Montag, April 27, 2026

Paartherapeut ermahnt Männer hassende Feministinnen: "Habt ihr auch mal an die Kinder gedacht?"

1. In der "Zeit" äußert der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer seine Bedenken, dass die derzeit besonders virulenten Anfeindungen gegen Männer großen Schaden anrichten können:

Die Rede von der toxischen Männlichkeit lässt einen statistisch unwahrscheinlichen Verdacht bedrohliche Gestalt annehmen, als hätte er Blut getrunken. Ein Tropfen Übergriff auf eine Million Kooperationen – und schon scheint das Gift die Norm. Wo bleiben Familien, Väter und Mütter, der kooperative Alltag, die freundliche Selbstverständlichkeit ohne Theater und Buhei? Eltern begleiten ihre Kinder auf dem Weg in deren erwachsenes Leben. In den meisten Fällen erleben beide Seiten diese Entwicklung als bereichernde Erfahrung und lernen viel voneinander, was auch die künftigen Beziehungen zu Männern und Frauen mitgestaltet.

Wer denkt aber an die Kinder, wenn Männer pathetisch unter Generalverdacht gestellt werden, zerstrittene Paare und Rosenkriege als scheinbare Norm erscheinen, während doch auch in der Scheidungskränkung nur eine winzige Minderheit der Paare darin versagt, die gescheiterte Beziehung in Anstand und Kooperation aufzulösen?

(…) Die sozialen Medien haben uns etwas aufgezwungen, auf das wir mit dem aufgeklärten Gegensatz zwischen magischem und kritischem Denken nicht mehr angemessen reagieren können. Was im Internet ist, hat durch die Möglichkeiten einer fast unbegrenzten Auffindbarkeit und potenziell unendlicher Wiederholung etwas wie eine Existenz zwischen dem Materiellen und dem Imaginären. Völlig neue Varianten seelischer Grausamkeit sind entstanden. Es erfordert nur einige Klicks, um jemanden an den Pranger zu stellen, den Ruf zu schädigen, die Person zu beschämen. Das ist Lynchjustiz für jedermann. Und wieder gefragt: Wer denkt an die Kinder?

(…) In der Hektik des Medialen verstummen zärtliche Bindungen und die langsamen Prozesse, in denen sie sich entwickeln. Das führt dann zu Resultaten wie einer millionenfach bejahten Umfrage in einem sozialen Medium, eine Frau würde im Wald lieber einen Bären treffen als einen Mann.

Menschen sind darauf angewiesen, in ihrem Sein anerkannt zu werden, um zu kooperieren. Die Negation von Zusammenarbeit in den medialen Algorithmen führt dazu, dass die Realität der Kooperation unwahrscheinlicher gemacht wird. Der gute Bär neben dem bösen Mann zeigt, wie erfolgreich das werden kann.




2. Wie immer stammen Schmidbauers mahnende Worte von einem Außenstehenden im Journalismus. Regelmäßig anders sehen Journalisten die Dinge. Männer sollten den Generalverdacht aushalten, fordert etwa Valentin Schwarz in der Stuttgarter Zeitung. Würde er auf gruppenbezogene Menscheinfeindlichkeit gegen Schwarze, Zuwanderer, Muslime oder Juden genauso reagieren?

"Jeder Mann ist ein potenzieller Täter" – dieser Satz polarisiert. (…) Schnell folgen dann Abwehrreflexe nach dem Motto "aber ich doch nicht", gespickt mit Begriffen wie "Generalverdacht" oder "Männerhass". Der Satz wird hier als persönlicher Angriff wahrgenommen. Dabei lässt er sich auch ganz anders deuten: nicht als gezielte Attacke auf Einzelpersonen, sondern als deutlicher Verweis auf ein patriarchales System der Gewalt und Ungerechtigkeit. (…) Es handelt sich um die Symptome eines patriarchal-kapitalistischen Systems, das maßgeblich auf der Ausbeutung weiblicher Ressourcen beruht. (…) Sich das als Mann einzugestehen, kann ein wichtiger erster Schritt sein – aber auch ein schwerer Schlag fürs eigene Selbstwertgefühl. Es ist deshalb nachvollziehbar, wenn Männer parallel zu einem wachsenden Bewusstsein für patriarchale Strukturen Scham für die eigene Rolle innerhalb dieser Strukturen entwickeln. Davon kann ich als relativ junger Mann, dessen Verhalten aus feministischer Perspektive noch immer viel zu oft zu wünschen übrig lässt, selbst ein Lied singen. (…) Und dann ist da noch eine weitere Möglichkeit: Bewegungen zu unterstützen, die patriarchal-kapitalistische Strukturen grundlegend hinterfragen oder gar bekämpfen.


Muss man eigentlich mit solcher Ideologie vollgeknallt sein, bevor man in einer deutschen Redaktion anfangen darf?



3. Die freie Autorin Sara Rukaj kritisiert solche "Bessermänner und ihre unerträgliche Selbstinszenierung" und spricht hier von der "unsympathischsten Form der Männlichkeit".

Der Bessermann widmet sich mit besonderer Inbrunst den Verfehlungen anderer Männer, als läge darin seine eigentliche Berufung. Er lebt von der Differenz. Je widerwärtiger der andere, desto reiner die eigene Pose. Besonders ergiebig ist dabei der Modus der Selbstkritik.

Der Bessermann tritt nicht selten als reuiger Erbe jahrhundertelanger männlicher Verfehlungen auf. Er spricht leise, reflektiert, mit jener sanften Gravität, die erkennen lassen soll, wie tief ihn die Last der Geschichte bewegt. Er bedankt sich bei Frauen für ihre jahrzehntelange Aufopferung, für Care-Arbeit, Geduld, emotionale Intelligenz und überhaupt dafür, dass sie die Welt trotz der Männer noch zusammenhalten. Und nachdem er all das anerkannt hat, wartet er auf den Applaus.

Dass dabei oft dieselben Mechanismen am Werk sind, die der Bessermann so gerne geißelt – Eitelkeit, Geltungsdrang, Lust an der Bloßstellung –, fällt kaum noch auf. Figuren wie El Hotzo oder Jan Böhmermann sind in diesem Sinne keine Ausnahmen, sondern besonders gelungene Exemplare eines gut geölten Geschäftsmodells.

(…) International fast ein Paradebeispiel war Joss Whedon. Er wurde jahrelang als "feministischer Nerd-Messias" gefeiert, wegen Buffy und sogenannter "starker Frauenfiguren". Er sprach ständig über Sexismus in Hollywood und galt vielen als Beweis, dass auch Männer feministische Helden sein könnten. Später erhoben Ex-Frau Kai Cole und mehrere Schauspielerinnen schwere Vorwürfe: Manipulation, Demütigungen, Machtmissbrauch am Set. Das Muster ist vertraut. Je emphatischer die öffentliche Selbsterklärung, desto größer bisweilen die Fallhöhe.

Das jüngste Medienspektakel um Collien Fernandes und Christian Ulmen ist dafür ein Lehrstück. Im August 2014 erklärte Ulmen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ohne jede erkennbare Ironie: "Ich sehe mich komplett als der Typ Mann, den sich der Feminismus immer gewünscht hat." Schlecht gealtert ist daran nicht nur der Satz. Schlecht gealtert ist die narzisstische Endstufe einer Gesellschaft, in der jede politische Idee so lange verwertet wird, bis sie als Accessoire im Selbstbild eines Fernsehprominenten endet.

Noch aufschlussreicher als Ulmens feministische Selbstdarstellung ist die Männerparade, die sich des Ganzen im Nachgang angenommen hat: vom Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre, der sich im "Spiegel" pflichtschuldig von seinem Ex-Kumpel Christian distanziert und dabei vermutlich schon am nächsten Enthüllungsroman feilt, bis zum Comedy-Clown Oliver Pocher, dessen eigene Vita an dokumentierten Total-Entgleisungen kaum hinter der des aktuellen Prügelknaben zurücksteht, der sich aber nun mit süffisantem Grinsen am Karriereknick des anderen ergötzt.


Leider entgleist der Artikel danach zunehmend, bis er bei der Empfehlung von Leuten wie Ralf Pohl landet. Pohl wäre allerdings der erste, der Männern mit einem anderen Rollenverständnis als seinem eins überbrät. Lasst mich mal nach einem aktuellen Artikel googlen – ah, da haben wir es schon: "Dass Männer das andere Geschlecht nicht anerkennen, ist sowohl kulturell als auch in den Individuen stark verankert", wer Benachteiligungen von Männern anspreche, betreibe "eine klassische Täter-Opfer-Umkehr" und so weiter. "Bei Männern muss man sich leider alles vorstellen", tönt er in der Frankfurter Allgemeinen. Pohl ist das Musterbeispiel für die "Bessermänner", die Sara Rukaj zu Beginn ihres Artikels noch kritisiert hatte.

Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich ihr raten, einen Riesenbogen um Typen zu machen, die sich als feministisch inszenieren. Stattdessen würde ich ihr empfehlen, sich einfach an Leuten zu orientieren, die zu Frauen genauso freundlich und wertschätzend wie gegenüber Männern sind.



4. Für etwas mehr Wirklichkeitsnähe statt Geschlechterhass sorgt der Psychologe Pascal Wagner. "Es gibt Frauen, die gewalttätiger sind als viele Männer", stellt er klar.

"Das klassische Stereotyp stellt Männer als aggressiver und gewalttätiger dar", sagt er. Ganz aus der Luft gegriffen sei das nicht: "In Studien zeigen sich im Durchschnitt Unterschiede – Männer sind statistisch gesehen häufiger aggressiv." Doch genau hier liege das Problem. "Es handelt sich um Durchschnittswerte. Das bedeutet nicht, dass alle Männer gewalttätiger sind als alle Frauen." Im Gegenteil: Die Unterschiede innerhalb der Gruppen seien oft grösser als zwischen Männern und Frauen. "Eine Reihe Frauen sind gewalttätiger als eine Reihe Männer", so Wagner. Der Effekt entstehe oft durch eine kleinere Gruppe besonders gewalttätiger Männer – und werde dann verallgemeinert. Das Stereotyp macht daraus eine einfache Botschaft: Männer sind Täter, Frauen nicht. "Und genau das erschwert es, weibliche Gewalt überhaupt wahrzunehmen."




5. In Großbritannien ist der Hass und die Abwertung, mit der viele junge Frauen Männern begegnen, weiterhin Thema. Anders als hierzulande erkennt man dort auch, welche Ideologie diese Feindschaft angefacht hat. "Wie uns die „Sei nett“-Fraktion gelehrt hat, einander zu hassen", erklärt ein aktueller Artikel zu diesem Thema.

Eine in allen Bereichen der Gesellschaft verbreitete Erzählung, wonach alle Männer Unterdrücker seien und Männlichkeit von Natur aus problematisch sei, wonach Frauen die ewigen Opfer des "Patriarchats" seien und traditionelle weibliche Tugenden wie Mitgefühl und Zusammenarbeit die Norm und das Heilmittel darstellten, hat Zwietracht gesät. (…) In ihrer Untersuchung über eine aufkommende "Femosphere" berichtet Emily Lawford, dass Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren "jungen Männern gegenüber viel negativer eingestellt sind, als junge Männer ihnen gegenüber", und dass "diese ‚Femosphere‘ zwar eine Bandbreite an Tönen umfasst, ein Großteil davon jedoch diese Feindseligkeit gegenüber Männern verstärkt". In ihren Interviews stieß Lawford auf eine spezifische Kategorie und ein beständiges Ziel dieser Antipathie: heterosexuelle weiße Männer.

Überraschenderweise vielleicht geht die größte Abneigung gegen Männer und die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben nicht von Frauen aus der Arbeiterklasse oder mit ethnischem Minderheitenhintergrund aus, sondern von weißen und "privilegierten" Frauen aus der Mittelschicht. (…) An der Universität wird jungen Frauen beigebracht, "das Patriarchat" und "strukturellen Sexismus" für all ihre Probleme verantwortlich zu machen. Und es gibt eine bestimmte Art von privilegierten Liberalen aus der Mittelschicht, die erwarten, dass ihnen alles im Leben auf dem Silbertablett serviert wird. Kein Wunder, dass sie dazu neigen, alle außer sich selbst dafür verantwortlich zu machen, wie unglücklich sie sich fühlen.

(…) Wie ironisch ist es doch, dass die Doktrin des Hyperliberalismus, deren Kern die Notwendigkeit von Mitgefühl und die Verpflichtung zur "Güte" bildet und die uns dazu ermahnt, "den Anderen" zu respektieren und anzuerkennen, uns an einen Punkt geführt hat, an dem sich nun alle gegenseitig hassen.




6. "Wie junge Frauen dazu radikalisiert werden, Männer zu hassen" ist auch Thema eines Artikels von Debra Soh in der kanadischen Globe and Mail.

Influencerinnen der Femosphäre ermutigen Frauen, in ihren Interaktionen mit Männern berechnend zu sein und sie finanziell auszunutzen, ähnlich wie manche Männer Frauen für Sex ausnutzen. Die Femosphäre ist ebenso schädlich in der Verbreitung männerfeindlicher Einstellungen unter Mädchen, hat jedoch im Vergleich deutlich weniger, wenn überhaupt, Empörung ausgelöst.

Diese Schieflage unkontrolliert zu lassen, hatte ernste Konsequenzen. Umfrageergebnisse, die von The New Statesman veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass eine Generation junger Frauen durch Online-Inhalte radikalisiert wurde, sich politisch weiter nach links bewegt und einen ausgeprägten Hass auf Männer entwickelt hat.

