Freitag, Oktober 23, 2026

Wie fühlt sich ein Mann, der verleumdet und fälschlich beschuldigt wird? Einige unbequeme Wahrheiten

Die derzeit wütende performative Hysterie im Zusammenhang mit angeblichen sexuellen Übergriffen, die auch gänzlich Unbeteiligte trifft, hat das Problem von Falschbeschuldigungen besonders sichtbar gemacht. Das Magazin des Zentrums für Männerpsychologie hat dazu jetzt einen Beitrag des spanischen Anwalts für Familienrecht José Luis Sariego Morillo veröffentlicht, bei dem sich eine leicht gekürzte Übersetzung im Volltext lohnt, da diese Perspektive in der deutschen Debatte fast komplett fehlt. Zu Morillos Schwerpunkten gehören gemeinsames Sorgerecht, Eltern-Kind-Entfremdung und Kindesentführung. Er beriet die Justiz bei der Prävention häuslicher Gewalt, lehrt an Universitäten und hat mehrere Bücher verfasst.



Als Anwalt bearbeite ich mehr Fälle, als mir lieb ist, in denen Männer fälschlich abscheulicher Verbrechen beschuldigt und von Menschen skrupellos verleumdet werden, die fast immer neidisch, gestört oder schlicht böse sind. Es ist sehr auffällig, dass viele dieser Vorwürfe körperlicher Gewalt oder sogar sexueller Übergriffe gegen die Frau oder ihre Kinder genau während der Trennung oder Scheidung des Paares erhoben werden.

Seit Jahren beobachte ich, wie Richter und Staatsanwälte in Sorgerechtsfragen Frauen unterstützen, die falsche oder instrumentelle Anzeigen nutzen, um bei einer Scheidung die vollständige Kontrolle zu erlangen: über Haus, Auto, Kinder und Unterhalt. Viele werden denken, ich setze die Kinder an die dritte Stelle, und das tue ich mit Absicht, denn diese Menschen machen Kinder oft zum Objekt, zu einem weiteren Bestandteil des Scheidungspakets. Ich verbringe gewöhnlich Stunden über Stunden im Gespräch mit diesen Männern, die in einem Scheidungsverfahren grundlos verleumdet wurden. Die meisten von ihnen fallen in einen "Schockzustand", der schwer zu begreifen ist.

Sie verlieren ihren Schlaf, ihre Gesundheit, ihre Arbeit, ihre Freunde und sogar ihre eigene Familie, die zögert, einem Mann beizustehen, der des Missbrauchs oder sexueller Übergriffe beschuldigt wird. Das Trauma, das diese Männer erleiden, ist für jemanden, der nie eine falsche Anzeige erlebt hat, unbegreiflich. Viele klinische Psychologen und Psychiater wissen, wovon ich spreche. Es handelt sich um akute Traumata, die zu neurologischen Dekompensationen führen können und zu Reaktionen, bei denen Betroffene sogar töten können.

(…) Diese fälschlich angezeigten Männer brauchen viel Trost und Unterstützung, doch wir lassen sie allein. Ich weiß, dass meine Ausführungen gefährlich und angreifbar wirken, zumal ich weiß, dass sich hinter diesen fälschlich schwerer Verbrechen beschuldigten Männern in sozialen Netzwerken und Selbsthilfegruppen auch viele andere verstecken, die ihre Partnerin oder ihre Kinder tatsächlich misshandelt haben. Sie geben sich als Lämmer, obwohl sie in Wirklichkeit gewalttätige Wölfe ohne jedes Mitgefühl für andere sind.

Ich spreche jedoch von jener schweigenden Mehrheit der "anderen", denn über die bösen Männer reden die Medien und feministische Gruppen ohnehin schon viel. Ich meine die anderen Männer, die nichts Unrechtes getan haben und auf deren Liste du selbst schon morgen landen kannst, ebenso deine Kinder, dein Vater, dein Bruder oder dein Freund. Von ihnen handelt dieser Artikel.

Angesichts solcher Vorwürfe, die manchmal in sozialen Netzwerken, manchmal aber auch vor Gericht erhoben werden, stehen diese Männer vor einem großen Dilemma: Entweder sie lassen es auf sich beruhen und nehmen hin, dass die Verleumdung als dauerhafter Makel an ihrem Ansehen haften bleibt, oder sie gehen rechtlich gegen diejenigen vor, die sie verleumdet und fälschlich beschuldigt haben.

Während du diesen Artikel liest, werden in Spanien mehr als zehn Menschen bei der Polizei fälschlich einer Straftat beschuldigt.

Mehr als zehn persönliche, familiäre und berufliche Existenzen werden zerstört. Der Ruf eines Menschen, für den er jahrelang oder sein ganzes Leben lang gearbeitet und sich angestrengt hat, löst sich über Nacht in Luft auf. Wenn die Anzeige eingestellt oder er mangels Beweisen freigesprochen wird, erkennt er, dass der angerichtete Schaden lebenslang bleibt.

Nachdem sie den Stress einer öffentlichen und allgemein bekannten Verleumdung durchgestanden haben, stellen diese Männer fest, dass es keinen einfachen Weg gibt, ihren "guten Namen" wiederherzustellen. Das liegt vor allem daran, dass das Organgesetz zum Schutz der Ehre, der Privatsphäre und des eigenen Bildes (LO 1/1982 vom 5. Mai) den Verleumdeten eine enorme Beweislast und hohe Anforderungen auferlegt, bevor ein Gericht anerkennt, dass sie Opfer einer Verleumdung geworden sind.

Selbst wenn es einem Betroffenen gelingt, mit einem günstigen Urteil verfassungsrechtlichen Schutz zu erlangen, hat die Nachricht, dass die Vorwürfe gegen ihn nachweislich gelogen waren, nicht annähernd dieselbe Wirkung im persönlichen und beruflichen Umfeld oder in den Medien. Den Schaden und den Schmerz, die den Familien dieser Menschen zugefügt werden, bewertet in der Regel ebenfalls niemand. Die Stunden der Traurigkeit und des einsamen Weinens, die Angst, auf die Straße zu gehen, das Entsetzen beim Klang einer Polizeisirene ("Holen sie mich wieder ab?"), die Ablehnung durch Freunde und Kollegen: Das alles ist ein Horrorfilm, den nur wenige vollständig überwinden.

Männer, die eine solche Erfahrung am eigenen Leib machen, stellen in der Regel nicht das System infrage, indem sie sich etwa auf die Unschuldsvermutung oder eine rechtswidrige Festnahme berufen. Stattdessen kommt der Mensch in ihnen zum Vorschein, und zu ihrer Verteidigung führen sie meist den Schmerz und die Angst an, die all das bei ihren Familien und Kindern auslöst.

Das ist eine natürliche Reaktion auf das emotionale Trauma, das eine Falschbeschuldigung in jedem Bereich verursacht, besonders aber im Bereich der häuslichen Gewalt. Die Medien gebärden sich wie eine neue Inquisition, die jeden, den man ihr vorsetzt, für ein paar Quotenpunkte auf dem Scheiterhaufen der Fernsehtalkshows verbrennt. Erinnert sei an den Fall des ehemaligen Ministers Juan Fernando López Aguilar.

Die einzige Reaktion, die Menschen auf solche verleumderischen Angriffe zeigen können, ist eine emotionale, denn wenn sie mit Argumenten über Menschenrechte antworten, wecken sie weder beim allgemeinen Publikum noch bei Freunden oder Kollegen Mitgefühl. Wir alle tragen auf irgendeine Weise dazu bei, einen Menschen öffentlich bloßzustellen, weil uns die Sensationslust am Augenblicklichen mehr interessiert als die Weisheit des Beständigen.

Wenn ein fälschlich beschuldigter Mann angesichts der Verleumdung menschliche Regungen zeigt, wird ihm in seinem sozialen Umfeld niemand glauben. Er wird sich mit Händen und Füßen vor Gericht verteidigen müssen, das so sein muss, wie es sein soll: unparteiisch und frei von Emotionen in seinen Entscheidungen. Niemand wird sich dafür interessieren, was der Beschuldigte als Mensch, als Vater, als Mann und in seinem Beruf Gutes geleistet hat. All das nützt nichts, denn wir blicken gewöhnlich nur auf den konkreten Vorwurf und verurteilen ihn öffentlich ohne vorheriges Verfahren, in sozialen Netzwerken, in den Medien oder bei den Sozialdiensten, wie es die Regierung kürzlich festgelegt hat.

Politiker und Institutionen aller Art sind in einer neuen Form des Totalitarismus gefangen, nämlich der Diktatur der politischen Korrektheit. Der heutige Neofeminismus, der sich mühelos durchsetzt, sogar auf den Regierungssesseln, hat sich den Diskurs der politischen Korrektheit zu eigen gemacht und nutzt die totalitäre Idee, auf der er beruht.

Wir erleben, dass wir oft auf die Straße gehen, um für eine ermordete Frau eine Schweigeminute einzulegen. Ist der Täter jedoch eine Frau, geht niemand auf die Straße, um des Opfers zu gedenken, ganz gleich, ob es eine Frau, ein Mann oder ein Kind ist. Es ist, als hätte eine gesellschaftliche Psychose die Medien und Institutionen ergriffen, ja uns alle. Dabei sind wir uns der Gefahr nicht bewusst, die es für alle bedeutet, das Leben eines Menschen höher zu bewerten als das eines anderen.

Bekannte Persönlichkeiten wie Niemöller, Rushdie, Solschenizyn, Saramago oder Neruda selbst haben uns bereits vor den Folgen gewarnt, die es für ein Land oder eine Gesellschaft hat, wenn dort zugelassen wird, das Leben eines Menschen über das eines anderen zu stellen. Dann entstehen die extremsten gesellschaftlichen Bewegungen, denn wenn man duldet, dass ein Menschenrecht verletzt wird, um einen bestimmten Zweck zu rechtfertigen (in diesem Fall den Schutz von Frauen), öffnet man dem Anspruch die Tür, auch alle übrigen Menschenrechte verletzen zu dürfen.

Zudem stützt und begünstigt die rechtliche Absicherung und gesellschaftliche Normalisierung dieser Argumentation in gewisser Weise das Aufkommen noch extremerer Ideen. So hat bereits der Nürnberger Gerichtshof den Grundsatz aufgestellt, dass nicht nur erniedrigende und unmenschliche Behandlung, sondern schon die ungleiche Behandlung eines Menschen unzulässig ist (Wiener Konvention).

