Mittwoch, November 04, 2026

Wie man mit elterlicher Entfremdung umgehen kann

In der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Psychology Today, aus der ich hier immer wieder gern zitiere, beschäftigt sich die Psychotherapeutin Erin Leonard mit den elterlicher Entfremdung und wie man darauf reagieren kann. Wegen des Ratgeber-Charakters dieses Textes veröffentliche ich ihn hier als eigenen Blogbeitrag im ins Deutsche übersetzten Volltext.



Sie hätten nie gedacht, dass es Ihnen passieren könnte. Eine Scheidung ist schwer, aber die Bindung zu den eigenen Kindern zu verlieren, ist qualvoll. Vielleicht sind Sie der emotional zugewandte Elternteil, der seit der Geburt der Kinder den Großteil der "eigentlichen" Erziehungsarbeit geleistet hat, und Ihre Bindung war immer stark. Doch plötzlich sind Ihre Kinder kalt und unhöflich zu Ihnen. Sie meiden Ihre Nähe und weigern sich, Ihnen irgendetwas aus ihrem Leben zu erzählen. Wenn Sie fragen, ob der andere Elternteil hinter diesem Verhalten steckt, werden sie wütend und wollen überhaupt nicht mehr mit Ihnen sprechen. Das ist niederschmetternd.

Zwar kann es viele Gründe dafür geben, dass sich ein Kind während einer Scheidung von einem Elternteil zurückzieht, doch es gibt einen bestimmten Typ von Elternteil, der die Beziehung des anderen zu den Kindern gezielt untergräbt. Häufig beginnt es mit einem Elternteil, der emotional unreif ist und keinen Gesichtsverlust ertragen kann. Er ist stets bemüht, sein Ego zu schützen. Sein Image bedeutet ihm alles, weshalb er nach einer Scheidung als Sieger dastehen muss. Hinzu kommt, dass dieser Elternteil, dem es womöglich an emotionaler Zugewandtheit fehlt, oft außerordentlich eifersüchtig auf den Elternteil ist, der emotional verfügbar ist und eine echte, enge Bindung zu den Kindern hat – also versucht er, diese Bindung zu sabotieren. Eltern-Kind-Entfremdung ist heimtückisch. Deshalb ist es entscheidend zu verstehen, wie sie funktioniert, wenn man die Beziehung zu den eigenen Kindern retten will.

Wie Entfremdung entsteht

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich mit Ihrem Kind und dem anderen Elternteil im Heck eines Bootes auf dem Ozean. Ihr Kind hält den einzigen Rettungsring. Sie und der andere Elternteil werden in entgegengesetzte Richtungen aus dem Boot geschleudert. Während er im Wasser um sich schlägt, beginnt der andere Elternteil, dem Kind zuzujammern: "Ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Hilf mir!" Obwohl auch Sie zu kämpfen haben, rufen Sie Ihrem Kind zu: "Bleib im Boot, Schatz! Lass den Rettungsring nicht los. Bleib, wo du bist." Doch die Schreie des anderen Elternteils versetzen Ihr Kind in völlige Panik, sodass es ins Wasser springt, um ihm zu helfen.

Als Ihr Kind und der andere Elternteil wieder ins Boot klettern, sagt dieser zu Ihrem Kind: "Ohne dich hätte ich es nicht geschafft. Ohne dich wäre ich nicht mehr hier. Was würde ich nur ohne dich tun?"

In diesem Szenario geschieht zweierlei. Erstens spielt der andere Elternteil das Opfer und versetzt Ihr Kind dadurch in heftige Panik. Kinder sind psychologisch, neurologisch, genetisch, physiologisch und emotional darauf programmiert, ihre Bindungsbeziehung zu schützen. Wenn eine Bindungsperson sagt, sie wisse nicht, ob sie es schaffen werde, springt das Kind deshalb instinktiv ein, um ihr zu helfen. Dabei vernachlässigt es möglicherweise die eigene Gesundheit, das eigene Wohlergehen und die eigenen emotionalen Bedürfnisse, um sich um diesen Elternteil zu kümmern und ihn nicht zu verlieren. Zweitens sagt der andere Elternteil, sobald er und das Kind wieder sicheren Boden unter den Füßen haben, etwas, das das Kind glauben lässt, es sei der Einzige, der diesem Elternteil in schweren Zeiten helfen könne – so wie es eben geholfen hat. Es sei sozusagen die "Rettungsleine" dieses Elternteils.

Sie hingegen bemühen sich, der Beschützer Ihres Kindes zu sein, und nicht umgekehrt. Sie können sich um Ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse kümmern und würden Ihr Kind niemals damit belasten. Auch das kann ein weiterer Hinweis darauf sein, dass Sie ein emotional gesunder Elternteil sind.

Folgen für das entfremdete Kind

Wenn Ihr Kind entfremdet wird, verliert es seine Unschuld und die Fähigkeit, einfach Kind zu sein, weil es von der Sorge um den Elternteil aufgezehrt wird, der so tut, als würde er die "Misshandlung", die Sie ihm angeblich zufügen, nicht überleben. Das Kind trägt die Last der Verantwortung, den anderen Elternteil aufrechtzuhalten. Und raten Sie mal: Der andere Elternteil nutzt das aus. Wenn das Kind Ihnen gegenüber illoyal ist, tut der andere Elternteil so, als sei seine seelische Gesundheit wiederhergestellt und alles auf der Welt in bester Ordnung. Für einen Moment fühlt sich das Kind von seiner Sorge befreit. Natürlich sucht das Kind daraufhin nach weiteren Gelegenheiten, seine Ablehnung Ihnen gegenüber zu zeigen und darüber zu sprechen, damit es sich weiter von der Angst befreien kann, die aus dem Gefühl entsteht, für das Wohlergehen eines Elternteils verantwortlich zu sein. Der andere Elternteil belohnt das Kind und vertraut sich ihm weiterhin auf unangemessene Weise an, indem er ihm erzählt, wie "unfair" und "hinterhältig" Sie seien, und dabei Informationen aus der Erwachsenenwelt mit ihm teilt, die es nichts angehen.

