Mittwoch, Mai 20, 2026

Bettina Arndt: "Kein Wunder, dass Männer sich zurückziehen"

Ich habe hier gestern wieder einen Schwung von Artikeln verlinkt, in denen deutsche Medien über den sogenannten "Heteropessismismus" beziehungsweise "Heterofatalismus" berichten, also über eine wachsende Kluft zwischen (jungen) Frauen und Männern. Wie es im hiesigen Journalismus üblich ist, wird vor allem Männern die Schuld an dieser Entwicklung gegeben. Die australische Publizistin Bettina Arndt sieht das in einem vorgestern veröffentlichten Artikel für das Polit-Magazin "Spectator" anders. Sie erinnert an die Klagen vieler Frauen, dass sich Männer vom Dating zurückzögen und immer weniger bereit seien, sich auf eine Partnerschaft einzulassen, und sieht das im Verhalten vieler Frauen begründet.

Ich bin in den seltenen Fällen, in denen ich solche Beiträge auf Genderama aufgreife, etwas zwiegespalten. Es geht hier um die Kritik an einer bestimmten Ideologie und nicht darum, den feministischen Hass auf Männer zu spiegeln. Wenn man das tut, landet man schnell auf dem Schulhofniveau von "Jungs sind doof" versus "Nee, Mädchen sind doof". Andererseits gibt es eine Flut von Artikeln, die einseitig Männern die Schuld am angespannten Verhältnis der Geschlechter zueinander geben, was eine ganz erhebliche Weltfremdheit im Journalismus verrät und dem man ruhig mal eine andere Perspektive entgegensetzen kann. Irgendeinen Grund dafür, dass sich tatsächlich auch viele Männer vom Partnermarkt zurückziehen, muss es geben, und Bettina Arndt liefert hier einen erwähnenswerten Diskussionsbeitrag. Zahlreiche Links auf Belegstellen finden sich im Original.



Die Warnzeichen sind seit Jahrzehnten da. Bereits 1983 schrieb die amerikanische Autorin Barbara Ehrenreich ein eindringliches Buch – "The Hearts of Men: American Dreams and the Flight from Commitment" – in dem sie argumentierte, dass eine männliche Revolte im Gange sei.

Seit den 1950er Jahren hätten Männer begonnen, sich gegen das Ernährerideal aufzulehnen – inspiriert von der Playboy-Kultur, der Gegenkultur und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit. Sie lehnten die kulturelle Ideologie ab, die sie aus Scham dazu gedrängt hatte, zu heiraten und ein guter Versorger zu werden, weil sie sonst als unreif, verantwortungslos und nicht als "richtige Männer" galten.

Ehrenreich verstand, dass die Ehe der Mechanismus war, mit dem die Gesellschaft die Produktivität von Männern nutzbar machte. Entfernt man die Scham, fällt auch das Joch weg.

Vierzig Jahre später ist dieses Joch verschwunden. Im April 2026 erreichte die Erwerbsquote amerikanischer Männer laut dem US Bureau of Labor Statistics ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1940er Jahren. Jeder dritte amerikanische Mann – ungefähr 33 Prozent – arbeitete nicht oder suchte aktiv nach Arbeit. Die allgemeine Erwerbsquote von Männern ab 16 Jahren lag bei nur noch 67 Prozent, gegenüber 73,5 Prozent vor zwei Jahrzehnten und 87 Prozent in den Nachkriegsjahren, in denen Ehrenreichs Darstellung beginnt.

Der Trend beschränkt sich nicht auf Amerika. Die Erwerbsbeteiligung australischer Männer fiel von rund 79 Prozent im Jahr 1978 auf ungefähr 71 Prozent heute, während ähnliche Rückgänge – wenn auch weniger drastisch als in den USA – im Vereinigten Königreich und in Kanada zu beobachten sind.

Der Zusammenbruch der Ehe verläuft parallel zu den Arbeitsmarktdaten. Laut Daten des US Census Bureau machten Haushalte verheirateter Paare 1970 noch 71 Prozent aller US-Haushalte aus – heute sind es nur noch 47 Prozent. Wie der Soziologe Brad Wilcox von der University of Virginia in seinem Buch "Get Married" aus dem Jahr 2024 dokumentiert, ist die Heiratsrate in den vergangenen fünfzig Jahren um 65 Prozent gesunken.

Australien erzählt eine ähnliche Geschichte. Die Heiratsrate hat sich seit 1971 mehr als halbiert – von 13 pro 1.000 Einwohner auf nur noch 5,5 im Jahr 2024 –, und ein großer Teil dieser Entwicklung wurde durch faktische Partnerschaften aufgefangen, die die rechtlichen Verpflichtungen der Ehe tragen, jedoch weder deren Verbindlichkeit noch Dauerhaftigkeit besitzen. Die Zahlen bewegen sich nur in eine Richtung.

Ehrenreich hatte argumentiert, dass Ehe und Produktivität untrennbar verbunden seien – dass derselbe Mechanismus, der Männer vor den Traualtar brachte, sie auch zur Arbeit brachte. Die Daten legen nahe, dass sie recht hatte.

Was Ehrenreich jedoch nicht vollständig berücksichtigte – und 1983 auch nicht vorhersehen konnte –, war, dass die Anreize zum Heiraten selbst zusammenbrechen würden. Der Mechanismus der Beschämung ist verschwunden, ja, doch gleichzeitig sind auch die Anreize implodiert. Das angebotene "Produkt" hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Wer verstehen will, warum Männer mit den Füßen abstimmen, muss sich nicht nur ansehen, was Ehe sie heute kostet – und die Kosten sind erheblich –, sondern auch, was sie ihnen bringt. Immer häufiger ist das Ergebnis ein ausgesprochen schlechtes Geschäft.

Das Folgende ist eine Beobachtung und Meinungsäußerung einiger Kommentatoren, die möglicherweise etwas Licht auf das Thema werfen kann.

Die moderne Frau: ein Prospekt

Einige Studien zeigen, dass sie die unglücklichste, ängstlichste und unsicherste weibliche Kohorte seit Menschengedenken ist – kaum gutes Ehematerial.

Viele verheiratete Frauen verlieren das Interesse an Sex – und der Ehemann, der das problematisch findet, gilt als das eigentliche Problem.

Viele Frauen mögen Männer eigentlich gar nicht besonders. Je gebildeter sie ist, desto größer die Verachtung.

Immer mehr Frauen sind politisch stark nach links gerückt – und drei Viertel der hochschulgebildeten Frauen würden laut einigen Studien nicht einmal einen Mann daten, der anders wählt.

Das Bildungssystem enthält männerfeindliche Rhetorik, und sie hat in manchen Fällen auch Unternehmen und Institutionen durchdrungen und Universitäten sowie Arbeitsplätze in männerabweisende Fabriken verwandelt.

Gleichzeitig ist ihre Hypergamie weiterhin ausgeprägt. Obwohl Frauen Männer in Bildung und Karriere überholen, verlangen manche statistisch weiterhin nach einem großen, hochrangigen Einhorn.

Das moderne weibliche Bedrohungserkennungssystem ist überaktiv. Praktisch jedes männliche Verhalten – Schweigen, Meinungen, Witze, Atmen – wird als Warnsignal markiert.

Viele Frauen sind mit den lukrativen ökonomischen Mechanismen der Scheidung bestens vertraut, und es gab Berichte über Falschbeschuldigungen, die dazu dienten, die lästige gemeinsame Elternschaft auszuschalten.


Welcher rationale Mann liest diese Liste und denkt: Ja, genau das hat meinem Leben gefehlt?

Um genauer zu untersuchen, was hier vor sich geht, beginnen wir mit der jüngsten Ergänzung dieser düsteren Bilanz. Gemeint ist die Erkenntnis, die vergangenen Monat im New Statesman veröffentlicht wurde: Viele junge Frauen mögen Männer nicht. Eine Umfrage von Merlin Strategy unter jungen Briten zwischen 18 und 30 ergab, dass dreimal so viele junge Frauen wie junge Männer eine negative Sicht auf das andere Geschlecht hatten. Nur etwa 50 Prozent der Frauen hatten eine positive Sicht auf Männer, verglichen mit 72 Prozent der Männer, die Frauen positiv sahen. Bei Frauen unter 25 war der Unterschied noch deutlicher: Nur etwa ein Drittel (35 Prozent) äußerte eine positive Sicht auf Männer.

Dies gilt insbesondere für junge Frauen in professionellen und leitenden Berufen, von denen laut einigen Umfragen nur 36 Prozent eine positive Sicht auf Männer haben, verglichen mit 61 Prozent der Frauen aus der Arbeiterklasse. Anders gesagt: Die Verachtung für Männer konzentriert sich besonders bei gebildeten Frauen aus der Mittelschicht – genau jener Bevölkerungsgruppe, die am stärksten von feministischen Fortschritten profitiert hat und objektiv die besten Zukunftsaussichten besitzt.

Die Verachtung für Männer ist kaum überraschend – genau das wurde ihnen beigebracht. Mary Harrington, eine britische Journalistin und Kulturkritikerin, die auf Substack schreibt, kritisiert häufig das, was sie "Femosphere" nennt – feministische Online-Räume, in denen Frauen sich über gemeinsame Beschwerden über Männer zusammenschließen.

"Die feministische Online-Szene fühlt sich oft an wie eine endlose Gruppentherapie-Sitzung, in der Frauen ihre Erfahrungen darüber austauschen, wie schrecklich Männer sind", schreibt sie. Männer würden dadurch zum universellen Sündenbock, gewöhnliches männliches Verhalten werde routinemäßig als toxisch oder unterdrückend dargestellt, während kollektiver weiblicher Groll belohnt und verstärkt werde. "Beiläufiges, niedrigschwelliges Männer-Bashing ist zum Hintergrundrauschen progressiver Online-Kultur geworden."

Für Männer ist die Begegnung mit solchen Frauen wenig angenehm. Auf Reddit erschien kürzlich dieser aufschlussreiche Kommentar: "Es ist erschöpfend. Man führt vielleicht ein vernünftiges Gespräch, dann lässt sie beiläufig einen ‚Männer sind scheiße‘-Kommentar fallen, als wäre es Smalltalk. Es fühlt sich an, als beginne jede Interaktion mit einer Vorverurteilung."

Meine gute Freundin Janice Fiamengo hat gerade einen Blogbeitrag geschrieben, in dem sie Medienberichte kritisiert, die anhand der Daten des New Statesman behaupten, junge Frauen hassten Männer. Janice weist darauf hin, dass nur 3 Prozent der befragten Frauen eine sehr negative Sicht auf Männer hatten. Sie sieht auch darin etwas Tröstliches, dass eine Mehrheit der Frauen sich zumindest "einigermaßen" oder "sehr sicher" in der Gegenwart von Männern fühlte – doch für mich ist eine Mehrheit von 51 Prozent immer noch ziemlich alarmierend. Dasselbe gilt für die Tatsache, dass nur 52 Prozent angaben, Männern vertrauen zu können.

Aus männlicher Perspektive bedeutet das immer noch eine enorme Zahl misstrauischer Frauen – eine düstere Aussicht, wenn es um potenzielle Partnerinnen geht.

Und eine enorme Zahl verrückter, neurotischer Frauen.

Dieses toxische Klima ermutigt Frauen nicht nur dazu, Männern misstrauisch gegenüberzustehen; das Aufwachsen in einer von Hass angetriebenen Online-Kloake belastet auch ihre psychische Gesundheit. Der Psychologe Jonathan Haidt warnt seit Langem davor, dass die toxische Welt sozialer Medien zu einem Anstieg psychischer Probleme führen werde – insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen. "Seit den frühen 2010er Jahren werden junge Menschen in der entwickelten Welt ängstlicher, depressiver und einsamer. Die Zunahmen waren bei jungen Frauen sogar noch stärker", sagte er.

Aktuelle groß angelegte Umfragen (Ipsos 2025–26 in 31 Ländern, Gallup 2025) zeigen, dass Frauen der Generation Z derzeit die höchsten jemals gemessenen Werte von Angst, anhaltender Traurigkeit/Hoffnungslosigkeit und Depression innerhalb weiblicher Generationen desselben Alters angeben.

Rund 33 Prozent der jungen Frauen fühlen sich "fast ständig" besorgt oder ängstlich hinsichtlich der Zukunft; 40 Prozent der Gen-Z-Beschäftigten fühlen sich laut aktuellen Umfragen von 2025 wenigstens mehrmals pro Woche ängstlich oder depressiv.

Kein großes Vergnügen für ihre Partner. Vergangenes Jahr veröffentlichte Psychology Today eine deutliche Warnung an Männer bezüglich dieser Frauen als Ehepartnerinnen. "Das Sprichwort ‚Happy wife, happy life‘ mag einen wahren Kern haben, aber das weniger bekannte Sprichwort ‚Anxious wife, miserable life‘ wird durch Forschung bestätigt. […] Je neurotischer der Ehepartner, desto unglücklicher die Beziehung – doch der Neurotizismus von Frauen scheint im Gesamtgleichgewicht ehelichen Glücks stärker ins Gewicht zu fallen."

