Montag, April 20, 2026

Süddeutsche Zeitung titelt: "Der benachteiligte Mann"

1. Es sind weiterhin nicht die Journalisten in den Zeitungsredaktionen, die geschlechterpolitsich wertvolle Artikel schreiben, sondern Stimmen von außen. Zu ihnen gehört der Arzt Werner Bartens, der in der Süddeutschen Zeitung über die Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen schreibt. Natürlich muss er vorher viele Absätze über die Benachteiligung von Frauen vorlegen, um das zu dürfen ("Blutwäsche unterziehen sich zu 60 Prozent Männer und zu 40 Prozent Frauen"), aber irgendwann kommt er zum Punkt:

Unerhörte Frage: Ist womöglich der kranke Mann das wahre Tabu in der Medizin?


Warum ist diese Frage eigentlich "unerhört", also unverschämt oder empörend? Wir leben doch angeblich in einem Patriarchat – da müsste es doch Standard sein, sich zugunsten von Männern äußern zu dürfen?

"Ja, man könnte zur Auffassung kommen, dass Medizin und Forschung an einigen Stellen blinde Flecke gegenüber Männern haben", sagt Stefanie Joos, Versorgungsforscherin am Uniklinikum Tübingen. "Aber man sollte nicht die ,Geschlechtergesundheit‘ gegeneinander ausspielen, sondern Unterschiede in Versorgung und Forschung generell stärker beachten, was Sex und Gender angeht."


Ach guck. Aber wenn Frauen als benachteiligt gelten, geht das "Gegeneinander-Ausspielen" der Geschlechter voll in Ordnung.

Ein weiterer Auszug aus dem Artikel (ich skippe sämtliches Victim-Blaming, das es bei Frauen nicht gäbe.)

Es gibt allerdings Krankheiten, bei denen entsprechen Männer nicht dem Bild, das sich Laien wie Ärzte davon machen, Beispiel Depressionen. (...) "Depressive Störungen sind bei Männern oft anders sichtbar als bei Frauen", sagt Joos. "Sie sind leichter gereizt, ziehen sich zurück, konsumieren mehr Drogen. Zudem reagieren sie eher aggressiv statt klassisch ,trauriger Stimmung‘ zu sein." Deswegen könnten Depressionen bei Männern leicht unerkannt bleiben. Dazu passe, so Joos, dass Männer trotz seltenerer Depressionsdiagnosen häufiger durch Suizid sterben.

"Die Zahl der nicht diagnostizierten Depressionen ist bei Männern deutlich höher", sagt Luck. "Depressionen können bei Männern übersehen werden, weil Wutausbrüche, vermehrter Alkoholkonsum und exzessiver Sport nicht mit mentalen Problemen in Verbindung gebracht werden. Deshalb werden Abklärungen gar nicht erst in Betracht gezogen." Erst seit Kurzem verstehe man Suchterkrankungen als mögliche Ausprägung einer Depression, sagt Ute Seeland. "Alkoholismus mit Antidepressiva zu behandeln, ist vergleichsweise neu."

Hinzu käme, dass ein entsprechendes Verhalten eher dem persönlichen Charakter zugeschrieben oder mit traditionellen Männlichkeitsvorstellungen assoziiert wird. Oder die Männer fallen durchs Diagnose-Raster, weil sie nicht den bekannten Mustern entsprechen.

(...) Das gilt auch für andere Leiden: "Weiblich konnotierte Krankheiten wie Osteoporose werden bei Männern oft nicht erkannt", sagt Luck. "Dies betrifft die medizinische Praxis wie die Selbstdiagnose." Weder Ärzte noch Männer kämen darauf. "Männer haben ein relevantes Frakturrisiko, werden aber oft nicht gescreent", so Allgemeinmedizinerin Joos. "Das Kernproblem sind weniger ,falsche‘ diagnostische Kriterien als zu geringe Aufmerksamkeit." Dabei könnte das Screening von Männern Risikopatienten identifizieren und eine Therapie die Frakturhäufigkeit senken.

Manchmal ist es schwer zu erkennen, wenn sich Symptome überlagern oder einer anderen Krankheit zugeordnet werden. "Die häufigsten Befunde in der Praxis von Allgemeinmedizinern sind Depressionen und Rückenschmerzen", so Seeland. Dabei stecke oft eine Osteoporose dahinter. Erleiden Männer einen Oberschenkelhalsbruch, sei das zu 80 Prozent eine Osteoporose. Doch weil die Krankheit spät erkannt wird und Medikamente teils nur für Frauen zugelassen sind, hätten Männer eine schlechtere Prognose.

Und wie ist es mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, wenn sie an Krebs erkranken? Über Brustkrebs wird viel berichtet, seltener über Prostatakrebs. Die Aufmerksamkeit sowohl der Medizin als auch der Gesellschaft scheint ungleich verteilt zu sein, obwohl beide Tumore ähnlich häufig sind. "Der Eindruck ist berechtigt", sagt Joos, Vorsitzende des Zentrums für Versorgungsforschung und Öffentliches Gesundheitswesen in Tübingen. "Und das, obwohl Prostatakrebs in vielen Ländern der häufigste Tumor der Männer ist." Gleichzeitig zeigten Studien, dass Awareness-Kampagnen für Brustkrebs sichtbarer seien als jene für Prostatakrebs. "Die unterschiedliche Aufmerksamkeit für beide Krebsarten ist also eher ein Problem der Wahrnehmung und Kommunikation als eines Mangels an Forschung", so Joos.

(...) Was aber rückt die Leiden der Männer aus dem Blickfeld, wo doch bereits die unterschiedliche Lebenserwartung so auffällig ist? Frauen werden im Durchschnitt fast fünf Jahre älter als Männer, rein biologisch müsste der Unterschied nur ein bis zwei Jahre betragen. "Das sollte in der Tat ein starkes Warnsignal sein", sagt Stefanie Joos. "Es beweist keine unmittelbare Benachteiligung im Gesundheitssystem, zeigt aber deutlich, dass Männer als Gruppe gesundheitlich schlechter abschneiden und sie die Präventions- und Versorgungsangebote offenbar nicht gleich gut erreichen."

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für die vernachlässigte Männergesundheit. Joos erwähnt Essstörungen, die oft übersehen werden, "weil sich Männer häufiger muskel- und körperorientiert zeigen und weniger dem Bild einer Magersucht entsprechen". Auch männliche Unfruchtbarkeit würde zu wenig beachtet, obwohl der Mann bei unerfülltem Kinderwunsch zur Hälfte der Infertilitätsfälle beiträgt. Frank Luck weist auf weitere blinde Flecken hin, etwa, dass zehn Prozent der Männer im ersten halben Jahr nach der Entbindung ihrer Partnerin eine Depression entwickeln. "Wer hat das auf dem Schirm?", so Luck. "Man muss die Familie als Gesamtsystem betrachten: sind Frauen von einer Wochenbettdepression betroffen, ist das Risiko für Männer höher." Doch von Männern würde in dieser Phase oft erwartet, ihre Frau noch mehr zu unterstützen.

Was also tun gegen Defizite im Bereich der Geschlechtergesundheit? Genauer hinschauen, die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner verbessern – und aufmerksam bleiben. Ute Seeland hatte kürzlich einen Patienten mit typisch weiblichen Symptomen für einen Herzinfarkt: "Er klagte über Schmerzen zwischen den Schulterblättern, der Orthopäde fand nichts. Er hatte seltsame Zahnschmerzen, der Zahnarzt fand nichts. Den Grund für die Magenschmerzen erkannte der Gastroenterologe auch nicht." Die Ärzte-Odyssee ging glimpflich aus. Der Mann konnte rechtzeitig behandelt werden. Es gehe eben generell darum, Systeme, zu erkennen, die aus dem Lot geraten sind, so Seeland – und zwar bei Männern wie bei Frauen.


Werner Bartens habe ich schon in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) zitiert. Das bedeutet leider auch: Ein Vierteljahrhundert lang hat die Schieflage, auf die Bartens aufmerksam macht, außer den bösen Männerrechtlern niemand interessiert.



2. Eine Steirerin stand wegen sexuellen Missbrauchs an ihren Ehemann vor Gericht, nachdem sie die bevorstehende Scheidung nicht akzeptieren wollte, berichtet die Tageszeitung Krone aus Österreich:

Als er aufwachte und sich wehrte, verletzte sie ihn brutal im Genitalbereich, weshalb neben sexuellem Missbrauch einer wehrlosen Person auch Körperverletzung angeklagt wurde. "Egal ob Mann oder Frau, wenn jemand nicht sexuell verkehren will, ist das zu akzeptieren", schloss die Staatsanwältin ihren Eröffnungsvortrag.

Der Verteidiger der Angeklagten betonte, dass für seine Mandantin ihr Märchenschloss zusammenbrach, als die Liebe ihres Lebens nach 20 Jahren Ehe plötzlich von Scheidung sprach. "Sie war hilflos, wehrlos und fragte sich immer wieder nach dem Warum, doch sie bekam keine Antwort." Für die Rangelei im Zimmer des Sohnes übernahm die gelernte Verkäuferin von Beginn an die Verantwortung. "Doch ein sexueller Missbrauch hat so nie stattgefunden", so ihr Anwalt.

"Ich bin noch immer in Schockstarre, was mein Mann mir da antut", erklärte die zweifache Mutter dann dem Richtersenat. "Ich dachte zuerst, das ist so eine Phase, weil er 50 geworden ist. Es brach wirklich eine Welt für mich zusammen." Am Tattag, beteuert sie, wollte sie wirklich nur mit ihm reden. Deswegen habe sie sich zu ihm ins Bett gelegt. "Doch er sagte, ich soll verschwinden und hat mich zum Türstock gedrängt. Da hab’ ich mich natürlich gewehrt."

"Also erfindet ihr Mann den sexuellen Übergriff?", fragt die Richterin noch einmal mit Nachdruck. "Ja", nickt die Angeklagte, "damit hat er schon länger gedroht, dass er mich anzeigt". Bevor die Schilderungen dann aber offenbar noch abenteuerlicher werden, bittet der Verteidiger um eine Pause.

Danach legt die Frau überraschend ein Geständnis ab und zahlt auch gleich das Schmerzensgeld an den Anwalt ihres Mannes. Das dürfte sie vor einer höheren Strafe bewahrt haben. Urteil: ein Jahr auf Bewährung und 1800 Euro unbedingte Geldstrafe plus Weisung zur Therapie.




3. Die britische BBC berichtet über einen anderen Fall:

Ein Teenager-Mädchen und zwei Jungen lockten einen 15-Jährigen in einen Park und stachen wiederholt auf ihn ein – ein Vorfall, der als "der schlimmste Albtraum aller Eltern" beschrieben wurde, wie vor Gericht zu hören war.

Das Mädchen, das zum Zeitpunkt der Tat 15 Jahre alt war, und ihre beiden 16-jährigen Komplizen lockten den Jungen in einen abgelegenen Bereich des Herrington Country Park in Sunderland, wo einer der Jugendlichen elfmal mit einem großen Küchenmesser auf ihn einstach.

Das Opfer sagte vor Gericht aus, er lebe seitdem in Angst, während seine Mutter erklärte, sie habe befürchtet, ihr Sohn sei bei dem "brutalen, sinnlosen Angriff" getötet worden.

Das Mädchen, das versuchten Mord gestanden hatte, wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Jugendhaft verurteilt.


Nennt mich übermäßig skeptisch, aber irgendwie bezweifle ich, dass aus diesem Fall eine Netflix-Serie gemacht wird, die JournalistInnen der verschiedensten Länder hingerissen lobpreisen werden.



4. "Frauenhass online – wie verbreitet sind die gefährlichen Männer-Netzwerke?" hetzt die Märkische Oderzeitung. Eine kurze Cross-Recherche ergibt, dass der Artikel auch in zahlreichen anderen Zeitungen erscheint, etwa dem Schwäbischen Tagblatt, der Neuen Württembergischen Zeitung und so weiter und so fort. Ein Auszug:

Die deutsche Szene überschneide sich teilweise mit rechten Milieus. "Darüber hinaus gibt es auch Akteure, die frauenfeindliche Aussagen islamisch-religiös begründen." Auch Marina Hackenbroch, stellvertretende Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), kennt das Phänomen: "Ich würde die Manosphere weder als bloßes Randphänomen abtun noch so tun, als beträfe sie schon die Mehrheit aller Männer." Der harte ideologische Kern sei ein Minderheitenphänomen. "Problematisch ist aber, dass die Narrative dieser Szene längst nicht mehr nur in abgeschotteten Nischen zirkulieren." Sie wanderten über Plattformen wie TikTok in eine breite männliche Zielgruppe ein, zum Beispiel als Dating-Videos.

Wie betrifft das Jugendliche? Soziale Medien prägen bei neun von zehn Jugendlichen das Weltbild, zeigt eine Studie des Bayerischen Rundfunks. Was die Untersuchung mit 13- bis 18-Jährigen auch herausfand: 42 Prozent der Jungen haben ein Geschlechterbild, das Männern mehr Rechte zugesteht.

