Dienstag, September 08, 2026

Gloria Steinem ist tot

Gloria Steinem, die "berühmteste Feministin der Welt", ist vergangene Woche mit 92 Jahren gestorben.

Die Reaktionen der deutschen Medien waren vorhersehbar: In der ZEIT durfte Alice Schwarzer noch einmal dieser Frau huldigen, die sie als ihr Vorbild bezeichnete. Die "Welt" huldigte Steinem in einem ausführlichen, unkritischen Artikel, die Neue Zürcher Zeitung tönte kaum anders. Wie gehabt bekommt man überall dieselbe Soße serviert: Kritische Artikel oder abweichende Meinungen gibt es in der Berichterstattung deutscher Leitmedien nicht.

Was man verstehen könnte, wenn es nur um die alte Regel ginge, dass man über Verstorbene nichts Schlechtes sagen soll. Allerdings gilt das bei politisch einflussreichen Persönlichkeiten so zwingend keineswegs: Weil ihr Einfluss nachwirkt, muss es auch erlaubt sein, diese Leute und ihre Weltsicht kritisch zu hinterfragen. Würde allein der Tod einen davor schützen, müsste man sogar über nachweisliche Übeltäter in den höchsten Tönen schwärmen.

Aus diesem Grund und um zu zeigen, dass eine abweichende Perspektive überhaupt möglich ist, statt sich von selbst zu verbieten, weil Gloria Steinem tatsächlich einen Heiligenschein getragen hätte, präsentiere ich hier einen Artikel in deutscher Übersetzung, den die Feminismuskritikerin Cathy Young über sie verfasst hat: Gloria Steinem steht für das Schlimmste am modernen Feminismus.



Dass Präsident Obama der Feminismus-Ikone Gloria Steinem vergangene Woche die Presidential Medal of Freedom verliehen hat – unter sechzehn Geehrten, darunter Oprah Winfrey, Bill Clinton und der verstorbene Bürgerrechtler Bayard Rustin –, ist weitgehend unumstritten geblieben. Abgesehen von einigen Breitseiten aus rechtsaußen stehenden und Abtreibungsgegner-Blogs, die sich vor allem an Steinems Eintreten für das Recht auf Abtreibung stießen, blieb es still. Dabei kann man durchaus für die Wahlfreiheit und für die Gleichberechtigung der Geschlechter sein und trotzdem bei dieser Ehrung zusammenzucken. Bei allem unbestreitbaren Talent und aller Ausstrahlung ist Steinem geradezu ein Aushängeschild für jene Geschlechterkriegs-Paranoia und jenen ideologischen Dogmatismus, die die Frauenbewegung auf einen so zerstörerischen Weg geführt haben.

Wie also verkörpert Steinem die schlimmsten Züge des modernen Feminismus? Zählen wir sie auf.

Dogmatisches Leugnen von Geschlechtsunterschieden. Es gibt ein vollkommen legitimes Argument, dem ich selbst zuneige, wonach Unterschiede zwischen Männern und Frauen kulturell geprägt und weniger bedeutsam sind als individuelle Unterschiede. Für die Lockerung traditioneller geschlechtsgebundener Beschränkungen gibt es zweifellos breite Unterstützung. Aber Steinem treibt die Position gegen Unterschiede bis zu jenen fanatischen Extremen, die die feministischen Dissidentinnen Daphne Patai und Noretta Koertge als "Biodenial" bezeichnet haben. In einem Interview für John Stossels ABC-News-Sondersendung "Boys and Girls Are Different: Men, Women and the Sex Difference" verspottete Steinem 1997 die wissenschaftliche Forschung zu Geschlechtsunterschieden in der Hirnfunktion als "antiamerikanisches Irrdenken". Sie legte außerdem nahe, dass Krafttests für den Oberkörper, mit denen Feuerwehrleute schwere Lasten heben müssen, sexistisch seien. Und was ist mit Situationen, in denen Feuerwehrleute Verletzte oder Bewusstlose aus brennenden Gebäuden tragen müssen? Steinem beharrte mit unbewegter Miene darauf, es sei besser, sie zu schleifen, denn "dort unten ist weniger Rauch". Ich hielt die ABC-Sendung selbst für zu sehr auf Verallgemeinerungen über Unterschiede ausgerichtet, doch Steinem gab die denkbar schlechteste Fürsprecherin der Skeptiker ab.

Fixierung auf männliche Bösartigkeit. Wie viele in der Schwesternschaft lässt sich Steinem von ihrem Glauben an absolute Gleichheit nicht davon abhalten, Männer als Täter von Gewalt und Übel in den Mittelpunkt zu rücken. In der Theorie macht sie "das Patriarchat" verantwortlich und behauptet, es habe Männern wie Frauen ihre volle Menschlichkeit geraubt. Sie hat sogar – zu Recht – gesagt, wir würden keine echte Gleichberechtigung haben, solange wir nicht die Fähigkeit von Männern zu Fürsorge und Zuwendung ebenso anerkennen, wie wir die Fähigkeit von Frauen zu Stärke und Leistung anerkannt haben. Doch leider treten tatsächliche, unbekehrte Männer in Steinems Schriften meist als gefährliche Rohlinge auf.

In ihrem Buch "Revolution from Within: A Book of Self-Esteem" von 1992 schreibt Steinem, die gefährlichste Situation für eine Frau sei nicht ein unbekannter Mann auf der Straße oder gar der Feind im Krieg, sondern ein Ehemann oder Liebhaber in der Abgeschiedenheit der eigenen vier Wände. Sie hat außerdem die längst widerlegte Vorstellung einer langen vorgeschichtlichen Epoche friedlicher, wohlwollender, egalitärer "gynozentrischer" Gesellschaften propagiert, die später von gewalttätiger, unterdrückerischer Männerherrschaft verdrängt worden seien.

Pseudowissenschaft. Steinems Rede von friedliebenden prähistorischen Matriarchaten ist nur ein Beispiel ihrer Neigung, pseudowissenschaftlichen Unsinn zu verbreiten – oft an Hochschulen, wo sie eine beliebte Rednerin ist. So wärmte Steinem in einer Rede am Salem State College 1993 nicht nur die Matriarchatstheorie auf, sondern auch den Mythos, die europäischen Hexenverfolgungen seien ein Versuch gewesen, eine noch existierende heidnische Religion auszurotten, und hätten bis zu neun Millionen Frauen das Leben gekostet. Sie spann außerdem eine fantasievolle "revisionistische" Geschichte über Jeanne d'Arc als heidnische Gottesanbeterin, die französische Heere zum Sieg geführt habe und nach dem Krieg als Hexe hingerichtet worden sei, weil sie zu mächtig geworden war. Tatsächlich war Jeanne allen verfügbaren Zeugnissen zufolge eine fromme Katholikin und wurde wegen Ketzerei hingerichtet, nachdem sie im noch andauernden Krieg gefangen genommen worden war. Steinem ist zwar keine Wissenschaftlerin, doch ebenso schludrige Pseudowissenschaft ist in den Seminarräumen der Frauenforschung nur allzu verbreitet.

Fehlinformation. Steinems Verbreitung von Scheinfakten beschränkt sich nicht auf ferne Geschichte. In "Revolution from Within" behauptet sie, in den Vereinigten Staaten stürben jedes Jahr 150.000 Frauen und Mädchen an Magersucht – womit sie die tatsächliche Zahl um etwa das Tausendfache übertreibt. Wie Christina Hoff Sommers in ihrem Buch "Who Stole Feminism?" von 1994 belegte, beruhte die Behauptung von 150.000 Toten darauf, dass eine feministische Professorin eine Statistik über die Zahl der Erkrankten verstümmelt hatte. Dasselbe Buch erörtert eine angebliche Krise des Selbstwertgefühls von Mädchen auf der Grundlage einer einzigen schludrigen Studie der American Association of University Women.

Der Opferkult. In Steinems Fall hat die Fixierung auf die sexuelle Viktimisierung von Frauen und Mädchen die Aktivistin an einige merkwürdige Orte geführt, etwa zur aktiven Förderung "wiedergefundener Erinnerungen" an sexuellen Missbrauch. E. Sue Blumes Buch "Secret Survivors: Uncovering Incest and Its Aftereffects in Women" von 1990, das die prominente Journalistin Joan Acocella als eines der ungeheuerlichsten Handbücher dieser Art bezeichnete, trug einen Werbetext von Steinem, wonach es Millionen befreien könne, indem es sie ermutige, verborgenen Erinnerungen an Missbrauch nachzuspüren. Sie ist auch in einen besonders bizarren Ableger der "Recovered Memory"-Bewegung verstrickt, nämlich in die Panik über angeblich grassierenden satanischen Ritualmissbrauch. 1993 brachte "Ms.", die von Steinem gegründete und eng mit ihr verbundene Zeitschrift, einen reißerischen Artikel unter dem Titel "Surviving the Unbelievable", einen angeblichen Erfahrungsbericht einer Frau, die in einem satanischen Kult aufgewachsen sein wollte. Linke Kritiker wie Alexander Cockburn und Debbie Nathan haben das radikalfeministische Establishment und insbesondere Steinem als maßgebliche Wegbereiter der Ritualmissbrauchs-Hysterie der 1980er und 1990er Jahre ausgemacht.

