Gender-Ratgeber: "Sag nicht 'Vater", sag 'Elternteil""
1. Die Frankfurter Allgemeine stellt einen Genderratgeber für Juristen vor, der eine "diskriminierende Sprache" bekämpfen soll. Darin heißt es unter anderem:
Für den Begriff "Vater", den wir bislang für unproblematisch hielten, heißt es bei der "Initiative offene Rechtswissenschaft", es komme für seine Verwendung auf die Kontextsensibilität an. "Für Menschen kann es wichtig sein, sich als ‚Vater‘ zu bezeichnen, bspw. für trans*Männer. Möchte eine Person deshalb als ‚Vater‘ bezeichnet werden, ist dies auch zu respektieren."
Aha! Da braucht es bei der Abfassung einer Dissertation im Familienrecht neben der eigentlichen dogmatischen Darlegung noch einiger empirischer Untersuchungen. Zudem fragt die Initiative: "Kommt es auf die rechtliche Zuordnung als ‚Mutter‘, ‚Vater‘ oder nach der ausstehenden Reform des Familienrechts womöglich eher auf die Kategorie ‚Elternteil‘ an?" Nun, wer weiß das schon?
Es geht munter weiter. Der "Verfassungsgeber" wird zu: "Verfassungsgebende Gewalt", der "V-Mann" zur "V-Person", der "Täter" zur "Täterschaft", die "Ausländerbehörde" zum "Welcome Center"; für "Terrorist" und "Extremist" gibt es keine Gendervorschläge; aus "mankind" wird "humankind", aus "boyfriend/girlfriend" ein "romantic partner".
2. "Männer haben unter patriarchalen Strukturen unglaublich gelitten" erklärt der explizit feministische Zukunftsforscher Tristan Horx. Vielleicht sollte man dann aufhören, ideologisch aufgeladene Begriffe wie "Patriarchat" zu verwenden, die so klingen, als hätten sich die Männer einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens erschlichen, um Frauen schuften und leiden zu lassen. So wie viele Feministen und Feministinnen hat Horx ein neues Buch über Männer geschrieben, und weil er so erwünscht feministisch ist, darf er es in den Leitmedien bewerben.
Immerhin gibt es Entwicklungen, die auch diesem feministischen Mann nicht entgehen:
Es gibt allerdings ein Lager im gegenwärtigen Feminismus, das mich wahrscheinlich nicht dazuzählen würde. Dort entsteht manchmal genau das Bild, das dem Feminismus von seinen Gegnern immer unterstellt wurde: dass er keine Gleichstellungsbewegung mehr sei, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen akzeptiert und den ältesten Vertrag der Menschheit – den zwischen den Geschlechtern – für Frauen verbessern will, sondern eine Bewegung mit einem starken Anti-Männer-Bild ist.
Diese Tendenz wurde Feministinnen immer "unterstellt", weil es immer schon zutraf.
Auch eine andere Entwicklung kann Horx nicht übersehen, auch wenn er sie ideologisch zu rahmen versucht:
Frauen haben höhere Bildungsabschlüsse und bessere Noten. Jungen fallen häufiger durch. Lange hat sich dieser Bildungsvorsprung aufgrund patriarchaler Strukturen und vor allem aufgrund der traditionellen Mutterrolle nicht entsprechend in Status und Einkommen übersetzt. Wenn die Frau ein Kind bekam, griffen die alten Rollenbilder wieder. Das verändert sich jetzt mit den sinkenden Geburtenraten. Männer sind darauf überhaupt nicht vorbereitet. Ihnen wurde über Generationen beigebracht, beruflicher Erfolg erhöhe ihre Attraktivität beim anderen Geschlecht. Wenn dieser Weg plötzlich versperrt scheint, kann das für einen jungen Mann eine massive Kränkung sein.
