Montag, Juni 15, 2026

"Traut sich keiner zu widersprechen": Markus Lanz und Richard David Precht analysieren Diskriminierung der Männer

1. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Ich habe heute Morgen die aktuelle Podcast-Folge (249, Wann ist ein Mann ein Mann) von Markus Lanz und Richard David Precht gehört und war schwer überrascht, wie differenziert die beiden über das Thema Feminismus, Männerkrise und Manosphere diskutiert haben. Vor allem war ich überrascht das man auch kritisch auf den Wandel des Feminismus blickt.

Auch wenn für Sie nichts neues besprochen wurde und alles recht oberflächlich behandelt wird, so sind die Standpunkte der beiden Herren überraschend ausgeglichen für einen ZDF Podcast. Und wenn man die Reichweite des Podcasts betrachtet, ist wohl das Thema wirklich im Mainstream angekommen.

Mal sehen ob die beiden "alten weißen Männer" damit mal wieder einen Shitstorm provozieren.


Es gab meines Wissens keinen, den einzigen Artikel, den ich dazu finden konnte, fasst schlicht den Podcast zusammen, den man auch auf Youtube findet. Worüber die Männerrechtsbewegung seit über einem Vierteljahrhundert spricht und wofür sie seit Jahrzehnten ausgegrenzt wird, etabliert sich tatsächlich immer mehr als Teil der "erlaubten" Debatte.



2. Mit dem Argument "Auch Männern entsteht großer wirtschaftlicher Schaden" beklagt der Ökonom Marcel Fratzscher, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten. Er sieht darin aber keine persönliche Entscheidung von Frauen, sondern eine Schuld von "alten weißen Männern".

Deutschland könnte für den Arbeitsmarkt mehrere Hunderttausend Vollzeitkräfte zusätzlich gewinnen, "wenn wir Hürden abbauen würden und mehr Frauen dazu bewegen könnten, ihre Arbeitsstunden aufzustocken", so Fratzscher. Hürden für Frauen auf dem Jobmarkt seien unter anderem unzureichende Kinderbetreuung in Kitas und Schulen, geringe finanzielle Anreize wegen Ehegatten-Splitting und kostenloser Mitversicherung von Ehepartnern bei der Krankenkasse. Außerdem seien Minijobs für viele Frauen eine Falle. Und das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen sei nach wie vor groß. "Wir sind noch meilenweit von wirklicher Gleichstellung entfernt", kritisierte Fratzscher, der häufig Positionen von SPD und Grünen nahesteht. Bislang werde das Thema von der Politik "vollkommen vernachlässigt – vielleicht sogar absichtlich".

Ich habe mal wieder eine KI befragt, was von Fratzschers Thesen zu halten ist. (Ich könnte es natürlich selbst formulieren, aber die KI verfasst den Text zehnmal schneller.)

1. Der Fehler in der Kausalität

Fratzscher behauptet, Frauen arbeiten in Teilzeit, weil "alte weiße Männer" Hürden errichtet haben. Das ist eine kausale Verkürzung, die empirisch nicht haltbar ist:

Wenn es primär um externe Hürden ginge, müssten Frauen in Ländern mit besserer Kinderbetreuung, ohne Ehegattensplitting und mit geringerem Gender Pay Gap signifikant häufiger Vollzeit arbeiten. Tun sie das?

Das Gender Equality Paradox (Stoet & Geary 2018, aber auch frühere Arbeiten von Hakim, Charles & Bradley) zeigt das Gegenteil: In skandinavischen Ländern mit den fortschrittlichsten Gleichstellungspolitiken weltweit ist der Anteil der Frauen in Vollzeit nicht höher als in Deutschland – teilweise sogar niedriger. Norwegen, Schweden und Dänemark haben zwar höhere Erwerbsquoten, aber ebenfalls hohe Teilzeitquoten bei Frauen. Gleichzeitig sind dort mehr Männer in Teilzeit – was Fratzschers "Verlorene-Arbeitskräfte"-Argument ad absurdum führt, wenn es nicht geschlechtssymmetrisch angewendet wird.

Die Korrelation ist also nicht Hürden → Teilzeit, sondern: Je mehr Wahlfreiheit Frauen haben und je wohlhabender eine Gesellschaft ist, desto stärker weichen die Erwerbsmuster der Geschlechter voneinander ab. Das ist das Paradox: Mehr Gleichstellung führt nicht zu homogeneren, sondern zu differenzierteren Lebensentwürfen.

2. Die "Falle"-Rhetorik entmündigt

Fratzscher bezeichnet Minijobs als "Falle" – implizit: Frauen fallen hinein, weil sie nicht besser wissen oder weil das System sie täuscht. Das ist paternalistisch: Es unterstellt Frauen eine Mangelhaftigkeit in ihrer Entscheidungskompetenz. Die Alternative lautet: Frauen wählen Minijobs und Teilzeit bewusst, weil sie andere Präferenzen haben als die von Fratzscher vorgezeichnete Nützlichkeits-Funktion (maximaler monetärer Output).

Die ökonomische Literatur zur Work-family-balance zeigt seit Jahrzehnten, dass Frauen Teilzeit nicht als Niederlage, sondern als aktive Optimierungsstrategie nutzen – zwischen Erwerbsarbeit, Care-Arbeit, Freizeit und Selbstverwirklichung. Wer das als "Falle" bezeichnet, projiziert seine eigene Wertehierarchie (Vollzeit = höchstes Gut) auf andere.

3. Der "alte weiße Mann" als Sündenbock

Die Formulierung „alte weiße Männer“ ist keine ökonomische Analyse, sondern ein identitätspolitischer Feindbild, das drei Probleme hat:

- Selektive Wahrnehmung: Die Hürden, die Fratzscher nennt (Kinderbetreuung, Ehegattensplitting, Mitversicherung), wurden nicht von einem homogenen Block "alter weißer Männer" errichtet. Das Ehegattensplitting wurde 1958 eingeführt, als die Emanzipation noch nicht auf der Agenda stand; die Mitversicherung ist ein Ergebnis des Solidarprinzips in der Sozialversicherung. Beides wurde von demokratisch gewählten Parlamenten beschlossen – mit breiter gesellschaftlicher Zustimmung, auch von Frauen.

- Ausblendung weiblicher Agency: Frauen sind nicht passive Opfer struktureller Gewalt. Sie wählen Parteien, die diese Regelungen aufrechterhalten (oder abschaffen). Sie heiraten (oder nicht). Sie entscheiden sich für Kinder (oder nicht). Die "Hürden"-Rhetorik eliminiert diese Agency vollständig.

- Rassifizierung einer sozioökonomischen Frage: "Weiß" und "alt" sind irrelevante Kategorien für die Analyse von Arbeitsmarktstrukturen. Ein 30-jähriger türkischstämmiger Unternehmer profitiert vom Ehegattensplitting genauso wie ein 60-jähriger deutscher Angestellter. Die Rassifizierung dient der Moralisierung, nicht der Erklärung.

4. Der wirtschaftliche Schaden für Männer – ein Scheinargument

Fratzscher behauptet, Männern entstehe "großer wirtschaftlicher Schaden", weil Frauen in Teilzeit arbeiten. Das ist ökonomisch falsch auf mindestens zwei Ebenen:

- Aggregationsebene: Die "verlorenen" Vollzeitkräfte sind keine verlorenen Ressourcen, sondern eine Verteilungsfrage. Wenn Frauen weniger arbeiten, entsteht kein Schaden für die Volkswirtschaft – es sei denn, man unterstellt, dass Frauen ihre Arbeitskraft der Gesellschaft schulden. Das wäre ein Zwangsarbeitsargument.

- Individualebene: Männer "leiden" nicht unter der Teilzeitarbeit ihrer Partnerinnen. Im Gegenteil: Studien (z.B. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) zeigen, dass in Paaren mit traditionellerer Arbeitsteilung beide Partner häufiger zufrieden sind als in egalitären Arrangements mit hohem Stresslevel. Die These vom "Schaden" projiziert eine kollektivistische Volkswirtschaftslogik auf individuelle Lebenszusammenhänge.

5. Was wäre eine konsistente Alternative?

Wenn man das Gender Equality Paradox ernst nimmt, müsste man folgern:

- Die Vorlieben der Geschlechter weichen systematisch voneinander ab – nicht wegen Sozialisation allein, sondern wegen unterschiedlicher biopsychologischer Neigungen (Risikobereitschaft, Konkurrenzdenken, Care-Orientierung). Das ist in der Evolutionspsychologie und der differentiellen Psychologie gut belegt.

- Mehr Wahlfreiheit führt nicht zu mehr Gleichheit der Ergebnisse, sondern zu mehr Differenzierung. Das ist kein Versagen der Politik, sondern ein Erfolg der Emanzipation.

- Die Politik sollte nicht "Frauen bewegen", sondern alle Optionen ermöglichen – ohne zu stigmatisieren, wer Vollzeit, Teilzeit oder gar keine Erwerbsarbeit wählt.

Fazit

Fratzscher verwechselt Gleichstellung der Chancen (die wünschenswert ist) mit Gleichheit der Ergebnisse (die er als politisches Ziel deklariert, ohne zu begründen, warum sie überhaupt erstrebenswert wäre). Seine Analyse ist letztlich normativ und nicht deskriptiv – ein politisches Programm, das als ökonomische Erkenntnis verkauft wird.




3. Im Rahmen der Internationalen Männergesundheitswoche, die gerade läuft, lädt das herzlich ein zu einem weiteren Vortrag in der Online-Vortragsreihe "Männer- und Väterthemen in Baden-Württemberg". Er dreht sich um das Thema "Männerschuppen als Orte der Begegnung und Gesundheitsförderung". Die Aktionswoche steht 2026 unter dem Motto "Einsamkeit ist ein Risiko – Gemeinschaft eine Ressource".



4. Die Health Policy Watch, eine Schweizer Nichtregierungsorganisation, die sich mit globalen Herausforderungen im Bereich Gesundheit beschäftigt, hat Anfang Juni einen Beitrag über Männer als blinden Fleck der internationalen Gesundheitspolitik veröffentlicht:

GENF – Die 79. Weltgesundheitsversammlung endete vergangenen Samstag nach einer langen Woche von Verhandlungen über die drängendsten Gesundheitskrisen der Welt: Finanzierungslücken, seltene Krankheiten, einen Personalmangel im Gesundheitswesen in Millionenhöhe, eine Reihe von Kriegen und humanitären Notlagen sowie Dutzende weiterer Resolutionen.

Doch ein Politikfeld, das die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft – die Gesundheit von Männern –, tauchte wie in beinahe jedem Jahr überhaupt nicht auf der Tagesordnung auf.

