Donnerstag, April 16, 2026

Titelgeschichte beleuchtet Radikalisierung junger Frauen

1. Die Londoner Wochenzeitung New Statesman, die als Sprachrohr des linken Spektrums gilt, behandelt in seiner aktuellen Titelgeschichte die feministische Radikalisierung junger Frauen. Nun ist Großbritannien nicht identisch mit Deutschland, uns kulturell aber nah genug, dass es hier Überschneidungen geben dürfte. Wenn das so ist, dann zeigt dies, dass der Fall Fernandes/Ulmen nur ein Funke war, der ein ohnehin schwelendes Feuer zum Auflodern brachte. Ein Auszug aus dem Artikel, der damit beginnt, dass er die TikTok-Influencerin Phoebe O’Brien vorstellt (leuchtend grüne Augen, drei silberne Nasenringe, 80.000 Follower).

O’Briens Inhalte – und die einer wachsenden Zahl linker Influencerinnen – spiegeln in gewisser Weise jene männlicher Influencer. Während die toxische, oft stark rechtsgerichtete Politik der sogenannten Manosphere umfassend dokumentiert ist, zeigt sich die neue Generation weiblicher Influencerinnen ähnlich radikal – nur am anderen Ende des politischen Spektrums. Im Internet haben sich Frauen und Männer noch nie so stark voneinander entfremdet.

Diese Spaltung zeigt sich auch im Alltag. Exklusive Umfragedaten von Merlin Strategy für den New Statesman zeigen, dass junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren in Großbritannien die mit Abstand progressivste Bevölkerungsgruppe sind. Sie stehen dem Kapitalismus deutlich skeptischer gegenüber als junge Männer und glauben wesentlich seltener, dass die Wirtschaft zu ihren Gunsten funktioniert. Zugleich blicken sie deutlich pessimistischer in die Zukunft – sowohl in ihre eigene als auch in die der Gesellschaft. Auch ihre Einstellung zu jungen Männern ist negativer als umgekehrt.

Diese sogenannte "Femosphäre" umfasst unterschiedliche Tonlagen, doch ein Großteil der Inhalte verstärkt die Distanz zu Männern: von misandrischen Dating-Coaches, die Frauen raten, Männer grundsätzlich abzulehnen, bis zu explizit progressiven Content-Creatorinnen, die sich mit globaler und nationaler Politik beschäftigen. Viele der Accounts, mit denen O’Brien interagierte, äußerten sich scharf über Männer. Megan Cooper, eine britische "trauma-informierte ganzheitliche Therapeutin", betreibt den Podcast Higher Love, in dem sie über Gewalt gegen Frauen, "Hypermaskulinität" und ein "Ökosystem künstlich erzeugter männlicher Opferrolle" spricht. Auf Instagram kommentierte sie Konflikte im Iran, in Palästina, Beirut und Sudan. "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit Monaten schmerzen mir die Knochen", schrieb sie im März. "Die Körperlichkeit der weiblichen Wunde." O’Brien teilte auch Beiträge von Frank Riot, einer Künstlerin mit langem, blond gebleichtem Haar. Auf deren Instagram-Seite finden sich Selfies mit "ACAB"-Bandanas und Suffragetten-Abzeichen neben Infografiken über Israels Kriegsverbrechen. "Triff mich bei den Ruinen der Kriegsmaschine", heißt es in einem Beitrag. "Küss mich im Morgengrauen ihres Untergangs."

O’Brien bezeichnet sich selbst eher als Revolutionärin denn als Aktivistin. "Revolutionärin bedeutet für mich: Ich will systemische Veränderung. Ich will nicht innerhalb dieser Systeme existieren, sondern ein Instrument der Revolution sein." Es mache sie körperlich unruhig, Ungerechtigkeit zu sehen und untätig zu bleiben. Vielleicht seien Frauen deshalb häufiger progressiv als Männer, mutmaßte sie – weil sie stärker mit ihren Emotionen und körperlichen Empfindungen verbunden seien. Diese Sicht wirkt essenzialistisch, doch O’Brien sagt, gerade diese Unruhe treibe sie an: "Der einzige Weg, dieses negative Gefühl loszuwerden, ist zu handeln."

(…) Auffällig ist jedoch, dass laut Umfrage gerade privilegiertere Frauen besonders pessimistisch sind. Frauen in Mittelschichtsberufen fühlen sich seltener von der Gesellschaft wertgeschätzt und glauben weniger daran, durch harte Arbeit erfolgreich zu sein als Frauen aus der Arbeiterklasse. Obwohl junge Männer häufiger arbeitslos sind, blicken junge Frauen deutlich skeptischer auf ihre finanzielle Zukunft. Auch sind weiße Frauen eher der Ansicht, dass das Land rassistisch sei, als nicht-weiße Frauen.

Dieser Mangel an Zuversicht überraschte mich. 2015 gründete meine Schule ihre erste feministische AG; wir lasen Caitlin Moran und Naomi Wolf, diskutierten auf Facebook mit Jungen über Begriffe wie intersektionalen Feminismus und strukturellen Rassismus. Themen waren Vergewaltigungskultur, Black Lives Matter, kulturelle Aneignung oder der männliche Blick. Doch seither ist die Desillusionierung gewachsen. Nach der Isolation während der Covid-Pandemie und angesichts der Reaktionen westlicher Regierungen auf den Gaza-Krieg hat sich ein ausgeprägter Pessimismus entwickelt.

(...) Bei einer Performance-Nacht in der Feminist Library in Peckham, die Spenden für Transgender-Projekte sammelte, bestand das Publikum überwiegend aus jungen Frauen. Die Beiträge reichten von Tanz über Improvisation bis zu politisch aufgeladenen Monologen. Eine Besucherin namens Anna erzählte mir von chronischen Schmerzen infolge von Endometriose und davon, wie sehr diese Erfahrung ihr politisches Denken geprägt habe. Sie empfinde Schmerz als grundlegenden Bestandteil weiblicher Existenz. Ihre politischen Ansichten seien radikaler geworden, nachdem sie sich durch bürokratische Verfahren entwürdigt gefühlt habe.

Auch andere Frauen schilderten ähnliche Entwicklungen. Viele verbinden ihre politische Haltung mit persönlichen Erfahrungen von Unsicherheit, Krankheit oder Ungleichbehandlung. Häufig richtet sich ihre Kritik nicht nur gegen einzelne Missstände, sondern gegen umfassendere gesellschaftliche Strukturen.

(…) Auffällig war auch die wachsende Distanz zwischen jungen Frauen und Männern. Viele Frauen lehnten es ab, Männer mit anderen politischen Ansichten zu daten. Einige wollten nicht einmal mit ihnen befreundet sein. Gleichzeitig äußerten sie die Sorge, Männer würden online zunehmend frauenfeindliche Inhalte konsumieren, während sie selbst mit männerkritischen Botschaften konfrontiert seien. Diese wechselseitige Verstärkung verschärft die Kluft.

Die Folgen könnten weitreichend sein. Beziehungen werden schwieriger, Einsamkeit und Frustration nehmen zu. Besonders junge Frauen unter 25 äußern die Überzeugung, dass die Umstände gegen sie arbeiten, unabhängig davon, wie sehr sie sich bemühen.

Alle Frauen, mit denen ich sprach, engagierten sich aus einem tiefen moralischen Antrieb heraus für eine Veränderung der Welt – einer Welt, von der sie glaubten, dass sie sich nicht für sie interessiere. Glück versprach dieses Engagement nicht unbedingt. Doch genau das schien für viele Teil der Haltung zu sein. "Wenn man sich wirklich um andere Menschen kümmert", sagte eine Studentin aus Leeds, "kommt man um einen gewissen Pessimismus nicht herum."




Ein Kommentar, den ich zu diesem Artikel auf Twitter gelesen habe, trifft den Sachverhalt gut: "Frauen waren noch nie so frei, so wohlhabend oder so unabhängig wie heute, sie waren noch nie so sicher, sie haben noch nie so viel Unterstützung und Anerkennung erfahren, sie hatten noch nie so viel Macht und so viele Möglichkeiten – und sie sind stocksauer deswegen."



2. Der Spectator eine konservative britische Wochenzeitschrift für Politik sieht die Dinge natürlich ganz anders als die jungen Damen. Dort pflichtet man dem Schauspieler Chris Eccleston bei, dessen Unmut über die wachsende Männerfeindlichkeit des Fernsehens ich hier gestern zitiert habe.

Um die wenig elegante Terminologie des linksliberalen Diskurses aufzugreifen, ließe sich heute durchaus argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern inzwischen "systemischen" Charakter angenommen haben.

(…) Es liegt nahe, diese beiden Beobachtungen miteinander zu verknüpfen: dass weiße Männer in der Fiktion häufig negativ gezeichnet und im realen Leben gesellschaftlich stigmatisiert werden. Man könnte sogar einen Zusammenhang zwischen beidem vermuten – eine Art sich selbst verstärkender Kreislauf.

Aktuelle Fernsehproduktionen, etwa "Adolescence", sowie Dokumentationen wie jene von Louis Theroux über die sogenannte Manosphere haben dazu beigetragen, die Vorstellung zu festigen, dass nicht bloß einzelne Ausprägungen problematisch sind, sondern Männlichkeit an sich. "Toxische Männlichkeit" wird dabei weniger als Abweichung verstanden, sondern eher als logische Konsequenz männlichen Verhaltens. Eigenschaften wie Stärke, Standhaftigkeit, Selbstständigkeit, Stoizismus und Zurückhaltung gelten nicht länger als positive Tugenden, sondern geraten unter Verdacht, mit Unterdrückung, Aggression und Wut verbunden zu sein. Sie stehen im Kontrast zu einem gesellschaftlichen Ideal, das traditionell eher mit Empathie, Konsens, Zusammenarbeit und emotionaler Offenheit assoziiert wird. In dieser Perspektive wird männliches Verhalten pauschal als problematisch bewertet.

Auch Weißsein wird zunehmend kritisch betrachtet. Der Begriff "Whiteness", geprägt im Umfeld der Critical Race Theory, beschreibt die These, dass rassistische Denkmuster strukturell in westlichen Gesellschaften verankert seien. Eine Sichtweise, die ursprünglich vor allem in akademischen Kontexten verbreitet war, hat inzwischen breitere öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. (…) Überträgt man die zuvor erwähnte Terminologie, ließe sich argumentieren, dass Vorurteile gegenüber Weißen und Männern heute eine strukturelle Dimension erreicht haben. Wer sowohl weiß als auch männlich ist, befindet sich gewissermaßen an der Schnittstelle einer neuen, gesellschaftlich wenig angesehenen Form von "Intersektionalität": Kritik richtet sich sowohl gegen Hautfarbe als auch gegen Geschlecht, häufig mit dem Vorwurf, diese Merkmale gingen zwangsläufig mit Privilegien oder problematischen Einstellungen einher.

(…) Eccleston hat damit – wohl unbeabsichtigt – einen zentralen Punkt getroffen: Wenn Männlichkeit als Krise wahrgenommen wird, könnte dies auch damit zusammenhängen, dass Kultur und Medien kontinuierlich das Bild vermitteln, weiße Männer seien problematisch oder abweichend. Diese Darstellung verstärkt bestehende Narrative, die auch in Bildung und Erziehung weitergegeben werden. So setzt sich ein Kreislauf fort, in dem negative Zuschreibungen immer wieder reproduziert werden.

Ein solcher Kreislauf, so die Schlussfolgerung, müsste durchbrochen werden.


Die einzige Diskriminierung zu Lasten von Weißen, die der Spectator aufbieten kann, ist ein Punk-Festival zum Thema "Dekolonisierung". Das ist sehr dürftig. Die Benachteligungen, die Männer erfahren, füllen hingegen ganze Bücher.



3. Die britische Tageszeitung Telegraph schließlich, ebenfalls im konservativen Spektrum angesiedelt, berichtet, wie Dating für Männer zum Extremsport geworden ist:

Tristan Cressingham hatte nicht erwartet, dass seine siebenmonatige Beziehung auf so spektakuläre Weise enden würde.

Anfang November 2025 erhielt der 23-jährige Fotograf eine Nachricht von seiner damaligen Freundin, in der sie – so berichtet er – ausführlich darlegte, warum sie wieder Single sein wolle und welche Eigenschaften an ihm bei ihr das ausgelöst hätten, was sie als "Ick" bezeichnete.

Seinen Angaben zufolge handelte es sich um eine breit angelegte Kritik, die von der Länge seiner Shorts (offenbar zu kurz) bis zu seiner Neigung reichte, Nachrichten besonders schnell zu beantworten. "Im Grunde meinte sie, ich sei ein bisschen ‚cringe‘", sagt Tristan.

Zur gleichen Zeit ging ein Artikel von Chanté Joseph für die Vogue viral, überschrieben mit "Is Having A Boyfriend Embarrassing Now?". Der im Oktober 2025 veröffentlichte Text kritisierte nicht das Aussehen von Männern, sondern stellte das Konzept heterosexueller Beziehungen insgesamt infrage.

