Nena Brockhaus: "Mich schüttelt es beim Grünen-Manifest zur Männlichkeit"
1. Die Journalistin Nena Brockhaus hat sich das neue Manifest der Grünen zur Männlichkeit angesehen:
Man stelle sich vor: Wolfgang Kubicki und Christian Lindner setzen sich zusammen und schreiben ein Manifest darüber, wie Frauen zu sein haben. Wie sie ihre Weiblichkeit ausleben dürfen und wie eben nicht. Die beiden FDP-Männer würden darin erklären, dass Frauen ruhig wieder stark blondierte Haare, rote Fingernägel und kurze Röcke tragen dürften.
Gleichzeitig aber wolle man dem verkümmerten Verständnis von blonder Weiblichkeit, das nur Verletzlichkeit und Dummheit kenne, eine klare Absage erteilen. Der Aufschrei in diesem Land wäre gigantisch. Kubicki müsste zurücktreten.
Genau das ist jetzt passiert. Nur betrifft es nicht die FDP, die sowieso die wenigsten Journalisten leiden können. Sondern die Grünen. Die Partei also, auf die die Mehrzahl der Journalisten liebevoll blickt. Und es trifft nicht die Frauen, sondern die Männer. Und deshalb ist es natürlich, wie so oft, kein allzu großes Problem.
Verfasst haben das Manifest Franziska Brantner, die amtierende Vorsitzende der Grünen, und Ricarda Lang, die es einmal war. Sie sind das weibliche Äquivalent zu Kubicki und Lindner. Und sie haben sich hingesetzt und erklärt, wie Männer zu sein haben. An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass Brantner und Lang es nicht ganz allein getan haben. Andere grüne Politiker*innen – ich würde es mich ja niemals wagen, grüne Politiker zu adressieren, ohne zu gendern – wie Terry Reintke und Robin Wagener waren bei dem Gaga-Konzept auch mit von der Partie.
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2. Der Freiburger Christopher-Street-Day steht dieses Jahr unter dem Motto "Das Patriarchat muss brennen!"
3. In Ostdeutschland gibt es Regionen, wo Frauen mehr verdienen als Männer. Die Berliner Zeitung hat die Volkswirtin Michaela Fuchs dazu interviewt, die gemeinsam mit drei Kolleginnen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, eine Studie zu den regionalen Unterschieden im Gender-Pay-Gap erarbeitet hat. Ein Auszug aus diesem Gespräch:
Berliner Zeitung: Wie erklärt sich die Beharrung [beim Gender Pay Gap insgesamt]?
Michaela Fuchs: Das hat mit der Konstanz der Wirtschafts- und Berufsstruktur in der Region zu tun und mit anderen Dingen, die sich nur langsam ändern – zum Beispiel gesellschaftlichen Einstellungen. Auch die Berufswahl von Männern und Frauen ändert sich in Deutschland seit Jahren kaum. Letzteres ist ein ganz wichtiger Einflussfaktor für die Gehaltslücke: Frauen wählen immer wieder die geringer bezahlten Berufe.
(…) Berliner Zeitung: Betrachten wir den sogenannten Extremkreis Dessau-Roßlau genauer. Wie wirkt sich der Gender-Pay-Gap zugunsten der Frauen auf die Geschlechterbeziehung im Alltag aus?
Michaela Fuchs: (…) Eigentlich müssten ja die Männer aufschreien, weil sie so schlecht verdienen, aber ich sehe nicht, dass sie es tun. Das geringere Gehalt müsste nach den landläufigen Erklärungen auch dazu führen, dass die Männer bei Familiengründung eher daheimbleiben und die Frauen arbeiten gehen. Aber solche Daten gibt es für die kleinräumige Ebene nicht.
Berliner Zeitung: In meiner Bitterfelder Familie gibt es den folgenden Fall: Der Mann arbeitete bis 1991 im Braunkohletagebau, als Bestverdiener. Er verlor die Arbeit, landete in Leiharbeit mit niedrigem Gehalt. Die Frau war Lehrerin, wurde gut bezahlte Beamtin. Kann das als typisch gelten?
Michaela Fuchs: Ja. Wenn die gut bezahlten Jobs – wie in der Kohle – wegfallen, dann hat das für Familien eine große Bedeutung. Der Niedergang der Industrie war ganz grundsätzlich nach der Wende das große Problem. Und es kamen nur wenige neue Jobs in den klassischen Männerberufen nach, der erhoffte industrielle Aufschwung blieb aus. Daher haben relativ viele Männer in vielen Regionen Ostdeutschlands nicht so attraktive Jobmöglichkeiten wie in vielen westdeutschen Regionen.