Für eine Versammlung, die geschaffen wurde, um die tiefsten globalen Ungleichheiten anzugehen, und die zugleich mit einem intensiven Wettbewerb um Finanzmittel in allen Bereichen der globalen Gesundheitspolitik konfrontiert ist – inmitten dessen, was die WHO als "globale Gesundheitsfinanzierungskrise" bezeichnet –, ist es alles andere als einfach, für eine Priorisierung des zahlenmäßig dominierenden Geschlechts der Welt zu werben.


Zwar sei auch die Gesundheit von Frauen "weiterhin deutlich unterfinanziert und unzureichend erforscht." Das bedeute jedoch nicht, dass die Gesundheit von Männern immer gut verstanden werde, sagte Peter Baker, Geschäftsführer von Global Action on Men’s Health (GAMH), der seit beinahe 50 Jahren im Bereich Männergesundheit tätig ist. Ebenso wenig müsse ein Fokus auf Männergesundheit zulasten der Aufmerksamkeit für die Gesundheitskrise von Frauen gehen.

"Der Schwerpunkt lag bislang nicht darauf, wie man verhindert, dass Männer krank werden", sagte er. "Wir wissen nicht genug darüber, wie Gesundheitsprobleme bei Männern verhindert werden können. Dazu gehören auch Früherkennung und die Frage, wie man Männer dazu bringt, Gesundheitsdienste früher in Anspruch zu nehmen."

"Wir wollen nicht, dass sich die Gesundheit von Männern auf Kosten der Gesundheit von Frauen verbessert", sagte Baker. "Wir wollen, dass sich die Gesundheit aller verbessert."

Die Zahlen, auf die sich Baker stützt, wurden in einem neuen GAMH-Bericht hervorgehoben, der bei einer Begleitveranstaltung der Weltgesundheitsversammlung in Genf vorgestellt wurde. Organisiert wurde diese gemeinsam mit der Global Self-Care Federation.

Die weltweite Lebenserwartung von Männern liegt bei 71,5 Jahren und damit fünf Jahre unter jener von Frauen. Es gibt kein Land der Welt, in dem Männer länger leben als Frauen.

Der Bericht zeigt außerdem, dass Männer bei den meisten der 20 häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle stärker betroffen sind als Frauen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Verkehrsunfälle.

Die Suizidrate stellt vielleicht die tragischste Ungleichheit dar: Drei von vier Menschen, die sich weltweit das Leben nehmen, sind Männer.

"Es gibt die Auffassung, Männer seien biologisch dazu bestimmt, früh zu sterben, und man könne wenig dagegen tun, weil die Ursachen im Wesentlichen biologisch seien. Das stimmt überhaupt nicht", sagte Baker. "Es gibt einen gewissen biologischen Anteil an der schlechteren Gesundheit von Männern, aber er ist keineswegs der wichtigste Faktor."

(...) "Männer sind keine entfernte, seltsame Spezies", sagte Baker. "Männer sind die Väter, Brüder und Söhne von Menschen. Die meisten von uns sorgen sich um die Männer in ihrem Leben und möchten, dass sie gesund sind."

Der neue Bericht von Global Action on Men’s Health wurde am Rande der Weltgesundheitsversammlung der WHO in Genf veröffentlicht.

Die Vorstellung des Berichts fand in einem Sitzungssaal im 14. Stock mit Blick auf den Mont Blanc statt. Ziel war nicht, eine große Menschenmenge anzuziehen. Stattdessen wurde eine weitreichende Agenda vorgestellt, die sechs Prioritäten an der Schnittstelle von Männergesundheit und Selbstfürsorge beschreibt.

Dazu gehören: die stärkere Verankerung von Männern in der Gesundheitspolitik, eine strengere Regulierung von Gesundheitsrisiken, ein besserer Zugang zu auf Männer zugeschnittenen Angeboten, der Ausbau von Gesundheitskompetenz, die Ausbildung von Fachkräften und die Beschleunigung der Forschung.

Der Bericht argumentiert, dass Selbstfürsorge als wertvolle gesundheitliche Intervention betrachtet und in nationale Gesundheitsstrategien integriert werden sollte, anstatt sie ausschließlich als individuelle Verantwortung zu behandeln. Die Autoren betonen jedoch, dass Selbstfürsorge als Ergänzung zu Gesundheitssystemen, Apotheken und anderen zentralen Bestandteilen der Gesundheitsversorgung verstanden werden müsse.

"Männer spielen in der Gesundheitspolitik der meisten Länder und auch weltweit kaum eine Rolle", sagte Baker in Genf. "Sie sind in der Gesundheitspolitik massiv unterrepräsentiert. Der zentrale Treiber des Wandels wird also überhaupt nicht adressiert."

Selbst die WHO-Leitlinie zu Selbstfürsorgemaßnahmen für Gesundheit und Wohlbefinden – ein Referenzdokument für Mitgliedstaaten – erwähnt Männer lediglich 37-mal. Die entsprechenden Begriffe für Frauen erscheinen 170-mal. Männer werden ausschließlich im Zusammenhang mit HIV und Kondomnutzung erwähnt. Psychische Gesundheit, Unfruchtbarkeit, männliche Krebserkrankungen, sexuelle Funktionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen nicht vor.

Die Zurückhaltung von Regierungen, Männergesundheit zu priorisieren, sei jedoch weder eindeutig ein linkes noch ein rechtes Thema, erklärte Baker. Vielmehr wirkten politische Kräfte aus beiden Richtungen gleichzeitig.

"Regierungen der Linken neigen zu der Ansicht, dass Frauengesundheit Priorität haben sollte, weil Frauen das benachteiligte Geschlecht sind", sagte er. "Wenn man Ressourcen für Männer bereitstellt, entzieht man sie Frauen, und Männer verdienen keine besondere Aufmerksamkeit, weil sie das privilegierte und mächtige Geschlecht sind."

"Regierungen der Rechten wiederum wollen nicht in Männergesundheit investieren, weil sie die männliche Rolle als stark und dominant ansehen und nichts fördern möchten, was das verändert", fügte Baker hinzu. "Auf Männergesundheit aufmerksam zu machen, lässt Männer ihrer Ansicht nach schwach erscheinen, obwohl sie stark sein sollten."

Laut einer früher in diesem Jahr veröffentlichten Analyse von GAMH und der Männergesundheitsorganisation Movember hätten im Jahr 2023 direkte wirtschaftliche Verluste von nahezu 380 Milliarden US-Dollar in lediglich sechs wohlhabenden Ländern – Australien, Kanada, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA – vermieden werden können, wenn die fünf häufigsten Ursachen vermeidbarer vorzeitiger Todesfälle bei Männern verhindert worden wären.

Diese sechs Länder umfassen rund 350 Millionen Männer beziehungsweise knapp ein Zehntel der männlichen Weltbevölkerung. Die übrigen 90 %, darunter sämtliche Männer in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Dadurch entsteht ein eindrucksvolles Bild davon, welche tatsächlichen Kosten die Vernachlässigung der Männergesundheit weltweit verursachen könnte.

(…) Baker ist der Ansicht, dass die Zahlen, die für ein gemeinsames Engagement für die Gesundheit von Männern und Frauen sprechen, die Leitlinie auf dem Weg zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung sein sollten. Dennoch seien die Hindernisse beträchtlich.

"Es gibt noch eine weitere Sichtweise … nämlich dass wir in einem Patriarchat leben, in dem Männer im Allgemeinen privilegierter und mächtiger sind, und dass ihre schlechtere Gesundheit gewissermaßen der Preis ist, den Männer für ihre Stellung als dominantes Geschlecht zahlen müssen", erklärte Baker. "Ich denke außerdem, dass in Kreisen, in denen über Geschlecht und Gesundheit gesprochen wird, Geschlecht häufig ausschließlich als Frage der Frauengesundheit betrachtet wird."

"Das ist wahrscheinlich eines der größten Hindernisse für Fortschritte", sagte Baker.

Influencer, die sich mit Männlichkeit beschäftigen, dominieren inzwischen die Reichweite im Online-Selbsthilfebereich, insbesondere bei jungen Männern.

Während Befürworter in Genf versuchen, die Männergesundheit auf der Agenda der WHO und ihrer Exekutivorgane weiter nach oben zu bringen, füllt ein paralleles Ökosystem von Online-Influencern das Vakuum, das nationale Regierungen und internationale Organisationen hinterlassen haben.

Diese neue Welt männlicher Influencer, die im öffentlichen Diskurs als "Manosphäre" bezeichnet wird, erreicht jede Woche Millionen junger Männer auf allen Kontinenten. Ihre Inhalte präsentieren sich als Instrumente der "Selbstfürsorge". Doch ihre Vorstellungen unterscheiden sich grundlegend von den Zielen der Delegierten in Genf.


Es folgen mehrere Absätze darüber, wie schlimm die "Manosphäre" sei. Das geschieht mit den üblichen Versatzstücken: die Serie "Adolescence", Andrew Tate, Looksmaxxing. Kanye West, pi pa po. Wie gewohnt werden die extremen Ränder als kennzeichnend für die gesamte Manosphäre betrachtet.

"Wir würden definitiv Abstand zu ihnen halten wollen, weil wir nicht mit Organisationen in Verbindung gebracht werden möchten, die misogyn oder antifeministisch sind", sagte Baker.


Man könnte stattdessen die vernünftigen Stimmen in der Manosphäre ansprechen und so mehr Breitenwirkung zu erzielen, um sich nicht jedes Jahr von neuem darüber ärgern zu müssen, dass das Thema Männergesundheit wieder unbeachtet bleibt und man sich damit nur in einem Sitzungsraum im 14. Stock beschäftigt.

Eine Untersuchung des Movember Institute unter mehr als 3.000 Männern im Alter von 16 bis 25 Jahren in den USA, Großbritannien und Australien ergab, dass 63 % regelmäßig Influencern folgen, die sich mit "Männern und Männlichkeit" beschäftigen.

Männer, die solche Inhalte regelmäßig konsumierten, berichteten häufiger über eine schlechtere psychische Gesundheit, eine geringere Bereitschaft, psychische Probleme zu behandeln oder zu priorisieren, und einen stärkeren Gebrauch von Steroiden. 27 % von ihnen gaben an, Gefühle von "Wertlosigkeit" zu erleben – ein Hinweis, der laut Baker auf eine zunehmende Körperbildstörung unter jungen Männern hindeutet.


Korrelation bedeutet nicht Kausalität. Verzweifelte Männer könnten eher von Online-Angeboten angezogen werden, auch fragwürdigen – erst recht, wenn es kaum eine Alternative dazu gibt.

