Donnerstag, April 23, 2026

Harald Martenstein: "Gekränkten Männern steht das Zauberwort Sexismus nicht zur Verfügung"

1. In der "Welt" äußert sich Harald Martenstein zu den Sexismus-Vorwürfen gegen Denis Scheck, nachdem dieser die Bücher mehrerer Autorinnen kritisiert hatte. Ein Auszug:

Ein Kritiker, der nie etwas verreißt, hat die Grundlagen seines Jobs nicht kapiert. Er ist ein Richter, sein Geschmack ist sein Gesetzbuch, aber er ist auch ein Entertainer. Wer nur verreißt oder nur lobt, wirkt langweilig.

Eine Autor*in, die mit Verrissen nicht klarkommt, hat ebenfalls die Grundlage ihres Jobs nicht kapiert. Klar, es tut weh. Aber es gehört zum Spiel. Abgerechnet wird sowieso erst zum Schluss. Bücher, die von allen Rezensenten verrissen werden, können beim Publikum sehr erfolgreich sein. Bücher, die von der Kritik einhellig gepriesen wurden, können Ladenhüter sein. Am liebsten hätten alle Autoren beides, Geld und Ruhm. Aber wenn es wenigstens zu einem von beidem reicht, kannste nicht meckern.

Die Frage ist: Wie weit darf man als Kritiker gehen? Und damit sind wir bei Denis Scheck, seiner Büchersendung "Druckfrisch" und dem Beef, den er aktuell mit den Autorinnen Ildikó von Kürthy, Sophie Passmann und Elke Heidenreich hat.

Scheck hat Bücher dieser drei weiblich gelesenen Personen verrissen. Das wird von der feministischen Lobby "sexistisch" genannt, und es wird deshalb sogar seine Entlassung gefordert. Zu Passmann fiel Scheck zum Beispiel ein: "Aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins". Zu Kürthy: "Aus der Schnatterzone der Damentoilette".

Sexistischer als das "revanchistische Samenstaugewinsel", das mir in der "SZ" zuteil wurde, finde ich das eigentlich nicht. Zur Einordnung sollte man außerdem wissen, wie robust Denis Scheck auch über männliche Autoren schreibt, die er für schlecht hält. Sebastian Fitzek: "Ein stupider und voyeuristischer Gewaltporno." Dan Brown: "Ein unglaublich dilettantischer Schmarren."

Mehr davon? Marcel Reich-Ranicki über Nicholas Sparks: "In vergewaltigter Sprache erzählte Schmonzette." Über Günter Grass, immerhin Nobelpreisträger: "Wertlos, langweilig und unlesbar." Zu Elfriede Jelinek: "Ein Geschwätz sondergleichen." Im Falle des Großautors Martin Walser gehörte die Formulierung "ein erbärmliches Buch" sogar noch eher zu den maßvollen und liebenswürdigen Einlassungen Reich-Ranickis.

Beide, Denis Scheck und einst der selige Reich-Ranicki, behandeln Männer und Frauen in Wahrheit exakt gleich. Alles, was Sie für Schrott halten (womöglich zu Unrecht, gewiss), machen sie gnadenlos runter. Alles, was Sie mögen, lobpreisen sie aufs Engagierteste. Da herrscht nicht nur Gleichberechtigung, nein, sogar totale Gleichstellung. Feministischer als Denis Scheck kann man’s nun wirklich nicht machen.

Mir ist nicht ganz klar, worauf die feministische Scheck-Kritik eigentlich hinauswill. Sollen etwa für schreibende Männer und Frauen künftig unterschiedliche Qualitätskriterien gelten? Oder soll über die ach so verletzlichen Frauen in Zukunft grundsätzlich kuschelweicher geschrieben werden als über die harten Männer?


Wenigstens werden wir bislang von Redakteuren verschont, die sich in ihren Artikeln selbst geißeln (und alle anderen Männer mit), weil sie dasselbe Geschlecht haben wie Denis Scheck.



2. Digitale Gewalt: Nach einem Video-Chat ist ein Mann aus Thüringen erpresst worden. Weil er kein Geld zahlte, wurden private Aufnahmen in Sozialen Netzwerken veröffentlicht. Die Polizei ermittelt, mit einer SPIEGEL-Titelgeschichte und einer Miosga-Talkrunde ist nicht zu rechnen.



3. Apropos: Die Legal Tribune (LTO) beschäftigt sich damit, wie Christian Ulmens juristische Chancen gegen den SPIEGEL stehen. Die Argumentation ist ziemlich komplex, selbst wenn ich sie mit den zentralen Passagen auf das Wichtigste herunterbreche:

Wendet man sich der Frage der Erfolgsaussichten von Ulmens gerichtlichem Vorgehen zu, fällt zunächst auf: Im Spiegel-Bericht findet sich – anders als in den erwähnten Medienberichten – nirgends ein offen formulierter Deepfake-Verdacht. Eine Formulierung wie "Hat Ulmen auch Deepfakes versendet oder gar hergestellt?" oder "Unter den von Ulmen versandten Nacktaufnahmen könnten sich auch Deepfakes befinden" sucht man vergeblich.

Doch das schließt eine rechtliche Verantwortung des Spiegels nicht aus. Nach ständiger Rechtsprechung kann ein Verdacht nämlich auch zwischen den Zeilen erweckt werden. Gemeint ist eine verdeckte Aussage, die beim Leser als Eindruck hängen bleibt, ohne ausdrücklich benannt zu sein. Nicht ausreichend ist, dass Leser bloß auf den Gedanken kommen könnten, ein Verdacht bestehe. Erforderlich ist vielmehr, dass sich dieser Verdacht als unabweisliche Schlussfolgerung aus dem Gesamtzusammenhang der Berichterstattung zwingend aufdrängt.

(…) Der Spiegel führt die Szene so ein, dass Ulmen morgens mit Collien Fernandes in einem Hamburger Hotelzimmer im Bett liegt und ein Interview mit ihr liest. Darin berichtet Fernandes, wegen "Fake-Accounts" und "gefälschter Pornos" Anzeige bei der Polizei erstattet zu haben. Es folgt die Schilderung einer sichtlich besorgten Reaktion Ulmens: Er habe daraufhin angefangen, Fragen zu stellen, über Bauchschmerzen geklagt. Kurz danach die Passage: "Später soll er angefangen haben, über die falschen Profile zu sprechen, über die darüber verschickten Fotos und Videos, den Telefonsex. Er müsse ihr etwas beichten, soll er gesagt und dabei am ganzen Körper gezittert haben. 'Ich war das, ich habe das getan', habe er dann erklärt. So erzählt es Fernandes."

Die gerade noch detailreiche persönliche Schilderung bricht nach dem Geständnis abrupt ab. Welche Nachfragen Fernandes zu den verbreiteten Videos stellte, wie die Kommunikation zwischen den beiden in den folgenden Monaten weiterging. Darüber erfährt der Spiegel-Leser nichts mehr. Weder an dieser Stelle noch später im Artikel.

Wie muss nun der Leser dieses Geständnis verstehen? Die Aussage "Ich war das, ich habe das getan" selbst lässt offen, was genau Ulmen getan und gestanden hat. Und es ist ja auch nicht fernliegend, dass Ulmens Geständnis gegenüber Fernandes – wenn es so passiert ist – auch so unkonkret formuliert war. Allerdings entnimmt der Leser dem weiteren Kontext eine Konkretisierung des Geständnisses, die den Deepfake-Verdacht erweckt:

So wird die Strafanzeige wegen Fake-Profilen und "gefälschten Pornos" vom Spiegel als Anlass für Bauschmerzen von Ulmen und Nachfragen bei Collien Fernandes genannt. Der Leser entnimmt dem, dass sich Ulmen Sorgen vor Ermittlungen macht.

Wenn es kurz danach heißt, er habe über die falschen Profile und "über die darüber verschickten Fotos und Videos" gesprochen, drängt sich somit das Verständnis auf, dass Ulmen mit den verschickten Fotos und Videos zumindest auch auf die "gefälschten Pornos" meinte. Beim Leser bleibt somit als Schlussfolgerung hängen, dass Ulmen mit der Formulierung "Ich war das, ich habe das getan" nicht nur die Fake-Accounts, sondern auch die Verbreitung "gefälschter Pornos" einräumt.

(…) Noch deutlicher wird der Eindruck eines Deepfake-Verdachts im weiteren Kontext des Berichts. Der Text verwendet das Wort "gefälschte Pornos" nicht nur mehrfach als Synonym für Deepfakes. Insgesamt wird der Fall Ulmen und die Deepfake-Debatte im Spiegel "so sorgfältig miteinander verwoben, dass ‚Deepfakes‘ als großes Überthema erscheinen", wie es Boris Rosenkranz auf Übermedien treffend resümiert.

(…) Der Mindestbestand an Beweistatsachen für die Verbreitung von Deepfakes könnte angesichts des unstreitigen Verhaltens von Ulmen vorliegen. Ob das allerdings auch für einen möglicherweise vom Spiegel aufgestellten Verdacht der Herstellung von Deepfakes gilt, ist hingegen sehr zweifelhaft. Die Versendung und Erstellung von Material sind sehr unterschiedliche Dinge. Für die Herstellung von Deepfakes durch Ulmen gibt es im Gegensatz zur Versendung von derartigem Bildmaterial keine öffentlich bekannten Anhaltspunkte.

(…) Ausgewogenheit bedeutet vor allem, dass entlastende Umstände offenzulegen sind, also nicht ausgespart oder in den Hintergrund gedrängt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund wäre die Berichterstattung eindeutig unausgewogen, wenn Collien Fernandes dem Spiegel ebenfalls – wie gegenüber Carmen Miosga – gesagt hätte, dass es im Fall Ulmen nicht um KI-Material gehe. Sollte Fernandes dies aber dem Spiegel mitgeteilt haben, hätte der Spiegel diese Information im Artikel nicht weglassen dürfen. Denn wenn Fernandes nicht davon ausgeht, dass Ulmen Deepfakes verschickt hat, würde dies einen erheblichen entlastenden Umstand darstellen.

Doch auch wenn Fernandes dem Spiegel "nur" mitgeteilt hätte, dass sie selbst nicht weiß, ob Ulmen auch Deepfakes von ihr verschickt hat, hätte der Text ein Ausgewogenheitsproblem. Ausgewogenheit bedeutet nämlich auch, eigene Zweifel transparent zu machen und keine Gewissheit zu suggerieren, wo keine ist. Und Zweifel, welches Bildmaterial Ulmen genau versendete, macht der Spiegel eben nicht transparent.

Ein solcher Zweifel ließe sich etwa mit einem Satz ausdrücken wie: "Ob unter dem von Ulmen versandten Videomaterial auch Deepfakes waren, ist unklar." Das wäre journalistisch üblich. Der Text druckst sich aber nicht nur um dieses Eingeständnis, die Art des versendeten Bildmaterials nicht final beurteilen zu können, herum. Im Gegenteil suggeriert die Darstellung nicht nur den Deepfake-Verdacht, sondern auch, dass Ulmen gerade die Verbreitung von Deepfakes gegenüber Collien Fernandes gestanden hätte.

(…) LTO wollte vom Spiegel wissen, warum der Artikel nicht konkretisiert, welches Bild- und Videomaterial Ulmen versendet haben soll und wo Zweifel bestehen. Die Antwort des Verlags fällt karg aus: "Wir haben unserer Berichterstattung nichts hinzuzufügen." Ob das tatsächlich der Fall ist oder im Gegenteil der Spiegel sogar etwas zurücknehmen muss, wird nun das Landgericht Hamburg zu entscheiden haben. Mit einem Beschluss kann nach LTO-Einschätzung gegen Mitte oder Ende der kommenden Woche gerechnet werden.




4. In einem Artikel, der von niemandem beanstandet wird, untersucht der SPIEGEL, warum ostdeutsche Männer früher sterben. Ein Auszug:

Viel Rauchen, jahrelanger übermäßiger Konsum von Alkohol, fehlende Vorsorge – das könnte man auch als Ausdruck von Verzweiflung und Resignation interpretieren. Männer, die ihr Selbstwertgefühl oft stärker aus dem Beruf und dem Marktwert ziehen, verloren oft mehr als ein Einkommen. Das wirkt sich über die Jahrzehnte aus.


Dieselbe Situation, die ostdeutsche Männer in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, erfahren Männer derzeit allerdings in der westlichen Gesellschaft insgesamt. "Genderama berichtet kontinuierlich.)



5. Die Frankfurter Allgemeine beklagt, dass Männer der Generation-Z nicht feministisch genug seien:

Unsere Kolumnistin schämt sich für die Männer ihrer Generation. Sie halten sich für längst aufgeklärt, schaffen es aber noch nicht mal, einer Frau die Tür aufzuhalten.


So beginnt der Artikel, um dann ziemlich schnell hinter einer gnädigen Bezahlschranke zu verschwinden. Nach diesem Anfang habe ich mich allerdings gar nicht erst auf die Suche nach einer vollständig zugänglichen Fassung gemacht. Dazu ist mir meine eigene Lebenszeit dann doch zu wertvoll.



