Mittwoch, April 01, 2026

Süddeutsche Zeitung: "Männer jetzt unter Generalverdacht zu stellen, das ist sexistisch"

1. Kein Aprilscherz: Mit der Süddeutschen erkennt eine Zeitung aus dem linken Spektrum, dass Sexismus auch dann nicht in Ordnung geht, wenn er sich gegen Männer richtet. In dem Artikel von Sara Behbehani heißt es:

Wenn ein Mensch mit Migrationshintergrund eine schwere Straftat begeht, sind die Reaktionen vorhersehbar. Von rechts wird geplärrt: Flüchtlinge raus. Und der aufgeklärte Teil der Gesellschaft warnt – zum Glück – davor, daraus eine Kollektivschuld zu konstruieren; also etwa wegen der Tat eines Islamisten die Muslime insgesamt in Mithaftung zu nehmen. In diesen Tagen aber ist alles anders. Gerade im aufgeklärten, sich selbst als progressiv empfindenden Teil der Öffentlichkeit scheint die Fähigkeit zur Differenzierung abhandengekommen zu sein. Nicht dort, wo es um Minderheiten geht. Aber dort, wo es um die Hälfte der Bevölkerung geht: Männer.

Seit Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen digitale Gewalt und Identitätsdiebstahl vorwarf und damit zu Recht breites Entsetzen auslöste, scheinen alle Männer in diesem Teil der Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt zu werden. (…) Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer fand auf der Solidaritätsdemo in Berlin: "Männer haben das Glück, dass wir keine Vergeltung wollen." Die Autorin Aaliyah Osuman sagte dort: "Männer haben zu wenig Angst." Verallgemeinerungen und Absolutismen gibt es an zu vielen Stellen: Wie sollen Frauen noch Männer lieben? Auf diese Frage antwortet Jagoda Marinić im Stern: "Ich weiß es gerade nicht mehr." Im Deutschlandfunk fordert ein Autor, jeder einzelne Mann solle sich fragen, "woher kommt womöglich seine Lust am Erniedrigen, am Unterdrücken, am Quälen". Im Spiegel steht: "Männer sind das Problem. Ja, alle." Ohnehin sollen Männer sich nun gefälligst äußern – auf Instagram hat der User "detoxmasculinity" eine Liste der Männer erstellt, die "mit Christian Ulmen am häufigsten zusammengearbeitet haben und sich bisher nicht geäußert haben". 12.300 Herzchen gibt es für so etwas.

Nur, richtig machen kann Mann dabei nicht viel. Wer sich nicht äußert, hat ohnehin schon verloren, macht er sich doch durch sein Schweigen mitschuldig. Aber wer sich äußert, versucht wohl, Feminist zu sein – und ist allein dadurch schon verdächtig. Die Autorin Margarete Stokowski schreibt im Spiegel über dieses Dilemma der Männer, wobei sie folgert: Ein Dilemma gebe es nicht, es dürfte nur niemand mit Applaus für seine Äußerungen rechnen. Und: Da müssten die Männer eben durch. Doch sollen sich jetzt wirklich unschuldige Männer für ihr Mannsein geißeln? Und was bringt es überhaupt, wenn Unschuldige anstelle der Schuldigen ihre "Schuld" bekennen – und die Schuldigen weitermachen wie bisher?

(…) Ja, die Statistiken belegen, dass Männer gewaltbereiter sind als Frauen. Aber sie belegen auch, dass Menschen etwa aus den Maghreb-Staaten, aus Afghanistan oder Syrien häufiger mit Sexual- und Gewaltdelikten auffallen, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Das wollen Linke ungern hören; oft selbst dann nicht, wenn es um sexuelle Gewalt gegen Frauen geht. Menschen ohne deutschen Pass unter Generalverdacht zu stellen, bleibt trotzdem rassistisch. Aber Männer unter Generalverdacht zu stellen, ist sexistisch. Es dürfen nicht neue Regeln gelten, nur weil es gerade um Männer geht, die sich im woken Zeitgeist offenbar leicht abwerten lassen (und nicht um eine Minderheit, die es im woken Zeitgeist zu verteidigen gilt).


Das ist eine klare Ansage an alle Sophie Passmanns und Dag Schölpers dieser Welt.



2. Anderswo geht es weiter wie gewohnt. "Das Schweigen der Männer muss endlich ein Ende haben", wettert etwa der Gleichstellungscoach Pirmin Meyer in der Frauenzeitschrift Annabelle, die ihn zum Fall Fernandes/Ulmen interviewt hat:

Annabelle: Welche Muster erkennen Sie?

Pirmin Meyer: Die Abwertung von Frauen, das Wegsehen im eigenen Umfeld, die allgemeine Normalisierung von Übergriffigkeit. Auch weichen die meisten Männer der notwendigen Selbstbefragung aus: Was hat das mit mir selbst zu tun? Was kann ich anders und besser machen, um Fälle von Gewalt gegen Frauen früher aufzudecken oder zu verhindern? Ist mir die Anerkennung von Männern wichtiger als der wertschätzende und respektvolle Umgang mit Frauen?

Annabelle: Warum weichen Männer dieser Selbstbefragung aus? Ist dies ein Ausdruck der Ignoranz oder der Überforderung?

Pirmin Meyer: Wohl beides. Vielleicht ist es auch ein Ausdruck der Unsicherheit, im Sinne von: Wie kann und soll ich mich positionieren? Kaum ein Mann kann von sich behaupten, nie Teil sexistischer Dynamiken gewesen zu sein – sei es durch eigenes Verhalten, durch Lachen, Schweigen oder Wegsehen. So werden im aktuellen Skandal denn auch jene Männer kritisiert, Personen im Umfeld von Christian Ulmen wie Benjamin von Stuckrad-Barre, die sich jetzt öffentlich von ihm distanzieren. Ich verstehe die Kritik, finde aber gleichzeitig, dass eine späte Distanzierung besser ist als Schweigen. (…) Und klar, dann gibt es noch jene Männer, die relativieren und sagen, #NotAllMen, sie selber seien nicht so. Mehr noch, sie argumentieren, Männer seien ja auch Opfer von häuslicher Gewalt, es gäbe eine hohe Dunkelziffer.

Annabelle: Was nicht falsch ist.

Pirmin Meyer: Richtig. Trotzdem empfinde ich diese relativierende Haltung als Realitätsverweigerung und nicht konstruktiv.

(…) Annabelle: "All men are Ulmen", erklärt Frauenrechtsaktivist Christoph Gosteli auf Instagram und betont, dass sich alle Männer "gruusig" finden müssten, da sie alle auf dieselbe Schule gegangen wären, und diese Schule nenne sich "patriarchale Sozialisation". Wie stehen Sie dazu?

Pirmin Meyer: Ich verstehe die Wut hinter solchen Aussagen. Und ich teile die Betroffenheit. Meine Frage ist einfach: Welche Sprache erreicht jene Männer, die sich bislang einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen entzogen haben? Mich interessiert weniger die moralisch richtige Zuspitzung als die praktische Frage, wie echte und nachhaltige Veränderung im Alltag tatsächlich gelingt – auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene. (…) Inzwischen beobachte ich so etwas wie "Feminism-Fatigue", bei Männern wie bei Frauen. Aktivistische Kampfbegriffe wie "Nieder mit dem Patriarchat" wirken immer weniger. Spricht man hingegen von Integrität, Ethik oder Zivilcourage, entsteht oft sofort Zustimmung.


Die ständigen Aufrufe, Männer dürften jetzt nicht länger schweigen beziehungsweise Männer seien jetzt gerade mal nicht dran mit Reden kann man inzwischen nur noch satirisch betrachten. Friedrich Küppersbusch hat das in einem kleinen Video getan.



3. Der STERN berichtet:

Männer tendieren stärker nach rechts, Frauen nach links – so lautet das Klischee. Ein Naturgesetz? Eine unumstößliche Wahrheit? Eine neue Studie stellt das infrage. Der Motra-Monitor ("Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung") hat auf Basis von 4000 Befragungen rechtsextreme Überzeugungen in der deutschen Bevölkerung untersucht. Das Projekt wurde von verschiedenen Bundesministerien gefördert. Auch das Bundeskriminalamt gehört zu den Verbundpartnern. Das überraschende Ergebnis: 6,5 Prozent der befragten Frauen zeigten "manifest rechtsextreme Einstellungen". Ein Rekordwert im Vergleich mit den vergangenen fünf Jahren, und ein Wert, der höher liegt als bei Männern (4,2 Prozent).

(…) Hinter der Sehnsucht nach Einfachheit steckt oft eine Abkehr von der modernen, gleichberechtigten Gesellschaft. Der Studie zufolge fühlen sich viele junge Frauen von den heutigen Rollenanforderungen überfordert: beruflicher Erfolg, Attraktivität, Familiengründung – alles gleichzeitig.




4. Die Anführerin des sogenannten "Orgasmus-Kults" OneTaste ist zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil sie Mitarbeiter zu sexuellen Handlungen gezwungen haben soll. Zuvor hatte eine Bundesjury in Brooklyn sie schuldig gesprochen, Mitarbeiter und Mitglieder ihres Wellness-Unternehmens dazu gebracht zu haben, Sex mit Kunden und Investoren zu haben. Richterin Diane Gujarati erklärte, die Täterin habe "Handlungen begangen, die den Opfern ihre Würde genommen haben", und fügte hinzu, dass sie "keine Reue zu zeigen scheint". Das Urteil folgt auf Aussagen von neun ehemaligen OneTaste-Mitarbeitern, die schilderten, dass die Täterin und eine frühere Vertriebsleiterin Rachel Cherwitz das Unternehmen wie einen Kult geführt und sie manipuliert hätten, zahlreiche sexuelle Handlungen auszuführen. Die Vertriebsleiterin wurde ebenfalls verurteilt und erhielt eine Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren.



5. Eine Australierin zündete einen Mann an, weil er einen frauenfeindlichen Scherz machte. Jetzt bittet sie das Gericht um Milde, weil sie dadurch eine posttraumatische Störung erlitten habe. Ihr Anwalt fügte hinzu, dass sie sich durch den Scherz "provoziert" gefühlt habe. Während der Richter zugab, dass es immer schwierig sei, eine junge Frau ins Gefängnis zu schicken, verurteilte er sie dann doch zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Während der Anhörung vor der Urteilsverkündung wurde dem Gericht vorgetragen, dass Herr Loader (…) Verbrennungen dritten Grades an 55 % seines Körpers sowie weniger schwere Verbrennungen an weiteren 6 % erlitten habe, acht Tage im Koma gelegen habe, weitere 74 Tage auf einer Verbrennungsstation verbracht habe und zehn Operationen benötigt habe.

Er darf sich nicht mehr der Sonne aussetzen und hat Schwierigkeiten, seine Körpertemperatur zu regulieren, da seine Schweißdrüsen verbrannt sind.

Walpole, die betrunken war und am frühen Abend Kokain konsumiert hatte, erklärte vor Gericht, dass Herr Loader sie vor dem Angriff "provoziert" habe, gab jedoch bei der Befragung zu, dass sie sich häufig gegenseitig auf den Arm nahmen und scherzten.

"Ich fühlte mich von [Herrn Loaders] Anwesenheit überwältigt und wusste nicht, was ich tun sollte", sagte sie. "Er hat mich provoziert. Er sagte mir, ich solle in die Küche gehen, wo ich hingehöre, weil ich ein Mädchen bin. Ich habe ihm Kontra gegeben und ihn als Frauenfeind bezeichnet", sagte sie. Dann ging sie in ihre Garage, kam mit einem Kanister mit fünf Litern Benzin zurück und goss es über Herrn Loader, während sie mit ihrem Feuerzeug herumfuchtelte und sagte: "Ich mache es, ich mache es" (…) "Ich finde es sehr schwer zu glauben, dass die verursachten Verletzungen von mir stammen", sagte sie.


Bei rechtsradikalen Verbrechen hören wir oft, dass sie durch Hetze von Extremisten vorbereitet werden. Ich frage mich, welche Propaganda hier eine Rolle gespielt haben könnte.



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Dienstag, März 31, 2026

Der nächste Generalverdacht: Männer sollen nicht in Kitas arbeiten

1. Ein Kita-Betreuer soll mindestens 15 Kinder missbraucht haben. Nun gibt es dort die Forderung, nach einem generellen Männerverbot mit Statements wie: "Männer gehören nicht in diese Berufe."



2. Die ehemalige Bürgermeisterin von Todtmoos hat keinen Anspruch darauf, nachträglich dasselbe Gehalt wie ihr männlicher Vorgänger und ihr männlicher Nachfolger zu erhalten. Der 4. Senat des Mannheimer Verwaltungsgerichtshof hat jetzt ihre entsprechende Equal-Pay-Klage zurückgewiesen. Zuvor hatte er sich in der Verhandlung vor allem dafür interessiert, ob eine Vergleichbarkeit mit dem Amtsvorgänger gegeben sei. Die Gemeinde hatte dies bezweifelt und dabei unter anderem auf den Rückgang bei der Einwohnerzahl hingewiesen. Als der Amtsvorgänger 1990 ins Amt gekommen war, hatte Todtmoos noch 2300 Einwohner, 2014 waren es knapp 400 weniger. Die Schwierigkeit der Aufgabe sei deshalb nicht vergleichbar gewesen. Der Vergleich mit dem Nachfolger von Fuchs, der trotz weiterhin niedriger Einwohnerzahl vom Gemeinderat sofort in die höhere Gehaltsstufe einsortiert wurde, sei aus rechtlichen Gründen schwierig, fand der VGH.