Junge Frauen, insbesondere solche mit Büro- und Akademikerberufen, haben negativere Ansichten über das andere Geschlecht als Männer. Nur 50 Prozent der befragten Frauen (im Alter von 18 bis 30 Jahren) gaben an, eine positive Einstellung gegenüber Männern zu haben, während 72 Prozent der gleichaltrigen Männer eine positive Einstellung gegenüber Frauen hatten. Bei Frauen unter 25 Jahren war dieser Pessimismus noch ausgeprägter – nur etwa ein Drittel berichtete von einer positiven Sicht auf Männer.

(…) Neben polarisierenden Inhalten in sozialen Medien haben auch das Bildungssystem und eine kulturelle Abstumpfung gegenüber männlichem Leid zu dieser bedauerlichen Entwicklung bei jungen Frauen beigetragen – einschließlich der Förderung eines Gefühls, dass Vergeltung gegenüber Männern gerechtfertigt sei.

Im Hochschulbereich wird jungen Frauen vermittelt, sie seien weiterhin durch Männer unterdrückt. Als Reaktion darauf werden viele Stipendien und berufliche Chancen ausdrücklich Frauen angeboten (aber nicht Männern), obwohl Frauen und Mädchen objektiv bessere Leistungen erbringen als ihre männlichen Altersgenossen.

Auch kulturelle Trends spielen eine Rolle: Als Popstar Sabrina Carpenter begann, in ihren Musikvideos Männer zu töten, festigte dies ihre Popularität weiter, statt ihrer Karriere zu schaden. Es ist schwer vorstellbar, dass ein männlicher Musiker, der in der heutigen Situation beiläufig Gewaltakte gegen Frauen darstellt, denselben Zuspruch erhalten würde.

(…) Anstatt sich in einer endlosen Spirale der Entmenschlichung des jeweils anderen zu verlieren, müssen Männer und Frauen Sexismus und Grausamkeit auf beiden Seiten benennen. Unsere Institutionen und Medien sollten anerkennen, dass Online-Extremismus sowohl von Frauen als auch von Männern ausgehen kann.

Beide Geschlechter müssen erkennen, dass jede Person, der sie begegnen, ein Individuum ist und kein Mitglied eines Kollektivs. Ein Fremder sollte nicht für die verletzenden Handlungen eines früheren Partners verantwortlich gemacht werden.

Der Konsum spaltender Inhalte macht niemanden klüger auf dem Dating-Markt. Er füllt lediglich die Taschen dramatisierender Influencer und großer Tech-Unternehmen.




7. Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema gelangt zu ähnlichen Schlussfolgerungen:

Ich habe mir kürzlich eine Diskussion auf dem YouTube-Kanal von The New Statesman angesehen mit dem Titel "Why do young women hate men?".

Die Videobeschreibung lautet:

"Seit Jahren zerbrechen wir uns den Kopf über die ‚Manosphere‘: die frauenfeindlichen Influencer wie Andrew Tate, die eine Generation desillusionierter und beeinflussbarer verlorener Jungen ausnutzen. Aber was ist mit radikalisierten jungen Frauen?"

Ja, was ist mit denen?

Im Video diskutieren drei Frauen die Ergebnisse einer Umfrage, die sie unter der Generation Z zu ihren Einstellungen gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht durchgeführt haben. Die Resultate überraschen mich überhaupt nicht und dürften auch niemanden überraschen, der tatsächlich aufmerksam verfolgt, was passiert. Die Frauen im Video wirken dagegen ziemlich erstaunt.

Es stellt sich heraus – Trommelwirbel … junge Männer hassen junge Frauen längst nicht so sehr, wie junge Frauen Männer hassen. Was für eine Überraschung!

Für mich sind die Ergebnisse deprimierend vorhersehbar. Spannend war für mich vielmehr, ihre Reaktion darauf zu hören. Viel "Was könnte hier los sein?" und "Ich verstehe nicht wirklich, warum …".

Die Interviewerin sagt immer wieder: "Das ist interessant." Interessant? Es ist also "interessant", dass große Teile junger Frauen offenbar Männer hassen? Woran könnte das wohl liegen?

Sie geben tatsächlich zu, dass es etwas mit "progressiver" Online-Kultur und einer Radikalisierung junger Frauen im Internet zu tun haben könnte. Damit tasten sie sich vorsichtig an mögliche Ursachen heran. Aber wie wäre es mit dem Elefanten im Raum? Nämlich all den anderen Bereichen der ganz normalen, alltäglichen Kultur, in denen junge Frauen beeinflusst werden?

Die Tatsache, dass das seit über einem Jahrzehnt in alles eingebettet ist, wird nicht einmal erwähnt. Schulen, Universitäten, Kunst, Politik, Mainstream-Medien, Filme, BBC-/Netflix-Serien, Dokumentationen, Kinderbücher, Musik … Es gibt buchstäblich kein Entkommen vor dem Feminismus und dem ständigen, ermüdenden Tropfen beiläufiger (und nicht so beiläufiger) Männerfeindlichkeit. Ja: Männerfeindlichkeit. Nicht "Misogynie". Nicht "toxische Männlichkeit". Nicht "Patriarchat". Sondern: Männerfeindlichkeit. Sie ist so normalisiert und akzeptiert, dass die meisten Frauen sie nicht einmal mehr wahrnehmen, geschweige denn darüber sprechen.

(…) Falls jemand denkt, ich würde übertreiben: Ich habe eine Tochter. Ich sehe, was sie an ihrer gemischten Gesamtschule erlebt. Feminismus ist in praktisch alles eingebaut, und ich habe den größten Teil des letzten Jahrzehnts damit verbracht, sie davon zu "entprogrammieren". Oder zumindest ihr andere Perspektiven zu zeigen und ihr die Möglichkeit zu geben, darüber nachzudenken und das kritisch zu hinterfragen, womit sie täglich konfrontiert wird. Deshalb spricht sie regelmäßig mit mir über diese Themen.

Im Gegensatz zur Schule versuche ich, sie dazu zu bringen, sich die Fakten und verschiedene Sichtweisen anzusehen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich sage ihr nicht, was sie denken soll. Ich fordere sie auf, selbst zu denken. Und sie ist bemerkenswert reif und vernünftig. Mit vierzehn ist sie schon deutlich ausgewogener und differenzierter als viele sogenannte erwachsene Frauen, denen ich begegnet bin. Es ist also möglich. Schulen sollten sich daran ein Beispiel nehmen!

Sie erzählt mir, was im Unterricht passiert, und ich sehe ihre Hausaufgaben:

Englisch? Fokus auf Frauen und ihre Probleme. Geschichte? Frauen. Kunst? Frauen. Naturwissenschaften? Frauen. Selbst im Mathematikunterricht wurde bei einem Elternabend betont, dass meine Tochter ein "Mädchen" ist und wie wichtig es sei, dass sie gut in Mathe ist, weil man unbedingt mehr Mädchen in diesem Fach fördern müsse. Müssen wir das? Warum?

In den Fluren hängen Plakate, die Schriftstellerinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen feiern. Schulversammlungen? Themen rund um Frauen.

Frauen, Frauen, Frauen … es ist überall.

Wenn Jungen und Männer thematisiert werden, dann oft, um sie als defizitär darzustellen, ihnen "toxische Männlichkeit" zu erklären oder ihnen zu vermitteln, dass sie sich ändern müssen, um "gut" zu sein.

(…) Im Video räumen die Diskutierenden ein:

"Wenn man sich die Jugendarbeitslosigkeit oder Studienkredite anschaut, ist es für junge Menschen derzeit schwer. Aber interessant ist, dass junge Frauen viel pessimistischer sind als junge Männer, obwohl sie objektiv in einer besseren Lage sind – etwa bei Beschäftigung und Einkommen. Trotzdem können wir nicht ganz erklären, warum ihr Pessimismus so viel stärker ist."

"Können wir nicht ganz erklären?" Was für ein schonungsloses Eingeständnis der völligen Verblendung und Inkompetenz des heutigen Mainstream-Kommentariats, das eigentlich verstehen sollte, was in der realen Welt vor sich geht. Meine Güte!

Und habe ich das richtig verstanden? Jungen Frauen geht es besser als jungen Männern, aber trotzdem: das Patriarchat. Alles klar, verstanden.

(…) Es stellt sich heraus, dass bei all der Hysterie, den endlosen Meinungsartikeln und Dokumentationen über die angeblich böse "Manosphere" nur eine sehr kleine Minderheit junger Männer davon radikalisiert worden zu sein scheint. Wenn man bedenkt, dass dies nur eine kleine Ecke des Internets ist, im Vergleich zum Feminismus, der praktisch überall sonst präsent ist, überrascht es kaum, dass die Umfrageergebnisse ein völlig verzerrtes Bild zeigen.

Und es lohnt sich, auf den anderen Elefanten im Raum hinzuweisen: Radikaler Feminismus IST der Grund dafür, dass es die "Manosphere" gibt. So viel dazu.

Wie sich zeigt, haben Handlungen Konsequenzen.

Wie so viele andere aktuelle progressive Empörungswellen und Steckenpferde wurde auch dieses Thema maßlos aufgeblasen, und wir alle werden durch ihr ständiges Gaslighting hinters Licht geführt. Dadurch, dass sie keinerlei Widerspruch, keine Debatte und keine alternativen Stimmen zulassen, all ihre Energie nur auf ihre eigene Sichtweise konzentrieren und Gegenargumente ignorieren, bekommt die Öffentlichkeit ein verzerrtes und verdrehtes Bild der Realität.

(…) Für viele von uns ist das seit weit über einem Jahrzehnt offensichtlich, und viele vernünftige Menschen haben versucht, Alarm zu schlagen. Doch die Reaktion bestand darin, sie anzuschreien, sie als Faschisten zu bezeichnen oder sie auszugrenzen. Und nun, wenn die tatsächlichen Ergebnisse einer solchen Umfrage vorliegen, sind sie überrascht. Natürlich. Sie haben sich in einer sorgfältig und bewusst konstruierten Blase bewegt, und nun fallen die Konsequenzen auf sie zurück. Lügen und Verzerrungen über die wahre Natur der Realität haben eben reale Folgen. Welch Erkenntnis!

Ich habe im Laufe der Jahre meinen Anteil an Online-Debatten und Meinungsverschiedenheiten mit Feministinnen gehabt. Mir wurde gesagt, ich sei entweder eine "Handlangerin", eine Frau, die "vom Patriarchat einer Gehirnwäsche unterzogen" worden sei, oder eine "Pick-me"-Frau, die das alles tue, um Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen. Na, danke, "Schwestern"! Das ist ja überhaupt nicht herablassend. Ich schätze, als dumme Frau habe ich wohl keine eigene Handlungsfähigkeit.

Der Grund, warum ich immer wieder darauf zurückkomme, ist, dass ich sehe, was das mit jungen Frauen macht. Es macht sie unglücklich, wütend und nihilistisch. Ich habe viele alarmierende Beiträge und endlose Threads von jungen Frauen gesehen, in denen sie darüber schreiben, wie sehr sie Männer verabscheuen und wie große Angst sie vor ihnen haben. Das wird seit Jahren immer weiter angeheizt, und das beunruhigt mich sehr – besonders als Mutter. Ich habe das Glück, eine Tochter zu haben, die ihren eigenen Kopf hat. Aber das ist ihre Generation. Sie wächst in diesem Umfeld auf, und es bricht mir das Herz. Ich möchte, dass sie später gesunde, normale romantische Beziehungen führen kann. Ich möchte nicht, dass sie Männer hasst, und ich möchte nicht, dass sie unglücklich und allein ist. Was für eine Verschwendung junger Leben, in diesen wahnsinnig manipulativen Giftstrom hineingezogen zu werden.

Wann wird jemand wie Louis Theroux oder ein anderer progressiver "vorzeigbarer Vertreter des Mainstream-Fernsehens" eine Dokumentation über die Radikalisierung junger Frauen machen? Wann wird es eine ehrliche Enthüllungsreportage darüber geben, was tatsächlich in Schulen und Universitäten vor sich geht?




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Freitag, April 24, 2026

Wie Feminismus zu Gewalt führt

1. Das Magdeburger Nachrichtenportal kompakt media betreibt in einem aktuellen Essay Ideologiekritik: "Feminismus: Der Feind, den man selbst erschuf". Der ungenannte Autor ist bemerkenswert sachkundig im Thema. Ein Auszug:

Die Erzählung ist so allgegenwärtig wie bestechend einfach: Die Weltgeschichte ist eine Geschichte der Unterdrückung der Frau durch den Mann. Das System, das diese Unterdrückung aufrechterhält, trägt den Namen "Patriarchat". In dieser binären Weltsicht sind die Rollen klar verteilt: Männer sind die Täter und Profiteure, Frauen die Opfer. Doch bei genauerer Betrachtung erweist sich dieses Narrativ als historisch unterkomplex und gesellschaftspolitisch problematisch. Wenn der Feminismus die Schuld für gesellschaftliche Schieflagen einzig im Patriarchat sucht, ohne den Anteil der Frauen an der Aufrechterhaltung dieser Strukturen zu berücksichtigen, läuft er Gefahr, zu einer Verblendung zu werden. Mehr noch: Der aggressive Kampfgedanke mancher feministischen Strömungen reproduziert oft genau jene Gewaltstrukturen, die er eigentlich überwinden will.

(…) Diese neue soziale Kontrolle führt unweigerlich zu der drängenden Frage, ob der feministische Kampfgedanke selbst jene Gewaltstrukturen reproduziert, die er dem Patriarchat vorwirft. Die Antwort ist ein unbequemes Ja. Als Esther Vilar ihre Thesen veröffentlichte, wurde sie nicht nur verbal attackiert, sondern von Feministinnen mehrfach tätlich angegriffen. Diese physische Gewalt ist nur die Spitze des Eisbergs. In der heutigen digitalen Ära manifestiert sich diese Aggression oft in Form der sogenannten Cancel Culture. Kritikerinnen wie Camille Paglia weisen darauf hin, dass der moderne Feminismus aufhören müsse, Männern pauschal die Schuld zu geben.

