Mittwoch, Februar 11, 2026

Neue Studie: Deutsche Männer aktuell häufiger von körperlicher Partnergewalt betroffen als Frauen

Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Ich wollte Sie auf einen erfreulichen Artikel in der Tagesschau aufmerksam machen. Über eine Dunkelfeldstudie zu häuslicher Gewalt.

Das Thema ist zwar höchst unerfreulich, aber mir ist auf Anhieb nicht bewusst, wann ich jemals in solch einem Artikel eine klare Auschlüsselung nach Geschlecht gesehen habe. Natürlich wird die anekdotische Erzählung nach wie vor von einer Frau bestimmt. Aber bereits im Anreißer wird klar gemacht, dass es nicht nur um Frauen geht. Es wird klar auf Männer als Opfer eingegangen. Es wird nichts verharmlost oder relativiert, oder jemand als besser oder schlechter dargestellt. Sondern die Fakten werden klar benannt und der Sachverhalt aufgezeigt. Lediglich der Hinweis auf die Istanbul Konvention ist eher eine Nebelkerze.

Insofern: Ihr Engagement zahlt sich aus.


Die Tagesschau bezieht sich auf diese Studie, deren Ergebnisse auch der Berliner Tagesspiegel zusammenfasst. Einige Punkte aus dem Artikel:

Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalttaten haben sich innerhalb der Partnerschaft ereignet. Männer und Frauen haben psychische und körperliche Gewalt in Partnerschaften annähernd gleich häufig erlebt. Demnach waren in dem Zeitraum 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer von psychischer Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen. Körperliche Gewalt erfuhren 5,2 Prozent der Frauen und 6,1 Prozent der Männer.


Den Ergebnissen der Befragung zufolge erlebten 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren psychische Gewalt in Paarbeziehungen oder ehemaligen Paarbeziehungen. Über die gesamte Lebenszeit erstreckte sich die Betroffenheit auf 48,7 Prozent der Frauen und 40,0 Prozent der Männer. Hier wurde etwa emotionale, kontrollierende und ökonomische Gewalt erfasst.


Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt erfahren. Die Daten zeigen, dass 49,3 Prozent der Frauen als Minderjährige mindestens einmal geschlagen oder körperlich verletzt wurden. Unter den Männern lag der Anteil bei 51,7 Prozent.


Dass mehr Männer als Frauen Opfer von körperlicher Partnergewalt werden, dürfte dem allgemeinen Volksglauben so sehr entgegen laufen, dass das eigentlich viele Schlagzeilen wert gewesen wäre. Diese Schlagzeilen gibt es aber nicht. Im Journalismus bezeichnen wir diese Praktik als "bury the lede", was bedeutet, dass man den Kern einer Nachricht und ihren eigentlichen Neuigkeitswert tief in der Berichterstattung vergräbt.

Tatsächlich berichten die Leitmedien einhellig, dass Frauen stärker von Gewalt betroffen seien. Das lässt sich durch zwei Dinge rechtfertigen: Erstens gibt das die Studie dann her, wenn man nicht die letzten fünf Jahre berücksichtigt, sondern auf die gesamte bisherige Lebenszeit schaut. Wenn man also nicht betonen möchte, was gerade jetzt passiert (in den letzten fünf Jahren), sondern eher, was zum Beispiel vor zwanzig Jahren passiert ist, kommt man auf eine höhere Opferzahl bei Frauen. Zweitens kann man sich auf andere Gewaltformen wie sexuelle Gewalt konzentrieren, wo Frauen ihren Angaben zufolge häufiger Opfer wurden als Männer.

Was die Studienergebnisse tatsächlich aussagen: Das Thema ist komplex. Kein Geschlecht ist "absolut" stärker betroffen – Gewalt trifft beide, und Männer brauchen ebenfalls mehr Unterstützung (z. B. erweiterte Hilfsangebote). Das ist aber keinesfalls das, was die Leitmedien vermitteln.

So hieß es gestern Abend in der Hauptsendung der Tagesschau schlicht, Frauen seien stärker betroffen. Berichtet wird über Isabell, die von ihrem Freund geprügelt wird. Interviewt wird die Bundesgeschäftsführerin der feministischen Organisation Terre des Femmes. Männliche Opfer und Männerrechtler als ihre Fürsprecher kommen in dem Beitrag nicht vor.

Ähnlich sieht es bei "heute" im ZDF aus. "Betroffen von Gewalt sind vor allem Frauen" hieß es auch dort, als Einspieler gab es ein Interview mit der feminsitischen Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen, der gesamte Beitrag konzentriert sich auf weibliche Opfer, und Frauenministerin Prien positioniert sich ähnlich. Männliche Opfer und Männerrechtler kommen auch in diesem Beitrag nicht vor.

Es geht erkennbar nicht um angemessen differenzierte Berichterstattung, sondern darum, in der bekannten Liturgie stur weiter mitzusingen. So schlagzeilt etwa die Süddeutsche Zeitung "Jede fünfte Frau wird vom Partner oder Ex-Partner attackiert" und die Frankfurter Allgemeine "Frauen erleben Gewalt heftiger und öfter". Allein die Berliner Zeitung titelt korrekt: "BKA-Studie: Frauen und Männer gleichermaßen von Partnerschaftsgewalt betroffen". Der SPIEGEL wählt immerhin eine der Studie angemessene Schlagzeile – "Fast jede zweite Person in Deutschland ist schon einmal sexuell belästigt worden" –, auch der Artikel wird den Ergebnissen der Studie gerecht. Als Fürsprecher von Opfern wird aber erneut nur eine Fraktion befragt:

Katja Grieger vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sagt: Dass Frauen in diesen Fällen keine Anzeige erstatten, habe verschiedene Ursachen. Viele Betroffene hätten Angst vor Racheakten oder davor, in ein unkontrollierbares Verfahren zu geraten. Andere vermuteten, dass die Strafanzeige im Nichts verlaufe und keine Konsequenzen habe. "Das hat letztlich etwas mit dem Vertrauen in Behörden und den Staat zu tun, und das scheint nicht so hoch zu sein", sagt Grieger. Ihrer Erfahrung nach erlebten Frauen überall, wo sie sich aufhielten, sexuelle Belästigung oder sexuelle Übergriffe. Das kann beim Date passieren oder auch am Arbeitsplatz. "Was uns Frauen berichten, reicht von subtilen Blicken bis hin zur Vergewaltigung auf der Weihnachtsfeier."


Wie muss man eigentlich drauf sein, um "subtile Blicke" und eine Vergewaltigung im selben Atemzug zu nennen? (Zur Klarstellung: Eine derart entgrenzende Definition von "sexueller Übergriff" findet sich in der Studie nicht.) Wie sollen denn "subtile Blicke" sanktioniert werden?

Das sozialistische Neue Deutschland wählt ebenfalls einen sexistischen Ansatz:

Das Bundeskabinett hat das Gesetz im November beschlossen. Familiengerichte sollen Täter danach künftig zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verpflichten können, um Frauen besser vor Gewalt zu schützen. (...) Elke Ronneberger, Vorständin für Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, beklagte angesichts der neuen Daten, dass sich die Kommunen aus der Finanzierung von Unterstützungsangeboten wie Frauenhäusern und Fachberatungsstellen zurückziehen. "Das ist ein Skandal, denn wenn diese Angebote schließen müssen, verlieren betroffene Frauen oft ihre letzte sichere Anlaufstelle", sagte Ronneberger. Die Bundestagsabgeordnete Kathrin Gebel erinnerte daran, dass weiterhin 12 000 Frauenhausplätze fehlen. "Beratungsstellen sind überlastet und Hilfe hängt zu oft an befristeten Projekten", monierte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion.


In der medialen Berichterstattung heißt es weiter:

Demnach werden Frauen zwar deutlich häufiger Opfer sexueller Übergriffe als Männer, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als männliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.


Das läuft allem zuwider, was man aus der internationalen Forschung weiß, wie ich in meinem Buch sexuelle Gewalt gegen Männer ausführlicher erläutere. Männer, nicht Frauen, bringen sexuelle Übergriffe demnach seltener zur Anzeige, weil es für männliche Opfer sexueller Gewalt kein etabliertes Konzept gibt, diese Erfahrung der klassischen Männerrolle widerspricht und eine solche Erfahrung für Männer noch stärker schambesetzt ist. Warum ist das in dieser Studie anders? Das verrät der Tagesspiegel:

Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der Männer aufgrund der niedrigen Zahl von Fällen ungenau gemessen sein könnte.


Dieser Hinweis fehlt in der medialen Berichterstattung weitgehend. So schreibt etwa die FAZ schon in der Einleitung ihres Artikels "Frauen sind häufiger sexueller Gewalt ausgesetzt – zeigen diese aber seltener an."

Einige weitere Einschränkungen, die in der Studie deutlich werden: Sie beruht auf Selbstberichten: Erinnerungs- und Antwortverzerrungen sind also möglich. Unterschiedliche persönliche Interpretationen dessen, was als Gewalt gilt, können die Angaben beeinflussen. Die Nicht-Erreichbarkeit bestimmter Hochrisikogruppen (etwa Obdachlose und Häftlinge) kann Prävalenzen verzerren. Das bedeutet auch: Soziale Normen ("Männer müssen sich wehren können") können dazu führen, dass Ereignisse nicht als Gewalt benannt werden. Dadurch kann die Häufigkeit männlicher Opfer unterschätzt werden.

Es gibt bei der Studie eine weitere Auffälligkeit. Wenn man sich so wie ich Jahrzehnte lang mit Gewaltstudien beschäftigt hat, fragt man sich sofort: Warum sind hier die Betroffenenzahlen dermaßen hoch? Bislang vorliegende Studien sind weniger alarmistisch. Es gibt aber keinen Grund zu der Annahme, dass die Verhältnisse in Deutschland schlimmer sind als in anderen Ländern dieser Erde oder dass Partnergewalt in den letzten Jahren in die Höhe geschossen ist. Allerdings weiß ich aus meinem Einblick in die Gewaltforschung auch, dass die Betroffenenzahlen regelmäßig umso höher steigen, je breiter der Begriff "Gewalt" gefasst wird. Hier habe ich, um Zeit zu sparen, wieder mal auf Künstliche Intelligenz zurückgegriffen und um eine Einschätzung gebeten. Die Antwort:

Die Höhe der Lebenszeitprävalenzen hängt sehr stark davon ab, wie breit oder eng "Gewalt" definiert und abgefragt wird. Das ist ein bekanntes Phänomen in der internationalen Gewalt- und Viktimisierungsforschung. Bei LeSuBiA (2026) (also der Studie, von der wir hier sprechen – A.H.] ist die Definition tatsächlich deutlich breiter als in vielen polizeilichen Statistiken oder rein strafrechtsorientierten Erhebungen – und damit auch breiter als z. B. in manchen älteren nationalen Studien, die enger auf schwere Körperverletzung fokussiert waren. (…) Viele internationale Studien (z. B. WHO Multi‑Country Study, FRA‑Studie 2014, US‑NCVS) erfassen nur einen Teil dieser Kategorien oder setzen höhere Schwellen für das, was als Gewalt zählt.

Warum führt das zu höheren Betroffenenzahlen?

Drei zentrale Gründe:

1. Niedrige Schwellenwerte

LeSuBiA zählt bereits einzelne Vorfälle bestimmter Verhaltensweisen als Gewalt, die in anderen Studien erst ab einer gewissen Häufigkeit oder Intensität erfasst werden.

Beispiel: Ein einmaliger erniedrigender Kommentar kann als psychische Gewalt zählen. International wird das oft nur als "harassment" oder gar nicht erfasst.

2. Breite Kategorien

Die Studie integriert Formen wie:

- digitale Gewalt

- ökonomische Gewalt

- verbale sexuelle Belästigung

- Kontrollverhalten in Partnerschaften

Diese tauchen in vielen internationalen Befragungen gar nicht oder nur als Zusatzmodule auf.

3. Lebenszeitprävalenz

LeSuBiA erhebt u. a. Lebenszeitbetroffenheit.

Lebenszeitprävalenzen sind naturgemäß immer höher als 12‑Monats‑ oder 5‑Jahres‑Prävalenzen, die international häufiger genutzt werden.

(…) LeSuBiA ist methodisch solide, aber sie misst ein anderes Konzept von Gewalt: ein breites, multidimensionales Gewaltverständnis. Wenn man dieses Konzept nutzt, steigen die Prävalenzen zwangsläufig.

Die Studie nutzt einen breiten Gewaltbegriff, ja. Aber sie ist methodisch sauber und trennt die Kategorien klar. Die Entgrenzung findet in der medialen Darstellung statt, nicht in der Operationalisierung.


Man könnte jetzt mutmaßen, dass die Forscher bewusst einen sehr umfassenden Gewaltbegriff gewählt haben, weil dies zu hohen Zahlen und damit auch zu einer breiten Berichterstattung führt. Das wäre allerdings eine Unterstellung. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Forscher das Gewaltproblem vor allem möglichst umfassend untersuchen wollten. Das ist nicht nur erlaubt, sondern kann auch als wünschenswert gelten, solange man nicht schließlich dabei landet, "subtile Blicke" mit unter Gewalt fallen zu lassen.

