Dienstag, September 01, 2026

Solidarität für Kindermörderin: "Geschlecht als Unschuldsbeweis"

1. In einem aktuellen Artikel des Magazins CICERO beschäftigt sich Shantanu Patni mit den befremdlichen Reaktionen auf Lindsay Clancy, nachdem sie ihre drei Kinder umgebracht hatte. Ein Auszug:

Erklärt wird die Tat mit einer Halluzination: einer männlichen Stimme, die Clancy befohlen habe, die Kinder zu töten. Nur hatte sie von dieser Stimme zuvor niemandem erzählt. Ihrer Mutter und ihrem Mann hatte sie noch anvertraut, sie habe Gedanken, den Kindern etwas anzutun. Ihre Behandler fragten sie ausdrücklich danach, und sie verneinte. Erst Wochen nach der Tat erzählt sie dem Psychologen der Verteidigung davon. In den Protokollen, die ein Dutzend Behandler in vier Monaten angelegt haben, kommt sie nicht vor.

Während das Gericht noch prüft, ob Lindsay Clancy für ihre Tat verantwortlich war, hat das Internet längst einen anderen Angeklagten gefunden: ihren Ehemann. Patrick Clancy war an jenem Abend in der Drogerie und im Restaurant, aufgezeichnet von den Kameras beider Geschäfte, und die Ermittler haben ihn früh ausgeschlossen. Seine Frau hat die Tat eingeräumt, und weder ihre Anwälte noch ihre Familie haben jemals etwas anderes behauptet. Dennoch ist er für viele Frauen, die im Netz für Lindsay Clancy einstehen, der Mörder seiner drei Kinder. Er habe die Überwachungsaufnahmen in den beiden Läden manipuliert, einen Freund als Doppelgänger eingesetzt, seiner Frau die Verletzungen beigebracht und sie aus dem Fenster gestoßen. "Frauen erwürgten keine Kinder", erklärt eine Reality-Show-Darstellerin zum Beispiel, „sie vergifteten oder ertränkten sie.“ Damit sei geklärt, dass der Mann es getan habe.

Andere gehen weiter. Patrick Clancy habe die Tat mit seiner heutigen Frau geplant, einer Reproduktionsmedizinerin aus New York, um mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Oder er sei selbst jene männliche Stimme gewesen, die Lindsay befahl, die Kinder zu töten. Patrick und seine heutige Frau haben Morddrohungen erhalten, ihre Adressen wurden im Netz veröffentlicht. Beschuldigt wird damit ein Mann, der zwölf Wochen Elternzeit genommen hatte und danach überwiegend im Homeoffice arbeitete, also auch im Alltag der Familie präsent war. Als seine Frau nicht mehr schlafen konnte, ließ er ihre Eltern kommen, stellte ein Kindermädchen ein und übernahm morgens wie abends die Routinen mit den Kindern. Er begleitete sie zu ihren Arztterminen, drängte die Behandler, die Medikation abzusetzen, und war schließlich derjenige, der auf eine stationäre Aufnahme in der Psychiatrie drang.

Vier Tage nachdem seine Frau die drei gemeinsamen Kinder getötet hatte, schrieb er öffentlich, die Lindsay, die er gekannt habe, sei großzügig, liebevoll und fürsorglich gewesen, und bat darum, ihr zu vergeben. Zwei seiner Kinder waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht beerdigt. Für die Frauen, die im Netz für Lindsay Clancy einstehen, ändert das nichts. Sie filmen sich mit ihren eigenen Kindern, beim Spielen, beim Zubettbringen, manche weinend, und legen darunter eine Tonspur aus dem Zeugenstand: Clancys Tagebuch, verlesen vor der Jury. Sie sei völlig überfordert, heißt es dort, sie gehe jeden Tag unter, sie habe Angst, der Kleinste könnte wieder krank werden. Unten steht ein Schriftzug: "Same, Lindsay". Manche schreiben: "Me too, Lindsay".

(…) Diese Identifikation reicht inzwischen bis in die Partnerwahl. Für erste Dates kursiert die Prüffrage: "Findest du, dass Lindsay Clancy ins Gefängnis gehört?" Wenn der Mann mit Ja antwortet, erklärt die Urheberin des Videos, würde sie aufstehen und gehen.

(…) Wenn ein Mann seine Kinder tötet, käme wohl niemand auf die Idee, vor Gericht das Testosteron zum Mitangeklagten zu machen. Eines der Argumente, mit denen die historische Herabsetzung der Frau gerechtfertigt wurde, lautete gerade, dass ihre Vernunft und Entscheidungsfähigkeit unter dem Einfluss ihres von Hormonen bestimmten Körpers eingeschränkt seien. Wie passt es dazu, wenn nun eine Million Frauen erklären, eine Mutter könne durch die Mutterschaft derart überwältigt werden, dass sie ihre eigenen Kinder tötet?




2. Mit demselben Thema beschäftigt sich Neeraja Deshpande in ihrem Beitrag "Girls Will Be Girls". Dort heißt es über die Frauen, die die Täterin engagiert verteidigen:

Manche dieser Frauen sind wild spekulierende TikTok-Hobbydetektivinnen, aber andere sind ganz vernünftige Frauen, die sagen: Nun, das Wochenbett ist wirklich hart, das ist biologisch bedingt, ihre Hormone sind Achterbahn gefahren, man kann sie unmöglich für ihr eigenes Handeln verantwortlich machen, hast du denn kein Mitgefühl?

Kurz gesagt: "Mädchen sind halt Mädchen."

Anders als "Jungs sind halt Jungs", das in den neun Jahren seit #MeToo aus dem öffentlichen Leben so ziemlich verbannt wurde – und das zu Recht! –, ist "Mädchen sind halt Mädchen" nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sondern gewinnt zunehmend an Durchschlagskraft.

(…) So wie ich es sehe, besteht der einzige Unterschied zwischen Clancys Unterstützerinnen und den Frauenfeinden, die die Rücknahme des Frauenwahlrechts fordern, darin, dass Clancys Unterstützerinnen an eine Art Schrödingers Frau zu glauben scheinen: dass eine Frau gleichzeitig erwachsener Mensch und Kind ist. Die Frauenfeinde wiederum haben dieses Paradox aufgelöst, indem sie schlicht annehmen, Frauen seien im Grunde Kinder und müssten entsprechend behandelt werden – bis hin zu Fragen wie dem Wahlrecht. Ich selbst würde das Paradox lieber auflösen, indem ich sage, dass Frauen erwachsene Menschen sind und auch so behandelt werden sollten, aber diese Idee scheint mittlerweile bei allen Seiten aus der Mode gekommen zu sein.

(…) Um fair zu sein: Nicht alle Argumente, die ich von Frauen zur Unterstützung Clancys gesehen habe, drehten sich um Hormone. Manche handelten davon, dass ihr inzwischen geschiedener Ehemann – derjenige, der ihr ein Kindermädchen besorgte, von zu Hause aus arbeitete, sie nach ihrem Suizidversuch fand und sich sogar noch um sie kümmerte, nachdem er erkannt hatte, dass sie ihre Kinder erwürgt hatte – nicht genug getan habe. Viele handelten davon, dass "das System sie im Stich gelassen" habe, ungeachtet der Tatsache, dass sie beim Ärztehopping verschiedene Verschreibungen sammelte, ohne dass die einzelnen Ärzte von den jeweils anderen Medikamenten wussten (und als Krankenschwester wusste sie zweifellos besser als die durchschnittliche tablettenschluckende Frau, was sie da tat). Aber all das waren Argumente, die niemand jemals für einen Mann vorbringen würde. Man stelle sich das vor! Was, wenn ein Mann sagen würde, er habe seine Frau einfach schlagen müssen, weil sie seine Wäsche nicht gewaschen habe und das schlecht für seine mentale Gesundheit und seine Fähigkeit gewesen sei, als Ehemann und Vater zu funktionieren?

(…) Ich weiß, ich weiß, das sind nur simple "Was wäre, wenn die Rollen vertauscht wären?"-Argumente. Aber eben: Was wäre, wenn die Rollen vertauscht wären? Große Teile der heutigen Frauenbewegung haben sich geweigert, diese Frage auch nur in Erwägung zu ziehen. Stattdessen scheint die Standardantwort zu lauten: mentale Gesundheit für mich, persönliche Verantwortung für dich – frei nach dem Motto, es ist in Ordnung, wenn wir es tun, aber schlimm, wenn Männer es tun.

Und wehe, du bist eine Frau, die es wagt, das alles infrage zu stellen – dann bist du eine faschistoide "Pick-me". Wehe, du bist eine Frau, die es wagt, darauf hinzuweisen, dass Männerhass in unserer Gesellschaft normalisiert wird – dann wirst du mit Gaslighting überzogen und dir wird gesagt, nein, ist er nicht, ist er nicht, ist er nicht (und selbst wenn doch, sei er jedenfalls nicht so gefährlich wie Frauenfeindlichkeit, weshalb man die beiden auch gar nicht erst gleichsetzen dürfe!). Wehe, du bist eine Frau, die es wagt, den Kult um die mentale Gesundheit zu kritisieren – dann fehlt es dir an Empathie. Und wehe, du bist eine Frau, die es wagt, darauf hinzuweisen, dass die Normalisierung eines brodelnden Männerhasses – von Affirmative Action bis zur Unterstützung für Clancy – vielleicht, nur vielleicht, zum Aufstieg genau jener sehr toxischen und sehr schädlichen Manosphere beiträgt – dann lieferst du den Jüngern von Andrew Tate nur zusätzliche Munition.