Wir haben zugelassen, dass ein Gesetz wie das LO 1/2004 über Gewalt gegen Frauen die Möglichkeit eröffnet, einen Menschen aufgrund seines Geschlechts anders zu behandeln. Viele Richter haben sich von der Angst leiten lassen, sich der politischen Korrektheit entgegenzustellen, während viele andere sich dafür entschieden haben, unmittelbar das anzuwenden, worauf sie ihren Eid geleistet haben: die Achtung der spanischen Verfassung und der Grundrechte jedes Bürgers ohne jeden Unterschied. Jedenfalls sind fast 1.200.000 Menschen angezeigt, beschuldigt, festgenommen, vor Gericht gestellt und nach einem langen, qualvollen Weg verurteilt oder freigesprochen worden.

Von diesen angezeigten Menschen haben sich fast 80 % als nicht schuldig eines Vorwurfs erwiesen, der dazu beigetragen hat, dass sie ihr Leben (die Zahl der Suizide unter Männern ist gestiegen), ihre Laufbahn, ihren Arbeitsplatz, ihr Zuhause oder ihre Familie verloren haben. All diese Menschen haben Freunde, Familien, Bekannte und Kollegen, die die Ungerechtigkeit eines Gesetzes miterlebt haben, das die Schuld des Beschuldigten voraussetzt.

Viele fragen mich erstaunt, und das nicht nur in Spanien: Wie kann es sein, dass es Gerichte gibt, die nur dazu da sind, Männer anzuklagen? [Gemeint sind die Juzgados de Violencia sobre la Mujer, die in Spanien als Teil von Schutzmaßnahmen gegen angeblich "geschlechtsspezifische Gewalt" eingeführt wurden. Strafsachen landen dort nur, wenn der Beschuldigte ein Mann und das mutmaßliche Opfer seine (Ex-)Partnerin ist. – A.H.] Nun, diesen Männern bleibt, nachdem sie durch die Hölle gegangen sind, nur der Weg vor Gericht, um feststellen zu lassen, dass sie verleumdet wurden, und im besten Fall eine magere finanzielle Entschädigung zu erhalten. Solltest du in Spanien jemals zu Unrecht festgenommen werden und wird nachgewiesen, dass eine Falschbeschuldigung vorlag und du unschuldig warst, zahlt dir der Staat in der Regel durchschnittlich etwa 6.000 Euro für jedes Jahr, das du im Gefängnis verbracht hast. Der Verlust deines Arbeitsplatzes, deiner Kinder, deines Zuhauses und deiner Freunde hat in diesem Land keinen Wert, oder zumindest ist er noch nicht in Form einer gefestigten Rechtsprechung anerkannt.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt den Staat dafür durchaus häufig. So wurde etwa eine Entschädigung von bis zu 10.000 Euro dafür zuerkannt, dass jemand nach einer Falschbeschuldigung seine Kinder jahrelang nicht sehen konnte. Wenn ein Staat das Leben von Menschen, deren Existenz zerstört wurde, so gering bewertet, muss man sich fragen, ob er überhaupt ein Staat seiner Bürger ist. Andere Staaten wie das Vereinigte Königreich, Kanada oder die Vereinigten Staaten gehen bei der Entschädigung für solche Situationen strenger vor. Das hat dazu beigetragen, dass Falschbeschuldigungen durch Medien oder Einzelpersonen dort seltener sind.

Ich halte es für notwendig, Bemessungsmaßstäbe für diese Art von Schäden festzulegen, die verleumderisch beschuldigte Menschen erleiden. Nur so lässt sich der Wahnsinn der Falschbeschuldigungen in unserer Gesellschaft stoppen, die nicht nur von Einzelpersonen gegen andere ausgehen, sondern vielfach auch von Online-Zeitungen, die solche Nachrichten in die Welt setzen. Bei verleumdenden Medien würde eine Geldstrafe oder eine finanzielle Entschädigung allein nicht ausreichen. Die Sanktionen müssten weiter gehen, bis hin zur vorübergehenden oder dauerhaften Schließung des Mediums.

Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Umfeld mit bestimmten Werten aufwachsen. Doch unabhängig von unserer politischen Einstellung dürfen wir nicht zulassen, dass das Recht, zu beleidigen oder zu verleumden, zu einem gesellschaftlichen Wert wird. Die Folgen einer so nachsichtigen Haltung gegenüber Falschbeschuldigungen sehen wir bereits bei Kindern: Mobbing hat dramatisch zugenommen, ebenso die Suizide junger Jugendlicher. Wenn wir so weitermachen, ist niemand davor sicher. Morgen wird jeder Bürger, ob Mann oder Frau, fälschlich irgendeiner Sache beschuldigt werden können, seine Rechte werden verletzt werden, und nichts wird geschehen.

(…) Ich möchte nicht versäumen zu sagen, dass sich dieser Artikel nicht gegen den Schutz misshandelter Frauen und die dafür geschaffenen Instrumente richtet. Vielmehr sollen diejenigen, die ihn bis hierher gelesen haben, darüber nachdenken, ob es nicht gut wäre, die Mittel, die für jene fast 80 % der Anzeigen wegen geschlechtsspezifischer Gewalt in Spanien aufgewendet werden, die falsch sind, eingestellt werden oder mit einem Freispruch enden, wirksamer den Frauen zukommen zu lassen, die tatsächlich misshandelt werden und den Mut gefunden haben, Anzeige zu erstatten. Denn wie viele Frauen sind gestorben, weil die Ressourcen durch Tausende unbegründeter Anzeigen "belegt" und überlastet waren?




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Donnerstag, Oktober 22, 2026

Männer, die den Wehrdienst-Fragebogen ignorieren, müssen jetzt zahlen

1. Die Bundeswehr leitet inzwischen Bußgeldverfahren gegen junge Männer ein, die den Fragebogen zur Erfassung für den neuen Wehrdienst trotz Erinnerung und weiterer Frist nicht beantwortet haben. Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte, kann das Bußgeld bis zu 250 Euro betragen; die Pflicht zur Beantwortung bleibt auch nach der Geldbuße bestehen. Rund 96 Prozent der angeschriebenen Männer hätten innerhalb der vorgesehenen Fristen geantwortet. Während der neue Wehrdienst zunächst freiwillig bleibt, müssen Männer den Fragebogen ausfüllen, Frauen hingegen nicht. Sollte es der Bundeswehr nicht gelingen, genügend Freiwillige zu gewinnen, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor.



2. "Männlichkeit und Gewalt – muss das zusammengehören?" titelt die Schwäbische Post, so als ob fast jeder Mann ein Gewalttäter wäre statt eine kleine Minderheit. Der Interviewpartner Fikri Anil Altıntas äußert sich dazu so:

In Deutschland steht der "muslimische Mann" mittlerweile geradezu stellvertretend für "toxische Männlichkeit": gewaltbereit, machohaft, sexistisch – kurz: ein Problem. In meiner Arbeit vermittle ich die historischen und aktuellen Narrative dahinter. Die Art, wie wir über diese Männer sprechen, ist nicht nur eine Form diskursiver und politischer Gewalt, sondern wirkt auch wie ein Stigma, aus dem sich viele nicht lösen können.


Das klingt spannend, aber warum beschränkt man die Kritik an diesem Stigma auf muslimische Männer?

Gleichzeitig machen es sich viele Männer zu einfach, wenn sie sagen: Gewalt gegen Frauen geht nur von "denen" aus, also müssten wir uns mit unserer eigenen Verstrickung nicht beschäftigen. Die aktuelle Dunkelfeldstudie LeSuBiA, für die rund 15.000 Menschen befragt wurden, zeigt, wie verbreitet Gewalt in Deutschland ist: Knapp jede fünfte Frau hat schon einmal körperliche Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner erlebt, und Frauen erleben Gewalt insgesamt schwerer als Männer. Dabei wird weniger als jede zehnte Gewalterfahrung überhaupt angezeigt. Wer das Problem ernst nimmt, muss deshalb bei allen Männern ansetzen, auch bei sich selbst.


Die LeSuBiA hat auch gezeigt, dass in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen Opfer von Gewalt durch ihren Partner geworden sind. Das entzieht sämtlichen Unterstellungen, Männlichkeit wäre an Gewalt gekoppelt, den Boden. Der Artikel verschweigt das.



3. Die Centre Daily Times aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania wird den Tatsachen in einem aktuellen Beitrag besser gerecht:

Die jüngste nationale Umfrage zu Gewalt in Paarbeziehungen und sexueller Gewalt der Centers for Disease Control and Prevention macht deutlich, dass Gewalt in Partnerschaften Millionen von Männern betrifft. Schätzungen zufolge haben 22,3 % der Männer (27,3 Millionen) psychische Aggressionen durch einen Partner erlebt, 19,5 % (23,7 Millionen) haben Zwangskontrolle erlebt und 13,7 % (16,7 Millionen) körperliche Gewalt erlebt.




4. Eine Journalistin berichtet in der Tageszeitung USA Today:

Anfang dieses Monats schrieb ich eine Kolumne, in der ich die Öffentlichkeit dazu aufforderte, keine voreiligen Urteile über die sieben Männer zu fällen, denen sexuelle Übergriffe an der Cornell University vorgeworfen werden.

(…) Angesichts der Brisanz des Themas hatte ich mit Gegenreaktionen gerechnet. Doch auf die persönlichen Angriffe, die meinen Posteingang überschwemmten – darunter auch Drohungen –, war ich nicht vorbereitet.

Hier ist eine Auswahl aus den Hunderten von wütenden Nachrichten, die ich erhalten habe. Die meisten sind zu vulgär, um sie abzudrucken. Viele warfen mir vor, Frauen zu verraten, nur weil ich Jane Does Vorwürfe in Frage gestellt hatte.

Ich wurde als "Vergewaltigungsapologetin", "böse", "widerlich", "eine Schande für Frauen", "hässlich", "Frauenfeindin" und "menschlicher Abschaum" bezeichnet. Und das sind noch die harmlosen Beleidigungen. Andere wünschten mir, ich würde vergewaltigt werden – oder Schlimmeres.

Lynchjustiz ist keine echte Gerechtigkeit. Diese Art von Beschimpfungen könnte andere dazu bringen, es sich zweimal zu überlegen, bevor sie berechtigte Fragen zu Vorwürfen sexueller Übergriffe stellen. Denn wer will schon solche Beschimpfungen ertragen müssen?

(…) Wenn das Eintreten für ein ordnungsgemäßes Verfahren solche Beschimpfungen nach sich zieht, befürchte ich, dass andere einfach schweigen werden. Und das hilft niemandem, auch den mutmaßlichen Opfern nicht.

Die Leute, die diese Nachrichten geschickt haben, hatten kein Interesse daran, sich mit meinem Argument auseinanderzusetzen. Ich bezweifle, dass die meisten überhaupt über die Überschrift hinausgelesen haben.