6. An der einzigen Universität Neufundlands sind weiße Männer als Bewerber für Professorenstellen nicht zugelassen.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Moin Herr Hoffmann,

diese Blüte des deutschen Journalismus möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: ein Short des ZDF. Hier kommt Dirk Peglow, der Vorsitzende des Bund Deutscher Kriminalbeamter zu Wort, der Frauen rät keine Beziehungen mehr zu Männern einzugehen, wenn sie sich vor Gewalt schützen wollen.

Das komplette Interview kann man hier sehen, es fängt ab ca. 18:45 an. Es geht hier zunächst nur grundsätzlich um die neue Gewaltstatistik der Polizei. Ist schon komisch, dass man es dort in manchen Teilen des Interviews doch schafft ein wenig zu differenzieren.


Da dieses Interview in den letzten Tagen in den sozialen Medien eine ziemliche Welle machte, schreibt mir dazu ein weiterer Leser (rhetorisch zugespitzt):

Hallo Arne,

was ist hier los? Ich lese überall dass ein Dirk Peglow, Bundesvorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter e.V. (BDK), Frauen "im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik" empfiehlt, "besser keine Beziehung mit einem Mann" einzugehen. (…) Ich gebe jetzt keine Quellen, weil es viele gleichlautende Quellen gibt und du diese sehr leicht finden wirst.

Fairerweise muss man auch sagen, dass er seine Aussage einschränkt: "im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik". Es wäre nötig den ganzen Kontext seiner Aussage zu kennen. Ohne Wissen des Kontexts klingt es für mich einfach nur widerwärtig, wie er sich Frauen und Linken ohne Rücksicht auf das eigene Geschlecht, Familie und Freunden anbiedert.

Hier hilft er dabei, noch die kleinste menschliche Gruppe, die Beziehung zu einem Lebenspartner, zu zerstören, was leider typisch für linke Politik ist. Ich erlebte und erlebe politisch links Tuende (korrekt ausgedrückt und gegendert!) als die besten Helfershelfer von Kapitalisten und Staat, die sich das Volk als schwache handlungsunfähige vom wohlwollenden Kollektiv abhängige Einzelpersonen wünschen.

Ach, übrigens: Peglow ist verheiratet und hat 2 Kinder. Die Frau und die beiden Kinder sind anscheinend in höchster Gefahr. Sollte man ihm nicht besser das SEK auf den Hals hetzen und seine Familie vorsorglich in Sicherheit bringen? Oder hat er als linker Funktionär Sonderprivilegien in Form von Recht auf Ehe oder so? Wasser predigen und Wein trinken?


Wir Linken sind ja nicht alle auf diesem seltsamen Trip, aber es gibt von uns generell viel zu wenig Einwände gegen solche Pauschalisierungen. Dass die "taz" sich zustimmend auf dieses Interview gestürzt hat, war leider absehbar: "Das Risiko Mann" heißt der entsprechende Artikel, der den Geschlechterhass weiter schürt. Der Autorin zufolge spreche der Kriminalbeamte nur das aus, was ohnehin klar sei:

Was ich und fast ausnahmslos all meine heterosexuellen Freundinnen erlebt haben, seitdem sie romantische Beziehungen mit Männern eingehen. Dass sie ein Risiko sind. Dass sie der Seele und dem Körper schaden können, Vertrauen erschüttern, Traumata hinterlassen, die nach der Trennung in zahllosen Therapiestunden mühselig aufgearbeitet werden müssen – insofern man das Glück hat, einen Therapieplatz zu finden.


Das ist nur ein kurzer Auszug aus einer sehr wortreichen Suada über die ach so schlimmen Männer, weil natürlich auch die "taz" zur Front der "Femosphäre" gehört.

Da ein Artikel der Deutschen Welle über das Interview in englischer Sprache erschien, wurden auch Männeraktivisten im Ausland darauf aufmerksam. Einer von ihnen gab in aller nötigen Kürze die gebotene Antwort:

Die neuesten Statistiken aus Deutschland zeigen, dass in den letzten fünf Jahren ein noch höherer Anteil der Männer (6,1 %) als der Frauen (5,2 %) von häuslicher Gewalt betroffen war. Sollen wir uns jetzt also alle gegenseitig meiden?




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Mittwoch, April 22, 2026

"Warum junge Frauen Männer hassen – die Femosphäre hat ihre Herzen verhärtet"

Auf die Titelgeschichte des Londoner "New Statesman" gibt es einen weiteren Beitrag als Reaktion, bei dem sich meines Erachtens eine komplette Veröffentlichung auf deutsch lohnt, gerade weil man von den hiesigen Leitmeiden eine ähnliche Kritik an der "Femosphäre" nicht erwarten darf. (Sie gehören selbst zu einem Großteil der Femosphäre an.) Der Beitrag stammt von der Kolumnistin Poppy Sowerby und erscheint im Magazin "Unherd", das sich der Veröffentlichung in der Debatte oft übersehener Perspektiven verschrieben hat. Es verortet sich in keinem politischen Lager, sondern nennt es seine Mission, Herdenverhalten entgegenzutreten.



Vor einigen Wochen, ganz am Ende eines Drinks unter der Woche, versuchten ein Freund und ich, eine 24-Jährige wieder herunterzuholen. Was zunächst wie gewöhnlicher Liebeskummer wirkte, verwandelte sich innerhalb einer halben Stunde auf der abgewetzten Sitzbank dieser Spelunke in verzweifelte Wut: Das Problem sei, sagte sie, dass sie Männer schlicht hasse. Ausnahmslos alle seien von Grund auf schlecht; jede Frau mit einem Freund bereite sich nur auf den Moment vor, in dem sein wahres, verdorbenes Wesen zum Vorschein komme — vielleicht in einer Woche, vielleicht in 40 Jahren. So oder so werde er einen Weg finden, sie zu zerstören. Glückliche Heterosexualität sei ein Mythos, um uns um Sex und Lebenszeit zu bringen, und wir seien naiv, daran zu glauben.

Die Tirade zog sich zäh dahin: Einen Sohn wolle sie niemals — was zum Teufel sollte sie damit anfangen? — und sie könne es kaum erwarten, eine "schicke Geschiedene" zu sein; ein bemerkenswertes Lebensziel für eine Frau, die gerade einmal eine einzige längere Beziehung hinter sich hatte. Jeder Mann, dem sie begegne, bedeute Schaden, Risiko und seelisches Gift; jeder Typ in einer Bar oder auf Hinge werde sie früher oder später ghosten, betrügen oder seinen Freunden erzählen, sie habe dicke Oberschenkel. Männer wollten nur großbusige Tussis; diese Frauen wiederum seien oberflächliche Trottelinnen ohne das reiche Innenleben von — nun ja — ihr selbst. Ich zählte unsere gemeinsamen männlichen Freunde auf: "Ist er böse?", fragte ich über den leise sprechenden Journalisten, der seiner Verlobten ergeben ist und dessen schlimmste bekannte Schwäche darin besteht, zu großzügig Shots auszugeben. Ihre Antwort: "Noch nicht."

Es war nicht mein erster Abend dieser Art, und die Ansichten dieser Frau waren in meinen Milieus in New York oder London keineswegs ungewöhnlich. Daher überraschten mich auch die ernüchternden Befunde in der fesselnden Titelgeschichte des New Statesman über "Angry Young Women" aus der vergangenen Woche nicht. Der Artikel stützte sich auf eine Umfrage unter 2.000 Britinnen und Briten zwischen 18 und 30 Jahren und zeigte, dass dreimal so viele Frauen wie Männer eine negative Sicht auf das jeweils andere Geschlecht haben (21 % gegenüber 7 %). Sie blickten pessimistischer in ihre Zukunft und hatten eher das Gefühl, dass die Chancen gegen sie stehen. Selbsternannte Feministinnen, die in Uni-Clubs befragt wurden, erklärten mit sichtlicher Genugtuung, sie "könnten mit Männern nichts anfangen" — und würden weder mit einem ausgehen noch mit ihm befreundet sein, wenn er politisch anderer Meinung sei.

Für ältere oder weniger internetaffine Leser mag all das befremdlich wirken: dieses Misstrauen, diese Distanz, diese Hoffnungslosigkeit — so erinnern sich die meisten Menschen nicht an die Höhen und Tiefen des Datings. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschoben: Diese Frauen waren Teenager, als die ersten Wellen von #MeToo durch die sozialen Medien gingen; ihre frühen romantischen Erfahrungen wurden durch Dating-Apps geprägt; die sexuellen Erwartungen ihrer Partner entstanden in einer Welt, in der Hardcore-Pornografie allgegenwärtig ist. Um damit umzugehen, hat sich der weibliche Online-Raum in etwas Düsteres und Zynisches verwandelt. In der Incel-Kultur nennt man totale romantische Resignation "Blackpill": Während die sogenannte Manosphere predigt, Zurückweisung sei aufgrund von Aussehen oder Status unvermeidlich, versetzt ihr weibliches Gegenstück — die "Femosphäre" — ihren Anhängerinnen metaphorische Ohrfeigen und warnt sie vor der Demütigung, die sie erwartet, sollten sie sich mit einem Geschlecht einlassen, das ihnen angeblich zwangsläufig schadet. Diese Gewissheit verbindet die beiden Pole der Femosphäre: die entmutigten Frauen wie meine Bekannte, die "aufgegeben" haben, und die "Dark Feminine"-Influencerinnen, die ihnen stattdessen raten, den vermeintlichen Verfall der Männer zu ihrem Vorteil zu nutzen. Für beide Lager besteht die moderne Männerwelt aus unzähligen Schimpfworten — Fuckboy, Softboy, Finance Bro, DJ, Perverser, Sonderling, Faschist, "zu nett": Die Deutungshoheiten auf TikTok empfehlen, mit Männern, wenn überhaupt, nur zum eigenen Vorteil zu interagieren.

Auf TikTok — dem Schmelztiegel der weiblichen Gen-Z-Kultur — bringen "Dating-Expertinnen" wie SheraSeven ihren Followerinnen zunächst bei, die Schlechtigkeit der Männer zu akzeptieren und dann daraus Kapital zu schlagen. Verführung habe nichts mit Romantik zu tun, sondern mit Macht; Frauen sollten Männer maximal ausnutzen; "wenn er nicht zahlt, spielt er nur". Gefühle solle man niemals offenlegen, sondern bewusst solche "Zielpersonen" auswählen, die innerhalb der ersten 15 Minuten etwas ausgeben — und sich vor allem merken, dass man "Single ist, bis man verheiratet ist". Alle Männer gehen fremd, behauptet Shera; wer das bestreite, solle "sein Leben darauf verwetten und sehen, ob man am Leben bleibt". Dating erscheint hier als Wettlauf nach unten, bei dem Männer am Grund liegen: Wer das System geschickt bespielt, verschafft sich zumindest einen Vorteil. Wenn jungen Frauen beigebracht wird, potenzielle Partner so zu betrachten — ist es dann verwunderlich, dass viele sich ganz aus dem Dating zurückziehen?

Diejenigen, die das tun, finden Trost darin, ihre Niedergeschlagenheit mit anderen zu teilen. Die Femosphäre schließt die lebensspendenden Möglichkeiten der Liebe (300.000 v. Chr. – 2026 n. Chr.) gleichsam ab, um sich selbst zu stabilisieren; gräbt man unter der Oberfläche, findet man den altbekannten Mechanismus der Konkurrenz unter Frauen, der sich von allgemeiner Verzweiflung nährt. Unglück sucht Gesellschaft, und die leise erbarmungslosen Dynamiken, die jeder kennt, der eine reine Mädchenschule besucht hat, setzen sich im Erwachsenenleben fort — durch Klatsch, Spott und Augenverdrehen, sobald jemand Hoffnung zeigt. Sie wird es schon lernen, heißt es dann. Am Ende ist er eben doch ein Mann.

Mit den Philosophien sowohl der "Dark Feminine"-Influencerinnen als auch der verzweifelten Zölibatären, die sich an einer bösartigen Karikatur des anderen Geschlechts abarbeiten, stimmt etwas Grundlegendes nicht. In ihrem radikalen Zynismus (wenn auch nicht in ihrer sexuellen Aggressivität) ist Shera das Spiegelbild von Andrew Tate, einem weiteren Profiteur des schmutzigen Diskurses über Sex. Beide Denkweisen entwerten eine der schönsten menschlichen Fähigkeiten — die romantische Vorstellungskraft. Sie führen Jungen und Mädchen in kalte, neugierlose, selbstschädigende Zukunftsentwürfe ohne Hoffnung oder Zuneigung.

