschaulichen derzeit NDR und n-tv, wie mediales Framing funktioniert. Der NDR beschäftigt sich mit dem Thema wie selbstverständlich unter der Frage "Warum werden Frauen nicht besser geschützt?", auch n-tv beschäftigt sich mit dem Thema einschließlich der aktuellen Gewaltstudie, als ob die Opfer ausschließlich weiblich wären.



3. In Basel wurde ein Mann mit einem zwei Monate alten Baby im Arm von einer Messerstecherin angegriffen. Fahrgästen eines Busses gelang es, die Täterin zu entwaffnen. Ob die Täterin und das Opfer einander kannten, wollte die zuständige Staatsanwaltschaft nicht beantworten.



4. Gesellschaftliche Privilegien sind was Feines: 94 Prozent der Frauen lassen den Wehrdienst-Fragebogen unbeantwortet.



5.
Eine Polizeikommissarin aus Düsseldorf (ehemals Kommissar) macht genau das, was der Gesetzgeber ihr ausdrücklich erlaubt hat: Sie erklärt vor dem Standesamt, dass sie jetzt weiblich ist. Punkt. Keine Gutachten, keine Therapie, keine Wartefrist, keine Nachfrage. Das war’s. Und plötzlich steht sie in der Frauenquote, in den Förderprogrammen, bei den Beförderungsrunden mit im Rennen. Genau so, wie das Selbstbestimmungsgesetz es vorgesehen hat.

Die Kolleginnen und Kollegen gucken natürlich komisch. Die eine oder andere spitze Bemerkung fällt. Und unsere Beamtin – weil sie offenbar noch nicht gelernt hat, dass man in Deutschland besser die Klappe hält – sagt (angeblich) offen: "Nächstes Jahr bin ich wieder Mann, das ist doch klar." Und zur eigenen Hochzeit: "Da heirate ich als Mann."

Das Polizeipräsidium riecht sofort Morgenluft: Disziplinarverfahren, Beförderung gestoppt, raus aus dem Auswahlverfahren. Die Beamtin wehrt sich mit Eilanträgen vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 2 L 3912/25, 2 L 4140/25, 2 L 134/26). Und was macht die 2. Kammer dieses Gerichts gestern? Sie erfindet den "Rechtsmissbrauch" bei der vermeintlich so freien Geschlechterwahl. Weil die Dame angeblich nur wegen der Beförderung gewechselt hat. Weil sie "eigentlich" Mann bleiben will. Weil ihre eigenen Worte die „Unwahrheit" der Standesamtserklärung beweisen würden. Und weil so jemand das "Achtung und Vertrauen" der Polizei nicht mehr verdiene. Mit anderen Worten: Das Gericht tut genau das, was der Gesetzgeber explizit verboten hat.


Im Lawblog geht es weiter mit dem Bericht.



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Montag, Februar 23, 2026

"18 Monate kein Sex, und sie feiert sich dafür"

1. "Die Welt" beschäftigt sich mit Frauen, die Männer so sehr hassen, dass sie dafür sogar auf Sex verzichten:

Eine bordeauxfarbene Torte. Samtrot, fast blutrot. Schwarze Schleifen wie kleine Trauerbänder am Rand. In schwarzer Zuckerglasur steht darauf: "1 year no dick". Das Messer setzt exakt unter dem Wort "dick" an. Ein sauberer Schnitt. Darunter fast vierzigtausend Likes. Tausende Kommentare. "18 months." "Two years." "Best decision ever." Frauen dokumentieren ihre Abstinenz wie andere ihre Marathonzeiten. Als hätten sie eine Sucht überwunden. Als sei Lust etwas, das man endlich losgeworden ist. Der große Erfolg liegt angeblich in einem Leben ohne Sex. Was hier gefeiert wird, ist die Verweigerung. Und das gilt als Fortschritt. (…) Der Verzicht wird als Akt der Selbstermächtigung inszeniert. (…) Als moralischer Fortschritt.

Was zunächst wie eine individuelle Entscheidung wirkt, ist in Wahrheit Symptom einer längeren Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und die eng mit dem Selbstverständnis des dritten Wellenfeminismus verbunden ist. (…) Aus der berechtigten Kritik entwickelte sich schleichend eine kulturelle Grundannahme: Lust ist verdächtig. Und Lust ist männlich.


