Mittwoch, Oktober 10, 2018

"Weiße Frauen sind Abschaum": Wie das Kavanaugh-Zeitalter eine rassistische Linke möglich gemacht hat – News vom 10. Oktober 2018

1. Die "Welt" veröffentlicht ausnahmsweise einen Don-Alphonso-Artikel ohne Bezahlschranke. Der Teaser:

Früher brauchte man Beweise. Heute reicht es, wenn die Vorwürfe Jahrzehnte zurückreichen und vage sind – und unter 100 alten Bekannten findet sich immer einer, der noch eine Rechnung offen hat.


In dem sehr ausführlichen Artikel berichtet Don Alphonso auch, wie er (ähnlich wie ich) wegen politisch missliebiger Äußerungen in der Wikipedia denunziert wird, vor allem nachdem er sich gegen Andreas Kempers Online-Pranger stellte. Ich zitiere mal ausführlich, weil ich davon ausgehe, dass das im Interesse des diffamierten Journalisten ist:

Denn um Kemper herum gibt es eine Gruppe von anderen Wikipedia-Autoren aus dem linken Spektrum, die ihn verteidigen und in meinem Fall die Wikipediaseite über meine Person vandalisiert haben: Was immer sie an negativen Aspekten gefunden haben, wurde eingebaut, und was für mich sprach, wurde entfernt. Besonders hat sich dabei ein gewisser Feliks hervorgetan, der unter anderem nicht glauben wollte, dass Schirrmacher mich angeheuert hat. Es gibt dafür diverse Quellen, unter anderem einen ganzen Absatz im Buch "loslabern" von Rainald Goetz, ich hätte auch die originalen Mails, und diverse Mitarbeiter der "FAZ" wussten davon, was dazu führte, dass meine Anstellung vorab bereits bei einem Medienportal durchgestochen wurde. Aber Feliks sucht explizit das Schlechte und erwähnt in den Debatten auch, dass er sich mit mir auskenne. Das ist erstaunlich, denn eigentlich kenne ich nur einen Wikipedianer jenseits meiner Netzrolle. Feliks habe ich einfach für einen weiteren Parteigänger von Kemper gehalten, der mir neben "Fiona B" mal zeigen will, dass er bei Wikipedia mit mir machen will, was er kann.

Vor ein paar Wochen wurde dann die Identität der Person aufgedeckt, die so verbissen an der Schädigung meines Rufes arbeitet. Es ist jemand aus meiner Heimatstadt, aus meiner Schule, aus meinem Jahrgang, jemand, der in der 12. und 13. Klasse zusammen mit mir in den Kursen saß. Ich kenne ihn. Sogar ziemlich gut. Feliks war Teil einer linken Clique in dieser vergleichsweise recht harten und konservativ geprägten Schule. Nach dem Abitur trennten sich die Wege, ich gelangte über Zufälle, Umwege und Schirrmacher in den Journalismus, und Feliks hatte das, was man vielleicht als "bunte Biografie" bezeichnen würde. Er ist einer von denen, die sich nach meinem Gefühl bei Wikipedia mit viel Zeiteinsatz zu einem Entscheider aufschwingen. Sie können dort ungehindert von den Verantwortlichen dem Internetwissen ihren Stempel aufdrücken, und eine Gruppe von anfeuernden Elevator Screamers haben Feliks, Fiona B und Kemper auch. Sie sind tatsächlich kaum angreifbar, denn Wikipedia erlaubt ihnen, anonym zu arbeiten, solange sie sich an die Regeln halten. Feliks weiß, was er tut, und er weiß, mit wem er es tut. Der Kampf gegen private Feinde ist gegen die Regeln, aber dazu müsste man erst einmal wissen, wer da kämpft. Im normalen menschlichen Umgang müssten beide Seiten gehört werden, aber bei Wikipedia kann sich ein Aktivist mit PDS-/Die-Linke-Bindung an einem kritisch berichtenden Journalisten abarbeiten, der über ein Mitglied seines Umfelds geschrieben hat. Feliks hat meine E-Mail-Adresse, wir stehen auf dem gleichen Abiturverteiler. Er könnte direkt fragen. Er nutzt lieber anonym den Machtraum Wikipedia.

(...) Vielleicht muss man einfach damit leben, dass unter den 120 Abgängern des Abiturjahrgangs auch einer ist, der sich nach 30 Jahren befähigt sieht, einem eins auszuwischen. Vielleicht sind unter den Hunderten, mit denen man Mails wechselt, auch zwei, drei, vier, die rücksichtslos alles tun, um einem Gegner, echt oder imaginiert, zu schaden. Momentan versucht eine Frau in Zusammenhang mit einer Hashtag-Aktion einen berichtenden Blogger wegen ihrer Privatheitswünsche vor den Kadi zu zerren, obwohl sie selbst lange Zeit alles unternommen hat, damit sie maximale Aufmerksamkeit bekommt. Man hat schon ehemalige Piratinnen Blocklisten feiern sehen – vor ein paar Jahren war das noch allgemein geächtet, heute ist das ein gängiges Verhalten des TV-Komikers Jan Böhmermann.

