Evolutionspsychologin: "Feminismus ist eine verdeckte Wettbewerbstrategie unter Frauen"
1. Die Züricher Psychiaterin und kognitive Verhaltenstherapeutin Dr. Hannah Spier hat vor einigen Tagen die australische Evolutionspsychologin Dr. Dani Sulikowski interviewt. Die evolutionäre Psychologie vertritt die Auffassung, dass Menschen oft nicht aus den Gründen handeln, die sie bewusst vorschieben. Vielmehr laufen biologisch verankerte Programme ab, die der bewussten Wahrnehmung entzogen sind. Sulikowski vertritt in dem Gespräch die These, dass Feminismus als eine Form der verdeckten intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen verstanden werden kann, die evolutionär darauf abzielt, die reproduktive Fitness von Rivalinnen zu sabotieren, so dass deren Fortpflanzungserfolg sinkt.
Das sind die Kernpunkte des Interviews:
* Feminismus attackiert Sulikowski zufolge systematisch sichtbare, physische Signale weiblichen Paarungswertes. Das Streben nach Attraktivität werde dämonisiert, während Bewegungen wie die "Body Positivity" teils ungesunde körperliche Zustände wie Fettleibigkeit feiern, um Schönheitsideale zu untergraben. Dabei vertritt Sulikowski die Ansicht, dass der Feminismus nicht erst nachträglich von Konkurrenzmotiven gekapert wurde, sondern von Beginn an eine unbewusste Strategie zur Sabotage von Rivalinnen unter dem Deckmantel einer sozial akzeptierten Erzählung war. Historisch habe sich der Feminismus nie primär für die Anliegen der Mehrheit der Frauen – wie Mutterschaft oder die Rolle der Hausfrau – interessiert.
* Ein Teil dieser Strategie ist die Dämonisierung von männlichen Tugenden: Die Ideologie richte sich gegen Eigenschaften wie Stärke, Kompetenz und Versorgerqualitäten. Dadurch werden Frauen dazu gebracht, die Männer zu verschmähen oder ihnen zu misstrauen, die eigentlich hervorragende Ehemänner und Väter wären. Dies führe zu unvorteilhaften Partnerentscheidungen und einer sinkenden Geburtenrate. Ähnliche rhetorische Muster – wie die Abwertung von Ehe und Mutterschaft sowie die Feindseligkeit gegenüber Männern – lassen sich laut Sulikowski bereits in der Spätphase des Römischen Reiches beobachten, als die dortigen Geburtenraten drastisch einbrachen.
* Sulikowski widerspricht der Theorie der rein selbstzerstörerischen Empathie ("suicidal empathy"). Stattdessen handele es sich um ein manipulatives, oft unbewusstes Signalisieren von moralischer Überlegenheit ("homicidal empathy" / "homicidal virtue signaling"). Ziel dieses extremen Verhaltens in der Öffentlichkeit (wie auf Social Media) sei es, Standards zu setzen, denen andere Frauen folgen sollen. Wenn Rivalinnen diese schädlichen Ratschläge oder Ideologien annehmen und dadurch ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit oder die ihrer Kinder einschränken, verschaffen sich die signalisierenden Linien einen relativen evolutionären Vorteil, selbst wenn die Gesamtebene der Bevölkerung schrumpft.
* Ein Zurückdrehen oder "Deprogrammieren" dieser Dynamiken hält Sulikowski für logistisch und praktisch kaum machbar. Die geschilderten Verhaltensweisen verschieben die Umweltbedingungen immer weiter in eine progressive Richtung, was wiederum das Verhalten weiter verstärkt. Während andere Theoretiker wie Ed Dutton vermuten, dass nach einem Zusammenbruch die gesündere genetische Basis überlebt, befürchtet Sulikowski, dass gerade die treibenden Linien dieser Konkurrenzstrategien den Zusammenbruch überstehen, um in einer neuen Zivilisation den Zyklus von vorn zu beginnen.
Ich sehe diese Thesen eher nicht als zukünftigen Lernstoff im Fach Genderstudien.