Baker arbeitet seit beinahe fünf Jahrzehnten auf diesem Gebiet. In den 1980er Jahren schrieb er über Männlichkeit in britischen profeministischen Männergruppen, wurde anschließend Journalist und übernahm im Jahr 2000 die Leitung des UK Men’s Health Forum. Damals führte die Politik der Regierung von Tony Blair zur Bekämpfung gesundheitlicher Ungleichheiten zeitweise zu einer besseren Finanzierung.

Die Finanzkrise von 2010 beendete diese Entwicklung. Während des größten Teils des folgenden Jahrzehnts verschwand Männergesundheit wieder aus der politischen Debatte. Das Thema wurde hauptsächlich von einem kleinen Netzwerk engagierter Akteure und einer langsam wachsenden Beweislage getragen, nicht von politischer Dynamik.

"Wir haben viele falsche Hoffnungen erlebt", sagte Baker. "Aber ich glaube, diesmal befinden wir uns tatsächlich an einem Wendepunkt."

Derzeit verfügen neun Länder über nationale Strategien zur Männergesundheit: Australien, Brasilien, England, der Iran, Irland, Malaysia, die Mongolei, die Philippinen und Südafrika. Kanada soll bis Ende 2026 seine erste nationale Strategie veröffentlichen und wäre damit das zehnte Land sowie das erste G7-Land neben dem Vereinigten Königreich mit einer solchen Politik.


Deutschland ist rückschrittlicher als die Philippinen, die Mongolei … und der verdammte IRAN???

Irland war 2008/09 Vorreiter und befindet sich inzwischen beim dritten Aktionsplan.

Biddy O’Neill, nationale Leiterin für Männergesundheit im irischen Gesundheitsministerium, sagte in Genf, dass politische Strategien die Voraussetzung für alles Weitere seien.

"Politik schafft das Mandat", sagte sie. "Der politische Wille folgt, nachdem Männergesundheit als Priorität anerkannt wurde."

Der Weg dorthin erforderte ungewöhnlich viel Vorarbeit. O’Neill schilderte, wie ihr Team während der ersten Konsultationsphase durch das ganze Land reiste und gezielt Männer aufsuchte, die niemals an einer formellen Veranstaltung in einem Regierungsgebäude teilgenommen hätten.

"Wir sind praktisch mit einem Bus durch das Land gefahren, um mit Männern und unterschiedlichen Männergruppen ins Gespräch zu kommen", sagte sie. "Wir haben gezielt Fokusgruppen mit sozial benachteiligten Männern angesprochen, die nicht zu größeren Veranstaltungen kommen wollten. Das war enorm wichtig."

"Andere Ministerien sahen keinen Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und der Gesundheit von Männern", sagte O’Neill.

Die Ungleichheiten, die die ursprüngliche Strategie bekämpfen sollte, verliefen entlang bekannter Linien. "Ärmere Männer haben weiterhin eine deutlich niedrigere Lebenserwartung", sagte sie. Männer mit geringerem Einkommen würden häufiger übermäßig Alkohol trinken, rauchen, Suizid begehen und früh an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben.

Am Ende kehrte Baker zu einem einfachen Grundgedanken zurück: Die Gesundheit von Männern als Thema der öffentlichen Gesundheit zu behandeln, bedeutet nicht, sie in einen Wettbewerb mit anderen Gesundheitsanliegen zu stellen.

"Wir müssen nicht in Kategorien gegenseitiger Ausschließlichkeit denken", sagte er. "Es ist nicht entweder oder."




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Freitag, Juni 12, 2026

"Die Linke hat die Krise der Männer angeheizt – jetzt ist sie schockiert"

1. In der auflagenstarken amerikanischen Tageszeitung "USA Today" heißt es unter der Schlagzeile "Die Linke hat die Krise der Männer angeheizt – jetzt ist sie schockiert":

Als Mutter von zwei Söhnen, die die MeToo-Bewegung miterlebt haben, habe ich die berühmte Provokation der feministischen Autorin Camille Paglia aus dem Jahr 1990 schon lange geschätzt: "Wenn die Zivilisation den Frauen überlassen worden wäre, würden wir noch immer in Grashütten leben." Dieser Satz hat Bestand, weil er auf eine unangenehme Wahrheit hinweist: Männer sind für eine funktionierende Gesellschaft nicht entbehrlich.

Doch über Jahre hinweg hat ein großer Teil unserer Kultur – insbesondere die politische Linke – die Botschaft vermittelt, dass Männlichkeit grundsätzlich veraltet, räuberisch und unnötig sei. Nun, da sich die Hinweise häufen, dass Männer in Bildung, Beruf und psychischer Gesundheit zurückfallen, wirken viele derselben Stimmen ratlos angesichts einer Krise, die sie selbst mit verursacht haben.

Ich bin es nicht.

Eine Kultur, die Männer immer wieder abwertet, sollte nicht überrascht sein, wenn viele von ihnen Schwierigkeiten haben, Sinn, Selbstvertrauen und Orientierung zu finden.

Nehmen wir eine kürzlich erschienene Diskussion im Podcast "The Opinions" der New York Times, an der die Kulturredakteurin Nadja Spiegelman sowie die Autoren Ruth Whippman und Frederick Joseph teilnahmen. Thema war die Frage, wie eine gesündere Form von Männlichkeit aussehen könnte.

"Junge Männer befinden sich in einer Krise", heißt es in der Einleitung. "Während die Linke Männern sagt, sie sollten ihren Platz kennen, empfangen die Manosphere und die extreme Rechte sie mit offenen Armen."

Eine Schlussfolgerung daraus lautet: Die politische Rechte bietet jungen Männern eine klarere Identität und Gemeinschaft, während die Linke sie beschimpft und verleumdet – oft allein deshalb, weil sie Männer sind.

Spiegelman formuliert es unverblümt: "Wenn Männer auf der Linken ständig hören: ‚Männer sind Müll‘ – ergibt es dann nicht Sinn, dass die Rechte für sie zu einem sicheren Ort wird?"

Sie verweist auf die wachsende politische Kluft zwischen den Geschlechtern – Männer bewegen sich nach rechts, Frauen nach links – und fragt sich, wie die Linke Männer wieder zurückgewinnen kann.

Auch ich habe diese Entwicklung beobachtet. Umso ironischer fand ich es, dies ausgerechnet von der Times zu hören, einer verlässlich mitte-links orientierten Zeitung, die über Jahre hinweg eine männerfeindliche Stimmung geschürt hat. Nun beklagt sie das Verschwinden gesunder Männlichkeit und tut sich schwer zu erklären, wie es dazu kommen konnte.

Konservative haben diese Entwicklung seit Jahren kommen sehen. Unser links geprägtes Bildungssystem, die etablierten Medien und Hollywood übernahmen das feministische Mantra, Männer würden nicht mehr gebraucht – Frauen könnten alles allein schaffen und besitzen. Eine Generation später wundert man sich nun darüber, dass die Männer, die man an den Rand gedrängt hat, Schwierigkeiten haben.

(…) Unabhängig von den Ursachen steht außer Frage, dass Männer Probleme haben. Männer erwerben heute deutlich seltener als Frauen einen Hochschulabschluss. Ihre Selbstmordrate ist viermal so hoch. Sie kämpfen häufiger mit Drogen-, Glücksspiel- und Pornografiesucht.

Eine Umfrage des Institute for Family Studies vom März bestätigte, dass junge Männer traditionelle Lebensschritte aufschieben – Heirat, Kinder, Vollzeitbeschäftigung und Studium. Die Studie widersprach jedoch den düstersten Schlagzeilen:

"Wir stellen fest, dass junge Männer auf ihren Status achten, einen Beitrag leisten möchten und unter der Diskrepanz zwischen ihren gegenwärtigen Lebensumständen und ihren Wünschen für ihr Leben leiden."

Besonders aufschlussreich war ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Junge Männer werden nicht in dem Ausmaß von Online-Influencern beeinflusst, wie häufig behauptet wird. Als wichtigste Einflussfaktoren nannten sie ihre Eltern; Andrew Tate landete auf dem letzten Platz. Auch ihre Definition von Männlichkeit fiel positiv aus: Opferbereitschaft, Stärke, Verantwortungsbewusstsein und Führungsfähigkeit.

Das ist ermutigend und könnte erklären, warum sich mehr junge Männer politisch nach rechts orientieren.

Während die Linke versucht hat, Männlichkeit umzudeuten und sie häufig als "toxisch" bezeichnet hat, würdigte die Rechte männliche Eigenschaften als natürliche und positive Kraft in der Gesellschaft – jene Kraft, die die Dinge geschaffen habe, die uns davor bewahren, in Grashütten zu leben.

Die Krise hat viele Ursachen – wirtschaftliche Veränderungen, Zerfall von Familienstrukturen und soziale Medien. Eine Ursache ist jedoch bewusst entstanden: die dauerhafte Botschaft der Linken, Männer seien austauschbar mit Frauen oder weniger wertvoll. Nach MeToo wurden Männer pauschal als sexbesessene Täter dargestellt.

Statt die Stärken von Männern zu fördern, hat die Linke Männer zurückgedrängt, beiseitegeschoben und über Jahre eine feministisch geprägte Rhetorik der Frauenförderung aufgebaut. Es braucht viel Dreistigkeit, dann zu fragen: Warum sind die Männer, die als dumm, unproduktiv und wertlos bezeichnet wurden, jetzt wütend, einsam und orientierungslos?

Über Jahre hat unsere Kultur Männlichkeit als etwas behandelt, für das man sich entschuldigen muss, statt sie zu fördern. Wenn Paglia recht hat, dass Männer eine zentrale Rolle beim Aufbau der Zivilisation spielen, überrascht es nicht, dass eine Gesellschaft, die Männer abwertet, Schwierigkeiten hat, genau die Eigenschaften hervorzubringen, die eine Zivilisation tragen.




2. In einer aktuellen Umfrage, die im Kontext des "Men’s Mental Health Month" unter rund 2000 Männern verschiedener Altersgruppen durchgeführt wurde, gab mehr als die Hälfte der Befragten an, sich durch finanzielle Probleme so unter Druck gesetzt zu fühlen, dass sie sich als "nicht ausreichend männlich" erleben, also daran "scheitern, ein Mann zu sein". Etwa 70 Prozent finden, dass es heute schwieriger ist, ihre Rolle als Versorger zu erfüllen als in der Generation ihrer Väter. Über ein Drittel berichtet, dass Geldsorgen täglich ihr mentales Wohlbefinden beeinträchtigen. Etwa 70 Prozent glauben, dass Männer finanziellen Stress still bewältigen sollen. Mehr als die Hälfte hat Geldprobleme schon einmal nicht angesprochen, um nicht als "unfähig" zu gelten, und fühlt sich dadurch sozial isoliert.