Ich habe die Künstliche Intelligenz gestern Nachmittag – also vor den Hauptabendsendungen "Tagesschau" und "heute" – weiter analysieren lassen (auch um meinen subjektiven Standpunkt stärker herauszunehmen) und gefragt, ob die mediale Berichterstattung über die Studie verzerrt ist:

Es gibt keine erkennbaren Falschdarstellungen der Kernzahlen. Allerdings gibt es typische Tendenzunterschiede, die man aus früheren Gewaltstudien kennt:

Linksliberale/öffentlich-rechtliche Medien (z. B. DLF, Spiegel, Tagesschau) legen starken Fokus auf Gewalt gegen Frauen, den Gender Gap und die Istanbul-Konvention-Aspekte. Männer als Opfer werden meist nur kurz erwähnt ("Frauen stärker betroffen als Männer").

Konservative Medien (FAZ, Welt – soweit bisher berichtet) berichten ähnlich faktenbasiert, betonen aber öfter das gesamte Dunkelfeld (inklusive Männer) und die methodische Breite der Definition.

Boulevard dramatisieren die Schlagzeilen, bleiben aber inhaltlich korrekt.

Kritik oder Relativierung (z. B. an der breiten Gewaltdefinition, Recall-Bias, Vergleichbarkeit mit 2004) ist bisher kaum vorhanden – das kommt meist erst in den Folgetagen/Analysen (z. B. in Gastbeiträgen oder Fachdebatten).


Ich habe der Künstlichen Intelligenz gestern einen Artikel der B.Z. und des SPIEGEL über die Studie gegeben:

1. BZ-Berlin-Artikel: mögliche Verzerrungen

(Artikel: "Gewalt in Beziehungen – Dunkelfeldstudie")

Typisches Muster dieses Beitrags (und ähnlicher Boulevardberichte):

Framing-Schwerpunkt:

* starke Hervorhebung weiblicher Opfer

* Darstellung partnerschaftlicher Gewalt primär als Problem männlicher Täter

* Männer erscheinen meist nur als Täterkategorie oder Randgruppe von Opfern

Das steht im Spannungsverhältnis zur Anlage der Studie selbst, die ausdrücklich alle Geschlechter befragt und geschlechterübergreifende Opfererfahrungen untersucht.

Mögliche Wahrnehmungseffekte:

* Leser gewinnen den Eindruck, die Studie bestätige ausschließlich Gewalt gegen Frauen

* männliche Opfer werden als statistisch irrelevant interpretiert

* die Studie erscheint politisch eindeutig normativ, obwohl sie methodisch zunächst deskriptiv ist

Die Verzerrung entsteht also weniger durch falsche Zahlen als durch selektive Hervorhebung einzelner Ergebnisse.

2. SPIEGEL-Artikel:

Hier zeigt sich meist ein anderes Muster.

Framing-Schwerpunkt:

* Interpretation der Ergebnisse primär im Kontext "geschlechtsspezifischer Gewalt"

* politische Schlussfolgerungen (Schutzprogramme für Frauen, Täterarbeit mit Männern)

* männliche Opfer werden erwähnt, aber selten als zentraler politischer Handlungsbereich diskutiert

Folge:

* Studie wirkt wie Bestätigung bereits bestehender Politikprogramme

* Leser nehmen weniger wahr, dass Dunkelfeldstudien gerade dazu dienen, überraschende oder nicht erwartete Befunde sichtbar zu machen

3. Gemeinsamer Mechanismus beider Artikel

Beide Berichte erzeugen – wenn auch unterschiedlich stark – denselben strukturellen Effekt:

a) Selektionsbias der Aufmerksamkeit

Nicht alle Ergebnisse sind gleich berichtenswert; Medien wählen diejenigen aus, die in bestehende Narrative passen.

b) Politische Anschlussfähigkeit

Ergebnisse werden so dargestellt, dass sie bestehende Maßnahmen legitimieren (Schutzprogramme, Prävention, Kampagnen).

c) Rezeptionseffekt

Leser glauben anschließend:

* die Studie sage eindeutig "Gewalt ist primär ein Männer-gegen-Frauen-Problem"

* alternative Interpretationen seien wissenschaftlich widerlegt

* politische Maßnahmen folgten zwingend aus den Daten

Tatsächlich liefern Dunkelfeldstudien zunächst empirische Prävalenzen, aus denen unterschiedliche politische Strategien abgeleitet werden können.

4. Wichtigster Punkt

Die Verzerrung besteht meist nicht darin, dass Journalisten falsche Zahlen berichten, sondern darin, dass sie:

* Ergebnisse normativ interpretieren

* bestimmte Opfergruppen sichtbar machen

* andere statistisch vorhandene Gruppen kommunikativ ausblenden

Dadurch verändert sich langfristig die öffentliche Wahrnehmung dessen, welche Formen von Gewalt als gesellschaftlich zentral gelten.


Heute morgen habe ich von der Künstlichen Intelligenz auslesen lassen, ob es inzwischen auch kritische Stimmen gibt:

Ich habe mir den aktuellen Stand der Berichterstattung zur LeSuBiA-Studie (Stand: 11. Februar 2026, einen Tag nach Veröffentlichung) angeschaut. Die Berichterstattung ist noch frisch und läuft weiter, aber sie hat sich seit gestern etwas diversifiziert. Hier ein Überblick:

- Fokus bleibt stark auf Frauen: Viele Beiträge (z. B. Spiegel, Stern, BMFSFJ-Pressemitteilungen) betonen den Gender Gap in Schweregrad und sexualisierter Gewalt. Männliche Opfer werden oft nur kurz erwähnt ("ähnlich bei psychischer Gewalt in den letzten 5 Jahren") oder gar nicht.

- Politische Reaktionen: Verbände wie Frauenhauskoordinierung, Deutscher Juristinnenbund, GdP fordern nationale Gewaltschutzkonferenz und mehr Mittel. Ministerin Prien und Innenminister Dobrindt appellieren an Chefsache-Gewaltschutz. BKA-Präsident Münch hebt die geschlechterübergreifende Methode hervor.

Gibt es inzwischen Kritik?

Bis jetzt ist systematische, fundierte Kritik noch sehr begrenzt – die Debatte ist erst am Anlaufen. Was bisher sichtbar ist:

- Kaum methodische Kritik in Mainstream-Medien: Keine großen Artikel in Spiegel, FAZ, Welt, Bild oder Tagesschau, die die Definitionen (breite Gewaltbegriffe), Recall-Bias, Stichprobe oder Vergleichbarkeit mit 2004-Studie grundsätzlich anzweifeln. Das kommt oft erst Tage/Wochen später (z. B. in Gastbeiträgen oder Fachdebatten).

- Erste kritische Stimmen zu Framing und Ausgewogenheit:

* Einige Berichte (z. B. New-Facts.eu, Perlenschatz) heben explizit hervor, dass Männer in den letzten 5 Jahren bei körperlicher Partnerschaftsgewalt leicht häufiger betroffen sind (6,1 % vs. 5,2 % Frauen) und kontrollierende Gewalt ähnlich hoch ist – und kritisieren implizit, dass das in der öffentlichen Darstellung untergeht.

* In Sozialen Medien (X/Twitter) und kleineren Blogs gibt es erste Vorwürfe von "Geschlechterbias" oder "Einseitigkeit": Kritik, dass die Studie trotz geschlechterübergreifender Daten primär als "Frauengewaltstudie" vermarktet wird, männliche Opfer (besonders bei psychischer/kontrollierender Gewalt) marginalisiert werden und Hilfsangebote für Männer fehlen. Das ist aber noch kein breiter medialer Diskurs.

* Keine harten methodischen Angriffe bisher: Keine Debatten über Fragebogen-Items (z. B. ob psychische Gewalt zu breit gefasst ist), Stichprobengröße (~15.000) oder Validität. Das könnte in den nächsten Tagen kommen, wenn Fachleute (z. B. aus Kriminologie oder Geschlechterforschung) die PDFs detailliert analysieren.

Zusammengefasst: Die Berichterstattung ist am 11. Februar noch sehr nah an den offiziellen Pressemitteilungen (BKA, BMI, BMFSFJ) und frauenfokussiert, mit starkem Appell-Charakter (mehr Schutz, mehr Mittel). Kritik existiert punktuell (vor allem online und in Nischenmedien), konzentriert sich auf mangelnde Ausgewogenheit beim Geschlechtervergleich und die Vernachlässigung männlicher Opfer – ist aber noch nicht mainstream. In den nächsten Tagen könnte das zunehmen, sobald der volle Ergebnisband tiefer diskutiert wird.


Dr. Joachim Rock, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, hat aus den Studienergebnissen gestern immerhin Forderungen in einer erfreulichen Klarheit geäußert:

"Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen für alle Betroffenen, unabhängig vom Geschlecht."


Das ist eine maskulistische Forderung. Sie muss es jetzt "nur noch" stärker in die Leitmedien schaffen.



Die Studie wird heute auch bei Christian Schmidt diskutiert.



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Montag, Februar 09, 2026

Neue Studie unter 35.000 Erwachsenen: Menschen interessieren sich deutlich weniger für Männer als Frauen in Ausbildung und Beruf

Der Psychologe Dr. John Barry, Mitbegründer des Male Psychology Network, der BPS Male Psychology Section und des Centre for Male Psychology, berichtet aktuell über eine aufschlussreiche Studie, die seines Erachtens viel zu wenig Beachtung fand. Ich habe seinen Beitrag ins Deutsche übersetzt und dabei Passagen, die allzu sehr ins Wissenschaftliche Klein-klein abdrifteten, herausgekürzt. Der vollständige Originaltext ist über den Link einsehbar. Passagen, die ich für zentral halte (besonders für Neulinge im Thema), habe ich durch Fettschrift hervorgehoben.



Es ist erstaunlich, wie häufig eher unbedeutende Studien enorme Aufmerksamkeit erhalten. Umgekehrt kommen große, hochrelevante Studien manchmal ohne nennenswerte Resonanz heraus. Die im vergangenen Jahr veröffentlichte experimentelle Studie von Cappelen und Kollegen ist ein deutliches Beispiel für Letzteres.

Die Studie von Cappelen et al. umfasste 35.000 Erwachsene in den USA und ergab, dass sie Frauen gegenüber Männern tendenziell bevorzugten. Die Untersuchung zeigte, dass Menschen eher akzeptieren, wenn Männer bei der Arbeitsleistung zurückfallen, dies eher als deren eigenes Verschulden ansehen und sie weniger bereit sind, ihnen Hilfe zu gewähren. In den meisten Forschungsfragen war diese Schieflage bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern; in einigen Fragen fiel er bei jüngeren Teilnehmern sowie bei Wählern der Republikanischen Partei geringer aus.

Mein Artikel beschreibt und bewertet diese Studie kurz und ordnet ihre Ergebnisse in die einschlägige Literatur zu Gamma-Bias, Intergruppen-Vorurteilen, der geschlechtsspezifischen Empathielücke und verwandten Phänomenen ein, die geschlechtsspezifische Verzerrungen erklären.

= Die Studie und ihre Ergebnisse =

Die Forschungsarbeit von Cappelen und Kollegen wurde im April 2025 veröffentlicht. Die Studie bestand aus zwei Teilen mit 22.000 beziehungsweise 13.000 US-Teilnehmern, überwiegend Frauen (53 %), mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Folgenden zusammengefasst.

Im ersten Teil wurde über professionelle Umfrageanbieter wie Ipsos eine landesweit repräsentative Stichprobe von 22.000 Amerikanern rekrutiert. Die Teilnehmer sollten als Beobachter zwei Beschäftigte beurteilen — einen Mann und eine Frau — die dieselbe Arbeit verrichteten. Eine Person war produktiver und erhielt einen Bonus, die weniger produktive Person ging leer aus. Die Beobachter wurden gefragt, ob sie den Bonus umverteilen möchten, also einen Teil der Einnahmen des leistungsstärkeren Beschäftigten an die weniger leistungsstarke Person übertragen wollen.

Ein zentraler Aspekt des Experiments bestand darin, dass die Forscher zufällig festlegten, ob die weniger produktive Person männlich oder weiblich war. So konnten sie prüfen, ob die Umverteilungsentscheidungen der Beobachter vom Geschlecht der weniger produktiven Person abhingen.

Cappelen et al. stellten fest, dass Beobachter in etwa zwei Dritteln der Fälle eine Umverteilung zugunsten der weniger produktiven Person befürworteten. War diese Person jedoch männlich, entschieden sich die Beobachter seltener für eine Umverteilung als bei einer weiblichen Person mit geringerer Leistung: 31,1 % gegenüber 38,4 %, also eine Differenz von 7,3 Prozentpunkten.

Aufschlussreich waren auch die Begründungen der Beobachter: "Ein signifikant größerer Anteil [der Beobachter] glaubt, dass Männer im Wahl-Experiment aufgrund mangelnder Anstrengung zurückfallen als Frauen — 53,0 % gegenüber 44,3 %, eine Differenz von 8,7 Prozentpunkten."

Im zweiten Teil der Studie wurde eine neue Gruppe von über 13.000 Teilnehmern gefragt, in welchem Umfang sie staatliche Gleichstellungsprogramme im Bildungs- und Arbeitsmarktbereich unterstützen. 54,2% befürworteten Programme für Frauen, aber nur 42,2% Programme für Männer — eine Differenz von 12 Prozentpunkten. Eine noch größere Differenz zeigte sich bei der Zuschreibung von Ursachen: 46,7 % führten Nachteile von Männern auf mangelnde Anstrengung zurück, gegenüber 32,5 % bei Nachteilen von Frauen — eine Differenz von 14,2 Prozentpunkten.

