Mittwoch, Oktober 28, 2026

Privathochschule verliert Anerkennung wegen fehlender Diversität

1. Die Frankfurter Allgemeine berichtet über die in Basel ansässige "Staatsunabhängige Theologische Hochschule" (STH), die ihre staatliche Anerkennung verliert, weil sie zu wenig weibliches Führungspersonal hat. Der Akkreditierungsrat wertete dies als Verstoß gegen das Gleichstellungsprinzip:

Der Entzug der Anerkennung bedeutet für die evangelische Hochschule mit ausgeprägt konservativem Profil mehr als einen symbolischen Verlust. Sie kann zwar weiter Diplome und Titel vergeben, aber nicht mehr davon ausgehen, dass diese von Universitäten und Kirchen automatisch anerkannt werden. Ein Exodus von Studenten ist zu befürchten. Nachdem eine Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolglos geblieben war, will sich die Hochschule aber nicht weiter durch die Instanzen klagen, sondern eine neue Akkreditierung beantragen. Man hält daran fest, dass die wissenschaftliche Qualifikation das maßgebliche Kriterium bei Neuberufungen sei, zeigt aber guten Willen: Frauen werden bei der Ausschreibung der im September 2027 frei werdenden Professur für Praktische Theologie nachdrücklich zur Bewerbung aufgefordert.

Den Gutachtern reichte die Demonstration guter Absichten nicht. Wie aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hervorgeht, fehlte es ihnen am erkennbaren strategischen Willen der Hochschule, die nächste frei werdende Professur mit einer Frau zu besetzen. Wie sollte die Hochschule ihn anders beweisen als durch die Beschränkung der Ausschreibung auf weibliche Bewerber? Das wiederum wäre ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Daran wurde die Hochschule Eindhoven erinnert, als sie 2019 beschloss, alle frei werdenden Stellen eineinhalb Jahre lang nur mit Frauen zu besetzen. Der Beschluss wurde bald zurückgenommen.


Viel Spaß bei dem Versuch, das Führungspersonal mit Frauen auszustatten, ohne Frauen zu bevorzugen.



2. Stefanie Unbehauen hat für die Stuttgarter Zeitung die Soziologin Nina Weimann-Sandig, Professorin für Empirische Sozialforschung und Soziologie, interviewt, wie gemeinsame Erziuehung auch nach der Trennung der Eltern gelingen kann. Der Artikel ist online nur für Abonnenten zugänglich. Ein Auszug aus dem Gespräch:

Stefanie Unbehauen: Frau Weimann-Sandig, wie kann gemeinsames Erziehen auch nach einer Trennung funktionieren?

Nina Weimann-Sandig: Entscheidend ist: Die Vielfalt von Familienformen darf nicht bei der Trennung enden. Ein mögliches Konzept, um weiterhin gemeinsam zu erziehen, ist das Wechselmodell. Bei diesem Modell wechselt das Kind in regelmäßigen Abständen zwischen den elterlichen Wohnungen, häufig im Wochentakt. Es stellt einen Gegenentwurf zum Residenzmodell dar, das immer noch in den meisten Fällen praktiziert wird. Hierbei wohnt das Kind beim betreuenden Elternteil – meistens der Mutter – und ist jedes zweite Wochenende sowie in den Ferien beim anderen Elternteil zu Besuch. Dieser ist unterhaltspflichtig.

(…) Stefanie Unbehauen: Wie wichtig ist eine stabile Vater-Kind-Beziehung für die Entwicklung des Kindes?

Nina Weimann-Sandig: Es gibt international zahlreiche Studien, die zeigen, wie wichtig Väter im Leben ihrer Kinder sind. Erwachsene, die als Kind von ihren Vätern verlassen wurden, haben häufig ihr Leben lang mit Bindungsängsten zu kämpfen und sind oftmals nicht in der Lage, stabile Beziehungen einzugehen. Auch die Neigung zu Angstzuständen und Depressionen ist erhöht. Insofern ist eine stabile Vater-Kind-Beziehung wichtig. Dafür ist es nie zu spät.

Stefanie Unbehauen: Und wenn der Vater sich bereits vor der Trennung wenig um das Kind gekümmert hat?

Nina Weimann-Sandig: Die Behauptung, dass Väter, die sich in den ersten Lebensjahren des Kindes wenig gekümmert hätten, ihren Anspruch auf eine bessere Vater-Kind-Beziehung verwirkt hätten, ist falsch. In meiner Forschung habe ich oft erleben dürfen, dass gerade die Trennung ein bedeutender Einschnitt für Väter ist, durch den sie ihre Vaterrolle stark reflektieren und eine Bestandsanalyse machen. Was haben sie bisher versäumt und warum? Mit der Trennung rückt, weil eben der Verlust des Kindes im Raum steht, die Vaterrolle in ein neues Licht. Ich halte das für eine gute Sache.