Sie wollten mich durch Mobbing zum Schweigen bringen.

Einige der Unterstützer von Jane Doe behaupten, für Frauen einzutreten, aber anscheinend schließt das Frauen nicht ein, die anderer Meinung sind als sie.

(…) Ein ordnungsgemäßes Verfahren ist ein Grundprinzip unseres Rechtssystems, das Männer und Frauen gleichermaßen schützt. Wir müssen die Freiheit haben, Beweise zu hinterfragen und Vorwürfe anzufechten. Wie sonst können wir jemals hoffen, die Wahrheit herauszufinden?

Und keine noch so große Menge an Hasspost von der Meute wird mich davon abhalten, dieses Prinzip zu verteidigen.




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Mittwoch, Oktober 21, 2026

Alice Schwarzer schmeißt hin: Ihr Magazin "Emma" wird eingestellt

1. Das Aus für Alice Schwarzers feministisches Magazin "Emma" ist gekommen. Viele Medien berichten, darunter n-tv:

Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die "Emma" mit. Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. "Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben", versicherte Schwarzer in einer Erklärung. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!"

"Emma" habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und "gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus" Position bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."

Die inzwischen 83-jährige Schwarzer ist Deutschlands bekannteste Feministin. Die von ihr gegründete "Emma" erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei beschreibt Schwarzer heute so: "Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen sogenannten 'Männermedien', die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten."

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei. 2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg auch Folgen für die Abonnentinnenzahl der "Emma" habe. Zwar habe es "für Emmas Friedenskurs" 2023 viel Zustimmung von den Leserinnen gegeben. "Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll weh tun - und tut es auch. Warum tun Leserinnen das bei einem Magazin, das vom Abo lebt?"


Weil sie erkannt haben, wie fragwürdig es vielleicht immer schon war?



2. "Werden Frauen im Gesundheitswesen wirklich benachteiligt?" fragt das Magazin CICERO in einem Beitrag, der nur Abonnenten im Volltext online zugänglich ist. Das ist schade, denn man bräuchte diesen Artikel nur jedem entgegenzuhalten, der an eine solche Benachteiligung glaubt. Darin heißt es:

Frauen werden im Gesundheitswesen systematisch benachteiligt, so heißt es immer wieder. Der genaue Blick zeigt: Männer sind unterm Strich nicht besser dran.

(…) Der Befund ist dramatisch. "Diagnose: Frau. Wie mich die männerbasierte Medizin fast das Leben kostete" nennt Christina Pingel ihr Buch. Bei der Autorin ist ein Herzfehler zehn Jahre lang nicht erkannt worden. Passiert sei das nicht, weil Fehldiagnosen in der Medizin leider immer wieder vorkommen, sondern weil sie "eben nur eine junge Frau" war, der Ärzte ihre massiven Beschwerden schlicht nicht abgenommen hätten. Kein Einzelfall, sagt sie. Frauen würden oft vorschnell als "zu emotional und sensibel" abgestempelt. Die ganze Medizin sei "hauptsächlich für und von Männern geschaffen". Frauen würden deshalb in Praxen und Krankenhäusern "konsequent vernachlässigt". Pingel beruft sich unter anderem auf den Bestseller-Autor und Wissenschaftsjournalisten Dr. Werner Bartens. Er spricht in seinem Buch von einem "Gesundheitsrisiko weiblich" und erklärt, "warum Frauen von der Medizin falsch verstanden und schlechter behandelt werden". Und wer schnell mal ins Internet schaut, findet genau diese Ansicht fast durchgängig bestätigt, seriöse Medien inklusive.

Die Rede ist von einem "Gender Health Gap", einer Gesundheitslücke zulasten der Frauen. Und die Politik reagiert. "Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen", sagte die bis Juli 2026 amtierende Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Deshalb hat ihr Ministerium (BMG) 2026 zwei "Förderrichtlinien" erlassen. Bis zu zehn Millionen Euro stehen für Forschungsvorhaben bereit. Ähnlich beim Bundesforschungsministerium: Auch hier können sich Forscher um Mittel für "Innovative Datenanalysen für Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin" bewerben. Daneben gibt und gab es Einzelprojekte zur Frauen- wie auch zur Männergesundheit und Projekte, bei denen es um den Vergleich geht. Nach Mittelhöhe und Projektanzahl scheinen jene für Frauen aber klar zu überwiegen. Im BMG gibt es denn auch das Referat 322 für Frauengesundheit. Erst kürzlich war dort eine gut dotierte Stelle ausgeschrieben. Ein Pendant zur Männergesundheit fehlt. Und das Forschungsministerium bekennt im Mai 2026 in seiner Bilanz nach einem Jahr unter Dorothee Bär voller Stolz: Es gebe jetzt neben der "Hightech Agenda Deutschland" und "Rekordinvestitionen in die Raumfahrt" endlich auch einen "längst überfälligen Fokus auf Frauengesundheit".

Aber sind Frauen in Medizin und Gesundheitsfürsorge wirklich durchgängig im Nachteil? Es gibt eine sehr einfache Methode, das zu kontrollieren. Erstaunlicherweise wird sie bei dem Thema fast immer ausgeblendet. Es ist der Blick auf die gesundheitliche Gesamtbilanz:

● Für Frauen wird im deutschen Gesundheitswesen 21 Prozent mehr Geld ausgegeben als für Männer. 2002 waren es sogar noch 38 Prozent. Ein Teil der Mehrkosten hat damit zu tun, dass Frauen die Kinder kriegen. Der Löwenanteil ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen älter werden. Ohne die Kosten für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett sowie für die höhere Lebenserwartung wird für Frauen gleich viel ausgegeben wie für Männer. Das klingt fair und nicht nach einem systemischen Nachteil für Frauen.

● Frauen erhalten im Gesundheitswesen mehr Aufmerksamkeit als Männer. Sie haben deutlich mehr Termine bei Ärzten. Gespräche mit ihnen dauern länger. Die gesetzliche Krebsfrüherkennung setzt bei ihnen früher ein. Ihnen werden häufiger Medikamente verschrieben, wobei im Durchschnitt die Dosierung etwas niedriger ist.

● Last but not least: Frauen werden im Durchschnitt vier bis fünf Jahre älter als Männer. Hauptursache: Männer leben gefährlicher in Beruf und Freizeit und unsolider im Privaten (Ernährung, Rauchen, Alkohol, Risikoverhalten). Aber selbst bei Männern und Frauen, deren Lebensführung ganz ähnlich ist, sind Frauen eher im Vorteil. Das zeigt die renommierte "Klosterstudie". Für sie hat man Lebensdaten von Mönchen und Nonnen verglichen. Das Ergebnis: Auch bei Ordensleuten leben Männer kürzer als Frauen, wenn auch nur um 1,5 Jahre.

● Eine angeschlossene Studie zeigt auch, dass nichts dran ist an dem oft behaupteten schlechteren Gesundheitszustand, mit dem Frauen seltsamerweise trotzdem länger leben sollen ("Gender Health Paradox"). Der vermeintlich schlechtere Gesundheitszustand ergibt sich schlicht durch ihre längere Lebenserwartung. Nach hinten raus hat der Mensch eben mehr Beschwerden.

Längeres Leben, mehr Geld und mehr Aufmerksamkeit: All das ist noch kein Beweis dafür, dass es nicht doch Benachteiligungen von Frauen in bestimmten Medizinbereichen gibt. Aber sie nähren stark den Verdacht, dass die Benachteiligungen nicht so ausgeprägt oder relevant sind wie vermutet. Und vor allem legt es nahe, dass Männer ebenfalls benachteiligt werden, bloß an anderen Stellen, die weniger im Fokus stehen. Das Geheimnis hinter dem Befund "Gesundheitsrisiko weiblich" scheint denn auch schlicht zu sein: Besonders aussagekräftige Globaldaten wie Lebenserwartung, Gesundheitszustand, medizinischer Aufwand werden ignoriert. Stattdessen wird selektiv auf einzelne Daten geschaut, die zum gewünschten Bild passen.




3. Kate Manne ist eine Professorin an der Universität Cornell und berät die Studenten-Reporter, die dort eine angebliche "Vergewaltigung" der Studentin "Jane Doe" aufgedeckt hätten, was sie durch eigene Meinungsbeiträge unterstützt. Im Interview mit der bekannten Journalistin Katie Couric erklärt Kate Manne nun, die jetzige Generation junger Männer sollte als "die vergewaltigende Generation" etikettiert und von sozialen Medien ferngehalten werden, um sie davon abzuhalten, so viel zu vergewaltigen.



4. Das britische Magazin Spectator hat auf den Fall Cornell einen differenzierteren Blick und widmet ihm einen Meinungsbeitrag, wie man ihn in deutschen Leitmedien bezeichnenderweise nicht findet:

Der Fall von Jane Doe gegen Cornell und sieben ehemalige Studenten ist zu einem Rorschachtest geworden. Eine Lesart besagt, dass es sich um einen Fall von Gruppenvergewaltigung und institutioneller Vertuschung handelt. Eine andere Lesart, die auf den damals gesendeten Textnachrichten basiert, ist düsterer, chaotischer und weitaus unbequemer für die Empörungsindustrie. Diese Nachrichten erzählen eine andere Geschichte als das Narrativ rund um die Klage, und die "Believe Women"-Brigade würde es vorziehen, wenn Sie sie nicht lesen würden.

Am 19. Oktober 2024 besuchte Jane Doe, eine 20-jährige Cornell-Studentin, eine Veranstaltung ihrer Studentinnenverbindung in der Moonies Bar in Ithaca. Nach Angaben ihrer Klage hatte sie bis 23:00 Uhr etwa zehn Drinks getrunken. Sie ging zum Verbindungshaus der Chi Phi, um einen männlichen Freund, Matthew Ingalls, zu treffen. Ketamin war im Spiel. Weitere Männer betraten den Raum.

Die darauffolgenden Textnachrichten und Gedächtnisprotokolle enthalten Aussagen, die schwer mit der Klage in Einklang zu bringen sind. Von der Polizei gefragt, ob sie mit den frühen sexuellen Aktivitäten einverstanden gewesen sei, sagte Jane Doe: "Ich war extrem betrunken … Aber ich war mit alldem ziemlich einverstanden." Am nächsten Morgen, so eine Mitbewohnerin, erzählte sie lachend von dem Abend und sagte: "Oh mein Gott, ist das nicht verrückt?", ohne es als Vergewaltigung oder Übergriff zu bezeichnen.

(…) Sie bezeichnete den Vorfall als "Gangbang", schrieb aber: "Ich glaube nicht, dass wir uns für unseren Teil schämen sollten. Unser Körper, unsere Entscheidung."