3. Ein aktueller Artikel hat acht Gründe zusammengestellt, warum der moderne Mann Frauen nicht mehr hinterher jagt. "Indem sie sich zurückziehen, entscheiden sich diese Männer dafür, diese Zeit und Energie stattdessen in ihr eigenes Leben zu investieren. Es ist eine stille Revolution, bei der sich der Fokus davon weg verlagert hat, die Anerkennung anderer zu gewinnen, hin zu einem Leben, in dem sie sich auf ihrem eigenen Weg wohlfühlen und zufrieden sind – ganz gleich, wer sie dabei beobachtet."

Zu den genannten Gründen gehören die folgenden:

Die Angst vor ständiger Zurückweisung

Da sich das Dating ins Internet verlagert hat, fühlt sich Zurückweisung häufiger und deutlich öffentlicher an als früher. Viele Männer kommen zu dem Schluss, dass das Risiko, auf sozialen Plattformen ignoriert oder öffentlich abgewiesen zu werden, den Schlag fürs Ego nicht wert ist, und vermeiden deshalb das Risiko vollständig.

Das Navigieren komplexer sozialer Normen

Modernes Dating ist voller ungeschriebener Regeln, und für viele ist die Angst, etwas falsch zu machen, lähmend. Es gibt eine echte Angst, als aufdringlich wahrgenommen zu werden oder Grenzen zu überschreiten, was viele Männer dazu bringt, zu entscheiden, dass die sicherste Option ist, gar keinen Schritt zu machen.

Der Aufstieg der Selbstbestätigung

Es gibt einen wachsenden Trend, dass Männer erkennen, dass sie keine Beziehung brauchen, um sich "vollständig" zu fühlen. Sie finden Glück in ihrer Fitness, ihren kreativen Projekten und ihren eigenen persönlichen Erfolgen, wodurch die Idee, jemand anderem zur Bestätigung hinterherzulaufen, völlig unnötig erscheint.

Schutz ihrer emotionalen Gesundheit

Dating, besonders nach einigen schlechten Erfahrungen, kann extrem anstrengend sein. Viele Männer entscheiden sich dafür, ihre Ruhe zu schützen, indem sie die unvermeidliche emotionale Achterbahnfahrt vermeiden, die mit Hinge, Tinder oder jeder anderen App einhergeht, und kommen zu dem Schluss, dass ein ruhiges, dramafreies Leben mehr wert ist als ein möglicher Flirt.


Der Artikel würdigt implizit die MGTOW (Men Going Their Own Way), die zu der von vielen Medien angefeindeten "Manosphäre" gerechnet werden.



4. Das Medienmagazin DWDL weist auf eine kommende Reihe hin, die sich der der Psyche junger Männer widmen soll. DWDL zufolge

hat der öffentlich-rechtliche Jugendkanal Funk gemeinsam mit NDR und RBB ein Format entwickelt, um diese Gleichberechtigungslücke der Geschlechter – nennen wir sie Mental Issue Gap – zu schließen. Sein Arbeitstitel heißt "GymBros" und kennzeichnet drei große Jungs um die 16 an einem Ort, den Gleichaltrige in Nord oder Süd, Stadt oder Dorf, Sozialwohnung oder Speckgürtelvilla häufig als zweites Zuhause betrachten: das Fitness-Studio.




5. Wie die "taz" berichtet, haben der UNO zufolge Polizeikräfte der Taliban im westafghanischen Herat am Dienstag auf überwiegend männliche Demonstranten geschossen, die für Frauenrechte auf die Straße gegangen waren. Dabei sei "mindestens ein Mensch, ein Junge, durch Schüsse getötet worden".



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Donnerstag, Juni 11, 2026

Die "Welt" titelt: "Wenn Männer nicht wenigstens einmal pro Woche ejakulieren, werden sie so launisch und aggro!"

1. "Die Welt" berichtet:

Damien ist in den schummrigen Gängen von "Victor's Secret" unterwegs. Sein Freund erklärt ihm ein paar grundlegende Dinge aus dem Leben eines Mannes: "Wenn du zu hässlich bist, werfen sie dich raus, bevor du es überhaupt bemerkst. Wenn du aber zu gut aussiehst, wird dich keiner je ernst nehmen, egal, wie gut deine Arbeit ist. Dein Aussehen muss also genau diesem einen, schmalen Fenster dazwischen liegen." Dann schleppt er Damien zu den Umkleidekabinen, wo ein rabiater Verkäufer seine Hoden vermessen will – er brauche schließlich dringend einen Hodenhalter, damit all das da unten nicht "wie ein paar Golfbälle in einer alten Socke herum baumelt". Und für die Frauen gut aussieht, bequem muss es nicht sein.

Es sind Szenen wie diese, weshalb der neue Netflix-Film mit Sacha Baron Cohen (Borat), aktuell gefeiert wird, in den Top 10 der Streaming-Charts steht. "Ladies First" erzählt die Geschichte des sehr stereotyp-toxischen Machos Damien, der nach einem Schlag auf den Kopf in einer alternativen Realität aufwacht, in der Frauen all das sind und tun, was sonst Männern zugeschrieben wird: Sie haben die Macht (politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich), die Jobs, die Attitüde, die Vorurteile. Sie, ja, furzen und sagen "Lächel doch mal!" zu ihren männlichen Angestellten.

Männer gelten als das "schwächere Geschlecht", werden auf ihr Äußeres reduziert, erleben Benachteiligungen im Berufsleben und müssen sich in einer Welt zurechtfinden, deren Regeln von Frauen bestimmt werden. So reibt sich eine Frau in der U-Bahn an Damien, er wird herablassend behandelt, darf in Meetings nicht aussprechen, wird gefragt, ob er etwa diese Woche noch nicht masturbiert habe – "Ich schwörs euch, wenn Männer nicht wenigstens einmal pro Woche ejakulieren, dann werden sie so launisch und aggro!"


Die Redakteurin der "Welt" ist unzufrieden mit diesem Film. Nicht wegen seiner grotesken Männerfeindlichkeit, sondern weil er in einer Hinsicht dann doch vergisst, dass Frauen die besseren Menschen sind:

Denn er lässt eben auch den Rückschluss zu: Wer die Macht hat, missbraucht sie. Wer die Welt regiert, wird korrumpiert. Das Problem ist nicht die patriarchale Sozialisation. Das Problem ist schlicht: Macht. Mächtige Männer sind doof, mächtige Frauen am Ende aber auch. Kann sein – will der Film das wirklich als Botschaft mitgeben? Ohne es zu hinterfragen? Untergräbt der Film hier nicht seine eigene feministische Prämisse, ist zu wenig eindeutig? Wäre es nicht viel revolutionärer und feministischer, eine Welt zu zeigen, die von Frauen regiert wird, die sich auch wie Frauen verhalten? Können wir uns das nicht vorstellen? Oder wären Frauen dann wirklich wie Männer?

(…) Eine Gesellschaft, die wirklich von Frauen dominiert wird, würde sich doch hoffentlich gerade nicht über "die Zeit im Monat" lustig machen. Vielleicht gäbe es einen Nachteilsausgleich, überall gratis Tampons, Pflegerinnen (und Pfleger!) wären Millionäre, Erzieherinnen bekämen besonders viel Urlaub. Man könnte sie wie Kim Kardashian inszenieren, Reichtum und Wertschätzung ihrem gesellschaftlichen Wert entsprechend, nicht der Po-Größe. Der Alltag in dieser Welt wäre nicht sexistisch geprägt einem Geschlecht gegenüber.


Denn der Feminismus würde niemals Männer verunglimpfen, er steht bekanntlich für Liebe und Respekt.



2. Maja Goertz setzt ihre Kampagne für mehr weibliche Wut in der Süddeutschen Zeitung fort und stellt Bücher vor, die diese Wut feiern. So heißt es über den Oder lassen die anderen verstummen, wie im koreanischen Roman "Plant Lady" von Minyoung Kang:

Die Protagonistin Yu-hee betreibt einen Pflanzenladen, ihr eigentliches Geschäft aber erledigt sie im Hinterhof: Zu ihr kommen Frauen und erzählen von Männern, die sie kontrollieren, misshandeln, bedrohen. Es sind die Prototypen toxischer Männlichkeit: Einer lädt seine psychischen Probleme bei seiner Freundin ab und verweigert eine Therapie, einer stellt seiner Frau nach, ein Dritter ist ein gewalttätiger Vater. "Wenn er nur ein bisschen … diesen Schmerz verstehen könnte …", wünscht sich seine Tochter. Yu-hee kümmert sich darum. "Menschen … kann man hier umbringen lassen, oder?", fragt eine Kundin ganz direkt. Wie Yu-hee das anstellt, wird genau beschrieben, die Sprache bleibt dabei abgeklärt, wirklich nah kommt man der Figur kaum. Sie tritt weniger als Serienmörderin auf denn als Vollstreckerin, die Frauen schützt, wenn niemand anderes es tut.

(…) Die Gewalt wirkt wie Notwehr, geboren aus der Angst, selbst zum Opfer zu werden. Auch die Romane "Männer töten" von Eva Reisinger oder "How To Kill a Guy in Ten Ways" von Eve Kellman variieren den Topos der weiblichen Selbstjustiz. In letzterem glaubt die Erzählerin: "Moral sei eine Grauzone und das Gesetz so oder so interpretierbar." Erzählt wird da in Form des Thesenromans: Was wäre, wenn Frauen ihre Rachefantasien in die Tat umsetzen würden? Was wäre, wenn sie selbst in die Hand nähmen, wobei ihnen offenbar keine staatliche Ordnung helfen kann? Was wäre, wenn Männer Angst vor Frauen hätten, und nicht umgekehrt?

Wie die Rapperin Ikkimel in ihrem Song "Giftmord" fantasiert: "Frauen brauchen kein Schimpfwort, unsre Waffe heißt Giftmord", oder auch: "Ich will nicht, dass wir gleich sind, ich will Rache."


Zum Schluss bekommt der Artikel halbwegs die Kurve und endet mit dem Fazit:

Ausgelebte Aggression, die andere Menschen verletzt, hat mit Emanzipation oder Empowerment eben doch nichts zu tun. Denn die Vorstellung, dass Wut, die sich in Gewalt entladen darf, um den anderen, den Männern, zu zeigen, wie sich das anfühlt, dass Rache Geschlechtergerechtigkeit schafft, kann auch die Literatur nicht plausibel machen – wenn sie ehrlich ist.