Ihnen "wurde beigebracht", erfolgreiche Männer seien bei Frauen beliebter. :D
Und wenn Männer beruflich diskriminiert werden, dann ist das in Horx Augen offenbar nur ein Problem, weil sie darauf "gekränkt" reagieren. Denn dann taucht das Bild vom Mann als monströser Bedrohung wieder auf:
Wenn wir einfach so weitermachen, bekommen wir junge, frustrierte und perspektivlose Männer. Ganze Gruppen solcher Männer können sehr destruktiv werden. Die können dir den ganzen Laden abfackeln, das kann doch keiner wollen. (…) Egal, wie sehr einem diese Männer auf die Nerven gehen: Man sollte die Konsequenzen bedenken und erkennen, dass wir etwas verändern müssen. Was wir bisher versucht haben, funktioniert offensichtlich nicht besonders gut.
Mit anderen Worten: "Solange ich keine Angst haben muss, dass sie mir den Laden abfackeln, sind mir diese Kerle scheißegal." Immerhin ist das ein klarer Appell, Feministen wie Horx "auf die Nerven zu gehen", wenn man als Mann auch mal eigene politische Anliegen vorbringen möchte.
Die folgenden Versatzstücke des Interviews sind vorhersehbar, weil Journalisten offenbar dazu gezwungen werden, sie alle in einem Artikel über Männer wiederzukäuen: Andrew Tate: check, "Manosphäre": check, "Adolescence": check. Hier ist nichts Neues zu erwarten.
3. Gelungener ist ein Artikel über männliche Opfer häuslicher Gewalt, der fernab der Leitmedien veröffentlicht wurde:
"Es fing schon nach zwei, drei Monaten an", erinnert sich Martin, "ganz komische Situation, wir hatten uns gestritten." Vor ihm steht eine Tasse Kaffee, er spricht ruhig, als er an den Tag zurückdenkt. Er habe noch versucht, seine damalige Partnerin zu beruhigen, "dann hat sie mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen". Ein gutes halbes Jahr wird Martin in der Beziehung bleiben, in der er körperliche und psychische Gewalt erfährt, bis er sich schließlich trennt.
Für ihn, erzählt er, habe dieser Tag mit einer Platzwunde geendet – und mit einer Anzeige gegen seine ehemalige Partnerin. Martin ist nicht sein richtiger Name. Um seine Anonymität zu wahren, wurde er geändert. Was er erlebt hat, ist kein Einzelfall: Laut Bundeskriminalamt (BKA) gab es 2024 mehr als 35.000 Fälle von Partnerschaftsgewalt mit männlichen Opfern, insgesamt waren knapp 80.000 Männer von häuslicher Gewalt betroffen. Hilfsangebote speziell für männliche Betroffene gibt es nur wenige. Eine Anlaufstelle für Männer, die Gewalt im sozialen Nahraum – oft bezeichnet als häusliche Gewalt – erfahren haben, ist der Verein Lemann in Leipzig. Seit neun Jahren gibt es dort Schutzwohnungen für Männer, seit 2024 auch Vater-Kind-Wohnungen. Im Juni wurde zusätzlich eine Beratungsstelle eröffnet.
(…) Gewalt gegen Männer sei immer noch ein "Nischenthema", so [der Männerhaus-Mitarbeiter Peter] Panda – wenn auch eines mit großen Dimensionen: Laut einer BKA-Studie aus dem Jahr 2024 sind gut 20 Prozent der von Partnerschaftsgewalt betroffenen Personen männlich, bei häuslicher Gewalt sind es knapp 30 Prozent. Dass die Zahlen in der Realität weitaus höher sind, legt die Dunkelfeldstudie "Lesubia" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Februar nahe. Darin wurden Teilnehmende nach erlebter Partnerschaftsgewalt befragt. Männer sind ähnlich häufig davon betroffen wie Frauen.