Ironischerweise trieb der Missbrauchswahn nicht nur ungezählte Frauen in schädliche Quacksalber-Therapien, sondern führte auch zur Fehlverurteilung mehrerer Kindergärtnerinnen. Tatsächlich hat Steinem persönlich daran mitgewirkt, eine solche Verfolgung voranzutreiben, nämlich im berüchtigten Fall der McMartin-Vorschule in Manhattan Beach, Kalifornien, in den 1980er Jahren. Die berühmte Feministin stellte Geld für eine – erfolglose – Ausgrabungsaktion bereit, mit der Tunnel unter der Schule gefunden werden sollten, um die Behauptungen einiger Kinder zu erhärten, sie seien in solche Tunnel gebracht und dort grotesken sexuellen Ritualen unterzogen worden. Diese Aussagen waren unter Anleitung einer skrupellosen Therapeutin zustande gekommen.

Verachtung für die Meinungsfreiheit. Steinem trug maßgeblich dazu bei, dass die Frauenbewegung sich den spaltenden Feldzug gegen Pornografie zu eigen machte. Ihre Neigung zur Zensur erstreckt sich jedoch auch auf politische Äußerungen. Im vergangenen Jahr verfasste sie gemeinsam mit den Mitstreiterinnen Robin Morgan und Jane Fonda, mit denen zusammen sie das Women's Media Center gegründet hat, einen Gastbeitrag auf CNN.com, in dem sie die Rundfunkaufsicht FCC aufforderte, jenen Radiosendern die Lizenz zu entziehen, die Rush Limbaughs Sendung ausstrahlen. Sie warfen Limbaugh "giftige, hassschürende Rede" vor und beklagten, er verstecke sich seit zwanzig Jahren hinter dem Ersten Verfassungszusatz. Während das Trio urkomischerweise behauptet, seine Haltung sei "nicht politisch", merkte der Verfassungsrechtler Eugene Volokh von der UCLA an, sie drängten die FCC dazu, Limbaughs Rede aufgrund der darin ausgedrückten Ideologie einzuschränken – und genau das habe der Supreme Court zu Recht für unzulässig erklärt.

Reflexhafte Parteilichkeit. Steinems Solidarität mit Frauen endet an der Parteilinie. 1993 flog sie nach Texas, um gegen die damalige Senatskandidatin Kay Bailey Hutchison zu kämpfen, eine gemäßigte, abtreibungsfreundliche Republikanerin, die sie als "Frauendarstellerin" verunglimpfte.

Steinem ist eine unbestreitbar talentierte und charismatische Frau, und ihre Botschaft kommt oft in ansprechenden Begriffen wie weibliche Selbstermächtigung, Freiheit und elementare Fairness daher. In der Praxis aber befördert ihr Wirken weit weniger positive Werte. Hier wird jemand mit der Freiheitsmedaille ausgezeichnet, der Angriffe auf die Meinungsfreiheit unterstützt und an der Inhaftierung Unschuldiger mitgewirkt hat.

Hätte der Präsident die feministische Bewegung ehren wollen, wäre eine posthume Auszeichnung für Betty Friedan, die Autorin von "Der Weiblichkeitswahn", die weit bessere Wahl gewesen. Friedan hat bei allen eigenen Fehlern zu Recht davor gewarnt, sich antimännliche und antifamiliäre Ideologien zu eigen zu machen, die das Verhältnis der Geschlechter als Klassenkampf begreifen. Steinem ist eine Klassenkampf-Feministin. Indem Obama sie ehrt, signalisiert er, welches Gewicht der organisierte Feminismus für die demokratische Wählerbasis hat – zugleich aber stärkt er die Vorstellung, wir befänden uns in einem "Krieg gegen Frauen", in dem die Geschlechterkrieger unsere letzte Verteidigungslinie seien.




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Montag, September 07, 2026

Sachsen-Anhalt: AfD punktete vor allem bei den Männern

1. Die AfD wurde gestern deutlich häufiger von Männern als von Frauen gewählt 49 gegenüber 39 Prozent. Extrem stark war die Partei bei Männern zwischen 44 und 59 Jahren (56 Prozent) sowie bei unter 35-Jährigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen (62 Prozent).

Die konkurrierenden Parteien und viele Journalisten reagieren auf diese Abwanderung vor allem männlicher Wähler bislang entweder mit sturem Ignorieren, vorwurfsvollem Sexismus oder dem schlichten Finden von Sündenböcken ("die Manosphäre!!!")

Was ich als Männerrechtler darüber denke, ist sattsam bekannt, und jeder kann es inzwischen mitbeten. Ich habe deshalb nach längerer Zeit spaßeshalber wieder einmal eine KI (ChatGPT) als neutralere Instanz nach ihrer Antwort gefragt: Mit welcher Strategie sollten die anderen Parteien am besten auf diese Entwicklung reagieren?

Ich würde den Unterschied ernst nehmen, aber nicht zu einer speziellen "Männerstrategie" der Parteien verkürzen.

Die aktuellen Analysen zur Sachsen-Anhalt-Wahl zeigen nämlich ein größeres Problem: Die AfD liegt nicht nur bei Männern vorn, sondern in fast allen gesellschaftlichen Gruppen. Zugleich hat sie viele frühere Nichtwähler und vor allem frühere CDU-Wähler gewonnen.

Für die konkurrierenden Parteien würde ich daraus fünf Konsequenzen ableiten:

1. Männer ausdrücklich als politische Zielgruppe behandeln.

49 gegenüber 39 Prozent ist groß genug, um nicht einfach zu sagen: "Geschlecht spielt keine Rolle." Parteien sollten untersuchen, warum Männer häufiger AfD wählen: Welche Themen, welche Milieus, welches Gefühl politischer Repräsentation? Dabei sollte es nicht um platte "Männerpolitik" gehen, sondern etwa um Arbeit, berufliche Perspektiven, Bildung, Sicherheit, gesellschaftlichen Status und die Frage, ob Männer sich von den etablierten Parteien angesprochen fühlen.

2. Nicht versuchen, die AfD durch eine Kopie der AfD zu schlagen.

Eine Partei, die lediglich deren migrations- oder kulturpolitische Positionen übernimmt, gibt der AfD ihren größten Vorteil: das Original zu sein. Die bessere Strategie wäre, bei den Sorgen anzusetzen, ohne automatisch die politischen Antworten der AfD zu übernehmen.

3. Die Sprache gegenüber männlichen Wählern verändern.

Das halte ich für ziemlich wichtig. Wenn sich ein beträchtlicher Teil männlicher Wähler von Parteien nicht angesprochen oder sogar moralisch abgewertet fühlt, hilft es wenig, ihnen zu erklären, dass ihre politische Haltung problematisch sei. Man muss ihnen zunächst vermitteln: "Wir sehen eure Probleme und nehmen euch als Wähler ernst." Das ist etwas anderes als Zustimmung zu jeder ihrer politischen Forderungen.

4. Die Ursachen der AfD-Wahl ernst nehmen, statt nur die AfD zu bekämpfen.

Die Forschungsgruppe Wahlen führt für das Ergebnis unter anderem Unzufriedenheit und Polarisierung an; zugleich konnte die AfD offenbar auch bei Themen wie Wirtschaft und Bildung Kompetenzzuschreibungen gewinnen. Eine reine "AfD-verhindern!"-Kampagne kann deshalb an ihre Grenzen stoßen. Man muss ein attraktives eigenes Angebot haben.

5. Vor allem die CDU müsste besonders aufmerksam sein.

Die Wählerwanderung ist hier bemerkenswert: Neben vielen ehemaligen Nichtwählern kamen besonders viele neue AfD-Wähler aus der CDU. Für die CDU wäre es deshalb gefährlich, die AfD-Wähler pauschal als politisch unerreichbar abzuschreiben. Ein Teil davon sind offenbar Menschen, die früher durchaus eine etablierte bürgerliche Partei gewählt haben.

Der vielleicht wichtigste Punkt ist aber ein anderer: Die 49 % bei Männern sollten nicht als Beleg dafür genommen werden, dass "Männer nach rechts kippen" und Frauen dagegenhalten. Denn 39 % AfD bei Frauen sind ebenfalls ein enormes Ergebnis. Die AfD hat in Sachsen-Anhalt ein Problem der etablierten Parteien sichtbar gemacht, das beide Geschlechter betrifft – bei Männern allerdings stärker.

Wenn ich einer konkurrierenden Partei einen einzigen strategischen Satz mitgeben müsste, wäre es daher:

Nicht versuchen, Männer von der AfD wegzudiskutieren, sondern herausfinden, warum sie überhaupt das Bedürfnis haben, AfD zu wählen – und darauf glaubwürdige eigene Antworten geben.

Gerade für SPD, Grüne und Linke wäre das allerdings eine größere Herausforderung als für die CDU, weil sie bei bestimmten männlichen Milieus inzwischen offenbar ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem haben. Die CDU wiederum hat den Vorteil, dass sie einen Teil dieser Wähler schon einmal besaß.


Zugegeben: Diese Antworten sind nicht gerade Lichtjahre von dem entfernt, was ich zu dieser Frage denke.



2. Julia Klöckner möchte Frauen in der Politik stärken, was persönliche Angriffe betrifft:

Eine Studie der Europäischen Akademie für Frauen in der Politik (EAF) hatte zuletzt belegt, dass Hass und Hetze für viele Politikerinnen zum Alltag gehören – etwa in Form von Bedrohungen und massiven Angriffen per E-Mail oder in Kommentarspalten. Auch SPD-Chefin Bärbel Bas beklagte kürzlich, dass Frauen deutlich heftiger angefeindet und beleidigt würden. „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden“, sagte sie im Juni unserer Redaktion. Gerade rechte Netzwerke versuchten, selbstbewusste Frauen mit persönlichen Angriffen kleinzukriegen.


