Mittwoch, Juli 15, 2015

Legalisierte Genitalverstümmelung bringt Ärzte in Gewissenskonflikte

Wie Stephan Hermsen für die WAZ berichtet, stürzt die auf den Druck von religiösen Gemeinschaften legalisierte Genitalverstümmelung ("Beschneidung") bei Jungen viele Ärzte immer noch in ein Dilemma:

Das Essener Elisabeth-Krankenhaus hat beschlossen: Wir machen keine Beschneidungen mehr. Immerhin drei Viertel der Eltern, so schätzt der Leiter der Kinderchirurgie, Dr. Peter Liedgens, bringt er zum Nachdenken, ein Viertel verzichtet nach der Aufklärung bereits auf den Eingriff, schätzt er. Die Folge: Kamen im ersten Quartal 2014 noch 70 Jungen unters Messer so waren es in den ersten drei Monaten diesen Jahres nur elf. Und bei denen war die OP medizinisch geboten. Die Position der Klinik wird von Juristen gestützt: Jede Operation, die nicht medizinisch notwendig ist, bedeutet einen Verstoß gegen das grundgesetzlich garantierte Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Auf der anderen juristischen Waagschale liegen das Recht auf freie Religionsausübung und das Recht der Eltern, über die Erziehung ihres Kindes entscheiden zu können. Eine Situation, die niedergelassene Kinder- und Jugendärzte fast täglich vor ein Dilemma stellt. Mehr oder weniger offen fragen muslimische Eltern, wo sie ihren Sohn beschneiden lassen sollen. Gibt der Kinderarzt keinen Tipp, so der langjährige Obmann der Essener Kinder- und Jugendärzte, Dr. Engelbert Kölker, lautet die Antwort: "Dann müssen wir ja doch zum Bekannten in den Hinterhof gehen."

Genau dort haben Kinder- und Jugendchirurgen in den vergangenen Jahrzehnten die Operationen herausgeholt – um die Risiken zu reduzieren. Ein niedergelassener Kinderchirurg erklärt: "Besser ich mache es unter optimaler Betreuung mit eigenem Anästhesisten und mit optimaler Nachsorge als dass ich nachher die verstümmelten Penisse reparieren muss, die jemand auf dem Küchentisch verpfuscht hat."


Hier findet man den vollständigen Artikel.

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