"Zu hören, dass jemand sich im Grunde für dich schämt, ist verletzend – besonders, wenn man dachte, diese Person akzeptiere einen", sagt Tristan. "Und trotzdem wird dieser Begriff inzwischen ziemlich beiläufig benutzt. Es wirkt, als stecke dahinter die Annahme, Männer seien Frauen unterlegen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Mann mit einem Text Erfolg hätte, in dem behauptet wird, Freundinnen seien peinlich."

Dennoch wurde Josephs Artikel millionenfach gelesen; in sozialen Medien äußerten Frauen sowohl Zustimmung als auch Empörung. Er löste eine weltweite Debatte über den Zustand moderner Beziehungen aus und lenkte die Aufmerksamkeit auf das sogenannte "Heteropessimismus" – ein Begriff des Autors Asa Seresin, der die oft öffentlich geäußerte "Reue, Scham oder Hoffnungslosigkeit" heterosexueller Menschen – insbesondere von Frauen – in Bezug auf Dating und Beziehungen beschreibt.

"Ich glaube, viele von uns zahlen heute den Preis für problematisches männliches Verhalten vergangener Generationen", sagt der 29-jährige Grafikdesigner Josh aus Lancashire. Gemeint seien etwa stereotype Rollenbilder, mangelnde Eigenständigkeit oder die Erwartung, von der Partnerin versorgt zu werden, obwohl diese ebenfalls arbeitet. "Viele junge Männer erwarten das heute vermutlich nicht mehr, aber es gibt eine Menge Inhalte, in denen Frauen von ihren hoffnungslosen Partnern erzählen. Ich verstehe, warum man so jemanden nicht daten möchte. Nicht alle Männer sind so – aber das lässt sich schwer zeigen, wenn man gar nicht erst die Chance bekommt, Frauen kennenzulernen."

Christian, ein 40-jähriger Physiotherapeut aus Surrey, der sich kürzlich scheiden ließ, stimmt zu. "Dating im Jahr 2026 fühlt sich an wie ein Drahtseilakt – ganz anders als vor 20 Jahren, als ich zuletzt Single war. Ich hinterfrage mein Verhalten ständig. Ich will respektvoll wirken, aber nicht langweilig; unterhaltsam sein, aber nicht einfältig; interessiert, aber nicht verzweifelt. Ich möchte eine feste Beziehung, ohne einengend zu wirken. Und ich muss zugleich zeigen, dass ich mit der Manosphere nichts zu tun habe."

(…) Noch nie, so der Eindruck vieler Gesprächspartner, sei es schwieriger gewesen, Single zu sein. Daten des Pew Research Center aus dem Jahr 2020 zeigen, dass die Mehrheit der Singles – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Wohnort – mit ihrem Liebesleben unzufrieden war. Männer nannten häufig Schwierigkeiten, überhaupt jemanden anzusprechen; Frauen berichteten eher, es sei schwer, jemanden zu finden, der den eigenen Erwartungen entsprach.

Neuere Untersuchungen der Manchester Metropolitan University zeigen zudem, dass das Singleleben für Frauen zunehmend positiv und selbstbestimmt dargestellt wird, während alleinstehende Männer sich von negativen Rollenbildern geprägt fühlen – entweder als sorglose Lebemänner oder als sozial isolierte "Incels".

Simon, 51, Datenanalyst aus den West Midlands, berichtet, er habe auf Dating-Apps wie Tinder nur selten Erfolg. "Wenn überhaupt eine Antwort kommt, verläuft das Gespräch ins Leere", sagt er. "Ich habe aufgehört, mich ständig zu fragen, was ich falsch mache. Es wirkt, als würden Männer in meinem Alter pauschal negativ gesehen – als wären wir alle sozial isolierte Kellerbewohner." Früher habe er lange Beziehungen gehabt, doch im digitalen Dating habe sich sein Glück "verflüchtigt". "Ich würde gern jemanden kennenlernen, habe aber keine Ahnung mehr, wie."

Der Psychologe Lee Chambers, Leiter der Organisation Male Allies UK, erklärt, insbesondere die Verlagerung ins Online-Dating habe die Partnersuche stärker zu einem transaktionalen Prozess gemacht. Viele junge Männer hätten das Gefühl, der Aufwand lohne sich nicht mehr.

Ein weiteres Problem sieht er in oft weniger tiefgehenden Freundschaften unter Männern, was Isolation begünstige und sich negativ auf romantische Beziehungen auswirken könne. Zunehmend beobachte er auch ein wachsendes Interesse an KI-Partnern.

(…) Die Dating-Coachin Hayley Quinn betont, dass Schwierigkeiten beim Kennenlernen nichts Neues seien, aber durch Internet und soziale Medien verstärkt würden. Gleichzeitig fördere die Manosphere ein Opferdenken bei Männern, das die Kluft weiter vertiefe.

Zugleich fühlten sich viele Männer sozial eingeschränkt. Eine Studie der University of Toronto aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sie Schwierigkeiten haben, die Erwartungen moderner Männlichkeit in Beziehungen zu erfüllen. Quinn berichtet von verbreiteter "Ansprechangst": Männer fürchten, als aufdringlich zu gelten oder negative Konsequenzen im sozialen Umfeld zu riskieren. Dadurch bleibe oft nur das Online-Dating – mit all seinen Schwierigkeiten.

George, 31, Koch aus Dorset, beschreibt Dating als politisch aufgeladen und verunsichernd. "Ich habe das Gefühl, ich muss mich schon im Vorfeld rechtfertigen – als würde ich für das Verhalten anderer Männer mitverantwortlich gemacht", sagt er. Unterschiedliche Ratschläge aus sozialen Medien verstärkten die Unsicherheit zusätzlich.

Selbst alltägliche Situationen seien kompliziert geworden: Eine Frau habe sich bei einem Date daran gestört, dass er die Getränke bezahlt habe. Auch Höflichkeit könne missverstanden werden. "Frühere Generationen fanden Dating aufregend – für mich fühlt es sich eher unerquicklich an", sagt er.

(…) Ein 18-jähriger Student berichtet, dass er und seine Freunde von ihren Eltern dazu angehalten wurden, bei Partys schriftliche Zustimmung per Nachricht einzuholen – aus Sorge vor möglichen Vorwürfen. "Ich verstehe den Gedanken dahinter", sagt er, "aber es nimmt auch etwas von der Spontaneität."


Also kurz: Frauen schrauben ihre Ansprüche immer höher, während Männer sich bemühen, durch jeden Reifen zu springen, den man ihnen hinhält. Oder aber, sie verweigern sich dem ungleichen Datingmarkt ganz. Dann gelten sie aber als frauenfeindlich und gefährlich.



4. Bis zum 7. Juni muss Deutschland die neue Entgelttransparenzrichtlinie der EU umsetzen. Ein zentrales Element dabei ist, dass Beschäftigte ein stärkeres Auskunftsrecht darüber erhalten, wie ihr eigenes Gehalt im Vergleich zu ähnlichen Stellen aussieht. Sinn der Sache: eine angebliche Gehaltsdiskriminierung von Frauen zu bekämpfen. "Die Zeit" hat den Arbeitsrechtler Adam Sagen dazu interviewt. Ein Auszug:

ZEIT: Sprechen wir mal über die Männer. Auch in Unternehmen mit Gender-Pay-Gap gibt es Männer, die schlechter bezahlt werden als andere Männer, obwohl sie das Gleiche leisten. Für die ist diese Richtlinie nicht gedacht. Kann es trotzdem sein, dass auch sie profitieren?

Sagan: Wenn der Mann feststellt, dass er innerhalb seiner männlichen Vergleichsgruppe zu den unteren zehn Prozent gehört, nützt ihm die Richtlinie gar nichts. Das macht nur schlechte Stimmung. Mit der Richtlinie kommt er nur weiter, wenn er eine Frau findet, die gleichwertige Arbeit macht und dafür besser bezahlt wird. Das kann sich aus einer Auskunft des Unternehmens ergeben, über die wir schon sprachen. Der Auskunftsanspruch gilt natürlich auch für Männer.

ZEIT: Diskriminierung zwischen den Geschlechtern ist also verboten, innerhalb der Geschlechtergruppe aber nicht? Ist das rechtlich nicht fragwürdig?

Sagan: Das europäische Arbeitsrecht gebietet nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Es wendet sich gegen Diskriminierungen wegen des Geschlechts, im Übrigen auch wegen der "Rasse", der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung und der sexuellen Orientierung.




5. In der Stuttgarter Zeitung berichtet Stefanie Unbehauen, wie nach einem eskalierenden Sorgerrechtsstreit der Kontakt zwischen Vater und Tochter abbrach und wie die beiden sich wiederfanden.



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Mittwoch, April 15, 2026

Berliner Zeitung: "Medialer Männerhass: Wie Frauen und Männer gegeneinander ausgespielt werden"

1. In der Berliner Zeitung beschäftigt sich Annekatrin Mücke damit, wie Aktivistinnen den Fall Fernandes/Ulmen dazu nutzen, Hass gegen Männer zu schüren:

Denn, so ihre Schlussfolgerung, Männer seien das Problem, und Frauen ihnen ausgeliefert. Diese müssten deshalb nun zum Gegenschlag ausholen. Das klang dann auf einer Demo in Berlin bei Luisa "Klimaschutz" Neubauer so: "Ich glaube, sehr viele Männer da draußen haben noch längst nicht begriffen, was für ein unglaubliches Glück sie haben, dass wir einfach nur Gleichberechtigung wollen – und keine Vergeltung." Entschuldigung, aber wer ist "wir", und wie war das noch einmal mit Hass und Hetze?

Dieser vorläufige Höhepunkt männerfeindlicher Entgleisungen wird medial ausführlich begleitet und verstärkt, auch auf vorgeblich intellektuellem Wege. 2020 erschien in Frankreich ein Essay, der die zunehmend männerdiskriminierende Debatte in Westeuropa prägte: Pauline Harmanges "Ich hasse Männer". Das Buch, das beim Rowohlt Verlag erschien, versteht sich als Aufforderung zum Umdenken: Frauen sollten Männern prinzipiell misstrauen und ihnen grundsätzlich immer das Schlimmste unterstellen – ein angeblich emanzipatorischer Ansatz, um gegen geschlechtsspezifische Ungleichheiten anzugehen.

Harmange argumentiert, dass Misogynie (Frauenhass) und Misandrie (Männerhass) nicht mit gleichen Ellen gemessen werden könnten, weil frauenhassende Männer aus einer Position der Macht agierten – und ihr Hass sich grundsätzlich durch körperliche Gewalt äußere, während der von Frauen ausgehende Männerhass niemandem schade und den Frauen sogar guttue.

Nun, wer’s glaubt, sollte einen Blick in die Dunkelfeldstudie des BKA vom Februar 2026 werfen, die erste ihrer Art hierzulande, die Männer als Gewaltopfer überhaupt systematisch einbezieht. Die Ergebnisse dürften für manche unbequem sein. Häusliche Gewalt ist kein Problem, das sich sauber entlang von Geschlechtergrenzen aufteilen lässt. Dass das Gewalthilfegesetz Anfang 2025 trotzdem in einer neuen, geschlechtsdiskriminierenden Fassung verabschiedet wurde – kurz vor der Neuwahl, weitgehend unbemerkt –, sagt viel über die politische Ökonomie des Themas aus.

Demnach haben neuerdings nämlich nur Frauen und Kinder einen Anspruch auf Rechtshilfe. Wer Schutz für alle fordert, gilt als Verharmloser. Wer Männer als Opfer benennt, gilt als Antifeminist. Das Ergebnis: Ein Gesetz, das vor dem Grundgesetz kaum Bestand haben dürfte, denn es verstößt klar gegen Artikel 3, der die Gleichheit der Geschlechter garantiert.

Der Schritt von "Ich kritisiere patriarchale Strukturen" hin zu "Alle Männer sind das Problem" löst kein einziges Problem, denn Hass, der sich als Gegenhass rechtfertigt, bleibt Hass. Und er produziert keine Lösungen, sondern wirkliche Opfer – und zwar auf allen Seiten.


Im weiteren Verlauf ihres Artikels fragt Annekatrin Mücke, warum Ideologinnen Väter, die sich gerne um ihre Kinder kümmern möchten, zu Feindbildern erklären:

Die Verdächtigung des Vereins Väteraufbruch für Kinder, rechte, frauenfeindliche Ideologien zu vertreten, ist nur ein Beispiel dafür. Dabei wenden sich auch Mütter dorthin und werden genauso beraten wie Väter, denen der Zugang zu ihren Kindern vom anderen Elternteil erschwert wird.

Die Materie ist kompliziert, natürlich gibt es Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung. Und es ist für Jugendämter und Familiengerichte nicht einfach, einen objektiven Einblick in hochemotionale familiäre Verstrickungen zu bekommen. Doch woher kommt diese explizit väterfeindliche Haltung, vermischt mit der Unterstellung, Teil rechtsextremer und frauenverachtender Netzwerke zu sein?