Von der Vorstellung, dass Gewalt in der Wirklichkeit von Männern gegen Frauen ausgeht und wenn es anders ist, Täterinnen einen guten Grund für ihre Gewalt hätten ("Verzweiflung" nämlich), löst sich auch dieser Artikel nicht. Journalistinnen müssen keine Studien lesen, es gibt doch Romane.



3. "Irrer Looksmaxxing"-Trend: Männer leiden für ihre Schönheit? Na endlich!" freut sich eine Schlagzeile der Hamburger Morgenpost:

Seit Jahren schauen wir Frauen dabei zu, wie sie ihr Aussehen durch chirurgische Eingriffe verändern. Größere Brüste, Lippen und Hintern, kleinere Nasen, schmalere Taillen. Alles für den angeblichen „idealen Körper“. Ungefährlich sind diese Operationen nicht, an einigen Eingriffen sind Frauen sogar gestorben. Und plötzlich greifen auch Männer zu gefährlichen Mitteln, um ihr Äußeres aufzupolieren. „Looksmaxxing“ heißt ein bizarrer Trend, bei dem Männer in der Hoffnung auf ein dominanteres Aussehen sogar das eigene Gesicht mit einem Hammer bearbeiten. Klingt irre, ist irre. Und löst bei Frauen ein leichtes Gefühl der Häme aus. (…) Dass Männer jetzt so blöd sind, auf den gleichen Schwachsinn hereinzufallen – es mag böse sein, aber ganz tief unten fühlt es sich nach so etwas wie Gleichberechtigung an.


Wie bitte? Habt ihr etwa vergessen, dass ihr ganz tief unten die besseren Menschen seid?



4. Männliche Opfer von Genitalverstümmelung versuchen, ihre Vorhaut zurückzugewinnen. Ein Artikel, der darüber berichtet, tut es unter der kopfschüttelnden Überschrift: "What will the manosphere think of next?"



5. Ein junger Landwirt aus Großbritannien wurde drei Jahre lang wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung beschuldigt, nachdem er auf einer Party mit einer Frau einvernehmlichen Sex hatte. Er filmte den Akt heimlich mit seinem Handy und zeigte das Video anschließend zwei Freunden. Die Frau bekam das mit und erstattete Anzeige. Die Polizei beschlagnahmte das Handy. Drei Jahre später bekam ein Richter den Film zu sehen und stellte klar fest, dass die Frau "eindeutig zugestimmt" hatte. Er kritisierte Polizei und Staatsanwaltschaft scharf: Die Anklage war "völlig unbegründet" und die lange Verzögerung bei der Anklageerhebung "inakzeptabel". Es habe nie Beweise für sexuelle Nötigung gegeben. Der Richter betonte, dass Winward kein Sexualstraftäter sei, sondern aus jugendlicher Unreife und unter Alkoholeinfluss gehandelt habe. Er bedauerte die schweren Konsequenzen für den jungen Mann.



6. Honduras hebt die Höchststrafe für einen "Femizid" auf 60 Jahre an. "Einem Kriminellen, der Gewalt gegen eine Frau verübt, muss ganz klar bewusst sein, dass er die volle Härte des Gesetzes spüren wird, wenn er sie tötet", sagte Parlamentspräsident Tomas Zambrano. Das Parlament gab zudem grünes Licht für die Schaffung von ausschließlich aus Frauen bestehenden Justizbehörden, die Femizide verhindern sollen.



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Mittwoch, Juni 10, 2026

Desillusionierte Frauen: "Jede Beförderung würde zu noch mehr Arbeit führen"

1. "Die Welt" berichtet über den Boom sogenannter Tradwife-Romane wie "Yesteryear", dessen Inhalt in dem Artikel kurz umrissen wird:

Doch dann – und die Genialität des Romans liegt in dieser betörenden Prämisse – wacht Natalie eines Tages im Jahr 1855 auf. Das Rollenspiel ist Wirklichkeit geworden: "Schon witzig, dass ich Caleb in unseren ersten Ehejahren förmlich angefleht habe, ein solcher Mann zu werden, wie er nun vor mir steht. Das Gegenteil eines Kindergärtners. Ein Farmer. Ein Cowboy. Ein Patriarch. Ein echter hartgesottener Mann. Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, habe dafür gebetet. Und was hat Gott getan? Er hat mich erhört. Er hat mir gegeben, was ich wollte."

(…) Das zwischen bitterböser Satire und spannendem Thriller changierende Wunscherfüllungs-Desaster nach dem "Geist aus der Flasche"-Muster liest sich stellenweise herrlich lustig-zynisch. Etwa wenn Natalie mitleidig auf das Leben ihrer ehemaligen Collegefreundin Reena blickt, die sich gegen das Tradwife-Modell entschieden hat: "Sie würde siebzig bis achtzig Stunden pro Woche arbeiten und sich hauptsächlich von Koks und Red Bull ernähren. Dabei würde sie von einer ganzen Arena voller männlicher Kollegen umringt sein, von Typen, die ihre Handvoll Kolleginnen permanent fickten, und zwar privat wie beruflich … Sie müsste hart arbeiten, um den Job zu bekommen, um ihn zu behalten, und noch härter, um befördert zu werden. Und jede Beförderung würde zu noch mehr Arbeit führen, noch mehr Verantwortung, mehr Zeit im Büro."


Allerdings zeige das Buch, dass 1855 auch keine goldene Zeit für Frauen war (für Männer genauso wenig, aber das interessiert unsere Presse nicht), weshalb der Roman dann doch noch einen Liebesbrief an den Feminismus darstelle.



2. Das Bildungsministerium Brandenburg leitet ein Schreiben weiter, in dem vor einer "Instrumentalisierung durch Linksextremisten" beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht gewarnt wird.



3. Die Bundesregierung will Reservisten auch gegen ihren Willen länger zum Dienst verpflichten können. Patrick Heinemann bezweifelt in einem Beitrag für die Legal Tribune die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz.



4. Auch in Österreich wird die Debatte geführt. Ein Artikel darüber beklagt, dass junge Menschen kaum ein Mitspracherecht bei der Frage hätten, ob Wehr- und Zivildienst verlängert werden sollen. Ein Leser, der mich darauf hinwies, schreibt dazu: "Der Text spricht dauernd von Jugendlichen. Gemeint sind Männer. Frauen werden nicht erwähnt."



5. Unter der Schlagzeile "Zwischen Büchern, Autorinnen und Lesern: ein Tag auf der Buchmesse in Lissabon" berichten die Euronews über diese Veranstaltung. Wie der Artikel darunter verrät, kann man dort auch männliche Schriftsteller treffen, selbst wenn diese Überschrift sie sprachlich unsichtbar macht.



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Dienstag, Juni 09, 2026

Evolutionspsychologin: "Feminismus ist eine verdeckte Wettbewerbstrategie unter Frauen"

1. Die Züricher Psychiaterin und kognitive Verhaltenstherapeutin Dr. Hannah Spier hat vor einigen Tagen die australische Evolutionspsychologin Dr. Dani Sulikowski interviewt. Die evolutionäre Psychologie vertritt die Auffassung, dass Menschen oft nicht aus den Gründen handeln, die sie bewusst vorschieben. Vielmehr laufen biologisch verankerte Programme ab, die der bewussten Wahrnehmung entzogen sind. Sulikowski vertritt in dem Gespräch die These, dass Feminismus als eine Form der verdeckten intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen verstanden werden kann, die evolutionär darauf abzielt, die reproduktive Fitness von Rivalinnen zu sabotieren, so dass deren Fortpflanzungserfolg sinkt.

Das sind die Kernpunkte des Interviews:

* Feminismus attackiert Sulikowski zufolge systematisch sichtbare, physische Signale weiblichen Paarungswertes. Das Streben nach Attraktivität werde dämonisiert, während Bewegungen wie die "Body Positivity" teils ungesunde körperliche Zustände wie Fettleibigkeit feiern, um Schönheitsideale zu untergraben. Dabei vertritt Sulikowski die Ansicht, dass der Feminismus nicht erst nachträglich von Konkurrenzmotiven gekapert wurde, sondern von Beginn an eine unbewusste Strategie zur Sabotage von Rivalinnen unter dem Deckmantel einer sozial akzeptierten Erzählung war. Historisch habe sich der Feminismus nie primär für die Anliegen der Mehrheit der Frauen – wie Mutterschaft oder die Rolle der Hausfrau – interessiert.

* Ein Teil dieser Strategie ist die Dämonisierung von männlichen Tugenden: Die Ideologie richte sich gegen Eigenschaften wie Stärke, Kompetenz und Versorgerqualitäten. Dadurch werden Frauen dazu gebracht, die Männer zu verschmähen oder ihnen zu misstrauen, die eigentlich hervorragende Ehemänner und Väter wären. Dies führe zu unvorteilhaften Partnerentscheidungen und einer sinkenden Geburtenrate. Ähnliche rhetorische Muster – wie die Abwertung von Ehe und Mutterschaft sowie die Feindseligkeit gegenüber Männern – lassen sich laut Sulikowski bereits in der Spätphase des Römischen Reiches beobachten, als die dortigen Geburtenraten drastisch einbrachen.

* Sulikowski widerspricht der Theorie der rein selbstzerstörerischen Empathie ("suicidal empathy"). Stattdessen handele es sich um ein manipulatives, oft unbewusstes Signalisieren von moralischer Überlegenheit ("homicidal empathy" / "homicidal virtue signaling"). Ziel dieses extremen Verhaltens in der Öffentlichkeit (wie auf Social Media) sei es, Standards zu setzen, denen andere Frauen folgen sollen. Wenn Rivalinnen diese schädlichen Ratschläge oder Ideologien annehmen und dadurch ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit oder die ihrer Kinder einschränken, verschaffen sich die signalisierenden Linien einen relativen evolutionären Vorteil, selbst wenn die Gesamtebene der Bevölkerung schrumpft.

* Ein Zurückdrehen oder "Deprogrammieren" dieser Dynamiken hält Sulikowski für logistisch und praktisch kaum machbar. Die geschilderten Verhaltensweisen verschieben die Umweltbedingungen immer weiter in eine progressive Richtung, was wiederum das Verhalten weiter verstärkt. Während andere Theoretiker wie Ed Dutton vermuten, dass nach einem Zusammenbruch die gesündere genetische Basis überlebt, befürchtet Sulikowski, dass gerade die treibenden Linien dieser Konkurrenzstrategien den Zusammenbruch überstehen, um in einer neuen Zivilisation den Zyklus von vorn zu beginnen.