Was mich an der Art und Weise, wie so viele Frauen mit diesem Fall umgegangen sind, wirklich erschüttert, ist, dass sie einige der schlimmsten Formen weiblicher Bosheit entschuldigt, ermöglicht und daran mitgewirkt haben – in diesem Fall den Archetyp der verschlingenden Mutter, aber allgemeiner die Instrumentalisierung von Empathie gegen andere –, als handle es sich dabei um eine Art perversen Mannschaftssport. Entweder man steht im Team der Mädchen oder im Team der Jungs, und maximale Grausamkeit gegenüber den Jungs bei gleichzeitiger Nachsicht gegenüber den Mädchen sei der einzige Weg zum Sieg. Nun, all jenen im Team der Mädchen kann ich nur sagen: Das Team der Jungs ist schneller, stärker und körperlich überlegener, und nur die zivilisatorischen Zügel hindern es daran, seinen schlimmsten Impulsen zu folgen. Aber wenn das Team der Mädchen glaubt, es könne als Einziges die Zivilisation über Bord werfen, um es dem Team der Jungs heimzuzahlen, und dass seine eigenen schlimmsten Impulse akzeptabel seien, solange sie nur zum "Sieg" führen – nun, dann werden auch beim Team der Jungs die Handschuhe fallen, warum auch nicht? Und falls ich es noch nicht deutlich genug gesagt habe: Die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bedeuten, dass das für das Team der Mädchen um ein Vielfaches schlimmer endet als für das Team der Jungs.

Unabhängig davon lautet mein sehr einfacher Vorschlag: Wir sollten Männerhass ebenso wenig dulden wie Frauenhass, und wir sollten uns so verhalten, als seien wir Männern in unserer Würde gleichgestellt – als erwachsene Menschen, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen und zur Vernunft fähig sind –, wenn wir als gleichwürdig mit Männern behandelt werden wollen. Wir sollten Grausamkeit, Gewalt und alle anderen Laster nicht allein deshalb entschuldigen, weil sie von einer Frau ausgehen.




3. Gegen einen Wützburger Szeneclub gibt es einen Shitstorm, weil er eine "Rammstein-Nacht" mit Liedern der Band veranstalten möchte. Gegen Rammstein hatte es Vorwürfe sexueller Übergriffe gegeben; die Staatsanwaltschaft hatte wegen Fehlens sämtlicher Belege die Ermittlungen eingestellt. "Gleichwohl halten Aktivisten an ihrer damaligen Forderung fest, dass es Lindemann und Rammstein aus moralischen Gründen zu boykottieren gelte", heißt es in dem verlinkten Artikel.

Auf Nachfrage der Redaktion erklärte das Team laut Mainpost, die Nachfrage nach Rammstein-Musik im Club reiße einfach nicht ab: "Aus wirtschaftlicher Sicht können wir es uns nicht leisten, diese Nachfrage zu ignorieren." Im regulären Betrieb verzichte man dennoch bewusst auf die Songs der Band, um Gäste, die durch die Musik negative Erinnerungen oder Themen aufgerollt bekommen könnten, nicht ungewollt damit zu konfrontieren.


Unbelegte Vorwürfe reichen also heute für einen Boykott aus, denn allein der Gedanke daran, dass diese Vorwürfe stimmen könnten, sei für manche Menschen unerträglich.



4. Die Daily Mail berichtet über 43 Todesopfer und Dutzende Verstümmelungen unter den Jungen, die in dieser Saison Beschneidungen in Südafrika unterzogen wurden:

Die Rituale – im Land als "Ulwaluko" bekannt – werden zweimal im Jahr an Initiationsschulen durchgeführt, um junge Männer auf das Erwachsenenalter vorzubereiten.

(…) Ulwaluko kann tödlich sein. Während lokale Medien in diesem Jahr berichteten, dass 43 Jungen bei den Zeremonien ums Leben kamen, beliefen sich die kombinierten Todesfälle der Winter- und Sommer-Rituale 2024 auf 93 Jungen, dazu kamen 11 totale Penisamputationen – wobei einige dubiose "Chirurgen" die Operation ohne Betäubung durchführten.

Ein vom südafrikanischen Regierung in Auftrag gegebener Bericht verzeichnete zwischen 2021 und 2024 322 Todesfälle junger Jungen sowie Tausende Krankenhauseinweisungen und Amputationen.

(…) Die Hauptursachen für den Tod sind Gewebsnekrose, Sepsis und schwere Dehydrierung – einige unwillige Jungen wurden jedoch auch erstochen, ertränkt oder zu Tode geprügelt.

Es gibt jährlich Hunderte von Berichten über illegale Schulen, die Jungen ab 12 Jahren entführen, um sie zu beschneiden, und anschließend die Eltern zwingen, für die Rückkehr ihrer Söhne zu zahlen.

(…) Die Zeremonien sind jedoch für viele im Land weiterhin von großer Bedeutung. Ohne das Ritual dürfen die Jugendlichen nicht an Stammesversammlungen teilnehmen, an vielen sozialen Aktivitäten mitwirken oder heiraten.

(…) Jedes Jahr durchlaufen Zehntausende von Jungen den Übergang zum Mannentum durch eine heilige Zeremonie, die Hunderte von Jahren zurückreicht – trotz der schockierenden jährlichen Todesrate.

(…) Obwohl die Jungen die Wahl haben, ob sie die Initiation durchlaufen, herrscht enormer Gruppendruck, und diejenigen, die sich weigern, werden "Inkwenkwe" genannt – eine schwere Beleidigung.

Jungen unter 16 Jahren dürfen gesetzlich nicht in die Initiationsschulen eintreten, doch an illegalen Schulen werden oft schon Zehnjährige operiert.

(…) Die Winter-Initiationssaison dauert von Mitte Mai bis Mitte Juli; die offizielle Zahl von 43 Todesfällen ist inzwischen erfasst. Die Sommersaison läuft von November bis Januar.




5. Auf Youtube geht der Unternehmer Jean Pierre Kraemer mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, die er als "super beschämend" empfindet. Er gibt die anstehende Scheidung von seiner Frau bekannt und berichtet in diesem Zusammenhang von zwei Polizeieinsätzen nach häuslichen Auseinandersetzungen. Beim ersten Vorfall wurde seine Frau des Hauses verwiesen, beim zweiten musste er das Haus verlassen. Kraemer geht auf gegenseitige körperliche Handlungen ein und erwähnt, dass ein Kontaktverbot für beide Seiten vereinbart worden sei. Der Anlass für die unmittelbare Veröffentlichung sei eine Fristsetzung durch Medienanfragen zweier Zeitungen gewesen, weshalb er seine eigene Darstellung öffentlich machen wolle, bevor die Presse die Vorfälle ganz anders darstelle, als sie geschehen seien. Schon jetzt stoße er auf massiven Hass in seinem Bekanntenkreis. Kraemer bittet für sein Fehlverhalten um Entschuldigung und überlässt der Community die Entscheidung über den Fortbestand des Content-Angebots. Sollte der Rückhalt der Zuschauer fehlen, stellt er die Schließung seines Unternehmens in Aussicht.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Montag, August 31, 2026

Vereinte Nationen nach der Flut in Nepal: "Wir müssen den Frauen und Mädchen dort helfen"

1. "Fast 160.000 Frauen und Mädchen sind von den Überschwemmungen in Nepal betroffen", melden die Vereinten Nationen. "Die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen müssen im Mittelpunkt der Reaktion und Erholung stehen."



2. Die Moderatorin Silvia Schneider verteidigt Männer vor einem pauschalisierenden Feminismus – und erntet dafür natürlich prompt einen heftige Kritik.



3. Lutz Bierend kritisiert die von vielen Feministinnen verwendete Strategie, Kritik als "Diskriminierung" umzumünzen.



4. "Wenn Ihre Jungs die Schule hassen, dann vielleicht weil Amerikas Schulen darauf ausgerichtet sind, junge Männer fertigzumachen", schlagzeilt die New York Post. Ein Auszug aus dem Artikel von Leonard Sax, einem Arzt, Psychologen und Bildungsberater.

Deborah Stipek, ehemalige Dekanin der Erziehungswissenschaften an der Stanford University, hat festgestellt, dass Kinder schon früh Einstellungen zur Schule entwickeln. Diese Einstellungen sind, einmal gebildet, stabil und nicht kontingent. Das ist eine vornehme Umschreibung dafür, dass ein Junge, der einmal beschlossen hat, dass er die Schule hasst, seine Meinung wahrscheinlich nicht mehr ändert. Und er glaubt nicht, dass er irgendetwas tun kann, das einen Unterschied macht.

In den vergangenen 25 Jahren habe ich mehr als 500 Schulen besucht. Ich habe aus erster Hand erlebt, wie Schulen für Jungen unfreundlich geworden sind. Jungen, die Dinge tun, die Jungen schon immer getan haben – mit dem Finger aufeinander zeigen und "Peng, peng, du bist tot" sagen. Waffen zeichnen. Schneebälle werfen. All das bringt einen Jungen heute in Schwierigkeiten.

Als ich 1977 an meiner öffentlichen High School in Ohio meinen Abschluss machte, stellten die Jungen unter den besten Schülern die Mehrheit – nicht nur an meiner High School, sondern landesweit. Vor dreißig Jahren veröffentlichten Myra und David Sadker ihr Buch "Failing at Fairness: How our Schools Cheat Girls", in dem sie diesen Leistungsunterschied dokumentierten und zeigten, wie Schulen Mädchen benachteiligten.

Das war damals. Die Zeiten haben sich geändert. Mädchen übertreffen Jungen heute in allen Inhaltsbereichen von der Kindergarten- bis zur 12. Klasse mit weitem Abstand, einschließlich Mathematik und Naturwissenschaften. Mädchen stellen unter den High-School-Valedictorians inzwischen mehr als doppelt so viele Absolventen wie Jungen. Junge Frauen besuchen heute viel häufiger ein College als ihre Brüder.