Die Washington Post beschrieb die Mechanismen der Cancel Culture treffend als eine Form der "weiblichen Aggression" oder "toxischen Weiblichkeit". Statt offener physischer Gewalt (die traditionell eher männlich assoziiert wird), bedient man sich der sozialen Ausgrenzung, des Rufmords und der Zerstörung von Existenzen. Wenn männliche Kritiker pauschal als "sexistisch" und abweichende weibliche Stimmen als "Verräterinnen" gebrandmarkt werden, bedient sich die Bewegung genau jener autoritären und unterdrückerischen Mechanismen, die sie eigentlich bekämpfen will. Der Kampf gegen das Patriarchat wird so paradoxerweise mit patriarchalen Waffen geführt.

(…) Ein zukunftsfähiger Ansatz muss die binäre Täter-Opfer-Logik hinter sich lassen. Er muss anerkennen, dass historische Strukturen das Resultat komplexer sozioökonomischer Entwicklungen waren, an denen beide Geschlechter ihren Anteil hatten. Wahre Gleichberechtigung entsteht nicht durch die Dämonisierung des Männlichen oder die blinde Idealisierung des Weiblichen, sondern durch die ehrliche Auseinandersetzung mit den Stärken, Schwächen und der gemeinsamen Verantwortung beider Geschlechter – jenseits von ideologischen Konstruktionen und Dekonstruktionen.




2. Der linke Kolumnist Roberto J. De Lapuente sieht in seiner Glosse "Ab ins Greiswehrersatzamt!" voraus, wie es aussehen wird, wenn der Staat auch ältere Männer wieder an die Front schickt, um Deutschland vor Angriffen zu schützen. Ein Auszug:

Die Männer sollten ja ihr Rollenbild überdenken, erklärte man ihnen seit vielen Jahren – die Selbstkasteiung des starken Geschlechts konnte man an der Flanke des Fernandes-Komplexes beobachten. Bereit dazu Gewalt anzuwenden, Menschen zu schaden, ihnen Würde und Leben zu nehmen: Das muss der Mann im Falle eines Falles – um dieses Gemeinwesen zu verteidigen, um Frauen und Kinder zu schützen. Da ist die Bestie gerade gut genug – lieber alter weißer Mann, so hilf uns doch, schütze unser Haus und vergib uns unsere Schuld. Du bist ja doch ganz okay.




3. Das Nachrichtenportal Nordbayern berichtet:

Rund 970 Mal haben Anrufer aus Bayern im vergangenen Jahr das "Hilfetelefon Gewalt an Männern" angerufen. "Ob psychische Gewalt, Misshandlung, Mobbing oder Übergriffe in der Partnerschaft, die Fachkräfte hören zu – anonym, kostenlos und sicher", betonte das Sozialministerium in München anlässlich des sechsjährigen Bestehens des Angebots. Denn: "Auch Männer erleben Gewalt – in der Kindheit, auf der Straße, in Institutionen oder in der Partnerschaft." So sind den Angaben zufolge etwa 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt männlich.


Insgesamt werden nicht "auch" sondern vor allem Männer Opfer von Gewalt, und im häuslichen Bereich sind es 50 Prozent, egal was "die Angaben" behaupten, aber okay. Hauptsache, ihr tut endlich was um zu helfen.

"Oft stecken Männer die Demütigungen, Drohungen oder Schläge jahre- und sogar jahrzehntelang ein. Denn darüber spricht man(n) nicht", schilderte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). Oft aus Scham: Der Mythos vom "starken Mann" halte sich hartnäckig. "Ich würde mir sehr wünschen, dass noch mehr Männer diese Spirale des Schweigens durchbrechen, denn ein gewaltfreies Leben ist möglich", betonte Scharf.

Aus den Erhebungen des Männerhilfetelefons geht hervor, dass die Betroffenen 2025 in knapp zwei Dritteln (61 Prozent) der Fälle Gewalt von der (Ex-)Partnerin oder dem (Ex-)Partner ausgesetzt waren. In über zwei Dritteln der Fälle wurde eine ausschließlich weibliche Täterschaft angegeben, teilte das Ministerium mit. Am häufigsten sei bei den Gesprächen der Wunsch nach psychosozialer Beratung geäußert worden (50 Prozent). "Ebenfalls hoch war der Bedarf, eine Beratung bezüglich einer aktuellen Gewaltsituation (41 Prozent) oder Schutz vor weiterer Gewalt (34 Prozent) zu erhalten."

Das unter der Nummer 0800 123 99 00 erreichbare Männerhilfetelefon war am 22. März 2020 an den Start gegangen. Es bietet betroffenen Männern ein offenes Ohr und konkrete Hilfe. Riefen im Gründungsjahr noch 1.480 Menschen an, waren es im vergangenen Jahr schon 4.051 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei mehr als zwei Dritteln der Anrufer handele es sich um von Gewalt direkt Betroffene, erläuterte das Ministerium - wobei die Gewalt vor allem in der Partnerschaft oder dem nahen sozialen Umfeld stattfinde. Knapp ein Viertel der Anrufe komme aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen oder aus Fachstellen.

Das Männerhilfetelefon wird von Augsburg aus betrieben. Neben den Gründungsländern Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz an der Finanzierung. Neben telefonischer Beratung erhalten Betroffene beim Männerhilfetelefon auch online Unterstützung unter www.maennerhilfetelefon.de. Im Freistaat gibt es darüber hinaus auch spezialisierte Beratungsstellen in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg.




4. Eine aktuelle australische Studie zeigt, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen Gewalt in Paarbeziehungen und erhöhter Suizidalität bei Männern besteht: Sowohl Männer, die Gewalt erleben, als auch solche, die sie ausüben, berichten signifikant häufiger von suizidalen Gedanken und Verhaltensweisen. Dieser Effekt erweist sich als stabil über die Zeit, was auf ein anhaltendes Risiko statt einer kurzfristigen Krisenreaktion hindeutet. Die Ergebnisse verdeutlichen auch, dass Gewaltbeziehungen oft komplex und bidirektional sind, da Männer oft gleichzeitig Opfer und Täter sind, was die psychische Belastung verstärken kann. In der untersuchten Stichprobe berichteten 30,3 % der Männer, Partnerschaftsgewalt ausgesetzt gewesen zu sein, und 23,7 % davon, selbst Gewalt ausgeübt zu haben. Insgesamt unterstreicht die Studie, dass häusliche Gewalt ein erheblicher Risikofaktor für die psychische Gesundheit von Männern ist und Präventions- sowie Interventionsmaßnahmen dies berücksichtigen sollten.



5. Die feministisch geprägte britische Tageszeitung Guardian fragt, ob die Manosphäre das Dating ruiniert habe. Natürlich, wer sonst könnte dafür in Frage kommen?



6. Eine ebenfalls britische Initiative, Frauenfeindlichkeit in den Reihen der Polizei anzuprangern, wurde zum Reinfall, nachdem die für Diversität Zuständigen lediglich sieben Antworten erhielten. In keinem dieser Fälle war es nötig, Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen.

Der pensionierte Polizeichef Martin Gallagher erklärte, das Scheitern dieser Kampagne zeige, dass Sexismus kein so großes Problem sei, wie es die Führungsspitze behauptet habe: "Meiner Meinung nach führen sie den Krieg von gestern. Als ich 1994 eintrat, war Sexismus ziemlich weit verbreitet. Als ich 2004 Sergeant war, waren die jungen Polizisten in meiner Schicht fast zu gleichen Teilen Männer und Frauen, und das Geschlecht spielte keine Rolle. Als ich 2022 in den Ruhestand ging, war offensichtlich, dass der meiste Sexismus nur noch eine schlechte Erinnerung war – aber es passte einigen, die ihre Karriere mit der Arbeit in Diversitätsrollen gemacht hatten, weiterhin Verhaltensweisen aus vergangenen Zeiten anzuprangern. Diversität in der Polizeiarbeit zu überwachen ist viel einfacher, als draußen in der Kälte auf der Straße zu stehen. Vielleicht wäre es angemessener, sich darauf zu konzentrieren, Kriminelle zu fassen."



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Donnerstag, April 23, 2026

Harald Martenstein: "Gekränkten Männern steht das Zauberwort Sexismus nicht zur Verfügung"

1. In der "Welt" äußert sich Harald Martenstein zu den Sexismus-Vorwürfen gegen Denis Scheck, nachdem dieser die Bücher mehrerer Autorinnen kritisiert hatte. Ein Auszug:

Ein Kritiker, der nie etwas verreißt, hat die Grundlagen seines Jobs nicht kapiert. Er ist ein Richter, sein Geschmack ist sein Gesetzbuch, aber er ist auch ein Entertainer. Wer nur verreißt oder nur lobt, wirkt langweilig.

Eine Autor*in, die mit Verrissen nicht klarkommt, hat ebenfalls die Grundlage ihres Jobs nicht kapiert. Klar, es tut weh. Aber es gehört zum Spiel. Abgerechnet wird sowieso erst zum Schluss. Bücher, die von allen Rezensenten verrissen werden, können beim Publikum sehr erfolgreich sein. Bücher, die von der Kritik einhellig gepriesen wurden, können Ladenhüter sein. Am liebsten hätten alle Autoren beides, Geld und Ruhm. Aber wenn es wenigstens zu einem von beidem reicht, kannste nicht meckern.

Die Frage ist: Wie weit darf man als Kritiker gehen? Und damit sind wir bei Denis Scheck, seiner Büchersendung "Druckfrisch" und dem Beef, den er aktuell mit den Autorinnen Ildikó von Kürthy, Sophie Passmann und Elke Heidenreich hat.

Scheck hat Bücher dieser drei weiblich gelesenen Personen verrissen. Das wird von der feministischen Lobby "sexistisch" genannt, und es wird deshalb sogar seine Entlassung gefordert. Zu Passmann fiel Scheck zum Beispiel ein: "Aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins". Zu Kürthy: "Aus der Schnatterzone der Damentoilette".

Sexistischer als das "revanchistische Samenstaugewinsel", das mir in der "SZ" zuteil wurde, finde ich das eigentlich nicht. Zur Einordnung sollte man außerdem wissen, wie robust Denis Scheck auch über männliche Autoren schreibt, die er für schlecht hält. Sebastian Fitzek: "Ein stupider und voyeuristischer Gewaltporno." Dan Brown: "Ein unglaublich dilettantischer Schmarren."

Mehr davon? Marcel Reich-Ranicki über Nicholas Sparks: "In vergewaltigter Sprache erzählte Schmonzette." Über Günter Grass, immerhin Nobelpreisträger: "Wertlos, langweilig und unlesbar." Zu Elfriede Jelinek: "Ein Geschwätz sondergleichen." Im Falle des Großautors Martin Walser gehörte die Formulierung "ein erbärmliches Buch" sogar noch eher zu den maßvollen und liebenswürdigen Einlassungen Reich-Ranickis.

Beide, Denis Scheck und einst der selige Reich-Ranicki, behandeln Männer und Frauen in Wahrheit exakt gleich. Alles, was Sie für Schrott halten (womöglich zu Unrecht, gewiss), machen sie gnadenlos runter. Alles, was Sie mögen, lobpreisen sie aufs Engagierteste. Da herrscht nicht nur Gleichberechtigung, nein, sogar totale Gleichstellung. Feministischer als Denis Scheck kann man’s nun wirklich nicht machen.

Mir ist nicht ganz klar, worauf die feministische Scheck-Kritik eigentlich hinauswill. Sollen etwa für schreibende Männer und Frauen künftig unterschiedliche Qualitätskriterien gelten? Oder soll über die ach so verletzlichen Frauen in Zukunft grundsätzlich kuschelweicher geschrieben werden als über die harten Männer?


Wenigstens werden wir bislang von Redakteuren verschont, die sich in ihren Artikeln selbst geißeln (und alle anderen Männer mit), weil sie dasselbe Geschlecht haben wie Denis Scheck.



2. Digitale Gewalt: Nach einem Video-Chat ist ein Mann aus Thüringen erpresst worden. Weil er kein Geld zahlte, wurden private Aufnahmen in Sozialen Netzwerken veröffentlicht. Die Polizei ermittelt, mit einer SPIEGEL-Titelgeschichte und einer Miosga-Talkrunde ist nicht zu rechnen.



3. Apropos: Die Legal Tribune (LTO) beschäftigt sich damit, wie Christian Ulmens juristische Chancen gegen den SPIEGEL stehen. Die Argumentation ist ziemlich komplex, selbst wenn ich sie mit den zentralen Passagen auf das Wichtigste herunterbreche:

Wendet man sich der Frage der Erfolgsaussichten von Ulmens gerichtlichem Vorgehen zu, fällt zunächst auf: Im Spiegel-Bericht findet sich – anders als in den erwähnten Medienberichten – nirgends ein offen formulierter Deepfake-Verdacht. Eine Formulierung wie "Hat Ulmen auch Deepfakes versendet oder gar hergestellt?" oder "Unter den von Ulmen versandten Nacktaufnahmen könnten sich auch Deepfakes befinden" sucht man vergeblich.