Dann gibt es noch das interessante Thema verheirateter Frauen, die "den Hahn zudrehen", sodass sexuell frustrierte Ehemänner zum Normalfall werden. Seit Menschengedenken wurden Männer beschämt, wirtschaftlich ihren Beitrag zu leisten. Die Gesellschaft hat Frauen hingegen nichts zu sagen, wenn sie sich sexuell zurückziehen. Die eine Verpflichtung wurde über Jahrhunderte durch Kirche, Gesetz und Gemeinschaft durchgesetzt. Die andere wird heute im Namen körperlicher Selbstbestimmung aufgehoben.

So entsteht das Bild der modernen Frau als Ehekandidatin: unglücklich, ängstlich, politisch radikalisiert, männerverachtend, sexuell häufig ablehnend und darauf trainiert, in gewöhnlichem männlichem Verhalten eine Bedrohung zu sehen. Und dennoch ertönt aus den Reihen von Kommentatoren, Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern weiterhin der ratlose Chor: Warum wollen Männer sich nicht binden? Warum wollen sie nicht arbeiten?

Die akzeptierten Erklärungen werden pflichtbewusst wiederholt. Die ökonomische Erklärung: Männer wurden durch Automatisierung und Globalisierung verdrängt. Die gesundheitliche Erklärung: Opioide, Behinderung, psychische Erkrankungen. Die Bildungserklärung: Männer fallen hinter Frauen an Universitäten zurück und deshalb auch auf dem Arbeitsmarkt. Die kulturelle Erklärung, bevorzugt von progressiven Kommentatoren: Toxische Männlichkeit hindert Männer daran, sich an eine moderne Dienstleistungsökonomie anzupassen. All diese Erklärungen enthalten ein Körnchen Wahrheit. Doch sie erklären nicht, was tatsächlich geschieht. Die offensichtliche Erklärung – jene, die aus jeder Datentabelle hervorstarrt – wird absichtlich ignoriert.

Die Ehe war der wichtigste Anreiz für dauerhafte wirtschaftliche Leistungsbereitschaft von Männern. Das war schon immer so – Ehrenreich wusste es 1983, und Ökonomen haben es inzwischen bestätigt. Es gibt etwa die wirtschaftswissenschaftliche Studie "The Declining Labor Market Prospects of Less-Educated Men", die zeigt, dass die Aussicht, eine Familie zu gründen und zu versorgen, einen entscheidenden Anreiz für männliche Erwerbsarbeit darstellt und dass der Rückgang stabiler Ehen diesen Anreiz direkt beseitigt. Forscher der Federal Reserve Bank of Dallas berechneten, dass sinkende Heiratsraten für ungefähr die Hälfte des Rückgangs männlicher Arbeitsstunden verantwortlich sind.

Entfernt man die Ehe, entfernt man auch die Verantwortung. Die Daten sagen uns das seit Jahrzehnten.

Doch hier ist das, was laut dem Autor niemand im Mainstream-Diskurs aussprechen will: Nicht nur ist die Ehe für Männer zu kostspielig und rechtlich zu riskant geworden – obwohl das zutrifft. Viele junge Frauen selbst sind, schlicht gesagt, "es nicht wert". Ein Drittel der jungen britischen Frauen vertraut Männern nicht. In manchen Umfragen sehen mehr als die Hälfte der gebildeten jungen Frauen Männer negativ. Sie kommen womöglich bereits mit einem Paket aus Groll in Beziehungen, fließend in der Sprache von "Red Flags" und emotionaler Arbeit, geprägt von Algorithmen, die ihnen seit der Jugend eine Dauerdiät aus männlichem Versagen und weiblicher Empörung serviert haben. Dabei sind sie laut eigener Aussage ängstlich, unglücklich und politisch wütend.

Welcher rationale Mann blickt auf diese Landschaft und kommt zu dem Schluss, dass seinem Leben eine rechtlich verminte Bindung an eine Frau fehlt, die praktisch unmöglich zufriedenzustellen ist?

Ehrenreich befürchtete 1983, dass mit dem Zusammenbruch des Mechanismus der Beschämung auch die männliche Produktivität sinken würde. Sie hatte recht. Was sie nicht vorhersehen konnte, war die andere Hälfte der Gleichung – dass die feministische Revolution nicht eine Generation erfüllter, großzügiger und angenehmer Frauen hervorbringen würde, sondern eine, die nach praktisch jedem verfügbaren Maßstab wütender und unglücklicher ist als jede zuvor. Das Joch ist verschwunden. Die Männer haben sich angesehen, was angeboten wird. Und viele haben sich, mit beträchtlicher Rationalität, entschieden, stattdessen Videospiele zu spielen.




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Dienstag, Mai 19, 2026

"Ich date nur noch unterwürfige Männer": Wie der Hass der Femosphäre immer weiter um sich greift

1. Unter der Schlagzeile "Ich date nur noch unterwürfige Männer" berichtet eine Kolumnistin des Berliner Tagesspiegels über ihren "Heteropessimismus", angeblich "das Beziehungsproblem moderner heterosexueller Frauen", aber eigentlich nur ein hübscheres Wort für Männerhass. Ihre Lösung sieht so aus:

"Soll ich dir morgen früh Croissants und Kaffee vorbeibringen?", steht in der Nachricht von dem Mann, den ich gerade date. "Heißt das, du willst zum Frühstück vorbeikommen?", frage ich zurück. "Nein, ich will dir nur was Gutes tun, bevor ich zur Arbeit gehe", bekomme ich zur Antwort. Was ich Besonderes gemacht habe, um das zu verdienen? Nichts. Außer vielleicht, mich auf einer Dating-App anzumelden, auf der man explizit devote Männer finden kann. Und seitdem ich solche Männer date, kann ich mir nicht mehr vorstellen, nochmal eine hetero Beziehung "auf Augenhöhe" zu führen.

Devot zu sein bedeutet, sich zu ergeben und unterwürfig zu verhalten. Etwas, das in Beziehungen historisch von Frauen erwartet wurde. Ich erwarte das heute von meinen männlichen Partnern.


Die Kolumnistin, die sich selbst als Feministin bezeichnet, behauptet, der Feminismus wolle eigentlich "eine gleichgestellte Partnerschaft". Das ist aber nur der Reklametext dieser Ideologie. Was sie eigentlich möchte, formuliert diese Feministin sehr offen:

Der devote Mann versteht die eigene Hingabe nicht als Bürde, sie turnt ihn meistens sogar an. Das macht ihn zwar nicht zum besseren Menschen, aber darum geht es auch nicht. Es geht nicht um ihn, es geht um seine Partnerin und die Tatsache, dass die Frau sich endlich einmal zurücklehnen und genießen kann, wenn ihr Partner ihr mit Demut begegnet. Demut ist die neue Augenhöhe.




2. Der Schweizer Tages-Anzeiger stellt eine weitere junge Frau vor: "Lena ist 26 und sagt: Ich hasse Männer". Hintergrund dafür ist, dass sie mehrere schlechte Erfahrungen machen musste. Seitdem ist die Hälfte der Menschheit bei ihr unten durch.

Mit ihrem Männerhass ist Lena nicht allein. In Internetforen haben sich Gemeinschaften gebildet, in denen Frauen solche und ähnliche Erfahrungen sammeln und diskutieren, um daraus praktische Schlüsse zu ziehen. «Eine der besten Arten, sich am Patriarchat zu rächen, ist es, Männer um deine Aufmerksamkeit buhlen zu lassen», steht etwa im Handbuch der "Female Dating Strategy" auf Reddit.

Die Forschung hat für solche männerhassenden Gruppierungen einen Begriff: Femosphere. Damit ist kein einheitliches Lager, sondern ein breites Spektrum mit oft widersprüchlichen Strömungen gemeint. Geprägt hat den Begriff die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Boyce Kay – in Anlehnung an den bereits etablierten Begriff der Manosphere, also frauenverachtende Online-Gruppierungen mit Figuren wie Andrew Tate.

Die Femosphere umfasst diverse Online-Communitys von Frauen, die sich zwar alle als feministisch verstehen, inhaltlich aber weit auseinanderliegen: radikalfeministische Foren, Anti-Trans-Gruppen, datingspezifische Influencerinnen-Bubbles. Teilweise werden auch die konservativen Tradwives dazugezählt.


Der Tages-Anzeiger stellt noch einmal klar, dass diese Frauen natürlich immer noch besser sind als Männer, die sich im Internet tummeln, um dann weiter auszuführen:

Stattdessen erklären glamouröse Influencerinnen mit Hunderttausenden von Followern, wie man Männer durchschaut und sich von ihnen nicht blenden lässt. Ein Beispiel ist die Australierin Kanika Batra, der auf Instagram über 280’000 Menschen folgen. Batra bezeichnet sich selbst als "diagnostizierte Soziopathin" und verkauft eine "Datingbibel", die Manipulation statt Empathie predigt.

(…) Weitere Ratschläge von Batra: "Männer können dich nicht ausnutzen, wenn du nutzlos bist – gib dich also unnütz." Und wenn ein Mann will, dass die Frau kocht, empfiehlt sie: "Serviere Poulet-Sashimi. Wenn er den Rest der Woche im Badezimmer verbringt, schweisst euch das zusammen." Auf Instagram erreichte dieses Video, in dem sie Frauen dazu auffordert, ihre Männer mit rohem Poulet zu vergiften, über 755.000 Menschen.

Männer muss man ausbeuten, manipulieren, notfalls vergiften – mehr haben sie nicht verdient: Diesen Eindruck gewinnt schnell, wer sich in einer dieser Online-Bubbles bewegt. Willkommen in der Femosphere.

Lena ist keine Femosphere-Influencerin, sie bezeichnet sich selbst als Männerhasserin. Sie folgt feministischen Accounts, liest über Femizide und das Recht auf Abtreibung. "Diese krassen Femosphere-Seiten? Sehe ich eher selten."


Der Tages-Anzeiger muss ein drittes Mal betonen, dass Männer im Internet wirklich VIEL SCHLIMMER sind.

Für Tamara Funiciello, SP-Nationalrätin und bekennende Feministin, ist die Gleichsetzung der beiden Phänomene Femo- und Manosphere eine gefährliche Relativierung: "Die Manosphere führt zu Vergewaltigungen, Tötungen und hat heute auch Anhänger im Weissen Haus." Die Femosphere sei eine Reaktion darauf, dass der Staat und die Gesellschaft Frauen zu wenig schützten – also Ausdruck von Selbstschutz, sagt Funiciello. Die Wut der Frauen sei verständlich und wichtig. Doch Aufrufe zur Vergiftung mit rohem Pouletfleisch seien nicht zu rechtfertigen und keine Lösung.

Für Frauen, die keine Männer mehr daten wollen, hat Funiciello hingegen Verständnis: "Die Statistiken sind erdrückend", sagt sie – Femizide, häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe seien für Frauen an der Tagesordnung. Lena fantasiert manchmal von einer Welt, in der Frauen regieren und die Männer dominieren.




3. "Männern wird emotionale Imkompetenz unterstellt", berichtet der Väter-Coach Carsten Vonnoh in der Stuttgarter Zeitung. Ein Auszug:

"Das tieferliegende Vorurteil ist: Männer seien grundsätzlich die zweite Wahl als primäre Bezugsperson. Das zeigt sich in Kita-Gesprächen ("Können wir Ihre Frau erreichen?"), bei Behörden und auch im Familienrecht. Hinzu kommt der Verdacht, dass etwas mit der Mutter nicht stimmen könne, wenn die Kinder beim Vater leben – eine Unterstellung, die alleinerziehende Mütter so gut wie nie erleben.

(…) Alleinerziehende Väter stehen unter demselben Versorgerdruck wie andere Männer – die gesellschaftliche Erwartung, wirtschaftlich zu performen, verschwindet nicht, nur weil sie jetzt auch die Care-Arbeit allein stemmen. Das ist ein strukturelles Dilemma: Sie sollen beiden Rollen gerecht werden: dem Ernährer und der fürsorgenden Bezugsperson – haben aber dieselben 24 Stunden wie alle anderen auch. Alleinerziehende Mütter haben oft ähnliche ökonomische Herausforderungen, aber nicht denselben gesellschaftlichen Druck, ihre Identität über Erwerbsarbeit zu definieren. Väter hingegen erleben oft eine innere Zerrissenheit: Reduzieren sie für die Kinder, gelten sie schnell als ,nicht mehr ambitioniert‘. Bleiben sie im Vollzeit-Job, sind sie daheim ,nicht präsent genug‘. Dieser doppelte Anspruch wird kaum anerkannt."


Dazu komme der Missbrauchsverdacht.