Wir alle begrüßen die Leistungen der Mädchen. Aber warum haben wir nicht bei etwa 50 zu 50 ausgeglichen? Warum schneiden Jungen in der Schule inzwischen so viel schlechter ab als ihre Schwestern?

Es muss nicht so sein. Man kann eine Schule jungenfreundlich gestalten, ohne sie mädchenunfreundlich zu machen.

Ich leite Workshops für Schulen und teile kostenlose Strategien, die die Leistungen sowohl von Jungen als auch von Mädchen steigern, indem geschlechtersensible Unterrichtsmethoden eingesetzt werden. Der beste Weg, Jungen für Emily Dickinson zu begeistern, unterscheidet sich vom besten Weg, Mädchen für Emily Dickinson zu begeistern. Der beste Weg, Mädchen für Computerprogrammierung zu begeistern, unterscheidet sich vom besten Weg, Jungen dafür zu begeistern. Viele Lehrer wissen das nicht, weil an Harvard, Columbia und vielen anderen "führenden" Erziehungswissenschaftlichen Fakultäten die Professoren Judith Butlers Behauptung vertreten, Geschlecht sei lediglich ein soziales Konstrukt.

(…) Ich habe gerade eine Neuauflage meines Buches "Boys Adrift" veröffentlicht, in der ich eine wachsende Geschlechterlücke bei den schulischen Leistungen dokumentiere. Wie ich im Buch zeige: Die Leistungslücke wird größer, nicht weil Mädchen besser werden – das tun sie nicht –, sondern weil Jungen schlechter abschneiden. Man möchte nicht, dass der eigene Sohn zu diesen Jungen gehört. Der erste Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass er eine jungenfreundliche Schule besucht.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, August 28, 2026

"Die verhängnisvolle Macht dieser sechs Gender-Narrative – und wie man sie kontert"

1. Der Sprachwissenschaftler Fabian Payr hat einen neuen Artikel in der "Welt" veröffentlicht:

Trotz ihrer Unbeliebtheit hat sich die sogenannte geschlechtergerechte Sprache in vielen Institutionen etabliert. Zu ihrer Durchsetzung trugen auch emotionale Geschichten bei. Warum bei genauer Betrachtung keine davon haltbar ist.


Hier geht es weiter.



2. Die Frankfurter Rundschau berichtet, wie Russland männliche Zivilisten unter Druck setzt, Militärverträge zu unterschreiben. (Dass die Opfer dieser Praktik ausschließlich Männer sind, fällt in dem Artikel natürlich unter den Tisch.)



3. In den USA feiern und unterstützen Feministinnen Lindsay Clancy, die ihre Kinder umgebracht hat. (Genderama berichtete.) Die auflagenstarke Tageszeitung "USA Today" stellt deshalb klar: "Lindsay Clancy ist keine Märtyrerin der Mutterschaft. Sie ist eine Mörderin." Ein Auszug aus dem Artikel:

Auf TikTok und Instagram zeigen Hunderte, wenn nicht Tausende von Frauen Solidarität mit Clancy oder stellen sich hinter sie: von Aussagen wie "Ich bin Lindsay Clancy" bis hin zu Videos, in denen sie ihre eigenen Kinder im Arm halten und sagen: "Genau so, Lindsay", um zu zeigen, dass auch sie – vermutlich – den Wunsch teilen, ihre Kinder zu töten.

Eine Meinungskolumne der "New York Times", verfasst von einem Professor, der Frauen erforscht, die ihre Kinder töten, legt nahe, dass Clancy Gnade verdient und keine lebenslange Haftstrafe. Ein TikTok-Beitrag über die Realität von postpartaler Wut hat mehr als 60.000 Likes.

(…) Entweder verspüren einige dieser Frauen tatsächlich den Drang, ihre Kinder zu töten, oder sie spielen dieses Gefühl für ihre Follower vor. Beides ist schlimm, doch das eine ist entsetzlich.




4. Der SWR erklärt in einem knapp halbstündigen Audio, wie sich Narzissmus bei Frauen zeigt.



5. Kleine Erinnerung aus der Wissenschaft: Sowohl bei Online-Belästigung als auch bei Gewalt in der Partnerschaft sind die meisten Opfer immer noch männlich.



6. In der populärwissenschaftlichen Zeitschrift "Psychology Today" beschäftigt sich der Soziologieprofessor Joseph Davis ausführlich mit den Hintergründen der Männerkrise. Ein Auszug:

In den letzten 18 Monaten habe ich mich mit dem Institute for Family Studies zusammengetan, um eine Umfrage unter 2.000 jungen Männern im Alter von 18–29 Jahren durchzuführen und darüber zu berichten. Die Umfrage wurde im April 2025 durchgeführt; erschien im März 2026 und im August 2026. Im Schluss des Berichts habe ich einige der gängigen Erklärungen dafür abgewogen, warum viele Männer dahinsiechen. Im folgenden angepassten Auszug betrachte ich die beste Erklärung.

In der öffentlichen Diskussion über junge Männer werden ihre Schwierigkeiten oft in einem harten "Narrativ" gerahmt, das so klingt: Eine wachsende Zahl – zu viele – scheitern in der Schule, arbeiten oder studieren nicht, gehen nicht aus oder gründen keine Familien, verlassen ihre Kindheitszimmer nicht. Sie haben sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen, haben wenige oder gar keine Freunde und gehören wenigen oder gar keinen sozialen oder bürgerlichen Gruppen an. Ihre mentale Gesundheit ist schlecht, ihre Gewohnheiten sind schlecht – Videospiele, Pornografie, Glücksspiel, Cannabisrauchen – und ihre Ansichten sind extremistisch.

Wie üblich erzählt, wird die dunkle Geschichte ihrer Misserfolge zumindest implizit einer erfolgreicheren Vergleichsgruppe gegenübergestellt, sei es jungen Frauen oder älteren Generationen von Männern.

Um die Krise zu erklären, verweisen Autoren und Sozialwissenschaftler auf einige gängige Ursachen, von ungünstigen Erfahrungen in der Schule über Spielsucht bis hin zu den schädlichen Auswirkungen von "toxischer Männlichkeit".

Unter diesen Möglichkeiten findet das, was wir das "strukturelle Argument" nennen könnten, in unseren Daten die meiste Unterstützung.

In der gängigen Form des strukturellen Arguments sind wirtschaftliche und bildungsbezogene Veränderungen die wichtigsten beitragenden Faktoren zu den schwierigen Umständen junger Männer. Zu den nachteiligen Veränderungen gehören männer-unfreundliche Schulpolitiken, der Verlust traditioneller Männerjobs, etwa in der Fertigung, und der Rückgang der Löhne von Männern der Arbeiterklasse. Andere Verschiebungen haben die Volatilität der Wirtschaft erhöht, etwa der Anstieg unsicherer Jobs, disruptive neue Technologien und nun die drohende Gefahr von Arbeitsplatzverlusten durch Künstliche Intelligenz. Wie viele Belege zeigen, haben solche Veränderungen der Chancenstruktur systematisch Männer benachteiligt.

Der Verlust von "Struktur", den wir in den Umfrageantworten durchgehend erkennen, erstreckt sich jedoch auch auf breitere Themen. Das soziale Gefüge selbst hat sich ausgedünnt – eine Deinstitutionalisierung, wie Soziologen es nennen, die unsere Welt formloser gemacht hat. Im Laufe der Zeit gab es einen starken Rückgang vorgeschriebener Rollen, ererbter Lebensläufe, klarer beruflicher und bildungsbezogener Bahnen und Ähnlichem. Wo es einst ein gegebenes soziales Muster gab – eine "Institution", wie dauerhafte Arbeit für dasselbe Unternehmen – gibt es nun ein offeneres und unbestimmteres Feld von Optionen und Wahlmöglichkeiten. Obwohl es scheinbar größere Freiheit bietet, ist es eine prekäre Freiheit, mit weniger Orientierung durch gemeinsame Überzeugungen, Bräuche, Regeln oder Lebensformen.

Wir sehen, was verloren geht, an der Bedeutung des College-Weges. Nach nahezu jedem Maßstab stellen wir fest, dass Männer, die diesen Weg eingeschlagen und bis zum Abschluss durchgehalten haben, am besten zurechtkommen. Der Nutzen zeigte sich nicht unbedingt während der Schulzeit, die einsam und belastend sein konnte. Er kam vielmehr danach, als er Türen öffnete oder Horizonte erweiterte zu stabiler Beschäftigung, Freundschaften, Ehepartnern, Hausstandsgründung, Gemeinschaftszugehörigkeit und vielem mehr. Dies sind die Männer, die am ehesten das Gefühl haben, das volle Erwachsenenalter erreicht zu haben, und das Gefühl, kein Versager oder unerwünscht zu sein und eine gewisse Kontrolle über das zu haben, was ihnen widerfährt.

Wir stellen jedoch fest, dass der Weg der höheren Bildung für viele Männer nicht offensteht, unter anderem aus finanziellen Gründen oder familiären Verpflichtungen, oder weil sie kein Interesse haben oder das Gefühl, nicht erfolgreich zu sein. Bedingungen, die das Lernen beeinträchtigen, wie ADHS, Autismus und Legasthenie, sind unter jungen Männern häufig (etwa 25 % der Befragten berichten von einem aktuellen Problem). Eine Berufsschule oder ein Ausbildungsprogramm ist klar eine Option und eine gute (15 % haben ein Programm abgeschlossen, mit hoher Beschäftigungsquote), doch wir wissen aus anderen Studien, dass Schulen stark auf College-für-alle setzen und erst jetzt beginnen, Werkunterricht wieder einzuführen und über Alternativen zu sprechen. In den meisten Situationen fehlen klar definierte Nicht-College-Wege oder Schule-zu-Arbeitgeber-Pipelines.