(…) Stefanie Unbehauen: Inwiefern fördern politische Maßnahmen wie die Vaterschaftsfreistellung – ein zweiwöchiger, bezahlter Arbeitsurlaub für Väter direkt nach der Geburt ihres Kindes – die gesellschaftliche Akzeptanz aktiver Vaterschaft?

Nina Weimann-Sandig: Die Vaterschaftsfreistellung ist ein wichtiges Signal, denn in Deutschland fehlt es bisher an einer Väterpolitik. Die Familienpolitik ist noch zu wenig darauf ausgerichtet, den Vätern den Umfang von Care-Arbeit zu ermöglichen, den wir immer von ihnen fordern. Der kollektive Aufschrei darüber, dass nach wie vor Frauen einen Großteil der Sorgearbeit leisten und diese Belastung beinahe unsichtbar ist, ist innerhalb der Gesellschaft sehr groß. Gleichzeitig macht die Forschung aber auch darauf aufmerksam, dass es unbedingt familienpolitische Instrumente braucht, die Vätern mehr Möglichkeiten einräumen, gleichberechtigte Sorgearbeit zu leisten.

Stefanie Unbehauen: Was machen andere Länder bei der gleichberechtigten Erziehung nach einer Trennung besser?

Nina Weimann-Sandig: Es fängt schon bei der Wortwahl an. Andere Länder haben mit dem Begriff „Shared Parenting“, also gemeinsame Elternschaft nach der Trennung, aus meiner Sicht eine ganz andere Weichenstellung vollzogen als Deutschland mit dem Begriff des "Wechselmodells".

Stefanie Unbehauen: Was ist an dem Begriff problematisch?

Nina Weimann-Sandig: Der Begriff Wechselmodell wird assoziiert mit Kindern, die hin- und hergerissen sind zwischen zwei Haushalten. Gemeinsame Elternschaft hingegen wird assoziiert mit der Verantwortung, die wir Elternteile eingehen, wenn wir Kinder in die Welt setzen: nämlich, für sie da zu sein und ihren Lebensweg zu begleiten. Aus meiner Sicht beeinflusst die Begriffswahl dann auch die familienpolitischen Instrumente: Unterstützung von Eltern, die gemeinsame Elternschaft nach der Trennung praktizieren, etwa durch kostenfreie oder kostengünstige, individuelle Beratung, Coaching und Supervision, wie zum Beispiel in Schweden oder Online-Beratungen und Kommunikationsboards wie in Großbritannien. Andere Länder nehmen also die Möglichkeit der gemeinsamen Elternschaft nach der Trennung sehr viel ernster, als wir in Deutschland das bisher tun.

Stefanie Unbehauen: Was läuft hierzulande in Ihren Augen falsch?

Nina Weimann-Sandig: Hierzulande wird nach wie vor vieles nach dem Residenzmodell ausgerichtet: die Meldung des Kindes, das Kindergeld, Unterhaltsforderungen. Es wird immer noch davon ausgegangen, dass Kinder primär bei der Mutter wohnen. Den Vätern wird in Deutschland viel zu wenig zugetraut und die Mütter werden in traditionelle Rollenmuster gepresst. Eine zeitgemäße Nachtrennungspolitik sieht für mich anders aus. Nach einer Trennung ist es wichtig, dass der Vater und die Mutter gemeinsam daran arbeiten, ihr Kind zu erziehen. Offene Kommunikation, klare Absprachen und gegenseitiger Respekt können dabei helfen, eine stabile Umgebung für das Kind zu schaffen. Die geplante Vaterschaftsfreistellung würde es auch dem Vater ermöglichen, sich neben seiner Arbeit stärker an der Erziehung seines Kindes zu beteiligen.




3. Die Vereinten Nationen, genauer die "UN Women", lässt wieder die Alarmsirenen ertönen: "1 VON 4 ZIVLISTEN, DIE 2025 IN EINEM KONFLIKT GETÖTET WURDEN, WAR EINE FRAU ODER EIN MÄDCHEN.". In dem Beitrag heißt es weiter: "25 Frauen und Mädchen. Das sind diejenigen, die an EINEM Tag in Konfliktzonen im Jahr 2025 getötet wurden. #Frieden muss Sicherheit für Frauen und Mädchen bedeuten."



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