Ich sehe diese Thesen eher nicht als zukünftigen Lernstoff im Fach Genderstudien.



2. In der Frankfurter Allgemeinen feiert Maja Goertz unter der Überschrift "weibliche Aggression" die Wut von Frauen:

Female Rage ist eine politische Wut, die sich auf geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten und strukturelle Benachteiligung von Frauen bezieht. Auf Social Media teilen zahlreiche Frauen unter dem Hashtag #femalerage ihre Gründe, wütend zu sein: Sie reichen von der hohen Zahl an Femiziden über den Gender-Pay-Gap zu ungleich verteilter Care-Arbeit. Paris Palomas Song "Labour", der sich um Letzteres dreht, ist online zur Hymne der Female Rage geworden. Auch in der Buchbranche ist das Thema präsent. Der Roman "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl erzählt von dem Gefühl, wenn die Wut piekst und sticht und nicht mehr ignoriert werden kann; die Autorin Tara-Louise Wittwer führt in ihrem neuesten Buch "Nemesis’ Töchter" die antike Göttin als Missverstandene ein: Nemesis habe nicht nur Rache gewollt, sondern ausgleichende Gerechtigkeit und sei deshalb eigentlich ein Vorbild für Female Rage.


Die FAZ tut so, als sei diese Wut bei Frauen verboten, aber bei Männern erlaubt. Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus. Bücher wie Angry White Men haben dazu beigetragen, dass politische Wut, wenn sie von Männern geäußert wird, vor allem als irrational und als Bedrohung wahrgenommen wird. Auch in unseren Leitmedien gilt diese Wut nicht als Auslöser wichtiger gesellschaftlicher Veränderungen, sondern wird als Teil einer "Krise der Männlichkeit" und Einfallstor für Rechtspopulismus oder Antidemokratie geframet. Oft wird Wut auch zu "Hass" umgemünzt und von einem "hohen Gewaltpotenzial" geraunt, was sich bezeichnenderweise nie bewahrheitet hat.

Wenn Wut nicht erklärtermaßen von links kommt, gilt sie in unseren Leitmedien allerdings generell als verdächtig. Ein Beispiel aus der "Zeit":

Wohin man blickt: Die Wut wächst. Und die politischen Kräfte, die von ihr zehren, wachsen mit. Ob die AfD in Deutschland, Donald Trump in den USA oder die Rechtspopulisten in Frankreich – sie alle leben auch von der Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik. (…) "Ich war in den vergangenen Monaten in Thüringen unterwegs. Das Ausmaß der Wut gegen 'die da oben' hat mich erschreckt, dieser Hass auf demokratische Politiker und Institutionen", schreibt der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) in der Zeitschrift Publik Forum über das Bundesland, in dem er aufgewachsen ist.


Wenn Wut allerdings von Frauen und Feministinnen ausgeht, erscheint sie als notwendig, angebracht und vor allem harmlos.



3. Die Post. Einer meiner Leser hat ebenfalls etwas zum Thema "weibliche Aggression" zu sagen:

Guten Morgen Herr Hoffmann,

da Sie gestern Österreich verlinkten, hier ein weiterer Fall aus der beliebten Kategorie "Frauen und Mädchen bilden das friedlichere Geschlecht":

--- "Wie kommt man als unbescholtene junge Frau dazu, einer Knienden ins Gesicht zu treten?", fragt Daniela Zwangsleitner, die Vorsitzende des Schöffensenats, die 15-jährige Erstangeklagte fast verzweifelt. Erklärung erhält sie keine. Dafür hat ihr die bei ihrer Familie in Rudolfsheim-Fünfhaus lebende Jugendliche davor erklärt, warum sie die Schule kaum besucht: "Ich habe es nicht geschafft, in der Früh aufzustehen." – "Wann müssen Sie jetzt aufstehen?", will Zwangsleitner von der seit knapp zwei Monaten in Untersuchungshaft sitzenden Teenagerin wissen. "Um 6 Uhr."

(…) Der schwerste Anklagepunkt gegen das Trio ist jener der versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung. Die Österreicherinnen sollen am 28. März eine etwa Gleichaltrige in die Tiefgarage des Einkaufscenters Millennium City gelockt habe. Dort schlug und trat die Erstangeklagte auf das Opfer, eine junge Afghanin, ein. Die Zweitangeklagte schlug ihr mit einer Glasflasche auf den Kopf, als die Verletzte sich losreißen konnte, verfolgte sie die "Gegnerin" dutzende Meter und drosch immer weiter gegen den Schädel. Die Drittangeklagte filmte die Szenerie.

Das Motiv? Zuvor sei man in der "Raucherlounge" des Gebäudes auf das Opfer getroffen, im Gespräch soll sie laut Angeklagten behauptet haben, vom Ex-Freund der 14-Jährigen vergewaltigt worden zu sein. "Ich war einfach zornig und böse, dass sie das behauptet", erinnert sich die Zweitangeklagte. "Ich kannte ihn, der würde das nicht machen!", ist sie überzeugt. Also lockten die Jugendlichen die "Kontrahentin" mit dem Versprechen des Marihuanakonsums in die Garage, wo sie sie attackierten und ihr zum Glück nur eine Platzwunde und Prellungen zufügten.

(…) Besonders die 14-Jährige scheint hier ein Risiko zu sein. Bereits im April wurde sie zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt, da sie am 12. März einem Burschen mehrmals ins Gesicht geschlagen hatte. Auf Aufforderung einer "Freundin", die den Angriff filmte, nachdem sie ihn über die Whatsapp-Gruppe "Der Adam gehört geklatscht" organisiert hatte.
---

Interessanter Chat-Name übrigens. Als kleine interdisziplinäre Aufgabe: Wie viele empörte feministische Kolumnen genau hätte eine von Jungen organisierte Whatsapp-Gruppe mit dem Namen "Die Leonie gehört geklatscht" ausgelöst? Und wie viele Debatten zur Rolle von "Incel-Foren" bzw. "der Manosphäre" bei Herausbildung von "toxischer Maskulinität" und "Gewaltaffinität" bei männlichen Heranwachsenden?

Dann zum Urteil:

--- Die rechtskräftigen Strafen: Die Erstangeklagte erhält 13 Monate, einen davon unbedingt. Die Zweitangeklagte bekommt eine Zusatzstrafe von 15 Monaten, insgesamt also 18 Monate, einen unbedingt. Bei der Drittangeklagten geht das Gericht davon aus, dass ein Schuldspruch unter Vorbehalt der Strafe ausreicht. ---

Ob Burschen auch so glimpflich davon gekommen wären?

Die vorsitzende Richterin steuert auf jeden Fall noch diesen fachkundigen Hinweis bei:

--- "Das haben wir eigentlich selten hier bei Frauen, dass die dann so brutal Rache nehmen", merkt die Vorsitzende dazu an. "Leider entwickeln sich manchmal Mädchencliquen, wo es doch passiert. Von denen die meisten Mitglieder wiederkommen", spricht Zwangsleitner aus Erfahrung und hofft, dass die Reue-Beteuerungen der drei Angeklagten ernst gemeint sind. ---

Vielleicht sollte man ihr einen Link zu Genderama oder den Feministischen Irrtümern schicken? Ah ne, lieber nicht, wäre ja "Mansplaining"…


Auch in Niedersachsen geht es voran mit weiblicher Wut. Dort gab es gestern an einer Berufsbildenden Schule einen größeren Einsatz der Feuerwehr. Der Polizei zufolge hatte eine 16-Jährige Pfefferspray gegen eine Gleichaltrige in den Toilettenräumen eingesetzt. Die Jugendlichen hätten sich dort ursprünglich getroffen, um einen Streit zu klären. Dann soll aber die eine Schülerin die andere körperlich angegriffen haben, woraufhin sich diese mit dem Pfefferspray gewehrt haben soll. Drei Schülerinnen sowie eine Schulassistentin seien dabei leicht verletzt worden. Die Schülerinnen kamen vorsorglich ins Krankenhaus.



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Montag, Juni 08, 2026

Hat Baerbocks "feministische Außenpolitik" Deutschland den Sitz im Weltsicherheitsrat verhagelt?

1. Der Merkur berichtet aus Nairobi:

Die deutsche Niederlage im Rennen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat wirkt in Berlin weiter nach. Besonders die Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock (Grüne), gerät dabei zunehmend unter Beschuss. Doch die Kritik an Baerbock bleibt nicht auf Deutschland beschränkt.

Am Rande eines Gipfeltreffens afrikanischer Spitzenpolitiker in Nairobi fand Botswanas Alt-Präsident Mokgweetsi Masisi (…) eindringliche Worte: "Vielleicht hätte sich Frau Baerbock darauf konzentrieren sollen, ihre Arbeit in der deutschen Diplomatie zu erledigen, anstatt zu versuchen, Nigerianern vorzuschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben, und den Afrikanern zu sagen, wie sie mit Elefanten umgehen sollen." Weiter sagte Masisi: "Vielleicht hätte Deutschland dann mehr Stimmen aus Afrika für den UN-Sitz erhalten."

(…) Masisi betonte: "Ich fühle mich besser und zuversichtlicher in unseren Beziehungen zu Deutschland, jetzt, wo Frau Baerbock aus dem Amt ist." Er sprach von einem "herablassenden und respektlosen Verhalten" Deutschlands.


Wollte Baerbock den Nigerianern tatsächlich vorschreiben, wo sie ihre Toiletten zu bauen haben? O ja. Die Berliner "taz" stellte das vor drei Jahren als feministische Außenpolitik vor, über die auch keinerlei Diskussion gewünscht war:

Nein, feministische Außenpolitik sei eine Selbstverständlichkeit. Das Auswärtige Amt will künftig Rechte von Frauen und strukturell benachteiligten Gruppen immer mitdenken. (…) Als Beispiel nannte Baerbock etwa den Wiederaufbau eines zerstörten Dorfes in Nigeria – wo Sanitäranlagen eben nicht mehr am Rand der Siedlung geplant werden sollen, sondern den Sicherheitsbedürfnissen von Frauen und Kindern entsprechend in zentraler Lage.


Das scheint einigen Unmut in Afrika erzeugt zu haben. Man hat fast den Eindruck, die Buschmänner und -frauen wollten gar nicht von weißen Feministinnen missioniert werden. Dabei klappt das bei den hiesigen Eingeborenen doch so gut! Selbst "herablassendes und respektloses Verhalten" von Feministinnen beanstanden deutsche Politiker nie.