Natürlich ist es abwegig zu behaupten, weibliche Politiker würden schärfer angegriffen als männliche, wenn man allein Angriffe auf Frauen in der Politik untersucht.



3. Weiter geht es mit dem Ukrainekrieg:

Geleakte Daten verraten, mit welchen Begriffen Russlands Militär eigene Soldaten zum bloßen Material und Kapital abstempelt. Sichtbar wird eine Hölle für Soldaten, die noch als Tote ausgebeutet werden.


"Die Welt" berichtet.



4. Neu auf dem Buchmarkt: "Mitreden können: 99 Fakten, die du über die Männerrechtsbewegung wissen solltest".



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Donnerstag, September 03, 2026

Gender-Ratgeber: "Sag nicht 'Vater", sag 'Elternteil""

1. Die Frankfurter Allgemeine stellt einen Genderratgeber für Juristen vor, der eine "diskriminierende Sprache" bekämpfen soll. Darin heißt es unter anderem:

Für den Begriff "Vater", den wir bislang für unproblematisch hielten, heißt es bei der "Initiative offene Rechtswissenschaft", es komme für seine Verwendung auf die Kontextsensibilität an. "Für Menschen kann es wichtig sein, sich als ‚Vater‘ zu bezeichnen, bspw. für trans*Männer. Möchte eine Person deshalb als ‚Vater‘ bezeichnet werden, ist dies auch zu respektieren."

Aha! Da braucht es bei der Abfassung einer Dissertation im Familienrecht neben der eigentlichen dogmatischen Darlegung noch einiger empirischer Untersuchungen. Zudem fragt die Initiative: "Kommt es auf die rechtliche Zuordnung als ‚Mutter‘, ‚Vater‘ oder nach der ausstehenden Reform des Familienrechts womöglich eher auf die Kategorie ‚Elternteil‘ an?" Nun, wer weiß das schon?

Es geht munter weiter. Der "Verfassungsgeber" wird zu: "Verfassungsgebende Gewalt", der "V-Mann" zur "V-Person", der "Täter" zur "Täterschaft", die "Ausländerbehörde" zum "Welcome Center"; für "Terrorist" und "Extremist" gibt es keine Gendervorschläge; aus "mankind" wird "humankind", aus "boyfriend/girlfriend" ein "romantic partner".




2. "Männer haben unter patriarchalen Strukturen unglaublich gelitten" erklärt der explizit feministische Zukunftsforscher Tristan Horx. Vielleicht sollte man dann aufhören, ideologisch aufgeladene Begriffe wie "Patriarchat" zu verwenden, die so klingen, als hätten sich die Männer einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens erschlichen, um Frauen schuften und leiden zu lassen. So wie viele Feministen und Feministinnen hat Horx ein neues Buch über Männer geschrieben, und weil er so erwünscht feministisch ist, darf er es in den Leitmedien bewerben.

Immerhin gibt es Entwicklungen, die auch diesem feministischen Mann nicht entgehen:

Es gibt allerdings ein Lager im gegenwärtigen Feminismus, das mich wahrscheinlich nicht dazuzählen würde. Dort entsteht manchmal genau das Bild, das dem Feminismus von seinen Gegnern immer unterstellt wurde: dass er keine Gleichstellungsbewegung mehr sei, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen akzeptiert und den ältesten Vertrag der Menschheit – den zwischen den Geschlechtern – für Frauen verbessern will, sondern eine Bewegung mit einem starken Anti-Männer-Bild ist.


Diese Tendenz wurde Feministinnen immer "unterstellt", weil es immer schon zutraf.

Auch eine andere Entwicklung kann Horx nicht übersehen, auch wenn er sie ideologisch zu rahmen versucht:

Frauen haben höhere Bildungsabschlüsse und bessere Noten. Jungen fallen häufiger durch. Lange hat sich dieser Bildungsvorsprung aufgrund patriarchaler Strukturen und vor allem aufgrund der traditionellen Mutterrolle nicht entsprechend in Status und Einkommen übersetzt. Wenn die Frau ein Kind bekam, griffen die alten Rollenbilder wieder. Das verändert sich jetzt mit den sinkenden Geburtenraten. Männer sind darauf überhaupt nicht vorbereitet. Ihnen wurde über Generationen beigebracht, beruflicher Erfolg erhöhe ihre Attraktivität beim anderen Geschlecht. Wenn dieser Weg plötzlich versperrt scheint, kann das für einen jungen Mann eine massive Kränkung sein.


Ihnen "wurde beigebracht", erfolgreiche Männer seien bei Frauen beliebter. :D

Und wenn Männer beruflich diskriminiert werden, dann ist das in Horx Augen offenbar nur ein Problem, weil sie darauf "gekränkt" reagieren. Denn dann taucht das Bild vom Mann als monströser Bedrohung wieder auf:

Wenn wir einfach so weitermachen, bekommen wir junge, frustrierte und perspektivlose Männer. Ganze Gruppen solcher Männer können sehr destruktiv werden. Die können dir den ganzen Laden abfackeln, das kann doch keiner wollen. (…) Egal, wie sehr einem diese Männer auf die Nerven gehen: Man sollte die Konsequenzen bedenken und erkennen, dass wir etwas verändern müssen. Was wir bisher versucht haben, funktioniert offensichtlich nicht besonders gut.


Mit anderen Worten: "Solange ich keine Angst haben muss, dass sie mir den Laden abfackeln, sind mir diese Kerle scheißegal." Immerhin ist das ein klarer Appell, Feministen wie Horx "auf die Nerven zu gehen", wenn man als Mann auch mal eigene politische Anliegen vorbringen möchte.

Die folgenden Versatzstücke des Interviews sind vorhersehbar, weil Journalisten offenbar dazu gezwungen werden, sie alle in einem Artikel über Männer wiederzukäuen: Andrew Tate: check, "Manosphäre": check, "Adolescence": check. Hier ist nichts Neues zu erwarten.



3. Gelungener ist ein Artikel über männliche Opfer häuslicher Gewalt, der fernab der Leitmedien veröffentlicht wurde:

"Es fing schon nach zwei, drei Monaten an", erinnert sich Martin, "ganz komische Situation, wir hatten uns gestritten." Vor ihm steht eine Tasse Kaffee, er spricht ruhig, als er an den Tag zurückdenkt. Er habe noch versucht, seine damalige Partnerin zu beruhigen, "dann hat sie mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen". Ein gutes halbes Jahr wird Martin in der Beziehung bleiben, in der er körperliche und psychische Gewalt erfährt, bis er sich schließlich trennt.

Für ihn, erzählt er, habe dieser Tag mit einer Platzwunde geendet – und mit einer Anzeige gegen seine ehemalige Partnerin. Martin ist nicht sein richtiger Name. Um seine Anonymität zu wahren, wurde er geändert. Was er erlebt hat, ist kein Einzelfall: Laut Bundeskriminalamt (BKA) gab es 2024 mehr als 35.000 Fälle von Partnerschaftsgewalt mit männlichen Opfern, insgesamt waren knapp 80.000 Männer von häuslicher Gewalt betroffen. Hilfsangebote speziell für männliche Betroffene gibt es nur wenige. Eine Anlaufstelle für Männer, die Gewalt im sozialen Nahraum – oft bezeichnet als häusliche Gewalt – erfahren haben, ist der Verein Lemann in Leipzig. Seit neun Jahren gibt es dort Schutzwohnungen für Männer, seit 2024 auch Vater-Kind-Wohnungen. Im Juni wurde zusätzlich eine Beratungsstelle eröffnet.

(…) Gewalt gegen Männer sei immer noch ein "Nischenthema", so [der Männerhaus-Mitarbeiter Peter] Panda – wenn auch eines mit großen Dimensionen: Laut einer BKA-Studie aus dem Jahr 2024 sind gut 20 Prozent der von Partnerschaftsgewalt betroffenen Personen männlich, bei häuslicher Gewalt sind es knapp 30 Prozent. Dass die Zahlen in der Realität weitaus höher sind, legt die Dunkelfeldstudie "Lesubia" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Februar nahe. Darin wurden Teilnehmende nach erlebter Partnerschaftsgewalt befragt. Männer sind ähnlich häufig davon betroffen wie Frauen.

Um gesellschaftliche Vorurteile und Stigmata abzubauen sowie Männern den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern, sei es nötig, offen über Gewalt gegen Männer zu sprechen, unterstreicht Panda: "Häusliche Gewalt passiert vor allem da, wo sie nicht sichtbar ist, nicht als solche benannt und besprochen wird." Man müsse mehr Zugang zu Männerschutzeinrichtungen gewährleisten, betont Kollegin Rita Schwaiger.

Im Jahr 2024 gab es in Deutschland zwölf Männerhäuser. Von flächendeckender Versorgung kann nicht die Rede sein. "Je mehr Angebote es gibt, desto sichtbarer wird das Thema auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext", so Schwaiger.


Um das zu erreichen, werden wir den Tristan Horx' dieser Welt noch einige Zeit lang "auf die Nerven gehen" müssen.



4. Natascha Ochsenknecht spricht sich gegen Männerbashing aus und erntet dafür selbstverständlich einen Shitstorm. Wie immer, wenn eine Frau eine ideologisch abweichende Meinung vertritt, wird sie danach als "Pick-me-Girl" beschimpft.