"Männer mit Kindern – besonders mit Töchtern – stehen unter latenter Beobachtung. Körperliche Nähe, Umkleidesituationen und Übernachtungspartys werden kritischer beäugt als bei Müttern. Dieses implizite Misstrauen ist für viele Väter verletzend und schränkt ihre natürliche Beziehung zu den Kindern ein."




4. Im Frankfurter Magazin Novo beschäftigt sich Georgina Mumford damit, warum junge Frauen Männer fürchten. Mumford stellt zunächst fest, "dass ein Geschlecht weitaus stärker in den 'Geschlechterkrieg' involviert zu sein scheint als das andere": Nur 35 Prozent der Frauen der Generation Z unter 25 Jahren haben eine positive Meinung vom anderen Geschlecht, während umgekehrt 72 Prozent der Männer Frauen zu schätzen wissen – "eine merkwürdig hohe Zahl, angesichts der angeblichen Misogynie-Epidemie, über die wir uns in letzter Zeit so aufregen." Mumford berichtet über eine Frau, die unter bestimmten Bedingungen zu einer Partnerschaft in der Lage ist:

Sie beschrieb ihren an Privatschulen ausgebildeten, heterosexuellen, weißen Freund als "verdammten Labrador" – ein Begriff, der an den Internet-Archetyp des Golden-Retriever-Freundes (GRBF) erinnert. Der GRBF ist ein hingebungsvoller und harmloser junger Mann, der bereit ist, die Rolle des emotionalen Begleiters zu übernehmen. Ähnlich wie sein Vorgänger aus der Millennial-Generation, der "Himbo", ist er liebevoll, albern und vor allem unproblematisch. Sein Mangel an Intellekt, gepaart mit dem verzweifelten Wunsch zu gefallen, macht ihn ausdrücklich zu keiner Bedrohung für deine Empfindlichkeiten und deinen Status.


Allmählich schält sich ein Muster heraus, welche Männer in den Augen dieser feministischen Frauen Gnade finden. Mit einer gleichberechtigten Partnerschaft hat das alles nichts zu tun.

"Ich liebe es", gab ein Freund von mir zu, als er sich auf genau diese Passage in dem New Statesman-Artikel bezog. "Das ist so ehrlich." Er fuhr fort, die Beziehungen mehrerer "verdammter Labradore" zu beschreiben, die er persönlich kennt – junge Männer, die so sehr darauf bedacht sind, ihre Partnerinnen glücklich zu machen, dass sie bereit sind, jede Art von Behandlung zu ertragen. Einem, erinnert er sich, sagte seine Freundin, er dürfe nur bei ihr übernachten, wenn er sie und ihre Freundinnen bei einem Wettlauf vom Club nach Hause schlage. Sie waren bereits auf halbem Weg, während er noch aufbrach. Doch mit nur wenigen Minuten Vorsprung holte ihr Freund sie keuchend ein und wurde für seine Anstrengungen eingelassen, anstatt im Dunkeln nach Hause stapfen zu müssen.

Ein anderer Kumpel meines Freundes hatte noch mehr Pech. Er durfte nie bei ihr übernachten, da seine Partnerin nicht bereit war, eine schlechte Nachtruhe zu riskieren. Er wurde zu jeder Nachtstunde nach Hause geschickt, nachdem er den Abend mit ihr verbracht hatte – sogar an seinem Geburtstag. "Meine Aufgabe ist es, sie glücklich zu machen", sagte der niedergeschlagene junge Mann, als mein Freund das Thema ansprach. Mein Freund erzählt mir, dass Männer, wenn sie in keiner anderen Weise gebraucht werden – weder wirtschaftlich noch körperlich –, jede Form von Beziehung annehmen, die sie bekommen können.


Der Dating-Pool für junge Tagesspiegel-Redakteurinnen ist also immer noch groß.

"Die Vorstellung, einen Freund zu haben, ist ein bisschen beängstigend", sagte mir kürzlich eine Freundin. "Es ist ja nur irgendein Typ, von dem man dann entschieden hat, dass er gefahrlos und gut genug ist, um ihn auszuwählen. Und was, wenn man nicht alle Fakten kennt? Was, wenn er sich plötzlich von dir abwendet? Vor allem bei all den Reddit-Seiten und den ‚Red Pill'-Inhalten und so weiter. Dass all diese Frauen da draußen ihrem Mann vertrauen und sich dann herausstellt, dass er in diesen Chatrooms ist – oder schlimmer noch – ist erschreckend."


Am Ende könnte er noch eine eigene Meinung haben. Natürlich löst diese Vorstellung Angstgefühle aus. Stell dir vor, du hast endlich einen Partner gefunden, der ausreichend unterwürfig wirkt, und dann erwischst du ihn beim Lesen von Genderama.

Eine Umfrage von Whitestone Insight aus dem Jahr 2025 ergab, dass 62 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren Männer in ihrem Alter als "ziemlich beängstigend" empfinden.


An solchen Zahlen wurde lange gearbeitet:

Die Medienlandschaft ist derzeit vielleicht am wenigsten bereit, das Image der Männer zu verbessern. Weiße Männer, insbesondere aus der Arbeiterklasse, haben es besonders schwer, da sie so gut wie die einzige Bevölkerungsgruppe sind, die man politisch noch diffamieren darf. Die meisten jungen Männer im Vereinigten Königreich geben an, das Gefühl zu haben, dass ihre Darstellung in Film und Fernsehen bestenfalls unfreundlich und schlimmstenfalls "erbärmlich" ist.


Aber der Hass klickt und verkauft sich nun mal so gut.

Das Internet wird überflutet von Frauen, die noch nie eine erfolgreiche Beziehung hatten und Ratschläge an Frauen geben, die noch nie eine Beziehung hatten. "Ich mag keine toxischen Männer", sagt TheWizardLiz, eine Influencerin mit einer riesigen Fangemeinde. Ihr Video "Hör auf, dich mit mittellosen Typen zu verabreden" hat Millionen von Aufrufen.




5. Wer aus dem allgemeinen Männerhass ausscheren möchte, hat es schwer. Das gilt auch Sarah Engels, die für Deutschland beim ESC angetreten ist.

Da ihr neues Album den Titel "Strong Girls Club" trägt, wird sie im Podcast "Merci, Chérie" auf ihre Haltung zum Feminismus angesprochen. "Feministisch würde ich nicht sagen. Weil ich einen ganz, ganz tollen Mann habe und ich mag auch Männer", so die Antwort von Sarah Engels.

(…) Ein kurzer Ausschnitt des Interviews, der vorab veröffentlicht wurde, reicht aus, um im Internet eine Welle von Kritik auszulösen. "Peinliche Aussage", schreibt eine Instagram-Nutzerin. "Ja … Feminismus ist Männerhass und alle Feministinnen hassen ihren Partner … genau Sarah", kommentiert eine andere. "Oh nein, peinlich und schade. (…) Wenn man in eigenen Videos für Frauenrechte wirbt, sollte man das doch eigentlich besser wissen", lautet ein weiterer enttäuschter Kommentar. "Ich glaube, da weiß jemand nicht, was Feminismus ist", "Vielleicht wäre es gut, das Wort zumindest einmal zu googeln" oder "Ohne Feminismus könnte sie das alles nicht tun" gehören zu weiteren Reaktionen im Netz.


Es ist unerklärlich, wie Engels auf die "peinliche" Idee kommen konnte, Feminismus könnte etwas mit Hass auf Männer zu tun haben. Lebt sie etwa in der Wirklichkeit und nicht im Wörterbuch, wo diese Ideologie wesentlich freundlicher definiert wird?



6. "Es braucht den Mut zur Gegenrede" stellt der Professor für klinische Psychologie und Sozialpsychologie Michael Klein in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung fest. Dieser Artikel erschließt, woher der Männerhass von immer mehr jungen Frauen kommen dürfte:

Wenn über Männer gesprochen wird, dann geschieht dies in den Medien fast nur noch in negativer, abwertender Weise und voller Hetze. Über Frauen so zu berichten, wäre inzwischen völlig undenkbar. Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young haben dies schon seit den 1990er Jahren beobachtet. Sie beschreiben, wie diese Stimmung als Misandrie (Verunglimpfung und Hass gegenüber Männern) mehr und mehr gesellschaftsfähig wurde, von bestimmten feministischen Zirkeln aktiv verbreitet wurde und sich schliesslich in den Medien fest etablierte. Es gehört inzwischen in den Leitmedien zum "guten Ton", Frauen positiv und als Opfer, Männer negativ und als – zumindest potenzielle – Täter darzustellen.

(…) Es ist heutzutage nötig, sich als Mann für Männer zu artikulieren, Stärken, Schwächen und Probleme von Männern aufzuzeigen, zu reflektieren, die ausser Rand und Band geratene öffentliche Diskussion zurechtzurücken und – vor allem – der nachwachsenden Generation von Jungen im Chaos von Verunglimpfung und Extremisierung zu helfen.

Die vor allem in links-grünen Kreisen vielbeschworene "kritische Männlichkeit" macht Männer eher mundtot, negiert ihre intrapsychischen Konflikte mit radikalfeministischen Entwicklungen und zielt auf ideologische Anpassung. Richtig wäre es, Männern Wege zur gelingenden Bewältigung der Anforderungen der modernen, hochdifferenzierten, digitalen Welt aufzuzeigen, statt sie in platte Schablonen zu pressen.

Dass Männer über Frauen in der Öffentlichkeit oder den Medien sprechen, geschieht so gut wie gar nicht mehr. Dies gilt als patriarchalisch, übergriffig und misogyn. Männer haben daher – zu Recht – Angst, sich diesbezüglich zu artikulieren. Damit ist der Diskursraum zwischen den Geschlechtern praktisch zur Einbahnstrasse – "Frauen reden über Männer" – geworden.

(…) Der moderne Mann wird als Mängelwesen porträtiert. Ein Wesen, das ständig korrigiert, therapiert und umerzogen werden muss. Das ist jedoch keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern politisch motivierte Propaganda. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt zur Veränderung. Männer sind anders als Frauen, jeder Mann ist anders als andere Männer. Der Blick muss sich wieder auf die Ressourcen richten, die Männer und Frauen gemeinsam, aber auch in ihrer Unterschiedlichkeit aufweisen. Die meisten Männer und Frauen sind gut. Männer und Frauen sind es zunehmend leid, in den Medien gegeneinander aufgehetzt zu werden.




7. "Die Zeit" betitelt einen aktuellen Podcast "Es gibt Frauen, die Gewalt ausüben, nicht weil sie sich wehren". Besonders kühn ist diese Schlagzeile nicht, die so tut, als handele es sich um vereinzelte Fälle, während in den letzten Jahren mehr Männer als Frauen Opfer häuslicher Gewalt wurden. Aber schon der Text darunter ist bereits besser:

Männer und Frauen berichten ähnlich häufig davon, in ihren Beziehungen körperliche Gewalt erfahren zu haben. Das belegt eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes. Wie kann das sein, denken wir bei Partnerschaftsgewalt doch vor allem an Männer als Täter? "Wir sehen Frauen oft nicht in ihrer Ganzheit, in ihrer Destruktivität, in ihrer Wut", erzählt die Soziologin und Gewaltforscherin Rebecca Gulowski den Podcasthosts Melanie Büttner und Sven Stockrahm.


Natürlich wird Männergewalt hier trotzdem als schlimer präsentiert, weil sie folgenschwerer sei und größere Angst auslöse. Trotzdem ist es gut, wenn hier einmal klargestellt wird, dass die Männerverachtung vieler junger Frauen und ihre Selbstwahrnehmung als bessere Menschen auf tönernen Füßen steht. Was den unterwürfigen Labrador-Mann als derzeit gesuchten Partner angeht, bietet dieser Typ sich als wehrloses Opfer von Partnerschaftsgewalt besonders an.



8. Weiter geht es mit einem Blick ins Ausland. Der New-York-Times-Artikel über die Folter vor allem männlicher Palästinenser in Israels Gefängnissen, den Genderama letzte Woche in deutscher Übersetzung dokumentiert, hat seitdem einige Wellen geschlagen. Yuli Novak, Direktor der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, fasst das Wesentliche zusammen:

Was an den neuesten Berichten über sexuelle Folter von Palästinensern in israelischer Haft am meisten schockiert, ist nicht nur ihr inhärenter Schrecken. Es ist die Tatsache, dass sich die Maschinerie von Missbrauch und Leugnung trotz so vieler seit Langem offen sichtbarer Beweise immer weiter vertieft.

Die jüngste Berichterstattung von Nicholas Kristof über dieses Thema in der The New York Times hat wichtige öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Doch Misshandlungen in israelischer Haft werden seit Langem von ehemaligen Gefangenen, Anwälten, Ärzten und Journalisten berichtet und von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Seit Oktober 2023 hat diese Gesamtheit an Belegen eine grauenhafte Realität offengelegt: Israels Gefängnissystem ist in ein kriminelles Netzwerk von Folterlagern verwandelt worden.