Der Artikel erwähnt auch, dass dieses Denken keineswegs neu und fortschrittlich ist, sondern Jahrhunderte alt (wie ja auch der Soziologe Christoph Kucklick schon 2008 analysierte):

Für Frauen wird Keuschheit über Jahrhunderte zur moralischen Auszeichnung, besonders im 19. Jahrhundert. Der Mann gilt als triebhaft, die Frau als sittliches Gegengewicht. Lust wird männlich kodiert, Disziplin weiblich. Der moderne Feminismus wollte diese Ordnung sprengen und weibliches Begehren als legitime Selbstäußerung behaupten. Wenn Lust heute jedoch erneut primär als strukturelles Risiko gelesen wird, verschiebt sich nur die Begründung, nicht das Muster. Nicht mehr Gott, sondern das Patriarchat steht im Verdacht. Doch die Konsequenz bleibt ähnlich: Lust gilt als gefährlich. Und wer klug ist, verzichtet.

(…) Das Gegenüber wird nicht als unvorhersehbares Subjekt anerkannt, sondern als Träger einer Struktur. Nicht der konkrete Mensch steht mir gegenüber, sondern ein Typus, ein Prinzip, eine Kategorie. Das ist der Inbegriff von Objektivierung. Und zwar genau jene Form von Objektivierung, die beide Seiten am jeweils anderen kritisieren, während sie sie selbst vollziehen. Wer den anderen auf eine Struktur reduziert, reproduziert das, was er zu bekämpfen glaubt. Dabei ist Lust nicht männlich und Abstinenz ist nicht weiblich. Begehren ist menschlich. Es ist riskant, ambivalent, manchmal enttäuschend. Aber es ist keine politische Eigenschaft eines Geschlechts.


Wir leben in einer Zeit, in der man solche Dinge allen Ernstes noch mal erklären muss.



2. "Männer sind böser als Frauen. Die Unterschiede sind allerdings nicht riesig", stellt der Psychologe Ingo Zettler klar, der sich der Erforschung des Bösen verschrieben hat. Warum haben wir dann eine Geschlechterdebatte, in der man so tut, als würden Engel Monstern gegenüberstehen? Zumal Zettler klarstellt, dass der Unterschied weniger in der Psyche als in der Position liegt: "Männer sind öfter in Führungspositionen, die eher dazu verleiten können, egoistisch oder narzisstisch zu handeln."

Ich habe den verlinkten Test übrigens gemacht, demnach liegt mein eigener D-Score bei 20 Prozent. Im allgemeinen bin ich demnach vertrauenswürdig und fair, aber wenn mir jemand partout dumm kommen will, kann ich auch unleidlich werden. Sollte es mir Sorgen machen, dass 80 Prozent der Befragungsteilnehmer asozialer sind als ich?



3. Die Brigitte, sonst nicht immer auf einem freundlichen Kurs gegenüber Männern, hat einen neuen Trend unter Müttern allmählich dicke: "Scheiße, es ist ein Junge." Die Autorin versteckt ihre Fassungslosigkeit nicht: "Euer Sohn ist noch nicht einmal geboren oder gerade erst auf der Welt – und ihr sprecht trotzdem schon über ihn, als wäre er vor allem ein potenzielles Problem." Tja, dieser Unsinn ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen – er wurde lange vorbereitet. Auch und gerade von JournalistInnen.



4. Die Süddeutsche Zeitung überzeugt einmal mehr, indem sie so über eine aktuelle Studie berichtet, wie andere deutsche Zeitungen das nicht tun: "Männer werden ähnlich häufig Opfer häuslicher Gewalt wie Frauen" stellt sie fast wörtlich schon zu Beginn eines Artikels fest, statt diese Info zu unterschlagen oder irgendwo im hinteren Teil zu vergraben, und fordert, dass die Gesellschaft endlich darauf reagiert. Wird es Zeit, die Süddeutsche in den Kreis der lesenswerten linken Zeitungen aufzunehmen? In dem Artikel heißt es über die Dunkelfeldstudie, über die Genderama bereits ausführlich berichtet hat:

Als Dunkelfeldstudie erfasste sie auch Taten, die nicht polizeilich gemeldet wurden. Sie gilt als die bislang methodisch beste Studie ihrer Art. Eines ihrer zentralen Ergebnisse ist, dass Männer und Frauen von den meisten Gewaltformen ähnlich häufig betroffen sind. Bezogen auf die vergangenen fünf Jahre waren Männer sogar häufiger (6,1 Prozent) als Frauen (5,2 Prozent) Opfer körperlicher Gewalt. (…) Man beachte: Es geht hier um Partnerschaften, nicht um Straßenschlägereien.