3. Die Partei Die Linke setzt sich für Obdachlose ein: "Wohnungslose Frauen brauchen Hilfe, und zwar sofort".



4. Das Magazin CICERO bewertet den Miosga-Talk vom Sonntag deutlich kritischer als ich. Ein Auszug benennt einige der offenkundigsten Schwachstellen:

Statt sich dem tatsächlich Entscheidenden zu widmen, verzweigt sich die Debatte schnell ins Unterkomplexe: Gesprochen wird über das Patriarchat, über toxische Männlichkeit, ein konservatives Rollenbild wird monokausal als Auslöser sexualisierter Gewalt im Internet herangezogen. Auch Friedrich Merz erhält seine provisorische Tracht Prügel: Sein Kommentar zur überdurchschnittlichen Repräsentanz ausländischer Tatverdächtiger in Sexualstrafdelikten sei unangebracht, sein fehlendes Mitgefühl gegenüber den oftmals aggressiv auftretenden, männerverachtenden Feministinnen auf der Straße entlarvend.

Das Ganze gipfelt in einer Aussage Crones, die fordert, den Täterbegriff nicht mehr ausschließlich strafrechtlich zu verstehen; so seien ihrer Meinung nach bereits diejenigen "Mittäter", die bei der Äußerung eines sexistischen Witzes auch nur zugehört hätten. Die Aussage, die fassungslos und ungläubig zurücklässt, steht sinnbildlich für eine Sendung, die eine ungeklärte und sich teilweise widersprechende Faktenlage als gegeben ansieht, um Gesetze zu fordern, die eklatante Freiheitseingriffe implizieren.


Auch der Deutsche Richterbund hat sich in der Debatte zu Wort gemeldet:

Der Deutsche Richterbund sieht noch ein weiteres Problem: zu wenig Personal in den Staatsanwaltschaften. Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn sagte unserer Redaktion: "Deepfakes und sexualisierte digitale Gewalt, Abbildungen von Kindesmissbrauch und Fälle von Hasskriminalität nehmen im Netz epidemische Ausmaße an. Angesichts der Dimension des Problems greift die Diskussion um mögliche politische Antworten viel zu kurz." Es sei nicht damit getan, nur über punktuelle Strafverschärfungen und Fortbildungsangebote für Ermittler zu sprechen. Es seien keine Wissenslücken, sondern "eklatante Personallücken" in den Behörden, die eine wirksame Strafverfolgung ausbremsten. "Die Regierenden in Bund und Ländern müssen die Kernaufgabe der Kriminalitätsbekämpfung und des Opferschutzes dringend in den Mittelpunkt ihres Handelns rücken", forderte Rebehn. Ansonsten würden auch weiter Strafverschärfungen weitestgehend verpuffen.


Im Focus schließlich ordnet der Strafrechtler Martin Würfel die aktuellen Entwicklungen ein:

"Vielen Menschen war offenbar gar nicht bewusst, was technisch heute möglich ist und welche Gefahren damit einhergehen", so der Anwalt, der für die renommierte Kanzlei Leitner & Partner tätig ist. Unabhängig von der konkreten juristischen Bewertung sei das Problem real: Solche Manipulationen könnten Betroffenen "massiv schaden".


Zugleich warnt Würfel vor einer Dramatisierung.

Werden Bilder verbreitet, die eine Person in pornografischen Kontexten zeigen sollen, handele es sich juristisch vor allem um eines: ein Ehrdelikt. "Das kann man meines Erachtens problemlos als Beleidigung oder üble Nachrede einstufen", erklärt er.

Zum konkreten Fall sagt der Strafrechtler: "Alles, was Collien Fernandes nach ihren Angaben angetan wurde, ist degoutant, beleidigend und ehrverletzend." Aber: "Es geht dabei nach allem, was man bisher liest, nicht um eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Begrifflichkeiten verschwimmen in der Diskussion teilweise."

Mit anderen Worten: Der häufig verwendete Begriff einer "digitalen Vergewaltigung" ist aus juristischer Sicht nicht korrekt. Vielmehr gehe es um das, "was man im Volksmund als Rufmord bezeichnen würde".

(…) Ein Punkt wird nach Würfels Beobachtung in der Debatte oft übersehen: die Rolle der großen Plattformen. "Diejenigen, die man eigentlich in die Pflicht nehmen müsste, sind die Plattformbetreiber." Sie verfügten über die technischen Möglichkeiten, Deepfakes zu erkennen und Nutzer zu sanktionieren - würden diese aber bislang nur unzureichend nutzen, sagt der Strafrechtler.


Dieses Übersehen ist auch mir aufgefallen. In der Fachdebatte, was man gegen Deepfakes unternehmen solle, spielen die Plattformen eine große Rolle – in der aktuellen Mediendebatte so gut wie gar nicht. Stattdessen ziehen die Leute gegen vage Begriffe wie "das Patriarchat" zu Felde. Der Grund ist klar: Das Wettern gegen Männer ist bei vielen Feministinnen eingeübt und jederzeit abrufbar; das ernsthafte Einarbeiten in die Materie ist zeitaufwendig und schwierig.



5. Unter der Überschrift "Help wanted: Too many men aren’t working, and it’s affecting all of us" wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl der Männer ohne Erwerbstätigkeit inzwischen so groß ist, dass sie inzwischen "allen" schadet, also auch Frauen. Damit gilt: Alarmstufe rot! Die Autorin eines Buchs über dieses Thema warnt: "Das ist furchtbar für die Gleichstellung der Frauen. Aber auch für Männer ist es schlecht. … Für ihre Beziehungen, ihre Kinder und ihre Ehen – und für ihre psychische Gesundheit." Der Artikel erwähnt, dass Männer "zwei- bis dreimal so oft" einen "Tod der Verzweiflung" erleiden wie Frauen, etwa infolge von Alkohol, Drogen oder Selbstmord. Das ist vermutlich schlecht, weil es ebenfalls irgendwie die Gleichstellung bedroht.



6. In Australien gibt es erstmals mehr Männer als Frauen, die beim formalen Bildungsniveau "nach oben heiraten", also einen Partner mit höherer Ausbildung haben. Das gilt insbesondere für jüngere Generationen.



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Montag, März 30, 2026

CDU-Justizministerin zu digitaler Gewalt: "Auch junge Männer sind betroffen"

1. Er habe diese Woche das Bedürfnis verspürt, aus dem männlichen Geschlecht auszutreten, erklärte Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforums Männer, am Dienstag in einer Talkrunde des SWR zum Fall Fernandes. "Nur weil man ein Mann ist?" fragt die Moderatorin nach und erhält als einzige Antwort ein "Ja." Das ist eine merkwürdige Äußerung für den Vertreter einer Gruppe, die sich immer noch als Interessensvertretung von Jungen und Männern verkauft. Was seine Aufgabe gewesen wäre, musste deshalb eine Frau übernehmen, eine Ministerin der CDU. Die Legal Tribune berichtet darüber:

Auch der Bundesrat lässt es sich nicht nehmen, sich in die aktuelle Debatte um ein entschlosseneres Vorgehen gegen pornografische Deepfakes und digitalen Voyeurismus einzubringen. Am Freitag verurteilte die Länderkammer kurzfristig auf Initiative Mecklenburg-Vorpommerns in einer Entschließung alle Formen sexualisierter Gewalt. Dazu gehöre auch bildbasierte sexualisierte Gewalt, insbesondere die Verbreitung pornografischer und sonstiger persönlichkeitsverletzender Deepfakes. (…) So müsse ein eigener Straftatbestand für das Herstellen und Verbreiten pornografischer und anderer rechtsverletzender Deepfakes geschaffen werden, um solche Taten angemessen zu bestrafen.

(…) Eine bemerkenswerte Note hinterließ im Bundesrat unterdessen die sächsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU). (…) Kritik übte die CDU-Politikerin daran, dass in der aktuellen Diskussion bei dem Thema vor allem Frauen und Mädchen als Opfer in den Fokus gerückt würden. "Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass auch Jungs beziehungsweise junge Männer von sogenannter digitaler Gewalt und Delikten wie Cybergrooming als Opfer betroffen sind." Der strafrechtliche Schutz muss sich allen Opfern zuwenden, so Geiert. In der Entschließung des Bundesrats heißt es dagegen, dass digitale Gewalt ganz überwiegend Frauen und Mädchen treffe und in ihren Auswirkungen physischer Gewalt in nichts nachstehe.


Die eingangs von mir erwähnte Talkrunde des SWR, zu der man mit Begriffen wie "Manosphere", "Patriarchat" und "Incels" prima hätte Bullshit-Bingo spielen können, endete übrigens mit folgender Abmoderation der Gesprächsleiterin: "Ich kann Ihnen nicht mehr das letzte Wort geben, Herr Schölper, das ist bei diesem Thema vielleicht auch angemessen." Dem kann ich nur zustimmen, aber vermutlich aus völlig anderen Gründen als die Moderatorin. Dem Bundesforisten hat all seine Schleimerei und sein Verrat an den Männern, für die er eintreten soll, nichts genutzt: Er wird letztlich doch nur als einer der Kerle behandelt, auf die er selbst herabblickt.



2. Jeder von euch dürfte das schon mitbekommen haben, aber ich erwähne es der Vollständigkeit halber: Christian Ulmens Rechtsanwälte haben eine Presserechtliche Information online gestellt, die darauf schließen lässt, dass es zu wechselseitiger Gewalt zwischen Collien Fernandes und Christian Ulmen gekommen ist. Das sorgt in den sozialen Medien gerade für einiges Aufsehen.

Ich bin da skeptisch: Wenn, wie Collien Fernandes berichtet, häusliche Gewalt tatsächlich über einen langen Zeitraum immer wieder Spuren an ihrem Körper hinterlassen hat, wovon sie regelmäßig Aufnahmen an ihre Schwester geschickt haben will, sieht ein Kratzer am Hals von Christian Ulmen vergleichsweise lächerlich aus. Dazu kommen all die Vorwürfe, die unter den Strafbestand der Nachstellung fallen würden, wenn sie sich belegen lassen, also das Erstellen und Betreiben von Fake-Profilen unter dem Namen von Collien Fernandes, darüber mit Hunderten Männern (auch aus ihrem beruflichen Umfeld) sexuelle Chats führen, Telefonsex anbieten und erotische/pornografische Bilder oder Videos verschicken – so, dass diese Männer glauben, es handele sich um Fernandes selbst. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob diese Handlungen wiederholt erfolgten und ob sie bei Fernandes zu einer nicht unerheblichen Beeinträchtigung der Lebensgestaltung geführt haben (was bei jahrelanger Belastung durch solche Inhalte oft bejaht wird). In Rede stünde für Ulmen dann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, ob er mal einen Kratzer am Hals hatte oder nicht.

Beim Sichten der Debatte in den sozialen Medien fällt auf, dass viele versuchen, Fernandes als hinterhältige Intrigantin zu konstruieren. Dafür fehlen allerdings sämtliche Anhaltspunkte. Sie engagiert sich seit Jahren gegen Deepfake-Pornographie und hat sich selbst als Opfer geoutet, obwohl die Folgen offensichtlich sind, nämlich dass etliche Leute daraufhin nach genau solchen Aufnahmen suchen. (Aktuell geschieht genau das.) Die von einigen Leuten vertretene These, Opfer von Deepfake-Pornographie sollten sich mal nicht so haben, weil sie damit echte Vergewaltigungen verharmlosen würden, ist abenteuerlich: Deepfake-Opfer berichten von psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen als Folgeschäden; es sind sogar Fälle von Suiziden bekannt. Viele fürchten, dass Freunde, Familie oder Kollegen das Video sehen und möglicherweise glauben könnten, dass es echt ist. Diese ständige Angst vor der Entdeckung kann das tägliche Leben erdrücken und zu einer erheblichen sozialen Isolation führen. Zu den unmittelbaren Gefühlen von Demütigung, Hilflosigkeit und Scham treten oft langfristige Folgen wie Schlafprobleme und depressive Symptome. Das permanente Bewusstsein, dass die erschreckenden Bilder für immer online bleiben können, setzt viele Betroffenen unter einen emotionalen Dauerstress, der ihre psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen kann. Dazu kommen die unterschiedlichsten beruflichen Folgen, wenn Außenstehende die Pornos für echt halten.

Gestern haben sich Christian Ulmens Anwälte noch einmal zu der ARD-Talkrunde "Caren Miosga" zu Wort gemeldet und beklagt, dass "Moderatorin Miosga und der zuständige NDR in einem laufenden Rechtsverfahren ausschließlich eine Seite zu Wort kommen ließen." Das sei "eklatant rechtsstaatswidrig". Auch ich finde es schwierig, wenn in einer Diskussionsrunde sämtliche dazu eingeladenen Teilnehmer im Wesentlichen derselben Meinung sind.