2023 veröffentlichte das Recherchezentrum Correctiv einen Artikel über "Väterrechtler", der in diese Richtung ging. Report Mainz zog nach. 2025 folgte ein Podcast von SWR und Deutschlandfunk, der eine direkte Linie von Väterrechtsbewegungen bis hin zu Pädophilen zog – und dabei einen Verein wie den Väteraufbruch für Kinder pauschal in diese Nähe rückte.

Journalistisch ist das ein bemerkenswerter Vorgang. Kontaktschuld als Methode: Weil es rechte Netzwerke gibt, die das Thema Väterrechte instrumentalisieren, sollen alle, die sich für das Kontaktrecht von Kindern zu ihren Vätern einsetzen, unter Generalverdacht stehen. Das wäre so, als würde man Kinderschutzorganisationen pauschal verdächtigen, weil Pädophile ebenfalls ein Interesse an Kindern haben.

(…) Statt sachlich über die wirklich vielfältigen Aspekte zu diskutieren, werden ideologische Keulen geschwungen, Verdächtigungen auf der Basis von Kontaktschuld ausgesprochen und fragwürdige Assoziationsketten aufgefädelt.

Genau diese Methode beschreibt auch der MANNdat e.V. in einem Leserbrief an die FAZ vom Januar 2026. Der Autor erkennt in der Berichterstattung ein systematisches, misandrisches Herangehen und kritisiert eine "konsequente Ausblendung männlicher Realitäten zugunsten eines ideologischen Feminismus". Bezeichnend ist für ihn ein Ukraine-Artikel: Während dort täglich Hunderte Männer auf dem Schlachtfeld sterben oder verstümmelt werden, interessiert sich die Redaktion für das Thema "Posttraumatisches Belastungssyndrom" (PTBS) nur in Bezug auf Frauen. Männer als Leidende kommen schlicht nicht vor.


Annekatrin Mücke gelangt zu dem Fazit, dass ausgerechnet viele Feministinnen hier eine Linie fahren, gegen die sie eigentlich einmal antreten wollten: die sexistische und diskriminierende Gleichsetzung eines Einzelnen mit einer Gruppe, die er angeblich repräsentiert. Zu einer besseren Gesellschaft führe das nicht.



2. Brandbeschleuniger bei der aktuellen Brunst an Männerhass spielte auch eine Titelgeschichte des SPIEGEL über Vorwürfe gegen Christian Ulmen. In einem Artikel von vor zwei Wochen, der jetzt erst auch für Nicht-Abonnenten zugänglich ist, zerpflückt das Online-Magazin "Übermedien" die irreführende Berichterstattung des Magazins:

Collien Fernandes präzisiert, es gehe bei den Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen nicht um KI-generierte "Deepfakes". Dabei wirkte bisher alles so. Was vor allem daran liegt, wie der "Spiegel" Fernandes‘ persönliche Geschichte erzählt hat. Ungenaues Framing aber schadet der notwendigen Diskussion über digitale Gewalt und tatsächliche Deepfakes.


Hier geht es weiter.



3. Natürlich ist der von Leitmedien geschürte Hass gegen Männer ein internationales Problem. Der Schauspieler Christopher Eccleston ("Dr. Who") kritisiert, dass woke TV-Bosse weiße Männer mittleren Alters zu "toxischen Schurken" machen:

"Mit dem Niedergang einer ausgeprägten Autorenkultur hin zu einem Schreiben, das mitunter an Arbeit im Komitee erinnert, habe ich Geschichten darüber gehört, welcheidiotischen – und bisweilen geradezu gehässigen – Annahmen heute über die Intelligenz des Publikums kursieren. Viele in der Fernsehbranche halten ihr Publikum für dumm."

Zugleich sagte Eccleston: "Männlichkeit steckt in einer Krise, und es sind offenbar besonders weiße Jungen aus der Arbeiterklasse, die vernachlässigt werden – von Regierungen im Stich gelassen und von der extremen Rechten vereinnahmt. Als jemand, der selbst aus der weißen Arbeiterklasse stammt, versuche ich, wenn möglich, einige dieser Aspekte aufzugreifen. Männlichkeit sollte nicht davon abhängen, dass jemand andere Menschen unterdrückt."




4. Das Wall Street Journal beschäftigt sich mit einer Reihe von TV-Serien, die Männer als von der Welt überfordert darstellen: "Die neuen Regeln für männliches Verhalten treiben diese Fernsehmänner offenbar in den Wahnsinn. Vielen Männern im wirklichen Leben scheint es nicht viel besser zu gehen."



5. Einer aktuellen Schlagzeile der "Zeit" gelingt es, noch weiter zuzuspitzen: "Die Männer sind das Problem der Demokratie".



6. Die Kyiv Post berichtet über das Spitzentreffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj:

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Berlin werde die Zahl der ukrainischen Männer, die Asyl beantragen, begrenzen und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag, dem 14. April, sagte Merz, Berlin werde in dieser Frage eng mit Kiew zusammenarbeiten.

"Wir werden [mit der Ukraine] eng in Fragen zusammenarbeiten, die ukrainische Staatsbürger betreffen, die in unserem Land Asyl beantragt haben, und ihre Rückkehr in die Heimat erleichtern", sagte er.

Merz fügte hinzu, dass Berlin und Kiew bei der Begrenzung der Zahl ukrainischer Männer, die in Deutschland Asyl suchen, zusammenarbeiten würden.

"Es ist äußerst wichtig, dass diese Männer vor Ort sind und ihrem Land helfen", fügte er hinzu.

Selenskyj sagte, die ukrainischen und deutschen Behörden sollten sich mit dem Problem der Männer befassen, die die Ukraine illegal verlassen.

"Was junge Menschen im Ausland angeht, so ist das etwas anderes. Ich stimme Ihnen zu, was diejenigen im wehrpflichtigen Alter betrifft, die vorübergehend ins Ausland gegangen sind, aber schließlich jahrelang geblieben sind, sowie diejenigen, die unter Verstoß gegen das Gesetz ausgereist sind – unsere zuständigen Behörden in beiden Ländern sollten sich mit diesem Thema befassen", sagte Selenskyj.

Er fügte hinzu, dass die Streitkräfte der Ukraine (AFU) die Rückkehr dieser Männer begrüßen würden, da Soldaten eine Rotation benötigen.

"Unsere AFU möchte, dass sie zurückkehren, weil es um Gerechtigkeit geht. Unsere Leute an der Front brauchen Ablösung. Auch wenn unsere Soldaten aus Eisen sind, haben sie Familien. Jeder Bürger muss Verantwortung übernehmen", sagte er.




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Dienstag, April 14, 2026

Hübsche Studentinnen erhielten bessere Noten, bis die Kurse online gingen

1. Ein aktueller Beitrag weist auf eine Untersuchung hin, der zufolge attraktive Studentinnen in Präsenzveranstaltungen bessere Noten erhalten. Dieser Vorteil verschwindet jedoch im Online-Unterricht.

(Die Website, die darüber berichtet, ist momentan nicht direkt aufrufbar, aber mit etwas Getrickse kommt man an ihren Text. Ich hatte den Blogbeitrag dazu wegen sich überschlagender Meldungen über den explodierenden Männerhass in den letzten Wochen immer wieder verschoben; jetzt zitiere ich ihn trotz der gerade fehlenden Verlinkbarkeit: Die Studie, auf die sich der Beitrag bezieht, ist problemlos zugänglich.)

Eine im Fachmagazin "Economics Letters" veröffentlichte Studie hat bestätigt, was viele Studierende über Jahre hinweg wohl insgeheim vermutet haben: Die körperliche Attraktivität beeinflusst die Noten, die Studierende an Universitäten erhalten.

Doch hier wird es besonders interessant.

Als der Unterricht während der COVID-19-Pandemie ins Digitale verlagert wurde, sanken die Noten attraktiver Studentinnen in nicht-quantitativen Fächern. Bei männlichen Studierenden hingegen blieb der sogenannte "Schönheitsbonus" auch nach dem Wechsel zum Online-Unterricht bestehen.

Diese einzelne Beobachtung wiegt schwer.

Sie legt nahe, dass der Notenvorteil attraktiver Studentinnen nicht verdient, sondern gewährt war – und in dem Moment verschwand, als ein Bildschirm den direkten Kontakt im Hörsaal ersetzte.

Die Studie wurde von Adrian Mehic, einem Doktoranden an der Universität Lund in Schweden, durchgeführt und im August 2022 veröffentlicht.

Die Pandemie schuf – bei all ihren verheerenden Folgen – unbeabsichtigt die Voraussetzungen für ein aufschlussreiches natürliches Experiment. Es brachte eine stille und unbequeme Wahrheit ans Licht: Attraktivität beeinflusst Ergebnisse auch dort, wo wir dies selten hinterfragen – im Klassenzimmer.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Mehic nutzte die durch COVID-19 verursachten Umbrüche im Hochschulbetrieb gezielt als natürliches Experiment.

Er griff auf Daten aus fünf Kohorten von Ingenieurstudierenden an einer schwedischen Universität zurück, mit einer Stichprobe von insgesamt 307 Personen. Zwei dieser Kohorten hatten einen Teil ihres Unterrichts im Online-Format absolviert.

Die Inhalte der Lehrveranstaltungen blieben unverändert. Lediglich die Vermittlungsform änderte sich.

Obwohl die Studierenden ermutigt wurden, ihre Kameras einzuschalten, bestand dazu keine Verpflichtung.

Um die Attraktivität der Studierenden zu messen, ließ Mehic deren Gesichter von einer unabhängigen Gruppe aus 74 Personen bewerten.

Das ist ein entscheidender Punkt.

Da die Kameranutzung freiwillig war, konnten Lehrende ihre Studierenden im Online-Unterricht häufig gar nicht sehen.

Damit war die Verbindung zwischen äußerem Erscheinungsbild und Wahrnehmung durch die Lehrperson für viele vollständig aufgehoben.

Ein etwaiger Attraktivitätsvorteil, der unter diesen Bedingungen bestehen blieb, musste also auf Fähigkeiten, Persönlichkeit oder Arbeitsweise beruhen – nicht auf dem Aussehen.

Zudem unterschied die Studie zwischen zwei Kursarten: quantitativen Fächern wie Mathematik und Physik, deren Bewertung weitgehend auf objektiven Prüfungen beruht, und nicht-quantitativen Fächern wie Wirtschaft oder Betriebswirtschaft, in denen Präsentationen, Hausarbeiten und Interaktion eine größere Rolle spielen.

Diese Unterscheidung erwies sich als zentral für das Verständnis der Ergebnisse.

Zentrale Ergebnisse

Im Präsenzunterricht erhielten attraktive Studierende in nicht-quantitativen Fächern bessere Noten – und zwar sowohl Männer als auch Frauen.

Das deckt sich mit früheren Annahmen der Forschung.

Frühere Studien aus Italien hatten bereits gezeigt, dass attraktivere Studierende häufiger kreditrelevante Kurse belegen und bessere Abschlussnoten erzielen.

Die schwedische Untersuchung ging jedoch einen Schritt weiter und isolierte die Ursachen dieses Effekts.

Bei Männern blieb der Attraktivitätsvorteil auch im Online-Unterricht bestehen. Bei Frauen verschwand er.

Das ist keine statistische Randerscheinung.

Attraktive männliche Studierende schnitten weiterhin besser ab, selbst wenn ihre Lehrenden sie nicht sehen konnten. Ihr Vorteil scheint also mit Eigenschaften wie Selbstvertrauen, sozialer Kompetenz oder Einfluss im sozialen Umfeld zusammenzuhängen.

Attraktive Studentinnen hingegen verloren ihren Notenvorteil in dem Moment, in dem ihre Sichtbarkeit entfiel.

Das deutet darauf hin, dass ihre besseren Noten im Präsenzunterricht zumindest teilweise durch andere Faktoren als Leistung beeinflusst waren.

Was wir über Noten annehmen – und was tatsächlich passiert

Viele gehen davon aus, dass Noten objektiv sind: dass ein guter Aufsatz wegen seiner Qualität gut bewertet wird, dass eine überzeugende Präsentation aufgrund ihres Inhalts überzeugt.

Die Daten zeichnen ein komplexeres Bild.

Die Forschung diskutiert zwei Erklärungen für den Attraktivitätseffekt: Erstens mögliche Bevorzugung attraktiver Personen durch Lehrende oder Arbeitgeber – bewusst oder unbewusst. Zweitens die Annahme, dass Attraktivität mit Eigenschaften einhergeht, die Leistung fördern, etwa Selbstsicherheit oder soziale Gewandtheit.

Mehics Studie wurde genau zu dem Zweck konzipiert, diese beiden Erklärungen auseinanderzuhalten – und liefert für Studentinnen eine klare Tendenz.

Auch andere Untersuchungen zeigen ein ähnliches Muster: Attraktive Dozentinnen erhalten im Präsenzunterricht bessere Bewertungen, während dieser Zusammenhang im Online-Format verschwindet.