Doch das schließt eine rechtliche Verantwortung des Spiegels nicht aus. Nach ständiger Rechtsprechung kann ein Verdacht nämlich auch zwischen den Zeilen erweckt werden. Gemeint ist eine verdeckte Aussage, die beim Leser als Eindruck hängen bleibt, ohne ausdrücklich benannt zu sein. Nicht ausreichend ist, dass Leser bloß auf den Gedanken kommen könnten, ein Verdacht bestehe. Erforderlich ist vielmehr, dass sich dieser Verdacht als unabweisliche Schlussfolgerung aus dem Gesamtzusammenhang der Berichterstattung zwingend aufdrängt.

(…) Der Spiegel führt die Szene so ein, dass Ulmen morgens mit Collien Fernandes in einem Hamburger Hotelzimmer im Bett liegt und ein Interview mit ihr liest. Darin berichtet Fernandes, wegen "Fake-Accounts" und "gefälschter Pornos" Anzeige bei der Polizei erstattet zu haben. Es folgt die Schilderung einer sichtlich besorgten Reaktion Ulmens: Er habe daraufhin angefangen, Fragen zu stellen, über Bauchschmerzen geklagt. Kurz danach die Passage: "Später soll er angefangen haben, über die falschen Profile zu sprechen, über die darüber verschickten Fotos und Videos, den Telefonsex. Er müsse ihr etwas beichten, soll er gesagt und dabei am ganzen Körper gezittert haben. 'Ich war das, ich habe das getan', habe er dann erklärt. So erzählt es Fernandes."

Die gerade noch detailreiche persönliche Schilderung bricht nach dem Geständnis abrupt ab. Welche Nachfragen Fernandes zu den verbreiteten Videos stellte, wie die Kommunikation zwischen den beiden in den folgenden Monaten weiterging. Darüber erfährt der Spiegel-Leser nichts mehr. Weder an dieser Stelle noch später im Artikel.

Wie muss nun der Leser dieses Geständnis verstehen? Die Aussage "Ich war das, ich habe das getan" selbst lässt offen, was genau Ulmen getan und gestanden hat. Und es ist ja auch nicht fernliegend, dass Ulmens Geständnis gegenüber Fernandes – wenn es so passiert ist – auch so unkonkret formuliert war. Allerdings entnimmt der Leser dem weiteren Kontext eine Konkretisierung des Geständnisses, die den Deepfake-Verdacht erweckt:

So wird die Strafanzeige wegen Fake-Profilen und "gefälschten Pornos" vom Spiegel als Anlass für Bauschmerzen von Ulmen und Nachfragen bei Collien Fernandes genannt. Der Leser entnimmt dem, dass sich Ulmen Sorgen vor Ermittlungen macht.

Wenn es kurz danach heißt, er habe über die falschen Profile und "über die darüber verschickten Fotos und Videos" gesprochen, drängt sich somit das Verständnis auf, dass Ulmen mit den verschickten Fotos und Videos zumindest auch auf die "gefälschten Pornos" meinte. Beim Leser bleibt somit als Schlussfolgerung hängen, dass Ulmen mit der Formulierung "Ich war das, ich habe das getan" nicht nur die Fake-Accounts, sondern auch die Verbreitung "gefälschter Pornos" einräumt.

(…) Noch deutlicher wird der Eindruck eines Deepfake-Verdachts im weiteren Kontext des Berichts. Der Text verwendet das Wort "gefälschte Pornos" nicht nur mehrfach als Synonym für Deepfakes. Insgesamt wird der Fall Ulmen und die Deepfake-Debatte im Spiegel "so sorgfältig miteinander verwoben, dass ‚Deepfakes‘ als großes Überthema erscheinen", wie es Boris Rosenkranz auf Übermedien treffend resümiert.

(…) Der Mindestbestand an Beweistatsachen für die Verbreitung von Deepfakes könnte angesichts des unstreitigen Verhaltens von Ulmen vorliegen. Ob das allerdings auch für einen möglicherweise vom Spiegel aufgestellten Verdacht der Herstellung von Deepfakes gilt, ist hingegen sehr zweifelhaft. Die Versendung und Erstellung von Material sind sehr unterschiedliche Dinge. Für die Herstellung von Deepfakes durch Ulmen gibt es im Gegensatz zur Versendung von derartigem Bildmaterial keine öffentlich bekannten Anhaltspunkte.

(…) Ausgewogenheit bedeutet vor allem, dass entlastende Umstände offenzulegen sind, also nicht ausgespart oder in den Hintergrund gedrängt werden dürfen. Vor diesem Hintergrund wäre die Berichterstattung eindeutig unausgewogen, wenn Collien Fernandes dem Spiegel ebenfalls – wie gegenüber Carmen Miosga – gesagt hätte, dass es im Fall Ulmen nicht um KI-Material gehe. Sollte Fernandes dies aber dem Spiegel mitgeteilt haben, hätte der Spiegel diese Information im Artikel nicht weglassen dürfen. Denn wenn Fernandes nicht davon ausgeht, dass Ulmen Deepfakes verschickt hat, würde dies einen erheblichen entlastenden Umstand darstellen.

Doch auch wenn Fernandes dem Spiegel "nur" mitgeteilt hätte, dass sie selbst nicht weiß, ob Ulmen auch Deepfakes von ihr verschickt hat, hätte der Text ein Ausgewogenheitsproblem. Ausgewogenheit bedeutet nämlich auch, eigene Zweifel transparent zu machen und keine Gewissheit zu suggerieren, wo keine ist. Und Zweifel, welches Bildmaterial Ulmen genau versendete, macht der Spiegel eben nicht transparent.

Ein solcher Zweifel ließe sich etwa mit einem Satz ausdrücken wie: "Ob unter dem von Ulmen versandten Videomaterial auch Deepfakes waren, ist unklar." Das wäre journalistisch üblich. Der Text druckst sich aber nicht nur um dieses Eingeständnis, die Art des versendeten Bildmaterials nicht final beurteilen zu können, herum. Im Gegenteil suggeriert die Darstellung nicht nur den Deepfake-Verdacht, sondern auch, dass Ulmen gerade die Verbreitung von Deepfakes gegenüber Collien Fernandes gestanden hätte.

(…) LTO wollte vom Spiegel wissen, warum der Artikel nicht konkretisiert, welches Bild- und Videomaterial Ulmen versendet haben soll und wo Zweifel bestehen. Die Antwort des Verlags fällt karg aus: "Wir haben unserer Berichterstattung nichts hinzuzufügen." Ob das tatsächlich der Fall ist oder im Gegenteil der Spiegel sogar etwas zurücknehmen muss, wird nun das Landgericht Hamburg zu entscheiden haben. Mit einem Beschluss kann nach LTO-Einschätzung gegen Mitte oder Ende der kommenden Woche gerechnet werden.




4. In einem Artikel, der von niemandem beanstandet wird, untersucht der SPIEGEL, warum ostdeutsche Männer früher sterben. Ein Auszug:

Viel Rauchen, jahrelanger übermäßiger Konsum von Alkohol, fehlende Vorsorge – das könnte man auch als Ausdruck von Verzweiflung und Resignation interpretieren. Männer, die ihr Selbstwertgefühl oft stärker aus dem Beruf und dem Marktwert ziehen, verloren oft mehr als ein Einkommen. Das wirkt sich über die Jahrzehnte aus.


Dieselbe Situation, die ostdeutsche Männer in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, erfahren Männer derzeit allerdings in der westlichen Gesellschaft insgesamt. "Genderama berichtet kontinuierlich.)



5. Die Frankfurter Allgemeine beklagt, dass Männer der Generation-Z nicht feministisch genug seien:

Unsere Kolumnistin schämt sich für die Männer ihrer Generation. Sie halten sich für längst aufgeklärt, schaffen es aber noch nicht mal, einer Frau die Tür aufzuhalten.


So beginnt der Artikel, um dann ziemlich schnell hinter einer gnädigen Bezahlschranke zu verschwinden. Nach diesem Anfang habe ich mich allerdings gar nicht erst auf die Suche nach einer vollständig zugänglichen Fassung gemacht. Dazu ist mir meine eigene Lebenszeit dann doch zu wertvoll.



6. An der einzigen Universität Neufundlands sind weiße Männer als Bewerber für Professorenstellen nicht zugelassen.



7. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Moin Herr Hoffmann,

diese Blüte des deutschen Journalismus möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: ein Short des ZDF. Hier kommt Dirk Peglow, der Vorsitzende des Bund Deutscher Kriminalbeamter zu Wort, der Frauen rät keine Beziehungen mehr zu Männern einzugehen, wenn sie sich vor Gewalt schützen wollen.

Das komplette Interview kann man hier sehen, es fängt ab ca. 18:45 an. Es geht hier zunächst nur grundsätzlich um die neue Gewaltstatistik der Polizei. Ist schon komisch, dass man es dort in manchen Teilen des Interviews doch schafft ein wenig zu differenzieren.


Da dieses Interview in den letzten Tagen in den sozialen Medien eine ziemliche Welle machte, schreibt mir dazu ein weiterer Leser (rhetorisch zugespitzt):

Hallo Arne,

was ist hier los? Ich lese überall dass ein Dirk Peglow, Bundesvorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter e.V. (BDK), Frauen "im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik" empfiehlt, "besser keine Beziehung mit einem Mann" einzugehen. (…) Ich gebe jetzt keine Quellen, weil es viele gleichlautende Quellen gibt und du diese sehr leicht finden wirst.

Fairerweise muss man auch sagen, dass er seine Aussage einschränkt: "im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik". Es wäre nötig den ganzen Kontext seiner Aussage zu kennen. Ohne Wissen des Kontexts klingt es für mich einfach nur widerwärtig, wie er sich Frauen und Linken ohne Rücksicht auf das eigene Geschlecht, Familie und Freunden anbiedert.

Hier hilft er dabei, noch die kleinste menschliche Gruppe, die Beziehung zu einem Lebenspartner, zu zerstören, was leider typisch für linke Politik ist. Ich erlebte und erlebe politisch links Tuende (korrekt ausgedrückt und gegendert!) als die besten Helfershelfer von Kapitalisten und Staat, die sich das Volk als schwache handlungsunfähige vom wohlwollenden Kollektiv abhängige Einzelpersonen wünschen.

Ach, übrigens: Peglow ist verheiratet und hat 2 Kinder. Die Frau und die beiden Kinder sind anscheinend in höchster Gefahr. Sollte man ihm nicht besser das SEK auf den Hals hetzen und seine Familie vorsorglich in Sicherheit bringen? Oder hat er als linker Funktionär Sonderprivilegien in Form von Recht auf Ehe oder so? Wasser predigen und Wein trinken?


Wir Linken sind ja nicht alle auf diesem seltsamen Trip, aber es gibt von uns generell viel zu wenig Einwände gegen solche Pauschalisierungen. Dass die "taz" sich zustimmend auf dieses Interview gestürzt hat, war leider absehbar: "Das Risiko Mann" heißt der entsprechende Artikel, der den Geschlechterhass weiter schürt. Der Autorin zufolge spreche der Kriminalbeamte nur das aus, was ohnehin klar sei:

Was ich und fast ausnahmslos all meine heterosexuellen Freundinnen erlebt haben, seitdem sie romantische Beziehungen mit Männern eingehen. Dass sie ein Risiko sind. Dass sie der Seele und dem Körper schaden können, Vertrauen erschüttern, Traumata hinterlassen, die nach der Trennung in zahllosen Therapiestunden mühselig aufgearbeitet werden müssen – insofern man das Glück hat, einen Therapieplatz zu finden.


Das ist nur ein kurzer Auszug aus einer sehr wortreichen Suada über die ach so schlimmen Männer, weil natürlich auch die "taz" zur Front der "Femosphäre" gehört.

Da ein Artikel der Deutschen Welle über das Interview in englischer Sprache erschien, wurden auch Männeraktivisten im Ausland darauf aufmerksam. Einer von ihnen gab in aller nötigen Kürze die gebotene Antwort:

Die neuesten Statistiken aus Deutschland zeigen, dass in den letzten fünf Jahren ein noch höherer Anteil der Männer (6,1 %) als der Frauen (5,2 %) von häuslicher Gewalt betroffen war. Sollen wir uns jetzt also alle gegenseitig meiden?




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Mittwoch, April 22, 2026

"Warum junge Frauen Männer hassen – die Femosphäre hat ihre Herzen verhärtet"

Auf die Titelgeschichte des Londoner "New Statesman" gibt es einen weiteren Beitrag als Reaktion, bei dem sich meines Erachtens eine komplette Veröffentlichung auf deutsch lohnt, gerade weil man von den hiesigen Leitmeiden eine ähnliche Kritik an der "Femosphäre" nicht erwarten darf. (Sie gehören selbst zu einem Großteil der Femosphäre an.) Der Beitrag stammt von der Kolumnistin Poppy Sowerby und erscheint im Magazin "Unherd", das sich der Veröffentlichung in der Debatte oft übersehener Perspektiven verschrieben hat. Es verortet sich in keinem politischen Lager, sondern nennt es seine Mission, Herdenverhalten entgegenzutreten.



Vor einigen Wochen, ganz am Ende eines Drinks unter der Woche, versuchten ein Freund und ich, eine 24-Jährige wieder herunterzuholen. Was zunächst wie gewöhnlicher Liebeskummer wirkte, verwandelte sich innerhalb einer halben Stunde auf der abgewetzten Sitzbank dieser Spelunke in verzweifelte Wut: Das Problem sei, sagte sie, dass sie Männer schlicht hasse. Ausnahmslos alle seien von Grund auf schlecht; jede Frau mit einem Freund bereite sich nur auf den Moment vor, in dem sein wahres, verdorbenes Wesen zum Vorschein komme — vielleicht in einer Woche, vielleicht in 40 Jahren. So oder so werde er einen Weg finden, sie zu zerstören. Glückliche Heterosexualität sei ein Mythos, um uns um Sex und Lebenszeit zu bringen, und wir seien naiv, daran zu glauben.