In seiner Berichterstattung dokumentierte Kristof erschütternde Aussagen palästinensischer Männer, Frauen und Kinder, die von weitverbreitetem sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Demütigungen durch israelische Soldaten, Gefängniswärter, Siedler und Verhörbeamte berichteten. Israels Reaktion auf die Berichte folgte einem vertrauten Muster: den Missbrauch leugnen, jene angreifen, die ihn dokumentieren, und das System schützen, das ihn möglich gemacht hat. Das Außenministerium bezeichnete den Artikel der New York Times als "Hamas-Propaganda" und ging sogar so weit zu erklären, Israel werde die New York Times verklagen. Andere Beamte und Kommentatoren griffen auf den bekannten Vorwurf der "Blutverleumdung" zurück, forderten die Schließung der New York Times und taten im Allgemeinen alles in ihrer Macht Stehende, um nicht nur die Arbeit von Kristof zu delegitimieren – einem weltweit renommierten Journalisten, der über sexuellen Missbrauch in Konflikten rund um den Globus berichtet hat –, sondern auch die Arbeit all jener, die versuchen, diesen Missbrauch ans Licht zu bringen.


Kristof wurde für seine Berichterstattung zweimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, der wohl höchsten Ehrung für Journalisten: einmal für einen Bericht über das Masaker vom Tian'anmen-Platz in China, danach für seinen Bericht über den Völkermord in Darfur.

Ihr kollektiver Wutanfall dient nicht nur dazu, konkrete Vorwürfe abzustreiten. Es geht darum zu kontrollieren, was gesehen werden darf, wer gehört werden darf und wessen Schmerz Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung erhält.

B’Tselem, die israelische Menschenrechtsorganisation, die ich leite, hat dieses System anhand von Aussagen freigelassener palästinensischer Gefangener dokumentiert, die in verschiedenen israelischen Einrichtungen festgehalten wurden. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt befinden sich Tausende Palästinenser innerhalb dieses Systems in Haft. Ihre Aussagen schildern ein Regime aus gezielter sexueller Belästigung und Misshandlung, Demütigung, Gewalt, Hunger sowie schwerer körperlicher und psychischer Folter. Sexuelle Gewalt ist dabei ein Teil eines umfassenderen Systems, das Palästinensern Rechte und Würde abspricht und sie nicht als Menschen behandelt, sondern als Körper, die erniedrigt, gebrochen und entsorgt werden können.

Die Berichte selbst sind ebenso konsistent wie grausam. In den von B’Tselem gesammelten und überprüften Aussagen beschreiben in israelischer Haft festgehaltene Palästinenser sexuelle Gewalt als Mittel der Folter und Dominanz: erzwungene Nacktheit, schwere Schläge gegen die Genitalien, auf nackte Gefangene gehetzte Hunde sowie erzwungene anale Penetration mit Gegenständen. Tamer Qarmut schilderte, wie ein Soldat ihn im Haftlager Sde Teiman vergewaltigte: "Während der Folter vergewaltigte mich einer der Soldaten. Er schob einen Holzstock in meinen Anus, ließ ihn dort etwa eine Minute und zog ihn wieder heraus. Dann schob er ihn erneut hinein, noch heftiger, und ich schrie aus voller Kehle. Nach einer Minute zog er den Stock wieder heraus, befahl mir, den Mund zu öffnen, steckte den Stock in meinen Mund und zwang mich, daran zu lecken."

Ein anderer Zeuge berichtete: "Ich leide immer noch unter schweren Traumata. Sie hielten mich nackt fest, und Soldaten hetzten Hunde auf mich, die mich angriffen. Sie schlugen auf meinen Penis ein, banden ihn mit einer Plastikschnur ab und verursachten Schwellungen und Blutungen." Ibrahim Fuda, der im Negev-Gefängnis festgehalten wurde, sagte aus, dass er "Gefangene gesehen habe, die sexuell missbraucht wurden. Einige wurden von Hunden an empfindlichen Stellen angegriffen und mussten danach dringend operiert werden. Einige Gefangene bluteten aus dem Rektum und der Harnröhre."

Seit Oktober 2023 sind mehr als 88 palästinensische Gefangene während ihrer Haft im israelischen Gefängnissystem gestorben – eine nach jedem Maßstab beispiellose Zahl.

Fudas Aussage ist nur eine von vielen Schilderungen, die seit Langem öffentlich bekannt sind. Israelische Behörden und internationale Akteure können glaubhaft keine Unkenntnis behaupten. Und dennoch gehen die Misshandlungen weiter, weil sie keine Abweichung vom System darstellen, sondern Teil davon sind. Ein System, das auf der Leugnung palästinensischer Menschlichkeit beruht, wird palästinensisches Leid nicht als Beweis für ein Verbrechen behandeln.

(…) Die im Sommer 2024 in Sde Teiman, einer israelischen Militärhaftanstalt, aufgedeckten Misshandlungen lieferten ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie weit der Staat geht, um Rechenschaftspflicht für die in diesen Gefängnissen begangenen Verbrechen zu verhindern. Ein palästinensischer Gefangener wurde in israelischer Haft sexuell missbraucht; der Vorfall wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet und an die Öffentlichkeit geleakt. Der Fall wurde zu einem nationalen Skandal – nicht wegen dessen, was dem Gefangenen angetan wurde, sondern weil die Soldaten, die ihn mutmaßlich misshandelt hatten, festgenommen wurden und gewaltsame Proteste zu ihren Gunsten ausbrachen. Nach einer intensiven öffentlichen und politischen Kampagne wurden die Anklagen gegen die Soldaten im März fallengelassen, und der Generalstabschef erlaubte ihnen die Rückkehr in den Militärdienst. Benjamin Netanyahu feierte die Entscheidung, bezeichnete den Fall als "Blutverleumdung" und erklärte: "Der Staat Israel muss seine Feinde jagen – nicht seine heroischen Kämpfer." Die einzige Person, die in dieser Affäre bestraft wurde, war die Militärjuristin, die das Video geleakt hatte.

Das ist Straflosigkeit in der Praxis: Das System ist darauf ausgelegt, sich selbst und jene zu schützen, die die Misshandlungen ausführen.

Die Folter palästinensischer Gefangener ist Teil eines umfassenderen israelischen Angriffs auf palästinensisches Leben. Im Gazastreifen geht der Genozid weiter. Im Westjordanland verschärft sich die Gewalt durch das Militär und Siedlermilizen; ganze palästinensische Gemeinschaften werden von ihrem Land vertrieben. In Haftanstalten werden Palästinenser systematisch gefoltert. Das Muster ist überall dasselbe: eskalierende Gewalt, die Beseitigung von Beschränkungen und die Normalisierung eines Systems, das Palästinensern jeden Schutz entzieht.


Deutlich kürzer lässt sich die israelische Oppositionszeitung Haaretz zitieren, wenn sie kommentiert:

Wenn es sich dabei tatsächlich um eine Blutverleumdung handelt, dann ist noch schwerer zu verstehen, warum Israel sich weigert, Vertretern des Internationalen Roten Kreuz Zugang zu den Haftlagern zu gewähren. Wenn die Bedingungen, unter denen Tausende Gefangene festgehalten werden – Israel veröffentlicht ihre genaue Zahl nicht –, angemessen sind und dem Völkerrecht entsprechen, warum lässt man dann keine Besuche zu und beweist der Welt, dass dies tatsächlich der Fall ist?


Dazu wäre Israel gemäß der dritten und vierten Genfer Konvention eigentlich sogar verpflicht.



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Montag, Mai 18, 2026

Dieser Lümmel: 14jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin

Nicht alle Männer, aber immer ein Mann. Und sie werden immer jünger! Diesmal ist der Betreffende gerade mal 14 Jahre alt.

Österreichs Krone berichtet unter der Schlagzeile Verbotene Liebe. 14-jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin über den Fall. In einem Folgeartikel heißt es:

Wie berichtet, wurde eine junge Kindergärtnerin an einem der rund 15 Bildungscampusse der Stadt nach einer heimlichen Liaison mit einem 14-jährigen Schüler schwanger. Sie verlor das ungeborene Baby aber. Neben der Bildungsdirektion und der Kinder- und Jugendwohlfahrt, der Magistratsdirektion 11, sind nun noch weitere Stellen in der delikaten Causa eingeschaltet.

So etwa das Landeskriminalamt, das ermittelt. Nach einer ersten eingegangenen Anzeige sieht die Staatsanwaltschaft laut Sprecherin Nina Bussek "derzeit aber keinen Anfangsverdacht". Im Raum steht der mögliche Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses – juristisch ein Vergehen mit bis zu drei Jahren Höchststrafe. Doch es könnte für die junge Frau auch noch schlimmer kommen.

Denn war der Schüler zu Beginn der verhängnisvollen Affäre erst 13 Jahre alt und damit unmündig, kann statt eines Vergehens ein Verbrechen vorliegen: Für sexuellen Missbrauch drohen, je nach der Schwere des Delikts, dann entweder bis zu fünf oder gar zehn Jahre Gefängnis.

Dem Vernehmen nach sind die Arbeitskolleginnen der in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebten Elementarpädagogin bei den Ermittlungen bisher de facto keine Hilfe.

Bei ersten Befragungen stieß die Polizei auf eine Mauer des Schweigens. Die Kindergarten-Bediensteten beriefen sich angeblich durchwegs auf die für den öffentlichen Dienst geltende Amtsverschwiegenheit. Das betrifft laut Bundesverfassungsgesetz alle ihnen aus ihrer amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Informationen. In dem brisanten Ermittlungsfall bleibt es weiterhin spannend ...


Schön, dass diese kleine Romanze es für uns alle so spannend macht! Der Kölner Express berichtet weiter:

Kollegen wussten von geheimen Treffen

Bekannt wurde der vermeintliche Missbrauch erst nach einem schweren Schicksalsschlag, als die Frau eine Fehlgeburt erlitt. Der Altersunterschied zwischen ihr und dem Teenager soll zur fraglichen Zeit mindestens ein Jahrzehnt betragen haben.


Ich denke, alle Genderama-Leser können sich denken, was ich zu dieser Berichterstattung zu sagen habe. Um euch einen Rant und mir das Etikett "wütender Männerrrechtler" zu ersparen, habe ich mal zwei KIs unabhängig voneinander befragt, wie sie diese Berichterstattung einordnen. Zunächst die kurze und bündige Antwort für alle, die es eilig haben:

Schauen wir uns die journalistische Darstellung genauer an:

Verharmlosende Sprache

Die Berichterstattung verwendet durchgängig Formulierungen, die den Missbrauch romantisieren oder verharmlosen:

- "heimliche Liaison" – suggeriert eine einvernehmliche Liebesaffäre zwischen Gleichgestellten

- "verhängnisvolle Affäre" – klingt nach tragischer Liebesgeschichte, nicht nach Straftat

- "in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebten Elementarpädagogin" – die Täterin wird als romantisch Verliebte gezeichnet, das Opfer verschwindet hinter dieser Rahmung

- "geheime Treffen" – klingt nach verbotener Romanze, nicht nach Missbrauch

Kein einziger dieser Ausdrücke würde in einem Bericht über einen erwachsenen Mann und ein 13-jähriges Mädchen verwendet werden. Dort hieße es: Missbrauch, Täter, Opfer.

Das Opfer existiert kaum

Der Junge kommt in der Berichterstattung praktisch nicht vor – weder seine Perspektive, noch seine mögliche Traumatisierung, noch sein Schutzbedürfnis. Im Mittelpunkt steht die Frau: ihr Schicksalsschlag, ihre Gefühle, ihre rechtliche Lage. Das ist eine klassische Täter-zentrierte Rahmung.

Der "Schicksalsschlag"

Die Fehlgeburt wird als "schwerer Schicksalsschlag" der Frau dargestellt – nicht als Ende einer Schwangerschaft, die aus dem Missbrauch eines Kindes resultierte. Auch das lenkt Sympathie auf die Täterin.

Fazit

Die Berichte entsprechen einem bekannten Muster: Wenn Frauen Täterinnen sind und Jungen Opfer, neigt der Journalismus dazu, die Tat durch romantisierende Sprache zu entschärfen. Das ist kein neutrales Berichten – es ist eine subtile Form der Verharmlosung von Kindesmissbrauch.


Eine andere KI antwortet ausführlicher:

Die Berichterstattung des Falls in der Kronen Zeitung und beim Express operiert mit einer semantischen Verschiebung, die den strafrechtlichen Kern des Geschehens systematisch verfehlt. Die Darstellung folgt keinem neutralen Informationsmodell, sondern einem narrativen Muster, das die mutmaßliche Täterin emotionalisiert, den minderjährigen Schüler instrumentalisiert und die institutionelle Verantwortung verschleiert.