Um gesellschaftliche Vorurteile und Stigmata abzubauen sowie Männern den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern, sei es nötig, offen über Gewalt gegen Männer zu sprechen, unterstreicht Panda: "Häusliche Gewalt passiert vor allem da, wo sie nicht sichtbar ist, nicht als solche benannt und besprochen wird." Man müsse mehr Zugang zu Männerschutzeinrichtungen gewährleisten, betont Kollegin Rita Schwaiger.
Im Jahr 2024 gab es in Deutschland zwölf Männerhäuser. Von flächendeckender Versorgung kann nicht die Rede sein. "Je mehr Angebote es gibt, desto sichtbarer wird das Thema auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext", so Schwaiger.
Um das zu erreichen, werden wir den Tristan Horx' dieser Welt noch einige Zeit lang "auf die Nerven gehen" müssen.
4. Natascha Ochsenknecht spricht sich gegen Männerbashing aus und erntet dafür selbstverständlich einen Shitstorm. Wie immer, wenn eine Frau eine ideologisch abweichende Meinung vertritt, wird sie danach als "Pick-me-Girl" beschimpft.
5. Die Epoch Times, deren internationale Ausgabe als leicht rechts der Mitte eingeordnet wird, beschäftigt sich mit der Situation der Männer (nicht nur) in Kanada. Ein Auszug:
Es gibt Warnsignale, die wir nicht ignorieren sollten, darunter die Tatsache, dass kanadische Männer nach wie vor fast dreimal so häufig durch Selbstmord sterben wie Frauen. Die Anerkennung der Probleme, mit denen Männer konfrontiert sind, schmälert weder die Herausforderungen, denen Frauen gegenüberstehen, noch bedeutet die Unterstützung von Jungen, dass Mädchen etwas vorenthalten wird. Kanada sollte von einem einfachen Grundsatz ausgehen: Jeder junge Mensch verdient die Chance auf Erfolg, und weder die ethnische Zugehörigkeit noch das Geschlecht sollten darüber entscheiden, wer unsere Förderung verdient.
Das bedeutet, bei der Einstellung und in der Bildung wieder Leistung in den Vordergrund zu stellen, Lehrstellen und berufliche Bildung auszubauen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen wiederzubeleben, die Mentoring und Zugehörigkeit bieten. Es bedeutet auch, wieder positiv über Verantwortung, Ehe, Vaterschaft, Dienst am Nächsten und Arbeit zu sprechen, anstatt Männlichkeit an sich als etwas zu behandeln, für das man sich entschuldigen muss. Eine gesunde Gesellschaft braucht gute Männer, die arbeiten, Unternehmen aufbauen, Kinder großziehen, Eishockeymannschaften trainieren, sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden engagieren, ihr Land verteidigen und Verantwortung für andere Menschen als sich selbst übernehmen.
Jahrzehntelang haben wir jungen Frauen zu Recht gesagt, dass es keine Grenzen dafür geben sollte, was sie erreichen können, und unsere Gesellschaft ist besser geworden, weil wir das getan haben. Wir sollten jungen Männern dasselbe Gefühl der Unbegrenztheit vermitteln, ohne dabei die Leistungen oder Chancen von Frauen zu schmälern. Eine Generation junger Männer ist auf der Suche nach Sinn und Zweck, und es ist an der Zeit, dass wir ihnen sagen, dass die Gesellschaft auch sie braucht.
6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:
Sehr geehrter Herr Hoffmann,
ein Text der ZEIT zur weiteren Förderung der Spaltung Männer vs. Frauen lässt einen zunächst sprachlos zurück bevor man dann doch lieber schreiend davonlaufen will.
Das Diabolische: Richten sich Frauen danach, begründen sie automatisch eine neue Feststellung, dass Frauen am Kapitalmarkt weniger verdienen. Damit sind sie benachteiligt und bedürfen einer Kompensation. Und schuld ist wieder mal das Patriarchat.
Der Artikel ist heute auch Thema bei Christian Schmidt.
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