Dienstag, April 12, 2016

Vermischtes vom 12. April 2016

1. Gestern berichtete Genderama über die türkischen Feministinnen, die an der Universität von Ankara einen Studenten verprügelt hatten, dem vorgeworfen worden war, seine Ex-Freundin auf Twitter belästigt zu haben. Jetzt weist mich ein Leser auf einen bereits vergangene Woche hierzu erschienenen Artikel im Lower Class Magazine hin: "Sie sollen sich fürchten, denn das ist erst der Anfang!" Dabei handelt es sich um ein Interview mit den Gewaltäterinnen, das damit eingeleitet wird, dass deren Opfer als "rechtes Arschloch" bezeichnet wird (die Unterstellung, das Gewaltopfer sei "rechts", wird in dem Interview an keiner Stelle gestützt). Die Täterinnen erklären in dem Interview, "Selbstverteidigung" sei angesichts eines Justizsystems notwendig, das von Frauen erwarte, Belästigung und Vergewaltigung vor Gericht zu belegen. Zudem habe sich das Opfer "dreist" an den Tisch hinter den Täterinnen gesetzt.



2. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring fordert mehr Aufmerksamkeit für Männer als Opfer von Gewalt.



3. In diesem Zusammenhang sucht RTL nach einem von häuslicher Gewalt betroffenen Mann aus Mitteldeutschland.



4. Die Kritik an Heiko Maas' Vorstoß, "sexistische" Reklame zu verbieten, nimmt weiter zu. BILD-Chefin Tanit Koch findet den Plan des Justizministers "heillos daneben". FDP-Chef Christian Lindner wirft Mass "Spießigkeit" vor und zieht einen Vergleich zu radikalen islamischen Religionsführern. Die Liberalen reagieren auf Maas' Zensurwünsche mit dem Slogan #toosexyforMaas.



5. In Österreich erweist sich die Debatte nach Frauenabteilen wegen einer vermeintlich hohen Rate an sexueller Belästigung als Luftblase:

1,4 Millionen Reisende seien pro Tag in den Zügen der ÖBB unterwegs, zu Übergriffen käme es kaum: (...) "Bedrohungen und Tätlichkeiten gegen Reisende" gab es im Jahr 2015 insgesamt 15, das sei ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (...) Faktum ist aber, dass die Frauenabteile, die es bei den ÖBB seit 2003 gibt, kaum nachgefragt werden, Tendenz fallend. "Nicht einmal zwei Prozent der allein reisenden Frauen buchen das Frauenabteil", so Braun. "Wir bieten das an, aber es ist rückläufig. (...) Für uns ist das eher ein Komfortthema als ein Sicherheitsthema, zum Beispiel wenn Frauen mit Säuglingen ihre Ruhe beim Stillen haben wollen."

(...) "Aus unserer Erfahrung ist das so gut wie kein Thema", sagt Pressesprecher Thomas Posch zur Situation bei der Westbahn. (...) Was Übergriffe auf KundInnen betreffe, sei ihm kein einziger Fall bekannt.




6. Gestern berichtete Genderama, dass die FDP Bayern als erste Partei in Deutschland das Wechselmodell als vorrangigen Standard nach einer Trennung beschlossen hat. Wie ich inzwischen aus den Reihen der Liberalen höre, soll das Wechselmodell auch auf dem kommenden Bundesparteitag der FDP vom Bundesfachausschuss Familie vorgeschlagen werden. Das Wechselmodell würde nicht zuletzt eine Ausgrenzung von Vätern unterbinden, denen sorge- und umgangsberechtigte Mütter nach der Trennung den Kontakt zum eigenen Kind verweigern.



7. In einem Werbespot der FDP positioniert sich die 18jährige Studentin Alicia Lohmann auch damit, dass sie keine Feministin sei, obwohl der Feminismus an ihrer Uni derzeit "das größte Thema überhaupt" darstelle.



8. Die Post. Einer meiner Leser schrieb mir schon vor ein paar Tagen:

Spiegel-Online hat sich mal wieder einen Artikel zum "Thema Gleichstellung von Frauen" geleistet. Es wird darin ziemlich herum geeiert warum nun doch so wenig Frauen in der Müllabfuhr arbeiten. Gerade der Berliner Entsorger hat zwar eine Frau als Geschäftsführerin, aber keine Müllwerkerin.

Eine Führungskraft meint: Frauen seien gut als Müllwerkerinnen, denn Männer würden doch den Herkules mimen ... (Arbeitsschutz, Frauen sind mal wieder die besseren Menschen.) Im Artikel wird aber nicht für eine Frauenquote geworben. Und es wird auch nicht die "Gleichstellung" verlangt.

Und das rächt sich in den Kommentaren. Darin wird ziemlich heftig geantwortet, und auf die Frauenquote zwar für die Führungsebene, nicht aber für die Wertschöpfungsebene, verwiesen. Oder das Frauen sich für wenig Geld an die Supermarkt Kasse setzen, Männer aber wegen Unterhaltsverpflichtungen jeden eben auch schweren Job machen würden ...


Ein anderer Leser weist mich auf einen Artikel im "Merkur" hin: Oma missbraucht Enkel – Mutter filmt Tat. Mein Leser merkt dazu an:

Ich bin mittlerweile ja einiges gewöhnt, aber das Strafmaß hat sogar mir die Zornesröte ins Gesicht getrieben. (Mir ist dabei natürlich klar, dass mir die Details des Falls nicht bekannt sind und es neben dem "Fehler im System" auch ganz klassische Fehlurteile und Justizskandale gibt.)