Sie sind aus dem Leben Ihrer Kinder ausgesperrt, und das ist womöglich der schlimmste Schmerz, den Sie je empfunden haben. Doch je mehr Sie versuchen, Ihrem Kind die Manipulation vor Augen zu führen, desto mehr sieht es in Ihnen den "Tyrannen", als den der andere Elternteil Sie fälschlich dargestellt hat. Sie fühlen sich hilflos und hoffnungslos.

Sie sammeln Belege für die emotionale Misshandlung und Vernachlässigung durch den anderen Elternteil, doch jedes Mal, wenn Sie etwas davon vor Gericht vorbringen, streitet er es ab und wirft Ihnen Schlimmeres vor. Die Auseinandersetzungen vor Gericht ziehen sich über Monate und Jahre hin, ohne dass es echte Fortschritte gibt. Was also können Sie tun?

Ihrem Kind emotionale Zugewandtheit zeigen

Eine Möglichkeit besteht darin, Ihren Anwalt von außen nach innen arbeiten zu lassen, während Sie selbst von innen nach außen arbeiten. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Bindung wiederherzustellen, statt den anderen Elternteil aufzuhalten. Als emotional zugewandter Elternteil verfügen Sie womöglich über wichtige erzieherische Fähigkeiten, die dem anderen Elternteil zu fehlen scheinen. Sie können Empathie zeigen, statt bloß Mitleid zu empfinden. Sie können eine andere Sichtweise verstehen und respektieren. Flexibilität fällt Ihnen leicht, und dasselbe gilt dafür, Konflikte konstruktiv zu lösen. Vor allem aber können Sie eine Grenze oder Regel ruhig und liebevoll durchsetzen.

Wenn Sie der emotional engagierte Elternteil sind, erinnern Sie sich außerdem vielleicht an die rührenden, urkomischen und hinreißenden Momente, in denen Ihr Kind schon in sehr jungen Jahren etwas ganz Besonderes getan hat. Der andere Elternteil erinnert sich daran womöglich nicht. Wenn Sie geduldig auf einen passenden Moment warten, um etwa die Geschichte zu erzählen, wie Ihr Sohn mit drei Jahren ein Vogeljunges gerettet hat oder wie Ihre Tochter sich dem Rüpel aus der Nachbarschaft entgegengestellt hat, um ihr jüngeres Geschwisterchen zu beschützen, können Sie Ihrem Kind zeigen, dass Sie immer für es da waren und es immer gesehen haben.

Nutzen Sie jeden Moment, um die emotional intelligenten Dinge zu tun, zu denen der andere Elternteil meist nicht in der Lage ist, und weisen Sie nie darauf hin. Lassen Sie Ihr Kind die emotionale Sicherheit spüren, die Sie ihm bieten, wenn es bei Ihnen ist. Vielleicht beginnt es dann zu bemerken, wie anders es sich fühlt, wenn es mit dem anderen Elternteil zusammen ist. Und vor allem: Geben Sie niemals auf.




Dienstag, November 03, 2026

Sachsen sei Dank: Medien berichten über fehlende Schutzplätze für männliche Opfer

1. Fehlender Schutz für männliche Opfer häuslicher Gewalt ist nicht länger nur in der Manosphäre Thema. Heute berichten mehrere Leitmedien darüber, auch der Videotext der ARD gehört dazu. Anstoß für diese Beiträge gibt aktuell das Bundesland Sachsen, das beim Schutz männlicher Opfer seit Jahren eine Vorreiterrolle einnimmt. Dafür dürfte zu einem großen Teil die dortige Familienministerin Petra Köpping (SPD, trotzdem kompetent) verantwortlich sein.

So berichtet der MDR:

Seit zehn Jahren finanziert Sachsen Projekte für Männergewaltschutz. Männerschutzwohnungen gibt es in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen. Auch in Ostsachsen besteht laut Experten Handlungsbedarf.

Laut sächsischem Sozialministerium ist der Freistaat Vorreiter in Deutschland beim Schutz für eine bislang wenig beachtete Gruppe von Betroffenen häuslicher Gewalt. Neun Bundesländer haben gar keine Schutzwohnungen für Männer.

Mirko Luckau von der Männerschutzeinrichtung des Vereins Männernetzwerk Dresden antwortet nach zehn Jahren Praxis auf die Frage, warum Männergewaltschutz weiterhin wichtig ist: "Weil Betroffene unsere Hilfe brauchen! Die Männer, die sich an uns wenden, stehen oft mitten im Leben." Luckaus Bilanz:

* In den letzten zehn Jahren fanden 76 Männer Schutz in einer Schutzwohnung.

* Die Betroffenen waren zwischen 24 und 60 Jahren alt.

* 250 Männer mussten abgewiesen werden, weil kein Platz frei war.

* Rund 1.300 weitere Männer im Alter zwischen 17 und 84 Jahren holten sich Rat ein.

Die Nutzungsstatistik in Sachsen bestätigt auch Trends auf Bundesebene. Jana Peters hat für die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) eine Statistik erstellt. Die zeige deutlich, "dass der Bedarf an Schutz und Unterstützung für gewaltbetroffene Männer wächst. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Meldungen bei den Männerschutzeinrichtungen nahezu verdoppelt - von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025." Gleichzeitig gebe es kaum mehr Schutzplätze.