Ich habe viele Aussagen angeblicher Vergewaltigungsopfer gelesen. Ich kann mich an keine erinnern, die einen Pro-Choice-Slogan verwendete, um einem angeblichen Vergewaltiger zu versichern, dass er sich für nichts schämen müsse.


Später änderte sie bekanntlich ihre Darstellung. Das hatte Folgen.

Zwei Männer wurden der Hochschule verwiesen, zwei suspendiert und zwei für nicht verantwortlich befunden. Scott Kretzschmar erklärt, er habe sie nie berührt, sei nur kurz eingetreten und wieder gegangen; ein Haartest auf Ketamin verlief negativ, und die Universität stellte nicht fest, dass er es von ihrem Körper geschnupft hatte. Dennoch werden online alle sieben namentlich genannt und als "die Cornell-Vergewaltiger" verurteilt.

Der ursprüngliche Staatsanwalt lehnte es 2024 ab, den Fall vor eine Grand Jury zu bringen, mit der Begründung, die Schilderung beschreibe ein einvernehmliches Verhalten, enthalte kein klares Fehlen von Einverständnis, und als Doe darum gebeten habe, aufzuhören, sei aufgehört worden.

(…) Es kann gut sein, dass etwas Schreckliches vorgefallen ist. Aber "kann" ist hier das entscheidende Wort. Die Verteidigung behauptet nicht, dass sie mit Sicherheit lügt. Sie stellt fest, dass ihre zeitgleichen Aussagen radikal von der Klageschrift abweichen und dass sich ihre Darstellung änderte, nachdem sie Kommentare von Fremden gelesen hatte. Auf dieser Grundlage ist der Zweifel nicht bloß berechtigt; er ist gewaltig. Die Unschuldsvermutung existiert genau für solche Fälle.

Wie wurde dies noch vor einer Anklage zu einer nationalen Angelegenheit? Aufgrund von zwei Wörtern: "Believe Women". Dieser Slogan begann als berechtigter Impuls der #MeToo-Bewegung: Frauen, die Übergriffe anzeigten, wurden allzu oft ignoriert. Aber aus "Frauen ernst nehmen" wurde "Glaubt Frauen, ohne Wenn und Aber". Das ist kein Rechtsgrundsatz, sondern dessen Abschaffung. Ein Gerichtsverfahren gibt es, weil wir niemandem glauben, bis die Beweise geprüft sind. Der Slogan überspringt diesen Schritt und geht direkt zur Verurteilung über.

Amerika hat die Konsequenzen gesehen. Ich habe den Epstein-Skandal umfassend untersucht und ein Buch darüber geschrieben, "Naked Lies". Die Industrie rund um die angeblichen Verbrechen von Jeffrey Epstein verlangte, dass Virginia Giuffre über jeden Zweifel erhaben sei. Dennoch zog sie 2022 ihre Anschuldigung gegen Professor Alan Dershowitz zurück und erklärte, sie habe sich bei seiner Identifizierung "möglicherweise geirrt". Es floss kein Geld.

Giuffre behauptete auch, vom damaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor in New Mexico missbraucht worden zu sein. Zudem gab sie an, zum Nutzen ausländischer Präsidenten gehandelt worden zu sein, um dann 2016 in einer eidesstattlichen Aussage zuzugeben, dass die Episode in New Mexico frei erfunden war und sie nie ausländische Präsidenten getroffen hatte.

Im Fall Cornell hat der Anwalt, der Jane Doe vertritt, zuvor dafür geworben, Epstein-Opfer zu vertreten. Wir wissen noch nicht, wer auf wen zugekommen ist. Könnte die Anklägerin aus finanziellen Gründen lügen?

Es geht nicht darum, dass Frauen lügen; die meisten tun es nicht. Aber jede Anschuldigung ist eine Behauptung, und Behauptungen müssen überprüft werden. Das Versäumnis, dies zu tun, hilft Opfern nicht, es schafft welche: In Großbritannien nahm sich ein 17-Jähriger, der der Vergewaltigung beschuldigt wurde, das Leben, bevor seine Anklägerin die Anschuldigung zurückzog. Seine Mutter nahm sich im folgenden Jahr ebenfalls das Leben.

Schon die Römer wussten: "Ei incumbit probatio qui dicit, non qui negat" – Die Beweislast liegt bei demjenigen, der behauptet, nicht bei dem, der bestreitet. Dies dient uns seit zwei Jahrtausenden.

(…) Frauen glauben? Nein. Den Beweisen glauben. Das wird sich nie auf T-Shirts verkaufen, aber es ist der einzige unbestechliche Wegweiser zur Wahrheit.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, Oktober 20, 2026

Parteitag der Grünen Jugend: "Dann müssen die Cis-Männer erstmal zügig den Saal verlassen"

1. "Die Welt" berichtet über den Parteitag der Grünen Jugend. Ein Auszug:

Um 21:46 Uhr am Freitagabend schallt eine Durchsage durch eine Turnhalle in Leipzig: "Falls sich noch cis-männliche Personen im Raum befinden: Bitte geht zügig raus." Die Ansage ergeht an rund 500 Mitglieder der Grünen Jugend, die sich zum Bundeskongress versammelt haben. Gerade eben wurde kurzfristig ein "Flinta-Forum" einberufen. Flinta steht für Frauen, Lesben, Inter- und Transsexuelle sowie Agender-Personen.

Ein Cis-Mann ist ein Mann, der als solcher geboren wurde. Im Gegensatz zu ihnen haben Flinta-Personen bei der Grünen Jugend, wo an diesem Wochenende, das beklagen viele, wieder einmal mehr Männer als Frauen versammelt seien, die Möglichkeit, sich auf Antrag einen männerfreien Raum zur Diskussion zu verschaffen. Darin wollen die Flintas über eine am Freitagabend in Rede stehende Satzungsreform diskutieren. Während die Männer eine Dreiviertelstunde lang auf dem Hof herumstehen und über Feminismus reflektieren sollen, geht es drinnen in der Turnhalle weiter darum, ob in Zukunft Delegierte zum höchsten Beschlussgremium der Jugendorganisation der grünen Bundespartei entsendet werden sollen.

Derzeit können sich Mitglieder einfach anmelden und dann vor Ort über Anträge mitabstimmen. Das Argument dagegen: Delegiertenplätze ließen sich quotieren, um den Männerüberschuss einzudämmen. Dagegen stehen die Anhänger der "Basisdemokratie". Sie setzen sich gegen Mitternacht deutlich durch. Die Abstimmung berührt aber auch die Machtverhältnisse in der Jugendorganisation über Geschlechterfragen hinaus. Denn gäbe es ein Delegiertensystem, in dem einzelne Grüne-Jugend-Leute ein Entsendungsvotum bräuchten, dann wären die sogenannten Jungen Realos auf dem Beschlussgremium vermutlich deutlich schwächer vertreten. Entsprechend geringer wäre ihr Einfluss.




2. Dem früheren MIT-Biologieprofessor und renommierten Krebsforscher David Sabatini wurden von einem Gericht in Massachusetts sechs Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen, weil seine frühere Kollegin Kristin Knouse ihn verleumdet und seine beruflichen Möglichkeiten beeinträchtigt hatte.

Knouse hatte 2021 Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Sabatini erhoben und erklärt, ihre sexuelle Beziehung, die 2018 begonnen hatte, sei durch dessen berufliche Machtposition geprägt und letztlich erzwungen gewesen. Eine interne Untersuchung kam damals zu dem Schluss, dass Sabatini gegen arbeitsplatzbezogene Regeln verstoßen und ein sexualisiertes Arbeitsklima in seinem Labor gefördert habe; er verlor daraufhin seine Positionen und musste erhebliche berufliche und persönliche Konsequenzen tragen. Sabatini bestritt die Vorwürfe und erklärte, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen. Knouse habe sich gegen ihn gewandt, nachdem er sich einer anderen Frau zugewandt hatte.

Die Jury gab nun seiner Verleumdungsklage statt und wies auch Knouses Gegenklage wegen sexueller Belästigung und Vergeltungsmaßnahmen zurück. Knouses Anwältin kündigte Berufung an und kritisierte das Urteil mit dem Argument, dass Frauen, die Machtmissbrauch anprangerten, nach wie vor Schwierigkeiten hätten, Gehör zu finden. Sabatini, der inzwischen in Prag wissenschaftlich tätig ist, hofft, seine Karriere wieder aufbauen zu können.



3. Ein Gericht im südkoreanischen Cheongju hat eine Frau Mitte zwanzig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie einen Mann, mit dem sie über eine Chat-App in Kontakt gekommen war und einvernehmlichen Sex gehabt hatte, fälschlich der Vergewaltigung beschuldigt hatte.

Im April 2025 hatte sie die Polizei alarmiert und behauptet, der Mann habe sie im Zusammenhang mit einer Geldforderung bedroht und sechsmal vergewaltigt. Nach Auffassung des Gerichts sprachen die Nachrichten, die beide um den fraglichen Zeitraum austauschten, für einen normalen, freundschaftlichen oder partnerschaftlichen Umgang und lieferten keine Hinweise auf Zwang. Zudem habe die Frau sich Geld geliehen, die Kreditkarte des Mannes unbefugt benutzt und 450.000 südkoreanische Won (entspricht ca. 300 Euro) aus seiner Geldbörse gestohlen. Der Mann habe darauf lediglich verärgert reagiert und sie aufgefordert, ihn nicht weiter zu kontaktieren, ohne Geld von ihr zurückzufordern.



4. Der Vorwurf einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer Studentin der Universität Cornell hat im Internet eine regelrechte Hetzjagd ausgelöst, bei der auch zahlreiche Unschuldige ins Visier gerieten. Nachdem sieben Männer im Zusammenhang mit dem Fall beschuldigt worden waren, begannen Internetnutzer, deren Identität und Aufenthaltsorte auf eigene Faust zu recherchieren. Besonders betroffen waren Männer asiatischer Herkunft, die denselben Namen wie einer der Beschuldigten tragen. Zu einem Fall, über den Genderama bereits berichtet hatte, kamen inzwischen mehrere andere. Auch ein Indonesier und ein chinesischstämmiger Student der University of Pennsylvania mussten öffentlich klarstellen, dass sie nichts mit dem Fall zu tun hatten. Darüber hinaus wurden ehemalige Mitglieder der betreffenden Studentenverbindung, die ihr Studium bereits vor dem mutmaßlichen Übergriff abgeschlossen hatten, fälschlich beschuldigt und mit Drohungen überzogen; einige verloren dadurch vorübergehend ihre beruflichen oder akademischen Möglichkeiten. Das Geplärre über eine vermeintliche "rape culture", die Täter mutwillig laufen lasse, trägt zu dieser Selbstjustiz bei.