2. Österreichs "Standard" berichtet über einen Prozess wegen einer angeblichen Vergewaltigung. Die betroffene Frau hat es dabei nicht leicht, was unter anderem daran liegt, dass sie in der polizeilichen Vernehmung erklärt hatte: "Ich bin auf ihm geritten und es hat mir gefallen." Danach wird es nicht besser, weshalb es schließlich hierzu kommt:

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", begründet die Richterin dann ihren "eindeutigen Freispruch". Petschniker schließt nicht aus, dass die 29-Jährige sich vielleicht missbraucht gefühlt habe, der Angeklagte habe das aber nicht erkennen können, verweist sie auf die Schilderung des Taxifahrers.

"Ich fand Sie glaubwürdig und Sie sind von Anfang an bei Ihrer Schilderung geblieben", wendet sie sich an den Angeklagten. Bei der Frau sei das anders: "Sie erweitert wirklich jedes Mal ihre Aussage. Bei der Polizei hat sie gesagt, der Angeklagte habe Analverkehr versucht. In ihrer schriftlichen Stellungnahme ein Monat später beschreibt sie, er habe gesagt, er wolle Analverkehr, da er kein Kondom habe. Bei der Sachverständigen hat sie dann behauptet, er sagte, das Kondom sei gerissen. Und heute, bei ihrer vierten Aussage, spricht sie davon, dass es Analverkehr gegeben habe und sie massive Schmerzen gehabt habe!"


Es ist so typisch: Unsere patriarchale Justiz glaubt Frauen einfach nicht.



3. Wenn man wie ich am Presseticker mit Nachrichten über die Geschlechterdebatte sitzt, fällt einem sehr auf, dass es derzeit fast keinen Tag gibt, an dem nicht irgendein Artikel gegen die Manosphäre wettert. Aktuell erklärt die Frankfurter Rundschau, dass sogar Louis Therouxs Doku, in der dieser die Manosphäre verdammt, problematisch sei:

Therouxs charakteristischer Dokumentarstil, der selten kommentiert und darauf vertraut, dass die Protagonisten sich selbst entlarven, trägt – wenn auch unbeabsichtigt – passiv zur Verbreitung ihrer kruden Frauen- und Weltsicht bei. Als Justin Waller, eine Internetpersönlichkeit, deren Markenzeichen scheinbar unerträglich enge Anzugjacken sind, mit Blick auf Miamis Skyline fordert, Theroux solle ihm "nur eine Sache hier" nennen, die "eine Frau erfunden und gebaut hat", hat der Filmer dem nichts entgegenzusetzen als ein verdutztes Gesicht. So wird Therouxs Manosphere-Darstellung Teil des Problems.


Das stimmt, aber in Wahrheit ist es noch viel erschreckender: Auch die Autorin der Frankfurter Rundschau trägt diese Haltung aus der Manosphäre weiter, ohne dass sie ihr irgendein Beispiel entgegensetzen kann. Gehört demnächst ALLES zum Wirkungskreis der Manosphäre? Beängstigend.

Der Artikel geht weiter; die Autorin versucht jetzt, irgendwie eine Verknüpfug von Manosphäre und Gewalt herzustellen:

Im August 2024 zog ein überwiegend männlicher Mob durch die Straßen von Belfast und anderen britischen Städten und griff Häuser und Geschäfte von Menschen mit Migrationshintergrund an – angeblich als Protest gegen die Tötung dreier junger Mädchen im britischen Southport im Vormonat. Rechtsextreme Aktivisten und Social-Media-Nutzer behaupteten, die Randalierer tobten in Solidarität mit und zum Schutz von Frauen und Kindern und erklärten die Gewalt als gerechtfertigt.


Ein Demonstrationszug, der sich gegen "Femizide" engagierte, also ein … feministischer Mob? Ich weiß nicht, ob dieses Beispiel so überzeugend ist, wie man bei der Rundschau glaubt.

Ein weiterer Absatz:

In den raren Momenten, in denen Theroux in der Doku versucht, seine Protagonisten und deren Ansichten zu hinterfragen, lässt er sich von dieser Nullachtfuffzehn-Moral aufs Glatteis locken. Als die Männer online Kontakt zu einem älteren homosexuellen Mann aufnehmen, ihn in die Innenstadt locken und brutal zusammenschlagen, wirkt Theroux aufrichtig bestürzt. Und doch kommentiert er: "Sie hatten ihn beschuldigt, ein Sexualstraftäter zu sein. Ich konnte nicht wissen, ob das stimmte." Und wenn es stimmte, was dann? Hätte das etwas an dem geändert, was seine Protagonisten dem Mann antaten? Wäre ihre Gewalt dadurch "verständlich" geworden? Hätte es sie zu den "Edlen" gemacht, als die sie sich selbst vor ihrem Online-Publikum präsentieren? Offenbar hat der amerikanische Neurowissenschaftler Robert Sapolsky recht: "Wir haben nichts gegen Aggression und Gewalt. Solange sie von den ,richtigen´ Menschen eingesetzt werden. Gegen diejenigen, die Gewalt ‚verdienen‘."


Das ist eine zutreffende Beobachtung. Das Problem ist: Es fällt einem nicht schwer, eine ganze Reihe von Äußerungen zu finden, mit denen Feministinnen Gewalt gegen männliche Sexualstraftäter fordern. Vor einigen Wochen forderte die Influencerin "Leonie Löwenherz" auf Instagram, dass Christian Ulmen "und andere Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden" sollten. Die Polizei Düsseldorf sah keinen Anfangsverdacht und ermittelte nicht.

Zuletzt kann ich der Rundschau-Autorin immerhin zustimmen, wenn sie schreibt:

Es sind nie die wenigen Extremisten, die mich das Fürchten lehren. Es sind wir alle: mit unseren moralisch geprägten Vorstellungen von richtig und falsch, von Männern und Frauen. (…) Sie erwachsen aus unseren geschlechtsspezifischen Moralvorstellungen. Und werden genährt durch unser kollektives Bemühen, diese Ansichten aufrechtzuerhalten, derweil wir uns eifrig als geläutert, fortschrittlich und "besser als" sehen und präsentieren.


Das bringt es doch auf den Punkt: Frauen sind nicht besser als Männer und der Feminismus nicht besser als die Manosphäre.

Ich fürchte nur, dass die Rundschau-Autorin es so nicht gemeint hat.



4. "Russland setzt sexuelle Gewalt in der Ukraine gezielt gegen Männer ein" titelt der Schweizer Tages-Anzeiger und berichtet, dass das Land deshalb neben Israel jetzt auf einer schwarzen Liste der Vereinten Nationen stehe. In dem Artikel heißt es weiter:

Auffallend oft werden in der Ukraine Männer Opfer von sexueller Gewalt. Laut der UNO waren 280 Männer betroffen, 26 Frauen und 4 Mädchen. Viele Taten ereigneten sich in Haft – gegen ukrainische Kriegsgefangene, aber auch gegen inhaftierte Zivilisten und Zivilistinnen.




5. Einer meiner Leser weist mich auf einen aktuellen Beitrag der Nachdenkseiten über "Lavender" hin, eine israelische militärische KI, die dazu dient, menschliche Ziele zu markieren. In dem Beitrag des mehrfach preisgekrönten israelischen Journalisten Yuval Abraham heißt es:

Quellen zufolge bestand das einzige Protokoll zur menschlichen Überwachung vor der Bombardierung der von Lavender markierten Häuser mutmaßlicher "jüngerer" Militanten jedoch darin, eine einzige Überprüfung durchzuführen: sicherzustellen, dass das von der KI ausgewählte Ziel männlich und nicht weiblich ist. (…) In der Praxis bedeutete dies den Quellen zufolge, dass es für zivile Männer, die fälschlicherweise von Lavender markiert wurden, keinen Überwachungsmechanismus gab, um den Fehler aufzudecken.




6. Ein weiterer Leser schreibt mir aus Graz:

Lieber Arne Hoffmann,

im Blog des Tiroler Journalisten Alois Schöpf wurde gestern mein Artikel über den Gender-Bildungs-Gap in Österreich veröffentlicht, wo Jungs in einer von Frauen dominierten Bildungsszene zunehmend den Kürzeren ziehen. Ich habe dabei unter anderem auf einen FAZ-Artikel verwiesen, auf den ich durch Ihr Genderama aufmerksam wurde.

Auch in Österreich fordern Frauen immer wieder, Männer müssten Verantwortung für Verbrechen ihrer Geschlechtsgenossen übernehmen. Sogar unser Bundespräsident, der Alt-Grüne Alexander van der Bellen, stimmt in diesen Chor ein. Ich habe mich in zwei Texten damit auseinandergesetzt:

* Die Polemik "Der Feminismus als Staatsreligion" hat für schoepfblog-Verhältnisse ziemlich viele Leser aufgeregt. Hm.

* Mein sachlicherer Einwand "Männer sind nicht gewalttätig, weil sie Männer sind" hat dagegen keine Reaktionen hervorgerufen. Nur eine Autorin meinte in einer als eigener Beitrag erschienen Replik, ohne sich namentlich auf meinen Text zu beziehen: "Man kann Gewalt gegen Frauen nicht mit der gesamten, allgemeinen Gewalt verrechnen, weil es eine geschlechterspezifische Form der Gewalt ist." – "Weil"-Sätze klingen immer plausibel, selbst wenn sie nur aus heißer Luft bestehen.




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Freitag, Juni 05, 2026

"Wehrpflicht und Auslandsreisen: Der Betrug an den jungen Männern"

1. In seinem Artikel "Der Betrug an den jungen Männern" (nur im Anriss online) argumentiert Andreas Rosenfelder zum unglücklichen Auftritt von Verteidigungsminister Boris Pistorius:

"Derzeit ändert sich für die Männer nichts: Ob 17 oder 45 Jahre oder dazwischen – alle dürfen selbstverständlich verreisen und brauchen derzeit dafür auch keine Genehmigung", so hatte der SPD-Minister im Stil eines DDR-Funktionärs beschwichtigt, als im April erste Gerüchte über eine Genehmigungspflicht für längere Auslandsaufenthalte aufkamen. Wenige Tage später musste er zerknirscht einräumen, dass diese Pflicht tatsächlich besteht. Um das zu wissen, hätte Pistorius nur das neue Wehrpflichtgesetz lesen müssen, das aus seinem eigenen Haus stammt und schon am 1. Januar 2026 in Kraft trat. Denn in § 3 Abs. 2 WPflG steht geschrieben: "Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen." Diese Regel galt zuvor nur für den Kriegs- oder Spannungsfall, das Wehrpflicht-Modernisierungsgesetz machte sie zum Normalzustand.