(...) Alles, was gegen einen verwendet werden kann, wird vermutlich auch verwendet. Vor diesem Hintergrund sind Aussagen wie "Believe Women" das Gegenteil dessen, was sinnvoll wäre: Gerade wegen der Exzesse der letzten Jahre von Gina-Lisa über den UVA-Rape-Hoax bis zum gescheiterten Angriff auf Kavanaugh müsste die gewissenhafte, ruhige und faktenbasierte Prüfung an erster Stelle stehen. Der Belastungseifer der letzten Woche hat mich dagegen ganz fatal an die Scherbengerichte und Hexenjagden der kleinen, dummen Stadt an der Donau erinnert, aus der ich stamme: Da war die Unterstellung der Abtreibung jener gesellschaftliche Tod, der heute der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs ist. Die Demokraten in den USA und die Aktivisten haben alles auf eine Karte gesetzt und möglicherweise erwartet, dass die Sieger später niemand fragen wird, welche Mittel sie für gerechtfertigt halten. Das Schreien in den Aufzügen und die Unterstützung in den Medien haben nicht gereicht, und möglicherweise wird sie die Rache der weißen Wähler aus der Mittelschicht, denen solche Intrigen aus dem Berufsleben nicht gänzlich unbekannt sind, bei den anstehenden Wahlen voll treffen. Glaubwürdige Beweise anstelle vager Angaben und in sich zusammenfallender Behauptungen wären da eine hilfreiche Sache gewesen. So bleibt der Eindruck, dass auch Demokraten jedes Mittel recht und jeder Schaden wünschenswert ist, wenn es zur Vernichtung des Gegners beiträgt.




2. Das US-amerikanische Politikmagazin National Review analysiert, was das Kavanaugh-Spektakel für die MeToo-Bewegung bedeutet:

Die #MeToo- Bewegung implodiert. Durch ihre jüngsten McCarthy-artigen Exzesse macht sie viel Gutes zunichte, das sie erreicht hatte, vor allem in Hollywood und den Medien.

(...) Eine Republik kann keine revolutionäre Bewegung überleben, die darauf besteht, dass ihre moralischen Ansprüche so hoch sind, dass 2.500 Jahre westliche Rechtsprechung abgeworfen werden müssen, als ob "Ernsthaftigkeit" "Glaubwürdigkeit" und "Glaubwürdigkeit" wiederum "Beweiskraft" etablierte - alles ohne handfeste Beweise oder Zeugenaussagen. Das Ergebnis solcher Ideen wäre die alptraumhafte Welt entweder eines reglementierten "1984" oder des Chaos des "Herrn der Fliegen".

Die Kavanaugh-Anhörung war die ultimative, aber logische Fortsetzung früheren Irrwitzes wie dem Duke-Lacrosse-Fall und [der Falschbeschuldigung im Magazin] "Rolling Stone". Der #MeToo-Überschwang dürfte sogar dem Oger Harvey Weinstein gefallen. (...) Weinstein kann nun behaupten, dass das, was mit dem verhassten konservativen Kavanaugh passiert ist, auch mit ihm, dem einst geliebten Liberalen, passiert ist. (...)

(...) Sobald #MeToo zu einem Arm der progressiven politischen Bewegung wurde, wie das Debakel von Kavanaugh zeigt, verlor sie ihren Ruf als eine Bewegung der gerechten Empörung, deren Ziele meist zerknirschte Belästiger waren.




3. Ebenfalls im National Review erörtert Alexandra Descantis, wie die Kontroverse um Kavanaugh das identitätspolitische Problem des Feminismus offenlegt:

Weil sie ihre Bewegung mit dem Progressivismus und seinem wachsenden Hang zur Identitätspolitik verknüpft haben, ignorieren oder bestrafen feministische Denker systematisch Frauen, die mit der linken Agenda nicht einverstanden sind. Diese Mobbing-Taktik steht im offensichtlichen Widerspruch zu dem historischen Versprechen des Feminismus, die Individualität und Handlungsfähigkeit jeder Frau zu wahren. Können Frauen tatsächlich selbstständig denken, oder müssen sie sich notwendigerweise an progressives Gruppendenken halten? Die durchschlagende Antwort der Feministinnen scheint die letztere zu sein.