Doch das größte Problem der weiblichen Blackpill ist ihre intellektuelle Unredlichkeit. Die Verbitterung der Incel-Ideologie lebt von plumper Vereinfachung: Feminismus schlecht, Frauen egoistisch, Männer benachteiligt. Diese Logik hält der Realität nicht stand. Zufriedenheit, Attraktivität, romantischer Erfolg — all das verteilt sich quer durch die Bevölkerung, selbst bei Männern ohne markante Kieferlinie. Das Leben ist nicht so ungerecht. Und das gilt auch für junge Frauen, die ebenso wenig zu Einsamkeit oder Entfremdung verurteilt sind wie Incels: Die neue Generation schwarzgepillter "Zoomettes" scheitert vor allem an ihrer eigenen Sichtweise, daran, dass sie ihr eigenes Elend ständig reproduziert. Für eine Generation, die so sehr auf die Einzigartigkeit der Person pocht, sollte es nicht so leicht sein, ein ganzes Geschlecht abzuschreiben; Frauen wurden einst genau auf dieser Grundlage zentrale Rechte verweigert — wir sollten es also besser wissen. Als Kategorie wurde Männern früher erlaubt oder sogar nahegelegt, promiskuitiv, aggressiv und ausbeuterisch zu sein. Mancherorts und in bestimmten Ecken des Internets ist das noch immer so. Doch das verurteilt nicht alle — und schon gar nicht heute.

Die Logik der "Angry Young Women" ist brüchig; solche verzerrten Vorstellungen lassen sich nur aufrechterhalten, wenn man keinen Umgang mit Männern hat. Genau das geschieht jedoch zunehmend, während sich die Geschlechter wie bei einer endlosen Schuldisco voneinander entfernen, kichernd und verlegen, um jedes romantische Risiko zu vermeiden. Frauen, die sich überhaupt auf Dates einlassen, tun dies mit demonstrativer Distanz: Hier in New York trennen sie vorsorglich Sex und Liebe, schicken Männer um zwei Uhr morgens nach Hause, halten ihre Erwartungen minimal und den Finger über dem "Blockieren"-Button wie ein Damoklesschwert. Hoffnung wird von Freundinnen mit Spott quittiert, Trennungen mit schadenfroher Genugtuung. Feminismus wird dabei unverblümt als Ablehnung von Männern missverstanden und als Waffe gegen sie eingesetzt.

Die verführerische Kraft der weiblichen Blackpill liegt in ihrer bequemen Einfachheit: Nicht ich bin fehlerhaft, unsicher oder weniger begehrenswert — vielmehr ist die Welt gegen mich gebaut. Das ist Incel-Selbsttröstung mit Schleife, Blackpill in rosa Lack — und Unsinn. Geh hinaus, und du wirst sehen, dass die Welt kein feindlicher Ort ist — ja, auch ihre Männer nicht. Sex und Liebe bringen naturgemäß ein erhebliches Risiko mit sich; viele Männer können gefährlich sein oder zumindest verletzen. Doch zwischen Wachsamkeit und Resignation liegt ein entscheidender Unterschied — und in genau diesem Zwischenraum könnten die besten Momente deines Lebens liegen.



Dienstag, April 21, 2026

"Der rückschrittliche Feminismus der wütenden jungen Frauen"

Vor ein paar Tagen habe ich hier auf eine Titelgeschichte der linken Londoner Wochenzeitung New Statesman hingeweisen, die berichtete, wie eine radikale "Femosphere" im Internet zu einer wachsenden Radikalisierung und Männerfeindlichkeit junger Frauen führt. Es gibt starke Anzeichen dafür, dass die Situation hierzulande ähnlich ist, während sich die Leitmedien ebenfalls auf Männer eingeschossen haben. Zu dieser Titelgeschichte hat sich jetzt das britische Politik- und Kulturmagazin "The Critic" in einem Beitrag geäußert, den ich hier im Volltext dokumentieren möchte.



Der rückschrittliche Feminismus der wütenden jungen Frauen

Die radikale Avantgarde der Generation Z hat ihr Weltbild auf keinen fortschrittlichen Grundlagen errichtet

Wer geneigt ist, die Sache mit Humor zu betrachten, findet in der faszinierenden neuen Reportage des New Statesman über die Radikalisierung junger Frauen in Großbritannien reichlich ergiebiges Material. Da ist etwa die Influencerin, deren "marxistische" Definition der Arbeiterklasse praktischerweise auch das Bürgertum einschließt; der geschlechtsneutrale Tanz, der schließlich darin mündet, "große, dominante, tiefstimmige Personen" zu Führungspersonen zu machen; das Treffen, geschmückt mit Literatur zur Frauenbefreiung, und als Kontrapunkt dazu der Pole-Dance-Kurs nebenan; die URL mit der bemerkenswerten, etwas verwaisten Unterzeile "Why young women don’t want to date me".

Besonders ins Auge fielen mir jedoch die offenkundigen Widersprüche (ein weiterer Begriff, mit dem sich unsere Influencerin vermutlich vertraut wähnt), die das Weltbild dieser jungen Frauen durchziehen – Widersprüche, auf die die Autoren zwar hinweisen, die sie im Rahmen eines beobachtenden Artikels jedoch nicht eingehender analysieren.

Der erste, der sich durchgehend zeigt, besteht darin, dass viele der interviewten jungen Frauen sich über ihre Empathie definieren, zugleich aber nur eine sehr lückenhafte Fähigkeit zeigen, sich tatsächlich in andere Menschen hineinzuversetzen. Der zweite besteht darin, dass sie diese Haltung auf ein essentialistisches Verständnis der Unterschiede zwischen Männern und Frauen gründen – mit Konsequenzen, die auch für den Feminismus relevant wären. Man betrachte folgende Passage des Artikels:

"Ash bemerkte erstmals, dass Männer die Auswirkungen des Krieges weniger intensiv wahrnahmen, als sie 2024 in den Protestcamps vor der Studentenvertretung lebte. An einem Maiabend griff Israel ein palästinensisches Lager in Tel al-Sultan im südlichen Gazastreifen an. Der Angriff löste ein Feuer aus, das Zelte in Brand setzte und 45 Menschen tötete. Ash erinnerte sich daran, Videos des Angriffs gesehen zu haben und sich kalt und hoffnungslos gefühlt zu haben. Mehrere Frauen begannen offen zu weinen. Die männlichen Studenten hingegen waren damit beschäftigt, die Proteste für den nächsten Tag zu planen. „Ich habe das Gefühl, dass Männer manchmal die Tragweite der Tausenden von Toten nicht wirklich erfassen“, sagte Ash mir. „Männer müssen einen Schritt zurücktreten, um die Situation wirklich zu sehen und sich in die Betroffenen hineinzuversetzen, aber das tun sie nicht. Wenn das System so aufgebaut ist, dass es dir zugutekommt, spielt es keine große Rolle."

Zunächst ist festzuhalten, dass unsere selbsternannte Empathin entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, sich in jene Denk- und Verhaltensweisen hineinzuversetzen, die sie als männlich wahrnimmt; in progressiver Terminologie gelingt es ihr nicht, ihre eigenen Erfahrungen zu dezentrieren. Dies zieht sich als roter Faden durch den gesamten Text, obwohl die meisten – wenn nicht alle – Interviewten offenbar dazu neigen, männliche und weibliche Seinsweisen als angeboren zu betrachten. (Das hindert sie nicht daran, rasch zu urteilen.)

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass "Empathie" nicht mit "Sympathie gleichzusetzen ist: Man muss die Position eines anderen nicht teilen, um sich in ihn hineinzuversetzen. Echte Empathie gegenüber jemandem, mit dem man grundlegend nicht übereinstimmt – insbesondere, wenn man ihn persönlich kennt –, ist in der Regel schwierig und selten angenehm; doch es gibt im Artikel keinerlei Hinweise darauf, dass eine dieser jungen Frauen diesen Versuch tatsächlich unternimmt.

Stattdessen bieten sie reichlich Sympathie, gerichtet auf vergleichsweise entfernte Objekte – am deutlichsten Gaza, aber auch britische Minderheiten. Wenn weiße junge Frauen deutlich häufiger als ihre nicht-weißen Altersgenossinnen der Ansicht sind, dieses Land sei rassistisch, stellt sich die Frage, ob sie sich hier in eine Erfahrung einfühlen, die andere so gar nicht machen – oder ob das imaginierte Gegenüber lediglich als Projektionsfläche für selbstbezogenes Mitgefühl dient.

Dies zeigt sich besonders deutlich im oben zitierten Abschnitt. Ash spricht schließlich von Männern, die bereits an den Protesten teilnehmen; es ist offensichtlich, dass sie sich ausreichend für das Geschehen in Gaza interessieren, um zu erscheinen und aktiv zu werden. Wenn ihnen also ein Mangel an Empathie vorgeworfen wird, dann besteht dieser ausschließlich darin, auf die Nachrichten nicht in der "richtigen" Weise zu reagieren – also nicht "wie die Frauen". Ein Beispiel dafür, wie stark hier die eigene Erfahrung in den Mittelpunkt gerückt wird.

Solche Beobachtungen sind keineswegs neu. Es ist ein Gemeinplatz, dass man unter selbsternannten Empathen besonders häufig auf ausgeprägte Selbstbezogenheit trifft; diese "angry young women" wirken wie die Gen-Z-Variante dessen, was man einst als "Mrs-Jellyby-Linke" bezeichnen konnte. [Gemeint sind Linke, die sich für weit entfernte Probleme engagieren, während sie das eigene Umfeld vernachlässigen. Mrs. Jellyby ist eine Figur von Charles Dickens. – A.H.]

Gerade Ashs Abschnitt verdeutlicht zudem die bemerkenswerten Implikationen – auf die auch der Autor anspielt – der im Kern essentialistischen Geschlechterauffassung, die diese jungen Frauen zu vertreten scheinen. Eine gemischte Gruppe von Menschen erhält schlechte Nachrichten über ein Ereignis, das sie zu verhindern versuchen. In Ashs Darstellung reagieren die Männer mit "Planung der Proteste für den nächsten Tag", die Frauen hingegen mit "Gefühlen von Kälte und Hoffnungslosigkeit" und "offenem Weinen".

So formuliert, liest sich das wie ein ausgesprochen traditionelles Geschlechterklischee, das in einem fiktionalen Kontext schwer zu rechtfertigen wäre. Doch auch wenn es durch die (wenig überzeugende) Implikation, die männlichen Studenten anzuklagen, oberflächlich progressiv erscheint, ist es genau dieses Bild, das uns hier präsentiert wird.

Was im Artikel fehlt, ist jede Reflexion seitens Ash darüber, welche dieser Reaktionen tatsächlich hilfreicher ist – was wiederum auf ein wenig schmeichelhaftes Verständnis des Protests selbst hindeuten könnte. Wenn Protest letztlich ein Akt der Sympathie ist, ein tränenreiches Zeugnisablegen, ein Martyrium am Rande, dann schneiden die männlichen Studenten schlechter ab. Wahrscheinlich sehen sie das anders. (Unsere Empathin liefert hierzu keine Einblicke in die Denkweise ihrer Mitstreiter, sondern lediglich ihre eigenen Gefühle ihnen gegenüber.)

Sollte Ashs Einschätzung zutreffen, dass die unterschiedlichen Reaktionen von Männern und Frauen in ihrer Gruppe auf grundlegende Geschlechterunterschiede zurückzuführen sind, hätte dies auch weiterreichende Konsequenzen – etwa für die Verteilung von Männern und Frauen in Führungspositionen. Solche Fragen scheinen den "angry young women" nicht gestellt worden zu sein; doch erscheint es wenig wahrscheinlich, dass viele der Interviewten solche Schlussfolgerungen akzeptieren würden. Zugleich ist nicht ersichtlich, wie sie diese auf Grundlage ihrer eigenen Prämissen schlüssig zurückweisen könnten.

Diese Spannung ist keineswegs auf die spezielle Form des Feminismus beschränkt, die von radikalisierten jungen Frauen vertreten wird. Die Annahme, dass die Überrepräsentation von Männern in bestimmten angesehenen Bereichen (Naturwissenschaften, Führungspositionen) zwangsläufig das Ergebnis gesellschaftlicher Machtstrukturen sei, lässt sich schwer mit der verbreiteten Ansicht vereinbaren, dass die Überrepräsentation von Frauen in anderen Bereichen (Bildung, durchschnittliche Erwerbsarbeit) schlicht natürliche Begabung widerspiegele. Eine wesentliche Unterschiedlichkeit der Geschlechter – ob groß oder klein – ist ein zweischneidiges Schwert; deshalb neigt der zeitgenössische Feminismus im Allgemeinen dazu, solche Annahmen zu vermeiden.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die radikale Avantgarde der Generation Z ihr Weltbild auf einer derart unprogressiven Grundlage errichtet. Sollte der New Statesman diese "angry young women" erneut aufgreifen, wäre es wünschenswert, wenn er genau dort nachhakt.




Montag, April 20, 2026

Süddeutsche Zeitung titelt: "Der benachteiligte Mann"

1. Es sind weiterhin nicht die Journalisten in den Zeitungsredaktionen, die geschlechterpolitsich wertvolle Artikel schreiben, sondern Stimmen von außen. Zu ihnen gehört der Arzt Werner Bartens, der in der Süddeutschen Zeitung über die Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen schreibt. Natürlich muss er vorher viele Absätze über die Benachteiligung von Frauen vorlegen, um das zu dürfen ("Blutwäsche unterziehen sich zu 60 Prozent Männer und zu 40 Prozent Frauen"), aber irgendwann kommt er zum Punkt:

Unerhörte Frage: Ist womöglich der kranke Mann das wahre Tabu in der Medizin?