Ein Problem liegt in den Algorithmen der Plattformen: Dadurch würden auch Personen, die sich nicht aktiv für solche Inhalte entschieden, mit frauenfeindlichen Aussagen konfrontiert, sagt der Geschlechterforscher Yannik Markhof vom Dissens Institut für Bildung und Forschung.

Wie wirkt sich das aus? Sowohl Markhof als auch Lehrerverband-Präsident Stefan Düll berichten, dass misogyne und queerfeindliche Aussagen in den Schulen zugenommen hätten, Sprachmuster seien erkennbar, Punkte der Influencer würden nachgeplappert. Daraus jedoch einen kausalen Zusammenhang mit steigender Gewalt gegen Frauen zu ziehen, sei "zu unterkomplex", sagt Markhof. Inhalte der Manosphere seien gewaltlegitimierend, "aber Gewalt gegen Frauen zieht sich durch die gesamte Gesellschaft".

(…) Was wären politische Lösungen? Denise Loop, familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, spricht sich für konkrete Initiativen aus, etwa eine Regulierung von Social-Media-Plattformen. Außerdem müsse man langfristige Präventions- und Bildungsprojekte ausbauen. "Wir brauchen dafür Angebote, die Jungs auf Augenhöhe ansprechen." Auch Mechthild Heil, Sprecherin der Frauen der Unionsfraktion, sagt: "Die zunehmende Verbreitung frauenfeindlicher Ideologien in digitalen Räumen ist ein untragbarer Zustand für unsere Gesellschaft." Sie plädiert für ein Zusammenspiel aus Aufklärung und Prävention, mehr Forschung und ein konsequentes Vorgehen gegen digitale Gewalt. Plattformen müssten in Verantwortung genommen werden.




5. "Ist Männerhass gerechtfertigt, schädlich oder vielleicht sogar notwendig?" fragt derweil das Frauenmagazin "Her Campus". In dem Artikel heißt es:

Vor einigen Wochen blieb ich, während ich gedankenverloren durch TikTok scrollte, an einer ungewöhnlichen Bildunterschrift hängen. Das Video, gepostet von einer Frau, die sich schlicht "@LTP823" nennt, trägt die markante Zeile: "Ich bringe meiner fünfjährigen Tochter bei, misandrisch zu sein."

LTP bleibt auf ihrem TikTok-Account halb anonym: Sie nennt lediglich ihre Initialen und beschreibt sich knapp als geschiedene Mutter und Bücherliebhaberin aus Washington, D.C. Misandrie wird gemeinhin als starke Abneigung oder gar Hass gegenüber Männern verstanden; laut Merriam-Webster bedeutet der Begriff schlicht "Männerhass".

Sofort geweckt, wich mein zielloses Scrollen einer konzentrierten Aufmerksamkeit. LTP erklärt, ihre Tochter werde unweigerlich in einer von Männern geprägten Gesellschaft aufwachsen, und sie wolle sie deshalb mit einem "übersteigerten Selbstbewusstsein" ins Leben entlassen.

Bewusst hat LTP für die prägenden Bezugspersonen ihrer Tochter ausschließlich Frauen ausgewählt – ob als Ärztin, Zahnärztin oder in anderen professionellen Rollen.

Bislang scheint das Wirkung zu zeigen. LTP berichtet, ihre Tochter habe sie kürzlich gefragt, ob auch Männer Sänger sein könnten. Ernster fügt sie hinzu, sie wisse, dass die Welt ihre Tochter "kleinmachen" werde – und wolle sicherstellen, dass sie sich das nicht gefallen lasse.

Sie habe ihrer Tochter gesagt, Frauen seien klüger als Männer, trügen eine besondere Kraft in sich und würden gesellschaftlich dennoch seltener ernst genommen, obwohl sie "bessere Führungspersönlichkeiten" seien.

(...) Die Kommentare unter LTPs Beitrag waren überwiegend zustimmend. Eine Frau, die offenbar ähnlich erzieht, schrieb etwa, ihr Sohn gehe davon aus, dass alle Ärzte und Zahnärzte Frauen seien. (…) Einige argumentierten sogar, LTP fördere gar keine Misandrie, sondern betreibe eine notwendige "Gegenkorrektur" in einer beschädigten Gesellschaft.

Wie in Online-Diskussionen üblich, fühlte sich jedoch auch ein kleiner Teil der Zuschauerschaft vom Begriff "Misandrie" provoziert. Eine Person stimmte zwar zu, die Botschaft sei "zu hundert Prozent richtig", merkte jedoch an, Worte hätten Gewicht – Misandrie und Misogynie seien "zwei Seiten derselben hasserfüllten Medaille".

Darauf folgten mehrere scharfe Erwiderungen, von denen eine besonders hervorstach. Ein Nutzer namens "madmax" schrieb: "Misogynie tötet Frauen, Misandrie kränkt Männer. Da besteht ein Unterschied."

(…) Wie einige Kommentierende anmerkten, entwertet es den spezifischen Gebrauch von "Misandrie" bei LTP, wenn man ihn schlicht auf eine Stufe mit Misogynie stellt.

Ich neige dazu, den Begriff Misandrie flexibler zu verstehen.

Zum einen halte ich Misandrie im strengen Wortsinn durchaus für ein berechtigtes Vorurteil (angesichts der Milliarden widerwärtiger Handlungen, die Männer jede Sekunde begehen). Zum anderen kann der Begriff als konzeptioneller Rahmen für feministische Projekte wie das von LTP dienen kann.

Zugleich eröffnet Misandrie als Konzept Frauen die Möglichkeit, ihre – oft negativen – Erfahrungen mit Männern zu teilen. Solche Gespräche können nach meiner Erfahrung ernsthaft, befreiend, mitunter auch humorvoll und wirkungsvoll sein.




6. "Die Femosphere hat eine Generation von Frauen gegen Männer aufgehetzt, aber darum liebe ich sie immer noch" titelt die britische Tageszeitung Independent. Mit "sie" sind die Männer gemeint. In dem Artikel von Charlotte Cripps heißt es:

Männer – tja, ihr habt ein echtes Problem: Junge Frauen halten nicht viel von euch. Einer neuen Umfrage zufolge haben lediglich 35 Prozent der britischen Frauen unter 25 eine positive Sicht auf Männer, und nur 11 Prozent äußern sich sehr positiv.

Bei den unter 30-Jährigen fällt das Bild etwas günstiger aus: Hier bewerten 50 Prozent der Frauen Männer wohlwollend. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass Frauen unter 30 dreimal so häufig eine negative Haltung gegenüber Männern einnehmen wie Frauen über 30. (…) Und während Frauen meinen, die gegenseitige Geringschätzung zwischen den Geschlechtern sei ausgewogen, empfinden sie in Wirklichkeit negativer über Männer als umgekehrt: Laut Umfrage haben 72 Prozent der Männer eine positive Sicht auf junge Frauen.

Das ist eine große Zahl von Frauen, die man als "Männerhasserinnen" bezeichnen könnte – darunter auch viele meiner Freundinnen. Sie geben Männern fortwährend die Schuld für ihr eigenes desaströses Liebesleben oder dafür, dass sie dauerhaft allein sind – ja, für buchstäblich alles. Eine Freundin schrieb mir gestern: "Es macht mich traurig, dass er so ein unangenehmer Mensch ist. Ich hasse es, dass es so viele ‚schlechte Männer‘ gibt – ich arbeite daran, möglichst viele von ihnen loszuwerden." Sekunden später folgte: "Es gibt so viele miserable Männer, die offen sichtbar sind – wir müssen ihnen entgegentreten, Charlotte."

Lasst mich da bitte heraus! Nennt mich keine Männerhasserin – ich liebe Männer. Diese selbstmitleidige "Männer-sind-schrecklich"-Erzählung geht mir auf die Nerven, und ich frage mich, wie wir überhaupt an diesen Punkt gelangt sind.

(…) Ein TikTok-Trend zeigt Frauen, die über die männliche Einsamkeitskrise lachen. Und in der Online-Community "Female Dating Strategy" werden Frauen in rücksichtslosen, nüchtern kalkulierenden Dating-Strategien geschult, mit dem Ziel, einen "hochwertigen Mann" zu gewinnen, der finanziell für sie sorgen kann – unter der Maxime: "Niemals 50/50 beim Date."

So entsteht ein ständiges Tropfen: Männer seien das problematische Geschlecht. Jungen im Schulalter gelten als frauenfeindlich, Lehrkräfte warnen vor einer sich zuspitzenden "Männlichkeitskrise" und machen die Manosphäre dafür verantwortlich. Dass Jungen von klein auf in eine "Männerbox" gedrängt werden, die emotionale Ausdrucksfähigkeit unterdrückt, mache sie nicht nur anfällig für Suizid und Substanzmissbrauch, sondern auch für Ideologien, die Frauen schaden.

(…) Es ist unwahrscheinlich, dass die neuen Befunde bedeuten, junge Männer verdienten diese negative Bewertung im Allgemeinen. Plausibler ist, dass junge Frauen überhöhte Erwartungen an sie haben. Und auch wenn es völlig legitim ist, keine Beziehung eingehen zu wollen, die den eigenen Ansprüchen nicht genügt, scheint die Verantwortung zur Veränderung einseitig den Männern zugeschrieben zu werden.

Das ist eine verzerrte Sichtweise. Sie bürdet Männern enorme Erwartungen auf, die Situation zu korrigieren, ohne eigene Verantwortung zu übernehmen – denn angeblich liegt die Schuld allein bei ihnen. Es ist an der Zeit, das gegenseitige Beschuldigen zu beenden und den Blick auf sich selbst zu richten, bevor wir Männer endgültig verlieren.

Die Antwort ist denkbar einfach: "If you can spot it, you got it." Die Fehler, die wir bei anderen sehen, spiegeln oft unsere eigenen, nicht eingestandenen Schwächen wider. Statt sich in endloser Fehlersuche zu verlieren – einem obsessiven Fixieren auf die Mängel anderer –, sollte man die eigenen Unzulänglichkeiten schonungslos benennen.

Selbstreflexion ist mühsam, doch sie ist der einzige Weg, sich aus einer Opferhaltung zu lösen und nicht länger äußere Umstände verantwortlich zu machen. Zu glauben, Jungen seien ekelhaft und stinkend, wird das Problem ebenso wenig lösen wie die Vorstellung, Männer seien grundsätzlich unzulänglich – hilflos, gefühllos, kalt oder unfähig zu tiefer Bindung; oder faule, inkompetente Väter, die ständig betrunken sind und nicht einmal einfache Aufgaben bewältigen.

Männer enttäuschen Frauen nicht an allen Ecken und Enden – wir enttäuschen uns selbst häufiger. Und wenn wir andere für das verurteilen, was ihnen fehlt, vergessen wir unsere eigenen Unvollkommenheiten.

Wir sollten uns vor der performativen Femosphäre in Acht nehmen. Sie normalisiert Männerfeindlichkeit, radikalisiert junge Frauen und trägt unmittelbar zu einer tiefen Kluft zwischen den Geschlechtern bei. Es ist an der Zeit, das Elend der Männerfeindlichkeit zu beenden – und einen unbeschwerten Sommer zu erleben.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, April 17, 2026

"Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist"

1. "Die Welt" hat den Psychologen Ben Hine von der Universität von West-London interviewt, der sich mit Themen wie Eltern-Kind-Entfremdung sowie den geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Männern und Jungen befasst. Ein Auszug:

WELT: Vor wenigen Wochen demonstrierten Tausende Frauen in Hamburg wegen des Falls Collien Fernandes, und das Pelicot-Urteil wirkt noch immer nach. In diesem Klima präsentiert Ihre Arbeit eine Fülle von Statistiken über das Leid von Männern.

Ben Hine: Ich verstehe, warum es Menschen irritiert, mitten in all dem zu sagen: Wir sollten uns auch um Männer kümmern. Aber mein zentrales Argument ist, dass man das, was man gesellschaftlich beobachtet, gar nicht lösen kann, ohne sich damit auseinanderzusetzen, wo Männer herkommen und warum sie am Ende das tun, was sie tun. Männer stellen die große Mehrheit bei Suiziden, Arbeitsunfällen mit Todesfolge, bei Wohnungslosigkeit und in der Gefängnispopulation. Betrachtet man diese Themen losgelöst vom Geschlecht, müssten sie eigentlich ganz selbstverständlich unser Mitgefühl wecken.

WELT: Lange bevor Männer in Statistiken überrepräsentiert sind – sowohl als Opfer als auch als Täter – starten sie ihr Leben als Jungen. Wenn Sie an eine alleinerziehende Mutter mit einem schweigsamen Sohn denken, der nicht klagt, bei dem sie aber spürt, dass er tief in sich unglücklich ist: Was würden Sie ihr sagen wollen, über die Gefühlswelt ihres heranwachsenden Sohnes?