2. In der Frankfurter Allgemeinen feiert Maja Goertz unter der Überschrift "weibliche Aggression" die Wut von Frauen:
Female Rage ist eine politische Wut, die sich auf geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten und strukturelle Benachteiligung von Frauen bezieht. Auf Social Media teilen zahlreiche Frauen unter dem Hashtag #femalerage ihre Gründe, wütend zu sein: Sie reichen von der hohen Zahl an Femiziden über den Gender-Pay-Gap zu ungleich verteilter Care-Arbeit. Paris Palomas Song "Labour", der sich um Letzteres dreht, ist online zur Hymne der Female Rage geworden. Auch in der Buchbranche ist das Thema präsent. Der Roman "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl erzählt von dem Gefühl, wenn die Wut piekst und sticht und nicht mehr ignoriert werden kann; die Autorin Tara-Louise Wittwer führt in ihrem neuesten Buch "Nemesis’ Töchter" die antike Göttin als Missverstandene ein: Nemesis habe nicht nur Rache gewollt, sondern ausgleichende Gerechtigkeit und sei deshalb eigentlich ein Vorbild für Female Rage.
Die FAZ tut so, als sei diese Wut bei Frauen verboten, aber bei Männern erlaubt. Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus. Bücher wie Angry White Men haben dazu beigetragen, dass politische Wut, wenn sie von Männern geäußert wird, vor allem als irrational und als Bedrohung wahrgenommen wird. Auch in unseren Leitmedien gilt diese Wut nicht als Auslöser wichtiger gesellschaftlicher Veränderungen, sondern wird als Teil einer "Krise der Männlichkeit" und Einfallstor für Rechtspopulismus oder Antidemokratie geframet. Oft wird Wut auch zu "Hass" umgemünzt und von einem "hohen Gewaltpotenzial" geraunt, was sich bezeichnenderweise nie bewahrheitet hat.
Wenn Wut nicht erklärtermaßen von links kommt, gilt sie in unseren Leitmedien allerdings generell als verdächtig. Ein Beispiel aus der "Zeit":
Wohin man blickt: Die Wut wächst. Und die politischen Kräfte, die von ihr zehren, wachsen mit. Ob die AfD in Deutschland, Donald Trump in den USA oder die Rechtspopulisten in Frankreich – sie alle leben auch von der Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik. (…) "Ich war in den vergangenen Monaten in Thüringen unterwegs. Das Ausmaß der Wut gegen 'die da oben' hat mich erschreckt, dieser Hass auf demokratische Politiker und Institutionen", schreibt der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) in der Zeitschrift Publik Forum über das Bundesland, in dem er aufgewachsen ist.
Wenn Wut allerdings von Frauen und Feministinnen ausgeht, erscheint sie als notwendig, angebracht und vor allem harmlos.
3. Die Post. Einer meiner Leser hat ebenfalls etwas zum Thema "weibliche Aggression" zu sagen:
Guten Morgen Herr Hoffmann,
da Sie gestern Österreich verlinkten, hier ein weiterer Fall aus der beliebten Kategorie "Frauen und Mädchen bilden das friedlichere Geschlecht":
--- "Wie kommt man als unbescholtene junge Frau dazu, einer Knienden ins Gesicht zu treten?", fragt Daniela Zwangsleitner, die Vorsitzende des Schöffensenats, die 15-jährige Erstangeklagte fast verzweifelt. Erklärung erhält sie keine. Dafür hat ihr die bei ihrer Familie in Rudolfsheim-Fünfhaus lebende Jugendliche davor erklärt, warum sie die Schule kaum besucht: "Ich habe es nicht geschafft, in der Früh aufzustehen." – "Wann müssen Sie jetzt aufstehen?", will Zwangsleitner von der seit knapp zwei Monaten in Untersuchungshaft sitzenden Teenagerin wissen. "Um 6 Uhr."