(...) Mit ihrer Sozialagenda, die so mit der progressiven Bewegung verbunden ist, haben feministische Denkerinnen einen Sturz in die ätzende Identitätspolitik gemacht und ihren Einfluss auf der Grundlage der Vorstellung geltend gemacht, dass alle Frauen notwendigerweise ihren Standpunkt teilen, dass Frauen als Identitätsgruppe (und Stimmblock) im Kampf gegen patriarchalische Unterdrückung vereint sind. Feministische Ansprüche auf politische Macht basieren daher auf der Fiktion, dass alle Frauen von Männern gefesselt sind und dass alle Frauen um eine befreiende Plattform - die progressive - vereint sein sollten.

Frauen, die sich mit dieser Agenda auseinandersetzen - Frauen, die das Kool-Aid nicht trinken wollen - sind eine Bedrohung für die Legitimität und politische Wirksamkeit der Bewegung. Feministinnen ignorieren oder attackieren solche Frauen und widersprechen damit dem, was das bestimmende Merkmal der Bewegung gewesen war: dem Glauben, dass Frauen nicht als eine einzige Gruppe mit einem kollektiven Denken gelten sollten, dass andere nicht für sie sprechen oder sie kontrollieren sollten.

(...) In ihrer Eile, nicht-progressive Frauen auszugrenzen, haben Aktivistinnen die der modernen feministischen Bewegung innewohnende Schwäche offengelegt: Die Einbeziehung der Identitätspolitik untergräbt die angeblich frauenfreundliche Agenda. Wenn Feministinnen behaupten, für alle Frauen zu sprechen und diejenigen, die anderer Meinung sind, zu zensieren oder zu schikanieren, zeigen sie, dass ihre Hingabe nicht echten Frauenanliegen gilt. Ihr Ziel ist es vielmehr, politische Macht zu erhalten und eine radikale soziale Agenda mit allen notwendigen Mitteln voranzutreiben.

Die heutigen Feministinnen schätzen weibliche Unabhängigkeit nicht wirklich. Sie schätzen Frauen, soweit wir uns anpassen. Jede Frau, die auf diesem Weg zum Schweigen gebracht oder niedergetrampelt wird, ist nur ein Kollateralschaden.




4. Im liberalen Magazin "Sp!ked" beschäftigt sich sein Herausgeber Brendan O'Neill damit, dass dieser identitätspolitische Furor innerhalb der Linken inzwischen so weit geht, dass die New York Times inzwischen rassistische Artikel veröffentlicht. Nur gilt der Rassismus inzwischen nicht mehr nur den "weißen Männern", wie es etwa auch in der "taz" und bei den "Übermedien" eingerissen ist und wo viele Linke ihn ignorieren, weil er mit politisch korrektem Sexismus gepaart wird, sondern jetzt auch weißen Frauen.

Auf den New-York-Times-Artikel, den O'Neill anspricht, hatte Genderama vor einigen Tagen hingewiesen. Er rief zu einem Aufstand gegen die "Gender-Verräterinnen" auf: also gegen die Frauen, die für Kavanaugh stimmten:

Das ist die Art von Frauen, die denken, dass es fast so schlimm ist, fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt zu werden wie vergewaltigt zu werden. Die Art von Frauen, die mit Präsident Trump darin übereinstimmen, dass "es eine sehr beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika ist", wie er bei einer Pressekonferenz am Dienstag sagte. (...) Das liegt daran, dass weiße Frauen vom Patriarchat profitieren, indem sie mit ihrem Weißsein handeln, um Ressourcen für den wechselseitigen Gewinn zu monopolisieren. (...) Dieser Blutpakt zwischen weißen Männern und weißen Frauen steht in den Zwischenprüfungen im November zur Debatte. (...) Diese Mädchen werden ihre Privilegien bis zum Tod verteidigen.


Zu diesem Unfug, der selbst diverse aktuelle "Zeit"-Artikel an Polemik übertrifft, merkt Brendan O'Neill an:

Weiße Frauen sind Abschaum. Das ist die Botschaft einer Kolumne, die am Samstag von der "New York Times" veröffentlicht wurde. (...) Diese Schlampen - Grenell benutzt dieses Wort nicht, aber es tropft ihr aus jedem Satz - denken anscheinend, dass der Schutz ihres sogenannten Rassenprivilegs wichtiger ist als die Solidarität mit ihren Mitmenschen.

Grenells Stück fängt so viel ein, was in der zeitgenössischen Identitätspolitik falsch und beängstigend ist. Erstens erfasst sie das Ausmaß, in dem die identitäre Bewegung denkt, dass Emotionalität auf der öffentlichen Tribüne Vorrang vor Vernunft haben sollte.