Das ist ein für viele Menschen vermutlich überraschendes Ergebnis. Dennoch muss man lange suchen, um diesen Sachverhalt oder gar die konkreten Zahlen zur Gewalt an Männern in der Berichterstattung zu finden. Man könnte auch sagen: Männliches Leid wird ein wenig missachtet. Der mediale Reflex bei der Kommentierung von Studien zu häuslicher Gewalt ist weiterhin: Wir brauchen mehr Frauenhäuser! Diese Reaktion reicht nicht als Antwort.

(…) Die neue BKA-Studie reiht sich ein in eine umfassende internationale Studienlage, die belegt, dass beide Geschlechter ein Gewaltproblem haben. Deshalb reicht es nicht, immer mehr Plätze in Frauenhäusern zu schaffen, um das Problem zu lösen. Das kann nur eine vorübergehende Notlösung sein. Genauso wenig reicht es aus, wenn man jetzt parallele Hilfsstrukturen für Männer schafft, obwohl diese als Opfer weiblicher Gewalt derzeit tatsächlich dramatisch unterversorgt sind.

Im Kern geht es um die Einsicht, dass bei Partnerschaftskonflikten die präzise Trennung zwischen Opfer und Täter oft nicht möglich ist. Wer am klassischen Täter-Opfer-Schema hängen bleibt – Mann böse, Frau gut – vernebelt die Sachlage. Besser wäre es wohl, dass ein Paar ein Problem gemeinsam angeht.


Das ist eine zutiefst maskulistische Position, für die wir Männerrechtler oft angefeindet oder verhöhnt werden. Ich behalte die Süddeutsche Zeitung mal ein wenig im Auge.



5. In anderen Teilen der Linken scheint es mittlerweile eine Olympiade zu geben, wer sich so bescheuert wie möglich verhält. So wurde jetzt über das Auto eines Rammstein-Fans "Vergewaltiger" geschrieben. Und natürlich ist das Spektrum der Linken, das den Rechtsstaat offenbar abschaffen möchte, auch eines in dem man mit verschwörungstheoretischen Begriffen hantiert: "Sexueller Missbrauch dient dem Erhalt des Patriarchats."



6. Der Journalist Thilo Mischke berichtet in einem Podcast, welche Folgen es für ihn hatte, von einem Mob als "Sexist" gebrandmarkt und verfolgt worden zu sein: "Ich hatte danach Angst vor allem." Das Schmerzhafteste sei nicht der Hass aus den sozialen Medien gewesen, der ihm entgegenschlug, sondern dass seine Kollegen die wildesten Unterstellungen einfach so übernommen hatten.



7. Statt der Bitte um Spenden, mit der ich viele Blogbeiträge inzwischen abschließe, heute mal ein Hinweis auf ein neues Buch einer meiner Leser: "Ein Lied vom Seelenmord: Haiku und Haiga zum Überleben nach Kindesmissbrauch". Mein Leser schreibt mir dazu:

Das Buch entstand während meiner 14-jährigen Traumatherapie: Die kurzen Gedichte waren und sind für mich ein Werkzeug, um das Unsagbare zu sagen, Dissoziationen zu bündeln und Resilienz sichtbar zu machen. Es ist – soweit ich das beurteilen kann – einer der ganz wenigen Versuche, komplexe PTBS und die Folgen von Kindesmissbrauch in traditioneller japanischer Kurzlyrik (vor allem Senryū) zu fassen.

Ich weiß, dass das Thema sehr speziell und für viele Leser schwer zugänglich ist. Gleichzeitig glaube ich, dass genau diese Verbindung von uralter Form und extremem Inhalt für Menschen, die sich mit Trauma, Heilung, männlicher Verletzlichkeit oder experimenteller Lyrik beschäftigen, interessant sein könnte.


Weitere Infos zum Buch findet man hier und hier.



Freitag, Februar 20, 2026

Looksmaxxing und der wachsende Druck auf Männer

Es gibt heute keine erwähnenswerten neuen Meldungen, aber bevor ich Genderama ausfallen lasse, zitiere ich lieber einen aktuellen Artikel des populärwissenschaftlichen Magazins Psychology Today, der sich mit Looksmaxxing beschäftigt – einem Thema, das vor allem für junge Männer eine Rolle spielt und das hier bislang noch nicht behandelt wurde. Über einen unnötigen Seitenhieb gegen die Manosphäre und gegen Incels kann man hinweglesen; ich verlinke hier ständig Beiträge, denen ich nicht zu einhundert Prozent zustimme. (Man kann den Seitenhieb aber auch als weiteren Beleg dafür nehmen, wie schwer sich manche Akademikerinnen damit tun, wenn Männer online über ihre Bewfindlichkeiten sprechen, was offenbar sofort mit Pauschalisierungen kommentiert werden muss.) Der Artikel stammt von einer Professorin und einer weiteren Wissenschaftlerin an der britischen Universität Warwick.