Besonders alarmierend findet Peters, dass im selben Zeitraum vier Mal mehr Männer abgewiesen werden mussten, weil kein Platz war. "Hinter diesen Zahlen stehen Männer, die dringend Schutz benötigen, diesen aber nicht immer bekommen können." Die Statistik mache deutlich, wie wichtig es sei, Angebote auszubauen und abzusichern, "damit Spiralen häuslicher Gewalt wirkungsvoll unterbrochen werden."


Unter der Überschrift "Sachsen braucht mehr Männer-Schutzwohnungen" heißt es in einem anderen Beitrag:

Gewalt gegen Männer ist vielfältig. Sie passiert in der Partnerschaft, der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. "Nicht immer ist das physische Gewalt", sagt Mirko Luckau vom Verein Männernetzwerk Dresden. Psychischer Druck, gegenseitige Verletzungen (fast) - alles ist denkbar.

(…) "Wir werden 19,1 Millionen Euro für 2027 zur Verfügung stellen", so Sozialministerin Petra Köpping (67, SPD). 2028 sollen es sogar 20,4 Millionen Euro sein. Zudem wird das Gewalthilfegesetz mit Blick auf Männer angepasst. Eine Entscheidung dazu soll am Mittwoch im Landtag fallen.


Unter der Schlagzeile "Zu wenig Schutzplätze für Männer, die Gewalt erleben" kann man ergänzend lesen:

"Männer berichten in Dunkelfeldstudien von allen bekannten Gewaltformen", betonte Peters. Etwa 60 Prozent der Bewohner hätten Gewalt in oder nach einer Partnerschaft geltend gemacht, 38 Prozent Gewalt in der Familie erlebt - durch Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Bei 5,5 Prozent sei das im "sozialen Nahraum" passiert - etwa durch Vermieter oder Mitbewohner in WGs.

60 Prozent der mutmaßlichen Täter seien weiblich, hieß es. Wenn Männer unmittelbar in der Partnerschaft Gewalt erfuhren, ging sie zu 93 Prozent von Frauen aus.

(…) Laut Mirko Luckau, der Männer in einer Schutzeinrichtung in Dresden begleitet, sind die Bewohner oft wegen psychischer Gewalt eingezogen. Andere hätten physische und soziale Gewalt erfahren. "Sie werden körperlich misshandelt und diskriminiert aufgrund ihrer Meinung, ihrer Haltung oder ihrer Ethnie (...). Leider suchen sie sich oft erst sehr spät Hilfe oder ergeben sich ihrem Schicksal." In der Regel soll die Aufenthaltsdauer in der Schutzeinrichtung bei drei Monaten liegen, sie könne aber auch auf sechs Monate verlängert werden.

(…) Väter würden die Konflikte oft anders aushandeln. "Nur wenige trauen sich gemeinsam mit ihren Kindern den Weg in eine Schutzwohnung. Deren Lösungsstrategien sehen oft anders aus. Sie bleiben lange in den gewaltvollen Beziehungen und versuchen es auf eigene Faust zu klären."

Die Zugangswege zu den Männerschutzhäusern sind unterschiedlich. Laut Statistik kamen 2025 etwa 40 Prozent aus eigenem Antrieb, 21 Prozent wurden von Beratungsstellen vermittelt, 8,6 Prozent durch die Polizei. Eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit und die Zusammenarbeit mit diversen Fachstellen sei absolut notwendig, genau wie eine sichere Finanzierung, hieß es weiter.




2. Eine 23-jährige Britin wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, nachdem sie über einen Zeitraum von drei Jahren wiederholt einen ihr bekannten Mann fälschlich schwerer Sexual- und Gewaltdelikte beschuldigt hatte.

Sie erstattete unter falschen Namen Anzeige bei der Polizei, behauptete unter anderem, der Mann habe sie sexuell missbraucht und ein Mädchen vergewaltigt, und schickte Fotos von Verletzungen, die sie sich selbst zugefügt hatte. Zweimal stach sie sich sogar selbst mit einem Messer in den Oberschenkel beziehungsweise die Wade und behauptete, der Mann habe sie angegriffen. Um ihre Darstellung glaubwürdiger erscheinen zu lassen, überredete sie außerdem eine Freundin zu einer falschen Zeugenaussage.

Der Mann wurde mehrfach festgenommen, angeklagt und zeitweise in Untersuchungshaft genommen, bevor Videoaufnahmen seine Unschuld bestätigten. In einer Erklärung schilderte er die verheerenden psychischen und sozialen Folgen der Anschuldigungen: Er habe Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, und müsse sein Leben mühsam wieder aufbauen.

Der Richter bezeichnete die Täterin als äußerst manipulative Frau, die bewusst darauf hingearbeitet habe, das Leben eines anderen Menschen zu zerstören. Zusätzlich zur Haftstrafe erhielt sie ein zehnjähriges Kontaktverbot. Die Polizei betonte, der Fall verdeutliche nicht nur die Notwendigkeit, männliche Opfer häuslicher Gewalt ernst zu nehmen, sondern auch, dass bewusst erfundene Anschuldigungen tatsächlichen Opfern schaden können, weil sie das Vertrauen in entsprechende Anzeigen untergraben.



