Freitag, Juni 09, 2023

K.O.-Tropfen: Nach Rammstein Empörung über Die Ärzte

1. Unter der Schlagzeile Ärzte-Fans empört über K.o.-Tropfen-Witze berichtet die Frankfurter Allgemeine:

Auf Youtube und in sozialen Medien kursiert derzeit ein Video von einem Ärzte-Konzert am Dienstag in Luxemburg. Darauf zu sehen sind Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González, die auf der Bühne stehen und zwischen den Songs mit ihrem Publikum plaudern und scherzen. In dem viereinhalbminütigen Video macht die Band auch keinen Halt vor den aktuellen Debatten um MeToo im Rock.

So fragt Sänger Farin Urlaub etwa: "Wo kaufen man denn eigentlich diese K.o.-Tropfen?", und Bela B. antwortet: "Wir machen die selber, im Tourbus." Später erklärt Farin Urlaub noch, seine K.o.-Tropfen seien homöopathisch, Bela B. fügt noch an, wie er "am nächsten Tag aufwacht und ,Balabala’ denkt" – das sei viel schlimmer als blaue Flecken. Andere Fans berichten von Textzeilenänderungen, von denen aber keine Videos vorliegen.

Während auf den Aufnahmen auch einige Lacher aus dem Publikum zu vernehmen sind, so zeigten sich nach dem Konzert einige Fans enttäuscht. Manche verbreiteten den Mitschnitt mit den Worten "Übel" oder "Die beste Band der Welt wird auch mal schnell zur unsympathischsten Band der Welt".


Auch die Pop-Mangazine "Rolling Stone" und "Musikexpress" berichten über die Empörung.

Ein Beispiel für die geschilderten Reaktionen ist der Stadtrat Benjamin Bauer (Grüne), der twitterte:

Wie #DieÄrzte auf die Vorwürfe gegen #Rammstein reagieren (& nebenbei queerfeindliche Narrative bedienen), macht mich sprachlos. Das hätte ich ihnen nicht zugetraut – vermutlich naiv. Die Band muss hier reagieren o. kann zusammen mit Rammstein in die Tonne.


Eine Antifa-Aktivistin schreibt:

Ihr wart die beste Band der Welt. Für euch hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt. Seit Jugendzeiten wart ihr meine Idole. Ich bin sprachlos, schockiert und angewidert. Ihr habt einen Fan verloren und ich hoffe, ich bin nicht die einzige.


Und schließlich ein drittes Beispiel:

#dieÄrzte machen Witze über ko Tropfen, Lindemann missbraucht systematische junge Frauen. Meine Stimmung in einem Zitat der Ärzte: "Immer, ja wirklich immer Haben Typen, wie du, was auf die Fresse verdient" Ich bin Männer so leid aktuell.


Während männliche Twitter-User erklären, sich für ihr Geschlecht zu schämen, und befinden, Die Ärzte seien "am Ende doch nur alte weiße Männer", hat die Band ein "klares Statement" gegen sexuelle Gewalt auf Twitter gestellt und die Kommentarfunktion darunter abgeschaltet.



2. Die von Rammstein-Sänger Till Lindemann beauftragte Anwaltskanzlei hat eine Presseerklärung vorgelegt. Darin heißt es:

In den sozialen Netzwerken, insbesondere auf Instagram, Twitter und bei YouTube, wurden von diversen Frauen schwerwiegende Vorwürfe zulasten unseres Mandanten erhoben. So wurde wiederholt behauptet, Frauen seien bei Konzerten von "Rammstein" mithilfe von K.O.-Tropfen bzw. Alkohol betäubt worden, um unserem Mandanten zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an ihnen vornehmen zu können. Diese Vorwürfe sind ausnahmslos unwahr. Wir werden wegen sämtlicher Anschuldigungen dieser Art umgehend rechtliche Schritte gegen die einzelnen Personen einleiten.

Die erhobenen Vorwürfe wurden von zahlreichen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet. In einer Vielzahl von Fällen ist es dabei zu einer unzulässigen Verdachtsberichterstattung gekommen. So wurde nicht nur versäumt, hinreichend Beweistatsachen zu recherchieren und zusammenzutragen, sondern zudem auch gegen die Vorgabe verstoßen, ausgewogen und objektiv zu berichten. In fast allen Fällen fand eine nachhaltige Vorverurteilung zulasten unseres Mandanten statt, was im Rahmen einer Verdachtsberichterstattung unzulässig ist. Schließlich wurde wiederholt versäumt, eine Stellungnahme unseres Mandanten einzuholen. Soweit gegen die Grundsätze der Verdachtsberichterstattung verstoßen wurde, werden wir auch hiergegen für unseren Mandanten umgehend rechtlich vorgehen.