Das Muster ist konsistent: Sichtbarkeit verstärkt den Vorteil – ihr Wegfall beseitigt ihn.

(…) Langzeitstudien zeigen zudem, dass dieser Effekt selbst dann bestehen bleibt, wenn Intelligenz, Persönlichkeit und familiärer Hintergrund einbezogen werden.

Über ein gesamtes Berufsleben hinweg summiert sich dieser Unterschied zu erheblichen finanziellen Ungleichheiten.

Die Weichen dafür werden offenbar bereits im Bildungssystem gestellt.

Wenn Noten nicht nur Wissen widerspiegeln, sondern auch äußere Erscheinung, hat das langfristige Folgen – für Studienchancen, Bewerbungen und Gehaltsverhandlungen.

Geschlechterunterschiede beim Attraktivitätseffekt

Besonders aufschlussreich ist, dass der Effekt bei Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert.

Bei Männern scheint er vor allem mit inneren Eigenschaften verbunden zu sein. Attraktivere männliche Studierende zeigen laut Mehic mehr Durchhaltevermögen, stärkeren Einfluss auf Gleichaltrige und ausgeprägtere soziale Kompetenzen – Fähigkeiten, die sich gerade in weniger formalisierten Prüfungsformaten auszahlen.

Bei Frauen hingegen ergibt sich ein anderes Bild: Ihr Vorteil im Präsenzunterricht ließ sich nicht auf messbare Leistungsunterschiede zurückführen. Er war vorhanden, solange sie gesehen wurden – und verschwand, sobald dies nicht mehr der Fall war.

Was das "COVID-Experiment" sichtbar gemacht hat

Die Pandemie veränderte den Alltag in vielerlei Hinsicht.

Sie ermöglichte jedoch auch einen seltenen Vorher-Nachher-Vergleich: Was geschieht, wenn man das äußere Erscheinungsbild aus einer Bewertungssituation entfernt?

Das Ergebnis war eindeutig.

Attraktive Studentinnen, die im Präsenzunterricht bessere Noten erhalten hatten, verloren diesen Vorteil im Online-Format unmittelbar.

Alles andere blieb gleich:

die Inhalte,

die Lehrkräfte,

die Studierenden selbst.

Einzig die Sichtbarkeit änderte sich – und das genügte, um den Unterschied zu beseitigen.




2. Der NDR bespricht eine Aufführung der Oper "Herzog Blaubarts Burg". Diese zeige "das Patriarchat in seiner Erbärmlichkeit":

Dieser Blaubart steht für männliche Gewalt, die sich durch die Geschichte zieht. Das ist bis zur Pause so schlüssig und musikalisch so brillant erzählt, dass man staunt. Es ist Musiktheater, das hautnah im Heute ankommt. Und klarmacht, dass Morde an Frauen, Vergewaltigung, digitale Gewalt immer noch an der Tagesordnung sind. Eine Geschichte, die ihre Blutspur durch die Jahrhunderte zieht bis heute. Das ist erschütternd, aufwühlend, gerade jetzt.




3. In den USA sollen künftig alle wehrpflichtigen Männer automatisch für den Militärdienst registriert werden.



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Montag, April 13, 2026

Sexismus-Debatte: Darf man manche Bücher von Frauen schlecht finden?

1. Der Literaturkritiker Denis Scheck steht nach der aktuellen Ausgabe seiner ARD-Sendung unter Beschuss:

Dieser hatte im Rahmen der Sendung zuletzt Bücher von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy mit deftigen Worten kritisiert und sie dann schließlich in der Rubrik "Top Ten" in eine Mülltonne befördert. Das rief Heidenreich auf den Plan, die die Absetzung der Sendung forderte. Auch von Kürthy meldete sich zu Wort, beide warfen Scheck Frauenfeindlichkeit vor.

Dagegen wehrt sich nun die ARD. "In der Sendung 'Druckfrisch' gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst", teilte der öffentlich-rechtliche Sender der Nachrichtenagentur dpa mit. Gleichzeitig weist die ARD die Darstellung zurück, in der Sendung würden Frauen systematisch schlecht gemacht. Das Geschlecht der Autorinnen und Autoren spiele in der literarischen Beurteilung keine Rolle, heißt es.

Und weiter: "Rückblickend stellt die Redaktion fest, dass der Moderator bei der Liste der behandelten Bücher mehr Autorinnen gelobt als kritisiert hat. Die ARD steht für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven im Programm." Denis Scheck selbst erklärt gegenüber der dpa, dass er sich seit 23 Jahre bemühe, bei der Besprechung der Bestsellerlisten "auf engstem Raum eine ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte" zu liefern. Seine Besprechungen würden "den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern" gelten.

Auch Scheck verweist darauf, dass er in der März-Ausgabe der Sendung vier Büchern von Frauen "teilweise enthusiastisch gelobt" habe - drei seien negativ besprochen worden. Zum Buch von Sophie Passmann sagte Scheck: "Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins". Und das Werk von von Kürthy beschrieb er als "Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit." Während Passmann von einem "sexistischen Verriss" sprach, erklärte Ildikó von Kürthy, sie wolle einen solche "Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen" nicht mehr kommentarlos hinnehmen.


"Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins" ist aber auch wirklich fies gegenüber Sophie Passmann. Die Frau hat mehrere Bestseller veröffentlicht – das wäre wohl kaum der Fall, wenn ihre Veröffentlichungen nicht tiefschürfend, politisch relevant und wegweisend wären. Das ist doch im Leben nicht alles geistloses Geschnatter! Mal schauen, was ist denn Passmanns aktuellster Beitrag auf Youtube?

"Mein Parfum ist zu billig für München und es stresst mich."

Oh.

Okay.

Erbost über die fehlende Zerknirschtheit und Unterwürfigkeit Denis Schecks fordert Elke Heidenreich jetzt seinen Rauswurf:

"Die Reaktion der ARD greift zu kurz", sagte Heidenreich dem Boulevardportal "Express.de". "Leider" habe auch ihr Text in der "Zeit" aus Platzgründen sehr gekürzt werden müssen: "Es ging mir nicht nur um die Scheck’sche Frauenverachtung, die ist bekannt. Es geht um die ganze Verächtlichmachung von Literatur, die diesem Mann, der noch nie ein kluges Buch, noch nicht einen einzigen Essay, nichts, was ihn qualifizieren würde, geschrieben hat, nicht gefällt. Bestseller sind meistverkaufte Bücher. Es sind Menschen, die diese Bücher kaufen, brauchen, lesen, lieben. Das alles donnert ein Mann, der nicht mal Hochdeutsch sprechen kann, verächtlich in die Tonne, ob von Männern oder Frauen geschrieben. Seine Kriterien sind fragwürdig, er ist aufgebläht, eitel und durch nichts qualifiziert."

"Damit", so zitiert Express.de Heidenreich, "muss Schluss sein. Wir brauchen Bücher und Leser, nicht solche kleinen Miesmacher. Wie schon mal durchgesagt: ‚Der kleine Denis möchte endlich aus dem Kritikerparadies abgeholt werden.‘"


~ Ich wundere mich wirklich, warum man solche sachlichen Analysen, die nie persönlich werden, nicht ganz für voll nimmt. ~

Die Auffassung, ein Literaturkritiker, der selbst noch kein Buch veröffentlicht habe, sei nicht ernst zu nehmen, ist als Schutzmechanismus bei vergrätzten AutorInnen nicht selten. Tatsächlich aber muss man keine Eier legen können, um ein faules zu erkennen. Denis Scheck macht eine kulturelle Sendung, er macht sie gut, und die Art der Attacken, die er für seine Kritik erhält, gibt ihm Recht.



2. "Mein Mitgefühl für Hetero-Männer hält sich in Grenzen" erklärt der schwule Autor Ole Liebl. Ach guck, aber als Verbündete im Kampf gegen Homophobie wurden wir noch gebraucht. "Die Welt" fragt nach:

WELT: Halten Sie diese leicht arrogante "grow up"-Haltung wirklich für erfolgsversprechend, um junge Männer von der Radikalisierung abzuhalten?

Liebl: Man muss ein wenig aufpassen, nicht in diese maskulinistische Haltung zu verfallen, bei der man Männer zwingt, endlich ihre Gefühle zu fühlen. Das wäre auch kein emanzipatorischer Gewinn. Aber Gleichberechtigung heißt, als Mann Privilegien zu verlieren. Das tut weh. Feministische Kritik ist eine Zumutung.

(..) WELT: Die Autorin Eva Ladipo hat kürzlich das Buch "Not am Mann" veröffentlicht, in dem sie den Mann als sozial gedemütigt beschreibt, der unbedingt eine wohlwollende Hand gereicht bekommen müsste. Der Mann sei im Begriff, materiell und kulturell immer weiter abzusteigen. Haben Progressive zu wenig über die materiellen Nöte von Männern gesprochen, die vor allem bei Bildung den Anschluss zu verlieren scheinen?

Liebl: Ja. Lange Zeit wurde sich zu sehr auf identitätspolitische Aspekte konzentriert. Diese Kulturkämpfe bringen niemanden voran. Ich habe jedoch das Gefühl, dass es in den vergangenen Jahren wieder eine stärkere Rückbesinnung auf Verteilungsfragen gibt.

WELT: Dennoch würde ich behaupten, der durchschnittliche Hetero-Mann wird im öffentlichen Kulturbetrieb kaum repräsentiert. Verlage scheinen Männer als Zielgruppe komplett abgeschrieben zu haben. Auch Sie geben unumwunden zu, Ihr Buch für Frauen geschrieben zu haben.

Liebl: Feministische Literatur ist eben keine Männerdomäne. Aber sorry, wir leben eben im Kapitalismus und deshalb richten sich Verlage nach den Konsumenten. Und Frauen lesen und kaufen eben mehr Bücher – wie man gerade am Young Adult-Genre sieht. Da würde ich mich als Verlag auch an Frauen richten. Wenn Männer wollen, dass mehr Männerthemen verlegt werden, dann müssen sie auch Bücher kaufen.


Letzteres stimmt zweifellos. Trotzdem frage ich mich: Warum ist die FDP eigentlich mausetot, nachdem die Ideologie, der Markt habe immer Recht, von Elke Heidenreich bis Ole Liebl reicht?



3. Ein weiterer queerer Autor, Meik Gudermann, hat ebenfalls ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel "Menners"; die Frankfurter Allgemeine hat ihn dazu interviewt. Ein Auszug aus seinen Antworten:

"Männer werden von klein auf so erzogen, dass sie sich überlegen fühlen. Damit will ich keine Schuld auf einzelne Eltern schieben. Es ist immer das komplette Umfeld, das Menschen prägt, und wir leben nun mal alle in dieser frauenfeindlichen Gesellschaft. Ich sehe das bei vielen Freundinnen von mir: Auch wenn man sein Kind mit tollen Werten erzieht, kann man nicht verhindern, dass die Gesellschaft Männern bestimmte Verhaltensweisen mitgibt.

(…) Das Problem ist, dass Männer dafür Privilegien abgeben müssen. (…9 Allein schon, wenn man sich die Aussichten auf eine Führungsposition ansieht: Frauen sind in der Regel besser qualifiziert. Aber viele Männer, die in Führungspositionen sind, ziehen andere Männer nach. Viele Männer wollen nicht akzeptieren, wie privilegiert sie sind und wie Frauen immer noch diskriminiert werden.

(…) Mir wird auch oft vorgeworfen, ich sei zu hart, zu dreist und ich müsste das alles viel netter verpacken und freundlicher sein. Aber die ganzen Rechte, die Frauen und auch queere Menschen heute haben, sind ja nicht erbeten, sondern hart erkämpft worden. Dazu muss man auch laut sein und klare Kante zeigen."


Laut sein und klare Kante zeigen: Danke für den Tipp, wir werden uns danach richten.



4. Unter der Schlagzeile "Für sie wäre die Welt eine bessere, wenn jede Frau mit 18 einem Mann zugeteilt wird" hat "Die Welt" ein Interview mit der norwegischen Sozialpsychologin Annvor Seim Vestrheim über Incels veröffentlicht:

"Es ist eine noch recht junge Community, die meisten sind noch keine 25 Jahre alt. Ich habe in einem anonymen, englischsprachigen Forum recherchiert, dessen Mitglieder nach eigenen Angaben aus Kanada, Schweden, Finnland, Frankreich und den USA stammen."


Im Ernst? Du hast die Beiträge EINES Forums gelesen und nennst dich deswegen jetzt Expertin für Incels?

"Sie basiert auf Ideen und Vorstellungen, die man in der sogenannten Manosphere findet, in den Blogs der Männerbewegung. Dabei übernimmt sie das Konzept der 'roten Pille'. Diese Metapher, die aus 'Matrix' stammt, beschreibt das wachsende Gefühl einer Unterdrückung, der die Männer innerhalb der Gesellschaft ausgesetzt sind. (…) Sicherlich, wenn man das mit anderen Extremistengruppen vergleicht, so werden nur wenige Incels zu den Waffen greifen. Es gibt jedoch zahlreiche Foren – offene oder geschlossene –, in denen die Ideologie und der Diskurs konstruiert und verbreitet werden. Auch wenn das am Ende nicht zu einem Massenmord führt, so werden dadurch die Überzeugungen von echten Menschen in der Gesellschaft beeinflusst. Und genau darin liegt meiner Ansicht nach die Gefahr."


