Montag, Mai 04, 2026

Angriff auf das "Heteropatriarchat": SPD-Nachwuchs will Ehe abschaffen

1.
"Die Ehe dient dem chauvinistischen, kapitalistischen Nationalstaat als Durchsetzungsinstrument frauenfeindlicher, queerfeindlicher, klassistischer und rassistischer Politik", heißt es in einem aktuellen Antrag der Berliner Jusos, über den zuerst die Bild-Zeitung berichtete. Darin plädiert der SPD-Nachwuchs dafür, die Ehe als staatliche Institution mitsamt aller Privilegien und Gesetze ersatzlos zu streichen.

Aus Sicht der Jungsozialisten ist die Zivilehe ein Relikt, das "patriarchische Machtstrukturen" verstärkt und die individuelle Freiheit durch ihren Anspruch auf Dauerhaftigkeit einschränkt. Bei der Berliner SPD findet der Antrag keine Unterstützung. Für eine Realisierung müsste das Grundgesetz geändert werden.


Hier geht es weiter.



2. "Die meisten Männer sind nicht toxisch" stellt Professor Dr. Michael Klein im politischen Magazin CICERO klar. Ein Auszug:

Wenn über Männer gesprochen wird, dann geschieht dies in den Medien fast nur noch in negativer, abwertender Weise und voller Hetze. Die kanadischen Forscher Paul Nathanson und Katherine K. Young (McGill University) haben dies schon seit den 1990er Jahren beobachtet. Sie beschreiben, wie diese Stimmung als Misandrie (die Verunglimpfung und der Hass gegenüber Männern) mehr und mehr gesellschaftsfähig wurde, von bestimmten feministischen Zirkeln proaktiv verbreitet wurde und sich schließlich in den Medien fest etablierte. Es gehört inzwischen in den Leitmedien zum guten Ton, Frauen positiv und als Opfer, Männer negativ und als – zumindest potentielle – Täter darzustellen.

Der Prozess der Entfaltung von Misandrie dauerte Jahrzehnte und ist heute in seiner kritischen Endstufe angekommen, in der Mannsein in weiten Bereichen ein Geschlechtsstereotyp für Toxizität, mangelnde Sensibilität, Gewalttätigkeit und emotionale Zurückgebliebenheit darstellt. Männlichkeit wird automatisch negativiert, obwohl gerade in einer klaren, reflektierten Männlichkeit viele prosoziale Chancen stecken können. Wenn heutzutage Männer pauschal verunglimpft werden, wie in vielen Medien zuletzt anlässlich der Fernandes-Kampagne, ist es Zeit, Misandrie sichtbar zu machen und dagegen einen Standpunkt zu beziehen.


Der Artikel ist in Gänze lesenswert.



3. Das evangelische Magazin "Chrismon" stellt Hartmut Dihm vor, der Männer in Krisen berät. Auch hieraus ein Auszug:

Chrismon: Warum machen Sie das?

Hartmut Dihm: In den letzten zehn Jahren meines Berufslebens war ich Richter am Familiengericht. Als es auf die Pension zuging, erzählte mir eine Anwältin von ihrem Engagement in der Frauenberatung und dass es so ein Angebot für Männer nicht gebe. Sie fragte mich, ob ich mir das vorstellen könnte. Vor circa 20 Jahren war das, und sehr lange war ich in Bayern ziemlich der Einzige.

Chrismon: Welche Eigenschaften sollte Ihr Nachfolger mitbringen?

In dem Fall sollte es tatsächlich ein Mann sein. Die Betroffenen sitzen im gerichtlichen Verfahren meist mehrheitlich oder ausschließlich zwischen Frauen. Vielen fällt es leichter, sich einem Mann anzuvertrauen. Außerdem: Geduld, Kenntnis im Familienrecht, und zuhören sollte man können.

Chrismon: Was berührt Sie?

Wie machtlos manche Väter gegenüber den Müttern sind, die beim Sorgerecht ihre Macht ausspielen – genau wie natürlich umgekehrt viele Männer beim Unterhalt. Aber mich erschüttert immer wieder, wenn Männer berichten, dass sie von ihren Frauen auch körperliche Gewalt erfahren, sich aber nicht wehren, aus Angst, dann ins falsche Licht zu geraten und als Aggressor dazustehen.