Wir haben bereits darüber geschrieben, dass der Druck, perfekt zu sein, zunehmend auch Männer betrifft – nicht nur Frauen. Jahr für Jahr wächst dieser Druck, und die Ideale, denen junge Männer nacheifern, werden anspruchsvoller und unrealistischer.

In einer aktuellen Studie von Barclays gaben 18 % der Männer an, sie fühlten sich unter Druck, gut auszusehen. Jeder Achte (12 %) hat im vergangenen Jahrzehnt Geld für einen kosmetischen Eingriff ausgegeben. Ebenfalls 18 % sagten, soziale Medien hätten inzwischen größeren Einfluss auf ihre Ausgaben im Bereich Schönheit; dazu passt die Meldung, dass der TikTok-Shop zum zweitgrößten Onlinehändler für Beauty- und Wellnessprodukte im Vereinigten Königreich aufgestiegen ist.

"Looksmaxxing" – ein Begriff, der in Online-Incel-Kreisen geprägt wurde – ist in sozialen Medien viral gegangen, insbesondere unter jungen Männern und Jungen. Er bezeichnet ein Spektrum von Strategien zur Verbesserung des eigenen Aussehens: von einfachen Beauty-Tipps oder "Softmaxxing" wie grundlegender Pflege und "Mewing" bis zu extremen Methoden oder "Hardmaxxing" wie Schönheitsoperationen und sogar "Bonesmashing", bei dem absichtlich auf den Kiefer geschlagen wird, um ihn zu verändern.

Die wachsende Popularität von Looksmaxxing-Videos und Onlineforen zeigt, dass männliche Schönheitsideale klarer umrissen und anspruchsvoller werden. Junge Männer, die diese Ideale anstreben, glauben, muskulös, groß und markant geschnitten sein zu müssen. Entscheidend ist dabei, dass sich angeblich genau messen lässt, wie gut man diesen Vorstellungen entspricht – etwa durch Attraktivitätsskalen, Kieferwinkel oder Proportionen zwischen Gesichtszügen.

Auffällig ist, dass Online-Incel-Gemeinschaften den Begriff "Lookism" übernommen haben, um ihre Kritik daran zu formulieren, wie stark Aussehen in unserer globalisierten Welt wirkt. Oberflächlich deutet das auf ein Bewusstsein hin, dass das eigene Erscheinungsbild viele Chancen beeinflusst – etwa bei Jobs, Freundschaften oder Intimität. Statt diese Erfahrungen jedoch im Rahmen der wachsenden Bedeutung von Äußerlichkeit zu reflektieren, richtet sich der Incel-Diskurs auf Frauen als angebliche "Torhüterinnen" von Schönheit und Begehrtheit. Diese Erzählung fehlt in vielen Looksmaxxing-Diskussionen in sozialen Medien; zugleich weist Krista Fisher darauf hin, dass die Popularität von Looksmaxxing "ein unerfülltes Bedürfnis von Jungen" anspricht. Männer und Jungen haben weniger Räume, um über Körperbild und den erlebten Druck zu sprechen. Looksmaxxing bietet ein Forum, um Gefühle zu teilen, und scheint eine Form von Unterstützung unter Gleichaltrigen bereitzustellen. Bewegungen wie Body Positivity, Body Neutrality oder Self-Care sind nicht frei von Problemen, haben Frauen jedoch Räume eröffnet, um diesen Druck zu thematisieren. Tatsächlich ist es unter Frauen verbreitet, über empfundene oder wahrgenommene Schönheitsmängel zu sprechen – online wie offline. Männer und Jungen hingegen haben ihr Aussehen oder Versagensgefühle in diesem Bereich traditionell seltener mit Gleichaltrigen diskutiert.