Ich habe offen gesagt keine Ahnung, wie unsere Qualitätsjournalisten innerhalb kürzester Zeit eine ausgewogene Berichterstattung lernen sollen.



3. Stattdessen wird in den Medien sexistische Hate Speech immer unverblümter. So attackiert die Wochenzeitung "Freitag" "die Männerhorden (…) in der Reihenfolge aufsteigender Ekelhaftigkeit". Vor allem Männer, die sich gegen einen Generalverdacht aussprächen, und jene, die das Thema "differenziert betrachten" wollten, seien ein Problem.



4. Themawechsel. Die Berliner Morgenpost berichtet über die Debatte um die geschlechtertrennende Sprache:

Das Ergebnis einer aktuellen Civey-Umfrage im Auftrag unserer Redaktion zeigt: die Mehrheit der Deutschen spricht sich für gendergerechte Sprache aus – zumindest in firmeninternen Mails. So finden 60 Prozent der Befragten die Ansprache "Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen" am besten. Ein Viertel spricht sich für die rein männliche Form aus. Zwölf Prozent enthalten sich und nur vier Prozent bevorzugen das sogenannte Binnen-I, also "Sehr geehrte KollegInnen". Interessant ist der Blick auf die Altersgruppen. Mit 43 Prozent finden die meisten jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren die Ansprache "Sehr geehrte Kollegen" am besten.

(…) Geht es allerdings um das Gendern in der Öffentlichkeit, in den Medien und in der Politik, fällt die Meinung in der Gesellschaft anders aus. Mit 44 Prozent finden die meisten Deutschen, dass die gleichzeitige Nennung von Mann und Frau zu häufig genutzt wird. Nur ein Drittel ist der Meinung, dass sie angemessen häufig gebraucht wird und 20 Prozent, dass sie zu selten genutzt wird. Drei Prozent enthalten sich. Auch hier fällt im Altersvergleich auf, dass sich vor allem junge Deutsche gegen das Gendern in Öffentlichkeit, Medien und Politik aussprechen: 60 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren finden, dass die Erwähnung beider Geschlechter zu häufig verwendet wird.

(…) Sprachwissenschaftler Josef Klein von der FU Berlin bezweifelt, dass das Gendern allein den Zulauf zur AfD verstärkt. "Aber wer über die Regierung und die öffentlichen Medien schwer verärgert ist, bei dem dürfte das Gendern in Nachrichtensendungen den Sprung zur AfD fördern." Grundsätzlich sei Sprache immer ein Stück Identität. "Und wenn daran gewackelt oder gerüttelt wird, führt das zur Spaltung in der Gesellschaft und kann populistische Tendenzen verstärken." Vor allem dann, wenn versucht werde, "die gendergerechte Sprache teilautoritär über kommunikative Strategien von Eliten ins Volk einzudrücken".




5. Was sexuelle Gewalt gegen Männer angeht, gelangt eine aktuelle Studie zu einem ernüchternden Ergebnis:

Wenn wir eine evidenzbasierte Politik und Praxis entwickeln wollen, die den Bedürfnissen dieser Männer am besten gerecht wird, gibt es noch viel zu tun, und diese Übersicht ist ein Aufruf zum Handeln in diesem Bereich. Die qualitativ besten Belege stammen in erster Linie aus Studien über sexuelle Traumata im Militär und über Unterstützungsdienste für Veteranen, doch sind diese Belege nach wie vor begrenzt und möglicherweise nicht auf andere Bereiche übertragbar. Es gibt bemerkenswert wenig empirische Belege dafür, wie Männer ihre Erfahrungen verarbeiten und wie dies durch Faktoren wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, Männlichkeit und Sexualität beeinflusst werden könnte. Noch weniger Erkenntnisse gibt es über die Begegnungen von Männern mit formellen und informellen Unterstützungsangeboten und darüber, was die bestmöglichen Erfahrungen und Ergebnisse bringt. Tatsächlich scheint es bisher keine Studien zu geben, die sich speziell mit den Erfahrungen bei der Offenlegung gegenüber Partnerin, Familie und Freunden befassen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir noch nicht über ein konsistentes, empirisch fundiertes Verständnis fast aller Aspekte der Erfahrungen von Männern mit sexuellen Übergriffen im Erwachsenenalter verfügen und auch nicht über ausreichende Kenntnisse, um bewährte Verfahren für die Bereitstellung von Diensten zur Unterstützung erfolgreicher Genesungspfade zu entwickeln.




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