In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Umgebung, in der Beschäftigung nun unsicherer ist, stellen wir fest, dass sich die Einstellungen zur Arbeit verändert haben. Viele junge Männer sehen keinen direkten Zusammenhang zwischen harter Arbeit und Vorankommen. Vielmehr scheinen sie die Dinge als zufälliger, umstandsbedingter oder unbestimmter zu betrachten, sodass etwa Erfolg eine Frage davon ist, "wen man kennt" (72 % Zustimmung) und "was mir widerfährt, liegt nicht unter meiner Kontrolle" (61 %). Selbst die Hälfte der College-Absolventen zweifelt daran, dass ihre Bildung die Zeit oder das Geld wert war. Junge Männer behalten dennoch den Glauben an ihre Chancen, doch wie sie diese zu verwirklichen erwarten, könnte besser durch ihr umfangreiches Glücksspiel und Day-Trading angezeigt werden als durch stetige Arbeit in einem 9-to-5-Job. Selbst Ökonomen bezeichnen die gegenwärtige Situation inzwischen als "Casino-Wirtschaft".

Der Mangel an institutionalisierten sozialen Formen betrifft junge Männer auch auf viele andere persönliche Weisen. Mit dem lang anhaltenden Rückgang freiwilliger Vereinigungen – Kirchen, Service-Clubs, Erwachsenensportligen und dergleichen – und der Instabilität der Familie (nur etwa 60 % unserer Befragten hatten die beständige Anwesenheit ihres Vaters) sind junge Männer auf sich selbst zurückgeworfen, um Beziehungen der Verpflichtung und Freundschaft zu finden und zu schaffen. Wir zeigen, dass die meisten unverheirateten oder partnerlosen jungen Männer ausgehen wollen, es aber schwierig ist. Viele finden niemanden, der mit ihnen ausgeht (etwa 50 %), und (…) zögern, eine Frau um ein Date zu bitten, vor allem aus Angst, abgewiesen zu werden.

(…) In diesen Punkten und vielem anderen finden wir soziale Formlosigkeit wie einen tobenden Sturm, in dem viele junge Männer um einen sicheren Halt ringen.


Wie schön wäre es, wenn sie von der herrschenden Politik unterstützt würden, statt ignoriert oder dämonisiert zu werden.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Donnerstag, August 27, 2026

Will wirklich jeder Fünfte Feminismus mit Gewalt bekämpfen? Wie eine Medienlüge entsteht

Am Montag habe ich hier Berichterstattung über eine australische Studie verlinkt, die eine feminismuskritische Einstellung als Quelle von Gewalt brandmarkte. Die Studie war erkennbar ideologisch gestaltet, was ich entsprehend dargelegt und kritisiert habe.

Allerdings ist diese Schrift bereits Teil einer hysterischen Berichterstattung. So heißt es in einem vergangene Woche veröffentlichten Artikel, jeder fünfte Mann Australiens halte Gewalt gegen Feministinnen für gerechtfertigt. Grundlage ist hier eine andere, ältere Studie. Der Sinn solcher Artikel ist klar: Feminismuskritik soll als "gefährlicher Extremismus" gebrandmarkt werden.

Wie sehr dabei manipuliert wird, deckt der klinische Sozialarbeiter, Therapeut und Männerrechtler Tom Golden in einem neuen Beitrag auf, der ganz grundsätzlich veranschaulicht, wie derartige Manipulation abläuft. Australien ist weit weg, die Mechanismen sind aber meiner Erfahrung nach länderübergreifend ähnlich. Dazu kommt, dass Journalisten gerne angebliche "Erkenntnisse" anderer Länder aufgreifen, um ihr Argument zu stärken.

Das hier ist der Beitrag, mit dem Tom Golden die ältere Studie zerpflückt:



Vor kurzem stieß ich auf einen Artikel mit einer ziemlich alarmierenden Überschrift:

"Fast jeder fünfte australische Mann hält Gewalt gegen den Feminismus für legitim, so eine Studie."

Das hat meine Aufmerksamkeit erregt. Fast 20 Prozent der australischen Männer halten Gewalt gegen den Feminismus für legitim? Das sind eine Menge Männer. Also habe ich mir die Studie angeschaut. Ich bin froh, dass ich das getan habe.

Die Forschung stammt von der University of Melbourne und wurde 2024 veröffentlicht. Die Forscher befragten 1.020 Australier zu Misogynie, Rassismus und gewalttätigem Extremismus. Die Zahl von 19,4 Prozent stimmt. Aber wenn man sich die Frage anschaut, die sie hervorgebracht hat, wird es interessant.

Die Männer wurden nicht gefragt:

"Glauben Sie, dass Gewalt gegen Feministinnen legitim ist?"

Sie wurden auch nicht gefragt:

"Ist es akzeptabel, Feministinnen körperlich anzugreifen?"

Ihnen wurde diese Aussage vorgelegt:

"Der Feminismus schadet unserer Gesellschaft, und ihm sollte notfalls 'by force' widerstanden werden."

Das hat die 19,4 Prozent hervorgebracht. Sehen Sie das Problem? In diesem einen Satz stecken mehrere Dinge. Zuerst heißt es, der Feminismus schade der Gesellschaft. Das ist schon für sich eine eigene Frage. Dann heißt es, dem Feminismus solle 'by force' widerstanden werden. Was bedeutet hier 'force'? Körperliche Gewalt? Politischer Druck? Juristischer? Wirtschaftlicher? Ziviler Ungehorsam? Wir wissen es nicht. Und dann kommen die zwei kleinen Wörter, die meine Aufmerksamkeit besonders erregt haben:

"if necessary"

Was bedeutet das? Diese Worte fordern den Befragten auf, sich Umstände vorzustellen, unter denen 'force' notwendig werden könnte. Die meisten Menschen glauben, dass es Umstände gibt, unter denen 'force' gerechtfertigt ist. Notwehr ist ein offensichtliches Beispiel. Den Schutz einer anderen Person ein weiteres. Widerstand gegen Tyrannei könnte ein weiteres sein. Aber nichts davon wird untersucht. Stattdessen wird die Zustimmung zu dieser ziemlich seltsamen Frage schließlich zu:

"Fast jeder fünfte australische Mann hält Gewalt gegen den Feminismus für legitim."

Das ist ein ziemlich weiter Weg.


Golden legt nun einen Auszug der Studie als screenshot vor, der zeigt, dass in einer Reihe von Fragen der Begriff "violence" verwendet wurde – nur bei Widerstand gegen die feministische Weltanschauung ist auf einmal lediglich von "force" die Rede.

Sehen Sie, wie sie die Dinge geformt haben? Welche hat die höchsten Werte bekommen? Die ohne das Wort "violence" und gerechtfertigt mit "wenn nötig". Dann macht man Behauptungen, sogar in der eigenen Arbeit, der gleichen, die auf dieser fragwürdigen Frage beruhte:

"Anti-Feminist Violent Extremism is the most prevalent form of violent extremist attitudes in Australia" [screenshot]

Jetzt nennen sie es antifeministischen gewalttätigen Extremismus! Keine Notwendigkeit, die Frage mit dem Wort "Gewalt" zu stellen? Nein.

Dann habe ich mir die anderen Fragen angeschaut.

Hier wurde es noch interessanter. Die Studie enthält eine Tabelle mit der Überschrift: "Häufigkeit der Befragten, die der Zulässigkeit von Gewalt gegen Frauen zustimmen."

Okay. Wenn wir messen wollen, ob Menschen Gewalt gegen Frauen für zulässig halten – was sollten wir fragen? Glücklicherweise geben uns die Forscher ein paar gute Beispiele. Eine Frage lautet:

"Ein männlicher Partner wäre berechtigt, körperliche Gewalt anzuwenden (Schubsen, Schlagen, Boxen, Treten, Würgen), wenn seine Partnerin mit ihm streitet oder sich weigert, ihm zu gehorchen."

Das ist ziemlich klar. Keine Mehrdeutigkeit. Glauben Sie, dass ein Mann berechtigt ist, seine Partnerin zu schubsen, zu schlagen, zu boxen, zu treten oder zu würgen, weil sie mit ihm streitet oder sich weigert, ihm zu gehorchen? 5,5 Prozent der Männer stimmten zu. Eine andere Frage fragt, ob ein Vater oder Bruder berechtigt ist, körperliche Gewalt oder Gewalt gegen eine Tochter oder Schwester anzuwenden, weil sie der Familie Schande bringt. Wieder sehr klar. 4,5 Prozent der Männer stimmten zu. Das sind beunruhigende Zahlen. Ich würde es vorziehen, wenn sie bei null lägen. Aber beachten Sie, was passiert, wenn die Forscher klare Fragen dazu stellen, ob Gewalt gegen Frauen tatsächlich zulässig ist. Wir bekommen 5,5 Prozent. Wir bekommen 4,5 Prozent. Schauen Sie sich jetzt einige der Fragen an, die die großen Zahlen hervorgebracht haben.

Hier eine:

"Frauen erheben oft Vorwürfe sexueller Übergriffe, um sich an Männern zu rächen."