Ja, das glaube ich auch, dass du es als gefährlich empfindest, wenn immer mehr Menschen ein Weltbild teilen, das nicht deines ist. Interessant ist aber, wie viele gerade auch konservative Medien das ständige Getrommel gegen die "Manosphäre" unterstützen.

Ich frage mal eine KI danach, wie viele Incels tatsächlich eine staatliche Zuordnung von Frauen an Männer fordern. Bemerkenswert: Die KI nennt sofort Vestreim als diejenige Person, die diese Forderung verbreitet. Weiter führt sie aus:

Größere wissenschaftliche Surveys (z. B. eine 2024er-Studie mit 561 Incels aus UK/USA) zeigen, dass die Community in Ideologie, Mental Health und Gewaltbereitschaft heterogen ist. Extreme Staatslösungen wie Zwangszuweisung sind kein Konsens, sondern eher ein Rand- bzw. Fantasie-Thema unter den Radikalsten. Die Idee zirkuliert in der Szene und wird von Vestrheim als charakteristisch für einen Teil der radikalen Incels genannt – aber weder sie noch andere Forscher liefern eine konkrete Zahl. Es handelt sich um eine Minderheitenposition innerhalb einer ohnehin kleinen Subkultur. Eine echte Mehrheit aller selbsternannten Incels würde vermutlich nicht aktiv für eine solche Dystopie stimmen, sondern eher frustriert über mangelnde Chancen klagen.


Der "Welt" war dieser Blödsinn für einen reißerischen Artikel immerhin gerade recht.



5. Die Schweiz setzt eine neue Website zur Bekämpfung der Manosphäre ein:

"Eltern und Fachpersonen fühlen sich weitgehend alleingelassen", sagt Markus Theunert (53), Psychologe und Autor, zu Blick. Mit der neuen Informationsseite manosphere.ch bietet er Orientierung – und ein Lexikon für die Manosphere. Die Plattform wird von staatlicher Seite unterstützt – unter anderem vom Bund. Das zeigt, wie ernst die Behörden das Phänomen inzwischen nehmen und dagegen vorgehen.


Mal schauen, was die Website über Männerrechtler sagt – warum genau sind wir dem Schweizer Staat derart ein Dorn im Auge, dass er unsere Bekämpfung mit Steuergeldern unterstützt?

Men’s Rights Activists (MRA) – im Deutschen ist die Kurzform Männerrechtler oder der Begriff Maskulinisten gebräuchlicher – bilden eine mehr oder weniger lose organisierte Gemeinschaft, die verbunden ist durch den Glauben, dass Männer durch den Feminismus benachteiligt werden. Sie vertreten die Auffassung, dass eine maskulinistische Gegenbewegung notwendig sei: In einer moderaten Perspektive, um "echte" Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu erreichen – in einer radikalen Perspektive, um die patriarchale Geschlechterordnung wiederherzustellen. Die Denkfigur "echter" Gleichstellung löst das Individuum aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang und tut so, als habe (Geschlechter-)Gerechtigkeit keine strukturelle Dimension (und beispielsweise die familiäre Arbeitsteilung keinen Zusammenhang mit strukturellen Faktoren wie Lohnungleichheit oder Stereotypen bei der Berufswahl). So verschleiert der Ruf nach "Gleichberechtigung" das Begehren, strukturelle Privilegien von Männern zu bewahren. Werden ihnen diese verwehrt, sehen sich Männerrechtler als Opfer des "Staatsfeminismus".

Männerrechtler versuchen häufig, ihre Argumente statistisch zu untermauern und wissenschaftlich zu rahmen. Ein roter Faden sind Themen rund um Gesundheit, Verletzlichkeit und Opferschutz. Tatsächlich bestehende Probleme (beispielsweise die höhere Suizidrate oder die Gewaltbetroffenheit von Männern im öffentlichen Raum) werden dabei aus dem soziohistorischen Zusammenhang gerissen. Selektiv ausgewählte "Gleichstellungsdefizite bei Jungen/Vätern/Männern werden propagandistisch als ‘Köder’" genutzt. Auch Männerrechtler behaupten, dass die Gesellschaft "gynozentrisch" organisiert sei und Männern unverhältnismässig hohe finanzielle und emotionale Lasten aufbürde.


Gut, dass diese Debatte damit endlich geklärt ist Dann kann ich das Bloggen ja jetzt einstellen.



6. Im Schweizer Tages-Anzeiger richtet Christoph Gosteli, ein "Gewalt- und Männerberater" (was für eine Eigenbezeichnung!) Forderungen, wie sie sich verhalten sollen. "Bleibt von der Manosphäre weg" ist verwunderlicherweise nicht dabei. Ein Auszug aus seinem Wunschzettel:

"Als Mann lebst du in einer Art Happyland", sagt Gosteli. "Da gibt es einfach Situationen, bei denen man sich nicht vorstellen kann, wie sie für Frauen oder auch queere Personen sind." Etwa die Platzsuche im Zug: Eine Frau scanne viel stärker, wo sie sich hinsetzen könne und wo nicht. Sie habe ein anderes Risikobewusstsein.

"Wenn ich als Mann unterwegs bin, werde ich als potenzielle Gefahr gelesen, aufgrund meines Geschlechts und dessen, wie ich aussehe." Das anzuerkennen, tue vielleicht ein bisschen weh, sagt Gosteli. "Aber damit muss ich fertigwerden, weil mein Gegenüber gute Gründe hat."


Als Mann gelte ich wegen sexistischer Vorurteile als Gefahr und lebe in einem "Happyland". Alles klar. Danach kann es doch nur besser werden? Immerhin zitiert der Tages-Anzeiger jetzt eine höherwertige Frau, die Sozialpsychologin Tabea Hässler:

Viele Männer reagieren defensiv, wenn Fälle von sexualisierter Gewalt thematisiert werden. Sie schweigen oder erklären, dass sie selbst ja nicht so seien. (…) Letztlich deute der Abwehrreflex wohl darauf hin: Es hat eben doch mit mir zu tun.


Natürlich. Wenn Schwarze sich dagegen verteidigen, von Rassisten pauschal als Kriminelle hingestellt zu werden, ist dieser "Abwehrreflex" ja auch vielsagend. Lieber Himmel, hört ihr euch eigentlich selbst manchmal zu?

Wenn sich Männer aktuell unter Generalverdacht gestellt fühlten, sei die Frage doch eher: Was können Männer tun, damit sich dieser Verdacht irgendwann auflöst? Dazu müsse man bei sich selbst ehrlich hinschauen. "Was habe ich mir schon für Sachen reingezogen im Internet? Wie habe ich mich schon gegenüber Frauen verhalten?" Eine gewisse Scham gehöre dazu. "Dann fühle ich mich als Mann vielleicht auch ein bisschen grusig. Da muss ich durch."


Ich erspare es mir hier, den Vergleich mit rassistischen Pauschalisierungen weiterzuführen; zumal er offensichtlich ist.



7. Der SPIEGEL beschäftigt sich damit, wie der Feminismus Frauen bevormundet:

Stellen Sie sich vor, eine Freundin sagt: "Ich bin glücklich." Und Sie antworten: "Das bildest du dir ein. Du hast dein Unglück einfach so sehr verinnerlicht, dass du es gar nicht mehr bemerkst." Eine solche Replik wäre nicht bloß unhöflich, sie wäre anmaßend. Sie spräche Ihrer Freundin die Fähigkeit ab, ihr eigenes Leben selbst beurteilen zu können.

Doch genau dieses Muster begegnet einem heute erstaunlich oft im öffentlichen Diskurs über Frauen. Eine der prägendsten Überzeugungen unserer Zeit lautet schließlich, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt seien – und zwar sogar dann, wenn sie selbst ihre Berufs- und Lebensentscheidungen ausdrücklich anders deuten. Wer Teilzeit arbeitet, einen sozialen Beruf ausübt, auf eine Führungsposition verzichtet oder Familie anders gewichtet als Karriere, gilt schnell als Opfer von Verhältnissen, die sie selbst nicht durchschaut.


Hier geht es weiter.



8. Zuletzt: Eine angebliche Vergewaltigung in Regensburg hat es nie gegeben.



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Freitag, April 10, 2026

Studie: Frauen mit Partner berichten über höhere sexuelle Zufriedenheit als Männer

Nach all den Meldungen über männerfeindlichen Krawall in den letzten Wochen möchte ich heute gerne wieder den Blick auf das Neueste aus der wissenschaftlichen Forschung über Frauen und Männer richten.



1. Während Feministinnen öffentlich fragen, wozu es überhaupt noch Männer braucht, und so tun, als ob von Männern vor allem sexuelle Gewalt und Unterdrückung ausgehe, sorgt eine neue Studie für einen Blick, der näher an der Wirklichkeit ist: In festen Beziehungen gaben Frauen im Schnitt eine höhere sexuelle Zufriedenheit an als Männer. Grundlage der Studie waren rund 11.800 Personen aus 29 Befragungsstudien zu ihrer allgemeinen sexuellen Zufriedenheit sowie rund 1.800 Personen aus 8 Tagebuchstudien mit insgesamt über 18.000 Einträgen zu konkreten sexuellen Erlebnissen im Alltag. Der Unterschied ließ sich nicht dadurch erklären, dass Frauen öfter Sex hatten oder stärker die Freude des Partners mitbewerteten.



2. Eine weitere aktuelle Studie zeigt, dass Menschen die Gefahren von systematischer psychischer Kontrolle und Isolation in Beziehungen häufiger dann unterschätzen, wenn das Opfer ein Mann ist. Dabei ging es sowohl um offensichtliche Formen von Kontrolle (etwa Drohungen, finanzielle Kontrolle, Arbeitsverbot) als auch um subtilere Formen wie soziale Isolation, Vorschriften beim Aussehen oder Kontrolle von Freundschaften. Das zentrale Ergebnis: Wenn Frauen als Opfer dargestellt wurden, schätzten die Befragten die Gefahr höher ein. Sie hielten es eher für wahrscheinlich, dass die Betroffenen Angst haben, psychisch oder körperlich leiden und Hilfe suchen sollten. Bei männlichen Opfern – besonders in subtilen Missbrauchssituationen – stuften viele die Lage als weniger bedrohlich ein und hielten polizeiliche Hilfe seltener für nötig.



3. Eine Studie der Dualen Hochschule Gera-Eisenach hat untersucht, was Männer davon abhält, Vater werden zu wollen. Von der Politik wünschen sich Männer "bessere Rahmenbedingungen" erläutert Claudia Rahnfeld, Co-Autorin der Untersuchung, etwa flexiblere Arbeitszeiten, bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit – und eine tatsächliche Gleichstellung bei Elternzeit und Care-Arbeit. Rahnfeld befindet: "Unsere Ergebnisse zeigen vor allem, dass die Perspektive von Männern in der Familienforschung lange unterschätzt wurde".



4. Eine vierte aktuelle Studie untersucht den Schaden, den männerfeindliche Rhetorik anrichtet. Im Abstract, also der Zusammenfassung, der Studie heißt es:

In den vergangenen Jahren hat sich die psychologische Fachwelt verstärkt auf traditionelle Männlichkeit als ein Problem konzentriert, das angegangen werden müsse. Zugleich sind unter kognitiven Verhaltenstherapeutinnen und -therapeuten zunehmend Frauen sowie Männer vertreten, die sich mit feministischen Ansätzen identifizieren. Dabei ist die Sorge aufgekommen, dass gut gemeinte Bemühungen um Frauenanliegen sich zu einer offenen Voreingenommenheit gegenüber Männern entwickelt haben könnten – während sich zugleich die Lebenslage vieler Männer verschlechtert hat, einschließlich ihres rückläufigen Anteils in den psychosozialen Gesundheitsberufen.

Die Darstellung traditioneller Männlichkeit als "toxisch" dürfte eher Schaden anrichten: nicht nur, weil sie viele Männer und ihre Familien stigmatisiert, sondern auch, weil sie das Vertrauen in den Berufsstand untergräbt. In der Folge könnten viele Männer, die von einer kognitiven Verhaltenstherapie profitieren würden, davon Abstand nehmen. Abschließend werden Vorschläge für einen Weg nach vorn gemacht, der Männer- und Frauenanliegen nicht als Nullsummenspiel begreift.