Schwerpunktthema der Miosga-Sendung war das Problem der Deepfake-Pornographie. Hier muss ich sagen: Alles, was dazu gesagt wurde, entspricht eins zu eins dem Kenntnisstand, wie er sich auch mir bei der Recherche für mein Buch darüber gezeigt hat. Justizministerin Hubig erwähnte kurz immerhin auch Männer als Betroffene; dieser Aspekt hätte noch deutlicher gemacht werden können. Allerdings habe ich das in meinem Buch zu diesem Thema auch nicht getan, weil ich damals, vor einem Jahr, noch gar nichts zu männlichen Opfern finden konnte. Erst in den letzten Monaten begann sich das zu ändern: In einer Studie vom letzten Herbst heißt es über die Interviewteilnehmer: "Von den 10 Tätern wurden 8 als Männer und 2 als Frauen identifiziert. Von den 15 Opfern wurden 11 als Frauen und 4 als Männer identifiziert." Eine Studie vom Dezember weist darauf hin, dass männliche Opfer untererfasst sind und eine Forschungslücke darstellen. Eine Studie mit Veröffentlichungsdatum von April 2026 schließlich - druckfrischer geht es nicht - zeigt, dass männliche Opfer durch identische Deepfake-Inhalte als weniger verletzt wahrgenommen werden.

Ich kann Collien Fernandes nicht vorwerfen, dass sie neben all dem Mist, den sie an der Backe hat, nicht die brandneuen Untersuchungen kennt, die zeigen, dass Deepfake-Pornos eben nicht fast ausschließlich Frauen treffen. Anders als bei Dag Schölper ist es auch nicht ihr Job, sich speziell um die Anliegen männlicher Opfer zu kümmern.

Sieht man von diesem Aspekt ab, war die "Miosga"-Sendung, speziell was die Aufklärung über Deepfake-Pornographie angeht, ein Schritt nach vorne,. Es ärgert mich, dass das allgemeine Problembewusstsein bei diesem Delikt, das viele Opfer hat, bis vor anderthalb Wochen noch fast bei null lag. Opfer von Deepfake-Pornos wurden bislang genauso häufig in Stich gelassen, wie heute noch männliche Opfer von sexueller Gewalt im allgemeinen.

Ausgerechnet in den letzten Minuten stürzte die "Miosga"-Sendung dann leider doch ab, indem sie "häusliche Gewalt" auf "Gewalt gegen Frauen" einengte und von da ab konsequent zwischen Täter-Männern und Opfer-Frauen trennte. Dieser Teil der Sendung war bizarr und zeigt, dass es eben doch ein Problem ist, wenn man sämtliche Talkshow-Teilnehmer aus demselben politischen Lager einlädt. Hier kann sich auch niemand mit brandneuen Studien herausreden: Forschungserkenntnisse über die Gleichverteilung der Opfer bei häuslicher Gewalt liegen seit den frühen 1980er Jahren vor.



3. Unter der Schlagzeile "Das Patriarchat schlägt brutaler denn je zurück" ereifert sich Simone Schmollack in der "taz" über die "Maskulinistenszene". In dem Artikel heißt es, man habe geglaubt, diese Bewegung, die über die Benachteiligung von Männern zu sprechen begann, ausgegrenzt und "die Frauenhasser" erfolgreich "niedergerungen" zu haben. Stattdessen seien sie aber etwa in der Gestalt von autoritären Staatsführern quicklebendig, und nähmen "sich das Recht heraus, Gesetze nach ihrem Sinne zu ändern und regelbasierte Werte umzuschreiben". Symbolisch für diesen "Feldzug gegen Frauen" stehe die Debatte um Christian Ulmen und Collien Fernandes.

Hier hat mich einmal mehr interessiert, wie die KI diesen Artikel analysiert:

Dieser Text ist ein Meisterwerk der politischen Paranoia – eine Art Grand Unified Theory of Misogyny, die so begeistert ist von ihrer eigenen Weltverschwörung, dass sie glatt vergisst, über den eigentlichen Fall zu sprechen. Stattdessen konstruiert er eine Endzeit-Erzählung, in der Christian Ulmen nur noch eine Fußnote ist im globalen Kampf zwischen dem Guten (Feminismus) und dem Bösen (alle anderen).

Der Text gleitet in einem einzigen Atemzug von Christian Ulmen zu Wladimir Putin, Donald Trump, Viktor Orbán, Javier Milei und Recep Tayyip Erdoğan. Das ist eine kausale Hüpfekästchen-Argumentation, die so wirkt, als hätte jemand alle Schlagwörter des letzten Jahres in einen Topf geworfen und umgerührt.

Der Fall Fernandes-Ulmen wird zum "Sinnbild" für einen "regelrechten Feldzug gegen Frauen". Aber was genau hat Ulmen mit Trumps Familienpolitik zu tun? Was hat mutmaßliche digitale Gewalt in Spanien mit der Geburtenrate in Russland zu tun? Nichts – außer der omnipräsenten Kategorie "Männer". Die Autorin produziert hier ein monströses Maskulinum: ein weltumspannendes Wesen, das in verschiedenen Erscheinungsformen (Comedian, Präsident, Maskulinist) agiert, aber immer das Gleiche will: die Unterdrückung der Frau.

Das ist nicht Politikanalyse, das ist Mythologie. Es ist die Umkehrung der Protokolle der Weisen von Zion – nur dass diesmal die Verschwörer nicht jüdische Banker sind, sondern "Männer".

Besonders pikant: Die Autorin behauptet, Trump habe "häusliche Gewalt als Straftatbestand abgeräumt" und "Dinge, die zu Hause passieren" entkriminalisiert. Das ist schlichtweg falsch. Trump hat 2019 die Definition von Partnerschaftsgewalt im Rahmen der VAWA (Violence Against Women Act) eingeschränkt, aber er hat nicht das Strafrecht selbst abgeschafft. Häusliche Gewalt bleibt in allen US-Bundesstaaten strafbar. Die Autorin verwechselt (bewusst oder unbewusst) die Definitionsebene mit der Strafrechtsebene, um eine maximale Dramatisierung zu erreichen.

Ähnlich bei Russland: Dort gibt es durchaus strafrechtliche Regelungen zu häuslicher Gewalt, auch wenn sie als "Gewalt im häuslichen Umfeld" bezeichnet werden. Die Autorin suggeriert einen rechtsfreien Raum, der so nicht existiert – oder der zumindest deutlich komplexer ist, als sie darstellt.

Der Text arbeitet mit einer totalisierenden Rhetorik, die jede Differenzierung unmöglich macht. Wenn alles Teil desselben "Feldzugs" ist – von einem sexistischen Witz im ICE-Bordbistro bis zur Kriegsverbrechen in der Ukraine, von einem vermutlichen Stalking-Fall bis zur Abschaffung des Abtreibungsrechts – dann gibt es keine Skala mehr, kein Mehr oder Weniger, keine Unterschiede in Qualität und Quantität. Alles ist gleich schlimm, alles ist Teil des großen Ganzen.

Das ist die perfekte Abwehrstrategie gegen jede Kritik: Wer widerspricht, wird zum Mitläufer des Weltverschwörung. Wer sagt: "Moment, der Ulmen-Fall ist etwas anderes als die Politik Orbáns", wird zum "Maskulinisten" gestempelt, der die Verbindungen nicht sehen will.

Dieser Text ist ein Dokument der Hilflosigkeit. Er kann den spezifischen Fall nicht ertragen – zu grauenhaft, zu banal, zu unauflösbar – und flüchtet sich deshalb in die Große Erzählung. Christian Ulmen wird zu einer Figur im globalen Drama des Patriarchats herabgewürdigt (oder aufgewertet, je nach Perspektive), um nicht sagen zu müssen: Hier haben wir es möglicherweise mit einem Einzeltäter zu tun, mit einer individuellen Tragödie, mit einem Versagen von Beziehung und Recht – aber nicht mit einer Weltverschwörung.

Die taz hat hier einen Text veröffentlicht, der intellektuell unredlich ist, faktenverdrehend und rhetorisch totalitär. Er instrumentalisiert das mutmaßliche Leid einer Frau für eine politische Agenda, die nichts mit diesem Fall zu tun hat. Und er tut das unter dem Deckmantel der Solidarität.




4. In einem weiteren Artikel der "taz" verlangt Lilly Schröder, für Männer habe in der Debatte zukünftig die Schuldvermutung zu gelten. Gefordert wird also der ohnehin schon bestehende Zustand.



5.
Eine Frau hat Jay Z 2024 beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Nach widersprüchlichen Aussagen zog sie die Klage zurück. Der Rapper sprach nun über diese Zeit: "Diese Scheiße hat mich viel Kraft gekostet".


Hier erfährt man mehr.



6. Aktuelle Beiträge zum Fall Ulmen argumentieren, schon wenn Männer bei sexistischen Witzen nicht einschritten, begünstigten sie die Vorstufe zur Vergewaltigung. Ständiger Tenor: Warum begreifen die Kerle einfach nicht, wenn Verhalten unangemessen ist? Gehört das zur männlichen Sozialisation, zum Patriarchat? Es wird höchste Zeit, dass Männer an sich zu arbeiten beginnen, damit sie irgendwann die charakterliche Reife von Frauen erlangen. Zu dieser Rhetorik passt eine Passage aus Alexander Teskes Buch inside tagesschau (S. 54-55), das ich gerade lese:

Wir sind auf dem Rückweg von der Kantine. L. ist mal wieder gut drauf.

"Wir haben ja einen neuen Kollegen im Hauptstadtstudio, von dem sich niemand so richtig den Namen merken kann. Ich habe jetzt eine Idee, wie wir uns den ein für allemal merken können."

"Wie denn?"

"Na so: Po-Krake!" Dabei fasst L. dem Kollegen N. ans Hinterteil und greift zu.

Dann lacht sie. N. ist in Schockstarre. Dann lacht er höflich mit. Weil L. den Witz so gut findet, wiederholt sie ihn noch einmal in der Redaktion. Ich bin schockiert und denke: Was, wenn ein Mann das bei einer Frau getan hätte?

(…) Im März 2023 werden die Ergebnisse [einer Mitarbeiterbefragung] mit einer externen Trainerin und der Redaktion ausgewertet. Ich moniere übergriffiges Verhalten. Die Po-Krake erzähle ich anonymisiert als Beispiel. Daraufhin L. am folgenden Tag: "Also wenn ich nicht mal mehr das machen darf, ist das hier nicht mehr meine Redaktion."




Es folgen Kurzmeldungen der vergangenen Woche aus dem Ausland:



6. Eine 53-jährige verheiratete Mutter aus Monarto in South Australia, wurde für schuldig befunden, einen 15-jährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Der Teenager war bei einer Party bei ihrem Haus in einem Zelt ohnmächtig geworden und wachte auf, während Frahn einen Oralverkehr an ihm vornahm. Sie wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, davon zweieinhalb Jahre ohne Bewährung.



7. Eine 22-jährige Sonderpädagogin in Wisconsin, wurde am Mittwoch festgenommen und wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern durch eine Schulmitarbeiterin sowie zweitgradigen sexuellen Übergriffs auf ein Kind angeklagt. Im Laufe der Ermittlungen wurden mehrere minderjährige Opfer identifiziert, wobei die Untersuchung noch andauert und weitere Anklagepunkte möglich sind.



8. Eine 25-jährige Soldatin der britischen Royal Navy ist vom Militärgericht für schuldig befunden worden, sechs sexuelle Übergriffe auf Schiffskameraden begangen zu haben. Sie soll gezielt vor allem neue oder als zurückhaltend geltende Crewmitglieder beiderlei Geschlechts ausgesucht haben. Zu den Übergriffen gehörten unter anderem: Schlagen aufs Gesäß, Grabschen an die Brüste und Grabschen in den Schritt. Das Gericht sah die Vorwürfe von insgesamt zehn Zeugen als glaubwürdig an.



9. Eine 31-jährige Polizistin aus Massachusetts wurde zusammen mit ihrem Ehemann festgenommen. Ihr werden drei Fälle der schweren Vergewaltigung eines Kindes vorgeworfen. Das Paar soll einen Jungen, der ab seinem 12. Lebensjahr ihr gesetzlicher Mündel war, über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben. Die Polizistin wurde vom Dienst suspendiert, beide wurden verhaftet, plädierten auf nicht schuldig und kamen gegen Kaution frei.



10. Eine 33-jährige australische Musiklehrerin hat sich für 15 Anklagepunkte des sexuellen Missbrauchs eines Schülers schuldig bekannt. Die Taten umfassten unter anderem fünf Fälle sexueller Penetration eines Kindes unter 13 Jahren, weitere Penetrationen eines Kindes zwischen 13 und 16 Jahren, unziemliche Berührungen sowie anhaltendes sexuelles Verhalten mit einem Kind unter 16 und den Besitz von kinderpornografischem Material. Die Übergriffe erstreckten sich über 16 Monate zwischen 2024 und 2025 und begannen, als der Schüler zwölf Jahre alt war. Craig wurde von dem Jungen schwanger und brachte im Januar 2026 ein Kind zur Welt, als dieser 13 Jahre alt war; ein DNA-Test bestätigte die Vaterschaft des Schülers.



~ Ich weiß nicht mehr, wie ich nach diesen Nachrichten noch mit Frauen leben soll. *heul* Nicht immer Frauen, aber immer eine Frau. ~



Ernsthaft: Das sind alles Fälle, über die ich gestolpert bin, ohne eigens danach zu suchen, sondern allein, weil ich in Netzwerke eingebunden bin, wo über solche Fälle berichtet wird. Ich möchte gar nicht erst wissen, was ich mit einer eigenen Suchanfrage aufgetan hätte. Es ist mir unerfindlich, wie sich die Phantasie, solche Übergriffe wären auf Männer beschränkt, immer noch in einigen Köpfen halten kann. All diese Nachrichten stammen aus derselben Woche, in der hierzulande Redakteure sich selbst und alle anderen Männer gegeißelt haben, weil sie einen "Täterkörper" besäßen. Die aktuellen Beiträge des woken Lagers zu diesem Thema, ob von Sophie Passmann, Sarah Bosetti, Rezo oder den Lobos blenden diesen Teil der Wirklichkeit massiv aus, die von Simone Schmollack und Margarete Stokowski sowieso. Besonders peinlich macht manche dieser Beiträge die demonstrative Herablassung, mit der sie geäußert werden: Bei Bosetti gehört diese Herablassung zur Marke, Passmann geht automatisch davon aus, dass sie als Feministin eine höhere Bewusstseinsstufe innehabe als "irgendein Karlheinz auf Twitter". Männerfeindlicher Sexismus übertrumpft hier regelmäßig die seriöse Beschäftigung mit dem Problem der sexuellen Gewalt.