Die Tirade zog sich zäh dahin: Einen Sohn wolle sie niemals — was zum Teufel sollte sie damit anfangen? — und sie könne es kaum erwarten, eine "schicke Geschiedene" zu sein; ein bemerkenswertes Lebensziel für eine Frau, die gerade einmal eine einzige längere Beziehung hinter sich hatte. Jeder Mann, dem sie begegne, bedeute Schaden, Risiko und seelisches Gift; jeder Typ in einer Bar oder auf Hinge werde sie früher oder später ghosten, betrügen oder seinen Freunden erzählen, sie habe dicke Oberschenkel. Männer wollten nur großbusige Tussis; diese Frauen wiederum seien oberflächliche Trottelinnen ohne das reiche Innenleben von — nun ja — ihr selbst. Ich zählte unsere gemeinsamen männlichen Freunde auf: "Ist er böse?", fragte ich über den leise sprechenden Journalisten, der seiner Verlobten ergeben ist und dessen schlimmste bekannte Schwäche darin besteht, zu großzügig Shots auszugeben. Ihre Antwort: "Noch nicht."

Es war nicht mein erster Abend dieser Art, und die Ansichten dieser Frau waren in meinen Milieus in New York oder London keineswegs ungewöhnlich. Daher überraschten mich auch die ernüchternden Befunde in der fesselnden Titelgeschichte des New Statesman über "Angry Young Women" aus der vergangenen Woche nicht. Der Artikel stützte sich auf eine Umfrage unter 2.000 Britinnen und Briten zwischen 18 und 30 Jahren und zeigte, dass dreimal so viele Frauen wie Männer eine negative Sicht auf das jeweils andere Geschlecht haben (21 % gegenüber 7 %). Sie blickten pessimistischer in ihre Zukunft und hatten eher das Gefühl, dass die Chancen gegen sie stehen. Selbsternannte Feministinnen, die in Uni-Clubs befragt wurden, erklärten mit sichtlicher Genugtuung, sie "könnten mit Männern nichts anfangen" — und würden weder mit einem ausgehen noch mit ihm befreundet sein, wenn er politisch anderer Meinung sei.

Für ältere oder weniger internetaffine Leser mag all das befremdlich wirken: dieses Misstrauen, diese Distanz, diese Hoffnungslosigkeit — so erinnern sich die meisten Menschen nicht an die Höhen und Tiefen des Datings. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschoben: Diese Frauen waren Teenager, als die ersten Wellen von #MeToo durch die sozialen Medien gingen; ihre frühen romantischen Erfahrungen wurden durch Dating-Apps geprägt; die sexuellen Erwartungen ihrer Partner entstanden in einer Welt, in der Hardcore-Pornografie allgegenwärtig ist. Um damit umzugehen, hat sich der weibliche Online-Raum in etwas Düsteres und Zynisches verwandelt. In der Incel-Kultur nennt man totale romantische Resignation "Blackpill": Während die sogenannte Manosphere predigt, Zurückweisung sei aufgrund von Aussehen oder Status unvermeidlich, versetzt ihr weibliches Gegenstück — die "Femosphäre" — ihren Anhängerinnen metaphorische Ohrfeigen und warnt sie vor der Demütigung, die sie erwartet, sollten sie sich mit einem Geschlecht einlassen, das ihnen angeblich zwangsläufig schadet. Diese Gewissheit verbindet die beiden Pole der Femosphäre: die entmutigten Frauen wie meine Bekannte, die "aufgegeben" haben, und die "Dark Feminine"-Influencerinnen, die ihnen stattdessen raten, den vermeintlichen Verfall der Männer zu ihrem Vorteil zu nutzen. Für beide Lager besteht die moderne Männerwelt aus unzähligen Schimpfworten — Fuckboy, Softboy, Finance Bro, DJ, Perverser, Sonderling, Faschist, "zu nett": Die Deutungshoheiten auf TikTok empfehlen, mit Männern, wenn überhaupt, nur zum eigenen Vorteil zu interagieren.

Auf TikTok — dem Schmelztiegel der weiblichen Gen-Z-Kultur — bringen "Dating-Expertinnen" wie SheraSeven ihren Followerinnen zunächst bei, die Schlechtigkeit der Männer zu akzeptieren und dann daraus Kapital zu schlagen. Verführung habe nichts mit Romantik zu tun, sondern mit Macht; Frauen sollten Männer maximal ausnutzen; "wenn er nicht zahlt, spielt er nur". Gefühle solle man niemals offenlegen, sondern bewusst solche "Zielpersonen" auswählen, die innerhalb der ersten 15 Minuten etwas ausgeben — und sich vor allem merken, dass man "Single ist, bis man verheiratet ist". Alle Männer gehen fremd, behauptet Shera; wer das bestreite, solle "sein Leben darauf verwetten und sehen, ob man am Leben bleibt". Dating erscheint hier als Wettlauf nach unten, bei dem Männer am Grund liegen: Wer das System geschickt bespielt, verschafft sich zumindest einen Vorteil. Wenn jungen Frauen beigebracht wird, potenzielle Partner so zu betrachten — ist es dann verwunderlich, dass viele sich ganz aus dem Dating zurückziehen?

Diejenigen, die das tun, finden Trost darin, ihre Niedergeschlagenheit mit anderen zu teilen. Die Femosphäre schließt die lebensspendenden Möglichkeiten der Liebe (300.000 v. Chr. – 2026 n. Chr.) gleichsam ab, um sich selbst zu stabilisieren; gräbt man unter der Oberfläche, findet man den altbekannten Mechanismus der Konkurrenz unter Frauen, der sich von allgemeiner Verzweiflung nährt. Unglück sucht Gesellschaft, und die leise erbarmungslosen Dynamiken, die jeder kennt, der eine reine Mädchenschule besucht hat, setzen sich im Erwachsenenleben fort — durch Klatsch, Spott und Augenverdrehen, sobald jemand Hoffnung zeigt. Sie wird es schon lernen, heißt es dann. Am Ende ist er eben doch ein Mann.

Mit den Philosophien sowohl der "Dark Feminine"-Influencerinnen als auch der verzweifelten Zölibatären, die sich an einer bösartigen Karikatur des anderen Geschlechts abarbeiten, stimmt etwas Grundlegendes nicht. In ihrem radikalen Zynismus (wenn auch nicht in ihrer sexuellen Aggressivität) ist Shera das Spiegelbild von Andrew Tate, einem weiteren Profiteur des schmutzigen Diskurses über Sex. Beide Denkweisen entwerten eine der schönsten menschlichen Fähigkeiten — die romantische Vorstellungskraft. Sie führen Jungen und Mädchen in kalte, neugierlose, selbstschädigende Zukunftsentwürfe ohne Hoffnung oder Zuneigung.

Doch das größte Problem der weiblichen Blackpill ist ihre intellektuelle Unredlichkeit. Die Verbitterung der Incel-Ideologie lebt von plumper Vereinfachung: Feminismus schlecht, Frauen egoistisch, Männer benachteiligt. Diese Logik hält der Realität nicht stand. Zufriedenheit, Attraktivität, romantischer Erfolg — all das verteilt sich quer durch die Bevölkerung, selbst bei Männern ohne markante Kieferlinie. Das Leben ist nicht so ungerecht. Und das gilt auch für junge Frauen, die ebenso wenig zu Einsamkeit oder Entfremdung verurteilt sind wie Incels: Die neue Generation schwarzgepillter "Zoomettes" scheitert vor allem an ihrer eigenen Sichtweise, daran, dass sie ihr eigenes Elend ständig reproduziert. Für eine Generation, die so sehr auf die Einzigartigkeit der Person pocht, sollte es nicht so leicht sein, ein ganzes Geschlecht abzuschreiben; Frauen wurden einst genau auf dieser Grundlage zentrale Rechte verweigert — wir sollten es also besser wissen. Als Kategorie wurde Männern früher erlaubt oder sogar nahegelegt, promiskuitiv, aggressiv und ausbeuterisch zu sein. Mancherorts und in bestimmten Ecken des Internets ist das noch immer so. Doch das verurteilt nicht alle — und schon gar nicht heute.

Die Logik der "Angry Young Women" ist brüchig; solche verzerrten Vorstellungen lassen sich nur aufrechterhalten, wenn man keinen Umgang mit Männern hat. Genau das geschieht jedoch zunehmend, während sich die Geschlechter wie bei einer endlosen Schuldisco voneinander entfernen, kichernd und verlegen, um jedes romantische Risiko zu vermeiden. Frauen, die sich überhaupt auf Dates einlassen, tun dies mit demonstrativer Distanz: Hier in New York trennen sie vorsorglich Sex und Liebe, schicken Männer um zwei Uhr morgens nach Hause, halten ihre Erwartungen minimal und den Finger über dem "Blockieren"-Button wie ein Damoklesschwert. Hoffnung wird von Freundinnen mit Spott quittiert, Trennungen mit schadenfroher Genugtuung. Feminismus wird dabei unverblümt als Ablehnung von Männern missverstanden und als Waffe gegen sie eingesetzt.

Die verführerische Kraft der weiblichen Blackpill liegt in ihrer bequemen Einfachheit: Nicht ich bin fehlerhaft, unsicher oder weniger begehrenswert — vielmehr ist die Welt gegen mich gebaut. Das ist Incel-Selbsttröstung mit Schleife, Blackpill in rosa Lack — und Unsinn. Geh hinaus, und du wirst sehen, dass die Welt kein feindlicher Ort ist — ja, auch ihre Männer nicht. Sex und Liebe bringen naturgemäß ein erhebliches Risiko mit sich; viele Männer können gefährlich sein oder zumindest verletzen. Doch zwischen Wachsamkeit und Resignation liegt ein entscheidender Unterschied — und in genau diesem Zwischenraum könnten die besten Momente deines Lebens liegen.



Dienstag, April 21, 2026

"Der rückschrittliche Feminismus der wütenden jungen Frauen"

Vor ein paar Tagen habe ich hier auf eine Titelgeschichte der linken Londoner Wochenzeitung New Statesman hingeweisen, die berichtete, wie eine radikale "Femosphere" im Internet zu einer wachsenden Radikalisierung und Männerfeindlichkeit junger Frauen führt. Es gibt starke Anzeichen dafür, dass die Situation hierzulande ähnlich ist, während sich die Leitmedien ebenfalls auf Männer eingeschossen haben. Zu dieser Titelgeschichte hat sich jetzt das britische Politik- und Kulturmagazin "The Critic" in einem Beitrag geäußert, den ich hier im Volltext dokumentieren möchte.



Der rückschrittliche Feminismus der wütenden jungen Frauen

Die radikale Avantgarde der Generation Z hat ihr Weltbild auf keinen fortschrittlichen Grundlagen errichtet

Wer geneigt ist, die Sache mit Humor zu betrachten, findet in der faszinierenden neuen Reportage des New Statesman über die Radikalisierung junger Frauen in Großbritannien reichlich ergiebiges Material. Da ist etwa die Influencerin, deren "marxistische" Definition der Arbeiterklasse praktischerweise auch das Bürgertum einschließt; der geschlechtsneutrale Tanz, der schließlich darin mündet, "große, dominante, tiefstimmige Personen" zu Führungspersonen zu machen; das Treffen, geschmückt mit Literatur zur Frauenbefreiung, und als Kontrapunkt dazu der Pole-Dance-Kurs nebenan; die URL mit der bemerkenswerten, etwas verwaisten Unterzeile "Why young women don’t want to date me".

Besonders ins Auge fielen mir jedoch die offenkundigen Widersprüche (ein weiterer Begriff, mit dem sich unsere Influencerin vermutlich vertraut wähnt), die das Weltbild dieser jungen Frauen durchziehen – Widersprüche, auf die die Autoren zwar hinweisen, die sie im Rahmen eines beobachtenden Artikels jedoch nicht eingehender analysieren.

Der erste, der sich durchgehend zeigt, besteht darin, dass viele der interviewten jungen Frauen sich über ihre Empathie definieren, zugleich aber nur eine sehr lückenhafte Fähigkeit zeigen, sich tatsächlich in andere Menschen hineinzuversetzen. Der zweite besteht darin, dass sie diese Haltung auf ein essentialistisches Verständnis der Unterschiede zwischen Männern und Frauen gründen – mit Konsequenzen, die auch für den Feminismus relevant wären. Man betrachte folgende Passage des Artikels:

"Ash bemerkte erstmals, dass Männer die Auswirkungen des Krieges weniger intensiv wahrnahmen, als sie 2024 in den Protestcamps vor der Studentenvertretung lebte. An einem Maiabend griff Israel ein palästinensisches Lager in Tel al-Sultan im südlichen Gazastreifen an. Der Angriff löste ein Feuer aus, das Zelte in Brand setzte und 45 Menschen tötete. Ash erinnerte sich daran, Videos des Angriffs gesehen zu haben und sich kalt und hoffnungslos gefühlt zu haben. Mehrere Frauen begannen offen zu weinen. Die männlichen Studenten hingegen waren damit beschäftigt, die Proteste für den nächsten Tag zu planen. „Ich habe das Gefühl, dass Männer manchmal die Tragweite der Tausenden von Toten nicht wirklich erfassen“, sagte Ash mir. „Männer müssen einen Schritt zurücktreten, um die Situation wirklich zu sehen und sich in die Betroffenen hineinzuversetzen, aber das tun sie nicht. Wenn das System so aufgebaut ist, dass es dir zugutekommt, spielt es keine große Rolle."

