Dienstag, April 11, 2023

Aus "Berliner Luft" wird jetzt "Berliner*innen Luft"

1. Schilkin, der Produzent des Pfefferminzlikörs "Berliner Luft" hat seinen Markennamen gendergerecht umbenannt. Die Berliner:innen Zeitung und "Der Westen" berichten:

Auf Social Media lassen sich unzählige Kommentare zur limitierten Sonderedition finden. So schreibt ein User: "Alles richtig gemacht. Umsatz erhöht, sich zum Gendern bekannt. Prost!" Ein anderer: "Langsam wird’s nur noch peinlich". Oder: "Einfach nur billiges Marketing". Für viele habe die ursprüngliche Begriffsbezeichnung etwas mit der Stadt Berlin und nicht etwa mit den Einwohnern zu tun. Sprich: "Die Luft aus Berlin".

[Schilkin-Geschäftsführer] Erlfried Baatz sagt dazu: „Eine Marke, die nicht polarisiert, hat keine Botschaft“. Für die Umbenennung habe der Spirituosen-Chef eine einfache Erklärung: "Wir haben einiges ausprobiert, aber grafisch blieb uns keine andere Möglichkeit." Auch sei das "innen" von "Berliner" nicht mit dem klassischen Gendersternchen getrennt, sondern mit einem augenzwinkernder Smiley. "Wir sind ja keine Genderfreaks", so Baatz.




2. Das Autonome Frauenzentrum Potsdam beklagt die Gestaltung der Toilettenwagen beim Frühlingsvolksfest im Lustgarten als sexistisch. Dort stehe zu lesen "Kleiner Penis 1 €, Großer Penis 2 €" sowie "Hausfrau 1€, Jungfrau 2 €".



3. Eine Statistik die in der Geschlechterdebatte häufig vorkommt: Alle drei Tage stirbt eine Frau durch häusliche Gewalt. Eine Statistik, die in der Geschlechterdebatte nie vorkommt: Alle drei Tage stirbt ein Arbeiter auf dem Bau.



4. Der deutsche Lehrerverband spricht sich gegen das Gendern an Schulen aus.



5. Unter der Überschrift Gleichberechtigung vergessen? berichtet die Bildzeitung über den Beruf des Dirigenten. Der Artikel zitiert Professor Florian Ludwig: "Von einem Anteil 50:50 sind wir noch weit entfernt. Nur zehn Prozent der Bewerbungen zum Studium stammen von Frauen. Der Beruf wurde bei der Gleichberechtigung total vergessen."



6. 22 Jahre nach meinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über den Mythos vom besseren Geschlecht (Bezahlschranke).



7. Im baden-württembergischen Hockenheim sind am Ostersonntag zwei Geschwister tot in einer Wohnung entdeckt worden. Die Kinder waren sieben und neun Jahre alt. Eine 43 Jahre alte Angehörige, offenbar die Mutter, wurde wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes festgenommen. Der Tat sei ein Streit ums Sorgerecht vorangegangen.



8. Auch Frauen üben sexuelle Gewalt aus. Ein groteskes Beispiel: Im US-Bundesstaat Mississippi hat eine 19jährige einen Hund vergewaltigt.



9. Thomas Gesterkamp teilt in Alice Schwarzers "Emma" gegen Cem Özdemir, Ralf Bönt, Anton Hofreiter, Robert Habeck und Annalena Baerbock aus. Dem Artikel zufolge kehren die "kampflustigen Promis", wenn sie die Ukraine gegen den russischen Angriff unterstützen möchten, "zurück zu den Feindbildern ihrer Väter und Großväter". Dass es um das Überleben eines Landes geht, das von einem Terrorregime vernichtet werden soll, kommt in Gesterkamps Text nicht vor. Stattdessen hat man beim Lesen des Beitrags den Eindruck, die Verteidigung der Ukraine sei eine Folge toxischer Männlichkeit.