= Stärkerer Bias bei Frauen =

Obwohl Verzerrungen zulasten von Männern sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftraten, zeigte die Studie außerdem, dass der Bias in drei von vier Forschungsfragen bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern. [Sie] zeigt, dass sowohl Männer als auch Frauen in Studie 1 mehr Einkommen an die weniger leistungsstarke Person umverteilten, wenn diese weiblich statt männlich war, dass der Effekt jedoch größer ausfiel, wenn Frauen die Umverteilungsentscheidungen trafen. (…)

= Erklärungen für die Ergebnisse =

Cappelen et al. erklärten den Bias mit "statistischer Fairness-Diskriminierung: Menschen halten Männer, die zurückfallen, für weniger unterstützungswürdig als Frauen in derselben Situation, weil sie eher glauben, dass Männer aufgrund mangelnder Anstrengung zurückfallen." Diese Erklärung hat den Vorteil, direkt aus den Antworten der Studienteilnehmer abgeleitet zu sein. Meiner Ansicht nach hätte die Arbeit jedoch davon profitiert, bestehende Theorien und Erklärungsansätze stärker zu berücksichtigen, die diese Befunde einordnen könnten.

In den USA sind heute Vorstellungen wie Patriarchatstheorie, männliches Privileg, "Gender Pay Gap" und "gläserne Decke" weit verbreitet, und es liegt nahe, dass eine Stichprobe aus dieser Kultur solche Einstellungen zumindest teilweise widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, die von den Beobachtern genannten Gründe für ihre Umverteilungsentscheidungen genauer zu betrachten.

Obwohl der häufigste Hauptgrund von den Forschern als "Anstrengung" zusammengefasst wurde, wäre es überraschend, wenn Konzepte wie Geschlecht, Gleichheit und Egalitarismus nicht ebenfalls in den Überlegungen vieler Beobachter eine wichtige Rolle gespielt hätten.

Tabelle A24 zeigt 14 Kategorien von Begründungen für die Einkommenszuweisung in Studie 1. Auch wenn Cappelen et al. "Anstrengung" als wichtigste Gesamterklärung identifizieren, sind einige andere zentrale Kategorien relevant, insbesondere "Geschlecht", "Gleichheit" und "Egalitarismus".

Tabelle A24 enthält ein oder zwei Beispiele pro Kategorie. Ein Beispiel aus der Kategorie "Geschlecht" lautet: "Weil Frauen in dieser Gesellschaft viel härter arbeiten müssen für das, was sie verdienen." Ein Beispiel aus der Kategorie "Gleichheit" lautet: "Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit." Ein Beispiel aus der Kategorie "Egalitarismus“ lautet: "Unabhängig von allem sollten wir alle denselben Lohn erhalten." Auch wenn "Anstrengung" der am häufigsten genannte Grund war, ist daher anzunehmen, dass Konzepte wie Geschlecht, Gleichheit und Egalitarismus bei einigen Beobachtern ebenfalls eine bedeutende Rolle spielten. (…)

= Psychologische Erklärungen =

Berücksichtigt man Gründe wie Geschlecht stärker als allein Anstrengung, treten andere Erklärungsmöglichkeiten stärker hervor. Die in dieser Studie beobachtete Tendenz, schlechtere Leistungen bei Männern eher mangelnder Anstrengung zuzuschreiben als bei Frauen, deutet auf einen geschlechtsspezifischen fundamentalen Attributionsfehler hin, wie er beim Gamma-Bias beschrieben wird: Erfolg von Männern wird häufig als Privileg interpretiert und Misserfolg als verdient, während Erfolg von Frauen als verdient und Misserfolg als Folge von Diskriminierung gesehen wird. Ebenso sagt das Konzept der geschlechtsspezifischen Empathielücke voraus, dass Probleme von Männern eher übersehen werden, während Probleme von Frauen als besonders dringlich wahrgenommen werden. Interessant ist das Muster auch aus Sicht der Theorie sozialer Identität, die ursprünglich prognostizierte, dass Menschen Mitglieder der eigenen Gruppe bevorzugen; die vorliegende Studie spiegelt ein Phänomen wider, das Forscher vor rund 25 Jahren überraschte: Frauen bevorzugen andere Frauen, Männer hingegen nicht in gleichem Maße andere Männer.

Ähnliche Verzerrungen wurden auch in verschiedenen anderen Studien festgestellt, etwa zu moralischem Typecasting, zum Zugang zu MINT-Berufen oder zu Maßnahmen der Gesundheitsförderung. Die Annahme, dass die Ergebnisse auf eine pro-Frauen/anti-Männer-Tendenz zurückgehen, ist nicht neu; eine große, methodisch sorgfältige Studie vor einigen Jahren kam zu vergleichbaren Ergebnissen.

Die Variable, die in dieser Studie am stärksten mit dem Bias zusammenhing, war das Geschlecht (Frau), doch auch zwei weitere Faktoren waren damit verbunden: Alter (höheres Alter) und Parteipräferenz (keine Wahl der Republikanischen Partei). Frühere Forschung stützt die Befunde zum politischen Faktor und teilweise auch die Ergebnisse zum Alter.

Hinsichtlich der Parteipolitik ist bekannt, dass eine politisch eher linke Orientierung stark mit Überzeugungen wie Feminismus und Patriarchatstheorie korreliert. Die Befunde zum Alter sind gemischt. Eine große internationale Studie aus dem Jahr 2025 ergab beispielsweise, dass jüngere Frauen Männern gegenüber mehr Sympathie zeigen: 29 % der weiblichen Babyboomer und 39 % der Frauen der Generation Z stimmten der Aussage zu: "Wir sind bei der Gleichstellung von Frauen so weit gegangen, dass wir Männer diskriminieren." Eine andere aktuelle Studie wiederum fand, dass junge Frauen Männlichkeit deutlich negativer bewerten als ältere Frauen.

= Abschließende Bemerkungen =

(…) Die Autoren schließen mit dem Hinweis auf künftige Forschungsbemühungen, um zu verstehen, "wie statistische Fairness-Diskriminierung Verhalten und politische Maßnahmen prägt", und betonen die "Notwendigkeit, sorgfältig zu untersuchen, wie wir mit Menschen umgehen, die in der Gesellschaft Schwierigkeiten haben". Weitere Forschung ist tatsächlich erforderlich, doch dieses Thema ist schwer zu untersuchen. Das liegt zum einen daran, dass die betrachteten Verzerrungen teilweise unbewusst sind, selten offen anerkannt werden und gelegentlich sogar als positiv gelten; vor allem aber daran, dass sie weit verbreitet sind, wie die Ansichten der Teilnehmer in der Studie von Cappelen et al. zeigen. Als weit verbreitete Haltung betrifft diese Einseitigkeit nicht nur Studienteilnehmer, sondern auch Personen, die Forschungsprozesse beeinflussen können. Sozialwissenschaftler könnten diese Sichtweise etwa als "soziale Gerechtigkeit" statt als "Vorengenommenheit" interpretieren und sie deshalb nicht infrage stellen; Förderinstitutionen könnten befürchten, dass Untersuchungen zu diesem Thema nicht den Prioritäten ihrer Gremien entsprechen; Ethikkommissionen könnten zögern, eine solche Fragestellung zu problematisieren; Gutachter könnten sich unwohl fühlen, kontroverse Ergebnisse durch Veröffentlichung indirekt zu bestätigen; und das akademische wie mediale Umfeld könnte entsprechende Arbeiten als zu kontrovers ansehen, um sie breit zu diskutieren. Obwohl die vorliegende Studie die meisten dieser Hürden offenbar überwunden hat, hat sie angesichts ihres Umfangs und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in den neun Monaten seit ihrer Veröffentlichung erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Die Studie erschien in einem kulturellen Umfeld, in dem der Begriff "Gamma-Bias" weitgehend unbekannt ist, während Konzepte wie "Patriarchat" und "gläserne Decke" weithin bekannt sind und als dringliche Probleme gelten. Trotz politischer Entscheidungen, die Gleichstellungsprogramme fördern und dazu beitragen, dass Bildung und Karrieren von Männern hinter denen von Frauen zurückbleiben, wünschen sich Frauen häufig Partner mit höherem Einkommen und höherem Bildungsabschluss als ihrem eigenen. Wir befinden uns somit in einer Situation, die offenbar für Unzufriedenheit auf vielen Seiten sorgt — und dennoch von vielen Menschen politisch eingefordert wird.




Freitag, Februar 06, 2026

DER SPIEGEL: Schwere Vorwürfe gegen feministisches Vorzeige-Unternehmen

1. DER SPIEGEL berichtet über eine Firma, die vielleicht nicht so vorbidlich ist, wie sie nach außen hin wirken möchte. Ein Auszug aus dem sehr ausführlichen Artikel:

Monatelange Recherchen des SPIEGEL offenbaren jedoch, dass es hinter der feministischen Fassade des Start-ups womöglich ganz anders zugeht. Neben Sina Paulsen erheben zehn ehemalige Angestellte Vorwürfe: Sie werfen dem Unternehmen einen schlechten Umgang mit dem mutmaßlichen Vorfall in der Uckermark vor oder berichten von Mobbing gegen Mütter und Arbeitsbedingungen, die sie als krank machend empfanden. Alle diese Vorwürfe weisen das Unternehmen und Gründerin Claus deutlich von sich.

Die Betroffenen wollen in diesem Text anonym bleiben, teils wegen Verschwiegenheitsklauseln in ihren Arbeitsverträgen, teils aus Sorge um ihre berufliche Zukunft, wenn sie sich über Interna äußern. Der SPIEGEL hat auch Chatverläufe, Handyvideos und Verträge geprüft.

(…) Aushängeschild [der Firma] ist Model Stefanie Giesinger, Ex-"Germany’s Next Topmodel"-Gewinnerin mit mehr als fünf Millionen Followern. Ab August 2025 wirbt sie sogar mehrere Monate in einem TV-Spot für das Unternehmen: "Ich bin nicht nur überzeugt von den Produkten und der Haltung, sondern auch von den Menschen dahinter", so der Star über den Einstieg als Gesellschafterin. Auf mehrfache Anfragen reagierte Giesinger nicht.

Dem SPIEGEL hingegen schildern Ex-Mitarbeiterinnen eine Arbeitskultur zwischen Druck und Erschöpfung. Claus sei eine Gründerinnenpersönlichkeit mit Strahlkraft, die charismatisch und zugewandt auftreten könne. Aber auch launisch und manipulativ.

"Ich bin da sehr gebrochen rausgegangen", sagt eine ehemalige Angestellte. Nach ihrer Kündigung habe sie ein halbes Jahr gebraucht, ehe sie wieder arbeiten konnte. Viele werden vom Versprechen eines feministischen Unternehmens gelockt, halten aber offenbar teils kaum zwei Jahre durch. Es sei klar gewesen, dass eine hohe Arbeitsbelastung bei einem Start-up normal sei, doch das Ausmaß bei The Female Company sei gesundheitsschädigend, lautet eine häufige Schilderung. Eine Ex-Mitarbeiterin berichtet, dass sie und andere regelmäßig Phasen mit täglich 12 bis 13 Stunden Arbeit erlebten.

Neben Sina Paulsen verließen weitere die Firma auf ärztlichen Rat. Von »akuten Krankheitszeichen, in Folge ihrer beruflichen Tätigkeit« und einem »hohen Leidensdruck« ist in einem Attest die Rede, das dem SPIEGEL vorliegt. Fünf Personen neben Paulsen berichten von massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, als deren Ursache sie ihre Arbeit bei The Female Company sehen. Ihre Schilderungen reichen von Burn-out über Schlafprobleme bis hin zu Suizidgedanken. Ab Sonntagnachmittag habe sie Atemnot und Panikattacken aufgrund der anstehenden Arbeitswoche gehabt, erzählt eine Ex-Angestellte.

(…) The Female Company startet im Herbst 2024 einen Aufruf, direkt in die Firma zu investieren. Summen zwischen 250 und 25.000 Euro sind möglich. Solche Anlagen bergen üblicherweise hohe Risiken bis hin zum Totalverlust im Insolvenzfall. Die Firma umwirbt vor allem Frauen als Investorinnen: Sie sollten den »Gender Investment Gap« schließen, die Lücke zwischen Männern und Frauen beim Anlegen auf dem Finanzmarkt. Am Ende kommen die gewünschten 1,5 Millionen Euro zusammen.


Schlimmer Artikel. Die Meldestelle Antifeminismus ist informiert.



2. Die fristlose Kündigung einer Mitarbeiterin und Gender-Gegnerin durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie war nicht rechtens. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamburg am Donnerstag in einem Berufungsverfahren (Az. 1 SLa 18/25 und 1 SLa 19/25). Unabhängig von diesem konkreten Fall stellte das Gericht klar, dass Arbeitgeber im Rahmen ihres Weisungsrechts Beschäftigte grundsätzlich dazu anhalten dürfen, in dienstlichen Dokumenten zu gendern.

Die Legal Tribune berichtet, während die Berliner Zeitung die siegreiche Klägerin interviewt hat. Der Sprachwissenschaftler Fabian Payr schließlich erklärt, "wie das Bürgerinnen-und-Bürger-Deutsch uns langsam umprogrammiert".