5. Die Epoch Times, deren internationale Ausgabe als leicht rechts der Mitte eingeordnet wird, beschäftigt sich mit der Situation der Männer (nicht nur) in Kanada. Ein Auszug:

Es gibt Warnsignale, die wir nicht ignorieren sollten, darunter die Tatsache, dass kanadische Männer nach wie vor fast dreimal so häufig durch Selbstmord sterben wie Frauen. Die Anerkennung der Probleme, mit denen Männer konfrontiert sind, schmälert weder die Herausforderungen, denen Frauen gegenüberstehen, noch bedeutet die Unterstützung von Jungen, dass Mädchen etwas vorenthalten wird. Kanada sollte von einem einfachen Grundsatz ausgehen: Jeder junge Mensch verdient die Chance auf Erfolg, und weder die ethnische Zugehörigkeit noch das Geschlecht sollten darüber entscheiden, wer unsere Förderung verdient.

Das bedeutet, bei der Einstellung und in der Bildung wieder Leistung in den Vordergrund zu stellen, Lehrstellen und berufliche Bildung auszubauen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen wiederzubeleben, die Mentoring und Zugehörigkeit bieten. Es bedeutet auch, wieder positiv über Verantwortung, Ehe, Vaterschaft, Dienst am Nächsten und Arbeit zu sprechen, anstatt Männlichkeit an sich als etwas zu behandeln, für das man sich entschuldigen muss. Eine gesunde Gesellschaft braucht gute Männer, die arbeiten, Unternehmen aufbauen, Kinder großziehen, Eishockeymannschaften trainieren, sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden engagieren, ihr Land verteidigen und Verantwortung für andere Menschen als sich selbst übernehmen.

Jahrzehntelang haben wir jungen Frauen zu Recht gesagt, dass es keine Grenzen dafür geben sollte, was sie erreichen können, und unsere Gesellschaft ist besser geworden, weil wir das getan haben. Wir sollten jungen Männern dasselbe Gefühl der Unbegrenztheit vermitteln, ohne dabei die Leistungen oder Chancen von Frauen zu schmälern. Eine Generation junger Männer ist auf der Suche nach Sinn und Zweck, und es ist an der Zeit, dass wir ihnen sagen, dass die Gesellschaft auch sie braucht.




6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

ein Text der ZEIT zur weiteren Förderung der Spaltung Männer vs. Frauen lässt einen zunächst sprachlos zurück bevor man dann doch lieber schreiend davonlaufen will.

Das Diabolische: Richten sich Frauen danach, begründen sie automatisch eine neue Feststellung, dass Frauen am Kapitalmarkt weniger verdienen. Damit sind sie benachteiligt und bedürfen einer Kompensation. Und schuld ist wieder mal das Patriarchat.


Der Artikel ist heute auch Thema bei Christian Schmidt.



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Mittwoch, September 02, 2026

Männergesundheit soll wieder ins Aus gedrängt werden

Gestern veröffentlichte der maskulistische Blogger "Tin Men" folgenden Text auf Instagram:



Immer wieder wird Männern gesagt, wenn sie Veränderung wollen, sollten sie "es selbst in die Hand nehmen".

Wenn du Schutzhäuser für Missbrauchsopfer willst, dann baue sie.

Wenn du eine Debatte über Männerthemen willst, dann stoße sie an.

Und wenn du Politik für die Gesundheit von Männern willst, dann fang an, sie zu schreiben. Das ist eigentlich guter Rat, und viele Männer haben ihn ernst genommen.

Das Problem ist nur: Was passiert so oft, wenn Männer genau das tun?

Was passiert, wenn Männer Schutzhäuser eröffnen? Was passiert, wenn Männer für Unterstützung kämpfen oder um Fördermittel bitten? Was passiert, wenn Männer "Männerräume" oder Gesprächsgruppen gründen?

Nun, dann ändert sich etwas –

Jetzt erhebt sich eine Stimme (meist dieselbe, die ihnen zuvor gesagt hat, sie sollten "es selbst tun") und schreit sie nieder, demonstriert vor ihrer Tür, prangert sie an und protestiert, und richtet ein solches Chaos an, dass diese neuen, kaum entstandenen Bemühungen niedergerungen und zertreten werden, bis sie vollständig und unwiederbringlich zerstört sind.

Wir erleben das gerade jetzt.

Ein neuer Gesetzentwurf zur Gründung des ersten amerikanischen Office on Men's Health soll die Flut vorzeitiger Todesfälle eindämmen, Suizid und Sucht bei Männern angehen, Forschung zu männerspezifischen Krebsarten finanzieren und das Stigma rund um psychische Gesundheit bekämpfen. Und dieser Entwurf kommt immer weiter voran.

Ein solches Amt würde neben den (mindestens) ACHT bereits bestehenden Ämtern für Frauengesundheit arbeiten, aber zusätzliche, staatlich finanzierte, landesweite Forschung eigens für Männer bereitstellen.

Und dann geschah es.

Die Empörungstruppe zieht in die Stadt ein, berauscht von Wut und Anspruchsdenken, fest entschlossen, ein weiteres wohlmeinendes Vorhaben zur Unterstützung von Männern und Jungen zu zerstören.

Dieselben Rufe und Drohungen, dieselben Erpressungsversuche, dasselbe notorische Opfergehabe; dieselben naiven Parolen, ausgespuckt aus denselben ignoranten Mündern.

Wir beobachten es live, und wir können nur hoffen, dass jene mutigen Senatoren und Politiker die Kraft haben, die Trolle zu ignorieren und unbeirrt weiterzumachen.

Wir brauchen sie, damit sie weitermachen.

Denn die Politik, um die sie bitten, ist lebensrettend und transformativ, und sie verdient es, verabschiedet zu werden.

Was also lässt sich zu diesem neuen Gesetzentwurf für ein Office on Men's Health sagen, und wie können wir gegen die Ignoranz vorgehen, die auch dieses Mal wieder droht, es im Keim zu ersticken?




Was ist hier schon wieder los? Das erfahren wir ausführlicher durch einen Beitrag, den Lisa Britton aktuell veröffentlicht hat: Men's Health Is Being Silenced Again. Es geht um eine Kontroverse, die in den USA stattfindet, aber von grundsätzlicher Bedeutung ist:



Ich wachte auf, sah auf mein Handy und fand eine Nachricht von meinem Freund und Mitstreiter für das Wohlergehen von Jungen und Männern, George (auf Social Media unter dem Namen TheTinMen bekannt): "Verdammt … das explodiert gerade auf Instagram." Es handelte sich um ein virales Video der Journalistin Katie Couric, das bereits Tausende von Aufrufen und Kommentaren gesammelt hatte. Sie nahm den State of Men's Health Act ins Visier.

Zuerst dachte ich, das müsse ein Scherz sein. Ich konnte nicht glauben, dass jemand ein Gesetzesvorhaben, das zum ersten Mal ein Bundesamt für Männergesundheit schaffen würde, als Pointe behandelt. Couric griff gezielt Senator Ruben Gallego aus Arizona heraus, der gemeinsam mit Senator Roger Marshall aus Kansas den entsprechenden Gesetzentwurf im Senat eingebracht hatte. Sie lachte und beteuerte, das sei keine Satire – als wäre ein Amt, das der Gesundheit von Männern gewidmet ist, eine Art Witz.

Ich setze mich seit fast einem Jahrzehnt für das Wohlergehen von Jungen und Männern ein. Viele von uns haben dafür gekämpft, ein Office of Men's Health einzurichten. Derzeit gibt es acht Bundesämter, die sich über das Gesundheitsministerium (HHS) und dessen Behörden hinweg der Frauengesundheit widmen, und null für Männer. Null. Das sieht für mich nicht nach Gleichberechtigung aus.

In dem Video führte Couric die altbekannten Argumente an, die ein Amt für Männer als Beleidigung der Frauen darstellen. Es ist erstaunlich, wie oft dieses Thema von Frauen wie ihr als Nullsummenspiel gerahmt wird. Menschen aus meinem Umfeld betonen ständig, dass dem nicht so sei, aber das fällt mir schwer zu glauben, wenn die Gegenseite sich immer wieder so verhält, als wäre es genau das.

Investitionen in die Gesundheit von Männern nehmen den Frauen nichts weg. Das steht im Gesetzestext selbst ganz unmissverständlich. Die Mittel für das geplante Amt sollen sich „aus Beträgen ableiten, die durch andere gesetzliche Bestimmungen zur Bereitstellung von Mitteln autorisiert sind, unter Ausschluss jeglicher Beträge, die dem Office on Women's Health … oder einem anderen Amt für Frauengesundheit zugewiesen werden dürfen." Warum wird der Öffentlichkeit dann weiterhin etwas anderes erzählt?

Zum Hintergrund: Der State of Men's Health Act wurde am 20. Februar 2026 im Repräsentantenhaus als H.R. 7602 eingebracht, von der Demokratin Troy Carter aus Louisiana und dem Republikaner Greg Murphy aus North Carolina. Er würde das Government Accountability Office verpflichten, die Gesundheit von Männern in den Vereinigten Staaten zu untersuchen, und das amerikanische Gesundheitsministerium anweisen, ein Office of Men's Health einzurichten. Die Aufnahme war respektvoll, doch der Entwurf brauchte mehr Schwung. Am 23. Juli brachten die Senatoren Gallego und Marshall die entsprechende Fassung im Senat als S. 5113 ein. Die Demokraten übernehmen bei diesen Entwürfen die Führung, mit republikanischer Mitunterstützung. Das ist bemerkenswert, anerkennenswert und politisch mutig von ihnen.