5. Die ehemalige Oberstaatsanwältin Andrea Boesken aus Kasssel spricht sich gegen eine Erweiterung der Gesetze im Zusammenhang mit Vergewaltigung aus:

Interviewfrage: In Deutschland gilt bislang noch das Prinzip "Nein heißt Nein". Eine sexuelle Handlung ist strafbar, sobald sich eine Person dagegen wehrt oder ein "Nein" äußert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig setzt sich im Sexualstrafrecht für eine Einführung der "Nur Ja heißt Ja"-Regel ein. Sexuelle Handlungen gelten in diesem Modell nur dann als einvernehmlich, wenn alle Beteiligten ausdrücklich zugestimmt haben und in körperlicher wie geistiger Verfassung für eine Zustimmung sind. Was halten Sie von diesem konsensbasierten Modell?

Boesken: Wie soll das in der Praxis aussehen? Wenn jede Frau erst vorher eine Einverständniserklärung unterzeichnen muss, wäre dies aus meiner Sicht das Ende für jede Romantik und würde die Zärtlichkeit zwischen den Sexualpartnern beeinflussen. Ich halte den Vorschlag für übertrieben. Aus meiner Sicht reicht ein klares "Nein" oder ein entsprechendes unmissverständliches Verhalten. Beide sollten allerdings schon dabei in körperlicher wie geistiger Hinsicht die Tragweise ihres Tuns beurteilen können.




6. In zwei Shorts auf Youtube kontert die Psychologin Nassim Farahzad feministische Mythen über "gefährliche Männer" und "das Patriarchat".



7. Der australische Männerrechtler David Maywald wendet sich auf X (Twitter) gegen die Verteufelung der "Manosphäre":

Die Manosphäre: viel mehr als Frauenfeindlichkeit, Wut und Extremismus

Was genau ist die Manosphäre? Und warum sind manche Leute so fest entschlossen, Männer, die sich online vernetzen, als etwas Unheimliches darzustellen?

Glaubt man bestimmten Medienkommentatoren, feministischen Aktivistinnen und Akademikern, handelt es sich um ein gefährliches Ökosystem aus Frauenfeindlichkeit, Radikalisierung und wütenden jungen Männern.

Was für ein außerordentlich enges, irreführendes und voreingenommenes Bild!

Die kürzlich ausgestrahlte ABC-Serie "The State of Man" veranschaulicht das Problem. Indem sie sich auf umstrittene Influencer, schädliche Algorithmen und extremes Verhalten konzentriert, übersieht sie weitgehend die gewöhnlichen, konstruktiven Gründe, aus denen sich Millionen Jungen und Männer online vernetzen.

Die Wirklichkeit ist breiter, unübersichtlicher, komplexer und häufig sehr viel positiver.

Streng genommen bezeichnet der Begriff Manosphäre sich überschneidende Gemeinschaften, die sich mit Männlichkeit, Männerrechten, Partnersuche und dem Verhältnis der Geschlechter befassen, darunter auch einige umstrittene Subkulturen. Zunehmend wird der Begriff jedoch auf ein viel größeres Universum männerorientierter Online-Gemeinschaften angewandt.

Man bedenke die außergewöhnliche Bandbreite dieses Universums:

GESUNDHEIT & FITNESS: Krafttraining, Ernährung, Sport, körperliche Entwicklung, Disziplin und gesunde Lebensführung.

PSYCHISCHE GESUNDHEIT: Suizidprävention, Resilienz, seelisches Wohlbefinden, Überwindung von Suchterkrankungen, Unterstützung bei Traumata und Überwindung von Einsamkeit.

BRUDERSCHAFT: Männerfreundschaften, Mentoring, Ermutigung, gegenseitige Unterstützung und die Möglichkeit, offen zu sprechen, ohne verurteilt zu werden.

VATERSCHAFT & FAMILIE: bessere Väter, Ehemänner und Partner werden, Kinder unterstützen, Trennungen bewältigen und Familien stärken.

PERSÖNLICHE ENTWICKLUNG: Bildung, Lesen, Beruf, Finanzwissen, Unternehmertum, Motivation und Verantwortung.

MÄNNERRECHTE: Benachteiligungen von Männern in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Suizid, Obdachlosigkeit, Arbeitssicherheit, Strafjustiz und Familienrecht angehen.

GLAUBE & SINN: spirituelles Wachstum, moralischer Charakter, religiöse Brüderlichkeit, Dienst am Nächsten, Opferbereitschaft und Sinnfindung.

BEZIEHUNGEN: Partnersuche, Selbstvertrauen, Zurückweisung, Intimität, Kommunikation und der Aufbau erfüllender Beziehungen.

FÄHIGKEITEN & INTERESSEN: Technik, Gaming, Handwerk, Autos, Outdoor-Abenteuer, Geschichte, Philosophie und unzählige gemeinsame Leidenschaften.

POSITIVE MÄNNLICHKEIT: Mut, Kompetenz, Stoizismus, Führungsstärke, Stärke, Beschützen, Verantwortung und positive Vorbilder.

Natürlich gibt es auch Red-Pill-Gemeinschaften, Pickup-Artists, Incel-Foren und andere umstrittene Subkulturen. Manche von ihnen verbreiten tatsächlich schädliche Frauenfeindlichkeit, Ausbeutung, Groll oder Extremismus. Diese Schäden verdienen eine kritische Prüfung. Sie sollten aber niemals das Gesamtbild bestimmen. Ebenso wenig sollten wir Kritik am Feminismus mit Frauenhass verwechseln, traditionelle Werte mit Extremismus, männlichen Ehrgeiz mit Aggression oder einsame junge Männer mit gefährlichen Radikalen.

Die Manosphäre ist kein monolithischer Block. Ihre Gemeinschaften sind sich oft zutiefst uneinig (ganz ähnlich wie beim Feminismus). Und wir sollten uns an etwas Grundlegendes erinnern: Männer suchen diese Gemeinschaften häufig deshalb auf, weil ihnen anderswo etwas Wichtiges fehlt. Freundschaft. Sinn. Anerkennung. Orientierung. Zugehörigkeit. Hoffnung.

Australische Männer stehen vor ernsthaften Herausforderungen, darunter eine Suizidrate, die 3,1-mal so hoch ist wie die von Frauen, schlechtere Bildungsergebnisse, eine kürzere Lebenserwartung und erhebliche soziale Isolation. Warum sollten sie nicht bei anderen Männern Unterstützung, Antworten und Inspiration suchen? Wenn sich dagegen Frauen online vernetzen, um über ihre Herausforderungen, Ziele und Rechte zu sprechen, feiern wir das in der Regel als Empowerment und Solidarität. Warum sollten Männer anders behandelt werden?

Die ABC-Serie "The State of Man" hat einige berechtigte Gefahren im Netz benannt, doch durch ihre selektive Darstellung ist ihr ein Großteil dieses größeren Bildes entgangen. Algorithmen können schädliche Inhalte verstärken. Kommerzielle Influencer können Unsicherheit ausnutzen. Diese Probleme verdienen Aufmerksamkeit im gesamten digitalen Ökosystem, und zwar für beide Geschlechter. Moralische Panik, Sensationsgier und ideologische Vorurteile sind jedoch kein Ersatz für Belege, Empathie und Verständnis.

Vielleicht ist es manchen Aktivisten unangenehm, wenn unabhängige männliche Stimmen etablierte Geschlechternarrative infrage stellen. Was auch immer die Erklärung sein mag: Männliche Verbundenheit zu dämonisieren ist zutiefst kontraproduktiv. Männliche Solidarität ist keine Frauenfeindlichkeit. Männlicher Ehrgeiz ist kein Extremismus. Jungen und Männer zu unterstützen ist kein Angriff auf Frauen.

Gesunde Männergemeinschaften helfen Männern, stärker, weiser, gesünder, fähiger und verantwortungsbewusster zu werden und weniger allein zu sein. Und wenn es Männern gut geht, profitieren auch Frauen, Kinder, Familien und die Gesellschaft. Feiern wir das Positive. Treten wir dem Schädlichen entgegen. Respektieren wir die Vielfalt. Und hören wir auf, Männer, die einander unterstützen, als Bedrohung zu behandeln.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Montag, Oktober 19, 2026

Professorin für Sozialwissenschaft beklagt feministischen Männerhass

1. "Die Welt" hat die Professorin für Angewandte Sozialwissenschaften Claudia Rahnfeld zum Geschlechterkonlikt interviewt. Ein Auszug aus dem Gespräch:

WELT: Haben sich die Ansprüche an Väter verändert?

Rahnfeld: Elternschaft ist insgesamt sehr herausfordernd geworden. Und auch die Anforderungen an Männer und Väter wachsen immer weiter. Tendenziell ist es den meisten Männern immer noch sehr wichtig, erst einmal wirtschaftlich abgesichert zu sein. Denn trotz des Wandels der Geschlechterrollen ist die Erwartung, als Mann für die materielle Absicherung einer Familie sorgen zu können, nach wie vor erstaunlich stabil. Gleichzeitig zeigen unterschiedliche Daten, dass Männer wie Frauen glauben, ein guter Vater solle emotional und organisatorisch genauso präsent sein wie die Mutter. Es ist nachvollziehbar, dass viele da ins Straucheln kommen.

WELT: Was genau muss ein moderner Vater leisten?

Rahnfeld: Von modernen Vätern wird heute erwartet, dass sie wirtschaftliche Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig emotional präsent sind, sich aktiv an der Erziehung beteiligen und Verantwortung für die alltägliche Sorgearbeit übernehmen. Das ist anspruchsvoll, weil traditionelle und moderne Rollenanforderungen nebeneinander bestehen. Der Väterreport 2023 zeigt, dass sich jeder zweite Vater eine hälftige Aufteilung der Kinderbetreuung wünscht. Tatsächlich gelingt das aber nur jedem fünften. Wir erleben also einen Wandel der Erwartungen, der sich in der gesellschaftlichen Realität noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Männer sollen heute fürsorgliche, gleichberechtigte Väter sein, werden beruflich aber häufig noch an traditionellen Vorstellungen von Leistungsbereitschaft und Verfügbarkeit gemessen.

WELT: Also Doppelbelastung für alle.

Rahnfeld: Genau. Eigentlich ist das ja die Idealvorstellung, mit der wir in die Zukunft wollen: Alles ist wirklich gleich aufgeteilt. Aber hier spielen gesellschaftliche Anerkennungsmechanismen eine große Rolle. Was wir von Männern fordern und wofür sie Anerkennung bekommen, sind zwei Paar Schuhe. Männer, die in ihrer Firma sagen, dass sie länger als ein oder zwei Monate in Elternzeit gehen wollen, werden nicht selten schräg angeschaut. Wer eine Führungsposition hat, muss bangen, ob er seinen Posten danach noch so hat. (…)

WELT: Welche Rolle spielt die Digitalisierung zwischenmenschlicher Kontakte?