Der Aufstieg von Looksmaxxing gibt Anlass zur Sorge – nicht zuletzt wegen seiner Ursprünge in der Incel-Kultur und der sogenannten Manosphere sowie der damit verbundenen frauenfeindlichen Untertöne. Zugleich verweist er auf den wachsenden Perfektionsdruck, dem Männer ausgesetzt sind. Zwar existierten Schönheitsideale in unterschiedlichen Formen schon immer, doch sie waren örtlich begrenzt, galten nicht für alle und wurden nicht als verpflichtend erlebt. Selten wurden Männer und Jungen primär über ihr Aussehen bewertet – weder von anderen noch von sich selbst. Das verändert sich. Männer und Jungen streben unrealistischen Idealen nach, investieren intensiv in ihren Körper, gehen Risiken ein – von Steroidkonsum bis hin zu Operationen – und gewichten Schönheit mitunter höher als andere Werte wie Intelligenz oder Gesundheit. Besonders die Varianten des Looksmaxxing, die auf Proportionen und Symmetrie fokussieren, lassen Attraktivität messbar erscheinen und vermitteln jungen Männern und Jungen, wie gut oder schlecht sie angeblich abschneiden. Der Trend macht deutlich, wie stark der Perfektionsdruck inzwischen auch Männer und Jungen prägt. Zunehmend scheinen sie – wie zuvor viele Frauen – bereit, sehr weit zu gehen, um ein besseres, normgerechteres, perfekteres Gesicht und einen entsprechenden Körper zu erreichen.




Donnerstag, Februar 19, 2026

Junge Männer wenden sich von Donald Trump ab

1. In der ersten Hälfte von Trumps zweiter Amtszeit hat sich der Rückhalt des US-Präsidenten bei jungen Menschen deutlich verringert. Mehrere aktuelle Umfragen zeigen starke Einbußen bei Wählern im Alter von etwa 18 bis 29 Jahren, besonders bei jungen Männern, die ihn 2024 noch stärker unterstützt hatten. Laut einer Befragung von Economist/YouGov sank Trumps Zustimmung in dieser Altersgruppe auf etwa 25 Prozent, während rund 67 Prozent seine Amtsführung ablehnen. Andere Erhebungen signalisieren ähnliche Trends. Gründe für die Abwanderung sind die Einschränkung der Gesundheitsleistungen unter Trump, eine allzu forsche Außenpolitik und eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation, was die jungen Männer bei ihren eigenen Finanzen deutlich zu spüren bekamen. Auch Trumps Vorgehen gegen Zuwanderer wird als überzogen betrachtet.

Ich bin gespannt, ob die Partei der Demokraten ihr letztes Jahr gestartetes Vorhaben, auch Männern zuzuhören, damit erleichtert aufgeben werden.



2. In einer deutschen Langzeitstudie haben Forscher untersucht, wie sich politische Einstellungen von Menschen mit hoher Intelligenz im Erwachsenenalter im Vergleich zu Personen mit durchschnittlicher Intelligenz unterscheiden. Insgesamt zeigten hochintelligente und durchschnittlich intelligente Erwachsene auf einer einfachen Links-Rechts-Skala sehr ähnliche politische Ausrichtungen. Ein Unterschied fiel bei einem Aspekt konservativer Einstellungen auf: Männer mit sehr hohem IQ wiesen niedrigere Werte bei traditionellen, konservativen Überzeugungen auf als Männer mit durchschnittlichem IQ. Dieser Effekt zeigte sich nicht bei Frauen. Die Forscher interpretieren diese Beobachtung dahin gehend, dass kognitive Flexibilität – also die Fähigkeit, komplexe Perspektiven zu verarbeiten – bei hochintelligenten Männern mit einer geringeren Neigung zu stark traditionellen Ansichten einhergehen könnte.



3. Die feministische Publizistin Alice Schwarzer bewertet eine mögliche Bundeskanzlerin Alice Weidel als "ermutigend für Frauen". Über Sahra Wagenknecht, mit der sie sich gegen die Ukraine-Politik der Bundesregierung stellte, sagte Schwarzer auf die Frage, ob sie eine Enttäuschung in Sachen Feminismus sei: "Sie ist keine Enttäuschung, weil ich nichts erwartet habe."



4. Die U.S.-amerikanische Equal Employment Opportunity Commission hat eine Klage gegen eine Vertriebsfirma von Coca-Cola wegen geschlechtsbezogene Diskriminierung eingereicht. Anlass ist eine zweitägige Firmenveranstaltung, zu der nur weibliche Mitarbeiter eingeladen wurden; dort fanden Vernetzungs- und Team-Building-Aktivitäten statt. Die Kommission bezeichnet dies als Verletzung des Rechts auf gleiche Arbeitsbedingungen und erklärt, dass Arbeitnehmer unabhängig vom Geschlecht gleichen Zugang zu firmengesponserten Veranstaltungen haben sollten. Man habe zunächst versucht, den Fall außergerichtlich zu klären, aber keine Einigung herstellen können.