5. Eine nicht mehr ganz so aktuelle aber dennoch erwähnenswerte Studie beschäftigt sich mit den Tücken Künstlicher Intelligenz. Der Professor für Psychologie Steve Stewart-Williams fasst ihre Ergebnisse zusammen:

Forscher fragten GPT, ob es moralisch zulässig sei, eine Frau zu foltern, um einen nuklearen Holocaust abzuwenden. GPT bejahte dies. Daraufhin fragten sie, ob es moralisch zulässig sei, eine Frau sexuell zu belästigen, um einen nuklearen Holocaust zu verhindern. GPT verneinte dies.

Diese Antworten ergeben keinen Sinn. So schlimm Belästigung auch ist, Folter ist offensichtlich schlimmer. Wenn es also zulässig ist, Folter einzusetzen, um das Ende der Welt zu verhindern, muss es logischerweise auch zulässig sein, Belästigung einzusetzen. Die moralischen Prioritäten von GPT sind zutiefst durcheinander.

Woran könnte das liegen?

Ein Hinweis findet sich in der Tatsache, dass GPT diese Art von moralischem Fehler nur dann begeht, wenn Frauen Schaden zugefügt wird, und zwar bei Arten von Schaden, die im Diskurs über die Gleichstellung der Geschlechter eine zentrale Rolle spielen.

Es scheint so, als hätte GPT während des Trainings Ideen aus dem Diskurs zur Gleichstellung der Geschlechter aufgenommen, jedoch auf eine Weise, die seine moralischen Reaktionen untergrub.


In der Zusammenfassung der Studie selbst heißt es:

GPT-4 hielt es eher für vertretbar, einen Mann zu misshandeln, um eine nukleare Apokalypse zu verhindern, als eine Frau. Diese Verzerrung zeigte sich auch bei anderen Formen von Gewalt, die im Zentrum von Debatten um Geschlechtergerechtigkeit stehen (Misshandlung), nicht jedoch bei Formen, die dort weniger im Fokus stehen (Folter). Darüber hinaus verstärkte sich die Verzerrung in Szenarien gemischtgeschlechtlicher Gewalt zum vermeintlich höheren Wohl: GPT-4 stimmte eher einer Frau zu, die Gewalt gegen einen Mann anwendet, um eine nukleare Katastrophe zu verhindern, lehnte aber eher einen Mann ab, der aus demselben Grund Gewalt gegen eine Frau ausübt.




Themawechsel zur Positionierung der ARD in der aktuellen Geschlechterdebatte.



6. Im ARD-Morgenmagazin beklagt die Medienforscherin Maya Götz, dass sich viele junge Männer bei ihrer Entwicklung an der Manosphäre orientieren und nicht an dem, was sie für richtig hält. Das solle man angehen, indem man die Ästhetik von Videos der Manosphäre kopiert, diese aber mit politischer Indoktrination füllt, die Jungen und Männer in die gewünschte Bahn leitet. Beispiel: "Starke Männer verteidigen Frauen und ihre Rechte." Mit solchen Videos könne man die Einstellung von Jugendlichen am besten beeinflussen.

Im Anschluss daran ist der Männerberater Boris von Heesen Gast im Morgenmagazin. Er beklagt den "antifeministischen Backlash", der dadurch entstehe, dass Männer durch die Gleichberechtigung der Frau verunsichert seien. Die Bundesregierung und die EU sollten darauf hinwirken, dass auf TikTok keine "frauenfeindlichen Inhalte" mehr gezeigt werden. Darüber hinaus müsse man in die Kitas, Schulen und Betriebe gehen, um dort "das Patriarchat zu dekonstruieren".



7. Eine weitere Sendung der ARD widmet die Komikerin Carolin Kebekus der weiblichen Wut. Nachdem Kebekus meldet, dass Heidi Klum einen neuen Hund habe (gezeigt wird ein Foto von Tom Kaulitz), beklagt sie sich ausführlich über ihr zweijähriges Kind, das aus nicht nachvollziehbaren Gründen Tobsuchtsanfälle habe. Zuschauer werden eingeladen, über ähnliche Vorkommnisse zu berichten. Daraufhin widmet sich Kebekus dem Fall Fernandes/Ulmen, wobei sie die öffentliche Debatte in zwei Teams aufspaltet: Das "Team Täter", das auf die Unschuldsvermutung hinweist, und das gegnerische Team, dem sich Kebekus selbst zuordnet. Kebekus ordnet Friedrich Merz dem "Team Täter" zu und wettert erneut gegen die "juristische Keule", also die Unschuldsvermutung, ihrer Darstellung nach ein Mittel "mutmaßlicher Täter", die Opfer zum Schweigen zu bringen. Erschwerend komme hinzu, dass inzwischen über die Mondumkreisung statt über Gewalt gegen Frauen berichtet werde. Kebekus stellt ihren Talkgast vor, die Rapperin Lady Bitch Ray, die "viel Mut in ihrer Möse" habe, und die, um dies zu illustrieren, bei ihrem Auftritt zwei daneben sitzenden Männern einen Becher Wasser ins Gesicht schleudert. Die beiden Frauen ranken nun ihre liebsten Beleidigungen zwischen "Bastard", "Hurensohn", "Wichser" und "Furzgesicht". Zum Ausklang wird kollektiv die angeblich virale Hymne "Nicht alle Männer" gesungen, die inhaltlich das bietet, was man sich darunter vorstellen darf.



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Donnerstag, April 09, 2026

Digitale Gewalt: 98 Prozent der Opfer von Sextortion sind Jungen

1. Der britische Guardian berichtet:

Kinder melden in Großbritannien so viele Online-Sextortion-Versuche wie nie zuvor. Kinderschutzorganisationen fordern deshalb von Tech-Unternehmen entschlosseneres Handeln gegen diese Form digitaler Erpressung.

Der Dienst Report Remove, über den Minderjährige intime Bilder oder Videos melden können, die bereits im Netz aufgetaucht sind oder dort landen könnten, verzeichnete im vergangenen Jahr 394 Meldungen von unter 18-Jährigen wegen Erpressungsversuchen nach dem Versand sexueller Aufnahmen an Täter. Das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent gegenüber 2024.

Von Sextortion spricht man, wenn jemand dazu manipuliert wird, ein freizügiges Selfie oder Video an einen Täter zu schicken, der anschließend damit droht, das Material im Internet zu veröffentlichen, falls das Opfer nicht Geld zahlt oder weiteres intimes Material sendet. Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren machten 98 Prozent der Erpressungsopfer aus.

Sextortion wird mit den Suiziden mehrerer britischer Jugendlicher in Verbindung gebracht, die sich nach Erpressungsdrohungen das Leben nahmen. Die Eltern eines Opfers, des 16-jährigen Murray Dowey aus Dunblane, verklagen Mark Zuckerbergs Meta-Konzern, weil dieser ihren Sohn angeblich nicht ausreichend geschützt habe.

Die Molly Rose Foundation (MRF), eine Organisation für Internetsicherheit, erklärte, Tech-Konzerne müssten "deutlich mehr" tun, um Erpressungsversuche zu unterbinden. Zugleich forderte sie die Regierung auf, soziale Netzwerke zu weitergehenden Schutzmaßnahmen zu verpflichten, da dort die erste Kontaktaufnahme mit den Opfern oft stattfinde. Auch Apple und Google, die Betreiber von iOS und Android, sollten nach Ansicht der Stiftung verpflichtet werden, Nacktheits-Erkennung auf ihren Geräten einzuführen.

(…) Murray Doweys Mutter Ros bezeichnete die neuen Daten als "erschütternd und enttäuschend". Sie sagte: "Was muss noch geschehen, damit soziale Netzwerke Verantwortung übernehmen? Sie wissen genau, dass auf ihren Plattformen Straftaten stattfinden, und schaffen dennoch keine wirksamen Schutzmechanismen."

Murrays Vater Mark ergänzte, dass die Familie das Thema weiter öffentlich machen werde, bis ihre Klage gegen Meta, den Mutterkonzern von Instagram und Facebook, vor Gericht verhandelt werde.

"Es wirkt zwar, als würde sich die öffentliche Stimmung gegen soziale Netzwerke wenden. Aber diese Unternehmen ermöglichen weiterhin Schaden, obwohl sie behaupten, mehr Sicherheitsmaßnahmen eingeführt zu haben. Wenn diese Maßnahmen funktionieren würden, müssten die Zahlen sinken."


Für Deutschland gibt es bislang keine so präzise, bundesweit einheitliche Statistik zu Sextortion-Fällen wie in Großbritannien. Auch hier jedoch weiß man, dass das Problem deutlich zunimmt.



2. Die deutschen Leitmedien fokussieren sich derweil immer noch auf weibliche Opfer und männliche Täter – die natürlich für alle Männer stehen. Aktuell porträtiert die Süddeutsche Zeitung den Instagram-Influencer Luca Lauris Leverenz:

"Wenn ich sehe, was die Frauen am 8. März auf der Straße veranstalten, dann schäme ich mich für uns", sagte Leverenz am Internationalen Frauentag in einem seiner Videos auf Instagram und meinte "uns Männer". Man könne sich am Vatertag mit Themen wie emotionale Intelligenz, Vaterschaft, Care-Arbeit oder dem Umgang mit Aggressionen beschäftigen, sagte er da: "Aber da gehen wir saufen und Fahrrad fahren. Ich weiß nicht, ob wir noch einen Tag brauchen, an dem wir noch lauter und ekelhafter sind als sonst." (…) Leverenz scheint in seinen Videos deutlich forscher, ja, wütender, als er im Gespräch wirkt. (…) Positive Resonanz erhalte er fast ausschließlich von Frauen. 85 Prozent seiner Follower sind weiblich. Das sei ein Problem, sagt er, er wolle ja vor allem Männer erreichen. "Viele sind leider sofort hasserfüllt, obwohl ich sie gar nicht so krass angreife."




3. "Männer werden wütend, weil sich die Gesellschaft verändert", behauptet die feministische Philosophin Manon Garcia. Da hat sie Recht: Der Hass gegen uns war früher weniger laut, wurde medial weniger stark verbreitet – und diese ständigen Anfeindungen machen manche Männer irgendwann wütend. Das ist aber natürlich nicht das, was sie meint: "Der Hass, den man als Frau in der Öffentlichkeit erlebt, ist unheimlich", berichtet sie. "Ich merke in Gesprächen mit meinen Kollegen, dass sie nicht einmal fünf Prozent der Gewalt erleben, die mir widerfährt."

"Frauen haben sich an Gewalt von Männern gewöhnt. Wir müssen eine Diskussion darüber führen, warum Frauen Verhaltensweisen von Männern akzeptieren, die offensichtlich gewaltvoll sind. Dass sie mit wandelnden 'red flags' zusammen sind und denken, dass so eine gute Beziehung aussieht. Oder dass ihr Mann anders als andere Männer sei, während er sie anschreit."




4. "Söhne sind die Sorgenkinder der Nation" titelt der SPIEGEL. Tenor des Artikels ist ungefähr: Ja, Männer sind scheiße, aber es gibt dafür einen Grund – im Kindesalter hat sich kaum jemand um sie gekümmert. Mit einer sexistischen Prämisse landet man also immerhin bei einer sinnvollen Schlussfolgerung:

Um das zu ändern, wird es nicht reichen, darüber zu diskutieren, wie man Jungs feministisch erzieht. Oder Eltern zu trösten, die vom "gender disappointment" heimgesucht werden, wenn das Neugeborene sich als Junge entpuppt. Die Herausforderung ist viel größer: Die Politik hat offensichtlich gelernt, Mädchen zu fördern. Jetzt muss sie lernen, Jungs nicht zu verlieren. Denn eine Gesellschaft, die ihre Söhne abschreibt, kann am Ende ihre Töchter nicht richtig schützen.


Subtext mal wieder: Könnte diese Gesellschaft ihre Töchter richtig schützen, wäre es egal, dass man die Söhne abschreibt. Sobald man über derartiges Geholper hinweg ist, wird der Beitrag deutlich besser:

In Norwegen legte schon vor zwei Jahren eine staatliche "Männerkommission" einen Bericht mit dem Titel "Der nächste Schritt der Gleichberechtigung" vor. Sie stellte fest, dass das Gefühl, außen vor zu sein, im schlimmsten Fall in Kriminalität, Sucht oder Gewalt münden kann. Und – jetzt kommt der überraschende Gedanke – dass dieses Verhalten nicht nur eine Art angeborenes Problem der Männer ist, sondern ein Ausdruck von Problemen, die Männer haben.


Deutsche Journalistinnen sind davon überrascht. Niemand ist überrascht, der seit Jahrzehnten beide Seiten des Geschlechterverhältnisses betrachtet.

In Deutschland scheint diese Sichtweise noch nicht sonderlich weit verbreitet zu sein. Auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums kommen Jungen und Männer beim Themenfeld "Gleichstellung" allenfalls am Rande vor. Immerhin hat Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) Anfang März angekündigt, Männer in den Namen ihres Ministeriums mit aufzunehmen. Im Moment heißt die Behörde noch: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dass Jungsförderung, Männerkommissionen oder Männerquoten in sozialen Berufen bislang aber noch kein deutsches Thema sind, liegt auch an einer optischen Täuschung: Weil in DAX-Vorständen, Parlamenten und Universitäten immer noch mehrheitlich Männer sitzen, wirkt Förderung für Jungs wie ein Luxusproblem.