Im geschilderten Fall des mit Handy gefilmten sexuellen Missbrauchs wurden die Täterinnen zu jeweils acht beziehungsweise neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Eine der beiden Frauen betrachtete das womöglich als Ansporn und versuchte daraufhin, das Umgangsrecht für das von ihr missbrauchte Baby einzuklagen.

Wenigstens ist noch kein radikal linkes Magazin auf die Idee gekommen, die Tat als einen Akt der Selbstverteidigung gegen patriarchale Unterdrückung zu glorifizieren.

Mein Leser fährt fort:

Da ich gerade dabei bin: Vor gar nicht so langer Zeit bin ich durch einen Artikel auf Spiegel-Online auf ein Forschungsprojekt der Uni Regensburg aufmerksam geworden, die Mikado-Studie. Dort wurde auch versucht, einen Bogen um das Tabuthema Missbrauch durch Frauen zu machen. Bei dem Geldgeber auch nicht weiter verwunderlich. In der Erhebung, bei der unter anderem pädophile Tendenzen abgefragt wurden, sind nur Männer befragt worden. In der Betroffenenbefragung kam dann allerdings heraus, dass von etwa einem Drittel Täterinnen ausgegangen werden kann, was angeblich ich in der Größenordnung liegt, die auch in früheren Untersuchungen gefunden wurde.


In dem erwähnten Spiegel-Online-Artikel heißt es:

Eine Tätergruppe wird oft übersehen: Frauen. Die Hälfte aller Männer und zehn Prozent der Frauen, die als Kinder sexuell missbraucht wurden, berichten von einer Täterin.


Ein weiterer Leser schließlich teilt mir mit:

Da hat doch dieser Wochen ein Student (Sebastian Zidek, TU Berlin) sein Recht durchgesetzt, in schriftlichen Arbeiten diese dämlichen Ver*Innerlichungen nicht mitmachen zu müssen. In diesem Zusammenhang Folgendes:

Ich habe vorigen Monat einen Auftrag der Katholischen Hochschule Mainz zurückgegeben. Die geben da eine Schriftenreihe heraus, die ich von Anfang an layoutet habe - mittlerweile war Band 8 in Vorbereitung. Ich habe das immer als Pro-bono-Aufträge "zur Förderung von Philosophie und Wissenschaft" mitlaufen lassen. Und nur einen kleinen Obolus berechnet, der die Unkosten nicht deckte.

Jetzt wollten sie, dass ich laut dem "vom KH-Senat verabschiedeten Leitfaden zur Verwendung einer gendergerechten Sprache" auf der Titelseite alle Autoren, Herausgeber, Mitherausgeber, Co-Autoren und Mitarbeiter in der "/-innen" Form benennen sollte. Das hat mich in Gewissenskonflikte gestürzt: Amts- und Funktionsbezeichungen haben nun mal kein Geschlecht, sondern sind lediglich Worte für etwas, in das man keine Geschlechtsspezifizierung hineininterpretieren kann.

Gut: Zwischen den Buchtiteln war - genau wie zwischen der Ohren der Autor/-innen, Herausgeber_Innen, Co-Autor*innen und Sonstigem - der Genderwahnsinn schon spätestens in Band 2 voll ausgebrochen. Aber das geht mich nichts an, dafür steht mein Büro nicht gerade. Das ist zwar Schwachsinn, aber Fließtext ist nun mal Fließtext. Jeder, der das lesen muss, ärgert sich, aber nicht über mich. Nur: bei der Gestaltung des Covers geht es auch und vor allem um graphische Aspekte. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn man mehrere Autor/-innen mit längeren Doppel-Namen in einer Zeile unterbringen muss: das zerschießt einem das Layout mit vollkommen falschen und unnötigen Kotaus vor dem Unverstand.

Außerdem will ich nicht dazu beitragen, dass sich dieser Genderwahnsinn mit jeder neue Publikation mehr und mehr etabliert: ich will sagen können, dass ich für Schwachsinn nur dann zur Verfügung stehe, wenn er lustig ist. Eine Diskussion mit Professorinnen und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen ist aber nur dann noch lustig, wenn man sich ganz klaren, unausgesprochenen und vollkommen undurchdringlichen hierarchischen Strukturen unterwirft, die eine Nachfrage nach der Berechtigung einer noch so dummen Anordnung nicht vorsehen. Aus meiner langjährigen Erfahrung ist die Kommunikation mit Männern in der Regel wesentlich erfrischender: Denen kann man mit Argumenten kommen und man kann sich auf die vernünftigste Version einigen. Das geht mit Mitarbeiterinnen im Bildungswesen und den angedockten Institutionen so gut wie nie. Sie vereinbaren in kleinen Zirkeln "Leitfäden" - und dann muss sich das Volk an Sprachregelungen halten, die es gar nicht will. Und das Volk soll diese Zirkel, deren Mitglieder niemals für irgendwas die Verantwortung übernehmen, sondern immer nur auf "Leitfäden" hinweisen, ja auch noch üppig finanzieren, versteht sich.

Will ich nicht mehr. Ich bin selbständig und lasse es mich was kosten, diesen Schwachsinn nicht mitzumachen. Vielleicht können andere auch ein bisschen mit graswurzeln: Widerstand beginnt immer mit kleinen Ungehorsamkeiten. Einfach nicht machen, wenn man die Möglichkeit hat.

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