48,6 Prozent der Männer stimmten zu. Fast die Hälfte! Aber Moment. Was hat diese Frage damit zu tun, ob Gewalt gegen Frauen zulässig ist? Ein Mann könnte glauben, dass falsche Vorwürfe sexueller Übergriffe häufig sind, und gleichzeitig glauben, dass Gewalt gegen Frauen absolut falsch ist. Ob seine Überzeugung über falsche Vorwürfe richtig ist, ist eine andere Frage. Das können wir untersuchen. Aber etwas über falsche Vorwürfe zu glauben bedeutet nicht, dass man Gewalt gutheißt. Hier eine weitere:

"Frauen, die sich in Sorgerechtsstreitigkeiten befinden, erfinden oder übertreiben oft Vorwürfe häuslicher Gewalt, um ihren Fall zu verbessern."

51,2 Prozent der Männer stimmten zu. Das ist die größte Zahl auf der Seite. Aber wiederum: Wo ist die Billigung von Gewalt? Das ist eine Frage dazu, ob Frauen während Sorgerechtsstreitigkeiten manchmal falsche oder übertriebene Behauptungen aufstellen. Man kann diese Überzeugung für richtig halten. Man kann sie für falsch halten. Aber es ist immer noch keine Frage dazu, ob es okay ist, Frauen zu schlagen. Und doch steht sie unter der Überschrift:

"Zulässigkeit von Gewalt gegen Frauen."

Wie sind wir dahin gekommen?

Dann gibt es diese Frage: "Manchmal kann eine Frau einen Mann so wütend machen, dass er sie schlägt, ohne es zu wollen."

33,5 Prozent der Männer stimmten zu. Aber womit stimmen sie genau überein? Dass es gerechtfertigt ist, sie zu schlagen? Das sagt die Frage nicht. Sie fragt, ob jemand so wütend werden kann, dass er etwas tut, das er nicht beabsichtigt hatte. Sicherlich gibt es einen Unterschied zwischen der Erklärung, wie etwas geschehen ist, und der Aussage, dass es akzeptabel war. Interessanterweise stimmten auch 21,7 Prozent der Frauen dieser Aussage zu. Billigen diese Frauen Gewalt gegen Frauen? Vielleicht. Aber die Frage sagt uns das nicht. Das ist das Problem.

Das hat mich wirklich getroffen. Die Fragen, die ausdrücklich fragen, ob Männer berechtigt sind, Frauen körperlich anzugreifen, produzieren relativ niedrige Zahlen: 5,5 Prozent. 4,5 Prozent. Aber Fragen zu falschen Vorwürfen, Sorgerechtsstreitigkeiten, Wut und Verantwortung produzieren Zahlen von: 33 Prozent. 37 Prozent. 49 Prozent. 51 Prozent. Und welche Zahlen, glauben Sie, lassen die Geschichte bedrohlicher aussehen? Hier fing ich an, über den Ausdruck "die Narrativ-Skulptur" nachzudenken. Man beginnt mit dem Rohmaterial – den Antworten, die die Menschen tatsächlich gegeben haben. Dann entscheidet man, was diese Antworten bedeuten. Der Glaube, dass Frauen manchmal rachsüchtige Vorwürfe sexueller Übergriffe erheben, wird zu einer Einstellung zu Gewalt gegen Frauen. Der Glaube, dass Vorwürfe häuslicher Gewalt während Sorgerechtsstreitigkeiten übertrieben sein können, wird zu einer Einstellung zu Gewalt gegen Frauen. Die Zustimmung, dass dem Feminismus "notfalls mit Gewalt" widerstanden werden sollte, wird zur Unterstützung gewalttätigen antifeministischen Extremismus. Und schließlich sagt uns eine Zeitungsüberschrift: Fast jeder fünfte australische Mann hält Gewalt gegen den Feminismus für legitim. Aber das ist nicht, was die Männer gefragt wurden.

Warum ist das wichtig?

Gewalt gegen Frauen ist ein ernstes Thema. Genau deshalb muss die Forschung gut sein. Wenn man wissen will, ob Männer Gewalt gegen Frauen billigen, sollte man sie fragen. Die Forscher wussten eindeutig, wie man das macht. Ihr eigener Fragebogen beweist es. Fragen Sie: Ist ein Mann berechtigt, eine Frau unter diesen Umständen zu schlagen? Das haben sie getan. Und sie haben 5,5 Prozent bekommen. Fragen Sie: Ist ein Vater oder Bruder berechtigt, unter diesen Umständen Gewalt gegen eine Tochter oder Schwester anzuwenden? Das haben sie getan. Und sie haben 4,5 Prozent bekommen. Das sind legitime Ergebnisse. Aber wenn man Männer fragt, ob Frauen falsche Vorwürfe erheben, und ihre Antworten dann als Beleg für die Zulässigkeit von Gewalt gegen Frauen behandelt, misst man etwas anderes. Und sollten promovierte Forscher den Unterschied nicht kennen?

Es gibt noch einen weiteren Schritt in all dem, der mich stört. Die Studie bleibt nicht bei Einstellungen gegenüber Frauen stehen. Sie verbindet diese Einstellungen mit gewalttätigem Extremismus. Die Forscher berichten, dass antifeministischer gewalttätiger Extremismus die am weitesten verbreitete Form gewalttätigen Extremismus war, die sie gemessen haben. Das klingt beängstigend. Aber erinnern Sie sich an die Frage, die dazu beigetragen hat, das festzustellen:

"Der Feminismus schadet unserer Gesellschaft, und ihm sollte notfalls 'by force' widerstanden werden."

Das ist alles. Stellen Sie sich vor, man ändert das Thema: "Rassismus schadet unserer Gesellschaft, und ihm sollte notfalls 'by force' widerstanden werden." Wie viele Leute würden zustimmen? Wahrscheinlich ziemlich viele. Würden wir dann daraus schließen, dass diese Leute gewalttätigen Extremismus unterstützen? Was ist mit: "Der Nationalsozialismus schadet unserer Gesellschaft, und ihm sollte notfalls 'by force' widerstanden werden." Würde Zustimmung Sie zu einem gewalttätigen Extremisten machen? Plötzlich wird das Problem leichter erkennbar. Die Formulierung ist entscheidend.

Und dann bekommen die Medien das in die Hand.

Als die Forschung den Medienartikel erreichte, den ich zuerst darüber gelesen hatte, waren die meisten dieser Einschränkungen verschwunden. "Force if necessary" wurde zu Gewalt. Die Zustimmung zu einer komplizierten hypothetischen Aussage wurde zu dem Glauben, dass Gewalt legitim sei. Eine Assoziation zwischen Einstellungen wurde zu einem Radikalisierungspfad.


Golden verlinkt hier Screenshots entsprechender Artikel mit Schlagzeilen wie "Hatred of feminism leads to violence, report finds" und den bekannten Bildern einer geballten Männerfaust mit einer Frau im Hintergrund.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Leser dieser Artikel. Menschen neigen dazu, den Medien und noch mehr der "Forschung" zu vertrauen. Wie könnten sie von diesem Artikel etwas anderes mitnehmen als das Gefühl, dass eine überraschend große Zahl von Männern für Frauen und den Feminismus gefährlich ist? Und doch, wenn man zurückgeht und sich die tatsächlichen Fragen anschaut, ist das nicht das, was die Forschung festgestellt hat. So wird ein Narrativ geformt.

Die ursprüngliche Geschichte erweiterte sich auf jugendliche Jungen, Andrew Tate, Vergewaltigung, getötete Frauen, Terrorismus und nationale Sicherheit. Das ist eine ziemlich große Skulptur. Und irgendwo darunter liegen die tatsächlichen Umfragefragen. Ich kenne die Motive dieser Forscher nicht, und ich brauche sie auch nicht. Mich interessiert etwas viel Einfacheres. Haben die Fragen gemessen, was die Forscher sagen, dass sie gemessen haben? Wenn ich mir diese Studie anschaue, habe ich ernsthafte Zweifel. Und vielleicht kommt der aufschlussreichste Beweis von den Forschern selbst. Als sie Männer direkt fragten, ob ein männlicher Partner berechtigt sei, eine Frau zu schubsen, zu schlagen, zu boxen, zu treten oder zu würgen, weil sie mit ihm stritt oder sich weigerte, ihm zu gehorchen, stimmten 94,5 Prozent nicht zu. Das scheint mir ein wichtiges Ergebnis zu sein. Komisch, wie das nicht in die Überschrift gekommen ist.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Mittwoch, August 26, 2026

Vereinte Nationen: Wir müssen das Schweigen über Sexualgewalt gegen Jungen und Männer brechen

1. Dreieinhalb Jahre nach meinem Buch über männliche Opfer sexueller Gewalt und das Schweigen darüber veröffentlichen die Vereinten Nationen einen maskulistischen Bericht darüber, dass es ebendieses Schweigen zu brechen gilt. Dabei geht es nicht um solche Gewalt im privaten Bereich, sondern um bewaffnete Konflikte und Formen der Gefangenschaft.

Der Ausgangspunkt ist das Beispiel eines ukrainischen Kriegsgefangenen, der nach drei Jahren Gefangenschaft 2025 freikam. Er berichtete von Vergewaltigung, erzwungener Nacktheit, Schlägen und Elektroschocks an den Genitalien. Die UN sieht darin kein isoliertes Ereignis, sondern ein Muster, das auch in anderen Konflikten dokumentiert wird.

Der Bericht weist darauf hin, dass deutlich mehr Mädchen und Frauen als Opfer konfliktbezogener sexueller Gewalt erfasst werden, warnt aber davor, dies mit der tatsächlichen Verteilung gleichzusetzen: Bei männlichen Opfern sei die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch. Schätzungen zufolge würden 90 bis 95 Prozent der sexualisierten Gewalt gegen Männer und Jungen in Konflikten nicht registriert, was den scheinbaren Überhang bei weiblichen Opfern stark relativiert.