Frauenorganisationen stellen Hilfe für Jungen und Männer seit Langem als Bedrohung für Mädchen und Frauen dar. Wenn man erkennt, dass dahinter auch ein gut finanzierter Lobbysektor steckt, ergibt dieses Muster plötzlich Sinn. Erst vor wenigen Wochen forderten Frauenorganisationen – darunter das American College of Obstetricians and Gynecologists, die Society for Women's Health Research und die Women First Research Coalition – vom Kongress 20 Milliarden Dollar über zehn Jahre, um "die Gesundheitslücke bei Frauen zu schließen". Wir fordern das erste Office of Men's Health in der amerikanischen Geschichte. Sie fordern 20 Milliarden Dollar. Das sollte kein Wettbewerb sein.

Männer und Frauen sitzen im selben Boot. Wenn die Gesundheit von Männern vernachlässigt und ignoriert wird, schadet das auch Ehefrauen, Müttern, Töchtern und ganzen Gemeinschaften, nicht nur Jungen und Männern selbst. Der Gesetzentwurf richtet sich gegen Krisen, die uns längst bekannt sind: eine kürzere Lebenserwartung von Männern, vermeidbare Krankheiten, Überdosierungen und Suizid. Männer sterben viermal so häufig durch Suizid wie Frauen. Wer könnte ernsthaft gegen eine koordinierte staatliche Reaktion darauf sein?

Liebe Leserinnen: Denkt an eure Söhne, Partner, Väter, Neffen und Freunde. Verdienen sie nicht Aufmerksamkeit, Forschung und Ressourcen, damit sie länger und gesünder leben?

Couric führte die jahrzehntealte Ausgrenzung von Frauen aus klinischen Studien als Grund an, die Gesundheit von Männern jetzt nicht ernst zu nehmen. Wie mein Freund und Forscher James L. Nuzzo und andere dokumentiert haben, ist das historische Bild komplizierter, als es in dieser Darstellung erscheint. Als Frauen im gebärfähigen Alter aus bestimmten frühen Arzneimittelstudien ausgeschlossen wurden, geschah dies zu ihrem Schutz, nicht aus einer Verschwörung heraus, für immer nur Männer zu untersuchen. Wären diese Frauen in ungetestete Medikamentenstudien aufgenommen worden, würden dieselben Stimmen, die heute über den Ausschluss von Frauen klagen, den Forschern vorwerfen, Frauen historisch als Versuchskaninchen missbraucht zu haben. Seit Jahrzehnten schließt die vom National Institute of Health finanzierte Forschung in den meisten Jahren mehr Frauen als Männer ein.

Das ändert nichts daran, dass manche Erkrankungen, die ausschließlich Frauen betreffen, weiterhin unzureichend erforscht sind, aber der Öffentlichkeit wird etwas vorgemacht, wenn jede Diskussion über Männergesundheit als Diebstahl an Frauen dargestellt wird.

Ich bin nicht gegen Investitionen in die Gesundheit von Frauen. Ich bin selbst eine Frau. Natürlich wünsche ich mir Aufmerksamkeit für Frauengesundheit. Ich habe einige der Schwierigkeiten, die andere beschreiben, selbst erlebt. Vor einigen Jahren war ich krank, und niemand konnte mir sagen, warum. Man wies mich ab und sagte mir, es sei alles nur in meinem Kopf. Die Geschichte, die Frauen nur zu gut kennen. Es stellte sich heraus, dass man mir die falschen Untersuchungen gegeben hatte. Es lag tatsächlich etwas vor. Ich musste notfallmäßig operiert werden. Deshalb verstehe ich, warum Frauen fürchten, ignoriert zu werden. Ich verstehe die Notwendigkeit von Forschung zu Endometriose, Fruchtbarkeit und anderen Erkrankungen, die uns besonders hart treffen. Das bedeutet aber nicht, dass wir nur die Gesundheit von Frauen finanzieren sollten. Es bedeutet nicht, dass Jungen und Männer hintanstehen müssen. Es bedeutet nicht, dass wir über ein Office of Men's Health spotten sollten. Das ist kein Nullsummenspiel. Wir können uns um beides gleichzeitig kümmern.

Anfang Juni, in der ersten Woche des Men's Health Month, veranstaltete der Congressional Men's Health Caucus auf dem Capitol Hill eine Konferenz, um den Gesetzentwurf im Repräsentantenhaus und die Argumente für Prävention hervorzuheben. Am selben Tag verkündete Melinda French Gates weitere 215 Millionen Dollar für die Gesundheit von Frauen weltweit, womit ihre jüngsten Zuwendungen in diesem Bereich in zwei Jahren auf mehr als 600 Millionen Dollar anstiegen – und diese Nachricht stahl die Schlagzeilen. Ich habe das Timing damals kritisiert. Ich bin dankbar für Gates' finanzielle Beiträge zu den Anliegen von Jungen und Männern in den letzten Jahren, aber es war eine Erinnerung daran, dass die Gesundheit von Männern nicht einmal in dem Monat, der ihr gewidmet ist, im Rampenlicht stehen kann. Philanthropie für Frauen ist nicht das Problem, aber den Men's Health Month als lästige Kulisse zu behandeln, ist es sehr wohl!

Ich habe es satt, zuzusehen, wie Frauenorganisationen und eine mediale Erzählweise die Gesundheit von Männern übertönen. Das hilft niemandem. Es hilft nicht den Jungen und Männern, die Mitgefühl und Unterstützung brauchen. Es hilft nicht den Mädchen und Frauen, die mit den Folgen leben müssen, wenn die Männer in ihrem Umfeld früher sterben, unbehandelt bleiben oder durch Suizid und Sucht verschwinden.

Ein Bundesamt für Männergesundheit ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Die Daten, die gelebte Erfahrung von Millionen Männern und die leeren Stühle an zu vielen Familientischen weisen alle auf dieselbe Schlussfolgerung hin. Es ist Zeit, längst überfällige Zeit, damit aufzuhören, die Gesundheit von Männern zum Schweigen zu bringen.




Das Video, auf dem Katie Couric gegen ein nationales Amt für Männergesundheit wettert, hat auf Instagram inzwischen mehr als 57.000 Likes. Gäbe es jemals solche männerpolitische Anstrengungen in Deutschland, habe ich keinen Zweifel daran, dass ein ähnliches Video von, sagen wir, Carolin Kebekus oder Anja Reschke, das gegen diese Männerpolitik zu Felde zieht, ähnlich erfolgreich wäre. Ein Großteil der Feministinnen gönnt Männern nicht die Butter auf dem Brot. Schon gegen Männer, die im Internet ihre Meinung vertrteten ("Manosphäre"), gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in deutschen Leitmedien ein andauerndes Trommelfeuer.



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Dienstag, September 01, 2026

Solidarität für Kindermörderin: "Geschlecht als Unschuldsbeweis"

1. In einem aktuellen Artikel des Magazins CICERO beschäftigt sich Shantanu Patni mit den befremdlichen Reaktionen auf Lindsay Clancy, nachdem sie ihre drei Kinder umgebracht hatte. Ein Auszug:

Erklärt wird die Tat mit einer Halluzination: einer männlichen Stimme, die Clancy befohlen habe, die Kinder zu töten. Nur hatte sie von dieser Stimme zuvor niemandem erzählt. Ihrer Mutter und ihrem Mann hatte sie noch anvertraut, sie habe Gedanken, den Kindern etwas anzutun. Ihre Behandler fragten sie ausdrücklich danach, und sie verneinte. Erst Wochen nach der Tat erzählt sie dem Psychologen der Verteidigung davon. In den Protokollen, die ein Dutzend Behandler in vier Monaten angelegt haben, kommt sie nicht vor.

Während das Gericht noch prüft, ob Lindsay Clancy für ihre Tat verantwortlich war, hat das Internet längst einen anderen Angeklagten gefunden: ihren Ehemann. Patrick Clancy war an jenem Abend in der Drogerie und im Restaurant, aufgezeichnet von den Kameras beider Geschäfte, und die Ermittler haben ihn früh ausgeschlossen. Seine Frau hat die Tat eingeräumt, und weder ihre Anwälte noch ihre Familie haben jemals etwas anderes behauptet. Dennoch ist er für viele Frauen, die im Netz für Lindsay Clancy einstehen, der Mörder seiner drei Kinder. Er habe die Überwachungsaufnahmen in den beiden Läden manipuliert, einen Freund als Doppelgänger eingesetzt, seiner Frau die Verletzungen beigebracht und sie aus dem Fenster gestoßen. "Frauen erwürgten keine Kinder", erklärt eine Reality-Show-Darstellerin zum Beispiel, „sie vergifteten oder ertränkten sie.“ Damit sei geklärt, dass der Mann es getan habe.

Andere gehen weiter. Patrick Clancy habe die Tat mit seiner heutigen Frau geplant, einer Reproduktionsmedizinerin aus New York, um mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Oder er sei selbst jene männliche Stimme gewesen, die Lindsay befahl, die Kinder zu töten. Patrick und seine heutige Frau haben Morddrohungen erhalten, ihre Adressen wurden im Netz veröffentlicht. Beschuldigt wird damit ein Mann, der zwölf Wochen Elternzeit genommen hatte und danach überwiegend im Homeoffice arbeitete, also auch im Alltag der Familie präsent war. Als seine Frau nicht mehr schlafen konnte, ließ er ihre Eltern kommen, stellte ein Kindermädchen ein und übernahm morgens wie abends die Routinen mit den Kindern. Er begleitete sie zu ihren Arztterminen, drängte die Behandler, die Medikation abzusetzen, und war schließlich derjenige, der auf eine stationäre Aufnahme in der Psychiatrie drang.