3.
Lang galt die Borderline-Störung als unbehandelbar, monströs, aber dank neuer Therapien haben sich die Aussichten für Patienten stark verbessert. Das Problem ist nur, dass betroffene Männer oft im Gefängnis landen, nicht in der Klinik.


Die Süddeutsche Zeitung berichtet darüber. Ein Auszug:

Kessler ist noch etwas wichtig: Er möchte, dass mehr über Männer mit Borderline gesprochen wird. Auch deshalb will er reden. Tatsächlich stehen in der öffentlichen Wahrnehmung weibliche Borderline-Patienten im Vordergrund. (…) "Man lernt immer nur Frauen kennen, die sagen, sie haben Borderline", sagt Kessler. Das bestätigt auch Bohus: "Diagnostiziert wird die Borderline-Störung vor allem bei Frauen", sagt der Psychiater. In den Kliniken seien etwa achtzig Prozent der Patienten weiblich. Dabei nimmt man aufgrund älterer Studien an, dass die Störung eigentlich gleich verteilt ist.

Hilfe wäre aber auch für die männlichen Patienten dringend nötig. "Es ist ein schweres Krankheitsbild, mit viel Chaos und emotionalem Leid", sagt Lieb. Schon deshalb sollte man die Betroffenen möglichst früh behandeln. Noch dazu verläuft die Erkrankung ohne fachgerechte Therapie oft chronisch, wie bei Kessler. Bei männlichen Patienten wird die Borderline-Störung wohl häufig übersehen. Das ist tragisch für die Patienten, aber auch für die Gesellschaft. Frauen mit Borderline kämen in die Klinik, Männer ins Gefängnis, heißt es unter Psychiatern oft. Manche Studien gehen davon aus, dass etwa zwanzig Prozent aller männlichen Gefängnisinsassen eine Borderline-Störung haben.




4. ZEIT-Autorin Jana Simon und ihre Tochter unterhalten sich mit Alice Schwarzer unter der Überschrift "Die Männer sind so. Das dauert noch ein bisschen mit denen".



5. Die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet:

Eine fünffache Mutter, die einen hilfsbereiten Autofahrer fälschlich der Vergewaltigung beschuldigte, nachdem er sie betrunken, weinend und barfuß auf der Straße gefunden und nach Hause gefahren hatte, ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Als die 38‑jährige Rachael Jones in die Zelle geführt wurde, warnte der Richter, ihr Verhalten könne Männer künftig davon abhalten, einer alleinstehenden, offensichtlich verstörten Frau zu helfen.

Jones war nach einem durchzechten Abend mit Freundinnen gegen Mitternacht auf dem Heimweg, als der Taxifahrer sie wegen eines Streits aus dem Wagen warf.

Der unbescholtene werdende Vater Salim Ullah, der zufällig vorbeifuhr, war so besorgt über ihren Zustand, dass er anhielt und ihr anbot, sie nach Hause zu bringen.

Doch nachdem er Jones abgesetzt und ihre Bitte um eine Umarmung zurückgewiesen hatte, behauptete sie fälschlich, er und zwei pakistanische Männer hätten sie in ein Auto gelockt und an einem abgelegenen Ort gemeinschaftlich vergewaltigt.

Der 33‑Jährige wurde anhand seines Kennzeichens ermittelt und in seinem Haus in Stoke‑on‑Trent festgenommen.

Er verbrachte 30 Stunden in Polizeigewahrsam, musste sich entwürdigenden Untersuchungen unterziehen und wurde Ziel böswilligen Geredes in seiner Nachbarschaft, bevor die Ermittler feststellten, dass keine Vergewaltigung stattgefunden hatte.

Die Ermittlungen ergaben, dass Ullah den "Weitblick" gehabt hatte, das gesamte Aufeinandertreffen mit seinem Mobiltelefon aufzuzeichnen und das Material der Polizei zur Entlastung vorzulegen.

In einer Erklärung sagte er: "Meine Frau war damals im sechsten Monat schwanger, und dieser Vorwurf hat uns enorm belastet. Ich hätte ganz für sie da sein sollen, doch wir hatten Angst vor dem Ausgang des Verfahrens. Ich fürchtete, bei der Geburt nicht dabei sein zu können, und bin einfach nur dankbar, dass ich die Begegnung aufgenommen habe."

Ullah, der sich "verletzt" fühlte, fügte hinzu: "Ich glaube, ich wurde wegen meiner Herkunft ins Visier genommen."

Vor dem Crown Court in Chester gestand Jones aus Hassall Green, Cheshire, die Strafvereitelung.

Richter Steven Everett sagte zu ihr: "Herr Ullah hat sich vorbildlich verhalten. Er tat, was viele nicht getan hätten, und kam Ihnen zu Hilfe. Traurigerweise ist genau das der Grund, warum viele andere Menschen einer alleinstehenden, verstörten Frau mitten auf der Straße ohne Schuhe nicht helfen würden: wegen dessen, was ihm aufgrund seiner Hilfsbereitschaft widerfahren ist. Viele werden sagen: ‚Das mache ich nicht, falls mir am Ende ein schwerer Vorwurf gemacht wird.‘ Ihr Verhalten hat Folgen für Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, und es schadet jenen Opfern, die tatsächlich angegriffen und sexuell missbraucht wurden und am Straßenrand zurückbleiben, während vorbeifahrende Autofahrer denken: ‚Ich gehe kein Risiko ein.‘"

Der Richter bezeichnete es als "Glücksfall", dass Ullah das Gespräch im Auto aufgezeichnet hatte. Ohne diese Aufnahme, so sagte er, "möchte man sich die Folgen gar nicht ausmalen".

"Ich habe keinen Zweifel, dass er wegen Vergewaltigung angeklagt worden wäre, und Sie wären unbehelligt weitergezogen", fügte er hinzu.

Der Vorfall ereignete sich am 18. April 2022, nachdem Jones sich nach einem Streit mit ihrem Partner bei einem Abend mit Freundinnen betrunken hatte.

Staatsanwalt Thomas McLoughlin erklärte, sie sei während der Taxifahrt "streitlustig" geworden und daraufhin am Straßenrand abgesetzt worden.

Doch zu Hause angekommen, erzählte Jones der Polizei, sie sei "von drei pakistanischen Männern vergewaltigt" worden, die ihr gedroht hätten, sie zu töten, falls sie nicht gehorche.

"Sie gab Beschreibungen ab und behauptete, der Angriff habe 45 Minuten gedauert", sagte McLoughlin. "Doch ihre Darstellung war vollständig erfunden."




6. In einem weiteren Artikel berichtet die Daily Mail über einen Vorfall in den USA:

Ein Lehrer und Ringertrainer aus Nebraska könnte für bis zu 20 Jahre ins Gefängnis kommen, weil er nach Angaben der Behörden kurz nach dem Schulabschluss eine Beziehung zu einer ehemaligen Schülerin eingegangen ist.

Cody Pester (26), der an der Palmyra Junior-Senior High School die sechste Klasse unterrichtete, wurde Ende letzten Monats verhaftet, nachdem Ermittlungen des Lancaster County Sheriff’s Office die Beziehung aufgedeckt hatten.

Die Polizei teilte mit, dass Pester und die damals 18-Jährige am Tag ihres Abschlusses, dem 10. Mai 2025, begonnen hätten, Textnachrichten auszutauschen – insgesamt sollen es rund 13.000 gewesen sein.

Die beiden sollen sich bereits zuvor bei sportlichen Veranstaltungen kennengelernt haben.

Ab dem 18. Juli soll die Beziehung sexueller Natur geworden sein, wie Chief Deputy Ben Houchin in einer Pressekonferenz erklärte.

Obwohl die Absolventin volljährig war, verbietet ein Gesetz in Nebraska Lehrkräften intime Beziehungen zu Schülern innerhalb von 90 Tagen nach deren Abschluss.

Pester, der bei seiner Festnahme auf sein Aussageverweigerungsrecht verzichtete, gab den Ermittlern gegenüber zu, dass die beiden im Juli etwa sechs Mal Sex hatten.

Die junge Frau war nicht seine direkte Schülerin, da er in der sechsten Klasse unterrichtete und sie die Highschool besuchte.

Der Sheriff’s Office erfuhr Ende Dezember 2025 von der mutmaßlichen Beziehung. Am 23. Januar wurde die ehemalige Schülerin befragt.

Unklar ist, wer die Behörden ursprünglich informiert hat.

Die Absolventin berichtete den Ermittlern, dass sie und Pester im Juli und August 2025 mehrmals Geschlechtsverkehr hatten.

Drei Tage später wurde Pester festgenommen. Nachdem die Kaution zunächst auf 100.000 Dollar festgesetzt worden war, wurde sie auf 10.000 Dollar herabgesetzt, woraufhin er freikam.

Er wurde umgehend vom Unterricht und seiner Trainerposition entbunden.

Die Schulleitung verschickte einen Brief an die Eltern: "Wir informieren Sie hiermit, dass Cody Pester, Lehrer der sechsten Klasse an der Palmyra Junior/Senior High School, heute Morgen wegen des Verdachts einer unangemessenen Beziehung zu einer ehemaligen Schülerin verhaftet wurde. Nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe haben wir Herrn Pester sofort von allen Unterrichts- und außerschulischen Aufgaben entbunden und kooperieren vollumfänglich mit den Strafverfolgungsbehörden. Wir wissen, dass solche Nachrichten Schüler, Eltern und Kollegen beunruhigen können. Beratungs- und Unterstützungsangebote stehen den Schülern der Highschool in den kommenden Tagen zur Verfügung. Familien können sich bei Fragen jederzeit an die Schulleitung wenden."

Pester wurde wegen "sexuellen Missbrauchs durch einen Schulbediensteten" angeklagt – ein Vorwurf, der mit bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.




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Donnerstag, Februar 05, 2026

Vorwürfe sexueller Übergriffe: Neil Gaiman verteidigt sich gegen "Schmutzkampagne"

1. Neil Gaiman, einem der bekanntesten Fantasy- und Phantastik-Autoren unserer Zeit, wurde 2024 vorgeworfen, sich sexuell übergriffig verhalten zu haben. Vor fast exakt einem Jahr habe ich hier die Argumentation einer Feministin veröffentlicht, der zufolge Gaiman unschuldig sein dürfte. Jetzt hat sich Gaiman selbst noch einmal dazu geäußert:

Neil Gaiman hat weiterhin die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens bestritten und bezeichnete sie als "Verleumdungskampagne", wobei er behauptete, es gäbe "E-Mails, Textnachrichten und Videobeweise, die ihnen eindeutig widersprechen".

In einer neuen, ausführlichen Erklärung, die Gaiman am Montag, dem 2. Februar, auf Bluesky teilte, sagte der Autor von "Good Omens", es sei "ein zeitweise alptraumhaftes eineinhalb Jahre" gewesen, und erwähnte auch ein neues Schreibprojekt, an dem er arbeite. "Diese Anschuldigungen, insbesondere die wirklich reißerischen, wurden von Menschen verbreitet und verstärkt, die viel mehr an Empörung und Klicks auf Schlagzeilen interessiert zu sein schienen als daran, ob die Dinge tatsächlich passiert sind oder nicht. (Sind sie nicht.)", sagte Gaiman in seinem ersten öffentlichen Kommentar zu den Vorwürfen seit fast einem Jahr.

(…) In seiner Erklärung am Montag sagte Gaiman, er sei "erstaunt" darüber, wie viel von der Berichterstattung über die Vorwürfe "einfach eine Echokammer war und wie die tatsächlichen Beweise abgetan oder ignoriert wurden".

Gaiman hat alle Vorwürfe gegen ihn bestritten. Seitdem wurde er von mehreren Projekten abgesetzt, die auf seiner Arbeit basieren, darunter "Anansi Boys" und die letzte Staffel von "Good Omens" auf Amazon.


Gaiman erklärte weiter:

"Was mich in diesem ganzen Wahnsinn am Leben gehalten hat, ist die Überzeugung, dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommen wird." Seit der Veröffentlichung der Anschuldigungen hat der Comicverlag Dark Horse die Zusammenarbeit mit Gaiman beendet, und auch DC Comics hat eine Neuauflage seiner Sandman-Reihe aus dem Programm genommen. Auch eine geplante Theateradaption von Gaimans Kinderbuch Coraline wurde abgesagt.

Gaiman erklärte auch, sein eigenes Motto sei: Wenn die Dinge schwierig werden, mach' gute Kunst. Und obwohl sich viele Fans von ihm abgewandt haben, habe er diese Zeit genutzt, um einen neuen Roman zu schreiben. Außerdem verbringe er die Hälfte jedes Monats damit, ein Vollzeit-Vater zu sein.


Dass zahllose Menschen bis heute nicht in der Lage sind, zwischen Vorwürfen und Tatsachen zu unterscheiden, bleibt ein gewaltiges Problem.



2. Die FOCUS-Redakteurin Tanit Koch beschäftigt sich mit der fehlenden Gerechtigkeit beim Kriegsdienst:

Vor wenigen Tagen wagte sich die Frauenunion an ein Thema, das direkt vom kommunikativen Lifestyle- und Dental-Fiasko der Christdemokraten verdrängt wurde – leider. Denn es verdient Aufmerksamkeit.