5. Der britische Thronfolger Prinz William hat bei einer Sondersendung der BBC die hohe Zahl der von Männern begangenen Selbstmorden als eine "nationale Katastrophe" bezeichnet. Dies stelle weiterhin eine führende Todesursache dar. Er betonte, dass man mehr über Männergesundheit und mentale Belastungen sprechen müsse, um Betroffene zu unterstützen. Männliche Vorbilder, die offen über psychische Gesundheit reden, könnten das Thema entstigmatisieren. William und seine Stiftung unterstützen Initiativen zur Suizidprävention, darunter ein Netzwerk zur nationalen Verknüpfung von Hilfsangeboten.



6. Die australische Männerrechtlerin Bettina Arndt kritisiert, dass Gerichte in Schottland einseitig ausgelegte Rape-Shield-Gesetze anwenden und dadurch das Recht von Angeklagten auf faire Verfahren verletzen. Insbesondere Männer, die wegen sexueller Gewalt angeklagt werden, würden daran gehindert, ihren Verteidigungsfall vollständig vor einer Jury darzulegen. Die gerichtliche Praxis habe dazu geführt, dass wesentliche Beweise und Fragen der Verteidigung ausgeschlossen werden, weil sie als unzulässig gelten sollen, obwohl sie helfen könnten, den Hergang der Ereignisse zu klären. Arndt verweist hier auf eine Entscheidung des UK Supreme Court, der schottische Gerichte davor gewarnt hat, den Verteidigern zu wenig Raum zu geben und damit die faire Garantie auf einen fairen Prozess nach Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu verletzen. Arndt dehnt ihre Kritik auch auf andere Länder aus (etwa Australien oder Kanada) und argumentiert, dass dort ähnlich strikte Regeln die Verteidigung behindern könnten.



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Mittwoch, Februar 18, 2026

USA im Clinch mit Belgien: Vorgehen gegen Beschneidungen als "antisemitisch" beschimpft

1. Die belgische Justiz hat gegen sechs jüdische Beschneider Anklage erhoben, die eine rituelle Praxis vornahmen, bei der einem männlichen Baby acht Tage nach der Geburt die Vorhaut des Penis abgetrennt wird.

Durchgeführt wird die Prozedur von einem Mohel, also einem eigens dafür ausgebildeten Beschneider. Wenn dieser allerdings kein Arzt ist, ist ihm dieser Eingriff eigentlich untersagt, da es sich um eine Körperverletzung handelt, die ohne Zustimmung des Betroffenen erfolgt. Außerdem umfasst das Ritual, wie es viele orthodoxe Juden pflegen, auch Vorschriften, die laut Gesetz als unhygienisch und gesundheitsgefährdend gelten.


Als Reaktion auf die Anklage warf der amerikanische Botschafter in Brüssel, Bill White, den belgischen Behörden Antisemitismus vor: "Wir schreiben das Jahr 2026, Sie müssen sich dem 21. Jahrhundert anpassen und unseren jüdischen Brüdern und Schwestern in Belgien erlauben, ihre Religionsfreiheit legal auszuüben!" Israel stellte sich hinter diesen Protest.

Belgiens Außenminister bestellte White in sein Ministerium ein und wies solche Unterstellungen zurück. White hingegen beharrte darauf, dass der Fall "sofort eingestellt" werden und das Zulassungsverfahren für Beschneider geändert werden müsse. "Das ist etwas, um das mich auch mein Präsident, meine Regierung und Dutzende von Botschafterkollegen in Belgien gebeten haben, und es ist etwas, das mein moralisches Gewissen von mir verlangt." Als "gläubiger Katholik" werde er immer "für die Religionsfreiheit meiner jüdischen Brüder und Schwestern kämpfen". Erschwerend komme hinzu, so White, dass der belgische Gesundheitsminister "meinen großartigen Präsidenten nicht mag".



2. Die britische Labour-Partei fordert eine schwerere Strafe für Verbrechen, die aus "Frauenfeindlichkeit" verübt werden. Während einfache Körperverletzung bislang mit einer Höchststrafe von sechs Monaten belegt ist, würde die Gesetzesänderung unter diesen Umständen eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren ermöglichen.