Warum ist diese Frage eigentlich "unerhört", also unverschämt oder empörend? Wir leben doch angeblich in einem Patriarchat – da müsste es doch Standard sein, sich zugunsten von Männern äußern zu dürfen?

"Ja, man könnte zur Auffassung kommen, dass Medizin und Forschung an einigen Stellen blinde Flecke gegenüber Männern haben", sagt Stefanie Joos, Versorgungsforscherin am Uniklinikum Tübingen. "Aber man sollte nicht die ,Geschlechtergesundheit‘ gegeneinander ausspielen, sondern Unterschiede in Versorgung und Forschung generell stärker beachten, was Sex und Gender angeht."


Ach guck. Aber wenn Frauen als benachteiligt gelten, geht das "Gegeneinander-Ausspielen" der Geschlechter voll in Ordnung.

Ein weiterer Auszug aus dem Artikel (ich skippe sämtliches Victim-Blaming, das es bei Frauen nicht gäbe.)

Es gibt allerdings Krankheiten, bei denen entsprechen Männer nicht dem Bild, das sich Laien wie Ärzte davon machen, Beispiel Depressionen. (...) "Depressive Störungen sind bei Männern oft anders sichtbar als bei Frauen", sagt Joos. "Sie sind leichter gereizt, ziehen sich zurück, konsumieren mehr Drogen. Zudem reagieren sie eher aggressiv statt klassisch ,trauriger Stimmung‘ zu sein." Deswegen könnten Depressionen bei Männern leicht unerkannt bleiben. Dazu passe, so Joos, dass Männer trotz seltenerer Depressionsdiagnosen häufiger durch Suizid sterben.

"Die Zahl der nicht diagnostizierten Depressionen ist bei Männern deutlich höher", sagt Luck. "Depressionen können bei Männern übersehen werden, weil Wutausbrüche, vermehrter Alkoholkonsum und exzessiver Sport nicht mit mentalen Problemen in Verbindung gebracht werden. Deshalb werden Abklärungen gar nicht erst in Betracht gezogen." Erst seit Kurzem verstehe man Suchterkrankungen als mögliche Ausprägung einer Depression, sagt Ute Seeland. "Alkoholismus mit Antidepressiva zu behandeln, ist vergleichsweise neu."

Hinzu käme, dass ein entsprechendes Verhalten eher dem persönlichen Charakter zugeschrieben oder mit traditionellen Männlichkeitsvorstellungen assoziiert wird. Oder die Männer fallen durchs Diagnose-Raster, weil sie nicht den bekannten Mustern entsprechen.

(...) Das gilt auch für andere Leiden: "Weiblich konnotierte Krankheiten wie Osteoporose werden bei Männern oft nicht erkannt", sagt Luck. "Dies betrifft die medizinische Praxis wie die Selbstdiagnose." Weder Ärzte noch Männer kämen darauf. "Männer haben ein relevantes Frakturrisiko, werden aber oft nicht gescreent", so Allgemeinmedizinerin Joos. "Das Kernproblem sind weniger ,falsche‘ diagnostische Kriterien als zu geringe Aufmerksamkeit." Dabei könnte das Screening von Männern Risikopatienten identifizieren und eine Therapie die Frakturhäufigkeit senken.

Manchmal ist es schwer zu erkennen, wenn sich Symptome überlagern oder einer anderen Krankheit zugeordnet werden. "Die häufigsten Befunde in der Praxis von Allgemeinmedizinern sind Depressionen und Rückenschmerzen", so Seeland. Dabei stecke oft eine Osteoporose dahinter. Erleiden Männer einen Oberschenkelhalsbruch, sei das zu 80 Prozent eine Osteoporose. Doch weil die Krankheit spät erkannt wird und Medikamente teils nur für Frauen zugelassen sind, hätten Männer eine schlechtere Prognose.

Und wie ist es mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, wenn sie an Krebs erkranken? Über Brustkrebs wird viel berichtet, seltener über Prostatakrebs. Die Aufmerksamkeit sowohl der Medizin als auch der Gesellschaft scheint ungleich verteilt zu sein, obwohl beide Tumore ähnlich häufig sind. "Der Eindruck ist berechtigt", sagt Joos, Vorsitzende des Zentrums für Versorgungsforschung und Öffentliches Gesundheitswesen in Tübingen. "Und das, obwohl Prostatakrebs in vielen Ländern der häufigste Tumor der Männer ist." Gleichzeitig zeigten Studien, dass Awareness-Kampagnen für Brustkrebs sichtbarer seien als jene für Prostatakrebs. "Die unterschiedliche Aufmerksamkeit für beide Krebsarten ist also eher ein Problem der Wahrnehmung und Kommunikation als eines Mangels an Forschung", so Joos.

(...) Was aber rückt die Leiden der Männer aus dem Blickfeld, wo doch bereits die unterschiedliche Lebenserwartung so auffällig ist? Frauen werden im Durchschnitt fast fünf Jahre älter als Männer, rein biologisch müsste der Unterschied nur ein bis zwei Jahre betragen. "Das sollte in der Tat ein starkes Warnsignal sein", sagt Stefanie Joos. "Es beweist keine unmittelbare Benachteiligung im Gesundheitssystem, zeigt aber deutlich, dass Männer als Gruppe gesundheitlich schlechter abschneiden und sie die Präventions- und Versorgungsangebote offenbar nicht gleich gut erreichen."

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für die vernachlässigte Männergesundheit. Joos erwähnt Essstörungen, die oft übersehen werden, "weil sich Männer häufiger muskel- und körperorientiert zeigen und weniger dem Bild einer Magersucht entsprechen". Auch männliche Unfruchtbarkeit würde zu wenig beachtet, obwohl der Mann bei unerfülltem Kinderwunsch zur Hälfte der Infertilitätsfälle beiträgt. Frank Luck weist auf weitere blinde Flecken hin, etwa, dass zehn Prozent der Männer im ersten halben Jahr nach der Entbindung ihrer Partnerin eine Depression entwickeln. "Wer hat das auf dem Schirm?", so Luck. "Man muss die Familie als Gesamtsystem betrachten: sind Frauen von einer Wochenbettdepression betroffen, ist das Risiko für Männer höher." Doch von Männern würde in dieser Phase oft erwartet, ihre Frau noch mehr zu unterstützen.

Was also tun gegen Defizite im Bereich der Geschlechtergesundheit? Genauer hinschauen, die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner verbessern – und aufmerksam bleiben. Ute Seeland hatte kürzlich einen Patienten mit typisch weiblichen Symptomen für einen Herzinfarkt: "Er klagte über Schmerzen zwischen den Schulterblättern, der Orthopäde fand nichts. Er hatte seltsame Zahnschmerzen, der Zahnarzt fand nichts. Den Grund für die Magenschmerzen erkannte der Gastroenterologe auch nicht." Die Ärzte-Odyssee ging glimpflich aus. Der Mann konnte rechtzeitig behandelt werden. Es gehe eben generell darum, Systeme, zu erkennen, die aus dem Lot geraten sind, so Seeland – und zwar bei Männern wie bei Frauen.


Werner Bartens habe ich schon in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) zitiert. Das bedeutet leider auch: Ein Vierteljahrhundert lang hat die Schieflage, auf die Bartens aufmerksam macht, außer den bösen Männerrechtlern niemand interessiert.



2. Eine Steirerin stand wegen sexuellen Missbrauchs an ihren Ehemann vor Gericht, nachdem sie die bevorstehende Scheidung nicht akzeptieren wollte, berichtet die Tageszeitung Krone aus Österreich:

Als er aufwachte und sich wehrte, verletzte sie ihn brutal im Genitalbereich, weshalb neben sexuellem Missbrauch einer wehrlosen Person auch Körperverletzung angeklagt wurde. "Egal ob Mann oder Frau, wenn jemand nicht sexuell verkehren will, ist das zu akzeptieren", schloss die Staatsanwältin ihren Eröffnungsvortrag.

Der Verteidiger der Angeklagten betonte, dass für seine Mandantin ihr Märchenschloss zusammenbrach, als die Liebe ihres Lebens nach 20 Jahren Ehe plötzlich von Scheidung sprach. "Sie war hilflos, wehrlos und fragte sich immer wieder nach dem Warum, doch sie bekam keine Antwort." Für die Rangelei im Zimmer des Sohnes übernahm die gelernte Verkäuferin von Beginn an die Verantwortung. "Doch ein sexueller Missbrauch hat so nie stattgefunden", so ihr Anwalt.

"Ich bin noch immer in Schockstarre, was mein Mann mir da antut", erklärte die zweifache Mutter dann dem Richtersenat. "Ich dachte zuerst, das ist so eine Phase, weil er 50 geworden ist. Es brach wirklich eine Welt für mich zusammen." Am Tattag, beteuert sie, wollte sie wirklich nur mit ihm reden. Deswegen habe sie sich zu ihm ins Bett gelegt. "Doch er sagte, ich soll verschwinden und hat mich zum Türstock gedrängt. Da hab’ ich mich natürlich gewehrt."

"Also erfindet ihr Mann den sexuellen Übergriff?", fragt die Richterin noch einmal mit Nachdruck. "Ja", nickt die Angeklagte, "damit hat er schon länger gedroht, dass er mich anzeigt". Bevor die Schilderungen dann aber offenbar noch abenteuerlicher werden, bittet der Verteidiger um eine Pause.

Danach legt die Frau überraschend ein Geständnis ab und zahlt auch gleich das Schmerzensgeld an den Anwalt ihres Mannes. Das dürfte sie vor einer höheren Strafe bewahrt haben. Urteil: ein Jahr auf Bewährung und 1800 Euro unbedingte Geldstrafe plus Weisung zur Therapie.




3. Die britische BBC berichtet über einen anderen Fall:

Ein Teenager-Mädchen und zwei Jungen lockten einen 15-Jährigen in einen Park und stachen wiederholt auf ihn ein – ein Vorfall, der als "der schlimmste Albtraum aller Eltern" beschrieben wurde, wie vor Gericht zu hören war.

Das Mädchen, das zum Zeitpunkt der Tat 15 Jahre alt war, und ihre beiden 16-jährigen Komplizen lockten den Jungen in einen abgelegenen Bereich des Herrington Country Park in Sunderland, wo einer der Jugendlichen elfmal mit einem großen Küchenmesser auf ihn einstach.

Das Opfer sagte vor Gericht aus, er lebe seitdem in Angst, während seine Mutter erklärte, sie habe befürchtet, ihr Sohn sei bei dem "brutalen, sinnlosen Angriff" getötet worden.

Das Mädchen, das versuchten Mord gestanden hatte, wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Jugendhaft verurteilt.


Nennt mich übermäßig skeptisch, aber irgendwie bezweifle ich, dass aus diesem Fall eine Netflix-Serie gemacht wird, die JournalistInnen der verschiedensten Länder hingerissen lobpreisen werden.



4. "Frauenhass online – wie verbreitet sind die gefährlichen Männer-Netzwerke?" hetzt die Märkische Oderzeitung. Eine kurze Cross-Recherche ergibt, dass der Artikel auch in zahlreichen anderen Zeitungen erscheint, etwa dem Schwäbischen Tagblatt, der Neuen Württembergischen Zeitung und so weiter und so fort. Ein Auszug:

Die deutsche Szene überschneide sich teilweise mit rechten Milieus. "Darüber hinaus gibt es auch Akteure, die frauenfeindliche Aussagen islamisch-religiös begründen." Auch Marina Hackenbroch, stellvertretende Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), kennt das Phänomen: "Ich würde die Manosphere weder als bloßes Randphänomen abtun noch so tun, als beträfe sie schon die Mehrheit aller Männer." Der harte ideologische Kern sei ein Minderheitenphänomen. "Problematisch ist aber, dass die Narrative dieser Szene längst nicht mehr nur in abgeschotteten Nischen zirkulieren." Sie wanderten über Plattformen wie TikTok in eine breite männliche Zielgruppe ein, zum Beispiel als Dating-Videos.

Wie betrifft das Jugendliche? Soziale Medien prägen bei neun von zehn Jugendlichen das Weltbild, zeigt eine Studie des Bayerischen Rundfunks. Was die Untersuchung mit 13- bis 18-Jährigen auch herausfand: 42 Prozent der Jungen haben ein Geschlechterbild, das Männern mehr Rechte zugesteht.

Ein Problem liegt in den Algorithmen der Plattformen: Dadurch würden auch Personen, die sich nicht aktiv für solche Inhalte entschieden, mit frauenfeindlichen Aussagen konfrontiert, sagt der Geschlechterforscher Yannik Markhof vom Dissens Institut für Bildung und Forschung.

Wie wirkt sich das aus? Sowohl Markhof als auch Lehrerverband-Präsident Stefan Düll berichten, dass misogyne und queerfeindliche Aussagen in den Schulen zugenommen hätten, Sprachmuster seien erkennbar, Punkte der Influencer würden nachgeplappert. Daraus jedoch einen kausalen Zusammenhang mit steigender Gewalt gegen Frauen zu ziehen, sei "zu unterkomplex", sagt Markhof. Inhalte der Manosphere seien gewaltlegitimierend, "aber Gewalt gegen Frauen zieht sich durch die gesamte Gesellschaft".

