"Der verschwindende männliche Student"
1. Im Akademiker-Magazin Minding the Campus beschäftigt sich die Sozialpsychologin Rebekah Wanic mit den Schäden, die das Pathologisieren von Männlichkeit anrichtet:
Viele haben über den rasanten Vertrauens- und Ansehensverlust von Hochschulen diskutiert. Die meisten kommen zu dem Schluss, dass es sich um ein selbst verursachtes Problem handelt. Das stimmt: exorbitante Kosten, Aktivismus, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Diskriminierung bei Zulassungen. All das sind Probleme, die aus dem Inneren der Institutionen entstanden sind. Dazu gehört auch die Leitideologie, die Männlichkeit als toxisch betrachtet.
Wie Helen Andrews angemerkt hat, fallen die schädlichen Auswirkungen der woken Weltanschauung mit der zunehmenden Präsenz von Frauen in institutionellen Führungspositionen zusammen. Universitäten waren einst Fabriken des Fortschritts – nicht zu verwechseln mit "progressiv" –, geführt von innovativen Risikobereiten. Heute funktionieren sie eher wie Umerziehungslager, die jeden Anflug von Männlichkeit ausmerzen sollen, indem sie ihn als toxisch brandmarken. Die Feminisierung der Hochschulbildung ist eine ideologische Machtübernahme, die den Eigenschaften des "Alpha-Mannes" den Krieg erklärt hat und dabei intellektuelle Neugier und Exzellenz im Säurebad der Cancel Culture auflöst.
Schauen wir auf die Zahlen, denn sie lügen nicht – selbst wenn Verwaltungsangestellte es tun.
Frauen dominieren inzwischen die Hochschulzulassungen, Graduiertenprogramme und ganze Fachbereiche wie Psychologie, Pädagogik und Geisteswissenschaften. Aktuelle Berichte zeigen zudem, dass auch der Frauenanteil in Hochschulleitungen kontinuierlich gestiegen ist. Gleichzeitig ist der Anteil der Männer auf dem Campus drastisch gesunken. Männer machen heute nur noch etwa 41 bis 44 Prozent der US-Studierenden aus, gegenüber einer gleichmäßigen Verteilung in den 1970er Jahren. Immer weniger Männer schreiben sich an Hochschulen ein, und jene, die es tun, brechen ihr Studium häufiger ab. Diese Entwicklung wird meist gefeiert, und jeder Bereich, in dem Frauen weniger als 50 Prozent ausmachen, gilt oft als Problem, das gelöst werden müsse. "Warum gibt es nicht mehr Universitätspräsidentinnen?", klagen Aktivisten. Stattdessen sollten wir fragen, was mit den fehlenden Männern geschehen ist.
Männer wenden sich anderen Räumen zu, weil sie im Hochschulbereich ständig unter Beschuss stehen. Jedes Semester sitzen männliche Studenten in meinem Büro und berichten frustriert davon, wie Professoren zulassen, dass Kommilitonen sie offen stereotypisieren und herabwürdigen. Sie fühlen sich unwohl, doch die meisten widersprechen dieser Diskriminierung nicht, weil sie riskieren würden, eine Untersuchung nach [dem Gleichstellungsgesetz] Title IX auszulösen. Einer Professorin oder Kommilitonin zu widersprechen birgt die Gefahr, Gefühle zu verletzen und Ziel einer Beschwerde zu werden. Wenn sich eine Frau unwohl fühlt, folgt die Inquisition. Passiert dasselbe einem Mann? Die gefühlsorientierte, anti-männliche Brigade zuckt mit den Schultern: Er wird es wohl verdient haben.
Ironischerweise halten gerade jene Männer dieses Umfeld aus, die Eigenschaften besitzen, die moderne Feministinnen verteufeln: die Fähigkeit, Meinungsverschiedenheiten auszuhalten. Männer tolerieren politische Gegner stärker als Frauen sogar Verbündete tolerieren. Man sollte sich überlegen, was das über die Inklusivität weiblich dominierter Räume aussagt.
Die männlichen Eigenschaften, die derzeit angegriffen werden, sind keine Fehler oder toxischen Merkmale, die in der "Manosphere" kultiviert wurden. Es sind wichtige Bestandteile von Männlichkeit, die Innovation und Erfolg antreiben. Risikobereitschaft, zielgerichtete Hingabe, körperlicher Mut und die Bereitschaft, Spott, Scheitern und körperliche Schäden auszuhalten – all das hat die moderne Welt aufgebaut.
Fortschritt entstand nicht durch "Safe Spaces". Er wurde in testosteronreichen Umfeldern geschmiedet, in denen Scheitern erwartet wurde, Konkurrenz brutal war und Ruhm den Mutigen zufiel. Derselbe Antrieb, der Männer in Gefängnissen und auf Schlachtfeldern überrepräsentiert sein lässt, sorgt auch dafür, dass sie bei Patenten, Start-ups und Nobelpreisen überrepräsentiert sind.