Die Unionsfrauen, von vermeintlich feministischer Seite gelegentlich als Hausfrauenunion verspottet, fordern in einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag am 20. und 21. Februar: Nicht nur für junge Männer sollte der neue Wehrdienst-Fragebogen verpflichtend sein. Sondern auch für junge Frauen.

Verwegen. Ein Fragebogen! Perspektivisch steckt aber natürlich dahinter, dass auch Frauen Wehr- oder Ersatzdienst leisten sollen.

Es ist interessant, dass diejenigen, die sonst bei jeder Gelegenheit auf Genderneutralität und Unisex pochen, bei der Frage "Frauen in Flecktarn" entweder sehr still sind – oder dagegen.

Carmen Wegge etwa, Chefin der SPD-Frauen, sagte im Deutschlandfunk, sie lehne in Bezug auf Frauen und Bundeswehr alles ab, "was mit Zwang und Verpflichtung zu tun hat". Frauen sollten, wie bereits bisher, "gleichberechtigt freiwillig zur Bundeswehr gehen".

Gleichberechtigt freiwillig. Finde den Fehler. Wobei: In Artikel 3 Grundgesetz steht ja auch nur, "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" – nicht etwa "gleichverpflichtet".

(…) Mal am Anfang, mal am Ende der Diskussion muss dann die Verfassung herhalten: Artikel 12a zufolge dürfen Frauen "auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden". Darauf zu beharren, ist jedoch ein Argument der Kategorie "Geht nicht, weil: geht nicht".




3. Das Blog Schwulissimo berichtet:

Die Texas A&M Universität stellt ihren Studiengang für Gender Studien ein. Das gab die Hochschulleitung jetzt bekannt. Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund einer universitätsweiten Überprüfung des Kursangebots, demnach immer weniger Studenten Interesse an einem solchen Studiengang haben. Die Kosten, das Studienfach weiter anzubieten, seien damit zu hoch, betonte die Campusleitung. Der Beschluss folgt demnach einem neuen Trend in den USA, immer mehr Universitäten haben Fächer im Bereich Gender inzwischen beendet, darunter unter anderem die University of Iowa, die Wichita State University in Kansas und die University of California, Santa Cruz.

Auslöser der Überprüfung in Texas war ein Video, das im vergangenen Jahr viral ging und einen Studenten zeigte, der eine Professorin wegen Unterrichtsinhalten zur Geschlechtsidentität konfrontierte. Der Vorfall führte zu öffentlicher und politischer Kritik. Interimspräsident Tommy Williams traf dann schlussendlich die Entscheidung zur Einstellung des Studiengangs aufgrund geringer Studentenzahlen und den hohen Kosten, die dem gegenüberstehen.

"Wir wissen, dass dies eine verheerende Nachricht ist. Doch eine der zentralen Aufgaben von Universitätsleitungen ist der verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Mitteln. Selbst die kleinsten Programme erfordern fortlaufende Investitionen in Lehrkapazitäten, personelle Unterstützung und administrative Aufsicht", so ein Sprecher des Interimspräsidenten gegenüber der Texas Tribune.

Texas A&M bot in der Frauen- und Gender-Forschung einen Bachelor of Arts, einen Bachelor of Science, ein Nebenfach sowie ein Zertifikat für Graduierte an. Derzeit sind nur noch 25 Studenten im Hauptfach und 31 Studenten im Nebenfach eingeschrieben. Bereits immatrikulierte Studenten und Studentinnen dürfen ihr Studium innerhalb der nächsten sechs Semester abschließen, neue Aufnahmen sind nicht mehr vorgesehen.




4. Die Post. Einer meiner Leser ärgert sich über einen aktuellen Beitrag aus Konstanz, der zwei Mitglieder von Terre des Femms bei deren Forderung nach einem Frauennachttaxi unterstützt, das jedes Jahr 50.000 Euro kosten würde. Die beiden Aktivistinnen hatten dem Oberbürgermeister der Stadt einen großformatigen Stadtplan überreicht, "auf dem Frauen jene Stellen markiert hatten, an denen sie sich spätabends besonders unsicher fühlen." Der Artikel bezeichnet dies als "Gefahrenstadtplan". Mein Leser merkt dazu an:

Wenn mit Gefühlen Politik gemacht wird.

Nur weil sie sich an den markierten Stellen unsicher fühlen, heißt es nicht, daß sie es sind:

a) ob dort tatsächlich Gefahrenschwerpunkte sind

b) ob dort besondere Gefahrenschwerpunkte für Frauen sind

c) selbst wenn in Konstanz entgegen aller Statistik mehr Frauen als Männer Gewaltopfer wären, ist das kein Grund einem Mann eine Hilfe und Vergünstigung nicht zu gewähren und nur den Frauen.

Es wäre eine journalistische Aufgabe, den Aktivistinnen solche Fragen zu stellen.


Mein Leser hat Recht. Ich kann mich auch mit einigen männlichen Lesern zusammentun und die Stellen auf einem Stadtplan markieren, wo "Männer sich spätabends besonders unsicher fühlen", um einen kostenlosen Taxidienst zu fordern. Allerdings bezweifle ich stark, dass daraus ein öffentlicher Auftritt mit dem betreffenden Oberbürgermeister und freundliche Berichterstattung erwachsen würde.



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Mittwoch, Februar 04, 2026

Neue Studie: Frauen befürworten politische Gewalt eher als Männer

1. Eine der Kuriositäten, wenn Feministinnen Männerrechtler als enorme Bedrohung darstellen, liegt darin, dass der Feminismus eine Gewaltgeschichte aufweist, die sich beim Maskulismus nicht findet. Diese Diskrepanz ist nicht auf die Geschlechterdebatte beschränkt, wie die neueste Forschung zeigt:

Wenn wir über politische Gewalt sprechen, gehen wir in den meisten Fällen davon aus, dass die Täter junge Männer sind. Das erscheint plausibel: Männer greifen statistisch häufiger zu körperlicher Gewalt und werden öfter wegen Gewaltdelikten festgenommen. Zugleich sehen sich viele mit steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden Bildungsabschlüssen und wachsender sozialer Entfremdung konfrontiert. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Forschende annehmen, junge Männer trieben eine größere Toleranz gegenüber politischer Gewalt voran.

Neue Daten stellen diese Annahme jedoch infrage. Eine aktuelle Umfrage des Network Contagion Research Institute (NCRI) an der Rutgers University ergab, dass Frauen unter bestimmten Bedingungen eher als Männer bereit waren, politische Gewalt zu befürworten. Die Ergebnisse widersprachen dem vorherrschenden Narrativ so deutlich, dass sie selbst die Forschenden überraschten.


Die übliche Überraschung, sobald sich Frauen keineswegs heiliger als Männer herausstellen.

Bei genauerem Hinsehen ergibt diese Entwicklung allerdings Sinn, wenn man erkennt, woher diese Impulse bei manchen Frauen stammen. Der Aufstieg dessen, was ich "strafende Weiblichkeit" nenne, ist eine Folge der toxischen politischen Onlinekultur – einer Kultur, die das Geschlecht verändert, das lange als zurückhaltender und weniger gewaltgeneigt galt.

Um die Toleranz gegenüber politischer Gewalt zu untersuchen, nutzte das NCRI Daten aus einer Umfrage unter 1.055 Befragten, die so gewichtet wurde, dass sie repräsentativ nach Geschlecht, Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Bildungsgrad ist. Die Teilnehmenden wurden gefragt, ob sie irgendeine Rechtfertigung für den gezielten Mord an Präsident Donald Trump und dem Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, sähen. Die Antworten wurden auf einer siebenstufigen Skala erfasst, die von null ("völlig ungerechtfertigt") bis sechs ("hochgradig gerechtfertigt") reichte.

Unter den links der Mitte verorteten Befragten äußerten 67 Prozent zumindest eine gewisse Rechtfertigung für den Mord an Trump – ein Anstieg um elf Prozentpunkte gegenüber einer früheren NCRI-Studie aus dem Jahr 2025. Vierundfünfzig Prozent der rechts der Mitte verorteten Befragten gaben an, in gewissem Maß den Mord an Mamdani zu rechtfertigen.

Auffällig ist, dass die Rechtfertigung für die Tötung Trumps und jene für die Tötung Mamdanis stark miteinander korrelierten. Das legt nahe, dass Unterstützung für politischen Mord nicht bloß parteipolitisch motiviert ist, sondern eine allgemeine Toleranz gegenüber politischer Gewalt widerspiegelt.

Das unerwartetste Ergebnis: Frauen befürworteten solche Gewalt signifikant häufiger als Männer. Weibliche Befragte waren etwa 21 Prozent eher als männliche bereit, zumindest eine gewisse Rechtfertigung für den Mord an Mamdani zu äußern, und rund 15 Prozent eher geneigt, den Mord an Trump zu rechtfertigen.

Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Diese Effekte blieben auch dann bestehen, wenn Alter und andere Variablen kontrolliert wurden.

Diese Diskrepanz lässt sich nicht ohne Weiteres durch biologische Geschlechtsunterschiede oder allein durch politische Polarisierung erklären. Vielmehr spiegelt sie den Aufstieg einer eigenständigen und beunruhigenden Denkweise wider.

Die stärksten Prädiktoren für Gewaltakzeptanz in den NCRI-Daten waren intensive Nutzung sozialer Medien und das Gefühl, die USA befänden sich in einem Zustand endgültigen Niedergangs. Die Gewaltbefürworter in der Umfrage sind keine klassischen Extremisten. Vielmehr scheinen sie von Verzweiflung, Nihilismus und moralischer Verwirrung geprägt zu sein, wie sie online verbreitet sind.

Aus nicht ganz klaren Gründen scheinen Frauen für diese Denkweise besonders anfällig zu sein. In den vergangenen zehn Jahren sind Frauen – insbesondere jüngere – in ihren politischen Urteilen stärker politisch und emotional polarisiert worden. Politische Meinungsverschiedenheiten werden zunehmend als schwerwiegende moralische Verfehlungen betrachtet und nicht mehr als bloße Differenzen. Wer die Welt so sieht, hält es für moralisch gut, andere für abweichende Ansichten zu bestrafen.

Ich bezeichne diese Haltung als "strafende Weiblichkeit". Damit meine ich keine Feindseligkeit, Grausamkeit oder Aggression im herkömmlichen Sinn. Gemeint ist die Verwandlung moralischer Sorge in eine Legitimation, strafend zu handeln. Die Übernahme dieser Haltung wird durch eine Mischung aus roher Wut, emotionaler Manipulation und einem übersteigerten Gefühl moralischer Gewissheit befeuert.

Soziale Medien spielen bei dieser Transformation eine zentrale Rolle. Moderne Plattformen belohnen Empörung, Absolutheitsansprüche und demonstrative Aggression. Sie ebnen moralische Komplexität ein und heben Verurteilung hervor – bis hin zu ihrer Verherrlichung.

(…) Wenn uns soziale Stabilität und das Wohlergehen der nächsten Generation wichtig sind, müssen wir den Kurs ändern. Wir müssen aufhören, moralische Empörung zu belohnen – insbesondere dann, wenn sie Unterstützung für Gewalt einschließt.




2. DER SPIEGEL beschäftigt sich mit der wachsenden Unlust auf männlichen Nachwuchs: "So schlimm sind Jungs auch wieder nicht." Die erkennbar feministisch orientierte Autorin des Artikels räumt ein, dass es Gründe gibt, keinen Sohn haben zu wollen: "Jungen haben häufig mehr Probleme in der Schule als Mädchen, sie sind oft unruhiger, haben schlechtere Noten, schließen seltener die Schule oder eine Ausbildung ab. Dafür geraten sie häufiger in Konflikt mit dem Gesetz, haben mehr gewaltvolle Auseinandersetzungen, nehmen öfter Drogen." Statt auf diesen Beobachtungen eine Analyse über gesellschaftliche Benachteiligung zu entwickeln, argumentiert sie:

Das sind nur Aussagen über den Durchschnitt. Sie sagen nichts über das einzelne Kind. Die Vorhersagekraft des Geschlechts ist dabei meist viel geringer als die Unterschiede von Mädchen und von Jungen untereinander. Ein konkretes Beispiel: Zwar sind fast doppelt so viele männliche Jugendliche irgendwann in einen Gewaltdelikt verwickelt als weibliche. Für beide Geschlechter gilt jedoch: Der Mehrheit passiert das nicht. Man muss nicht das Y-Chromosom fürchten, wenn man eigentlich Angst vor Gewalt, Mobbing und Misserfolg hat.


Das ist immerhin eine Einstellung, die man auch vielen anderen Feministinnen wünschen würde.



3. Arte berichtet in einer fast einstündigen Dokumentation über sexuelle Gewalt gegen Männer als Kriegswaffe.



4. Nach 20 Jahren Gefängnis wegen sexuellen Kindesmissbrauch, der in Wahrheit nie passiert war, ist jetzt ein Mann aus Texas in die Freiheit entlassen worden. Seine Tochter hatte ihn im Alter von zwölf Jahren beschuldigt und diese Anschuldigungen als Erwachsene zurückgezogen. (Die Anschuldigungen geschahen im Rahmen einer Psychotherapie; wie fragwürdig viele solcher Therapien damals waren, habe ich 2001 in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" dargelegt.)



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Dienstag, Februar 03, 2026

"Frau säbelt ihrem Mann den Penis ab und ersticht ihn, bevor sie mit blutverschmierten Händen einkaufen geht"

1. Die britische Tageszeitung "Sun" berichtet.

Eine Frau soll ihrem Partner in einem rasenden Messerangriff die Genitalien abgeschnitten haben, bevor sie mit blutverschmierten Händen einkaufen ging.