3. Eine US-Amerikanerin, die wegen einer Reihe von Morden an Männern, die sie zu sexuellen Zwecken getroffen hatte, in fast 30 Fällen angeklagt war, hat sich vor Gericht schuldig bekannt. Gottseidank standen diese Taten nicht mit Frauenfeindlichkeit in Verbindung; das wäre dann wirklich schlimm.



4. Der Männerforscher James L. Nuzzo hat eine datenbasierte Gegenposition zu gängigen Narrativen internationaler Organisationen (z. B. UN Women) vorgelegt, die Online‑Belästigung primär als Problem für Frauen darstellen. Nuzzo zeigt anhand großer Bevölkerungsumfragen aus den USA und Australien, dass Männer insgesamt häufiger von solchen Übergriffen betroffen sind. Den vorliegenden Erkenntnissen zufolge zeigt sich außerdem eine Differenzierung, was die Art der Belästigung angeht: So werden Männer häufiger Opfer von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen mit körperlicher Gewalt, während Frauen häufiger von sexueller Belästigung sowie sexualisierter oder bildbasierter Gewalt betroffen seien. Keinen Geschlechtsunterschied gebe es beim Stalking. Nuzzo argumentiert, dass Institutionen wie die UN ein einseitiges, weiblich fokussiertes Narrativ verbreiten, das nicht mit den empirischen Daten übereinstimmt, und fordert eine evidenzbasierte, geschlechtsneutrale Betrachtung.



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Dienstag, Februar 17, 2026

Wenn Männer streiken würden

Eine feministische Schnapsidee, die nicht totzukriegen ist, ist ein "weltweiter Frauengeneralstreik", der auch für den kommenden 8. März wieder ausgerufen wird. Keinen dieser bisherigen Streiks hat man bislang aufgrund irgendwelcher Konsequenzen wirklich bemerkt. Aber wie würde es aussehen, wenn sämtliche Männer in den Streik treten würden? Wäre eine Welt ohne Männer wirklich viel schöner, wie so manche Feministin tönt? Wenn anerkannte Verlage wie Rowohlt Bücher wie "Ich hasse Männer" veröffentlichen, müsste eine Welt, aus der sich diese Spezies zurückzieht, doch das reinste Paradies sein? Wie dieser Garten Eden aussehen würde, verrät ein reizvolles Gedankenexperiment aus den USA über einen hypothetischen Generalstreik sämtlicher Männer; die genannten Zahlen dürften hierzulande nicht wesentlich anders sein.



Zunächst einmal würde das gesamte Stromnetz zusammenbrechen. 100% der Betreiber von Kraftwerken, der Verteilnetzbetreiber und der Disponenten sind Männer. Es mag sein, dass es einige Frauen in diesen Berufen gibt, doch selbst wenn, stellen sie nicht einmal 1 % der Gesamtbelegschaft – statistisch betrachtet ist die Belegschaft also vollständig männlich.

91 % der Elektroingenieure des Landes sind Männer. Wenn sie nicht zur Arbeit erscheinen, gibt es niemanden, der die Stromversorgung überwacht und steuert. Selbst wenn für einen Tag irgendeine Automatik (natürlich von Männern entwickelt) einspringt, bleibt zu hoffen, dass nichts schiefgeht. 97,6 % der Monteure und Wartungskräfte für Stromleitungen sind Männer.

Licht aus, meine Damen.

Auch den Wasserhahn brauchen Sie gar nicht erst aufzudrehen. Oder die Toilette zu spülen. 95,5 % der Betreiber von Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen sind Männer.

Vielleicht denken Sie, Sie könnten für den einen Tag, an dem Männer nicht erscheinen, die Stadt verlassen?

Vergessen Sie es.

Flugzeuge fallen aus.

95,9 % der Piloten und Flugingenieure sind Männer. Sollten Sie ein Flugzeug mit einer Pilotin finden, freuen Sie sich nicht zu früh: 98,4 % der Flugzeugmechaniker und Servicetechniker sind Männer. Immerhin können Sie sich Ihres Komforts sicher sein, während Sie in einem Flugzeug ohne Piloten sitzen, das mangels Mechaniker keine Startfreigabe erhalten hat – denn 77,6 % der Flugbegleiter sind Frauen.

Sollten Sie das Glück haben, sowohl eine Pilotin als auch eine Technikerin zu finden, die den Start ermöglicht, bleibt ein weiteres Problem: Statistisch gesehen sind 0 % der Fluglotsen und Spezialisten für Flugfeldbetrieb Frauen.