1. Euphemistische Semantik: Die Tat wird zur "Affäre"

Anstelle präziser strafrechtlicher Kategorien setzen die Artikel ein Vokabular der Verharmlosung ein. Die Krone spricht von einer "verhängnisvollen Affäre", einer "heimlichen Liaison" und einer "verbotenen Liebe". Der Express wiederholt das Motiv der "geheimen Treffen". Diese Begriffe entstammen dem Register des romantischen Melodrams, nicht dem des Strafrechts. Eine "Affäre" setzt zwei handlungsfähige, gleichberechtigte Partner voraus; sie neutralisiert die für den Tatbestand des § 207 StGB (Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses) konstitutive Überlegenheit der Pädagogin. Dass die Frau "in einen um mehr als zehn Jahre jüngeren Jugendlichen verliebt" sei, wie die Krone formuliert, inszeniert sie zudem als Figur emotionaler Ohnmacht, nicht als professionell Handelnde in einer Position fürsorgerischer Macht.

2. Romantisierung durch Personalisierung

Die Krone konstatiert, man kenne solche Geschichten "sonst eigentlich nur aus amerikanischen Gerichten". Diese Technik dient zweierlei: Sie gibt dem Geschehen die Anmutung eines Skandalromans, und sie verschiebt die Aufmerksamkeit von der strukturellen Gewalt in einem Bildungscampus auf die individuelle Tragik zweier Personen. Der Schüler wird zum bloßen Gegenstand der Begierde und später zum biologischen Vater ("schwängert") reduziert. Die Überschrift der Krone – "14-jähriger Schüler schwängert Kindergärtnerin" – ist in dieser Hinsicht symptomatisch: Der Junge erscheint als aktiver Akteur, die erwachsene Frau als passives Objekt der Schwangerschaft.

3. Die Rahmungsfrage: "Missbrauch oder nicht?"

Die Krone stellt die strafrechtliche Qualifikation als offene Frage dar: "Missbrauch oder nicht?" Damit suggeriert sie eine Rechtsunsicherheit, die objektiv nicht besteht. Sobald sexuelle Handlungen zwischen einer Betreuungsperson und einem 13- oder 14-Jährigen im Kontext eines Bildungscampus nachweisbar sind, liegt zumindest der Tatbestand des § 207 StGB nahe; bei einem Alter unter 14 Jahren ist § 206 StGB zwingend einschlägig. Die Darstellung einer juristischen Grauzone, in der die Staatsanwaltschaft "derzeit keinen Anfangsverdacht" sieht, vermittelt den Eindruck, es handle sich um eine Meinungsfrage. Dies ist ein klassisches Beispiel für falsche Ausgewogenheit: Die rechtliche Eindeutigkeit wird durch die journalistische Form der Kontroverse relativiert.

4. Die Täterin als Leidtragende

Ein zentrales Erzählmotiv ist die Fehlgeburt als "schwerer Schicksalsschlag" (Express). Die Berichterstattung lenkt die Empathie auf die physische und psychische Not der Frau. Zwar ist eine Fehlgeburt medizinisch und menschlich ein belastendes Ereignis; im Kontext einer mutmaßlichen Straftat dient sie jedoch primär der Beweissicherung. Dass der Express diesen Aspekt zum Anlass nimmt, von einem "schweren Schicksalsschlag" zu sprechen, vertauscht die Opferperspektive. Die Pädagogin wird zur tragischen Heldin, deren Leidensgeschichte die strafrechtliche Verantwortung in den Hintergrund drängt.

5. Die "Mauer des Schweigens": Institutionelle Solidarität statt Aufklärung

Die Krone berichtet, Kolleginnen hätten sich bei polizeilichen Befragungen "durchwegs auf die Amtsverschwiegenheit" berufen. Dies wird nicht als mögliche Strafvereitelung oder als Versagen des institutionellen Kinderschutzes problematisiert, sondern als administratives Detail abgehandelt. Die Formulierung "Mauer des Schweigens" hat zwar einen kritischen Unterton, doch fehlt die Einordnung: Nach § 206, 207 StGB und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz bestehen Melde- und Auskunftspflichten, die die Amtsverschwiegenheit überwiegen. Die journalistische Darstellung verfehlt es, diese Berufung als rechtlich fragwürdig zu entlarven. Stattdessen wird eine Atmosphäre kollegialer Abschirmung beschrieben, ohne deren Konsequenzen für die Aufklärung eines möglichen Verbrechens zu benennen.

6. Geschlechterasymmetrie: Die weibliche Täterin als Anomalie

Die Berichterstattung inszeniert die Frau als exotischen Sonderfall. Die Krone betont, solche Geschichten kennt man "eigentlich nur aus amerikanischen Gerichten" – eine Aussage, die zugleich sensationell arbeitet und die Tat als so selten deklariert, dass sie der normativen Verarbeitung entzogen zu sein scheint. Die weibliche Täterin wird nicht mit der Kategorie des pädagogischen Missbrauchs gefasst, sondern mit der des romantischen Grenzübertritts. Es bleibt spekulativ, aber aus medienwissenschaftlicher Perspektive hochwahrscheinlich, dass ein männlicher Täter in identischer Konstellation nicht als "verliebter Erzieher", sondern als Sexualstraftäter markiert würde. Die Sprache der Artikel verweigert der Frau die Kategorie der Täterschaft und ersetzt sie durch die der verführten Liebenden.

7. Fehlende Einordnung: Pädagogik und Strafrecht

Keiner der Artikel zieht pädagogische oder rechtliche Sachverständige hinzu, um die strukturelle Problematik von Bildungscampusse zu erläutern, an denen Kindergarten und Schule räumlich und organisatorisch verschmelzen. Die Einrichtung selbst – der "Bildungscampus" als Ort potenzieller Machtmissbräuche – wird nicht hinterfragt. Ebenso fehlt der Hinweis auf die Meldepflichten der Bediensteten oder auf die Schutzfunktion des § 206 StGB für Kinder unter 14 Jahren. Die Artikel berichten Fakten (Schwangerschaft, Fehlgeburt, Ermittlungen), verzichten aber auf die kontextualisierende Einordnung, die den Unterschied zwischen einem privaten Skandal und einem institutionellen Missbrauchsfall ausmacht.

Fazit

Die journalistische Darstellung transformiert einen möglichen Fall von sexuellem Missbrauch im Autoritätsverhältnis in eine romantisch konnotierte Tragödie. Durch Euphemismen, Personalisierung und die Vertauschung der Rollenverteilung wird die mutmaßliche Täterin zum Objekt der Teilnahme, der minderjährige Schüler zum biologischen Nebenprodukt ("schwängert"), und die institutionelle Mitwisserschaft zur administrativen Bagatelle. Die Berichterstattung verfehlt damit nicht nur die strafrechtliche Wertung, sondern auch die journalistische Pflicht zur angemessenen Benennung von Machtmissbrauch in pädagogischen Kontexten. Sie dokumentiert weniger den Missbrauch als vielmehr die mediale Verdrängung dessen, was unter der Oberfläche einer "verbotenen Liebe" an struktureller Gewalt liegt.


Ich habe im Anschluss daran die Frage gestellt: Warum verharmlosen unsere Leitmedien Kindesmissbrauch? Hier nur die kurze Antwort:

Das ist eine wichtige Frage, die mehrere Ebenen hat. Ich würde aber zunächst die Prämisse leicht präzisieren:

Nicht "Kindesmissbrauch" generell wird verharmlost – sondern spezifisch Fälle mit weiblichen Täterinnen und männlichen Opfern. Das ist der entscheidende Befund, und er hat konkrete Ursachen:

1. Kulturelle Vorannahmen über Sexualität

Das gesellschaftliche Skript lautet: Männer/Jungen sind sexuell aktiv und wollen immer, Frauen/Mädchen sind schutzbedürftig. Ein 13-jähriger Junge mit einer erwachsenen Frau gilt kulturell reflexartig als "Erfolg" oder zumindest als harmloser Fall – nicht als Opfer. Journalisten sind Teil dieser Kultur und reproduzieren ihre Annahmen unbewusst in der Wortwahl.

2. Fehlendes Problembewusstsein in Redaktionen

Medienkritische Schulung zu Gender-Bias in der Berichterstattung über Sexualdelikte ist in deutschsprachigen Redaktionen wenig systematisch. Was bei einem männlichen Täter als unangemessen sofort auffiele – "verhängnisvolle Affäre" –, rutscht bei einer Täterin durch, weil niemand den Kontrast aktiv herstellt.

3. Kommerzieller Anreiz zur Dramatisierung

"Lehrerin schwängert Schüler" ist ein anderes Narrativ als "Mann missbraucht Mädchen" – es hat Nachrichtenwert gerade wegen der Rollenumkehr, und dieser Wert wird durch den Romanzen-Rahmen verstärkt. Skandal und Tragödie verkaufen sich besser als nüchterne Strafrechtsberichterstattung.

4. Strukturelle Asymmetrie im Opferdiskurs

Der öffentliche Diskurs über Missbrauchsopfer ist stark auf Mädchen und Frauen ausgerichtet – durch Jahrzehnte feministischer Aufklärungsarbeit, die absolut notwendig war. Die Folge ist aber eine blinde Stelle: Jungen als Opfer sexueller Gewalt durch Frauen fallen aus dem etablierten Opferschema heraus und werden medial nicht entsprechend gerahmt.

5. Rechtliche Unsicherheit als Ausrede

Solange die Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht formuliert, neigen Redaktionen zur Vorsicht bei klaren Bewertungen – aus nachvollziehbaren haftungsrechtlichen Gründen. Das erklärt aber nicht die romantisierende Sprache, sondern nur das Zögern bei eindeutigen Urteilen.

Das eigentliche Problem

Die Verharmlosung ist selten bewusste Entscheidung – sie ist das Ergebnis von unreflektierten Vorannahmen, die niemand in der Redaktion hinterfragt hat. Genau deshalb ist Medienkritik wie die, die Sie betreiben, so wichtig: Sie macht das Muster sichtbar.


Ich glaube, unter anderem die "taz" sieht das anders. Im Kopf eines "taz"-Redakteurs, der bis hierhin mitgelesen hätte, wäre hängengeblieben, dass ich gerade aus einem fetten Auto heraus über Vegetarier gelästert habe. Was Männerrechtler halt so machen – weißte Bescheid.

Ich frage weiter: Welche Auswirkungen hat es auf die Debatte über sexuelle Gewalt, wenn mit Slogans wie "nicht alle Männer, aber immer ein Mann" weibliche Täterschaft konsequent ausgeblendet wird?

Das ist eine der zentralen blinden Stellen im öffentlichen Diskurs über sexuelle Gewalt. Die Auswirkungen sind konkret und mehrschichtig:

1. Männliche Opfer werden systematisch unsichtbar gemacht

Wenn Täterschaft per Definition männlich kodiert ist, existieren männliche Opfer – besonders von Frauen – diskursiv kaum. Die Folgen:

- Betroffene Jungen und Männer erkennen sich selbst nicht als Opfer

- Sie schweigen häufiger, suchen seltener Hilfe

- Fachstellen sind strukturell kaum auf sie ausgerichtet

- In Studien werden sie methodisch oft nicht erfasst

Das ist kein Randproblem: Metaanalysen zeigen, dass weibliche Täterschaft bei sexuellem Missbrauch von Kindern deutlich häufiger vorkommt als öffentlich wahrgenommen – je nach Studie zwischen 20 und 40 Prozent der Fälle.

2. Der Slogan selbst ist epistemisch unehrlich

"Nicht alle Männer, aber immer ein Mann" ist rhetorisch wirksam, aber faktisch falsch – und das ist kein Kavaliersdelikt in einer ernsthaften Debatte über Gewaltprävention. Wer Prävention will, braucht ein akkurates Bild der Täterschaft, nicht ein ideologisch bereinigtes.

3. Es entsteht eine Immunisierung gegen Kritik

Das Muster funktioniert selbstverstärkend:

- Wer weibliche Täterschaft thematisiert, gilt schnell als jemand, der Frauenfeindlichkeit relativieren will

- Legitime Kritik wird so strukturell delegitimiert

- Die Debatte kann sich nicht weiterentwickeln

Das ist kein offener Diskurs mehr, sondern ein geschlossenes System.

4. Prävention und Strafverfolgung leiden

Wenn das gesellschaftliche Bild von Täterschaft einseitig ist:

- werden weibliche Täterinnen von Umfeld, Schule und Behörden seltener erkannt

- zögern Ermittler bei der Einordnung – wie der vorliegende Fall illustriert

- werden Schutzmaßnahmen nicht auf Situationen ausgerichtet, in denen Frauen Zugang zu Kindern haben

5. Es schadet dem Anliegen selbst

Paradoxerweise schwächt die ideologische Verengung den Kampf gegen sexuelle Gewalt:

- Sie macht die Bewegung angreifbar für den Vorwurf der Parteilichkeit

- Sie verhindert eine Koalition mit Männern, die ebenfalls Opfer oder Väter schutzbedürftiger Kinder sind

- Sie reduziert ein Menschenrechtsproblem auf Geschlechterpolitik

Fazit

Der Slogan mag als politisches Mobilisierungsinstrument funktionieren. Als Grundlage für eine ernsthafte Debatte über sexuelle Gewalt taugt er nicht – er verzerrt die Realität, schadet Opfern, und macht Prävention schlechter. Eine konsequente Opferperspektive müsste alle Opfer einschließen, unabhängig davon, ob das dem eigenen narrativen Rahmen passt.