Die schrecklichen Vorwürfe kamen ans Licht, als die Polizei die Festnahme der Verdächtigen wegen Mordverdachts in Bilbao, Nordspanien, bestätigte. Die 55-jährige Frau stammt aus Südamerika, das Opfer wurde als 67-jähriger "Europäer" beschrieben. Die Polizei weigert sich, seine Nationalität zu bestätigen. Die Frau wurde heute Morgen in einer Immobilie in Uribarri, einem Wohnviertel von Bilbao, festgenommen.

Die Ertzaintza, die autonome Polizei des Baskenlandes, wurde aufgrund von Hinweisen auf einen mutmaßlichen Mord gerufen. Am Tatort fanden die Beamten die Leiche eines Mannes "mit deutlichen Anzeichen eines gewaltsamen Todes". Die Frau befand sich ebenfalls in der Wohnung und gestand den Mord an ihrem Partner, teilte die Polizei mit. Sie wurde am Tatort festgenommen, als die Ermittlungen in diesem beunruhigenden Fall aufgenommen wurden.

Die Polizei lehnte es ab, sich zu den Behauptungen über Genitalverstümmelung und Einkäufe zu äußern, die zuerst vom spanischen Fernsehsender Telecinco ausgestrahlt wurden. Der investigative Journalist Alfonso Egea, ein regelmäßiger Mitarbeiter von Telecinco, schrieb auf X: "Eine Frau hat sich in Bilbao gestellt, nachdem sie ihren Mann erstochen und ihm die Genitalien amputiert hatte. Nach der Tat ging sie mit blutverschmierten Händen einkaufen."

Nachbarn sagten, das Paar habe in einer Mietwohnung im fünften Stock gewohnt, und beschrieben das Opfer als Barbesitzer, der sein ganzes Leben lang in der Gegend gelebt habe. Seine Partnerin sei vor etwa vier Jahren zu ihm gezogen, fügten sie hinzu.

Die schrecklichen Vorwürfe kommen nur wenige Tage, nachdem eine misstrauische Ehefrau in Südkorea wegen schwerer Körperverletzung für schuldig befunden wurde, nachdem sie ihrem betrunkenen Ehemann den Penis abgeschnitten hatte. Die wütende Frau griff ihren 50-jährigen Ehemann in einem Café an, nachdem sie ihn angeblich der Untreue verdächtigt hatte. Die nur als A identifizierte 58-jährige Frau schlug im August 2024 in einem Café im Bezirk Hwado-myeon auf der Insel Ganghwa zu. Der 40-jährige Schwiegersohn der Frau betrat das Lokal und fesselte ihn mit einem Seil und Industrieklebeband. Nachdem das Opfer gefesselt war, begann sie ihren brutalen Angriff und stach etwa 50 Mal auf ihren Mann ein, bevor sie ihm mit einer scharfen Waffe den Penis abtrennte. Sie nahm das abgetrennte Genital und spülte es in der Toilette des Cafés herunter, wodurch laut Gericht die Möglichkeit einer chirurgischen Wiederanbringung zunichte gemacht wurde. Der Mann wurde später ins Krankenhaus gebracht, nachdem Rettungskräfte ihn gefunden hatten. Er wurde operiert und überlebte den Angriff, hat jedoch bleibende körperliche und psychische Verletzungen davongetragen.

In einer schockierenden Wendung einigte sich das Opfer mit seiner Frau und bat das Gericht offiziell um Milde. Die Frau wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, während ihr Schwiegersohn wegen seiner Beteiligung an dem Angriff zu vier Jahren Haft verurteilt wurde.




2. Die New York Times stellt eine Frage, mit der sich Maskulisten seit Jahrzehnten beschäftigen: "Mädchen jeder Altersstufe liegen beim Lesen vorne – können Jungen aufholen?" Ein Auszug aus dem Artikel:

Seit etwa Mitte der 2010er-Jahre sind die Lesekompetenzen weiter gesunken — ein Trend, der nach Einschätzung von Bildungsexperten vermutlich zum relativen Rückgang der Schul- und Hochschulteilnahme von Jungen beiträgt. Lesen ist schließlich der Schlüssel zum Verständnis anderer Fächer und zum Erfolg in Studium und Beruf. Eine Untersuchung in 18 Ländern zeigte, dass schwächere Lesefähigkeiten bei Jungen ihre Chancen auf ein Hochschulstudium unmittelbar mindern.

Trotz der weltweiten Geschlechterdifferenz im Lesen sind die Defizite von Jungen jedoch keineswegs naturgegeben; ihre Fähigkeiten ließen sich durchaus verbessern, betonen Fachleute. Dass Leistungsunterschiede veränderbar sind, zeigt sich bereits daran, dass der Vorsprung von Jungen in Mathematik für Mädchen deutlich geschrumpft ist.

"Dass sich die Mathematik-Lücke so stark verändert hat, zeigt, wie sehr gesellschaftliche Bedingungen solche Unterschiede beeinflussen können", sagt Sean Reardon, Professor an der Stanford Graduate School of Education, der die Auswertung der Testergebnisse leitete. "Wir könnten Jungen also durchaus helfen, im Lesen aufzuholen. Wir haben Gesellschaft und Schulen nur noch nicht entsprechend organisiert."

(…) "Vieles hat eine biologische Grundlage, ist aber dennoch vollkommen veränderbar", sagt Dalton Conley, Soziologe an der Princeton University, dessen Forschung zeigt, wie Gene und Umwelt eines Kindes zusammenwirken und seine Leseentwicklung prägen. "Das bedeutet nicht, dass wir als Gesellschaft nicht die nötigen Ressourcen bereitstellen und Jungen Lesen auf andere Weise vermitteln könnten, um die Lücke zu schließen."

Zahlreiche Studien belegen, wie stark das Umfeld von Kindern ihre Lesefähigkeiten beeinflusst. Die Vorstellungen von Eltern, Lehrkräften und Mitschülern wirken sich unmittelbar auf die Leseleistungen von Jungen aus.

Mütter sprechen häufiger und ausführlicher mit ihren Töchtern als mit ihren Söhnen. Selbst wenn Jungen in Lesetests die gleichen Ergebnisse erzielen wie Mädchen, bewerten Lehrkräfte die Leistungen der Mädchen höher.

Eine Auswertung von knapp 100 Studien ergab, dass Achtjährige bereits glauben, Mädchen seien sprachlich begabter — ein Eindruck, der später das Selbstvertrauen und das Interesse von Jungen am Lesen mindert.

Vielleicht auch deshalb geben Mädchen häufiger an, gern zu lesen — und weil sie es öfter tun, werden sie darin besser.




3. Wie norwegische Forscher herausgefunden haben, sind Mädchen glücklicher an der Schule als Jungen. "Spaß an der Schule zu haben und sich in der Schule sicher zu fühlen, hängen eng miteinander zusammen", berichtet einer der Wissenschaftler.



4. Österreichs sozialdemokratisches Magazin "Kontrast" erklärt, dass Frauenkleidung im Durchschnitt kleinere Hosentaschen habe als die von Männern, weil dies zur patriarchalen Unterdrückung gehöre: "Ein iPhone X passte in alle getesteten Männerhosen, aber nur in knapp 40 Prozent der Frauenhosen."



5. In der Reihe "Wie die Demokratische Partei die Männer verloren hat" ist ein neuer Artikel erschienen. Mit dem Bürgerkrieg in Sierra Leone als Beispiel argumentiert der Autor, dass nur Männer in der Lage seien, eine Gesellschaft effektiv zu verteidigen: "Männer sind, anders gesagt, perfektes Kanonenfutter." Wer solche "evolutionären Kräfte" nicht berücksichtige, gleite zwangsläufig in "ideologischen Unsinn" ab.

Ich halte es für schwierig, aus einer Extremsituation wie einem unmittelbar drohenden Massaker Aussagen über Geschlechterrollen in modernen, hochindustrialisierten Gesellschaften abzuleiten, aber spätere in dem Text entwickelte Thesen sind stichhaltiger:

Erstens: Entgegen den Behauptungen meiner liberalen Freunde sind Männer nicht schuld daran, dass die Vereinigten Staaten keine Präsidentin haben. Hillary Clinton gewann 2016 einen deutlichen Vorsprung in der landesweiten Stimmenzahl, trat ihr Amt aber wegen der Verzerrungen des Electoral College nicht an. Offensichtlich leben wir in einem Land, das durchaus bereit ist, eine Frau zur Präsidentin zu wählen. Laut dem Center for the American Woman and Politics waren 41 Prozent von Clintons Wählern Männer und 41 Prozent von Trumps Wählern Frauen. Die Vorstellung, Männer seien allein für dieses Ergebnis verantwortlich, ist unter anderem zutiefst bevormundend gegenüber Frauen.

Zweitens: Die Amerikaner stehen nicht vor denselben Gefahren wie die Menschen in Kenema, aber wir halten weitgehend an einer Geschlechterbinarität fest, weil das alle Gesellschaften tun. Trotz längst überfälliger Fortschritte in der Gleichstellung der Geschlechter stellen Männer in diesem Land immer noch 97 Prozent der Gefallenen im Kampf und 94 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle. Jedes Jahr sterben mehr Männer bei den gefährlichsten Berufen der Nation – Holzfällerei, Fischerei, Bauwesen, Bergbau, Ölgewinnung – als im gesamten Afghanistankrieg. Und über 90 Prozent der sogenannten "Bystander Rescues" werden von Männern durchgeführt. Frauen leisten ebenso viel lebenswichtige Arbeit wie Männer und sind in ihrem persönlichen Leben enorm selbstaufopfernd, aber sie springen fast nie, sagen wir, auf U-Bahn-Gleise, um einen Fremden zu retten, wenn körperlich fähige Männer anwesend sind.

(…) Aber weiblich-typische Eigenschaften wie Empathie, soziale Vernetzung, organisatorische Fähigkeiten und emotionale Gewandtheit haben in der ständig vernetzten Online-Welt, in der wir leben, einen noch höheren Nutzen. Männliche biologische Eigenschaften sind also zunehmend weniger wertvoll, und weibliche biologische Eigenschaften zunehmend wertvoller.

All das hat das Gefühl vieler Männer schwer erschüttert, in der heutigen Gesellschaft eine unersetzliche Rolle zu spielen – eine entscheidende Quelle von Selbstwert. Wenn man die liberale Presse liest, stößt man regelmäßig auf Artikel darüber, "was mit den Männern nicht stimmt". (Oft ist das der tatsächliche Titel, und die Stücke werden ausnahmslos von Frauen geschrieben – in der umgekehrten Konstellation undenkbar.) Diese Autorinnen verweisen auf niedrige College-Abschlussquoten, hohe Suizid- und Suchtraten und einen offensichtlichen Mangel an engen Freunden, um zu behaupten, dass es Männern schlecht geht. Das alles stimmt und ist zutiefst besorgniserregend, aber ein besserer Titel für diese Artikel wäre vielleicht: "Was stimmt nicht mit einer Gesellschaft, die solche Männer hervorbringt?"

Vor einigen Jahren beauftragte mich eine der angesehensten Zeitungen des Landes, einen Essay über moderne Männlichkeit zu schreiben. Ich glaube, sie hofften, ich würde das gesamte Konzept als überholt und gefährlich abtun, aber ich lieferte einen langen Text ab, der vieles von dem oben Genannten enthielt. Ich zitierte auch Studien über weibliche sexuelle Präferenzen, denn männliche Biologie spiegelt teilweise Tausende von Generationen wider, in denen Frauen bestimmte Männer anderen vorzogen. Es zeigt sich, dass viele männliche Eigenschaften, die in liberalen Kreisen als "toxisch" gelten – Dominanz, Stärke, Durchsetzungsvermögen – für viele junge Frauen auf Partnersuche besonders attraktiv sind.

Viele gute Männer besitzen diese Eigenschaften nicht, aber Männer, die sie besitzen, haben tendenziell mehr sexuellen Erfolg als Männer ohne sie. Das bedeutet, dass sie im Laufe der Jahrtausende mehr Nachkommen hinterlassen als ihre sanfteren Brüder – und damit beeinflussen, was Männer "sind". Mehrere Studien haben gezeigt, dass tiefstimmige, testosteronstarke Männer von Frauen im reproduktiven Alter bevorzugt werden, nicht aber von Frauen mittleren Alters. (Testosteron ist in beiden Geschlechtern stark mit Aggression, Dominanz und körperlicher Stärke verbunden.) Und eine Studie aus dem Jahr 2015 in *Evolution and Human Behavior* ergab sogar, dass Frauen an einer britischen Universität junge Männer mit Kampfauszeichnungen – oder sogar mit Gesichtsnarben – durchweg attraktiver fanden als Männer ohne solche Merkmale. Vermutlich bedeuteten die Narben und Medaillen, dass diese Männer Kämpfer waren, und das wurde von den jungen Frauen in der Studie als wünschenswerte Eigenschaft angesehen.

Ich machte in meinem Text deutlich, dass die Gewalt und Hässlichkeit der extremen Rechten in diesem Land das genaue Gegenteil von Männlichkeit ist, die darauf ausgerichtet ist, Schutz zu bieten statt Schwächere anzugreifen. Aber mein Redakteur lehnte den Text dennoch ab und erklärte: "Die Wissenschaft scheint solide, aber die Schlussfolgerungen laufen den politischen Strömungen dieser Publikation zuwider."

