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Mittwoch, September 26, 2018

Neue Zürcher Zeitung: "Wie MeToo die alten Männer zum Feindbild erklärt hat" – News vom 26. September 2018

1.
Reich, lüstern und unmoralisch: In der Genderdebatte ist der alte Mann zum Inbegriff all dessen geworden, was "heute gar nicht mehr geht". Zurecht? Natürlich nicht! Wir sollten den alten Männern besser zuhören.


Hier geht es weiter mit dem Artikel von Sarah Pines.



2. Im Interview mit der "Zeit" berichtet Terry Gilliam, Mitglied der Komikertruppe Monty Python, über seinen Eindruck von der politischen Korrektheit unserer Tage:

Als ich auf einer Pressekonferenz danach gefragt wurde, habe ich gesagt, dass ich es leid bin, als weißer Mann für jedes Unrecht dieser Welt verantwortlich gemacht zu werden, dass ich jetzt eine schwarze Lesbe auf dem Weg zu einer Geschlechtsumwandlung wäre und Loretta genannt werden möchte. Das war ein Witz, könnte aber auch wahr sein. Ein Filmfestival in Nordamerika hat sich daraufhin anscheinend entschieden, meinen Film nicht zu zeigen. Mein Ruf nach mehr Vielfalt hatte offenbar jemanden beleidigt.

(...) Natürlich wird man angegriffen werden, wenn man sich nach vorne wagt. Aber so ist das halt. Während der #MeToo-Debatte habe ich gesagt, dass einige Frauen davon profitiert haben, mit Harvey Weinstein auf sein Hotelzimmer gegangen zu sein. Das habe ich nicht getan, um seine Opfer zu beleidigen, sondern weil es stimmte. Viele fanden meine Aussagen jedoch widerlich. Gleichzeitig habe ich auf Facebook sehr viele positive Kommentare von Frauen bekommen, die auch fanden, dass #MeToo zu weit gegangen ist und viel zu rachsüchtig bei kleinen Vergehen war. Eine Schauspielerin hat mir in einer Email geschrieben, dass sie die Dinge so sieht wie ich. Sie selbst war mit Weinstein in einem Hotelzimmer gewesen, hatte sich im Gegensatz zu anderen aber wieder herausgequatscht. Ich habe ihr gesagt: Du musst das laut sagen! Ich als Mann kann das nicht tun. Aber sie hatte Angst, dass sie dann auch angegriffen wird.




3. Wenn schon Rufmord, dann richtig: Eine feministische Gruppe will die Behauptung "Kavanaugh ist ein sexuelles Raubtier" auf die Wände des Obersten Gerichtshofes der USA projizieren. Immerhin würde das hübsch veranschaulichen, wie sehr öffentliche Anschuldigungen das System fairer Prozesse zur Wahrheitsfindung überlagern.



4. Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen muss nach Sexismus-Vorwürfen gehen.



5. Christiana Florin erklärt im Deutschlandfunk, warum sie nicht zufrieden damit ist, wie die katholische Kirche mit dem sexuellen Missbrauch in ihren Reihen umgeht: Beichten reicht nicht mehr.



6. Wie angefasst die feministische Bewegung durch die wachsende Kritik an ihr ist, zeigt eine neue Broschüre: Antifeminismus ist eine Gefahr für die Demokratie.



7. Problematisch ist natürlich auch das "Manspreading" (breitbeinige Sitzen) in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine russische Jurastudentin bekämpft diese "Gender-Aggression" jetzt, indem sie Männern Bleiche in den Schritt gießt.. (Das zu kritisieren wäre vermutlich "Antifeminismus" und damit "eine Gefahr für die Demokratie".)



8. Die britische BBC lässt ein männliches Opfer häuslicher Gewalt ausführlich zu Wort kommen. Darüber hinaus ordnet eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation dieses Leiden in den generellen Umgang mit Männern in unserer Gesellschaft ein.



9. 3sat widmet sich heute Abend schwerpunktmäßig dem Thema "sexueller Missbrauch": unter anderem mit dem Film "Die Hände meiner Mutter" sowie einem weiteren Film über Missbrauch im Schatten der Reformpädagogik.