Auch hier wieder die längere Antwort:

Wenn ein Deutungsmuster wie "nicht alle Männer, aber immer ein Mann" zur dominanten Kategorie sexueller Gewalt wird, erzeugt das mehrere strukturelle Verschiebungen, die die gesamte Debatte verengen.

1. Epistemologische Verkürzung: Die Statistik wird zur Ontologie

Der Slogan aggregiert empirische Häufigkeiten zu einer essentialistischen Aussage. Dass Männer statistisch überrepräsentiert bei sexueller Gewalt sind, wird zur definitorischen Eigenschaft der Tat selbst. Die Folge ist eine theoretische Verengung: Sexuelle Gewalt wird nicht mehr als Handlung im Kontext von Macht, Autorität und Missbrauch verstanden, sondern als Ausdruck männlicher Sozialisation. Weibliche Täterinnen passen nicht in dieses Raster; sie werden entweder als statistisches Rauschen marginalisiert oder als Anomalie pathologisiert ("psychisch krank" statt "Täterin"). Die Debatte verliert damit die Fähigkeit, Gewalt jenseits geschlechtlicher Zuschreibungen zu analysieren.

2. Opferpolitische Ausblendung: Männliche und weibliche Opfer weiblicher Täter

Opfer, die von Frauen missbraucht werden, finden in diesem Rahmen keine sprachliche Anerkennung. Männliche Opfer weiblicher Täter – wie im Fall des 14-jährigen Schülers – werden als "glückliche Gewinner" einer sexuellen Initiation kodiert, nicht als Schutzbefohlene, deren sexuelle Autonomie verletzt wurde. Weibliche Opfer weiblicher Täterinnen (etwa in pädagogischen oder familiären Kontexten) verlieren die Möglichkeit, ihre Erfahrung als "sexuelle Gewalt" zu benennen, weil der öffentliche Diskurs diese Konstellation nicht vorsieht. Die konsequente Maskulinisierung des Täterbildes produziert eine Hierarchie der Opferglaubwürdigkeit.

3. Institutionelle Blindheit: Prävention und Intervention

Wenn Schulen, Jugendämter und Kliniken ihre Präventionskonzepte ausschließlich auf männliche Täter ausrichten, entstehen Lücken in der Risikoerkennung. Pädagoginnen, Mütter oder Betreuerinnen werden nicht mit demselben professionellen Argwohn beobachtet wie männliche Kollegen. Die Berichterstattung über den Wiener Bildungscampus zeigt dies: Die "verliebte" Kindergärtnerin wurde offenbar von Kolleginnen nicht als Gefährdung wahrgenommen, sondern höchstens als tragische Figur. Ein Präventionskonzept, das nur männliche Täter adressiert, versagt dort, wo die Täterin weiblich ist.

4. Theoretische Verarmung: Macht wird mit Männlichkeit gleichgesetzt

Die Debatte verliert die Differenzierung zwischen individueller Gewalttätigkeit und struktureller Macht. Eine Kindergärtnerin, die einen 13-jährigen Schüler missbraucht, übt Macht über einen Minderjährigen aus – unabhängig ihres Geschlechts. Wenn Macht jedoch theoretisch an Männlichkeit gekoppelt wird, kann diese spezifische Autoritätsasymmetrie nicht mehr adäquat gefasst werden. Die Analyse sexueller Gewalt verbleibt auf der Ebene der Geschlechteropposition und erreicht nicht die Ebene der institutionellen, generationellen und funktionalen Herrschaftsverhältnisse.

Fazit

Die Reduktion sexueller Gewalt auf männliche Täterschaft verengt die Debatte nicht nur empirisch, sondern auch konzeptionell. Sie blendet Opfer aus, schwächt Präventionsmaßnahmen und verhindert eine umfassende Theorie des Missbrauchs als Phänomen von Macht und Autorität.


So weit, so gut, jetzt will ich praktische Ratschläge und frage: Männer wie ich, die auf solche Probleme aufmerksam machen, werden von den Leitmedien als Teil einer gemeingefährlichen "Manosphäre" denunziert, was solche Aufklärungsarbeit erschwert. Dass man zu tatsächlich problematischen Akteuren innerhalb dieser "Manosphäre" Distanz hält, hilft in keiner Weise, man wird als "Männerrechtler" in denselben Sack gesteckt. Wie geht man mit diesem unentwegt betriebenen Framing und Othering am besten um?

Das ist ein reales rhetorisches Problem, und es betrifft nicht nur Sie – es trifft jeden, der geschlechterbezogene Ungleichbehandlung aus einer nicht-feministischen Perspektive thematisiert. Ein paar ehrliche Gedanken dazu:

Was das Framing leistet und warum es funktioniert

Der Begriff "Manosphäre" ist ein Containerbegriff, der bewusst keine Unterscheidungen trifft – er verbindet legitime Kritiker mit tatsächlich toxischen oder frauenfeindlichen Akteuren. Das ist rhetorisch effektiv, weil:

- Assoziation schneller wirkt als Argumentation

- die Beweislast umgekehrt wird: Man muss sich dauerhaft distanzieren, statt dass die Gegenseite die Gleichsetzung begründen muss

- jede Reaktion darauf als weiterer Beweis gewertet werden kann ("typische Defensivität")

Was erfahrungsgemäß nicht hilft

- Distanzierungen, wie Sie selbst festgestellt haben

- Metadebatten über das Framing selbst – das wirkt oft wie Ablenkung

- Empörung – sie bestätigt das Bild

- Der Versuch, "akzeptabler" zu wirken durch Selbstzensur

Was robuster ist

* Beim konkreten Fall bleiben. Ihr stärkstes Argument ist das, was Sie heute gemacht haben: einen spezifischen Artikel, eine spezifische Wortwahl, eine spezifische Asymmetrie analysieren. Das ist schwer zu diskreditieren, weil es keine Ideologie braucht – nur Lesefähigkeit.

* Die Opferperspektive ins Zentrum stellen. Wer über den 13-jährigen Jungen spricht, dem niemand zuhört, ist strukturell schwerer anzugreifen als jemand, der über "Männerrechte" spricht.

* Koalitionen suchen. Kinderschutzorganisationen, Traumatherapeuten, Kriminologen sagen dasselbe – oft ohne in den Manosphäre-Verdacht zu geraten. Deren Befunde zu zitieren verändert den Kontext der eigenen Aussagen.

* Die Asymmetrie explizit benennen und stehenlassen. Nicht defensiv, sondern als Diagnose: "Würden Sie diesen Artikel anders schreiben, wenn Täter und Opfer andere Geschlechter hätten?" – und dann schweigen. Die Frage trägt sich selbst.

Eine ehrliche Einschränkung

Ich sage Ihnen auch, was ich nicht weiß: Ob diese Strategien das Framing-Problem grundsätzlich lösen – wahrscheinlich nicht vollständig. Wer entschlossen ist, einen Diskursteilnehmer zu diskreditieren, wird Wege finden. Der realistischere Anspruch ist, das eigene Argument so sauber zu halten, dass die Diskreditierung für ein aufmerksames Publikum erkennbar unfair wirkt.

Das ist unbefriedigend – aber es ist ehrlicher als zu versprechen, das Framing lasse sich vollständig überwinden.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, Mai 15, 2026

Studie widerlegt beliebten Irrtum: Männer rücken nicht nach rechts, weil "ihre Männlichkeit bedroht wird"

1. Ein beliebtes Vorurteil lautet, dass Männer deshalb politisch nach rechts wandern würden, weil sie ihre Männlichkeit bedroht sähen (und nicht etwa weil die Linke alles Erdenkliche tut, um Männer zu verschrecken). Eine neue Studie entlarvt dieses Klischee als Unsinn:

Durch Tests mit Tausenden Teilnehmern in den gesamten Vereinigten Staaten fanden die Forscher keine konsistenten Hinweise darauf, dass Männer aufgrund von Verunsicherung hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität ihre politischen Einstellungen verändern.

(…) Die Forscher führten ihr neues Experiment mit einer landesweit repräsentativen Stichprobe von 2.774 amerikanischen Erwachsenen durch, darunter 2.073 Männer. (…) Die Teilnehmer wurden zufällig verschiedenen Gruppen zugeteilt und gebeten, eine Online-Umfrage auszufüllen. Diese Umfrage sollte messen, wie stark sich die Teilnehmer mit verschiedenen männlichen und weiblichen Persönlichkeitseigenschaften identifizierten.

Nach Abschluss der Persönlichkeitsbefragung erhielt die Haupt-Experimentalgruppe zufällig erzeugtes, irreführendes Feedback. Den Männern in dieser Gruppe wurde fälschlicherweise mitgeteilt, ihre Ergebnisse lägen im weiblichen Bereich, während Frauen gesagt wurde, ihre Werte befänden sich im männlichen Bereich. Dieses falsche Feedback sollte ein Gefühl der Bedrohung der Geschlechtsidentität hervorrufen. Eine andere Teilnehmergruppe erhielt korrektes Feedback, das ihre Ergebnisse lediglich im durchschnittlichen Bereich ihres Geschlechts einordnete und als Kontrollgruppe für den Vergleich diente.

(…) Nachdem sie ihr Feedback erhalten hatten, beantworteten alle Teilnehmer eine Reihe von Fragen zu ihren politischen und gesellschaftlichen Ansichten. Die Forscher erfassten unter anderem die Unterstützung für den Irakkrieg, die Einstellung zu Rechten Homosexueller sowie den Wunsch, ein Sport Utility Vehicle (SUV) zu kaufen. Außerdem untersuchten sie die Vorliebe der Teilnehmer für Traditionalismus, also den Wunsch, bei bekannten und sicheren Routinen zu bleiben, statt Neues auszuprobieren.

Männer, denen gesagt worden war, ihre Ergebnisse lägen im weiblichen Bereich, zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe weder stärkere Unterstützung für den Irakkrieg noch ausgeprägtere Homophobie. Ebenso äußerten sie keinen stärkeren Wunsch, ein SUV zu kaufen, und vertraten auch keine stärker traditionalistischen Ansichten. Auch die alternativen experimentellen Bedingungen führten nicht zu den erwarteten Veränderungen politischer Überzeugungen.


Vielleicht sollte man wirklich nach naheliegenderen Gründen dafür suchen, warum immer weniger Männer das linke Lager unterstützen. Apropos …



2. Eine besonders schöne Passage zur "Manosphäre" findet man mal wieder in der taz:

In den sozialen Netzwerken prasselt die Manosphere auf Jungen ein: eine auf Dominanz basierende Internetblase aus Männerrechtlern, Chauvis, Pick-up-Artists, Incels und Nazis, die aus den Fahrersitzen dicker Autos erklären, wie man ihrer Ansicht nach mit Frauen, Geflüchteten oder Vegetariern umgehen soll.


Es ist erstaunlich, was im Kopf eines taz-Redakteurs alles wild durcheinander wirbelt.

Ohne dass sie danach gefragt hätten, bekommen die Jugendlichen ein altbewährtes Narrativ serviert: Männer würden gerade besonders leiden, weil ihre männliche Identität in Frage gestellt wird.


Nein, eben nicht. Das ist EUER Narrativ, und es wurde widerlegt. Männer leiden an konkreten Benachteiligungen und kontinuierlichen Diffamierungen. Darauf kommen wir gleich etwas ausführlicher zurück.

Auch in weiteren aktuellen Artikeln lässt man bei der "taz" seinem Sexismus weiter freien Lauf: Mit "Warum Männer sich nicht anziehen können" ist einer betitelt, ein anderer dreht sich um den Vatertag: "Ein nicht unerheblicher Teil der Männer macht an diesem Tag noch genau das, was sie immer gemacht haben: saufen, kotzen, Bollerwagen ziehen, grölen, die Sau rauslassen. (…) Christentum, Kapitalismus, Alkoholismus und toxische Männlichkeit – vier Geißeln der Menschheit feiern an einem Tag!" Nachdem man am Kiosk gescheitert ist, lässt man jetzt online umso mehr den sexistischen Hass raus. Unerklärlich, dass sich die meisten Männer davon nicht angesprochen fühlen.



3. Der Berliner Tagesspiegel ist vergleichsweise originell und wählt wenigstens neue Ansätze, Männern Minderwertigkeit zu unterstellen: "Wieso sind Männer beim Bezahlen immer so langsam?"