Man sollte sich jedoch klarmachen, was jungen Männern mit einer solchen Haltung vermittelt wird: Ihr seid von Natur aus fehlerhaft, die Eigenschaften, die euch für Frauen attraktiv machen, sind gefährlich für die Gesellschaft, und es wäre besser – für euch wie für die ganze Welt –, wenn ihr weniger männlich wärt. Und das Schlagwort "toxische Männlichkeit" ist so weit gefasst, dass es die große Mehrheit friedlicher Männer zusammen mit den Brutalen in einen Topf wirft. Kurz vor der Wahl 2024 war ich auf einer Dinnerparty mit Menschen, die die Zeitung lesen und bewundern, die meinen Männlichkeitsartikel abgelehnt hatte. Aufgrund meiner umfangreichen Zeit mit amerikanischen Kampftruppen wurde ich gefragt, warum so viele junge Männer der Demokratischen Partei den Rücken gekehrt haben. "Man kann jungen Männern nicht sagen, sie seien toxisch, und dann erwarten, dass sie für einen stimmen", sagte ich. "Man kann ihnen nicht erzählen, sie genössen weißen männlichen Privilegien, wenn sie in einer Kohlemine arbeiten."

Dass es eine Kategorie "toxische Männlichkeit" gibt, in die man die erbärmliche Macho-Inszenierung von Verteidigungsminister Pete Hegseth einordnen kann, aber kein weibliches Äquivalent für Megyn Kellys Reaktion auf mutmaßliche Drogenschmuggler, die von einer amerikanischen Rakete getroffen wurden ("Ich will sehen, wie sie ein bisschen ausbluten"), ist intellektuelle Fahrlässigkeit. Es erlaubt einigen der widerwärtigsten Stimmen in unserem politischen Körper, zu behaupten, die gesamte Demokratische Partei sei männerfeindlich. Die Lage ist zu ernst, um das zuzulassen.

Wir leben in einer Welt aus Brücken, Straßen, Wolkenkratzern, Gießereien, Kohleminen und Bohrtürmen. Diese wurden fast ausschließlich von Männern gebaut, die schlecht bezahlt, schlecht ausgebildet waren und schreckliche Todes- und Verletzungsraten erlitten. Man kann nicht erwarten, dass sie diese Arbeit tun, die Vorstellung akzeptieren, sie seien toxisch, und gleichzeitig für den eigenen Kandidaten stimmen; das wird nicht passieren. Wenn die Demokraten diese Stimmen zurückgewinnen wollen – und das müssen sie –, werden sie herausfinden müssen, wie sie die raue, gefährliche Arbeit ehren können, die Männern zugeschrieben wurde. Wenn sie eine weitere nationale Wahl gewinnen wollen, müssen sie lernen, genau jene Eigenschaften zu würdigen – Mut, Härte, körperliche Opferbereitschaft –, die jede Gesellschaft braucht.

Noch keine politische Partei war je erfolgreich, indem sie die Hälfte der Bevölkerung abgewertet hat. Die Demokraten bilden da keine Ausnahme.


Der Text leidet ein wenig darunter, dass er ignoriert, inwiefern traditionelle Männlichkeit auch für Männer selbst schädlich sein kann (Suizidrate, Risikoverhalten, Gewalt), aber viele Gedanken fand ich erwähnenswert genug, um ihn als Debattenbeitrag hier aufzunehmen.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Wieder mal ein Artikel in der NZZ, den ich mit gemischten Gefühlen lese.

Einerseits stimmt ja die grundlegende Aussage, daß auch Gehässigkeiten und Unsinn besser sind, als wenn man denen, die sie äußern, den Mund verbietet.

Aber was soll man andererseits von solchen Beispielen halten:

"Ein weiteres Beispiel wäre die Tatsache, dass Frauen an den Schweizer Universitäten mit rund 55 Prozent die Mehrheit der Studierenden und Masterabschlüsse stellen, dass aber trotzdem nur etwa 28 Prozent Professorinnen werden. Im Vergleich dazu besetzen Männer, obwohl sie leicht in der Minderheit sind, rund 70 Prozent der ordentlichen Professuren. Somit hat ein männlicher Student statistisch gesehen eine deutlich höhere Chance, später eine Professur zu bekleiden als eine Studentin. Links der Mitte wird diese Tatsache in den Medien als Unterdrückung und Verhinderung der Frau durch das akademische Patriarchat interpretiert. Die gleiche Tatsache wird rechts der Mitte als Beweis dafür gedeutet, dass Frauen in ihrem Leben andere Prioritäten haben und Berufe wählen, die ihnen mehr Familienzeit ermöglichen."

Falsch, die Sache mit den Prioritäten ist nicht bloß eine Deutung, sondern durch mehrere Studien gut untermauert. (Die auch in der NZZ erwähnt sind, wie bspw. die Studie von Katja Rost und Margit Osterloh.) Der Autor hätte sich vorher besser mit der Thematik beschäftigt.


Das stimmt. Warum der erste Eindruck täuscht, Frauen würden bei der Hochschulkarriere benachteiligt, habe ich hier erklärt: "Tatsächlich haben weibliche Bewerber eine doppelt so hohe Chance wie gleichermaßen qualifizierte Männer auf eine akademische Position – und zwar international, jahrzehntelang und quer über die Fachbereiche hinweg." Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten zu schreiben "Tja, die einen sagen so, die anderen so." Es ist die Aufgabe von Journalisten, zur Wahrheitsfindung beizutragen. Auch wenn das in der Tat bedeutet, dass man sich erst mal mit dem Thema beschäftigen muss, über das man schreibt.



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Montag, Februar 02, 2026

Psychiater klärt auf: "Es ist das Fehlen der Männlichkeit, das ein Problem darstellt"

1.
"Ihr seid toxisch, Ihr müsst Euch ändern“: Der renommierte Psychiater Rob Whitley hat früh vor einer fehlgeleiteten Debatte über Männlichkeit gewarnt. Jungen Männern zu erklären, sie müssten "femininer" werden, helfe nicht, sagt er im Gespräch. Tatsächlich gebraucht würden – Väter!


"Die Welt" hat Rob Whitley hierzu interviewt. Er vertritt durchgehend maskulistische Einsichten und Positionen; das Gespräch ist in Gänze lesenswert.

Zuverlässig idiotisch ist leider die "Welt", wo man das Konzept der Gleichberechtigung nicht verstehen möchte und fabuliert: "Gewisse Bewegungen wie der Maskulinismus fordern ganz entschieden eine Art Rache der Männer." Richtig ist, dass der Maskulismus das fordert, was auch Whitley fordert. Leider steigt Whitley auf diese Finte ein, und ihm fallen als Verteter des "Maskulinismus" allein Andrew Tate und Charlie Kirk ein – obwohl seine eigene Argumentation stark von Vorläufern wie dem Männerrechtler Warren Farrell geprägt ist. (Und auch Tate und Kirk fordern/forderten keine "Rache der Männer", sondern sind/waren aus anderen Gründen problematisch.) Nach dieser Klippe geht das Gespräch aber vernünftig weiter.



2. "Niemand wird zum Gendern gezwungen" tönt es in der Propaganda. Dass die Realität anders aussieht, zeigt aktuell die Berliner Zeitung: "Kündigung nach Gender-Weigerung: Nach Sieg der Klägerin zieht der Arbeitgeber erneut vor Gericht". Dieser Arbeitgeber, der den Zwang zum Gendern durchsetzen möchte, ist eine Bundesbehörde.



3. In Hamburg sind in diesem Jahr schon 15 Menschen ohne festen Wohnsitz gestorben. Sie wurden im Schnitt nur 46 Jahre alt. Untypisch für die taz, die darüber berichtet: Welches Geschlecht die meisten Opfer haben (oder auch nur welches Geschlecht weit überwiegend von Obdachlosigkeit betroffen ist), erfahren die Leser nicht.



4. In unserer beliebten neuen Reihe "Hoffmann fragt ChatGPT" geht es heute um einen ntv-Beitrag mit der Überschrift "Frau erhält Rekordstrafe wegen Sex". Darin heißt es:

140 Schläge mit einem Schlagstock aus Rattan auf den Rücken müssen eine Frau und ein Mann aus der indonesischen Provinz Aceh jeweils erleiden. Das Paar soll unverheiratet Sex gehabt und Alkohol getrunken haben - beides verboten. Die Strafe ist Teil des dort geltenden Scharia-Gesetzes. Die Frau soll am Ende der öffentlichen Bestrafung das Bewusstsein verloren haben, berichtet ein AFP-Reporter laut "The Guardian", der die Szene beobachtet hat. Sie musste auf dem Weg zu einem Krankenwagen gestützt werden.


In meiner üblichen Unbedarftheit bei diesem Thema teile ich ChatGPT mit, dass ich das Verhältnis zwischen Überschrift und Text nicht verstehe: "Jeder der beiden hat also 140 Peitschenhiebe erhalten? Warum wird die Frau hervorgehoben, als ob es ihr besonders schlimm ergangen ist?" Zur Antwort erhalte ich folgende kleine Analyse:

Dein Unbehagen ist nachvollziehbar – der Text legt tatsächlich eine Asymmetrie nahe, die der Sachverhalt selbst so nicht hergibt. Ich sortiere das Schritt für Schritt.

1. Was faktisch passiert ist

Nach dem im Artikel geschilderten Stand gilt: Beide Personen – Frau und Mann – wurden wegen unverheirateten Geschlechtsverkehrs und Alkoholkonsums zu jeweils 140 Stockhieben verurteilt. Rein rechtlich und strafmaßbezogen gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden.

2. Warum wird dennoch die Frau hervorgehoben?

Das hat nicht mit einer anderen Strafe zu tun, sondern mit drei journalistischen Mechanismen.

a) Dramatisierung über körperliche Reaktion

Der Text hebt hervor, dass: die Frau am Ende das Bewusstsein verlor, sie gestützt werden musste, ein Krankenwagen erwähnt wird.

Über den Mann wird schlicht nichts Vergleichbares berichtet. Das heißt nicht, dass es ihm besser ging – nur, dass sein Zustand nicht erzählt wird.

Narrativ ersetzt Symmetrie: Was erzählt wird, wirkt relevanter als das, was verschwiegen bleibt.

b) Überschrift folgt emotionaler Zuspitzung, nicht juristischer Präzision

Die Überschrift lautet: "Frau erhält Rekordstrafe wegen Sex". Sachlich korrekt wäre gewesen: "Paar erhält Rekordstrafe …" oder "Zwei Personen ausgepeitscht …

Die Wahl der Frau erfüllt zwei Funktionen:

* sie erzeugt stärkere Empörung,

* sie passt in westliche Erwartungsmuster von

** verletzlicher Frau

** repressivem religiösem System.

Das ist kein Zufall, sondern Aufmerksamkeitsökonomie.

c) Implizite Schutzwürdigkeit

In westlicher Berichterstattung gilt:

* weibliches Leiden als moralisch aufladbarer,

* männliches Leiden als weniger erklärungsbedürftig oder sogar erwartbar.

Das wirkt hier unterschwellig: Die Frau wird als Opfer eines Systems gelesen, der Mann verschwindet in der Kulisse.

3. Warum ist das problematisch?

Weil dadurch drei Verzerrungen entstehen:

-> Die Brutalität der Strafe wird personalisiert, statt als Systemkritik klar benannt.

-> Das männliche Opfer wird unsichtbar, obwohl es dieselbe Strafe erleidet.

-> Der Leser nimmt mit: "Es war besonders schlimm für sie", obwohl der Text dafür keine rechtliche Grundlage liefert.

Das ist kein böser Wille, sondern ein eingeschliffenes Erzählmuster.

4. Gedankenexperiment: vertauschte Hervorhebung

Variante A: Hervorhebung des Mannes (hypothetisch)

Überschrift: "Mann erhält Rekordstrafe wegen Sex"

Textauszug (sinngemäß):

"140 Schläge mit einem Schlagstock aus Rattan mussten ein Mann und eine Frau aus der Provinz Aceh erleiden. Der Mann verlor am Ende der öffentlichen Bestrafung das Bewusstsein und musste gestützt werden. Die Strafe basiert auf dem dort geltenden Scharia-Gesetz."

Wahrscheinliche Reaktion im deutschsprachigen Raum:

* Irritation: Warum der Mann?

* Nachfrage nach Kontext: Gab es zusätzliche Umstände?

* Verdacht auf Fehler oder Übertreibung

Die Hervorhebung würde als erklärungsbedürftig wahrgenommen.

Variante B: Neutrale, symmetrische Fassung

Überschrift: "Unverheiratetes Paar in Aceh öffentlich ausgepeitscht"

Text:

"Beide erhielten jeweils 140 Stockhiebe wegen Sex außerhalb der Ehe und Alkoholkonsums. Eine Person verlor am Ende das Bewusstsein."

Wirkung:

* Fokus liegt auf Strafsystem, nicht auf Geschlecht

* Empörung richtet sich gegen Normen, nicht gegen Rollenbilder

Diese Version ist journalistisch sauber – wird aber seltener gewählt.