Währenddessen wird Schwarzer von Jürgen Elsässers Magazin "Compact" gefeiert, das der Verfassungsschutz im Raum der extremen Rechten verortet.

Hat Schwarzer hier überhaupt noch Berührungsängste? Dass bei ihrer viel kritisierten Berliner "Friedenskundgebung" im Februar sowohl linke als auch rechte Gruppen teilgenommen haben, fand sie "sogar gut". Unterschiedliche Auffassungen seien in einer pluralistischen Demokratie selbstverständlich. Ohnehin müsse man sich fragen: "Wo fängt ‚rechts‘ an? Und was bedeutet heute noch ‚links‘?"

Diese neue Beliebigkeit überrascht. Schwarzers Magazin "Emma" hatte Maskulisten dafür kritisiert, dass sich ihre "Sprüche auch in bekennend rechten Blättern" fänden. Thomas Gesterkamp wandte sich gegen Männer-Aktivisten in einer Schrift mit dem Titel "Geschlechterkampf von rechts". Dass er jetzt bei einer Publizistin veröffentlicht, die signalisiert, dass ihr die Aufteilung in "links" und "rechts" am Allerwertesten vorbei geht, überrascht. Fast gewinnt man inzwischen den Eindruck, dass manche den Vorwurf, XY sei "rechts", lediglich als rhetorische Technik gegen Andersdenkende verwenden.

Kritisieren darf man Schwarzers aktuelle Offenheit fürs rechte Lager jedoch kaum. Da Schwarzer Feministin ist, wäre Kritik an ihr "antifeministisch". Antifeminismus aber ist bekanntlich "Türöffner für rechtes Gedankengut" und damit tabu.



10. Leider knattert auch die Ukraine zunehmend über die Menschenrechte von Männern hinweg und zwingt viele von ihnen ins Militär:

Inzwischen würden die Beamten auch an Haustüren klopfen oder die Einberufungsunterlagen auf der Straße verteilen. Als die Einberufungspapiere nur an die Meldeadresse geschickt wurden, konnten sich einige Männer der Einberufung entziehen, indem sie sich an anderen Adressen aufhielten. Mit der neuen Regelung sollen Schlupflöcher für Wehrdienstverweigerer geschlossen und die dringend benötigte Verstärkung für die AFU bereitgestellt werden, wie auch die "Kyiv Post" berichtet.

So erzählte ein 46-jähriger Mann namens Oleksii Kruchukov der "Washington Post", dass er nach einer Schlägerei auf der Straße von Polizeibeamten aufgefordert wurde, sich bei einem Rekrutierungsbüro in Kiew zu melden. Er habe wohl keine gültige Ausnahmegenehmigung für das Militär und müsse deshalb bald zur Ausbildung und dann an die Front.




11. Die Münstersche Zeitung hat den Dokumentarfilmer Jan Oechsner zu seinem männerfreundlichen und feminismuskritischen Film "Männer. Frauen. Menschen" interviewt. Ein Auszug:

Wo drückt Ihrer Ansicht nach in der Geschlechterdebatte am meisten der Schuh?

Leider haben wir ja kaum Debatte. Es herrscht ein einseitiges Framing, anstatt die ganze Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Betrifft irgendein Problem speziell Frauen, wird sofort eine Handlungsinitiative formuliert, und politische Forderungen sind schnell bei der Hand. Auf der anderen Seite werden Belange von Männern unsichtbar gemacht oder für unwichtig erklärt. Es wird zudem ein "Schuldkult des Patriarchats" gepflegt, der dazu führt, dass Männer eigentlich gar nicht berechtigt seien, sich zu äußern.

(…) Bei der mittlerweile berühmten Doku "The Red Pill" von 2017 wollte die Regisseurin Cassie Jaye ursprünglich eine feministische Enthüllungs-Story über Männerrechtler drehen. Als sie im Laufe der Dreharbeiten ihre Meinung änderte, zogen sich die Geldgeber zurück.