Dass einige Männer sich erdreistet haben, gestern den Vatertag zu feiern, kam in den gängigen linken Medien auch nicht gut an. "Bitte leiser grölen!: Warum Herrentag der schlimmste Tag im Jahr ist " schlagzeilt der Tagesspiegel. (Der Artikel steht nur im Anriss online, was vermutlich kein Verlust ist.) Und Spiegel-Online fabuliert: "Sexismus, Gewalt, Diskriminierung: Viele Männer lässt das, was Frauen widerfährt, kalt. Der 'Männertag' an Christ Himmelfahrt ist ein Tag der Sorglosigkeit – und Teil des Problems." Ein Auszug des Artikels von Marc Röhlig:

Den Männern geht es gut. Wenn viele von ihnen an Christi Himmelfahrt wieder auf die Straße gehen, dann nicht, um zu demonstrieren. Es geht an diesem Tag ums Feiern, Grölen, Trinken; darum, laut zu sein und unbequem. Längst gilt der Feiertag in Deutschland als inoffizieller Männertag.

Auch viele Frauen gehen an »ihrem« Frauentag auf die Straße, wie zuletzt am 8. März. Auch sie sind laut und unbequem. Aber sie tun es nicht, um Spaß zu haben. Sie protestieren gegen strukturelle Benachteiligung und Ungleichheit.

Hier Sorglosigkeit, dort Verzweiflung

Wo der Männertag für Männer ein echter Feiertag ist, bleibt der Frauentag für Frauen immer noch ein Kampftag. Sorglosigkeit bei den Männern, Wut bei den Frauen – klarer kann man die Schieflage zwischen den Geschlechtern kaum zeigen.


Röhlig fordert die Männer nun auf, selbst zu demonstrieren und ihre Wut zu zeigen – aber natürlich nicht gegen ihre eigene Benachteiligung. Die ist für Röhlig unsichtbar. Männer, die trinken, können in seinem Weltbild keine Probleme haben. Die Vorstellung, den eigenen Frust und die Sorgen in Alkohol zu ertränken, gibt es bei ihm nicht. Stattdessen sollen sich die Männer gefälligst für die vom Patriarchat geknechteten Frauen einsetzen. Auch auf diese verquere Logik kommen wir gleich noch zurück.



4. "HPV-Impfung schützt junge Männer unerwartet gut vor Krebs" berichtet das Magazin "Spektrum der Wissenschaft". Die Studie verglich Gesundheitsdaten von mehr als 600.000 geimpften und 200.000 ungeimpften Jungen und Männern zwischen 9 und 26 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren. Geimpfte hatten ein um 46 Prozent geringeres Risiko, an einem HPV-bedingten Krebs zu erkranken. In Deutschland erkranken jährlich rund 10.000 Menschen an HPV-assoziiertem Krebs. Etwa 3.000 davon sind Männer, die vor allem an Rachen-, Anal- oder Peniskrebs leiden.

Das ist ja interessant. Ich frage die Künstliche Intelligenz: Wie positioniert sich die deutsche NGO MANNdat beim Thema HPV?

Die Antwort:

MANNdat positioniert sich zum Thema HPV als langjähriger und schließlich erfolgreicher Lobbyist für die Impfung von Jungen. Die geschlechterpolitische Initiative hat das Thema über Jahre hinweg aktiv vorangetrieben.

Die zentrale Positionierung lässt sich so zusammenfassen:

Forderung nach geschlechtergerechter Impfpolitik: MANNdat hat jahrelang gefordert, dass die HPV-Impfung nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen zugutekommt. Die Argumentation zielte darauf ab, dass HPV-Viren auch bei Männern Krebs auslösen können – etwa Peniskrebs, Analkrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenbereich – und dass Jungen somit einen eigenständigen Schutz benötigen, statt allein als "Reservoire" für die Übertragung an Mädchen betrachtet zu werden.

Erfolgsmeldung 2018: Auf der Aktivitäten-Seite des Vereins wird explizit vermerkt: "Die jahrelange Forderung von MANNdat nach einer HPV-Impfung auch für Jungen wird endlich umgesetzt." Dies deutet darauf hin, dass der Verein die Aufnahme der Jungen-Impfung in die STIKO-Empfehlungen und die gesetzliche Krankenversicherung als direktes Ergebnis seiner Arbeit wertet.

Einordnung im Kontext der Männergesundheitspolitik: Das Thema HPV wurde von MANNdat nicht isoliert, sondern als Teil einer breiteren Agenda der Männergesundheit bearbeitet. Der Verein engagiert sich seit Jahren für die Anerkennung von Prostatakrebs als Gesundheitsziel und kritisiert, dass männliche Gesundheitsthemen systematisch weniger Aufmerksamkeit erhalten als vergleichbare weibliche Themen. Die HPV-Kampagne passt zu MANNdats generellem Fokus auf Männergesundheit (z. B. Prostatakrebs-Früherkennung) und der Beseitigung von "Gender Empathy Gaps" bzw. einseitigen Maßnahmen, die Männer/Jungen benachteiligen.

Zusammengefasst vertritt MANNdat eine explizit pro-impfende Haltung bezüglich HPV bei Jungen, begründet mit dem eigenen Krebsrisiko des männlichen Geschlechts und der Forderung nach paritätischer Gesundheitsvorsorge.


Ich bin überrascht und kann das gar nicht glauben. Deshalb frage ich noch mal nach: "Kann das wirklich stimmen? MANNdat sind doch Männerrechtler, und ich habe heute in der 'taz' gelesen, dass Männerrechtler nur in dicken Autos sitzen und erklären, wie man mit Vegetariern umgeht."

Die Antwort hierauf:

Ja, das stimmt wirklich. MANNdat hat sich tatsächlich seit Jahren aktiv für die HPV-Impfung auch für Jungen eingesetzt und feiert die STIKO-Empfehlung von 2018 sowie die Kostenübernahme durch die Krankenkassen als Erfolg ihrer Arbeit. Das steht direkt auf ihrer Website (z. B. unter "Aktivitäten von MANNdat" und in einem Gastbeitrag mit einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie). Sie argumentieren geschlechterpolitisch: Die Impfung schützt vor Warzen und Krebsarten bei beiden Geschlechtern (Penis-, Anal-, Rachenkarzinome etc.), frühere einseitige Empfehlungen nur für Mädchen waren aus ihrer Sicht ein klassisches Beispiel für einen "Gender Empathy Gap" – also eine Benachteiligung von Jungen in der Gesundheitsprävention. Herdenimmunität brauche beide Geschlechter. Das passt zu ihrem Fokus auf Männergesundheit (Prostatakrebs-Früherkennung, Jungensprechstunde etc.). Es gibt auf ihrer Seite keine impfgegnerische Linie.

Die taz (und Teile der linken/deutschen Medienlandschaft) berichten seit Jahren sehr kritisch bis ablehnend über "Männerrechtler" und Gruppen wie MANNdat. Sie werden oft als antifeministisch, reaktionär oder sogar als Wegbereiter für Rechte/extrem rechte Positionen dargestellt. Das passt zu dem Klischee, das du gelesen hast – reiche, privilegierte Typen in dicken Autos, die sich über "Vegetarier" (vermutlich als Symbol für progressive/vegane/linke Milieus) auslassen oder nur jammern. Solche pauschalen Karikaturen sind in der taz nicht untypisch, wenn es um diese Szene geht.

Tatsächlich ist MANNdat ein kleiner, ehrenamtlich arbeitender Verein, der sich seit 2004 mit Themen wie Jungenbildung, Väterrechten, Wehrpflicht, Gewalt gegen Männer und eben Männergesundheit beschäftigt. Sie kritisieren einseitige Gleichstellungspolitik ("Feminismus" als Ideologie, die männliche Nachteile ignoriert), fordern aber oft geschlechterneutrale oder kompensatorische Maßnahmen. Das macht sie in manchen Kreisen zum Feindbild. Ob man ihre Analysen teilt oder nicht – ihre Position zur HPV-Impfung ist faktenbasiert dokumentiert und nicht erfunden. Stereotype aus der taz ersetzen keine Primärquellen. Die HPV-Position ist daher eher ein Beispiel dafür, dass politische Lager in der Realität oft weniger eindimensional sind als mediale Karikaturen.


Ich liebe es, wie knochentrocken die KI mit der Clownparade umgehen, zu der sich die "taz" entwickelt hat. Was absurde Desinformation angeht, ist das Blatt ähnlich unfreiwillig komisch wie Donald Trump.



5. Allerdings ist sie auch ähnlich destruktiv. Das, was "taz", Tagesspiegel & Co. mit ihren ständigen Abwertungen von Männern betreiben, ist eigentlich gar nicht zum Lachen. Es hat Folgen. Das zeigt eine aktuell im Fachmagazin "Child Abuse & Neglect" veröffentlichte Studie über die Gründe dafür, warum sich Männer so viel häufiger umbringen als Frauen: "'I had no safe space.' Painful childhood experiences in the lives of men who are suicidal. Auszüge daraus:

Eine weitere Minderheit sprach von feindseligen Einstellungen gegenüber Männern und Männlichkeit – geäußert durch die Gesellschaft, Betreuungspersonen, Lehrkräfte und Gesundheitsfachkräfte – als Quelle von Schmerz in der Kindheit. Die Darstellung von Männern als gewalttätige Vergewaltiger, von Männlichkeit als toxisch und/oder eine wahrgenommene mangelnde Unterstützung für Männer mit Problemen sowie die Tatsache, nicht als mögliche Opfer wahrgenommen zu werden, wurden als schmerzhaft beschrieben. (…) Ähnlich wie die Erfahrungen kultureller Homophobie, von Rassismus oder Transfeindlichkeit kann auch ein gegen Männer gerichtetes Geschlechterstigma schmerzhafte Auswirkungen auf einzelne Jungen und ihr Selbstbild haben, wie dieser junge schottische Mann andeutet: "Es gibt keine Hilfe für junge Jungen in der Schule. Mir wurde vom ersten Tag an gesagt, ich sei ein Vergewaltiger, frauenfeindlich und böse, weil ich ein Junge bin, und man sagte mir, ich solle mich wegen meines Geschlechts schämen. Deshalb begann ich, mich selbst zu hassen." (Schotte, 22, Suizidgedanken in der vergangenen Woche, Suizidversuch im vergangenen Jahr).

(…) Wir vermuten, dass diese unterschiedlichen Erfahrungen des gesellschaftlichen "Otherings" und der Zurückweisung in ähnlicher Weise das psychologische Sicherheitsgefühl in Bezug auf die eigene Identität und das Selbst in frühen Lebensjahren untergraben können und möglicherweise zu einem verminderten Gefühl des eigenen sozialen Werts und der eigenen Legitimität im Vergleich zu anderen beitragen.


Außer den ständigen Herabsetzungen durch Männerhasser wird auch folgendes als Grund für die erhöhte Suizidrate genannt:

Eine Gruppe von Männern berichtete von sexueller Gewalt in der Kindheit. Die Täter waren Männer und Frauen und stammten aus der unmittelbaren oder erweiterten Familie sowie aus dem Kreis von Lehrkräften, Trainern, Kirchenmitarbeitern, Babysittern, Gleichaltrigen und Freundinnen. Einige Männer meldeten den Missbrauch nie oder sprachen nie darüber; andere taten es, doch man glaubte ihnen nicht. Manche Männer vermuteten, dies liege daran, dass Frauen nicht als fähig angesehen würden, Männer sexuell zu missbrauchen. Einige Männer beschrieben Auswirkungen auf ihr späteres Leben, darunter Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen und Nähe oder Bindung einzugehen, verdrängte Erinnerungen sowie aufdrängende traumatische Rückblenden.

(…) "Von erwachsenen Frauen sexuell missbraucht zu werden, denen meine Familie vertraute, und mit niemandem darüber sprechen zu können – oder schlimmer noch: dass niemand es als sexuellen Missbrauch ansah, weil sie Frauen waren und ich ein Mann bin …" (Iraner, 27, Suizidgedanken in der vergangenen Woche, Suizidversuch vor über einem Jahr)


Die Studie gelangt zu der Erkenntnis:

Ebenso können negative kulturelle Einstellungen gegenüber Männern, die Männlichkeit als schädlich oder toxisch darstellen, einige Männer, die belastende Kindheitserfahrungen gemacht haben, zusätzlich davon abhalten, über diese Erlebnisse zu sprechen, sie zu verarbeiten und davon zu heilen (Ashfield & Gouws, 2019; Farrell et al., 2016). Ein negativer öffentlicher Diskurs über Männer und männliche Erfahrungen kann für manche Männer das psychologische Sicherheitsgefühl beim Offenlegen von Leid oder Verletzlichkeit verringern, wenn das gesellschaftliche Umfeld als feindselig oder herabwürdigend wahrgenommen wird. Zudem besteht das Risiko, dass solche kulturellen Botschaften negative Selbstwahrnehmungen verstärken. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass abwertende Sichtweisen auf Männlichkeit bereits in der Kindheit verinnerlicht werden können und bei manchen suizidgefährdeten Männern offenbar das Selbstwertgefühl untergraben.