Vier Tage nachdem seine Frau die drei gemeinsamen Kinder getötet hatte, schrieb er öffentlich, die Lindsay, die er gekannt habe, sei großzügig, liebevoll und fürsorglich gewesen, und bat darum, ihr zu vergeben. Zwei seiner Kinder waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht beerdigt. Für die Frauen, die im Netz für Lindsay Clancy einstehen, ändert das nichts. Sie filmen sich mit ihren eigenen Kindern, beim Spielen, beim Zubettbringen, manche weinend, und legen darunter eine Tonspur aus dem Zeugenstand: Clancys Tagebuch, verlesen vor der Jury. Sie sei völlig überfordert, heißt es dort, sie gehe jeden Tag unter, sie habe Angst, der Kleinste könnte wieder krank werden. Unten steht ein Schriftzug: "Same, Lindsay". Manche schreiben: "Me too, Lindsay".

(…) Diese Identifikation reicht inzwischen bis in die Partnerwahl. Für erste Dates kursiert die Prüffrage: "Findest du, dass Lindsay Clancy ins Gefängnis gehört?" Wenn der Mann mit Ja antwortet, erklärt die Urheberin des Videos, würde sie aufstehen und gehen.

(…) Wenn ein Mann seine Kinder tötet, käme wohl niemand auf die Idee, vor Gericht das Testosteron zum Mitangeklagten zu machen. Eines der Argumente, mit denen die historische Herabsetzung der Frau gerechtfertigt wurde, lautete gerade, dass ihre Vernunft und Entscheidungsfähigkeit unter dem Einfluss ihres von Hormonen bestimmten Körpers eingeschränkt seien. Wie passt es dazu, wenn nun eine Million Frauen erklären, eine Mutter könne durch die Mutterschaft derart überwältigt werden, dass sie ihre eigenen Kinder tötet?




2. Mit demselben Thema beschäftigt sich Neeraja Deshpande in ihrem Beitrag "Girls Will Be Girls". Dort heißt es über die Frauen, die die Täterin engagiert verteidigen:

Manche dieser Frauen sind wild spekulierende TikTok-Hobbydetektivinnen, aber andere sind ganz vernünftige Frauen, die sagen: Nun, das Wochenbett ist wirklich hart, das ist biologisch bedingt, ihre Hormone sind Achterbahn gefahren, man kann sie unmöglich für ihr eigenes Handeln verantwortlich machen, hast du denn kein Mitgefühl?

Kurz gesagt: "Mädchen sind halt Mädchen."

Anders als "Jungs sind halt Jungs", das in den neun Jahren seit #MeToo aus dem öffentlichen Leben so ziemlich verbannt wurde – und das zu Recht! –, ist "Mädchen sind halt Mädchen" nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sondern gewinnt zunehmend an Durchschlagskraft.

(…) So wie ich es sehe, besteht der einzige Unterschied zwischen Clancys Unterstützerinnen und den Frauenfeinden, die die Rücknahme des Frauenwahlrechts fordern, darin, dass Clancys Unterstützerinnen an eine Art Schrödingers Frau zu glauben scheinen: dass eine Frau gleichzeitig erwachsener Mensch und Kind ist. Die Frauenfeinde wiederum haben dieses Paradox aufgelöst, indem sie schlicht annehmen, Frauen seien im Grunde Kinder und müssten entsprechend behandelt werden – bis hin zu Fragen wie dem Wahlrecht. Ich selbst würde das Paradox lieber auflösen, indem ich sage, dass Frauen erwachsene Menschen sind und auch so behandelt werden sollten, aber diese Idee scheint mittlerweile bei allen Seiten aus der Mode gekommen zu sein.

(…) Um fair zu sein: Nicht alle Argumente, die ich von Frauen zur Unterstützung Clancys gesehen habe, drehten sich um Hormone. Manche handelten davon, dass ihr inzwischen geschiedener Ehemann – derjenige, der ihr ein Kindermädchen besorgte, von zu Hause aus arbeitete, sie nach ihrem Suizidversuch fand und sich sogar noch um sie kümmerte, nachdem er erkannt hatte, dass sie ihre Kinder erwürgt hatte – nicht genug getan habe. Viele handelten davon, dass "das System sie im Stich gelassen" habe, ungeachtet der Tatsache, dass sie beim Ärztehopping verschiedene Verschreibungen sammelte, ohne dass die einzelnen Ärzte von den jeweils anderen Medikamenten wussten (und als Krankenschwester wusste sie zweifellos besser als die durchschnittliche tablettenschluckende Frau, was sie da tat). Aber all das waren Argumente, die niemand jemals für einen Mann vorbringen würde. Man stelle sich das vor! Was, wenn ein Mann sagen würde, er habe seine Frau einfach schlagen müssen, weil sie seine Wäsche nicht gewaschen habe und das schlecht für seine mentale Gesundheit und seine Fähigkeit gewesen sei, als Ehemann und Vater zu funktionieren?

(…) Ich weiß, ich weiß, das sind nur simple "Was wäre, wenn die Rollen vertauscht wären?"-Argumente. Aber eben: Was wäre, wenn die Rollen vertauscht wären? Große Teile der heutigen Frauenbewegung haben sich geweigert, diese Frage auch nur in Erwägung zu ziehen. Stattdessen scheint die Standardantwort zu lauten: mentale Gesundheit für mich, persönliche Verantwortung für dich – frei nach dem Motto, es ist in Ordnung, wenn wir es tun, aber schlimm, wenn Männer es tun.

Und wehe, du bist eine Frau, die es wagt, das alles infrage zu stellen – dann bist du eine faschistoide "Pick-me". Wehe, du bist eine Frau, die es wagt, darauf hinzuweisen, dass Männerhass in unserer Gesellschaft normalisiert wird – dann wirst du mit Gaslighting überzogen und dir wird gesagt, nein, ist er nicht, ist er nicht, ist er nicht (und selbst wenn doch, sei er jedenfalls nicht so gefährlich wie Frauenfeindlichkeit, weshalb man die beiden auch gar nicht erst gleichsetzen dürfe!). Wehe, du bist eine Frau, die es wagt, den Kult um die mentale Gesundheit zu kritisieren – dann fehlt es dir an Empathie. Und wehe, du bist eine Frau, die es wagt, darauf hinzuweisen, dass die Normalisierung eines brodelnden Männerhasses – von Affirmative Action bis zur Unterstützung für Clancy – vielleicht, nur vielleicht, zum Aufstieg genau jener sehr toxischen und sehr schädlichen Manosphere beiträgt – dann lieferst du den Jüngern von Andrew Tate nur zusätzliche Munition.

Was mich an der Art und Weise, wie so viele Frauen mit diesem Fall umgegangen sind, wirklich erschüttert, ist, dass sie einige der schlimmsten Formen weiblicher Bosheit entschuldigt, ermöglicht und daran mitgewirkt haben – in diesem Fall den Archetyp der verschlingenden Mutter, aber allgemeiner die Instrumentalisierung von Empathie gegen andere –, als handle es sich dabei um eine Art perversen Mannschaftssport. Entweder man steht im Team der Mädchen oder im Team der Jungs, und maximale Grausamkeit gegenüber den Jungs bei gleichzeitiger Nachsicht gegenüber den Mädchen sei der einzige Weg zum Sieg. Nun, all jenen im Team der Mädchen kann ich nur sagen: Das Team der Jungs ist schneller, stärker und körperlich überlegener, und nur die zivilisatorischen Zügel hindern es daran, seinen schlimmsten Impulsen zu folgen. Aber wenn das Team der Mädchen glaubt, es könne als Einziges die Zivilisation über Bord werfen, um es dem Team der Jungs heimzuzahlen, und dass seine eigenen schlimmsten Impulse akzeptabel seien, solange sie nur zum "Sieg" führen – nun, dann werden auch beim Team der Jungs die Handschuhe fallen, warum auch nicht? Und falls ich es noch nicht deutlich genug gesagt habe: Die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bedeuten, dass das für das Team der Mädchen um ein Vielfaches schlimmer endet als für das Team der Jungs.

Unabhängig davon lautet mein sehr einfacher Vorschlag: Wir sollten Männerhass ebenso wenig dulden wie Frauenhass, und wir sollten uns so verhalten, als seien wir Männern in unserer Würde gleichgestellt – als erwachsene Menschen, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen und zur Vernunft fähig sind –, wenn wir als gleichwürdig mit Männern behandelt werden wollen. Wir sollten Grausamkeit, Gewalt und alle anderen Laster nicht allein deshalb entschuldigen, weil sie von einer Frau ausgehen.




3. Gegen einen Wützburger Szeneclub gibt es einen Shitstorm, weil er eine "Rammstein-Nacht" mit Liedern der Band veranstalten möchte. Gegen Rammstein hatte es Vorwürfe sexueller Übergriffe gegeben; die Staatsanwaltschaft hatte wegen Fehlens sämtlicher Belege die Ermittlungen eingestellt. "Gleichwohl halten Aktivisten an ihrer damaligen Forderung fest, dass es Lindemann und Rammstein aus moralischen Gründen zu boykottieren gelte", heißt es in dem verlinkten Artikel.

Auf Nachfrage der Redaktion erklärte das Team laut Mainpost, die Nachfrage nach Rammstein-Musik im Club reiße einfach nicht ab: "Aus wirtschaftlicher Sicht können wir es uns nicht leisten, diese Nachfrage zu ignorieren." Im regulären Betrieb verzichte man dennoch bewusst auf die Songs der Band, um Gäste, die durch die Musik negative Erinnerungen oder Themen aufgerollt bekommen könnten, nicht ungewollt damit zu konfrontieren.