Hine: Er fühlt sich verloren – so würde ich die Lage vieler Jungen im Moment beschreiben. Ich habe selbst einen Sohn, einer der Gründe, weshalb ich so leidenschaftlich für dieses Thema bin. Ich bin Vater eines Jungen, eines Mädchens und eines weiteren Mädchens, das unterwegs ist – ich bekomme also alle Perspektiven ab. Was ich festgestellt habe: Über Jungen statt über Männer zu sprechen, ist oft ein Einstieg in das Gespräch für Menschen, die sonst abschalten würden. Plötzlich ist ihnen das Thema nah – weil es persönlich wird. Wenn ich also mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem Elternteil sprechen würde, würde ich sagen: Ihr Sohn fühlt sich wahrscheinlich sehr verloren, was seine Rolle betrifft. Und ich glaube wirklich nicht, dass Mädchen sich gerade in derselben Lage befinden.

(…) WELT: Was meinen Sie mit einem unausgewogenen Dialog über das Geschlecht?

Hine: Nehmen wir den Ansatz, der in Workshops an britischen Schulen verfolgt wird. Der ist wichtig, konzentriert sich aber fast ausschließlich auf die Erfahrungen von Frauen und Mädchen. Jungen werden lediglich als das Problem behandelt – statt sie auch als Teilnehmer eines Systems zu sehen, das auch sie einschränkt. Wir laden Jungen nicht auf produktive Weise in dieses Gespräch ein.

(…) Wenn Männer immer wieder als das Problem dargestellt werden statt als Menschen, die Probleme haben, werden sie sich in diesem Gespräch nicht zugehörig fühlen. Wenn Jungen aus Workshops über Geschlechterrollen in britischen Schulen kommen, fühlen sich viele von ihnen einfach schlecht. Es gibt keinen produktiven Ausweg, keinen Weg nach vorn. Die Botschaft lautet im Wesentlichen: Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist – versuche, es besser zu machen. Es gibt keine Erzählung darüber, das System zu dekonstruieren, das ihnen ihr Geschlechterbild eingetrichtert hat, und keine Vision davon, wie eine positive männliche Identität tatsächlich aussehen könnte.




2. Es ist ein weltweites Problem. Auch an Australiens Universitäten macht man sich Sorgen um das Geschlechtergefälle:

In den vergangenen Jahrzehnten lag der Schwerpunkt darauf, mehr junge Frauen für ein Hochschulstudium zu gewinnen. Dabei ist es gelungen, eine geschlechtsspezifische Kluft zu schließen – nur um eine andere aufzureißen.

Tausende junge Männer bleiben von der Universität und damit von lebensverändernden Chancen ausgeschlossen: bessere Karrieren, höher bezahlte Jobs und gesellschaftlicher Aufstieg.

Australien steht inzwischen vor einer Generation "verlorener Jungen", da junge Männer nicht nur an den Hochschulen, sondern im gesamten Bildungssystem zurückfallen.

(…) Der Forscher David McCloskey machte bereits im vergangenen Jahr auf diese Ungleichheiten aufmerksam und hob ein zweigleisiges Hochschulsystem hervor, das entlang von Geschlecht und Schulbildung verläuft.

Seine Analyse ergab, dass landesweit ein Drittel der Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren über einen Bachelorabschluss oder einen höheren akademischen Grad verfügt, verglichen mit 46 Prozent – also nahezu der Hälfte – aller Frauen. Die Kluft wächst weiter.

(…) Offenkundig haben sowohl das Geschlecht als auch die besuchte Schule erheblichen Einfluss darauf, ob jemand einen Universitätsabschluss erlangt – und damit die Eintrittskarte zu einem besseren Leben.

Das wirft grundlegende Fragen nach der Fairness unseres Bildungssystems auf. Es bietet nicht jedem Australier die gleichen Chancen, durch harte Arbeit und Bildung seine Lebenssituation zu verbessern.

Zugleich schrillen die Alarmglocken hinsichtlich der Fähigkeit junger Männer, sich in einer rasch wandelnden Welt zu behaupten. Neun von zehn neuen Arbeitsplätzen, die im kommenden Jahrzehnt entstehen, werden eine nachschulische Ausbildung voraussetzen. Das deutet auf eine Generation von Männern hin, die von den besten neuen Jobs ausgeschlossen bleibt – mit wachsenden Risiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn sich immer mehr Menschen von der Gesellschaft zurückgelassen und um eine faire Chance gebracht fühlen.

(…) Es ist gelungen, junge Frauen für die Hochschulen zu gewinnen. Nun ist es an der Zeit, jungen Männern dieselben Chancen zu eröffnen, um aufzuschließen.


Das sagen wir Männerrechtler seit Jahrzehnten. Es ist bemerkenswert: International wird jungen Männern zunehmend die Chance auf eine glückliche Zukunft verbaut. Doch sie leiden still. Gleichzeitig führen sich Frauen auf, als wären sie die Geschundenen dieser Erde und würden von einem dämonischen "Patriarchat" unterdrückt.



3. Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich zu den Sexismusvorwürfen geäußert, die Sophie Passmann, Elke Heidenreich & Co. gegen ihn gerichtet haben:

Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. "Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen", sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. "Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu."


Währenddesen hat sich der deutsche Schriftstellerverband PEN zu den teils unterirdischen Attacken auf Scheck geäußert:

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wenn Autorinnen und Autoren – wie jetzt Sophie Passmann, ebenfalls Mitglied des PEN Berlin, Elke Heidenreich und Ildikó von Kürthy – die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.

Bücher leben von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung. Marcel Reich-Ranicki zerriss einst – it’s legend – auf dem Cover des Spiegel Günter Grass’ Roman "Ein weites Feld" in Fetzen. Das war nicht schön, das war nicht angemessen, das war nicht pädagogisch wertvoll und es war vielleicht nicht einmal gerecht, aber es war eben Literaturkritik. Wir brauchen Orte auch der scharfen Auseinandersetzung darüber, was gut und was schlecht ist. Und an dieser Debatte darf sich jeder beteiligen.

"Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen", sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. "Darum hoffen wir sehr, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen."


Ich habe dem PEN bereits für diese Wortmeldung gedankt, der auch meine Meinungsfreiheit als Autor schützt. Es kann nicht angehen, dass einige wortmächtige Platzhirschinnen ("Platzkühe"?) der deutschen Literaturszene auf derartige Weise gegen unerwünschte Kritik holzen.



4. Die Post. Einer meiner Leser macht mich auf einen Artikel der "taz" über den zukünftigen Vorsitz der Partei Die Linke aufmerksam, nachdem Jan van Aken seinen Rücktritt angekündigt hat. Ein Auszug aus dem Interview, das die "taz" mit dem Parteimitglied Katalin Gennburg dazu führte:

taz: Wie wär’s mit einer weiblichen Doppelspitze?

Gennburg: Davon bin ich grundsätzlich ein großer Fan.

taz: Gibt es in der Linken aktuell mehr geeignete Frauen oder mehr geeignete Männer?

Gennburg: Ach, ich glaube, das hält sich die Waage. Es gibt eigentlich nie mehr geeignete Männer.


Mein Leser schreibt mir dazu:

Es geht einfach nie ohne Abwertung des Männlichen bei den Feministinnen. Sechs Linke-Abgeordnete wurden direkt im Wahlkreis gewählt, haben sich also bei einer individuellen Personenwahl gegen die Konkurrenz durchgesetzt und konnten die Stimmbürger für sich begeistern. Von diesen sechs Abgeordneten der Linken sind fünf Männer. Die Aussage, es gäbe bei ihnen in der Partei nie mehr geeignete Männer als Frauen ist allein durch dieses Beispiel widerlegt und Ausdruck ihres ganz selbstverständlichen Männerhasses.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Donnerstag, April 16, 2026

Titelgeschichte beleuchtet Radikalisierung junger Frauen

1. Die Londoner Wochenzeitung New Statesman, die als Sprachrohr des linken Spektrums gilt, behandelt in seiner aktuellen Titelgeschichte die feministische Radikalisierung junger Frauen. Nun ist Großbritannien nicht identisch mit Deutschland, uns kulturell aber nah genug, dass es hier Überschneidungen geben dürfte. Wenn das so ist, dann zeigt dies, dass der Fall Fernandes/Ulmen nur ein Funke war, der ein ohnehin schwelendes Feuer zum Auflodern brachte. Ein Auszug aus dem Artikel, der damit beginnt, dass er die TikTok-Influencerin Phoebe O’Brien vorstellt (leuchtend grüne Augen, drei silberne Nasenringe, 80.000 Follower).

O’Briens Inhalte – und die einer wachsenden Zahl linker Influencerinnen – spiegeln in gewisser Weise jene männlicher Influencer. Während die toxische, oft stark rechtsgerichtete Politik der sogenannten Manosphere umfassend dokumentiert ist, zeigt sich die neue Generation weiblicher Influencerinnen ähnlich radikal – nur am anderen Ende des politischen Spektrums. Im Internet haben sich Frauen und Männer noch nie so stark voneinander entfremdet.

Diese Spaltung zeigt sich auch im Alltag. Exklusive Umfragedaten von Merlin Strategy für den New Statesman zeigen, dass junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren in Großbritannien die mit Abstand progressivste Bevölkerungsgruppe sind. Sie stehen dem Kapitalismus deutlich skeptischer gegenüber als junge Männer und glauben wesentlich seltener, dass die Wirtschaft zu ihren Gunsten funktioniert. Zugleich blicken sie deutlich pessimistischer in die Zukunft – sowohl in ihre eigene als auch in die der Gesellschaft. Auch ihre Einstellung zu jungen Männern ist negativer als umgekehrt.

Diese sogenannte "Femosphäre" umfasst unterschiedliche Tonlagen, doch ein Großteil der Inhalte verstärkt die Distanz zu Männern: von misandrischen Dating-Coaches, die Frauen raten, Männer grundsätzlich abzulehnen, bis zu explizit progressiven Content-Creatorinnen, die sich mit globaler und nationaler Politik beschäftigen. Viele der Accounts, mit denen O’Brien interagierte, äußerten sich scharf über Männer. Megan Cooper, eine britische "trauma-informierte ganzheitliche Therapeutin", betreibt den Podcast Higher Love, in dem sie über Gewalt gegen Frauen, "Hypermaskulinität" und ein "Ökosystem künstlich erzeugter männlicher Opferrolle" spricht. Auf Instagram kommentierte sie Konflikte im Iran, in Palästina, Beirut und Sudan. "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit Monaten schmerzen mir die Knochen", schrieb sie im März. "Die Körperlichkeit der weiblichen Wunde." O’Brien teilte auch Beiträge von Frank Riot, einer Künstlerin mit langem, blond gebleichtem Haar. Auf deren Instagram-Seite finden sich Selfies mit "ACAB"-Bandanas und Suffragetten-Abzeichen neben Infografiken über Israels Kriegsverbrechen. "Triff mich bei den Ruinen der Kriegsmaschine", heißt es in einem Beitrag. "Küss mich im Morgengrauen ihres Untergangs."

O’Brien bezeichnet sich selbst eher als Revolutionärin denn als Aktivistin. "Revolutionärin bedeutet für mich: Ich will systemische Veränderung. Ich will nicht innerhalb dieser Systeme existieren, sondern ein Instrument der Revolution sein." Es mache sie körperlich unruhig, Ungerechtigkeit zu sehen und untätig zu bleiben. Vielleicht seien Frauen deshalb häufiger progressiv als Männer, mutmaßte sie – weil sie stärker mit ihren Emotionen und körperlichen Empfindungen verbunden seien. Diese Sicht wirkt essenzialistisch, doch O’Brien sagt, gerade diese Unruhe treibe sie an: "Der einzige Weg, dieses negative Gefühl loszuwerden, ist zu handeln."

(…) Auffällig ist jedoch, dass laut Umfrage gerade privilegiertere Frauen besonders pessimistisch sind. Frauen in Mittelschichtsberufen fühlen sich seltener von der Gesellschaft wertgeschätzt und glauben weniger daran, durch harte Arbeit erfolgreich zu sein als Frauen aus der Arbeiterklasse. Obwohl junge Männer häufiger arbeitslos sind, blicken junge Frauen deutlich skeptischer auf ihre finanzielle Zukunft. Auch sind weiße Frauen eher der Ansicht, dass das Land rassistisch sei, als nicht-weiße Frauen.

Dieser Mangel an Zuversicht überraschte mich. 2015 gründete meine Schule ihre erste feministische AG; wir lasen Caitlin Moran und Naomi Wolf, diskutierten auf Facebook mit Jungen über Begriffe wie intersektionalen Feminismus und strukturellen Rassismus. Themen waren Vergewaltigungskultur, Black Lives Matter, kulturelle Aneignung oder der männliche Blick. Doch seither ist die Desillusionierung gewachsen. Nach der Isolation während der Covid-Pandemie und angesichts der Reaktionen westlicher Regierungen auf den Gaza-Krieg hat sich ein ausgeprägter Pessimismus entwickelt.