Zunächst ist festzuhalten, dass unsere selbsternannte Empathin entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, sich in jene Denk- und Verhaltensweisen hineinzuversetzen, die sie als männlich wahrnimmt; in progressiver Terminologie gelingt es ihr nicht, ihre eigenen Erfahrungen zu dezentrieren. Dies zieht sich als roter Faden durch den gesamten Text, obwohl die meisten – wenn nicht alle – Interviewten offenbar dazu neigen, männliche und weibliche Seinsweisen als angeboren zu betrachten. (Das hindert sie nicht daran, rasch zu urteilen.)

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass "Empathie" nicht mit "Sympathie gleichzusetzen ist: Man muss die Position eines anderen nicht teilen, um sich in ihn hineinzuversetzen. Echte Empathie gegenüber jemandem, mit dem man grundlegend nicht übereinstimmt – insbesondere, wenn man ihn persönlich kennt –, ist in der Regel schwierig und selten angenehm; doch es gibt im Artikel keinerlei Hinweise darauf, dass eine dieser jungen Frauen diesen Versuch tatsächlich unternimmt.

Stattdessen bieten sie reichlich Sympathie, gerichtet auf vergleichsweise entfernte Objekte – am deutlichsten Gaza, aber auch britische Minderheiten. Wenn weiße junge Frauen deutlich häufiger als ihre nicht-weißen Altersgenossinnen der Ansicht sind, dieses Land sei rassistisch, stellt sich die Frage, ob sie sich hier in eine Erfahrung einfühlen, die andere so gar nicht machen – oder ob das imaginierte Gegenüber lediglich als Projektionsfläche für selbstbezogenes Mitgefühl dient.

Dies zeigt sich besonders deutlich im oben zitierten Abschnitt. Ash spricht schließlich von Männern, die bereits an den Protesten teilnehmen; es ist offensichtlich, dass sie sich ausreichend für das Geschehen in Gaza interessieren, um zu erscheinen und aktiv zu werden. Wenn ihnen also ein Mangel an Empathie vorgeworfen wird, dann besteht dieser ausschließlich darin, auf die Nachrichten nicht in der "richtigen" Weise zu reagieren – also nicht "wie die Frauen". Ein Beispiel dafür, wie stark hier die eigene Erfahrung in den Mittelpunkt gerückt wird.

Solche Beobachtungen sind keineswegs neu. Es ist ein Gemeinplatz, dass man unter selbsternannten Empathen besonders häufig auf ausgeprägte Selbstbezogenheit trifft; diese "angry young women" wirken wie die Gen-Z-Variante dessen, was man einst als "Mrs-Jellyby-Linke" bezeichnen konnte. [Gemeint sind Linke, die sich für weit entfernte Probleme engagieren, während sie das eigene Umfeld vernachlässigen. Mrs. Jellyby ist eine Figur von Charles Dickens. – A.H.]

Gerade Ashs Abschnitt verdeutlicht zudem die bemerkenswerten Implikationen – auf die auch der Autor anspielt – der im Kern essentialistischen Geschlechterauffassung, die diese jungen Frauen zu vertreten scheinen. Eine gemischte Gruppe von Menschen erhält schlechte Nachrichten über ein Ereignis, das sie zu verhindern versuchen. In Ashs Darstellung reagieren die Männer mit "Planung der Proteste für den nächsten Tag", die Frauen hingegen mit "Gefühlen von Kälte und Hoffnungslosigkeit" und "offenem Weinen".

So formuliert, liest sich das wie ein ausgesprochen traditionelles Geschlechterklischee, das in einem fiktionalen Kontext schwer zu rechtfertigen wäre. Doch auch wenn es durch die (wenig überzeugende) Implikation, die männlichen Studenten anzuklagen, oberflächlich progressiv erscheint, ist es genau dieses Bild, das uns hier präsentiert wird.

Was im Artikel fehlt, ist jede Reflexion seitens Ash darüber, welche dieser Reaktionen tatsächlich hilfreicher ist – was wiederum auf ein wenig schmeichelhaftes Verständnis des Protests selbst hindeuten könnte. Wenn Protest letztlich ein Akt der Sympathie ist, ein tränenreiches Zeugnisablegen, ein Martyrium am Rande, dann schneiden die männlichen Studenten schlechter ab. Wahrscheinlich sehen sie das anders. (Unsere Empathin liefert hierzu keine Einblicke in die Denkweise ihrer Mitstreiter, sondern lediglich ihre eigenen Gefühle ihnen gegenüber.)

Sollte Ashs Einschätzung zutreffen, dass die unterschiedlichen Reaktionen von Männern und Frauen in ihrer Gruppe auf grundlegende Geschlechterunterschiede zurückzuführen sind, hätte dies auch weiterreichende Konsequenzen – etwa für die Verteilung von Männern und Frauen in Führungspositionen. Solche Fragen scheinen den "angry young women" nicht gestellt worden zu sein; doch erscheint es wenig wahrscheinlich, dass viele der Interviewten solche Schlussfolgerungen akzeptieren würden. Zugleich ist nicht ersichtlich, wie sie diese auf Grundlage ihrer eigenen Prämissen schlüssig zurückweisen könnten.

Diese Spannung ist keineswegs auf die spezielle Form des Feminismus beschränkt, die von radikalisierten jungen Frauen vertreten wird. Die Annahme, dass die Überrepräsentation von Männern in bestimmten angesehenen Bereichen (Naturwissenschaften, Führungspositionen) zwangsläufig das Ergebnis gesellschaftlicher Machtstrukturen sei, lässt sich schwer mit der verbreiteten Ansicht vereinbaren, dass die Überrepräsentation von Frauen in anderen Bereichen (Bildung, durchschnittliche Erwerbsarbeit) schlicht natürliche Begabung widerspiegele. Eine wesentliche Unterschiedlichkeit der Geschlechter – ob groß oder klein – ist ein zweischneidiges Schwert; deshalb neigt der zeitgenössische Feminismus im Allgemeinen dazu, solche Annahmen zu vermeiden.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die radikale Avantgarde der Generation Z ihr Weltbild auf einer derart unprogressiven Grundlage errichtet. Sollte der New Statesman diese "angry young women" erneut aufgreifen, wäre es wünschenswert, wenn er genau dort nachhakt.




Montag, April 20, 2026

Süddeutsche Zeitung titelt: "Der benachteiligte Mann"

1. Es sind weiterhin nicht die Journalisten in den Zeitungsredaktionen, die geschlechterpolitsich wertvolle Artikel schreiben, sondern Stimmen von außen. Zu ihnen gehört der Arzt Werner Bartens, der in der Süddeutschen Zeitung über die Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen schreibt. Natürlich muss er vorher viele Absätze über die Benachteiligung von Frauen vorlegen, um das zu dürfen ("Blutwäsche unterziehen sich zu 60 Prozent Männer und zu 40 Prozent Frauen"), aber irgendwann kommt er zum Punkt:

Unerhörte Frage: Ist womöglich der kranke Mann das wahre Tabu in der Medizin?


Warum ist diese Frage eigentlich "unerhört", also unverschämt oder empörend? Wir leben doch angeblich in einem Patriarchat – da müsste es doch Standard sein, sich zugunsten von Männern äußern zu dürfen?

"Ja, man könnte zur Auffassung kommen, dass Medizin und Forschung an einigen Stellen blinde Flecke gegenüber Männern haben", sagt Stefanie Joos, Versorgungsforscherin am Uniklinikum Tübingen. "Aber man sollte nicht die ,Geschlechtergesundheit‘ gegeneinander ausspielen, sondern Unterschiede in Versorgung und Forschung generell stärker beachten, was Sex und Gender angeht."


Ach guck. Aber wenn Frauen als benachteiligt gelten, geht das "Gegeneinander-Ausspielen" der Geschlechter voll in Ordnung.

Ein weiterer Auszug aus dem Artikel (ich skippe sämtliches Victim-Blaming, das es bei Frauen nicht gäbe.)

Es gibt allerdings Krankheiten, bei denen entsprechen Männer nicht dem Bild, das sich Laien wie Ärzte davon machen, Beispiel Depressionen. (...) "Depressive Störungen sind bei Männern oft anders sichtbar als bei Frauen", sagt Joos. "Sie sind leichter gereizt, ziehen sich zurück, konsumieren mehr Drogen. Zudem reagieren sie eher aggressiv statt klassisch ,trauriger Stimmung‘ zu sein." Deswegen könnten Depressionen bei Männern leicht unerkannt bleiben. Dazu passe, so Joos, dass Männer trotz seltenerer Depressionsdiagnosen häufiger durch Suizid sterben.

"Die Zahl der nicht diagnostizierten Depressionen ist bei Männern deutlich höher", sagt Luck. "Depressionen können bei Männern übersehen werden, weil Wutausbrüche, vermehrter Alkoholkonsum und exzessiver Sport nicht mit mentalen Problemen in Verbindung gebracht werden. Deshalb werden Abklärungen gar nicht erst in Betracht gezogen." Erst seit Kurzem verstehe man Suchterkrankungen als mögliche Ausprägung einer Depression, sagt Ute Seeland. "Alkoholismus mit Antidepressiva zu behandeln, ist vergleichsweise neu."

Hinzu käme, dass ein entsprechendes Verhalten eher dem persönlichen Charakter zugeschrieben oder mit traditionellen Männlichkeitsvorstellungen assoziiert wird. Oder die Männer fallen durchs Diagnose-Raster, weil sie nicht den bekannten Mustern entsprechen.

(...) Das gilt auch für andere Leiden: "Weiblich konnotierte Krankheiten wie Osteoporose werden bei Männern oft nicht erkannt", sagt Luck. "Dies betrifft die medizinische Praxis wie die Selbstdiagnose." Weder Ärzte noch Männer kämen darauf. "Männer haben ein relevantes Frakturrisiko, werden aber oft nicht gescreent", so Allgemeinmedizinerin Joos. "Das Kernproblem sind weniger ,falsche‘ diagnostische Kriterien als zu geringe Aufmerksamkeit." Dabei könnte das Screening von Männern Risikopatienten identifizieren und eine Therapie die Frakturhäufigkeit senken.

Manchmal ist es schwer zu erkennen, wenn sich Symptome überlagern oder einer anderen Krankheit zugeordnet werden. "Die häufigsten Befunde in der Praxis von Allgemeinmedizinern sind Depressionen und Rückenschmerzen", so Seeland. Dabei stecke oft eine Osteoporose dahinter. Erleiden Männer einen Oberschenkelhalsbruch, sei das zu 80 Prozent eine Osteoporose. Doch weil die Krankheit spät erkannt wird und Medikamente teils nur für Frauen zugelassen sind, hätten Männer eine schlechtere Prognose.

Und wie ist es mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, wenn sie an Krebs erkranken? Über Brustkrebs wird viel berichtet, seltener über Prostatakrebs. Die Aufmerksamkeit sowohl der Medizin als auch der Gesellschaft scheint ungleich verteilt zu sein, obwohl beide Tumore ähnlich häufig sind. "Der Eindruck ist berechtigt", sagt Joos, Vorsitzende des Zentrums für Versorgungsforschung und Öffentliches Gesundheitswesen in Tübingen. "Und das, obwohl Prostatakrebs in vielen Ländern der häufigste Tumor der Männer ist." Gleichzeitig zeigten Studien, dass Awareness-Kampagnen für Brustkrebs sichtbarer seien als jene für Prostatakrebs. "Die unterschiedliche Aufmerksamkeit für beide Krebsarten ist also eher ein Problem der Wahrnehmung und Kommunikation als eines Mangels an Forschung", so Joos.

(...) Was aber rückt die Leiden der Männer aus dem Blickfeld, wo doch bereits die unterschiedliche Lebenserwartung so auffällig ist? Frauen werden im Durchschnitt fast fünf Jahre älter als Männer, rein biologisch müsste der Unterschied nur ein bis zwei Jahre betragen. "Das sollte in der Tat ein starkes Warnsignal sein", sagt Stefanie Joos. "Es beweist keine unmittelbare Benachteiligung im Gesundheitssystem, zeigt aber deutlich, dass Männer als Gruppe gesundheitlich schlechter abschneiden und sie die Präventions- und Versorgungsangebote offenbar nicht gleich gut erreichen."

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für die vernachlässigte Männergesundheit. Joos erwähnt Essstörungen, die oft übersehen werden, "weil sich Männer häufiger muskel- und körperorientiert zeigen und weniger dem Bild einer Magersucht entsprechen". Auch männliche Unfruchtbarkeit würde zu wenig beachtet, obwohl der Mann bei unerfülltem Kinderwunsch zur Hälfte der Infertilitätsfälle beiträgt. Frank Luck weist auf weitere blinde Flecken hin, etwa, dass zehn Prozent der Männer im ersten halben Jahr nach der Entbindung ihrer Partnerin eine Depression entwickeln. "Wer hat das auf dem Schirm?", so Luck. "Man muss die Familie als Gesamtsystem betrachten: sind Frauen von einer Wochenbettdepression betroffen, ist das Risiko für Männer höher." Doch von Männern würde in dieser Phase oft erwartet, ihre Frau noch mehr zu unterstützen.

Was also tun gegen Defizite im Bereich der Geschlechtergesundheit? Genauer hinschauen, die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner verbessern – und aufmerksam bleiben. Ute Seeland hatte kürzlich einen Patienten mit typisch weiblichen Symptomen für einen Herzinfarkt: "Er klagte über Schmerzen zwischen den Schulterblättern, der Orthopäde fand nichts. Er hatte seltsame Zahnschmerzen, der Zahnarzt fand nichts. Den Grund für die Magenschmerzen erkannte der Gastroenterologe auch nicht." Die Ärzte-Odyssee ging glimpflich aus. Der Mann konnte rechtzeitig behandelt werden. Es gehe eben generell darum, Systeme, zu erkennen, die aus dem Lot geraten sind, so Seeland – und zwar bei Männern wie bei Frauen.