3. Vergangene Woche hatte Genderama bereits über absurde Alarmmeldungen von "UN Women" berichtet, in denen es etwa hieß 1 VON 4 ZIVLISTEN, DIE 2025 IN EINEM KONFLIKT GETÖTET WURDEN, WAR EINE FRAU ODER EIN MÄDCHEN. Die Publizistin Lisa Britton kommentiert:

UN Women erklärte kürzlich in den sozialen Medien unter Berufung auf einen neuen Bericht, dass jeder vierte zivile Todesfall in Konfliktgebieten ein Mädchen oder eine Frau betreffe, dass dies entsetzlich sei und wir Mädchen und Frauen Vorrang einräumen müssten. Der Beitrag erinnerte an einen früheren von vor einigen Jahren, in dem es hieß, elf Prozent der im Dienst getöteten Journalisten seien Frauen, weshalb wir "aufhören müssen, Journalistinnen ins Visier zu nehmen!" Diese frühere Behauptung wurde zum Meme, weil Mädchen und Frauen selbst dann die Priorität bleiben und Jungen und Männer ignoriert werden, wenn Letztere ganz offensichtlich die überwiegende Mehrheit der Opfer stellen. Das ist anscheinend "Gleichberechtigung".

Die Gegenreaktion auf den jüngsten Beitrag folgte unmittelbar. Kommentatoren wiesen auf das Offensichtliche hin: Das bedeutet, dass drei von vier zivilen Todesopfern in Kampfgebieten Jungen und Männer sind. UN Women wirkt völlig unsensibel. Ihre Voreingenommenheit ist fast schon zum Witz geworden – zu einem, über den niemand lachen sollte.

Natürlich wollen wir alle Mädchen und Frauen in Konfliktgebieten schützen, aber wir müssen uns ebenso bemühen, Jungen und Männer zu schützen und ihr Leben als gleichwertig zu betrachten.

Der nächste Tag brachte etwas noch Schlimmeres. UN Women erklärte, dass Mädchen und Frauen in Konfliktgebieten fünfmal so viele Stunden mit "unbezahlter" Haus- und Pflegearbeit verbringen und dass dies ungerecht sei. Jungen und Männer müssten sich stärker einbringen! Die Frage drängt sich geradezu auf: Warum verbringen Mädchen und Frauen in Kriegsgebieten mehr Zeit mit Hausarbeit und Pflege? Könnte es daran liegen, dass Jungen und Männer in genau diesen Gebieten sterben? Diese Rhetorik grenzt an das Böse. Sie behandelt die unverhältnismäßig hohe Zahl männlicher Todesopfer nicht als Tragödie, die Aufmerksamkeit verlangt, sondern als Hintergrund, vor dem die zusätzliche Hausarbeit der Frauen als die eigentliche Ungerechtigkeit erscheint.

Nichts davon ist neu bei UN Women. Die Organisation wurde 2010 von der UN-Generalversammlung gegründet und bündelte frühere Einrichtungen mit dem erklärten Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen voranzubringen. In der Praxis ist sie zu einer Organisation geworden, die ausschließlich Mädchen und Frauen unterstützt, während Jungen und Männer zurückgelassen werden. Ihre Voreingenommenheit ist inzwischen in jeden Zweig der Vereinten Nationen eingesickert.

Das Ergebnis heizt den Geschlechterkampf an, statt ihn abzukühlen. Kontakte, die innerhalb der UN arbeiten, haben mir erzählt, dass viele Mitarbeiter die spalterische Rhetorik und die Absurditäten von UN Women im Stillen ablehnen, genau wie viele Beobachter von außen, und dass sie hoffen, jemand werde die Organisation zügeln.

Das Muster erstreckt sich über die gesamte Institution und geht über Beiträge in sozialen Medien hinaus. Die UN begeht offiziell dreizehn Tage für Mädchen und Frauen und keinen einzigen für Jungen und Männer. Das diesjährige Motto des Internationalen Männertags am 19. November lautet "The Future is Everyone" ("Die Zukunft sind alle"), eine sehr inklusive Botschaft. Ich wünschte, UN Women und das gesamte System würden ihre schädlichen Taktiken wenigstens für einen Tag beiseitelegen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Jungen und Männer Unterstützung brauchen: bei Suizidraten, die bei Männern viermal so hoch liegen, bei schlechteren Bildungsleistungen, bei tödlichen Arbeitsunfällen und angesichts der von der UN selbst festgestellten Tatsache, dass Männer in den meisten Kriegen die überwiegende Mehrheit der militärischen wie zivilen Opfer stellen.

Ich hatte gehofft, die UN würde an diesem 19. November endlich den Internationalen Männertag anerkennen, und ich habe mich mit Nachdruck dafür eingesetzt. Da Generalsekretär António Guterres sich in seinem letzten Amtsjahr befindet, bevor er Ende 2026 abtritt, wurde mir von höchster Stelle gesagt, dass er sich darauf konzentriere, sein Vermächtnis zu sichern, das zu einem großen Teil auf dem beruht, was er für Mädchen und Frauen getan hat. Jegliche Unterstützung für Jungen und Männer sei daher in diesem Jahr wohl nicht drin.

Wenn die Rhetorik und das Handeln von UN Women das sind, wofür er in Erinnerung bleiben will, wird das kein gutes Vermächtnis sein. Echte Gleichberechtigung der Geschlechter kann nicht bedeuten, eine Hälfte der Bevölkerung aus der Debatte zu tilgen oder die Probleme und Todesfälle von Männern als weniger dringlich zu behandeln.

Ich bin nicht die Einzige, der sich für die Anerkennung des Internationalen Männertags durch die UN einsetzt. Viele engagierte Einzelpersonen und Organisationen auf der ganzen Welt tun dies seit Jahren. Mein Mitstreiter Ed Bartlett vom International Council for Men and Boys (ICMB) hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht und ist dabei auf zahlreiche Ausreden gestoßen. Seine Organisation erklärt: "Die UN-Charta bekräftigt unmissverständlich die ‚Gleichberechtigung von Mann und Frau‘. Doch zahlreiche UN-Initiativen und -Programme ignorieren dreist die Rechte und Bedürfnisse von Männern, und das muss sich ändern." Dem kann ich nur zustimmen.