Sobald es darum geht, beide Seiten der Medaille in den Blick zu nehmen, ist quasi sofort eine "Brandmauer" installiert. Der Film "The Red Pill" ist gut. Es gibt aber auch eine ARD-Produktion namens "Du gehörst mir", die den Mut hat, eine Eltern-Kind-Entfremdung zu zeigen, bei der die Mutter die Täterin ist. Es gibt also Ausnahmen in der medialen Darstellung, immerhin. Ich würde mir wünschen, dass mein eigener Film in zehn Jahren überflüssig sein wird.

(…) Ich habe den Eindruck, dass Versöhnung nicht hoch im Kurs steht. Wir haben viel Dogmatismus und Aggression in der Gesellschaft.

Ja, leider. Wenn ich etwa sehe, dass es eine steuerfinanzierte "Meldestelle Antifeminismus" gibt, wird mir mulmig. Wenn junge Frauen beim Weltfrauentag Schilder hochhalten: "Kill all Men", dann macht mir das Angst. Man bedenke auch, wie viele Steuermittel ausschließlich Frauenverbände bekommen – das sind an die 12 Millionen pro Jahr. Vom Deutschen Frauenbund über das "Weibernetz e.V." bis hin zu "Pro Quote".




12. Je höher der Anteil von Frauen an Universitäten wird, desto mehr geht dort die Meinungsfreiheit zurück. Das fand der Soziologe Professor Samuel Abrams heraus.

Abrams hat diesen Trend anhand der Ergebnisse einer landesweiten Umfrage der Foundation for Individual Rights and Expression (Stiftung für individuelle Rechte und Meinungsäußerung) ermittelt und darauf hingewiesen, dass Wissenschaftlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen eher damit einverstanden sind, missliebige Äußerungen zu unterdrücken und zu bestrafen.

"Einundfünfzig Prozent der Professorinnen gaben an, dass sie sich vorstellen könnten, einen Redner niederzuschreien, um ihn am Sprechen auf dem Campus zu hindern, verglichen mit nur 39 Prozent der Männer", schrieb Abrams in einem Beitrag vom 24. März für das American Enterprise Institute, wo er als Senior Fellow tätig ist. "Bei weißen männlichen Professoren, die ein Diversity-Training ablehnen, ist fast die Hälfte der Professorinnen der Meinung, dass ihre männlichen Kollegen in irgendeiner Form sanktioniert werden sollten. Dreißig Prozent der Professorinnen sind der Meinung, dass [die männlichen] Professoren aus dem Klassenzimmer entfernt werden sollten, bis sie sich fügen. Siebzehn Prozent der Professorinnen sind der Meinung, dass diese männlichen Professoren suspendiert werden sollten, bis sie sich fügen. Zwei Prozent der weiblichen Lehrkräfte glauben sogar, dass ihre weißen männlichen Kollegen entlassen werden sollten.".

Im Vergleich dazu sind nur 26 Prozent der männlichen Lehrkräfte der Meinung, dass die Professoren bestraft werden sollten.

(…) Diese Ergebnisse würden durch die Tatsache unterstrichen, dass Frauen - als Studierende, Lehrkräfte und Verwaltungsangestellte - heute die Mehrheit in der Hochschulbildung ausmachen.

Abrams sagte in seinem Interview mit The College Fix, dass er den Trend nicht aus "persönlichem Interesse am Geschlecht" hervorhebe, sondern vielmehr versuche, "verschiedene Schnittpunkte in der Gesellschaft zu verstehen". Er sagte, dass die jüngsten Wahlergebnisse und andere Daten zeigen, dass jüngere alleinstehende Frauen überwiegend links von der Mitte, progressiv und politisch aktiv sind, während ältere Frauen und verheiratete Frauen eher zentristisch und konservativ sind.