Das heißt natürlich nicht, dass es überhaupt keine Frauen in der Flugsicherung gibt. Es sind lediglich so wenige, dass sie weniger als 1 % der Belegschaft ausmachen.

Auch Züge fallen aus.

100 % der Lokführer sind Männer, ebenso 100 % der Mitarbeiter, die Bremsen, Signale und Weichen bedienen. 94,4 % der Rangierleiter sind Männer. Selbst wenn Sie auf eine Rangierleiterin träfen, würde das wenig helfen – sie fährt die Züge nicht.

Bei Busfahrern stehen die Chancen etwas besser; dort sind beinahe die Hälfte Frauen.

Doch auf den Straßen herrschte wohl Chaos. Und niemand wäre da, um Ihnen dabei zu helfen.

87,4 % der Streifenpolizisten sind Männer. 96,6 % der Feuerwehrleute sind Männer. 68,8 % der Rettungssanitäter sind Männer. Wenn also alles aus dem Ruder läuft und Sie verletzt werden, besteht immerhin eine gewisse Chance, dass Sie ein Krankenhaus erreichen.

Allzu schwer verletzt sollten Sie allerdings nicht sein: 65,7 % aller Chirurgen sind Männer.

Vielleicht also von zu Hause arbeiten? Im Dunkeln, wohlgemerkt. Ohne fließendes Wasser.

Moment – auch das könnte schwierig werden.

Über alle IT- und Mathematikberufe hinweg sind 74,4 % der Beschäftigten Männer. Netzwerkarchitekten, die unsere digitalen Kommunikationssysteme entwerfen und umsetzen, sind zu 91,9 % Männer. Und 94,2 % der Installateure und Reparaturtechniker für Funk- und Telekommunikationsanlagen sind Männer.

Dieser Plan ist also ebenfalls hinfällig.

Hoffentlich wird es an dem Tag, an dem Männer nicht zur Arbeit erscheinen, weder zu heiß noch zu kalt. Selbst wenn Sie Strom hätten – was nicht der Fall ist – dürfte es schwierig werden, jemanden zu finden, der sich Ihre defekte Klimaanlage oder Heizung ansieht.

98,4 % der Mechaniker und Installateure für Heizungs-, Klima- und Kältetechnik sind Männer.

Nun gut. Vielleicht gehen Sie ins örtliche Café – das ebenfalls keinen Strom hat, aber Logik spielt hier offenbar keine Rolle. Achten Sie darauf, nicht über die wachsenden Müllberge zu stolpern. Denken Sie daran: Die meisten Rettungskräfte sind Männer, und sie haben heute frei. Verletzen sollten Sie sich also besser nicht.

Auch Müllabfuhrkräfte sind überwiegend Männer – 93,4 %, um genau zu sein.

Vorher noch schnell zur Bank, um Bargeld zu holen?

Vergessen Sie es.

Der Automat wurde heute nicht befüllt. 81,5 % der Sicherheitskräfte sind Männer. Und Banken dürften ohne Männer im Dienst ohnehin kaum funktionieren. 72,1 % der Wertpapier-, Rohstoff- und Finanzdienstleistungsberater sind Männer. 72,6 % der Vorstandsvorsitzenden nehmen sich frei, ebenso 70,9 % der Geschäftsführer und Betriebsleiter.

Mit einem Wetterbericht ist heute ebenfalls nicht zu rechnen. Statistisch gesehen sind 0 % der Atmosphären- und Weltraumwissenschaftler Frauen.

Eigentlich sollten Sie heute überhaupt nicht damit rechnen, irgendetwas zu bekommen. In Produktion, Transport und Materialbewegung sind 78,2 % der Beschäftigten Männer. An einem Tag, an dem Männer kollektiv streiken, würde nicht nur kein einziges Gut transportiert – es würde auch keines hergestellt. 82,4 % der Produktionsleiter sind Männer.

Auch nichts würde gebaut oder an Rohstoffen gewonnen – 97,5 % dieser Belegschaft sind Männer.

Nichts würde installiert, gewartet oder repariert – 96,8 % dieser Arbeitskräfte sind Männer.

Wenn Männer kollektiv einen Tag freinehmen würden, gäbe es sofort keinen Strom mehr, keine Kommunikationsmittel, keinen Schutz, kein Wasser, keine Lastwagen, die Lebensmittel und Produkte bringen, die wir als selbstverständlich ansehen – denn diejenigen, die all das bereitstellen, sind Männer.



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