Werner Bartens habe ich schon in meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" (2001) zitiert. Das bedeutet leider auch: Ein Vierteljahrhundert lang hat die Schieflage, auf die Bartens aufmerksam macht, außer den bösen Männerrechtlern niemand interessiert.



2. Eine Steirerin stand wegen sexuellen Missbrauchs an ihren Ehemann vor Gericht, nachdem sie die bevorstehende Scheidung nicht akzeptieren wollte, berichtet die Tageszeitung Krone aus Österreich:

Als er aufwachte und sich wehrte, verletzte sie ihn brutal im Genitalbereich, weshalb neben sexuellem Missbrauch einer wehrlosen Person auch Körperverletzung angeklagt wurde. "Egal ob Mann oder Frau, wenn jemand nicht sexuell verkehren will, ist das zu akzeptieren", schloss die Staatsanwältin ihren Eröffnungsvortrag.

Der Verteidiger der Angeklagten betonte, dass für seine Mandantin ihr Märchenschloss zusammenbrach, als die Liebe ihres Lebens nach 20 Jahren Ehe plötzlich von Scheidung sprach. "Sie war hilflos, wehrlos und fragte sich immer wieder nach dem Warum, doch sie bekam keine Antwort." Für die Rangelei im Zimmer des Sohnes übernahm die gelernte Verkäuferin von Beginn an die Verantwortung. "Doch ein sexueller Missbrauch hat so nie stattgefunden", so ihr Anwalt.

"Ich bin noch immer in Schockstarre, was mein Mann mir da antut", erklärte die zweifache Mutter dann dem Richtersenat. "Ich dachte zuerst, das ist so eine Phase, weil er 50 geworden ist. Es brach wirklich eine Welt für mich zusammen." Am Tattag, beteuert sie, wollte sie wirklich nur mit ihm reden. Deswegen habe sie sich zu ihm ins Bett gelegt. "Doch er sagte, ich soll verschwinden und hat mich zum Türstock gedrängt. Da hab’ ich mich natürlich gewehrt."

"Also erfindet ihr Mann den sexuellen Übergriff?", fragt die Richterin noch einmal mit Nachdruck. "Ja", nickt die Angeklagte, "damit hat er schon länger gedroht, dass er mich anzeigt". Bevor die Schilderungen dann aber offenbar noch abenteuerlicher werden, bittet der Verteidiger um eine Pause.

Danach legt die Frau überraschend ein Geständnis ab und zahlt auch gleich das Schmerzensgeld an den Anwalt ihres Mannes. Das dürfte sie vor einer höheren Strafe bewahrt haben. Urteil: ein Jahr auf Bewährung und 1800 Euro unbedingte Geldstrafe plus Weisung zur Therapie.




3. Die britische BBC berichtet über einen anderen Fall:

Ein Teenager-Mädchen und zwei Jungen lockten einen 15-Jährigen in einen Park und stachen wiederholt auf ihn ein – ein Vorfall, der als "der schlimmste Albtraum aller Eltern" beschrieben wurde, wie vor Gericht zu hören war.

Das Mädchen, das zum Zeitpunkt der Tat 15 Jahre alt war, und ihre beiden 16-jährigen Komplizen lockten den Jungen in einen abgelegenen Bereich des Herrington Country Park in Sunderland, wo einer der Jugendlichen elfmal mit einem großen Küchenmesser auf ihn einstach.

Das Opfer sagte vor Gericht aus, er lebe seitdem in Angst, während seine Mutter erklärte, sie habe befürchtet, ihr Sohn sei bei dem "brutalen, sinnlosen Angriff" getötet worden.

Das Mädchen, das versuchten Mord gestanden hatte, wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Jugendhaft verurteilt.


Nennt mich übermäßig skeptisch, aber irgendwie bezweifle ich, dass aus diesem Fall eine Netflix-Serie gemacht wird, die JournalistInnen der verschiedensten Länder hingerissen lobpreisen werden.



4. "Frauenhass online – wie verbreitet sind die gefährlichen Männer-Netzwerke?" hetzt die Märkische Oderzeitung. Eine kurze Cross-Recherche ergibt, dass der Artikel auch in zahlreichen anderen Zeitungen erscheint, etwa dem Schwäbischen Tagblatt, der Neuen Württembergischen Zeitung und so weiter und so fort. Ein Auszug:

Die deutsche Szene überschneide sich teilweise mit rechten Milieus. "Darüber hinaus gibt es auch Akteure, die frauenfeindliche Aussagen islamisch-religiös begründen." Auch Marina Hackenbroch, stellvertretende Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), kennt das Phänomen: "Ich würde die Manosphere weder als bloßes Randphänomen abtun noch so tun, als beträfe sie schon die Mehrheit aller Männer." Der harte ideologische Kern sei ein Minderheitenphänomen. "Problematisch ist aber, dass die Narrative dieser Szene längst nicht mehr nur in abgeschotteten Nischen zirkulieren." Sie wanderten über Plattformen wie TikTok in eine breite männliche Zielgruppe ein, zum Beispiel als Dating-Videos.

Wie betrifft das Jugendliche? Soziale Medien prägen bei neun von zehn Jugendlichen das Weltbild, zeigt eine Studie des Bayerischen Rundfunks. Was die Untersuchung mit 13- bis 18-Jährigen auch herausfand: 42 Prozent der Jungen haben ein Geschlechterbild, das Männern mehr Rechte zugesteht.

Ein Problem liegt in den Algorithmen der Plattformen: Dadurch würden auch Personen, die sich nicht aktiv für solche Inhalte entschieden, mit frauenfeindlichen Aussagen konfrontiert, sagt der Geschlechterforscher Yannik Markhof vom Dissens Institut für Bildung und Forschung.

Wie wirkt sich das aus? Sowohl Markhof als auch Lehrerverband-Präsident Stefan Düll berichten, dass misogyne und queerfeindliche Aussagen in den Schulen zugenommen hätten, Sprachmuster seien erkennbar, Punkte der Influencer würden nachgeplappert. Daraus jedoch einen kausalen Zusammenhang mit steigender Gewalt gegen Frauen zu ziehen, sei "zu unterkomplex", sagt Markhof. Inhalte der Manosphere seien gewaltlegitimierend, "aber Gewalt gegen Frauen zieht sich durch die gesamte Gesellschaft".

(…) Was wären politische Lösungen? Denise Loop, familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, spricht sich für konkrete Initiativen aus, etwa eine Regulierung von Social-Media-Plattformen. Außerdem müsse man langfristige Präventions- und Bildungsprojekte ausbauen. "Wir brauchen dafür Angebote, die Jungs auf Augenhöhe ansprechen." Auch Mechthild Heil, Sprecherin der Frauen der Unionsfraktion, sagt: "Die zunehmende Verbreitung frauenfeindlicher Ideologien in digitalen Räumen ist ein untragbarer Zustand für unsere Gesellschaft." Sie plädiert für ein Zusammenspiel aus Aufklärung und Prävention, mehr Forschung und ein konsequentes Vorgehen gegen digitale Gewalt. Plattformen müssten in Verantwortung genommen werden.




5. "Ist Männerhass gerechtfertigt, schädlich oder vielleicht sogar notwendig?" fragt derweil das Frauenmagazin "Her Campus". In dem Artikel heißt es:

Vor einigen Wochen blieb ich, während ich gedankenverloren durch TikTok scrollte, an einer ungewöhnlichen Bildunterschrift hängen. Das Video, gepostet von einer Frau, die sich schlicht "@LTP823" nennt, trägt die markante Zeile: "Ich bringe meiner fünfjährigen Tochter bei, misandrisch zu sein."

LTP bleibt auf ihrem TikTok-Account halb anonym: Sie nennt lediglich ihre Initialen und beschreibt sich knapp als geschiedene Mutter und Bücherliebhaberin aus Washington, D.C. Misandrie wird gemeinhin als starke Abneigung oder gar Hass gegenüber Männern verstanden; laut Merriam-Webster bedeutet der Begriff schlicht "Männerhass".

Sofort geweckt, wich mein zielloses Scrollen einer konzentrierten Aufmerksamkeit. LTP erklärt, ihre Tochter werde unweigerlich in einer von Männern geprägten Gesellschaft aufwachsen, und sie wolle sie deshalb mit einem "übersteigerten Selbstbewusstsein" ins Leben entlassen.

Bewusst hat LTP für die prägenden Bezugspersonen ihrer Tochter ausschließlich Frauen ausgewählt – ob als Ärztin, Zahnärztin oder in anderen professionellen Rollen.

Bislang scheint das Wirkung zu zeigen. LTP berichtet, ihre Tochter habe sie kürzlich gefragt, ob auch Männer Sänger sein könnten. Ernster fügt sie hinzu, sie wisse, dass die Welt ihre Tochter "kleinmachen" werde – und wolle sicherstellen, dass sie sich das nicht gefallen lasse.

Sie habe ihrer Tochter gesagt, Frauen seien klüger als Männer, trügen eine besondere Kraft in sich und würden gesellschaftlich dennoch seltener ernst genommen, obwohl sie "bessere Führungspersönlichkeiten" seien.

(...) Die Kommentare unter LTPs Beitrag waren überwiegend zustimmend. Eine Frau, die offenbar ähnlich erzieht, schrieb etwa, ihr Sohn gehe davon aus, dass alle Ärzte und Zahnärzte Frauen seien. (…) Einige argumentierten sogar, LTP fördere gar keine Misandrie, sondern betreibe eine notwendige "Gegenkorrektur" in einer beschädigten Gesellschaft.

Wie in Online-Diskussionen üblich, fühlte sich jedoch auch ein kleiner Teil der Zuschauerschaft vom Begriff "Misandrie" provoziert. Eine Person stimmte zwar zu, die Botschaft sei "zu hundert Prozent richtig", merkte jedoch an, Worte hätten Gewicht – Misandrie und Misogynie seien "zwei Seiten derselben hasserfüllten Medaille".

Darauf folgten mehrere scharfe Erwiderungen, von denen eine besonders hervorstach. Ein Nutzer namens "madmax" schrieb: "Misogynie tötet Frauen, Misandrie kränkt Männer. Da besteht ein Unterschied."

(…) Wie einige Kommentierende anmerkten, entwertet es den spezifischen Gebrauch von "Misandrie" bei LTP, wenn man ihn schlicht auf eine Stufe mit Misogynie stellt.

Ich neige dazu, den Begriff Misandrie flexibler zu verstehen.

Zum einen halte ich Misandrie im strengen Wortsinn durchaus für ein berechtigtes Vorurteil (angesichts der Milliarden widerwärtiger Handlungen, die Männer jede Sekunde begehen). Zum anderen kann der Begriff als konzeptioneller Rahmen für feministische Projekte wie das von LTP dienen kann.

Zugleich eröffnet Misandrie als Konzept Frauen die Möglichkeit, ihre – oft negativen – Erfahrungen mit Männern zu teilen. Solche Gespräche können nach meiner Erfahrung ernsthaft, befreiend, mitunter auch humorvoll und wirkungsvoll sein.




6. "Die Femosphere hat eine Generation von Frauen gegen Männer aufgehetzt, aber darum liebe ich sie immer noch" titelt die britische Tageszeitung Independent. Mit "sie" sind die Männer gemeint. In dem Artikel von Charlotte Cripps heißt es:

Männer – tja, ihr habt ein echtes Problem: Junge Frauen halten nicht viel von euch. Einer neuen Umfrage zufolge haben lediglich 35 Prozent der britischen Frauen unter 25 eine positive Sicht auf Männer, und nur 11 Prozent äußern sich sehr positiv.

Bei den unter 30-Jährigen fällt das Bild etwas günstiger aus: Hier bewerten 50 Prozent der Frauen Männer wohlwollend. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass Frauen unter 30 dreimal so häufig eine negative Haltung gegenüber Männern einnehmen wie Frauen über 30. (…) Und während Frauen meinen, die gegenseitige Geringschätzung zwischen den Geschlechtern sei ausgewogen, empfinden sie in Wirklichkeit negativer über Männer als umgekehrt: Laut Umfrage haben 72 Prozent der Männer eine positive Sicht auf junge Frauen.

Das ist eine große Zahl von Frauen, die man als "Männerhasserinnen" bezeichnen könnte – darunter auch viele meiner Freundinnen. Sie geben Männern fortwährend die Schuld für ihr eigenes desaströses Liebesleben oder dafür, dass sie dauerhaft allein sind – ja, für buchstäblich alles. Eine Freundin schrieb mir gestern: "Es macht mich traurig, dass er so ein unangenehmer Mensch ist. Ich hasse es, dass es so viele ‚schlechte Männer‘ gibt – ich arbeite daran, möglichst viele von ihnen loszuwerden." Sekunden später folgte: "Es gibt so viele miserable Männer, die offen sichtbar sind – wir müssen ihnen entgegentreten, Charlotte."

Lasst mich da bitte heraus! Nennt mich keine Männerhasserin – ich liebe Männer. Diese selbstmitleidige "Männer-sind-schrecklich"-Erzählung geht mir auf die Nerven, und ich frage mich, wie wir überhaupt an diesen Punkt gelangt sind.

(…) Ein TikTok-Trend zeigt Frauen, die über die männliche Einsamkeitskrise lachen. Und in der Online-Community "Female Dating Strategy" werden Frauen in rücksichtslosen, nüchtern kalkulierenden Dating-Strategien geschult, mit dem Ziel, einen "hochwertigen Mann" zu gewinnen, der finanziell für sie sorgen kann – unter der Maxime: "Niemals 50/50 beim Date."