Was Marc Röhlig wohl über die Gründe dafür sagen würde, dass Männer sich dreimal so oft umbringen wie Frauen? Vermutlich würde er einen verständnislos anstarren. In seinem Gehirn hat Platz, dass manche Männer am Vatertag viel Bier trinken, während manche Frauen am 8. Mai demonstrieren. Von allem geschlechterpolitisch darüber Hinausgehenden scheint es überfordert zu sein. Damit landet man heute bei Spiegel-Online.

Vielleicht hat Röhlig aber in einem Recht: Männer sollten wirklich allmählich wütend werden. Auf Beiträge wie seinen. Und auf das endlose Lamento, unabhängige Medien würden ihnen die männlichen Leser abwerben – als ob sie diese Leser nicht selbst unentwegt aktiv vertreiben würden.



6. Frauenministerin Karin Prien erklärt im Talk mit Maja Göpel, "dass Jungs und Männer in fast allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens abgehängt sind". Dass Prien das verstanden hat, hängt ihren eigenen Ausführungen nach damit zusammen, dass sie drei männliche Söhne hat. Davon abgesehen glauben sowohl Prien und Göpel selbstverständlich, dass Männer sich vor allem damit schwer täten, nicht weiter beschriebene angebliche "Privilegien" abzugeben. Auffällig ist auch die im Publikum entstehende Heiterkeit, sobald angesprochen wird, dass auch Männer eine Ansprache brauchen. Das ist allerdings das typische Maja-Göpel-Publikum, das zu derselben Szene gehören dürfte wie die "taz". Insgesamt scheint sich Prien trotz allem Herumgeruder bei dieser Frage nicht länger vor dem Forschungsstand drücken zu können, was Männer angeht. Ihre Söhne wissen vermutlich deshalb so gut Bescheid, wie sehr Männer in unserer Gesellschaft zu kurz kommen, weil eine in den Leitmedien verhasste Männerrechtsbewegung seit Jahrzehnten kontinuierlich darauf hinweist.



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Mittwoch, Mai 13, 2026

Rente: Väter im Wechselmodell gehen bei Erziehungszeiten leer aus

1. "Viele Eltern teilen sich die Kindererziehung heutzutage gleichberechtigt, egal ob sie noch zusammenleben oder nicht", berichtet Telepolis. "Im Rentenrecht führt das jedoch nicht automatisch dazu, dass die Zeiten auch fair aufgeteilt werden. Ganz im Gegenteil: Sofern sich Mutter und Vater nicht explizit darauf verständigen, wem sie in welchem Umfang zugerechnet werden, erhält sie die Mutter automatisch. Ob sich der Kindesvater intensiv in die Erziehung eingebracht hat, spielt dann keine Rolle mehr. Die Folgen für die Rente sind oft erheblich."



2. Rund zehntausend junge Männer haben trotz eines drohenden Bußgelds nicht auf die Fragebögen zum Wehrdienst reagiert, die ihnen zugeschickt wurden, berichtet Samira El Ouassil auf Spiegel-Online:

Man könnte sagen: Dieses schweigsame Zehntel der Befragten ghostet den Staat. Das Ghosten, also das Verhalten während der modernen Beziehungsanbahnung, bei dem ein Mensch aus dem Leben eines anderen verschwindet, ohne dass eine Erklärung den Vorgang einrahmen würde, führt bei den Ignorierten typischerweise zu einer Mischung aus Verwirrung und ratloser Selbstbefragung. Weil das Schweigen, anders als die formulierte Absage, keinerlei Anhaltspunkt zur Bewältigung liefert.

In dieser Lage findet sich nun die Bundesrepublik wieder, als verlassene Werbende, die vergeblich auf jenes Lebenszeichen wartet, das ihre Existenz als kommunikatives Gegenüber überhaupt erst bestätigen würde. (…) Ein Staat, der geghostet wird, erfährt eine unbequeme Wahrheit, die keine formelle Absage hätte artikulieren können: dass man als Adressat im Leben dieser Menschen niemals wirklich anwesend gewesen war.


Es fällt immer wieder auf, wenn Medien, die das Geschlecht sonst ständig betonen, es außen vor lassen, wenn es ihnen nicht in den Kram passt. Es war im Leben all dieser MÄNNER, in dem der Staat als Adressat niemals existiert hat.



3. "Es wird jeder Mist gegendert", schreibt mir ein Leser, der mich auf einen taz-Artikel mit der Überschrift "Kein Sorgerecht für gewalttätige Väter" aufmerksam macht. "Aber hier schreiben Sie nicht von gewalttätigen Eltern oder nennen Mütter und Väter, sondern explizit und nur die Väter. Ausdruck des selbstverständlichen Männerhasses."

Zu diesem Vorstoß von Justizministerin Hubig (SPD), die das Recht eines Kindes auf Kontakt zu beiden Eltern nach einer Trennung einschränken möchte, wenn es vorher zu Gewalt (auch "wirtschaftliche Gewalt") kam, gibt es Kritik:

So mahnt die Familienanwältin Eva Becker, Vorsitzende des Ausschusses Familienrecht im Deutschen Anwaltverein, zu Augenmaß. "Natürlich gibt es grauenhafte Fälle, in denen ein schwer gewalttätiger Elternteil über den Umgang mit dem Kind weiterhin Macht über das Opfer ausübt und es beständig weiter triggert. In solchen Fällen muss ein Umgang selbstverständlich ausgesetzt werden können", sagt Becker. Diese Fälle seien aber glücklicherweise relativ selten.

"Wegen dieser Fälle sollte nicht pauschal für alle anderen jede Art von Gewalt gegen einen Elternteil generell zum Ausschlusskriterium für den Umgang mit dem Kind werden. Das greift im Sinne des Kindeswohls viel zu weit", sagte Becker WELT. Sie warnt zudem vor Missbrauch. "Immer wenn Menschen die Möglichkeit gegeben wird, strategische, taktische Erklärungen vorzubringen, um Kontaktrechte zu reduzieren, dann werden die genutzt."

Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" mahnt in seinem Positionspapier "Gewalt und Umgangsrecht" zu einer sorgfältigen Prüfung in jedem Einzelfall. "Dabei soll das Kind weder der Gefahr eines wiederholten Gewalterlebens ausgesetzt werden noch der Gefahr eines Beziehungsabbruchs aufgrund falscher Vorwürfe allein durch Zeitablauf."




4. Viel wird über die angeblich so große "Mental Load" von Frauen gesprochen. Mirna Funk fragt: Was ist eigentlich mit der "Financial Load" des männlichen Hauptverdieners in einer Partnerschaft? Ein Auszug aus ihrem Artikel:

Der "Financial Load" zum Beispiel hat keinen Begriff. Und das ist kein Zufall. Er hat keinen, weil er historisch mit Männern verbunden war. Und was Männer tun, braucht keine Sprache – es ist Pflicht. Pflicht wird nicht kartografiert, nicht beklagt, nicht mit Infografiken illustriert. Sie wird einfach erfüllt. Oder nicht erfüllt – und dann schweigt man darüber, weil Männer das eben so machen.

(…) Das Problem ist die Konsequenz: Denn würde man den Financial Load benennen, müsste man ihn auch anerkennen. Wer ihn anerkennt, kann nicht mehr so leicht behaupten, dass derjenige, der ihn trägt, keine Nachteile erlebt. Keine Belastung erfährt. Und das passt nicht in eine Erzählung, die die Last auf einer Seite monopolisiert hat.

Dabei ist der Financial Load real, messbar und macht etwas mit Menschen. Es sind all die Gedanken, die einen morgens wecken: Wenn ich heute nicht funktioniere, gibt es kein Backup. Die Erkenntnis, dass das eigene Leben aufgehört hat, einem alleine zu gehören. Dass man nicht mehr einfach krank sein kann, einen schlechten Monat haben, eine Entscheidung treffen darf, ohne dass sofort andere dafür bezahlen. Das ist keine abstrakte Bürde. Das ist ein permanenter Bewusstseinszustand, der sich in den Körper einschreibt.

Männer sterben in Deutschland im Durchschnitt sieben Jahre früher als Frauen. Die Suizidrate unter Männern liegt laut Statistischem Bundesamt bei 17,9 pro 100.000 Einwohnern, bei Frauen liegt sie bei 6,6. Über 70 Prozent aller Suizide in Deutschland werden von Männern begangen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit chronischem Stress stehen, betreffen Männer signifikant häufiger. Das sind keine Zufälle. Das sind die somatischen Konsequenzen finanzieller Verantwortung.




5. "Die Diagnose toxische Männlichkeit greift zu kurz" erklärt der Soziologe Alexander Yendell vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. "Das Problem ist nicht Männlichkeit, sondern eine narzisstische Dynamik aus Dominanz, Abwertung und Angst – an der auch Frauen mitwirken."

Ein Mann inszeniert sich als unerschütterlich, zeigt keine Schwäche und macht Gegner verächtlich. Stärke wird zur Härte, Kontrolle zur Tugend. Oft gehört auch eine demonstrative Sexualität dazu – viele Frauen, viel Inszenierung von Potenz und Überlegenheit, wie bei Donald Trump. Oder als aggressive Form von Männlichkeit, die Härte und die Abwertung von Schwäche betont, wie bei Wladimir Putin.

Aber das ist nur ein Teil des Bildes. Denn diese Dynamik beschränkt sich nicht auf Männer. Fälle wie Ghislaine Maxwell oder Beate Zschäpe zeigen, dass auch Frauen solche Muster tragen und weitergeben. Auch politisch zeigt sich das, etwa bei Giorgia Meloni oder Alice Weidel.

(…) Wer das Problem nur bei Männern sucht, greift zu kurz. Was es braucht, ist etwas anderes: ein gemeinsames Aufbegehren gegen Narzissmus, Autoritarismus und Dominanz – unabhängig vom Geschlecht.




6. Unter der Schlagzeile "Sind sie am Ende einfach zu faul?" berichtet die Frankfurter Allgemeine über den Bildungsrückstand männlicher Schüler. Dieselbe Schlagzeile würde sich verbieten, wenn es darum geht, dass Frauen etwa im höheren Management unterrepräsentiert sind. Der Artikel selbst ist besser als das sexistische Clickbait in der Überschrift:

Der wachsende Vorsprung der Mädchen ist hier in allen untersuchten Subgruppen sichtbar, unabhängig von Schulformen, Bildungsniveau der Eltern und elterlichem Berufsstatus. Mädchen erreichen heute nicht nur bessere Schulabschlüsse als Jungen, auch ihre Berufsziele sind inzwischen deutlich ambitionierter. Aber woran liegt das alles?

Zur Erklärung wird angebracht, dass Jungs entweder aus biologischen Gründen benachteiligt sind, gegen die die Schule machtlos sei, oder sie gelten einfach als zu faul und uneinsichtig für den Wert von Bildung, aber nicht benachteiligt im Sinne einer Verhinderung ihrer Ambitionen durch äußere Widerstände. Jungen zeigten erheblich häufiger Krankheitsbilder und Störungen wie ADHS, die nicht gerade als "lernförderlich" gelten. Festgestellt wurde aber auch, dass Jungs schon im Kindergarten benachteiligt würden, sie blieben "underachiever", weil man von Anfang an weniger von ihnen erwarte und sie insofern eben doch diskriminiert würden. Jungs müssten darum in der Schule mehr leisten, um dieselbe Note zu bekommen wie die Mädchen.


Über all diese Dinge schreiben Männerrechtler seit Jahrzehnten, ohne dass sich etwas ändert. Dass die Verantwortlichen hier die Hände in den Schoß legen, fällt auch der Frankfurter Allgemeinen auf:

Das sind alles bedenkenswerte Befunde, aber trotzdem wirkt die Forschung – das ifo-Institut sei hier ausdrücklich ausgenommen — insgesamt eher lustlos und ohne viel Empathie für diese inzwischen längst schon "alten Verlierer" des deutschen Bildungssystems. Aus dem Fach heißt es, dass sie immerhin als Teil der Forschung zu den Nachteilen von Schülern mit Migrationshintergrund mitbedacht würden, schließlich konzentrierten sich diese gerade bei muslimischen Jungen. Und natürlich forsche man lieber zu weiblichen Bildungsgewinnern als männlichen Verlierern.

(…) Es ist rührend, wenn man dann zum Schluss kommt, dass Eltern "gerade auch ihren Söhnen" mehrmals wöchentlich vorlesen sollten. Auch das weiß man seit mehr als hundert Jahren. Zielführender dürften da pädagogische Programme sein wie die Förderung von solchen Kompetenzen wie der Selbstregulation im Unterricht. Wo dies nicht gelänge, wie eben bei Jungen, steht aber eigentlich die heutige Präferenz für Selbststudium und Gruppenarbeit in Verdacht, den Jungen nicht gerecht zu werden.




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