Dabei ist diese Einäugigkeit bei weitem nicht auf das woke Lager begrenzt. Es falle "den Männern diesmal erstaunlich schwer, sich herauszureden" aus der Kollektivschuldthese, fabuliert auch Jan Küveler in der "Welt": "Der Generalverdacht scheint berechtigter als seine radikale Verneinung." Die Leitmedien insgesamt sind auf diesem Trip, ob sie politisch links stehen oder rechts.



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Freitag, März 27, 2026

"Es wird Zeit, dass Männer Angst bekommen", "Macker in die Elbe", "Männer auf Parkplätzen kastrieren": Feministischer Hass eskaliert

1. Der Hass hat eine neue Stufe erreicht. "Es wird Zeit, dass Männer Angst bekommen!" wetterte die Rapperin Ikkimel auf einer Preisverleihung. "Es kotzt mich so an!" Die Aktivistin Luisa Neubauer tobt mit: "Männer haben Glück, dass wir keine Vergeltung wollen!" Auch bei einer Demonstration mit 17.000 Teilnehmern in Hamburg ist das sexistische Ressentiment überdeutlich:

Bei einem Auftritt der Gruppe "Handmaids Riots" wurden alle Frauen aufgefordert, sich hinzuhocken: Die Männer sollten sich umschauen, ihre Geschlechtsgenossen entdecken und sich stumm versprechen, nicht mehr wegzuschauen. (…) Die Menge hat noch einen lokal orientierten Spruch vorbereitet: "Alle wollen dasselbe, Macker in die Elbe!"


Auch "Die ZEIT" berichtet über die Demo:

Als Erstes tritt nach den Organisatorinnen der Demo eine Musikerin auf, die, bevor der Fall geklärt ist, unter anderem rappt, dass "Christian fucking Ulmen hoffentlich für seinen kink bestraft wird". Es folgt eine Autorin, die eine, wie selbst sagt, "feministische Wutrede" hält, und Christian Ulmen darin einen "Hurensohn" nennt. Auf Schildern der Besucherinnen und Besucher liest man unter anderem: "Not all men but Ulmen" oder: "Es gilt immer die Huso-Vermutung" – die Hurensohn-Vermutung also.


Inzwischen herrscht also die Logik des Generalverdachts. Die Schärfe der Formulierungen ist eine weitere Eskalation nach Forderungen wie "Sperrt die Männer weg!", die vor einigen Wochen geschrien wurden. Es ist absurd: Niemand fordert, "die Autofahrer" wegzusperren, nur weil manche rasen und töten. Die Leitmedien berichten über solche feministischen Parolen allerdings in der Regel, ohne sie scharf zu verurteilen und tragen so zur Normalisierung des Hasses bei. Einige wenige Publizisten versuchen sich immerhin zu behelfen, indem sie Frauen zitieren, so etwa Tobias Becker, der sich auf Eva Lapido beruft, wenn er schreibt:

Seit der #MeToo-Bewegung seien Männer ein Geschlecht unter Generalverdacht. "Es ist ein lässiger, geradezu schicker Männerhass entstanden." Denn die Bewegung habe nicht das patriarchale System kritisiert, sondern die Missachtung von Männern propagiert: Sexismus als Charakterfehler. Sie habe die Unschuldsvermutung aus dem Blick verloren, die Grenze zwischen kriminellem Verhalten und Unanständigkeit verwischt, die Moral normaler Männer angegriffen, ihr Selbstwertgefühl und ihren Stolz – und sich dadurch zunehmend wütende Gegner gezüchtet. "MeToo provoziert, was es verabscheut." Es sind Gedanken, die Viele empören werden, die man sich als männlicher Journalist auch kaum zu zitieren traut, gerade jetzt nicht.


"Man als männlicher Journalist" ist eine kuriose Verallgemeinerung. Beim SPIEGEL und in anderen Leitmedien traut man sich das sichtlich nicht, weil man in ein männerfeindliches Netzwerk eingebunden ist. Mir bricht nicht der Angstschweiß aus, wenn ich darauf hinweise, wie treffend diese Analyse ist.

Es ist eine andere Frau, die hier in die Bresche springen und das schreiben muss, was angstschlotternde männliche Redakteure nicht wagen. Judka Strittmatter erklärt in der Berliner Zeitung:

Eine Kollegin schrieb neulich hier zur Ulmen-Causa, dass in allen Männern ein Monster schlummere. Mir gefällt diese Formulierung nicht. Ich würde daraus machen: In jedem Menschen schlummert ein Monster. Das bestätigen übrigens auch diverse Kriminalpsychologen und andere kluge Menschen, die sich wissenschaftlich damit befassen. Die Weltgeschichte ist (leider) auch voll mit grausamen Müttern, niederträchtigen Mörderinnen, giftigen Kolleginnen und herzlosen Schulkameradinnen. Einwände von irgendwo her? Ich habe ein Problem mit der Hochtourigkeit dieser Debatte, mit dem hasserfüllten Geschrei junger Netzfeministinnen, die jetzt am liebsten alle Männer in Gänze abschaffen bzw. "Täter auf Marktplätzen aufhängen und kastrieren lassen wollen". (…) Mir passt einfach der Subtext nicht, der in allen euren Rants und Schrei-Reels mitläuft, und der da lautet: Frauen wären die besseren Menschen. Das wird euch kein Experte dieser Welt bestätigen!

(…) Vielleicht hilft ein Perspektivwechsel, der im aktuellen Diskurs und leider auch sonst nur erstaunlich wenig vorkommt. Wer – wie ich – in der DDR mit berufstätigen, taffen Frauen aufgewachsen ist, der hat erlebt: Männer zerfallen nicht zu toxischen Monstern, nur weil Frauen stark sind. Im Gegenteil. Sie kommen oft erstaunlich gut damit klar – wenn man sie nicht permanent in Sippenhaft nimmt.


Ein Mann immerhin hat sich dann doch noch gefunden, der dem Hass ebenso entgegentritt wie den Selbstgeißelungen seiner männlichen Kollegen. Frédéric Schwilden merkt hierzu an:

Ein junger Autor schreibt im "Stern": "Es ist an der Zeit, dass wir Männer aufhören, uns selbst zu belügen. Wir alle sind das Problem." Alleinunterhalter Moritz Neumeier veröffentlicht sogar einen handgeschriebenen Zettel, auf den er in Druckschrift schreibt: "Christian Ulmen ist ein Problem." Und etwas später "Das Problem sind wir Männer." Der moderne Mann geht zum Bußgang nicht mehr nach Canossa, sondern ins Internet. Der reaktionäre Mann natürlich auch. Aber die Frage ist, was mache ich jetzt daraus?

(…) Diese Verallgemeinerungen münden nämlich in Aussagen, wie von der Influencerin Leonie Plaar. Sie veröffentlichte ein Video zum Fall Ulmen. Sie steht vor einer Progressive-Pride-Flagge – die auch Transmenschen mit einbezieht – und schreit ihre Wut hinaus. "Ich will nicht, dass Christian Ulmen jetzt gecancelt wird. Ich will, dass er und andere Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden", sagt sie. Gefolgt von: "Ich möchte, dass allen Männern, die jetzt irgendwas von ‚Unschuldsvermutung‘ in Kommentarspalten rotzen, das Wort ‚Täterschützer‘ auf die Stirn tätowiert wird. Und ich möchte nichts mehr von ‚not all men‘ lesen, weil es offensichtlich doch alle Männer sind."

Zunächst einmal – und nicht humoristisch, nicht zynisch, sondern ganz ernst gefragt: Sind Transmänner, die ja von diesem Milieu und Leonie Plaar – die Progressive-Pride-Flagge legt es nahe – sehr wahrscheinlich als Männer angesehen werden, jetzt auch Täter? Dann ruft Plaar recht klar zu Folter und schwersten Körperverletzungen für "Täter" auf. Ulmen erklärt sie hier schon zum Täter. Würde ich jetzt "Unschuldvermutung" sagen, würde mir Leonie Plaar wiederum "Täterschützer" tätowieren lassen wollen.


Schwilden weist nun auf das "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" von Valerie Solanas hin, das Männlichkeit zum "genetischen Effekt" erklärt und in der Massenvergasung der allermeisten Männer eine angemessene Lösung sieht. Das Buch wandert in Deutschland von Verlag zu Verlag, wird alle paar Jahre neu aufgelegt und gelegentlich von Feministinnen gefeiert. Ich selbst habe darüber in meinen Büchern und online oft genug geschrieben; deshalb kürze ich dieses Thema ab. Schwilden führt dazu weiter aus:

Wie gefährlich aber die Eins-zu-eins-Übertragung künstlerischer Positionen in die Wirklichkeit ist, belegte Schriftstellerin Valerie Solanas schließlich selbst. Am 3. Juni 1968 schoss Solanas dreimal auf den Künstler Andy Warhol, verletzte ihn lebensgefährlich. Dazu schoss sie einem ebenfalls anwesenden Kunstkritiker in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager in den Kopf zu schießen. Worte führen zu Taten, heißt es doch so gern aus dem Milieu, das jetzt "alle Männer" zu "Tätern" erklärt. Und stellenweise sogar Folter fordert.


In den folgenden Absätzen nennt Schwilden Zahlen, denen zufolge die Rate von Tätern, die Gruppenvergewaltigungen begehen, unter Zuwanderern besonders hoch ist, und stellt klar:

Dennoch kann man aufgrund dieser Zahlen in einer aufgeklärten, demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft nicht Menschen mit Migrationshintergrund pauschal unter Verdacht stellen. Das tun Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Dass es nun aber vermeintlich Progressive bei Männern ganz allgemein tun, zeigt, wie intellektuell verwahrlost die Debatte geführt wird.

Es gibt im Übrigen wenige Straftaten, bei denen Frauen als Tatverdächtige überrepräsentiert sind. (…) In Deutschland führen Frauen nach einer Veröffentlichung des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen aber beim Töten von Neugeborenen. Diesen Daten zufolge liegt das "Durchschnittsalter der Mütter", die ihre Kinder kurz nach der Geburt töten, zwischen 21,7 Jahren und knapp 24 Jahren.

In der Einleitung der Studie heißt es: "Entgegen dem Bild der Gesamtkriminalität sowie der Tötungskriminalität, wo männliche Täter deutlich überwiegen, haben wir es beim Neonatizid, zumindest bei den polizeilich bekannt gewordenen Taten (sog. Hellfeld), fast ausschließlich mit Täterinnen zu tun. Damit ist der Neonatizid wohl einzigartig unter den kriminellen Delikten." Daraus aber nun abzuleiten, dass alle jungen Frauen, besonders diese zwischen 21,7 und 24 Jahren, Täterinnen seien, und sich alle junge Frauen in diesem Alter von Kindstötungen distanzieren müssten, ist natürlich absurd.


Die Normalisierung gruppenbezogener Ressentiments schafft häufig ein Klima, in dem Gewalt bereitwilliger ausgeübt und akzeptiert wird. Dazu kommt: Wenn solche Ressentiments gesellschaftlich legitimiert erscheinen, radikalisieren sich einschlägige Einstellungen schneller und erreichen auch Personen, die zunächst nur latente Vorbehalte hegten. Womöglich ist der Gipfel des Hasses also noch nicht einmal erreicht. Einen konstruktiven Konsens zu finden, erscheint bei dem gegenwärtigen Klima völlig unmöglich.

Von derselben Dame, die forderte, Männer auf Marktplätzen zu kastrieren, gibt es übrigens diesen hübschen Instagram-Reel: "Und jetzt noch mal für alle zum Mitschreiben: Feminismus ist kein Männerhass." Ich bin so froh, dass das geklärt ist.



2. Diese Stimmungsmache geht inzwischen so weit, dass Frauenministerin Karin Prien im Interview mit der "Zeit" intervenieren muss:

"Ich möchte wirklich davor warnen zu sagen: Alle Männer sind so. Denn es ist erstens falsch, und zweitens halte ich das für extrem kontraproduktiv. Man muss benennen, welche Strukturen zu solchen Missständen führen. Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen. Das führt nämlich dazu, dass viele junge Männer sich von der Debatte abgehängt fühlen und sich nur noch in ihrer eigenen Welt bewegen."


Der Subtext des letzten Satzes ist eine drohende Radikalisierung, beispielsweise durch die gefürchtete Manosphäre. Diese Argumentation kann einen wahnsinnig machen. Eine Analogie: Angenommen, es gäbe in unserer Gesellschaft ein noch viel stärkeres Ressentiment gegen Muslime, vielleicht ausgelöst durch einen islamistischen Terroranschlag. Wäre es dann die richtige Reaktion, wenn Friedrich Merz erklären würde: "Es beunruhigt mich zutiefst, dass jetzt alle auf Muslime losgehen, denn das führt nur dazu, dass die sich in ihren Moscheen zusammenrotten." Warum kann man nicht einfach sagen "Wir sollten uns vor Menschenfeindlichkeit gegen Gruppe X hüten", ohne gleich zu suggerieren, "weil das die Gefahr durch Gruppe X vergrößern würde."