(…) Was wären politische Lösungen? Denise Loop, familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, spricht sich für konkrete Initiativen aus, etwa eine Regulierung von Social-Media-Plattformen. Außerdem müsse man langfristige Präventions- und Bildungsprojekte ausbauen. "Wir brauchen dafür Angebote, die Jungs auf Augenhöhe ansprechen." Auch Mechthild Heil, Sprecherin der Frauen der Unionsfraktion, sagt: "Die zunehmende Verbreitung frauenfeindlicher Ideologien in digitalen Räumen ist ein untragbarer Zustand für unsere Gesellschaft." Sie plädiert für ein Zusammenspiel aus Aufklärung und Prävention, mehr Forschung und ein konsequentes Vorgehen gegen digitale Gewalt. Plattformen müssten in Verantwortung genommen werden.




5. "Ist Männerhass gerechtfertigt, schädlich oder vielleicht sogar notwendig?" fragt derweil das Frauenmagazin "Her Campus". In dem Artikel heißt es:

Vor einigen Wochen blieb ich, während ich gedankenverloren durch TikTok scrollte, an einer ungewöhnlichen Bildunterschrift hängen. Das Video, gepostet von einer Frau, die sich schlicht "@LTP823" nennt, trägt die markante Zeile: "Ich bringe meiner fünfjährigen Tochter bei, misandrisch zu sein."

LTP bleibt auf ihrem TikTok-Account halb anonym: Sie nennt lediglich ihre Initialen und beschreibt sich knapp als geschiedene Mutter und Bücherliebhaberin aus Washington, D.C. Misandrie wird gemeinhin als starke Abneigung oder gar Hass gegenüber Männern verstanden; laut Merriam-Webster bedeutet der Begriff schlicht "Männerhass".

Sofort geweckt, wich mein zielloses Scrollen einer konzentrierten Aufmerksamkeit. LTP erklärt, ihre Tochter werde unweigerlich in einer von Männern geprägten Gesellschaft aufwachsen, und sie wolle sie deshalb mit einem "übersteigerten Selbstbewusstsein" ins Leben entlassen.

Bewusst hat LTP für die prägenden Bezugspersonen ihrer Tochter ausschließlich Frauen ausgewählt – ob als Ärztin, Zahnärztin oder in anderen professionellen Rollen.

Bislang scheint das Wirkung zu zeigen. LTP berichtet, ihre Tochter habe sie kürzlich gefragt, ob auch Männer Sänger sein könnten. Ernster fügt sie hinzu, sie wisse, dass die Welt ihre Tochter "kleinmachen" werde – und wolle sicherstellen, dass sie sich das nicht gefallen lasse.

Sie habe ihrer Tochter gesagt, Frauen seien klüger als Männer, trügen eine besondere Kraft in sich und würden gesellschaftlich dennoch seltener ernst genommen, obwohl sie "bessere Führungspersönlichkeiten" seien.

(...) Die Kommentare unter LTPs Beitrag waren überwiegend zustimmend. Eine Frau, die offenbar ähnlich erzieht, schrieb etwa, ihr Sohn gehe davon aus, dass alle Ärzte und Zahnärzte Frauen seien. (…) Einige argumentierten sogar, LTP fördere gar keine Misandrie, sondern betreibe eine notwendige "Gegenkorrektur" in einer beschädigten Gesellschaft.

Wie in Online-Diskussionen üblich, fühlte sich jedoch auch ein kleiner Teil der Zuschauerschaft vom Begriff "Misandrie" provoziert. Eine Person stimmte zwar zu, die Botschaft sei "zu hundert Prozent richtig", merkte jedoch an, Worte hätten Gewicht – Misandrie und Misogynie seien "zwei Seiten derselben hasserfüllten Medaille".

Darauf folgten mehrere scharfe Erwiderungen, von denen eine besonders hervorstach. Ein Nutzer namens "madmax" schrieb: "Misogynie tötet Frauen, Misandrie kränkt Männer. Da besteht ein Unterschied."

(…) Wie einige Kommentierende anmerkten, entwertet es den spezifischen Gebrauch von "Misandrie" bei LTP, wenn man ihn schlicht auf eine Stufe mit Misogynie stellt.

Ich neige dazu, den Begriff Misandrie flexibler zu verstehen.

Zum einen halte ich Misandrie im strengen Wortsinn durchaus für ein berechtigtes Vorurteil (angesichts der Milliarden widerwärtiger Handlungen, die Männer jede Sekunde begehen). Zum anderen kann der Begriff als konzeptioneller Rahmen für feministische Projekte wie das von LTP dienen kann.

Zugleich eröffnet Misandrie als Konzept Frauen die Möglichkeit, ihre – oft negativen – Erfahrungen mit Männern zu teilen. Solche Gespräche können nach meiner Erfahrung ernsthaft, befreiend, mitunter auch humorvoll und wirkungsvoll sein.




6. "Die Femosphere hat eine Generation von Frauen gegen Männer aufgehetzt, aber darum liebe ich sie immer noch" titelt die britische Tageszeitung Independent. Mit "sie" sind die Männer gemeint. In dem Artikel von Charlotte Cripps heißt es:

Männer – tja, ihr habt ein echtes Problem: Junge Frauen halten nicht viel von euch. Einer neuen Umfrage zufolge haben lediglich 35 Prozent der britischen Frauen unter 25 eine positive Sicht auf Männer, und nur 11 Prozent äußern sich sehr positiv.

Bei den unter 30-Jährigen fällt das Bild etwas günstiger aus: Hier bewerten 50 Prozent der Frauen Männer wohlwollend. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass Frauen unter 30 dreimal so häufig eine negative Haltung gegenüber Männern einnehmen wie Frauen über 30. (…) Und während Frauen meinen, die gegenseitige Geringschätzung zwischen den Geschlechtern sei ausgewogen, empfinden sie in Wirklichkeit negativer über Männer als umgekehrt: Laut Umfrage haben 72 Prozent der Männer eine positive Sicht auf junge Frauen.

Das ist eine große Zahl von Frauen, die man als "Männerhasserinnen" bezeichnen könnte – darunter auch viele meiner Freundinnen. Sie geben Männern fortwährend die Schuld für ihr eigenes desaströses Liebesleben oder dafür, dass sie dauerhaft allein sind – ja, für buchstäblich alles. Eine Freundin schrieb mir gestern: "Es macht mich traurig, dass er so ein unangenehmer Mensch ist. Ich hasse es, dass es so viele ‚schlechte Männer‘ gibt – ich arbeite daran, möglichst viele von ihnen loszuwerden." Sekunden später folgte: "Es gibt so viele miserable Männer, die offen sichtbar sind – wir müssen ihnen entgegentreten, Charlotte."

Lasst mich da bitte heraus! Nennt mich keine Männerhasserin – ich liebe Männer. Diese selbstmitleidige "Männer-sind-schrecklich"-Erzählung geht mir auf die Nerven, und ich frage mich, wie wir überhaupt an diesen Punkt gelangt sind.

(…) Ein TikTok-Trend zeigt Frauen, die über die männliche Einsamkeitskrise lachen. Und in der Online-Community "Female Dating Strategy" werden Frauen in rücksichtslosen, nüchtern kalkulierenden Dating-Strategien geschult, mit dem Ziel, einen "hochwertigen Mann" zu gewinnen, der finanziell für sie sorgen kann – unter der Maxime: "Niemals 50/50 beim Date."

So entsteht ein ständiges Tropfen: Männer seien das problematische Geschlecht. Jungen im Schulalter gelten als frauenfeindlich, Lehrkräfte warnen vor einer sich zuspitzenden "Männlichkeitskrise" und machen die Manosphäre dafür verantwortlich. Dass Jungen von klein auf in eine "Männerbox" gedrängt werden, die emotionale Ausdrucksfähigkeit unterdrückt, mache sie nicht nur anfällig für Suizid und Substanzmissbrauch, sondern auch für Ideologien, die Frauen schaden.

(…) Es ist unwahrscheinlich, dass die neuen Befunde bedeuten, junge Männer verdienten diese negative Bewertung im Allgemeinen. Plausibler ist, dass junge Frauen überhöhte Erwartungen an sie haben. Und auch wenn es völlig legitim ist, keine Beziehung eingehen zu wollen, die den eigenen Ansprüchen nicht genügt, scheint die Verantwortung zur Veränderung einseitig den Männern zugeschrieben zu werden.

Das ist eine verzerrte Sichtweise. Sie bürdet Männern enorme Erwartungen auf, die Situation zu korrigieren, ohne eigene Verantwortung zu übernehmen – denn angeblich liegt die Schuld allein bei ihnen. Es ist an der Zeit, das gegenseitige Beschuldigen zu beenden und den Blick auf sich selbst zu richten, bevor wir Männer endgültig verlieren.

Die Antwort ist denkbar einfach: "If you can spot it, you got it." Die Fehler, die wir bei anderen sehen, spiegeln oft unsere eigenen, nicht eingestandenen Schwächen wider. Statt sich in endloser Fehlersuche zu verlieren – einem obsessiven Fixieren auf die Mängel anderer –, sollte man die eigenen Unzulänglichkeiten schonungslos benennen.

Selbstreflexion ist mühsam, doch sie ist der einzige Weg, sich aus einer Opferhaltung zu lösen und nicht länger äußere Umstände verantwortlich zu machen. Zu glauben, Jungen seien ekelhaft und stinkend, wird das Problem ebenso wenig lösen wie die Vorstellung, Männer seien grundsätzlich unzulänglich – hilflos, gefühllos, kalt oder unfähig zu tiefer Bindung; oder faule, inkompetente Väter, die ständig betrunken sind und nicht einmal einfache Aufgaben bewältigen.

Männer enttäuschen Frauen nicht an allen Ecken und Enden – wir enttäuschen uns selbst häufiger. Und wenn wir andere für das verurteilen, was ihnen fehlt, vergessen wir unsere eigenen Unvollkommenheiten.

Wir sollten uns vor der performativen Femosphäre in Acht nehmen. Sie normalisiert Männerfeindlichkeit, radikalisiert junge Frauen und trägt unmittelbar zu einer tiefen Kluft zwischen den Geschlechtern bei. Es ist an der Zeit, das Elend der Männerfeindlichkeit zu beenden – und einen unbeschwerten Sommer zu erleben.




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Freitag, April 17, 2026

"Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist"

1. "Die Welt" hat den Psychologen Ben Hine von der Universität von West-London interviewt, der sich mit Themen wie Eltern-Kind-Entfremdung sowie den geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Männern und Jungen befasst. Ein Auszug:

WELT: Vor wenigen Wochen demonstrierten Tausende Frauen in Hamburg wegen des Falls Collien Fernandes, und das Pelicot-Urteil wirkt noch immer nach. In diesem Klima präsentiert Ihre Arbeit eine Fülle von Statistiken über das Leid von Männern.

Ben Hine: Ich verstehe, warum es Menschen irritiert, mitten in all dem zu sagen: Wir sollten uns auch um Männer kümmern. Aber mein zentrales Argument ist, dass man das, was man gesellschaftlich beobachtet, gar nicht lösen kann, ohne sich damit auseinanderzusetzen, wo Männer herkommen und warum sie am Ende das tun, was sie tun. Männer stellen die große Mehrheit bei Suiziden, Arbeitsunfällen mit Todesfolge, bei Wohnungslosigkeit und in der Gefängnispopulation. Betrachtet man diese Themen losgelöst vom Geschlecht, müssten sie eigentlich ganz selbstverständlich unser Mitgefühl wecken.

WELT: Lange bevor Männer in Statistiken überrepräsentiert sind – sowohl als Opfer als auch als Täter – starten sie ihr Leben als Jungen. Wenn Sie an eine alleinerziehende Mutter mit einem schweigsamen Sohn denken, der nicht klagt, bei dem sie aber spürt, dass er tief in sich unglücklich ist: Was würden Sie ihr sagen wollen, über die Gefühlswelt ihres heranwachsenden Sohnes?

Hine: Er fühlt sich verloren – so würde ich die Lage vieler Jungen im Moment beschreiben. Ich habe selbst einen Sohn, einer der Gründe, weshalb ich so leidenschaftlich für dieses Thema bin. Ich bin Vater eines Jungen, eines Mädchens und eines weiteren Mädchens, das unterwegs ist – ich bekomme also alle Perspektiven ab. Was ich festgestellt habe: Über Jungen statt über Männer zu sprechen, ist oft ein Einstieg in das Gespräch für Menschen, die sonst abschalten würden. Plötzlich ist ihnen das Thema nah – weil es persönlich wird. Wenn ich also mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem Elternteil sprechen würde, würde ich sagen: Ihr Sohn fühlt sich wahrscheinlich sehr verloren, was seine Rolle betrifft. Und ich glaube wirklich nicht, dass Mädchen sich gerade in derselben Lage befinden.