(...) Bei einer Performance-Nacht in der Feminist Library in Peckham, die Spenden für Transgender-Projekte sammelte, bestand das Publikum überwiegend aus jungen Frauen. Die Beiträge reichten von Tanz über Improvisation bis zu politisch aufgeladenen Monologen. Eine Besucherin namens Anna erzählte mir von chronischen Schmerzen infolge von Endometriose und davon, wie sehr diese Erfahrung ihr politisches Denken geprägt habe. Sie empfinde Schmerz als grundlegenden Bestandteil weiblicher Existenz. Ihre politischen Ansichten seien radikaler geworden, nachdem sie sich durch bürokratische Verfahren entwürdigt gefühlt habe.

Auch andere Frauen schilderten ähnliche Entwicklungen. Viele verbinden ihre politische Haltung mit persönlichen Erfahrungen von Unsicherheit, Krankheit oder Ungleichbehandlung. Häufig richtet sich ihre Kritik nicht nur gegen einzelne Missstände, sondern gegen umfassendere gesellschaftliche Strukturen.

(…) Auffällig war auch die wachsende Distanz zwischen jungen Frauen und Männern. Viele Frauen lehnten es ab, Männer mit anderen politischen Ansichten zu daten. Einige wollten nicht einmal mit ihnen befreundet sein. Gleichzeitig äußerten sie die Sorge, Männer würden online zunehmend frauenfeindliche Inhalte konsumieren, während sie selbst mit männerkritischen Botschaften konfrontiert seien. Diese wechselseitige Verstärkung verschärft die Kluft.

Die Folgen könnten weitreichend sein. Beziehungen werden schwieriger, Einsamkeit und Frustration nehmen zu. Besonders junge Frauen unter 25 äußern die Überzeugung, dass die Umstände gegen sie arbeiten, unabhängig davon, wie sehr sie sich bemühen.

Alle Frauen, mit denen ich sprach, engagierten sich aus einem tiefen moralischen Antrieb heraus für eine Veränderung der Welt – einer Welt, von der sie glaubten, dass sie sich nicht für sie interessiere. Glück versprach dieses Engagement nicht unbedingt. Doch genau das schien für viele Teil der Haltung zu sein. "Wenn man sich wirklich um andere Menschen kümmert", sagte eine Studentin aus Leeds, "kommt man um einen gewissen Pessimismus nicht herum."




Ein Kommentar, den ich zu diesem Artikel auf Twitter gelesen habe, trifft den Sachverhalt gut: "Frauen waren noch nie so frei, so wohlhabend oder so unabhängig wie heute, sie waren noch nie so sicher, sie haben noch nie so viel Unterstützung und Anerkennung erfahren, sie hatten noch nie so viel Macht und so viele Möglichkeiten – und sie sind stocksauer deswegen."



2. Der Spectator eine konservative britische Wochenzeitschrift für Politik sieht die Dinge natürlich ganz anders als die jungen Damen. Dort pflichtet man dem Schauspieler Chris Eccleston bei, dessen Unmut über die wachsende Männerfeindlichkeit des Fernsehens ich hier gestern zitiert habe.

Um die wenig elegante Terminologie des linksliberalen Diskurses aufzugreifen, ließe sich heute durchaus argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern inzwischen "systemischen" Charakter angenommen haben.

(…) Es liegt nahe, diese beiden Beobachtungen miteinander zu verknüpfen: dass weiße Männer in der Fiktion häufig negativ gezeichnet und im realen Leben gesellschaftlich stigmatisiert werden. Man könnte sogar einen Zusammenhang zwischen beidem vermuten – eine Art sich selbst verstärkender Kreislauf.

Aktuelle Fernsehproduktionen, etwa "Adolescence", sowie Dokumentationen wie jene von Louis Theroux über die sogenannte Manosphere haben dazu beigetragen, die Vorstellung zu festigen, dass nicht bloß einzelne Ausprägungen problematisch sind, sondern Männlichkeit an sich. "Toxische Männlichkeit" wird dabei weniger als Abweichung verstanden, sondern eher als logische Konsequenz männlichen Verhaltens. Eigenschaften wie Stärke, Standhaftigkeit, Selbstständigkeit, Stoizismus und Zurückhaltung gelten nicht länger als positive Tugenden, sondern geraten unter Verdacht, mit Unterdrückung, Aggression und Wut verbunden zu sein. Sie stehen im Kontrast zu einem gesellschaftlichen Ideal, das traditionell eher mit Empathie, Konsens, Zusammenarbeit und emotionaler Offenheit assoziiert wird. In dieser Perspektive wird männliches Verhalten pauschal als problematisch bewertet.

Auch Weißsein wird zunehmend kritisch betrachtet. Der Begriff "Whiteness", geprägt im Umfeld der Critical Race Theory, beschreibt die These, dass rassistische Denkmuster strukturell in westlichen Gesellschaften verankert seien. Eine Sichtweise, die ursprünglich vor allem in akademischen Kontexten verbreitet war, hat inzwischen breitere öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. (…) Überträgt man die zuvor erwähnte Terminologie, ließe sich argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern heute eine strukturelle Dimension erreicht haben. Wer sowohl weiß als auch männlich ist, befindet sich gewissermaßen an der Schnittstelle einer neuen, gesellschaftlich wenig angesehenen Form von "Intersektionalität": Kritik richtet sich sowohl gegen Hautfarbe als auch gegen Geschlecht, häufig mit dem Vorwurf, diese Merkmale gingen zwangsläufig mit Privilegien oder problematischen Einstellungen einher.

(…) Eccleston hat damit – wohl unbeabsichtigt – einen zentralen Punkt getroffen: Wenn Männlichkeit als Krise wahrgenommen wird, könnte dies auch damit zusammenhängen, dass Kultur und Medien kontinuierlich das Bild vermitteln, weiße Männer seien problematisch oder abweichend. Diese Darstellung verstärkt bestehende Narrative, die auch in Bildung und Erziehung weitergegeben werden. So setzt sich ein Kreislauf fort, in dem negative Zuschreibungen immer wieder reproduziert werden.

Ein solcher Kreislauf, so die Schlussfolgerung, müsste durchbrochen werden.


Die einzige Diskriminierung zu Lasten von Weißen, die der Spectator aufbieten kann, ist ein Punk-Festival zum Thema "Dekolonisierung". Das ist sehr dürftig. Die Benachteligungen, die Männer erfahren, füllen hingegen ganze Bücher.



3. Die britische Tageszeitung Telegraph schließlich, ebenfalls im konservativen Spektrum angesiedelt, berichtet, wie Dating für Männer zum Extremsport geworden ist:

Tristan Cressingham hatte nicht erwartet, dass seine siebenmonatige Beziehung auf so spektakuläre Weise enden würde.

Anfang November 2025 erhielt der 23-jährige Fotograf eine Nachricht von seiner damaligen Freundin, in der sie – so berichtet er – ausführlich darlegte, warum sie wieder Single sein wolle und welche Eigenschaften an ihm bei ihr das ausgelöst hätten, was sie als "Ick" bezeichnete.

Seinen Angaben zufolge handelte es sich um eine breit angelegte Kritik, die von der Länge seiner Shorts (offenbar zu kurz) bis zu seiner Neigung reichte, Nachrichten besonders schnell zu beantworten. "Im Grunde meinte sie, ich sei ein bisschen ‚cringe‘", sagt Tristan.

Zur gleichen Zeit ging ein Artikel von Chanté Joseph für die Vogue viral, überschrieben mit "Is Having A Boyfriend Embarrassing Now?". Der im Oktober 2025 veröffentlichte Text kritisierte nicht das Aussehen von Männern, sondern stellte das Konzept heterosexueller Beziehungen insgesamt infrage.

"Zu hören, dass jemand sich im Grunde für dich schämt, ist verletzend – besonders, wenn man dachte, diese Person akzeptiere einen", sagt Tristan. "Und trotzdem wird dieser Begriff inzwischen ziemlich beiläufig benutzt. Es wirkt, als stecke dahinter die Annahme, Männer seien Frauen unterlegen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann mit einem Text Erfolg hätte, in dem behauptet wird, Freundinnen seien peinlich."

Dennoch wurde Josephs Artikel millionenfach gelesen; in sozialen Medien äußerten Frauen sowohl Zustimmung als auch Empörung. Er löste eine weltweite Debatte über den Zustand moderner Beziehungen aus und lenkte die Aufmerksamkeit auf das sogenannte "Heteropessimismus" – ein Begriff des Autors Asa Seresin, der die oft öffentlich geäußerte "Reue, Scham oder Hoffnungslosigkeit" heterosexueller Menschen – insbesondere von Frauen – in Bezug auf Dating und Beziehungen beschreibt.

"Ich glaube, viele von uns zahlen heute den Preis für problematisches männliches Verhalten vergangener Generationen", sagt der 29-jährige Grafikdesigner Josh aus Lancashire. Gemeint seien etwa stereotype Rollenbilder, mangelnde Eigenständigkeit oder die Erwartung, von der Partnerin versorgt zu werden, obwohl diese ebenfalls arbeitet. "Viele junge Männer erwarten das heute vermutlich nicht mehr, aber es gibt eine Menge Inhalte, in denen Frauen von ihren hoffnungslosen Partnern erzählen. Ich verstehe, warum man so jemanden nicht daten möchte. Nicht alle Männer sind so – aber das lässt sich schwer zeigen, wenn man gar nicht erst die Chance bekommt, Frauen kennenzulernen."

Christian, ein 40-jähriger Physiotherapeut aus Surrey, der sich kürzlich scheiden ließ, stimmt zu. "Dating im Jahr 2026 fühlt sich an wie ein Drahtseilakt – ganz anders als vor 20 Jahren, als ich zuletzt Single war. Ich hinterfrage mein Verhalten ständig. Ich will respektvoll wirken, aber nicht langweilig; unterhaltsam sein, aber nicht einfältig; interessiert, aber nicht verzweifelt. Ich möchte eine feste Beziehung, ohne einengend zu wirken. Und ich muss zugleich zeigen, dass ich mit der Manosphere nichts zu tun habe."

(…) Noch nie, so der Eindruck vieler Gesprächspartner, sei es schwieriger gewesen, Single zu sein. Daten des Pew Research Center aus dem Jahr 2020 zeigen, dass die Mehrheit der Singles – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Wohnort – mit ihrem Liebesleben unzufrieden war. Männer nannten häufig Schwierigkeiten, überhaupt jemanden anzusprechen; Frauen berichteten eher, es sei schwer, jemanden zu finden, der den eigenen Erwartungen entsprach.

Neuere Untersuchungen der Manchester Metropolitan University zeigen zudem, dass das Singleleben für Frauen zunehmend positiv und selbstbestimmt dargestellt wird, während alleinstehende Männer sich von negativen Rollenbildern geprägt fühlen – entweder als sorglose Lebemänner oder als sozial isolierte "Incels".

Simon, 51, Datenanalyst aus den West Midlands, berichtet, er habe auf Dating-Apps wie Tinder nur selten Erfolg. "Wenn überhaupt eine Antwort kommt, verläuft das Gespräch ins Leere", sagt er. "Ich habe aufgehört, mich ständig zu fragen, was ich falsch mache. Es wirkt, als würden Männer in meinem Alter pauschal negativ gesehen – als wären wir alle sozial isolierte Kellerbewohner." Früher habe er lange Beziehungen gehabt, doch im digitalen Dating habe sich sein Glück "verflüchtigt". "Ich würde gern jemanden kennenlernen, habe aber keine Ahnung mehr, wie."

Der Psychologe Lee Chambers, Leiter der Organisation Male Allies UK, erklärt, insbesondere die Verlagerung ins Online-Dating habe die Partnersuche stärker zu einem transaktionalen Prozess gemacht. Viele junge Männer hätten das Gefühl, der Aufwand lohne sich nicht mehr.

Ein weiteres Problem sieht er in oft weniger tiefgehenden Freundschaften unter Männern, was Isolation begünstige und sich negativ auf romantische Beziehungen auswirken könne. Zunehmend beobachte er auch ein wachsendes Interesse an KI-Partnern.

(…) Die Dating-Coachin Hayley Quinn betont, dass Schwierigkeiten beim Kennenlernen nichts Neues seien, aber durch Internet und soziale Medien verstärkt würden. Gleichzeitig fördere die Manosphere ein Opferdenken bei Männern, das die Kluft weiter vertiefe.

Zugleich fühlten sich viele Männer sozial eingeschränkt. Eine Studie der University of Toronto aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sie Schwierigkeiten haben, die Erwartungen moderner Männlichkeit in Beziehungen zu erfüllen. Quinn berichtet von verbreiteter "Ansprechangst": Männer fürchten, als aufdringlich zu gelten oder negative Konsequenzen im sozialen Umfeld zu riskieren. Dadurch bleibe oft nur das Online-Dating – mit all seinen Schwierigkeiten.