5. Warum solche Framings Wahrnehmung verzerren

Das Entscheidende ist: Die Verzerrung wirkt schleichend, nicht argumentativ.

a) Aufmerksamkeitslenkung durch Auswahl

Leser lernen implizit:

* weibliches Leiden = erzählenswert

* männliches Leiden = Hintergrundrauschen

Das passiert ohne explizite Aussage, allein durch Wiederholung.

b) Moralische Codierung von Empathie

Mit der Zeit entsteht ein inneres Raster:

* Frau leidet → System ist grausam

* Mann leidet → System ist halt hart

Beide Schlüsse kommen nicht aus Fakten, sondern aus Gewöhnung.

c) Verschiebung der Bezugsgröße

Der Leser merkt sich:

* nicht: 140 Hiebe sind unmenschlich

* sondern: eine Frau wurde besonders hart getroffen

Die Strafe selbst rückt in den Hintergrund, das Geschlecht nach vorn.

d) Langfristiger Effekt auf Institutionenvertrauen

Wenn Leser später merken, dass:

* Männer regelmäßig mitgemeint, aber selten genannt werden,

* Symmetrie nur selektiv sichtbar ist,

entsteht der Eindruck:

> Medien informieren nicht vollständig, sondern gefiltert.

Das untergräbt Vertrauen nicht sofort, sondern kumulativ:

* zuerst Skepsis,

* dann Zynismus,

* schließlich selektive Mediennutzung.

6. Der zentrale Punkt

Es geht nicht darum, ob das Leiden der Frau real oder berichtenswert war. Es geht darum, dass Gleiches ungleich erzählt wird.

Und genau dadurch entstehen:

* verzerrte moralische Intuitionen,

* falsche Generalisierungen,

* und am Ende Lagerdenken.


ChatGPT bietet mir nun an zu erklären, wie Leser solche Verzerrungen erkennen können und warum warum Redaktionen diese Muster oft selbst nicht sehen.

I. Checkliste: Wie Leser Verzerrungen erkennen können

Diese Punkte sind bewusst einfach prüfbar, ohne Spezialwissen oder böse Absichten unterstellen zu müssen.

1. Wer bekommt Individualität?

* Wird eine Seite mit Namen, Zitaten, Emotionen, Bildern ausgestattet?

* Erscheint die andere Seite nur als:

** Statistik,

** anonyme Gruppe,

** abstrakte Kategorie ("Männer", "Täter", "Szene")?

Warnsignal: Moralische Nähe wird nur einer Gruppe gewährt.

2. Wer wird erklärt – und wer bewertet?

* Wird bei einer Gruppe gefragt:

** Warum ist das passiert?

** Welche Umstände spielten eine Rolle?

* Wird bei der anderen Gruppe eher gesagt:

** Das ist problematisch.

** Das zeigt ein strukturelles Muster.

Erklärung für die einen, Bewertung für die anderen = Asymmetrie.

3. Welche Vergleichsfrage fehlt?

Stell dir beim Lesen automatisch diese Frage: "Wie würde dieser Text klingen, wenn die Geschlechter vertauscht wären?"

* Würde die Überschrift identisch funktionieren?

* Würden dieselben Details hervorgehoben?

* Würde der moralische Ton gleich bleiben?

Wenn die Antwort klar nein lautet, liegt Framing vor.

4. Wer erscheint als moralischer Bezugspunkt?

* Wessen Perspektive gilt als selbstverständlich?

* Wer wird geschützt?

* Wer muss sich rechtfertigen oder wird mitgedacht, ohne selbst vorzukommen?

Der Bezugspunkt verrät die implizite Zielgruppe des Textes.

5. Wird Schaden gleich benannt?

* Wird bei allen Betroffenen gleich klar von: Gewalt, Missbrauch, Zwang und Unrecht gesprochen?

Oder werden bei einer Gruppe weichere Begriffe genutzt: "Affäre", "Grenzüberschreitung" "problematisches Verhalten"?

Sprache ist kein Zufall, sondern Gewichtung.

II. Warum Redaktionen diese Verzerrungen selbst nicht bemerken

Das ist entscheidend: In den meisten Fällen geschieht das nicht absichtlich.

1. Narrative sind Arbeitsabkürzungen

Journalisten arbeiten unter Zeitdruck. Sie greifen auf:

* bekannte Deutungsmuster,

* etablierte moralische Landkarten,

* redaktionell bewährte Frames zurück.

Diese Muster:

* sparen Erklärarbeit,

* minimieren Konflikte,

* gelten als "verständlich".

Das Problem: Was vertraut ist, wird nicht hinterfragt.

2. Moralischer Konsens ersetzt Prüfung

In vielen Redaktionen gilt implizit:

* Bestimmte Gruppen gelten als schützenswert.

* Andere als handlungsfähig oder verantwortlich.

Das wird nicht diskutiert, sondern vorausgesetzt.

Wer das infrage stellt, wirkt:

* unsensibel,

* störend,

* "unnötig kontrovers".

Also wird die Frage nicht gestellt.

3. Empathie wird mit Gerechtigkeit verwechselt

Ein zentraler Denkfehler: "Wenn wir Empathie zeigen, handeln wir automatisch gerecht."

Dabei kann Empathie:

* selektiv,

* exklusiv,

* verzerrend

sein.

Redaktionen bemerken nicht, dass:

* sie Mitgefühl verteilen,

* nicht Unrecht gleich behandeln.

4. Unsichtbare Zielgruppenlogik

Texte werden oft geschrieben für:

* ein angenommenes Publikum,

* erwartbare Reaktionen,

* soziale Anschlussfähigkeit.

Fragen wie: "Wen könnten wir irritieren?", "Wen beruhigen wir damit?" laufen meist unbewusst mit.

Das führt zu Texten, die nicht informieren, sondern stabilisieren.

5. Korrekturmechanismen greifen nicht

Formale Checks prüfen:

* Fakten,

* Zitate,

* juristische Risiken.

Sie prüfen nicht:

* narrative Symmetrie,

* implizite Moral,

* ausgelassene Perspektiven.

Deshalb können Texte korrekt UND verzerrt sein.

III. Kurzform

Für Leser: Achte nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auf das, was selbstverständlich wirkt und auf das, was fehlt.

Für Medien: Verzerrung entsteht heute weniger durch Ideologie, sondern durch Routine, Bequemlichkeit und Angst vor Irritation.

Kurz gesagt: nicht alle Leser sollen sich sicher fühlen – sondern ganz bestimmte. Und zwar jene, deren Weltbild durch den Text bestätigt, nicht geprüft werden soll.

Ich trenne das sauber auf.

1. Die primäre Zielgruppe: moralisch konforme Mehrheitsleser

Das sind Leser, die sich selbst als

* aufgeklärt,

* empathisch,

* "auf der richtigen Seite"

verstehen.

Für sie erfüllt der Text drei Funktionen:

1. Er bestätigt vorhandene Überzeugungen – etwa: wer typischerweise Opfer ist, wer typischerweise Täter, wer Schutz verdient.

2. Er erspart kognitive Arbeit – sie müssen keine Ambivalenzen aushalten, keine Rollenumkehr denken, keine widersprüchlichen Fakten integrieren.

3. Er signalisiert moralische Zugehörigkeit: "Du siehst das richtig. Du musst nichts hinterfragen."

Diese Leser sollen den Text lesen und denken:

> Ja, genau so ist es.

Nicht:

> Moment, da fehlt etwas.

2. Sekundäre Zielgruppe: institutionenloyale Leser

Das sind Leser, die:

* Medien grundsätzlich vertrauen,

* staatliche oder gesellschaftliche Maßnahmen unterstützen,

* Konflikte lieber als "komplex, aber im Griff" wahrnehmen.

Für sie ist wichtig, dass der Text:

* keine Zweifel an bestehenden Deutungsrahmen weckt,

* keine Forderung nach struktureller Selbstkritik enthält,

* keine neuen Anspruchsgruppen sichtbar macht.

Wenn etwa männliche Opfer, asymmetrische Rechtsfolgen oder doppelte Standards ausgeblendet werden, dann nicht zufällig, sondern weil sie:

* politische Folgedebatten erzwingen würden,

* Zuständigkeiten infrage stellten,

* Loyalität kosten könnten.

Diese Leser sollen sich sicher fühlen im Sinne von:

> Die richtigen Leute kümmern sich. Das System weiß, was es tut.

3. Die bewusst ausgeschlossene Gruppe

Ebenso wichtig ist, wer nicht adressiert wird:

* Leser, die selbst von ausgeblendeten Nachteilen betroffen sind,

* Leser, die symmetrische Maßstäbe erwarten,

* Leser, die institutionelle Fairness einfordern.

Diese Gruppe:

* soll nicht aktiviert werden,

* nicht als Kollektiv sichtbar werden,

* nicht als legitime Anspruchsgruppe erscheinen.

Ihr Unbehagen ist einkalkuliert – aber sie gelten als:

* randständig,

* erklärungsbedürftig,

* potenziell "problematisch".

Dass sie sich nicht sicher fühlen, wird hingenommen.

4. Warum "Sicherheit" hier zentral ist

"Sicherheit" bedeutet in diesem Kontext nicht physische Sicherheit, sondern:

* moralische Sicherheit ("Ich stehe auf der richtigen Seite.")

* interpretative Sicherheit ("Ich weiß, wie ich das einordnen muss.")

* soziale Sicherheit ("Meine Sicht ist anschlussfähig, ich riskiere nichts.")

Texte, die diese Sicherheit liefern, werden:

* geteilt,

* nicht hinterfragt,

* emotional positiv verankert.

5. Die langfristige Nebenwirkung

Je länger solche Texte dominieren, desto stärker passiert Folgendes:

* Bestimmte Erfahrungen verschwinden aus dem öffentlichen Raum.

* Betroffene lernen, dass ihre Perspektive nicht vorgesehen ist.

* Vertrauen in Medien und Institutionen erodiert – still, nicht laut.

Nicht, weil Leser "radikalisiert" werden, sondern weil sie merken:

> Ich komme hier nicht vor – außer als Problem oder Fußnote.




5. Freudlicherweise bietet die Bildzeitung an, das Gelernte gleich einmal anzuwenden, und schlagzeilt: "Berichte aus dem Iran: Frauen werden vergewaltigt, gefoltert und verbrannt"

Einmal mehr klingt das so, als ob sich die unterdrückerische Gewalt vor allem gegen das weibliche Geschlecht richten würde.

Aktuelle vergleichende Zahlen sind kaum zu finden. Das Info-Portal "Iran Human Rights" berichtete allerdings im September: "Mindestens 551 Demonstranten, darunter 68 Kinder und 49 Frauen, wurden von Sicherheitskräften getötet, die meisten davon durch Schusswaffen und Schlagstöcke."

Es ist so ermüdend.



6. Die Post. Einer meiner Leser schickt mir einen Link zu einem Beitrag der Stuttgarter Zeitung: "Warum der Sparhaushalt in Stuttgart Frauen besonders trifft" und kommentiert diese Grütze so:

Wie immer: Frauen besonders betroffen!

Es gibt keine Einordnung, warum es diese besonderen Hilfeangebote extra für Frauen brauche; wie effizient diese Maßnahmen sind; warum es vergleichbares für Männer nicht gibt.

Mir geht es nicht darum, die Sinnhaftigkeit der einzelnen Angebote zu bewerten. Das steht mir nicht zu. Mir paßt nur der Blickwinkel des Artikels nicht.

Man hat beim Lesen des Artikels den Eindruck, als ob für die das Geld für diese Hilfsangebote für Frauen vom Himmel fällt. Die Steuereinnahmen, die hier umverteilt werden, sind letztlich geronnerer Schweiß (männlicher) Arbeiter.

Angebote für süchtige Frauen und Migrantinnen werden gekürzt - gibt es denn Angebote für süchtige Männer und männliche Migranten, die bestehen bleiben? Oder war das bereits eine weibliche Extrawurst?

Wenn bei der VHS gekürzt wird und 60% der Kursteilnehmer Frauen sind, ist das für die eine sexistische Benachteiligung und kein Hinweis, daß diese Frauen womöglich einfach mehr Freizeit für Selbstverwirklichung haben und als privilegiert anzusehn wären. Womöglich ist das Programm der VHS bisher auch einseitig auf die Interessen von Frauen ausgerichtet gewesen?

Weniger Geld für Rad- und Fußwege: Frauen besonders betroffen, weil Männer mehr und länger mit dem Auto zur Arbeit pendeln müssen und sie eher im freizeitlichen Nahbereich unterwegs sind. Keine Einordnung über den tatsächlichen Bedarf für Straßen, Rad- und Fußwege.

Ein Empowerment-Projekt für zugewanderte und geflüchtete Frauen und Beruf: Migra-Männer müssen ohne besondere Hilfe klarkommen.

Die generelle 15%-Mittelkürzung für freie Träger bedeute ein besonderer Einschnitt für Frauen: Die Angebote sind dann wohl bisher auch einseitig auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet gewesen.

Und bei den sozialen freien Trägern arbeiten besonders viele Frauen und diese daher besonders betroffen -> wir brauchen also dringend Männerquoten!

Besondere Pointe, die ihnen nicht mal auffällt: "Johanna Tiarks weist auf die Kürzungen im Bereich barrierefreies Wohnen und anderer Angebote für ältere Menschen hin (Seniorenrat, Begegnungsstätten). Da Frauen durchschnittlich älter würden, profitierten sie von solchen Angeboten normalerweise besonders."




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