Wenn die UN und UN Women relevant bleiben wollen, sind Veränderungen längst überfällig. Sie sollten den Internationalen Männertag würdigen, damit beginnen, spezifisch männliche Benachteiligungen mit derselben Ernsthaftigkeit anzugehen wie weibliche, und aufhören, Jungen und Männer in jeder Erzählung als Bösewichte oder entbehrliche Statisten zu behandeln. Mehr Menschen innerhalb der UN müssen aufwachen und darauf bestehen, dass alle gleich viel wert sind. Alles andere ist keine Gleichberechtigung, sondern schlicht Sexismus und Diskriminierung mit dem Logo der Vereinten Nationen.




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Montag, November 02, 2026

Neues aus der Femosphäre: "Männer sollten im Gefängnis geboren werden und beweisen müssen, dass sie rauskommen können"

1. Die spanische Huffington Post berichtet über die Rapperin Metrika, offenbar das dortige Gegenstück zu unserer Ikkimel. In dem Beitrag heißt es:

Metrika ist nicht gerade dafür bekannt, ihre Worte allzu sorgfältig abzuwägen. Das hat die Künstlerin erneut in einem Gespräch bewiesen, in dem sie offen über Feminismus sprach und schließlich einen jener Sätze hinterließ, die dazu bestimmt sind, schnell in den sozialen Netzwerken die Runde zu machen.

Als man ihr entgegenhielt, ihre Position scheine nicht gerade die Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu verteidigen, antwortete Metrika ohne Umschweife: "Mädel, weil ich misandrisch bin."

"Wie soll ein Mann dieselben Rechte haben wie ich?", fuhr die Sängerin fort, bevor sie den Ton ihrer Antwort mit dem auffälligsten Satz des gesamten Gesprächs noch weiter verschärfte: "Männer sollten im Gefängnis geboren werden und beweisen müssen, dass sie rauskommen können."

Das Gespräch geht im selben provokanten Register weiter und bringt Metrika dazu, ihren Ansatz noch etwas auszuführen. "Beweis, dass du bei klarem Verstand bist", sagt sie über Männer, bevor sie das mit einem weiteren Urteil begründet: "Warum müsst ihr uns beweisen, dass ihr nicht ganz dicht seid? Das wissen wir doch schon."

Ihre Worte spielen bewusst mit einer radikalen Umkehrung der Ungleichheit, unter der Frauen traditionell gelitten haben: Metrika spricht nicht davon, Rechte anzugleichen, sondern treibt ihre Rede bis zu dem Extrem, zumindest im Ton des Gesprächs dafür einzutreten, dass Männer diejenigen sein sollen, die beweisen müssen, dass sie bestimmte Freiheiten verdienen.


Bezeichnend ist, dass hier jegliche Verdammung, die ein Mann für sexistische Feindseligkeiten erhalten würde, ausbleibt.



2. Einige andere typische Entgleisungen aus der Femosphäre hat Jeffrey Ketland zusammengetragen.



3. Dafür lässt der SPIEGEL in einem aktuellen Gastartikel der Autorin Marlen Hobrack mit dem Männerbashing ein wenig nach:

Im Allgemeinen scheint der zeitgenössische Vater nie genug zu tun. Er scheitert daran, seine Hälfte der Fürsorgearbeit zu übernehmen, von der Hausarbeit einmal ganz zu schweigen. Und die Liste der Defizite wird immer länger: Viele Mütter beklagen, dass sie die emotionalen und mentalen Lasten der Beziehungsarbeit und Kinderpflege allein stemmen müssten – auch hier fehle es an der Unterstützung durch die Männer/Väter. Kurzum: Der Mann versagt in der Rolle des Vaters.

Das Gejammer greift jedoch viel zu kurz. Einer Frage will sich der feministische Väterdiskurs nämlich partout nicht stellen: Wollen die Mütter die Sorgearbeit überhaupt teilen?

Seit Beginn der Einführung des Elterngeldes lautete der feministische Vorwurf an die Väter, sie würden sich der gleichberechtigten Fürsorge für ihre Kinder entziehen, sie wollten ihren Partnerinnen gar nicht zur Seite stehen. Dafür sprach aus feministischer Sicht auch, dass die Väter nach der Geburt ihrer Kinder sogar mehr arbeiten (ein Schelm, wer annimmt, die Familie könne nach der Geburt etwas mehr Geld gebrauchen).

Dieses feministische (Vor-)Urteil hatte jedoch nur so lange Bestand, bis Familienministerin Karin Prien im Juli dieses Jahres den Vorschlag für eine Elterngeldreform vorlegte: Die Gesamtbezugsdauer soll von 14 auf 12 Monate reduziert werden. Außerdem soll die 3-3-6-Regel gelten: Jeder Partner muss drei Monate in Anspruch nehmen, die restlichen sechs Monate könnten flexibel verteilt werden. De facto würde sich die Bezugszeit des Elterngeldes für die meisten Mütter damit auf neun Monate reduzieren.

Inzwischen rudert Prien zwar zurück und zeigt sich offen für eine Diskussion der Reformvorschläge. Doch dies geschah wohl auch auf Basis der massiven Onlineproteste von Müttern, die sich erbost über die "staatliche Einmischung" zeigten. Es lohnt sich, die Argumente genauer anzuschauen. Dort heißt es: Man könne für sich entscheiden, wie die Elterngeldmonate zu verteilen seien. Oder: Solle eine Mutter allen Ernstes nach neun Monaten wieder arbeiten gehen? Was, wenn man ein Jahr lang voll stillen wolle? Und überhaupt: Müssten sich Mütter nicht von der Geburt erholen?