Rahnfeld: Auch die Digitalisierung ist ein Punkt: Wir verlernen, aufeinander zuzugehen. Und junge Menschen, Frauen wie Männer, verlernen immer mehr, mit ihrem Körper sinnvoll in Interaktion zu treten. Das sollte man ernst nehmen. Dazu kommt: Was wir auf den feministischen Social-Media-Kanälen beobachten, ist sehr kämpferisch. In einigen feministischen Kreisen gibt es manchmal fast schon Männerhass.

WELT: Was genau meinen Sie?

Rahnfeld: Meine subjektive Einschätzung ist, dass der Feminismus an einigen Stellen zu weit geht: Diese grundsätzliche Aggression und der Generalverdacht, unter den Männer gestellt werden, sind aus meiner Sicht problematisch. Einerseits ist es gut, dass wir gegenüber einem Alltagssexismus sensibler geworden sind. Andererseits sind Männer durch den sehr aggressiven Feminismus stark verunsichert. Viele Männer wissen oftmals nicht mehr genau, wie sie sich verhalten sollen. Das trägt auch dazu bei, dass die Geschlechter nicht mehr richtig zueinanderfinden. Auch Sätze wie "Wir müssen das Patriarchat abschaffen" höre ich oft von meinen Studierenden. Das sind utopische Pauschalforderungen, die einer empirischen Wirklichkeit widersprechen. Unsere Gesellschaft ist patriarchal geprägt, aber würden wir noch im Patriarchat leben, gäbe es mich in meiner Rolle zum Beispiel nicht.




2. SPIEGEL-Online berichtet:

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt muss wegen einer Äußerung gegenüber der Linkenabgeordneten Kathrin Gebel ein Ordnungsgeld bezahlen. Reichardts Einspruch gegen die Entscheidung hat der Bundestag nun zurückgewiesen.

Was war passiert? Reichardt hatte im Bundestag am Donnerstag nach Zwischenrufen in seiner Rede in Richtung von Ralf Stegner (SPD) und Gebel gemeint: "Sie beide haben mir sehr geholfen – Sie mit Ihrer unqualifizierten Zwischenbemerkung und Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris."

Damit hatte Reichardt Bezug genommen auf einen Kommentar von Linkenpolitikerin Gebel. Sie hatte in einer Bundestagsdebatte im März auf einen Zwischenruf von Reichardt in ihre Rede geantwortet: "Herr Reichardt, die Klitoris hat 3000 Nervenenden, aber Sie sind trotzdem empfindlicher – das muss man echt mal schaffen." Videos der Szene gingen viral. Später korrigierte sich Gebel in den sozialen Medien: "Die Klitoris hat gar keine 3000 Nervenenden – die hat 10.000."

Die am Donnerstag amtierende Bundestagspräsidentin Andrea Lindholz (CSU) monierte Reichardts nun getätigte Äußerungen. "Auch wenn der Kollege Reichardt damit auf eine Rede der Abgeordneten Gebel vom März dieses Jahres angespielt haben mag, so stellt seine heutige Bemerkung nicht nur einen äußerst geschmacklosen und herabwürdigenden, sondern auch einen zutiefst beleidigenden verbalen Übergriff in die Intimsphäre einer Kollegin dar", sagte Lindholz laut Sitzungsprotokoll : "Ich will an dieser Stelle sagen: Es reicht!" Sie verhängte das Ordnungsgeld.

Reichardt setzte sich dagegen zur Wehr, mit einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) legte er Einspruch ein. Als Begründung gab Reichardt dem Bundestag zufolge an , seine Aussage sei eine "sachliche Feststellung" gewesen und er habe den Begriff "Klitoris" lediglich deswegen verwendet, weil Gebel diesen Begriff ihm gegenüber in einer früheren Plenardebatte verwendet habe. Es erschließe sich ihm nicht, weshalb er ein Ordnungsgeld erhalte, Gebel aber für die Verwendung des Begriffs "nicht einmal einen Ordnungsruf" bekommen habe.

Bundestagspräsidentin Klöckner zitierte am Freitag bei der Aufsetzung des Tagesordnungspunkts noch einmal Reichardts Äußerung. Diese reihe sich ein in Vorwürfe an Frauen "hier im Parlament", dass sie kinderlos seien. "Frauen und Männer sind gleichberechtigt", sagte Klöckner. "Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten." Nur 32 Prozent der Abgeordneten seien Frauen. Wenn man das ändern wolle, "dann müssen wir uns auch so verhalten, dass Frauen Lust auf diesen Beruf hier haben". In Zukunft werde es sofort mit einem Ordnungsruf geahndet, "wenn so respektlos mit und über Frauen geredet wird".

Reichardts Einspruch gegen das Ordnungsgeld wurde dem Bundestag zufolge nun zurückgewiesen. Demnach stimmten CDU/CSU, SPD, Die Grünen und Die Linke für die Zurückweisung des Einspruchs, die AfD dagegen.

Linkenpolitiker Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags, begrüßte die Entscheidung auf X. "Zwei starke Frauen stellen sich schützend vor Frauen im Bundestag, gegen Übergriffigkeit! Ich danke der Präsidentin Julia Klöckner und der Vizepräsidentin Andrea Lindholz. So geht Solidarität."


Einmal unabhängig von der Parteizugehörigkeit des Mannes: Was für ein unwürdiges Schmierentheater ist das denn bitte? Eine Politikerin bringt den Begriff "Klitoris" an unpassender Stelle im Bundestag ein und attackiert einen politischen Gegner, weil sie ihn als sensibel empfindet. Der revanchiert sich mit einer Retourkutsche. Daraufhin erhält ER einen Ordnungsruf, und alle halten ein obskures Schauspiel ab, als ob man damit eine große Leistung gegen Frauenfeindlichkeit erbracht und es den Rechtsextremen so richtig gezeigt hätte? Man braucht sich wirklich nicht zu wundern, dass viele Bürger das satt haben und Kritik an der AfD von vielen nicht mehr richtig ernst genommen wird.

Männer mit Geschlechtsorganen vergleichen, Widerworte sanktionieren und sich dann selbst als Bannerträger von Frauenpower feiern … So geht es inzwischen zu im Deutschen Bundestag.



3. Die SPD-Frauen werfen der CDU "Sexismus mit System" vor, nachdem Friedrich Merz Manuela Schwesigs Beschuldigungen zurückwies, die CDU hätte sich Bärbel Bas gegenüber "unmenschlich" verhalten. Er wolle nicht akzeptieren, erklärte Merz, wenn der Koalitionspartner "ohne jeden erkennbaren Grund unsere Politik und unser Miteinander als unmenschlich bezeichnet".

"Die Union hat Angst vor starken SPD-Frauen wie Manuela Schwesig", formulierte hierzu die Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, Carmen Wegge, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das Muster sei alt, führte Wegge weiter aus. "Wenn Frauen Macht haben, werden sie nicht politisch gestellt, sondern persönlich angegriffen. Ihr wird die Kompetenz abgesprochen, ihr Ton kritisiert, ihre Glaubwürdigkeit untergraben." Bei Männern heiße das Führungsstärke, bei Frauen sei es plötzlich ein Problem. "Das ist kein Ausrutscher, das ist Sexismus mit System."


Wie man Beschuldigungen einer Politikerin zurückweisen darf, ohne dass dies als "sexistisch" geframet wird, erklären die SPD-Frauen nicht.



4. Der Lehrer Gerald Ehegartner legt dar, wie Gendern das Lesen-Lernen behindert:

In einem Bereich der Sprachvermittlung galt die Aufmerksamkeit in den letzten beiden Jahrzehnten jedoch weniger der Lesekompetenz als vielmehr der Ideologiekompetenz: dem "korrekten" Gendern. Der moralische Eifer an Bildungsinstitutionen führt längst zu bedenklichen Auswüchsen – von ideologischem Druck auf angehende Lehrkräfte bis hin zu Grundschullehrern, die bereits beim Erlernen der Schriftsprache das Gendern vermitteln.

(…) Es stellt sich die Frage, warum in weit verbreiteten Unterrichtsmaterialien nach wie vor mit Sonderzeichen gegendert wird – und warum Lehrkräfte selbst erstellte Unterlagen verwenden, die dem amtlichen Regelwerk nicht entsprechen.

(…) Gendern (…) schafft gerade für leistungsschwache Schüler und jene, die sich die deutsche Sprache erst erarbeiten, zusätzliche Hürden. (…) An unseren Schulen haben wir (…) völlig andere Sorgen als die Inszenierung einer postgrammatischen Geschlechterfragmentierung. Gerade die Schule sollte die geltenden grammatischen Regeln vermitteln, statt sie ideologiegetrieben umzubauen.

Selbsternannten "Sprachmoralisten" sei ins Stammbuch geschrieben: Lernen Sie Grammatik, statt sie unter falschen Annahmen korrigieren zu wollen! Denn die Grammatik besitzt kein Weltbild, und die Stellung der Frau lässt sich aus ihr nicht ablesen. Man denke nur an Island: Isländisch unterscheidet auch im Plural zwischen drei grammatischen Geschlechtern und kennt im Singular ein geschlechtsneutrales Maskulinum – zugleich nimmt das Land seit 17 Jahren ununterbrochen Platz eins im Global Gender Gap Index ein.




5. Der MDR beschäftigt sich mit Klischees über den ostdeutschen Mann, der als "arbeitslos, rechtsradikal und demokratieunfähig" phantasiert wird.



6. Donald Trumps Zustimmung unter Männern ist auf einem Tiefststand:

Die Zustimmung für Präsident Donald Trump unter Männern ist in der jüngsten Umfrage von The Economist/YouGov um acht Punkte auf einen Saldo von minus 19 gesunken. Das ist sein schwächster Wert in fünf vergleichbaren Erhebungen unter registrierten Wählern seit September. Eine Analyse von Newsweek ergab, dass Trumps Ansehen bei Männern nicht kontinuierlich gesunken ist: Seine Zustimmungswerte schwankten innerhalb einer engen Spanne, bevor sie in der jüngsten Umfrage deutlich einbrachen.