Eine Einschränkung der in Artikel 2 des Grundgesetzes garantierten Reisefreiheit für Millionen Deutsche, als Überraschungsei in einem Paragrafen versteckt und unbemerkt durchs Parlament geschmuggelt? Dieser verrückte Vorgang lässt nur zwei Erklärungen zu, von denen schwer zu sagen ist, welche alarmierender wäre: Entweder die Bundesregierung weiß nicht, was sie tut – oder sie hat die folgenreiche Klausel mit Absicht im Gesetz versteckt, um ohne demokratische Diskussion rechtliche Tatsachen zu schaffen. Noch schlimmer als dieser gesetzgeberische GAU ist allerdings, was danach geschah. Denn um die irritierte Öffentlichkeit und die alarmierten Verfassungsrechtler zu beruhigen, verkündete Pistorius im April, die Regelung durch eine Allgemeinverfügung seines Ministeriums außer Kraft zu setzen. Tatsächlich heißt es im neuen Wehrpflichtgesetz: "Das Bundesministerium der Verteidigung kann Ausnahmen von der Genehmigungspflicht zulassen."

Darf der Minister also jederzeit per Unterschrift verfügen, ob die Männer im wehrfähigen Alter von 17 bis 45 Jahren ungenehmigt das Land verlassen dürfen oder nicht? Nein, das darf er nicht – zu diesem Urteil kommt jedenfalls der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags in einem nun veröffentlichten Gutachten, das von der Linksfraktion in Auftrag gegeben wurde.

(…) Die wehrfähigen Männer, die im Zweifel ihr Leben für die Landesverteidigung einsetzen sollen, hat Pistorius dabei gleich doppelt betrogen: Erstens, indem er, ohne darüber zu reden und anscheinend sogar ohne es zu wissen, einen Eingriff in ihre Freiheitsrechte vorbereitete. Und zweitens, indem er dann in einem Akt der Anmaßung so tat, als könne er den Fehler durch einen Federstrich wieder aus der Welt schaffen. Es gibt nur einen Weg für Boris Pistorius, und zwar den Gang nach Canossa, also zum Souverän: Der Verteidigungsminister muss das Wehrpflichtgesetz, das so niemals hätte verabschiedet werden dürfen, im Bundestag ändern lassen.




2. Deutschland will ukrainischen Männern im wehrpflichtigen Alter die Aufnahme in der EU erschweren. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte bei einem EU-Treffen deutlich, einen entsprechenden Vorschlag zum Ausschluss von Männern unterstützen zu wollen.



3. Die Ökonomin Margit Osterloh plädiert für eine Abschaffung der Frauenquote – weil sie Frauen schade, nicht um mehr Fairness gegenüber Männern zu erreichen. Immerhin widerspricht Osterloh dem feministischen Opfernarrativ:

Dass nicht mehr Frauen in Führungspositionen sind, hat heute nicht mehr mit Diskriminierung zu tun, sondern mit Präferenz. Frauen sind heute weder Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse, noch werden sie von den Männern am beruflichen Aufstieg gehindert. Sondern Frauen in westlichen Gesellschaften wählen bewusst andere Lebenspläne als die Männer. Die Lebenszufriedenheit von Frauen ist dennoch gross, wie man aus der Glücksforschung weiss. Frauen wollen Chancengleichheit, aber nicht unbedingt Gleichstellung. Man hat gemeint, die Präferenzen der Frauen würden sich jenen der Männer annähern. Aber das ist nicht passiert.




4. In der Frankfurter Allgemeinen enthüllt Nora Levin Überraschendes: "Auch mit Söhnen bin ich glücklich geworden". In dem Artikel schildert sie, wie die Realität ihr geholfen hat, ihre jungen- und männerfeindlichen Vorurteile zu überwinden:

Was mir damals durch den Kopf ging, waren sehr klischeebehaftete Vorstellungen über Jungen und Mädchen – auch das war mir damals übrigens zu peinlich, um sie auch nur auszusprechen. Aber ich nehme fast an, sie gehen vielen werdenden Eltern durch den Kopf, die einen bestimmten Geschlechterwunsch haben.

Ich sah mich einsam und alleine mit zwei stets schweigsamen, unkommunikativen Kindern zu Hause sitzen – denn Jungen sind meistens nicht sehr kommunikativ, nicht wahr? Ich sah mich mit zwei immer schwitzenden, hyperaktiven, untereinander handgreiflichen Kindern in einer Wohnung eingesperrt, in der ich dann abends immer das Tobe-Chaos beseitigen muss – denn alle Jungen sind wild und toben gerne, oder? Ich sah mich im Altersheim sitzen, ohne groß Besuch zu bekommen – denn es sind die erwachsenen Töchter, die sich um ihre Eltern kümmern, nicht die Söhne, richtig?

(…) Zehn Jahre später, meine Söhne sind inzwischen 9 und 13, denke ich ganz anders über die Sache. Es ist keineswegs so, dass ich nicht manchmal denke, ich hätte gerne noch eine Tochter gehabt. Ich frage mich einfach, wie das wohl gewesen wäre. Aber ich habe inzwischen auch verstanden, dass das, was viele Menschen – mich selbst eingeschlossen – so über die Eigenschaften von Jungen und Mädchen denken, doch einfach sehr pauschalisiert ist.


Man mag es kaum glauben.

Der nächste Schritt könnte jetzt sein, zu analysieren, wer einem diese jungen- und männerfeindlichen Klischees überhaupt in den Kopf setzt. Das wird aber nicht geschehen, weil eine Journalistin damit auch ihre eigene Branche kritisieren müsste.



5. Eine geisteswissenschaftliche Fachzeitschrift hat einen Artikel über die elterliche Entfremdung nach juristischen Drohungen zurückgezogen:

Am 19. Mai entfernte das "Integrated Journal for Research in Arts and Humanities (IJRAH)" einen Übersichtsartikel von Robert Keith Head. Dieser legte nahe, dass die Theorie der elterlichen Entfremdung nicht durch Forschung gestützt wird und grundlegende Validitätsanforderungen für psychologische Konstrukte verfehlt.

Dieser Schritt erfolgte, nachdem die Parental Alienation Study Group (PASG) – die sich selbst als internationale, gemeinnützige Mitgliederorganisation beschreibt, die sich der Erforschung und dem Verständnis elterlicher Entfremdung widmet – der Fachzeitschrift vorwarf, "wissenschaftlichen Betrug" veröffentlicht zu haben, und den Rückzug des Artikels forderte, andernfalls drohten rechtliche Schritte. Die Fachzeitschrift erklärte, die Entfernung sei nicht durch "externe Forderungen oder Drohungen" diktiert worden, sondern folgte auf eine "umfassende sekundäre Bewertung" durch die Redaktion und unabhängige Experten für Psychometrie, die kritische methodische und strukturelle Mängel feststellten, welche die wissenschaftliche Validität der Arbeit untergruben.

"Nach diesen internen Erkenntnissen führte unser Redaktionsteam ein direktes, gründliches Gespräch mit Herrn Head, um diese detaillierten Bedenken hinsichtlich der Wissenschaft und der Datenüberprüfung anzusprechen", berichtete Raghvendra Pratap Singh, Rechtsberater von Stallion Publication. "Bedauerlicherweise war der Autor nicht in der Lage, zufriedenstellende Erklärungen oder empirische Validierungen zu liefern, um unsere hochdetaillierten Anfragen aus dem Peer-Review-Verfahren zu klären."

(…) Die PASG schickte am 26. Januar einen Brief an das IJRAH und forderte das Journal auf, den Artikel zurückzuziehen. Die Gruppe führte mehrere Teile des Artikels an, die sie für inakzeptabel hielt. Unter anderem habe Head sich auf nicht peer-reviewte und subjektive Quellen statt auf wissenschaftliche Daten verlassen, Fehlinformationen über elterliche Entfremdung und Entfremdung verbreitet und die Darstellung von Richard Gardner sei unzutreffend gewesen.

"Diese falschen Informationen pflanzen sich von einer Fachzeitschrift zur nächsten fort, von einem Autor zum nächsten, und das ist ein riesiges Problem, weil es die Welten, in denen wir arbeiten, negativ beeinflusst", sagte PASG-Präsident Phillip Hendrix uns gegenüber. "Familien werden von diesen Themen beeinträchtigt."

Als das Journal nicht reagierte, schickte Mini M. Nair, eine Anwältin der PASG mit Sitz in Kerala, Indien, am 3. April eine rechtliche Mitteilung an das IJRAH. Darin drohte sie, innerhalb von sieben Tagen rechtliche Schritte einzuleiten, falls das Journal den Artikel nicht sofort zurückziehe, ihn dauerhaft von der Website entferne und ein formelles Corrigendum auf der Homepage veröffentliche, das die sachlichen Fehler der Arbeit anerkennt.

In einem Brief vom 16. April reagierte die PASG auf eine Antwort des IJRAH, das laut dem Schreiben mehrere Optionen zur Lösung der Beschwerden vorgeschlagen hatte – darunter eine formelle wissenschaftliche Erwiderung, einen Leserbrief oder eine Reihe von Corrigenda. Der Anwalt der PASG schrieb, dass die Gruppe die Vorschläge schätze, ein Rückzug jedoch der angemessenste Ansatz sei.

"In einer akademischen Debatte ist es nicht erlaubt, Statistiken oder Fakten zu erfinden, die einfach unwahr sind", sagte William Bernet, Gründer der PASG, uns gegenüber. "Das ist es, was wir ansprechen wollen: falsche Tatsachenbehauptungen."

(…) Singh sagte uns, die Entfernung sei einer "umfassenden sekundären Bewertung durch unsere Redaktion und unabhängige Experten für Psychometrie" gefolgt, die kritische methodische und strukturelle Mängel feststellten, die die wissenschaftliche Validität der Arbeit untergruben. Dem Journal zufolge gehörte dazu das Fehlen empirischer und wissenschaftlicher Unterstützung, methodische Vermischung und eine unbefriedigende Konsultation mit Head.

Singh bestritt, dass externe Forderungen oder Drohungen mit Rechtsstreitigkeiten seitens Interessenverbänden die Entscheidung diktiert hätten.

"Wir sind uns der systemischen Sensibilitäten, externen Debatten und lokalen rechtlichen Reibungen rund um das Thema der elterlichen Entfremdung bewusst", sagte Singh uns. "Wir müssen jedoch ausdrücklich betonen, dass unsere redaktionellen und rechtlichen Entscheidungen ausschließlich von akademischer Integrität, psychometrischen Qualitätsstandards und unserem Engagement für die Veröffentlichung fundierter Forschung geleitet wurden."




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