George, 31, Koch aus Dorset, beschreibt Dating als politisch aufgeladen und verunsichernd. "Ich habe das Gefühl, ich muss mich schon im Vorfeld rechtfertigen – als würde ich für das Verhalten anderer Männer mitverantwortlich gemacht", sagt er. Unterschiedliche Ratschläge aus sozialen Medien verstärkten die Unsicherheit zusätzlich.

Selbst alltägliche Situationen seien kompliziert geworden: Eine Frau habe sich bei einem Date daran gestört, dass er die Getränke bezahlt habe. Auch Höflichkeit könne missverstanden werden. "Frühere Generationen fanden Dating aufregend – für mich fühlt es sich eher unerquicklich an", sagt er.

(…) Ein 18-jähriger Student berichtet, dass er und seine Freunde von ihren Eltern dazu angehalten wurden, bei Partys schriftliche Zustimmung per Nachricht einzuholen – aus Sorge vor möglichen Vorwürfen. "Ich verstehe den Gedanken dahinter", sagt er, "aber es nimmt auch etwas von der Spontaneität."


Also kurz: Frauen schrauben ihre Ansprüche immer höher, während Männer sich bemühen, durch jeden Reifen zu springen, den man ihnen hinhält. Oder aber, sie verweigern sich dem ungleichen Datingmarkt ganz. Dann gelten sie aber als frauenfeindlich und gefährlich.



4. Bis zum 7. Juni muss Deutschland die neue Entgelttransparenzrichtlinie der EU umsetzen. Ein zentrales Element dabei ist, dass Beschäftigte ein stärkeres Auskunftsrecht darüber erhalten, wie ihr eigenes Gehalt im Vergleich zu ähnlichen Stellen aussieht. Sinn der Sache: eine angebliche Gehaltsdiskriminierung von Frauen zu bekämpfen. "Die Zeit" hat den Arbeitsrechtler Adam Sagen dazu interviewt. Ein Auszug:

ZEIT: Sprechen wir mal über die Männer. Auch in Unternehmen mit Gender-Pay-Gap gibt es Männer, die schlechter bezahlt werden als andere Männer, obwohl sie das Gleiche leisten. Für die ist diese Richtlinie nicht gedacht. Kann es trotzdem sein, dass auch sie profitieren?

Sagan: Wenn der Mann feststellt, dass er innerhalb seiner männlichen Vergleichsgruppe zu den unteren zehn Prozent gehört, nützt ihm die Richtlinie gar nichts. Das macht nur schlechte Stimmung. Mit der Richtlinie kommt er nur weiter, wenn er eine Frau findet, die gleichwertige Arbeit macht und dafür besser bezahlt wird. Das kann sich aus einer Auskunft des Unternehmens ergeben, über die wir schon sprachen. Der Auskunftsanspruch gilt natürlich auch für Männer.

ZEIT: Diskriminierung zwischen den Geschlechtern ist also verboten, innerhalb der Geschlechtergruppe aber nicht? Ist das rechtlich nicht fragwürdig?

Sagan: Das europäische Arbeitsrecht gebietet nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Es wendet sich gegen Diskriminierungen wegen des Geschlechts, im Übrigen auch wegen der "Rasse", der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung.




5. In der Stuttgarter Zeitung berichtet Stefanie Unbehauen, wie nach einem eskalierenden Sorgerrechtsstreit der Kontakt zwischen Vater und Tochter abbrach und wie die beiden sich wiederfanden.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Mittwoch, April 15, 2026

Berliner Zeitung: "Medialer Männerhass: Wie Frauen und Männer gegeneinander ausgespielt werden"

1. In der Berliner Zeitung beschäftigt sich Annekatrin Mücke damit, wie Aktivistinnen den Fall Fernandes/Ulmen dazu nutzen, Hass gegen Männer zu schüren:

Denn, so ihre Schlussfolgerung, Männer seien das Problem, und Frauen ihnen ausgeliefert. Diese müssten deshalb nun zum Gegenschlag ausholen. Das klang dann auf einer Demo in Berlin bei Luisa "Klimaschutz" Neubauer so: "Ich glaube, sehr viele Männer da draußen haben noch längst nicht begriffen, was für ein unglaubliches Glück sie haben, dass wir einfach nur Gleichberechtigung wollen – und keine Vergeltung." Entschuldigung, aber wer ist "wir", und wie war das noch einmal mit Hass und Hetze?

Dieser vorläufige Höhepunkt männerfeindlicher Entgleisungen wird medial ausführlich begleitet und verstärkt, auch auf vorgeblich intellektuellem Wege. 2020 erschien in Frankreich ein Essay, der die zunehmend männerdiskriminierende Debatte in Westeuropa prägte: Pauline Harmanges "Ich hasse Männer". Das Buch, das beim Rowohlt Verlag erschien, versteht sich als Aufforderung zum Umdenken: Frauen sollten Männern prinzipiell misstrauen und ihnen grundsätzlich immer das Schlimmste unterstellen – ein angeblich emanzipatorischer Ansatz, um gegen geschlechtsspezifische Ungleichheiten anzugehen.

Harmange argumentiert, dass Misogynie (Frauenhass) und Misandrie (Männerhass) nicht mit gleichen Ellen gemessen werden könnten, weil frauenhassende Männer aus einer Position der Macht agierten – und ihr Hass sich grundsätzlich durch körperliche Gewalt äußere, während der von Frauen ausgehende Männerhass niemandem schade und den Frauen sogar guttue.

Nun, wer’s glaubt, sollte einen Blick in die Dunkelfeldstudie des BKA vom Februar 2026 werfen, die erste ihrer Art hierzulande, die Männer als Gewaltopfer überhaupt systematisch einbezieht. Die Ergebnisse dürften für manche unbequem sein. Häusliche Gewalt ist kein Problem, das sich sauber entlang von Geschlechtergrenzen aufteilen lässt. Dass das Gewalthilfegesetz Anfang 2025 trotzdem in einer neuen, geschlechtsdiskriminierenden Fassung verabschiedet wurde – kurz vor der Neuwahl, weitgehend unbemerkt –, sagt viel über die politische Ökonomie des Themas aus.

Demnach haben neuerdings nämlich nur Frauen und Kinder einen Anspruch auf Rechtshilfe. Wer Schutz für alle fordert, gilt als Verharmloser. Wer Männer als Opfer benennt, gilt als Antifeminist. Das Ergebnis: Ein Gesetz, das vor dem Grundgesetz kaum Bestand haben dürfte, denn es verstößt klar gegen Artikel 3, der die Gleichheit der Geschlechter garantiert.

Der Schritt von "Ich kritisiere patriarchale Strukturen" hin zu "Alle Männer sind das Problem" löst kein einziges Problem, denn Hass, der sich als Gegenhass rechtfertigt, bleibt Hass. Und er produziert keine Lösungen, sondern wirkliche Opfer – und zwar auf allen Seiten.


Im weiteren Verlauf ihres Artikels fragt Annekatrin Mücke, warum Ideologinnen Väter, die sich gerne um ihre Kinder kümmern möchten, zu Feindbildern erklären:

Die Verdächtigung des Vereins Väteraufbruch für Kinder, rechte, frauenfeindliche Ideologien zu vertreten, ist nur ein Beispiel dafür. Dabei wenden sich auch Mütter dorthin und werden genauso beraten wie Väter, denen der Zugang zu ihren Kindern vom anderen Elternteil erschwert wird.

Die Materie ist kompliziert, natürlich gibt es Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung. Und es ist für Jugendämter und Familiengerichte nicht einfach, einen objektiven Einblick in hochemotionale familiäre Verstrickungen zu bekommen. Doch woher kommt diese explizit väterfeindliche Haltung, vermischt mit der Unterstellung, Teil rechtsextremer und frauenverachtender Netzwerke zu sein?

2023 veröffentlichte das Recherchezentrum Correctiv einen Artikel über "Väterrechtler", der in diese Richtung ging. Report Mainz zog nach. 2025 folgte ein Podcast von SWR und Deutschlandfunk, der eine direkte Linie von Väterrechtsbewegungen bis hin zu Pädophilen zog – und dabei einen Verein wie den Väteraufbruch für Kinder pauschal in diese Nähe rückte.

Journalistisch ist das ein bemerkenswerter Vorgang. Kontaktschuld als Methode: Weil es rechte Netzwerke gibt, die das Thema Väterrechte instrumentalisieren, sollen alle, die sich für das Kontaktrecht von Kindern zu ihren Vätern einsetzen, unter Generalverdacht stehen. Das wäre so, als würde man Kinderschutzorganisationen pauschal verdächtigen, weil Pädophile ebenfalls ein Interesse an Kindern haben.

(…) Statt sachlich über die wirklich vielfältigen Aspekte zu diskutieren, werden ideologische Keulen geschwungen, Verdächtigungen auf der Basis von Kontaktschuld ausgesprochen und fragwürdige Assoziationsketten aufgefädelt.

Genau diese Methode beschreibt auch der MANNdat e.V. in einem Leserbrief an die FAZ vom Januar 2026. Der Autor erkennt in der Berichterstattung ein systematisches, misandrisches Herangehen und kritisiert eine "konsequente Ausblendung männlicher Realitäten zugunsten eines ideologischen Feminismus". Bezeichnend ist für ihn ein Ukraine-Artikel: Während dort täglich Hunderte Männer auf dem Schlachtfeld sterben oder verstümmelt werden, interessiert sich die Redaktion für das Thema "Posttraumatisches Belastungssyndrom" (PTBS) nur in Bezug auf Frauen. Männer als Leidende kommen schlicht nicht vor.


Annekatrin Mücke gelangt zu dem Fazit, dass ausgerechnet viele Feministinnen hier eine Linie fahren, gegen die sie eigentlich einmal antreten wollten: die sexistische und diskriminierende Gleichsetzung eines Einzelnen mit einer Gruppe, die er angeblich repräsentiert. Zu einer besseren Gesellschaft führe das nicht.



2. Brandbeschleuniger bei der aktuellen Brunst an Männerhass spielte auch eine Titelgeschichte des SPIEGEL über Vorwürfe gegen Christian Ulmen. In einem Artikel von vor zwei Wochen, der jetzt erst auch für Nicht-Abonnenten zugänglich ist, zerpflückt das Online-Magazin "Übermedien" die irreführende Berichterstattung des Magazins:

Collien Fernandes präzisiert, es gehe bei den Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen nicht um KI-generierte "Deepfakes". Dabei wirkte bisher alles so. Was vor allem daran liegt, wie der "Spiegel" Fernandes‘ persönliche Geschichte erzählt hat. Ungenaues Framing aber schadet der notwendigen Diskussion über digitale Gewalt und tatsächliche Deepfakes.


Hier geht es weiter.



3. Natürlich ist der von Leitmedien geschürte Hass gegen Männer ein internationales Problem. Der Schauspieler Christopher Eccleston ("Dr. Who") kritisiert, dass woke TV-Bosse weiße Männer mittleren Alters zu "toxischen Schurken" machen:

"Mit dem Niedergang einer ausgeprägten Autorenkultur hin zu einem Schreiben, das mitunter an Arbeit im Komitee erinnert, habe ich Geschichten darüber gehört, welcheidiotischen – und bisweilen geradezu gehässigen – Annahmen heute über die Intelligenz des Publikums kursieren. Viele in der Fernsehbranche halten ihr Publikum für dumm."

Zugleich sagte Eccleston: "Männlichkeit steckt in einer Krise, und es sind offenbar besonders weiße Jungen aus der Arbeiterklasse, die vernachlässigt werden – von Regierungen im Stich gelassen und von der extremen Rechten vereinnahmt. Als jemand, der selbst aus der weißen Arbeiterklasse stammt, versuche ich, wenn möglich, einige dieser Aspekte aufzugreifen. Männlichkeit sollte nicht davon abhängen, dass jemand andere Menschen unterdrückt."




4. Das Wall Street Journal beschäftigt sich mit einer Reihe von TV-Serien, die Männer als von der Welt überfordert darstellen: "Die neuen Regeln für männliches Verhalten treiben diese Fernsehmänner offenbar in den Wahnsinn. Vielen Männern im wirklichen Leben scheint es nicht viel besser zu gehen."



5. Einer aktuellen Schlagzeile der "Zeit" gelingt es, noch weiter zuzuspitzen: "Die Männer sind das Problem der Demokratie".



6. Die Kyiv Post berichtet über das Spitzentreffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj:

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Berlin werde die Zahl der ukrainischen Männer, die Asyl beantragen, begrenzen und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag, dem 14. April, sagte Merz, Berlin werde in dieser Frage eng mit Kiew zusammenarbeiten.

"Wir werden [mit der Ukraine] eng in Fragen zusammenarbeiten, die ukrainische Staatsbürger betreffen, die in unserem Land Asyl beantragt haben, und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern", sagte er.

