Mittwoch, Mai 13, 2026

Rente: Väter im Wechselmodell gehen bei Erziehungszeiten leer aus

1. "Viele Eltern teilen sich die Kindererziehung heutzutage gleichberechtigt, egal ob sie noch zusammenleben oder nicht", berichtet Telepolis. "Im Rentenrecht führt das jedoch nicht automatisch dazu, dass die Zeiten auch fair aufgeteilt werden. Ganz im Gegenteil: Sofern sich Mutter und Vater nicht explizit darauf verständigen, wem sie in welchem Umfang zugerechnet werden, erhält sie die Mutter automatisch. Ob sich der Kindesvater intensiv in die Erziehung eingebracht hat, spielt dann keine Rolle mehr. Die Folgen für die Rente sind oft erheblich."



2. Rund zehntausend junge Männer haben trotz eines drohenden Bußgelds nicht auf die Fragebögen zum Wehrdienst reagiert, die ihnen zugeschickt wurden, berichtet Samira El Ouassil auf Spiegel-Online:

Man könnte sagen: Dieses schweigsame Zehntel der Befragten ghostet den Staat. Das Ghosten, also das Verhalten während der modernen Beziehungsanbahnung, bei dem ein Mensch aus dem Leben eines anderen verschwindet, ohne dass eine Erklärung den Vorgang einrahmen würde, führt bei den Ignorierten typischerweise zu einer Mischung aus Verwirrung und ratloser Selbstbefragung. Weil das Schweigen, anders als die formulierte Absage, keinerlei Anhaltspunkt zur Bewältigung liefert.

In dieser Lage findet sich nun die Bundesrepublik wieder, als verlassene Werbende, die vergeblich auf jenes Lebenszeichen wartet, das ihre Existenz als kommunikatives Gegenüber überhaupt erst bestätigen würde. (…) Ein Staat, der geghostet wird, erfährt eine unbequeme Wahrheit, die keine formelle Absage hätte artikulieren können: dass man als Adressat im Leben dieser Menschen niemals wirklich anwesend gewesen war.


Es fällt immer wieder auf, wenn Medien, die das Geschlecht sonst ständig betonen, es außen vor lassen, wenn es ihnen nicht in den Kram passt. Es war im Leben all dieser MÄNNER, in dem der Staat als Adressat niemals existiert hat.



3. "Es wird jeder Mist gegendert", schreibt mir ein Leser, der mich auf einen taz-Artikel mit der Überschrift "Kein Sorgerecht für gewalttätige Väter" aufmerksam macht. "Aber hier schreiben Sie nicht von gewalttätigen Eltern oder nennen Mütter und Väter, sondern explizit und nur die Väter. Ausdruck des selbstverständlichen Männerhasses."

Zu diesem Vorstoß von Justizministerin Hubig (SPD), die das Recht eines Kindes auf Kontakt zu beiden Eltern nach einer Trennung einschränken möchte, wenn es vorher zu Gewalt (auch "wirtschaftliche Gewalt") kam, gibt es Kritik:

So mahnt die Familienanwältin Eva Becker, Vorsitzende des Ausschusses Familienrecht im Deutschen Anwaltverein, zu Augenmaß. "Natürlich gibt es grauenhafte Fälle, in denen ein schwer gewalttätiger Elternteil über den Umgang mit dem Kind weiterhin Macht über das Opfer ausübt und es beständig weiter triggert. In solchen Fällen muss ein Umgang selbstverständlich ausgesetzt werden können", sagt Becker. Diese Fälle seien aber glücklicherweise relativ selten.

"Wegen dieser Fälle sollte nicht pauschal für alle anderen jede Art von Gewalt gegen einen Elternteil generell zum Ausschlusskriterium für den Umgang mit dem Kind werden. Das greift im Sinne des Kindeswohls viel zu weit", sagte Becker WELT. Sie warnt zudem vor Missbrauch. "Immer wenn Menschen die Möglichkeit gegeben wird, strategische, taktische Erklärungen vorzubringen, um Kontaktrechte zu reduzieren, dann werden die genutzt."

Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" mahnt in seinem Positionspapier "Gewalt und Umgangsrecht" zu einer sorgfältigen Prüfung in jedem Einzelfall. "Dabei soll das Kind weder der Gefahr eines wiederholten Gewalterlebens ausgesetzt werden noch der Gefahr eines Beziehungsabbruchs aufgrund falscher Vorwürfe allein durch Zeitablauf."




4. Viel wird über die angeblich so große "Mental Load" von Frauen gesprochen. Mirna Funk fragt: Was ist eigentlich mit der "Financial Load" des männlichen Hauptverdieners in einer Partnerschaft? Ein Auszug aus ihrem Artikel:

Der "Financial Load" zum Beispiel hat keinen Begriff. Und das ist kein Zufall. Er hat keinen, weil er historisch mit Männern verbunden war. Und was Männer tun, braucht keine Sprache – es ist Pflicht. Pflicht wird nicht kartografiert, nicht beklagt, nicht mit Infografiken illustriert. Sie wird einfach erfüllt. Oder nicht erfüllt – und dann schweigt man darüber, weil Männer das eben so machen.

(…) Das Problem ist die Konsequenz: Denn würde man den Financial Load benennen, müsste man ihn auch anerkennen. Wer ihn anerkennt, kann nicht mehr so leicht behaupten, dass derjenige, der ihn trägt, keine Nachteile erlebt. Keine Belastung erfährt. Und das passt nicht in eine Erzählung, die die Last auf einer Seite monopolisiert hat.