Auch Bildungspolitik kann viel mehr leisten, als Bücher wie "Die Leiden des jungen Werthers" der TikTok-Generation schmackhaft zu machen. In Norwegen empfahl die Männerkommission unter anderem eine spätere Einschulung für Jungs, weil sie im Kopf unreifer seien als Mädchen. Denkt man in die Richtung weiter, könnten womöglich auch reine Jungsklassen oder Männerquoten für Lehrpersonal Sinn ergeben. Auch eine kluge Sozialpolitik, die Alleinerziehende stärker fördert und auch die Rechte von Vätern nicht vergisst, kann dazu beitragen, dass aus Jungs keine verlorenen Söhne werden.


Ich halte nicht jeden dieser Vorschläge für sinnvoll, aber wenigstens könnte man mal wieder anfangen, darüber zu diskutieren. Das letzte Mal hat man das vor zwanzig Jahren getan, worauf sich politisch nichts bewegte und die Debatte wieder versandete.

Das zum Schluss des Artikels dann wieder das Klischee des brüllenden Vaters auftaucht … man darf vom SPIEGEL vielleicht nicht zu viel erwarten.



5. In der "Welt" setzt sich Eva Lapido mit der Männerverdammung auseinander, die unsere Gesellschaft prägt. Nachdem auch sie erst einmal Männer auf der Täterseite verortet hat, wie es sich gehört, führt sie weiter aus:

In dieser Hochkonjunktur der Männerverdammung kommt nun eine andere Wahrheit denkbar ungelegen. Sie wirkt fehl am Platz, unangebracht und provokant. Doch das ändert weder etwas daran, dass sie stimmt, noch, dass es wichtig ist und für den Zusammenhalt der Gesellschaft entscheidend, sie zu akzeptieren: Männer sind auch Opfer. Sie sind die großen Verlierer des 21. Jahrhunderts. Sie brauchen Hilfe, Verständnis und Anerkennung. Pauschale Verachtung dagegen macht alles nur noch schlimmer.

Von vielen Feministinnen wird diese Position als Verrat an der Sache empfunden. Aus dieser Sicht scheint es sich bei Männern und Frauen um gegnerische Teams in einer Art Nullsummenspiel zu handeln, bei dem man sich für eine Seite entscheiden muss, was automatisch zur Verachtung der anderen führt. Beide gleichzeitig unterstützen geht nicht. Es ist, als ob sich die Geschlechter in einem Opferwettbewerb befinden. Als ob man der einen Gruppe schadet, wenn man der anderen Aufmerksamkeit schenkt.


Sehr ähnliches hatte ich vor zwölf Jahren in meinem "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" geschrieben:

Normalerweise wird eine sogenannte Unterdrückungsolympiade in der linken Antidiskriminierungspolitik nicht geduldet. Statements wie "Schwule haben es schwerer als Migranten" gelten hier als No-go; die Diskriminierungen beider Gruppen gehören bekämpft. "Frauen haben es schwerer als Männer" hingegen wird von einigen immer noch als Vorwand benutzt, um eine Bekämpfung der Diskriminierungen von Männern zu umgehen, was man dann in Slogans findet wie "Solange Frauen nicht einmal zehn Prozent in deutschen Aufsichtsräten stellen, ist eine Bekämpfung der Benachteiligungen von Männern absurd."


Natürlich wurde das damals ignoriert, worauf sich jetzt viele wundern, warum alles schlimmer geworden ist.

Ich finde das nicht nur falsch, sondern halte gerade dieses Schwarz-Weiß-Denken, bei dem es nur Entweder-oder geben kann, für einen Verrat an der Sache, zumindest dann, wenn es sich bei der "Sache" um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit handelt. Schließlich besteht die Gesellschaft aus beiden Geschlechtern und kann nur gedeihen, wenn es beiden gut geht: Männern und Frauen. Wenn das nicht der Fall ist, leiden die Schwächsten am meisten und das sind bekanntlich meist arme, bildungsferne, von Männern abhängige Frauen.


Wir sind also wieder hier gelandet: Männern muss geholfen werden, damit Frauen nicht leiden. Und wenn man eine Aussage schwer belegen kann – die allermeisten Obdachlosen zum Beispiel sind Männer – setzt man ein "bekanntlich" davor.

Es folgt die Klage darüber, dass Männer häufiger rechtsradikal wären als Frauen – eine Behauptung, die vor wenigen Tagen widerlegt wurde. Immerhin erkennt Lapido,

dass der materielle Kern der Wut und der Verzweiflung vieler Männer in der zunehmend unerträglichen wirtschaftlichen Ungleichheit wurzelt. Schwindende Arbeitsplätze, unsichere Einkommen, steigende Wohnkosten und wachsende Inflation haben für junge Männer viel dramatischere Folgen als für junge Frauen. (…) Diese auseinanderklaffende Entwicklung führt dazu, dass eine zunehmende Zahl von Männern den gestiegenen weiblichen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird. "Die Nachfrage nach männlichen Partnern ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Liberalisierung krass gefallen", warnt die britische Geschlechterforscherin Alice Evans.

(…) In Deutschland ist die Selbstmordrate von jungen Männern mehr als viermal höher als die von jungen Frauen. Und in den USA hat sich die Zahl der "Deaths of Despair", die auf Drogen, Alkohol oder Freitod zurückzuführen sind, unter Männern der Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.

Gleichzeitig hat das linke Lager weitgehend das Interesse an Männern verloren – das ist der Teil der Antwort, der die Progressiven auf die Palme bringt. In den sogenannten Kulturkämpfen geht es nämlich nicht mehr um materielle, sondern um identitätspolitische Diskriminierung. Die Opfer, denen die Aufmerksamkeit gehört, sind gesellschaftliche Minderheiten. Gehört, gefördert und unterstützt werden benachteiligte Gruppen wie Frauen, Schwarze, Schwule und Transsexuelle. Weiße, heterosexuelle Männer gehören nicht dazu.

Der Schaden, den diese Identitätspolitik anrichtet, und die Wut, die sie entfacht, sind schwer zu überschätzen. Sich abrackernde, von der Globalisierung überforderte, unter sinkenden Löhnen leidende Männer werden nicht nur weitgehend ignoriert vom Mainstream. Das allein wäre folgenschwer genug. Doch darüber hinaus sind sie im Verlauf weniger Jahre in den Augen linker Aktivisten von potenziellen Opfern wirtschaftlicher Ausbeutung zu potenziellen Tätern mutiert. Der moderne Fokus im Kampf gegen Ungerechtigkeit bedeutet, dass ein großer Teil der männlichen Bevölkerung als im Zweifel frauenfeindlich, rassistisch, homophob, nicht umweltbewusst, nicht achtsam und ungeschliffen wahrgenommen wird.

(…) Doch auf diese Krise hinzuweisen und vor dem riesigen Reservoir männlicher Entfremdung zu warnen, ist im Moment sehr schwer. Dieser Teil der Wahrheit ist unbequem, weil er die Dinge verkompliziert und das Bild, das die Öffentlichkeit von Männern pflegt, durcheinanderbringt. Einfacher ist es, das Thema von den Missbrauchsskandalen beherrschen zu lassen und dem Druck nachzugeben, die eigene Unbedenklichkeit zu beweisen, indem man Männer generell denunziert und für toxisch erklärt.

Gegenüber Minderheiten wären derart pauschale Verurteilungen unvorstellbar. Die amerikanische Autorin Christine Emba spricht von "einer feministischen Bewegung nach MeToo, die eine ziemlich lächerliche und unkritische Form von Männerfeindlichkeit hervorgerufen hat. Seitdem gilt es als cool zu sagen: Männer sind Müll, Männer sind Scheiße, wäre die Welt nicht besser ohne Männer. Es ist, als ob man damit seine liberale Gesinnung beweist."




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Dienstag, April 07, 2026

Junge Männer, die Deutschland länger verlassen wollen, brauchen jetzt eine Genehmigung

Ich komme morgen wegen eines nicht verschiebbaren Termins nicht zum Bloggen, deshalb heute wieder etwas ausführlicher.



1. Etliche Medien berichten darüber, auch ausländische: Eine neue Regel bei der Wehrpflicht verschärft die Diskriminierung deutscher Männer. Ich zitiere mal die Frankfurter Rundschau, die als erstes darüber berichtete:

Zwar soll die Musterung für alle Männer ab Jahrgang 2008 wieder zur Pflicht werden. In der Praxis wird diese Regelung jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt greifen. Doch eine andere Änderung ist bereits in Kraft getreten – und das, ohne dass es jemand so richtig bemerkt hätte. Dabei sind die Folgen dieser Änderung des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) für Männer zahlreicher Altersklassen gewaltig.

(…) "Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen [...]. Das Gleiche gilt, wenn sie über einen genehmigten Zeitraum hinaus außerhalb der Bundesrepublik Deutschland verbleiben wollen oder einen nicht genehmigungspflichtigen Aufenthalt außerhalb der Bundesrepublik Deutschland über drei Monate ausdehnen wollen."

Dieser sehr weitreichende Eingriff in die Selbstbestimmung galt vor dem 1. Januar 2026 nur in zwei Extremfällen. In Paragraph 2 des WPflG hieß es dazu schlicht, Paragraph 3 gelte ‚im Spannungs- oder Verteidigungsfall‘. Der Spannungsfall bezeichnet dabei laut Grundgesetz eine vom Bundestag oder der NATO festgestellte Lage erhöhter äußerer Bedrohung für die Bundesrepublik – also die Situation, wenn ein Angriff durch ein anderes Land sehr wahrscheinlich ist. Der Verteidigungsfall wiederum ist die vom Bundestag – mit Zustimmung des Bundesrates – festgestellte Lage, dass das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird. Beide Fälle beziehen sich also auf absolute Ausnahmesituationen.

Doch mit der Neufassung des Wehrpflichtgesetzes zum 01.01.2026 wurde Paragraph 2 überarbeitet. Nun heißt es dort zusätzlich: "Außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalls gelten die §§ 3 [...]." Das bedeutet schlicht, dass die Regelung des Paragraphen 3 nun grundsätzlich immer gilt.

Dies hat zur Folge, dass alle Männer über 17 und unter 45 Jahren, die Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen, dafür eine Erlaubnis bei der Bundeswehr einholen müssen. Völlig egal, ob man ein Auslandssemester geplant hat, einen Job im Ausland antreten will oder einen Backpacking-Trip rund um die Welt plant: Vor alledem steht ein verpflichtender Gang zum Karrierecenter der Bundeswehr.




2. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über einen festgefahrenen Konflikt innerhalb der schwarz-roten Koalition über die Reform des Wahlrechts: Die SPD fordert inzwischen ein paritätisches Wahlsystem mit gleich vielen Listenplätzen für Frauen und Männer als Bedingung für eine Reform, obwohl dies ursprünglich nur als Prüfauftrag vorgesehen war, und verknüpft das Thema informell mit ihrem Ziel, die Schuldenbremse zu lockern. Die Union lehnt dies ab, verweist auf erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken und fehlende Mehrheiten für eine Grundgesetzänderung. Tatsächlich wurden ähnliche Paritätsgesetze in Bundesländern bereits von Gerichten gekippt, und auch auf Bundesebene gilt ein Scheitern vor dem Bundesverfassungsgericht als möglich.

Früher hatte Genderama praktisch eine Standleitung zur NZZ; jede Woche wurde mindestens ein durchdachter Artikel hier verlinkt. Ich glaube, dieses Jahr waren es gerade mal zwei. Gestern erklärte ein Tweet eines ehemaligen Mitarbeiters, warum das Blatt mit vernünftigen Beiträgen so nachgelassen hat, dass man es kaum noch zitieren mag:

Ich war Redaktor der NZZ zu einer Zeit, als ein Liberaler (Hugo Bütler) die Zeitung führte und der @NZZfeuilleton-Chef ein Konservativer mit weitem Horizont war (Martin Meyer). Heute biedert sich Chefredaktor @ericgujer mit seiner Deutschland-Redaktion beim AfD-Milieu an und misst die NZZ nicht mehr an internationalen Medien, sondern an Schweizer Krawall-Portalen.


Das entspricht auch meiner Wahrnehmung. Schade. War mal ein vernünftiges Blatt.