So entsteht ein ständiges Tropfen: Männer seien das problematische Geschlecht. Jungen im Schulalter gelten als frauenfeindlich, Lehrkräfte warnen vor einer sich zuspitzenden "Männlichkeitskrise" und machen die Manosphäre dafür verantwortlich. Dass Jungen von klein auf in eine "Männerbox" gedrängt werden, die emotionale Ausdrucksfähigkeit unterdrückt, mache sie nicht nur anfällig für Suizid und Substanzmissbrauch, sondern auch für Ideologien, die Frauen schaden.

(…) Es ist unwahrscheinlich, dass die neuen Befunde bedeuten, junge Männer verdienten diese negative Bewertung im Allgemeinen. Plausibler ist, dass junge Frauen überhöhte Erwartungen an sie haben. Und auch wenn es völlig legitim ist, keine Beziehung eingehen zu wollen, die den eigenen Ansprüchen nicht genügt, scheint die Verantwortung zur Veränderung einseitig den Männern zugeschrieben zu werden.

Das ist eine verzerrte Sichtweise. Sie bürdet Männern enorme Erwartungen auf, die Situation zu korrigieren, ohne eigene Verantwortung zu übernehmen – denn angeblich liegt die Schuld allein bei ihnen. Es ist an der Zeit, das gegenseitige Beschuldigen zu beenden und den Blick auf sich selbst zu richten, bevor wir Männer endgültig verlieren.

Die Antwort ist denkbar einfach: "If you can spot it, you got it." Die Fehler, die wir bei anderen sehen, spiegeln oft unsere eigenen, nicht eingestandenen Schwächen wider. Statt sich in endloser Fehlersuche zu verlieren – einem obsessiven Fixieren auf die Mängel anderer –, sollte man die eigenen Unzulänglichkeiten schonungslos benennen.

Selbstreflexion ist mühsam, doch sie ist der einzige Weg, sich aus einer Opferhaltung zu lösen und nicht länger äußere Umstände verantwortlich zu machen. Zu glauben, Jungen seien ekelhaft und stinkend, wird das Problem ebenso wenig lösen wie die Vorstellung, Männer seien grundsätzlich unzulänglich – hilflos, gefühllos, kalt oder unfähig zu tiefer Bindung; oder faule, inkompetente Väter, die ständig betrunken sind und nicht einmal einfache Aufgaben bewältigen.

Männer enttäuschen Frauen nicht an allen Ecken und Enden – wir enttäuschen uns selbst häufiger. Und wenn wir andere für das verurteilen, was ihnen fehlt, vergessen wir unsere eigenen Unvollkommenheiten.

Wir sollten uns vor der performativen Femosphäre in Acht nehmen. Sie normalisiert Männerfeindlichkeit, radikalisiert junge Frauen und trägt unmittelbar zu einer tiefen Kluft zwischen den Geschlechtern bei. Es ist an der Zeit, das Elend der Männerfeindlichkeit zu beenden – und einen unbeschwerten Sommer zu erleben.




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Freitag, April 17, 2026

"Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist"

1. "Die Welt" hat den Psychologen Ben Hine von der Universität von West-London interviewt, der sich mit Themen wie Eltern-Kind-Entfremdung sowie den geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Männern und Jungen befasst. Ein Auszug:

WELT: Vor wenigen Wochen demonstrierten Tausende Frauen in Hamburg wegen des Falls Collien Fernandes, und das Pelicot-Urteil wirkt noch immer nach. In diesem Klima präsentiert Ihre Arbeit eine Fülle von Statistiken über das Leid von Männern.

Ben Hine: Ich verstehe, warum es Menschen irritiert, mitten in all dem zu sagen: Wir sollten uns auch um Männer kümmern. Aber mein zentrales Argument ist, dass man das, was man gesellschaftlich beobachtet, gar nicht lösen kann, ohne sich damit auseinanderzusetzen, wo Männer herkommen und warum sie am Ende das tun, was sie tun. Männer stellen die große Mehrheit bei Suiziden, Arbeitsunfällen mit Todesfolge, bei Wohnungslosigkeit und in der Gefängnispopulation. Betrachtet man diese Themen losgelöst vom Geschlecht, müssten sie eigentlich ganz selbstverständlich unser Mitgefühl wecken.

WELT: Lange bevor Männer in Statistiken überrepräsentiert sind – sowohl als Opfer als auch als Täter – starten sie ihr Leben als Jungen. Wenn Sie an eine alleinerziehende Mutter mit einem schweigsamen Sohn denken, der nicht klagt, bei dem sie aber spürt, dass er tief in sich unglücklich ist: Was würden Sie ihr sagen wollen, über die Gefühlswelt ihres heranwachsenden Sohnes?

Hine: Er fühlt sich verloren – so würde ich die Lage vieler Jungen im Moment beschreiben. Ich habe selbst einen Sohn, einer der Gründe, weshalb ich so leidenschaftlich für dieses Thema bin. Ich bin Vater eines Jungen, eines Mädchens und eines weiteren Mädchens, das unterwegs ist – ich bekomme also alle Perspektiven ab. Was ich festgestellt habe: Über Jungen statt über Männer zu sprechen, ist oft ein Einstieg in das Gespräch für Menschen, die sonst abschalten würden. Plötzlich ist ihnen das Thema nah – weil es persönlich wird. Wenn ich also mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem Elternteil sprechen würde, würde ich sagen: Ihr Sohn fühlt sich wahrscheinlich sehr verloren, was seine Rolle betrifft. Und ich glaube wirklich nicht, dass Mädchen sich gerade in derselben Lage befinden.

(…) WELT: Was meinen Sie mit einem unausgewogenen Dialog über das Geschlecht?

Hine: Nehmen wir den Ansatz, der in Workshops an britischen Schulen verfolgt wird. Der ist wichtig, konzentriert sich aber fast ausschließlich auf die Erfahrungen von Frauen und Mädchen. Jungen werden lediglich als das Problem behandelt – statt sie auch als Teilnehmer eines Systems zu sehen, das auch sie einschränkt. Wir laden Jungen nicht auf produktive Weise in dieses Gespräch ein.

(…) Wenn Männer immer wieder als das Problem dargestellt werden statt als Menschen, die Probleme haben, werden sie sich in diesem Gespräch nicht zugehörig fühlen. Wenn Jungen aus Workshops über Geschlechterrollen in britischen Schulen kommen, fühlen sich viele von ihnen einfach schlecht. Es gibt keinen produktiven Ausweg, keinen Weg nach vorn. Die Botschaft lautet im Wesentlichen: Du bist von Natur aus schlecht, weil du ein Junge bist – versuche, es besser zu machen. Es gibt keine Erzählung darüber, das System zu dekonstruieren, das ihnen ihr Geschlechterbild eingetrichtert hat, und keine Vision davon, wie eine positive männliche Identität tatsächlich aussehen könnte.




2. Es ist ein weltweites Problem. Auch an Australiens Universitäten macht man sich Sorgen um das Geschlechtergefälle:

In den vergangenen Jahrzehnten lag der Schwerpunkt darauf, mehr junge Frauen für ein Hochschulstudium zu gewinnen. Dabei ist es gelungen, eine geschlechtsspezifische Kluft zu schließen – nur um eine andere aufzureißen.

Tausende junge Männer bleiben von der Universität und damit von lebensverändernden Chancen ausgeschlossen: bessere Karrieren, höher bezahlte Jobs und gesellschaftlicher Aufstieg.

Australien steht inzwischen vor einer Generation "verlorener Jungen", da junge Männer nicht nur an den Hochschulen, sondern im gesamten Bildungssystem zurückfallen.

(…) Der Forscher David McCloskey machte bereits im vergangenen Jahr auf diese Ungleichheiten aufmerksam und hob ein zweigleisiges Hochschulsystem hervor, das entlang von Geschlecht und Schulbildung verläuft.

Seine Analyse ergab, dass landesweit ein Drittel der Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren über einen Bachelorabschluss oder einen höheren akademischen Grad verfügt, verglichen mit 46 Prozent – also nahezu der Hälfte – aller Frauen. Die Kluft wächst weiter.

(…) Offenkundig haben sowohl das Geschlecht als auch die besuchte Schule erheblichen Einfluss darauf, ob jemand einen Universitätsabschluss erlangt – und damit die Eintrittskarte zu einem besseren Leben.

Das wirft grundlegende Fragen nach der Fairness unseres Bildungssystems auf. Es bietet nicht jedem Australier die gleichen Chancen, durch harte Arbeit und Bildung seine Lebenssituation zu verbessern.

Zugleich schrillen die Alarmglocken hinsichtlich der Fähigkeit junger Männer, sich in einer rasch wandelnden Welt zu behaupten. Neun von zehn neuen Arbeitsplätzen, die im kommenden Jahrzehnt entstehen, werden eine nachschulische Ausbildung voraussetzen. Das deutet auf eine Generation von Männern hin, die von den besten neuen Jobs ausgeschlossen bleibt – mit wachsenden Risiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn sich immer mehr Menschen von der Gesellschaft zurückgelassen und um eine faire Chance gebracht fühlen.

(…) Es ist gelungen, junge Frauen für die Hochschulen zu gewinnen. Nun ist es an der Zeit, jungen Männern dieselben Chancen zu eröffnen, um aufzuschließen.


Das sagen wir Männerrechtler seit Jahrzehnten. Es ist bemerkenswert: International wird jungen Männern zunehmend die Chance auf eine glückliche Zukunft verbaut. Doch sie leiden still. Gleichzeitig führen sich Frauen auf, als wären sie die Geschundenen dieser Erde und würden von einem dämonischen "Patriarchat" unterdrückt.



3. Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich zu den Sexismusvorwürfen geäußert, die Sophie Passmann, Elke Heidenreich & Co. gegen ihn gerichtet haben:

Als Reaktion darauf bemühte Scheck einen Spruch des Physikers und Literaten Lichtenberg. "Georg Christoph Lichtenberg sagte, glaube ich mal, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, dann muss es nicht unbedingt am Buch liegen", sagte Scheck, als er bei der Vorstellung des Programms für das Literaturfestival LIT:potsdam gefragt wurde, ob er nach den Vorwürfen Schaden am Festivalprojekt befürchte. "Das trifft auch beim Zusammenstoß einer Literaturkritik und eines Kopfes in meinen Augen zu."


Währenddesen hat sich der deutsche Schriftstellerverband PEN zu den teils unterirdischen Attacken auf Scheck geäußert:

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wenn Autorinnen und Autoren – wie jetzt Sophie Passmann, ebenfalls Mitglied des PEN Berlin, Elke Heidenreich und Ildikó von Kürthy – die Verdikte und Urteile der Literaturkritik in Frage stellen, ihnen widersprechen und es mithin den Kritikern mit gleicher Münze heimzahlen, ist dies nicht nur ihr gutes Recht. Es schafft überhaupt erst jenes produktive Reizklima, in dem das Gespräch über Bücher zur leidenschaftlichen Debatte wird.

Bücher leben von dieser Form der öffentlichen Auseinandersetzung. Marcel Reich-Ranicki zerriss einst – it’s legend – auf dem Cover des Spiegel Günter Grass’ Roman "Ein weites Feld" in Fetzen. Das war nicht schön, das war nicht angemessen, das war nicht pädagogisch wertvoll und es war vielleicht nicht einmal gerecht, aber es war eben Literaturkritik. Wir brauchen Orte auch der scharfen Auseinandersetzung darüber, was gut und was schlecht ist. Und an dieser Debatte darf sich jeder beteiligen.

"Es gibt aber einen himmelweiten Unterschied, ob man sich im Vertrauen auf das bessere Argument an einer Debatte beteiligt – auch an einer Debatte über Literaturkritik und Sexismus – oder ob man fordert, den bösen Mann endlich vor die Tür zu setzen", sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. "Darum hoffen wir sehr, dass die Verantwortlichen bei der ARD dem Druck, der gegenwärtig auf sie ausgeübt wird, standhalten, anstatt Druckfrisch wegen des aktuellen Streits – womöglich mit etwas Karenzzeit, damit’s nicht so auffällt – einzustellen."


Ich habe dem PEN bereits für diese Wortmeldung gedankt, der auch meine Meinungsfreiheit als Autor schützt. Es kann nicht angehen, dass einige wortmächtige Platzhirschinnen ("Platzkühe"?) der deutschen Literaturszene auf derartige Weise gegen unerwünschte Kritik holzen.



4. Die Post. Einer meiner Leser macht mich auf einen Artikel der "taz" über den zukünftigen Vorsitz der Partei Die Linke aufmerksam, nachdem Jan van Aken seinen Rücktritt angekündigt hat. Ein Auszug aus dem Interview, das die "taz" mit dem Parteimitglied Katalin Gennburg dazu führte:

taz: Wie wär’s mit einer weiblichen Doppelspitze?

Gennburg: Davon bin ich grundsätzlich ein großer Fan.

taz: Gibt es in der Linken aktuell mehr geeignete Frauen oder mehr geeignete Männer?

Gennburg: Ach, ich glaube, das hält sich die Waage. Es gibt eigentlich nie mehr geeignete Männer.


Mein Leser schreibt mir dazu:

Es geht einfach nie ohne Abwertung des Männlichen bei den Feministinnen. Sechs Linke-Abgeordnete wurden direkt im Wahlkreis gewählt, haben sich also bei einer individuellen Personenwahl gegen die Konkurrenz durchgesetzt und konnten die Stimmbürger für sich begeistern. Von diesen sechs Abgeordneten der Linken sind fünf Männer. Die Aussage, es gäbe bei ihnen in der Partei nie mehr geeignete Männer als Frauen ist allein durch dieses Beispiel widerlegt und Ausdruck ihres ganz selbstverständlichen Männerhasses.




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