Sachsen-Anhalt: AfD punktete vor allem bei den Männern
1. Die AfD wurde gestern deutlich häufiger von Männern als von Frauen gewählt 49 gegenüber 39 Prozent. Extrem stark war die Partei bei Männern zwischen 44 und 59 Jahren (56 Prozent) sowie bei unter 35-Jährigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen (62 Prozent).
Die konkurrierenden Parteien und viele Journalisten reagieren auf diese Abwanderung vor allem männlicher Wähler bislang entweder mit sturem Ignorieren, vorwurfsvollem Sexismus oder dem schlichten Finden von Sündenböcken ("die Manosphäre!!!")
Was ich als Männerrechtler darüber denke, ist sattsam bekannt, und jeder kann es inzwischen mitbeten. Ich habe deshalb nach längerer Zeit spaßeshalber wieder einmal eine KI (ChatGPT) als neutralere Instanz nach ihrer Antwort gefragt: Mit welcher Strategie sollten die anderen Parteien am besten auf diese Entwicklung reagieren?
Ich würde den Unterschied ernst nehmen, aber nicht zu einer speziellen "Männerstrategie" der Parteien verkürzen.
Die aktuellen Analysen zur Sachsen-Anhalt-Wahl zeigen nämlich ein größeres Problem: Die AfD liegt nicht nur bei Männern vorn, sondern in fast allen gesellschaftlichen Gruppen. Zugleich hat sie viele frühere Nichtwähler und vor allem frühere CDU-Wähler gewonnen.
Für die konkurrierenden Parteien würde ich daraus fünf Konsequenzen ableiten:
1. Männer ausdrücklich als politische Zielgruppe behandeln.
49 gegenüber 39 Prozent ist groß genug, um nicht einfach zu sagen: "Geschlecht spielt keine Rolle." Parteien sollten untersuchen, warum Männer häufiger AfD wählen: Welche Themen, welche Milieus, welches Gefühl politischer Repräsentation? Dabei sollte es nicht um platte "Männerpolitik" gehen, sondern etwa um Arbeit, berufliche Perspektiven, Bildung, Sicherheit, gesellschaftlichen Status und die Frage, ob Männer sich von den etablierten Parteien angesprochen fühlen.
2. Nicht versuchen, die AfD durch eine Kopie der AfD zu schlagen.
Eine Partei, die lediglich deren migrations- oder kulturpolitische Positionen übernimmt, gibt der AfD ihren größten Vorteil: das Original zu sein. Die bessere Strategie wäre, bei den Sorgen anzusetzen, ohne automatisch die politischen Antworten der AfD zu übernehmen.
3. Die Sprache gegenüber männlichen Wählern verändern.
Das halte ich für ziemlich wichtig. Wenn sich ein beträchtlicher Teil männlicher Wähler von Parteien nicht angesprochen oder sogar moralisch abgewertet fühlt, hilft es wenig, ihnen zu erklären, dass ihre politische Haltung problematisch sei. Man muss ihnen zunächst vermitteln: "Wir sehen eure Probleme und nehmen euch als Wähler ernst." Das ist etwas anderes als Zustimmung zu jeder ihrer politischen Forderungen.
4. Die Ursachen der AfD-Wahl ernst nehmen, statt nur die AfD zu bekämpfen.
Die Forschungsgruppe Wahlen führt für das Ergebnis unter anderem Unzufriedenheit und Polarisierung an; zugleich konnte die AfD offenbar auch bei Themen wie Wirtschaft und Bildung Kompetenzzuschreibungen gewinnen. Eine reine "AfD-verhindern!"-Kampagne kann deshalb an ihre Grenzen stoßen. Man muss ein attraktives eigenes Angebot haben.
5. Vor allem die CDU müsste besonders aufmerksam sein.
Die Wählerwanderung ist hier bemerkenswert: Neben vielen ehemaligen Nichtwählern kamen besonders viele neue AfD-Wähler aus der CDU. Für die CDU wäre es deshalb gefährlich, die AfD-Wähler pauschal als politisch unerreichbar abzuschreiben. Ein Teil davon sind offenbar Menschen, die früher durchaus eine etablierte bürgerliche Partei gewählt haben.
Der vielleicht wichtigste Punkt ist aber ein anderer: Die 49 % bei Männern sollten nicht als Beleg dafür genommen werden, dass "Männer nach rechts kippen" und Frauen dagegenhalten. Denn 39 % AfD bei Frauen sind ebenfalls ein enormes Ergebnis. Die AfD hat in Sachsen-Anhalt ein Problem der etablierten Parteien sichtbar gemacht, das beide Geschlechter betrifft – bei Männern allerdings stärker.
Wenn ich einer konkurrierenden Partei einen einzigen strategischen Satz mitgeben müsste, wäre es daher:
Nicht versuchen, Männer von der AfD wegzudiskutieren, sondern herausfinden, warum sie überhaupt das Bedürfnis haben, AfD zu wählen – und darauf glaubwürdige eigene Antworten geben.
Gerade für SPD, Grüne und Linke wäre das allerdings eine größere Herausforderung als für die CDU, weil sie bei bestimmten männlichen Milieus inzwischen offenbar ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem haben. Die CDU wiederum hat den Vorteil, dass sie einen Teil dieser Wähler schon einmal besaß.
Zugegeben: Diese Antworten sind nicht gerade Lichtjahre von dem entfernt, was ich zu dieser Frage denke.
2. Julia Klöckner möchte Frauen in der Politik stärken, was persönliche Angriffe betrifft:
Eine Studie der Europäischen Akademie für Frauen in der Politik (EAF) hatte zuletzt belegt, dass Hass und Hetze für viele Politikerinnen zum Alltag gehören – etwa in Form von Bedrohungen und massiven Angriffen per E-Mail oder in Kommentarspalten. Auch SPD-Chefin Bärbel Bas beklagte kürzlich, dass Frauen deutlich heftiger angefeindet und beleidigt würden. „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden“, sagte sie im Juni unserer Redaktion. Gerade rechte Netzwerke versuchten, selbstbewusste Frauen mit persönlichen Angriffen kleinzukriegen.
Natürlich ist es abwegig zu behaupten, weibliche Politiker würden schärfer angegriffen als männliche, wenn man allein Angriffe auf Frauen in der Politik untersucht.
3. Weiter geht es mit dem Ukrainekrieg:
Geleakte Daten verraten, mit welchen Begriffen Russlands Militär eigene Soldaten zum bloßen Material und Kapital abstempelt. Sichtbar wird eine Hölle für Soldaten, die noch als Tote ausgebeutet werden.
"Die Welt" berichtet.
4. Neu auf dem Buchmarkt: "Mitreden können: 99 Fakten, die du über die Männerrechtsbewegung wissen solltest".
Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!