Dienstag, September 10, 2013

Lesermail (einseitige Vergewaltigungsstudie)

Von zwei Genderama-Lesern habe ich heute Mails wegen einer Studie über sexuelle Gewalt in Asien bzw. die Berichterstattung darüber erhalten. In der ersten Mail heißt es:

Auf dieStandard.at wird mal wieder über eine Vergewaltigungsstudie berichtet, die dieses mal aber geradezu bizarr in ihrer Einseitigkeit ist.

Dabei wurde nicht direkt nach Vergewaltigungen gefragt, sondern indrekt mit Fragen wie "Hatten Sie schonmal Sex mit einer Frau, die für eine Zustimmung zu betrunken war?"

Das meiner Meinung nach Absurde daran ist, dass bei der diesen Definitionen für Vergewaltigung ganz unumstritten auch Frauen Vergewaltigerinnen sein können, aber diese Idee offenbar nicht einmal angedacht wird.

Ob es ein Zufall ist, dass so ein Artikel ausgerechnet am Kommentarfreien Dienstag erscheint?


Die zweite Mail bezieht sich auf einen Spiegel-Online-Artikel über diese Untersuchung: "Gewalt-Studie in Asien: Jeder vierte Mann hat seine Partnerin vergewaltigt". Dieser Leser schreibt mir:

Besonders getroffen hat mich dieser Satz: "Außerdem tendieren Männer, die als Kind selbst Opfer sexueller Gewalt wurden, eher dazu, später selbst übergriffig zu werden - ein weiterer Anknüpfungspunkt für Präventionsarbeit"

Ich bin selbst als Kind sexuell missbraucht worden und genau die obige Einstellung hat mir sehr große Probleme gemacht. Ich habe es schon erlebt, dass ein Therapeut mich in ein Aggressionstraining schicken wollte, nachdem er sonst zu dem Thema sehr schweigsam war. Für mich steht fest: Nie wieder Therapie. Der Junge als Opfer ist egal; was zählt, ist der potentielle Täter in der Zukunft. In einer (nicht repräsentativen) Stichprobe wurde einmal ermittelt, dass 0% (!!!) der interviewten Männer therapeutische Behandlung aufsuchen – kein Wunder! Ich kann das echt nicht mehr hören.

Die Definitionen, die in der Studie verwendet wurden, erinnern an die Conflict-Tactic-Scale von Professor Murray Straus et. al. – allerdings nur auf Frauen angewendet. Zudem wird in der deutschen Übersetzung von "Vergewaltigung" gesprochen. Der Begriff wird so in den Definitionen aber gar nicht verwendet. Es werden alle Formen sexueller Gewalt und Nötigungen subsumiert, die – wie wir wissen – durchaus auch eine relevante Zahl von Männern erleben.


Es freut mich, dass immerhin die Leser dieses Blogs gelernt haben, männerfeindliche "Studien" zu hinterfragen. Jetzt müsste dieselbe Kompetenz nur noch in unseren Medien insgesamt entstehen.

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