Merz fügte hinzu, dass Berlin und Kiew bei der Begrenzung der Zahl ukrainischer Männer, die in Deutschland Asyl suchen, zusammenarbeiten würden.

"Es ist äußerst wichtig, dass diese Männer vor Ort sind und ihrem Land helfen", fügte er hinzu.

Selenskyj sagte, die ukrainischen und deutschen Behörden sollten sich mit dem Problem der Männer befassen, die die Ukraine illegal verlassen.

"Was junge Menschen im Ausland angeht, so ist das etwas anderes. Ich stimme Ihnen zu, was diejenigen im wehrpflichtigen Alter betrifft, die vorübergehend ins Ausland gegangen sind, aber schließlich jahrelang geblieben sind, sowie diejenigen, die unter Verstoß gegen das Gesetz ausgereist sind – unsere zuständigen Behörden in beiden Ländern sollten sich mit diesem Thema befassen", sagte Selenskyj.

Er fügte hinzu, dass die Streitkräfte der Ukraine (AFU) die Rückkehr dieser Männer begrüßen würden, da Soldaten eine Rotation benötigen.

"Unsere AFU möchte, dass sie zurückkehren, weil es um Gerechtigkeit geht. Unsere Leute an der Front brauchen Ablösung. Auch wenn unsere Soldaten aus Eisen sind, haben sie Familien. Jeder Bürger muss Verantwortung übernehmen", sagte er.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, April 14, 2026

Hübsche Studentinnen erhielten bessere Noten, bis die Kurse online gingen

1. Ein aktueller Beitrag weist auf eine Untersuchung hin, der zufolge attraktive Studentinnen in Präsenzveranstaltungen bessere Noten erhalten. Dieser Vorteil verschwindet jedoch im Online-Unterricht.

(Die Website, die darüber berichtet, ist momentan nicht direkt aufrufbar, aber mit etwas Getrickse kommt man an ihren Text. Ich hatte den Blogbeitrag dazu wegen sich überschlagender Meldungen über den explodierenden Männerhass in den letzten Wochen immer wieder verschoben; jetzt zitiere ich ihn trotz der gerade fehlenden Verlinkbarkeit: Die Studie, auf die sich der Beitrag bezieht, ist problemlos zugänglich.)

Eine im Fachmagazin "Economics Letters" veröffentlichte Studie hat bestätigt, was viele Studierende über Jahre hinweg wohl insgeheim vermutet haben: Die körperliche Attraktivität beeinflusst die Noten, die Studierende an Universitäten erhalten.

Doch hier wird es besonders interessant.

Als der Unterricht während der COVID-19-Pandemie ins Digitale verlagert wurde, sanken die Noten attraktiver Studentinnen in nicht-quantitativen Fächern. Bei männlichen Studierenden hingegen blieb der sogenannte "Schönheitsbonus" auch nach dem Wechsel zum Online-Unterricht bestehen.

Diese einzelne Beobachtung wiegt schwer.

Sie legt nahe, dass der Notenvorteil attraktiver Studentinnen nicht verdient, sondern gewährt war – und in dem Moment verschwand, als ein Bildschirm den direkten Kontakt im Hörsaal ersetzte.

Die Studie wurde von Adrian Mehic, einem Doktoranden an der Universität Lund in Schweden, durchgeführt und im August 2022 veröffentlicht.

Die Pandemie schuf – bei all ihren verheerenden Folgen – unbeabsichtigt die Voraussetzungen für ein aufschlussreiches natürliches Experiment. Es brachte eine stille und unbequeme Wahrheit ans Licht: Attraktivität beeinflusst Ergebnisse auch dort, wo wir dies selten hinterfragen – im Klassenzimmer.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Mehic nutzte die durch COVID-19 verursachten Umbrüche im Hochschulbetrieb gezielt als natürliches Experiment.

Er griff auf Daten aus fünf Kohorten von Ingenieurstudierenden an einer schwedischen Universität zurück, mit einer Stichprobe von insgesamt 307 Personen. Zwei dieser Kohorten hatten einen Teil ihres Unterrichts im Online-Format absolviert.

Die Inhalte der Lehrveranstaltungen blieben unverändert. Lediglich die Vermittlungsform änderte sich.

Obwohl die Studierenden ermutigt wurden, ihre Kameras einzuschalten, bestand dazu keine Verpflichtung.

Um die Attraktivität der Studierenden zu messen, ließ Mehic deren Gesichter von einer unabhängigen Gruppe aus 74 Personen bewerten.

Das ist ein entscheidender Punkt.

Da die Kameranutzung freiwillig war, konnten Lehrende ihre Studierenden im Online-Unterricht häufig gar nicht sehen.

Damit war die Verbindung zwischen äußerem Erscheinungsbild und Wahrnehmung durch die Lehrperson für viele vollständig aufgehoben.

Ein etwaiger Attraktivitätsvorteil, der unter diesen Bedingungen bestehen blieb, musste also auf Fähigkeiten, Persönlichkeit oder Arbeitsweise beruhen – nicht auf dem Aussehen.

Zudem unterschied die Studie zwischen zwei Kursarten: quantitativen Fächern wie Mathematik und Physik, deren Bewertung weitgehend auf objektiven Prüfungen beruht, und nicht-quantitativen Fächern wie Wirtschaft oder Betriebswirtschaft, in denen Präsentationen, Hausarbeiten und Interaktion eine größere Rolle spielen.

Diese Unterscheidung erwies sich als zentral für das Verständnis der Ergebnisse.

Zentrale Ergebnisse

Im Präsenzunterricht erhielten attraktive Studierende in nicht-quantitativen Fächern bessere Noten – und zwar sowohl Männer als auch Frauen.

Das deckt sich mit früheren Annahmen der Forschung.

Frühere Studien aus Italien hatten bereits gezeigt, dass attraktivere Studierende häufiger kreditrelevante Kurse belegen und bessere Abschlussnoten erzielen.

Die schwedische Untersuchung ging jedoch einen Schritt weiter und isolierte die Ursachen dieses Effekts.

Bei Männern blieb der Attraktivitätsvorteil auch im Online-Unterricht bestehen. Bei Frauen verschwand er.

Das ist keine statistische Randerscheinung.

Attraktive männliche Studierende schnitten weiterhin besser ab, selbst wenn ihre Lehrenden sie nicht sehen konnten. Ihr Vorteil scheint also mit Eigenschaften wie Selbstvertrauen, sozialer Kompetenz oder Einfluss im sozialen Umfeld zusammenzuhängen.

Attraktive Studentinnen hingegen verloren ihren Notenvorteil in dem Moment, in dem ihre Sichtbarkeit entfiel.

Das deutet darauf hin, dass ihre besseren Noten im Präsenzunterricht zumindest teilweise durch andere Faktoren als Leistung beeinflusst waren.

Was wir über Noten annehmen – und was tatsächlich passiert

Viele gehen davon aus, dass Noten objektiv sind: dass ein guter Aufsatz wegen seiner Qualität gut bewertet wird, dass eine überzeugende Präsentation aufgrund ihres Inhalts überzeugt.

Die Daten zeichnen ein komplexeres Bild.

Die Forschung diskutiert zwei Erklärungen für den Attraktivitätseffekt: Erstens mögliche Bevorzugung attraktiver Personen durch Lehrende oder Arbeitgeber – bewusst oder unbewusst. Zweitens die Annahme, dass Attraktivität mit Eigenschaften einhergeht, die Leistung fördern, etwa Selbstsicherheit oder soziale Gewandtheit.

Mehics Studie wurde genau zu dem Zweck konzipiert, diese beiden Erklärungen auseinanderzuhalten – und liefert für Studentinnen eine klare Tendenz.

Auch andere Untersuchungen zeigen ein ähnliches Muster: Attraktive Dozentinnen erhalten im Präsenzunterricht bessere Bewertungen, während dieser Zusammenhang im Online-Format verschwindet.

Das Muster ist konsistent: Sichtbarkeit verstärkt den Vorteil – ihr Wegfall beseitigt ihn.

(…) Langzeitstudien zeigen zudem, dass dieser Effekt selbst dann bestehen bleibt, wenn Intelligenz, Persönlichkeit und familiärer Hintergrund einbezogen werden.

Über ein gesamtes Berufsleben hinweg summiert sich dieser Unterschied zu erheblichen finanziellen Ungleichheiten.

Die Weichen dafür werden offenbar bereits im Bildungssystem gestellt.

Wenn Noten nicht nur Wissen widerspiegeln, sondern auch äußere Erscheinung, hat das langfristige Folgen – für Studienchancen, Bewerbungen und Gehaltsverhandlungen.

Geschlechterunterschiede beim Attraktivitätseffekt

Besonders aufschlussreich ist, dass der Effekt bei Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert.

Bei Männern scheint er vor allem mit inneren Eigenschaften verbunden zu sein. Attraktivere männliche Studierende zeigen laut Mehic mehr Durchhaltevermögen, stärkeren Einfluss auf Gleichaltrige und ausgeprägtere soziale Kompetenzen – Fähigkeiten, die sich gerade in weniger formalisierten Prüfungsformaten auszahlen.

Bei Frauen hingegen ergibt sich ein anderes Bild: Ihr Vorteil im Präsenzunterricht ließ sich nicht auf messbare Leistungsunterschiede zurückführen. Er war vorhanden, solange sie gesehen wurden – und verschwand, sobald dies nicht mehr der Fall war.

Was das "COVID-Experiment" sichtbar gemacht hat

Die Pandemie veränderte den Alltag in vielerlei Hinsicht.

Sie ermöglichte jedoch auch einen seltenen Vorher-Nachher-Vergleich: Was geschieht, wenn man das äußere Erscheinungsbild aus einer Bewertungssituation entfernt?

Das Ergebnis war eindeutig.

Attraktive Studentinnen, die im Präsenzunterricht bessere Noten erhalten hatten, verloren diesen Vorteil im Online-Format unmittelbar.

Alles andere blieb gleich:

die Inhalte,

die Lehrkräfte,

die Studierenden selbst.

Einzig die Sichtbarkeit änderte sich – und das genügte, um den Unterschied zu beseitigen.




2. Der NDR bespricht eine Aufführung der Oper "Herzog Blaubarts Burg". Diese zeige "das Patriarchat in seiner Erbärmlichkeit":

Dieser Blaubart steht für männliche Gewalt, die sich durch die Geschichte zieht. Das ist bis zur Pause so schlüssig und musikalisch so brillant erzählt, dass man staunt. Es ist Musiktheater, das hautnah im Heute ankommt. Und klarmacht, dass Morde an Frauen, Vergewaltigung, digitale Gewalt immer noch an der Tagesordnung sind. Eine Geschichte, die ihre Blutspur durch die Jahrhunderte zieht bis heute. Das ist erschütternd, aufwühlend, gerade jetzt.




3. In den USA sollen künftig alle wehrpflichtigen Männer automatisch für den Militärdienst registriert werden.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Montag, April 13, 2026

Sexismus-Debatte: Darf man manche Bücher von Frauen schlecht finden?

1. Der Literaturkritiker Denis Scheck steht nach der aktuellen Ausgabe seiner ARD-Sendung unter Beschuss:

Dieser hatte im Rahmen der Sendung zuletzt Bücher von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy mit deftigen Worten kritisiert und sie dann schließlich in der Rubrik "Top Ten" in eine Mülltonne befördert. Das rief Heidenreich auf den Plan, die die Absetzung der Sendung forderte. Auch von Kürthy meldete sich zu Wort, beide warfen Scheck Frauenfeindlichkeit vor.

Dagegen wehrt sich nun die ARD. "In der Sendung 'Druckfrisch' gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst", teilte der öffentlich-rechtliche Sender der Nachrichtenagentur dpa mit. Gleichzeitig weist die ARD die Darstellung zurück, in der Sendung würden Frauen systematisch schlecht gemacht. Das Geschlecht der Autorinnen und Autoren spiele in der literarischen Beurteilung keine Rolle, heißt es.

Und weiter: "Rückblickend stellt die Redaktion fest, dass der Moderator bei der Liste der behandelten Bücher mehr Autorinnen gelobt als kritisiert hat. Die ARD steht für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven im Programm." Denis Scheck selbst erklärt gegenüber der dpa, dass er sich seit 23 Jahre bemühe, bei der Besprechung der Bestsellerlisten "auf engstem Raum eine ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte" zu liefern. Seine Besprechungen würden "den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern" gelten.

Auch Scheck verweist darauf, dass er in der März-Ausgabe der Sendung vier Büchern von Frauen "teilweise enthusiastisch gelobt" habe - drei seien negativ besprochen worden. Zum Buch von Sophie Passmann sagte Scheck: "Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins". Und das Werk von von Kürthy beschrieb er als "Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit." Während Passmann von einem "sexistischen Verriss" sprach, erklärte Ildikó von Kürthy, sie wolle einen solche "Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen" nicht mehr kommentarlos hinnehmen.


"Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins" ist aber auch wirklich fies gegenüber Sophie Passmann. Die Frau hat mehrere Bestseller veröffentlicht – das wäre wohl kaum der Fall, wenn ihre Veröffentlichungen nicht tiefschürfend, politisch relevant und wegweisend wären. Das ist doch im Leben nicht alles geistloses Geschnatter! Mal schauen, was ist denn Passmanns aktuellster Beitrag auf Youtube?

"Mein Parfum ist zu billig für München und es stresst mich."

Oh.

Okay.

Erbost über die fehlende Zerknirschtheit und Unterwürfigkeit Denis Schecks fordert Elke Heidenreich jetzt seinen Rauswurf:

"Die Reaktion der ARD greift zu kurz", sagte Heidenreich dem Boulevardportal "Express.de". "Leider" habe auch ihr Text in der "Zeit" aus Platzgründen sehr gekürzt werden müssen: "Es ging mir nicht nur um die Scheck’sche Frauenverachtung, die ist bekannt. Es geht um die ganze Verächtlichmachung von Literatur, die diesem Mann, der noch nie ein kluges Buch, noch nicht einen einzigen Essay, nichts, was ihn qualifizieren würde, geschrieben hat, nicht gefällt. Bestseller sind meistverkaufte Bücher. Es sind Menschen, die diese Bücher kaufen, brauchen, lesen, lieben. Das alles donnert ein Mann, der nicht mal Hochdeutsch sprechen kann, verächtlich in die Tonne, ob von Männern oder Frauen geschrieben. Seine Kriterien sind fragwürdig, er ist aufgebläht, eitel und durch nichts qualifiziert."

"Damit", so zitiert Express.de Heidenreich, "muss Schluss sein. Wir brauchen Bücher und Leser, nicht solche kleinen Miesmacher. Wie schon mal durchgesagt: ‚Der kleine Denis möchte endlich aus dem Kritikerparadies abgeholt werden.‘"


~ Ich wundere mich wirklich, warum man solche sachlichen Analysen, die nie persönlich werden, nicht ganz für voll nimmt. ~

Die Auffassung, ein Literaturkritiker, der selbst noch kein Buch veröffentlicht habe, sei nicht ernst zu nehmen, ist als Schutzmechanismus bei vergrätzten AutorInnen nicht selten. Tatsächlich aber muss man keine Eier legen können, um ein faules zu erkennen. Denis Scheck macht eine kulturelle Sendung, er macht sie gut, und die Art der Attacken, die er für seine Kritik erhält, gibt ihm Recht.



2. "Mein Mitgefühl für Hetero-Männer hält sich in Grenzen" erklärt der schwule Autor Ole Liebl. Ach guck, aber als Verbündete im Kampf gegen Homophobie wurden wir noch gebraucht. "Die Welt" fragt nach:

WELT: Halten Sie diese leicht arrogante "grow up"-Haltung wirklich für erfolgsversprechend, um junge Männer von der Radikalisierung abzuhalten?

Liebl: Man muss ein wenig aufpassen, nicht in diese maskulinistische Haltung zu verfallen, bei der man Männer zwingt, endlich ihre Gefühle zu fühlen. Das wäre auch kein emanzipatorischer Gewinn. Aber Gleichberechtigung heißt, als Mann Privilegien zu verlieren. Das tut weh. Feministische Kritik ist eine Zumutung.

(..) WELT: Die Autorin Eva Ladipo hat kürzlich das Buch "Not am Mann" veröffentlicht, in dem sie den Mann als sozial gedemütigt beschreibt, der unbedingt eine wohlwollende Hand gereicht bekommen müsste. Der Mann sei im Begriff, materiell und kulturell immer weiter abzusteigen. Haben Progressive zu wenig über die materiellen Nöte von Männern gesprochen, die vor allem bei Bildung den Anschluss zu verlieren scheinen?

Liebl: Ja. Lange Zeit wurde sich zu sehr auf identitätspolitische Aspekte konzentriert. Diese Kulturkämpfe bringen niemanden voran. Ich habe jedoch das Gefühl, dass es in den vergangenen Jahren wieder eine stärkere Rückbesinnung auf Verteilungsfragen gibt.

WELT: Dennoch würde ich behaupten, der durchschnittliche Hetero-Mann wird im öffentlichen Kulturbetrieb kaum repräsentiert. Verlage scheinen Männer als Zielgruppe komplett abgeschrieben zu haben. Auch Sie geben unumwunden zu, Ihr Buch für Frauen geschrieben zu haben.

Liebl: Feministische Literatur ist eben keine Männerdomäne. Aber sorry, wir leben eben im Kapitalismus und deshalb richten sich Verlage nach den Konsumenten. Und Frauen lesen und kaufen eben mehr Bücher – wie man gerade am Young Adult-Genre sieht. Da würde ich mich als Verlag auch an Frauen richten. Wenn Männer wollen, dass mehr Männerthemen verlegt werden, dann müssen sie auch Bücher kaufen.


Letzteres stimmt zweifellos. Trotzdem frage ich mich: Warum ist die FDP eigentlich mausetot, nachdem die Ideologie, der Markt habe immer Recht, von Elke Heidenreich bis Ole Liebl reicht?



3. Ein weiterer queerer Autor, Meik Gudermann, hat ebenfalls ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel "Menners"; die Frankfurter Allgemeine hat ihn dazu interviewt. Ein Auszug aus seinen Antworten:

"Männer werden von klein auf so erzogen, dass sie sich überlegen fühlen. Damit will ich keine Schuld auf einzelne Eltern schieben. Es ist immer das komplette Umfeld, das Menschen prägt, und wir leben nun mal alle in dieser frauenfeindlichen Gesellschaft. Ich sehe das bei vielen Freundinnen von mir: Auch wenn man sein Kind mit tollen Werten erzieht, kann man nicht verhindern, dass die Gesellschaft Männern bestimmte Verhaltensweisen mitgibt.

(…) Das Problem ist, dass Männer dafür Privilegien abgeben müssen. (…9 Allein schon, wenn man sich die Aussichten auf eine Führungsposition ansieht: Frauen sind in der Regel besser qualifiziert. Aber viele Männer, die in Führungspositionen sind, ziehen andere Männer nach. Viele Männer wollen nicht akzeptieren, wie privilegiert sie sind und wie Frauen immer noch diskriminiert werden.

(…) Mir wird auch oft vorgeworfen, ich sei zu hart, zu dreist und ich müsste das alles viel netter verpacken und freundlicher sein. Aber die ganzen Rechte, die Frauen und auch queere Menschen heute haben, sind ja nicht erbeten, sondern hart erkämpft worden. Dazu muss man auch laut sein und klare Kante zeigen."


Laut sein und klare Kante zeigen: Danke für den Tipp, wir werden uns danach richten.



4. Unter der Schlagzeile "Für sie wäre die Welt eine bessere, wenn jede Frau mit 18 einem Mann zugeteilt wird" hat "Die Welt" ein Interview mit der norwegischen Sozialpsychologin Annvor Seim Vestrheim über Incels veröffentlicht:

"Es ist eine noch recht junge Community, die meisten sind noch keine 25 Jahre alt. Ich habe in einem anonymen, englischsprachigen Forum recherchiert, dessen Mitglieder nach eigenen Angaben aus Kanada, Schweden, Finnland, Frankreich und den USA stammen."


Im Ernst? Du hast die Beiträge EINES Forums gelesen und nennst dich deswegen jetzt Expertin für Incels?

"Sie basiert auf Ideen und Vorstellungen, die man in der sogenannten Manosphere findet, in den Blogs der Männerbewegung. Dabei übernimmt sie das Konzept der 'roten Pille'. Diese Metapher, die aus 'Matrix' stammt, beschreibt das wachsende Gefühl einer Unterdrückung, der die Männer innerhalb der Gesellschaft ausgesetzt sind. (…) Sicherlich, wenn man das mit anderen Extremistengruppen vergleicht, so werden nur wenige Incels zu den Waffen greifen. Es gibt jedoch zahlreiche Foren – offene oder geschlossene –, in denen die Ideologie und der Diskurs konstruiert und verbreitet werden. Auch wenn das am Ende nicht zu einem Massenmord führt, so werden dadurch die Überzeugungen von echten Menschen in der Gesellschaft beeinflusst. Und genau darin liegt meiner Ansicht nach die Gefahr."


Ja, das glaube ich auch, dass du es als gefährlich empfindest, wenn immer mehr Menschen ein Weltbild teilen, das nicht deines ist. Interessant ist aber, wie viele gerade auch konservative Medien das ständige Getrommel gegen die "Manosphäre" unterstützen.

Ich frage mal eine KI danach, wie viele Incels tatsächlich eine staatliche Zuordnung von Frauen an Männer fordern. Bemerkenswert: Die KI nennt sofort Vestreim als diejenige Person, die diese Forderung verbreitet. Weiter führt sie aus:

Größere wissenschaftliche Surveys (z. B. eine 2024er-Studie mit 561 Incels aus UK/USA) zeigen, dass die Community in Ideologie, Mental Health und Gewaltbereitschaft heterogen ist. Extreme Staatslösungen wie Zwangszuweisung sind kein Konsens, sondern eher ein Rand- bzw. Fantasie-Thema unter den Radikalsten. Die Idee zirkuliert in der Szene und wird von Vestrheim als charakteristisch für einen Teil der radikalen Incels genannt – aber weder sie noch andere Forscher liefern eine konkrete Zahl. Es handelt sich um eine Minderheitenposition innerhalb einer ohnehin kleinen Subkultur. Eine echte Mehrheit aller selbsternannten Incels würde vermutlich nicht aktiv für eine solche Dystopie stimmen, sondern eher frustriert über mangelnde Chancen klagen.


Der "Welt" war dieser Blödsinn für einen reißerischen Artikel immerhin gerade recht.



5. Die Schweiz setzt eine neue Website zur Bekämpfung der Manosphäre ein:

"Eltern und Fachpersonen fühlen sich weitgehend alleingelassen", sagt Markus Theunert (53), Psychologe und Autor, zu Blick. Mit der neuen Informationsseite manosphere.ch bietet er Orientierung – und ein Lexikon für die Manosphere. Die Plattform wird von staatlicher Seite unterstützt – unter anderem vom Bund. Das zeigt, wie ernst die Behörden das Phänomen inzwischen nehmen und dagegen vorgehen.


Mal schauen, was die Website über Männerrechtler sagt – warum genau sind wir dem Schweizer Staat derart ein Dorn im Auge, dass er unsere Bekämpfung mit Steuergeldern unterstützt?

Men’s Rights Activists (MRA) – im Deutschen ist die Kurzform Männerrechtler oder der Begriff Maskulinisten gebräuchlicher – bilden eine mehr oder weniger lose organisierte Gemeinschaft, die verbunden ist durch den Glauben, dass Männer durch den Feminismus benachteiligt werden. Sie vertreten die Auffassung, dass eine maskulinistische Gegenbewegung notwendig sei: In einer moderaten Perspektive, um "echte" Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu erreichen – in einer radikalen Perspektive, um die patriarchale Geschlechterordnung wiederherzustellen. Die Denkfigur "echter" Gleichstellung löst das Individuum aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang und tut so, als habe (Geschlechter-)Gerechtigkeit keine strukturelle Dimension (und beispielsweise die familiäre Arbeitsteilung keinen Zusammenhang mit strukturellen Faktoren wie Lohnungleichheit oder Stereotypen bei der Berufswahl). So verschleiert der Ruf nach "Gleichberechtigung" das Begehren, strukturelle Privilegien von Männern zu bewahren. Werden ihnen diese verwehrt, sehen sich Männerrechtler als Opfer des "Staatsfeminismus".

Männerrechtler versuchen häufig, ihre Argumente statistisch zu untermauern und wissenschaftlich zu rahmen. Ein roter Faden sind Themen rund um Gesundheit, Verletzlichkeit und Opferschutz. Tatsächlich bestehende Probleme (beispielsweise die höhere Suizidrate oder die Gewaltbetroffenheit von Männern im öffentlichen Raum) werden dabei aus dem soziohistorischen Zusammenhang gerissen. Selektiv ausgewählte "Gleichstellungsdefizite bei Jungen/Vätern/Männern werden propagandistisch als ‘Köder’" genutzt. Auch Männerrechtler behaupten, dass die Gesellschaft "gynozentrisch" organisiert sei und Männern unverhältnismässig hohe finanzielle und emotionale Lasten aufbürde.


Gut, dass diese Debatte damit endlich geklärt ist Dann kann ich das Bloggen ja jetzt einstellen.