~ Offenkundig schließen sich auch CICERO und Chrismon mit solchen Artikeln der Manosphäre an. Schlimm, wie diese monströse Krake immer weiter wächst. ~



4. In Wien schiebt man unerwünschten Äußerungen aus dieser Ecke jetzt einen Riegel vor:

Der Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher Rudolf Taschner hätte anlässlich des 50. Jahrestages seiner Promotion von der Universität Wien mit dem Goldenen Doktordiplom ausgezeichnet werden sollen. Nun wurde die Ehrung jedoch kurzfristig zurückgezogen. (…) Wie der ORF berichtet, verwies [der Vorsitzende des Uni-Senats Stefan] Krammer darauf, dass Taschners wissenschaftliche Verdienste außer Frage stünden, dass er jedoch mit seinen kontroversen Äußerungen wiederholt angeeckt sei.


Einen Wissenschaftler, der mit "kontroversen" Äußerungen "aneckt", kann sich unsere Gesellschaft wirklich nicht leisten. Wenn man solche Menschen nicht ausgrenzt, könnten die Leute sonst noch glauben, sie dürften sagen, was sie für richtig halten.

2012 schrieb Taschner in einer "pädagogisch unkorrekten Notiz" über die Watsche als Gewitter mit "kurzem, reinigendem Schmerz" und stellte diese der seelischen Gewalt gegenüber. Im letzten Jahr sorgte er im Parlament für Diskussionen, als er ein Forschungsprojekt im Bereich Kunst, Gender Studies und Dekolonisation als "verbranntes Geld" bezeichnete.


Zugegeben, das erste ist eine Ansicht aus dem letzten Jahrtausend, die man heute als überholt betrachtet, unter anderem weil körperliche Gewalt von seelischer untrennbar ist. Der zweite Vorwurf ist ominös. Taschner hat sich offenbar dagegen ausgesprochen, ein bestimmtes Forschungsprojekt finanziell zu bezuschussen. Da wüsste man schon gerne, welches Projekt derart sakrosankt ist, dass man das nicht darf. Wo genau wird bei der Freiheit der Wissenschaft die Grenze gezogen, und wer legt das fest?

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti übte scharfe Kritik an der Absage und bezeichnete sie als "im Wissenschaftsbetrieb untragbare ideologische Zensur". Wissenschaft müsse objektiv bleiben und dürfe nicht zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie werden, so Marchetti. Er forderte die Universität Wien auf, "ideologische Scheuklappen" abzulegen.


Andererseits scheint Taschner auf demselben Trip zu sein: Das fragliche Projekt wurde von ihm der Berichterstattung zufolge belegfrei niedergemacht. Er wisse nicht, "ob die Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft stark genug sind", um "scheinbare Wissenschaften" auszusortieren.

Offenbar treffen die aussortierenden "Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft" nun Taschner selbst.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Servus Herr Hoffmann,

im österreichen "Standard" stieß ich die Tage auf diesen Beitrag aus unserer beliebten Kategorie "Mädchen und Frauen sind die besseren Menschen". Falls Sie ihn noch nicht kennen, hier ein paar längere Auszüge:

"Im Verhandlungssaal 201 des Straflandesgerichts Graz herrscht an diesem Donnerstagvormittag dicke Luft. Wortwörtlich, wie auch im übertragenen Sinn. Nur wenige Stühle in dem etwa 50 Quadratmeter großen Raum sind leer, die drei Fenster müssen aufgrund des Straßenlärms geschlossen bleiben – andernfalls könnte die Richterin die kleinlauten Geständnisse der sechs Angeklagten nicht hören: Die sorgfältig zurechtgemachten, schmalen Mädchen, die vor ihr und den Schöffinnen aussagen, geben sich geknickt.

(…) Einige der Beitragstäterinnen – alle Angeklagten waren zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 17 Jahre alt und sollen deshalb anonym bleiben – sagen heute, sie hätten nicht gewollt, dass es derart eskaliere. Eingeschritten sind sie trotzdem nicht. Stattdessen hielten sie die Handykameras drauf, als die beiden Hauptangeklagten das Opfer mit Eisen- und Kunststoffstangen traktierten und demütigten. "Folterartige Misshandlungen", nennt die Staatsanwältin das, mehr als eine Stunde andauernde "Martyrium".