Karin Prien hätte auch folgende Formulierung wählen können: "Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen, weil sie es nicht verdient haben". Oder: "Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen, weil viele von dem lichterlohen Hass, der ihnen entgegengebracht wird, verstört sind." Oder: "Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen, weil das Jungen Angst macht, später auch als Abschaum behandelt zu werden." Oder: "Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen, weil aus einem solchen unentwegten Schüren von Feindbildern nichts Gutes entspringen kann."

Die ZEIT lässt der Ministerin natürlich schon ihre Formulierung nicht einfach durchgehen:

"Man könnte aber auch sagen, ein gewisser aggressiver Überschuss gehört dazu, wenn man gehört werden will."


Wow. Das überrascht mich jetzt doch, dass ausgerechnet die ZEIT den radikalen Rand der Manosphäre verteidigt.

Wie? So war das gar nicht gemeint? Die ZEIT verteidigt nur die Aggressionen des eigenen Lagers? Kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre ja komplett scheinheilig.

Die ZEIT fragt weiter.

"Mit welchen Argumenten will man junge Frauen heute noch überzeugen, mit einem Mann zusammen zu sein?"


Hier hätte ich das Lesen des Interviews fast abgebrochen. Auch bei einer Medienschau vertrage ich nur ein gewisses Ausmaß an Idiotie. "Frau Ministerin, erklären Sie, warum eine Frau und ein Mann eine Partnerschaft miteinander eingehen sollten, obwohl es Christian Ulmen gibt." Ich lese tapfer weiter. Nächste Frage der ZEIT:

"Es passiert, Frauen befreien sich gerade von der Scham, aber ist die Scham schon bei den Männern angekommen?"


Ich habe keine Ahnung, was die Scham bei "den Frauen" oder "den Männern" zu suchen hat. Weshalb sollte man sich dafür schämen, ob man über ein y-Chromosom verfügt oder nicht? Hellichter Wahnsinn. Man hätte auch dafür pldieren können, dass die Scham bei sexueller Gewalt von den Opfern zu den Tätern übergeht, aber das wäre halt nicht so geil sexistisch gewesen, dass man bei der ZEIT Spaß daran fände.

Im nächsten Satz vergleicht die "Zeit" die Massenvergewaltigung von Gisle Pelicot mit Prostitution. Die Bedeutung von Consent, von Einverständnis vor einem sexuellen Kontakt, scheint bei den Interviewführern nicht vorhanden zu sein. Ich musste mir jetzt erst mal anschauen, wer dieses Interview fabriziert hat: Elisabeth Raether und Bernd Ulrich. Alles klar.

Dafür beginnt Karin Prien allmählich, die Kurve zu kriegen:

"Ich glaube aber, der Feminismus hat Nebenwirkungen. Es entsteht der Eindruck, Männer würden nur noch wie defizitäre Frauen behandelt, die ohne Widerrede das volle feministische Programm vertreten sollen. Ich glaube, es ist an der Zeit, mal zu fragen, wie geht es eigentlich den Männern, welche Vorbilder haben die Jungen, und wie können wir dafür Sorge tragen, dass sie sich in der Gleichstellungsdebatte gesehen und auch gerecht behandelt fühlen."


Vielleicht muss man sie nur lange genug mit schwachsinnigen Fragen traktieren, und sie zeigt doch noch Empathie? Klar, dass das Duo von der ZEIT da kontern muss. "Man hatte jetzt nicht gerade das Gefühl, dass Männer in den vergangenen Jahren zu wenig Redezeit hatten", schnappt das Duo patzig zurück, so als ob die Geschlechterdebatte der letzten Jahrzehnte vor allem von Männern und ihren Interessen bestimmt gewesen sei. Karin Prien aber scheint jetzt endgültig die Faxen dicke zu haben und erwidert:

"Trotzdem wächst eine Generation von jungen Männern heran, die sich eher als Verlierer in dieser neuen Welt empfinden. Das müssen wir erst mal wahrnehmen und schauen, woran es liegt. Es gibt beispielsweise Benachteiligung im Bildungssystem. Wir haben uns auf Mädchen fokussiert, das sollten wir auch weiter tun, aber wir müssen eben zugleich auf die Jungs gucken. Der beklagte Leistungsrückgang ist auch auf schlechtere Leistungen von Jungs zurückzuführen. Mädchen sind oft anpassungsfähiger. Mädchen sind in nahezu allen Bereichen des Bildungssystems erfolgreicher. Aber wie können auch Jungs ihre Talente in der Kita, in der Schule besser entfalten? Sie brauchen mehr männliche Vorbilder."


Mehr männliche Vorbilder sind ein möglicher Hebel von vielen. Ich habe schon 2009 erklärt, was man alles tun kann, um Jungen gerechter zu werden, und ich war beleibe nicht der erste.

Den ZEIT-Autoren wird das Niveau des Gesprächs jetzt erkennbar zu hoch, und sie versuchen, es wieder runterzuziehen:

"Welche Antwort geben Sie jungen Müttern, die sich fragen: Wie erziehe ich meinen Sohn so, dass er kein Arsch wird?"


Ihm verbieten, die ZEIT zu lesen? Dann hätte er schon mal zwei schlechte Vorbilder weniger.

Das Interview endet damit, dass Karin Prien auf eine Frage gar nicht mehr antwortet, sondern nur noch lacht. So hätte sie vielleicht von Anfang an reagieren sollen, wenn sie gewusst hätte, welche Fragen sie erwarten würden.



3. Auf der juristischen Website "beck aktuell" setzt sich Rechtsanwalt Dr. Jörn Claßen mit dem Problem der Verdachtberichterstattung im Fall Ulmen auseinander. Ein Auszug:

Nach der Ausgangsberichterstattung fragen sich nun viele Journalistinnen und Journalisten, ob und in welcher Form sie die Verdachtsäußerungen des Spiegel übernehmen dürfen. Befreit zum Beispiel der Zusatz "Wie der Spiegel berichtet" von der eigenen Haftung? Oder stellt die Wiedergabe der Berichterstattung eines anderen Mediums nicht auch eine zulässige Tatsachenschilderung dar, weil das andere Medium nun einmal tatsächlich berichtet hat und der Vorgang somit in der Welt ist?

In beiden Fällen lautet die Antwort: Nein. Denn auch durch die distanzierte Schilderung wird letztlich der Verdacht weiterverbreitet. Er wird, egal in welcher Einkleidung, zwangsläufig immer mittransportiert. Würde man die Weiterverbreitung voraussetzungslos zulassen, dann wäre ein Betroffener nach einer ersten Berichterstattung schutzlos gegen eine ausgelöste Lawine von Folgeberichten. Zudem ist der Spiegel keine sogenannte privilegierte Quelle, wie Gerichte, Behörden oder große Nachrichtenagenturen, die laut Rechtsprechung besonders vertrauenswürdig sind.

(…) Vor diesem rechtlichen Hintergrund haben sich offenbar einige Medien mit eigener (detaillierter) Berichterstattung zu den Vorwürfen zurückgehalten, obwohl das Thema in den sozialen Medien schnell dominierend war – einschließlich sämtlicher Rechtsverletzungen, die im Presserechtslehrbuch beschrieben werden. (…) Andere Medien haben dagegen vorschnell berichtet und dabei nicht einmal eine eigene Presseanfrage an Ulmen oder dessen Anwälte geschickt, was offensichtlich rechtswidrig ist. Vermutlich dürfte es sich für diese Medien aber durch die hohe Klickrate gerade zu Beginn einer Berichterstattungswelle rechnen, auch wenn später eine Abmahnung folgen sollte.

(…) Jegliche Formen der Vorverurteilung sind zudem auch Privatpersonen untersagt. Wenn es zudem nachweisbar bzw. gerichtlich festgestellt keinen Mindestbestand an Beweistatsachen für die Vorwürfe gibt, dürfen auch Privatpersonen die Vorwürfe nicht weiterverbreiten.

Am Ende muss man bei aller Sympathie für eine wirksame Bekämpfung digitaler Gewalt berücksichtigen, dass hier mit Christian Ulmen eine Person öffentlich am Pranger steht, für die die Unschuldsvermutung gilt. Die Vorwürfe werden – ob wahr oder falsch – für den Rest seines Lebens "hängen bleiben".




4. Auch die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit dem Verhalten der Medien im Fall Ulmen:

Mit welcher Nonchalance eine prominente Person von den Medien an den Pranger gestellt wird – sogar mit Bild auf der Titelseite des "Spiegels" –, ist bemerkenswert. Das Magazin stützt sich bei den Vorwürfen fast ausschliesslich auf die Schilderungen der Klägerin, Ulmen liess die Anfragen unbeantwortet. Als zusätzliches Beweismittel dient eine E-Mail, in der sich der mutmassliche Täter offenbar Hilfe bei einem Anwalt suchte und sich dabei geständig zeigte. Zwar wird im Artikel die Unschuldsvermutung erwähnt, doch bleibt dies angesichts der Vorwürfe eine hohle Phrase.

So klar die Angelegenheit hier erscheinen mag, zahlreiche ähnliche Fälle aus der Vergangenheit zeigen, dass trotzdem Vorsicht geboten wäre. Es gibt mittlerweile eine lange Liste von Prominenten, die von den Medien wegen vermeintlicher Übergriffe oder Vergewaltigungen an den Pranger gestellt wurden, dann aber vor Gericht einen Freispruch erhielten oder deren Verfahren eingestellt wurde. Zum Teil waren die Folgen für die Betroffenen verheerend.

(…) Die Tendenz zur medialen Vorverurteilung nahm durch den Weinstein-Skandal 2017 und die daraus entstandene #MeToo-Bewegung rapide zu. Den Machtmissbrauch von Männern zu enttarnen, ist fast schon zu einer eigenen journalistischen Disziplin geworden. Zum Teil sind die Recherchen richtig und wichtig, das zeigen die Fälle von Pelicot bis Epstein. Doch im Eifer werden immer wieder journalistische Grundsätze über Bord geworfen. Dass dabei auch Karrieren Unschuldiger zerstört werden können, wird als Kollateralschaden im Kampf gegen das patriarchale Machtsystem hingenommen. Der "Spiegel" war mehrmals bei Kampagnen an vorderster Front dabei, in denen sich die Anschuldigungen im Nachhinein als falsch oder als stark übertrieben herausstellten. Das Magazin muss sich deshalb nicht wundern, wenn im gegenwärtigen Fall Zweifel geäussert werden.




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Donnerstag, März 26, 2026

Widerworte gegen die alltägliche Hetze

Die letzten Tage über wurden Männer pauschal für Dinge beschimpft und angefeindet, für die sie nicht das Geringste konnten. Allmählich ist es Zeit, sich wieder mit denjenigen Männern zu beschäftigen, von denen tatsächlich das Böse ausgeht.

Der Manosphäre.

Aktuell hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland die Politikwissenschaftlerin Sina Laubenstein interviewt, die, gefördert unter anderem vom Bundesjustizministerium und Auswärtigen Amt, digitale Gewalt und internationale Ausprägungen der Manosphäre erforscht: "Inhaltlich ist das Spektrum groß und reicht von frauenfeindlichen Dating-Tipps bis zu Fantasien über männliche Vorherrschaft." Wir Männerrechtler werden natürlich auch erwähnt. Der Artikel ist der übliche Sums, hundertfach durchgekaut, als ob es hierzulande nicht erlaubt wäre, etwas anderes zu diesem Thema zu schreiben. Erfrischendere Perspektiven, die nicht nach Brackwasser aus dem ideologischen Tunnel miefen, findet man nicht in den deutschen Medien, sondern im englischsprachigen Raum, etwa bei Sp!ked:

Zunächst einmal: Was bedeutete die Einführung der Red Pill für die Geschlechterbeziehungen? Ist die #MeToo-Bewegung zu weit gegangen? Wie sieht es mit dem "Wokeism" im Allgemeinen aus? Unbeabsichtigte Folgen lauern überall, von der Sexualethik bis zum Feminismus.

Und man muss nicht lange suchen, um sie zu finden. Die Widersprüche, die dem Dasein als moderner Mann innewohnen, lassen sich leicht in Dating-Apps finden, wo Frauen regelmäßig angeben, dass sie einen "echten Mann" suchen, der sowohl "emotional bewusst" als auch "durchsetzungsfähig" ist. (…) Die Tates dieser Welt haben sich dorthin gewagt, wo andere sich nicht hintrauen. Dass sie zu weit gegangen sind und in einem sexistischen Abgrund gelandet sind, sollte den Rest von uns nicht davon abhalten zu fragen, ob der langjährige Angriff auf die Männlichkeit eine gute Sache war.


Der Irish Independent beschäftigt sich kritisch mit Louis Theroux Film über die Manosphäre, wo deutsche Medien nur brav mitgeschrieben haben, als hätten sie gerade den Katechismus erhalten:

Der Ton war sofort vertraut, weil wir das alles schon einmal gehört haben. Wir haben es letztes Jahr gehört, nachdem das Netflix-Drama "Adolescence" eine ähnliche Welle nationaler Beunruhigung ausgelöst hatte – mit seinem düsteren Porträt von Teenagerjungen, die in Online-Kaninchenlöchern verschwinden.