Besonders deutlich wird das Problem am Beispiel der Ukraine: Die UN hat dort 310 Fälle konfliktbezogener sexueller Gewalt verifiziert, davon 280 mit männlichen Opfern. Viele Betroffene waren Kriegsgefangene oder zivile Gefangene. Sexuelle Gewalt wurde unter anderem eingesetzt, um Gefangene zu bestrafen, zu erniedrigen oder Informationen und Geständnisse zu erzwingen.

Als Gründe für die geringe Zahl gemeldeter Fälle nennt der Artikel mehrere Faktoren. Dazu gehören Scham und Stigmatisierung, traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit, die Angst, als schwach wahrgenommen zu werden, Homophobie und eine unzureichende institutionelle Aufmerksamkeit für männliche Opfer. Hinzu kommt ein sprachliches Problem: Männer beschrieben das Erlebte nach Gefangenschaft teilweise eher als "Folter" denn als sexualisierte Gewalt. Dadurch könne es für Hilfsorganisationen und Justizbehörden schwieriger werden, die Fälle als sexuelle Gewalt zu erkennen und entsprechend zu behandeln. (All das führe ich in meinem Buch näher aus.)

Der Artikel bezieht sich außerdem eine Untersuchung aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo an. Dort gaben 23,6 Prozent der befragten Männer an, sexualisierte Gewalt erlebt zu haben; knapp zwei Drittel dieser Männer berichteten, dass die Gewalt im Zusammenhang mit einem Konflikt stand. Weitere dokumentierte männliche Opfer gibt es laut den UN unter anderem in der Ukraine, Gaza und dem Westjordanland, Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Libyen, Syrien, Jemen und Haiti. Die UN weist darauf hin, dass die bestätigten Zahlen wegen fehlenden Zugangs zu Konfliktgebieten, Unsicherheit und der Angst der Betroffenen vor Vergeltung nur einen Teil des Problems abbilden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels liegt auf der Versorgung der Überlebenden. Die bloße Anerkennung als Opfer sei entscheidend dafür, ob Betroffene medizinische und psychologische Hilfe, juristische Unterstützung und andere spezialisierte Angebote erhalten. Die UN versucht deshalb, die Erkennung männlicher Opfer zu verbessern, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen entsprechend zu schulen und Netzwerke aufzubauen, in denen Betroffene sich gegenseitig unterstützen können. In der Ukraine wurden 2025 im Rahmen eines UN-unterstützten Programms 160 Überlebende unterstützt, darunter 69 Männer.

Die zentrale Botschaft des Berichts ist damit klar maskulistisch: Die Tatsache, dass Frauen und Mädchen überproportional häufig Opfer konfliktbezogener sexualisierter Gewalt werden, darf nicht dazu führen, männliche Opfer zu übersehen. Die Berücksichtigung von Männern und Jungen ist keine Konkurrenz zur Unterstützung weiblicher Opfer, sondern die notwendige Schließung einer Lücke im bisherigen Hilfs- und Rechtssystem.

Aus maskulistischer Sicht ist besonders interessant, dass der Bericht nicht nur einzelne männliche Opferfälle schildert, sondern die systematische Untererfassung männlicher Opfer als strukturelles Problem thematisiert und dabei ausdrücklich auf UN-Berichte und entsprechende Forschung zurückgreift.



2. Eine schwäbische Sauna schafft das Damensaunen der Gleichberechtigung wegen nach Beschwerden männlicher Besucher ab, was die Journalistin Marion Buck wortreich beklagt.



3. In den USA hat eine Mutter ihre drei Kinder getötet und erhält jetzt vor Gericht von Feministinnen lautstarke Unterstützung. Der Blogger Lutz Bierend kommentiert diese Entwicklung in seinem lesenswerten Beitrag "Frauen werden entschuldigt, Männer beschuldigt". Auch Professorin Janice Fiamengo macht die feministische Begeisterung für solche Gewalttäterinnen in einem ausführlichen Essay zum Thema. Die Kindermörderin soll bereits Spenden in Höhe von einer Million Dollar gesammelt haben. Fiamengo weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei den meisten Kindstötungen Mütter die Täter sind. Und schließlich gibt es dazu einen Beitrag der Journalistin Kara Kennedy: "The Moms of TikTok Have Gone Insane", aus dem ich hier gerne zitiere:

Überlastete, von Schlafmangel geplagte Mütter stellen ihr Smartphone im Badezimmer auf, drücken auf Aufnahme und werfen eine Minute lang unter Schreien mit Eiswürfeln um sich. "Statt mich mit meinem Kleinkind zu streiten", schrieb eine Mutter in den sozialen Medien, "werfe ich Eis in meine Badewanne. So kann ich meine Wut spüren, ohne destruktiv zu sein." Mütter stellen zudem Ringlichter auf, um sich beim hysterischen Weinen vor ihren kleinen Kindern zu filmen. Andere filmen ihre weinenden Babies mit der Bildunterschrift "MeToo, Lindsay" – in Solidarität mit Lindsay Clancy, der Mutter aus Massachusetts, die ihre drei Kinder im Alter von 5 Jahren, 3 Jahren und 8 Monaten tötete und der derzeit wegen Mordes der Prozess gemacht wird.

Dieser geistige Verfall hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, wie es die Algorithmen sicherstellten. In der "Momosphäre" – dem Netzwerk aus TikTok-Müttern, Mommy-Influencerinnen und Mutter-Bloggerinnen – wird das Vorgehen nahezu universell als gesunde, befreiende Möglichkeit für Mütter begrüßt, ihre Wut zu zeigen. Ein Teil davon rührt daher, wie Clancys Fall verstanden wird: Ihre Verteidigung argumentiert, dass sie sich zum Zeitpunkt der Taten in den Fängen einer Wochenbettpsychose befand, und verweist auf die vielen Medikamente, die von verschiedenen Ärzten verschrieben wurden, um ihre Depressionssymptome in den Monaten vor den Morden zu behandeln. Für die Mütter auf TikTok ist eine überforderte und mit Medikamenten vollgepumpte Mutter, die praktisch um Hilfe fleht, etwas, das – wenn auch in extremem Ausmaß – ihrem eigenen Spiegelbild gleicht. Weshalb Clancy als Märtyrerin beansprucht wird und nicht als Monster, das als abschreckendes Beispiel dient.

Stellen Sie sich nun vor, ein Mann würde das tun. Ein junger Vater stellt seine Kamera auf, richtet das Licht aus und filmt sich dabei, wie er gegen eine Wand schlägt, in den Bildschirm schreit oder etwas mit einem Baseballschläger zertrümmert – dazu eine Bildunterschrift darüber, wie heilsam das war. Stellen Sie sich vor, er würde darüber sprechen, wie er sich mit Charles Whitman identifiziert und Mitgefühl für ihn empfindet, der 1966 seine Frau und seine Mutter tötete, bevor er an der University of Texas einen Amoklauf beging. (Wie Clancy hatte sich Whitman vor dem Massaker über schwere psychische Probleme beklagt.)

Stellen Sie sich vor, wie er in diesem Alternativuniversum von anderen Vätern mit mitfühlenden Kommentaren dafür belohnt wird, dass er die Wahrheit über seine Probleme ausspricht und mutig ist. Das ist schwer vorstellbar. Denn hier in der Realität würden wir das nicht befreiend nennen. Wir würden es als zutiefst beunruhigend bezeichnen und als extremes Beispiel für etwas einordnen, das in allen Bereichen festgestellt wird: toxische Männlichkeit. Wir würden es traurig und moralisch gestört nennen. Es gäbe eine gesellschaftsweite Panik über Männer im Allgemeinen, über Incels oder über einen anderen neuen Begriff, der sehr deutlich macht, dass die betreffenden Männer auf eine Weise handeln, die unverantwortlich und sogar böse ist. Natürlich würden wir auch all die guten Männer, die nichts falsch gemacht haben, für die Taten dieser wenigen in Mithaftung nehmen. (…) Warum also nennen wir es Selbstfürsorge, wenn Frauen dasselbe tun, dieselbe Darstellung hysterischer Wut im Selfie-Modus?

Doch vergessen wir die Doppelmoral bei der Frage, ob das Verhalten weniger Menschen eine Debatte über die Güte oder den Verstand eines ganzen Geschlechts auslöst. Das ist fast zu offensichtlich. Was dieser Eis-in-der-Badewanne-Moment repräsentiert, ist schlimmer als nur die verdrehte Umkehrung einer älteren Diskriminierung. Es ist ein Zeichen dafür, dass zu viele Frauen mindestens genauso den Verstand verloren haben, wie es die panikmachendsten Behauptungen über Männer im letzten Jahrzehnt besagten. Während wir damit beschäftigt waren, tausende Meinungsbeiträge zu lesen und uns zu fragen, was genau mit den Männern nicht stimmt, ist dieselbe Aufmerksamkeitsökonomie rund um Frauen entstanden – nur auf ein anderes Gefühl ausgerichtet. Wenn die "Manosphäre" enttäuschten Männern das Zur-Schau-Stellen von Stärke verkauft, verkauft die Momosphäre ihren weiblichen Gegenstücken das Zur-Schau-Stellen von Leiden.

Im letzten Jahrzehnt wurde der Niedergang des modernen Mannes erschöpfend untersucht. Laut viralen Social-Media-Narrativen, Titelgeschichten von Magazinen, Bestsellern und der Alltagskultur sind Männer fragil, verbittert, einsam und verdammt wütend. Fast die Hälfte der jungen Männer hat das Gefühl, wegen ihres Mannseins diskriminiert zu werden. (…) Dies führt zusammen mit der Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt weiter nach links rücken, während Männer politisch verharren, dazu, dass die kulturelle und politische Kluft zwischen den Geschlechtern nun auf einem historischen Höchststand ist. Wir gehen einander an die Gurgel. Vielleicht können wir der Manosphäre einen Teil der Schuld daran geben – die wütenden Anhänger von Freaks wie Andrew Tate sind offensichtlich seltsam, und ein Großteil ihrer Strategie, stärkere Männer zu werden, besteht darin, Frauen zu schwächen.