Berliner Zeitung: Das heißt also, Frauen im Osten verdienen nicht unbedingt mehr, aber die Männer eben deutlich weniger?
Michaela Fuchs: Das ist ein wesentlicher Faktor für den Gender-Pay-Gap – wenn man ihn mal von der Männerseite her betrachtet. Die eher auf Dienstleistungs- und Verwaltungsberufe ausgerichteten Frauen haben in Ostdeutschland mehr Möglichkeiten und verdienen dann eben auch besser. Vergleicht man nämlich die Frauenentgelte Ost und West, dann gibt es kaum einen Unterschied. Wir haben auch dazu eine Karte gemacht – auf der sieht man keine Ost-West-Grenze mehr. Bei den Männern sind die Unterschiede hingegen extrem – da sieht man die alte Grenze ganz krass. Männer im Westen verdienen erheblich mehr als die im Osten.
Berliner Zeitung: Warum ist im Bodenseekreis der Lohnrückstand der Frauen besonders hoch?
Michaela Fuchs: Weil sie nicht in die attraktiven Männerberufe gehen, die es dort gibt – zum Beispiel Maschinenbau- und Betriebstechnikberufe oder Berufe in Forschung und Entwicklung. Generell ist die Wirtschaftsstruktur anders als zum Beispiel in Dessau-Roßlau. Im Bodenseekreis gibt es viel mehr Großbetriebe wie zum Beispiel den weltweit aktiven Technologiekonzern ZF Friedrichshafen. Etwa die Hälfte der Beschäftigten arbeitet in Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten. Große Betriebe zahlen generell besser und bieten mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Daraus ergibt sich im Vergleich der Männergehälter Bodenseekreis hier, Dessau-Roßlau da ein riesiger Unterschied – nämlich 68 Euro pro Tag! Vergleicht man die Frauengehälter beider Kreise, liegt der Unterschied bei sieben Euro pro Tag. Die Frauen arbeiten im Bodenseekreis vor allem im Büro und Sekretariat, in der Erziehung und Verwaltung. Sie wählen ihre klassischen Berufe, nicht die bestbezahlten.
Berliner Zeitung: Warum nur?
Michaela Fuchs: Ich spreche mal für westdeutsche Frauen: Für junge Männer und junge Frauen sind unterschiedliche Dinge unterschiedlich wichtig. Das betrifft zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Junge Frauen denken noch immer stärker als junge Männer daran, Kinder haben zu wollen, und fragen: Mit welchem Beruf kann ich das am besten managen? Sie schrecken dann offenbar eher zurück vor Berufen mit unbestimmten Arbeitszeiten, vielen Überstunden, Dienstreisen und Wochenendarbeit.
4. Donald Trumps Zustimmungswert unter Männern ist laut einer neuen Umfrage von Focaldata und der Financial Times weiter gesunken. Diese Bevölkerungsgruppe hatte maßgeblich zu seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Jahr 2024 beigetragen.
Bereits im März dieses Jahres hatten Umfragen auf einen zunehmenden Rückgang der Unterstützung unter männlichen Wählern hingewiesen. Zwar sind männliche Wähler insgesamt betrachtet weiterhin eher geneigt, Trump zu unterstützen als weibliche Wähler, doch die jüngsten Focaldata-Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst eine der verlässlichsten Wählergruppen des Präsidenten Anzeichen von Erosion zeigen könnte.
Eine in der vergangenen Woche durchgeführte Umfrage von The Economist/YouGov zeigt, dass Trumps allgemeiner Zustimmungswert bei 38 Prozent liegt, verglichen mit einer Ablehnung von 58 Prozent. Unter Männern beträgt Trumps Zustimmungswert 44 Prozent, während 53 Prozent seine Amtsführung ablehnen.
5. In Australien hat eine Mutter ihren Sohn getötet und teilweise gegessen. Dreimal hatte man die Behörden auf seine Situation hingewiesen, weil man befürchtete, dass die Mutter an einer drogenbedingten Psychose litt. Das letzte Mal geschah dies im vergangenen Januar, als Sozialarbeiter prüften, ob der Junge aufgrund des vermuteten Drogenmissbrauchs seiner Mutter von schwerer Vernachlässigung bedroht war. Es gab jedoch nicht genügend Beweise für ihren angeblichen Drogen- und Alkoholmissbrauch, und so durfte er bis zu seinem Tod bei ihr bleiben.
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