Dabei ist der Financial Load real, messbar und macht etwas mit Menschen. Es sind all die Gedanken, die einen morgens wecken: Wenn ich heute nicht funktioniere, gibt es kein Backup. Die Erkenntnis, dass das eigene Leben aufgehört hat, einem alleine zu gehören. Dass man nicht mehr einfach krank sein kann, einen schlechten Monat haben, eine Entscheidung treffen darf, ohne dass sofort andere dafür bezahlen. Das ist keine abstrakte Bürde. Das ist ein permanenter Bewusstseinszustand, der sich in den Körper einschreibt.

Männer sterben in Deutschland im Durchschnitt sieben Jahre früher als Frauen. Die Suizidrate unter Männern liegt laut Statistischem Bundesamt bei 17,9 pro 100.000 Einwohnern, bei Frauen liegt sie bei 6,6. Über 70 Prozent aller Suizide in Deutschland werden von Männern begangen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit chronischem Stress stehen, betreffen Männer signifikant häufiger. Das sind keine Zufälle. Das sind die somatischen Konsequenzen finanzieller Verantwortung.




5. "Die Diagnose toxische Männlichkeit greift zu kurz" erklärt der Soziologe Alexander Yendell vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. "Das Problem ist nicht Männlichkeit, sondern eine narzisstische Dynamik aus Dominanz, Abwertung und Angst – an der auch Frauen mitwirken."

Ein Mann inszeniert sich als unerschütterlich, zeigt keine Schwäche und macht Gegner verächtlich. Stärke wird zur Härte, Kontrolle zur Tugend. Oft gehört auch eine demonstrative Sexualität dazu – viele Frauen, viel Inszenierung von Potenz und Überlegenheit, wie bei Donald Trump. Oder als aggressive Form von Männlichkeit, die Härte und die Abwertung von Schwäche betont, wie bei Wladimir Putin.

Aber das ist nur ein Teil des Bildes. Denn diese Dynamik beschränkt sich nicht auf Männer. Fälle wie Ghislaine Maxwell oder Beate Zschäpe zeigen, dass auch Frauen solche Muster tragen und weitergeben. Auch politisch zeigt sich das, etwa bei Giorgia Meloni oder Alice Weidel.

(…) Wer das Problem nur bei Männern sucht, greift zu kurz. Was es braucht, ist etwas anderes: ein gemeinsames Aufbegehren gegen Narzissmus, Autoritarismus und Dominanz – unabhängig vom Geschlecht.




6. Unter der Schlagzeile "Sind sie am Ende einfach zu faul?" berichtet die Frankfurter Allgemeine über den Bildungsrückstand männlicher Schüler. Dieselbe Schlagzeile würde sich verbieten, wenn es darum geht, dass Frauen etwa im höheren Management unterrepräsentiert sind. Der Artikel selbst ist besser als das sexistische Clickbait in der Überschrift:

Der wachsende Vorsprung der Mädchen ist hier in allen untersuchten Subgruppen sichtbar, unabhängig von Schulformen, Bildungsniveau der Eltern und elterlichem Berufsstatus. Mädchen erreichen heute nicht nur bessere Schulabschlüsse als Jungen, auch ihre Berufsziele sind inzwischen deutlich ambitionierter. Aber woran liegt das alles?

Zur Erklärung wird angebracht, dass Jungs entweder aus biologischen Gründen benachteiligt sind, gegen die die Schule machtlos sei, oder sie gelten einfach als zu faul und uneinsichtig für den Wert von Bildung, aber nicht benachteiligt im Sinne einer Verhinderung ihrer Ambitionen durch äußere Widerstände. Jungen zeigten erheblich häufiger Krankheitsbilder und Störungen wie ADHS, die nicht gerade als "lernförderlich" gelten. Festgestellt wurde aber auch, dass Jungs schon im Kindergarten benachteiligt würden, sie blieben "underachiever", weil man von Anfang an weniger von ihnen erwarte und sie insofern eben doch diskriminiert würden. Jungs müssten darum in der Schule mehr leisten, um dieselbe Note zu bekommen wie die Mädchen.


Über all diese Dinge schreiben Männerrechtler seit Jahrzehnten, ohne dass sich etwas ändert. Dass die Verantwortlichen hier die Hände in den Schoß legen, fällt auch der Frankfurter Allgemeinen auf:

Das sind alles bedenkenswerte Befunde, aber trotzdem wirkt die Forschung – das ifo-Institut sei hier ausdrücklich ausgenommen — insgesamt eher lustlos und ohne viel Empathie für diese inzwischen längst schon "alten Verlierer" des deutschen Bildungssystems. Aus dem Fach heißt es, dass sie immerhin als Teil der Forschung zu den Nachteilen von Schülern mit Migrationshintergrund mitbedacht würden, schließlich konzentrierten sich diese gerade bei muslimischen Jungen. Und natürlich forsche man lieber zu weiblichen Bildungsgewinnern als männlichen Verlierern.

(…) Es ist rührend, wenn man dann zum Schluss kommt, dass Eltern "gerade auch ihren Söhnen" mehrmals wöchentlich vorlesen sollten. Auch das weiß man seit mehr als hundert Jahren. Zielführender dürften da pädagogische Programme sein wie die Förderung von solchen Kompetenzen wie der Selbstregulation im Unterricht. Wo dies nicht gelänge, wie eben bei Jungen, steht aber eigentlich die heutige Präferenz für Selbststudium und Gruppenarbeit in Verdacht, den Jungen nicht gerecht zu werden.




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