Unbelegte Vorwürfe reichen also heute für einen Boykott aus, denn allein der Gedanke daran, dass diese Vorwürfe stimmen könnten, sei für manche Menschen unerträglich.



4. Die Daily Mail berichtet über 43 Todesopfer und Dutzende Verstümmelungen unter den Jungen, die in dieser Saison Beschneidungen in Südafrika unterzogen wurden:

Die Rituale – im Land als "Ulwaluko" bekannt – werden zweimal im Jahr an Initiationsschulen durchgeführt, um junge Männer auf das Erwachsenenalter vorzubereiten.

(…) Ulwaluko kann tödlich sein. Während lokale Medien in diesem Jahr berichteten, dass 43 Jungen bei den Zeremonien ums Leben kamen, beliefen sich die kombinierten Todesfälle der Winter- und Sommer-Rituale 2024 auf 93 Jungen, dazu kamen 11 totale Penisamputationen – wobei einige dubiose "Chirurgen" die Operation ohne Betäubung durchführten.

Ein vom südafrikanischen Regierung in Auftrag gegebener Bericht verzeichnete zwischen 2021 und 2024 322 Todesfälle junger Jungen sowie Tausende Krankenhauseinweisungen und Amputationen.

(…) Die Hauptursachen für den Tod sind Gewebsnekrose, Sepsis und schwere Dehydrierung – einige unwillige Jungen wurden jedoch auch erstochen, ertränkt oder zu Tode geprügelt.

Es gibt jährlich Hunderte von Berichten über illegale Schulen, die Jungen ab 12 Jahren entführen, um sie zu beschneiden, und anschließend die Eltern zwingen, für die Rückkehr ihrer Söhne zu zahlen.

(…) Die Zeremonien sind jedoch für viele im Land weiterhin von großer Bedeutung. Ohne das Ritual dürfen die Jugendlichen nicht an Stammesversammlungen teilnehmen, an vielen sozialen Aktivitäten mitwirken oder heiraten.

(…) Jedes Jahr durchlaufen Zehntausende von Jungen den Übergang zum Mannentum durch eine heilige Zeremonie, die Hunderte von Jahren zurückreicht – trotz der schockierenden jährlichen Todesrate.

(…) Obwohl die Jungen die Wahl haben, ob sie die Initiation durchlaufen, herrscht enormer Gruppendruck, und diejenigen, die sich weigern, werden "Inkwenkwe" genannt – eine schwere Beleidigung.

Jungen unter 16 Jahren dürfen gesetzlich nicht in die Initiationsschulen eintreten, doch an illegalen Schulen werden oft schon Zehnjährige operiert.

(…) Die Winter-Initiationssaison dauert von Mitte Mai bis Mitte Juli; die offizielle Zahl von 43 Todesfällen ist inzwischen erfasst. Die Sommersaison läuft von November bis Januar.




5. Auf Youtube geht der Unternehmer Jean Pierre Kraemer mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, die er als "super beschämend" empfindet. Er gibt die anstehende Scheidung von seiner Frau bekannt und berichtet in diesem Zusammenhang von zwei Polizeieinsätzen nach häuslichen Auseinandersetzungen. Beim ersten Vorfall wurde seine Frau des Hauses verwiesen, beim zweiten musste er das Haus verlassen. Kraemer geht auf gegenseitige körperliche Handlungen ein und erwähnt, dass ein Kontaktverbot für beide Seiten vereinbart worden sei. Der Anlass für die unmittelbare Veröffentlichung sei eine Fristsetzung durch Medienanfragen zweier Zeitungen gewesen, weshalb er seine eigene Darstellung öffentlich machen wolle, bevor die Presse die Vorfälle ganz anders darstelle, als sie geschehen seien. Schon jetzt stoße er auf massiven Hass in seinem Bekanntenkreis. Kraemer bittet für sein Fehlverhalten um Entschuldigung und überlässt der Community die Entscheidung über den Fortbestand des Content-Angebots. Sollte der Rückhalt der Zuschauer fehlen, stellt er die Schließung seines Unternehmens in Aussicht.



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Montag, August 31, 2026

Vereinte Nationen nach der Flut in Nepal: "Wir müssen den Frauen und Mädchen dort helfen"

1. "Fast 160.000 Frauen und Mädchen sind von den Überschwemmungen in Nepal betroffen", melden die Vereinten Nationen. "Die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen müssen im Mittelpunkt der Reaktion und Erholung stehen."



2. Die Moderatorin Silvia Schneider verteidigt Männer vor einem pauschalisierenden Feminismus – und erntet dafür natürlich prompt einen heftige Kritik.



3. Lutz Bierend kritisiert die von vielen Feministinnen verwendete Strategie, Kritik als "Diskriminierung" umzumünzen.



4. "Wenn Ihre Jungs die Schule hassen, dann vielleicht weil Amerikas Schulen darauf ausgerichtet sind, junge Männer fertigzumachen", schlagzeilt die New York Post. Ein Auszug aus dem Artikel von Leonard Sax, einem Arzt, Psychologen und Bildungsberater.

Deborah Stipek, ehemalige Dekanin der Erziehungswissenschaften an der Stanford University, hat festgestellt, dass Kinder schon früh Einstellungen zur Schule entwickeln. Diese Einstellungen sind, einmal gebildet, stabil und nicht kontingent. Das ist eine vornehme Umschreibung dafür, dass ein Junge, der einmal beschlossen hat, dass er die Schule hasst, seine Meinung wahrscheinlich nicht mehr ändert. Und er glaubt nicht, dass er irgendetwas tun kann, das einen Unterschied macht.

In den vergangenen 25 Jahren habe ich mehr als 500 Schulen besucht. Ich habe aus erster Hand erlebt, wie Schulen für Jungen unfreundlich geworden sind. Jungen, die Dinge tun, die Jungen schon immer getan haben – mit dem Finger aufeinander zeigen und "Peng, peng, du bist tot" sagen. Waffen zeichnen. Schneebälle werfen. All das bringt einen Jungen heute in Schwierigkeiten.

Als ich 1977 an meiner öffentlichen High School in Ohio meinen Abschluss machte, stellten die Jungen unter den besten Schülern die Mehrheit – nicht nur an meiner High School, sondern landesweit. Vor dreißig Jahren veröffentlichten Myra und David Sadker ihr Buch "Failing at Fairness: How our Schools Cheat Girls", in dem sie diesen Leistungsunterschied dokumentierten und zeigten, wie Schulen Mädchen benachteiligten.

Das war damals. Die Zeiten haben sich geändert. Mädchen übertreffen Jungen heute in allen Inhaltsbereichen von der Kindergarten- bis zur 12. Klasse mit weitem Abstand, einschließlich Mathematik und Naturwissenschaften. Mädchen stellen unter den High-School-Valedictorians inzwischen mehr als doppelt so viele Absolventen wie Jungen. Junge Frauen besuchen heute viel häufiger ein College als ihre Brüder.

Wir alle begrüßen die Leistungen der Mädchen. Aber warum haben wir nicht bei etwa 50 zu 50 ausgeglichen? Warum schneiden Jungen in der Schule inzwischen so viel schlechter ab als ihre Schwestern?

Es muss nicht so sein. Man kann eine Schule jungenfreundlich gestalten, ohne sie mädchenunfreundlich zu machen.

Ich leite Workshops für Schulen und teile kostenlose Strategien, die die Leistungen sowohl von Jungen als auch von Mädchen steigern, indem geschlechtersensible Unterrichtsmethoden eingesetzt werden. Der beste Weg, Jungen für Emily Dickinson zu begeistern, unterscheidet sich vom besten Weg, Mädchen für Emily Dickinson zu begeistern. Der beste Weg, Mädchen für Computerprogrammierung zu begeistern, unterscheidet sich vom besten Weg, Jungen dafür zu begeistern. Viele Lehrer wissen das nicht, weil an Harvard, Columbia und vielen anderen "führenden" Erziehungswissenschaftlichen Fakultäten die Professoren Judith Butlers Behauptung vertreten, Geschlecht sei lediglich ein soziales Konstrukt.

(…) Ich habe gerade eine Neuauflage meines Buches "Boys Adrift" veröffentlicht, in der ich eine wachsende Geschlechterlücke bei den schulischen Leistungen dokumentiere. Wie ich im Buch zeige: Die Leistungslücke wird größer, nicht weil Mädchen besser werden – das tun sie nicht –, sondern weil Jungen schlechter abschneiden. Man möchte nicht, dass der eigene Sohn zu diesen Jungen gehört. Der erste Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass er eine jungenfreundliche Schule besucht.




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Freitag, August 28, 2026

"Die verhängnisvolle Macht dieser sechs Gender-Narrative – und wie man sie kontert"

1. Der Sprachwissenschaftler Fabian Payr hat einen neuen Artikel in der "Welt" veröffentlicht:

Trotz ihrer Unbeliebtheit hat sich die sogenannte geschlechtergerechte Sprache in vielen Institutionen etabliert. Zu ihrer Durchsetzung trugen auch emotionale Geschichten bei. Warum bei genauer Betrachtung keine davon haltbar ist.


Hier geht es weiter.



2. Die Frankfurter Rundschau berichtet, wie Russland männliche Zivilisten unter Druck setzt, Militärverträge zu unterschreiben. (Dass die Opfer dieser Praktik ausschließlich Männer sind, fällt in dem Artikel natürlich unter den Tisch.)