(…) Tags darauf locken sie das Mädchen ins leerstehende Chill-Haus. Dort wartet bereits der Rest der Truppe. In einem ehemaligen Büro nehmen sich die Schwester des Burschen mit dem Herzstillstand und deren beste Freundin das Mädchen mit Eisen- und Kunststoffstangen vor. Über etwa eine Stunde hinweg wird das Opfer geschlagen, getreten, die Spitzen ihrer hüftlangen Haare versengt. Sie demütigen, verhöhnen und bedrohen sie, zwingen sie, Oberteil und BH auszuziehen. Mehrere Mädchen filmen die Tat. Die anderen sitzen im Vorraum und halten Wache – so die Meinung der Staatsanwältin.

Den meisten der Mädchen tut das, was passiert ist, heute leid, sagen sie. Entschuldigt hat sich aber keine bei dem Opfer oder seiner Familie. Überhaupt wollen die meisten heute nichts mehr davon gewusst haben, dass die Tat geplant war.

Die Stunde, in der das Opfer traktiert wird, vertreiben sie sich mit Tik Tok-Clips, Kopfhörer in den Ohren, um die Schmerzens- und Hilfeschreie nicht zu hören. "Ich hätte nie gedacht, dass etwas passieren wird", behauptet eine der Beitragstäterinnen, die sich nur teilschuldig bekennt. "Bei mir war das noch nie so" und meint damit, dass sie, die aus einem Grazer Vorort stammt und ein Gymnasium besucht, üblicherweise nicht mit Gewalttäterinnen verkehre. "Aber alle anderen sagen, es war schon klar, was passieren wird", stellt die Richterin fest. Tränen bei der Angeklagten. "Ich weiß nicht, was mit mir los ist, dass ich nicht geholfen habe.

(…) Vollgepumpt mit Adrenalin laufen die Angeklagten zum nächsten Supermarkt, wo sie sich Getränke kaufen. Dann gehen sie nach Hause. Eine kehrt jedoch zum Tatort zurück, holt Eisenstange und die zerrissene Kleidung des Opfers und versenkt sie in der Mur."


Tja – wenn das jetzt ein paar heranwachsende Jungs gewesen wären…? Hätte die Frau Staatsanwältin dann auch bloß von "folterartigen Misshandlungen" gesprochen? Oder klarere Begriffe gewählt? Hätte man es so en passant stehen lassen, dass keiner der Beteiligten um Entschuldigung bat – oder hätte man das vielmehr als "typisch männlich" bewertet und entsprechend sanktioniert? Zumindest moralisch? Hätte man nicht allgemein ein Rudel Talkshows und mindestens zwei Forderungen pro Tag nach härteren Strafen, Senkung der Strafmündigkeit und irgendwelchen Programmen zur Senkung "toxischer männlicher Aggression" oder Bekämpfung "männlicher Intensivtäter" auf Sendung gehabt? Inklusive der notwendigen Verweise auf "Patriachat", "Manosphere" und natürlich "die allgegenwärtige männliche Gewaltkultur"? Wäre die ganze Tat nicht der endgültige Beweis dafür gewesen, dass alle Jungen "Monster" sind und jeder im Mutterbauch heranwachsende XY-Träger bereits ein "designierter Folterknecht" oder zumindest ein "Quälgeist in spe"?

So aber die – durchaus interessante und erklärungskräftige – Darstellung von Gruppendruck und Unsicherheit, Jungendkultur-Dynamiken, Zugehörigkeitsfragen oder sozialen Problemen. Die Frage nach Ursachen – nicht die reflexhafte Verteilung von Schuld. Es ist wirklich auffallend, dass der breitere Deutungsrahmen des Artikels eher erklärend-suchend als anklagend gehalten ist – und natürlich Mädchengewalt immer noch irgendwie als "Abweichung" oder "Novität" rübergebracht wird denn als "strukturelles Problem". Als "brutaler Ausreißer", als "Milieudelikt" (eine Einordnung, die freilich auch hinterfragt werden müsste). Zumindest hat sich mir dieser Eindruck aufgedrängt. Interessant auch, wie erwähnt (und gerahmt) wird, dass die Mädchen "vollgepumpt mit Adrenalin" herumliefen. Wie das im Falle von Jungen und Männern rübergebracht worden wäre, können sich langjährige Blogleser denken.

Kurzum: Ich würde mir einfach wünschen, dass auch im Falle männlicher Straftäter so analytisch und fast schon ruhig-neutral berichtet würde wie in diesem Fall. Dass es Berichterstattung gäbe – statt der üblichen verdammenden Suaden, moralintriefenden Einordnungen und so empathielosen wie sexistischen Selbstprofilierungen. Aber bevor das geschieht holt der HSV vermutlich erst noch ein paar Mal verlustpunktfrei das Triple.




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