6. Im Schweizer Tages-Anzeiger richtet Christoph Gosteli, ein "Gewalt- und Männerberater" (was für eine Eigenbezeichnung!) Forderungen, wie sie sich verhalten sollen. "Bleibt von der Manosphäre weg" ist verwunderlicherweise nicht dabei. Ein Auszug aus seinem Wunschzettel:

"Als Mann lebst du in einer Art Happyland", sagt Gosteli. "Da gibt es einfach Situationen, bei denen man sich nicht vorstellen kann, wie sie für Frauen oder auch queere Personen sind." Etwa die Platzsuche im Zug: Eine Frau scanne viel stärker, wo sie sich hinsetzen könne und wo nicht. Sie habe ein anderes Risikobewusstsein.

"Wenn ich als Mann unterwegs bin, werde ich als potenzielle Gefahr gelesen, aufgrund meines Geschlechts und dessen, wie ich aussehe." Das anzuerkennen, tue vielleicht ein bisschen weh, sagt Gosteli. "Aber damit muss ich fertigwerden, weil mein Gegenüber gute Gründe hat."


Als Mann gelte ich wegen sexistischer Vorurteile als Gefahr und lebe in einem "Happyland". Alles klar. Danach kann es doch nur besser werden? Immerhin zitiert der Tages-Anzeiger jetzt eine höherwertige Frau, die Sozialpsychologin Tabea Hässler:

Viele Männer reagieren defensiv, wenn Fälle von sexualisierter Gewalt thematisiert werden. Sie schweigen oder erklären, dass sie selbst ja nicht so seien. (…) Letztlich deute der Abwehrreflex wohl darauf hin: Es hat eben doch mit mir zu tun.


Natürlich. Wenn Schwarze sich dagegen verteidigen, von Rassisten pauschal als Kriminelle hingestellt zu werden, ist dieser "Abwehrreflex" ja auch vielsagend. Lieber Himmel, hört ihr euch eigentlich selbst manchmal zu?

Wenn sich Männer aktuell unter Generalverdacht gestellt fühlten, sei die Frage doch eher: Was können Männer tun, damit sich dieser Verdacht irgendwann auflöst? Dazu müsse man bei sich selbst ehrlich hinschauen. "Was habe ich mir schon für Sachen reingezogen im Internet? Wie habe ich mich schon gegenüber Frauen verhalten?" Eine gewisse Scham gehöre dazu. "Dann fühle ich mich als Mann vielleicht auch ein bisschen grusig. Da muss ich durch."


Ich erspare es mir hier, den Vergleich mit rassistischen Pauschalisierungen weiterzuführen; zumal er offensichtlich ist.



7. Der SPIEGEL beschäftigt sich damit, wie der Feminismus Frauen bevormundet:

Stellen Sie sich vor, eine Freundin sagt: "Ich bin glücklich." Und Sie antworten: "Das bildest du dir ein. Du hast dein Unglück einfach so sehr verinnerlicht, dass du es gar nicht mehr bemerkst." Eine solche Replik wäre nicht bloß unhöflich, sie wäre anmaßend. Sie spräche Ihrer Freundin die Fähigkeit ab, ihr eigenes Leben selbst beurteilen zu können.

Doch genau dieses Muster begegnet einem heute erstaunlich oft im öffentlichen Diskurs über Frauen. Eine der prägendsten Überzeugungen unserer Zeit lautet schließlich, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt seien – und zwar sogar dann, wenn sie selbst ihre Berufs- und Lebensentscheidungen ausdrücklich anders deuten. Wer Teilzeit arbeitet, einen sozialen Beruf ausübt, auf eine Führungsposition verzichtet oder Familie anders gewichtet als Karriere, gilt schnell als Opfer von Verhältnissen, die sie selbst nicht durchschaut.


Hier geht es weiter.



8. Zuletzt: Eine angebliche Vergewaltigung in Regensburg hat es nie gegeben.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, April 10, 2026

Studie: Frauen mit Partner berichten über höhere sexuelle Zufriedenheit als Männer

Nach all den Meldungen über männerfeindlichen Krawall in den letzten Wochen möchte ich heute gerne wieder den Blick auf das Neueste aus der wissenschaftlichen Forschung über Frauen und Männer richten.



1. Während Feministinnen öffentlich fragen, wozu es überhaupt noch Männer braucht, und so tun, als ob von Männern vor allem sexuelle Gewalt und Unterdrückung ausgehe, sorgt eine neue Studie für einen Blick, der näher an der Wirklichkeit ist: In festen Beziehungen gaben Frauen im Schnitt eine höhere sexuelle Zufriedenheit an als Männer. Grundlage der Studie waren rund 11.800 Personen aus 29 Befragungsstudien zu ihrer allgemeinen sexuellen Zufriedenheit sowie rund 1.800 Personen aus 8 Tagebuchstudien mit insgesamt über 18.000 Einträgen zu konkreten sexuellen Erlebnissen im Alltag. Der Unterschied ließ sich nicht dadurch erklären, dass Frauen öfter Sex hatten oder stärker die Freude des Partners mitbewerteten.



2. Eine weitere aktuelle Studie zeigt, dass Menschen die Gefahren von systematischer psychischer Kontrolle und Isolation in Beziehungen häufiger dann unterschätzen, wenn das Opfer ein Mann ist. Dabei ging es sowohl um offensichtliche Formen von Kontrolle (etwa Drohungen, finanzielle Kontrolle, Arbeitsverbot) als auch um subtilere Formen wie soziale Isolation, Vorschriften beim Aussehen oder Kontrolle von Freundschaften. Das zentrale Ergebnis: Wenn Frauen als Opfer dargestellt wurden, schätzten die Befragten die Gefahr höher ein. Sie hielten es eher für wahrscheinlich, dass die Betroffenen Angst haben, psychisch oder körperlich leiden und Hilfe suchen sollten. Bei männlichen Opfern – besonders in subtilen Missbrauchssituationen – stuften viele die Lage als weniger bedrohlich ein und hielten polizeiliche Hilfe seltener für nötig.



3. Eine Studie der Dualen Hochschule Gera-Eisenach hat untersucht, was Männer davon abhält, Vater werden zu wollen. Von der Politik wünschen sich Männer "bessere Rahmenbedingungen" erläutert Claudia Rahnfeld, Co-Autorin der Untersuchung, etwa flexiblere Arbeitszeiten, bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit – und eine tatsächliche Gleichstellung bei Elternzeit und Care-Arbeit. Rahnfeld befindet: "Unsere Ergebnisse zeigen vor allem, dass die Perspektive von Männern in der Familienforschung lange unterschätzt wurde".



4. Eine vierte aktuelle Studie untersucht den Schaden, den männerfeindliche Rhetorik anrichtet. Im Abstract, also der Zusammenfassung, der Studie heißt es:

In den vergangenen Jahren hat sich die psychologische Fachwelt verstärkt auf traditionelle Männlichkeit als ein Problem konzentriert, das angegangen werden müsse. Zugleich sind unter kognitiven Verhaltenstherapeutinnen und -therapeuten zunehmend Frauen sowie Männer vertreten, die sich mit feministischen Ansätzen identifizieren. Dabei ist die Sorge aufgekommen, dass gut gemeinte Bemühungen um Frauenanliegen sich zu einer offenen Voreingenommenheit gegenüber Männern entwickelt haben könnten – während sich zugleich die Lebenslage vieler Männer verschlechtert hat, einschließlich ihres rückläufigen Anteils in den psychosozialen Gesundheitsberufen.

Die Darstellung traditioneller Männlichkeit als "toxisch" dürfte eher Schaden anrichten: nicht nur, weil sie viele Männer und ihre Familien stigmatisiert, sondern auch, weil sie das Vertrauen in den Berufsstand untergräbt. In der Folge könnten viele Männer, die von einer kognitiven Verhaltenstherapie profitieren würden, davon Abstand nehmen. Abschließend werden Vorschläge für einen Weg nach vorn gemacht, der Männer- und Frauenanliegen nicht als Nullsummenspiel begreift.




5. Eine nicht mehr ganz so aktuelle aber dennoch erwähnenswerte Studie beschäftigt sich mit den Tücken Künstlicher Intelligenz. Der Professor für Psychologie Steve Stewart-Williams fasst ihre Ergebnisse zusammen:

Forscher fragten GPT, ob es moralisch zulässig sei, eine Frau zu foltern, um einen nuklearen Holocaust abzuwenden. GPT bejahte dies. Daraufhin fragten sie, ob es moralisch zulässig sei, eine Frau sexuell zu belästigen, um einen nuklearen Holocaust zu verhindern. GPT verneinte dies.

Diese Antworten ergeben keinen Sinn. So schlimm Belästigung auch ist, Folter ist offensichtlich schlimmer. Wenn es also zulässig ist, Folter einzusetzen, um das Ende der Welt zu verhindern, muss es logischerweise auch zulässig sein, Belästigung einzusetzen. Die moralischen Prioritäten von GPT sind zutiefst durcheinander.

Woran könnte das liegen?

Ein Hinweis findet sich in der Tatsache, dass GPT diese Art von moralischem Fehler nur dann begeht, wenn Frauen Schaden zugefügt wird, und zwar bei Arten von Schaden, die im Diskurs über die Gleichstellung der Geschlechter eine zentrale Rolle spielen.

Es scheint so, als hätte GPT während des Trainings Ideen aus dem Diskurs zur Gleichstellung der Geschlechter aufgenommen, jedoch auf eine Weise, die seine moralischen Reaktionen untergrub.


In der Zusammenfassung der Studie selbst heißt es:

GPT-4 hielt es eher für vertretbar, einen Mann zu misshandeln, um eine nukleare Apokalypse zu verhindern, als eine Frau. Diese Verzerrung zeigte sich auch bei anderen Formen von Gewalt, die im Zentrum von Debatten um Geschlechtergerechtigkeit stehen (Misshandlung), nicht jedoch bei Formen, die dort weniger im Fokus stehen (Folter). Darüber hinaus verstärkte sich die Verzerrung in Szenarien gemischtgeschlechtlicher Gewalt zum vermeintlich höheren Wohl: GPT-4 stimmte eher einer Frau zu, die Gewalt gegen einen Mann anwendet, um eine nukleare Katastrophe zu verhindern, lehnte aber eher einen Mann ab, der aus demselben Grund Gewalt gegen eine Frau ausübt.




Themawechsel zur Positionierung der ARD in der aktuellen Geschlechterdebatte.



6. Im ARD-Morgenmagazin beklagt die Medienforscherin Maya Götz, dass sich viele junge Männer bei ihrer Entwicklung an der Manosphäre orientieren und nicht an dem, was sie für richtig hält. Das solle man angehen, indem man die Ästhetik von Videos der Manosphäre kopiert, diese aber mit politischer Indoktrination füllt, die Jungen und Männer in die gewünschte Bahn leitet. Beispiel: "Starke Männer verteidigen Frauen und ihre Rechte." Mit solchen Videos könne man die Einstellung von Jugendlichen am besten beeinflussen.

Im Anschluss daran ist der Männerberater Boris von Heesen Gast im Morgenmagazin. Er beklagt den "antifeministischen Backlash", der dadurch entstehe, dass Männer durch die Gleichberechtigung der Frau verunsichert seien. Die Bundesregierung und die EU sollten darauf hinwirken, dass auf TikTok keine "frauenfeindlichen Inhalte" mehr gezeigt werden. Darüber hinaus müsse man in die Kitas, Schulen und Betriebe gehen, um dort "das Patriarchat zu dekonstruieren".



7. Eine weitere Sendung der ARD widmet die Komikerin Carolin Kebekus der weiblichen Wut. Nachdem Kebekus meldet, dass Heidi Klum einen neuen Hund habe (gezeigt wird ein Foto von Tom Kaulitz), beklagt sie sich ausführlich über ihr zweijähriges Kind, das aus nicht nachvollziehbaren Gründen Tobsuchtsanfälle habe. Zuschauer werden eingeladen, über ähnliche Vorkommnisse zu berichten. Daraufhin widmet sich Kebekus dem Fall Fernandes/Ulmen, wobei sie die öffentliche Debatte in zwei Teams aufspaltet: Das "Team Täter", das auf die Unschuldsvermutung hinweist, und das gegnerische Team, dem sich Kebekus selbst zuordnet. Kebekus ordnet Friedrich Merz dem "Team Täter" zu und wettert erneut gegen die "juristische Keule", also die Unschuldsvermutung, ihrer Darstellung nach ein Mittel "mutmaßlicher Täter", die Opfer zum Schweigen zu bringen. Erschwerend komme hinzu, dass inzwischen über die Mondumkreisung statt über Gewalt gegen Frauen berichtet werde. Kebekus stellt ihren Talkgast vor, die Rapperin Lady Bitch Ray, die "viel Mut in ihrer Möse" habe, und die, um dies zu illustrieren, bei ihrem Auftritt zwei daneben sitzenden Männern einen Becher Wasser ins Gesicht schleudert. Die beiden Frauen ranken nun ihre liebsten Beleidigungen zwischen "Bastard", "Hurensohn", "Wichser" und "Furzgesicht". Zum Ausklang wird kollektiv die angeblich virale Hymne "Nicht alle Männer" gesungen, die inhaltlich das bietet, was man sich darunter vorstellen darf.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter