Bosnien: Sexuelle Gewalt gegen Tausende von Männern
1. Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet, wie sich allmählich herausstelle, dass im Bosnienkrieg auch gegen tausende männlicher Opfer sexuelle Gewalt stattgefunden hat. Ein Auszug:
Für die auf Kriegsverbrechen spezialisierte Anwältin Ajna Mahmić-Ćatić ist das ein häufiges Muster. Betroffene Männer sprächen oft erst "aus der Not heraus", sagt sie. Was nicht bedeute, dass Männer Betroffenheitsgeschichten erfänden. "Es gibt keinen Mangel an Beweisen", betont sie. In den Urteilen des Haager Kriegstribunals sowie des obersten Gerichts von Bosnien-Herzegowina finden sich etliche: Von erzwungener Masturbation, Genitalverstümmelungen bis zu forcierten Vergewaltigungen zwischen Familienmitgliedern. Die Urteile sind öffentlich einsehbar. Wenn sexualisierte Gewalt an Männern die letzten Jahrzehnte also ein Geheimnis gewesen sein soll, dann war es vor allem: ein offenes.
In meinem Buch "Sexuelle Gewalt gegen Männer" (2023) habe ich ausführlich auch über den Bosnienkrieg berichtet.
2. Zwangsrekrutierungen in Russland finden immer aggressiver statt:
Berichte über Machtmissbrauch und die Misshandlung von Soldaten im Militär machen die Runde, hinzu kommt das hohe Sterberisiko an der Front: Die durchschnittliche Überlebensdauer eines russischen Soldaten im Kriegseinsatz beträgt nur wenige Tage bis Wochen.
Die Verluste Russlands im Krieg sollen laut Militäranalysten zwischen 30.000 und 40.000 Soldaten im Monat betragen. Nachschub wird entsprechend dringend gebraucht. Auch deshalb werden die Rekrutierungsmethoden offenbar rabiater.
"Die Behörden bedienen sich nun gewaltsamer Mittel, indem sie Männer festnehmen und fortschicken", sagte der Anwalt Artyom Klyga dem "Wall Street Journal". Klyga setzt sich für die Belange Zwangsrekrutierter ein.
Offiziell ist der Kriegsdienst in Russland freiwillig. Doch tatsächlich soll die Polizei bisweilen mit Rekrutierern zusammenarbeiten, um Männer unter Druck zu setzen, bis sie schließlich nachgeben und unterschreiben. Angehörigenberichten zufolge droht die Polizei den Betroffenen oftmals an, ihnen Drogen unterzuschieben und sie damit an Ort und Stelle zu verhaften.
Die Stadt Pensa im Südwesten des Landes gilt dabei als Hotspot. Laut dem Einwohner Vladislav Leonidov fand er einen vermissten Bekannten im örtlichen Rekrutierungsbüro auf, wo er in die Leber und die Nieren geschlagen worden war. Durch sein Einschreiten sei erreicht worden, dass der Mann freigelassen wurde. "Wenn wir zwei Stunden später gekommen wären, hätten sie ihn schon mitgenommen", sagte Leonidov. "Sie gehen äußerst schnell vor."
3. Die Bedeutung der Frauen für Hitler und die NSDAP darf man auf keinen Fall unterschätzen, erklärt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel "War auch Oma ein Nazi?". In unserer Frauen-sind-bessere-Menschen-Gesellschaft stellt diese Erwähnung einen Tabubruch dar:
Der britische Historiker Richard J. Evans behandelt in seinem jüngsten Buch "Hitlers Komplizen" auf knapp 800 Seiten bezeichnenderweise nur etwas mehr als eine Handvoll Protagonistinnen wie die Regisseurin Leni Riefenstahl. Auch in der aktuellen Debatte um die NSDAP-Mitgliederkartei bleiben Frauen unter dem Radar. Zu Unrecht: Auch der weibliche Teil der Deutschen brachte die Nazis an die Macht und stabilisierte den NS-Staat.
(…) Seit den Zwanzigerjahren gab es etwa eine kleine Gruppe vermögender und einflussreicher Frauen, die den Aufstieg Adolf Hitlers aktiv förderten, mit Geld und guten Kontakten zu Unternehmern oder Generälen. Einige von ihnen wie Else Bruckmann, Viktoria von Dirksen oder Helene Bechstein machten Hitler in konservativ-nationalistischen Kreisen salonfähig. Winifred Wagner, die Schwiegertochter des Komponisten Richard Wagner und Leiterin der Festspiele in Bayreuth, die Hitler regelmäßig besuchte, zählte seit 1923 zu seinen glühendsten Bewunderinnen, sie hielt ihrem "seligen Adolf" auch nach 1945 die Treue.
(…) Jedenfalls ist die Zahl erschreckend hoch und vor allem hoch genug, um in der eigenen Familienforschung auch auf weiblicher Seite beklemmende Entdeckungen zu machen. War Opa ein Nazi?, das ist gerade die allgegenwärtige Frage, seit die National Archives in Washington die Dateien online gestellt haben. Es gibt Podcasts mit diesem Titel, entsprechende Bücher, Artikelserien über die Verstrickung der Großväter. Aber was ist mit den Großmüttern? Hat auch Oma bei den Nazis mitgemacht?
Dass Frauen im Vergleich zu den Männern in der NSDAP immer eine Minderheit blieben, bedeutet nicht, dass sie das NS-System nicht in der Breite gestützt haben – und damit die für sie vorgesehene Rolle akzeptierten. Wie die aussah, daran hat gerade die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink nie einen Zweifel gelassen. In zahlreichen Funktionen, etwa als Leiterin des weiblichen Reichsarbeitsdienstes und vor allem der 1931 gegründeten NS-Frauenschaft (NSF), die der NSDAP angegliedert war, erreichte sie mit ihren Auftritten und Reden, meist im reinweißen Kleid und mit zum Kranz geflochtenem Haar, ein Massenpublikum: Zwölf Millionen Frauen gehörten 1939 mindestens einem der NS-Verbände an.
(…) Dass der NS-Staat ein weibliches Gesicht hatte mit Funktionsträgerinnen, Hunderttausenden Parteimitgliedern, linientreuen Müttern, damit tat sich die Welt und tat sich Deutschland nach 1945 offenbar schwer – als wollte man nicht wahrhaben, dass Frauen ein aktiver Teil eines Terrorsystems sein können. In den Entnazifizierungsprozessen und ganz allgemein bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gab es in der Nachkriegszeit nach Einschätzung von Historikern jedenfalls keine einheitliche Linie. Einerseits galten Frauen lange als fehlgeleitete Mitläuferinnen, man verharmloste ihre Taten, die Gerichtsurteile fielen zum Teil vergleichsweise mild aus. Andererseits wurden, wie Richard Evans betont, Täterinnen wie KZ-Aufseherinnen oder die berüchtigte Ehefrau des Lagerkommandanten von Buchenwald, Ilse Koch, mit Begriffen wie "Hexe von Buchenwald" oder "blonde Bestie" dämonisiert. Bei der kollektiven Aufarbeitung oder eher Nichtaufarbeitung habe diese Dämonisierung wie ein indirekter Freispruch für alle anderen gewirkt.
4. "Sollte eine Wehrpflicht nicht auch für Frauen gelten?" fragt heute die Augsburger Allgemeine in einem Pro und Contra.
5. Eine aktuelle Studie zeigt, dass vor allem Männer, die ihre Kindheit als besonders chaotisch und unberechenbar erlebt haben, häufiger bestimmte psychopathische Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Der Zusammenhang betrifft vor allem Eigenschaften wie geringe Empathie, Rücksichtslosigkeit und Impulsivität. Die Forscher erklären dies mit der sogenannten Life-History-Theorie: Wenn eine Umwelt als instabil wahrgenommen wird, könnte eine Person eher kurzfristige Strategien dagegen entwickeln – etwa stärker auf unmittelbare Vorteile, Konkurrenz und Selbstschutz zu setzen. Allerdings führe eine schwierige Kindheit nicht automatisch zu psychopathischen Zügen.
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