(…) Die landesweite Umfrage unter 1.491 Lehrkräften an vierjährigen Colleges und Universitäten, die 2022 durchgeführt wurde, ergab außerdem, dass deutlich mehr weibliche als männliche Lehrkräfte den Schutz vor Hate Speech befürworten, "selbst wenn dadurch Reden eingeschränkt werden, die nicht hasserfüllt sein sollen. "Gleichzeitig sprachen sich deutlich mehr männliche als weibliche Lehrkräfte für eine Einschränkung der Redefreiheit nur dann aus, wenn die Worte mit Sicherheit zu Gewalt anstiften."

(…) Zu den Reaktionen seiner Kollegen befragt, berichtet Professor Abrams, er sei auf eine beträchtliche Menge an Kritik und Gegenreaktionen gestoßen: "Wenn den Leuten nicht gefällt, was sie sehen, greifen sie sofort an. Die Menge an hasserfüllten Zuschriften, die ich deswegen erhalte, ist unglaublich".

Abrams ist der Meinung, dass die Meinungsfreiheit im Hochschulbereich erhalten werden kann, und schlägt mehrere Methoden zur Wahrung der Meinungsfreiheit vor.

Laut Abrams können die Universitäten einige der zugrundeliegenden Faktoren angehen, wie z. B. das, was er als "ideologisches Signalisieren" oder "ideologische Lackmustests" bezeichnet, "indem sie Einstellungs-, Festanstellungs- oder Beförderungsstipendien im Zusammenhang mit Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration abschaffen."

Abrams sagte, er empfehle auch, dass die Universitäten den Lehrkräften eine obligatorische Einführung in die Meinungsfreiheit geben, ähnlich wie eine obligatorische Einführung in die sexuelle Belästigung, um sicherzustellen, dass die Gelehrten über den ersten Verfassungszusatz informiert sind.

Wenn sich die Trends nicht umkehren, so Abrams, "werden weibliche Lehrkräfte diese geheiligten und kritischen Praktiken weitaus seltener unterstützen als ihre männlichen Kollegen, und die Hochschulbildung wird darunter leiden".




13. Der Youtube-Kanal "Jubilee" hat eine neue Debatte online gestellt: Männliche Feministen diskutieren mit weiblichen Antifeministen zum Thema "Bleiben die Männer in unserer Gesellschaft zurück?" Die Kontroverse fängt knackig damit an, dass sämtliche Frauen, aber keiner der Kerle erkennt, dass Frauen mehr Privilegien als Männer genießen. Einig sind sich sämtliche Teilnehmer darin, dass Männer in unserer Gesellschaft zurückbleiben.



14. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Die "taz" berichtet über die Dunkelfeldstudie "Viktimisierung von Frauen durch häusliche Gewalt, Stalking und sexualisierte Gewalt" in Sachsen. Der Link zur Studie fehlt selbstverständlich, was ich hier gerne ergänze. Die Tatsache, dass natürlich niemand Licht in das Dunkelfeld der Viktimisierung von Männern bringen will passt dabei bestens zu Ihrem neuen Buch. Der Verweis der Autoren in der Einleitung der Studie auf die Istanbul-Konvention dürfte dabei das berühmte Feigenblatt sein.

Die in der Studie berichteten Horrorzahlen, wonach z.B. 30 % der Frauen angaben, schon mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt worden zu sein, erklären sich sehr schnell, wenn man einen Blick in den Methodenteil (S. 15 ff) wirft. Neben den üblichen Verdächtigen Lebenszeitprävalenz und extrem breiter Gewaltdefinition liegt dem Ganzen aufgrund der Art der Rekrutierung der Teilnehmerinnen eine vollkommen verzerrte Stichprobe zu Grunde. Das Wörtchen "repräsentativ" kommt dementsprechend im gesamten Text kein einziges Mal vor. Insgesamt ist dieses Machwerk bestens als Negativbeispiel in einem Seminar über Forschungsmethoden geeignet.

Ich bin immer wieder entsetzt darüber, dass es Leute aus dem Hochschulkontext gibt, die sich für so was hergeben.




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