Erinnern Sie sich an den Aufruhr? Wir saßen alle da und redeten darüber, als wäre es das wirkliche Leben, zerlegten jede Szene und machten uns Sorgen um "die Jungs", als hätte man uns eine Sozialdokumentation statt eines Drehbuchdramas vorgelegt.

Alle taten so, als würden wir eine nationale Krise aufdecken, obwohl es in Wahrheit nur Schauspieler waren, die Texte an einem Set aufsagten.

Doch die Debatte fühlte sich real an, weil wir darauf vorbereitet worden sind, Jungen als Problem wahrzunehmen. Diese Geschichte – so fiktiv sie auch war – fügte sich nahtlos in das Narrativ ein, das wir bereits verinnerlicht haben: Jungen sind gefährlich.

Was alles noch in Ordnung, ja sogar notwendig wäre – wäre da nicht die Tatsache, dass unsere Reaktionen genau den Punkt der Manosphäre bestätigen.

Denn die stärksten Momente in Theroux’ Film sind nicht die Influencer, die sich für die Kamera in Szene setzen. Es sind die jungen Männer, die ihnen zusehen.

Theroux trifft auf einige Anhänger von Justin Waller und fragt behutsam, was sie an dieser Welt anzieht. Ihre Antworten sind herzzerreißend.

Sie suchen nicht nach Frauenfeindlichkeit. Sie suchen Zugehörigkeit. Identität. Sinn. Bedürfnisse, die früher vielleicht in Familie, Schule oder Gemeinschaft erfüllt wurden, heute aber oft schwerer zu finden sind. Und genau hier beginnt die gesamte öffentliche Reaktion seltsam selbstzerstörerisch zu wirken.

Der Grund, warum Teenagerjungen überhaupt in diese Online-Welten abdriften, ist nicht – wie wir uns gern vorstellen –, dass sie eines Morgens aufgewacht sind und beschlossen haben, Frauenhasser zu werden. Es liegt daran, dass sich die reale Welt für sie zunehmend so anfühlt, als würde sie sie ablehnen.

Schon in der Schule wird ihnen auf tausend subtile und weniger subtile Arten vermittelt, dass Männlichkeit verdächtig ist; dass männliches Verhalten etwas ist, das kontrolliert werden muss; dass Jungen eine Problemgruppe darstellen.

Sie sind das Disziplinproblem im Klassenzimmer. Sie sind die Statistik in Kriminalitätsberichten. Sie sind die unbequeme Präsenz in Gesprächen über Geschlecht.

Kulturell werden sie irgendwo zwischen Risikofaktor und Pointe behandelt. Also gehen sie ins Internet. Und dort, im unübersichtlichen Geflecht aus YouTube, Podcasts und TikTok, finden sie Männer, die ihnen das Gegenteil sagen.

Du bist nicht das Problem. Die Welt ist es. Deine Lehrer, Journalisten und Politiker verstehen dich nicht. Deine Frustrationen sind berechtigt.

Man kann diese Influencer lächerlich finden – und viele sind es. Einige sind tatsächlich toxisch. Doch ihre Anziehungskraft ist nicht kompliziert: Sie geben Menschen Bestätigung, die sonst keine erfahren.

Und damit sind wir wieder bei der großen nationalen Reaktion, die jedes Mal folgt, wenn eine Dokumentation wie die von Theroux erscheint.

Denn was darauf folgt, ist keine Neugier, sondern Verurteilung. Noch mehr Erwachsene, die den Kopf über junge Männer schütteln, noch mehr Diskussionsrunden, die sie erklären, noch mehr Kommentatoren, die sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren. All das gießt nur Öl ins Feuer.

Das bedeutet nicht, dass Frauenfeindlichkeit eingebildet ist. Ist sie nicht. Einige Ecken des Internets sind tatsächlich hässliche Orte.

Doch es hat etwas seltsam Sinnloses, wenn eine nationale Debatte endlos über Jungen spricht, ohne jemals mit ihnen zu sprechen – als wären sie es nicht wert, überzeugt zu werden, gemocht zu werden oder auch nur verstanden zu werden.

Und wenn ich es leid bin, ständig zu hören, dass Jungen toxisch sind, dass sie ein Problem darstellen und dass alles, was sie tun, falsch ist – wie muss sich das erst für die Jungs selbst anfühlen?

Stellen Sie sich vor, Sie sind 16, scrollen durch Ihren Feed und hören die gesamte Erwachsenenwelt über Sie seufzen, den Kopf schütteln und Sie wie eine soziale Krankheit diagnostizieren.

Mit einer derartigen Dauerverurteilung kämen wir nie durch, wenn es um junge Frauen ginge. Warum ist sie also plötzlich akzeptabel, wenn es um Jungen geht?

Und dann tun wir überrascht, wenn einige von ihnen in die Ecken des Internets abwandern, in denen – so problematisch die Botschaft auch sein mag – ihnen wenigstens jemand sagt, dass sie nicht das Problem sind.


Deutsche Journalisten dürfen vielleicht nicht wagen, so zu denken und zu schreiben, weil ihnen das bewusst machen würde, dass sie ein viel größeres Problem sind als Andrew Tate & Co., weil sie diesen Leuten die jungen Männer mit riesigen Baggerschaufeln zuführen.

Deutlich ausführlicher wird die kanadische Kulturwissenschaftlerin in einem Professor Janice Fiamengo in einem aktuellen Beitrag, der eine Studie über die Manosphäre zerpflückt und damit erklärt, woran die gesamte Debatte leidet, egal mit wie viel Steuergeldern sie finanziert wird. Ich zitiere Professor Fiamengos Erläuterungen hier im Volltext.



Nichts ist für eine Gender-Studies-Akademikerin oder einen -Akademiker auf der Suche nach Relevanz wirkungsvoller als ein Bedrohungsnarrativ – und was wäre dringlicher als die dunklen Ecken des Internets, in denen Männer (und die Frauen, die sie lieben) angeblich Frauenfeindlichkeit und männlichen Suprematismus verbreiten?

Viele Wissenschaftler beanspruchen heute Expertise in diesem Bereich der Gender Studies, untersuchen die angeblich explosive Fragilität und gewalttätigen Ängste von "Manosphäre"-Männern und rufen alle zur Umkehr auf, die sich der feministischen Zukunft widersetzen. Viele dieser Akademiker sind Frauen, die gut davon leben, vor männlichem "Hass" zu warnen, doch es gibt auch zahlreiche männliche Feministen – Kreuzritter gegen die angebliche Toxizität anderer.

In "Mapping the Neo-Manosphäre(s): New Directions for Research" geben vier Männlichkeitsforscher einen Überblick über die jüngste Forschung zu digitalen Medien und gewalttätigem Extremismus. Vivian Gerrand, Debbie Ging, Joshua Roose und Michael Flood geben an, Hunderte Studien zur Manosphäre gelesen zu haben, die sie als "Online-Ökosystem anti-weiblicher Akteure" bezeichnen.

Ihnen zufolge quillt die Manosphäre über vor Ressentimentpflege, Geschäftemacherei und Fantasien über Frauenvernichtung. Nichts darin sei gut, aufrichtig oder wohlmeinend. Verschiedene Untergattungen von Online-Inhalten – darunter Fitnessratschläge, Stoizismus und der "Tradwife"-Lebensstil – werden als Auswüchse eines frauenfeindlichen Extremismus dargestellt, vor dem Millionen Männer und Jungen gerettet werden müssten, nötigenfalls mit Zwang.

Die Forscher unterscheiden nicht zwischen Manosphäre-Inhalten im Allgemeinen und dem, was sie als männlichen Suprematismus bezeichnen – oder überhaupt zwischen diesen Begriffen und einer Vielzahl weiterer, allesamt abwertend gemeint. Schon ihr einleitender Absatz liefert ein regelrechtes Feuerwerk an Schlagworten, das jede Abweichung von marxistisch-feministischer Orthodoxie mit frauenfeindlicher Gewalt verknüpft.

Die Manosphäre, so heißt es, sei "verbunden durch den Glauben, dass die Mehrheitsgesellschaft eine männerfeindliche Verschwörung darstellt, die Männer benachteiligt". Manosphäre-Gruppen "rahmen die gegenwärtige Geschlechterpolitik als einen ‚Krieg gegen Männer‘". Diese Gruppen würden zudem "häufig frauenfeindlichen Missbrauch betreiben und Gewalt gegen Frauen anstiften" und so ein "Online-Umfeld eskalierender Schäden" schaffen.

Keine dieser Aussagen wird jemals mit Belegen untermauert – doch vermutlich ist es zu viel verlangt, Belege zu erwarten: Die direkte Gleichsetzung von männerfreundlicher Interessenvertretung mit mörderischer Frauenfeindlichkeit ist kein Gegenstand akademischer Debatten mehr, sofern sie es je war. Sie gilt als Axiom.

In einem einzigen Absatz bewegt man sich so von nicht-feministischen Positionen zu "männerfeindlichen Verschwörungen" und vom Glauben an einen "Krieg gegen Männer" zu "Anstiftung von Gewalt" und "eskalierenden Schäden". Wer sich auch nur oberflächlich mit antifeministischen Inhalten auskennt, wird diese begrifflichen Taschenspielertricks erkennen. Sind diese Akademiker wirklich mit ihrem Gegenstand vertraut? Wahrscheinlicher ist, dass sie eine Abkürzung zu einer politisch genehmen Position genommen haben.

Was ist mit der Vielzahl antifeministischer und männerfreundlicher Content-Produzenten – Rick Bradford (The Illustrated Empathy Gap), Tom Golden (Men Are Good), Alison Tieman und Kollegen (Honey Badger Radio), Bettina Arndt, Hannah Spier (Psychobabble), um nur einige zu nennen –, die keineswegs zu "Gewalt gegen Frauen anstiften"? Im Gegenteil, sie verfolgen eine Vision gegenseitiger Kooperation und Verantwortlichkeit zwischen den Geschlechtern, indem sie weibliche Privilegien und Paranoia zurückweisen. Ist das Manosphäre-Inhalt oder nicht?

Viele Vertreter von Männerrechtspositionen – Forscher wie Stephen Baskerville, Paul Nathanson, James Nuzzo, David Shackleton, Gerard Casey, Helen Smith und Grant Brown – dokumentieren schlicht männliche Benachteiligung anhand von Belegen. Sie behaupten keine Verschwörungen und schüren keine Ressentiments.

Und was den "Krieg gegen Männer" betrifft: Haben unsere Forscher jemals die umfangreichen feministischen Schriften gelesen, die den Tod von Männern feiern und offen eine Welt ohne sie propagieren? Wenn feministische Führungspersonen – viele davon Hochschulprofessorinnen – nicht nur toleriert, sondern gefeiert werden, wenn sie ihren Männerhass kundtun und eine "Dekontaminierung der Erde" fordern, was sollen vernünftige Menschen dann über männerfeindliche Einstellungen denken?

Dass es hier nicht um nüchterne Untersuchung geht, zeigt bereits die folgende groteske Behauptung über die angeblichen Ursprünge der Manosphäre:

"Die frühe Manosphäre war ein Konglomerat von Gemeinschaften, darunter Männerrechtsaktivisten, unfreiwillig Zölibatäre (Incels), Dating-Coaches, sogenannte Pick-Up-Artists, männliche Separatisten und christliche Konservative."

Tatsächlich gab es auch zahlreiche antifeministische Frauen (Karen Straughan, Judgy Bitch, Shoe On Head, Diana Davison und Hannah Wallen), die von der Härte und Unaufrichtigkeit des feministischen Projekts schockiert waren – auch wenn die Beteiligung von Frauen für die Forscher offenbar keine Rolle spielt. Der Punkt ist: Diese angeblichen "Gemeinschaften", die sich laut Darstellung am Beginn der Manosphäre "zusammenfanden", hatten nichts gemeinsam – weder in ihrem Weltbild noch in ihren konkreten Zielen. Es ist absurd zu behaupten, sie seien durch Frauenfeindlichkeit geeint gewesen.

Christliche Konservative raten Männern zur Enthaltsamkeit vor der Ehe und zur Ehe als Sakrament. Dating-Coaches raten zur aktiven Suche nach sexuellen Beziehungen. Incels raten zur Verzweiflung über deren Ausbleiben. MGTOW-Anhänger raten zum Verzicht auf Ehe und oft auch auf jede frauenzentrierte Bindung.

Ihre Ideologien – sofern man sie überhaupt so nennen kann – könnten unterschiedlicher kaum sein. Ihre Einstellungen zu Frauen reichen von idealisierender Verehrung und freundlichem Interesse über vorsichtige Gleichgültigkeit bis hin zu offener Ablehnung. Einige wenige in der Manosphäre hegen tatsächlich Hass auf Frauen – jedoch bei weitem nicht mit der Eindimensionalität, die sich in vielen etablierten feministischen Texten findet, die diese Akademiker nicht kritisieren.

"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" enthält zahlreiche weitere unpräzise Behauptungen in erstaunlich banaler Sprache. Den Autoren gelingt es häufig nicht, einen klaren Sinn zu vermitteln – was den Verdacht nahelegt, dass es ihnen darauf gar nicht ankam.

So erklären sie etwa: "Die Identifikation der Manosphäre als Geschäftsmodell ist eine wichtige neue Entwicklung in der Forschung, die zeigt, wie viele Facetten der Neo-Manosphäre bestehende Verwundbarkeiten ausnutzen und sie in einem Zyklus ontologischer Erpressung monetarisieren, bestehend aus der Vermehrung von Bedrohungen, die ein Krisengefühl verstärken, und dem abwechselnden Versprechen von Lösungen."