(…) WELT: Was meinen Sie mit einem unausgewogenen Dialog über das Geschlecht?

Hine: Nehmen wir den Ansatz, der in Workshops an britischen Schulen verfolgt wird. Der ist wichtig, konzentriert sich aber fast ausschließlich auf die Erfahrungen von Frauen und Mädchen. Jungen werden lediglich als das Problem behandelt – statt sie auch als Teilnehmer eines Systems zu sehen, das auch sie einschränkt. Wir laden Jungen nicht auf produktive Weise in dieses Gespräch ein.

(…) Wenn Männer immer wieder als das Problem dargestellt werden statt als Menschen, die Probleme haben, werden sie sich in diesem Gespräch nicht zugehörig fühlen. Wenn Jungen aus Workshops über Geschlechterrollen in britischen Schulen kommen, fühlen sich viele von ihnen einfach schlecht. Es gibt keinen produktiven Ausweg, keinen Weg nach vorn. Die Botschaft lautet im Wesentlichen: Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist – versuche, es besser zu machen. Es gibt keine Erzählung darüber, das System zu dekonstruieren, das ihnen ihr Geschlechterbild eingetrichtert hat, und keine Vision davon, wie eine positive männliche Identität tatsächlich aussehen könnte.




2. Es ist ein weltweites Problem. Auch an Australiens Universitäten macht man sich Sorgen um das Geschlechtergefälle:

In den vergangenen Jahrzehnten lag der Schwerpunkt darauf, mehr junge Frauen für ein Hochschulstudium zu gewinnen. Dabei ist es gelungen, eine geschlechtsspezifische Kluft zu schließen – nur um eine andere aufzureißen.

Tausende junge Männer bleiben von der Universität und damit von lebensverändernden Chancen ausgeschlossen: bessere Karrieren, höher bezahlte Jobs und gesellschaftlicher Aufstieg.

Australien steht inzwischen vor einer Generation "verlorener Jungen", da junge Männer nicht nur an den Hochschulen, sondern im gesamten Bildungssystem zurückfallen.

(…) Der Forscher David McCloskey machte bereits im vergangenen Jahr auf diese Ungleichheiten aufmerksam und hob ein zweigleisiges Hochschulsystem hervor, das entlang von Geschlecht und Schulbildung verläuft.

Seine Analyse ergab, dass landesweit ein Drittel der Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren über einen Bachelorabschluss oder einen höheren akademischen Grad verfügt, verglichen mit 46 Prozent – also nahezu der Hälfte – aller Frauen. Die Kluft wächst weiter.

(…) Offenkundig haben sowohl das Geschlecht als auch die besuchte Schule erheblichen Einfluss darauf, ob jemand einen Universitätsabschluss erlangt – und damit die Eintrittskarte zu einem besseren Leben.

Das wirft grundlegende Fragen nach der Fairness unseres Bildungssystems auf. Es bietet nicht jedem Australier die gleichen Chancen, durch harte Arbeit und Bildung seine Lebenssituation zu verbessern.

Zugleich schrillen die Alarmglocken hinsichtlich der Fähigkeit junger Männer, sich in einer rasch wandelnden Welt zu behaupten. Neun von zehn neuen Arbeitsplätzen, die im kommenden Jahrzehnt entstehen, werden eine nachschulische Ausbildung voraussetzen. Das deutet auf eine Generation von Männern hin, die von den besten neuen Jobs ausgeschlossen bleibt – mit wachsenden Risiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn sich immer mehr Menschen von der Gesellschaft zurückgelassen und um eine faire Chance gebracht fühlen.

(…) Es ist gelungen, junge Frauen für die Hochschulen zu gewinnen. Nun ist es an der Zeit, jungen Männern dieselben Chancen zu eröffnen, um aufzuschließen.


Das sagen wir Männerrechtler seit Jahrzehnten. Es ist bemerkenswert: International wird jungen Männern zunehmend die Chance auf eine glückliche Zukunft verbaut. Doch sie leiden still. Gleichzeitig führen sich Frauen auf, als wären sie die Geschundenen dieser Erde und würden von einem dämonischen "Patriarchat" unterdrückt.



3. Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich zu den Sexismusvorwürfen geäußert, die Sophie Passmann, Elke Heidenreich & Co. gegen ihn gerichtet haben:

Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. "Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen", sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. "Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu."


Währenddesen hat sich der deutsche Schriftstellerverband PEN zu den teils unterirdischen Attacken auf Scheck geäußert:

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wenn Autorinnen und Autoren – wie jetzt Sophie Passmann, ebenfalls Mitglied des PEN Berlin, Elke Heidenreich und Ildikó von Kürthy – die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.

Bücher leben von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung. Marcel Reich-Ranicki zerriss einst – it’s legend – auf dem Cover des Spiegel Günter Grass’ Roman "Ein weites Feld" in Fetzen. Das war nicht schön, das war nicht angemessen, das war nicht pädagogisch wertvoll und es war vielleicht nicht einmal gerecht, aber es war eben Literaturkritik. Wir brauchen Orte auch der scharfen Auseinandersetzung darüber, was gut und was schlecht ist. Und an dieser Debatte darf sich jeder beteiligen.

"Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen", sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. "Darum hoffen wir sehr, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen."


Ich habe dem PEN bereits für diese Wortmeldung gedankt, der auch meine Meinungsfreiheit als Autor schützt. Es kann nicht angehen, dass einige wortmächtige Platzhirschinnen ("Platzkühe"?) der deutschen Literaturszene auf derartige Weise gegen unerwünschte Kritik holzen.



4. Die Post. Einer meiner Leser macht mich auf einen Artikel der "taz" über den zukünftigen Vorsitz der Partei Die Linke aufmerksam, nachdem Jan van Aken seinen Rücktritt angekündigt hat. Ein Auszug aus dem Interview, das die "taz" mit dem Parteimitglied Katalin Gennburg dazu führte:

taz: Wie wär’s mit einer weiblichen Doppelspitze?

Gennburg: Davon bin ich grundsätzlich ein großer Fan.

taz: Gibt es in der Linken aktuell mehr geeignete Frauen oder mehr geeignete Männer?

Gennburg: Ach, ich glaube, das hält sich die Waage. Es gibt eigentlich nie mehr geeignete Männer.


Mein Leser schreibt mir dazu:

Es geht einfach nie ohne Abwertung des Männlichen bei den Feministinnen. Sechs Linke-Abgeordnete wurden direkt im Wahlkreis gewählt, haben sich also bei einer individuellen Personenwahl gegen die Konkurrenz durchgesetzt und konnten die Stimmbürger für sich begeistern. Von diesen sechs Abgeordneten der Linken sind fünf Männer. Die Aussage, es gäbe bei ihnen in der Partei nie mehr geeignete Männer als Frauen ist allein durch dieses Beispiel widerlegt und Ausdruck ihres ganz selbstverständlichen Männerhasses.




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Donnerstag, April 16, 2026

Titelgeschichte beleuchtet Radikalisierung junger Frauen

1. Die Londoner Wochenzeitung New Statesman, die als Sprachrohr des linken Spektrums gilt, behandelt in seiner aktuellen Titelgeschichte die feministische Radikalisierung junger Frauen. Nun ist Großbritannien nicht identisch mit Deutschland, uns kulturell aber nah genug, dass es hier Überschneidungen geben dürfte. Wenn das so ist, dann zeigt dies, dass der Fall Fernandes/Ulmen nur ein Funke war, der ein ohnehin schwelendes Feuer zum Auflodern brachte. Ein Auszug aus dem Artikel, der damit beginnt, dass er die TikTok-Influencerin Phoebe O’Brien vorstellt (leuchtend grüne Augen, drei silberne Nasenringe, 80.000 Follower).

O’Briens Inhalte – und die einer wachsenden Zahl linker Influencerinnen – spiegeln in gewisser Weise jene männlicher Influencer. Während die toxische, oft stark rechtsgerichtete Politik der sogenannten Manosphere umfassend dokumentiert ist, zeigt sich die neue Generation weiblicher Influencerinnen ähnlich radikal – nur am anderen Ende des politischen Spektrums. Im Internet haben sich Frauen und Männer noch nie so stark voneinander entfremdet.

Diese Spaltung zeigt sich auch im Alltag. Exklusive Umfragedaten von Merlin Strategy für den New Statesman zeigen, dass junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren in Großbritannien die mit Abstand progressivste Bevölkerungsgruppe sind. Sie stehen dem Kapitalismus deutlich skeptischer gegenüber als junge Männer und glauben wesentlich seltener, dass die Wirtschaft zu ihren Gunsten funktioniert. Zugleich blicken sie deutlich pessimistischer in die Zukunft – sowohl in ihre eigene als auch in die der Gesellschaft. Auch ihre Einstellung zu jungen Männern ist negativer als umgekehrt.

Diese sogenannte "Femosphäre" umfasst unterschiedliche Tonlagen, doch ein Großteil der Inhalte verstärkt die Distanz zu Männern: von misandrischen Dating-Coaches, die Frauen raten, Männer grundsätzlich abzulehnen, bis zu explizit progressiven Content-Creatorinnen, die sich mit globaler und nationaler Politik beschäftigen. Viele der Accounts, mit denen O’Brien interagierte, äußerten sich scharf über Männer. Megan Cooper, eine britische "trauma-informierte ganzheitliche Therapeutin", betreibt den Podcast Higher Love, in dem sie über Gewalt gegen Frauen, "Hypermaskulinität" und ein "Ökosystem künstlich erzeugter männlicher Opferrolle" spricht. Auf Instagram kommentierte sie Konflikte im Iran, in Palästina, Beirut und Sudan. "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit Monaten schmerzen mir die Knochen", schrieb sie im März. "Die Körperlichkeit der weiblichen Wunde." O’Brien teilte auch Beiträge von Frank Riot, einer Künstlerin mit langem, blond gebleichtem Haar. Auf deren Instagram-Seite finden sich Selfies mit "ACAB"-Bandanas und Suffragetten-Abzeichen neben Infografiken über Israels Kriegsverbrechen. "Triff mich bei den Ruinen der Kriegsmaschine", heißt es in einem Beitrag. "Küss mich im Morgengrauen ihres Untergangs."

O’Brien bezeichnet sich selbst eher als Revolutionärin denn als Aktivistin. "Revolutionärin bedeutet für mich: Ich will systemische Veränderung. Ich will nicht innerhalb dieser Systeme existieren, sondern ein Instrument der Revolution sein." Es mache sie körperlich unruhig, Ungerechtigkeit zu sehen und untätig zu bleiben. Vielleicht seien Frauen deshalb häufiger progressiv als Männer, mutmaßte sie – weil sie stärker mit ihren Emotionen und körperlichen Empfindungen verbunden seien. Diese Sicht wirkt essenzialistisch, doch O’Brien sagt, gerade diese Unruhe treibe sie an: "Der einzige Weg, dieses negative Gefühl loszuwerden, ist zu handeln."

(…) Auffällig ist jedoch, dass laut Umfrage gerade privilegiertere Frauen besonders pessimistisch sind. Frauen in Mittelschichtsberufen fühlen sich seltener von der Gesellschaft wertgeschätzt und glauben weniger daran, durch harte Arbeit erfolgreich zu sein als Frauen aus der Arbeiterklasse. Obwohl junge Männer häufiger arbeitslos sind, blicken junge Frauen deutlich skeptischer auf ihre finanzielle Zukunft. Auch sind weiße Frauen eher der Ansicht, dass das Land rassistisch sei, als nicht-weiße Frauen.

Dieser Mangel an Zuversicht überraschte mich. 2015 gründete meine Schule ihre erste feministische AG; wir lasen Caitlin Moran und Naomi Wolf, diskutierten auf Facebook mit Jungen über Begriffe wie intersektionalen Feminismus und strukturellen Rassismus. Themen waren Vergewaltigungskultur, Black Lives Matter, kulturelle Aneignung oder der männliche Blick. Doch seither ist die Desillusionierung gewachsen. Nach der Isolation während der Covid-Pandemie und angesichts der Reaktionen westlicher Regierungen auf den Gaza-Krieg hat sich ein ausgeprägter Pessimismus entwickelt.

(...) Bei einer Performance-Nacht in der Feminist Library in Peckham, die Spenden für Transgender-Projekte sammelte, bestand das Publikum überwiegend aus jungen Frauen. Die Beiträge reichten von Tanz über Improvisation bis zu politisch aufgeladenen Monologen. Eine Besucherin namens Anna erzählte mir von chronischen Schmerzen infolge von Endometriose und davon, wie sehr diese Erfahrung ihr politisches Denken geprägt habe. Sie empfinde Schmerz als grundlegenden Bestandteil weiblicher Existenz. Ihre politischen Ansichten seien radikaler geworden, nachdem sie sich durch bürokratische Verfahren entwürdigt gefühlt habe.

Auch andere Frauen schilderten ähnliche Entwicklungen. Viele verbinden ihre politische Haltung mit persönlichen Erfahrungen von Unsicherheit, Krankheit oder Ungleichbehandlung. Häufig richtet sich ihre Kritik nicht nur gegen einzelne Missstände, sondern gegen umfassendere gesellschaftliche Strukturen.