3. Der Fall Fernandes/Ulmen hat in den vergangenen Tagen weiter Journalisten beschäftigt. In der "Zeit" hinterfragt Nele Polatschek den Generalverdacht gegen alle Männer. Dabei schließt sie sich der Argumentation an, die ich auch hier auf Genderama vertrete:

Wer den Einzelnen der Taten eines anderen bezichtigt, nur weil beide qua Geburt ein Gruppencharakteristikum teilen, handelt menschenverachtend, er verachtet den einzelnen Menschen. Ich mache diesen Punkt deswegen genau jetzt, weil dem Schauspieler Christian Ulmen gerade im Spiegel von seiner Ex-Frau Collien Fernandes sexuell übergriffiges Verhalten vorgeworfen wurde. Gegen einige dieser Vorwürfe geht Ulmen inzwischen gerichtlich vor. Daraufhin passierten außerdem noch zwei Dinge. Erstens: Menschen, die nichts mit Ulmen teilen außer einem zufälligen Gruppencharakteristikum, forderten sich selbst und ihre Geschlechtsgenossen medienwirksam auf, sich dazu zu verhalten. In großen Zeitungen bezichtigten sich männliche Journalisten selbst, teilten ihren Schmerz und ihre Scham für etwas, das sie (soweit ich weiß) nicht getan haben. Auf Instagram stellten Männer ihre Scham aus, der offensichtlich geknickte Aspekte-Moderator Jo Schück stellte sich selbst unter "Generalverdacht". Überall sieht man sie, die Medienmänner, die sich schämen.

Das zweite, was passiert ist, dass Menschen, die dieses Gruppencharakteristikum nicht teilen, erklärten, dass das alles einfach nicht ausreicht. Dass Frauen sich womöglich komplett von Männern fernhalten sollten. Was Mitglieder dieser Gruppe tun können, um sich von der Kollektivschuld zu befreien, bleibt vage, mitunter entsteht der Eindruck: gar nichts. Ihr seid Männer, und deshalb seid ihr schuld. (…) [I]hr seid schuld, auch wenn ihr noch nie sexuell übergriffig gehandelt habt, selbst wenn ihr selber Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch wurdet, was Männern übrigens auch ziemlich häufig passiert. Knapp 30 Prozent aller Opfer häuslicher Gewalt sind männlich.


50 Prozent, aber von mir aus. Mit dem durch die Kriminalstatistiken erfassten Hellfeld fährt man bei der "Zeit" vermutlich in sicheren Gewässern.

Als der Slogan "Not all men" aufkam, war die Kritik, man baue hier einen Strohmann auf, weil ja wirklich niemand sagt, dass alle Männer Schuld tragen. Wenn man sich zurzeit den medialen Diskurs anschaut, muss man fragen: Sagt das wirklich niemand? Daher einmal ganz deutlich: Not all men. Und ehrlich gesagt: Not most men. Vielleicht bin ich in einer merkwürdigen Parallelwelt aufgewachsen, aber mein Eindruck ist, dass unter der Gesamtheit der Männer, die ich in meinem Leben gekannt habe, der Anteil der sexuell Übergriffigen doch äußerst gering war. Ein bisschen höher als der der übergriffigen Frauen, aber die meisten Männer sind doch ganz okay, vor allem sind sie halt einfach Menschen, die zufällig männlich sind, so wie Menschen zufällig weiblich sind, oder nicht deutsch oder jüdisch oder muslimisch.


Der Artikel gibt sich in den nächsten Sätzen einigen feministischen Schauermärchen hin wie dass vor 50 Jahren Männer ihre Ehefrauen problemlos hätten vergewaltigen können und argumentiert dann, nicht nur jeder Mann, sondern auch jede Frau, die CDU, SPD, AfD oder FDP wähle, trage zu dieser gesellschaftlichen Ungleichheit bei, weil diese Parteien ihre Wahlliste nicht paritätisch besetzten. Eine derart krude Argumentation ist vermutlich der Preis dafür, dass man überhaupt eine Verteidigung aller Männer in der "Zeit" veröffentlichen darf. Wo die NZZ nach rechts rückt, geht es hier weiter Richtung woke. Die gesellschaftliche Polarisierung nimmt auch in der Presse zu.



4. Apropos: Der STERN hat allen Ernstes zwei Psychonalaytiker befragt, warum so viele Männer auf die Unschuldsvermutung pochen, also auf eine der Grundsäulen des Rechtsstaats. Ironischerweise muss der STERN deshalb selbst darauf hinweisen, dass für Christian Ulmen die Unschuldsvermutung gilt, liefert sich also ein vorhersagbares Eigentor, wenn die Analytiker Dinge sagen wie: "Ich glaube, da geht es um ein Sich-Angegriffen-Fühlen, was dann meist eine Abwehrreaktion hervorruft." und "Mädchen erfahren (…) häufiger, rücksichtsvoll zu sein, sich einzufühlen und stärker auf das emotionale Erleben anderer zu achten." Für den glühenden Männerhass, den derzeit viele Feministinnen äußern, haben die Analytiker hingegen Verständnis: Es gehe "viel um die Entladung von Affekten, vor allem Wut, aus nachvollziehbaren Gründen. Vielleicht braucht es das erst einmal."



5. Nachdem etliche Feministinnen öffentlich die Hände darüber gerungen haben, dass so viele Männer zum Fall Fernandes/Ulmen schweigen würden, fährt der SPIEGEL nun eine andere Linie.

Der Fall Collien Fernandes hat etwas geschafft, das bisher kein Femizid, kein deutscher Pelicot-Fall – von denen es auch hier genug gibt – geschafft hat: Männer MUSSTEN sich positionieren, massenweise.


Zu deutsch: All die vielen Männer, die darauf hinwiesen, dass die Handlungen, die Ulmen vorgeworfen werden, unsäglich sind und man etwas gegen die unzureichende Gesetzeslage tun müsste, taten das keineswegs freiwillig, sondern unter Zwang. Richtig machen, konnten sie es ohnehin nicht:

Allein dieser Zustand war hierzulande bisher einmalig: Äußerten sie sich nicht, haben sie den Zorn der Frauen um sich herum zu spüren bekommen. Äußerten sie sich doch – ebenso. Aus Gründen.


Warum herrscht in deutschen Redaktionen ein derartiger Männerhass, den ich im Alltag sonst nirgends erlebe? Haben Journalistinnen es bei ihren männlichen Kollegen mit derart vielen Kotzbrocken zu tun, dass sie auf diese Weise wild um sich schlagen müssen? Ich verstehe es nicht.

Die SPIEGEL-Mitarbeiterin beklagt nun,

dass manche Vertreter der deutschen Medienlandschaft es manchmal immer noch kaum hinkriegen, den Mord an einer Frau als Femizid zu bezeichnen, weil sie immer noch lieber von "Familientragödie" oder "Ehedrama" schwadronieren.


Bei Zwickau steht gerade eine Frau vor Gericht, weil sie versucht haben soll, ihren Stiefvater mit einem vergifteten Döner zu töten. Der Geschädigte überlebte knapp. War das ein versuchter "Androzid"? Ich glaube nicht, dass diese ständige Agitation einer sachlichen Debatte gut tut.



6. "Muss ich mich schämen, ein Mann zu sein?", fragt Harald Martenstein und lehnt diese Vorstellung ab:

Sippenhaft, Kontakt- und Kollektivschuld sind totalitäre Ideen. Der Druck, aufzustehen und sich öffentlich zu bekennen oder zu distanzieren, ist bei religiösen Fanatikern, bei Nazis, bei Woken und bei Kommunisten üblich. In einer Demokratie muss man sich von Straftätern nicht ausdrücklich distanzieren. Es reicht, selbst kein Straftäter zu sein. Das Ziel einer Strafverfolgung ist außerdem nicht die Verwandlung der Täter in Unpersonen, auch nicht ihre soziale Vernichtung.

(…) Jungen Männern (…) sollte man nicht beibringen, sich ihres Mannseins zu schämen. Es ist schon auch okay, ein Mann zu sein, auch wenn es nur selten im "Spiegel" Erwähnung findet. Männer haben seit Jahrtausenden ihre Familien manchmal tyrannisiert und manchmal beschützt. Sie konnten gefährlich sein oder Gefahren abwehren. Sie waren verlogen oder mutig, je nach Mann. Sie sind auch in Kriegen gestorben, die sie nicht begonnen hatten. Sie waren aufopfernd, fleißig und liebenswürdig oder brutale Miststücke oder ein bisschen was von beidem. Sie waren loyal oder illoyal.

Die Welt, wie sie heute ist, wurde bis vor wenigen Jahrzehnten zum größten Teil von Männern geschaffen. Das gilt für das Gute ebenso wie für das Schlechte. Es gilt für die bahnbrechenden Erfindungen, für die moderne Medizin, für die Wohlstandsgesellschaften, für die Demokratien, das Verkehrswesen, die Justiz, für fast alles. Das Patriarchat hat aus Menschen, die einst früh starben, hungerten und fast alle rechtlos waren, die satten, gebildeten und uralten Pensionär*innen von heute gemacht.

Wäre das alles auch im Matriarchat entstanden? Man wird es nie erfahren. Was man aber inzwischen weiß: Auch Frauen können Kriege beginnen, Morde begehen, ihre Kinder misshandeln, ihre Partner verleumden, Freundinnen verraten, Intrigen schmieden, eine Firma in die Pleite führen und schlechte Bücher schreiben. Insofern wäre das Matriarchat vermutlich auf ein nicht völlig anderes Endergebnis hinausgelaufen als das Patriarchat: Licht und Schatten.




7. Einflussreiche Männer hetzen gegen Frauen – wer zählt zur "Manosphere"? titelt der SPIEGEL über einem Interview zu einer Schrift, mit der sich Genderama schon vor über einem Jahr beschäftigte. Offenbar meint man beim SPIEGEL, in einem Klima verbreiteten Männerhasses sei die Zeit für einen solchen Backlash günstig, denn natürlich teilt diese Schrift auch gegen Männerrechtler aus. Daran wird auch im Interview Bezug genommen: "Zur Manosphere zählen auch Männerrechtsaktivisten". Nachdem die Gesprächsteilnehmer eine Verbindung zu "Frauenhass" und "Queerfeindlichkeit" gezogen haben, bekundet die befragte Projektteilnehmerin:

Manche Männer fühlen sich im Leben benachteiligt, abgehängt oder einsam. In der Manosphere bekommen sie dann gesagt: "Genau, du bist einsam, und schuld daran sind die Frauen und der Feminismus. Dir wird etwas genommen, das dir eigentlich zusteht."


Die Manosphäre ist also wie das feministische Lager selbst, nur dass "Patriarchat" gegen "Feminismus" ausgetauscht wird? Interessante Sichtweise. Jedenfalls sei diese Szene gefährlich:

Die Manosphere sollte auf keinen Fall als Internetproblem abgetan werden. Es ist nicht nur eine Nische, eine extreme Ecke im Internet. Manche Ansichten aus der Manosphere ziehen sich durch die gesamte Gesellschaft.


Zum Beispiel, dass auch Jungen und Männer nicht benachteiligt werden sollten.

Gleichzeitig verschärft die Manosphere die Einstellung der Menschen, die sich darin bewegen. Antifeministische Ansichten verfestigen sich, die Gewaltbereitschaft steigt.


Hier hätte man sich über ein einziges Beispiel gefreut, wo Feminismuskritik in der deutschen Männerszene zu Gewalt geführt haben soll.

Was mache ich nun, wenn ich feststelle, dass der eigene Sohn sich für Online-Inhalte interessiert, die seine Probleme und Bedürfnisse ernst nehmen? Die Projektteilnehmerin erklärt, man solle "nicht davor zurückschrecken, sich an eine Beratungsstelle zu wenden". Es könne nämlich "relativ schnell passieren, dass man an Menschen in der Manosphere nicht mehr herankommt." Deshalb sollten "die Plattformen zur Verantwortung gezogen werden und Inhalte regulieren".



8. "Die Zeit" hat zu einem gegen Männer gerichteten Artikel zuhauf kritische Leserpost erhalten (runterscrollen zu "Lila Seepferdchen", fett gedruckt). Respekt dafür, dass die "Zeit" diese breite Kritik immerhin veröffentlicht. Man weiß gar nicht, was von all diesen klugen Einwänden beispielhaft zitieren soll. Vielleicht diese Passage aus der Zuschrift einer Leserin:

Ich frage mich, wie Jungen in unserer Gesellschaft eine sichere, starke Identität entwickeln sollen, wenn ihnen täglich vor Augen und Ohren geführt wird, dass ihre eigene Spezies, die Männer, mit Vorsicht zu genießen sind? Was macht es mit männlichen Jugendlichen, wenn ihre Väter und Großväter als alte weiße Männer oder als potenziell gewalttätige, sexistische und machthungrige Despoten ins Zwielicht gerückt werden? Und wie sollen sie damit umgehen, wenn ihnen vermittelt wird, dass mit ihrem geschlechtlichen So-Sein etwas nicht stimmt? Das genau wird ihnen nämlich mit der unsäglichen, diskriminierenden und tendenziösen Frage unterstellt, die die ZEIT an anderem Ort in einem Interview an die Bundesministerin Karin Prien gerichtet hat: "Welche Antwort geben Sie jungen Müttern, die sich fragen: wie erziehe ich meinen Sohn so, dass er kein Arsch wird?" Für solche Entgleisungen schäme ich mich ehrlich gesagt vor meinen Söhnen und Enkelsöhnen.


Es ist erfreulich, wenn wenigstens hier einmal die Scham die Seite gewechselt hat.



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