3. In den USA feiern und unterstützen Feministinnen Lindsay Clancy, die ihre Kinder umgebracht hat. (Genderama berichtete.) Die auflagenstarke Tageszeitung "USA Today" stellt deshalb klar: "Lindsay Clancy ist keine Märtyrerin der Mutterschaft. Sie ist eine Mörderin." Ein Auszug aus dem Artikel:

Auf TikTok und Instagram zeigen Hunderte, wenn nicht Tausende von Frauen Solidarität mit Clancy oder stellen sich hinter sie: von Aussagen wie "Ich bin Lindsay Clancy" bis hin zu Videos, in denen sie ihre eigenen Kinder im Arm halten und sagen: "Genau so, Lindsay", um zu zeigen, dass auch sie – vermutlich – den Wunsch teilen, ihre Kinder zu töten.

Eine Meinungskolumne der "New York Times", verfasst von einem Professor, der Frauen erforscht, die ihre Kinder töten, legt nahe, dass Clancy Gnade verdient und keine lebenslange Haftstrafe. Ein TikTok-Beitrag über die Realität von postpartaler Wut hat mehr als 60.000 Likes.

(…) Entweder verspüren einige dieser Frauen tatsächlich den Drang, ihre Kinder zu töten, oder sie spielen dieses Gefühl für ihre Follower vor. Beides ist schlimm, doch das eine ist entsetzlich.




4. Der SWR erklärt in einem knapp halbstündigen Audio, wie sich Narzissmus bei Frauen zeigt.



5. Kleine Erinnerung aus der Wissenschaft: Sowohl bei Online-Belästigung als auch bei Gewalt in der Partnerschaft sind die meisten Opfer immer noch männlich.



6. In der populärwissenschaftlichen Zeitschrift "Psychology Today" beschäftigt sich der Soziologieprofessor Joseph Davis ausführlich mit den Hintergründen der Männerkrise. Ein Auszug:

In den letzten 18 Monaten habe ich mich mit dem Institute for Family Studies zusammengetan, um eine Umfrage unter 2.000 jungen Männern im Alter von 18–29 Jahren durchzuführen und darüber zu berichten. Die Umfrage wurde im April 2025 durchgeführt; erschien im März 2026 und im August 2026. Im Schluss des Berichts habe ich einige der gängigen Erklärungen dafür abgewogen, warum viele Männer dahinsiechen. Im folgenden angepassten Auszug betrachte ich die beste Erklärung.

In der öffentlichen Diskussion über junge Männer werden ihre Schwierigkeiten oft in einem harten "Narrativ" gerahmt, das so klingt: Eine wachsende Zahl – zu viele – scheitern in der Schule, arbeiten oder studieren nicht, gehen nicht aus oder gründen keine Familien, verlassen ihre Kindheitszimmer nicht. Sie haben sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen, haben wenige oder gar keine Freunde und gehören wenigen oder gar keinen sozialen oder bürgerlichen Gruppen an. Ihre mentale Gesundheit ist schlecht, ihre Gewohnheiten sind schlecht – Videospiele, Pornografie, Glücksspiel, Cannabisrauchen – und ihre Ansichten sind extremistisch.

Wie üblich erzählt, wird die dunkle Geschichte ihrer Misserfolge zumindest implizit einer erfolgreicheren Vergleichsgruppe gegenübergestellt, sei es jungen Frauen oder älteren Generationen von Männern.

Um die Krise zu erklären, verweisen Autoren und Sozialwissenschaftler auf einige gängige Ursachen, von ungünstigen Erfahrungen in der Schule über Spielsucht bis hin zu den schädlichen Auswirkungen von "toxischer Männlichkeit".

Unter diesen Möglichkeiten findet das, was wir das "strukturelle Argument" nennen könnten, in unseren Daten die meiste Unterstützung.

In der gängigen Form des strukturellen Arguments sind wirtschaftliche und bildungsbezogene Veränderungen die wichtigsten beitragenden Faktoren zu den schwierigen Umständen junger Männer. Zu den nachteiligen Veränderungen gehören männer-unfreundliche Schulpolitiken, der Verlust traditioneller Männerjobs, etwa in der Fertigung, und der Rückgang der Löhne von Männern der Arbeiterklasse. Andere Verschiebungen haben die Volatilität der Wirtschaft erhöht, etwa der Anstieg unsicherer Jobs, disruptive neue Technologien und nun die drohende Gefahr von Arbeitsplatzverlusten durch Künstliche Intelligenz. Wie viele Belege zeigen, haben solche Veränderungen der Chancenstruktur systematisch Männer benachteiligt.

Der Verlust von "Struktur", den wir in den Umfrageantworten durchgehend erkennen, erstreckt sich jedoch auch auf breitere Themen. Das soziale Gefüge selbst hat sich ausgedünnt – eine Deinstitutionalisierung, wie Soziologen es nennen, die unsere Welt formloser gemacht hat. Im Laufe der Zeit gab es einen starken Rückgang vorgeschriebener Rollen, ererbter Lebensläufe, klarer beruflicher und bildungsbezogener Bahnen und Ähnlichem. Wo es einst ein gegebenes soziales Muster gab – eine "Institution", wie dauerhafte Arbeit für dasselbe Unternehmen – gibt es nun ein offeneres und unbestimmteres Feld von Optionen und Wahlmöglichkeiten. Obwohl es scheinbar größere Freiheit bietet, ist es eine prekäre Freiheit, mit weniger Orientierung durch gemeinsame Überzeugungen, Bräuche, Regeln oder Lebensformen.

Wir sehen, was verloren geht, an der Bedeutung des College-Weges. Nach nahezu jedem Maßstab stellen wir fest, dass Männer, die diesen Weg eingeschlagen und bis zum Abschluss durchgehalten haben, am besten zurechtkommen. Der Nutzen zeigte sich nicht unbedingt während der Schulzeit, die einsam und belastend sein konnte. Er kam vielmehr danach, als er Türen öffnete oder Horizonte erweiterte zu stabiler Beschäftigung, Freundschaften, Ehepartnern, Hausstandsgründung, Gemeinschaftszugehörigkeit und vielem mehr. Dies sind die Männer, die am ehesten das Gefühl haben, das volle Erwachsenenalter erreicht zu haben, und das Gefühl, kein Versager oder unerwünscht zu sein und eine gewisse Kontrolle über das zu haben, was ihnen widerfährt.

Wir stellen jedoch fest, dass der Weg der höheren Bildung für viele Männer nicht offensteht, unter anderem aus finanziellen Gründen oder familiären Verpflichtungen, oder weil sie kein Interesse haben oder das Gefühl, nicht erfolgreich zu sein. Bedingungen, die das Lernen beeinträchtigen, wie ADHS, Autismus und Legasthenie, sind unter jungen Männern häufig (etwa 25 % der Befragten berichten von einem aktuellen Problem). Eine Berufsschule oder ein Ausbildungsprogramm ist klar eine Option und eine gute (15 % haben ein Programm abgeschlossen, mit hoher Beschäftigungsquote), doch wir wissen aus anderen Studien, dass Schulen stark auf College-für-alle setzen und erst jetzt beginnen, Werkunterricht wieder einzuführen und über Alternativen zu sprechen. In den meisten Situationen fehlen klar definierte Nicht-College-Wege oder Schule-zu-Arbeitgeber-Pipelines.

In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Umgebung, in der Beschäftigung nun unsicherer ist, stellen wir fest, dass sich die Einstellungen zur Arbeit verändert haben. Viele junge Männer sehen keinen direkten Zusammenhang zwischen harter Arbeit und Vorankommen. Vielmehr scheinen sie die Dinge als zufälliger, umstandsbedingter oder unbestimmter zu betrachten, sodass etwa Erfolg eine Frage davon ist, "wen man kennt" (72 % Zustimmung) und "was mir widerfährt, liegt nicht unter meiner Kontrolle" (61 %). Selbst die Hälfte der College-Absolventen zweifelt daran, dass ihre Bildung die Zeit oder das Geld wert war. Junge Männer behalten dennoch den Glauben an ihre Chancen, doch wie sie diese zu verwirklichen erwarten, könnte besser durch ihr umfangreiches Glücksspiel und Day-Trading angezeigt werden als durch stetige Arbeit in einem 9-to-5-Job. Selbst Ökonomen bezeichnen die gegenwärtige Situation inzwischen als "Casino-Wirtschaft".

Der Mangel an institutionalisierten sozialen Formen betrifft junge Männer auch auf viele andere persönliche Weisen. Mit dem lang anhaltenden Rückgang freiwilliger Vereinigungen – Kirchen, Service-Clubs, Erwachsenensportligen und dergleichen – und der Instabilität der Familie (nur etwa 60 % unserer Befragten hatten die beständige Anwesenheit ihres Vaters) sind junge Männer auf sich selbst zurückgeworfen, um Beziehungen der Verpflichtung und Freundschaft zu finden und zu schaffen. Wir zeigen, dass die meisten unverheirateten oder partnerlosen jungen Männer ausgehen wollen, es aber schwierig ist. Viele finden niemanden, der mit ihnen ausgeht (etwa 50 %), und (…) zögern, eine Frau um ein Date zu bitten, vor allem aus Angst, abgewiesen zu werden.

(…) In diesen Punkten und vielem anderen finden wir soziale Formlosigkeit wie einen tobenden Sturm, in dem viele junge Männer um einen sicheren Halt ringen.


Wie schön wäre es, wenn sie von der herrschenden Politik unterstützt würden, statt ignoriert oder dämonisiert zu werden.



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