Und dennoch haben Universitäten die vergangenen Jahrzehnte mit einer grotesken Schatzsuche nach "vergessenen Frauen" der Geschichte verbracht. Ganze Lehrpläne wurden umgeschrieben, um obskure Figuren gewaltsam in den Kanon einzufügen oder zu behaupten, erfolgreiche Männer seien in Wirklichkeit Frauen gewesen. Währenddessen werden die Männer, die tatsächlich Fortschritt bewirkten, ausradiert oder zu Schurken reduziert. Uns wird gesagt, wir sollten so tun, als seien einige übersehene Erfinderinnen oder Wissenschaftlerinnen der geheime Motor des Fortschritts gewesen.
Auch wenn Frauen in der Geschichte womöglich nicht die Anerkennung erhalten haben, die ihnen zustand, hilft es niemandem, die Geschichte umzuschreiben und dabei die erstaunlichen Innovationen großer Männer zu ignorieren. Die Realität ist, dass die Geschichte bedeutender Entdeckungen und Innovationen überwiegend männlich geprägt ist. Frühere Diskriminierung zu korrigieren und Mädchen Chancen zu eröffnen ist gut, doch Selbstselektion bedeutet, dass Jungen vermutlich auch künftig einen Großteil der Innovatoren stellen werden – wie schon in der Vergangenheit.
Es gibt keinen sicheren Raum für Männlichkeit im modernen Bildungssystem. Manche argumentieren sogar, dass dies mit ein Grund dafür sei, dass Männer sich religiösen Organisationen zuwenden, wo sie zumindest derzeit noch stolz auf ihr Erbe sein können. In der akademischen Welt dagegen wird eine Generation potenzieller Alphas durch die Indoktrinationsmaschine gedreht und in Betas mit bunten Socken verwandelt, die es nicht wagen, einer Frau die Tür aufzuhalten, aus Angst, als Chauvinisten abgestempelt zu werden.
Das Feminisierungsexperiment ist gescheitert. Statt Geborgenheit hat es eine toxische Kultur der Auslöschung und Stagnation hervorgebracht und Männer vertrieben. Es wird Zeit, den Antrieb und das Unbehagen, die die moderne Welt aufgebaut haben, nicht länger zu pathologisieren, sondern wieder zu belohnen, damit junge Männer zurückkehren und unterstützt werden können – jene Männer, die entscheidend daran beteiligt sein werden, unsere Zukunft aufzubauen.
2. "Mittlerweile ist es peinlich, eine Freundin zu haben" titelt "Die Welt" heute Morgen über einem Artikel zum Thema "Herrischer Feminismus". Der Artikel nimmt Bezug auf den Roman "Fuckgirl", dessen Heldin mit Männern schlafen darf, während das ihrem Mann natürlich verboten ist. Früher galt so was als BDSM-Beziehung, heute wird es Frauen, ideologisch angereichert, als "Utopie" verkauft:
Autorin Jankovska zeichnet die Gedankenwelt einer selbstbewussten Frau nach, die Männer für ihr Lebensglück nicht mehr benötigt. Es ist damit ein getreues Abbild der gegenwärtigen Revolte von jungen Frauen in den sozialen Medien, die dem Mann eine lange Mängelliste in die Hand drücken. Jankovska nennt ihren Roman deshalb eine "Utopie". Wenn ein kaltherziger Rachefeldzug eine Utopie ist, die Liebe auf Augenhöhe verunmöglicht, bitteschön. Aber Fuckgirl ist sicher: "Gleichberechtigung bedeutet, dass zunächst das Minus, das Defizit, in dem Frauen aufwachsen und sozialisiert werden, in einer heterosexuellen Beziehung ausgeglichen wird, bevor wieder Anforderungen an uns gestellt werden."
Deshalb sollen die Männer ihr die Füße küssen, den Rücken massieren, Tee ans Bett bringen und auf dem Schirm haben, wann sie menstruiert. Die Liste ist noch viel länger. Fuckgirl beklagt das unsolidarische Verhalten vieler Frauen, sich zu lange mit dem "baren Minimum" zufriedengegeben zu haben. Dabei könnten sie doch auch wie eine Prinzessin behandelt werden: „Mehr noch als reiche Männer brauchen wir großzügige Männer“, sagt Fuckgirl.
Wir sind da auf Seite 83 und immer noch ist unklar, was Fuckgirl eigentlich bieten kann – außer Larmoyanz und Anspruchsdenken natürlich, das liefert sie en masse. Fuckgirl hat einen Gottkomplex. Unbeugsam und allwissend kommt sie daher. Aber um Frauen mögen zu lernen, sie eben nicht nur zu lieben, muss das wohl auch gelesen werden.
Wenigstens wissen wir jetzt, worauf Feministinnen in der Endstufe hin wollen, um unsere Gesellschaft endlich als gleichberechtigt anzuerkennen. Genderama hat in den letzten Wochen über mehr als genug Journalisten berichtet, die sofort dabei wären, wenn ihnen dadurch ihre Erbsünde, ein Mann zu sein, vergeben wird.