Es steht außer Frage, dass sowohl das Gebären als auch das Stillen an das Geschlecht gekoppelt sind. Man kann Männern vieles vorwerfen, aber die biologischen Gegebenheiten unserer Körper haben sie nun wahrlich nicht zu verantworten.

Nur: Das hätten wir Feministinnen schon immer wissen können, trotzdem taten wir so, als wäre die "traditionelle Rollenverteilung", insbesondere im ersten Jahr nach der Geburt schlichtweg patriarchale Zurichtung. Jetzt zeigt sich: Sie ist die Folge einer biologischen Realität. Viele Kommentatorinnen rekurrierten auf die psychische Angewiesenheit des Säuglings auf seine Mutter.

Mir scheint, als wollten die Mütter keinen Platz machen für die Väter, deren fürsorgliche Qualitäten sie infrage stellen. Wir enden immer wieder bei der einen, durchaus schmerzhaften Frage: Wollen die Mütter die Sorgearbeit, trotz anderslautender Appelle, gar nicht teilen?

(…) Dabei drohen engagierten Vätern, die bereit sind, länger aus ihrem Job auszusteigen, ähnliche Nachteile wie Müttern. So legen Daten aus einer Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dem Sozio-oekonomischen Panel nahe, dass Männer sehr wohl Einkommenseinbußen hinnehmen müssen, wenn sie nach der Geburt der Kinder in Teilzeit arbeiten. Nach nur einem Jahr Teilzeitarbeit ergeben sich den Berechnungen zufolge drei Prozent weniger Stundenlohn für die Väter. Sobald sich Väter also "wie Mütter" benehmen – was in Deutschland ja oft heißt: in Teilzeit arbeiten –, haben sie dieselben Konsequenzen zu tragen wie die Frauen. Ein Schelm, wer meint, es könnte sich hierbei um ein Problem unseres Wirtschafts- und Arbeitssystems handeln!

Wir Frauen aber wollen das weiterhin nicht wahrhaben und bleiben dabei: Schuld ist das Patriarchat, schuld sind eben die Männer! Selbst da, wo sie wirklich engagiert sind.

Zu der Wahrheit, die viele Frauen hartnäckig leugnen, gehört die Erkenntnis, dass Väter es im Beruf nicht leichter haben als Frauen, wenn sie "alles haben" wollen, also in Beruf und Elternschaft engagiert sein wollen. Auch ein Mann, der seine Arbeitszeit reduziert, wenn seine Kinder klein sind, wird Einkommenseinbußen und demzufolge in der Regel Renteneinbußen hinnehmen müssen. Auch er läuft Gefahr, bei Beförderungen übergangen zu werden und weniger attraktive Projekte zugewiesen zu bekommen, weil er ja nur der "Teilzeitarbeiter" ist.

Als etwa mein Mann seine zwölfmonatige Elternzeit antrat, mahnte sein Chef nur halb im Scherz, er solle damit nur ja nicht zum Vorbild im Büro werden. Es half nichts. Andere Väter folgten. Nach seiner Elternzeit reduzierte mein Mann seine wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden. Das Ergebnis: Weiterbildungen wurden vom Büro abgelehnt. Wer nicht Vollzeit arbeitet, soll auch nicht vorankommen. Trotzdem sprechen wir nicht von "Fatherhood-Penalty" für engagierte Väter.

(…) Leider haben Väter keine Lobby, wenn es um die Klage über familienunfreundliche Arbeitszeiten oder um Lohnlücken zu kinderfreien Männern geht. Denn ihre Probleme erscheinen, verglichen mit jenen der Mütter, eben viel zu klein und nichtig. Dabei wäre die Solidarität der Frauen hier doppelt geboten: Am Ende wird die große Mehrheit der Kinder in heterosexuellen Paarbeziehungen geboren; Einkommenseinbußen, egal ob bei Vätern oder Müttern, treffen immer auch die Partner und sind wohl kaum in deren Interesse. Zweitens wird es ohne die Männer, die engagierte Väter sind, in Fragen der Gleichberechtigung nicht vorangehen.

Deswegen macht mich das Einschlagen auf die Väter, die sich angeblich eine Rolle anmaßen, die ihnen nicht zusteht, eben die "Mutterrolle", so wütend: Wenn wir Frauen uns wünschen, dass Väter ihren Teil leisten, müssen wir es ertragen können, dass sie dafür Anerkennung beanspruchen.




4. In einem weiteren SPIEGEL-Artikel huldigt die Gastautorin Heike Kleen zwar dem Klischee des gefühllosen Mannes, spricht aber auch die Doppelbotschaften an, die wir Männer unentwegt erhalten:

Dröseln wir das auf am Beispiel meiner Freundin Anna, die nicht so heißt. Sie sucht den einen Mann fürs Leben, und der muss natürlich klug, gepflegt und empathisch sein, aber bitte auch ein Cowboy. Damit meint Anna nicht, dass der Mann für den Lebensabend tagsüber durch die Prärie reitet, sondern dass er Selbstbewusstsein und Stärke ausstrahlt, unabhängig ist, vielleicht sogar ein kleines bisschen ungezähmt. Dass sie sich an ihn anlehnen kann, beschützt fühlt – aber er möge bitte nicht anhänglich sein oder gar bedürftig. Ich verstehe das alles, aber klar ist auch: Der ideale Mann wird dadurch zu Schrödingers Katze: gleichzeitig Alphamann und Feminist, Beschützer und Gleichberechtigter. Der Mann soll weinen können, aber bitte keine Heulsuse sein. Sich nicht nur für "Männerkram" interessieren, aber auch nicht "werfen wie ein Mädchen". Und nun?