"Nach einem Bestätigungsprozess, bei dem sich Frauen fast die Pulsadern aufschneiden und ihre Geschichten über sexuelle Traumata wie Blutflüsse durch das Kapitol laufen lassen, stimmte der Senat immer noch für die Bestätigung von Richter Brett Kavanaugh", schreibt sie. Sie kann nicht glauben, dass die sich selbst zerfleischenden Darstellungen von Traumata der Demonstranten die ruhigen, beweiskräftigen Überlegungen derjenigen, die mit der Entscheidung darüber beauftragt sind, ob Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof geeignet ist, nicht überwiegen konnten. Das Gefühl der Bevorrechtigung ist atemberaubend, als ob die subjektiven Gefühle einer winzigen Anzahl von meist gut vernetzten Demonstranten Vorrang vor den Diskussionen derjenigen haben sollten, die von Millionen von Amerikanern gewählt wurden.

Hinter dieser Erhöhung des Traumas von Frauen und ihren "Blutflüssen" über die rationale politische Diskussion steckt eine eigentümlich frauenfeindliche Haltun. Es spricht den Argumente der Suffragetten Hohn, die darauf bestanden, dass Frauen mehr als ihre "Eingeweide" seien, dass sie sowohl zur Vernunft als auch zur Emotion fähig seien. Als Reaktion auf Artikel in Zeitschriften wie "The Anti-Suffrage Review", die 1910 argumentierten, dass "die Frau emotional ist" und daher Schwierigkeiten haben, "abstrakte Ideen zu entwickeln", bestanden die Suffragetten darauf, dass Frauen die Fähigkeit zu kühlem, begründetem Denken hätten.

Das weibliche Wahlrecht würde nicht zu einer "Regierung durch Emotion" führen, sagten sie – der zynische, sexistische Ausdruck, der von "The Anti-Suffrage Review" verwendet wurde, um Politik zu beschreiben, wenn Frauen ein Mitspracherecht hätten. Jetzt, hundert Jahre später, ruft eine so genannte Feministin, in der "New York Times" zu nicht weniger als eine Regierung der Emotionen auf und versucht beiläufig, die Arbeit derjenigen rückgängig zu machen, die hart dafür gekämpft haben, die Kapazität von Frauen aus politischen Gründen zu etablieren.

Grenell greift die Frauen an, die sich weigern, die Regierung durch Emotionen zu übernehmen - das heißt, die weiblichen Senatoren, wie Susan Collins und andere Republikaner, die abwägten, was über Kavanaugh gesagt worden war, und entschieden, dass er für den Obersten Gerichtshof bestätigt werden sollte. Diese Frauen, die die Vernunft der versuchten emotionalen Erpressung von "Geschichten vom Trauma" vorziehen, sind das eigentliche Problem, betont Grenell. Sie sind "Geschlechterverräterinnen", um einen Begriff aus der dystopischen Fernsehserie "The Handmaids Tale" zu übernehmen. Für sie sei es ein Vollzeitjob, "dem Patriarchat beizustehen", sagt Grenell.

Grenell muss die Entscheidungsfindung dieser Frauen pathologisieren und sie darstellen, als wäre es nicht eine freie politische Entscheidung, sondern ein instinktives Verhalten von Frauen, die dem Patriarchat verpflichtet sind. Dieser Drang, die politischen Aussichten anderer Menschen zu delegitimieren - in der Regel, indem man unterstellt, sie dächten nur so, wie sie es tun, weil sie ein weißer Mann, eine weiße Frau, ein Cis oder was auch immer sind - ist heute eines der bösartigsten Dinge in der Identitätspolitik. Es steckt voller Böswilligkeit und einer Vorliebe, Abweichler zum Schweigen zu bringen. Es misstraut jedem.

Grenell extrapoliert dann aus den Entscheidungen der weißen Frauen im Senat, um alle weißen Frauen zu verteufeln. "Wir sprechen von weißen Frauen", macht sie deutlich, bevor sie diese ethnische Gruppe angreift, weil sie schwach, egoistisch und von Männern kontrolliert sei - alles Dinge, die Frauenfeinde früher über Frauen sagten.

Dieser giftige Angriff auf eine ganze Gruppe - weiße Frauen - zeigt, inwieweit die Identitätspolitik von heute das Weißsein pathologisiert hat. Weiß zu sein bedeutet, verdächtig, korrumpiert, moralisch minderwertig, unzuverlässig zu sein. Das ist eine rassistische Einstellung. Es ist die Definition von Rassismus, eine Rassengruppe aufgrund ihrer Hautfarbe als minderwertig zu definieren. Die New York Times veröffentlicht inzwischen rassistische Artikel. Die Identitätspolitik hat dies akzeptabel gemacht.

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