Montag, Oktober 28, 2019

Neue Zürcher Zeitung: "Der junge Mann von heute ist ein Zauderer" – News vom 28. Oktober 2019

1. Die Sonntagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung hat einen Artikel mit folgender Schlagzeile veröffentlicht: "Vernünftig, empathisch, zuverlässig: Unterwegs mit dem Mann von morgen". (Offenbar ist für die NZZ der Mann von heute nicht vernünftig, empathisch und zuverlässg.) Was die NZZ-Recherche tatsächlich über die aktuelle Befindlichkeit des Mannes herausfindet, der "zwischen den Trümmern des Geschlechterkampfs" aufgewachsen ist, ist besorgniserregender als die Überschrift des Artikels:

Um junge Männer wie Rafi und seine Freunde ist es in den vergangenen Jahren still geworden. Während viel von der Rolle der Frau die Rede war und den Auswirkungen der #MeToo-Debatte, sind die jungen Männer aus dem Fokus geraten. (...) Viel eher fühlen sie sich "im Verlierer-Team", so sagte es mir ein 19-jähriger Rekrut in der Nähe von Bellinzona. Es sei im Moment "irgendwie cooler", eine Frau zu sein, und Rafi, der später Film studieren möchte, sprach (...) vom Kummer, der wie Mehltau auf seiner Generation liege. (...) Und zudem sind junge Männer zurückhaltender geworden, auch das ist eine Erkenntnis, als witterten sie überall eine Falle, während die Jahrgänge vor ihnen noch vor jede Kamera drängten. (...) Der junge Mann von heute ist ein Zauderer. (...) "Es gibt Männer, die sich in der Frage, was es bedeutet, ein Mann zu sein, verlieren", was sich auf die Sexualität auswirke, weil sie ihren Frauen nicht mehr zeigen können, wie sehr sie sie begehrten. Andere wiederum seien feministischer als ihre Partnerinnen, was ebenfalls Probleme bereiten könne.


Der Artikel ist in Gänze lesenswert.



2. Darüber hinaus fragt sich die NZZ: Warum erhalten Frauen mehr Trinkgeld als ihre männlichen Kollegen – und zwar auch dann, wenn es über eine App anonym ausgezahlt wird? Liegt vermutlich an der Frauenfeindlichkeit unserer patriarchalen Gesellschaft ...

Zudem erhalten Männer in der Regel deutlich weniger Trinkgeld. Und zwar auch dann, wenn sie gleich freundlich, aufmerksam und geschickt sind wie ihre Kolleginnen. Das behaupten zumindest Männer, die in einem Restaurant oder einer Bar arbeiten. Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie legt nahe, dass es sich dabei nicht um Gejammer handeln dürfte. Ein Team von vier Ökonomen hat in einer Feldstudie untersucht, nach welchen Kriterien die Kunden des Fahrdienstes Uber Trinkgelder zahlen. Dabei konnten sie auf die Uber-App zugreifen und Daten von 40 Millionen Fahrten statistisch auswerten. Das Resultat: Uber-Kunden sind, unabhängig von ihrem eigenen Geschlecht, Fahrerinnen gegenüber deutlich grosszügiger. Frauen zahlen anderen Frauen im Schnitt knapp 11% mehr Trinkgeld als Männern. Und auch Männer sind um 12% spendabler, wenn sie von einer Fahrerin chauffiert werden. (...) Gleichen Lohn für gleiche Arbeit kann der Markt so nicht bieten.




3. Eine kenianische Ärztin fordert, dass Frauen die Beschneidung ihrer Genitalien wieder erlaubt sein sollte. Dafür übernimmt sie ein Argument aus der Abtreibungsdebatte: "My body, my choice." Ein Verbot der Abtreibung beschränke das Recht von Frauen, ihre eigenen kulturellen Entscheidungen zu treffen. Schon der Begriff "Genitalverstümmelung" sei beleidigend:

"Frauen, die ihre Töchter zur Beschneidung brachten, brachten sie nicht dorthin, um sie zu vernichten. Diese Kinder wurden danach nicht weggeworfen, sie wurden als angesehene Mitglieder der Gesellschaft gefeiert. Wenn man dieses Wort in diesem Kontext verwendet, tut man so, als wäre diese Praktik bösartig und dass wir unsere Frauen absichtlich schädigen. Für mich ist das sehr falsch."


In der westlichen Gesellschaft wird die Beschneidung von Frauen und Mädchen gerne als etwas phantasiert, das Männer Frauen antun. So heißt es in dem Bestseller "Wüstenblume" der UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, Beschneidung wäre vermutlich längst abgeschafft, wenn davon statt Frauen Männer betroffen seien: "Vielleicht sollten die Frauen den Männern die Eier abschneiden, damit auf der Erde wieder ein Paradies entstehen kann." Die zahllosen weiblichen Täter und die zahllosen männlichen Opfer werden vielfach bis heute nicht wahrgenommen.



4. In Australien debattiert man über ein neues Gesetz, dem zufolge Menschen auch dann wegen Vergewaltigung verurteilt werden können, wenn ihr "Opfer" zum Sex zunächst Ja sagte, dann aber seine Meinung änderte, ohne das dem "Täter" mitzuteilen.



5. Im US-Bundesstaat Ohio wird gegen ein 13jähriges Mädchen strafrechtlich vorgegangen, das einem Lehrer fälschlich einen sexuellen Übergriff unterstellte und behauptete, er hätte gedroht, sie umzubringen, falls sie irgendjemandem davon erzählen würde. Der Daily Wire berichtet und kommentiert:

Superintendent Scot Prebles erklärte, dass sich der Schulbezirk durch diese Tortur "durchkämpfen" würde. "Obwohl wir einen harten Tag hatten, kämpfen wir uns da durch", sagte er. "Die Auswirkungen sind langfristig." (...) "Wir haben ein Personal, das im Moment nervös ist, weil an jedem Tag mit jedem von uns dasselbe gemacht werden kann", sagte Prebles. "Wir werden auch sicherstellen, dass wir unseren Mitarbeiter unterstützen. Wir haben einen Mitarbeiter, der durch eine Anschuldigung verletzt wurde. Es war keine zutreffende Anschuldigung."

Wie bei vielen falschen Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe von Frauen, wird die Verleumderin nicht als Kriminelle behandelt, sondern es ist dem Schulbezirk ein Anliegen, ihr zu helfen. "Wir werden alles tun, was wir können, um unseren Schülern zu helfen, um dieser speziellen Schülerin zu helfen, um mit ihrer Familie zu arbeiten, um sicherzustellen, dass sie an einem guten Ort sind, dass sie reifen und dass sie aus dieser Situation heraus wachsen", sagte Prebles. Eine solche Berücksichtigung wird selten Männern gewährt, die sich ein Vergehen zuschulde kommen lassen.

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