3. Österreichs Standard berichtet über Männer, die darüber sprechen, wie sehr sie unter ihrer Beschneidung leiden, und versuchen, ihre Vorhaut zurückzubekommen. Für den Standard ist das ein "Lifestyle-Trend einer Subkultur", also offenbar so etwas wie das Tragen punkiger Lederjacken. Wodurch wird diese Modewelle denn ausgelöst?
[Betroffene] berichten von verminderter Sensibilität beim Geschlechtsverkehr und damit einhergehend geringerem Lustempfinden. Manche leiden unter ihren Narben, andere treibt der Wunsch nach einem "intakten" Körperbild an. Gefühle von Unvollständigkeit und sexueller Frustration zählen zu den häufigsten Motiven.
(…) Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Beschneidungen erfolgen häufig im Säuglingsalter – ohne Einwilligung. Einige Männer interpretieren das im Nachhinein als Eingriff in ihre körperliche Selbstbestimmung. Die Wiederherstellung der Vorhaut wird für sie zu einem Akt der Selbstermächtigung – und zur Rückgewinnung von Kontrolle über den eigenen Körper. (…) Diese Dynamik folgt bekannten Mustern digitaler Subkulturen: Ein Thema wird algorithmisch verstärkt, Erfahrungsberichte führen zu Nachahmung, aus Einzelnen wird eine Community. Man kennt das aus der Manosphere nur zu gut. (…) Kritiker sehen darin die Gefahr einer Fixierung, bei der körperliche Optimierung als Lösung für tieferliegende Unsicherheiten erscheint.
Irgendwie bezweifle ich, dass man über Frauen ähnlich schreiben würde, die versuchen, mit ihrer Genitalverstümmelung zurecht zu kommen.
4. Die Zeitschrift "Eltern" weist darauf hin, wie sehr Frauen heute noch unterdrückt werden: "Alle haben Hobbys, nur die Mama, die hat keine!" Das sei der sogenannte Gender-Leisure-Gap. Er beruht immerhin auf ermittelbaren Zahlen: "Frauen ab 18 Jahren arbeiteten 2022 im Schnitt fast 46 Stunden pro Woche. Bei Männern waren es 44,5 Stunden." Für diese anderthalb Stunden pro Woche wäre in einer Partnerschaft ein Ausgleich angemessen. Aber wiegt diese Zeitspanne derart schwer, dass Frauen "Raum für eigene Interessen, Freundschaften oder einfach mal Nichtstun" fehlt, was ihrer Gesundheit schade?
5. Unter der Überschrift "Im Patriarchat geht es immer um die Nutzbarmachung anderer" hat die Süddeutsche Zeitung die feministische Medientheoretikerin Sarah Sharma aus Toronto interviewt. Das Gespräch führt zu folgendem Fazit:
Süddeutsche Zeitung: Als Alternative zum Big-Tech-Feminismus schlagen Sie eine "feministische Techno-Logik" vor – was beinhaltet die?
Sarah Sharma: Ich bin nicht Jordan Peterson, ich habe keine zwölf Regeln für ein vermeintlich besseres Leben. Deshalb ist mein Buch auch eher eine Art Freiraum, um die Idee einer feministischen Techno-Logik überhaupt erst einzuführen. Zunächst müssen wir klarstellen: Das hier sind patriarchale Technologien – geprägt von Nutzbarmachung im Haushalt, am Arbeitsplatz, in der normativen Familie, in heterosexuellen Austauschökonomien. Eine feministische Techno-Logik würde genau diese Mechanismen aufbrechen. Sie würde die Verknüpfung von Nutzbarkeit von der Art und Weise lösen, wie wir uns durch Raum bewegen, Zeit erleben, arbeiten und Beziehungen gestalten.
Süddeutsche Zeitung: Sie schreiben, wir Nutzer sollten selbst zu einer "defekten Maschine" werden.
Sarah Sharma: Wir müssen uns fragen, wie wir weniger kompatibel mit dieser patriarchalen Technologie sein und trotzdem in ihr leben können. Denn wir können ja nicht so tun, als stünden wir außerhalb. Die Frage ist also: Wie lässt sich diese Teilhabe so gestalten, dass wir mit dem System nicht reibungslos funktionieren? Es geht darum, die enge Verflechtung von Technologie und Geschlecht ernst zu nehmen. Daraus ergibt sich eine feministische Strategie der Inkompatibilität – die Idee, sich selbst als unvereinbar mit der maschinellen Logik des Patriarchats zu begreifen. Es wäre natürlich angenehm zu sagen: "Befolge diese fünf Regeln und du kannst außerhalb des Systems leben." Aber so funktioniert es nicht. Und dennoch liegt darin auch etwas Hoffnungsvolles. Dieses feministische Denken verlangt eine gewisse List im Umgang mit der Welt – und genau darin kann auch eine Form von Freude liegen. Vielleicht ist Verweigerung sogar interessanter als bloßer Widerstand.
Und da gibt es Leute, die meinen, der Feminismus hätte nichts Konstruktives mehr zu bieten.
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