7. Das Blog Apokolokynthose zerpflückt einen Spiegel-Online-Artikel, der alle Männer zu Mitschuldigen an sexueller Gewalt erklärt.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, Oktober 16, 2026

Bundeswehr: Warum Ex-Soldaten künftig nicht mehr Nein sagen können

1. Der Bundestag berät über das von Verteidigungsminister Boris Pistorius geplante Reservestärkungsgesetz, das ehemalige Bundeswehrsoldaten künftig auch gegen ihren Willen und ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers zu Reservediensten verpflichten soll. Damit könnten Betroffene bis zum Alter von 65 Jahren herangezogen werden, in bestimmten Fällen auch zu Auslandseinsätzen in EU- und NATO-Staaten. Ein allgemeines Recht, eine Einberufung abzulehnen, ist nicht vorgesehen; lediglich bei bestimmten persönlichen, beruflichen oder wirtschaftlichen Härtefällen kann eine Zurückstellung beantragt werden. Für Frauen bliebe der Dienst freiwillig. Die Linke kritisiert das Vorhaben als eine "Wehrpflicht durch die Hintertür".



2. Eine neue Studie auf Basis von Angaben von rund 750.000 15-Jährigen in 61 Ländern zeigt, dass Jungen in nahezu allen untersuchten Ländern weniger positiv auf schulische Anstrengung blicken als Mädchen. Dieser Unterschied besteht unabhängig von sozioökonomischem Status, Familienstruktur oder Klassenwiederholung und fällt in wirtschaftlich entwickelten und geschlechtergleicher organisierten Gesellschaften größer aus.



3. In Großbritannien hat die Suizidrate bei Männern mittleren Alters einen historischen Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Männer sterben demnachweiterhin mehr als dreimal so häufig durch Suizid wie Frauen. Die Zahlen zeigen zudem, dass die erhöhte Suizidgefahr Männer der Generation X seit Jahrzehnten begleitet. Als mögliche Belastungsfaktoren nennen Experten finanzielle Schwierigkeiten, unsichere Arbeitsverhältnisse, hohe Wohnkosten, Einsamkeit und psychische Probleme. Vertreter von Hilfsorganisationen kritisieren, dass die Suizidprävention politisch nicht ausreichend priorisiert werde. Sie weisen außerdem darauf hin, dass Männer bei der Suche nach Unterstützung häufig auf Stigmatisierung stoßen oder sich nicht ernst genommen fühlen, und fordern passgenauere Hilfsangebote.



4. Die Akademiker-Plattform "Inside Higher Ed" fordert nach der angeblichen Vergewaltigung in Cornell, dass Hochschulen Männer verpflichtend über Geschlechterungleichheit, Macht und Sexismus unterrichten müssen, statt dies auf Wahlfächer, Workshops und einzelne Veranstaltungen zu begrenzen. Eine solche dauerhafte Integration dieser Themen geschehe an verschiedenen Hochschulen ja ohnehin schon. Da Männer ihre Vorstellungen von Männlichkeit über 18 Jahre hinweg erlernt hätten, brauche es ein ganzes Semester, um diese Normen zu hinterfragen. Von politischer Indoktrination könne nicht die Rede sein: "Der Zweck der Vermittlung von Wissen über Geschlechterungleichheit, Macht und Sexismus besteht nicht darin, Einigkeit herbeizuführen, sondern die Studierenden dazu zu befähigen, diese Kräfte zu verstehen, sie zu hinterfragen und sich ein eigenes Urteil darüber zu bilden."



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Donnerstag, Oktober 15, 2026

Die schleichende Ausweitung des Begriffs "fehlende Zustimmung"

Die angebliche Gruppenvergewaltigung in Cornell ist weiterhin ein starkes Medienthema. Es gibt auch weiterhin kritische Artikel über die damit verbundenen Vorverurteilungen, einen solchen Artikel von der Feminismuskritikerin Janice Fiamengo findet man hier in deutscher Übersetzung. Einen anderen Beitrag, der ebenfalls grundsätzlicher wird, habe ich heute für Genderama ausgewählt. Links zu Belegen findet ihr im Original.



Der Aktivismus für "affirmative Zustimmung" ("Nur Ja heißt Ja") hat die Bedeutung von dem, was wir unter einem sexuellen Übergriff verstehen, erweitert und dazu ermutigt, vergangene Begegnungen nachträglich umzudeuten – mit ernsten Folgen für Einzelne, für die Gesellschaft und für das Recht.

Die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen sieben Mitglieder einer Studentenverbindung an der Cornell University haben eine jahrzehntealte Debatte wiederbelebt, nämlich die Frage, ob es an amerikanischen Hochschulen eine Vergewaltigungskrise gibt. Eine ehemalige Cornell-Studentin, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt, gibt an, die Männer hätten sie 2024 während einer Nacht mit starkem Alkohol- und Drogenkonsum sexuell missbraucht.

Obwohl die Vorwürfe weiterhin umstritten sind, haben Journalisten, Aktivisten und Politiker der Demokraten sie bereits als Tatsache behandelt und den Fall als Beleg für ein größeres Problem an amerikanischen Colleges und Universitäten angeführt. Vox spricht von einer "Krise, die weit über Cornell hinausgeht". The Atlantic fragt, ob das College für Frauen unsicherer wird. Der Guardian erklärt, wir lebten in einer "vergewaltigungsanfälligen Gesellschaft". Zehntausende Frauen haben auf TikTok aus Solidarität mit der Klägerin von Cornell unter #IAmJaneDoe gepostet, was Vergleiche mit der #MeToo-Bewegung nach sich zog. Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, nutzt den Fall, um auf eine Änderung des Landesrechts zu drängen. Sie plädiert dafür, das "Schlupfloch der freiwilligen Berauschung" zu schließen, und hat Generalstaatsanwältin Letitia James beauftragt, die Vorwürfe erneut zu untersuchen.

Herkömmliche Kriminalitätsstatistiken stützen die Behauptung nicht, dass Amerika eine Vergewaltigungsepidemie erlebt. Der National Crime Victimization Survey des Bureau of Justice Statistics, der auch nie bei der Polizei angezeigte Straftaten erfasst, schätzt, dass die Rate von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen von 4,3 Viktimisierungen pro 1.000 Personen ab zwölf Jahren im Jahr 1993 auf 2,0 im Jahr 2024 gesunken ist.

Zugenommen hat in den letzten Jahren hingegen die Bandbreite der Erfahrungen, die heute als nicht einvernehmlich beschrieben werden. Diese von Aktivisten vorangetriebenen erweiterten Definitionen und die daran anschließende Ermutigung von Frauen, vergangene Erlebnisse in ihrem Licht neu zu deuten, haben ernste Folgen für Einzelne und die Gesellschaft – und womöglich bald auch für die rechtliche Bedeutung von Vergewaltigung und sexuellem Übergriff.

Der Psychologe Nick Haslam prägte den Begriff "Concept Creep", um zu beschreiben, wie sich schadensbezogene Begriffe "horizontal" ausgeweitet haben, sodass sie qualitativ andere Erfahrungen umfassen, und "vertikal", sodass sie auch weniger schwere Formen einschließen. Als er dieses Modell auf Begriffe wie Trauma, Mobbing, Rassismus und Missbrauch anwandte, stellte er fest, dass eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber wahrgenommenem Schaden am häufigsten mit einem linksliberalen Weltbild einherging.

Die Definition fehlender sexueller Zustimmung hat sich auf ähnliche Weise ausgedehnt. Früher verstand man sie im Sinne von Gewalt und Handlungsunfähigkeit, doch mit dem Aufstieg der "affirmativen Zustimmung" begann sie sich zu wandeln. Als dieses Konzept in den 1990er-Jahren an Hochschulen auftauchte, galt es noch als Randidee und wurde vielfach verspottet. Es ersetzte den vertrauten Grundsatz "Nein heißt Nein" durch die Forderung nach einer ausdrücklichen, fortlaufenden Einwilligung in sexuelle Handlungen.

Viele halten diesen Wandel für positiv, doch er hat weiteren Auslegungen von Zustimmung – und fehlender Zustimmung – die Tür geöffnet. Heute kann fehlende Zustimmung Schweigen, unzureichende Begeisterung, jeden Grad von Berauschung sowie das Gefühl umfassen, zu sexuellen Handlungen gedrängt, getäuscht oder beeinflusst worden zu sein.

Es dauerte weitere zwei Jahrzehnte, bis die affirmative Zustimmung im Mainstream ankam. Anfang der 2010er-Jahre hatten Aktivisten gegen sexuelle Übergriffe an Hochschulen auf Bundesebene durch die Ausweitung der Durchsetzung von Title IX unter der Obama-Regierung eine starke Stellung gewonnen. 2014 richtete die Regierung die White House Task Force to Protect Students from Sexual Assault ein und erklärte sexuelle Übergriffe an Hochschulen zur nationalen Priorität.

Politische Entscheidungsträger stellten die aufkommenden Richtlinien zur affirmativen Zustimmung überwiegend als Prävention dar, also als klarere Regeln für künftige sexuelle Begegnungen. Manche Aktivisten sahen jedoch noch einen anderen Nutzen darin. Eine weiter gefasste Definition fehlender Zustimmung könnte mehr Frauen als Opfer ausweisen, darunter auch solche, die ihre Erlebnisse bis dahin nicht als Vergewaltigung oder sexuellen Übergriff verstanden hatten.

Laura Dunn, Gründerin von SurvJustice, einer landesweiten gemeinnützigen Organisation, die Opfern sexueller Gewalt Rechtsbeistand und Unterstützung bietet, und die Harvard-Doktorandin Rory Gerberg vertraten genau dieses Argument in Stellungnahmen gegenüber der Task Force. Sie schrieben, dass "Überlebende Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe häufig nicht als solche erkennen", weil die Gesellschaft Zustimmung missverstehe. Als Abhilfe schlugen sie vor, "eine affirmative Definition von Zustimmung zu institutionalisieren", und zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, "einen rechtlichen Wandel in unserem gesellschaftlichen Verständnis von Zustimmung" herbeizuführen.

Die landesweite Hinwendung zum Standard der affirmativen Zustimmung vollzog sich um das Jahr 2015. In jenem Jahr rief Planned Parenthood zu einer landesweiten "Kultur der Zustimmung" auf und stellte im Jahr darauf sein FRIES-Modell vor, demzufolge Zustimmung "freiwillig erteilt, widerrufbar, informiert, enthusiastisch und spezifisch" sein muss. Frühere Richtlinien von Planned Parenthood hatten davor gewarnt, dass Alkohol Hemmungen senke und Menschen bei der Wahl ihrer Sexualpartner "weniger wählerisch" mache, was zu Reue führen könne. Die aktuellen Richtlinien besagen, dass eine Person keine Zustimmung geben kann, wenn sie betrunken oder high ist.