(…) Der schwerste Anklagepunkt gegen das Trio ist jener der versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung. Die Österreicherinnen sollen am 28. März eine etwa Gleichaltrige in die Tiefgarage des Einkaufscenters Millennium City gelockt habe. Dort schlug und trat die Erstangeklagte auf das Opfer, eine junge Afghanin, ein. Die Zweitangeklagte schlug ihr mit einer Glasflasche auf den Kopf, als die Verletzte sich losreißen konnte, verfolgte sie die "Gegnerin" dutzende Meter und drosch immer weiter gegen den Schädel. Die Drittangeklagte filmte die Szenerie.
Das Motiv? Zuvor sei man in der "Raucherlounge" des Gebäudes auf das Opfer getroffen, im Gespräch soll sie laut Angeklagten behauptet haben, vom Ex-Freund der 14-Jährigen vergewaltigt worden zu sein. "Ich war einfach zornig und böse, dass sie das behauptet", erinnert sich die Zweitangeklagte. "Ich kannte ihn, der würde das nicht machen!", ist sie überzeugt. Also lockten die Jugendlichen die "Kontrahentin" mit dem Versprechen des Marihuanakonsums in die Garage, wo sie sie attackierten und ihr zum Glück nur eine Platzwunde und Prellungen zufügten.
(…) Besonders die 14-Jährige scheint hier ein Risiko zu sein. Bereits im April wurde sie zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt, da sie am 12. März einem Burschen mehrmals ins Gesicht geschlagen hatte. Auf Aufforderung einer "Freundin", die den Angriff filmte, nachdem sie ihn über die Whatsapp-Gruppe "Der Adam gehört geklatscht" organisiert hatte. ---
Interessanter Chat-Name übrigens. Als kleine interdisziplinäre Aufgabe: Wie viele empörte feministische Kolumnen genau hätte eine von Jungen organisierte Whatsapp-Gruppe mit dem Namen "Die Leonie gehört geklatscht" ausgelöst? Und wie viele Debatten zur Rolle von "Incel-Foren" bzw. "der Manosphäre" bei Herausbildung von "toxischer Maskulinität" und "Gewaltaffinität" bei männlichen Heranwachsenden?
Dann zum Urteil:
--- Die rechtskräftigen Strafen: Die Erstangeklagte erhält 13 Monate, einen davon unbedingt. Die Zweitangeklagte bekommt eine Zusatzstrafe von 15 Monaten, insgesamt also 18 Monate, einen unbedingt. Bei der Drittangeklagten geht das Gericht davon aus, dass ein Schuldspruch unter Vorbehalt der Strafe ausreicht. ---
Ob Burschen auch so glimpflich davon gekommen wären?
Die vorsitzende Richterin steuert auf jeden Fall noch diesen fachkundigen Hinweis bei:
--- "Das haben wir eigentlich selten hier bei Frauen, dass die dann so brutal Rache nehmen", merkt die Vorsitzende dazu an. "Leider entwickeln sich manchmal Mädchencliquen, wo es doch passiert. Von denen die meisten Mitglieder wiederkommen", spricht Zwangsleitner aus Erfahrung und hofft, dass die Reue-Beteuerungen der drei Angeklagten ernst gemeint sind. ---
Vielleicht sollte man ihr einen Link zu Genderama oder den Feministischen Irrtümern schicken? Ah ne, lieber nicht, wäre ja "Mansplaining"…
Auch in Niedersachsen geht es voran mit weiblicher Wut. Dort gab es gestern an einer Berufsbildenden Schule einen größeren Einsatz der Feuerwehr. Der Polizei zufolge hatte eine 16-Jährige Pfefferspray gegen eine Gleichaltrige in den Toilettenräumen eingesetzt. Die Jugendlichen hätten sich dort ursprünglich getroffen, um einen Streit zu klären. Dann soll aber die eine Schülerin die andere körperlich angegriffen haben, woraufhin sich diese mit dem Pfefferspray gewehrt haben soll. Drei Schülerinnen sowie eine Schulassistentin seien dabei leicht verletzt worden. Die Schülerinnen kamen vorsorglich ins Krankenhaus.
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