(…) Die Momosphäre, angeführt von Influencerinnen, Mami-Blogs und im Grunde jeder Frau mit einem Instagram-Account, macht eine Pause vom Helikopter-Elterndasein sowie dem Verfolgen von Entwicklungsschritten und hat ein neues Kernziel: ein Schlaglicht darauf zu werfen, wie elend das Muttersein sein kann. Das zeigt sich in wilden, hysterischen Ausbrüchen vor den eigenen Kindern, gefilmt mit Kamera und Ringlicht und online gestellt, um es der Männerwelt zu zeigen. Oder es zeigt sich in der moralischen Verdrehung der Art und Weise, wie die weiblich geprägtesten Teile der sozialen Medien auf den Fall Lindsay Clancy reagiert haben. Diese Frauen, hauptsächlich Mütter, sind zur Verteidigung Clancys eingesprungen und haben sich gegen das verbündet, was sie als ihre gemeinsamen Feinde mit Clancy betrachten: das Gesundheitssystem, die Welt, die Väter ihrer Kinder und bis zu einem gewissen Grad ihre eigenen Kinder.

(…) Nichts davon ist wirklich neu. Es ist nur die neueste Version eines Trends, der sich seit Jahren aufbaut. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Narrativ rund um Kinder dahin gehend verändert, dass das Mutterwerden als Frau das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Ein ganzes Genre an Inhalten ist um dieses Gefühl herum entstanden: Weingläser mit der Aufschrift "Wegen den Kindern"; TikTok-Trends – noch vor dem Fall Clancy –, wie die viralen Videos vom letzten Jahr zum Thema "Wie läuft das Muttersein?". Einige zeigten Mütter, die ihren Kopf in den Backofen steckten, mit der Bildunterschrift "Den ganzen Sommer mit den Kindern zu Hause sein ist wie…". In anderen mimten Mütter, sich mit Messern zu erstechen, sich die Treppe hinabzustürzen oder Bleichmittel zu trinken.

Obwohl es mir nicht fremd ist, einige dieser Videos amüsant zu finden, sind sie Symptom eines größeren Problems der Mutterschaft: wie modisch es geworden ist, sich auf die schwierigen Seiten zu konzentrieren. Nicht nur darüber nachzudenken, wie hart es sein kann, oder es sich selbst oder Freunden gegenüber auszusprechen, sondern die verletzlichsten und dunkelsten Momente, die man wahrscheinlich je erleben wird, zu nehmen und sie online zu teilen, um sofortige Bestätigung von anderen leidenden Müttern zu erhalten. Es unterscheidet sich im Grunde nicht von der toxischen Männlichkeit, die unsere Kultur verabscheut – ein öffentliches Sudeln in Selbstmitleid und in Wut auf eine angeblich gleichgültige Welt.

Das ist das wahre Zerbrechen. Männer bekamen ein Jahrzehnt lang Schlagzeilen über ihre Fragilität angesichts der Herausforderungen des modernen Lebens – einer verwirrenden, aber letztlich vergleichsweise einfachen Zeit, um zu leben – und wir nannten es eine Krise des männlichen Versagens. Frauen bekamen die Instagrammifizierung der ihren, und wir nannten es Befreiung.




4. Die Post. Einer meiner Leser macht mich auf folgende Meldung aufmerksam:

Das Bundesverfassungsgericht hat eine unmittelbar gegen das Gewalthilfegesetz gerichtete Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen. Die 3. Kammer des Ersten Senats stellte in ihrem Beschluss vom 24. Juli 2026 (Az. 1 BvR 541/26) fest, dass die Beschwerde schon unzulässig war, weil die eigene Betroffenheit nicht ausreichend dargelegt wurde. Die inhaltliche Frage, ob der Ausschluss nicht-weiblicher Personen vom Anwendungsbereich des Gesetzes verfassungsgemäß ist, hat das Gericht damit ausdrücklich nicht beantwortet.

(…) Für Männer und nicht-binäre Personen, die Gewalt erlebt haben, ändert die Entscheidung an der aktuellen Rechtslage nichts. Der Ausschluss aus dem Anwendungsbereich bleibt bestehen, ist aber auch nicht verfassungsrechtlich abgesegnet. Wer Hilfe benötigt, sollte deshalb zunächst alle bestehenden Wege nutzen: allgemeine Beratungs- und Schutzangebote, Leistungen der Sozialhilfe- und Jugendhilfeträger sowie zivilrechtliche Schutzanordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz, die beim Familiengericht beantragt werden und etwa ein Kontakt- und Näherungsverbot oder die Zuweisung der gemeinsamen Wohnung umfassen können.


Mein Leser schreibt mir hierzu:

Formal gesehen eher kein Aufreger, denn das BVerfG hat die Sache ja überhaupt nicht entschieden, sondern sich mit Formalien gedrückt. Es sieht so aus, als ob die Beschwerde tatsächlich etwas "dünn" gewesen wäre. Was nicht heißt, daß das Gericht nicht auch anders gekonnt hätte, wenn es denn gewollt hätte. Mir ist aber aufgestoßen, daß sich niemand für das Problem als solches zu interessieren scheint.




Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Montag, August 24, 2026

Australien: Jeder vierte Junge für gewaltsamen Widerstand gegen Feminismus

1. In Australien (und Neuseeland) sorgt eine neue Studie für Aufsehen:

Jeder vierte australische Junge glaubt, dass man sich Feminismus mit Gewalt widersetzen sollte, und jeder Dritte sagt, die Gleichstellung der Geschlechter sei zu weit gegangen, wie eine neue Umfrage ergeben hat.


Warum das die Jungen glauben wäre ein interessanter Punkt. Hat das etwa niemand gefragt?

In einer Studie, die als erste ihrer Art gilt, wurden für den Bericht "Misogyny, Online Radicalisation and Youth Extremism in Australia" 1122 junge Menschen im Alter von 13 bis 17 Jahren sowie 2307 Erwachsene befragt, um Einstellungen zu Frauen und Geschlechtergleichheit zu vergleichen.


Okay, die Studie ist also schon mal ideologisch ausgerichtet: Die Einstellung zu Männern und Geschlechtergerechtigkeit wird erst gar nicht gefragt.

Dabei zeigte sich, dass etwa jeder dritte Teenager-Junge frauenfeindliche Einstellungen, Misstrauen gegenüber Frauen und den Glauben an traditionelle Geschlechterrollen äußerte.


Es wurden also drei völlig unterschiedliche Aspekte zusammengerührt, als ob das praktisch ein und dasselbe wäre.

Etwa ebenso viele Jungen waren laut der Forschung der University of Melbourne der Ansicht, dass Männer bei knapper Arbeit eher ein Recht auf einen Job hätten als Frauen.


Weil sie in der Regel die Familie ernähren? Welche Gründe wurden denn hier genannt? Wie stichhaltig sind diese Gründe?

Drei Viertel der Befragten identifizierten sich als weiß, gefolgt von 13 % Asiaten und 8 % Aborigines.

Junge Menschen, einschließlich Mädchen, vertraten deutlich häufiger als ältere Generationen feindselige Einstellungen gegenüber Frauen.


Lasst mich raten: Die Vorliebe für die traditionelle Rollenverteilung wird unter "feindselige Einstellungen gegenüber Frauen" eingemeindet?

Mädchen der Generation Z glaubten doppelt so häufig wie Millennial-Frauen, dass eine Ehe einen Ehemann zum Sex berechtige, selbst wenn seine Frau das nicht wolle.

Auch mehr als 500 Lehrkräfte wurden befragt und berichteten, dass Schüler männliche Influencer zitierten und gegenüber weiblichen Lehrkräften im Unterricht Sprache aus der "Manosphere" wiederholten.


"Sprache aus der Manosphäre" ist extrem vage. Gibt es eine Liste verbotener Wörter? Wie sieht diese Liste aus?

Dieses Verhalten wurde von Pädagogen bereits bei Kindern im Alter von sechs Jahren beobachtet.

Die Studie ergab, dass frauenfeindliche Einstellungen eng mit dem Konsum von Manosphere-Inhalten, Pornografie und Online-Dating zusammenhingen.


Komischerweise erwarte ich jetzt keine Flut von Artikeln, die gegen Online-Dating wettern.

"Diese Studie zeigt, dass die Probleme mit Frauenfeindlichkeit struktureller und nicht individueller Natur sind", so Berichtsautorin Sara Meger.

Der Bericht empfahl fünf politische Änderungen, darunter Investitionen in Präventionsarbeit bereits ab dem Alter von sechs Jahren sowie die Anerkennung von Frauenfeindlichkeit als Form gewaltbereiten Extremismus in nationalen Rahmenwerken zur Extremismusbekämpfung.


Soll die Vorliebe für die traditionelle Rollenverteilung auch als "extremistisch" bekämpft werden?

Die Bundesregierung solle zudem eine Regulierung von Plattformen in Bezug auf ihre Algorithmen in Betracht ziehen, da das Engagement mit "Manfluencern" einer der stärksten Online-Prädiktoren für feindselige Geschlechtereinstellungen sei, heißt es in dem Bericht.


War eh klar, dass es letztlich darum gehen würde, unerwünschte Meinungen zu verbannen.