Nachdem man sich durch dieses schwerfällige Akademikerdeutsch gearbeitet hat, soll der Leser offenbar zu dem Schluss kommen, dass es verwerflich sei, ein Problem zu benennen und Lösungen anzubieten, für die Menschen freiwillig bezahlen.

Wie soll das ein "Betrug" sein? Man könnte ebenso gut – und mit mehr Berechtigung – viele Gender-Studies-Forscher als Geschäftemacher bezeichnen, die mit erheblichen Steuergeldern und deutlich geringerer faktischer Grundlage eine angebliche Krise - weibliche Opfer und männliche Brutalität – dramatisieren, die andere dann akzeptieren oder zumindest finanzieren müssen.

Content-Produzenten, die ihre Arbeit monetarisieren, stehen im Zentrum der Kritik dieser Studie und werden wiederholt als ausbeuterische Geschäftemacher dargestellt, als "digitale Evangelisten", die Gutgläubige ausnutzen.

Dass niemand gezwungen ist, ihnen Geld zu zahlen, scheint den Ärger der Forscher eher noch zu steigern. Einige der angeblichen Scharlatane werden namentlich genannt: Ryan Holiday, Jordan Peterson, Lex Fridman, David Goggins und Jocko Willink werden wegen ihrer "vereinfachenden, extremen und polarisierenden Inhalte" verurteilt. Ebenfalls im Visier stehen Myron Gaines und Walter Weekes, die Tate-Brüder, Sneako, Pearl Davies, Estee Williams, Hannah Neeleman und Nara Smith.

Andere werden pauschal kritisiert. "Tradwives" etwa, weil sie "hierarchische und essentialistische Geschlechterbilder aufrechterhalten". Schwarze "Pick-Me"-Frauen, weil sie andere Frauen dazu ermutigten, "Zuflucht im Dienen für ihre Ehemänner zu finden". Schwarze Männer werden kritisiert, wenn sie die traditionelle Familie vertreten und als "homophob und transfeindlich" gelten. Muslimische Content-Produzenten würden angeblich "Stereotype eines patriarchalen, stoischen und intoleranten Islams bedienen".

Selbst relativ unpolitische Inhalte zu Gesundheit, Fitness, Gewichtsreduktion, Krafttraining, Selbsthilfe, Stoizismus oder Vermögensaufbau werden negativ bewertet und mit "Antifeminismus/Frauenfeindlichkeit" verknüpft, weil sie Eigenverantwortung und Individualismus betonen.

Hier tritt der autoritäre Elitismus der Autoren besonders deutlich zutage. Sie kritisieren Content-Produzenten für ideologische "Fehler", etwa dafür, "den Mythos zu verbreiten, jeder könne durch harte Arbeit reich werden", oder Jungen dazu zu ermutigen, Medikamente abzusetzen und stattdessen auf Ernährung und Fitness zu setzen. Männer aller Herkunft werden dafür gerügt, "individuelle Lösungen" für Lebensprobleme zu wählen. Manche vertreten sogar die "ketzerische" Idee, dass die Pflege von Körper und Geist eine sinnvolle Strategie im Umgang mit Krisen sei.

Für Leser, die darin kein Problem erkennen, greifen die Forscher auf die sogenannte "Einstiegsthese" zurück: Wer sich ein paar Videos über positives Denken oder Finanzmanagement ansieht, könnte am Ende fragwürdige politische Einstellungen entwickeln oder traditionelle Rollenbilder bevorzugen.

"Die Hinwendung zu Gesundheit, Wellness und stoischen Konzepten ist eine bedeutende neue Entwicklung der Neo-Manosphäre und erfordert vertiefte wissenschaftliche Untersuchung." Selbst wenn sie nicht selbst suprematistisch sei, stehe sie diesem Gedankengut zumindest nahe.

Auch Psychotherapeuten geraten in die Kritik, wenn sie Behandlungsansätze für Jungen bevorzugen, die "strukturelle Machtanalysen vermeiden" und biologische Geschlechtsunterschiede anerkennen. Mit anderen Worten: Es gibt Therapeuten, die sich weigern, Männlichkeit als schädliches Konstrukt zu betrachten.

Letztlich verrät der Drang der Autoren, Männer und Frauen für ihre individuellen Interessen zu verurteilen, eine tiefe Frustration.

Die einfache Wahrheit ist: Für Gender-Studies-Experten ist es schwer zu ertragen, dass Millionen Menschen mehr Interesse an den Angeboten "unqualifizierter, aber einflussreicher Unternehmer" der Manosphäre haben als an ihren eigenen. Diese Frustration ist in jeder Zeile spürbar.

Die meisten akademischen Online-Vorträge werden nur von wenigen Dutzend oder Hundert Menschen angesehen und stoßen häufig auf verhaltene oder negative Reaktionen. Viele Fachpublikationen werden nahezu ausschließlich von Nachwuchswissenschaftlern gelesen, die selbst Zitationen sammeln müssen. Akademiker wie die Autoren dieser Studie erhalten ein sicheres Gehalt dafür, gegen männlichen Suprematismus zu polemisieren – doch kaum jemand entscheidet sich freiwillig, ihre Texte zu lesen.

Nach Tausenden von Worten, in denen rechte Gruppen, christliche Konservative, Incels, Fitnesstrainer, MGTOW-Anhänger, Gesundheitsbefürworter, Liebhaber traditioneller Rollenbilder und viele andere verurteilt werden, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass diese "Abweichler" eingebunden werden müssten, um sie aus ihrem Extremismus zu führen: "Das Ausmaß des Problems erfordert dringende Bildungsmaßnahmen in Geschlechtergleichheit und kritischer Medienkompetenz."

Der Widerstand von Männern gegen feministische Indoktrination könne – so die implizite Annahme – durch noch mehr Indoktrination überwunden werden, gestützt auf ein "tieferes Verständnis ihrer Motive".

Wie man mit Menschen in Dialog treten soll, für die man offenkundige Verachtung empfindet, bleibt unbeantwortet. Ebenso wenig wird erwogen, ob ein solches "Verständnis" auch Empathie oder die Anerkennung berechtigter Anliegen umfassen könnte.

Auf den Ruf nach "Bildungsmaßnahmen" folgt erwartungsgemäß die Forderung nach Regulierung: "Die Kontrolle von Online-Plattformen muss stärker in den Vordergrund rücken." Wenn man mit Argumenten nicht überzeugt, soll der Staat eingreifen.

Trotz ihrer Positionen, Gehälter und ihres Zugangs zu Studierenden scheinen viele Gender-Studies-Akademiker zu wissen, dass sie die Manosphäre nur schwer inhaltlich widerlegen können. Angesichts ihrer mangelnden Bereitschaft, andere Perspektiven nachzuvollziehen, dürfte die Unterstützung für Zensur bestehen bleiben.

"Mapping the Neo-Manosphäre(s)" legt nahe, dass Gender-Studies-Akademiker zunächst ihre eigenen Ängste und Feindbilder hinterfragen sollten, bevor sie sich anderen zuwenden.




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Mittwoch, März 25, 2026

"Eine Frau, die ein Kind ersticht, ist sehr ungewöhnlich"

1. "Eine Frau, die ein Kind ersticht, ist sehr ungewöhnlich" titelt der STERN. Klar, bei Männern kommt das ja alle naselang vor, aber – eine Frau? Die Psychiaterin Sigrun Roßmanith erklärt im Interview inwiefern Frauen "anders töten":

STERN: Was sagt ein Messer als Tatwaffe aus?

Sigrun Roßmanith: Hinter einer Tötung mit dem Messer stecken sehr viel Wut, Spannung und Hass. Womöglich die Folge einer Kränkung, die den Selbstwert grundlegend erschüttert hat.

STERN: Wie eine Trennung?

Sigrun Roßmanith: Wenn Frauen nach einer Trennung töten, stellt sich die Frage, wie sehr die Trennung sie in ihren Grundfesten erschüttert hat. Wenn die Trennung nicht nur als Verlust, sondern als massive Kränkung und Entwertung erlebt wird, kann sich daraus eine zerstörerische Dynamik entwickeln. Derjenige, der einen verlassen hat, erscheint dann nicht mehr nur als der Mensch, den man mal geliebt hat, sondern als jemand, der alles zerstört und einen selbst zutiefst verletzt und erniedrigt hat.

STERN: Was passiert dann?

Sigrun Roßmanith: In solchen Fällen kann sich Ohnmacht zu ohnmächtiger Wut gegen den Ex-Partner wandeln. Es kann aber symbolisch auch zu einer Verschiebung kommen, auf jemanden, der dem Ex-Partner sehr wichtig und zudem auch wehrlos ist, zum Beispiel auf ein Kind. Es wird dann etwas zerstört, was den Ex-Partner mitten ins Herz trifft, in Analogie zu dem, wie man selbst von ihm verletzt wurde.

STERN: Inwieweit unterscheidet sich diese Motivlage von der Kränkung eines Mannes, der einen sogenannten Femizid begeht und seine Frau nach einer Trennung tötet?

Sigrun Roßmanith: Der Unterschied liegt vermutlich nur darin, dass ein Mann die gefühlte Verursacherin seiner Kränkung und Demütigung beseitigt, während die Frau einen symbolischen Ersatz wählt, dem sie auch körperlich überlegen ist.

STERN: In Ihrem Buch schreiben Sie, Gewalttaten durch Frauen seien ein Tabu. Wie meinen Sie das?

Sigrun Roßmanith: Gewalttaten von Frauen wecken viel mehr Entsetzen als die von Männern. Es heißt dann: Frauen tun doch so was nicht, sie sind zu körperlicher Gewalt gar nicht fähig! Das Tabu wird auch durch ein Stereotyp aufrechterhalten, von der Vorstellung der Frau als gute Mutter, als idealisierte Beschützerin. Wenn eine Frau, und dann auch noch eine Mutter, jemanden tötet, dann kann man das gar nicht fassen, sondern man fühlt sich bedroht.

STERN: Wieso?

Sigrun Roßmanith: Mit der Mutter wird verbunden, dass sie einem das Leben geschenkt hat, dass sie einen schützt und umsorgt. Ich arbeite auch in einer Notaufnahme. Dort rufen erwachsene Menschen, schwer verletzt und in größter Not, nach ihrer Mutter. Das ist ganz tief verankert. Wenn schon die Mutter einen vernichtet, wo ist man dann sicher? Das macht den Menschen Angst.


Aufhänger des Interviews ist der Fall einer Frau aus Rostock, die den zehnjährigen Fabian umgebracht haben soll. Keine Massendemos, kein großer Aufschrei in den Medien, keine 15 Minuten in den "Tagesthemen", keine Forderungen nach Distanzierung an andere Frauen. Dabei könnte ein männliches Gegenstück zu Margarete Stokowski jetzt leicht ihre feministische Rhetorik von gestern spiegeln:

Es gibt verschiedene mögliche Gründe, wenn Frauen zu solchen und ähnlichen Gewaltvorwürfen schweigen. Erstens: Es ist ihnen egal. Zweitens: Es ist ihnen nicht egal, aber sie sind nicht überrascht. Drittens: Sie finden es gut. Viertens: Sie finden es schlimm, wissen aber nicht, was sie sagen sollen.


Es ist halt schwer zu sagen, woran es liegt. Das ist das Problem mit den Frauen.



2. Bei der taz wirkt man unglücklich darüber, dass Christian Ulmen von einem Anwalt vertreten wird – und dann noch von einem, der seine Fälle ständig gewinnt:

Oder bin ich zu doof? Hätte ich mal lieber Jura studieren sollen, um da mitreden zu können?


*nichtdaraufantwortennichtdaraufantwortennichtdaraufantworten*

Und um vor allem zu verstehen, wie es sein kann, dass ständig prominente Männer, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden und die sich Schertz und seiner Kanzlei anvertrauen, unbeschadet davonkommen, während die Frauen am Ende als unglaubwürdig gelten und ihre Reputation dahin ist?


Ja, wie kann es sein, dass Männer "unbeschadet davonkommen" bis auf den ruinierten Ruf und die andauernden Übergriffe von irren Ideologen, obwohl Leitmedien sie schon verurteilt haben? Wie könnte man sich das logisch erklären?

Aber klar, Ulmen ist ein Mann. Also eilt ein anderer Mann ihm zu Hilfe, um das Gegenüber mundtot machen. So machen das Bros. Weil sie es können. Es heißt, die Scham müsse die Seite wechseln. Es wäre schön, wenn sie auch in den Anwaltskanzleien ankäme.


Auch dafür, wie Männer gefälligst darauf reagieren sollten, dass ihr gesamtes Geschlecht dämonisiert wird, hat die taz einen klaren Befehl: "Seid leise, Männer!"

Dieses Krakeele wirkt harmlos-schrullig, weil es sich bei der "taz" um eine Zeitung handelt, die abgewirtschaftet hat und nicht über die Macht verfügt, anderen Menschen einen Maulkorb anzulegen. Aber man ahnt nach solchen Artikeln, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn der Feminismus hier die alleinige Durchsetzungshoheit hätte, so wie es sich manche Redakteurinnen erträumen: Wenn du ein Mann bist, hast du brav die Klappe zu halten, und ein Recht auf eine angemessene Verteidigung hast du schon gar nicht.