Solange wir in solchen Denkmustern gefangen sind, sollten wir weiter Serien gucken oder uns eine KI-Liebe zulegen. Und unsere Mitmenschen in Ruhe lassen. Die Verachtung des jeweils anderen Geschlechts ist sowieso viel zu hoch im Kurs. Nach fünf Minuten im Netz bin auch ich überzeugt, dass hinter der nächsten Ecke mindestens ein Frauenhasser, aber vermutlich auch ein Größenwahnsinniger steht. Und doch habe ich keine Lust mehr, ständig gegen etwas zu sein, mich weiter in die allgemeine Empörungsspirale zu begeben und mich am Ende für die Angst zu entscheiden.




5. Neue Studien, die im medizinischen Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurden, tragen zur Antwort auf die Frage bei, warum Männer nicht so lange leben wie Frauen:

Die zentrale These der Lancet-Studien geht über rein biologische Erklärungen hinaus. Das Autorenteam argumentiert, dass gesellschaftliche Erwartungen an Männer deren Gesundheit erheblich beeinträchtigen können. In Gesellschaften, in denen Männer vor allem als Ernährer gelten, könne etwa Arbeitslosigkeit nicht nur finanzielle Sorgen auslösen, sondern auch erheblichen psychischen Stress verursachen. Wer psychische Beschwerden als Schwäche betrachte, verberge Depressionen oder Angststörungen möglicherweise lange und meide professionelle Hilfe, so die Forschenden.

Der Grazer Psychotherapieforscher Andreas Walther ordnet die Ergebnisse gegenüber dem Science Media Center ein und bringt den Zusammenhang auf den Punkt: "Nicht Männlichkeit an sich macht Männer krank, sondern insbesondere starre Vorstellungen davon, wie ein Mann zu sein hat. Diese können unter ungünstigen gesellschaftlichen Bedingungen zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko werden."

(…) Gerade bei Männern hängt die Lebenserwartung besonders stark von der sozialen Lage ab. [Michael Mühlichen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden] hebt hervor, dass der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen bei Männern teilweise größer ausfalle als die Differenz zwischen den Geschlechtern insgesamt. In Regionen mit ungünstiger wirtschaftlicher Perspektive und schlechten Beschäftigungschancen verzeichne man eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung bei Männern und einen besonders großen Abstand zu Frauen.

Körperlich belastende Arbeit, Schichtarbeit, Unfallrisiken und geringe Kontrolle über die Arbeitsbedingungen betreffen viele Männer in Industrie, Bau, Transport und Handwerk. Mühlichen nennt ein konkretes Beispiel: Während die Schweiz zu den Regionen mit der höchsten Lebenserwartung in Europa gehöre, liege der Wert in Deutschland bei Männern rund drei Jahre darunter. Selbst im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet betrage der Unterschied auf der deutschen Seite noch über zwei Jahre. Verantwortlich dafür seien insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab dem 50. Lebensjahr, begünstigt durch Bluthochdruck, Rauchen, ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Alkoholkonsum.

Auch bei psychischen Problemen suchen Männer häufig erst spät oder gar keine professionelle Unterstützung. Walther betont gegenüber dem Science Media Center, dass bestimmte Überzeugungen dazu beitrügen, dass Männer psychische Beschwerden nicht wahrnähmen oder das Eingestehen von Belastungen als Schwäche empfänden. "Es reicht nicht aus, Männern zu sagen, dass sie sich mehr Hilfe suchen sollen. Wir müssen auch sicherstellen, dass unsere Präventionsangebote und psychotherapeutischen Behandlungen Männer tatsächlich erreichen und ihren Bedürfnissen gerecht werden", mahnt der Psychotherapieforscher.

(…) Eine der Lancet-Studien widmet sich der Frage, warum Männergesundheit in der Politik so wenig Beachtung findet. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Das erste nationale Programm für Männergesundheit entstand demnach erst 2008 in Irland, gefolgt von Brasilien und Australien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt bis heute über keine bevölkerungsweite Strategie für Männergesundheit. Lediglich das europäische Regionalbüro der WHO hat eine entsprechende Strategie veröffentlicht. England brachte erst im November 2025 eine erste Männergesundheitsstrategie auf den Weg.

(…) Die Forschenden warnen zugleich davor, Männer pauschal zu problematisieren. Krumm hält den populären Begriff der "toxischen Männlichkeit" für die Gesundheitskommunikation für problematisch. Er könne zwar helfen, gesundheitsschädliche Auswirkungen patriarchaler Normen sichtbar zu machen. Andererseits impliziere er ein eindimensionales Verständnis von Männlichkeit, das dem heutigen Forschungsstand kaum gerecht werde. "Ich frage mich auch, welche Männer sich damit überhaupt angesprochen fühlen", gibt Krumm zu bedenken.

Die Lancet-Studien selbst plädieren dafür, positive und vielfältige Männlichkeitsbilder in den Vordergrund zu rücken, statt auf Defizite und Toxizität zu fokussieren. Maßnahmen sollten an konkreten Risiken ansetzen und wissenschaftlich überprüft werden.

Eine der Lancet-Studien betont zudem, dass die bisherige Forschung zu Männergesundheit häufig zu stark auf schädliches individuelles Verhalten fokussiert gewesen sei. Strukturelle Determinanten wie Arbeitsmärkte, Wohnverhältnisse oder die Folgen wirtschaftlicher Ungleichheit seien dagegen kaum berücksichtigt worden.


Natürlich. Die Sicht auf Männer ist wie die Sicht auf Geschlechterthemen insgesamt in Politik, Forschung und Medien stark feministisch geprägt. Und statt komplexer Erklärungen gibt es dort nur einen einzigen Allzweckhammer: das böse Patriarchat.