Wirft man einen Blick auf die Darstellung der Studie von der Universität Melbourne selbst fällt auf, dass bei der Berichterstattung ein interessanter Punkt verloren ging. So stimmten nämlich auch 21 Prozent der 13- bis 17-jährigen Mädchen der Aussage zu, Feminismus solle "mit Gewalt" zurückgewiesen werden. Hm. Liegt diese Einstellung also vielleicht doch nicht an der bösen Manosphäre als Quelle allen Übels? Könnte es sein, dass sich Jugendliche beiderlei Geschlechts vom Feminismus immer stärker bedrängt fühlen – oder einfach nur gerne eine Alternative zu dem hätten, was regierungsamtlich verordnet und von den Leitmedien breiflächig unterstützt wird?

In der Darstellung der Universität heißt es auch: "Am beunruhigendsten ist vielleicht: Rund 40 % der Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren stimmten der Aussage zu, dass Frauen in Bezug auf häusliche und sexuelle Gewalt lügen." Es ist nicht beunruhigend, sondern nachgewiesen, dass Frauen so etwas tun. Wie weltfremd kann man sein?

Weiter heißt es auf der Seite der Universität: "Online-Communities bestätigen die Beschwerden von Männern und Jungen und bieten eine 'Outgroup', die als Sündenbock herhalten muss und beschuldigt wird – nämlich Frauen." Liebe Feministinnen, ERINNERT EUCH DIESES VERHALTEN VIELLEICHT AN IRGENDWAS?

Ich kenne natürlich den Spruch, dass manche eher den Splitter im Auge des anderen wahrnehmen als den Balken im eigenen, aber das ist nun wirklich lächerlich.



2. Das Statistische Bundesamt hat am 20. August neue Zahlen zum "Gender Education Gap" veröffentlicht. Worauf fiese Männerrechtler seit Jahrzenten hinweisen, setzt sich fort: Frauen stellen 55 % der Absolventen mit allgemeiner Hochschulreife, Männer dagegen 59 % der Absolventen mit lediglich erstem Schulabschluss. Jungen wiederholen häufiger Klassen, verlassen häufiger frühzeitig das Bildungssystem und haben deutlich niedrigere Hochschulabschlussquoten. Bei den 2020 begonnenen Bachelorstudiengängen hatten nach acht Semestern 34 % der Frauen, aber nur 25 % der Männer einen Abschluss.



3. Die Zahl der Männer, die wegen häuslicher Gewalt Hilfe bei der Männerberatung Düsseldorf suchen, hat einen neuen Höchststand erreicht.



4. Die britische BBC berichtet über eine neue Kampagne der Polizei und des Men’s Advisory Project, die männliche Opfer häuslicher Gewalt ausdrücklich dazu ermutigen soll, Hilfe zu suchen. Aufhänger für den Beitrag ist eine junge Frau namens Shannon McIlwaine, deren Vater 2022 von seiner Partnerin getötet wurde. Diese stach auf ihn ein, während er in seinem Bett schlief und wurde 2024 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. McIlwaine hofft, dass die neue Kampagne "Every Victim Matters" dazu beiträgt, dass Männer ihre Gewalterfahrungen früher offenlegen und Hilfe suchen. Anlass hierfür bietet, dass bereits im polizeilich erfassten Hellfeld 32 Prozent der Straftaten häuslicher Gewalt mit männlichen Opfern registriert sind. (Aus zahllosen Dunkelfeld-Studien weiß man, dass circa 50 Prozent realistisch sein dürften.) Die Kampagne soll auch auf emotionale Gewalt und kontrollierendes Verhalten aufmerksam machen. Sie wird von der nordirischen Justizministerin Naomi Long finanziert.



5. Das Bundesforum Männer kündigt die Internationale Jahreskonferenz 2026 an. Sie soll sich den "vielfältigen Herausforderungen" stehen, vor denen junge Männer heute stehen, beispielsweise "die wachsende Präsenz antifeministischer Narrative in digitalen Räumen". Ich bezweifle, dass Jungen und junge Männer das eines ihrer größten Probleme bezeichnen würden, wenn man jemals auf den Gedanken käme, sie danach zu befragen. Vermutlich käme es nicht mal in die Top Ten.



6. Christian Schmidt zerpflückt einen Artikel in der BRIGITTE, in dem eine Frau darüber klagt, wie schlimm der Druck der Ernährerrolle sei – also genau jene Regeln, die völlig egal waren, solange sie fast nur Männer betrafen.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



Freitag, August 21, 2026

Tom Gerhardt: "Gottschalk hat Frauen ans Knie gefasst. Die Folge: lebenslange Traumata"

1. Der Comedian Tom Gerhardt hat sich gegen aus seiner Sicht allzu billige Kritik an Thomas Gottschalk ausgesprochen:

"Man arbeitet sich am bald 80-jährigen 'Sunnyboy' Gottschalk ab, bei dem man ja aufgrund ernster Krankheit nicht viel Gegenwehr befürchten muss. Ach, wie mutig auch. Und natürlich schlagzeilenträchtig."

(…) Gerhardt: "Er hat sage und schreibe Frauen ans Knie und an die Schulter gefasst. Die offensichtliche Folge: lebenslange Traumata." (…) "Ich frage euch, selbst ernannte Staatsanwältinnen: Konntet ihr keinen Besseren finden, um zu beweisen, dass ein düsteres Patriarchat Deutschland fest im Griff hatte und noch hat?"

"Also Klaus Kinski hätte mir als Angeklagter mehr Sinn gemacht und wäre bestimmt auch gerne und unterhaltsam in die Diskussion gestiegen. Aber, ach, er ist nicht mehr unter uns", sagt Tom Gerhardt weiter.

(…) "Es ist natürlich ihr Recht, sich so gefühlt zu haben, wie sie sich denn gefühlt haben. Trotz Bussi-Bussi mit Tommy vor und nach der Show", so der Schauspieler. "Ich erkenne auch an, dass in früheren Zeiten Frauen gerne mal reduziert wurden auf ihr Aussehen und ihre 'Sexyness'."

Doch Tom Gerhardt steht der Debatte weiterhin kritisch gegenüber: "Wenn du behauptest, wirklich Frauenrechtler oder Frauenrechtlerin zu sein und dieses leidige, alte Thema dermaßen hochkochst, dann habe ich ein riesiges Fragezeichen: Wenn du die Zeit hast, dich so ausgiebig um alte Sendungen von Gottschalk zu kümmern, warum stehst du nicht erst mal auf für die wirklich knallharten, realen, physischen Torturen, denen Frauen – nur wenige Flugstunden entfernt – in Ländern wie Afghanistan oder dem Iran ausgesetzt sind?"

Denn für den 68-Jährigen bestünde dort deutlich mehr Handlungsbedarf: "Da geht es um Leben oder Tod. Täglich", so Gerhardt. "Wo sind eure Aufrufe gewesen? Wo? In diesem Zusammenhang habe ich die Ritterinnen der Moral noch nicht entdeckt (verzeiht, wenn ich hier jemand übersehen habe). Oder gilt das Schutzbedürfnis nur für deutsche Schauspielerinnen?"




2. Der ORF berichtet über eine bemerkenswerte Studie:

Forschung zur Elternkarenz beschäftigt sich meist mit der Gesundheit von Müttern, die psychische Gesundheit von Vätern erhielt bisher nur wenig Aufmerksamkeit. 746 Väter aus Schweden wurden deshalb von einem Forschungsteam eineinhalb Jahre lang beobachtet, beginnend als deren Babys etwa neun Monate alt waren.

Die teilnehmenden Väter beantworteten Fragen zu depressiven Symptomen zu Beginn der Studie und erneut bei einer zweiten Befragung, als ihre Kinder etwa 27 Monate alt waren. Wie lange die Väter in Karenz waren, wurde ebenfalls bei der zweiten Befragung erfasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass Väter, die 14 bis 40 Wochen in Karenz waren, signifikant seltener Anzeichen einer Depression aufwiesen als Väter, die nur bis zu vier Wochen in Anspruch nahmen. Bei Vätern, die fünf bis 13 Wochen zu Hause blieben, war das nicht der Fall, ebenso wenig wie bei jenen, die mehr als 40 Wochen in Karenz waren.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Väter, die mehr als 90 Tage (knapp 13 Wochen) Karenz in Anspruch nehmen, aber nicht mehr als 60 Prozent der Gesamtdauer der Elternkarenz, eine bessere psychische Gesundheit haben", so Michael Wells, vom schwedischen Karolinska-Institut. In Schweden hat jeder Elternteil 90 nicht übertragbare Karenztage, also etwa 13 Wochen.

Das Forschungsteam vermutet, dass die Zeit zu Hause Vätern hilft, eine engere Verbindung zu ihrem Kind aufzubauen, sich in der Elternrolle sicherer zu fühlen und Alltagsroutinen zu etablieren. Das könnte wiederum das Risiko depressiver Symptome reduzieren.




3. Welche Probleme haben SPIEGEL-Redakteurinnen eigentlich mit Männern? Wird das in Einstellungsgesprächen eigens erfragt, bevor man dort einen Job bekommt? Aktuell arbeitet sich Anna Clauß an ihrem Sohn ab.



Genderama existiert seit über 20 Jahren – unabhängig und ausschließlich finanziert durch Menschen wie dich. Wenn du meine Arbeit unterstützen und sicherstellen möchtest, dass es Genderama weiterhin gibt, freue ich mich über eine Überweisung auf mein Konto bei der Nassauischen Sparkasse, IBAN: DE43510500150393039906, oder an PayPal über den Spendenbutton auf der Blogroll rechts. Ganz herzlichen Dank euch allen!



kostenloser Counter