Ähnlich erklärt das Rape, Abuse & Incest National Network, Zustimmung müsse "klar, freiwillig und enthusiastisch" erteilt werden, und zur Einwilligungsfähigkeit gehöre es, "nüchtern und wach" zu sein. Viele Organisationen, darunter die Centers for Disease Control and Prevention, nennen weitere Kategorien "sexueller Gewalt" wie etwa "sexuelle Nötigung", die beharrliches Drängen auf Sex umfassen kann oder den Umstand, so lange "bearbeitet" zu werden, bis man einwilligt.

Den Schwung für diese Veränderungen lieferten Behauptungen, an den Hochschulen herrsche eine Epidemie sexueller Übergriffe, die in den gewöhnlichen Kriminalstatistiken verborgen bleibe. Der Bericht der Task Force vom April 2014 begann mit der Feststellung, dass "jede fünfte Frau während des Studiums sexuell missbraucht wird", räumte später aber ein, dass viele Frauen, die Forscher als Opfer einer Vergewaltigung durch Bekannte einstuften, "das, was ihnen passiert ist, nicht als Vergewaltigung bezeichnen". Die Obama-Regierung wertete diese Lücke als Beleg dafür, dass Übergriffe unerkannt blieben. Gewöhnliche Anzeigen könnten nicht offenlegen, "was auf dem Campus wirklich passiert", argumentierte sie, weshalb Hochschulen Verhaltensumfragen durchführen sollten, mit denen sich Übergriffe erfassen ließen, die die Frauen selbst nicht als solche betrachtet hatten.

Die Zahl "eine von fünf" wurde zu einer der am häufigsten zitierten Schätzungen sexueller Übergriffe an Hochschulen und wird bis heute wiederholt. Sie stammte jedoch nicht aus einer landesweiten Studie über Vergewaltigungen an Hochschulen. Sie ging auf eine Umfrage aus dem Jahr 2007 unter Studierenden an lediglich zwei Universitäten zurück, und nur 42 Prozent der zur Teilnahme eingeladenen Frauen antworteten.

Bis 2014 waren zwei der an der Studie beteiligten Forscher, Christopher Krebs und Christine Lindquist, über die Verwendung der Zahl so besorgt, dass sie in einem Artikel für Time die Dinge richtigstellten. Sie räumten ein, dass die Zahl "keine landesweit repräsentative Schätzung" sei, warnten davor, sie als nationalen Ausgangswert für sexuelle Übergriffe an Hochschulen zu verwenden, und gaben zu bedenken, dass die niedrige Rücklaufquote ihre Ergebnisse verzerrt haben könnte. Zudem betonten sie, dass "eine von fünf" nicht bedeute, dass jede fünfte Frau vergewaltigt worden sei, da ihre Zahl auch unerwünschtes Küssen und Berühren einschloss.

Andere Forschung auf diesem Gebiet leidet an vielen derselben methodischen Mängel, auf die Heather Mac Donald vor fast zwei Jahrzehnten im City Journal hingewiesen hat. Dazu können weit gefasste Definitionen gehören, die Vergewaltigung mit weniger schweren Formen unerwünschten Körperkontakts vermengen, außerdem subjektive Selbstauskünfte sowie niedrige Rücklaufquoten, die zu verzerrten Stichproben führen können. Die Umfrage der Cornell University von 2025 etwa ergab, dass 35 Prozent der Studentinnen im Grundstudium "sexuelle Übergriffe" erlebt hätten. Ihre Rücklaufquote lag bei gerade einmal 13 Prozent, und sie stützte sich auf ein weit gefasstes Messinstrument, das sehr unterschiedliche Erfahrungen unter derselben Bezeichnung zusammenfasste.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, jungen Menschen zu raten, klarer zu kommunizieren und auf sexuelle Handlungen mit stark beeinträchtigten Partnern zu verzichten. Problematisch kann es jedoch werden, wenn man sie dazu ermutigt, einen neuen Maßstab für Zustimmung auf vergangene Erlebnisse anzuwenden. Als der Hashtag #MeToo im Oktober 2017 explodierte, begannen Millionen von Frauen, genau das öffentlich zu tun. Solche Online-Enthüllungen stoßen in der Regel auf Mitgefühl und Bestätigung, können Hunderttausende Aufrufe erzielen und eröffnen den Zugang zu einer "Überlebenden"-Gemeinschaft, die um eine positive soziale Identität herum aufgebaut ist.

Die nachträgliche Umdeutung sexueller Begegnungen wurde zu einem erkennbaren Genre. In einem Essay aus dem Jahr 2018 etwa deutete Laura Amy eine sexuelle Begegnung um, der sie ausdrücklich zugestimmt hatte. "Ich habe Ja gesagt", schrieb sie, und jahrelang hatte sie solche Erlebnisse einfach als schlechten Sex betrachtet. Nachdem sie jedoch #MeToo-Berichte von Frauen gelesen hatte, die sich zur Zustimmung gedrängt oder verpflichtet gefühlt hatten, dachte sie neu über das Geschehene nach und kam zu dem Schluss: "Das ist kein einvernehmlicher Sex." Eine Frau, die 2021 im Guardian schrieb, betrachtete ebenfalls eine Begegnung neu, die sie lange als "schlechten Sex" oder als Erlebnis in einer "Grauzone" angesehen hatte. Nach #MeToo sah sie es anders: "Das war ein sexueller Übergriff."

Forscher haben dasselbe Phänomen dokumentiert. Eine Studie aus dem Jahr 2021 begleitete 2.566 Studierende vor und nach #MeToo. Unter den 596 Teilnehmenden, deren Erlebnisse der weit gefassten Definition sexueller Übergriffe durch die Forscher entsprachen, bezeichneten die Teilnehmenden im Lauf der Zeit Begegnungen häufiger als sexuellen Übergriff, die sie ursprünglich nicht so beschrieben hatten. Die Autoren führten die veränderte Wahrnehmung der Teilnehmenden auf #MeToo zurück. Ebenso ergab eine Studie aus dem Jahr 2023, dass fünf von zehn Teilnehmenden angaben, #MeToo habe sie dazu gebracht, frühere Erlebnisse als sexuellen Missbrauch oder Übergriff neu einzuordnen. Die Forscher beschrieben diesen Vorgang als "Umdeuten oder Umetikettieren von Erlebnissen als sexuellen Übergriff".

In einer Studie aus dem Jahr 2025 mit 380 Studierenden, deren Erlebnisse die weit gefassten Kriterien der Forscher für sexuelle Übergriffe erfüllten, neigten 36 Prozent eher dazu, die Begegnung als sexuellen Übergriff zu bezeichnen, als sie sie in Erinnerung an die Zeit kurz nach dem Geschehen eingestuft hatten. Von dieser Gruppe gaben 43 Prozent an, andere Menschen hätten dazu beigetragen, dass sich ihr Verständnis des Geschehens verändert habe.

Frauen erfinden nicht unbedingt bewusst falsche Anschuldigungen. Eine Frau kann aufrichtig dazu gelangen, vergangene Begegnungen in einem anderen Licht zu sehen, nachdem sie sich einen neuen Deutungsrahmen dafür zu eigen gemacht hat. Das autobiografische Gedächtnis ist rekonstruktiv und keine wörtliche Aufzeichnung der Vergangenheit. Es ist in hohem Maß offen für Beeinflussung und Suggestion, was zu falschen Erinnerungen führen kann. In zwei 2026 veröffentlichten Experimenten regten die Psychologen Lawrence Patihis und Harry Carter einen zufällig ausgewählten Teil der Teilnehmenden dazu an, negativer über einen früheren Partner bei einem ersten Date nachzudenken, und baten sie anschließend, sich daran zu erinnern, wie sie sich während des Dates gefühlt hatten. Wer die negative Anregung erhalten hatte, erinnerte sich daran, sich weniger sicher und stärker bedrängt gefühlt zu haben als die übrigen Teilnehmenden.

Ob beabsichtigt oder nicht, falsche Anschuldigungen haben ernste Folgen. Wer mit falschen oder zweifelhaften Anschuldigungen konfrontiert wird, ist womöglich weniger bereit, echten Glauben zu schenken. In einem Experiment begegneten Männer, die einen Zeitungsbericht über eine falsche Vergewaltigungsanschuldigung gelesen hatten, einer anderen Frau, die sexuellen Missbrauch anzeigte, skeptischer und hielten ihr Erlebnis für weniger schädlich. Befürworter des Ansatzes "Glaubt den Frauen" sagen häufig, falsche Anschuldigungen seien selten. Eine aktuelle Analyse von Aporia hält die üblicherweise genannten niedrigen Quoten jedoch für irreführend. Solche Schätzungen zählen nur nachweislich falsche Anschuldigungen, während sie ungeklärte, zurückgezogene und als "unbegründet/haltlos" eingestufte Fälle in den Nenner aufnehmen. Dadurch können falsche Anschuldigungen untererfasst werden, sodass die Quote künstlich niedrig erscheint. Zudem stützen sich Studien zu Falschanzeigen in der Regel auf Polizeiakten. Damit eignen sie sich schlecht, um Anschuldigungen im Stil von #MeToo zu beurteilen, die nie bei der Polizei landen, für die Beschuldigten aber dennoch ernste soziale Folgen und Rufschäden nach sich ziehen können.

Die Ausweitung der Definitionen sexueller Übergriffe wirkt sich nicht nur auf Einzelne aus, sondern auch auf die Gesellschaft. Dazu gehört, dass gewöhnliches Dating und sexuelle Interaktionen schwieriger zu bewältigen werden. 2020 stellte Pew fest, dass 65 Prozent der Amerikaner (69 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen) glaubten, die verstärkte Aufmerksamkeit für sexuelle Belästigung und Übergriffe habe es Männern erschwert zu wissen, wie sie sich bei einem Date verhalten sollen. Fast die Hälfte der Amerikaner gab an, Dating an sich sei schwieriger als noch zehn Jahre zuvor.

Eine Sexualethik, die auf einem klaren "Nein" beruht, verlangt von Männern, die Entscheidungen von Frauen zu respektieren. Die sich ausweitende Definition fehlender Zustimmung legt einen neueren Maßstab an: Sie verlangt von Männern zu beurteilen, ob eine Frau nüchtern genug, begeistert genug und hinreichend frei von Druck ist und ob sie die Begegnung später voraussichtlich nicht anders bewerten wird. Sie kann Frauen zudem dazu ermutigen, bereute sexuelle Erlebnisse als Beleg dafür umzudeuten, dass ihnen jemand Unrecht getan hat. Wir sollten vorsichtig sein, Frauen beizubringen, ihre Entscheidungen im Nachhinein infrage zu stellen – und noch vorsichtiger, diese Unsicherheit ins Gesetz zu schreiben.




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