6. Ein Fundstück bei der privaten Lektüre:

In der Jugendtrendstudie 2025 des Instituts für Generationenforschung wurden nicht nur Ängste vor Männern mit bestimmter Herkunft erfragt, sondern auch Ängste vor "Männern im Allgemeinen". Dazu mussten die Befragten einen Schieberegler zwischen 0, was für "keine Angst" steht, und 100 für "starke Angst" platzieren. Ergebnis: Keine einzige junge Frau hatte den Schieberegler auf den Wert 0 gesetzt. Von mehreren tausend Teilnehmenden hatte also keine einzige junge Frau angegeben, keine Angst vor "Männern im Allgemeinen" zu haben, sprich: Alle jungen Frauen haben in irgendeiner Weise Angst vor Männern.


(Gefunden in: Generation Rechts?, Seite 203.)



7. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat einen neuen Gesetzentwurf zur sexuellen Gewalt vorgelegt.

Wer eine andere Person durch eine sexuell bestimmte Äußerung oder Geste belästigt, soll sich nach der neuen Strafvorschrift dann strafbar machen, "wenn die Äußerung oder Geste dazu geeignet ist, die andere Person einzuschüchtern oder zu bedrängen", zitierte das RND aus dem Entwurf. Für solche Taten soll eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe verhängt werden können. Es gehe dabei nicht um "missglückte Komplimente". "Sexuelle Belästigungen und sexualisierte Gewalt sind ein massives Problem und gehören für zu viele Frauen zum Alltag. Das dürfen wir nicht hinnehmen", sagte Hubig.


Das Gesetz selbst dürfte geschlechtsneutral sein, die regierungsamtliche Begleitrhetorik ist es nicht.



8. Am anderen Ende der Welt ist man weniger mit Sexismus vernagelt. Vorgestern berichtete ein Artikel von den Philippinen über ein dort zu Beginn des Jahres ergangenes Gerichtsurteil. Demnach hat der Oberste Gerichtshof der Philippinen am 4. Februar 2026 festgestellt, dass auch Männer Opfer sexueller Gewalt werden können und deshalb unabhängig von ihrem Geschlecht gleichermaßen durch das Gesetz geschützt werden müssen. In seiner 17-seitigen Entscheidung betonte das Gericht, dass die traditionelle Vorstellung, Frauen seien grundsätzlich Opfer und Männer grundsätzlich Täter, rechtliche Diskriminierung männlicher Betroffener begünstige. Diese würden dadurch gewissermaßen doppelt geschädigt: zunächst durch ihren Missbraucher und anschließend durch ein Justizsystem, das ihre Opferrolle nicht angemessen anerkenne. Sexuelle Gewalt müsse zudem nicht allein unter dem Gesichtspunkt des Geschlechts betrachtet werden, sondern vor allem als Missbrauch von Macht. Dabei könnten neben Geschlechterunterschieden auch Alter, soziale Stellung, berufliche Autorität und Bildungsunterschiede eine Rolle spielen.



9. Der australische Männerrechtler David Maywald macht auf X (Twitter) darauf aufmerksam, dass mit dem November der Monat der Gleichberechtigung für Männer begonnen hat,

eine weltweite Initiative unter der Leitung des International Council for Men and Boys (ICMB), um die Beiträge von Männern und Jungen zu würdigen, das Bewusstsein für die Benachteiligungen zu schärfen, denen sie ausgesetzt sind, und sich für echte Gleichberechtigung einzusetzen.

Gestern hielten wir ein hervorragendes internationales Planungstreffen zum "Men’s Equality Month und den Internationalen Männertag ab, an dem Dutzende engagierter Fürsprecher aus aller Welt teilnahmen.

Wir hörten Referenten aus Südafrika, Indien, Australien, Dänemark, Deutschland und Nordamerika zu, die ihre Pläne, Initiativen und ihre Begeisterung für den bevorstehenden Monat vorstellten.

Es war inspirierend, eine solche internationale Zusammenarbeit zu erleben, vereint durch ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung der Lebensbedingungen von Männern und Jungen bei gleichzeitiger Förderung von Fairness, Mitgefühl und Gleichberechtigung für alle.

Den ganzen November über wird das ICMB seine wichtige Arbeit durch eine Reihe von Fachtreffen der Interessengruppen fortsetzen, bei denen einige der dringlichsten Herausforderungen für Männer thematisiert werden:

TREFFENSKALENDER FÜR NOVEMBER

2. Nov. – Vaterschaft

10. Nov. – Gewalt in der Partnerschaft

12. Nov. – Elterliche Entfremdung

16. Nov. – Bildung

17. Nov. – Medien

24. Nov. –Reform der Vereinten Nationen

26. Nov. – Falschbeschuldigungen

Außerdem wird ein Treffen der spanischsprachigen Interessengruppe organisiert.

Diese Gruppen bringen Forscher, Interessenvertreter und führende Persönlichkeiten aus der Gesellschaft zusammen, um Erkenntnisse auszutauschen, praktische Lösungen zu entwickeln und internationale Maßnahmen zu koordinieren. Von Jungen, die in der Bildung zurückbleiben, über Selbstmord unter Männern, tödliche Arbeitsunfälle, Vaterlosigkeit, männliche Opfer von Missbrauch bis hin zur Ungleichbehandlung vor dem Gesetz – es gibt viel zu tun ...

Beim "Monat der Gleichberechtigung für Männer" geht es darum, diese Herausforderungen anzuerkennen, ohne die Herausforderungen von Frauen und Mädchen zu schmälern. Als Vorsitzende des ICMB bin ich stolz auf unser wachsendes internationales Netzwerk und dankbar gegenüber allen, die ihre Zeit, ihr Fachwissen und ihre Energie einbringen.




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