(…) Auffällig war auch die wachsende Distanz zwischen jungen Frauen und Männern. Viele Frauen lehnten es ab, Männer mit anderen politischen Ansichten zu daten. Einige wollten nicht einmal mit ihnen befreundet sein. Gleichzeitig äußerten sie die Sorge, Männer würden online zunehmend frauenfeindliche Inhalte konsumieren, während sie selbst mit männerkritischen Botschaften konfrontiert seien. Diese wechselseitige Verstärkung verschärft die Kluft.

Die Folgen könnten weitreichend sein. Beziehungen werden schwieriger, Einsamkeit und Frustration nehmen zu. Besonders junge Frauen unter 25 äußern die Überzeugung, dass die Umstände gegen sie arbeiten, unabhängig davon, wie sehr sie sich bemühen.

Alle Frauen, mit denen ich sprach, engagierten sich aus einem tiefen moralischen Antrieb heraus für eine Veränderung der Welt – einer Welt, von der sie glaubten, dass sie sich nicht für sie interessiere. Glück versprach dieses Engagement nicht unbedingt. Doch genau das schien für viele Teil der Haltung zu sein. "Wenn man sich wirklich um andere Menschen kümmert", sagte eine Studentin aus Leeds, "kommt man um einen gewissen Pessimismus nicht herum."




Ein Kommentar, den ich zu diesem Artikel auf Twitter gelesen habe, trifft den Sachverhalt gut: "Frauen waren noch nie so frei, so wohlhabend oder so unabhängig wie heute, sie waren noch nie so sicher, sie haben noch nie so viel Unterstützung und Anerkennung erfahren, sie hatten noch nie so viel Macht und so viele Möglichkeiten – und sie sind stocksauer deswegen."



2. Der Spectator eine konservative britische Wochenzeitschrift für Politik sieht die Dinge natürlich ganz anders als die jungen Damen. Dort pflichtet man dem Schauspieler Chris Eccleston bei, dessen Unmut über die wachsende Männerfeindlichkeit des Fernsehens ich hier gestern zitiert habe.

Um die wenig elegante Terminologie des linksliberalen Diskurses aufzugreifen, ließe sich heute durchaus argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern inzwischen "systemischen" Charakter angenommen haben.

(…) Es liegt nahe, diese beiden Beobachtungen miteinander zu verknüpfen: dass weiße Männer in der Fiktion häufig negativ gezeichnet und im realen Leben gesellschaftlich stigmatisiert werden. Man könnte sogar einen Zusammenhang zwischen beidem vermuten – eine Art sich selbst verstärkender Kreislauf.

Aktuelle Fernsehproduktionen, etwa "Adolescence", sowie Dokumentationen wie jene von Louis Theroux über die sogenannte Manosphere haben dazu beigetragen, die Vorstellung zu festigen, dass nicht bloß einzelne Ausprägungen problematisch sind, sondern Männlichkeit an sich. "Toxische Männlichkeit" wird dabei weniger als Abweichung verstanden, sondern eher als logische Konsequenz männlichen Verhaltens. Eigenschaften wie Stärke, Standhaftigkeit, Selbstständigkeit, Stoizismus und Zurückhaltung gelten nicht länger als positive Tugenden, sondern geraten unter Verdacht, mit Unterdrückung, Aggression und Wut verbunden zu sein. Sie stehen im Kontrast zu einem gesellschaftlichen Ideal, das traditionell eher mit Empathie, Konsens, Zusammenarbeit und emotionaler Offenheit assoziiert wird. In dieser Perspektive wird männliches Verhalten pauschal als problematisch bewertet.

Auch Weißsein wird zunehmend kritisch betrachtet. Der Begriff "Whiteness", geprägt im Umfeld der Critical Race Theory, beschreibt die These, dass rassistische Denkmuster strukturell in westlichen Gesellschaften verankert seien. Eine Sichtweise, die ursprünglich vor allem in akademischen Kontexten verbreitet war, hat inzwischen breitere öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. (…) Überträgt man die zuvor erwähnte Terminologie, ließe sich argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern heute eine strukturelle Dimension erreicht haben. Wer sowohl weiß als auch männlich ist, befindet sich gewissermaßen an der Schnittstelle einer neuen, gesellschaftlich wenig angesehenen Form von "Intersektionalität": Kritik richtet sich sowohl gegen Hautfarbe als auch gegen Geschlecht, häufig mit dem Vorwurf, diese Merkmale gingen zwangsläufig mit Privilegien oder problematischen Einstellungen einher.

(…) Eccleston hat damit – wohl unbeabsichtigt – einen zentralen Punkt getroffen: Wenn Männlichkeit als Krise wahrgenommen wird, könnte dies auch damit zusammenhängen, dass Kultur und Medien kontinuierlich das Bild vermitteln, weiße Männer seien problematisch oder abweichend. Diese Darstellung verstärkt bestehende Narrative, die auch in Bildung und Erziehung weitergegeben werden. So setzt sich ein Kreislauf fort, in dem negative Zuschreibungen immer wieder reproduziert werden.

Ein solcher Kreislauf, so die Schlussfolgerung, müsste durchbrochen werden.


Die einzige Diskriminierung zu Lasten von Weißen, die der Spectator aufbieten kann, ist ein Punk-Festival zum Thema "Dekolonisierung". Das ist sehr dürftig. Die Benachteligungen, die Männer erfahren, füllen hingegen ganze Bücher.



3. Die britische Tageszeitung Telegraph schließlich, ebenfalls im konservativen Spektrum angesiedelt, berichtet, wie Dating für Männer zum Extremsport geworden ist:

Tristan Cressingham hatte nicht erwartet, dass seine siebenmonatige Beziehung auf so spektakuläre Weise enden würde.

Anfang November 2025 erhielt der 23-jährige Fotograf eine Nachricht von seiner damaligen Freundin, in der sie – so berichtet er – ausführlich darlegte, warum sie wieder Single sein wolle und welche Eigenschaften an ihm bei ihr das ausgelöst hätten, was sie als "Ick" bezeichnete.

Seinen Angaben zufolge handelte es sich um eine breit angelegte Kritik, die von der Länge seiner Shorts (offenbar zu kurz) bis zu seiner Neigung reichte, Nachrichten besonders schnell zu beantworten. "Im Grunde meinte sie, ich sei ein bisschen ‚cringe‘", sagt Tristan.

Zur gleichen Zeit ging ein Artikel von Chanté Joseph für die Vogue viral, überschrieben mit "Is Having A Boyfriend Embarrassing Now?". Der im Oktober 2025 veröffentlichte Text kritisierte nicht das Aussehen von Männern, sondern stellte das Konzept heterosexueller Beziehungen insgesamt infrage.

"Zu hören, dass jemand sich im Grunde für dich schämt, ist verletzend – besonders, wenn man dachte, diese Person akzeptiere einen", sagt Tristan. "Und trotzdem wird dieser Begriff inzwischen ziemlich beiläufig benutzt. Es wirkt, als stecke dahinter die Annahme, Männer seien Frauen unterlegen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann mit einem Text Erfolg hätte, in dem behauptet wird, Freundinnen seien peinlich."

Dennoch wurde Josephs Artikel millionenfach gelesen; in sozialen Medien äußerten Frauen sowohl Zustimmung als auch Empörung. Er löste eine weltweite Debatte über den Zustand moderner Beziehungen aus und lenkte die Aufmerksamkeit auf das sogenannte "Heteropessimismus" – ein Begriff des Autors Asa Seresin, der die oft öffentlich geäußerte "Reue, Scham oder Hoffnungslosigkeit" heterosexueller Menschen – insbesondere von Frauen – in Bezug auf Dating und Beziehungen beschreibt.

"Ich glaube, viele von uns zahlen heute den Preis für problematisches männliches Verhalten vergangener Generationen", sagt der 29-jährige Grafikdesigner Josh aus Lancashire. Gemeint seien etwa stereotype Rollenbilder, mangelnde Eigenständigkeit oder die Erwartung, von der Partnerin versorgt zu werden, obwohl diese ebenfalls arbeitet. "Viele junge Männer erwarten das heute vermutlich nicht mehr, aber es gibt eine Menge Inhalte, in denen Frauen von ihren hoffnungslosen Partnern erzählen. Ich verstehe, warum man so jemanden nicht daten möchte. Nicht alle Männer sind so – aber das lässt sich schwer zeigen, wenn man gar nicht erst die Chance bekommt, Frauen kennenzulernen."

Christian, ein 40-jähriger Physiotherapeut aus Surrey, der sich kürzlich scheiden ließ, stimmt zu. "Dating im Jahr 2026 fühlt sich an wie ein Drahtseilakt – ganz anders als vor 20 Jahren, als ich zuletzt Single war. Ich hinterfrage mein Verhalten ständig. Ich will respektvoll wirken, aber nicht langweilig; unterhaltsam sein, aber nicht einfältig; interessiert, aber nicht verzweifelt. Ich möchte eine feste Beziehung, ohne einengend zu wirken. Und ich muss zugleich zeigen, dass ich mit der Manosphere nichts zu tun habe."

(…) Noch nie, so der Eindruck vieler Gesprächspartner, sei es schwieriger gewesen, Single zu sein. Daten des Pew Research Center aus dem Jahr 2020 zeigen, dass die Mehrheit der Singles – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Wohnort – mit ihrem Liebesleben unzufrieden war. Männer nannten häufig Schwierigkeiten, überhaupt jemanden anzusprechen; Frauen berichteten eher, es sei schwer, jemanden zu finden, der den eigenen Erwartungen entsprach.

Neuere Untersuchungen der Manchester Metropolitan University zeigen zudem, dass das Singleleben für Frauen zunehmend positiv und selbstbestimmt dargestellt wird, während alleinstehende Männer sich von negativen Rollenbildern geprägt fühlen – entweder als sorglose Lebemänner oder als sozial isolierte "Incels".

Simon, 51, Datenanalyst aus den West Midlands, berichtet, er habe auf Dating-Apps wie Tinder nur selten Erfolg. "Wenn überhaupt eine Antwort kommt, verläuft das Gespräch ins Leere", sagt er. "Ich habe aufgehört, mich ständig zu fragen, was ich falsch mache. Es wirkt, als würden Männer in meinem Alter pauschal negativ gesehen – als wären wir alle sozial isolierte Kellerbewohner." Früher habe er lange Beziehungen gehabt, doch im digitalen Dating habe sich sein Glück "verflüchtigt". "Ich würde gern jemanden kennenlernen, habe aber keine Ahnung mehr, wie."

Der Psychologe Lee Chambers, Leiter der Organisation Male Allies UK, erklärt, insbesondere die Verlagerung ins Online-Dating habe die Partnersuche stärker zu einem transaktionalen Prozess gemacht. Viele junge Männer hätten das Gefühl, der Aufwand lohne sich nicht mehr.

Ein weiteres Problem sieht er in oft weniger tiefgehenden Freundschaften unter Männern, was Isolation begünstige und sich negativ auf romantische Beziehungen auswirken könne. Zunehmend beobachte er auch ein wachsendes Interesse an KI-Partnern.

(…) Die Dating-Coachin Hayley Quinn betont, dass Schwierigkeiten beim Kennenlernen nichts Neues seien, aber durch Internet und soziale Medien verstärkt würden. Gleichzeitig fördere die Manosphere ein Opferdenken bei Männern, das die Kluft weiter vertiefe.

Zugleich fühlten sich viele Männer sozial eingeschränkt. Eine Studie der University of Toronto aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sie Schwierigkeiten haben, die Erwartungen moderner Männlichkeit in Beziehungen zu erfüllen. Quinn berichtet von verbreiteter "Ansprechangst": Männer fürchten, als aufdringlich zu gelten oder negative Konsequenzen im sozialen Umfeld zu riskieren. Dadurch bleibe oft nur das Online-Dating – mit all seinen Schwierigkeiten.

George, 31, Koch aus Dorset, beschreibt Dating als politisch aufgeladen und verunsichernd. "Ich habe das Gefühl, ich muss mich schon im Vorfeld rechtfertigen – als würde ich für das Verhalten anderer Männer mitverantwortlich gemacht", sagt er. Unterschiedliche Ratschläge aus sozialen Medien verstärkten die Unsicherheit zusätzlich.

Selbst alltägliche Situationen seien kompliziert geworden: Eine Frau habe sich bei einem Date daran gestört, dass er die Getränke bezahlt habe. Auch Höflichkeit könne missverstanden werden. "Frühere Generationen fanden Dating aufregend – für mich fühlt es sich eher unerquicklich an", sagt er.

(…) Ein 18-jähriger Student berichtet, dass er und seine Freunde von ihren Eltern dazu angehalten wurden, bei Partys schriftliche Zustimmung per Nachricht einzuholen – aus Sorge vor möglichen Vorwürfen. "Ich verstehe den Gedanken dahinter", sagt er, "aber es nimmt auch etwas von der Spontaneität."