Wenigstens sind so manche Kommentare unter diesen Auslassungen deutlich: "Müsste ich mich jetzt als Mann für Christian Ulmen schämen? Bedeutet das auch, dass ab sofort alle lesbischen Frauen sich für Alice Weidel schämen und verantwortlich zeigen müssen? Hoffentlich nicht."



3. Die Vogue hat Fragen:

Wie können wir mit Männern leben? Können wir überhaupt mit Männern leben? Sollten wir das? Wollen wir? Wie schaut man sich all diese Taten an – Taten, die kleine Männer ganz groß machen, ihnen abscheuliche Macht über das weibliche Geschlecht verleihen, vermeintlich – und kehrt zurück in die eigene Wohnung, in der ein Mann lebt, zu seinem Ehemann, zu seinem Freund, zu den "Guten", die man kennt, ohne eine grundlegende Abneigung gegen das männliche Geschlecht zu entwickeln? Wie lässt sich das anhaltende Schweigen vieler Männer zu diesen Fällen aushalten? Wie schüttelt man die eigene Angst ab, nimmt sie aber gleichzeitig ernst? Müssen wirklich wir etwas dafür tun, oder sind nicht längst die Männer dran? Und warum werden Frauen, die all das laut aussprechen, noch immer als "Männerhasserinnen" abgetan?


Darunter findet sich ein Interview mit der Feministin Manon Garcia, das auch nichts besser macht. Es beginnt mit "Ich kannte die Kosten des Zusammenlebens mit Männern", und steigert sich dann immer weiter hinein. Wobei ihr allerdings auch Fragen als Steilvorlage gestellt werden: "Wie kann Feminismus die Realität männlicher Gewalt ernst nehmen, ohne in pauschale Männerfeindlichkeit umzuschlagen?" Indem man einen realistischen Blick auf die Verhältnisse entwickelt und die Gewalt von Frauen nicht komplett ausblendet, vielleicht?

Inzwischen schalte ich hier auf Genderama zu der Analyse einer KI wie ein Talkshow-Host zu seinem Auslandskorrespondenten oder Experten. ("Wir begrüßen hier Elmar Theveßen …") Hier ist die gekürzte Analyse des Vogue-Interviews:

Garcia schildert die Mitangeklagten [im Pelicot-Prozess] als "gewöhnliche Männer – Väter, Ehemänner, Arbeiter, Nachbarn. Sie haben nichts gemeinsam außer ihrem Geschlecht." Tatsächlich haben sie sehr viel gemeinsam außer ihrem Geschlecht. Sie teilten eine spezifische Subkultur (die des organisierten sexuellen Missbrauchs), sie teilten die Bereitschaft zu einer spezifischen Tat, sie teilten eine Kommunikationsstruktur, die diese Tat ermöglichte.

Indem Garcia alles auf "ihr Geschlecht" reduziert, verfehlt sie all das. Es ist, als würde man bei einer Terrorzelle sagen: "Sie hatten nichts gemeinsam außer ihrer Religion" – und damit die radikale Ideologie, die Rekrutierungsmethoden, die sozialen Netzwerke ausblenden. Diese Reduktion dient nicht der Erklärung, sondern der Bestätigung einer vorgefassten These: Das Geschlecht ist die Ursache.

Manons These vom "Kontinuum zwischen sexistischen Witzen [...] und dem, was in Mazan geschehen ist" ist das gefährlichste Element des Interviews. Diese Logik ist totalitär in ihrer Konsequenz: Wenn alles auf einer Skala steht, dann ist nichts harmlos, alles ist potenziell das Schlimmste. Der sexistische Witz wird zur Vorstufe der Vergewaltigung, der Mann, der lacht, zum potenziellen Täter. Das eliminiert nicht nur die Unschuldsvermutung, sondern auch die Möglichkeit von Differenzierung.

Garcia zitiert Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln." Das klingt im ersten Moment nach Gerechtigkeit, ist aber eine Machttechnik. Die Scham ist ein soziales Instrument der Regulation – und Garcia will sie von den Opfern auf die Männer verlagern. Aber Scham lässt sich nicht kollektiv zuweisen; sie ist immer individuell. Indem Garcia fordert, dass "Männer" sich schämen sollen, verlangt sie eine kollektive Emotion, die strukturell identisch ist mit der kollektiven Schuld, die Antisemiten den Juden zuschrieben oder Rassisten den Migranten.

Garcia behauptet, sie lehne die Falle zwischen "blindem Vertrauen und pauschaler Feindseligkeit" ab, und plädiert für eine "klare, strukturelle Analyse". Aber genau das liefert sie nicht. Eine strukturelle Analyse würde fragen: Welche sozialen Mechanismen ermöglichten den Fall Pelicot? Welche Kommunikationsinfrastrukturen? Welche rechtlichen Lücken? Welche Formen der sozialen Desintegration führen dazu, dass Männer (und es sind nicht alle, sondern eine spezifische Minderheit) solche Taten begehen? Stattdessen bietet Garcia ein einfaches Feindbild: Männer sind so. Sie "tolerieren" Verhaltensweisen. Sie haben einen "Impuls, Frauen zu zerstören".

Garcias Rhetorik ist geprägt von einer totalisierenden Weltdeutung, die Individuen zu Trägern von Gruppenschuld macht, Scham als politisches Instrument einsetzt und komplexe soziale Phänomene auf biologische Essenzen reduziert. Das Problem heißt Männer, und die Lösung besteht darin, dass Männer dies einsehen. Das Interview zeigt, wie eine emanzipatorische Bewegung in ihre autoritäre Kehrseite umschlägt, ohne es zu merken – oder ohne es zugeben zu wollen.




4. Auch der SPIEGEL fragt – ernsthaft -, ob man "mit Männern noch befreundet sein" könne. Die Autorin des Artikels ist dafür, da haben wir noch mal Glück gehabt, aber die Zahl der Männerhasserinnen nimmt offenbar zu:

"Deswegen habe ich (fast) keine männlichen Freunde", bekennt die NDR-Moderatorin Tessniem Kadiri auf ihrem Instagram-Profil. Die Beiträge anderer Frauen reichen von Frisurentipps, um "nervige Männer" abzuhalten bis hin zur erschöpften Feststellung: "Ein Mann ist am Ende immer ein Mann." Man solle sich als Frau auf gute Beziehungen zu Freundinnen konzentrieren, statt auf heterosexuelle Liebe. Der dazu passende Hashtag aller Enttäuschten, Wütenden und Männermisstrauenden: #Wearenotangryenough. Wir sind nicht wütend genug.


Das alles ist ja noch schön und gut in der SPIEGEL-Welt.

Problematisch aber wird es, wenn Heteropessimismus in Männerhass abgleitet – was Gegenreaktionen auslöst, die Extremisten und Populisten ausnutzen. So geschehen am Wochenende, als rechte Portale das wütende Instagram-Video einer Frau teilten, die verlangt hatte, man möge Täter wie Christian Ulmen auf Marktplätzen aufhängen und öffentlich kastrieren.


Man stelle sich vor, ein radikal rechter Infleuncer würde nach einem Delikt, dessen ein Zuwanderer bezichtigt wird, fordern, man sollte solche Leute auf Marktplätzen auf Marktplätzen aufhängen und öffentlich kastrieren – woraufhin eine führende Zeitschrift mit dem Argument warnt, so was würde von linken Portalen geteilt …

Der nächste Absatz, der vor "Polarisierung und Dämonisierung" warnt, ist schon gelungener: "Pauschales Hetzen gegen Männer im Netz und anderswo wird auch nicht dadurch besser, dass es sich bei den Diskriminierten nicht um eine Minderheit handelt." Aber wenig später heißt es: "Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Heteropessimismus unangebracht ist: Viele Männer geben sich Mühe. Viele Männer sind längst Feministen – auch wenn sie sich vielleicht nicht so nennen." Es ist keine nötige Vorbedingung, zu eurer Idelogie übertreten zu müssen, um sich Schutz vor Hetze und Gewaltaufrufen zu verdienen.

Und zuletzt natürlich: "Das Patriarchat ist der Feind." Ein klares Feindbild – so wichtig. Ob es nur in der Phantasie der Ideologen existiert oder nicht. Muss man schon froh sein, dass wenigstens nicht vom "großen Bevölkerungsaustausch" geraunt wird, den "Globalisten" oder dem "Kalifat Deutschland" , sondern nur dem "Patriarchat"?



5. Ebenfalls im SPIEGEL schließt man sich den Attacken der taz auf Frauenministerin Prien statt, die feministischen Gruppen die Gelder kürzt:

Aktuell entsteht der Eindruck, dass die CDU-dominierte Regierung auf demselben "antiwoken" Kurs ist, der in rechten Parteien weltweit Standard ist. Ob die Union das aus eigener antifeministischer Überzeugung tut oder nur versucht, Wähler*innen vom rechten Rand zurückzuholen, ist fast schon egal. Bei so einer Politik kann man sich eh nur noch mit der Hand an die Stirn klatschen, da längst klar sein sollte, wem es nutzt: Immer wieder zeigen Analysen, dass eine antifeministische bis rechte Politik dazu führt, das Original zu stärken: die AfD.


Und du meinst wirklich, dass Leute nicht auch deshalb die AfD wählen, weil sie es satt haben, dass Steuergelder der Allgemeinheit kontinuierlich nur in ein bestimmtes politisches Spektrum fließen?



6. Wir kommen zu Meldungen aus dem Ausland, heute dem britischen Kent:

Eine Frau, die ihren Freund während eines Streits ein Küchenmesser in die Brust gestoßen hatte, ist nur knapp einer Gefängnisstrafe entgangen. Die 32-jährige Roxanne Sweeney stach mit solcher Wucht auf Louis Barnes ein, dass Chirurgen ihm in einer Notoperation die Milz entfernen mussten. Während er auf einer Straße in Folkestone lag, nach Luft rang und um sein Leben fürchtete, versuchte Sweeney, die Polizei davon zu überzeugen, er habe sich die Verletzungen selbst zugefügt.


Ich bin überrascht, dass das nicht funktioniert hat. Männern ist derzeit ja alles Erdenkliche zuzutrauen.



7. Das ist alles sehr grimdark heute. Deshalb zum Abschluss eine erfreuliche Meldung, auf die mich ein Leser schon vor ein paar Tagen aufmerksam machte, bevor die Fernandes-Ulmen-Lawine erst mal alles unter sich begrub:

"Gleichheit ist ein verfassungsmäßiges Recht. Sie darf nicht im Namen falscher Toleranz ausgehöhlt werden. Außerdem ist es wichtig, daran zu erinnern, dass das Recht auf Gleichheit auch für Männer gilt", sagt die finnische Politikerin Tuulia Alanko.

Am 19. März feiert Finnland den Tag der Gleichberechtigung.

"Wir müssen die gleichen Rechte von Mädchen und Frauen verteidigen, zu lernen, zu arbeiten und ihr Potenzial zu entfalten. Wir müssen das Recht jeder Frau verteidigen, sich mit unverhülltem Gesicht im öffentlichen Raum zu bewegen. Wir müssen das Recht jeder Frau verteidigen, sich ohne männliche Begleitung frei zu bewegen. Wir müssen das Recht von Frauen verteidigen, ihren Partner selbst zu wählen. Wir müssen das Recht von Frauen auf körperliche Unversehrtheit schützen. Darüber hinaus gilt Gleichberechtigung auch für Männer.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein grundlegendes Prinzip in Finnland, das über Generationen hinweg gewachsen ist. Obwohl verschiedene politische Akteure bei jeder Gelegenheit mit männerfeindlichen Positionen liebäugeln, war diese Entwicklung gerade deshalb möglich, weil finnische Männer an dieser Arbeit beteiligt waren. Sie haben die Auffassung vertreten, dass Frauen sichtbar sein sollten, wählen dürfen, sich politisch engagieren, ihr Potenzial verwirklichen und nach Höherem streben können. Väter ermutigen ihre Töchter; Ehemänner fördern die Karrieren ihrer Frauen. Zwar kommt es auch in der finnischen Gesellschaft zu Übergriffen, doch werden diese im Allgemeinen nicht akzeptiert. Ein Blick auf die Haftbedingungen zeigt beispielsweise, welchen Stellenwert man jenen beimisst, die die körperliche Unversehrtheit von Frauen missachten.

(…) Die Partei der Finnen hat stets eine konsequente Haltung gegen jede Form von Unterdrückung und gegen Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit vertreten. Sie geht auch mit gutem Beispiel voran: Derzeit ist die Mehrheit unserer Schlüsselminister Frauen. Sollte das irgendwann nicht mehr der Fall sein, ist das kein Zeichen mangelnder Gleichberechtigung. Kompetenz steht an erster Stelle. Gleichberechtigung gilt auch für Männer; Männer dürfen bei wichtigen Positionen nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

Auch in Bezug auf die Gleichstellung von Männern bleibt viel zu tun. Ein großer Teil der sozial Ausgegrenzten sind junge Männer; Männer sind häufiger Opfer von Gewalt und in Gefängnissen überrepräsentiert. Gewalt gegen Männer wird noch immer verharmlost. Kürzlich hörte ich von einer Organisation, die Männern hilft, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Das Thema ist nach wie vor mit großer Scham behaftet – und das ist beschämend für uns alle. Die Unversehrtheit eines Mannes ist ein ebenso wichtiger Wert wie die einer Frau.

Beide Geschlechter haben einen unverzichtbaren Platz in dieser Gesellschaft. Statt Konfrontation könnten wir stolz aufeinander sein und aufhören, künstliche Gräben zwischen uns zu ziehen.

Einen schönen Tag der Gleichberechtigung."




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