Also kurz: Frauen schrauben ihre Ansprüche immer höher, während Männer sich bemühen, durch jeden Reifen zu springen, den man ihnen hinhält. Oder aber, sie verweigern sich dem ungleichen Datingmarkt ganz. Dann gelten sie aber als frauenfeindlich und gefährlich.



4. Bis zum 7. Juni muss Deutschland die neue Entgelttransparenzrichtlinie der EU umsetzen. Ein zentrales Element dabei ist, dass Beschäftigte ein stärkeres Auskunftsrecht darüber erhalten, wie ihr eigenes Gehalt im Vergleich zu ähnlichen Stellen aussieht. Sinn der Sache: eine angebliche Gehaltsdiskriminierung von Frauen zu bekämpfen. "Die Zeit" hat den Arbeitsrechtler Adam Sagen dazu interviewt. Ein Auszug:

ZEIT: Sprechen wir mal über die Männer. Auch in Unternehmen mit Gender-Pay-Gap gibt es Männer, die schlechter bezahlt werden als andere Männer, obwohl sie das Gleiche leisten. Für die ist diese Richtlinie nicht gedacht. Kann es trotzdem sein, dass auch sie profitieren?

Sagan: Wenn der Mann feststellt, dass er innerhalb seiner männlichen Vergleichsgruppe zu den unteren zehn Prozent gehört, nützt ihm die Richtlinie gar nichts. Das macht nur schlechte Stimmung. Mit der Richtlinie kommt er nur weiter, wenn er eine Frau findet, die gleichwertige Arbeit macht und dafür besser bezahlt wird. Das kann sich aus einer Auskunft des Unternehmens ergeben, über die wir schon sprachen. Der Auskunftsanspruch gilt natürlich auch für Männer.

ZEIT: Diskriminierung zwischen den Geschlechtern ist also verboten, innerhalb der Geschlechtergruppe aber nicht? Ist das rechtlich nicht fragwürdig?

Sagan: Das europäische Arbeitsrecht gebietet nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Es wendet sich gegen Diskriminierungen wegen des Geschlechts, im Übrigen auch wegen der "Rasse", der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung.




5. In der Stuttgarter Zeitung berichtet Stefanie Unbehauen, wie nach einem eskalierenden Sorgerrechtsstreit der Kontakt zwischen Vater und Tochter abbrach und wie die beiden sich wiederfanden.



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Mittwoch, April 15, 2026

Berliner Zeitung: "Medialer Männerhass: Wie Frauen und Männer gegeneinander ausgespielt werden"

1. In der Berliner Zeitung beschäftigt sich Annekatrin Mücke damit, wie Aktivistinnen den Fall Fernandes/Ulmen dazu nutzen, Hass gegen Männer zu schüren:

Denn, so ihre Schlussfolgerung, Männer seien das Problem, und Frauen ihnen ausgeliefert. Diese müssten deshalb nun zum Gegenschlag ausholen. Das klang dann auf einer Demo in Berlin bei Luisa "Klimaschutz" Neubauer so: "Ich glaube, sehr viele Männer da draußen haben noch längst nicht begriffen, was für ein unglaubliches Glück sie haben, dass wir einfach nur Gleichberechtigung wollen – und keine Vergeltung." Entschuldigung, aber wer ist "wir", und wie war das noch einmal mit Hass und Hetze?

Dieser vorläufige Höhepunkt männerfeindlicher Entgleisungen wird medial ausführlich begleitet und verstärkt, auch auf vorgeblich intellektuellem Wege. 2020 erschien in Frankreich ein Essay, der die zunehmend männerdiskriminierende Debatte in Westeuropa prägte: Pauline Harmanges "Ich hasse Männer". Das Buch, das beim Rowohlt Verlag erschien, versteht sich als Aufforderung zum Umdenken: Frauen sollten Männern prinzipiell misstrauen und ihnen grundsätzlich immer das Schlimmste unterstellen – ein angeblich emanzipatorischer Ansatz, um gegen geschlechtsspezifische Ungleichheiten anzugehen.

Harmange argumentiert, dass Misogynie (Frauenhass) und Misandrie (Männerhass) nicht mit gleichen Ellen gemessen werden könnten, weil frauenhassende Männer aus einer Position der Macht agierten – und ihr Hass sich grundsätzlich durch körperliche Gewalt äußere, während der von Frauen ausgehende Männerhass niemandem schade und den Frauen sogar guttue.

Nun, wer’s glaubt, sollte einen Blick in die Dunkelfeldstudie des BKA vom Februar 2026 werfen, die erste ihrer Art hierzulande, die Männer als Gewaltopfer überhaupt systematisch einbezieht. Die Ergebnisse dürften für manche unbequem sein. Häusliche Gewalt ist kein Problem, das sich sauber entlang von Geschlechtergrenzen aufteilen lässt. Dass das Gewalthilfegesetz Anfang 2025 trotzdem in einer neuen, geschlechtsdiskriminierenden Fassung verabschiedet wurde – kurz vor der Neuwahl, weitgehend unbemerkt –, sagt viel über die politische Ökonomie des Themas aus.

Demnach haben neuerdings nämlich nur Frauen und Kinder einen Anspruch auf Rechtshilfe. Wer Schutz für alle fordert, gilt als Verharmloser. Wer Männer als Opfer benennt, gilt als Antifeminist. Das Ergebnis: Ein Gesetz, das vor dem Grundgesetz kaum Bestand haben dürfte, denn es verstößt klar gegen Artikel 3, der die Gleichheit der Geschlechter garantiert.

Der Schritt von "Ich kritisiere patriarchale Strukturen" hin zu "Alle Männer sind das Problem" löst kein einziges Problem, denn Hass, der sich als Gegenhass rechtfertigt, bleibt Hass. Und er produziert keine Lösungen, sondern wirkliche Opfer – und zwar auf allen Seiten.


Im weiteren Verlauf ihres Artikels fragt Annekatrin Mücke, warum Ideologinnen Väter, die sich gerne um ihre Kinder kümmern möchten, zu Feindbildern erklären:

Die Verdächtigung des Vereins Väteraufbruch für Kinder, rechte, frauenfeindliche Ideologien zu vertreten, ist nur ein Beispiel dafür. Dabei wenden sich auch Mütter dorthin und werden genauso beraten wie Väter, denen der Zugang zu ihren Kindern vom anderen Elternteil erschwert wird.

Die Materie ist kompliziert, natürlich gibt es Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung. Und es ist für Jugendämter und Familiengerichte nicht einfach, einen objektiven Einblick in hochemotionale familiäre Verstrickungen zu bekommen. Doch woher kommt diese explizit väterfeindliche Haltung, vermischt mit der Unterstellung, Teil rechtsextremer und frauenverachtender Netzwerke zu sein?

2023 veröffentlichte das Recherchezentrum Correctiv einen Artikel über "Väterrechtler", der in diese Richtung ging. Report Mainz zog nach. 2025 folgte ein Podcast von SWR und Deutschlandfunk, der eine direkte Linie von Väterrechtsbewegungen bis hin zu Pädophilen zog – und dabei einen Verein wie den Väteraufbruch für Kinder pauschal in diese Nähe rückte.

Journalistisch ist das ein bemerkenswerter Vorgang. Kontaktschuld als Methode: Weil es rechte Netzwerke gibt, die das Thema Väterrechte instrumentalisieren, sollen alle, die sich für das Kontaktrecht von Kindern zu ihren Vätern einsetzen, unter Generalverdacht stehen. Das wäre so, als würde man Kinderschutzorganisationen pauschal verdächtigen, weil Pädophile ebenfalls ein Interesse an Kindern haben.

(…) Statt sachlich über die wirklich vielfältigen Aspekte zu diskutieren, werden ideologische Keulen geschwungen, Verdächtigungen auf der Basis von Kontaktschuld ausgesprochen und fragwürdige Assoziationsketten aufgefädelt.

Genau diese Methode beschreibt auch der MANNdat e.V. in einem Leserbrief an die FAZ vom Januar 2026. Der Autor erkennt in der Berichterstattung ein systematisches, misandrisches Herangehen und kritisiert eine "konsequente Ausblendung männlicher Realitäten zugunsten eines ideologischen Feminismus". Bezeichnend ist für ihn ein Ukraine-Artikel: Während dort täglich Hunderte Männer auf dem Schlachtfeld sterben oder verstümmelt werden, interessiert sich die Redaktion für das Thema "Posttraumatisches Belastungssyndrom" (PTBS) nur in Bezug auf Frauen. Männer als Leidende kommen schlicht nicht vor.


Annekatrin Mücke gelangt zu dem Fazit, dass ausgerechnet viele Feministinnen hier eine Linie fahren, gegen die sie eigentlich einmal antreten wollten: die sexistische und diskriminierende Gleichsetzung eines Einzelnen mit einer Gruppe, die er angeblich repräsentiert. Zu einer besseren Gesellschaft führe das nicht.



2. Brandbeschleuniger bei der aktuellen Brunst an Männerhass spielte auch eine Titelgeschichte des SPIEGEL über Vorwürfe gegen Christian Ulmen. In einem Artikel von vor zwei Wochen, der jetzt erst auch für Nicht-Abonnenten zugänglich ist, zerpflückt das Online-Magazin "Übermedien" die irreführende Berichterstattung des Magazins:

Collien Fernandes präzisiert, es gehe bei den Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen nicht um KI-generierte "Deepfakes". Dabei wirkte bisher alles so. Was vor allem daran liegt, wie der "Spiegel" Fernandes‘ persönliche Geschichte erzählt hat. Ungenaues Framing aber schadet der notwendigen Diskussion über digitale Gewalt und tatsächliche Deepfakes.


Hier geht es weiter.



3. Natürlich ist der von Leitmedien geschürte Hass gegen Männer ein internationales Problem. Der Schauspieler Christopher Eccleston ("Dr. Who") kritisiert, dass woke TV-Bosse weiße Männer mittleren Alters zu "toxischen Schurken" machen:

"Mit dem Niedergang einer ausgeprägten Autorenkultur hin zu einem Schreiben, das mitunter an Arbeit im Komitee erinnert, habe ich Geschichten darüber gehört, welcheidiotischen – und bisweilen geradezu gehässigen – Annahmen heute über die Intelligenz des Publikums kursieren. Viele in der Fernsehbranche halten ihr Publikum für dumm."

Zugleich sagte Eccleston: "Männlichkeit steckt in einer Krise, und es sind offenbar besonders weiße Jungen aus der Arbeiterklasse, die vernachlässigt werden – von Regierungen im Stich gelassen und von der extremen Rechten vereinnahmt. Als jemand, der selbst aus der weißen Arbeiterklasse stammt, versuche ich, wenn möglich, einige dieser Aspekte aufzugreifen. Männlichkeit sollte nicht davon abhängen, dass jemand andere Menschen unterdrückt."




4. Das Wall Street Journal beschäftigt sich mit einer Reihe von TV-Serien, die Männer als von der Welt überfordert darstellen: "Die neuen Regeln für männliches Verhalten treiben diese Fernsehmänner offenbar in den Wahnsinn. Vielen Männern im wirklichen Leben scheint es nicht viel besser zu gehen."



5. Einer aktuellen Schlagzeile der "Zeit" gelingt es, noch weiter zuzuspitzen: "Die Männer sind das Problem der Demokratie".



6. Die Kyiv Post berichtet über das Spitzentreffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj:

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Berlin werde die Zahl der ukrainischen Männer, die Asyl beantragen, begrenzen und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag, dem 14. April, sagte Merz, Berlin werde in dieser Frage eng mit Kiew zusammenarbeiten.

"Wir werden [mit der Ukraine] eng in Fragen zusammenarbeiten, die ukrainische Staatsbürger betreffen, die in unserem Land Asyl beantragt haben, und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern", sagte er.

Merz fügte hinzu, dass Berlin und Kiew bei der Begrenzung der Zahl ukrainischer Männer, die in Deutschland Asyl suchen, zusammenarbeiten würden.

"Es ist äußerst wichtig, dass diese Männer vor Ort sind und ihrem Land helfen", fügte er hinzu.

Selenskyj sagte, die ukrainischen und deutschen Behörden sollten sich mit dem Problem der Männer befassen, die die Ukraine illegal verlassen.

"Was junge Menschen im Ausland angeht, so ist das etwas anderes. Ich stimme Ihnen zu, was diejenigen im wehrpflichtigen Alter betrifft, die vorübergehend ins Ausland gegangen sind, aber schließlich jahrelang geblieben sind, sowie diejenigen, die unter Verstoß gegen das Gesetz ausgereist sind – unsere zuständigen Behörden in beiden Ländern sollten sich mit diesem Thema befassen", sagte Selenskyj.

Er fügte hinzu, dass die Streitkräfte der Ukraine (AFU) die Rückkehr dieser Männer begrüßen würden, da Soldaten eine Rotation benötigen.

"Unsere AFU möchte, dass sie zurückkehren, weil es um Gerechtigkeit geht. Unsere Leute an der Front brauchen Ablösung. Auch wenn unsere Soldaten aus Eisen sind, haben sie Familien. Jeder Bürger muss Verantwortung übernehmen", sagte er.




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